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Full text of "Geschichtsquellen des Bisthums Münster."

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^  DIB 

GESCHICHTSQUELLEN 

DES 

BISTHÜMS  MÜNSTER. 


HEEAüSGEaEBEN 

yoN 

FREUNDEN  DER  VATERLÄNDISCHEN  GESCHICHTE. 


SECHSTER  BAND: 

KERSSENBROCHS  WIEDERTlDFEROESCHICHTE 

ZWEITE  HÄLFTE. 


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MÜNSTER. 

DRÜCK  UND  VERLAG  DER  THEISSING'SCHEN  BUCHHANDLUNG. 


18  9  9. 


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HERMANNI  A  KERSSENBROCH 


ANABAPTI8TICI  FUR0RI8 

HOMSTERIDH  IlVCLITiH 
WESTPHALIIE  METROPOLIH  ETERTENTIS 

mSTOmCA  NARRATIO. 


IM  AUFTEAGE  DES  YEREINS  FÜB  VATER- 
LÄNDISCHE GESCHICHTE  UND  ALTEETÜMSKUNDE 

HEBAÜS6EGEBEN 
YON 

DR.  H.  DETMER 


ZWEITB  HÄLFTS. 


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MÜNSTER 

DRUCK  UND  VERLAG  DER  THEMSmCTSCHEN  BUCHHANDLUNG. 


18  9  9. 


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rUi.LlC   LiDIlARY 

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y-^'v  n.  Lr-Nox  and 

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Porro  nbi  senatns  per  hanc  transactionem  in  omnes  urbis 
paroeciales  ecclesias  ins  designandi  concionatores  assecntns  fn- 
isset,  bis  illnd  legibns  commnniri  volnit,  qnamm  epigraphe 
haec  est: 

^Snccinctnm  mnnicipalinni  legnm  excerptnm  earnm  rernm, 
qnae  ad  senatns  Monasteriensis  anctoritatem  pertinent^. 
Cnm  onmis  in  timore  Domini  vivendi  ratio  ex  verbo  Dei 
proflnat,  qnod  per  pios  concionatores  popnlo  annnnciatnr,  necesse 
itaqne  est  ad  conservandam  christianam  rempnblicam,  nt  fideles 
et  pii  concionatores  constitnantnr,  qni  (nt  Panlns  inqnit)'  ido- 
nei  sint,  nt  alios  qnoqne  doceant  et  recte  sermonem  veritatis 
dispensent.  Homm  antem  tot  snnt  eligendi,  qnot  pro  reipnblicae 
amplitndine  snfßciant  Singnlis  itaqne  parochiis  dno  praefici- 
entnr,  qni  modo  seqnenti  ordinabnntnr. 

Primnm  singnlae  paroeciae  dnos  vires  pietate  et  doctrina 
praecellentes  designabnnt,  qnos  ad  concionandi  mnnns  ntiles  esse 
indicaverint.  Deinde  ex  toto  paroecianomm  nnmero  qnatnor  eli- 
gentnr,  qni  designatos  istos  ecclesiastas  ad  examinatores  a  se- 
natn,  tribimis  ac  mechanicomm  praefectis  constitntos  addncant. 
Hinc  examinatores  perdivini  nnminis  invocationem  *delectos  et«p.  350. 
ad  se  addnctos,  nt  scriptnra  habet,  diligenter  probabnnt  et,  si 
ad  ministerinm  verbi   idonei  fnerint,  ipsos  ad  popnlnm,  a  qno 


')  Ein  deutsches  Original  ist  bis  jetzt  nicht  nachweisbar.  Nur  dnrch 
Kerss.  sind  nns  diese  ^Grandzüge  der  eyangelischen  KirchenTerfassung  der 
Stadt  Münster^  erhalten.  Einen  Abdruck  derselben  giebt  CA.  Cornelius: 
M.  A.  n.  8.  317  £f.,  eine  Charakteristik  derselben  ebendas.  8.  147  £f.  Mit 
Recht  macht  er  aber  M.  G.-Q.  II.  EinL  S.  53  Anm.  darauf  aufinerksam, 
dafs  diese  Bekanntmachung  erst  von  dem  neuen  Rate  erlassen  wurde,  dessen 
Wahl  am  3.  M&rz  Kerss.  chronologisch  ungenau  erst  weiter  unten  berichtet. 

«)  2  Tim.  2,  2. 


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386     ^  Anno  1533  acta. 

electi  snnt,  redncent  ibiqne  in  conspectn  omniam  paroecianonun 
ipsis  officii  sni  admonitis  ovicolas  Christi  fideliter  committenty 
snbditos  qnoque,  qua  benevolentia  et  benignitate  erga  ipsos  af- 
fecti  esse  debeant,  commemorabnnt.  Tandem  hanc  conciona- 
tornm  vocationem  publica  ad  Denm  facta  deprecatione  confir- 
mabnnt,  qni  hoc  susceptnm  ministerinm  in  aagmentnm  gloriae 
snae  et  commonem  omnimn  salntem  fortnnare  dignetor. 

Concionatores  itaque  sie  ordinati  circa  dispensationem  yerbi 
et  sacramentorum  nee  non  in  aliis  ecclesiasticis  functionibns 
certas  formas  ac  ceremonias  sacris  literis  conformes  cnm  senatns, 
tribnnorum  ac  mechanicomm  praefectomm  consensn  et  anctori- 
täte  constituent  constitutasqne  inyiolate  servabnnt. 

Praeterea  cnm  plnrimum  reipublicae  intersit,  nt  inyentns 
bene  educetnr  et  quotidianis  virtatam  incrementis  exercitata  ad 
pnblicae  societatis  gnbernacola  adolescat,  senatns  virnm  probom, 
pinm  et  doctum  scholae  pnblicae  praeficiet,  qni  cnm  examina- 
toribns  consilio  commnnicato  ea,  qnae  ad  scholasticam  discipli- 
nam  necessaria  et  ntilia  esse  yidebnntnr,  senatn  anctore  coa- 
stitnet  ^ 

Ad  haec  dno  a  senatn  pnblico  stipendio  conducti  sacras 
literas  et  veteris  et  novi  testamenti  legent  et  interpretabnntnr, 
cni  rei  locus  commodus  designabitnr.  In  singulis  paroeciis  gazo- 
philacia  erigentnr  diaconique  eligentnr,  qni  diebns  dominicis 
collectas  sub  concione  pecnnias  aliasqne  pensiones  ratione  trans- 
actionis  inter  principem  et  senatum  initae'  piis  usibns  desti- 
natas  vera  panpertate  afflictis  erogent. 

Senatus  duos  vires  solertes,  duos  qnoque  tribuni,  et  toti- 
dem  mechanicomm  magistri  constituent,  qni  per  totam  urbem 
publicomm  mendicomm  euram  gereutes  accurate  de  eomm  pa- 
tria,  de  parentibus  et  educatione,  de  yitae  innocentia,  de  cor- 
•p.  351.  poris  imbe*cillitate,  quibusque  exercitiis  sint  occupati,  inquirent, 
ut  eleemosynis  digni  certis  notis  insigniti  alantur,  indigni  vero 
ac  ignoti  ad  suos  relegentur.  Nam  impudentibus  saepe  mendicis 
male  erogantur  eleemosjnae. 

^)  Von  der  Errichtung  einer  evangelischen  Schale  erzählt  Kerss. 
gleich  weiter  unten.  Darüber  aber,  dafs  eine  Schulordnung  wirklich  aus- 
gearbeitet wurde,  fehlt  jede  Nachricht. 

«)  Vgl.  Bd.  1  S.  376  Artikel  7  des  Vertrages. 


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Aimo  1533  acta.  387 

Praeter  hos  senatus,  tribuni  et  mechanicomm  praefeeti  sex 
censores,  vires  graves  atqne  conspicua  yirtute  illnstres,  designa- 
bnjit,  qni  controversias  in  matrimonüs  passim  ezortas  diebus 
Satuini  in  loco  commodo  disentient  ac  diriment  Qnae  nisi 
matnre  componantor,  plnrimnm  incommodi  in  rempnblicam  im- 
portare  solent. 

Porro  quomodo  qnisque  se  in  sna  fanctione  geret,  ex  iosto 
plebiscitornm  yolnmine  cognoscetnr.  Haec  vero  breviter  anno- 
tata  sunt,  nt  ea,  qnae  ad  christianae  reipnblicae  formam  perti- 
nent,  coepisse  yideamur. 

Cnm  antem  dispensatores  verbi,  qni  popnlnm  per  doctri- 
nam  Dei  ad  christianae  vitae  societatem  pertrahent,  in  sna  fanc- 
tione confirmati  fnerint,  dnbinm  non  erit,  qnin  mniti  pertinaces 
et  praefracti  hondnes  fntnri  sint,  qni  yerbo  Dei  non  parentes 
puram  ac  christianam  vitam  difBcillüne  amplectentnr.  Tales 
itaqne  ad  christianae  vitae  pnritatem  conservandam  instis  legi- 
bus et  gladii  animadversione  coercendi  snnt.  Qnare^  in  blas- 
pbemos  et  manifeste  delinqnentes  legitimae  poenae  constitnentnr, 
qidbns  in  praefractomm  terrorem  et  bonomm  tntelam  a  senatn 
afficientnr. 

Principio  omnes  manifeste  impii  et  in  Denm  blasphemi 
christiano  anathemate  ferientnr,  qno  in  malitia  sna  obstinati  et 
post  secnndam  ant  tertiam  admonitionem  non  resipiscentes  per 
ministros  verbi  excommnnicabnntnr  atqne  ita  a  christianomm 
coetn  pnblico  segregabnntnr,  nt,  qni  christiani  esse  velint,  nihil 
commercii  et  consnetndinis  cnm  illis  habeant.  Si  vero  illnd  non 
profnerit,  sed  in  sna  malitia  pertinacins  (qnod  Dens  avertat) 
perseveraverint  pravoqne  sno  vivendi  exemplo  rempnblicam  oflfen- 
derint,  a  senatn  semel  atqne  itemm  admonebnntnr;  qnae  ad- 
naonitio  si  fmctnm  pepererit  nnllnm,  pro  ratione  facti  dignas 
poenas  Inant.  *His  antem  flagitiis,  qnae  inre  civili  pnninntnr,  *p.  852. 
nt  latrociniis,  fnrtis,  proditionibns  et  similibns,  novas  leges  et 
poenas  constitnere  non  est  operaeprecinm ;  sed  iis,  qnae  (pro 
dolor)  dintnma  consnetndine  in  magnam  bonomm  hominnm 
offensionem  levia  visa  snnt  neqne  hactenns  pnnita,  leges  et 
poenas  irrogare  necessarinm  est,  qnalia  snnt  vana  et  temeraria 
inramenta,    execrationes,    dirae   imprecationes,   blasphemiae   in 

1* 


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388  Anno  1533  acta. 

Denm,  dienun  festorom  per  inntiles  et  Bon  necessarios  labores 
profanationes,  verbi  Dei  andiendi  pervicax  neglectas,  concionum 
sacranim  per  tibias  ac  tympana  aliosye  motns  contarbatio,  übe- 
romm  ingratitndo,  qui  parentibus  suis  infamiam  irrogant,  adol- 
terimn,  fomicatio,  stnpram,  lenocininm,  ebrietas,  inntilis  et 
snmptaosa  per  loxum  aleamve  profasio,  falsnin  testimonimn, 
obtrectatio  ac  famae  alterins  denigratio,  nsura.  Haec  flagitia  1^- 
timis  poenis  coercere  ad  conservationem  reipnblicae  oon  solam 
utile,  sed  et  necessarinm  esse  indicamiis.  Beliqna,  qnae  hnc 
pertinent,  ad  integmm  plebiscitomm  scriptum  codicem  trans- 
feremns,  qnae  sacris  literis  iareqne  civili  confirmata  et  a  senatn, 
tribnnis,  mechanicomm  magistris  ac  tota  Monasteriensi  republica 
comprobata  tjpisqne  excusa  nniverso  orbi,  omniiun  homimun 
iudicüs  offeremns.  Äd  quam  rem  feliciter  conficiendam  prae- 
sidimn  Dei  optimi  mazimi  imploravimns^^ 


*)  Die  in  Aussicht  gestellte  Eirchenordnung  ist,  wie  es  scheint,  nicht 
mehr  erhalten.    Doch  wnrde  sie  von  Bothmann  wirklich  yerfafst  (vgl.  die 
von  G.  A.  Cornelius:  M.  A.  n.  S.  150  Anm.  aus  dem  im  Stadtarchiv  M. 
befindlichen  Registnim  der  Gmtherren  abgedruckte  Notiz)  und  seitens  der 
Stadt  am  17.  April   dem  Landgrafen   znr  Begatachtang   übersandt.    Im 
Schreiben  (Orig.  im  St.-A.  Marburg)  meldet  der  Rat:  ». . .  dat  wy  . . .  eyne 
ordennnge  dorch  unse  predicanten  myt  bekantnisse  erer  lere  hebn  verfathen 
laten."    Der  Rat  überschickt  sie  durch  seinen  Diener  Franz  von  Werne  und 
bittet  den  Landgrafen,  sie  durch  seine  R&te  und  Gelehrten  durchsehen  zu 
lassen,  „to  corrigeren,   dar  an  und  äff  to  setten,   dem  hilligen  eyangeüo 
und  godtlichen  schrifften  gemeefs.**    Zur  Sache  vgl.  auch  C.  A.  Cornelius 
a.  a.  0.  II.  S.  148  f.    A.  Corvin:  Acta  etc.  Bl.  B  1  meldet,  die  Marburger 
Theologen  h&tten   „in  sachen,   den  tauff  und  abentmal  belangen,   keinen 
genügen  gehabt  und  gcprechen  gefunden''  und  hätten  die  Schrift  zur  wei- 
teren Erklärung  nach  Münster  zurückgesandt.  Auf  abennals  unbefriedigende 
Antwort  Rothmann^s  hin   habe   dann  der  Landgraf  Fabricius  und  Lening 
nach  Münster  geschickt.   S.  weiter  unten.   Erwähnt  wird  das  Gutachten  der 
Marburger  Theologen   und  die  von  Rothmann,   Roll  und  Staprade  darauf 
erlassene  Erklärung  in  den  Dispntationsakten  vom  August  1533  (Ztschr.  20 
[1859]  S.  155  u.  158  f.  und  H.  Hamelmann:  De  paedobaptismo  Bl.  C5 
n.  D  1).   lieber  die  letzte  Erklärung  der  Prädikanten  erfahren  wir  aus  dem 
„Bericht  von  der  gottseligen  anstellung  . . .  durch  die  Prediger  zu  SttaÜB- 
bürg."    Vgl.  P.  Bahlmann:  BibL  1534  Nr.  1.  —  Die  „Tuchtordeninge'' 
findet  sich  in  einem  Originaldruck  in  der  Königl.  Paulinischen  Bibliothek 
zu  Münster  (s.  P.  Bahlmann:  BibL  1533  Nr.  2).    Sie  ist  abgedruckt  bei 


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Anno  1533  acta.  389 

Plebs  et  concionatores  snperioribns  concordiae  pactis  plus 
licentiae,    quam   nnqnam   speraverant,    consecuti  eam   perpetuo 
dnrataram  confidentes  plus  solito  insolescunt.    Pontificem  iam 
cum  rasa  sna  cohorte  debellatnm  esse,   tjrannidem   papisticam 
comiisse,    evangelicam  vero   libertatem  a  gravi  seryitntis  iago 
per  Bothmannum  ereptam  sibiqne  restitntam  et  concordiae  legi- 
bus confirmatam,   erromm  iam  caligines  vera  lace   illostratas 
passim  clamitant.    Et  cum  Toto  sibi  omnia   snccessisse  pntent, 
in  gratiam  evangelii  et  papae  contemptnm  matna  inter  se  con- 
Yivia  agitant,   epnlantar,  commessantnr,  potitant,  sed  nnnqnam 
sine  Bothmanni,   licentiae  auctoris,    praesentia,   quem  tanquam 
propitium  aliquod  numen  omnibus  suis  convivüs  adesse  volunt  \ 
quem   suspiciunt,   quem  admirantur,  *quem  venerantur,    quem^p.  8&3. 
nova  Yoce  superintendentem  appellant ',  quem  primo  mensae  loco 
dignantor,  a  cuius  ore  omnes  pendent,  quo  loquente  tacent  omnes, 
quo  tacente  verecundia  est  quenquam   loqui,    unde  ipse  in  ma- 
gnam  ernditionis  et  sapientiae  opinionem  apud  imperitum  vulgus 
se  insinuat.    Hinc  adeo  sibi  placet,  adeo  fastu  turget,   ut  prae 
se  omnes  doctos  contemnat.   Tandem  quoque  plebeio  favori  tri- 
buit,  ut  iam  stabiles  in  urbe  sedes  promittere  sibi  audeat.    Et 
cum  nihil  tandem  ad  suaviter  vivcndum  praeter  thalami  con- 
sortem  deesse  sibi  eiistimaret,  relictam  loannis  Vigerii  19.  Pe- 


C.  A.  Cornelias  a.  a.  0.  II.  S.  320  ff.  Von  Bürgermeistern  und  Bat,  Older- 
nnd  Meisterleuten  erlassen,  „enthält  sie  doch  für  die  meisten  wichtigen  Ver- 
gehen noch  kein  bestimmtes  Strafinafs  und  überlfifst  es  späterer  Anord- 
nung, die  Befugnisse  der  Zachtherren  abzugrenzen  und  die  Art  ihres  Yer- 
fahrens  zu  bestimmen  . . ."  (s.  C.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  II.  S.  152). 

')  Yergl.  dazu  die  lebhafte  Schilderung  in  dem  niederdeutschen 
Schmähgedicht:  „Der  Mönsterschen  Ketzer  Bichtboeck"  (s.  P.  Bahlmann: 
Bibl.  1535  Nr.  32).  Ein  Teil  der  hierauf  bezüglichen  Verse  ist  abgedruckt 
bei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  IL  S.  170f.  In  A.  Corvin's  „Acta  etc.* 
heifst  es  Bl.  A  4^:  «Doch  hat  sich  der  liebe  Rothman  imer  wie  das  kotzlein 
schmücken  und  schön  machen  woUen,  gab  sich  als  ein  Engel  des  Hechtes 
Tor  dem  gemeinen  pöffel  fein  dar." 

*)  Der  Titel  eines  Superintendenten  für  Bothmann  —  Kerss.  wieder- 
holt diese  Bezeichnung  sehr  bald  weiter  unten  noch  einmal  —  kann  akten- 
mäTsig  nicht  belegt  werden.  Yergl.  übrigens  die  Bemerkungen  von  C.  A» 
Cornelius:  M.  A.  IL  S.  149  Amn. 


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390  Anno  1533  acta. 

19.  Febr.  bmaril  nxorem  dncit,  cni  snperstite  etiam  marito  evangelicnm 
spiritum  et  amorem  infddisse  dicitnrK 

Fnit  antem  loannes  Vigerins  syndicns  civitatis ,  vir  mire 
facundus,  qui,  cnm  oblectationis  et  animi  reficiendi  causa  cnm 
nxore  et  qnos  illa  ferebat  (erat  enim  mnlier  admodmn  procax) 
in  fündnm  snbnrbannm  stagnantibns  aqois,  fragrantibus  herbis 
et  pomiferis  arboribns  amoenissimnm  se  pedes  recepisset  et  so- 
lito  hilarior  esset,  ibi  forte  ex  zelotypia,  nt  snspicio  erat»  subita 
apoplexia  correptns  omninm  fere  membrorom  viribus  destitutus 
est  ac  baiulorum  opera  in  urbem  rediit.  übi  vero  membra  efS- 
cacibus  pharmacis  refocülata  stuporem  primmn  excussissent  et 
aliquantum  pristini  vigoris  recepissent,  ex  consilio  quomndam 
mediconun  thermas  Embdenses  cum  coniuge  adiit  Venun  uxor 
sui  magis,  quam  mariti  curam  agebat;  ideo  relictmn  solum 
aquis   thermarom   soffocatum  postea  reperit^    Haec  itaque  re- 


')  Bei  Job.  Fabricius  Bolandus:  Motus  Monast  Bl.  £5^  heilst  es: 

,Non  ego  flagitLum  loquar  exitiale  nefandae 

Coniugis,  hei,  quod  ab  hoc  vir  miser  arte  tulit; 

Goniugis  arte  tulit  Stjgia  sibi  propter  opertos 
Concabitns  avidi  crimen  adulterii/ 
Tgl.  auch  Herrn.  Hamelmann  S.  1200.  Dessen  Quelle  sind  weiter  die 
yOollectanea  locorum  communium  ex  lectionibns  D.  PhiL  Melanchthonis, 
tum  ex  aliorum  doctissimorum  virorum  relationibus  excerpta"  des  Joh. 
Manlius  (Budissinae  1565)  S.  483  f.,  die  aber  den  Namen  des  Yigerius 
nicht  nennen.  Dort  wird  nur  ein  „bonus  homo,  ibidem  (seil.  Monasterü) 
scriba  senatus,  paMa  lipsensis,  favens  eTangelio''  angeführt. 

*)  Job.  Manlius  a.a.O.  berichtet,  dafs  die  Frau  ihren  Gatten 
vergiftet  habe.  Es  heifst  dort:  „Hie  (sc.  scriba  senatus)  habebat  coniugem 
mirabilem,  quae  coepit  insanire  amore  Rothmanni,  quapropter  et  vinim 
▼eneno  interemit;  postea  Rothmanus  duxit  eam  .,,"  Schon  L.  v.  Ranke: 
Deutsche  GescK  Bd.  8  Buch  6  Kap.  9  weist  darauf  hin,  daTs  in  der  „Po- 
stilla  Melanchthoniana*'  des  Chr.  Pezelius  (excerpiert  von  G.Th.  Strobel: 
Yon  Melanchthon^B  Verdiensten  um  die  hl.  Schrift  [Altdorf  u.  Nürnberg  1773} 
S.  93,  vollstftndig  gedruckt  im  „Corpus  Reformatorum"  Bd.  24  [Braunschw. 
1856],  s.  unsere  Stelle  S.  410)  sich  eine  noch  h&rtere  Version  derselben 
Geschichte  findet.  Rothmann  wird  dort  geradezu  der  Beihülfe  am  Gift- 
morde beschuldigt.  Die  Worte  lauten:  „. ..  habebat  (sc.  scriba  senatus) 
coniugem  mirabilem,  cuius  amore  Rothmannus  coepit  insanire,  et  confessus 
amorem  adiuvit  consilia  mulieris,  ut  marito  daret  yenenum. 
Quo  mortuo  Rotman  eam  duxit ** 


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Anno  1533  acta.  391 

Tersa  post  pancos  dies  Inctnm  deposuit  et  Sothmanno   napsit. 
Ad  qnas   nuptias   certatim  ab  evangeUcis   accnrritnr,   certatim 
mnneia  mittontnr,  certatim  potatnr,  matrimoniam  cleri  commen- 
datoT,  pontifez  interim  nüseris  modis  absens  verbomm  scnticis 
flagellatur.    Nnlla   convivia  nnllaqne   symposia  ab  evangelicis 
constitnnntnr,  in  qnibns  pontifici  vibices  non  infligantnr.   Habet 
nunc  Bothmannns,  qnod  iam  din  yenando  affectavit,   habet  fa- 
▼orem  plebis,  habet  apnd  snos  anctoritatem,  habet  imperinm  in 
sex  parochialia  templa  et  concionatores,  habet  clemm  et  senatum 
metuentem,  habet  nomen  emditionis  *et  prndentiae,  habet,  unde^p.  354. 
moUiter  et  delicate  vivat.    Qnid  plnribus  opus  est?    Habet  et 
nxorem,   magnnm  ad  felicem  eyangelicam  vitam  praesidinm  et 
adinmentom.    Acriter  iam,  imo  strenue  magis  qnam  commode 
sanm  negotimn  promovet.    In  onmibns   fere  concionibns   pro 
evangelii  snccessn,   pro  incolnmitate  et  salnte  Lantgravii  pre- 
catnr,  cnins  ope  concordia  ciTÜis  sit  revocata  et  verbnm  Dei  ab 
intemecione  conservatnm.    Senatos  etiam  urgente  plebe,  ut  pro 
reddita  pace  gratiam  aliquam  referret,  duos  argenteos  et  deau- 
latos  crateres  satis  capaces  singularique  artificum  industria  cae- 
latos  et  florenis  aliquot  fartos,  duos  quoque  eximia  nigredine  ac 
generositate  conspicuos  equos  phalerisque  exomatos  nomine  civi- 
tatis 12.  Februarii  Lantgravio  per  duos  ministros  dono  mittit^, 
quibus  singulis  sex  florenos  et  amictum  muneris  loco  retribuit. 
Interea  plebs  multorum  profecto,  ut  vere  dicitur,  capitum 
belua,  ubi  adversus  clemm  verecundia  recentis  foederis  retante 
nihil  änderet,  ne  nihil   ageret,   cum  suo   magistratu  dissidere 
coepit,  quem  non  tam  civibus,  quam  clero  favere   somniat  cer- 
toque  sibi  persuadet.    Proinde  papisticum  hunc  senatum  amo- 
Tendum,  evangelicum  vero  substituendum  esse  per  urbem  mus- 
sitat  eoque  tandem  rem  perducit,  ut  comitia  novi  senatus  creandi 
gratia  ante  tempus  antiquitus  receptum  *  habita  sint.  Die  itaque 

')  Das  Begleitschreiben  der  Stadt  bei  Uebersendang  der  zwei  schwär- 
len  Hengste  ist  vielmehr  erst  vom  10.  Mftrz  datiert  (Orig.  im  St-A.  Mar- 
burg). Aach  dem  Hersog  Ernst  von  Lüneburg  wollte  sich  die  Stadt  dankbar 
eneigen  durch  Geschenkgebnng  eines  Hengstes.  Yergl.  den  Brief  JoK 
T.  d.  Wie«k's  an  den  Hersog  vom  2.  Aprü,  abgedr.  bei  CA.  Cornelias: 
M.  A.  IL  8.  d&Of.  —  <)  Die  Batswahl  fiel  vielmehr  gerade  aaf  den  da- 
mals noch  üblichen  Termin,  aaf  den  ersten  Montag  der  Fastenxeit 


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392  Anno  1533  acta. 

8.  lOn.  Lnnae  post  festnm  Matthiae,  qnae  foit  o.  Martii,  amotifl  viris 
gravibus  et  anctoritate  pollentibns,  per  Henricnm  Mollenhecke  % 
clanstrarinm,  loannem  thom  Brincke,  alntarinm,  Lncam  Grnter^ 
pileopaenm,  Hnpertnm  Baescher,  fabmm  ferrariom,  Bemardnm 
Enipperdollingk,  Henricnm  Swedartho,  Nicolanm  Stripen,  panni- 
cidam,  Bemardnm  Olandorp,  sarclnatorem,  Lndgemm  tho  Binge^ 
pictorem,  Gerardnm  Pmessen,  coriarinm,  snffi-agatores  in  con- 
clavi  senatorio  haec  capita  reipnblicae  designantnr:  Caspar  Schro- 
derken,  loannes  Langermann,  Hermannns  Tylbeck,  patricins, 
*p.  855.  Caspar  Indefelt,  Petrns  Freise,  Petms  Mensinck,  loannes  Daren- 
^trianns,  sntornm  praefectns,  Antonius  Onldenarm,  Gerardos 
Kibbenbrock,  mercator,  Botgems  Hnlshorst,  institor,  loannes 
Windemoller,  institor,  loannes  Gmter  alias  Flascamp,  bntyropola» 
Lnbbertns  Lentinck,  ichtjopola,  Michael  Nordinck,  pellio,  Gos- 
winus  Ayerhagen,  Gerardns  Tnnneken,  bntyropola,  loannes  Palck, 
faber  ferrarins,  Henricns  Fridach,  Henricns  lonas,  filins  Antonii, 
loannes  Ossenbeck,  coriarins,  loannes  Basterdt,  Christianns  Wor- 
deman,  bntjropola  extraneus,  qni  intra  annnm  Wildeshnsia  habi- 
tatnm  hnc  venerat,  Eberardns  Glandorp,  sarcinator,  atqne  Hen- 
ricns Boede,  anrifaber;  ex  qnomm  nnmero  postridie  Hermannas 
Tjlbeck  et  Caspar  ludefelt  consnles  de  more  creantnr.  In  hac 
noyi  senatns  electione  omnes  senatores  snperioris  anni  sunt  amoti 
praeter  Tylbecken,  Indefeldnm,  Schroderkennm  et  Langerman- 
nnm^  Tribnni  plebis  Henricns  Modersonne  atqne  Henricns 
Bedeker  faere. 

Qnalis  hie  fderit  senatns,  mnltornm  flagitiomm  intempe- 
stiva  indnlgentia,  quam  sera  secnta  est  poenitentia,  satis  edocnit. 


')  Mit  sämtlichen  folgenden  Namen  stimmt  das  im  Stadtarchiv  M. 
befindliche,  ans  dem  17.  Jahrh.  stammende  Yerzeichms  der  Münsterschen 
Batsheiren  nnd  Eorgenotcn  (abgedruckt  bei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  IL 
8.  311)  überein.  Nur  lautet  hier  für  Pruefs  der  Vorname  Johann,  wäh- 
rend er  bei  Eerss.  Gerhard  heifst. 

')  lieber  die  Zusanmiensetzung  des  neu  gewählten  Rates  s.  C.  A. 
Cornelius:  M.  A.  U.  S.  141  f.  Vgl.  auch  v.  d.  Wieck^s  Schreiben  an  den 
hessischen  Kanzler  Johann  Feigk  vom  15.  Novemb.  1&33,  in  dem  es  heifst 
(G.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  II.  S.  363):  „dan  die  rat  wer  fast  aus  den 
gUden  und  der  gemeinheit  in  der  verleddenen  fasten  gekoren  nach  alle 
ixen  willen.* 


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Anno  1533  acta.  393 

Ante  annos  aliqnot  viri  cordati  rempnblicam  Monasteriensem 
gabernabant,  qnales  fnernnt  ex  patriciis  Joannes  de  Tynnen, 
Eberwinos  Stereninck,  Eberwinus  Droste,  Henricus  Droelshagen, 
Bertoldas  Travehnan,  Albertus  Clevorn,  ex  plebeis  loannes  Bo- 
landt,  Theodoricus  Munsterman,  Wilbrandns  Plonies,  Hermannus 
Heerde,  loannes  Herdinck,  magister  Theodoricus  Grolle  et  pleri- 
que  alii  eximia  canicie  et  multorum  annorum  experientia  veno* 
randi,  quorum  temporibus  tranquillitas  erat  in  urbe.  Quibus 
non  osores  cleri  successissent  sceptraque  urbis  tenuissent!  His 
'Conniyentibus  plebs  primum  clerum  persequebatur  et  vilipen- 
debat,  deinde  suum  ipsius  magistratum. 

Sub  hoc  igitur  magistratu  plebs  pristinae  factioni  addicta 
respirare  coepit  seque  iam  effecturam  confidit,  quod  diu  secum 
▼olvisset  atque  affectasset.  Nulla  enim  fere  dies  praeteriit,  in 
-qna  non  sit  aliquid  factis  dignum  a  flagitiosis  commissum.  Pri- 
mum ergo  17.  Martii  in  singulis  templis  paroecianorum  suffira- n.  mn. 
güs  concionatores  Bothmanni  auctoritate  interposita  desig^nantur,  *p.  856. 
homines  venerei,  lascivi,  intemperantes,  leves  et  yotifragi  errones, 
^qui  iugum  regulae  suae  contumaciter  excusserant,  qui  eruditio- 
nis  et  eloquentiae  vice  audacia  et  garrulitate  poUebant,  qui  IIa- 
gitia  quantumyis  enormia  sola  fide  expiata  pro  nihilo  ducebant, 
qui  evangelicam  libertatem  in  licentiam  et  impunitatem  verte- 
bant,  qui  denique  nihil  bonum,  nihil  pium  censebant,  quod  a 
€uae  doctrinae  licentia  abhorrebat.  A  sua  doctrina  pendentes 
«vangelicos  et  christianos  fratres  sororesque,  templum  vero  do- 
minicum  religionis  ergo  ingredientes  pertinaces  papistas  et  im- 
pios  appellabant  variisque  calumniis  contra  transactionis  leges 
eos  passim  proscindebant.  In  initio  tarnen  singulari  quodam 
«anctimoniae  et  pietatis  fuco  multos  ad  se  alliciunt  allectosque 
in  horrendes  et  ineluctabiles  errores  paulatim  praecipitant  \ 

Monasterienses  cum   pristinam  minorum  civitatum   fidem 
«ibi  suspectam  esse  putarent,   eas  novandi   foederis   gratia  ad 


^)  Schon  die  Zachtordnang  Bl.  B2^  (bei  C.  A.  Cornelias  a.  a.  0. 
II.  S.  327)  aber  spricht  aus:  ^wo  leider  oick  alreide  vernommen  wert,  dat 
hir  nnde  dar  gesprenget  nnde  genichtich  sy,  wer  men  al  hir  tho  Monster 
ghesinnet,  dat  Pawestdom  dermaten  gantz  tho  verwoesten  . . .,  dat  her  wed- 
denimme  nicht  gndes  and  ghebrneclikes  vor  tho  nemen  onde  in  de  stede 
«ntorichten  bedacht  worde." 


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394  Anno  1533  acta. 

so.  um.  diem  20.  Martii,  quae  fait  feria  qninta  post  dominicain  Ocnli, 
convocant  locnmqne  conventni  tabemam  qnandam  meiitoriam 
inter  Monasterinm  et  Goesfeldiam  designant,  quam  ab  incerta 
appellationis  origine  thor  Wort  nnncnpant.  Qno  Monasterienses 
non  tarn  pisces,  qnam  diversi  generis  cames  et  vina  secnm  de- 
fernnt.  Religio  enim  ipsis  fuit  avitae  ecclesiae  ezemplo  diemm 
ac  ciborom  discrimen  facere,  cnm  non  libertatis  evangelicae,  sed 
angnsti,  imo  snperstitiosi  et  minus  sibi  confidentis  animi  iudi- 
cinm  esse  indicent  certis  diebns  ab  esn  caminm  sibi  temperare. 
Malont  itaqne  praeceptoris  sui  calcaribns  concitati  lasciviae  cam- 
pos  peragrare,  qnam  orthodozomm  patnim  frenis  inter  septa 
continentiae  coerceri.  Huc  nbi  convenissent  et  Joannes  Wjckins  \ 
doctor  ac  syndicns,  qni  com  Hermanne  Tylbecke,  consnle,  aliis- 
qne  a  senatn  viris  legatione  fnngebatnr,  totins  reipnbUcae  Mona- 
steriensis  nomine  oppidomm  legatos  salntasset  iisqne,  qnod  secnm 
agendi  copiam  fecerint»  gratias  egisset  simnlqne  omnia  tranqnilla 
in  angmentnm  snamm  remmpublicarum  precatus  foisset,  sie 
orditnr': 

*p.  857.  ^„Ita  praesentis  temporis  et  vitae  cnrsns  incertis  pericnlis 

atqne  eventis  involvitur,  ita  hominum  doli  ac  frandnlentae  machi- 
nationes  efflorescnnt,  ita  malignitates  qnomndam  effervescnnt^ 
nt  praetextu  amicitiae,  favoris  et  benevolentiae  civitates  hmus 
dioecesis  omnes  snblatis  libertatibns,  immnnitatibns^  privilegüs, 
moribns  antiquis  atqne  salntari  proposito  praepedito  eversas  esse 
cnpiant.  His  antem  malis  maiores  nostri  commnni  inter  civi- 
tates  firmato  foedere'  occnrremnt.  Qnod  si  tam  sancte  tamqne 
religiöse  ab  oppidis  foederis  consortibns,  qnam  ab  repnblica 
Monasteriensi  servatnm  faisset,  mnltis  incommodis,  molestiis  et 
oppressionibns,  qnibns  oppidomm  inra  hactenus  convnlsa  sunt» 
iamdndnm  via  faisset  praeclnsa.    Cnm  vero  civitas   Monasteri- 


')  Dieser  war  nach  14tägiger  Abwesenheit  im  Haag  am  12.  M&rs 
wieder  nach  Münster  zurückgekehrt  Vgl.  das  Schreiben  y.  d.  Wieck^s  vom 
28.  M&rz  an  den  Bat  von  Bremen,  abgedruckt  im  ^Bremischen  Jahrbuch* 
2.  Serie  Bd.  I  (Bremen  1885)  S.  140  f. 

^)  Diese  Verhandlungen  der  Stftdte  sind  nur  durch  Kerss.  bekannt» 
Zur  Sache  vgl.  G.  A.  Cornelius:  M.  A.  II.  S.  176 if. 

')  üeber  frühere  Bündnisse  unter  den  Städten  des  Stiftes  vgl.  Bd.  1 
S.  294  Anm.  1. 


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Anno  1533  acta.  •  395 

ensis  foedns  iUnd  yiolatnin  esse  animadyerteret,  praetermittere 
non  potnit,  quin  de  cnlpa  rapti  foederis  alüsqae  rebas  eodem 
peitinentibüs  cnm  oppidis  serio  agat.  Legati  oppidoram  scinnt 
nrbem  Monasteriensem  fidei  et  reUgionis  causa  rarias  molestias 
et  afiOictiones  hoc  anno  pertnlisse.  Et  quanqnam  senatns,  tri- 
bnni,  mechanicomm  praefecti  totaqne  adeo  respablica  in  bis 
angnstiis  et  afflictionibas  consflinm,  anxüinm  opemqae  ab  op- 
pidis confoederatis  flagitaret,  nihil  tarnen  praesidii  aut  propn- 
gnationis  impetrare  potait.  Ad  externa  itaqne  electomm,  prin- 
dpmn,  comitnm  et  ciyitatmn  praesidia  confngiendum  erat,  qnomm 
pacifico  interventn,  maxime  tarnen  illnstris  Hessonim  principis 
anctoritate  et  snaso,  cni  a  principibus,  comitibas,  nobilibns  ac 
nrbibns  christiani  et  Smalcaldici  foederis  transigendae  pacan- 
daeqne  rei  negotinm  serio  datnm  est,  omnis  controversia  inter- 
eepta  est  et  attestantibns  monomentis  pnblicis  etiam  a  Coesfel- 
diensibns  ac  Warendorpensibns  aliomm  oppidomm  nondne  si- 
gnatis  feliciter  per  Dei  gratiam  sopita  est.  Male  antem  habet 
consnles  senatnmqne  ac  totam  rempnblicam,  quod  in  tarn  pia, 
christiana  et  iusta  causa  consilio,  ope  omnique  humano  praesidio 
saepe  implorato  sint  destituti.  Neque  hoc  in  excusationem  ad- 
ferri  potest^  quod  in  foedere,  quo  civitates  mutuo  sunt  devinctae, 
papa,  ecclesia,  rex  Bomanus  ac  princeps  noster  excipiantur  \  vel 
quod  satrapae  ac  praefecti  principis  foederi  servando  intercesse- 
rint,  quasi  Monasterienses  "^re  ex  utraque  parte  non  audita  neque  *p.  868, 
iure  discussa  deserendi  sint  aut  oppida  a  yerecundia  servandi 
foederis  eo  modo  deterreri  debuerint.  Huiusmodi  enim  excep- 
tiones  in  causa  religionis  et  fidei  locum  non  habent,  cum  ea  res 
secundum  naturam  suam  ad  generalis  concilii  decretum  perti- 
neat.  Itaque  Monasterienses  praesidii  inopes  contra  vim  atque 
iniuriam  etiam  in  causa  fidei  et  religionis  usque  ad  concilii  de- 
cisionem  a  reliquis  oppidis  defendendi  erant.  Quod  autem  op- 
pida se  a  Monasteriensi  republica  distrahi  passa  sint,  sibi  non 
parum  incommodi   hinc  accidere  posse.     Se  enim  eo  felicitatis 


')  Das  drückt  der  WorÜant  des  Bondesyertrages  der  Münsterschen 
St&dte  vom  5.  September  1447  deutlich  ans.  Vgl.  J.  Niesert:  Ü.-S.  m. 
8.  74.  Dieser  Vertrag  wurde  bei  den  spftteren  Erneuerungen  der  Stftdte- 
bündnisse  stets  zu  Grunde  gelegt. 


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396  •  Anno  1533  acta. 

nondnm  devenisse,  nt  auzilio,  defensione  aut  propngnatione  in- 
terdnm  non  egeant.  Senatus  qnidem  ac  tota  civitas  Monasteri- 
ensis  foederis  religione  mota  semper  oppidorom  commodnm  et 
emolnmentum  libenter  qnaesivit  ac,  nt  eornm  libertates,  privi- 
legia,  inra,  immnnitates  omniaqne,  qnae  ad  pacem  conservandam 
pertinere  visa  snnt,  non  solnm  conservarentnr,  yernm  etiam  saln- 
taribns  incrementis  angerentnr,  singnlari  stndio  egit.  Vemm 
cnm  ab  oppidis  foederis  fides  violata,  Monasterienses  a  benefici- 
omm  obügatione  inre  solntos  esse  pactorum  ratio  saaderet.  Nam 
qnemadmodnm  commodA  et  laeta,  ita  qnoqne  incommoda  et  tri- 
stia  inter  socios  einsdem  foederis  commnnia  esse  debent.  At 
cnm  antiqnitns  receptnm  sit  foedera  et  pacis  pacta  interdnm 
renovari  ac  pro  temporis  rernmqne  ratione  et  contrahentinm 
arbitrio  mntari  posse,  proinde  ntrinqne  expedire  pntatnr,  nt  alia 
pactionnm  ratio  et  forma  pro  praesentis  temporis  habitn  ineatnr 
describatnrqne.  Ideo  oppida  hnc  snnt  convocata,  nt  ea,  qnae  ad 
hanc  rem  conficiendam  necessaria  esse  videbnntnr,  inter  se  con- 
ferant  et,  si  fides  pactomm  firma  sit,  sive  ea  mntentnr  sive 
contractins  explicatinsve  pro  temporis  rernmqne  ratione  conci- 
piantnr.  Senatns  totaqne  respnblica  Monasteriensis  dissimnlata 
snperiori  violatione,  ne  tarnen  simile  qnicqnam  in  postemm  de- 
signetnr,  novo  foederi  sese  committet  et,  si  opns  sit,  oppidis 
praesidinm  non  negabit.  Ita  enim  fiet,  nt  civitas  Monasteriensis 
reliqnaqne  oppida  omnia  foedere  non  solnto  pro  nna  dioecesis 
parte  sen  statn  habeatnr.  Qnid  homm  factnri  sint>  secnm  de- 
"p.  359.  liberent  et  ^Monasterii  propemodnm  respondeant." 

Ad  haec  legati  oppidomm:  Sibi  longa  consnltatione  opns 
non  esse;  se  enim  iampridem  responsnm  deliberatnm  habnisse. 
Primnm  itaqne  respondent  se  pacta  antiqnitns  inter  nrbes  inita 
non  mpisse,  sed  civitatis  Monasteriensis  cnlpa  dissolnta  esse, 
cnm  contra  pontificem,  contra  ecclesiam,  contra  imperatorinm 
edictnm  et  contra  patriae  principem,  qni  in  tabnlis  foederis  si- 
gnatis  sint  excepti,  nova  mnlta  inconsnlte  invexerit.  Mnlto  magis 
igitnr  oppidis  qnerendi  cansam  de  violato  per  Monasterienses 
foedere  datam  esse,  sicnt  et  anno  snperiori  30.  Octobris  respon- 
snm sit  ^   Deinde  se  in  praeindicinm  principis  aliommqne  dioe- 


>)  Vgl.  das  Schreiben  der  westlichen  St&dte  Bd.  1  S.  293  ff. 

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Anno  1533  acta.  397 

cesis  ordinnm  sen  statanm  sine  eormn  consensn  et  anctoritate, 
qnomm  maxime  interest,  pristinnm  foedns  neqae  mntatnros  neque 
in  qnalibet  sni  parte  amplificatnros. 

Hoc  oppidorom  responsnm  legati  Monasteriensimn  indigne 
tnlenmt,  cum  a  sententia  soae  metropolis  dissentire  auderent. 
Sed  nt  sine  contentione  conventos  ille  dissolvatnr,  obtmditar 
Ulis  a  legatis  penitins  secnm  deliberandi  pmdentiusqQe  respon- 
dendi  tempns^ 

Eine  21.  Martii  post  longmn  institinm  et  dintomam  iuris-  ai.  h&r. 
dictionis  intennissionem  signator  cnriae  episcopalis,  qai  absentis 
indicis  vicem  explere  consaevit,  tribnnal  controvertentibas  itermn 
apemit   cansasqne   motibns  civilibus   interceptas  et  aUqnandin 
snspensas  ins  cniqne  dictams  resnmit. 

Warendorpenses  etiam  hac  tempestate  in  religionis  negotio 
dissentire  manifeste  incipiunt ',  cnm  Eberardns  Steinmannns '  ac 
Hermannus  Begewardns  ^  eadem  dominica  Laetare,  qnae  fnit  23. 
Martii,  contraria  pene  concionarentnr,  nnde  magna  civium  con-  ss.  M&n. 
tentio  ezorta  est.  Steinmannns  enim,  antiqnae  aedis  sacellanns, 
antiqna,  Begewardns  vero,  novi  templi  pastor,  nova  publice  do- 
cuit.  Nam  ille  panem  a  sacerdote  rite  ordinato  ^consecratum«p.  860. 
verum  corpus  et  sanguinem  Christi  esse  et  mauere,  etiamsi  in 
receptaculis  lapideis  triginta  aut  centum  annos  conclusum  con- 


')  YgL  dazu  B.  Bökel  and:  Gesch.  d.  Stadt  Coesfeld  (Coesf.  1839) 
8.  93.  y.  d.  Wieck  schreibt  bereits  in  dem  schon  oben  S.  394  Anm.  1  er- 
wähnten Briefe  Yom  23.  Mars  an  den  Rat  von  Bremen:  «...  und  sin  zo 
darnach  auch  de  ander  stedde  des  stichts  Monster  verscreven  gewest,  und 
da  ist  auch  wedder  mede  verdragen  und  yereiniget." 

')  Aufser  den  gleich  anzuführenden  Akten  scheint  Kerss.  im  Fol- 
genden auch  eine  uns  jetzt  unbekannte  Warendorfer  Chronik  benutzt  zu 
haben.  Darauf  weist  seine  Ausführlichkeit  in  der  Schilderung  hin,  sowie 
seine  genaue  Datumsangabe,  die  in  den  Akten  fehlt 

')  Die  richtige  Namensform  ist  Steymann,  wie  er  sich  eigenhändig 
unterschreibt 

*)  Sein  Geständnis  vom  3.  Dezember  1534,  erhalten  im  St-A.  M., 
abgedruckt  bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  25  ff.,  ber&hrt  die  Vorgänge  in 
Warendorf  nicht  Er  kam  am  17.  Februar  1534  nach  Munster  und  war  im 
Herbst  desselben  Jahres  einer  unter  der  Zahl  der  acht  nach  Coesfeld  aus- 
gesandten wiedertäuferischen  Apostel,  die  mit  dem  Tode  bestraft  wurden. 
8.  weiter  unten  zum  Jahre  1534. 


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398  Anno  1533  acta. 

servetnr,  idemqne  a  sacerdotibüs  pro  ecclesia  in  altari  quotidie 
offerri,  ad  haec  auricnlarem  confessionem  homini  ad  salntis  ne- 
gotium necessariam  esse,  seqne  id  ostensumm  in  sequenti  con- 
cione  dixit.  Hie  vero  e  diverse  a  Bothmanno  edoctas,  cum  quo 
coUosionem  et  consnetadinem  habnit  (nt  mnltae  literae  ntrinque 
missae  testantnr'),  de  coena  dominica  sie  docuit:  Christiani  coe- 
nam  dominicam  celebratnri  seenndnm  Christi  institntom  ac  Pauli 
praeceptum  illud  facere  debent.  Et  quicunque  coenam  illam 
dominicam  ita  usurpaverint,  iUis  fiet  corpus  et  sanguis  Christi 
in  remissionem  peccatorum.  Si  vero  ita  non  usurpaverint^  manet, 
sicut  et  ante  fuit»  panis.  „Neque  ferendum  est,^  inquit,  ,,ut  in 
lapideis  aureisve  receptaculis  conclusus  adoretur,  cum  solus  Dens 
Sit  adorandus.  Praeterea  cum  Christus  semel  semetipsum  in 
ara  crucis  pro  peccatis  hominum  in  se  credentium  Deo  Patri 
obtulit,  neque  ullum  aliud  sacrificium  apud  Deum  Patrem  un- 
quam  proderit'." 

Haec  cum  ad  senatum  referrentur,  senatus  utrumque  con- 
«.  April,  cionatorem  8.  AprUis  concionum  suarum  rationem  exacturus  in 
curiam  vocat^  Civilis  enim  concordiae  dissolutionem  futuram 
metuit,  si  pugnantem  doctrinam  intra  sua  moenia  patiatur. 
Confessionem  ergo  fidei  suae  ab  utroque  ibi  praesente  scriptam 
exigit.     Ad  quae  Steinmannus:   fidem  suam  a  concionibus  suis 


'j  Nicht  mehr  nachweisbar.  —  ')  Vgl.  die  damit  übereinstimmenden 
Berichte  des  Kaplans  Steymann  vom  5.  Mai  und  des  Archidiaconus  Herrn,  v. 
Dungelen  vom  24.  Mai  an  den  Bischof;  beide  im  Orig.  im  St.-A.  M.  Ersterer 
ist  teilweise,  letzterer  vollständig  abgedruckt  bei  J.  Nieser t:  U.-B.  I^ 
8.  207  ff.  Ganz  deutlich  zeigt  sich  in  den  Aeufserungen  Regewarf  s  die  An- 
lehnung an  die  von  den  Münsterschen  Predikanten  in  ihrer  „Epitome  quo- 
rundam  abusuum''  (s.  Bd.  1  S.  180  ff.)  niedergelegten  Anschauungen. 

^)  Wie  auch  Steymann  in  seinem  Berichte  angiebt,  doch  ohne  Datum. 
Die  ungedruckte  Stelle  lautet:  „. . .  hebbn  sick  burgermcister  und  raidt 
sampt  gemeynheit  i.  f.  g.  Stadt  Warendorp  genanten  pastor  und  mj  ge- 
lyckmetych  vor  ennen  upt  raidthuyfs  erforderen  laten  und  uns  voergehulden, 
wu  se  berichtet  werden,  dat  wy  dat  wordt  Godts  ungelyck  predicken  und 
voemhemen,  dar  se  und  ere  arme  unwettende  ingesetten  verfuyrt  und  thom 
unchristlicken  geloven  kommen  mochten,  und  uns  ermaynth,  wy  em  uth 
solchen  erryngen  redden  wolden;  dan  nichdemyn  dat  eyn  ider  van  uns 
syne  predicatien  des  sacramentz  halven  eyns  ideren  bekantnysse  und  vor- 
nemens  schrifftlick  overgeven  und  entdecken  willo  . .  .^ 


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Anno  1533  acta.  399 

non  esse  alienam,  et  qoae  in  concione  pnblica  dixerit,  se,  si  opus 
8it>  coram  qnibnsconque  doctis  defensuram  respondet  *.  At  cnm 
senatas  eins  rei  scriptum  posceret  ezemplum,  se  illud  10.  Aprilis  lo.  Apru. 
datarnm  pollicetar.  Qao  etiam  die  fidem  ezsolvit^  Similiter 
Begewardns  doctrinam  snam  se  defensuram  recepit  et  continao 
confessionem  snae  doctrinae  scriptam  senatui  obtulit^  Senatos 
utriosqae  scriptum  altias  ezaminat,  sed  cam  favor  ad  Begewar- 
dnm  inclinaret,  confessionem  Steimnanni  ob^scnram  esse,  nee  eam^p.  361. 
se  intelligere  simnlavit.  Proinde  15.  Aprilis  eins  ezplicandae  i5.  Apru. 
gratia  ad  curiam  revocatur.  Die  se  ventamm  esse  negat.  Qnare 
octo  yiri  a  senatn  mittnntnr,  qni  ezplicationem  ab  illo  extor- 
queant  qnibusqne  scriptnrae  locis  sna  comprobaret.  Et  hoc  se 
factaram  negat;  se  enim  senatns  Warendorpensis  imperio  non 
snbiectom,  se  coram  doctis  snoqae  magistratn,  non  coram  lite- 
rarom  imperitis,  nee  ab  adrersarii  doctrina  pendentibns  causam 
snam  actnrum.  Cum  vero  senatus  nihil  certi  a  Steinmanno  con- 
sequi  posset,  legationem  consilii  capiendi  causa  ad  concionatores 
Monasteriensium  aliarumque  urbium  mittit.  Qui  cum  Begewar- 
dum  bene  concionatum  esse  responderent,  certatim  eins  doctri- 
nam cives  amplectuntur,  certatim  in  templis  Germanicos  psal- 
mos  cantillant.  lubetur  itaque  Steinmannus  silere  ^.  Regewardus 
vero  concionatorum  iudicio  fretus  nee  non  favore  senatorio  et 
populari  tutus  maiori,  quam  hactenus,  parrisia  utitur  nee  quic- 
quam  iam,  quod  a  doctrina  praeceptoris  sui  Bothmanni  alienum 
Sit,  docet.  Erpo  autem  Hollandus^  civis,  imo  Senator  Waren- 
dorpensis, prae  reUquis  Begewardi  concionibus  inflammatus  in 
&nam  D.  Annae  consecratum  iuxta  oppidum  situm  sua  auctori- 
tate,  qua  pollere  arbitratus  est,  irruit  illudque  ornamentis,  campa- 


')  In  Steymann^s  Bericht  heifst  es:  „Dar  up  ich  geantwort  und  ge- 
sacht, i.  f.  g.  sy  myn  overste  richter  und  landther,  dem  wyl  ich  mjt 
gnaden  mjne  bekenn jnge  und  predicken  schryfftlicken  tof erdigen  lathen.** 

*)  Stejinann's  „confessio  de  sacramento  corporis  Christi,''  am  5.  Mai 
dem  Bischof  eingesandt,  befindet  sich  im  Orig.  im  St.-A.  M. 

')  Begewardns  „confessio*'  ist  nicht  mehr  nachweisbar. 

^)  Daraufhin  schickt  er  dem  Bischof  seinen  oben  angefahrten  Bericht 

^)  Er  war  später  eines  der  Häupter  der  Wiedertäufer  in  Warendorf. 
Vgl.  sein  Bekenntnis  vom  23.  Oct.  1531  bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  61, 
nnd  das  Geständnis  Gottfried  Stralen's  vom  22.  Oct  1634  ebendas.  S.  &8. 


937419ÄSt^ 


400  Anno  1533  acta. 

nnlis,  cera,  Uno  aliisque  sacrificiis  et  oblationibns  denndat  et 
spoliat^.  Princeps  talem  ecclesiasten,  qni  sacramentariomm  doc- 
trina  cives  contaminaret,  ibidem  Don  esse  ferendnm  patavit. 
Itaqne  dominum  Hermannnm  Dangell,  archidiaconnm  Waren- 
dorpensem,  per  scripta  *  admonet^  ut,  cnm  sni  sit  mnneris,  talem 
doctorem  coerceat  ant,  si  in  ea  doctrina  perseverayerit,  lemo- 
yeat;  se  operam  snam  non  denegatnram  sibi.  In  hac  re  ?ir  iUe 
mnltnm,  sed  non  satis  feliciter  laboravit^  cum  Begewardus  non 
solum  illins  oppidi  plebecnlam,  yemm  etiam  totom  fere  senatum 

*p.  862.  *in  snam  sententiam  pertrazerit.  Tandem  abi  rempnblicam  uni- 
yersam  in  pericnlum,  imo  in  irreyocabile  exitinm  praecipitasset^ 
infirmiori  asylo  relicto  Monasterinm  se  recipit'. 

Eyangelici  Interim  in  nrbe  Monasteriensi  initae  obliti  con- 
cordiae  ad  ingeniam  snum  redeunt  nee  sibi  ab  assidna  noyatione 
temperant*.  Kam  Hermannns  Tylbeck,  consnl,  Joannes  Kercke- 
rinck,  patricins,  Michael  Nordinck,  Magnus  Striker  cum«?1'ias- 

S4.  xin.  dam  aliis  eiusdem  factionis  hominibus  24.  Martii  ab  archiyestali 
Transfluyiani  coenobii  yictum  pro  suis  concionato..Jus  efflag-i- 
tant.  lUa  post  deliberationem  octo  dierum  respondet:  se  in 
gratiam  paroecianorom  ipsos  ad  communem  et  frugalem  quidem 
dominorum  mensam  ad  festum  Peutheo^st^s  recepturam,  ut  ipsis 
interim  aliunde  prospiciatur."' 

27.  Man.  Ecclesiastes  quoque  Ludgerianus  27.  Martii  effiracto  eucha- 

ristiae  repositorio  eam  in  conspectu  multorum  in  tres  partes 
dividit,  quas  oris  flatu  dissipans:  „Hie,"  inquit,  »Dens  yester 
est!"  Dici  non  potest^  quam  bis  yerbis  simplicium  animos  offen- 
derit  quamque  ancipites  in  religionis  negotio  reddiderit. 

Beiholt  etiam,  iudex  ciyitatis  profauus,  eodem  die  cum 
quorundam  senatorum  comitatu  Franciscanis  decretum  senatum 
esse  nunciat,  uti  yel  mutato  habitu  coenobio  sine  ignominia 
sponte  sua  excedant  vel  seyeriorem  sententiam  magno  suo  malo 
expectent;  senatum*  enim  ociosos  et  y alidos  mendicos  reipublicae 

ft)  Ms.:  senatus. 


')  Aus  Herrn,  v.  Dungelen's  Bericht  (s.  J.  Niesert:  U.-B.  I'.  S.  207). 
—  •)  Nicht  mehr  nachweisbar.  —  »)  Am  17.  Febr.  1534.  S.  oben  S.  397 
Anm.  4.  —  *)  lieber  die  nun  weiter  folgenden  Einzelheiten  sind  ältere 
Quellen  nicht  bekannt    Wir  wissen  von  ihnen  nur  durch  Kerss. 


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Anno  1533  acta.  4Ü1 

prorsns  inutiles  intra  siia  moenia  non  latnram.  Cum  autem 
coenobia  initio  naacentis  ecciesiae  non  ociosomm  Epicnreomm 
popinae,  non  conscientiaram  eigastnla^  sed  lionesti  ezercitii  offi- 
cinae,  pietatis  et  bonanun  literamm  sine  yincnlis  nllins  roti 
scholae  liberrimae  faerint,  nnde  tM  doeti  ad  ecclesianim  gnber- 
nacnia,  qnoties  opus  erat^  ex  locnplete  quasi  penn  depromeban- 
tnr,  senatum  quoque  ad  huius  primaevae  ecciesiae  &ciem  deletis 
abnsuum  naevis  omnia,  ^quoad  eins  fieri  queat,  revocaturum  *p.  863. 
scholamque  publicam  in  boc  loco  erectnrum«  Quid  itaque  borum 
facturi  sint,  post  brevem  deliberationem  respondeani  Guardia- 
nns^  post  dies  octo,  quod  spatium  ad  deliberandum  datnm  fu- 
erat,  respondet:  Se  non  novos  neque  inusitatos  vivendi  mores 
iam  primum  introduzisse;  se  vestigiis  maiornm  suorum  insistere, 
^se  iure  locoque  sine  iniuria  alterius  acquisitis  sibique  per  suc- 
ces;:  a  continuam  traditis  uti,  se  sine  ullius  civis  incommodo 
in  urbe  agefe  viasque  publicas  usurpare,  se  nullius  opes  mendi- 
cando  minuiy^  ab  eztemis  se  vitae  praesidia  quaerere,  liberali- 
tate  eomm  civibus  nihil  detrahi.  Ferat  proinde  senatus  cle* 
menter,  quod  sibi  non  obsit,  quod  civili  libertati  non  deroget 
Sinat  monacbos  sine  invidia  suo  more  vivere,  suo  babitu  ince- 
dere,  suo  amictu  vestiri,  suis  pa^Ietibus  et  tectis  operiri;  sit 
iUis  sua  domus  tutum  receptaculum,  ezilio  innocentia  non  mulc- 
tetnr.  Structuram  coenobii  esse  amplissimam,  quae  et  monacbos 
et  magnum  discipulorum  numerum  capere  possit.  Huius  usus 
sit  ntrisque  communis;  boc  munere,  cum  aliud  non  habeant, 
se  reipublicae  gratificari,  cui  etiam  plura  et  maiora  a  se  deberi 
intelligant 

Nova  itaque  schola  senatus  impensis  bic  erigitur,   quam 
et  novo  nomine  evangelicam,   cui  loannes  Glandorpius*  praefi- 


')  Es  war  damals  Joh.  Frydagh. 

*)  Er  war  ans  Münster  gebürtig.  lieber  ihn  ygl.  „Allgem.  deutsche 
Biographie*  Bd.  9  (Leipzig  1879)  S.  208  ff.  nnd  die  dort  angeführte  Lite- 
ratur. Die  Quellen  über  sein  Leben  in  Münster  von  Pfingsten  1&82  bis 
zum  Februar  1534  finden  sich  sorgf&ltig  zusammengestellt  bei  C.  A.  Cor- 
nelius: M.  A.  U.  S.  834ffl  —  Die  Zuchtordnung  BL  B4  spricht  sich  fol- 
gendermafsen  über  die  Schule  aus:  »Dan  dar  bi  . . ,  salstn  oick  de  schole 
ordeninge  wamemen,  welke  al  hir  mit  ovinge  drier  spraken  under 
den  walgelerten  M.  Johan  Glandorpe  unde  andren  gelerten  in  hilliger  unde 

2 


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402  Anno  1533  acta. 

citur,  veterem  vero  cleri  primarii  papisticam  vocant.  Nee  oppi- 
dani  nova  persaasione  indncti  dubitant  evangelicam,  ut  nomine 
excellentiorem,  ita  et  illam  alteram  discipnloram  mnltitadine 
brevi  exnperatnram,  cum  tarnen  lectomm  numerus  auditores 
fere  aequaret  et  intra  paucos  menses  corrueret,  Uli  vero  nihil 
decresceret^ 

87.  icärz.  Eodem  die,   videlicet  27.  Martii,    Gerardus  Eibbenbroick 

atque  Bemardus  Enipperdollinck  cum  factiosorum  cohorte  e 
templo  ac  coemiterio  D.  Lamberti  omnia  ferramenta  ope  fabro- 

*p.  364.  rum  diripiunt,  unde  ambitus  *altissimae  specu]ae  ita  praemu- 
nitur,  ut  vigiles  in  tutelam  urbis  excubantes  *  securiores  redditi 
metu  subiti  casus  eximantur. 

30.  März.  Ipsa  die  ludica,  quae  foit  30.  Martii,  in  templo  D.  Lud- 

geri  primam  coenam  dominicam  suo  ritu   apparatam  celebrant. 

8.  April.  3.  Aprilis  Hermannus  Tylbeck,  consul,  Ludgerus  thom  Brincke 
atque  Bemardus  Bothmannus,  superintendens  ^,  magna  civium 
comitante  copia  duos  concionatores  in  templum  Transfluviannm 
honorificentissime  introducunt.  Ibi  tum  Bothmannus  de  felici 
evangelii  successu,  de  coena  dominica  deque  duorum  iam  intro- 
ductorum  corybantium  laude  prolixam  ad  populum  concionem 
habuit. 
(SO.  lOn.)  Eodem  die  princeps  ad  minores   civitates  scribit^:    Sibi 

relatum  esse  quosdam   suorum  oppidorum   incolas  se  in  templa 


andrer  kunstriker  schrift,  tho  gude  int  gemein,  nicht  allein  dusser  stat  joget, 
dan  einen  ideren  lefhebber  der  spraken,  1er,  wettenheit  unde  aller  dogede 
in  den  cloister  thom  Bmderen  geheiten  angerichtet  unde  angevangen  is.^ 

^)  Ueber  diese  evangelisdie  Schule  in  Münster  —  die  Absicht  ihrer 
Einrichtung  ist  bereits  oben  S.  386  erwähnt  —  haben  sich  weitere  Nach- 
richten nicht  erhalten.  Alle  Angaben  in  der  Bd.  1  S.  103  Anm.  1  ange- 
führten Literatur  über  das  Münstersche  Schulwesen  gehen  hier  lediglich 
auf  Eerss.  zurück,  der  auch  den  bei  J.  König:  Geschieht!.  Nachrichten 
über  d.  Gjmn.  zu  Münster  (Münster  1821)  S.  144  f.  mitgeteilten  Worten 
M.  BöchelTs  zu  Grunde  liegt  —  Noch  am  1.  Febr.  1&34  unterschreibt 
sich  Joh.  Glandorp  in  einem  Briefe  an  den  Landgrafen  Philipp  von  Hessen 
als  »rector  scholae.^  Siehe  C.  A.  Cornelius:  Die  Münsterschen  Huma- 
nisten (Münster  1851)  8.  77. 

*)  Vgl.  dazu  Bd.  1  S.  67  die  Beschreibung  des  St  Lamberti-Turmes. 

')  Vgl.  zu  dieser  Bezeichnung  oben  S.  389  Anm.  2. 

^)  Vielmehr  am  30.  März  von  Iburg  aus.  Konzept  im  St-A.  M. 
Abgedruckt  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  299. 


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Anno  1533  acta.  403 

ingerere,  suis  cantionibus  noyis  et  innsitatis  antiqnas  et  usitatas 
ceremonias  abrogare,  novas  snbstitnere,  simplicem  plebecnlam 
sedncere,  rebellionem  tarn  adversns  ecclesiasticnm  quam  civilem 
magistratom  movere.  Se  igitar  senatus  in  singuUs  oppidis  mo- 
nere,  ut  sednlo  vigilent,  ne  talia  intra  moenia  soa  committantor 
et  transgressores  certis  poenanun  repagalis,  ut  tardiores  ad  ista 
designanda  sint,  coerceant.  Se  post  inaugorationem,  si  qnid  ab- 
nsunm  dintomitate  temporis  irrepserit,  emendatnmm.  Idem 
scribit  ad  omnes  satrapas  et  praefectos  totius  dioecesis^ 

Qüinto  die  Aprilis  senatus  per  Qerardum  Eibbenbrock  ets^Apro, 
loannem  Windemoller,  senatores,  priori  in  Bispinckhoflf*  inter- 
dicit,  ne  quenquam  confessionem  auricularem  facientem  audiat. 
Eodem  die  factiosi  in  templum  Transfluvianum  impetum  facientes 
tabulas  altarium  depictas  diripiunt,  statuas  confringunt  imagi- 
nesque  divonun  irrasis  parietibus  deturbant  et  confundunt.  ^Ipsa^p.  365«. 
die  Pahnarum,  quae  foit  6.  Aprilis,  in  tribus  parocMis  simul,  6,  Apriu 
sdUcet  Aegidiana,  Martiniana  et  Transfluviana,  coenam  domini- 
cam  solenniter  suo  more  faciunt  et  singalari  quadam  contu- 
maciter  dissentiendi  a  catholicorum  institutione  libidine  aocensi 
Paschalem  diem  celebrare  videntur.  Quam  rem  Bothmannus  in 
paroecia  Transfluviana  praesens  r^ebat,  vel  quod  ea  esset  civium 
numero  amplissima,  vel  ut  consuUbus  utrisque  in  ista  parochia 
commorantibus,  quos  evangelico  spiritu  aestuare  cognoverat,  ap- 
plauderet  vel  concionatores  novorum  rituum  adhuc  ignaros  iu- 
yaret  et  doceret.  Ad  haue  coenam  bona  pars  yirginum  vestalium 
accedit^  quae  secuturam  nuptialem  sperabant.  lam  de  habitu 
mutando  meditantur  liberioremque  vitam  in  animo  agitant.  Psal- 
mos  a  Lutero  transformatos  altematim  cum  populo  in  templo 
cantillant  et  maxime  versum  psalmi  124  ,,Laqueus  contritus  est, 
et  nos  liberatae  sumus^  ^  per  nares  crepitant 


^)  EbenfaUs  von  Ibnrg  am  30.  M&rz.  Konzept  im  St.-A.  M.  Abge- 
druckt bei  L.  Keller  a.  a.  0. 

*)  Es  war  der  Dominikaner  Heinrich  Mumpert,  der  zugleich  Dom- 
prediger war.    Vgl.  weiter  unten  zum  October  1533. 

')  Ernstliche  Mafsregeln  des  Bischofs  gegen  Ausschreitungen  der 
Jungfrauen  im  Ueberwasser-Kloster  berichtet  Kerss.  aus  den  Akten  erst 
zum  October  1583.  —  *)  Ps.  123,  7. 

2* 


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404  Anno  1533  acta. 

7.  April.  7.  Aprilis  templnm  D.  Seiratio  dedicatom  deiedds  statnis 

s.  April,  deletisqne  inu^inibas  diripinnt.  8.  Aprilis  senatos  Franciscanis 
confessionibns  concionibnsqne,  fratribns  rero  Fontissalientis  dis- 
tractione  hostianun,  qnas  ex  simila  et  tritici  flore  in  nsnm 
«.  April,  coenae  dominicae  formant,  interdicit.  9.  Aprilis  EnipperdoUinck 
qnomndam  factiosomm  colluvie  stipatns  snmmom  templom  trans- 
iens  ad  sacerdotem  ibi  sacrificantem  edita  voce:  „Ta,^  inqnit^ 
„famelice  sacerdos,   nondum   satis  deomm  devorasti?''    Qmbns 

14.  April,  yerbis  omnium  ora  Tultnsqae  in  se  convertit.  14.  Aprilis  Bei- 
holt  cnm  suis  complicibns  in  templnm  D.  Lndgeri  irraens  omnia 

i&  April,  ferramenta  anfert    Seqnenti  rero  die  15.  Aprilis  altaria  denu- 

^p.  366.dant)  tabnias  depictas  comminnnnt,  *stataas  dissecant,  imagines 
parietum  snperillata  calce  contegont,  omamenta  depraedantnr 
atque  omnia  profanant.  Ad  hoc  spectacnlnm  cnm  mnlti  accnr- 
rerent  et  indignnm  &cinns  esse  clamitarent  a  snis  maioribus 
donata  et  divino  cnltni  destinata  sie  detnrbare,  sie  perdere,  sie 
in  praedam  rertere,  ipsos  fnres  et  sacrilegos  omni  yerecnndia 
et  pietate  destitntos  esse  Tociferantes,  inde  magna  yocnm  con- 
tentio  ingensqne  seditio  exorta  est.  Et  nisi  pacificomm  homi- 
nnm  interventn  motns  foisset  compositns,  ad  arma  ntrinqne  non 

Je.  April,  sine  certa  dade  ventnm  ftiisset  Postridie  Belholt  cnm  snis 
gravi  qnerimonia  rem  ad  senatum  defert  sibi  snisqne  intolerar 
bilem  ininriam  a  qnibnsdam  civibns  iUatam,  macnlam  sibi  per- 
petnae  ignominiae  innstam  qneritnr;  se  istam  infamiam  nnn- 
qnam  benigne  latnros,  sed  ipsos  ad  poenam  et  commeritum  sup- 
plicium Yocaturos;  se  enim  neque  fures  neque  sacrilegos  appel- 
lari  posse,  qni  praecepto  Dei  satisfacturi  idololatriam  amovere 
et  radicitns  erellere  Deique  solius  gloriam  ab  omni  ininria  yin- 
dicare  conati  sint.  Sei  vero  carcerum  terrore,  qnos  sibi  paratos 
esse  sentiebant^  adacti  omnia  recantabant  et  se  subita  iracundia, 
quam  cohibere  neqnivissent,  ista  intemperanter  effudisse  profi- 
tentur;  se  itaque  sibi  clementer  ignosci  postnlare.  Hoc  astu 
yiolatores  templomm  poenam  bene  conmieritam  eraduni  Senatus 
enim  pauca  ex  officio,  sed  multa  dissimulanter  agit^  unde  fac- 
tiosomm animi  ad  quaeyis  perpetranda  animantur.  Quaevis  enim 
in  templis  paroecialibns  ex  transactionis  foedere  sibi  licere  exi- 
stimant^  dum  sibi  a  templo  dominico  temperent. 


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Anno  1533  acta.  405 

Postquam  in  transacidone  snperiori  per  Lantgrayii  oonsi- 
liarios  fiEMHa  articnliiB  comprehendatnr,  quo  redditns  qnondam 
per  munificentiam  civium  in  usus  memoriamm,  kalendanun  *6t  «p.  367. 
fraiemitatnm  coUati  ministris  eoclesianun  et  panperibns  asscri- 
bnntnr  \  —  unde  senatna  occasione  snmpta  ab  omnibns  coUegiis» 
qnibns  paroeciae  sint  annexae,  omamoita  et  literaa  redditnnm 
aignatas  ezigit  cansam  praetezens:  cnm  a  cmbus  sint  ooUata, 
ne  a  clero  inntiliter  decoqnantor  atqne  abanmantür,  ntqne  ex 
literis  deprebendat  memoiiamm,  kalendanun  et  fratemitatom 
fnndationeSy  ne  transactionis  pacta  sna  n^ligentia  aliqoa  in 
parte  eormant.  Eodem  tempore  domnm  decani  Lndgeriani  quasi 
parochi  sedem  oceupat. 

Prinoeps  autem  senatui   scribit,  ut  ab  bis  factis  sibi  ad 
proxima  dioecesana  comitia  ten^eret*.    Senatus  respondet  se 


*)  S.  Bd.  1  8.  376  den  Artikel  7  im  Friedensrertreg. 

')  Kens,  beluuidelt  hier  die  mannigfachen  nea  entstandenen  Streitig- 
keiten iwiachen  Biscliof  nnd  Stadt,  besonden  fiber  Yeriiindemng  der  ka- 
tholischen Predigt  im  Dom  nnd  über  die  Ansliefemng  der  Kirchenklei- 
nodien,  Rentenbziefe  o.  s.  w^  nur  knn  nnd  nngenflgend  und  nimmt  keine 
Bficksicht  aof  die  Zeitfolge  der  Ereignisse.  Das  in  diesen  Angelegenheiten 
anient  eingetretene  yermittelnde  Eingreifen  des  Landgrafen,  der  am  8.  Juli 
seinem  Yiiekanxler  G.  Knsbicker  den  Auftrag  erteilt,  gemeinsam  mit  Jakob 
T.  Taabenheim  in  Mnnster  dahin  in  wirken,  dals  der  Yertrag  aufrecht  er- 
balten werde  nnd  die  Stadt  in  zeitlichen  Dingen  dem  Bischof  gehorche, 
«her  auch  den  Bischof  zn  erinnern,  »das  er  dem  capittel  nicht  in  Tiel 
glewbe,  dan  sie  sein  betriglich;  item  so  er  die  stat  an  seiner  band  habe^ 
könne  er  aller  wege  des  capittels  mechtig  sein**  (Orig.  im  St.-A.  Marburg), 
igt  ebensowenig  berührt,  wie  der  Kern  der  Yerhandlungen  des  Landtages 
aof  dem  Laerbrok  vom  4.  Juni  (s.  weiter  unten)  und  die  Besprechungen 
«of  der  Zusanmienkunft  in  Altenberge  am  L  Aug.  (s.  C.  A.  Cornelius: 
M.  A.  n.  S.  351  iL).  Es  sei  aber  bemerkt,  dafs,  wihrend  über  die  beiden 
Tagungen  gleichseitiges  Aktenmaterial  im  St.-A.  IL  sich  Torfindet,  dieses 
In  Bezug  auf  die  hessische  Yermittlung  in  dieser  Zeit  nicht  der  Fall  ist 
Abschriften  aus  den  einschlägigen  Aktenstücken  sind  erst  in  ganz  neuer 
Zeit  aus  den  Bestünden  des  St-A.  Marburg  für  Münster  «itnommen.  — 
Zur  Sache  vgL  €.  A.  Cornelius:  M.  A.  IL  S.  185 ff^  wo  auch  die  haupt- 
aüchlichsten  Quellen  verzeichnet  sind.  —  Die  Lutmktion  des  Landgrafen 
für  Johann  t.  Taubenheim  und  Georg  Nusbicker  zu  Yerhandlungen  in 
Münster  ist  vom  16.  Juli  datiert.  Sie  führt  7  Punkte  an,  in  denen  die 
Stadt  den  Friedensrertrag  verletzt  haben  solle,  ermahnt,  den  Yertrag  za 
halten  und  fügt  schlielslich  hinzu:  „Auch  wurden  die  Monsterischen  wenig 


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406  Anno  1533  acta. 

nihil  agere,  qnod  a  pactis  transactionis  sit  alienmn.  Princeps 
ista  ad  senatum  non  pertinere,  sed  potins  ad  se,  qni  sit  ordi- 
narins,  contendit.  Oritnr  itaqne  de  hac  re  nova  ntrinqne  con- 
troversia,  et  mnlta  ntrinqne  scripta  mittnntnr^.  Tandem  prin- 
eeps  sedatiorem  se  in  bis  rebus  exbibet.  CoUegiis  tamen  per 
«u  ApriL  scripta  29.  Aprilis  mandat,  ne  omamenta  suorum  templorum  et 
monumenta  reddituum  consignata  cuiquam  tradant  ^  Variis  ergo 
consilüs  multiplicique  praetextu  senatum  ea  saepe  poscentem 
callide  remorantur*,  donec  nrbe  efferrentnr  et  senatum  aliis 
xebus  occupatum  ea  exigere  taederet. 

Cum  itaque  omnia  parata  esse  putarentur,  ut  episcopus 
plenam  totius  dioecesis  administrationem  consequeretur  et  Mona- 
sterienses,  multarum  remm  novatores,  iureiurando  sibi  quoque 
devinctos  haberet,  de  ipsius  introductionis  inauguratione  coep- 
tum  est  agi.    Onmibus  ergo  ad  baue  rem  pertinentibus  compa- 


trostes  van  den  evangelischen  stenden  gewarten,  dieweil  ire  predicanten 
.  änderst  vam  sacrament  predigen  und  handien,  dan  die  sächsischen.^  Die 
Stadt  suchte  sich  in  ihrer  Antwort  vom  20.  Juli  in  jedem  Punkte  zu  recht- 
fertigen, und  schon  am  23.  Juli  meldeten  die  hessischen  Gesandten  dem 
Bischof  Franz,  dafs  sie  jetzt  nichts  weiter  thun  könnten,  als  zu  ihrem 
Herrn  zurückkehren.  —  Die  weittragenden  Wünsche  der  Stadt  dem  Bischof 
gegenüher,  die  zumeist  darauf  gerichtet  waren,  die  üherwiegende  Macht 
des  Domkapitels  zu  hrechen,  erhellen  am  hesten  aus  der  Werhung,  die 
y.  d.  Wieck  im  Namen  Münsters  am  28«  M&rz  in  Iburg  dem  Bischöfe  vor- 
trug (in  der  Hauptsache  gedr.  bei  C.  A.  Cornelius  a.  a.  O.  II.  S.  173  f.). 

*)  Von  CA.  Cornelius  a.  a.  0.  nicht  erwähnt,  konmien  noch  fol- 
gende in  Betracht,  sämtlich  im  St.-A.  M.:  Münster  an  den  Bischof  am 
29.  Mai,  Original;  der  Bischof  an  Münster,  datiert  Horstmar  am  1.  Juni^ 
Konzept;  Münster  an  den  Bischof  am  2.  Juni,  Original;  der  Bischof  an 
Münster,  datiert  Horstmar  am  6.  Juni,  Konzept  Femer  finden  sich  im 
6t.-A.  Marburg  in  Kopieen  noch  folgende  Schreiben :  Der  Bischof  an  Mün-^ 
ster  aus  Warendorf  am  25.  Mai;  Münster  an  den  Bischof  am  26.  Mai;  der 
Bischof  an  Münster  ans  Rheine  am  28.  Mai. 

*)  Kopie  des  bischöflichen  Schreibens  an  das  Martinistift  im  St.-A. 
M.,  Mscr.  I,  73  fol.  208 ;  Kopie  eines  erneuten  Befehls  des  Bischofs  an  die 
KoUegien  vom  25.  Mai,  ebendas. 

')  In  demselben  Mscr.  I,  73  des  St.-A.  M.,  einem  Kopiar  des  Stiftes 
8t.  Martini,  findet  sich  fol.  208^  die  Notiz:  „Capitulo  nostro  ftait  indictus 
dies  quartns  post  dominicam  Exaudi  (25.  Mai)  ad  praesentandum  senatui 
literas  reddituum;  sed  non  comparemus.* 


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Anno  1533  acta.  407 

ratis  ipsa  dominica  Inbilate,  qnae  fnit  4.  Maii^,  cum  instrac- 4.  Mai. 
tissimo  eqnitatn  Woltbeca  egressns,  quo  pridie  eins  diei  venerat, 
Monasterinm  contendit.  Clems  primarins  circa  horam  decimam 
ultra  centnm  ferocissimos  eqnos  in  expeditionem  edncens  gratn- 
lationis  cansa  principi  obviam  procedit;  et  cnm  scholaster  no- 
mine capitnli  *felicem  illi  adventum  precatns  fuisset,  cnm  snis*p.  868. 
in  nrbem  redit.  Senatns  antem  coactis  e  civinm  nnmero  aliqnot 
eqnitrun  tnrmis  circa  horam  dnodecimam  ad  principem  libemm 
conuneatrun  fide  pnblica  eidem  addictnms  nrbe  exit.  Cnm  iam 
yiginti  circiter  stadia  ab  nrbe  abesset,  in  planicie  terrae  am- 
plissima,  qnam  Geistam  appellant,  nbi  inxta  viam  pnblicam  in 
aedicnla  qnadam  statnaria  divornm  simnlachra  conservantnr, 
principem  opperitnr  atqne  ibi  in  coUicnlo  solenni  inreinrando 
ab  illo  accepto  regreditnr.  Princeps  antem  snis  ita  in  ordinem 
dispositis,  nt  ipse  cnm  fratribns  snis  aliisqne  comitibns  ac  pri- 
mariis  dioecesis  medins  clanderetnr,  pedetentim  snbseqnitnr.  In- 
terea  cives  in  diversis  primnm  coemiteriis  armati  coennt,  me- 
cbanici  tarnen  pleriqne  cnm  snis  signis  militaribns  Francisca- 
nomm  aream  occnpant.  Inde  ad  campnm  dominicnm  omnes 
simnl  conveninnt,  nbi  aciem  non  aliter,  ac  si  in  proelinm  iam- 
iam  exitnri  essent,  instmnnt,  qnam  minomm  oppidomm  cives 
aliqnot  a  senatn  Monasteriensi  vocati  adangent.  Deinde  cnm 
principem  nrbi  vicinnm  esse  ex  reditn  senatns  cognoscerent,  per 
manipnlos  in  fomm  potissimnm  et  singnlas  nrbis  plateas  cnsto- 
diae  cansa  fnndnntnr,  qnas  etiam  catenis  ferreis  transversim 
dnctis  contra  snbitnm  eqnomm  impetnm,  si  necessitas  postnlas- 
set,  conclndnnt  ^  Magna  tamen  armatomm  civinm  pars  ntmm- 
que  latus  plateae  regiae  (sie  enim  appellatnr,  per  qnam  princeps 


')  «De  infaert  m.  g.  hern  van  Munster  is  verstreckt  in  den  sontag 
Jabilate.  Aisdan  werdt  sin  g.  to  einer  uhr  namitdage  to  Monster  inkom- 
men.*  So  schreibt  v.  d.  Wieck  schon  am  23.  Mftrz  an  den  Bat  von  Bremen 
(8.  bremisches  Jahrbuch**  2.  Serie  Bd.  1  [Bremen  1885]  S.  142).  Zur  fol- 
genden Schilderung  des  feierlichen  Einrittes  des  Bischofs  in  Münster  vgl. 
auch  den  Bericht  D.  Lilie's   S.  218  f. 

*)  Bei  D.  Lilie  a.  a.  0.  heifst  es:  „So  vaken  alse  twintich  eder 
dertich  perde  worden  dorchgelaten,  sint  de  keden  achter  den  rutheren  over 
de  Straten  togesclagen  unde  geslotten,  hent  de  furste  an  den  doem  ge- 
komen.* 


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408  Anno  1533  acta. 

moenia  snbit)  densa  acie  ad  campnm  usque  dominicum  mnnit. 
Cleros  qnoque  totins  orbis  sni  mnneris  memor  ad  templmn  do- 
minicum stolis  albis  amictns  conflnit.  In  primo  nrbis  ingressa 
princeps  longo  föne,  quem  ante  portam  Lndgerianam  eiecerat^ 
magnam  facinerosomm  tnrbam  dncens  mnltis  bombardamm  toni- 
trnis  excipitnr  \  Et  cnm  ad  templnm  D.  Ludgeri  protopraesTdis, 
cnins  snccessor  fntnrns  erat,  venisset,  obloquia  et  calumnias 
eyangelicorum  bona  opera  ridentium  evitans  non  iam  ipee  de 
equo  descendit  neque  a  canonicis  istius  collegii  de  more  exoeptos 
precationem  et  mnnus  pro  felici  anspicio  in  urbem  pertnlit,  sed 
*p.  869.  per  snos  *militaris  ordinis  ministros  sine  popnlari  strepitn  con- 
snetndini  satisfecit.  Ipse  vero  non  interrapto  eqnitatns  ordine 
ad  anlam  snam  contendit,  cnmqne  venisset  snb  fomicem,  quo 
itnr  ad  campom  dominicum,  cuiusque  firma  et  arcuata  lapidunoi 
compages  sacellum  Michaeli  Archangelo  dedicatum  in  sublimi 
sustinet,  ex  equo  descendens,  quem  archisatrapa  dioecesis  in 
Yisscherinck  suo  iure  statim  abduci  iubebat,  per  gradus  lapi- 
deos  ad  saceUum  ascendit  ibique  iuxta  altare  ardentibus  cereis 
pictisque  tapetibus  ac  sericis  pulvinaribus  exomatum  supplica- 
tione  ad  Deum  facta  munereque  aureo  oblato  aulam  suam  sa- 
cello  contiguam  ingreditur  ac  superius  indumentum  exuit,  quod, 
nisi  pecunia  redimatur,  pastor  istius  sacelli  iure  suo  sibi .  vindi* 
care  solet.  Inde  veste  ad  talos  defluenti  stolam  candidam  et 
petagium  sacrum,  cuius  lacinias*  aurea  fibula  in  pectore  copulat^ 
superinduit  ac  per  eosdem  gradus  descendit,  quem  aliquot  no- 
bilium  aulicorum  paria  praecedunt  et  quatuor  sacellani  e  numero 
Primarii  cleri  delecti  bombycinis  palliis  super  stolas  amicti  pone 
sequuntur.  Clerus  interea,  cui  duae  cruces  inauratae  totidem- 
que  faces  ardentes  praeferuntur,  per  ostium  paradysiacum  do- 
minico  templo  longo  ordine  ^essus  principem  cum  suo  comi- 
tatu  descendentem  excipit  et  non  sine  magno  populi  concurso, 

»)  Ms,:  lasdnias. 


^)  Die  auf  diesen  und  den  folgenden  Vorgang  bezügliche  SteUe  in 
der  Chronik  des  M.  Böchell  (s.  M.  G.-Q.  m,  231  f.)  ist  kein  selbstän- 
diger Zusatz  zu  Ken».,  sondern  nur  eine  unwesentlich  erweiterte  Wieder- 
gahe  der  Worte  desselben. 


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Anno  1533  acta.  409 

quem  tarnen  satellites  annis  et  lictores  sdpiombos  suis  arcent, 
per  idem  ostinm  redit  in  templnm ;  et  dum  deros  in  area  templi 
aliquot  hymnos  psallit,  princeps  in  fronte  altaris  D.  Paolo  di- 
«ati  oereis  ardentibns,  anro,  argento,  sericis  polvillis  reliqnüs- 
qne  sanctonun  martTrom  condecorati  proYolntns  ad  genna  sap« 
plex  ad  Denm  snas  fondit  preces.  Fmitis  hymnis  et  aoreo  dono 
altaii  illato  cantor  in  landem  D.  Panli  cannen  protonat;  Interim 
totos  clerns  peallens  chonmi  ingreditor.  Princeps  rero,  cum  ad 
ehornm  venisset,  petagio  ibi  exnto  clerum  primarimn  ad  capi- 
inlare  conclare  piaestitnnis  insinrandnm  snbseqaitnr.  Interoa 
deros  secondarios  in  choro  roditom  com  silentio  opperitor.  Be 
sotem  in  capitolari  conclavi  peracta  *redit  atqoe  in  pede  sommi  *p.  870. 
jdtaris  decano  et  sacellanis  astantibos  genoa  sobmittens  tertio 
Beom  pro  felici  dioecesis  admimstratione  oblato  et  hie  monere 
precator.  Inde  comitantibos  üsdem  ad  sedile  episcopale  magni- 
üce  stratom  consoendit,  singolis  tarnen  pro  cniosque  dignitate 
soas  sedes  in  choro  occupantibos.  Oiganices  indido  praecen- 
ioris  scipione  sibi  facto  Organa  in  divinarom  laodom  piaeconia 
«olvit  altemoque  verso  laudem  Dei  concinit,  qoa  finita  a  sar 
telluns^  fratribos,  nobilibos,  clientibos,  beneflciariis,  aolicis, 
«atellitibos  magnaqoe  ministrorom  torba  ezceptos  per  horologii 
eetiom  com  iisdem  magnifice  coenatoros  ad  soam  aolam  reducitor. 

Postera  yero  die,  qoae  Mt  5.  Maü,  inter  octaram  et  no-  s.  lut 
nam  longa  aolicorom  pompa  praeeonte  et  sacellanis  sequentibos 
sacrom  aoditoros  ad  templom  redit.  Intersa  totos  senatos  orbis 
in  campom  dominicom  insiorandom  praestitoros  coit.  Finito 
itaqne  sacro  princeps  paradysiads  ralvis  egressos  et  solenni 
inreiorando  accepto  clerom  primariom  senatomque  prandio  ex- 
eipit.  Die  Martis,  hoc  est  sexta  Maii,  peracta  coena  repotia  seo  e.  mal 
flecondae  mensae,  omms  generis  tragemata  magnifico  apparato 
in  coria  civitatis  instrocta  sont,  qoibos  princeps  com  fratribos 
suis,  proceribos  dioecesis,  aolicis,  yirginibos  matronisqoe  nobi- 
lioribos  se  oblectavit  bonamqoe  noctis  partem  com  tripodiis  ab- 
sompsit.  Hinc  Monasterio  digressos  alia  qooqoe  dioecesis  oppida 
imorata  peragrat,  et  primom  qoidem  oppidorom  ocddentaliom 
<dem  dbi  astringit,  inde  ad  orientales  civitates  perrectoros. 

»)  Mi.:  ac  saceUanibiu. 


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410  Anno  1533  acta. 

Interea  Warendorpenses  S  cum  exemplo  snae  metropolis 
pleraqne  in  religione  avita  et  ceremoniis  priscis  mutassent,  sibi 
metnnnt,  ne  in  hac  inangnratione  insolentiam  istam  snam  prin- 
ceps  mann  vindicet,  sicnt  anno  snperiori,  nempe  1532,  Herman- 
nns  de  Weda  episcopns  Paderbomensinm  rebellionem  coercuerat'; 
cnins  rei  recens  exemplnm  mnitorum  civinm  animis  adhnc  in- 
sederat.  Proinde  de  nnmero  armatomm  eqnitnm  intromittendo^ 
•p.  871.  qnibnsque  modis  se  adversns  *vim  principis,  si  forte  opus  esset^ 
mnnirent,  Consultant;  petitnm  bombardas,  pnlverem  nitratnm 
aliaque  eins  generis  Monasterinm  mittnnt.  Qnae  nbi  sibi  nega- 
rentor,  cum  muniendi  se  fiducia  metum  omnem  deponunt  et  re 
altius  considerata  nihil  sibi  hostile  ab  episcopo  suo  timendum 
esse  existimant,  maxime  cum  Monasterienses,  quorum  religionem 
tanquam  simü  sint  imitati,  legatos  suos  in  comitatu  episcopi 
habeant,  quibus  inconsultis  princeps  nihil  sit  acturus.  Dominica 
».  Hai.  ergo  Exaudi,  quae  fuit  25.  Maii,  Warendorpiam  cum  mediocri 
equitatu  ingreditur  et  onmis  rebellionis  ac  iniuriae  quasi  oblitus 
pacificum  atque  benignum  se  principem  exhibet.  Vindictam 
tarnen  transgressionis  in  aliud  tempus  visus  est  differre.  Waren- 
dorpenses  vero  benignitatem  principis  tempore  inaugurationis 
experti  ipsum  vel  omnium  iniuriarum  oblitum  vel  nihil  contra 
se  et  evangelium  andere  existimant,  maxime  cum  suam  metro^ 
polim  sibi  evangelii  nomine  faventem  habeant.  Hac  itaque  im- 
1.  Juni,  pimitate  sibi  proposita  prima  lunii  in  templa  irmunt,  altaria 
demoliuntur,  statuas  securibus  dissectas  per  mumm  in  Amisim 
praeterlabentem  coniiciunt,  imagines  pictas  rasis  parietibus  aut 
calce  illitis  expungunt,  tabulas  frangunt,  omamenta  diripiunt 
atque  inter  se  partiuntur^  Huius  furiosi  spolii  praecipuus  aactor 


')  Das  Folgende  geht  wohl  wieder  auf  eine  verlorene  Warendorfer 
Chronik  zurück.    Vgl.  auch  ohen  S.  397  ff.  —  *)  S.  Bd.  1  S.  118. 

')  Ueber  diese  Yorg&nge  berichtet  Joh.  Wale,  genannt  Schiltmecker^ 
Richter  zu  Warendorf,  am  27.  Juni  an  Dietrich  v.  Menreldt,  Drosten  zu 
Wolbeck  (Orig.  im  St-A.  M.):  „So  hebn  i.  e.  1.  weU  gehört  den  velle- 
foldigen  handel  to  Warendorpe  myt  kercken  to  schynden,  beiden  to  howen, 
dat  sacrament  der  dope  und  misse  ganfs  verworpen  und  noch  myt  eren 
lantlopigen  predicanten  in  aller  handelinge  verhorden  tegen  dat  geboth 
myns  g.  f.  u.  h.  by  uns  gedaen,  erer  bogen  ede  und  verplychtinge  nycht 
gedencken,   der  meynunge,   ok  nu  der  orgelen   aftobrecken,  und  in  rade 


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Anno  1533  acta.  411 

erat  Bernardns  Weppelmannns  aeditnns,  qni  etiam  pastori  rem 
divlnam  ipso  die  Penthecostes  *  peractnro,  nt  seditiosis  applau- 
deret,  pallia  sacra  snbtraxerat  et  amaris  saepe  convitiis  per  la- 
sciviam  catholicos  proscindere  andebat. 

Alenses  et  Becchemenses  Warendorpensium  fdrorem  imi- 
tantnr  atqne  e  suis  templis  calices  anfemnt,  sacramenti  reposi- 
torinm  et  lampades  frangimt,  aeneis  candelabris  raptis  snos  pe- 
nates  omant,  vexilla  dissecant  et  abiicinnt. 

Princeps  vero  hanc  vim  et  templormn  depraedationes  aeger- 
rime  ferens  6.  lunii  per  literas  haec  tria  oppida  admonet  *,  nt  e.  Jnni. 
se  ab  omni  novatione  religionis  et  ceremoniamm  abstineant  om- 
niaqne  e  templis  rapta  reddant  et  restitnant,  fracta  reparent  et 
concnssa  restanrent;  se  sno  tempore  *in  concitatae  rapinae  ca-*p.  372^ 
pita  animadyersnmm.  Post  aliqnot  antem  hebdomadas  hnins 
motns  capita  extra  mnros  hamm  nrbinm  praeter  spem  snam  a 
satrapa  Sassenbnrgico  inssn  principis  capta  temeritatis  snae  da- 
tnra  poenas  Yechtam  abdncnntnr'. 


dencken  tegen  de,  de  myt  eren  handel  nycht  wyllen  hebn  to  doende,  wu 
se  de  uth  der  st&dt  wyllen  brengen.  So  is  am  na  erstkomende  sondage 
den  Tormyddach  to  9  uren  dat  gansse  gemeyn,  burger  und  inwonner  up 
dat  hues  gedaget,  nnd  is  ein  bursprake,  als  dan  wyllen  se  yellichte  erer  ge- 
weltlicher verhandelynge  bovesten,  bekrefftigen,  to  hope  loven  nnd  sweren." 

')  1.  Juni.  —  *)  Das  Schreiben  des  Bischofs  an  Warendorf,  datiert 
ans  Horstmar  vom  6.  Jnni,  ist  im  Konzept  im  St.-A.  M.,  das  Konzept  eines 
zweiten  vom  28.  Juni  ebenda.  Warendorfs  Antwort  vom  7.  Juli  (Orig.  im 
St.-A.  M.)  igt  abgedruckt  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-B.  l\  S.  211  f.  Vgl.  weiter 
den  Brief  des  Richters  Joh.  Wale  an  den  Bischof  vom  8.  Juli  (abgedr.  bei 
L.  Keller:  6.  d.  W.  S.  300),  in  welchem  dieser  berichtet,  der  bischöfliche 
Befehl  sei  der  ganzen  Gemeinheit  vorgelesen,  aber  der  gröfscre  Teil  der 
Einwohner  verharre  im  Ungehorsam.  „Dan  se  nycht  anders  dan  in  erer 
nnwerer  anrichtinge  vullenherden  und  genslichen  vorharren  je  lenck,  je  mer; 
dar  ick  myner  personen  nycht  tegen  doen  kan  edder  ock  tegen  doen  doer.** 
—  Ueber  Ahlen  s.  gleich  weiter  unten.  Akten  über  Beckum  sind  nicht 
mehr  nachweisbar;  vgl.  dazu  aber  D.  Lilie  S.  219. 

')  Ueber  diese  Gefangennahme  von  Bürgern  beklagt  sich  Warendorf 
auf  dem  Landtage  zu  Rheine  am  6.  October.  Der  Bischof  rechtfertigt  sein 
Vorgehen  damit,  dafs  die  Stadt  einen  Predikanten  bei  sich  behalte,  der 
ihn  auf  der  Kanzel  an  seiner  Ehre  angetastet  und  geschmäht  habe.  „Item 
de  predicanten  lereden  weder  dat  sacrament  des  altars  und  doepe."  Doch 
wolle  er  auf  Bitten  des  Kapitels  und  der  Ititterschaft  „de  gefangen  borger 


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412  Anno  1533  acta. 

Ubi  vero  ecclesiastae  Monasterienses  intelligerent  suomm 
numernm  captivitatibus  atqne  suppliciis  minni,  serio  qnidem  in 
initio  lagent,  non  tarnen  ideo  segnios  mnnitione  ürbis  et  tatela 
senatns  confiri  schismaticam  snam  doctrinam  propagare  pergnnt, 
sed  mntno  alacrins  certatim  eidem  insistnnt,  quasi  afflictione  et 
persecntione  more  apostolomm  ardentiores  in  evangelii  negotio 
promovendo  effecti  esse  videantor.  ünde  tantam  sibi  pietatis  et 
emditionis  opinionem  non  solnm  in  nrbe  inter  factiosos,  venun 
etiam  inter  aliarnm  nationnm  popnlos  fama  angente  omnia  com- 
paraverunt,  ut*  mnlti  isfeins  evangelii  amore  illecti  aliunde  hnc 
confluerent  eosdemque  concionantes  audirent  Inter  qnos  non 
postremom  locnm  Joannes  Bokelson,  Leydanns  ac  sarcinator^, 
tennit,  qni  anno  seqnenti  mira  qnadam  sorte  ad  regiam  digni- 
tatem  in  eadem  nrbe  evectns  est.  Hie  cnm  eximios  conciona- 
tores  Monasterii  esse  intelleidsset  *,  evangelico  spiritn  dnctns 
patriam  ozoremque  snam  clancnlum  deserens  circa  haec  tempora 
Monasterinm  venit  ac  Hermanni  Bamers  primum  hospitio  ad 
-26.  Jou.  25.  Inlii  usos '  doctrinam  non  solnm  pnblicam,  sed  et  privatam 
concionatomm  snggestione  traditam  didicit.  Inde  Osnabnrgam 
profectns,  qnae  didicerat,  evomit;  verum  cum  anabaptismum 
clam  inter  cires  serere  inciperet,  nrbe  profligatus  est^  Berersus 

•)  Ms,:  et 


Tan  Warendorp  bes  to  uthdracht  der  togelachten  gebrecken  bedagen  und  sich 
mit  ennen  wyder  holden  ala  billick  und  recht^  (St.-A.  M.,  Landtags-Akten). 

*)  Zu  Gninde  liegen  hier  and  bei  den  folgenden  Nachrichten  über 
Johann  ▼.  Leiden  die  Antworten,  die  dieser  selbst  anf  »etliche  Intenroga- 
toria  und  Fragstucken**  giebt,  die  ihm  auf  Veranlassung  des  Eurforsten 
Ton  Köln  vorgelegt  worden  sind.  Die  Aussagen  finden  sich  abgedruckt, 
aber  incorrect  und  mit  manchen  Auslassungen  und  Lesefehlem,  bei  J.  Nie- 
se rt:  Ü.-S.  L  8.  174  ff.,  die  Yerbesserungen  dasu  bei  C.  A.  Cornelius: 
M.  A.  IL  8.  417  f.  Die  Aussagoi  sind  hier  lum  Teil  ausffihrlicher  ala 
diejenigen,  die  Johann  in  seinem  Verhöre  am  25.  JuU  1585  lu  Dülmen 
gab  (bei  C.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  369  ff.).  Ueber  Eers8.'B  Benutiung 
der  Wiedert&ufer-Gestftndnisse  vgl.  die  Einleitung. 

*)  »He  hefit  gehört,  dat  dappere  predicanten  bynnen  Munster  seyn 
gewesen  und  dat  erangelium  am  pesten  gepredigt"  (J.  Niesert  a.  a.  O. 
8.  175).  —  ')  Diese  Angaben  sind  beiden  GestindniBsen  gemeinsam. 

*)  Diesen  Aufenthalt  in  Osnabrück  und  sein  Entweichen  Ton  da  er- 
wähnt Johann  nur  in  seinen  Antworten  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.   Im  Yer- 


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Anno  1533  acta.  413 

itaqne  in  patriam  cnm  Joanne  Matthissone,  Gerardo  tznm  Eloister 
aliisqne  qnibnsdam  spiritnm  anabaptisticnm  crepantibus  de  pae- 
dobaptismo  clancnlnm  agit  et  argumenta^  qnibus  ille  expngnari 
qneat^  inqmixintar  et  conscribnntar.  Qaae  meditatio  adeo  Ley- 
dani  ingeninm  exacnit  adeoqne  obsedit,  nt  rel  ex  tempore  snam 
doctrinam  defensare  änderet  et  nihil  iam  praeter  anabaptismnm 
somniaret^.  Qnomodo  antem  et  qnando  Monasterinm  redierit, 
sno  loco  dicetnr*. 

Alenses  *etiam  circa  haec  tempora  lascivire  et  insanire  in*  *p.  878^ 
cipinnt.    Nam  2.  Innii  principi  snpplicant^  nti  et  sibi  exemplo  a.  Joni. 
snae  metropolis  concionatorem  habere  liceat,  qni  evangelinm  ad 
gloriam  Dei  et  animamm  snanun   salntem  pure   doceat.    Bb- 
spondet  princeps,  nt  se  a  religionis  et  ceremoniamm  novatione 
contineanty  ne  in  calamitatem  inelnctabilem  se  praeeipitent*. 


hdre  in  Dolmen  heiÜBt  es  nur:  „Und  also  in  Hennan  Rammen  hniss  bis 
Jacobi  a.  33  ther  herberge  gebleven,  und  doe  weder  heim  getaegen/ 

')  Nach  seinen  Bekenntnissen  ist  Johann  nach  Aller  Heiligen  (1.  Nov.) 
1533  von  Jan  liatthjs  gewonnen  und  getauft,  darauf  mit  Gert  thom  Cloister 
znn&chst  in  Holland  als  Apostel  ausgesendet  worden.  In  seinem  letzten 
Yerhfire  Tom  20.  Janl  1536  bekennt  Johann  (s.  M.  G.-Q.  U.  S.  399),  dafs 
er  Ton  der  MeinungsTerscbiedenheit  zwischen  Melchior  Hofmann  und  Jan 
Matthjs  in  Betreff  der  Zeit  der  Einführung  der  Wiedertaufe  nur  von  Hören- 
sagen gewnlst  habe. 

*)  Doch  erwfthnt  Eerss.  Johann's  definitive  Bückkehr  nach  Kfinster 
am  13.  Jan.  1534  weiterhin  nicht  an  der  richtigen  Stelle,  sondern  zweimal 
nur  ganz  beiläufig,  ein  Yerfahren,  das  schon  G.  A.  Cornelius  (s.  M.  G.-Q. 
II.  EinL  S.  54  Anm.  61)  rügte.  —  Auf  die  Herkunft  und  Jugend  Johann's 
kommt  Kerss.  spftter  ausführlicher  zurück,  und  zwar  bei  dessen  Erhebung  zum 
König.  Hier  sei  vorerst  &uf  die  dort  beigegebenen  Anmerkungen  verwiesen. 

')  Der  Brief  des  Magistrats  an  den  Bischof  mit  der  Einlage  eines 
Schreibenfl  der  Bürgerschaft  Ahlens  an  den  Magistrat^  beide  vom  2.  Juni 
(Orig.,  resp.  Kopie  im  St-A.  M.),  ist  abgedruckt  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  I*. 
8.  213  ff.  Das  Schreiben  der  Bürgerschaft  Ahlens  wünscht,  der  Bischof  möge 
gestatten,  dals  in  Ahlen  „dat  wort  Godes  recht  und  reyne  durch  gude,  truwe 
und  vernünftige  predicanten  geprediget,  und  wat  ungotlich  is  afgedaen, 
und  dat  gotlich  und  recht  is  wederum  verordent  möge  werden.^  Es  ver- 
weist auch  auf  die  Yorgftnge  in  Warendorf.  Die  Antwort  des  Bischofs  ist 
nicht  mehr  nachweisbar.  Doch  kommt  der  Bischof  auf  dem  Landtage  zu 
Rheine  am  6.  October  auch  auf  diesen  Wunsch  Ahlens  zurück  und  Iftfst 
die  Antwort  erteilen  (St-A.  M.,  Landtags- Akten):  „Als  ze  begert  einen 
guden  predicanten  fhebben.  will  unse  g.  h.  datsulve  in  bedenck  nemen 
und  sich  dar  up  mith  antwort  lathen  vememen." 


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414  Anno  1533  acta. 

Cnm  princeps  inaagoratione  facta  omnia  sibi  dioecesis  op- 
pida  iareinrando  astrinxisset  plennmque  iam  dominiam  assecutus 
faisset,  necessitate  ita  postulante  dioecesana  comitia  in  loco  an- 
4.  Juni,  tiquitas  ad  publicam  consnltatioiiem  recepto  4.  die  lunii  per- 
agenda  indixit.  Nomen  antem  loci  est  Laerbrock  a  Laercampio 
qnodam  villico  ibi  vicino^.  Hnc  princeps  reliqniqne  dioecesis 
ordines  conflnnnt.  Monasterienses  vero  omninm  sagittanorum 
praesidio  mnniti  adsnnt,  quibns  ad  snbitam  eruptionem  re  ita 
exigente  uti  consneveront.  Hnc  etiam  cibos,  vinnm  et  aliquot 
cerevisiae  vasa  convecta  sunt.  Ibi  tum  princeps  ea,  qnae  ad 
conunnnem  dioecesis  utiütatem  visa  snnt  pertinere,  per  oratorem 
snmn  ordinibns  in  consnltationem  proponit  ^  qni,  nt  mnltitndi- 
nem  consnltantinm  in  compendinm  mittant,  paucos  vires  eos- 
demqne  graves,  pmdentes  et  apprime  nobiles  delignnt,  in  quos 
omnem  decidendi  stataendiqne  auctoritatem,  quod  pnblice  utile 
sit,  transfundunt^  qui  de  more  cum  principe,  Monasteriensibus 
ac  oppidorum  legatis  in  urbem  altius  de  re  in  comiüis  propo- 
sita  consulturi  sese   reciperent^.    Verum  nemo  eorum   praeter 


*)  Vgl.  dazu  Longinus  (Fr.  Westhoff):  Führer  durch  das  Münster- 
land,  herausgeg.  von  der  „Geographischen  Gesellschaft  zur  Erforschung  des 
Münsterschen  Tieflandbusens,''  Teil  1  (Münster  1893)  S.  134. 

^)  Nach  den  Landtags-Akten  im  St-A.  M.  handelte  es  sich  hei  dieser 
Tagung  vornehmlich  um  die  Gewährung  der  Willkonmienstetter  für  den 
Bischof,  um  Verhesserung  der  Münzordnung,  um  Festsetzung  von  Mafs- 
regeln  gegen  die  üehergriffe  dienstloser  Landsknechte,  um  die  definitive 
Regelung  und  Verteilung  der  Landessteuer  zur  Beihülfe  für  den  Reichs- 
krieg  gegen  die  Türken  und  endlich  um  Bestätigung  des  Friedensvertrages 
vom  14.  Februar. 

')  Auf  diesem  Landtage  ist  keiner  der  zur  Verhandlung  stehenden 
Gegenstände  zum  Abschlufs  gebracht  worden,  denn  unter  der  Führung 
Münsters  bestanden  die  städtischen  Verordneten  darauf,  vor  einer  binden- 
den BeschluTsfassung  erst  an  die  Ihrigen  zurückberichten  zu  woUen.  Als 
sie  dann  weiter  forderten,  dafs  die  Stände  nach  altem  Brauch  sich  in  die 
Stadt  Münster  begeben  sollten,  erhielten  sie  vom  Bischof  die  Antwort: 
„S.  f.  g.  were  ock  bericht,  dath  van  oldes  nicht  aUwege  gebrucklich  ge- 
west,  to  Munster  yn  to  ryden,  sunder  et  weren  to  mermalen  und  tyden 
dar  voirhen  des  lands  zaken  up  den  Laerbroick  entlich  beslotten  . . .,''  und 
als  die  Städte  dennoch  bei  ihrer  Forderung  behairten,  liefs  er  erklären: 
„S.  f.  g.  zy  ock  anderer  merckliger  vorgefallener  unledde  halven  itzt  nicht 

D,   to  Munster  in  to  tehen   eder  s.  f.  g.  rede  to  schicken.*'  —  Für 


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Anno  1533  acta.  415 

oppidonim  legatos  mnris  se  credere  audet;  terrent  enim  ipsos 
snperiora  captivitatis  Telgeticae  exempla,  si  forte  Monasteriensi- 
bns  pro  arbitrio  sno  omnia  non  snccederent.  Post  longam  nitro 
citroqne  consnltationem  comessatnm  snb  dio  considnnt,  et  cnm 
liquoris  advecti  vis  ingenia  qnomndam  civinm  excitasset  atqne 
acnisset,  tarn  acnte  coeptnm  est  de  fide  dispntari,  nt  lanionis 
eniasdam  minister  acrioribns  argnmentis  transfossns  in  coetu 
omninm  expiraverit,  et  pluros  alii  graviter  sanciati  in  nrbem  re- 
vecti  sunt.  Singnlae  qnoqne  urbanae  tribns  eodem  die  convi- 
*Yantnr,  ac  Lndolphns  Poeck,  alntariomm  tribnlis,  Stoeldreiero,  *p.  374. 
finae  tribns  praefecto,  pollicem  dexterae  manns  ferro  praecidit 
«t  cniusdam  helciopaei  in  platea  salaria  commorantis  pahnam 
transfixit.  Hoc  vero  crimen  pecnnia  et  aliqnot  cerevisiae  vasis 
expiatnm  est. 

Inde  cnm  principi  mnltiplicibns  cnris  et  soUicitudinibns 
pro  snbditis  snis  immerso  referretnr  Coesfeldienses  qnoqne  nova 
moliri,  8.  Iimii  ipsis  in  haec  verba  scribit^:  Se  pnblica  fama8.(JaU). 
«ognovisse  ipsos  explosis  nsitatis  innsitatas  ceremonias  snscepisse 
et  concionatores  qnosdam  sine  legitimi  magistratns  anctoritate 
ad  se  vocasse,  nnde  nihil  aUnd,  qnam  seditiosnm  schisma,  in- 
obedientia,  dissidinm  et  cbristianae  concordiae  tnrbatio  expec- 
tanda  sit  non  solum  adversns  caesareae  maiestatis  edictnm  et 
imperii  placitnm,  vemm  etiam  contra  propriam  suam  fidem  et 
insinrandnm.  Concionatoribns  igitur  istis  abactis  antiqnas  cere- 
monias et  catholicos  templornm  ritns  in  nsn  reservent.  Si  vero 
abnsns  irrepserint,  se  eos  ita  commntatnmm,  ne  catholicae  ec- 
clesiae  nitori  et  dignitati  qnicqnam  decedat. 


Münster  war  es  die  Hauptsache,  jede  Geldbewilligung  an  den  Bischof  ab- 
h&ngig  zu  machen  von  dessen  Nachgiebigkeit  bei  den  Irrungen  mit  der 
Stadt  —  Die  Akten  über  diesen  Landtag  werden  ergänzt  durch  diejenigen 
der  Yerhandlungen  zwischen  bischöflichen  Bäten  und  Münsterschen  Abge- 
sandten am  1.  August  zu  Altenberge  (abgedruckt  bei  G.  A.  Cornelius: 
M.  A.  II.  S.  851  ff.),  die  teilweise  die  Vorgänge  auf  dem  Laerbrok  recapi- 
tuliren.  Aber  auch  zu  Altenberge  kam  es  zu  keinem  AbschluTs.  Zur  Sache 
TgL  C.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  187 ff. 

^)  Vielmehr  am  8.  Juli  aus  Horstmar.  Konzept  im  St-A.  M.  Ueber 
Coesfelds  bisherige  Haltung  s.  Bd.  1  S.  292  ff.  Vgl.  auch  B.  Sökeland: 
Oesch.  der  SUdt  Coesfeld  (Coesfeld  1839)  S.  90  ff. 


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416  Anno  1533  acta. 

9.  Juli.  Ad  haec  Coesfeldienses  9.  Inlii  respondent^:  Se  non  spe- 

rare  facta  sna  famae  de  se  foris  sparsae  consentanea^  sed  famam 
longe  maiorem  factis  esse;  etsi  aliqnid  a  qnibnsdam  schisma- 
tids  clanculnm  intra  moenia  sna  coeptam  fnerit,  magistratom 
tarnen  anctorem  eins  non  esse.  Neqne  se  aliennm  concionatorem 
accivisse,  quam  qni  iam  tribns  fere  Instris  concionandi  apnd  se 
munere  sit  fdnctns  \  cni  etiam  serio  praeceperint,  ne  qnam  doc- 
trinam,  nnde  schisnia  et  dissidinm  nascatnr,  serat.  Se  qnoqne 
snos  cires  coercitnros,  ne  qnid,  qnod  christianae  religioni,  civili 
concordiae  et  receptis  templomm  eeremoniis  ac  ritibns  adrer- 
setnr,  amplectantnr.  Si  rero  nlla  novatio  irrepserit,  se  eam  pro- 
tinns  repressnros  neqne  se  datae  fidei  neqne  praestiti  inrisin- 
randi  religionem  nnqnam  neglectnros  ant  violatnros. 
*p.  875.  *Cnm  antem  fama  de  Goesfeldiensinm  novatione  iamdndnm 

sparsa  non  extennaretnr  neqne  sfleret,   princeps  ad  eosdem  14. 

u.  Juli.  Inlii  sie  scribit^:  Se  sperasse  Coesfeldienses  snperioribns  snis 
scriptis  et  pollicitis  satisfactnros  fnisse  ac  petitionem  snam  apnd 
ipsos  pondns  aUqnod  habnisse.  Yemm  se  nnnc  manifeste  com- 
periri  poUicitam  fidem  ab  ipsis  violatam  esse,  cnm  insnetas  can- 
tiones  vemacnlas  in  templo  cantillent  aliasqne  novationes  cere- 
moniamm  introdncant.  Se  proinde  ipsos  itemm  admonere,  nt 
obedientiae  memores  concionatorem  repndient.  Si  rero  illnd  cnm 
bona  pace  impetrari  non  possit,  se  in  imperialis  edicti  ac  pu- 
blicae  pacis  tntelam  et  patrocininm  ad  alia  remedia  necessario 
confngitnmm. 

Scribit  etiam  eodem  tempore  ad  monachnm  qnendam  ter- 
minarinm  ibidem^,  qni  in  snspicionem  novationis  apnd  prin- 
cipem  addnctns  faerat,  nt  se  concionibns  ad  tempns  abstineat^ 

15.  Jnii.  Monachns  iUe  per  literas  15.  Inlii  emissas  principi  agit  gratias 
qnam  mazunas,  qnod  se  molestissimo  concionandi  onere,  qnod 
senatns  sibi  imposnerit,  liberet^ 


')  Orig.  im  St-A.  M.  —  *)  Es  war  der  Tenninarins  Johann  t.  Hanse. 
—  ■)  Aus  Dftlmen.  Konzept  im  St-A.  M.  —  *)  Konzept  des  Briefes  vom 
14.  Jnli  ans  Dülmen  an  Johann  y.  Hnnse  im  Si-A.  M.  —  ^)  Der  Bischof 
fügt  hinzn:  „dar  mede  wyderonge  nnd  twispaldige  meynnnge  bj  den  nnsen 
van  Goisfelt  yerhoet  und  gade,  christliche  ejnicheit  und  fredde  underholden 
blyve.«  —  •)  Orig.  im  St-A.  M.  Abgedruckt  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  I". 
S.  202. 


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Anno  1533  acta.  417 

Coesfeldienses  ad  superiores  principis  literas  1 7.  Inlii  re-  i7.  Jnu. 
spondent^:  Sibi  non  constare  alinm  quam  terminarinm  tribus 
iam  fere  Instris  concionandi  officio  fonctnm  faisse.  Paroühos 
antem  snos  anünarnm  curam  habentes  avaritiae^  nomine  apud 
plerosqne  cives  male  audire,  et  singulis  exploratissimum  esse, 
qnibns  artibns  in  conqnirendis  pecnniis  calüde  ntantur.  Et  cum 
abande  satis  a  maioribus  snis  decinds,  redditibns,  praediis,  agris 
aliisqne  bonis  quam  plnrimis,  nnde  conoimode  yivant,  sit  pro- 
spectmn,  ipsos  tamen  sacramenta  yendere,  infantes  sine  praesenti 
pecunia  a  sacro  fönte  arcere,  tenoiores  pecnniis  destifcntos  a  ma- 
trimonio  repellere  et  similem  mercatoram  circa  sacramentmn 
corporis  et  sanguinis  Christi  exercere,  anargjros  extortis  pigno- 
ribus  coercere,  iusta  exeqniis  impensa  *non  satis  pinguia  con-*p.  376» 
temptim  remittere,  pauperes  ad  exequias  mortuis  reddendas  co- 
gere  multosque  alios  abusus  loculis  servientes  introducere;  vir- 
gines  Deo  dicatas  propolas  esse  et  civiles  negociationes  in  civium 
graye  dispendium  facere;  cum  ciyium  munitionibus  et  yigiliis 
sine  ullo  suo  incommodo  defendantur,  ipsas  tributum  tolerabüe 
ad  instaurationem  portarum  et  murorum  negare^.  Se  proinde' 
principem  rogare,  ut  hos  cleri  abusus  reprimat*;  se  ciyili  suo 
officio  non  defore. 

Princeps  haec  scripta  clero  Coesfeldiensi  18.  lulii  trans-  is.  Juu. 
mittit  ipsumque  admonet^,  ut  in  sacramentis  administrandis,  uti 
christianos  parochos  decet,  sese  gerat,  ne  senatui  et  ciyibus  Coes- 
feldianis  iustam  querendi  occasionem  «periat  seque  pluribus  mo- 
lestils  inyolyat.  Quod  si  factum  fuerit,  se  illud,  quod  ad  mu- 
tuam  cleri  et  ciyium  concordiam  faciat,  breyi  effecturum. 


0  Orig.  im  St-A.  M.  Abgedr.  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  I\  S.  198fif. 
Kerss.  giebt  das  Schreiben  nur  in  kurzem  Auszuge  wieder. 

*)  „durch  ere  giricheid,  overfloit  und  anders.^ 

')  Die  im  Briefe  nun  folgende  Klage  über  die  Nachlässigkeit  und 
Unfähigkeit  der  Pastoren  in  der  Amtsführung  läfst  Kerss.  ganz  fort. 

*)  Auch  bittet  Coesfeld  wiederholt,  den  Predikanten  Job.  y.  Hunse 
beibehalten  zu  dürfen. 

^)  Aus  Dülmen.  Konzept  im  St-A.  M.  Abgedr.  bei  J.  Niesert: 
U.-B.  I^  S.  204  f.  Gleichzeitig  schreibt  der  Bischof  noch  einmal  an  die 
Stadt  (Konzept  im  St.-A.  M.,  abgedr.  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  203 f.), 
sie  solle  sich  bis  zu  weiterem  Bescheide  aller  Neuerungen  enthalten;  er 
wolle  in  Sachen  der  Religion  Ordnung  schaffen. 

3 


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418  Anno  1533  acta. 

Circa  idem  tempns  quataor  cives  Dalmanienses  Bothmanni 
doctrina  inflammati,  qnem  aliqnoties  concionantem  andiverant, 
dnos  concionatores  connivente  magistratu  sno  Monasterio  secum 
abdncont,  qni  eandem  doctrinam,  quam  a  Bothmanno,  praecep- 
tore  suo,  didicerant,  publice  profiterentur  et  plurimos  cives  Dul- 
manicos  suo  evangelio  lucrifacerent.  Yernm  vigilantissirnns  prin- 
ceps  ac  subditomm  saornm  vems  inspector  in  nocte  Nativitatis 
8.  Sept.  Mariae,  qnae  foit  8.  Septembris  \  mediocri  eqnitata  stipatos 
Dolmaniam  ingressns  est  ac  inventos  doctores  seditiosos  Bever- 
gemam  abdnci  iubet,  nt  motae  seditiouis  poenas  bene  comme- 
ritas  Inant  reliquosqne  a  simili  facinore  sno  exemplo  deterreant. 

Post  haec  Bothmannus,  cum  anabaptismum  propagare  cogi- 
taret,  alios  sibi  mores  a  prioribus  dissimiles  induit,  maiorem 
solito  sanctimoniam  et  vitae  innocentiam  in  publicum  proditurus 
prae  se  fert,  convivia,  comessationes,  puellarum  basia  aliaque 
omnia,  quae  levitatis  suspicionem  augere  queant,  respuit  adeoque 
*p.  877.  ""commutatus  est,  ut  eundem  esse  non  credas.  lam  in  angelum 
lucis  transformatus  ^  non  se  hominem,  sed  numen  aliquod  sub 
humana  forma  circumferre  fingit,  incessu  gravis  et  meditabun- 
dus,  Yultu  severus,  stoicus,  agelastus,  sobrius  et  praeter  morem 
temperans  insignique  pallore  tinctus.  üt  autem  bis  moribus 
doctrina  respondeat,  ad  misericordiae  opera  exercenda  populum 
hortatur,  temperanter  vivendum  esse  in  omnibus  concionibus 
clamitat^;  bonis  quaesitis  communiter  utantur,  mutuis  sese  offi- 


^)  Das  bestätigt  die  Urkunde  des  Bischofs  vom  8.  Sept.  aus  Dülmen 
(Kopie  im  St.-A.  M.  Mscr.  I,  25  fol.  21),  in  der  es  heilst:  „So  wy  gestern, 
Bundag,  bjnnen  unser  stadt  Dülmen  dorch  unse  uthgezante  dener  einen 
anfanck  gedaen  unde  deselven  gefangen  bess  an  uns  hebn  foeren  laten, 
bekennen  wj,  . . .  dat  wy  gemelter  unser  stadt  Dülmen  olde  hergebrachte 
gerechticheit  unde  privilegia  . . .  bestediget  unde  nochmails  hjrmedde  be- 
crefftiget  willen  hebn.** 

*)  Nach  A.  Corvinus:  Acta  etc.  Bl.  A4^  Vergl.  oben  S.  389, 
wo  Eerss.  schon  ganz  ähnlich  berichtet  hat. 

')  Predigten  Rothmann's  sind  uns  leider  nicht  erhalten.  Wir  kennen 
nur  wenige  Auszüge  aus  einzelnen  seiner  Kanzelreden  vom  Jahre  1531 
(abgedr.  bei  J.  Niesert:  U.-B.  I^  S.  165 ff.),  auf  die  schon  Bd.  1  S.  165 
hingewiesen  wurde.  Wohl  sicher  aber  hat  Rothmann  in  der  ersten  Hälfte 
des  Jahres  1533  noch  nicht  in  der  Art  gepredigt,  wie  Eerss.  hier  berichtet. 
Das  hätten  die  gleichzeitigen  Quellen  gewifs  nicht  Terschwiegen.  Die  For- 


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Anno  1533  acta.  419 

ciis  iuvent,  familiariter  inter  se  vivant,  mntno  amore  se  com- 
plectantnr,  nemo  se  sapra  alinm  efferat,  neminem  enim  alio  esse 
snperiorem,  cmn  omnes  sint  fratres  et  sorores  omnesqne  ex  aequo 
ad  beatitadinem  aeternam  invitentur.  Aliomm  concionatorom 
doctrinam,  etsi  evangelium  assidne  crepant,  evangellcam  tarnen 
non  esse,  sed  stnltam  qnandam  persuasionem,  cum  fructus  bonos 
non  operetur^  Papisticam  quoque  colluviem  bonorum  operum 
doctrinam  humanamm  constitutionum  et  ceremoniarum  fece  con- 
taminasse.  Nullam  igitur  propemodum  sanam  doctrinam  esse, 
totum  mundum  corruptum  et  in  maligne  positum,  quare  brevi 
futurum  esse,  ut  horrenda  et  inevitabilis  calamitas  mundum  in- 
vadat,  quam  nemo,  nisi  electi  Dei  et  charactere  foederis  insi- 
gniti,  evasuri  sint;  reliquos  vero  ad  unum  omnes  funestis  sup- 
pliciis  interituros  et  crudeli  intemecione  a  facie  terrae  stirpitus 
evellendos  eumque  finem  mundi  fore;  sed  iudicium  postremum 
post  annos  mille  subsecuturum.  Oppressis  itaque  impiis  in  fine 
mundi  electos  Dei  et  charactere  foederis  insignitos  sub  Christo 
duce  suo  novam  et  felicem  vitam  annos  mille  in  terra  victuros 
(ApocaL  20)  sine  lege,  sine  magistratu,  sine  matrimoniis;  liberos 
tamen  sanctos  sine  ulla  camis  concupiscentia  et  foeda  titillatione 
procreaturos ;  omnia  intra  ipsos  fore  communia,  nihil  ipsis  de- 
futurum,  omnia  piis  sine  labore  et  molestia  affluenter  nascitura; 
scripturas  sacras  tam  novi  quam  yeteris  testamenti  ob  singu- 
larem  vitae  piorum  et  foederis  charactere  signatorum  sancti- 
moniam,  qui  sponte  sua  bene  *victuri  sunt,  in  usu  non  fore.  •p.  378* 
Hoc  autem  impiorum  excidium  brevi  futurum  esse  dictitat. 
Patrem  enim  coelestem  etiam  nunc  angelos  et  ministros  suos, 
quos  coram  videant,   emisisse,   qui  totum  mundum  peragrantes 


demng  der  Gütergemeinschaft,  die  starke  Yertretung  der  chüiastischen  Idee 
mit  ihren  Ueberschwftnglichkeiten,  die  sich  hier  finden,  treten  bei  Roth- 
mann erst  in  seinen  späteren  Schriften  in  den  Yordergrund,  nachdem  die 
Anhänger  des  Jan  Matthys  in  Münster  die  Herrschaft  gewonnen  hatten. 
YgL  auch  die  Einleitung. 

')  In  den  gleich  weiter  zu  besprechenden  Akten  der  Disputation 
vom  7.  und  8.  August  findet  sich  folgender  Ausspruch  Bothmann's:  „Eth 
were  dat  evangelion  wall  by  voelen  angefangen  . . .  Dat  dat  evangelion 
noch  nicht  recht  wer,  merkt  men  by  den  fruchten  woll**  (s.  Zeitschr.  20 
[1859]  S.  158;   Tgl.  auch  Herm.  Hamelmann:  De  paedobapt.  Bl.  C8v). 

3* 


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420  Anno  1533  acta. 

electos  Dei  passim  dispersos  foederis  charactere  signatnri  sint, 
nt  ab  imminente  afflictione  eripiantur.  Signatos  vero  ex  qnatnor 
terrae  angnlis  in  nnum  aliqnem  locam  convocandos  ibiqne  Chri- 
stum, ipsomm  ducem,  gladium  ultionis  ad  eradicandmn  impios 
ipsis  in  manns  snas  traditnrum,  qnem  in  charactere  foederis 
non  signatos  stringant,  nt  eornm  memoria  a  facie  terrae  dispe- 
reat  et  pii  tranquille  vivant.  Huc  scriptnras  detorqnet  cap.  7 
Apoc.  et  9  Ezech.  Inde,  nt  propins  ad  signum  illnd  foederis 
accedat:  ,,Quicnnque,"  inqnit,  „foederis  nota  consignari  volunt, 
peccatis,  diabolo,  propriae  carni  ac  toti  mundo  renunciabunt, 
semetipsos  abnegabunt,  mundana  hominum  commercia,  cibi 
potusque  immoderatum  usum,  scortationes,  lusus,  t^meraria  iura- 
menta,  blasphemias  et  maxime  publicorum  templorum  ingressum 
vitabunt,  ne  vana  doctrina  et  falso  illo  sacramentorum  usu  con- 
taminentur  Deique  iram  post  veram  agnitionem  in  se  provocent. 
Hinc  digni  sunt,  qui  charactere  foederis  notentur,  hoc  est,  ut 
iam  credentes  et  adulti  spirituque  sancto  repleti  aqua  ab  integro 
tingantur;**  adultos  igitur  et  soIos  credentes  esse  baptizandos. 
His  quoque  admiscet:  panem  et  yinum  in  coena  dominica  non 
fieri  verum  corpus  et  sanguinem  lesu  Christi;  aliaque  paulatim 
cum  suis  collegis  docet,  quae  et  ecclesiae  et  scripturae  sacrae 
adversantur. 

Hac  vitae  sanctimonia,  hac  nova  atque  inusitata  doctrina 
populum  fraudis  nescium  in  nae/seam*  quasi  ineitricabilem  et 
labyrinthum  allicit.  Multi  enim  ßothmanni  exemplum  doctri- 
namque  secuti,  cum  iam  spiritu  Dei  satis  se  afQatos  et  com- 
munitos  esse  existimarent  neque  sibi  quicquam  ad  beatam  illam 
piorum  vitam  deesse  putarent,  signo  foederis,  hoc  est  baptismo, 
*p.  379.  consignantur  *et  retinguntur  certo  sibi  persuadentes  paedobap- 
tismum  nihil  prodesse,  neque  se  ab  instanti  calamitate  tutos 
fore,  nisi  rebaptizentur  et  charactere  foederis  in  frontibus  suis 
ab  integro  signentur^ 

*)  Ms,:  nascam. 


*)  Zunächst  enthielten  sich  die  Predikanten,  wenn  sie  sich  auch 
offen  für  Gegner  der  Kindertaufe  erklärten,  dennoch  der  Wiedertaufe.  Wanu 
Buthinann  unter  dem  Einflüsse  besonders  RolPs  für  die  Lehre  der  Wassen- 
berger  Predikanten  gewonnen  wurde,   läfst  sich  aus  den  Quellen  genauer 


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Anno  1533  acta.  421 

Henricns  Bollius  *  vero,  qni  monasticam  vitam,  quam  Har- 
lemiae  in  Hollandia  professns  fuerat^  abiecto  habita  aversatus 
et  apostata  factns  Wassenburgae  apnd  Enram  in  terra  Inliaca 
ooncionatorem  egit,  hinc  Monasterii  cnm  Bothmanno  anabaptis- 


nicht  feststellen.  Aus  seinem  von  Kerss.  früher  (s.  Bd.  1  S.  1^)0)  ange- 
führten Briefe  vom  6.  Sept.  1532  an  Herrn.  Buschius  geht  hervor,  dafs  er 
damals  noch  aus  voller  Ueberzeugung  Gegner  der  Anabaptisten  gewesen  ist. 
Aber  schon  als  v.  d.  Wieck  dauernd  nach  Münster  übersiedelte  (im  März 
1533;  s.  oben  S.  394),  war  Rothmann  zu  radikaleren  Anschauungen  über- 
gegangen. Vergl.  das  Schreiben  v.  d.  Wieck's  an  den  hessischen  Kanzler 
Job.  Feigk  vom  15.  Nov.  1533  (CA.  Cornelius:  M.  A.  II.  S.  3()3),  in 
dem  es  heifst:  „Dan  so  froe  als  ich  mit  meinen  bucheren  gen  Munster  an- 
körnen, haben  Bernhart  Rothman  und  sein  mitgesellcn  die 
1er  der  widdertauffer  angefangen  und  sich  geschickt,  als 
8olt  Munster  arx  sein  anabaptistarum.^  Ueber  das  Schwankende, 
Zaudernde  und  Unsichere  bei  Rothmann's  Auftreten,  dem  v.  d.  Wiock  in 
seinem  Briefe  vom  18.  Nov.  an  den  Landgrafen  von  Hessen  den  schärfsten 
Ausdruck  giebt,  vgl.  CA.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  143  ff.,  171  ff.,  207  ff.  u. 
370.  Ganz  unglaubwürdig  ist  die  Erzählung  H.  Dorp's  (Bl.  C  1^),  nach  der 
Johann  von  Leiden  während  seines  ersten  Aufenthalts  in  Münster  im  Som- 
mer 1533  gegen  den  Einspruch  der  Münsterschen  Predikanten  die  Kinder- 
taufe verworfen  haben  soll,  und  nach  der  Rothmann  daraufhin  das  Volk 
von  der  Kanzel  aus  Öffentlich  ermahnte,  ernstlich  zu  beten,  „das  sie  unser 
Herr  Gott  bey  seinem  reinen  und  lautem  wort  erhalten  wol  und  weren 
allen  schwormereien  und  Rotten,  sonderlich  der  Widerteuffer,  die  itzunder 
auch  bey  jnen  heimlich  einzuschlichen  beginnen;  den  wo  die  Widerteuffer 
überbaut  nemen,  das  kost  nur  laut  und  leut,  beide  geistlich  und  leiblich." 
—  Die  erste  Weigerung  eines  Münsterschen  Predikanten,  nämlich  Stap- 
rade's,  an  Kindern  die  Taufe  zu  vollziehen,  berichtet  Kerss.,  und  zwar  nur 
er  allein,  zum  7.  September  1533.  Die  eigentliche  Wiedertaufe  begann  in 
Münster  erst  im  Januar  des  folgenden  Jahres  nach  Ankunft  der  Anhänger 
des  Jan  Matthys. 

*)  Die  folgenden  Angaben  über  Roll  entnahm  Kerss.  aus  H.  Dorp 
Bl.  C2.  RoU  tritt  in  Münster  zuerst  bei  der  Verteilung  der  Pfarren  am 
10.  Aug.  1532  auf  (vgl.  Bd.  1  S.  231  Anm.  2,  wo  schon  erwähnt  wurde,  dafs 
Kerss.  dieses  wichtige  Ereignis  völlig  überging).  Ueber  Roll,  der  damals 
mit  Glandorp  zusammen  die  Aegidiikirche  erhielt,  vgl.  aufser  C  A.  Cor- 
nelius: M.  A.  IL  S.  163  f.  u.  337  ff.  besonders  Ch.  Sepp;  Geschiedkun- 
dige nasporingen  Bd.  1  (Leiden  1872)  S.  71  f.  u.  Bd.  2  (1873)  S.  1  ff., 
J.  Habet s:  De  wederdoopers  te  Maastricht  (Roermond  1877)  bes.  S.  101  ff. 
u.  227  und  L.  Keller  in  der  „Allgemeinen  deutschen  Biographie"  Bd.  29 
(Leipzig  1889)  S.  75  f. 


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422  Anno  1533  acta. 

mnm  docnit,  nnde  digressns  apnd  Traiectmn  inferins^  propter 
anabaptismnm  igni  adiudicatns  transgressionis  snae  poenas  dedit, 
hie  ea,  qnae  Bothmannns  tectis  atque  obscnris  verbis  visns  est 
dicere,  sonantibns  exprimit  paedobaptismnm  inter  adiaphora  nn- 
merans^,  qui  neqne  bonus  neque  per  se  malns  sit  qniqne  in- 
fantibus ad  salntem  conseqnendam  neqne  prosit  neqne  obsit, 
cnm  nnsqnam  in  sacris  literis  praecipiatur. 

Accessit  et  alins  qnidam  novns  concionator  Hermannns 
Stopradins»  Moersanns,  qni  Henricnm  BoUinm,  praeceptorem 
snnm,  andacia,  dicacitate  et  malitia  sna  longe  superavit  Hie  in 
evangelicos  et  papistas  pariter  ita  e  snggesto  detonnit,  nt  onmes 
nrbani  propemodnm  mures  contremiscerent.  Hie  Bothmanno 
andacior  et  eonfidentior  paedobaptismnm  non  solnm  inter  adia- 
phora nnmerat,  sed  ipsnm  abominationem  eoram  Deo  esse  im- 
pndenter  satis  proclamat.  Ideo  dignns  habitns  est,  eui  cnm 
Bothmanno  praecipnnm  parochiale  templnm  D.  Lamberto  con- 
secratnm  a  factiosis  contra  senatos  volnntatem  committatnr  \ 

*)  Ms.:  Strapadlus. 


*)  Kerss.  verwechselt  hier,  wie  auch  weiter  unten,  wo  er  den  Tod 
des  BoU  noch  einmal  erwähnt,  Traiectum  inferius  =  Utrecht  mit  Traiectum 
superius  =  Mastricht.  H.  Dorp  giebt  richtig  Mastricht  an.  Zur  Sache 
vgl.  C.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  841    und  J.  Habets  a.  a.  0.  8.  227. 

')  Die  verschiedentlichen  Quellen  dafür,  dafs  Roll  der  eigentliche 
Urheber  der  religiösen  Bewegung  zu  Munster  im  Jahre  1533  und  das  Haupt 
der  Gegner  der  Kindertaufe  gewesen  sei,  stellt  C.  A.  Cornelius  a.  a.  O. 
8.  339  zusammen.  Dafs  Roll  die  Kindertaufe  zun&chst  nur  unter  die  adia- 
phora gerechnet  habe,  berichtet  Kerss.  allein.  In  den  Akten  der  Dispu- 
tation vom  7.  und  8.  August  1533  heifst  es  in  der  einleitenden  Rede  des 
Syndikus  t.  d.  Wieck  (Zcitschr.  20  [1859]  S.  156),  Roll  habe  gepredigt» 
„dat  die  kinderdoepe  ein  gruwell  vor  Got  sy.**  Rothmann  er- 
widert darauf:  »Vort  dat  Henricus  heft  gesecht,  de  kinderdoepe  sy  unrecht 
und  ein  gruweU  vor  Gott,  des  sein  alle  gelyke  gestendig  ..."  Der  An- 
sicht Rollos  und  Rolhmann's  schliefsen  sich  dann  ausdrücklich  an  Kloprifs» 
Stralen,  Staprade  und  Yinne  (vgl.  auch  Herm.  Hamelmann:  De  paedo- 
bapt.  Bl.  C  G^  u.  D  !▼).  Die  gleich  bei  Kerss.  folgende  irrige  Notiz,  dafs 
Herm.  Staprade  zuerst  in  öffentlicher  Predigt  die  Kindertaufe  ein  Greuel 
vor  Gott  genannt  habe,  ist  wieder  wörtlich  aus  H.  Dorp  entnommen. 

')  Aus  H.  Dorp  a.  a.  0.  entnonmaen.  In  den  Akten  der  Disputa- 
tion finden  sich  noch  folgende  auf  Staprade  bezügliche  SteUen:  y.  d.  Wieck 
sagt,   Staprade   hätte  gepredigt,    „men  wolde  dalr  mit  upror  maken,   dat 


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Anno  1533  acta.  423 

Hae  Bothmannistanun  conciones  omnes  nrbis  ordines, 
mazime  vero  senatorium  conturbant  et  exterrent,  qni  per  legatos 
primnm  Bothmanniun  rogat,  nt  sibi  a  controversia  duornm  sa- 
cramentomm,  baptismi  scilicet  et  coenae  dominicae,  doctrina 
temperet.  Inde  cnm  legatomm  precibus  non  acqniesceret,  ipse 
cnm  aliis  qnibnsdam  eiusdem  farinae  concionatoribns  ad  cariam 
graphiariam  vocatnr,  nbi  itemm  admonitus,  ne  factio*sam  hanc*p.  380. 
doctrinam  in  ynlgas  spargat;  sed  cnm  ab  ea  se  nondnm  absti- 
neret,  a  senatn,  tribnnis  ac  mechanicomm  praesidibns  in  pleno 
senatas  consessn  acrioribns  verbis  obinrgatus  est,  qnod  paedo- 
baptismnm  rem  mediam  esse  contra  ecclesiae  institntmn  docnerit, 
qnae  neqne  infantibus  ad  salntem  prosit  neqne  obsit.  Bespondet: 
non  se,  sed  snomm  aliqnem  ista  docnisse;  se  antem  effectnmm, 
ne  idem  in  postemm  andiatnr^  Yemm  hinc  digressns  parom 
addictae  fidei  memor  paedobaptismmn  non  solnm  inter  adiaphora 
recenset,  sed  coram  Deo  abominationem  esse  mnlto  confidentins 
cum  sno  Stapradio  docet.  Idem  reliqni  ecclesiastae  facinnt  Quae 
nbi  senatos  snmmo  cnm  dolore  animadverteret,  ant  tristem  rui- 
nam  ant  ezimiam  calamitatem  ant  insignem  absqne  exemplo 
reipnblicae  mntationem  fntnram  metnens  variis  modis  de  coer- 
cenda  Bothmanni   andacia  seditiosae  plebis   favore  mnnita  con- 


men  die  kinderdope  hir  holden  wolde.**  Rothmann  entgegnet:  „Wider, 
dftt  Hennannus  solde  geprediget  hebhen,  men  wolde  dair  mit  nproir  ma- 
ken  . . .,  gestehet  he  gantz  nicht.  So  averst  he  mochte  vennnert  werden, 
in  wat  sermon  eder  waniier  solches  gescheidt,  wolde  he,  was  de  warheit 
wer,  als  dan  nicht  verswigen  . ..'  (s.  Zeitschr.  a.  a.  0.  S.  156  u.  159  nnd 
Herrn.  Hamelmann:  De  paedobaptismo  a.  a.  0.). 

')  Die  Unterhandlungen  des  Bats  zu  dieser  Zeit  mit  Bothmann  und 
den  übrigen  Führern  der  Gegner  der  Kindertaufe  sind  im  Einzelnen  sonst 
nicht  überliefert.  Kerss.  berührt  sie  noch  am  ausführlichsten.  In  den 
Akten  über  die  Disputation  werden  sie  in  der  Einleitungsrede  v.  d.  Wieck's 
nur  kurz  gestreift  (s.  Zeitschr.  a.  a.  0.  S.  1&4  und  Herm.  Hamelmann: 
De  paedobapt  Bl.  C4^  u.  Co).  Dafs  übrigens  die  Predikanten  ihre  dem 
Rate  gethane  Zusage,  die  Predigten  gegen  die  Kindertaufe  und  das  Sakra- 
ment des  Abendmahles  zu  unterlassen,  nicht  gehalten  haben,  beweist  auch 
ein  Brief  des  Bats  von  Münster  an  den  Landgrafen  von  Hessen  Yom  15. 
Not.  (abgedr.  bei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  II.  S.  360),  in  dem  es  heifst: 
0. . .  hebbe  wir  wedder  solchs  ze  upt  frnntlichste  gebedden,  und  hebben 
nns  gedachte  predicanten  nun  nichts  van  allem  des  unsz 
darup  togesacht  gehalden.** 


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424  Anno  1533  acta. 

snltat.  Qnam  cnm  sine  horrenda  vulgi  seditione  et  sanguinis 
effnsione  vi  retnndere  se  non  posse  existimaret,  incruentnm  ita- 
qne  bellum  adversus  illum  suscipiendum  esse  decernit,  ut  argu- 
mentorum  vi  aut  debellatus  et  pudefactus  sileat,  aut  teils  acrio- 
ribus  e  sacrarum  literarum  pharetra  depromptis  in  senatu  coram 
tribunis  et  mechanicorum  praesidibus  per  viros  bene  exercitatos 
confossus  seditiosae  plebis  desinat  esse  caput;  quae  ratio  vin- 
cendi  ut  sit  tutissima,  ita  quoque  maxime  reipublicae  profutura. 
Proinde  ab  Hermanno  Buschio*,  militaris  ordinis  viro 
poetaque  insigni,  ac  Joanne  Holtmanno  Ahusiano,  seniore  et 
scripturario  Fontissalientis,  et  aliis  quibusdam  facundia,  erudi- 
tione  et  pietate   praecellentibus  viris*  adversus   Eothmannum, 

7.u.8.Aug.  quem  superintendentem  *  appellabant,  suosque  satellites  7.  et  8. 
Augusti  in  conclavi  senatorio  praesente  senatu  plebeioque  magi- 
stratu  acerrime  pugnatum  est.  Adhibentur  huic  examini  duo 
exceptores  seu  notarii  sacramenti  religione  obstricti,  qui  utrinque 

♦  p  381.  *dicta  et  disputata  bona  flde  conscribant.  Huius  logomachiae 
tela  utrinque   emissa  et  contorta,    quae   apud  me  conservantur, 


*)  Vgl.  über  Buschins  H.  J.  Liessem:  Hermann  van  dem  Busche, 
sein  Leben  u.  seine  Schriften  (Programme  d.  Kaiser- Wilhelm-Gymnasiums 
in  Köln  1884  ff.).  Von  einer  früheren  persönlichen  Bekanntschaft  zwischen 
Bothmann  und  Buschius  berichtet  nur  Herrn.  Hamelmann  S.  1188. 
Jedenfalls  standen  sie  mit  einander  im  Briefwechsel.  S.  das  Bd.  1  S.  190 
von  Kerss.  angeführte  Schreiben  Rothmann's.  Bei  Herm.  Hamelmann: 
De  paedobapt.  Bl.  C  7  findet  sich  folgende  Stelle  aus  der  ersten  Rede  des 
Buschius:  „Superiori  quidem  anno  et  similiter  antea  cum  multis  piis  ga- 
visus  sum  . . .,  quod  audirem  in  patrio  solo  evangelium  Christi  et  dopositis 
abusibus  legitimam  sacramentorum  administrationem  in  ecclesiis  rcceptam, 
et  ministerium  Bemhardi  Rothmanni,  hominis  ingcniosi  et  facundi, 
de  quo  tunc  temporis  multum  spei  conceperam,  gratulabar 
Monastcricnsibus.** 

*)  Wie  Kerss.  den  Verlauf  der  Disputation  vollständig  mit  Still- 
schweigen übergeht,  so  hat  er  es  auch  nicht  einmal  für  der  Mühe  wert 
gehalten,  die  Namen  sämmtlicher  Teilnehmer  zu  nennen.  Aufser  Buschius 
und  Holtmann  beteiligten  sich  an  der  Disputation  noch  der  Fratcrhcrr 
Dieüich  Bredevort,  weiter  der  Augustinerpater  Johann  Brothanzt,  Arnold 
Belholt,  Johann  Glandorp,  Peter  Wirtheim  und  Brictius  tom  Norde ;  ihnen 
gegenüber  standen  neben  Rothmann  die  Prodikanten  Heinrich  Roll,  Johann 
Kloprifs,  Gottfiried  Stralen,  Hermann  Staprade  und  Dionjsius  Vinne. 

»)  Vgl.  oben  S.  389  Anm.  2. 


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Anno  1533  acta.  425 

cum  plurima  sint,    eorum  descriptionem,  ne  fastidium   legenti 
ingeram,  pnidens  omitto^ 

Senatus  finita  hac  scriptnrarum  coUatione  Eothmannistas 


')  Die  Akten  der  Disputation  sind  im  Originale  nicht  mehr  nach- 
weisbar, doch  ist  in  der  Zcitschr.  20  (1851«)  S.  \b'6S.  eine  vom  Kaufmann 
F.  J.  Offenberg  in  Münster  aufgefundene  alte  Abschrift  derselben  in 
niederdeutscher  Sprache  (jetzt  in  der  Bibliothek  des  Altertumsvereins  zu 
Münster)  durch  B.  Hölscher  veröffentlicht  worden.  Weiter  liegt  eine 
lateinische  Uebersetzung  vor,  die  Her m.  Harne  1  mann  im  Jahre  1572 
unter  dem  Titel;  „De  Paedobaptismo"  erscheinen  liefs  (vergl.  P.  Bahl- 
mann:  Bibl.  J533  Nr.  3),  und  die  wiederabgedruckt  wurde  von  J.  Wi- 
gand:  De  anabaptismo  (Lipsiae  15ti2)  S.  3()l  ff.  Sie  fügt  in  Uebersetzung 
auch  die  späteren  Entgegnungen  Glandorp's  und  Wirtheim's  gegen  Roth- 
mann  und  aufscrdem  einige  Erklärungen  H.  Hamclmann's  hinzu.  Die  ein- 
leitenden Verhandlungen  bringt  sie  ausführlicher,  als  sie  sich  in  der  Ab- 
schrift in  der  Zeitschrift  finden,  aus  der  auch  ein  Blatt  herausgerissen  ist^ 
das  die  letzten  Sätze  der  Rede  Brcdevort^s,  die  ganze  Rede  Belholt's  und 
die  ersten  Worte  Glandorp's  enthielt  (Herm.  Hamelmann  Bl.  El^  Zeile 
23  bis  Bl.  E3  Zeile  6).  —  Ein  Mscr.  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A.  518/19  n. 
fol.  27  flf.)  giebt  einen  in  hochdeutscher  Sprache  gleichzeitig  geschriebenen 
Auszug  aus  dem  Protokolle,  der  aber  nur  die  gröfseren  Reden  des  Buschius 
und  Rothmann  vom  7.  Aug.  und  die  ausführliche  Entgegnung  Rothmann's 
Tom  8.  Aug.,  so  weit  sie  sich  gegen  Buschius  richtete,  bietet.  B.  Hölscher 
hat  in  seiner  Publikation  in  der  Zeitschrift  die  hauptsächlichsten  Varianten, 
Auslassungen  und  Zusätze  dieses  Manuscripts  in  den  Noten  kenntlich  ge- 
macht —  Von  den  Geschichtsschreibern  der  damaligen  Zeit  ist  die  Dispu- 
tation immer  nur  ganz  kurz  behandelt  worden,  am  ausführlichsten  noch 
▼on  H.  Dorp  (Bl.  OB),  der  sich  aber  ebenfalls  auf  die  Akten  beruft,  die 
„ausweisen,  wes  ein  jeder  bey  disser  sach  gethan  hab."  A.  Corvin  hat 
ICleichfalls  die  Akten  gelosen  und  stellt  (Acta  etc.  Bl.  B  i^)  den  Gegnern 
Bothmann's  das  Zeugnis  aus,  „das  sie  sich  in  diesem  fal  menlich,  christ- 
lich und  ehrlich  Widder  die  Rottengeistor  gesetzt  haben,  aber  doch  nichts 
mehr  bei  inen  erlangt,  denn  darnach  die  unseren  bey  inen  haben  erlangen 
mögen."  In  der  „Glaublichen  Anzeige"  des  Dietrich  von  Hamburg 
findet  sich  die  sonst  nicht  zu  belegende  Notiz  (Bl.  A  !▼),  dafs  die  „bere- 
dung öffentlich  im  druck  aussgangen."  Herm.  Hamelmann  ist  in  seinen 
sonstigen  Werken  noch  zweimal  auf  die  Disputation  zurückgekommen  (Opera 
8.  303  in  seiner  „Narratio  de  vita  Hermanni  Buschii"  und  S.  1200  £f.  in 
seiner  „Historia  renati  evangelii  in  urbe  Monast.").  —  In  ganz  wenigen  der 
sahlroichen  späteren  Abschriften  des  Ker8s.'schen  Werkes  habe  ich  die  Ver- 
handlungen der  Disputation  in  lateinischer  Uebersetzung  beigefügt  gefun- 
den, die  sich  dem  Sinne,  nicht  aber  dem  Wortlaute  nach  mit  H.  Hamel- 
mann^s  Uebersetzung  deckt. 


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426  Anno  153:J  acta. 

firmioribns  Buschii  argnmentis  debellatos  et  convictos  esse  sen* 
tiens  per  loannem  a  Wyck,  doctorem  et  syndicum,  dispntationem 
his  verbis  intercipit^:  „Senatns  hnius  urbis  ea,  qnae  ntrinqne 
in  colloqnio  addncta  sunt,  satis  intellexit.  Ne  antem  caesareae 
maiestatis  constitntioni  adversetnr  neve  qnenqnam  intra  sua 
moenia  illi  repngnare  patiatnr  neve  foedera  pacisqne  leges  inter 
principem  et  rempablicam  Monasteriensem  initas  violare  dicatnr^ 
edicit  ac  iubet,  nt  concionatores  ab  his  et  aliis  duororn  sacra- 
mentornm,  baptistni  scilicet  ac  coenae  dominicae,  articulis  in. 
concionibus  snis  prorsns  sibi  temperent,  paedobaptismnm  ad 
institutum  ecclesiae  inyiolatmn  servent  neqne  qnenqnam  ab  eo 
dehortentnr  deterreantqne  neqne  qnamlibet  in  religionis  negotio 
novationem  introdncant,  nisi  prins  alios  erroris  convincant  et 
snam  doctrinam  accnratins  verbo  Dei  conflnnent.  Si  vero  ipsoa 
propositiones  snas  doctrinamqne  snam  sacramm  literamm  testi- 
moniis  comprobasse  et  imperatoriam  constitntionem  aliaqne  magi* 
stratnnm  decreta  pacisqne  initae  foedera  non  esse  servanda  osten- 
disse  senatns  deprehenderit,  se  ea,  qnae  christiannm  deceant 
magistratnm,  factnmm.  Sed  dnm  ea  nondnm  sint  discnssa  et 
declarata,  senatum  in  hac  nrbe  nnllam  novationem  admissnmm; 
et  si  hnic  decreto  vis  a  qnoqnam  fiat  ant  qnoqno  modo  iUnd 
contemnatnr,  ipsi  concionatores  experientnr  senatum  aegre  la* 
tumm,  neqne  ipsos  a  poena  immunes  futuros.** 


')  Das  Folgende  ist  Ucbersetznng  des  Beschlusses  des  Rates,  den  der- 
selbe im  Einverständnis  mit  den  Older-  und  Meist«rleuten  den  Predikanten 
zu  erkennen  gab  (s.  Zeitschr.  a.  a.  0.  S.  176  und  Herm«  Hamelmann 
a.  a.  0.  Bl.  E  5^  u.  E  6).  Derselbe  ist  auch  wiedergegeben  in  dem  Schreiben 
des  Rates  von  Münster  vom  15.  Nov.  an  den  Landgrafen  Philipp  von  Hessen 
(s.  CA.  Cornelius:  M.  A.  II.  8.  360  f.).  Doch  wurde  dieser  Beschlufa 
nicht  am  Ende  der  Disputation  verkündigt,  sondern  bereits  am  7.  August, 
als  die  weitere  Besprechung  auf  den  folgenden  Tag  verschoben  wurde,  an 
dem  Rothmann  erst  seine  Hauptrede  zur  Widerlegung  seiner  s&mmtlichen 
Gegner  hielt  Freilich  wurde  dieser  BeschluTs  dann  am  8.  August  wieder- 
holt,  nachdem  Buschius  sich  f&r  die  Weiterführung  des  Gesprilches  mit 
seiner  Ermüdung  entschuldigt  und  eine  schriftliche  Antwort  versprochen 
hatte,  und  damit  die  Disputation,  die  keineswegs  glücklich  für  die  Anhänger 
der  Kindertaufe  auslief,  endigte.  Kerss.  hat  dieses  aUes  unerwähnt  ge- 
lassen, trotzdem  er  es  aus  den  Akten,  die  er  besafs,  h&tte  wissen  müssen. 
Zur  Sache  vgl.  Herm.  Hamelmann  a.a.O.  Bl.  E5f.  u.  Q2fF. 


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Anno  1533  acta.  427 

Hoc  modo  colloqnimn  et  consessns  doctormn  dissolntns  fiiit. 

*Ip8a  die  Lanrentii  Martyris,  quae  fiiit  10.  Augusti,  cnin*p.  382^ 
quidam  Hollandns  anabaptismo  addictns  in  templo  Aegidiano  ^^'  ^'^' 
hora  tertia  pomeridiana  concionaretur,  Joannes  Windemollerus 
Senator^  non  tarn  Lntheranismo,  qnam  anabaptismo  infensns  in 
concionatorem  irrnit  enmque  e  snggesto  detraxit:  „Quid  tn," 
inquit,  „verbero,  ad  populum  hie  verba  facis,  indignns,  nt  sug- 
gestnm  conscendas,  qni  ante  annos  aliqnot  scalas  ignominiae 
ascendisti,  qni  ad  palnm  nnmellarinm  ignominiae  caasa  religatns 
canterio  candenti  in  altera  mala  per  camificem  signatns  es,  quasi 
yero  istam  notam,  qnam  in  maxilla  circnmfers,  non  noverimns, 
quasi  probitas  isto  signo  egeat?  Tune  honesta  et  pia  doces,  qui 
inter  mastigias  et  verberones  educatus  ipse  inhoneste  et  impie 
yixeris?  Apage  te  cum  ipsa  tua  doctrina,  cum  ipsa  tua  inusta 
cicatrice!  Maculam  istam  tuam  prius  ablue,  quam  hunc  locum 
probo  viro  dignum  capias!**  Anna  vero,  Milingii  cuiusdam  uxor, 
aliaeque  complures  mulierculae  spiritu  anabaptistico  afflatae  in- 
dignum  facinus  esse  exclamant  virum  Dei  e  snggesto  deturbare, 
concionantem  impedire,  salutarem  doctrinam  civibus  invidere; 
eum  sibi  a  vi  non  temperare,  qui  ab  aliis  illatam  merito  pro- 
pulsaret.  Impium  illud  scelus  exemplo  carere,  impunitum  ergo 
non  relinquendum,  conniventem  senatum  amovendum  aliumque 
substituendum,  qui  evangelicam  libertatem  non  opprimat,  sed 
singulari  favore  prosequatur,  amet,  promoveat  atque  augeat. 
Magnus  his  verbis  muliercularum  fit  concursus,  magna  vocum 
confusio  et  tempestas  adeo,  ut  tota  templi  structura  tremeret. 
Interea  ecclesiastes  ille  insolit^a  intemperie  conterritus  evanuit. 
WindemoUems  etiam  garrulam  feminarum  turbam  effugiens 
templo  excessit  ac  sese  subduxit.  Motus  autem  ille  femineus 
deficientibns  antagonistis  facile  quievit. 

*Sed  seditiosi  senatum  pecunia  a  principe  corruptum  nec»p.  383, 
evangelio  favere  passim  per  urbem  dictitant;  alium  proinde  esse 
eligendum.     Quid  multis?    Ita  paulatim  in  urbe   anabaptismus 


^)  Er  ist  wohl  sicher  derselbe,  der  in  der  Yersammlang  der  Gilden 
am  1.  Jnli  1532  die  Bürger  zu  einem  Bunde  gegen  die  Unterdrücker  des 
Eyangelinms  aufrief,  und  der  dann  in  den  dafür  niedergesetzten  Ausschufs 
der  36  M&nner  gewählt  wurde.    Vgl.  Bd.  1  S.  218  f. 


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428  Anno  1533  acta. 

invalescebat,  ut  loannis  Langennanni,  Petri  Frisii  aliorumqne 
7.  Sept.  civium  infantibus  7.  Sept^mbris  in  templum  delatis  Hermannus 
Stapradius  Moersanus  baptismum  manifeste  negaret  ^  Quam  rem 
senatus  aegerrime  tulit,  neque  enim  illud  futurum  unquam  spe- 
rasset,  cum  ex  superiori  certamine  Bothmannistas  infirmioribus 
argumentis  inniti  animadvertisset  atque  ideo  seditiosam  hanc  et 
controversam  duorum  sacramentorum  doctrinam  spargi  vetuisset. 
Quare  ubi  ecclesiastae  superiori  disputatione  se  victos  esse  non 
faterentur  neque  a  sua  doctrina  in  magistratus  contemptum  et 
ludibrium  latum  culmum  discederent,  sed  haereticorum  more 
multo  praefractiores  redderentur  suaque  pertinacius  defenderent 
iisdemque  multa  nova  paulatim  affiingerent,  senatus  avitae  ec- 
clesiae  institutioni  et  doctrinae  de  paedobaptismo  tutius  sibi 
adhaerendum  esse  existimans  Bothmannistis  non  solum  omnibus 
concionibuSy  verum  etiam  urbe  plebei  magistratus  praesidio 
fretus  *  serio  interdicit.  Quo  edicto  concionatores  praeter  opinio- 
nem  suam  promulgato,  cum  plebeio  se  favore  munitos  esse  pu- 
tarent,  vehementer  partim  exacerbati,  partim  constemati^  sena- 
tum bis  scriptis  adoriuntur*: 
„Seditiosorum  concionatorum  scriptum  senatui  Monas teriensi 
17.  sept  1 7.  Septembris  traditum. 

Gratia  a  Deo  Patre,  vera  agnitio  lesu  Christi  et  illumi- 
natio  Spiritus  Sancti  in  omnem  veritatem  sit  vobiscum.  Amen! 
Quod  superioribus  hisce  diebus  interdictis  vestris  nos  ab  evan- 
gelica  functione  terruistis  ac  urbe  vestra  excederemus  crudeliter 
praecepistis,  minime  sperassemus.   ütut  autem  sit,  rogamus,  ut, 


')  Nur  durch  Kerss.  überliefert. 

*)  Der  Rat  konnte  das  um  so  mehr,  da  das  Gebot  vom  7.  und  8. 
August  an  die  Predikanten  auch  im  Namen  der  Oldcr-  und  Meisterleute 
ergangen  war  (vergl.  Zeitschr.  20  [1859]  S.  176  u.  194).  Herm.  Hamel- 
mann:  De  paedobapt  Bl.  E5^  erwähnt  freilich  die  Mitwirkung  der  Older- 
und  Meisterleute  nicht. 

*)  Es  scheint,  dafs  Staprade  für  kurze  Zeit  aus  Münster  hat  weichen 
müssen,  denn  die  gleich  von  Kerss.  mitgeteilte  Eingabe  der  Predikanten 
an  den  Rat  ist  von  ihm  nicht  unterzeichnet  worden.  Doch  kann  seine 
Abwesenheit  nicht  lange  gedauert  haben,  weil  die  Vorrede  zu  der  Schrift 
„Bekenntnisse  von  beiden  Sacramenten,"  datiert  aus  Münster  vom  22.  Oct., 
auch  seine  Namensunterschrift  trägt.  —  *)  Nur  durch  Kerss.  bekannt. 


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Anno  1533  acta.  42 J 

quae  *tnnc  viva  voce  respondere  non  licnit,  ea  nnnc  a  nobis*p.  384. 
descripta  christianis  pectoribns  accipiatis;  cnm  satis  compertum 
Sit  vobis  nostri  mnneris  esse,  ut  oviculas  Ckristi  nobis  concre- 
ditas  pascamns  et  ea  solum  proponamns,  qnae  Christus  man- 
davit,  neqne  iis  qnicqnam  detrahamns  neqne  addamns,  sed  qnic- 
qnid  ad  normam  Dei  non  dirigitur  neqne  illi  consentit,  repre- 
hendamns,  reiiciamns  et  stirpitns  eradicemns.  Similiter  vos  non 
latet,  quanta  cnm  molestia  et  labore  in  conspectn  omnis  popnli 
susceptnm  hoc  docendi  mnnns  administraverimns  nee  a  qnoquam 
in  hnnc  usqne  diem  erroris  convicti  simus,  vel  qnod  a  veritate 
aliena  docnerimns;  quam  etiam  doctrinam  nostram  nltimi  snp- 
plicii  periculo,  qnanqnam  non  sit  necessarinm,  nos  defensnros 
esse  recepimus  et  adhnc  recipimns.  Proinde  vobis  expendendnm 
relinqnimus,  quid  egeritis  quibusve  christianis  legibus  confisi 
nos  ab  ofBcio  removeritis.  Seimus,  quid  Paulus  1  Corinth.  14 
dicat:  „Si,**  inquit,  „alii  fuerit  revelatum  assidenti,  prior  ta- 
ceat^"  Neminem  vero  novimus,  nemoque  prodit,  cui  meliora 
sint  revelata.  Nos  tamen  tacere  voluistis.  Si  autem  aliquis  me- 
liora adferret,  aequum  esset  nos  tacere.  Praeterea  miramur, 
quid  vos,  penes  quos  profanarum  quidem  rerum  iurisdictio  est, 
de  hac  quoque  re  iudicandi  auctoritatem  vobis  arrogetis.  Si 
christiani  esse  vultis,  qua  fronte  civilibus  vestris  interdictis  ver- 
bum  Dei  impedire  et  remorari  audctis?  Scriptura  ecclesiae  iu- 
dicium  tribuit,  et  cum  ecclesiae  christianorum  sint  et  esse  velint, 
si  itaque  vos  aut  alius  quispiam  adversus  nos  qnicqnam  habu- 
isset,  illud  in  ecclesia  et  congregatione  fidelium  nobis  praesen- 
tibus  propositum  fuisset,  et  si  veritatis  clypeo  non  fuissemus 
communiti  neque  doctrinam  nostram  manifestis  sacrarum  Ute- 
rarum  testimoniis  defendissemus,  merito  iudicio  et  poenae  subii- 
ceremur.  Quam  causam  adversus  nos  habetis,  qui  doctrinam  de 
baptizandis  infantibus  erroneam  esse  professi  sumus?  Contra 
agnitam  veritatem  nihil  nobis  agendum  esse  decrevimus;  ferro 
tamen  possumus,  ut  *illi  hoc  faciant,  qui  minus  agnitionis  con-»p  355^ 
secuti  sunt  et  eam  nondum  sunt  professi,  ut  imprudentibus  ser- 
viatur,  donec  veritas  magis  patescat.  Yosmetipsos  iudicate!  Cum 
paedobaptismum  erroneum  esse  dixerimus  neque  vos  neque  alius 

')  1  Corinth.  14,  30. 

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430  Anno  1533  acta. 

qnispiam  certis  argumentis  nos  convicerit,  qua  ratione  qnove 
christianae  professionis  officio  addncti  nos  contra  agnitam  veri- 
tatem  ea  recantare  vi  cogitis,  si  vero  illnd  a  nobis  non  fiat,  con- 
cionandi  officio  nobis  interdicitis?  0  Dens!  Haeccine  iura  ci- 
vilia  ac  imperatomm  constitntiones  praecipinnt,  qnas  syndicus 
vester  magnifice  tonat?  Profecto,  ins  divinnm  longo  diversam 
inbet.  Bogamns  antem  Denm,  nt  vos  in  ea  agnitione  conservet, 
ne  qnid  contra  agnitam  veritatem  committatis,  sicnt  nos  facere 
vnltis.  Yemm  hanc  impietatem  Dens  in  aetemum  a  nobis  avertat! 
Qui  imprndenter  qnidem  teste  Paulo*  peccat,  delicti  gratiam  a 
Deo  impetrare  potest;  qni  vero  prndenter  (nt  Sani  1.  Beg.  15 
et  Pharao  Exod.  5*)  delinqnnnt  ac  veritati  resistnnt,  in  dies 
magis  magisque  excaecantnr  ac  indurantnr  adeo,  nt  nnllins  nn- 
qnam  poenitentiae  Ulis  sit  locns.  Proinde  itemm  ex  mntno 
christianae  caritatis  vincnlo  vos  rogamns  et  admonemns,  nt  hanc 
evangelü  cansam  accnratins  cordatinsve  intneamini  et  expendatis 
neqne  adeo  hnmanis  opinionibns  dncamini  adeove  eos,  qni  blas- 
phema  ac  impia  verba  ventosa  garmlitate  strepnnt,  sectemini, 
nt  lesn  Christi  veritas  obscnretnr.  Praeterea  cnm  in  conclavi 
senatorio  vobis  praesentibns  antagonistamm  nostromm  argn- 
mentis  fnsins  qnidem,  qnam  vobis  tnnc  temporis  placnit,  a  nobis 
responsnm  sit  illiqne  dintnmae  sessionis  pertaesi  per  scripta 
nobis  respondere  receperint  et  nnnc  sex  propemodnm  hebdoma- 
das  meditando  absnmpserint,  rogamns,  nt,  si  qnid  ab  illis  ad- 
versns  nos  nostramqne  professionem  addnctnm  sit,  confestim  eins 
nobis  copia  fiat  \  Ista  enim  respondendi  mora  et  nobis  et  veri- 
tati pnblicaeqne  paci  plnrimnm  obest.  Precamnr  insnper,  nt 
hanc  fidelem  nostram  admonitionem  boni  consnlatis  neqne  nos 
"p.  386.  nisi  veritate  convictos  in  officio  tnrbetis.  *Si  vero  pertinaciter 
(qnod  Omnipotens  avertat)  propositnm  vestmm  nrseritis,  nihilo- 
minns  tamen  nostrae  a  Deo  nobis  commissae  fnnctioni  insistentes 

»)  Ms.:  4. 


^)  Vgl.  1  Tim.  1,  13.  —  ')  Die  Entgegnungen,  die  Glandorp  und 
Wirthelm  am  31.  Aug.  thatB&chlich  dem  Bäte  eingereicht  hatten  (s.  Herrn. 
Hamelmann:  De  paedobapt  BL  G2fF.),  und  die  Brictius  tom  Norde 
unterzeichnete  (s.  ebenda  Bl.  G  6^),  waren  also  offenbar  den  Predikanten 
nicht  eingehändigt  worden. 


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Anno  1533  acta.  431 

coram  Deo  et  toto  mnndo  veritatem  etiam  cum  vitae  omnium- 
que  rerum  dispendio  profitebimur  cogitantes  interim  Deo  magis 
obediendmn  esse,  quam  hominibas  K  Vobis  ergo  pensandam  ob- 
trudimos,  quam  sit  pericnlosnm  incidere  in  iadicinm  Domini. 
Omnia  tarnen  bona  de  vobis  speramns,  quos  Omnipotens  in  sui 
agnitione  ita  illustret,  nt  respublica  bene  regator.  Vestri  evan- 
gelüqne  lesn  Christi  ministri 

Bemhardns  Bothmannns,  Joannes  Cloprisius, 
Godefridns  Stralenins,  Henricns  Bollios»  Dionisins  Vinnins.^ 
Nee  minori  stndio  et  diligentia  apnd  tribnnos  mechani- 
commque  praesides  per  se  et  snae  factionis  satellites,  quos  tarnen 
gratia  et  anctoritate  apud  illos  poliere  arbitrati  sunt,  negotium 
snom  peragnnt  potentes,  ne  a  pio  officio  cum  ignominia  et  de- 
decore  removeantor,  qnod  cum  snmmo  mnltitadinis  applansu 
fideliter  hactenns  administraverint,  neque  nrbe  quasi  scelerosi 
et  flagitiosi  profligentur,  qui  de  republica  bene  meriti  sint,  qui 
plurimos  a  papatus  caecitate  ad  evangelicam  lucem  revocaverint, 
qui  papistica  tyrannide  debellata  regnum  Christi  pristino  nitori 
restituerint;  nihil  se  ezilio  dignum  commisisse,  nullo  flagitio 
oontaminatos  esse,  nisi  flagitium  sit  verbum  Dei  pure  docuisse. 
Atqui  si  hoc  flagitium  sit,  se  quidem  flagitiosissimos  esse  et  non 
solum  ezilio,  verum  etiam  ultimo  supplicio  dignissimos  quique 
yarüs  poenarum  generibus  afflicti  continuo  e  republica  tollantur; 
a  qua  tamen  impietate  Dens  omnipotens  magistratum  praeservet. 
Hoc  igitur  a  senatu  impetretur,  ut  praedurum  illud  exilii  de- 
cretnm  mutetur  et  concionatores  suo  munere  a  Deo  sibi  com- 
misso  sine  motu  fungantur,  *ne,  si  suis  officiis  destituantur,  ^  p.  387. 
haec  ciyitas  perpetua  ignominiae  labe  inter  evangelicas  urbes 
notetur  et  Dei  vindictam  in  se  provocet. 

Tribuni  autem  et  mechanicorum  magistri,  apud  quos  Both- 
mannns summa  quidem  gratia  valuisset,  si  de  paedobaptismo 
sententiam  suam  mutasset,  his  verbis  permoti  cum  senatu  de 
retinendo  Bothmanno  agunt.  Placuit  tandem  senatui  ipsum  ea 
lege  in  officio  suo  retineri,  ut  in  concionibus  suis  a  controversis 
duorum  sacramentorum  articulis  sibi  prorsus  temperet.  Quae 
senatus  sententia  a  tribunis  Bothmanno  significatur. 

')  Acta  Apost.  5,  29. 

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432  Anno  1533  acta. 

Interea  literae  a  principe  in  urbem  missae'  ipso  die  Mi- 
29.  bcpt.  cliaelis,  qnae  fuit  29.  Septembris,  in  singnlis  paroeciis  recitantur, 
qaibns  inbetnr,  nt  dnornm  sacramentornm,  baptismi  et  encha- 
ristiae,  nsns  pristinns  reservetnr;  neque  enim  se  ullam  in  bis 
contra  ecclesiae  doctrinam  citra  salutis  dispendinm  mntationem 
admittere  posse. 

Hnc  accedit  senatns  mandatom  idem  inbens.  Maxima  etiam 
pars  civium  bis  assentitnr,  si  encharistiae  participatio  (sicnt 
Cbristns  institnit)  sub  duabus  speciebus  sibi  non  negetur.  Se- 
natns itaqne  serio  Bothmannnm  de  paedobaptismo  et  aliis  arti- 
cnlis  in  controversiam  positis  prorsns  silere  ant  nrbe  excedere 
inbet.  Utmm  honun  facturus  sit,  scripto  sibi  responderi  po- 
stnlat.  Ad  qnae  Bothmannns  sie  respondet^: 
3.  oct.  „Tribnni  plebis  ac  mecbanicomm  magistri '  mihi  significa- 

vemnt  me  ab  officio  meo  non  esse  amovendum,  verum  cum  de 
paedobaptismo  et  sacramento  corporis  et  sanguinis  Christi  con- 
flictationes  sint  exortae  variisque  modis  ista  sacramenta  exagi- 
tentur,  in  gratiam  communis  pacis  mihi  in  concionibus  publicis 
ab  istis  duobus  temperarem,  donec  doctorum  virorum  iudicio 
haec  controversia  componeretur.  Quibus  respondi:  Cum  haec 
publicae  tranquillitatis  causa  a  me  fieri  velint^,  in  concionibus 
•p.  38S.  meis  a  controversa  duorum  sacramentornm  doctrina  *me  absti- 
nebo,  imo  ne  haue  quidem»  attingam,  sed  ea,  qnae  pacem  con- 
cilient^,  qnae  senatum  excusent,  qnae  plebem  tumuituantem 
sedent,  qua  me  decet  fide  docebo,  donec  ab  admixta  fece  haec 
doctrina  purgetur  et  maior  veritatis  agnitio  a  Deo   hominum 

»)  Ms,:  quidam.  —  ^)  Ms,:  conciliant. 


')  Nicht  mehr  nachweisbar.  Der  seit  dem  7.  Juni  n&chste  erhaltene 
Brief  des  Bischofs  an  die  Stadt  ist  erst  vom  19.  October  datiert 

')  Der  deutsche  Text  der  Rothmann'schen  Erklärung  ist  nach  einer 
Ahschrift  in  der  Beilage  zu  einem  Schreiben  v.  d.  Wieck's  an  den  hessi- 
schen Kanzler  Joh.  Feigk  vom  15.  Nov.  1533  abgedruckt  bei  C.  A.  Cor- 
nelius: M.  A.  n.  S.  365. 

■)  Zu  der  Erklärung  heifst  es :  ». . .  die  ersamen  hem  baide  older- 
Icut  und  mesterleute  sampt  etzlichen  deputerden  Ton  den  mesterleuten."* 

^J  Die  Erklärung  fügt  hinzu:  „den  ich  dan  auch  schuldig  und  al- 
tzeit  gerne  deinen  wil.** 


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Anno  1533  acta.  433 

mentibiis   infiisa  fderit.     Datnm  anno  Domini   1533,    die  3. 
Octobris*.« 

Bothmannns  qnidem  chirographo  isto  sno,  qnid  factorns 
sit^  satis  dedarat  Senatns  tarnen  de  fide  illins,  qnam  aliquoties 
Yiolayerat',  dnbitare  coepit.  Ideo  legatos  saos  Beynam  mittit, 
qno  princeps  dioecesana  comitia  liabitnras  sexto  Octobris  venerat,  e.  oct. 
qni  in  consessn  procenmi  miserandam  nrbis  et  religionis  faciem 
conunemorarent'.  ürbem  dissidiis  et  motibns  intemis  aestuare, 
magnam  plebei  ordinis  partem  in  officio  non  posse  contineri, 
sed  magistratni  obstrepere,  doctrinam  vetitam  a  Bothmanno  in- 
Tectam  eüam  cmn  yitae  pericnlo  tuen;  omnia  intestinis  odiis 
flagrare,  yeram  religionem  et  eyangelicam  doctrinam  inter  Schis- 
mata flnctnare,  nihil  itaqne  intra  moenia  tntom  esse,  nihil 
praeter  caedem,  rapinam  et  reipnbUcae  eversionem  et  vastitatem 
expectandnm.  Haec  omnia  cnm  non  alinnde,  quam  ex  mnltipUci 
religionis  contentione  oriantur,  se  proinde  obnixe  efflagitare,  nt 
princeps  snas  partes  agat,  reipablicae  cespitanti  snccnrrat  et 
hnic  malo  medeatnr,  articnlos  erroneos  doctomm  viromm  prae- 
sidio  adintos  tollat  et  verae  religioni  yerboqne  Dei  consentientes 
snbstitaat;  se  eos,  si  sibi  ntiles  esse  cognoverint,  libenter  am- 
plexnros. 

Ad  qnae  princeps^:  In  principio  nascentis  mali  pharmaca 
admisissent  neqne  ita  in  gratiam  foriosorum  subditomm  et  bene 
monentinm  Indibrinm  saluberrima  consilia  ezcnssisseni  Cogi- 
tassent  cnm  malis  in  pemiciem  bonomm  non  esse  conniyendnm; 
seditiosis  non  tam  soayiter  adblanditi  Mssent.  Licentiam  enim 


')  ÄYif  diese  Erkl&ruiig  hin  wurde  Bothmann  das  Predigen  wieder 
gestattet)  doch  da  das  Lambertikirchspiel  ihn  als  aufrührerisch  und  seiner 
Obrigkeit  ungehorsam  entsetzt  hatte,  ihn  auch  keineswegs  wieder  zulassen 
woUte,  lydammb  hat  man  in  nirgent  dan  an  einen  winckel  der  stat  zu 
sanct  Serrafs  zu  predigen  gestaten  mögen*  (Randbemerkung  zu  der  Beüage 
zum  Schreiben  y.  d.  Wieck's).  —  *)  Vgl.  oben  S.  428. 

*)  Die  Instruktion  der  Abgeordneten  Münsters  zum  Landtage  in 
Bheine  hat  sich  nicht  erhalten. 

^)  Akten  über  die  Landtagsverhandlungen  zu  Rheine  befinden  sich 
im  St.-A.  M.  Es  hatte  sich  yomehmlich  wieder  um  Steuerangelegenheiten 
gehandelt  Zuletzt  traten  die  StAdte  in  ihrer  Gesamtheit  und  einzelne 
derselben,  wie  Ahlen  und  Warendozf^  mit  ihren  Klagen  heryor.  YgL  zur 
Sache  C.  A.  Cornelius:  IL  A.  IL  S.  198 f. 

4 


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434  Anno  1533  acta. 

"p.  389.  et  ineptam  lenitatem  snos  saepe  anctores  ant  prodidisse  ant  *m 
eximiam  tandem  cladem  praecipitasse.  Eo  nnnc  rem  devenisse, 
nt  nee  lenitate  sen  blanditiis,  nee  asperitate  sea  cradelitate  mn- 
tari  qneat.  Se  tarnen  ex  officio  neqne  consilio  neqne  re  clvitati 
defntumm,  sed  de  fnturo  remedio  et  refonnatione,  quantnm  fleri 
potest,  altins  cogitatnrum  *.  Interea  nrbes  ab  omni  in  religionis 
negotio  novatione  sibi  temperent  rogat,  qnod  se  facturos  reci- 
pinnt.  Hoc  etiam  se  poscere  a  legatis  Monasteriensinm,  nt  do- 
minum Henricnm  Mumpertinm,  theologiae  doctorem  ac  priorem 
Bispinckhoviannm,  ad  concionandnm  verbnm  Dei  in  templo  do- 
minico  de  more  admittant^  Ad  qnod  legati  se  illnd  in  con- 
snltationem  et  decretnm  senatns  relatnros  respondent;  senatum 
brevi  responsnrnm. 

Dissolutis  istis  comitiis  cnm  princeps  de  novatione  mino- 

mm  civitatum  m'bil  esset  sollicitns,  praeter  spem  tamen  8.  Oc- 

tobris  ipsi  refertnr  Coesfeldienses  seditiosxun  concionatorem  ad- 

9.  oct.  misisse,  qnare  literis  snis  9.  Octobris  emissis  ^  ipsos  ab  institnto 

in  hnnc   modum  deterrnit:   Sibi  pridie*  relatum  esse  erronem 


^)  „Als  ock  Stadt  nnd  stede  gebedden,'  läfst  der  Bischof  antworten, 
„dath  men  ze  baven  dath  Privilegium  nicht  besweren  will,   snnder  dar  z. 

f.  g.  tegen  ere  borger  to  forderen,  zulx  mit  recht  to  verfordem,  hefft  unse 

g.  h.  antwort  lathen  geven,  s.  f.  g.  wille  sich  vermöge  des  privilegii  holden, 
so  vem  sich  ock  de  stede  tegen  s.  f.  g.  als  getruwe  und  gehorsame  under- 
sathen  luith  des  privilegii  ertzeigen."  »Wal  to  gelegener  tyt,*  hdfst 
es  dann  weiter,  „in  zacken  der  religion  Ordnung  maken,  de  errige 
prodicanten  in  der  wedertauff  und  vam  sacrament  des  altairs  in  z.  f.  g. 
stifft  nicht  dulden  eder  inlaten." 

')  Schon  am  5.  April  war  seitens  des  Münsterschen  Eates  an  Mum- 
pert  die  Weisung  ergangen,  Niemandem  die  Ohrenbeichte  abzunehmen 
(vgl.  oben  S.  403).  Als  dann  später  der  Bischof  erfuhr,  dafs  der  Bat  dem 
Prior  auch  Station  und  Predigen  im  Dom  verboten  habe,  richtete  er  aas 
Horstmar  am  7.  Juni  die  ernstliche  Aufforderung  an  die  Stadt,  sich  dem 
Vertrage  vom  14.  Febr.  gem&fs  zu  halten  (Konzept  im  St-A.  M.).  Der 
Bischof  wiederholte  hier  auf  dem  Landtage  also  seinen  Befehl.  In  den 
Akten  findet  sich  darüber  Nichts,  aber  die  Thatsache  vnrd  bestätigt  durch 
den  gleich  weiter  unten  auch  von  Eerss.  angeführten  Brief  Münsters  an 
den  Bischof  vom  15.  October   (J.  Niesert:  U.-B.  I*.  S.  216). 

')  Aus  Fürstenau.  Konzept  im  St.-A.  M.  Zu  früheren  kirchlichen 
Bewegungen  in  Coesfeld  vgl.  oben  S.  415  ff.  —  *)  Ein  Datum  giebt  das 
Schreiben  nicht  an.    Es  heifst  nur:  „Wy  komen  in  erfaronge  ..." 


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Anno  1533  acta.  435 

qnendam  yagnm  atque  ignotnm  nrbem  CJoesfeldiensem  snbiisse, 
in  ea  se  aliqnot  dies  clancnlnm  continnisse  et  tandem  invocatum 
et  sine  legitimi  magistratas  eommqne,  qnomm  interfderit,  per- 
missn  in  sacello  Sancti  Spiritns  concionandi  munns  invasisse, 
erroneam  et  pemidosam  doctrinam  in  plebem  novitatis  semper 
ayidam  sparsisse,  nnde  schisma,  dissidinm,  seditio,  inobedientia^ 
magistratns  contemptns  et  christianornm  ritnmn  concordibns 
maionun  snffiragiis  antiqnitns  ad  haec  nsqne  tempora  usitatorum^ 
distnrbatio  et  cormptela  promanare  soleat.  Com  itaqne  hoc  sibi 
tanqnam  magistratni  legitime  minime  ferendnm  esse  censeat, 
ne  sna  lenitas  snbditis  sit  exitio,  proinde  se  ipsos  per  fidem 
datam  et  insinrandnm  sibi  praestitnm  admonere,  nt  continno 
istmn  concionatorem  remoyeant,  repellant  et  nrbe  profligent  ne- 
que  se  ab  antiqnis  templomm  ritibns  ac  ecclesiae  catholicae 
ceremonüs  distrahi  sinant.  Bescribnnt^  se  in  omnibns  principi 
*obtemperaturos.  »p.  890. 

Dnm  haec  agantnr,   senatus  legationem  ad  Lantgravinm 
evangelicos  concionatores  petitnm  abl^at',   qni  adyersns  Both- 

»)  fMt  im  Ms. 


^)  Nicht  mehr  nachweislich.  —  *)  Üeber  die  erfolglosen  Versuche 
des  Landgrafen  Philipp  im  Jnli,  zwischen  dem  Bischöfe  und  der  Stadt 
Monster  zu  vermitteln,  rergl.  oben  S.  405  Anm.  2.  Von  einer  Gesandt- 
schaft der  Stadt  an  den  Landgrafen  ist  aktenm&fsig  nichts  überliefert. 
H.  Dorp  Bl.  04  berichtet:  „Hernach  anno  1533  nmb  Martini  ungefar 
hatt  ...  Philip,  Lantgrare  zu  Hessen,  auff  des  Bhats  von  M'ünster 
ansuchen  und  begeren  zween  prediger  gehn  Münster  geschickt  ...*' 
—  Dem  Bischof  hatte  der  Landgraf  am  8.  Sept.  seine  Bereitwilligkeit  an- 
gezeigt, abermals  B&te  zu  senden  (Orig.  im  8t-A.  M.},  und  darauf  aus 
Horgtmar  am  12.  Sept  die  Antwort  erhalten  (Orig.  im  St-A.  Marburg), 
der  Bischof  habe  bereits  für  den  6.  October  einen  Landtag  nach  Rheine 
ausgeschrieben.  Am  7.  Oct.  erwidert  der  Landgraf  (Konzept  ebendas.),  dafs 
er  den  Bischof,  wie  er  sich  aUe  Zeit  erboten  habe,  «in  zimblichen,  pilligen, 
chrisUichen  Sachen  mit  rhad,  hilf  und  beistand  keins  wegs  verlassen  werde.' 
Eine  hessische  Gesandtschaft  an  den  Bischof  erfolgte  aber  doch  sehr  bald, 
und  zwar,  weil  der  Landgraf  vernommen  hatte,  dafs  Bischof  Franz  und 
seine  Stände  geneigt  seien,  die  Temporalitftt  des  Stifts  dem  Kaiser  zu 
übeigeben  (vergl.  die  Instruktion  für  Alexander  v.  d.  Thann  an  Bischof 
Franz  vom  28.  Oct,  abgedr.  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  302,  und  weiter 
den  ebenfalls  dort  S.  303  abgedruckten  undatierten  Brief  des  Landgrafen 

4* 


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436  Anno  1533  acta. 

mannnm  totamqne  anabaptisticam  cohortem  decertent  Hie  ita- 
qne  in  gratiam  periclitantis  reipublicae  Theodoricnm  Fabritinm', 
fsumndia  et  andacia  insignem,  et  loannem  Leningnm  Melsinga- 
nnm',  hominem  quidem  doctnm,  sed  meticolosnm  minnsqne 
disertnm,  qnos  evangelio  favere  potissünnm  cognoyerat,  ad  hanc 
provinciam  administrandam  hortatnr.  Hi  tantnm  officii  Lant- 
gravio  denegare  non  andentes  compositis  rebus  suis  se  Mona- 
sterinm  itoros  onnsqne  sibi  impositnm  pro  viribus  suis  snbitoros 
recipiunt  Sed  prinsqnam  hi  se  itineri  et  pericnlo  committerent, 
per  aliquot  hebdomadas  intra  parietes  suos  de  rebus  fdturis  Con- 
sultant et  adversus  anabaptistica  monstra  sacris  literis  acriter 
sese  armant. 

Transfluviani  quoque  coenobü  vixgines  '  novo  eyangeliconun 
spiritu  inflammatae  Germanicos  psalmos  in  templo  interim  pro- 
miscue  cantillare,  yota  sua  vivendique  institutum  contemnere, 
professionem  suam  pro  nihilo  habere,  archiyestalis  firena  ezcu- 
tere,  nulla  ciborum  discrimina  facere,  de  habitu  mutando  mussi- 
tare  deque  liberiori  yita  somniare.  Ida  yero  de  Mervelt,  archi- 
yestalis, cum  perpaucis  aliis  hanc  yirginum  suarum  lasciviam 
sibi  displicere  multis  lachrimis  et  querelis  testata  est.  Quae  res 
cum  ad  principem  perlata  esset,  in  haec  yerba  ad  totum  yirgi- 
10.  oot.  neum  coetum  10.  Octobris  scribit^:  Se  accepisse  plerasque  yir- 
gines  Transfluviani  monasterii  mundana  quadam  levitate  vano- 


an  den  Herzog  Karl  yon  Geldern,  nach  welchem  der  Bischof  das  Gerücht 
f8r  unwahr  erklärt,  nach  dem  ihm  aber  yon  Seiten  Borgnnds  Antr&ge  ge- 
macht worden  seien,  die  er  nicht  geradezu  von  der  Hand  gewiesen  habe). 

')  Üeber  Theodor  Fabricios  ygl.  besonders  G.  A.  Gornelins:  Die 
Münsterischen  Humanisten  (Münster  1851)  S.  31  fif.  und  Th.  Yolbehr: 
Zur  Gesch.  d.  Münsterischen  Unruhen,  in  den  ^^Mitteilungen  aus  dem  ger- 
manischen Nationalmuseum''  Bd.  2  (Nürnberg  1889)  S.  97  fL  —  Eine  „Tita 
Theodori  Fabricii  ab  ipso  anno  1565  ad  filios  suos  conscripta**  hat  Th. 
V.  Hase  in  der  |,Bibliotheca  Bremensis*'  Classis  IV  fasc.  1  (Bremae  1719) 
S.  65  ff.  herausgegeben.  So  kurz  sie  auch  auf  die  Münsterische  Zeit  ein- 
geht, bietet  sie  doch  einige  wichtige,  spftter  noch  anzuführende  Notizen. 

*)  IHe  QueUennachrichten  über  ihn,  soweit  sie  seine  Münsterlsche 
Th&tigkeit  betreffen,  steUt  G.  A.  Gorneliu«:  M.  A.  IL  8.  847 f.  zusammen. 

*)  YgL  auch  Eer88.'B  früheren  Bericht  über  das  Kloster  zu  üeber- 
wasser  Bd.  1  S.  280fL  und  oben  S.  403. 

*)  Aus  Füzutenau.    Konzept  im  St-A.  M. 


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Anno  1533  acta.  437 

qne  anuni  pmiiim  ita  concitatas,  nt  contra  snnm  Yotnm  snaeqne 
regnlae  professionem  ac  contra  inveteratam  coenobü  consnetadi- 
nem  lebellionem  moliantar.  Se  itaqne  ipsas  monere,  nt  originis 
et  nobilitatis  snae  memores  nihil  committant,  qnod  levitatem 
sapiat  ant  progenie  snaqnoqno  modo  indignnm  existimetnr^ 

*Po8t  haec  15.  die  Octobris  senatns  principi  responsnm  re-  *p.  891. 
scribit,  sicnt  legati  in  comitiis  Beynanis  se  faetnros  receperant ':  ^'  ^^*' 
Nnllo  modo  contra  transactionis  pacta  se  illnd  permissnnun,  nt 
se  inyito  concionatores  doctrina,  vita  et  moribns  eyangelio  non 
conformes  ad  docendnm  pnblice  in  civitate  sna  admittantnr. 
Cnm  antem  tempore  transactionis  concionandi  mnnns  in  aede 
snmma  sit  ablatnm  et  terminario  dominici  templi  interdictnm 
neqne  eam  consnetndinem  revocandam  esse  transactionis  monn- 
menta  inbeant,  sed  hoc  solnm  yelint,  nt  capitnlmn  dominicnm 
in  sna  religione  non  tnrbatnm  vivat,  donec  Dens  omnipotens 
aliter  disposnerit';  —  ex  qnibns  obscnmm  non  esse  principem 
transactionis  sententiam  manifeste  oppngnare.  Se  ergo  rogare, 
ne  adrersns  transactionem  praegrayentnr. 

Ad  haec  piinceps  19.  Octobris^:   Se  transactionis  pacta  19.  oct. 
non  yiolasse  sibiqne  ea  seiranda  esse  non  ignorasse,  sed  incon- 
snltam  illam  et  illiberalem  postnlationis  snae   abnegationem  a 
senatn  non  ezpectasse,  cnm  templnm  dominicnm  snnm  totinsqne 


')  In  demselben  Briefe  zeig^te  der  Bischof  dem  Kloster  an,  dafis  er 
eine  Abordnung  zur  üntersnchnng  nnd  Abstellung  der  Mifsbrftnche  senden 
weirde.  Dem  Amtmann  zn  üeberwasser  schrieb  er  am  selben  Tage  (Konzept 
im  8t-A.  M.),  dafs  dieser  der  Aebtissin  und  den  Jungfrauen  „yan  eren 
gndem  und  upkomiften  derselven  gewontlige  underholding  und  yerplegung, 
wo  ran  olders  gebruiklich,  yerschaffest  und  dar  ynne,  zo  zulz  ran  dj  ge- 
fordert werde,  gyne  aenderonge  makesf 

*)  Ygl.  oben  S.  434.  Orig.  im  St-A.  M.  Gedruckt  bei  J.  Niesert: 
Ü.-B.  r.  8.  216  f. 

*)  Ygl.  Bd.  1  S.  375  den  2.  Artikel  des  Friedensvertrages  vom  14. 
Febr.  (bei  J.  Hobbeling  a.  a.  0.  S.  168).  In  diesem  Briefe  und  in  den 
folgenden  vertritt  die  Stadt  wieder  ganz  den  Standpunkt,  den  sie  wfthrend 
der  Friedensunterhandlnngen  eingenommen  hatte,  den  sie  aber  nicht  auf- 
recht zu  halten  im  Stande  gewesen  war.  S.  besonders  die  bei  C.  A.  Cor- 
nelius: M.  A.  I.  8.  210  abgedruckte  Antwort  Münsters  vom  20.  Juli  auf 
die  Werbung  der  hessischen  B&te.  —  *)  Aus  Iburg.  Konzept  im  St.-A.  M. 
Abgedruckt  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  P.  S.  218 f. 


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438  Anno  1633  acta. 

dioecesis  sit  srunrnnm  neqne  tarnen  paroeciale  et  transactio 
verbis  manifestis  huic  omnes  antiqnitns  habitas  ceremonias  et 
consnetndines  sine  senatns  ant  civinm  snomm  impedimento,  se- 
natni  vero  ins  paroecialium  templomm  tantum  tribnat.  Proinde 
se  itenun  postulare,  ne  hnnc  virnm  in  snmmo  templo  concio- 
nantem  conturbent  contorbarive  sinant  neqne  adversns  transac- 
tionem  infirmis  istis  verbomm  snomm  rationibns  qnicqnam  mo- 
liantnr,  ne  sibi  necessario  ad  alia  remedia  confagiendi  occasio 
obtrudatnr. 

Eodem  die  Mnmpertio  per  literas^  significat,  nt  solins 
principis  aactoritate  confisns  fdtnro  die  dominico,  qnae  Mt  26. 
Octobris,  alüsqne  diebns  festis  snbseqnentibns  in  templo  snmmo 
conciones  stationesqne  antiqnitns  obserratas  habeat,  neqne  sibi 
alterins  anctoritate  opns  esse.  Mnmpertins  qnidem  principi  paret, 
senatnm  vero  omnesqne  evangelicos  gravissime  offendit. 
•p.  392.  *Senatns  21.  Octobris*:   Qnanqnam  in  snperioribns   snis 

21.  oct.  gcriptis  legitimas  cansas  addnxerit,  cnr  sibi  non  sit  ferendnm, 
nt  qnidam  monachns  sen  terminarins  in  snmmo  templo  ad  con- 
cionandnm  itemm  admittatnr,  qni  cives  catervatim  a  sna  et 
eyangelica  religione  avocet,  et  qnanqnam  transactionis  pacta 
verbis  manifestis  declarent  templnm  snmmnm  in  snis  ceremoniis 
et  ritibns  antiqnis  sine  senatns  ant  civinm  impedimento  perman- 
snmm,  senatni  vero  ins  paroecialinm  templomm  esse  permissnm, 
inde  tamen  confici  non  posse  templnm  snmmnm  post  transacti- 
onem  iam  dictam  concionibns  ant  stationibns  alicnins  monachi 
ac  terminarii  regendnm  esse,  cnm  conciones,  stationes  aUaeqne 
similes  ceremoniae  ante  transactionem  antiqnatae  cormerint. 
Qnaecnnqne  proinde  transactionis  monnmenta  signata  non  com- 
plectnntnr,  ea  propria  anctoritate  postea  ex  intervallo  apponi 
non  posse.  In  transactionis  scriptnra  absqne  longis  verbomm 
ambagibns  simpliciter  haec  verba  contineri:  capitnlnm  non  tnr- 
batnm  snae  religioni  et  vitae  permittendnm  esse.  Unde  inferri 
non  posse  se  monachnm  alterins  religionis,  qni  errores  et  Schis- 
mata spargat,  qni  seditionem  inter  cives  ezcitet,  ad  concionan- 


^)  Konzept  im  St.-A.  M.    Dieses  Schreiben  war  abschriftlich   dem 
an  die  Stadt  beigelegt 

*)  Orig.  im  St-A.  M.  Abgedr.  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  IK  S.  219ff. 


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Anno  1533  acta.  439 

dum  admittere  debere.  Se  proinde  illnd,  qnod  dissidia,  Schis- 
mata et  seditiones  pariat,  in  incommodmn  soae  reipnblicae  non 
permissnnun.  Cnm  itaqne  vi  transactionis  conciones  monachi 
in  smnmo  templo  merito  non  esse  ferendas  censeant,  se  legiti- 
mnm  responsnm  dedisse  non  dnbitare« 

Ad  quae  princeps  28.  Octobris  ^ :  Se  scripta  senatns  in  sua  28.  oct. 
anctoritate  et  existimatione,  si  quam  habeant,  relinquere.    Cum 
autem  concionatori  mandaverit,  ut  verbum  Dei  pure  populo  an- 
nunciet,  se  sperare  ipsum  a  nullo  in  officio   suscepto  turbatum 
iri,  sed  senatum  superioribus  suis  scriptis  pariturum. 

Eodem  die  28.  Octobris  princeps  ad  senatum*:  Se  audi- 
tione  non  vana  accepisse  quosdam  errones,  vagos  et  incognitos 
ver*berones  legitime  non  vocatos  propria  se  anctoritate  in  urbem  ♦  p.  393. 
suam  ingessisse,  erronea  et  seditiosa  doctrina  plebem  commovisse, 
tandem  damnatum  et  non  tolerandum  anabaptistarum  sacramen- 
tariorumque  dogma  disseminasse  et  impietate  sua  totam  fere 
urbem  contaminasse  \  Cum  autem  hi  flagitiosi  errones.  in  urbe 
adbuc  detineantur  et  metuendum  sit,  ne  non  toxico  isto  incautam 
rudemque  plebem  circumyeniant,  seducant  et  inficiant,  proinde 
se  caesarei  edicti  anctoritate  fretum  ipsum  senatum  monere,  ne 
falsos  istos  doctores  receptet,  sed  urbe  eiiciat,  ut  caesaream 
atque  imperialem  indignationem  poenamque  effugiat. 

Haec  principis  scripta  senatum  a  decreto  suo  non  remo- 
rantur,  quin  priori  Bispinckhoviano  tutum  commeatum  et  pu- 
blicam  securitatem  renunciaret.  Quare  princeps  30.  Octobris  so.  Oct. 
sie  ad  senatum^:  Sibi  relatum  esse,  quod  priori  Bispinckhoviano 
ac  dominici  templi  concionatori  in  sua  ciyitate  securitatem  tu- 
tumque  commeatum  praeter  expectationem  et  spem  suam  renun- 
ciaverit,  quod  suo  iussu  in  templo  dominico  consuetas  stationes 
ac  conciones   habuerit*.     Se  itaque  poscere,  ut  interdictum  re- 

*)  Aus  Füratenau.  Konzept  im  St.-A.  M,  —  *)  Nach  dem  Konzept 
im  St.-A.  M.  abgedruckt  von  L.  Keller;  G.  d.  W.  S.  302 f.  —  »)  KersB. 
übergeht  hier  die  Worte:  ^denselven  doch  durch  juw  mit  tjdigen  vorrade 
und  insehen  Torgekomen.^  —  *)  Aus  Fürstenau.  Konzept  im  St.-A.  M.  — 
'^)  Der  Bischof  fugt  hinzu:  „Geven  dem  oik  noch  tor  tyth  gynen  fuUen- 
komen  gelowen.  Wo  dennoch  durch  juw  tegen  gemelten  predicantcn  us 
to  yerhonynge  und  verkleinonge  vorgerurter  mathen  gehandelt  und  yort- 
gefaren,  dragen  wy  gyn  unbillick  befrembden  und  begeren  derwegen  . .  .** 


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440  Anno  1533  acta. 

scindat  neqne  adversns  snos  ministros  sibiqne  addictos  hnins- 
modi  interdicta  decernere  in  postemm  praesnmat;  alioqni  ad 
alia  remedia,  nnde  mnlta  fortassis  incommoda  evenire  qneant, 
sibi  occasionem  obtrndi,  a  quo  tarnen  in  gratiam  civitatis  ab- 
borreat.  Scribit  qnoqne  eodem  die  ad  Mnmpertinm  ^,  nt  ad  nrbem 
mnnnsqne  sibi  conunissum  sine  nllins  incommodi  metn  rever- 
tatnr;  se  non  dnbitare  senatum  snis  scriptis  paritürum. 

Interea  Fabritins  et  Melsingns,  cnm  intelligerent  Mmn- 
pertimn  virom  doctnm  et  in  theologico  studio  exercitatissimnm 
esse,  sibi  metnebant,  ne  non  qnotidiannm  doctrinae  suae  bestem 
baberent  acerrimnm.  Proinde  bnnc  in  modnm  senatni  snppli- 
cant':  Cum  Mnmpertins  monacbns,  qni  antebac  in  templo  do- 
*p.  394.  minico  ^concionatns  sit,  impia  docnerit  et  seditioni  dissidioqne 
civili  magnam  occasionem  dederit,  emn  non  magis,  qnam  paedo- 
baptismi  contemptores  in  nrbe  ferendnm  esse.  Se  itaqne  rogare, 
nt  monacbnm  istnm  intra  moenia  non  ferat,  ne  pnram  snam 
doctrinam  impia  persnasione  evertat  et  Schismata  factionesqne 
iUicitas  inter  cives  serat. 

Cum  senatns  principi  ad  snperiora  scripta  nihil  responderet 
neqne  Mnmpertins  ad  mnnns  snnm  admitteretar,  princeps  morae 
97.  Not.  impatiens  27.  Novembris  sie  ad  senatum ':  Quanquam  antebac 
a  senatu  petiyerit,  nt  Mumpertium  in  aede  dominica  eyangelium 
tuto  docere  sinat,  nunc  yero  se  intelligere,  quod  huic  scripto 
non  solum  non  paruerit,  rerum  etiam  publicam  securitatem  tan- 
quam  commeatum  renunciaverit  urbeque  interdixerit.  Quo  iure 
hoc  agatur,   se  quibuslibet  ac  ipsi  senatui  meliere  animi  parte 


')  Ein  solcher  Befehl  des  Bischofs  vom  30.  October  an  Mnmpert  ist 
nicht  mehr  nachzuweisen,  wohl  aber  hat  sich  das  Konzept  eines  dahin 
lautenden  Schreibens  des  Bischofs  vom  30.  Noy.  im  St.-A.  M.  erhalten. 
Es  ist  anzunehmen,  dals  Eerss.  sich  bei  der  Datierung  geirrt  hat. 

*)  In  gleichem  Sinne  schrieben  sie  am  3.  Dezember  an  den  Bischof 
(Orig.  im  St-A.  M.;  abgedruckt  bei  J.  Niesert:  U.-B.  1\  S.228f.).  Ein 
Brief  an  den  Bat  hat  sich  nicht  erhalten.  Das  Schreiben  an  den  Bischof 
ist  auch  im  Namen  des  Landgrafen  abgesandt  und  war  wohl  die  Folge  des 
gleich  Yon  Kerss.  angefOhrten  abermaligen  Befehls  des  Bischofs  vom  27. 
Not.  an  die  Stadt,  Mumpert  ungestört  seines  Amtes  walten  zu  lassen. 

')  Aus  Iburg.  Konzept  im  St.-A.  M.  Diesem  Briefe  schlofs  sich 
dann  der  bischöfliche  Befehl  rom  30.  November  an  Mumpert  an. 


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Anno  1533  acta.  441 

ezpendendnm  relinqnere.    Itenun  ergo  86  senatum  monere,  nt 
hunc,  sicut  antiqnitas  fieri  consnevit,  concionari  patiator. 

Senatus  3.  Decembris  respondet^:  Se  principis  literas  28.  s.  Des. 
et  30.  Octobris  nee  non  27.  Novembris  scriptas  accepisse,  legisse 
et  intellezisse,  ad  qnas  respondeat:  Cum  qoidam  concionatores 
mnltas  sibi  molestias  in  nrbe  sna  exhibeant,  se  non  sperasse 
principem  insnper  eas  anctnrmn  foisse.  Qnod  antem  sibi  invito 
terminarinm  obtrndat,  qni  impiis  snis  concionibns ',  nti  iam  bis 
fibctitatam  sit,  seditionem  concitet,  se  nnllo  modo  latamm,  cnm 
cansas  certas  habeat,  enr  istins  monachi  conciones  inter  snos 
non  sint  tolerandae.  Se  ergo  omnia  iuris  praesidia  adversns  vim 
bis  scriptis  implorare.  übi  vero  monacbns  in  nrbe  dissidia  con- 
citare  non  destitisset,  se  illi  secnritatem  pnblicam  rennnciasse' 
ac  nrbe  interdizisse.  Qnicqnid  antem  princeps  adversns  baec 
iure  agere  vel  yelit  vel  qneat,  se  patienter  ferro  oportere.  Non 
tamen  se  sperare,  qnod  cnm  priqcipe  in  gratiam  impii  monachi 
in  dissidinm  et  novam  contentionem  sit  reditnms.  Snam  "^se^p.  895. 
causam  coram  quibusvis  principibus^  defensumm. 

Interea  Botbmannus  chirographi  et  promissi  sui  oblitus 
ad  ingenium  suum  redit;  at  cum  senatus  motu  repressus  palam 
anabaptisma  seminare  non  änderet,  occultis  digressionibus,  clan- 
destinis  colloquüs  ac  suggestionibus  ^  eo  rem  perduxit,  ut  ana- 


*)  Orig.  im  St-A.  M.   Abgedr.  bei  J.  Nies  er  t:  U.-B.  IK  S.  227«: 
')  „dorch  sein  heüloes  predigen.*    Die  hessischen  Prediger  melden 
dem  Bisehof,   dafs  Mnmpert  „ungeschickt  und  unchristlich  dinge  rorge- 
nommen  nnd  gepredigt**  habe. 

*)  i^nicht  unbillige''  heifst  es  im  Schreiben,  und  dann  weiter:  «. . .  dan 
wy  ohne  ock  alse  den  die  in  unser  stadt  twyspaltonge  und  twidracht,  ock 
nnfredde  und  rottonge  werckede,  nicht  wetten  tho  schützen,  to  schermen 
und  tho  gednlden."  —  *)  Im  Orig.:  „vor  aller  geborlicher  overicheytt.* 

')  So  auch  H.  Dorp  Bl.  C2:  „Denn  die  Widertenffer  prediger 
leerten  heimlich  in  den  heusem  ...**  Er  fügt  hinzu:  „Darzu  so  trieben 
sie  dieselbige  lere  nicht  denn  in  der  nacht,  wenn  ander  leute  schlaffen 
waren,  als  dan  lerten  und  tauiften  sie  . .  .'^  Aber  Rothmann  setzte  auch 
dffentüch  anf  der  Kanzel  sein  Predigen  fort  In  einer  Klageschrift  an  den 
Bat  heifst  es  (s.  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  11.  S.  366),  dafs  „her  Bemhart 
Rothman  nach  dem  3.  tage  Octobr.  zu  sanct  Servafs,  die  leute  zu  behalten 
bei  seiner  meinung,  widder  die  kindertaufif  und  sacramenten  des  lelbs  und 
bluts  Christi  allerlei  etgerliche  und  auirorissehe  predigt  gehabt '^  Es  werden 


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442  Anno  1533  acta. 

baptistanun  nnmeros  nihilo  segnius  angeretor  et  snum  n^otinm 
apnd  imperitum  ynlgos  promoyeretnr,  se  Interim  innocentem, 
probmn,  pinm,  religiosnm  angelnmqne  Incis  fingens^  De  bap- 
tismo  enim  et  coena  dominica  articnlos  qnosdam  consnit,  qnos 
Lantgrayio  ac  theologis  Marpnrgensibns  examinandos  Offerte 
Cnm  antem  iadicio  theologomm  Bothmannnm  errasse  pronun- 
ciaretnr,  errorem  snnm  agnoscere  nolnit,  sed  pertinacins  snos 
articnlos  non  solnm  apud  imperitam  plebem  defendit,  yermn 
etiam  emditionis  persnasione  seductns  typis  excnsos  omninm 
hominnm  ocnlis  et  indicio  eos  exponit',  qaibns  ita  passim  ho- 
minibns  errorem  snnm  impressit,  ita  praesidio  Satanae  mnltamm 


dann  einzelne  seiner  Sätze  angeführt.  —  Lening  nnd  Fabricius  berichten 
am  18.  November  dem  Landgrafen,  dafs  Rothmann,  der  „in  yerwerffdnge 
des  kindertaofs  verharret,^  „grofsen  anhang  der  tanfverachter  in  der  stat 
hat,  also  das  man,  so  lange  er  darinne  bleibt,  nichts  wohl  kan  ausrichten.' 
Aehnlich  schreibt  t.  d.  Wieck  am  id.  Kovember  an  den  Landgrafen  und 
sagt  dabei:  „Es  ist  ein  arm  verdorben  häuf,  die  an  gedachten  Bemhart 
hanget,  und  kenne  da  nimantz  under,  der  so  vil  seiner  schulden  halben 
vermochte,  das  er  zwe  hundert  gülden  aufbrechte**  (C.  A.  Corneliua 
a.  a.  0.  S.  369  u.  370). 

^)  Das  berichtet  hier  Eerss.  nach  A.  Gorvinus:  Acta  etc.  nun. 
schon  zum  dritten  MaL    S.  oben  S.  418. 

')  Auch  dieses  und  das  Folgende  nach  A.  Gorvinus  a.  a.  0.  Bl.  G*. 
Zur  Sache  s.  oben  S.  388  Anm. 

')  Es  ist  die  Schrift:  ,3€ftentttiffe  Qdtt  l&«]|tett  A$xvaxtunttn  || 
l^oe)ie  nxAt  0Mt^tm$tU  ||  \xtx  ^ttxitantiu  tl^a  ||  Munfttc.  ||  ^atl^n  tl  \\ 
Wt  mg  htfitnt  vaer  ben  menft^en,  htn  tuiH  ük  htktntun  ||  nixtt  msiun 
l^mulfti^en  neittt.  ||  3m  iatx  Wi.1^.XK^Si.XX3.  \xm  mii  ||  t^  ^at»m- 
fai0.  \f*  Die  Vorrede  ist  vom  22.  Oct.  1533  datiert  und  trägt  die  Unter- 
schrift von  Bothmann,  BoU,  Eloprifs,  Yinne,  Staprade  und  Stralen  (vergl. 
auch  P.  Bah  Im  an  n:  BibL  1533  Nr.  6).  --  Eine  kurze  Gharakteristik  dieser 
Bekenntnisse  und  in  Auszügen  einzelne  Begriffsbestimmungen  und  Lehr- 
sätze derselben  über  die  Taufe  gab  E.  W.  Bouterwek:  Zur  Literatur  u. 
Gesch.  d.  Wiedertäufer  in  der  „Zeitschr.  d.  Bergisohen  Geschichtsvereins** 
Bd.  1  (Bonn  1863)  S.  285  ff.  (Sep.-Abdr.  S.  6ff.).  Als  Gegenschrift  erschien 
im  März  1534  zu  Strafsburg  der  den  Bürgermeistern  der  Stadt  Augsburg^ 
gewidmete  ,Jßtv\äjt  attg  ber  l^^fiHligen  g^fd^rift  non  htt  vz^t  0Ott||fe%eii 
an^ttttitg  ttntk  f^an%^ltnn%  ^fjxipidßv  ||  g^mesn ...  II  l^nrtl^  tkie  l^xt- 
hi0er  Üb  l^sliJBen  €nan%tlii  }n  J^tra^tttg  Ut  Atat  nntx  ||  hit^m  |ti 
VäünfUt  in  Kleftfal.  ||  erftlitg  %t\^xüitn.  f  (vgl.  P.  Bahlmann:  BibL 
1534  Kr.  1  nnd  E.  W.  Bouterwek  a.  a.  0.  S.  288,  resp.  S.  9).  Euize  Aus* 


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Anno  1533  acta.  443 

r^onnm  popnlos  fascinavit  ac  dementavit,  nt  patria,  libem 
bonisqne  omnibns  relictis  nndiqne  hnc  conflnerent.  Hnc  West- 
phali,  hnc  Saxones,  hnc  Hollandi,  hnc  Brabanti,  hnc  Q^ldri, 
hnc  Phrisii,  hnc  Leodienses  aliammqne  nationnm  gentes  ntri- 
nsqne  sexns  magna  et  videndi  et  andiendi  Bothmannnm  avidi- 
tate  coennt. 

Senatns  hac  Bothmanni  inconstantia  et  levitate,  qna  fidem 
addictam  tnrpiter  violavit,  vehementer  offensns  est  neqne  tamen 
carcere  ant  alia  qnavis  bene  commerita  poena  ipsnm  popnlari 
£&Tore  septnm  perseqni  andet,  ne  mnltomm  gladios  in  se  pro- 
Yocet.  Primnm  itaqne  conclnsis  omnibns  in  nrbe  templis^  ipsi 
concionibns  interdicit,  deinde  3.  Novembris  cnm  tribnnis  et  me-  3.  nov, 
chanicomm  magistris,  qnomodo  sine  magno  motn  nrbe  qnoqne 
in  perpetnnm  exilinm  cnm  snis  profligetnr,  consnltat.  Vemm 
cnm  nox  istam  consnltationem  intermpisset  et  nihil  certi  de 
pellendis  concionatoribns  eo  die  decretnm  esset,  ntile  visnm  est 
convocatis  patriciis  aliisqne  opnlentioribns  et  honoratioribns  nrbis 
civibns*  seqnenti  die  panlo  altins  rem  deliberandam  esse,  *ne*p.  396, 
nnins  ordinis  consilio  agatnr,  qnod  ad  omnes  pariter  pertinet, 
ne,  si  res  male  cederet,  senatns  anctoribns  careret.  Proinde  4. 
die  Novembris  reditnm  est  ad  fomm,  et  cnm  de  concionatori-  4.  Nov.. 
bns  ageretnr,  qnibns  modis  effrenata  eomm  protervia,  perfidia, 
rebellio,   impia  de  baptismo  doctrina  et  qnaevis   agendi  libido 


zdge  daraus  hat  Herrn.  Harne  1  mann:  Opera  S.  1203 ff.,  der  aufserdem 
in  seiner  Schrift:  De  paedobaptismo  Bl.  J6^ff.  in  Form  einer  Unterredung 
mit  Rothmann  sich  gegen  die  Lehrsätze  der  Bekenntnisse  wendet.  —  Yor 
dem  Erscheinen  der  Bekenntnisse  hatte  Rothmann  seine  Bedenken  gegen 
die  Eindertaufe  zur  Begutachtung  an  Martin  Bucer  eingesandt.  Dessen 
Antwort  darauf  liegt  vor  in  der  im  Dezember  1533  zu  Strafsburg  erschie- 
nenen, V.  d.  Wieck  gewidmeten  Schrift  (s.  P.  Bahlmann :  Bibl.  1533  Nr.  7): 
„Quid  de  baptismate  ||  infantium  iuxta  scrijjpturas  Dei  sentiendum  .  . . 
Epistola  ad  quendam  hac  in  re  ||  impulsum  Martini  Buceri.  {j^  Ygl.  C.  A. 
Cornelius:  M.  A.  11.  S.  208 f. 

^)  »Ausgenomen  zu  Sanct  Martin,  da  her  Brictius  predigte''  setzt 
H.  Dorp  Bl.  C3^  hinzu.  Für  die  folgenden  Yorg&ngo  (vgl.  dazu  C.  A. 
Cornelius:  M.  A.  11.  S.  202  iL)  ist  Eerss.  zwar  die  ausführlichste  Quelle, 
aber  in  Einzelheiten  ungenau. 

^)  Nach  H.  Dorp  a.  a.  0.  „lest  der  new  Rath  den  alten  Bath  zu- 
samen  foddem,  sich  mit  einander  zu  besprechen  . .  J* 


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444  Anno  1533  acta. 

commode  coerceretar,  nrbe  eos  eiiciendos  esse  ab  omnibns  fere 
clamitatnm  est.  Et  ne  senatns  de  patricionun  alioromqne  civinm 
ibi  praesentinm  fide  qnicqaam  ambigat,  nomina  sna  profitentnr 
eaqne  in  tabnla  conscribi  patinntnr  et  anxUinm  promittnnt  et 
praesidinm  qnidem  armatnm,  si  opns  sit^  poUicentnr.  Praeterea 
ne  concionatores  qnerantur  tutnm  sibi  efEhginm  non  patere,  extra 
urbem  enim  in  alterins  inrisdictionem  se  incidere,  de  pericnlo 
ergo  in  pericnlnm  praecipitari,  extra  Gharybdim  in  Syrtes  con- 
iici,  qnas  sine  clade  ant  saltem  meta  transire  non  qneant,  ideo 
per  snbitam  legationem  pnblicam  secnritatem  tutomqne  com- 
meatnm  dioecesin  peragrandi  cansa  pro  abigendis  concionatori- 
«.  Nov.  bns  a  principe  et  capitnlo  5.  Nov.  petunt  *  et  facile  impetrant  *. 
Imo  princeps  per  literas  10.  Novembris  emissas  omnibns  prae- 
fectis,  satrapis  gogravüsqne  totins  dioecesis  praecipit,  ne  qnis 
concionatores  Monasterio  pnlsos  ab  institnta  profectione  remo- 
retnr,  iter  praeclndat  fngamqne  impediat,  et  si  opns  sit,  ne 
qnid  morae  praetexere  qneant,  cnrribns  eqnisqne  in  avehendis 
liberis,  nxoribns  snppellectilibnsqne  ipsis  snccnrrant  atqne  opem 
ferant*. 


')  Auch  das  „Bichtboeck*"  (vgl.  CA.  Cornelius:  M.  A.  IL  S.200f.) 
Iftfst  das  Gesuch  um  Geleit  fBr  die  Predikanten  an  erster  SteUe  yon  „dem 
rade  und  frommen  borgeren**  ausgehen,  denen  Rothmann's  Auftreten  mils- 
fiel.  Aber  die  Bürger  «wolden  nicht  gesagt  hebben,  dat  de  Monsterschen 
de  predicanten  hedden  np  de  fleesbanck  gebracht;  derhalven  begerden  se 
den  Torg.  predicanten  ran  sin  f.  g.  gleide  ...**  Nach  H.  Dorp  a.  a.  0., 
der  übrigens  diese  Yerhandlungen  der  Zeit  nach  ror  die  vom  Rate  ange- 
ordnete Schliefsung  der  Pfarrkirchen  setzt,  w&re  zunftchst  der  Ausweisungs- 
befehl erlassen,  und  erst  nachdem  die  Predikanten  yorbrachten,  ohne  Geleit 
konnten  sie  dem  Bischöfe  nicht  entgehen,  „ob  man  sie  denn  aufif  die  fleisch- 
banck  liebem  wolt?^,  hätte  der  Bat  yom  Bischöfe  das  Geleit  erbeten. 

')  Am  5.  Noy.  macht  das  Kapitel  dem  Bischof  Mitteilung,  „wu  dat 
dussen  yormyddach  etzliche  yan  den  olden  raide  der  stadt  Munster  by  uns 
gekomen  unde  angezeigt,  dath  borgermester,  raide  und  de  mere  deiU  der 
Stadt  Munster  in  arbeide  unde  handelunge,  her  Bemdt  Botman  und  de 
anderen  predicanten,  sjne  mitgeseUen,  der  stadt  Munster  tho  yerwysen." 
Das  Kapitel  bittet  dabei  den  Bischof  um  Geleitsbriefe  für  die  Predikanten 
(Orig.  im  St-A.  M.).  Am  10.  Noy.  stellt  der  Bischof  die  erbetenen  Briefe 
aus,  meldet  aber  dem  Kapitel  zugleieh,  dals  es  ihm  „ganfe  beswerlich' 
gefaUen  sei  (Kopie  im  St-A.  M.). 

*)  Ein  solches  Schreiben  an  die  Amtleute  ist  nicht  mehr  nachweisbar. 


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Anno  1533  acta.  445 

Inde  ad  5*  diem  Novembris,  nti  convenerat,  senatas,  tri-  5.  nov. 
bnni  mechanicommque  praefecti,  patricii  honoratioresqne  cives 
ad  forum  revertnntar,  nt  pulsis  concionatoribns  nrbem  anabap- 
tistica  lue  liberent  et  pristina  pace  fruantur.  Neque  huc  tantum 
senatum  defensuri,  verum  etiam  adversarii  fama  rei  permoti  con- 
fluunt  Cumque  ibi  superioris  diei  de  peUendis  concionatoribus 
decretum  iteiaretur,  continuo  a  quodam  Alensi  primum,  deinde 
a  prondscua  turba  non  solum  concionatores  anabaptisticos  et  eo 
dogmate  infectos,  sed  et  omnes,  quomm  consilio  et  ope  in  urbem 
admissi  fuissent  aut  nllum  illis  officium  unquam  praestitissent, 
urbe  pellenMos  esse  clamitatum  est^  Qnae  verba  cum  Her-*p.  397. 
mannus  Tyllebechius,  alter  consulum,  multarum  rerum  novarum 
auctor,  de  se  dici  intelligeret:  „Haeccine,^  inquit,  „cives,  futura 
putatis?  hanccine  consuli  vestro  gratiam  pro  singulari  in  vos 
fide  et  sollicita  administratione  reddituri  estis?  Alius  huic  modo 
quaerendus  est  cuneus,  vestra  ista  in  bonos  et  innozios  gras- 
sandi  libido  reprimenda  est.^  Hac  consulis  voce  Albertus  We- 
demhave,  Bemardus  Enipperdollinck,  Hermannus  Krampe,  Hu- 
pertus  Buesscher  faber  aüique  plures  anabaptistico  spiritu  aestu- 
antes  adversus  senatoriam  multitudinem  adeo  inflammantur  et 
condtantur,  ut  ab  ea  secessionem  facientes  sicas  ac  pugiones 
stringerent,  quasi  iamiam  impetum  in  eam  facturi  essent.  Neque 
verbis  senatorios  acriter  obiurgare  desistunt.  ,,Vos  impii,^  in- 
quiunt,  „vestrum  propositum  vobis   hodie  non  succedet  neque 


*)  Dieser  Baf  ging  ofiFenbar  von  Seiten  der  katholisclien  Partei  aus^ 
die  sich  aUmählich  merUich  gestftrkt  hatte  (vgL  den  Brief  des  Bates  yon 
Münster  an  den  Landgrafen  vom  15.  Not.  bei  C.  A.  Cornelias:  M.  A. 
n.  S.  3G1).  „Da  hab  ich  erfam,"  berichtet  v.  d.  Wieck  am  gleichen  Tage 
dem  hessischen  Kansler  Joh.  Feigk  (C.  A«  Cornelias  a.  a.  0.  S.  363 f.), 
j^das  das  pabsthamb  worde  widder  angehen  and  das  evangelion  ander- 
gehen  ...  Dan  in  solcher  aafroer  etzliche  das  pabsthamb  widder  weiten 
aofrichten,  so  die  meinten  dnrch  den  widdertaaffeschen  handel  das  meer 
sa  haben.**  Eine  wiedert&uferische  Parteischrift,  die  |,Bekentones  des  glo- 
bens  and  lebens  der  gemein  Criste  za  Monster,^  geschrieben  gleich  nach 
dem  Beginne  der  Belagerang,  abgedrackt  M.  6.-Q.  11,  446  fiL,  berichtet, 
es  h&tten  sich  „die  gotzlofsen  papisten  den  gadendach  vor  Martine  (6.  Nov.) 
ano  33  in  ir  were  and  waffen  za  häuf  geworffen  and  wolden  mit  gewalt, 
man  solt  die  predicanten  hinaas  liffem,  io  in  di  nas  and  om  abschneidea 
und  zwischen  zwen  hande  af  hangen*  (S.  462), 


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446  Anno  1533  acta. 

nos,  sicnt  decreyistis,  tracidabitis  neqne  nrbe  profligabitis.  Sunt 
enim  nobis  et  vires  et  arma!*'  Sabitns  ntrinqne  fit  discursus, 
utrinqne  adfemntnr  arma,  ntrinqne  reditnr  ad  fomm.  Cleri 
qnoqne  primarii  ministri  nee  non  aliqnot  ex  clero  seenndario 
annati  in  praesidinin  srenatorinm  accnmmt;  ntrinqne  sese  mn- 
ninnt^  Senatorii  cnriam,  Bothmannistae  yero  infinniores  qni- 
dem,  sed  adyenamm  robore  freti  mnrnm  coemiterii  Lambertini 
pro  tntela  et  defensacnlo  oecnpant;  ntrinqne  noctnmae  vigiüae 
disponnntnr,  ntrinqne  sibi  metnnnt,  ntrinqne  in  diem  seqnentem 
armati  consistnnt.  Senatns  advenamm  vires  potissimnm  metnens 
Inctnosnm  motnm  et  cmentam  mnltomm  civinm  stragem  in- 
Stare  animadvertit,  nisi  se  matnre  interponat  et  animos  ntrin- 
qne ezasperatos   mitiget.    Qnare  in  crepnscnlo   matntino   sezti 

«6.  Not.  diei  Novembris  de  pace  recnperanda  per  vires  graves  ex  senatn 
et  plebe  designatos,  qni  gratia  ntrinqne  mnltnm  valebant,  agitnr. 
Atqne  ibi  WjcMns  ntrasqne  partes  acriter  admonet:  Cogitent 
se  nnins  nrbis  esse  cives,  nnins  corporis  membra,  iisdem  moe- 
nibns  conclndi,  eodem  sacramento  et  inre  teneri.   Qnam  sit  te- 

^p.  398.  merarinm  eos,  qni  iisdem  ^plebiscitis  constringnntnr,  snb  prae- 
textn  evangelii  et  religionis  indnere  arma,  qnam  maiornm  mori- 
bns  dissimile,  qnam  natnrae  adversnm  vicinitatis  et  amicitiae 
veneratione  neglecta,  afSnitatis  cognatione  excnssa  et  arctissimo 
sanguinis  vincnlo  dissointo  in  mntnnm  exitinm  conspirare,  san- 
gnine  cognato  silices  plateamm  pollnere,  in  viscera  sna  innere 
et  parricidio  manns  snas  contaminare  tnrpiter.  Pmdentins  itaqne 
secnm  expendant,  qnid  natnra,  qnid  recta  ratio,  qnid  coningnm 
et  liberomm  salns,  qnid  patriae  incolnmitas,  qnid  cbristiana 
religio,  imo  qnid  Dens  ipse  concordiae  anctor  dictet  et  inbeat. 
Eis  verbis  armomm  et  irae  fervor  panlatim  flaccescit,  ac  ama- 
l)ilis  concordiae  stndinm  ita  animos  omninm  tandem  snbit,  nt 
nihil  praeter  pacem  ntrinqne  affectarent.  Et  cnm  Bothmannistae 
neqne  nrbe  cedere  vellent  neqne  snos  concionatores  profligandos 
-esse  paterei^tnr,  senatorii  vero  nnllo  modo  ipsos  ad  concionan- 
dnm  admittendos  esse  contenderent  (Theodoricnm  enim  Fabricinm 


^)  »Und  ist  da  bevom  an  den  yergangen  mitwochen  5.  noyembr 
•einer  blutrergiefsnng  nit  ferne  gewest^  schreibt  y.  d.  Wieck  in  seinem  Brief 
▼om  15.  Nov.  an  Job.  Feigk. 


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Anno  1533  acta.  447 

et  loannem  Leningnm,  eximios  yerbi  Dei  praecones,  a  Lantgravio 
in  gratiam  nrbis  emissos  iam  adesse  \  qiti  evangelicam  yeritatem 
in  urbe  doctnri  sint),  his  itaqne  legibns  pax  restitoitnr,  nt  sena- 
torii  Bothmannistas  in  nrbe  ferrent  neqne  tarnen  ad  docendnm 
adndtterent ',  praeterea  nt  cniqne  libemm  sit  eam  fidem  am- 
plecti,  qnam  sibi  ad  salntem  profatnram  pntaverit.  His  itaqae 
actis  digrediantor  armisqne  positis  veterem  gratiam  utrinqne 
simnlant. 

Bothmannns  vero  adempto  sibi  ex  saperiori  pacis  pacto 
publice  concionandi  mnnere  privatim  et  clancnlmn,  primmn 
qtddem  noctomo  ^,  inde  ancto  snormn  nnmero  confidentins  dinmo 


')  Yielmehr  langten  die  hessischen  Prediger  erst  am  8.  November 
in  Münster  an.  Vgl.  v.  d.  Wieck's  Brief  an  Joh.  Feigk  vom  15.  Not.  nnd 
die  Beilage  dazu  bei  C.  A.  Cornelins:  M.  A.  II.  S.  364  n.  366. 

'J  Die  Darstellung  Eerss.'s  entspricht  den  Thatsachen  nicht  Die 
Yon  C.  A.  Cornelins:  M.  A.  11.  S.  358 fif.  mitgeteilten  Briefe  bezeugen 
mehlfach,  dals  das  Ausweisungsdekret  des  Rates  gegen  alle  Predikanten, 
mit  Ausnahme  gegen  Bothmann,  aufrecht  erhalten  und  zugestanden  wurde. 
Es  scheint  auch,  dafs  die  Predikanten  sich  wirklich  für  einige  Zeit  aus 
Munster  entfernten.  Am  18.  Noyember  konnte  y.  d.  Wieck  an  Joh.  Feigk 
melden  (C.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  373):  „De  andern  wichen  yast.  Sint 
gistem,  wy  ich  yerstae,  dry  yerrist."  Nach  einem  Brief  des  Yiglius  y. 
Zwichem  an  Erasmus  yon  Rotterdam  yom  12.  August  1534  soll  sich  Roll 
gegen  Weihnachten  1533  in  Holland  und  Friesland  aufgehalten  haben 
(s.  C.  P.  Hoynck  yan  Papendrecht:  Analecta  Belglca  Tom.  1  pars  1 
[Hagae  Com.  1743]  p.  106).  Die  filteren  schriftstellerischen  Quellen  wider- 
sprechen einander.  W&hrend  H.  Dorp  Bl.  C3^  behauptet,  die  Predikanten 
„begerten  nicht  eins  zu  weichen,  sondern  blieben  und  enthielten  sich  heim- 
lich bej  den,  die  irer  lere  anhengig  waren, **  sagt  Dietrich  yon  Ham- 
burg: Glaublich  anzeyg  Bl.  A 1^:  „So  aber  je  kein  weg  des  fridens  solchen 
Rotmeisteren  anzunemen,  hat  maus  irer  ftmpter  entsetzt  und  mit  zu  wegen 
brachten  Bisschofflichen  gleid  und  genugsam  zergelt  zu  der  stad  aus  ab- 
gefertigt, welchs  sie  also  angenomen,  bey  den  iren  sich  etlich  Monat  in- 
gehalten und  folgends  ynn  gemelten  jar  auf  s.  Stephans  tag  (26.  Dez.)  sich 
wider  herftir  gethan.^ 

•)  Ygl.  oben  8.  441.  Auch  P.  Plateanus  sagt  in  seiner  „Epi- 
stola  . . .  quae  de  anabaptistis  et  de  ciyitate  Monasteriensi  multa  comme- 
morat^  yom  25.  M&rz  1534  (abgedruckt  bei  J.  Cochlaeus:  XXI  articuli 
anabaptistarum  confutati  [Lipsiae,  K  Faber  1534]  Bl.  C4):  „Conyentus 
secretos  et  plemmque  noctnmos  agunt,  ad  quos  nemo  nisi  initiatus  ad- 
mittitnr.^ 


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448  Anno  1533  acta. 

tempore  in  qnibnsdam  civinm  aedibos  anabaptisma  docere  non 
destitii  Tempns  concionis  cbirobombardae  sonitn  nnnciatror. 
Ad  has  conciones  soll  anabaptistico  spiritu  afflati  admittontor. 
Docet  antem^: 


^)  Im  Folgenden  giebt  Kens,  in  falscher  chronologischer  Einordnung 
einen  Auszug  aus  den  Geständnissen  Jakobs  von  Osnabrück  vom  28.  Febr. 
1&34.  Die  Geständnisse  sind  abgedruckt  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-S.  L  S.  154  fif., 
die  hier  besonders  in  Betracht  konunenden  Stellen  S.  160  £L,  und  in  den 
M.  G.-Q.  U.  S.  220  ff.,  wo  S.  417  auch  Verbesserungen  Eum  Kiesert^schen 
Abdruck  gegeben  werden.  —  üeber  Jakob  von  Osnabrück  Tgl.  J.  Uabets: 
De  Wederdoopers  te  Maastricht  (Boermond  1877)  S.  210 ff:  und  E.  Bem- 
bert:  Die  Wiedertäufer  im  Herzogtum  Jülich  (Inaug.-Diss.  Münster  1893) 
S.  25ffL  Er  stammte  aus  Osnabrück.  8.  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  154: 
„Er  ist  geboren  zu  Osnabrug  von  yader  und  müder,  geheifsen  Gerhard 
Schmidts  und  Catharina.^  Damit  ist  die  Ansicht  J.  Habets,  der  auch  noch 
E.  Bembert  beipflichtete,  widerlegt,  als  stamme  er  aus  dem  JüUchschen. 
Im  Februar  1534  wurde  er  aus  Münster  entsandt,  um  im  Jülichschen  von 
den  Wundem  zu  Münster  Eunde  zu  geben,  wurde  aber  alsbald  in  Neufs 
gefangen  (s.  den  Brief  der  Bäte  des  Herzogs  von  Cleve  an  den  Bischof 
Franz  vom  4.  März  in  den  M.  G.-Q.  11.  S.  225  f.).  —  Dem  Verhöre  mit 
Jakob  von  Osnabrück  wurden  u.  a.  die  sogen.  „Münsterschen  Artikel**  zu 
Ghrmde  gelegt,  in  denen  wir  zweifeUos  einige  Glaubenssätze  und  Lebens- 
gebote vor  uns  haben,  zu  deren  Annahme  und  Befolgung  sich  Jeder  ver- 
pflichten mulste,  der  dem  Bunde  der  Taufgesinnten  zugezählt  sein  wollte. 
„Item  wer  diese  vurgesc.  artickel  neit  annemen  und  versagen  wilt,**  heifst 
es  im  Verhör  (J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  164),  „den  lassen  sy  neit  zu  der 
thauff^  halden  inen  auch  für  gheinen  chiist^  Diese  Münsterschen  Artikel 
sind  uns  sonst  noch  bekannt  durch  die  Schrift:  „XXI  Artickel  der  Wid- 
derteuffer  zu  Münster,  durch  Doctor  Johan  Co  oleum  widerlegt... 
MJD.XXXnn*'  (vgl  P.  Bahlmann:  Bibl.  1534  Nr.  2  u.  3),  und  neuer- 
dings habe  ich  in  der  Ztschr.  51  (1893)  8. 115  f.  eine  gut  beglaubigte  Form 
derselben  veröffentlicht  aus  einem  Manuscript  des  St.-A.  M.,  in  dem  sie 
sich  unter  der  üeberschrift:  „Der  wedderdoeper  eidt**  und  „Eyn  ander  eidt 
der  wedderdoeper**  finden,  üeber  das  Verhältnis  dieser  dem  Sinne  nach 
fibereinstimmenden  Ueberlieferungen  zu  einander  vergl.  ebendas.  Ich  be- 
merke noch,  dafs  einzelne  der  Artikel  in  lateinischer  Üebersetzung  wieder- 
gegeben sind  bei  Gonr.  Heresbach:  Historia  factionis  excidiique  Mona- 
steriensis,  zuletzt  herausgeg.  von  E.  W.  Bouterwek  (Elberfeld  1866),  und 
bei  P.  Plateanns:  Epistola,  quae  de  anabaptistis  ...  (Lipsiae  1534).  — 
Während  Jakob  von  Osnabrück  in  seinem  Verhöre  drei  dieser  Artikel  Qn 
allen  Fassungen  Nr.  7,  8  u.  9)  für  unwahr  erklärt,  giebt  er  die  Bichtig- 
keit  der  anderen  ausdrücklich  zu.  —  Eerss.  kannte  die  Artikel  aus  den 
Geständnissen  Jakob's,   die  ihm  vorlagen,  aber  er  bietet  sie  nicht  alle» 


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Anno  1533  acta.  449 

1.  Paedobaptismnm  coiam  Deo  abominationem  esse^ 

2.  Sacramenta,  missas,  vesperas,  vigilias,  chrisma,  oleum, 
*frondeSy  aqoam,  herbas,  salem,  candelas  ac  reliqna  omnia  eins^p. 
generis,  qnae  cbaracteribns  a  sacerdotibns   signantnr,  a  diabolo 

et  anticbristo,  hoc  est  pontifice  Bomano,  qoaestos  gratia  ezcogi- 
tata  esse*. 

3.  Templa  impionun  christianis  esse  vitanda^ 

4.  Encharistiae  sacramentam,  qnod  snpra  capnt  sacerdotis 
ostentatnr,  magnnm  esse  Balaam^. 

5.  Gnm  impiis  et  gentibns  nihil  commercii  habendnm^. 

6.  Diem  Satnmi  divina  anctoritate  institntiun,  non  antem 
diem  SoHs  hxunano  arbitrio  dedicatom  esse  celebrandmn^ 

7.  Impios  esse  papistas  et  Lntheranos,  qni  commessantnr, 
crapnlantnr,  scortantnr  Deiqne  yerbo  adversantnr ''.   (Non  antem 


sondern  nur  13  in  ganz  wüllcürlicher  Aaswahl,  setzt  bald  einzelne  Zosatz- 
erkl&ningen  des  Jakob  hinzu  und  stellt  dann  auch  wieder  als  Artikel  hin, 
was  sich  in  den  Geständnissen  deutlich  als  Antwort  JakoVs  auf  Zwischen- 
fragen des  Verhörenden  erkennen  läfst.  In  den  folgenden  Noten  ist  das 
kenntlich  gemacht.  Dort  bedeutet  J.  (Jakob  von  Osnabrück)  den  Abdruck 
bei  J.  Niesert,  E.  (Eid)  den  Abdruck  in  der  Zeitschr.,  C.  den  Abdruck  bei 
J.  Cochlaeus.  —  Die  Artikel  sind,  wie  gesagt,  von  Eerss.  chronologisch  an 
verkehrter  Stelle  verwertet.  Geltung  gewannen  sie  in  Münster  erst  nach 
dem  siegreichen  Eindringen  der  MelcMoriten  (vergl.  das  Bekenntnis  des 
KlopriTs  bei  J.  Niesert:  U.-S.  L  8.  111  und  die  Aussagen  Johann's  r. 
Leiden  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  176  und  M.  G.-Q.  II,  371).  Wenn  Eerss. 
schon  f&r  diese  Zeit  (Nov.  1533)  durch  Bothmann  das  Gebot,  sich  der 
Kirchen  zu  enthalten,  predigen  läfst,  so  macht  schon  C.  A.  Cornelius 
(s.  M.  G.-Q.  Einl.  S.  54  Anm.)  mit  Becht  darauf  aufmerksam,  wie  er  sich 
damit  in  Widerspruch  setzt  zu  seinem  eigenen  Bericht  weiter  unten,  nach 
dem  Bothmann  noch  im  Januar  1534  wiederholt  in  den  Kirchen  predigte. 

')  Dieser  Satz  (vgl.  dazu  oben  8.  422)  ist  in  den  Artikeln  nicht 
enthalten.  —  ^  J*  2,  E.  2,  C.  2,  doch  setzt  Kerss.  hier  die  Antwort  hinzu, 
die  Jakob  auf  den  ihm  vorgehaltenen  ersten  und  zweiten  Artikel  giebt 

»)  J.  1,  E.  1,  C.  1.  —  *)  J.  8,  E.  3,  C.  3.  —   »)  J.  6,  E.  6,  C.  6. 

^  Fehlt  bei  J.,  E.  und  C.  Doch  sagt  Jakob  aus  (bei  J.  Niesert 
a.  a.  0.  S.  164):  i^Item  sie  en  fyren  weder  sondach  noch  hillige  dage. 
Gefragt,  waromb,  antwort:  der  paist  have  dye  eingesatzf 

^  Ist  Jakob's  Antwort  auf  eine  Zwischenfrage  im  Yerhßr  bei  Art  6. 
—  Während  der  Disputation  über  die  Kindertanfe  (s.  oben  S.  424  ff.)  gab 
Bothmann  zu,  «mit  droifiiisse^  gesagt  zu  haben:  „men  spoir  leder  ^ein 
undeneheidt  tho  hantes  tuschen  denen  Papisten  und  Evangelischen,  de  men 

5 


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450  Anno  1533  acta. 

8olmn  catholicos,  yernm  etiam  Lntlieranos,  snos  parentes  ac  anc- 
tores,  convitiis  proseqnnntnr  atqne  ab  iis  dissentinnt  retinctL 
Scribit  enim  Bothmannns  anno  33.  postridie  Penihecostes  ad 
Hermannnm  Begewardnm,  pastorem  Warendorpensem,  in  epistola 
qnadam^  inhaec  verba:  „Miram,  qnantmn  Lntherani  n^otiam 
moliantnr  in  nos,  sed  non  timemus,  quin  Dominns  rem  bene 
fortnnabit.") 

8.  Gentes  vero  esse  simplices  et  frandis  expertes  cives  ac 
agricolas,  qui  sacerdotnm  figznentis  crednnt*. 

9.  Intra  annos  mille  et  qnadringentos  nnllum  in  orbe  fd- 
isse  yenun  christiannm,  neqne  post  tempora  Christi  nllnm  Msse 
sacerdotem,  neqne  apostolos  ipsos  sacerdotes  fnisse,  sed  mini- 
stros  Dei,  qni  verbnm  snnm  annnnciavemnt;  Christum  vero 
ultimum  fuisse  sacerdotem^ 

10.  Gentium  magistratui  non  esse  obediendum^ 

11.  Gentes  ante  tempus  a  Deo  praefinitum  non  esse  do- 
cendas^  Mundum  enim  propter  peccatum  luctuosam  prius  af- 
jQictionem  passurum  impiosque  in  ore  gladii  casuros,  inde  relictos 
superstites  ad  regnum  Dei  concionibus  esse  vocandos. 

12.  Christum  humanam  naturam  a  Maria  non  assumpsisse^. 

13.  Coniugia  christianomm  revocanda  esse,  cum  ante  ite- 
*p.  400.  ratum  *baptismum  coniugia  non  faerint^ 

14.  Christianos  esse,  qui  primum  in  Christum  credunt, 
deinde  in  nomine  eins  baptizati  sunt^ 

15.  üxores  maritos  suos  dominos  appellabunt^ 

16.  Neqne  famuli  neque  famulae  fideles  cum  gentibus  mar- 
trimonia  contrahent  neque  iisdem  inservient,  sed  solis  fldelibus  ^\ 


Lntterisch  nomet,  dan  die  Papisten  sin  gerne  in  den  korken  und  hören 
misse,  und  de  Lntterschen  gerne  up  den  beirbenken  . .  .*  8.  Zeitscbr.  20 
(1859)  8.  158  nnd  Herrn.  Hamelmann:  De  paedobapt  BL  Dl. 

')  Nicht  mehr  nachweisbar.  --  *)  Ist  die  Fortsetinng  der  Antwort 
Jakob's  anf  die  Zwischenfrago  bei  Artikel  6.  —  ')  Ist  Antwort  JakoVs  aof 
eine  Zwischenfrage  bei  Artikel  3  nnd  8chlnfs  deijenigen  bei  Artikel  6.  — 
^)  J.  8,  E.  8,  C.  8.  Jakob  erklärt  diesen  Artikel  ffir  unwahr.  —  *)  J.  11, 
E.  11,  C.  11.  Im  folgenden  Satz  f&gt  Eerss.  die  n&here  Erklftrang  JakoVs 
TO  diesem  Artikel  hinzn.  —  •)  J.  10,  B.  10,  C.  10.  —  *)  J.  12,  E.  12,  C.  12. 
—  ")  Ist  JakoVs  Antwort  anf  eine  Zwischenfrage  bei  Artikel  16.  — 
•)  J.  U,  E.  13,  C.  13.  —  »•)  J.  16,  E.  14^  C.  14. 


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Anno  1533  acta.  451 

17.  Nemo  christianonun  com  impiis  in  indicio  contendet^ 

18.  Nemo  christdanornm  nsnram  nllam  exercere  debet, 
proinde  neqne  pensiones  exigit  neqne  solvet.  Omnia  enim  apo- 
stolorom  ezemplo  fore  commnnia* 

19.  Quilibet  christianonun  carsnm  snnm  a  se  coeptnm 
absolvat  et  perficiat  neqne  respiciat  retro,  ne  ostinm  sibi  prae- 
dndatnr;  hoc  est,  inqnit,  si  pater,  mater,  frater,  soror  ant 
nllus  de  cognatione  hanc  doctrinam  et  characterem  foederis  non 
snsceperit,  vemm  christiannm  non  movebit,  sed  ipse  in  sna  fide 
perseverabit '. 

Hanc  doctiinam  obaerati,  inopes  atqne  otinm  sectantes 
qnibnsqne  religio  fnit  honestnm  laborem  attingere,  remm  com- 
mnnione^  et  nsnrae  libertate  aUedd  primom  amplectnntnr. 
Deinde  opnlentiores  qnoqne  personata  et  efQcta  Bothmannistarmn 
gravitate  ac  sanctimonia  commoti  bona  sna  in  commune  defe- 
ront,  pensionom  literas  detractis  signis  ant  discerpnnt  ant  in 
ignem  coniicinnt  ant  debitoribns  cnm  toto  debito  remittnni 
Qnod  non  solnm  vires,  yemm  etiam  mnlieres  alioqni  ad  rem 
attentiores  fecisse  in  confesso  est.  Nam  Brandeschenia,  Enipper- 
dollingi  coningis  mater,  valde  opnlenta  ita  spiritn  Dei  agitata 
est)  nt  literas  redditnnm  signatas  debitoribns  cnm  nsnris  per- 
ceptis  restitneret. 

Eis  clandestinis  concionibns  et  articnlis  in  ynlgns  sparsis 
effectnm  est,  nt  anabaptistamm  nnmems  civinm  advenammqne 
concnrsu  incrementnm  non  mediocre  snmeret,  imo  bonomm  nn- 
memm  propemodnm  ezaeqnaret,   maxime  cnm  mnlti  boni  cives 


»)  J.  19,  E.  18,  fehlt  bei  C.  —  •)  J.  20,  E.  19,  C.  18. 

")  J.  21,  £.  20,  fehlt  bei  C.  —  Eerss.  l&fst  also  die  bei  J.  Kiesert 
nnter  Nr.  4,  5,  7,  9,  13,  16,  17  n.  18  verzeichneten  Artikel  fort.  Doch 
ist  IQ  bemerken,  dafs  Nr.  13  daselbet  kein  eigentlicher  Artikel,  sondern 
wieder  nnr  eine  Antwort  JakoVs  anf  die  Zwischenfirage  ist,  wie  man  rieh 
verhalte,  ^so  sach  were,  der  man  rieh  wedertenffen  Ueri;,  nnd  die  franwen 
neit?**  Jakob  antwortet,  er  wisse  darüber  Nichts.  Tgl.  dazn  aber  den  von 
Ooehlaens  als  Nr.  20  angeführten  Artikel,  der  bestimmt,  dafs  in  dem 
Falle  die  Ehe  getrennt  werden  müsse. 

*)  Anspielungen  an  die  Lehre  von  d»  Qütergemeinschaft  finden  rieh 
in  den  bisherigen  Schriften  Bothmann's  nnd  der  Mfinsterschen  Predikanten 
zum  erstenmal  thatsftchlich  in  dem  „Bekenntnis.*    Tgl.  Bl.  H3. 

5* 


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452  Anno  1533  acta. 

calamitosam  nrbis  faciem  aversantes  emigrarent  spontanenmqne 
exilinm  eligerent.  Inter  qnos  etiam  faerant,  quornm  somnolentia, 
*p.  401.  consilio  et  ope  Schismata  in  hanc  rempublicam  primmn  *irrep- 
serunt  et  admissa  sunt.  Quorum  quidam  inter  proceres  adhuc 
supersunt,  qui  olim  cum  promiscua  plebe  psalmos  Oermanicos 
in  templis  cantillabant,  conciones  seditiosorum  magno  studio 
sectabantur.  Hi  nunc  eximia  pietate  praediti  conspiciuntur.  Qui 
preces  aspemabantur,  horum  nunc  genua  et  labia  precum  multi- 
tudine  callo  obducta  videas;  qui  aquam  consecratam  omniaque 
cbaracteribus  signata  tanquam  pestem  et  magnum  aliquod  ma- 
lum  aversabantur  et  fugiebant,  nunc  nisi  centum  se  quotidie 
crucibus  signent,  nisi  se  aqua  lustrali  quotidie  tingant,  nisi 
salem  consecratum  quotidie  degustent,  diem  sequentem  se  non 
victuros  ezistimant. 

Adversus  hunc  Bothmannum  eiusque  factionem  Fabricius  ^ 
acriter  pugnat  ac  non  solum  in  religione  seu  fide  nutantes  ab 
anabaptismo  deterret,  verum  etiam  iUud  sectantes  revocat,  lapsos 
erigit,  infectos  sanat  ac  sacrarum  literarum  antidoto  solus  cor- 
roborat.  Leningus  enim,  huius  commilito,  qui  eandem  militiam 
cum  Fabricio  susceperat»  yaria  discrimina  vitae  subeunda  sibi 
esse  conspiciens  ad  suos  redire  cogitat,  confessor  mori  malens 
quam  martyr*. 


*)  H.  Dorp  Bl.  04:  „Theodericns  aber  thet  grofsen  fleifs  mit  pre- 
digen und  yermanen  widder  aUe  Widertenffer.''  Thm  war  die  Lambert!- 
Idrche  emger&mnt  worden,  in  der  er  t&gUch  predigte  (s.  den  Bericht  der 
hessischen  Prediger  an  den  Landgrafen  vom  15.  Nov.  bei  C.  A.  Cornelias: 
M.  A.  n.  S.  359).  Der  Bat  von  Münster  meldet  dem  Landgrafen  an  dem- 
selben Tage  (0.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  362),  dafs  ,dorch  Theoderid 
Fabritii  denst  am  werde  das  volck  to  geloven,  leifte,  eindracht  und  ge- 
horfzam  angerichtet  werde  . .  .*' 

*)  Eerss.  schöpft  hier  ans  H.  D  orp  a.  a.  0.  Von  Predigten  Lening's 
hören  wir  zwar  in  keiner  Quelle,  doch  nahm  er  Teil  an  der  Ausarbeitong' 
der  gleich  auch  von  Eerss.  erw&hnten  neuen  Eirchenordnung.  Schon  in 
ihrem  ersten  Schreiben  vom  15.  Nov.  begehrten  die  beiden  Prediger  vom 
Landgrafen,  er  möge  sie  höchstens  nur  noch  acht  Tage  in  Munster  be- 
lassen. „Dan  wo  es  in  unsere  kove  stunde,  wulten  wir  langst  umbkeret 
sein.*  Am  17.  Nov.  wünscht  der  Bat  von  Münster,  dafs  Fabricius  noch  bis 
Weihnachten  bleibe;  wenn  die  Eirchenordnung  fertig  sei  und  mehr  Predi- 
kanten  da  wftren,  wolle  man  Lening  zurückschicken  (s.  C.  A.  Cornelias: 


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Anno  1533  acta.  453 

Hinc  senatns,  ne  omnia  sine  certo  ordine  in  templis  agan- 
tnr,  de  refonnatione  ritnnm  ceremoniarnmqne  fabricanda  com 
Fabricio  agit.  Hle  yero  cnm  se  hnic  oneri  inparem  esse  ingenne 
&teretnT  imbecillitatemqne  ingenii  sni  qnereretur,  ad  rem  igitnr 
istam  matnrins  ac  pradentius  conficiendam  addnntar  illi  non 
solom  WycldnSy  Brixins,  Wirthemins,  Glandoipius,  Belholtns  ac 
Langennannns,  yenun  etiam  per  legatos  Joannes  Westermannns, 
theologiae  doctor,  qni  Lippensi  snggesto  praefaerat,  accersit^r^ 
Qni  com  venisset  Monasterium,  23.  Novembris  ante  meridiem  ss.  noy. 
in  templo  Transflnviano,  a  prandio  vero  Aegidiano  concionatns 
est  snamqne  facnndiam  ac  Wittenbergicam  theologiam  manifeste 
ostentavit. 

Cmn  libelli  a  Bothmanno  conscripti  \  qnibus  plnrimos  in 
snnm   errorem   pertrazit,   tjpis   ezcnsi   passim  conspicerentur^ 


M.  A.  n.  S.  dö9  u.  368).  Zuletzt  nachweisbar  ist  Lening  in  Münster  am 
3.  Dezember  (s.  sein  und  des  Fabricius  Schreiben  von  diesem  Datum  an 
Bischof  Franz  bei  J.  Niesert:  U.-B.  I^  S.  223  f.).  Doch  war  er  nach 
einem  Briefe  des  Landgrafen  an  die  Stadt  Münster  vom  23.  Dez.  (Kopie 
im  St.-A.  M.)  an  diesem  Tage  bereits  nach  Hessen  zurückgekehrt. 

^)  Kerss.  hat  hier  offenbar  schon  die  spätere  Revision  der  Kirchen- 
Ordnung  im  Auge,  von  der  er  weiter  unten  redet.  Keine  der  älteren  Quellen 
erwähnt,  dafs  zum  Entwurf  der  Ordnung  Andere  neben  Lening  und  Fa- 
bricius hinzugezogen  wurden.  Der  Entwarf  war  schon  am  18.  November 
fertiggesteUt.  An  diesem  Tage  nämlich  begründen  die  hessischen  Prediger 
ihre  abermalige  Bitte  an  den  Landgrafen,  sie  „des  irsten  dages  widder 
heim  fordern*'  zu  wollen,  mit  den  Worten:  „dan  wir  nun  der  stat  Munster 
ein  mittelmessige  kirchenordnunge  gestellet.*'  Westermann  war  damals 
noch  gar  nicht  in  Münster.  Y.  d.  Wieck  schreibt  am  18.  Novemb.  an  Job. 
Feigk  (s.  O.A.  Cornelius:  M.  A.  11.  S.  373):  „Auch,  lieber  her,  wert  dr. 
doctor  van  der  Lippe,  nun  berichtet  die  andern  abziehen,  alhie  yor  künf- 
tigen sontag  (23.  Nov.)  komen.''  An  diesem  Tage  läfst  Kerss.  ihn  richtig 
zum  erstenmal  in  Münster  predigen.  —  H.  Hamelmann's  Nachricht 
(8.  1206),  Westermann  sei  erst  nach  Lening's  Abreise  in  Münster  einge- 
troffen, ist  schon  nach  den  oben  angegebenen  Daten  falsch.  Darauf  machte 
bereits  CA«  Oo  melius  a.  a.  0.  S.  347  f.  aufinerksam.  In  dem  eben  an- 
gezogenen Briefe  an  Joh.  Feigk  vom  18.  Novemb.  schreibt  v.  d.  Wieck  aus- 
drncklick :  „Aber  so  bald  wir  den  doctor  van  der  Lippe  haben,  wil  wy  . . . 
dan  mit  dem  ersten  Leningum  affertigen.''  —  Ueber  Westermann  vgl.  die 
neueste  Monographie  von  E.  Knodt  (Gotha  1895). 

*)  Die  oben  S.  442  erwähnten  „Bekenntnisse.*' 


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454  Anno  1533  acta. 

süspitio  orta  est,  ipsnm  domi  snae  typographiam  clancnlnm  ha- 
•p.  402.1)ere^.    Ideoqne  *27.  Novembris  dno  consnles,  duo  iudicii  asses- 

57.  HoY.  sores  et  dno  aedQes   ministris  aliquot  stipati  aedes  Bothmanni 

ingredinntnr ;  qni  com  ab  nxore  domi  esse  negaretor  alterqne 
consnlnm  ipsmn  domi  esse  constanter  afflrmaret,  ille  manifestum 
mendacium  proceres  indigne  laturos  pertimescens  e  latibulo  pro- 
dit  suique  copiam  facit.  Interrogatus,  an  typographiam  domi 
babeat,  ille  negat.  Ministri  iussi  eam  inquirunt,  reperiunt,  re- 
pertam  auferunt  secumque  in  curiam  grapbiariam  asportant. 

Fabricius  interea  cum  loanne  Westermanno  aliisque  doctis 
viris  superius  nominatis  noyam  in  religione  reformationem,  quae 

58.  Nov.  cum  Augustana  confessione  consentiat,   fabricat,   quam  28.  No- 

vembris duo  consnles,  Joannes  Wyckius  sjndicus,  Joannes  Langer- 
mannus  Senator  et  Amoldus  Belholtus  iudex  monachorum  quo- 
rundam  bene  doctorum  iudicio  et  censurae  offerunt.  Inter  quos 
erat  D.  Joannes  Holtmannus ',  coenobita  Fontissalientis,  vir  exi- 
miae  pietatis  et  eruditionis,  quem  tam  anabaptistae  quam  con- 
fessionistae  nomine  eruditionis  suspiciebant.  Hi  cum  multa 
contra  catholicae  ecclesiae  instituta  et  ritus  per  eam  mutari  in- 
telligerenty  censuram  exhibitae  formae  in  episcopum  transferunt; 
ad  se  enim  istarum  rerum  iudicium  minime  pertinere  arbitrati 
sunt.  Vero  Fabricius  episcopi  iudicium  et  censuram  excutiens 
satis  sibi  esse  putavit,  si  eos  saltem,  inter  quos  haec  religionis 
reformatio  vigeret,  auctores  esset  babiturus. 

Postquam  princeps  noster  Lantgravium  concionatores  Mona- 

(17.)  NoY.  sterium  misisse  intellexisset,  18.  Novembris  ad  eundem  in  haec 

verba  scribit':  Se  accepisse,  quod  in  civitatem  Monasteriensem 

^)  Die  „Bekenntnisse^  sind  ohne  Angabe  des  Drnckortes  erschienen. 
H.  Harne Imann  8.  1203  l&Ist  sie  „ex  Botmanni,  Glophrisii,  Jnlii  (sc. 
Fhrisii)  et  Leidcnsis  oMcina**  hervorgegangen  sein.  Genauere  Untersuchun- 
gen über  den  Buchdruck  zu  Münster  in  damaliger  Zeit  fehlen  noch.  Wert- 
volle Beitr&ge  dazu  und  Ergänzungen  zu  J.  Nieser t:  Beiträge  zur  Buch- 
druckergesch.  Münsters  (Coesfeld  1828—84)  liefert  J.  B.  Nordhoff:  Alt- 
münsterische Drucke  (in  der  Zeitschr.  34^  [1876]  S.  1491!.)  und  ders.  in 
seinen  ^Denkwürdigkeiten  aus  dem  Münsterischen  Humanismus"  (Münster 
1874)  S.  183  ff.  —  Das  Folgende  ist  nur  von  Eerss.  üherliefert 

*)  Er  hatte  auch  an  der  Disputation  über  die  Eindertaufe  teilge- 
nommen. Vgl.  oben  8.  424.  —  «)  Viehnehr  am  17.  Nov.  aus  Bevergem. 
Orig,  im  St-A.  Marburg.    Abgedr.  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-B.  I^  8.  230  f. 

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Anno  1533  acta.  455 

quosdam  concionatores  certum  in  religionis  negotdo  ordinem  et 
formam  componendi  gratia  transmiserit.  Com  antem  in  comi- 
tüs  snperioribns  dioecesanis  Bejnae  habitis  se  aliqmd  certi  pe- 
tentibns  ordinibns  in  cansa  religionis  descripturmn  receperit, 
cni  ad  oecxunenici  concilii  decisionem  snbditi  pareant,  sibi  igitor 
panun  placere,  qnod  concionatores  isti  snas  partes  sibi  praeri- 
piant  et  snam  reformationem,  quam  meditetnr,  antevertant  et 
eyertant^  Se  proinde  rogare,  ut  per  scripta  ipsis  *vetet,  ne  se*p.  408. 
Ms  rebus  intromittere  praesnmant. 

Ad  haec  Lantgravius  27.  Novembris  ^:  Se  qnidem  senatns  S7.  kot. 
Monasteriensis  precibns  commotnm  concionatores  eo  misisse,  non 

^)  Der  Bischof  fügt  noch  hinzu,  wie  er  fürchte,  dafs  aus  dieser  Sonder- 
ordnung wieder  nur  neuer  Zwiespalt  und  neue  Irrungen  entstehen  würden. 

»)  Orig.  im  St-A.  M.  Ahgedr.  bei  J.  Niesert:  U.-B.  I^  S.  232 f. 
Eer88.'8  Wiedergabe  ist  hier  ungenau  und  unvollständig.  Der  Landgraf  giebt 
als  Zweck  der  Absendung  seiner  Prediger  an,  „die  munsterischen  predicanten 
ihres  irthumbs  zu  unterrichten  und  abzuweissen,  auch  den  rath  und  die 
gemein  zu  erynnem,  sich  dem  aufgerichten  vertrage  gemefs  zu  halten.  ** 
(Ygl.  dazu  auch  den  Brief  des  Landgrafen  an  den  Bischof  vom  24.  Dez.  bei 
C.  A.  Cornelius:  M.  A.  n.  S.  375  f.)  Er  fahrt  dann  fort:  „Das  aber  unsere 
prediger  selten  sondere  Ordnung  auMchten,  glauben  wir  nit;  wol  mugen  sie 
zu  widderlegung  und  dempfung  der  irthumb  des  wiedertaufs  und  sacraments 
denen  von  Munster  einer  christlichen  Ordnung  anzeige  und  untherricht  ge- 
geben haben.*'  Schliefslich  zeigt  er  dem  Bischof  an,  dafs  er  auf  Bitten  des 
Bates  Bothmann  zu  sich  gefordert  und  einem  seiner  Prediger  (Fabricius)  noch 
eine  Zelt  lang  in  Münster  zu  bleiben  gestattet  habe,  ,,der  inen  das  wort 
Gottes  lanther  und  rheine  verkünde,  bis  das  sie  andere  tugliche  predicanten 
haben  und  bekhommen  können.*'  —  üebereinstinunend  hatten  am  17.  Nov. 
der  Rat  von  Munster,  am  18.  Nov.  v.  d.  Wieck  sowie  Lening  und  Fabricius 
dringend  gebeten,  der  Landgraf  möge  Bothmann  zu  sich  bescheiden  (s.  0. 
A.  Cornelius:  M.  A.  IL  S.  367 ff.).  Die  hessischen  Prediger  ftufserten 
sich  auch,  sie  h&tten  erfahren,  „das  er  etwas  rumgeitzig  und  selbs  mit 
e.  f.  g.  sich  zu  besprechen  begierig  sei.**  Dafs  Bothmann  wirklich  nach 
Hessen  kommen  woUe,  zeigt  der  Landgraf  dem  Bischof  in  einem  Briefe 
vom  27.  Dez.  an,  in  dem  er  zugleich  für  ihn  um  freies  Geleit  bittet  (Orig. 
im  8t-A.  M.).  Und  noch  am  12.  Jan.  1634  schreibt  Bothmann  selbst  dem 
Landgrafen  (Orig.  im  St-A.  Marburg):  ,So  wil  ick  nu  an  unsen  genedighen 
heran  des  geleides  halven  doen  werven,  und  so  balde  ick  darmede  versor- 
geth  und  de  allmechtige  Godt  alsdan  minen  wech  ferdighen  woert,  zo  wil 
iek  bi  e.  f.  g.  erschinen.  Dan  was  ick  e.  f.  g.  thom  pris  Godes  kan  tho 
willen  sin,  bin  ick  altit  genegeth.  Dat  kent  Godt  .  •  .**  Als  dann  aber  am 
27.  Januar  die  hessischen  B&te  den  Bischof  noch  einmal  ermahnten,  für 


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456  Anno  1533  acta. 

antem  reformationis  praescribendae  cansa.  Sed  cum  eins  urbis 
concionatores  anabaptisticmn  scMsma  introdncerent,  qno  popn- 
lum  misere  seducerent,  se  ergo  in  commodiim  civitatis  totinsqne 
populi  dnos  concionatores  eo  misisse,  qni  verbnm  Dei  pnre  do- 
ceant  ac  plebem  ab  anabaptistica  lue  sacrae  scriptnrae  remedio 
liberent  atqne  antidoto  adversns  eam  praemnniant.  Se  illo  bene- 
ficio  malam  gratiam  non  promemisse  opinari. 

Scriptum  Theodorici  Fabricii  ac  loannis  Leningi  Melsin- 
gani  parochi,  concionatorum  a  Lantgravio  in  urbem  missorum, 

».  KoY.  ad  principem  nostrum  29.  Novembris  missum  in  haue  senten- 
tiam':  Se  a  Lantgravio,  suo  principe,  ante  hebdomadas  tres  erroris 
cuiusdam  reprimendi,  pacis  vero  et  evangelicae  tranquiUitatis 
componendae  christianaeque  reformationis  circa  ceremonias  et 
ritus  ecclesiasticos  contexendae  gratia  in  urbem  Monasteriensem 
ablegatos  esse,  quae  omnia,  uti  sperent,  praesidio  divino  feliciter 
peregerint.  lam  vero  se  intelligere  episcopum  quosdam  cives  Dul- 
manicos^  evangelü  causa  apprehendisse,  quorum  vicem  mazime 
doleant.  Se  ergo  rogare^  ut  relaxentur,  ne,  quod  salutis  gratia 
pie  receperint*,  quasi  impium  ipsis  obiiciatur  et  imputetur. 
3.  Dez.  Ad  haec  princeps  3.  Decembris^:   Cum  sibi  Lantgravius 

de  ipsorum  adventu  neque  praenunciaverit  neque  praescripserit 
quicquam  neque  ab  eodem  mandatum  componendae  reformationis 
habeant  ullum,  se  scripta  superiora  in  sua  existimatione  relin- 
quere.  Quemadmodum  igitur  Lantgravius  reformationis  alienae 
in  suam  ditionem  praeter  consensum   suum  illatae   foret  im- 

''p.  404.patiens,  ita  se  quoque  refor'^mationem  a  peregrinis  sibi  ignotis 
consutam  inter  suos  non  laturum.  Serie  proinde  se  admonere 
illos,  uti  sibi  in  civitate  Monasteriensi  aliisque  locis  suae  iuris- 


Bothmann  das  freie  Geleit  auszustellen,  hatte  dieser  bereits  am  23.  Jan. 
das  weiter  unten  von  Eerss.  mitgeteilte  Edikt  erlassen,  welches  die  Ver- 
haftung und  Auslieferung  aller  Wiedert&ufer,  als  deren  Haupt  an  erster 
Stelle  Bothmann  namhaft  gemacht  wurde,  aufs  strengste  anbefahl. 

0  Orig.  im  St.-A  M.  Abgedr.  bei  J.  Niesert:  U.-B.  IK  S.  221  f. 
—  *)  Im  Brief:  „etliche  predicanten  ynd  burger. '^  Zur  Sache  vergl.  oben 
8.  418.  —  ')  Und  zwar,  wie  es  im  Schreiben  heiTst,  auch  im  Namen  des 
Landgrafen.  —  *)  „...  angesehen,  das  sie  durch  liebe  und  eyfer  zu  gott- 
lichem wort  und  aus  keinem  mutwilligem  frevell,  wie  wir  berichteti  dar  zu 
seynt  komen  ..."  —  *)  Aus  Fürstenau.    Konzept  im  St-A.  M. 


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Anno  1533  acta.  457 

dictioni  snbiectis  a  novae  reformationis  contextn  temperent; 
neque  enim  id  se  aequo  animo  latnrum.  Porro  cum  Dnlmani- 
ensibns  captis  se  etiam  a  concionatoribns  non  admonitmn,  quid 
aequitatis  ratio  postulaverit,  acturum. 

Princeps  ad  onmes   dioecesis   urbes   tricesimo  Novembris  so.  Nov. 
scribit^:  Se  componendae  refonnationis  studio,  uti  in  Beynanis 
superioribus    comitiis    conyenerit^    occupatum   esse^;    se  ergo 
poscere,   ut  ab  omni  novatione  in  religionis  negotio  sibi  tem- 
perent, donec  id,  quod  a  se  scriptum  sit,  publicetur. 

Sed  cum  Warendorpenses^  post  comitia  Beynana  multa 
innovassent,  acrius  eos  per  literas  ^  obiurgat,  quod  ad  praescrip- 
tum  superiorum  comitiorum  non  yixerint,  quod  obedientiae  ob- 
liti  seditiosos  concionatores  in  suam  rempublicam  admiserint  et 
quod  ceremonias  priscas  mutaverint.  Ad  quae  2.  Decembris  re-  >.  ^^ 
spondent^,  quod  seditiosum  concionatorem  abegerinf^;  eum  vero, 
quem  habeant,  se  Monasteriensium  consilio  et  hortatu^  susce- 
pisse,  qui  a  seditione  animum  habeat  prorsus  alienum,  qui  evan- 
gelium  fideliter  doceat,  qui  sacramenta  non  impugnet,  sed  in- 
fantes  quoscunque  oblatos  baptizet  et  neminem  a  communione 
corporis  et  sanguinis  Christi  repellat.  Precari  itaque  se,  ut 
princeps  falsis  istis  delatoribus  aures  suas  occludat  et  se  semper 
ad  iustam  defensionem  admittat.  Nihil  enim  se  unquam  com- 
missurum,  quo  obedientia^  quam  principi  debeant,  violetnr. 

Et  cum  omnes  urbes  se  principi   parituras   rescriberent^ 
solus   senatus   Monasteriensis   in  haec  verba  3.  Decembris   re- 


*)  Aus  Iborg.  Konzept  im  St.-A.  M.  —  •)  Vgl.  oben  S.  434.  — 
')  Im  Briefe  heifst  es  genau:  „. . .  dat  wj  to  alsulcker  guder,  christliger 
ordenunge  nnde  refonnation  ym  steiden  vlitigen  arbeide,  werden  ock  dar 
anne  gejn  mojge  edder  unkost  mjden,  deselve  zo  bolde  jmmer  mogelich 
an  den  dach  werde  gebracht  nnde  publicert.**  —  ^)  Vgl.  zn  früheren  Yer- 
handlnngen  mit  Warendorf  oben  S.  410  f.  —  ^)  Vom  27.  Nov.  aus  Ibnrg^ 
Konzept  im  St-A.  M.  Gedruckt  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  303 f.  — ' 
•)  Orig.  im  St-A.  M.  Abgedruckt  bei  J.  Niesert:  Ü.-B.  I*.  S.  209 f.  — 
*)  Im  Schreiben:  ,dat  wi  uns  in  vortyden  uth  boTel  i.  f.  g.  ejnes  predi- 
eanten  deger  und  aU  entslagen  hebn,  de  hier  ock  sedder  der  ersten  uth- 
flucht  nicht  wedder  bynnen  ist  gewest  . .  .**  —  ")  »am  jungest  geholden 
lantdage.**  —  *)  Stftdtische  Schreiben  aufser  den  von  Kerss.  angeführten 
▼on  Warendorf  und  Münster  sind  nicht  mehr  nachweisbar. 


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458  Anno  1533  acta. 

3.  Dez.  spondet^:  Cum  transactio  in  cansa  religionis  inter  se  et  prin- 
cipem  Sit  inita^  se  ergo  adversns  eam  noUam  a  principe  ordi- 
nationem  ant  reformationem  admissnmm.  Se  enim  in  religionis 
negotio  christianam  dispositionem  conscripsisse,  pnblicasse  atqae 
*p.  405.  nnanimi  *omnium  ordinnm  totinsqne  reipublicae  consensn  ap- 
probasse  et  accepisse,  qna  ^  gloriam  Dei,  christianam  concordiam, 
pacem  atqne  civinm  salntem  qnaesierint. 

Quanqnam   princeps  creberrimis  snis  monitis   nihil  apnd 
senatum  efficeret,    sed  senatns  praefractior  in  recipiendo  Mom- 

18.  Dez.  pertio  redderetnr,  tamen  eins  causam  12.  Decembris  postremo 
sie  egit':  Sibi  certo  constare  Mumpertinm,  quem  concionatorem 
summi  templi  constituerit,  verbum  Dei  pure  et  sine  seditionis 
ac  schismatis  concitandi  studio  fideliter  docuisse.  Sibi  ergo 
mirum  videri,  cur  senatus  eidem  urbe  interdixerit.  Se  itaque 
senatum  iterum  monere,  ut  hunc  intra  moenia  officio  suo  fon- 
gentem  ferat.  Si  vero  illud  cum  bona  pace  impetrari  non  possit, 
se  eam  rem  tempori  committere  oportere.  Schedula:  Se  antehac 
a-  senatu  postulasse,  ut  seditiosum  concionatorem  Bemardum 
Bothmannum  cum  coUegis  suis  urbe  profiiget,  ut  paz  et  tran- 
quiUitas  quaeratur  conserveturque.  Sed  cum  hoc  ad  effectum 
nondum  sit  perductum,  iterum  se  idem  flagitare. 

so.  NoY.  Fabricius  invito  principe  suam  reformationem  30.  Noyem- 

bris  in  templo  D.  Lamberti  publicavit  populoque  commendavit 
ac  divinam  ultionem  transgressoribus   conmiinatus   est.    Haec 


»)  Orig.  im  St.-A.  M.  Abgedr.  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-B.  P.  8.  225  ff. 
Kens,  bietet  nur  einen  ganz  kurzen  Auszug. 

*)  Dieser  Satz  bezieht  sich  im  Schreiben  der  Stadt  nicht  auf  die  in 
Münster  aufgerichtete  Eirchenordnung,  sondern  auf  die  von  Eerss.  fortge- 
lassene Bitte  des  Rates,  der  Bischof  möge,  falls  er  „vor  ander  buten  unser 
Stadt,  so  im  Tordrage  nicht  begreppen,  ordnen  und  reformeren  woUe  ,,  ,^*^ 
was  „dorch  ingefoerte  superstition  hoich  van  noeden,'  . . .  ^»solchs  na  dem 
rechten  richtessnoer  gotlichs  words  voemhemen  . .  .** 

')  In  einem  Schreiben  an  den  Rat  aus  Ffirstenau,  das  er  gleichzeitig 
den  Olderleuten  u.  s.  w.  mitteilt  (Kopie  in  der  Bibliothek  des  Altertums- 
▼ereins,  Mscr.  101).  Ueber  frühere  Y^handlungen  Mumpert^s  wegen  s.  oben 
S.  434  ff.  Bezugnehmend  auf  den  Brief  Münsters  vom  3.  Dez.  erwidert  der 
Bischof  jetzt:  „Wj  ...  hedden  uns  yn  der  waerheit  alsulcker  spitziger, 
ungegrunter  unde  wytlopiger  verantwerunge  unde  vomements  aller  gestalt 
na  jn  gynen  wech  Termodef 


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Anno  1533  acta.  459 

refonnatio  omninm  fere  applansu  approbator  ^.  Sed  Bothmannu? 
facta  concione,  cni  cnm  quibnsdam  snae  farinae  interfuerat,  a 
convitiandi  libidine  sibi  non  temperans  Fabriciom  intolerandis 
convitiis  et  probris  in  templo  ac  coemiterio  publice  insectatnr. 
Neque  Fabricio  profoit,  qnod  diceret  se  omnia  senatns  inssu 
facere^  Et  nisi  Bothmannns  sese  e  globo  popnli  accnrrentis 
snbdnxisset,  a  circnmfnsa  mnltitndine  bene  pnlsatns  foisset. 
Fabricins  boc  motu  minime  constematns  postridie,  1.  nempe 
*Decembri8,  iterum  concionatnms  maiori  animo  snggestnm  con-»p.  4D6w 
scendit  totamque  propemodnm  horam  se  superiori  die  indignis  *•  ^^^ 
modis  a  Bothmanno  ezceptom  qneritnr ;  neque  istam  effirenatam 


^)  H.  Dorp  Bl.  C4^:  »...  die  dem  gantzcn  Rhat,  denEltisten  und 
hantwercks  lenten*'  (d.  h.  den  Older-  und  Meisterleuten),  „darzu  der  gemein 
gefaUen  hait,  ist  auch  under  inen  samptlich  angenomen  und  bestettigt 
worden,  wie  wol  dem  Bothman  gar  nichts  gefaUen  hait.**  Die  Kirchen- 
Ordnung  des  Fabricius  ist  bis  jetzt  noch  nicht  aufgefunden  worden. 

')  Zun&chst  hatte  der  Bat  gleich  nach  Ankunft  der  hessischen  Pre- 
diger (8.  NoY.)  dieselben  gebeten,  „nit  yil  gesprech  oder  disputation  mit 
den  verorleibten  predicanten  zu  halten,  darmit  des  widerteils  sterckunge 
weiter  emporunge  yermitten  und  ein  erbar  rat  an  dem,  so  er  verhandelt, 
auch  sampt  alterleut  und  meisterleut  beschlossen,  nit  verhindert  wurde.** 
Dennoch  liefsen  sich  Lening  und  Fabricius  auf  Unterhandlungen  mit  Both- 
mann  ein  und  meldeten  dem  Landgrafen  am  15.  Nov.  (s.  C.  A.  Cornelius: 
M.  A.  n.  S.  359):  ,. . .  wir  haben  uff  dato  disses  brives  Bemhardum  Bot- 
man  ein  halben  tag  bei  uns  gehabt,  auch  zu  gast,  und  mit  im  in  aUen 
artickeln  des  glaubens  uns  verglichen,  dan  aUein  das  er  den  kindertauf 
der  Schrift  gemefze  nit  kan  erkennen.^  üeber  die  unvorsichtige  AeuTserung 
des  Fabricius  darüber  am  16.  Nov.  in  der  Lambertikirche  und  über  die 
dadurch  entstandenen  Unruhen  -unterrichtet  uns  der  Brief  v.  d.  Wieck's  vom 
18.  Nov.  an  Johann  Feigk  (bei  G.  A.  Cornelius  a.  a.  0.  S.  870 ff.;  vgL 
zur  Sache  auch  ebendas.  S.  205  f.).  Sonst  bieten  die  QueUen,  ndt  Aus- 
nahme einiger  gelegentlicher  Notizen  Eer8s.^s  weiter  unten,  über  Fabricius^ 
Predigten  keine  Einzelheiten.  In  seiner  freilich  erst  1565  abgefafsten 
Selbstbiographie  berührt  Fabricius  seinen  ersten  Aufenthalt  in  Münster 
nur  kurz.  Es  heifst  dort  (s.  «Bibliotheca  Bremensis**  Classis  4  fasc.  1 
[Bremae  1720]  pg.  77) :  „Ibi  quatuor  fere  menses  in  nuudmis  afflictionibus 
mansL  Singulis  enim  diebus  ego  minus  eloquens  coram  tumultuante  po- 
pulo  interdnm  bis,  interdum  saepius  concionem  habere,  frequenter  cum 
haeresiarchis  illis  conferre,  illorum  incredibiles  tumultus,  insidias,  detrac- 
tationes,  praestigias  et  caedes  ferre,  rarius  prae  timore  vestes  exuere,  num- 
quam  vero  quiete  comedere  aut  dormire  coactus  sum.** 


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460  Anno  1533  acta. 

animi  lascivientis  libidinem  in  libera  dvitate  ferendam,  nisi 
evangelium  contiimeliae  vindictam  vetaret,  nisi  ezemplo  Chrifiti 
mansaetndine  ac  lenitate  omnia  essent  snperanda.  Ex  hac  te- 
meritate  et  andacia  facüe  agnosci,  qnis  sit  in  Bothmanno  ani- 
mus,  quo  spiritn  agitetnr,  nnde  iUius  doctrina  dependeat,  cnins 
snggestione  et  impnlsn  feratnr.  8e  popnlo  altios  expendendnm 
relinqaere,  qnalis  sit  illins  doctrina,  qnales  sint  discipnli,  nempe 
convitiis  dediti,  inobedientes,  praefracti,  rebelies,  seditiosi  et  a 
moribns  pietateqne  sni  praeceptoris  non  abhorrentes,  cnins  facta 
non  aliter  qnam  simii  effingant.  His  similibnsqne  verbis  acer- 
rime  in  Bothmannistas  iiivehitnr. 

Petms  Wirthemins,  cnm  Eothmannistis  acriter  adversare- 
tnr,  senatns  permissn  ad  parochiae  Lndgerianae  administrationem 

•6.  Des.  6.  Decembris  recipitnr,   qni  tarnen   snggestione  Bothmanni  per 
retinctos  11.  lannarii  anni  seqnentis  e  snggesto  detnrbatnr^ 

s.  Dez.  Ipsa  die  Conceptionis  Deiparae  Virginis  *,  qnae  foit  8.  De- 

cembris, loannes  Schrodems  Wemensis,  Henrici  Walrayii  fabri 
ferrarii  inxta  Lilienbecam  plateam  Horsthanam  commorantis  mi- 
nister, qni  per  aliqnot  annos  malleator  fnerat  fermmqne  incn- 
dibns  impositnm  pnlsare  et  in  varias  formas  dncere  didicerat^ 
repentino  follinm  spiritn  afflatns  candentinmqne  carbonnm  In- 
mine  illnstratns  in  coemiterio  Lambertino  ad  stnporem  et  mi- 
racnlnm  nsqne  concionatns  est,  totaqne  concio  nihil  alind  fnit^ 
qnam  invectiva  in  senatnm  et  Fabricium,  qnam  ita  temperavit^ 
nt  maUeos  et  saxa  propemodnm  moverit.  Magna  qnoqne  con- 
fidentia,  ne  dicam  stnltitia,  se  contra  Fabricinm  pericnlo  capitis 
dispntatnrum  promittit.  Sed  qnid  de  fide  et  religione  dissereret, 
qni  perpetno  apnd  inendem  malleorom  sonnm  andiverat,  qni 
^p.  407.  non  *in  schola  theologomm,  sed  officina  fabromm  stndnerat, 
qni  non  in  coUegio  et  consessn  doctornm,  sed  potomm  sese  fre- 
qnenter  exercnerat?  Mnlto  melins  cnm  Pjthagora  ex  sono  mal- 
leornm  mnsices  inventore  contendissei 


^)  Aus  H.  Dorp  Bl.  Dl  entnommen,  dem  aber  das  Datom  des 
6.  Dezember  fehlt 

')  Das  Folgende  ist  nur  durch  Eerss.  bekannt.  Es  scheint,  dafs  ihm 
für  die  n&chste  Zeit  jetzt  nicht  mehr  nachweisbare  tagebuchartige  Notizen 
vorgelegen  haben,  ähnlich  denen,  die  uns  für  die  Zeit  vom  29.  Jan.  bia 
27.  Febr.  1&34  im  8t-A.  M.  erhalten  geblieben  sind.    YgL  weiter  unten« 


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AnBO  1533  acta.  461 

Senatas  hunc  ftirorem  et  contmneliam  ad  diem  15.  De- 
oembris  dissimulavit  Snperiorem  vero  Bothmanni  temeritatem, 
qua  post  pnblicam  concionem  Fabricinm  exagitaverat,  neque 
captivitate  neque  alia  eximia  poena,  qnae  seditiosis  merito  irro- 
gatuT,  sed  exilio  Tindicare  volens  securitatem  püblicam  defen- 
fflonemqne  nrbis  11.  Decembris  iUi  renimciat.  Accenso  haecu.  Dez. 
sibi  renuncianti  in  senatns  contemptom  et  Indibrinm  honorarimn 
mnnns  donat  magna  cum  fidncia  respondens:  neque  quenquam 
se  formidare  neque  cuiusquam  defensione  magnopere  se  egere, 
si  Dei  suonunque  praesidio  muniatur;  se  auxilio  coelesti  pro- 
tectum  ezilii  inane  nomen  non  timere,  se  nuUis  hominum  minis, 
quantumvis  atrocibus,  a  vocatione  sua  et  evangelii  propagatione 
deterreri;  Deo  enim  magis  obediendum  esse,  quam  hominibus 
invidis  exilium  iubentibus  et  verbo  Dei  populum  spoliantibus. 
Haec  cum  Bothmannistis  nunciarentur,  ad  doctorem  suum,  quem 
constematum  edicto  senatus  esse  putabant,  consolandi  gratia 
agminatim  aceummt  iubentes,  ut  forti  sit  animo;  patrem  coe- 
lestem  christianorum  constantiam  probaturum,  suis  in  extremis 
etiam  angustiis  grata  consolatione  adfuturum,  consilia  impiorum 
dissipaturum,  pios  omnibus  calamitatibus  erepturum;  intrepide 
itaque  et  viriliter  suo  officio  fongatur;  se  ad  extremum  yitae 
balitum  contra  omnem  impiorum  vim  tutelam  et  defensionem 
polliceri.  His  fretus  promissis  die  Solis  post  Conceptionis  Mariae 
festum,  quae  fdit  14.  Decembris,  Enipperdollingo  alüsque  huius  u.  Des. 
factionis  sateUitibus  stipatus  ad  templum  Servatianum  concio- 
natums  contendit.  Sed  cum  templum  clausum  deprehenderet,  a 
vi  efi&ingendi  sibi  fores  temperans  in  coemiterio  sub  tilia  per- 
brevem  concionem  babuit,  qua  finita  sine  motu  digrediuntur. 

"^Eodem  die  Fabricius  in  templo  Lambertino  coenam  do-*p.  408. 
minicam  eyangelicomm  ritu  celebravit,  cuius  Septem  participes 
fuerunt,  scilicet  ipse  Fabricius,  Joannes  Westermannus,  Brixius, 
Wirihemius,   Glandorpius,   Langeimannus  et  Belholtus,  qui  ea 
de  causa  variis  convitiis  a  Bothmannistis  excepti  sunt. 

Die  15.  Decembris  senatus  novellum  illum  concionatorem  15.  Des» 
ex  fabro  ferrario  subito  fEUstom,  qui  8.  Decembris  licentius  quam 
pmdentius  in  se  et  Fabricium  debacchatus  fuerat,  cum  se  iterum 
ad  ooncionandum  efferret^  per  lictores  apprehendi  et  in  carcerem 


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462  Anno  1533  acta. 

t6.  Des.  publicum  dnci  labet.  Postera  vero  die,  16.  Decembris,  hora  po- 
meridiana  secnnda  tota  malleatonun  multitado  senatum  captivi 
nomine  coactmn  adoritor  suique  tribnlis  liberationem  serio  po- 
stülat.  Variae  ibi  ntrinque  babitae  sunt  contentiones.  Senatos 
ipsum  capitali  poena  tanquam  factiosum,  seditiosnm  et  magi- 
stratus  sui  convitiatorem  merito  pnniendnm  esse  contendit;  mal- 
leatores  e  diverso  ab  omni  ipsum  &ctione,  seditione  ac  convi- 
tiandi  crimine  alienum  esse  censent,  qui  spiritu  Dei  agitatos 
bona  docuerit  et  mala  reprehenderit.  Ad  quae  senatus :  Distincta 
et  non  promiscua  in  republica  esse  officia;  pacem  publicam  din- 
tumam  esse  non  posse,  si  officia,  quae  discreta  esse  debent,  con- 
fundantur  et  misceantur,  si  dlier  in  alterius  provinciam  et  mes- 
sem  temere  irruat.  Neminem  vero  suae  yocationis  limites  sine 
motu  et  tranquillitatis  clade  unquam  ezcessisse.  Quemlibet  ita- 
^ue  intra  metas  sui  muneris  esse  coercendum.  Captivum  ad 
cudendum  ferrum,  non  concionandum  vocatum;  ipsum  tarnen 
totam  urbem  insueta  sua  concione  concitasse,  populum  adversum 
magistratum  suum  commovisse,  Fabricium  a  Lantgravio  in  gra- 
tiam  urbis  missum  publica  magistratus  auctoritate  munitum  et 
verbum  Dei  peregrina  fece  non  contaminatum  sedulo  docentem 
contempsisse,  non  intellecta  damnasse  et  reiecisse,  sua  somnia 
substituisse,  populo  insolita  suggessisse,  scMsmata  introduzisse. 
*p.  409.  Proinde  "^ezempla  punitae  seditionis  et  rebellionis  interdum  esse 
statuenda,  ut  reliqui  in  pace  vivant. 

Ad  haec  malleatores:  CaptiYum  natura  malitiosum  non 
esse,  cum  virtutis  et  pietatis  amore  percitus  yitia  manifeste  re- 
prehenderit et  veritatis  propagandae  studio  pia  et  eyangelio  con- 
formia  ad  ravim  usque  docuerit  neque  arma  adversus  magistra- 
tum populo  suppeditaverit,  sed  pacem  quaesierit  neque  Fabricii 
doctrinam,  sed  mores  quosdam  indecentes  sugillaverit  neque 
quenquam  praeter  meritum  offenderit  neque  furto  neque  pro- 
ditione  neque  rapina  neque  latrocinio  neque  ullo  alio  enormi 
flagitio  se  contaminayerit  aut  quicquam  morte  dignum  commi- 
«erit,  nisi  bene  agere  et  salutaribus  monitis  civium  salutem 
quaerere  flagitii  nomen  mereatur.  Atqui  non  ita  rerum  nomina 
cum  moribus  huius  temporis  mutata  esse,  neque  tam  angustam 
christianorum  libertatem  unquam  fiiisse,  quin  etiam  sine  magi- 


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Anno  1533  acta.  463 

stratns  facultate  et  permissa  bene  agere  semper  licnerit.  In- 
sontem  itaqae  fabmm  pristinae  libertati  restitnat  et  de  extremo 
illins  sapplicio  frastra  cogitare  desinat.  8e  enim  tribulem  snnm 
innoziiun  non  deserturos.  Eis  verbis  senatus  propositnm  flac- 
cescity  fabronun  yero  torba  acrins  instai  Senatos  trepidat  et 
inumbrante  iam  vespera  rem  in  seqnentem  diem  proferendam 
esse  censet;  noctem  consilimn  utile  datoiam.  Multitndo  re- 
spondet:  Satis  sibi  deliberatnm  esse,  neminem  ininria  afficien* 
dam,  innocentis  sangninem  non  esse  fmidendnm,  ne  diyinae  vin- 
dictae  magnitndinem  in  se  provocet;  misemm  ergo  hominem 
paedore  carceris  liberandnm.  Senatns  de  seditionis  poena,  quam 
captivüs  dedisset,  nisi  malleatores  intercessissent,  prorsns  de- 
sperat; quare  ipsnm  postridie  liberatnm  iri  promittit.  Ibi  tum 
tota  mnltitndo:  ipsnm  non  postridie,  non  cras,  non  seqnenti  die, 
sed  snbito  iamiam  effractis  etiam  carceris  repagnlis  eripiendnm 
esse  clamitat,  nisi  senatus  iussu  relaxetur.  Hac  incondita  voci- 
feratione  fabrorum  senatus  in  conclavi  senatorio  territus  suae 
saluti  terrebat;  quare,  quod  seqnenti  die  erat  futurum,  illud  et 
nunc  sine  magno  incommodo  fieri  posse  existimans  per  lictores 
"^et  ministros  publicos  carcerem  aperiri  iubet.  Cautione  itaque  *p.  410. 
de  non  ulciscenda  captivitate  praestita  liberatur.  A  malleatorum 
multitudine  ezceptus  in  cauponam  abducitur,  atque  ibi  per  totam 
noctem  adeo  se  mutuo  stanneis  urgent  culuUis,  ut  plerique 
omnem  maerorem  captiyi  causa  conceptum  una  cum  bordeaceo 
liquore  evomerent. 

Die  21.  Decembns  Botbmannum  senatorii  edicti  obUtum  si.  nea. 
multi  anabaptistarum  a  septima  ad  octavam  in  templo  Senratiano 
in  avüs  iuxta  pomerium  sito  concionantem  audivere.  Multi  quo- 
que  eyangelicorum  in  templo  Lambertino  coenae  dominicae  Fa- 
bricio  administrante  participes  fuere.  Catholici  vero  schismatum 
multitudine  constemati  silent  ac  lugent. 


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464  Anno  1534  acta. 


Annns  1584/ 

Joannes  Westermannns  doctor  sno  officio  in  refonnatione 
^imT  contezenda  fonctos  28.  Decembris  *  Lippiacos  penates  revisit. 
i^jan.  Ipsa  die  Circnmcisionis  Domini   Henricus  Bollios'  Both- 

mannista  in  templo  Aegidiano  concionator,  qnod  cnm  senatos 
rescisceret,  eo  ministros  misit,  qoi  finita  concione  ablatis  ab 
aeditno  clavibns  templnm  condnderent,  ne  cniqnam  istins  fac- 
tionis  ibidem  concionandi  facultas  relinqueretnr.  Brizins  vero 
concionatnros  cnm  Martinianom  snggestom  conscenderet,  a 
Bothmannistis  detnrbatnr.  Petras  qnoqne  Wirthemios  aqnibns- 
dam  civibns  instinctn  Bothmanni  templo  Lndgeriano  repnisns 


0  YeigL  Bd.  1  S.  841  Anm.  —  *)  Herrn.  Hamelmann  8.  1209 
bringt  Westermannns  Fortgang  von  Münster  mit  Boll's  Bnisraf  „in  die 
Innocentum'  (28.  Dez.)  in  Verbindung.  Er  läfst  mit  Westermann  sogleich 
auch  Glandorp,  Fabricius  und  Brictias  entfliehen.  Die  betreiSende  Stelle 
ist,  was  den  BuTsrof  angeht,  eine  fast  wörtliche  üebersetznng  der  Schil- 
denmg  bei  H.  Dorp  BL  D2,  der  aber  dabei  des  Abzuges  der  Prediger 
nicht  gedenkt.  Die  chronologische  Einordnung  ist  durchaus  inig.  Der 
Bulsruf  begann  erst  im  Febr.  1584  (s.  weiter  unten).  Zur  Zeit  desselben 
war  Westermann  bereits  wieder  in  Lippstadt.  Am  9.  Febr.  lehnte  er  von 
dort  aus  einen  von  Soest  an  ihn  ergangenen  Ruf  zum  Eoadjutor  des  Super- 
intendenten ab  (vergl.  Fr.  Jostes:  Daniel  von  Soest  [Paderborn  1888] 
S.  388  und  E.  Enodt:  Joh.  Westermann  [Gotha  1895]  S.  84 f.).  Fabricius 
verlaust  Mfinster  erst  am  27.  Februar.  Wann  Brictius  und  Glandorp  eatr 
flohen,  ist  mit  Sicherheit  nicht  mehr  festzustellen.  Am  1.  Febr.  schreiben 
sie  noch  gemeinsam  mit  Wirtheim  von  Münster  aus  an  den  Landgrafen 
von  Hessen  (G.  A.  Cornelius:  Die  Münsterischen  Humanisten  [Münster 
1851]  S.  77).  —  Wirtheim  entweicht  zugleich  mit  Fabricius  am  27.  Febr. 
Er  wird  von  den  Bischöflichen  gefangen  nach  Telgte  geführt  (s.  H.  Dorp 
BL  D4^).  Der  Landgraf  tritt  vermittelnd  ein,  und  diesem  schreibt  der 
Bischof  am  9.  März  (Orig.  im  St-A.  Marburg),  da(s  er  »von  stunt  gemelten 
Wirthemium  aus  haiftung  ane  entgeltnus  kommen  lassen,"  auch  seinem 
Amtmann  Befehl  gegeben  habe,  „Brictii  und  Glandorpii  weiber  mit  irer 
habe  und  guter  ziehen  zu  lassen.**  Was  ihn  zur  Anhaltung  veranlAÜBt  habe, 
woUe  er  dem  Landgrafen  bei  einer  demn&chstigen  Zusammenkunft  mitteilen. 

')  Wir  sind  nicht  unterrichtet,  wann  Boll  und  die  übrigen  am  6. 
Nov.  verbannten  Predikanten  nach  Münster  zurückgekehrt  sind,  üeber 
den  Widerspruch  in  den  Qnellenangaben  vgL  oben  S.  447. 


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Anno  1534  acta.  465 

ad  concionandnm  non  admittitur^;  inde,  nt  vitetnr  motas,  per 
senatum  templnm  est  clansnm.  Solxun  antem  Fabricixun  anctori- 
tate  et  farore  ezünio  inter  evangelicos  poUentem  aliosqne  omnes 
beneficio  lingoae  obscnrantem  Bothmannistae  inviti  tolerant. 
OmnibTts  concionatoribns  contemptis  solns  Mc  est  in  precio, 
Omnibus  reiectis  solus  Mc  ad  docendum  admittitur;  omnibus 
alüs  templis  conclusis  solum  Lambertinum  huic  patescit,  unde 
tantam  sibi  eruditionis  opinionem  apud  plerosque  comparavit^ 
ut  nemo  visus  sit  scire,  quod  ipse  ignoravit.  Hinc  sibi  non 
parum  placere  *fastuque  turgere  coepit,  quem  tarnen  magna  *p.  411. 
verborum  morumque  lenitate  ita  temperavit,  ut  inter  suae  farinae 
homines  nemo  humilior,  nemo  mitior  nemoque  mansuetior  visus  sit. 

Hie  4.  lanuarii  finita  concione,  quam  a  sexta  ad  septimam  4.  Jan. 
matutinam  habuit,  in  Bothmanni  doctrinam  publice  invectus  est. 
Et  cum  Bothmannus  suam  doctrinam  contra  quoslibet  periculo 
etiam  capitis  publica  disputatione  se  defensurum  populo  passim 
persuaderet,  evangelicos  autem  subterfugere  neque  in  conspectum 
suum  prodire  andere  diceret,  Fabricius  quoque  se  adrersus  onmes 
Bothmannistas  atque  Cerberum  ipsum  suis  impensis  coram  in- 
corruptis  aequisque  iudicibus  quibuscunque  disputaturum  offert  l 
Senatas  cognita  contendentium  voluntate  parique  disputandi  fer- 
Yore  finem  tumultuandi  iam  fore  arbitratus  est.  Suam  itaque 
auctoritatem  interponens  quosdam  doctos  et  pios  vires  ab  evan- 


^)  Am  11.  Janaar,  wie  es  Eerss.  oben  S.  460  nach  H.  Dorp  schon 
einmal  berichtet  hat. 

*)  Akten  [über  Yerhandlnngen  znr  Vorbereitung  einer  Disputation 
gegen  Ende  des  Jahres  1533  sind  nicht  mehr  nachweisbar.  Unter  den 
filteren  Quellen  berichtet  uns  nur  H.  Dorp  Bl.  D  !▼  u.  D  2  von  dem  Plan 
zu  einer  solchen.  Aus  ihm  hat  sowohl  Kerss.  wie  auch  H.  Hamelmann 
S.  1208  f.  geschöpft,  aber  jeder  von  ihnen  chronologisch  ungenau.  Als  zum 
Wortstreit  gegen  die  Bothmannisten  gezwungen  fuhrt  H.  Dorp  neben  Fa- 
bricius, Brictius,  Wirtheim  und  Glandorp  auch  noch  Westermann  an,  und 
er  sagt  ausdrücklich,  dafs  die  Herausforderung  geschah  nach  Annahme  der 
neuen  Kirchenordnung  (30.  Not.  1533)  und  noch  bevor  Wirtheim  am  11. 
Jan.  1534  von  der  Kanzel  zu  St.  Ludgeri  vertrieben  wurde.  Vorausgesetzt, 
dafs  das  nur  von  Kerss.  überlieferte  Datum  des  28.  Dez.  1533  als  Zeit  des 
Fortgangs  Westermann's  aus  Münster  das  richtige  ist,  so  fielen  die  Vor- 
berdtongen  zu  der  Disputation,  da  Westermann  zu  den  herausgeforderten 
evangelischen  Predigern  gehörte,  zwischen  den  30.  Nov.  und  den  28.  Dez. 

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466  Anno  1534  acta. 

gelicis  principibns^  designandos  hnic  dispntationi  adhibendos 
esse  consnlit,  qnibus  victoris  iudicium  committatur,  quam  rem 
civitatis  snmptibas  sibi  cnrae  fore  promittit;  qnae  omnia  ntrin- 
qne  placnerunt.  Verum  cnm  senatns  de  certo  die,  quo  conten- 
dendtim  sit,  ageret,  Eothmannns  cnm  snis  snbterfngere,  trepi- 
dare  et  tergiversari  coepit  dicens,  etiamsi  adversarios  snos  mani- 
festis  scriptoranun  veteris  et  novi  testamenti  argnmentis  snpera^ 
yerit,  qnod  fhtnmm  certo  sciat,  adeo  tarnen  mnndom  a  veritatis 
tramite  deflexisse,  nt  veritatem  etiam  agnitam  agnoscere  nolit'; 
alios  pontificiis  institntis  seductos,  alios  Lntheranicis  delira- 
mentis  fascinatos  aliommqne  haereticomm  ac  schismaticornm 
placitis  dementatos  adeo  pertinaces  sniqne  propositi  tenaces  esse, 
nt  nnllis  rationibns  et  scriptnrae  testimoniis  se  flecti  patiantnr; 
adeo  sibi  omnes  infestos  esse,  cnm  veritatem  in  Incem  proferat, 
nt  nnllnm  indicem  pro  se  pronnnciatnmm  sciat;  tntins  itaqne 
se  snam  cansam  non  hominnm  indicio,  qnod  qnaestn  et  favore 
transversnm  rapitnr,  sed  snpremo  indici  decidendam  commis- 
snmm.  Dispntatio  ergo,  qnam  senatns  et  pleriqne  alii  ezpecta- 
bant,  Eothmannistamm  metn  intercidit*. 
*p.  412.  ""Qnaedam  mnliercnlae^  non  tam  andaces  qnam  temerariae 

eodem  4.  die  lannarii  hora  tertia  pomeridiana  consnles  ipsos, 
qni  de  more  qnibnsvis  sni  copiam  in  foro  fecerant,  satis  confi- 
denter  adennt  per  oratricem  snam  postnlantes,  nt  Fabricins, 
homo  ignotns,  alienigena,  Westpbalicae  lingnae  ignams,  pere- 
grino  idiomate  sibüans,  temerarins,  fatnns  maloqne  spiritn  agi- 
tatns,  ab  officio  sno  moveatnr,   Eothmannns  vero,  vir  pmdens, 

*)  H.  Dorp  fügt  hinzu:  »und  stedten.** 

')  Aehnlich  H.  Dorp:  «...  das  sie  wol  wisten,  wie  sie  auch  sagten, 
das  inen  niemand  zufallen  wurde. ^  Er  fügt  dann  hinzu:  „wie  das  eim 
erbam  Badt  und  der  gantzen  Stad  bewust  ist,  und  beweist  sich  zwar  selbs 
aus  beider  teil  schrifften,  die  das  mal  uberantwort  wurden  und  noch  für- 
banden  sein.'' 

')  Von  einer  nochmaligen  nach  dem  10.  Februar  1534  gegen  die 
Wiedertäufer  beabsichtigten  Disputation  einiger  „gelerter  heren  unde  Stu- 
denten . . .,  under  welckeren  gewest  her  Herman  Kothe,  Yortides  cappellain 
gewest  to  Sunte  Lamberde,  ein  frommer,  gelerter  christe,^  berichtet  D. 
Lili  e  S.  220  f.  Doch  ist  sonst  darüber  Nichts  überliefert  Zu  Heim.  Kothe 
Tgl.  die  Anmerkung  F.  Bunge's   in  seiner  Ausgabe  des  D.  Lilie  a.  a.  0. 

*)  Das  Folgende  ist  nur  durch  Eerss.  bekannt. 


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Anno  1534  acta.  467 

patrio  sennone  disertns,  pins  ac  omninm  disciplinamm  genere 
instractus,  snbstitQatar;  se  eam  gratiam  precibus  ad  Deum  fasis 
pensatnras.  Ad  haec  consnles:  Ne  Ms  negotiis  se  praeter  femi- 
neum  decns  misceant,  ad  mnliebrem  sexiun  haec  non  pertinere; 
Fabridum  non  nisi  dispntatione  yictom  removendnin,  neque 
BothmanDum  nisi  yictorem  redpiendum  esse;  rerecnndlae  igitor 
et  feminei  pudoris  memores  penates  snos  revisant  et  familiae 
saae  prospiciant;  sibi  cnrae  fore,  ne  respublica  negligatur.  Quo 
response  mnliercnlae  exacerbatae:  „Yos,^  inqniunt,  „non  estis 
consnles,  qni,  qnod  utile  est  reipublicae,  non  consulitis;  vos  non 
estis  patres  patriae,  qui  patriam  negligitis;  imo  vos  deteriores 
estis  homicidis,  qui  non  solum  corpora,  verum  etiam  animas 
cibo  suo  defraudatis  ac  verbi  Dei  fame  et  inedia  crudeliter  occi- 
ditis.^     Haec  similiaque  verba  effondentes  recedunt. 

Die  autem  quinta  lanuarii  eaedem  mulierculae  adscitis  sex  s.  Juu 
yestalibus  Transfluvianis,  quas  saturitas  et  rerum  copia  effirenas 
et  profdgas  fecerat  quaeque  cum  habitu  omnem  pudorem  ezu- 
erantS  totum^  senatorium  ordinem  in  curia  coactum  adoriuntur 
eumque  de  recipiendo  Bothmanno  in  templum  Lambertinum 
multis  verbis  inquietant.  Sed  earum  postulatio  benigne  non  est 
ezaudita,  quare  digressum  senatorii  ordinis  benignioris  responsi 
causa  opperiuntor.  Verum  cum  consnles  soluto  consilio  sece- 
derent  neque  de  recipiendo  Bothmanno  senatus  sententiam  a 
mulierculis  rogati  mutarent,  illae  pudore  protinus  verso  in  fu- 
rorem  variis  convitiis  ipsos  per  plateas  insectantur  infandasque 
contumelias  in  ipsos  totumque  senatorium  ordinem  tantis  cla- 
moribus  evomunt,  ut  multi  passim  ex  aedibus  suis  ad  specta- 
culum  *istud  inusitatnm  accurrerent,  ferociam  impudentiamque^p.  413* 
feminarum  admirarentur,  maxime  earum,  quae  per  annos  aliquot 
conclusae  psalmos  Davidicos  cantillare,  cum  Deo  coUoqui  et  man- 
suetiorem  vitam  agere  didicerant.  Et  cum  qoidam  mitioribus 
verbis  eas  ab  intemperantia  linguae  coercere  niterentur,  illae, 
quibus  frons  iam  perierat,   acrius  femineo  more  incalescentes 

•)  Ms,:  totmnqne. 


')  Den  Austritt  von  Nonnen  ans  dem  Ueberwasserkloster  zeigt  die 
Aebtissin  dem  Bisehof  in  einem  weiter  unten  anch  von  Kerss.  mitgeteilten 
Scfazeiben  vom  10.  Januar  an« 


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468  Anno  1534  acta. 

„Yos,^  inqoinnt,  „prins  fnistis  evangelici  nostriqne  negotii  stre- 
nni  promotores,  nunc  mntata  sententia  transformati  itemm  in 
papistas  Hassiacnm  Demn  administrante  Fabricio  derorastis, 
yerbnm  Dei  oppressistis  neqne  passi  estis  illud  ynlgari.  Brevi 
TOS  istins  impietatis  poenitebit,  brevi  poenas  restris  factis  dignas 
estis  daturi.  Becedite  in  malam  crncexn  nnnqnam  yivi  reditnri ! 
Ha,  ha,  ha,  ba,  tos  papistae!  Ha,  ba,  ha,  ba,  yos  deivori!^  Nnllos 
est  fere  modus  convitiandi;  qnicqnid  snggerit  faror,  expnnnt. 
Patientins  tarnen  banc  yerbomm  ininriam  consnles  pertulissent, 
nisi  insnper  excrementa  yaccamm,  porcornm  et  equonun  passim 
in  plateis  reperta  in  ipsos  coniecissent.  Sic  impxme  consnles 
totnmqne  senatum  ludificabantur. 

Warendorpenses  interea  obedientiae,  quam  superioribns 
suis  scriptis^  promiserant  principi,  immemores  accito  conciona- 
tore  seditioso  omnia  magis  magisque  exemplo  suae  metropolis 
innoyant.  Atque  bic  concionator  maiorem  partem  non  solum 
ciyium,  yemm  etiam  paganorum  circumfusorum  ad  se  allicit  et 
ita  sua  doctrina  afficit,  ut  contemptis  suis  parocbis  infantes  buc 
baptizandos  deferrent  neque  matrimonia  legitima  esse  censerent, 
quae  concionator  Warendorpicus  non  iungeret  *.  Princeps  itaque 
inusitato  boc  agricolarum  concursu   offensus  in  baec  yerba  7. 

(17.)  Jan.  lanuarii  scribit':  Se  aliquoties  Warendorpenses  familiariter  ad- 
monuisse,  ut  ab  onmi  religionis  noyatione  sibi  temperarent  et 
catbolicae  ecclesiae  ritus  exoscularentur  moribusque  maiorum 
suorum  tutius  insisterent.  Sed  nunc  se  experiri  ipsos  praeter 
spem  ab  obedientia  in  rebellionem  prolabi.   Ne  igitur  ipsis  ali- 

*p.  414.  <l^d  *deterius  contingat,  concionatorem  aut  abigant  aut  inobe- 
dientiae  nomine  secum  paciscantur  iubet^ 


*)  Yergl.  oben  S.  457  den  Brief  Warendorfs  an  den  Bischof  vom 
2.  Dez.  1538.  —  *)  Dafs  das  von  Banem  ans  dem  Amte  Sassenberg  geschah, 
klagt  der  Hofineister  Friedrich  v.  Twist  dem  Bischof  in  einem  Schieiben 
vom  9.  Jan,  (Oiig.  im  St-A.  M.,   gedr.  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  804). 

')  Yielmehr  am  17.  Januar  ans  Ibnrg.    Konzept  im  St-A.  M. 

^)  Im  Schreiben:  „. . .  uns  aen  vertoch  vor  alsnlcke  jnwe  selffwillige, 
verbodden  nnd  f^eventlige  handelonge  nnd  ungehorsam  böte  und  affdracht 
to  doin  . . .  np  dat  wy  in  ander  wege  tegen  jnw  to  trachten  nicht  geor- 
saket  werden.*  Der  Richter  Joh.  Wale  ist  dann  mit  einigen  Warendoifer 
Bürgern  in  Sassenberg  gewesen,  nm  durch  Yermittinng  Johannas  t.  Bfiren 


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Anno  1534  acta.  469 

Coesfeldienfles  etiam  adversns  fidem  saam  principi  addic- 
tam^  concionatores  novos  itemm  admittnni  Qnare  princeps  13« 
lannarii  ad  ipsos  in  haec  yerba  scribit':  Se  ante  menses  aliqnot  is.  Jan. 
serio  postnlasse,  nt  concionatores  novos  non  solnm  non  adndt- 
tant,  vemm  etiam  eos  nrbe  pellani  Se  tarnen  nunc  tandem  re 
ipsa  comperiri  ipsos  admonitionem  snam  contenmere  et  snperiori 
noYationi  magis  magisqae  non  sine  magno  et  magistratos  et 
plebis  malo  indies  insistere.  Se  itaqne  itemm  inbere,  nt  snpe- 
Tioribns  scriptis  pareant,  ignotos  et  seditiosos  concionatores  nrbe 
eiiciant.  Si  vero  illad  ab  ipsis  impetrari  non  possit,  eam  se  in- 
obedientiam  pro  merito  yindicatanun.  Inde,  cmn  minns  pare- 
rent,  circa  20.  diem  lannarii  mandat  princeps  snis  praefectis,  nt  ao.  J«n. 
ciyes  eins  nrbis,  qni  capita  seditiosae  doctrinae  fnerant,  dili- 
genter  observent  e^  si  mnros  egressi  fnerint^  capiant  captosqne 
tanqnam  seditiosos  in  carcerem  abdncant'. 


imd  des  Hohneisteis  Friedrich  t.  Twist  die  Gnade  des  Bischofs  anzurufen. 
Beide  berichten  darauf  am  21.  Jan.  den  Warendorfer  Abgesandten  (Kopie 
im  St.-A.  M.),  dafs  sie  ^hj  s.  f.  g.  dar  up  nycht  Tel  gnediges  bescheides 
eriangen  konen.  Doch  nychtzdeweyniger  so  yem  de  van  Warendorp  ge- 
neigt und  gemejnt,  sick  erer  ungehorsamer,  uproiischer  myshandelong 
halTen  in  gnade  und  Ungnade  s.  f.  g.  to  ergeren,  doch  myt  dem  bescheyde, 
dat  de  unschuldigen  der  wegen  aen  faer  unde  schaden,  avers  de  rechtschul- 
digen to  geborliger  straffe  staen  zollen,  alsdan  mag  s.  f.  g.  myt  ennen 
handeis  erlyden;  wo  avers  des  nycht,  wyll  s.  f.  g.  de  sake  der  tyt  bevallen 
syn  laten.*' 

')  Ygl.  oben  S.  434  f.  —  *)  Aus  Beyergem.  Konzept  im  8t-A.  IL 
')  Ein  dahin  gehender  Befehl  des  Bischofs  scheint  nicht  erhalten  zu 
sein,  doch  bezieht  sich  darauf  ein  Schreiben  des  Joest  t.  Yoerden  und 
Berthold  t.  Bueren  zu  Ahaus  an  den  Bischof  vom  24.  Januar  (Orig.  im 
St-A.  M.),  in  dem  es  weiter  heifst:  „. . .  Wanner  e.  f.  g.  de  van  Goesfelde 
to  straven  gedechte  und  e.  f.  g.  de  stadt  mydt  listicheide  gelich  de  van 
Dülmen  in  to  nemen  weren  geneiget,  wolde  wy  darynne  alle  knnschup 
mydt  mugeliger  flyth  und  arbeidt  nith  sparen  und  uns  dar  anne  beflytigen. 
Wante,  g.  f.  u.  h.,  es  ist  tho  besorgen,  zo  der  angezeigeden  eyner  ange- 
tastet und  hantfest  gemacket,  werden  sich  de  ander  bynnen  der  stadt  ent- 
holden«^  Der  Bischof  antwortet  darauf  am  25.  Jan.  aus  Iburg  (Konzept 
im  St.-A.  M.}:  ». ..  dat  wy  deshalven  also  eyn  guit  gefallen  hebben;  be- 
geren  ock,  dat  gy  juw  upt  heymligeste  dar  umme  beflitigen  willen,  unde 
20  gj  unser  edder  unser  negstgesettener  amptlude  heimlich  bihulp  dar  to 
bedenreden,  gy  uns  dat  weten  laten.*^  —  Ueber  die  Yerhftltnisse  in  Coes- 
feld, wo  sich  der  Rat  doch  gegen  die  Predikanten  wehrte,  sind  wir  etwas 


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470  Anno  1Ö34  acta. 

Senatos  inde  Monasteriensis  de  componendis  civinm  moti- 
8.  Jan.  bns  et  suis  partibns  confirmandis  soUicitns  8.  lannarii  coli  Et 
cnm  de  pellendis  concionatoribus  iterom  ageretor,  Henricns 
Bedekems,  pellio  et  tribnnns  plebis,  quem  in  Telgetica  captivi- 
tate  peram  cellarii  ^  qoingentis  florenis  mimitam  expngnasse  cap- 
tivamqne  secum  abdnxisse  fama  fnit ',  in  senatnm  et  maxime  in 


genauer  tmtemchtet  dorch  das  im  St-A.  M.  befindliche,  bisher  nngedrackte 
Bekenntnis  des  damals  gefangen  genommenen  Coesfelder  Bürgers  Labbert 
Wydonw's,  das  der  Amtmann  Dietrich  Cloet  am  14.  Febr.  dem  Bischöfe 
einschickte.  Er  gesteht,  „wn  he  selff  derde,  nemptlich  myt  Berndt  Wi- 
ch artz  and  eynen  gnant  dat  Tedderken  eynen  predicanten  genompt 
her  Her  man  Bispinck  yan  Munster  gehalt  durch  ansjanen  und  beger 
des  werdes  in  der  halven  manen  Einrieb  Eopperslegers,  Joist 
Stothues,  Egbert  Schonlake  und  anderer,  de  ...  den  dren  yorg.  tergelt 
gedaen  und  umb  den  yorg.  predicanten  t'halen  na  Munster  geferdiget,  wel- 
ckem  predicanten  yorg.  Wydouw,  zo  en  de  raidt  dar  nicht  gestaden 
en  wolde,  wedderumb  uth  Coisfelde  gebracht.  Dar  na  is  eyn  ander  pre- 
dicante  selfiis  in  Coisfelde  nngeeischet  gekomen,  den  de  yorg.  verdt  in  der 
halyen  manen  ersten  an  sick  genomen  und  eyn  nacht  geherberget^  und  de 
ander  nacht  Toni  es  Veit  hu  es,  de  derde  nacht  eyner  genant  de  han- 
schenmecker  und  aldo  denselyigen  predicanten  in  zeligen  Berndt  Schulten 
huis  gebracht,  dar  he  noch  itzige  dage  wonhafiFtich.^  Nachdem  er  dann 
«als  raetgeyers  und  capiteyns,  den  predicanten  to  underholden,*  die  Coes- 
felder Burger  Lambert  Baisers  und  dessen  Bruder,  Peter  Swerinck^ 
Berndt  Yelthues,  Thonies  Yelthues,  Johann  Bockholt  und 
Laurentius  Snyder  namhaft  gemacht  hat,  bekennt  er  schliefslich,  „dat 
he  yan  dem  sacramente  nicht  en  holde  mer,  dan  yan  eynen  anderen  stuck 
broitz,  wanner  dat  wordt  und  de  geloye  daer  nicht  by  en  synt;  glofft  oick 
nicht,  dat  dat  sacrament  in  sylyer  eder  golde  beslotten  will  syn.  Oick 
gelofFt  he  nicht,  dat  de  hilligen  macht  hebn  eder  konen  yor  eynen  men- 
schen bidden;  und  gelofft  oick  nicht,  dat  dat  hillige  olie  dem  menschen 
to  der  salicheith  batlich  sy;  he  en  werde  dan  better  underrichtet"  — 
Gleichzeitig  mit  der  Uebersendung  dieses  Geständnisses  konnte  D.  Cloet 
dem  Bischof  melden:  „wu  de  predicant,  de  dar  lange  gepredicket  heSt, 
oick  uth  Coesfelt  yerloepen  sy.** 

')  Melchior  y.  Bueren.  —  ^  Eerss.  erwfthnt  das  sehr  bald  weiter 
unten  noch  einmal.  Best&tigt  wird  das  Gerücht  durch  die  yon  mir  in  der 
Zdtschr.  51  (1893)  S.  97  ff.  yeröfPentlichten  tagebuchartigen  Notizen.  Nur 
heilst  es  dort  yon  Bedeker,  „das  er  myt  des  marschalcks  (Gerh.  Monien) 
tischen  befameth*'  gewesen  sei.  Die  Unbeliebtheit  Melchior's  y.  Bueren 
nnd  AdolTs  y.  Bodelschwingk  bei  der  Einwohnerschaft  Münsters  hat  Eerss. 
viederholt  berichtet    8.  Bd.  1  S.  848  u.  345. 


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Anno  1534  acta.  471 

Wjckinm,  syndicnm  civitatis,  debacchatus  est,  quod  is  esset 
rnttltaroin  seditionmn  rermnqne  novamm  anctor.  Ad  quem 
doctor:  „Abi,"  inqnit,  „bone  vir,  domnm  et  custodi  peram!" 
Eine  inter  ipsos  rehemens  logomacbia  exoritnr  et  qnasi  annicnli 
baedi  sibi  mntuo  insultant.  Sed  consnles  istam  contentionem 
intercipiant.  Inde  sedatias  de  civili  utilitate  Consultant  atqne 
qnosdam  concionatores  praeter  Bothmannnm  plebis  favore  tntom 
repognantibas  etiam  qnibnsvis  orbe  exigendos  esse  decemnnt, 
et  si  illnd  snccesserit,  Bothmannum  qnoqne  ipsnm,  omninm 
seditiosomm  coriphaemn,  facilias  posse  pelli  existimant. 

•Eothmannistae  vero ",  ntpote  Cloprisins,  Eollius,  Stralenius  ♦  p.  415. 
atqne  Moersanns^,  nihil  sibi  tale  metnentes  hoc  sednlo  agunt 
monendo,  hortando,  rogando,  persnadendo,  obinrgando,  nt  snae 
üactionis  satellites  et  matronas  divites  dementent  et  eo  inducant, 
nt  Tel  omnia  vendant  et  precinm  in  conunnne  conferant  vel  ad 
concionatomm  sedes  deferant.  Neminem  enim  foederis  et  aeternae 
salntis  participem  esse  posse  affirmant,  qui  non  toti  mnndo  re- 
nnnciantes  pntris  corporis  omamenta  abiiciant  vel  in  panpemm 
confratmm  et  snstentationem  concionatomm  erogent.  „Vae,  vae," 
inqninnt^  „Monasterio  snperbienti!  Yae,  vae  vobis,  qni  aurum, 
argentnm,  gemmas  et  Candida  raraqne  capitis  pepla  ornatns 
gratia  geritis!  Maledicti  estis,  qni  plnris  corporis,  quam  animae 
omamentnm  facitis!  Exuite  itaqne  veterem  hominem  cnm  onmi- 
bns  concnpiscentiis  snis  et  indnite  novam  armatnram!"  Eis  con- 
cionibns  melle  et  aceto  contemperatis  effectnm  est,  nt  non  solum 
inferioris  sortis  homines,  vemm  etiam  honoratiores  commoveren- 
tur.  Nam  Christiani  Wordemanni,  viri  senatorii  nxor,  a  Eoth- 
manno  11.  lannarii   rebaptizata  est,    qnam   redenntem   domnm  ii.  Jan. 


*)  Inzwischen  war  am  5.  Januar  durch  die  Abgesandten  des  Jan 
Matthys,  durch  Bartelemeos  Boekebinder  und  Willem  de  Cniper  die  Wieder- 
taufe  in  Münster  eingeführt  worden.  Die  Predikanten  hatten  sich  taufen 
lassen  und  übernahmen  selbst,  nachdem  die  Holl&nder  bereits  am  7.  Jan. 
weiter  gezogen  waren,  das  Amt  als  T&ufer.  Zur  Sache  s.  die  von  G.  A. 
Cornelius:  M.  A.  U.  S.  232  angeführten  Quellen.  Dieser  entscheidende 
Wendepunkt  in  der  Geschichte  Münsters  ist  von  Eerss.  vollständig  unbe- 
rührt gelassen,  obgleich  er  die  haupts&chlichsten  der  einschlägigen  QueUen 
kannte  und  sie  im  weiteren  Verlauf  seiner  DarsteUung  mehrfach  verwertet 
hat    Ygl.  dazu  die  Einleitung.  —  *)  Staprade. 


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472  Anno  1534  acta. 

maritns  re  per  fsonnlam  cognita  ita  in  nova  fide  confirmavit^ 
nt  Tix  repere,  nednm  incedere  posset.  Atqne  eodem  die  7  yir- 
gines  Aegidiani  coenobii  et  aliquot  Transfluviani  plnrimiqne  alii 
magni  nominis  cives  a  Bothmanno  retinguntnr.  Qnaedam  etiam 
matronae  annulos  snos,  cingnla  bnllis  argenteis  et  flbnlis  anreis 
decorata  aliaqne  omamenta  ad  aedes  Bothmanni  defemnt,  sed  a 
maritis  fostibns  minisqne  coactae  ea  reposcnnt.  Qnaedam  sese 
snbdncentes  aedes  aliomm  concionatomm  snbennt,  yina  bibnnt 
clancnlnmqne  docentnr  persnadentes  interim  maritis  se  negotüs 
ad  rem  domesticam  angendam  pertinentibns  foris  occnpatas  fd- 
isse.  Qnod  cnm  a  qnibnsdam  proderetnr,  mariti  non  solnm  ipsas 
domnm  reversas  pngnis  et  fastibns  excipinnt,  vemm  etiam  con- 
cionatoribns,  nisi  a  consnetudine  snarnm  nxomm  sibi  temperent, 
dira  minantnr. 
♦p.  416.  *Ida  vero  de  Mervelt,  Transflnviani  coenobii  archivestalis, 

snas  yirgines  praeter  generis  sni  verecnndiam  atqne  professionis 
suae  institntnm  a  levibns  hominibns  sednci  principi  bis  verbis 
10.  Jan.  10.  lannarii  qneritnr*:  Se  qnidem  cnm  maiore  virginnm  parte* 
Dei  praesidio  inxta  regnlae  snae  institntnm  yixisse  neqne  nllam 
ant  religionis  ant  ceremoniarnm  novationem,  nt  snperiori  prin- 
cipis  Scripte  satisfieret,  bactenns  admisisse;  vernm  nnnc  qnas- 
dam  praeter  omnem  snam  expectationem  sni  institnti  et  pro- 
fessionis oblitas  babitnm  commntasse,  coenobio  excessisse,  se- 
ditiosofnm  in  nrbe  conciones  andiyisse,  apnd  profanes  cives  sese 
continere  neqne  ad  obedientiam  revocari  se  pati,  nisi  sibi  ^redi 
concionesqne  andire  et  pro  sno  arbitratn  redire  permittatnr. 
Cnm  antem  baec  votis  monasticis  et  snae  professioni  episcopali- 
qne  obedientiae  plane  adversentnr,  se  ^'^oe^ermittere*  non  posse, 
quin  ista  principi  magno  qnidem  dolore  animi  significet.  Se 
enim  non  libenter  de  yirginibus  suis  qneri,  si  salro  bonore  et 
professione  sna  praetermittere  liceret  snisque  viribus  omnia  in 
pristinum  statnm  commode  restitnere  posset.    Verum  cnm  istis 

»)  Ma,:  pennittere. 


')  Orig.  im  St.-A.  M.    Abgedr.  bei  J.  Niesert:  U.-B.  P.  S.  234  f. 
*)  Im  Schreiben:    „. ..  bebbe  wy  uns  unser  personen  halven,  oick 
noch   etzliche  jnnfferen  myt  uns  ...*' 


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Anno  1534  acta.  473 

maus  neque  possit  neqtie  audeat  sine  principis  anctoritate  me- 
deri,  se  proinde  snppliciter  petere,  nt  sna  ope  et  consilio  sibi 
snccnrrat  et  scriptis  suis  significet,  quid  cum  istis,  qnae  exces- 
semnt  et  in  postermn  ezire  in  animo  habent,  agendnm  esse  con- 
snlat,  ne  qnid  forte  a  se  agatnr,  qao  princeps  offendatnr. 

Ad  haec  princeps  16.  lannarii  rescribit^,  ne  eas  virgines,  (is.)  Jan. 
qnae  contnmaciter  regnlae  snae  ingnm   excnssemnt,  in  coetnm 
aliamm  recipiat',  ne  earmn  exemplo  et  impnnitate'  aliae  qno- 
qne  similem  rebellionem  et  professionis  snae   praeraricationem 
moliantnr  ant  maioris   seditionis  inter  obedientes  sint  anctores. 
Ad  haec  archivestalis  28.  lannarii^:    Se  neque   precibas  neqne  (m.)  Jan. 
obtestationibns  neqne  lachrimis  neque  minis  a  coenobii  egressu 
yirgines   potuisse  coercere  et  remorari.    Et  cum   maior  earum 
pars   habitum  iam  mutaverit,  si  prin'^cipis  consilium   sequatur*p.  417. 
ac  rebelles   penitus   excludat   neque  eas   recipiat,    ant  recentis 
motus  causam  aut,  si  pudicitiae  forte  naufragium  facerent,  non 
solum  consanguineorum,  sed  quorumlibet^  acerrima  ad  versus  se 
obloquia  concitaret.   Quae  omnia  altius  principi  expendenda  re- 
linquai 

Ad  quae  princeps  26.  lanuarii  respondet*,  ut  rebellium  w.  jmu 
yirginum  parentibus  et  agnatis  ad  se  accitis  rem  omnem  explicet, 
quod  si  illi  eas  ab  errore  yago  ad  saniorem  mentem  et  profes- 
sionis suae  Yota  rerocare  non  possint,  eas  illorum  tutelae  et 
potestati  restituat,  ut  illas  secum  ad  penates  suos  abducant,  ne 
pristinum  coenobii  decus  yioletur. 

Senatus  inde  Monasteriensis   superiori  suo  decreto   satis- 


')  Yielmohr  am  18.  Januar  auB  Ibnrg.    Konzept  im  St.-'A.  M. 

*)  „hea  00  lange  gj  des  nnse  wyder  beyell  vernommen.*' 

^  Dieser  Satz  ist  eigene  Znthat  Kerss.'s.  Im  Schreiben  des  Bischofs 
heifst  es  weiter:  „. . .  nnd  juw  mit  anderen  juveren  gehorsamen  jnnfferen 
Inth  nnsen  Torigen  schrifften  yn  gnder  eynicheit  nnd  fredde  bjnnen  cloisters 
entholden.* 

^)  Vielmehr  am  24.  Januar.  Orig.  im  St.-A.  M.  Abgedrackt  bei 
J.  Niesert:  U.-B.  P.  S.  250 IL  Im  Eingange  des  Schreibens  rechtfertigt 
sich  die  Aebtissin  darüber,  daüs  sie  die  ersten  Spuren  der  im  Kloster  ein- 
gerissenen Unordnung  dem  Bischöfe  nicht  gleich  angezeigt  habe. 

')  „by  eren  firunden  und  magen  inlendisch  und  uthlendisch.* 

^  Aus  Iburg.    Konzept  im  St.-A.  M. 


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474  Anno  1534  acta. 

fitctnms  Eloprisium,  Stndenium  ac  Yinninm  ^  per  ministros  snos 
15.  Jan.  15.  lantiarii  nrbe  ednci  labet.  Magna  vero  retinctonun  mnlti- 
tndo  tanti  faciens  senatum,  qnanti  senatns  principem,  eosdem  per 
aliam  portam  quasi  cnm  triumpho  in  senatns  perpetnam  igno- 
miniam  in  nrbem  redncit*.  Qnae  res  per  saevissimos  motns 
reipnblicae  interitum  praesagiebat.  Nihil  enim  illi  pericnlosins 
est,  quam  legitimo  imperio  non  parere,  qnod  fenestram  privatae 
anctoritati,  qnae  omnis  mall  in  repnblica  mater  est,  patefacit. 
Haec  nbi  princeps  facta  esse  accepit,  labentis  reipnblicae 
yicem  dolnit^  quam  cnm  neqne  salntaribns  snis  monitis  neqne 
familiaribns  scriptis  neqne  arestis  inrisqne  actionibns  ab  impiis 
coeptis  retrabere  posset^  ne  quid,  qnod  ad  snomm  salntem  et 
incolnmitatem  pertineat,  omisisse  yideatnr,  edicto  pnblico  per 
».  Jan.  totam  dioecesin  23.  lannarü  promnlgato  oppidanos  ab  impia  sna 
factione  deterrere  et  ad  sanam  mentem  revocare  volnit.  Edicti 
sententia  haec  est': 

„Nos  Franciscns,    Dei  gratia   episcopns  Monasteriensis  et 

Osnabnrgensis,  ecclesiae  Mindensis  administrator  etc.,  notnm  fa- 

cimns,  qnod  indnbitanter  comperimnr  damnatam,  vetitam  sedi- 

*p.  4ia  tiosamqne  *factionem  atqne  anabaptisticam  doctrinam  per  qnos- 


')  Sie  hatten  am  5.  Januar  zugleich  mit  Bothmann,  Roll,  Staprade 
nnd  mehreren  Anderen  durch  die  Abgesandten  des  Jan  Matthjs  die  Wieder- 
taufe empfangen  (vergl.  Knipperdolling's  Bekenntnis  vom  20.  Jan.  1536 
[M.  G.-Q.  n,  403]),  und  ihnen  war,  wie  Vinne  im  October  1534  gesteht  (M. 
G.-Q.  n,  272),  neben  Rothmann  und  Roll  das  Amt  als  T&ufer  zugefallen. 
^  Eine  nochmalige  Ausweisung  der  Predikanten  am  15.  Januar  er- 
wähnt von  den  Schriftsteilem  nur  Eerss.  Bestätigt  wird  sein  Bericht  durch 
den  einleitenden  Passus  des  oben  teilwdse  wiedergegebenen  Briefes  der 
Aebtissin  von  üeberwasser  an  den  Bischof  Tom  24.  Jan.,  in  dem  es  heifst, 
der  ungehorsam  der  Jungfern  sei  dem  Bischof  deshalb  nicht  sofort  ange- 
zeigt, „dan  wy  hoppeden  steidesTon  dagen  tho  dagen,  dewyle  den  pre- 
dicanten  de  stadt  Munster  verbodden  werth,  de  handel  szolde 
sych  hebben  vermyndert,  gestellet  und  in  sych  solvest  gedeleth.**  —  Der 
WorÜaut  bei  Eerss.  klingt  hier  an  den  bei  H.  Dorp  an,  der  da,  wo  er 
Ten  der  Ausweisung  der  Predikanten  im  Sommer  1533  erz&hlt,  sagt  (BL 
C  2^) :  „Denn  als  man  sie  zu  einem  thor  hinaus  triebe,  fürt  sie  . . .  der 
Teuffei  zum  andern  thor  wider  erein.** 

')  Dieses  Edikt  hat  sich  bis  jetzt  noch  nicht  wieder  auffinden  lassen. 
Es  ist  nur  durch  Eerss.  bekannt 


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Anno  1534  acta.  475- 

dam  impostores  et  legitime  non  vocatos  concionatores,  BemardnnL 
Bothmannxun,  Henricnm  BoUinm,  loannem  Eloprisium,  Her- 
mannnm  Strapadinm,  Dionisinm  Vinnimn,  GodeMdnm  Strale- 
ninm  et  eorom  satellites  sparsam  et  in  civitate  nostra  Mona- 
steiiensi  cum  alüs  mnltis  pericnlosis  et  mali  exempli  novatio- 
nibns  coepisse  radicesqne  egisse.  Qnod  smnmo  animi  dolore 
accepimns;  unde,  si  hoc  malum  impnne  grassari  permiserimus, 
non  solxun  nobis  caesareae  maiestatis  et  totins  imperii  indigna- 
tionem,  yemm  etiam  dioecesi  nostrae  et  subditis  perpetuank 
discordiam  et  irrecuperabilem  iactnram,  sed  pemiciem  potius 
cnmnlabimns.  Itaque,  nt  snbditi  nostri  ab  ista  doctrina  sedi- 
tionem  spirante  deterreantnr  et  in  cbristianae  concordiae  amabili 
yincnlo  contineantnr,  ad  consnles,  senatum,  tribnnos  et  mechani- 
comm  praefectos  civitatis  nostrae  Monasteriensis  saepius  et  serio 
qnidem  scripsimns  familiariter  orantes,  nt  seditiosam  banc  doc- 
trinam  et  pemiciosum  errorem  nrbe  profligent  neque  nllo  modo* 
intra  moenia  patiantnr  attestantibns  mnltis  scriptis.  Nibilo- 
minns  tamen  boc  damnatam  scbisma  latins  qnotidie  per  nrbem 
serpere  et  dilatari  comperimnr.  üt  antem  bnic  malo  salataribus 
remediis  ac  poenis,  sicnt  principem  decet,  occnrramns,  igitnr  bis 
scriptis  concionatoribns  snpra  dictis  ac  omnibus  singulisqne  civi- 
tatis nostrae  civibns  ac  incolis,  qni  concionatores  istos  defen- 
dnnt,  tnentnr,  receptant,  femnt  ac  tolerant  manifeste  vel  clan- 
culnm,  qnivey  ne  tales  concionatores  propter  impietatem  et  in- 
obedientiam  a  magistratn  apprehendantnr  meritisqne  suppliciis 
afficiantur,  intercedant,  secnritatem,  libertatem,  defensionem 
pnblicam  tntumqne  commeatnm  rennnciamns  ac  adimimns.  Prae- 
dpimns  itaqne  omnibus  et  singnlis  nostris  satrapis,  praefectis, 
indicibns,  ministris  ac  subditis,  ut  iam  dictos  inobedientes  re- 
belles,  factiosos  et  seditiosos  cum  omnibus  suis  bonis,  ubicxm- 
que  fuerint  et  deprebendi  possint,  arrestent  et  intercipiant,  per- 
sonas  istas  capiant,  captas  magistratui  tradant,  *ut  iuxta  caesa-  *p.  419. 
reum  edictum  ac  imperii  recessus  legitimis  poenis  subiiciantur, 
ne  nos  nostrique  subditi  imperii  indignationem  cumulemus.  Haec 
serio  praecipimus  et  volumus,  ut  nostri  praefecti  et  subditi,  si 
poenam  et  indignationem  evitare  velint,  baec  lldeliter  exequantur. 
In  testimonium  nostrae   voluntatis    Signum  nostrum    subiecto 

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476  Anno  1534  acta. 

spatio  impressimns.  Datnm  1534,  die  Yeneris  post  festam  Fa- 
biani  et  Sebastiani  Martjram.^ 

Hoc  principis  edictnm  qnam  oppidanos  moverity  seqnentis 
temporis  res  gestae  satis  edocent.  Nam  ipso  die  Conversionis 
^.  Jan.  D.  Pauli,  25.  lantiarii,  Bothmannus  ab  octara  ad  decünam  in 
templo  Servatiano  concionem  habnit,  in  qua,  cnm  non  solnm 
retinctos  snaeqne  factionis  homines,  yenim  etiam  evangelicos 
atqne  catholicos  praeter  opinionem  snam  conspiceret,  epilogo 
concionis  colophonis  vice  addidit:  margaritas  porcis  non  esse 
proiiciendas,  sed  electis  snoqne  catalogo '  inscriptis.  Neque  post 
illnd  tempns  publice,  sed  privatim  in  aedibus  qnonmdam  civium 
concionatns  estl  Crescente  aatem  anabaptistamm  numero'  ita, 
nt  nna  domas  eos  non  caperet,  in  singolis  parochiis  coepenmt 
esse  domns,  in  qnibus  Bothmannistae  vel  concionem  andirent 
yel  certis  temporibus  retingerentnr,  qnae  nnllis  patebant  nisi 
yel  retinctis  yel  iis,  qui  certo  indicio  pyloro  fidem  fecerant  se 
retingi  yelle.  Habebant  enim  certa  signa  tam  yocalia  qnam 
mnta,  quibns  se  mntno  in  magna  etiam  hominnm  collnvie  agno- 
scebant;  qnae  si  prodita  fderant,  alia  prioribus  snbstitnebantar  ^ 


')  Dafs  Rothmaim  alle  seine  Anh&nger  schrifüich  anfzeichnete,  be- 
richtet auch  Bischof  Franz  in  seinem  Schreiben  an  Philipp  von  Hessen 
vom  21.  Jan.  1534  ans  Lieshom  (Orig.  im  St.-A.  Marburg;  gedr.  M.  G.-Q. 
n,  217  f.,  wo  jedoch  irrtümlich  der  20.  Jan.  als  Datum  gegeben  ist). 

*)  So  berichtet  auch  H.Gresbeck  (M.  G.-Q.  II,  12):  „Dieser  pape 
(Rothmann)  hadde  die  dope  mit  den  ersten  in  der  stadt  heimlicken  ge- 
halden  und  plag  ock  heimlick  in  sein  huis  tho  predeken  und  hadde  so  Yoele 
Yolckcs  heimlicken  gedoept  von  maus,  frawen  und  megden."  Eloprifs  sagt 
aus  (J.  Nies  er  t:  U.-S.  I.  S.  123):  „Item  sie  deufften  in  Bemhardus  huse.*' 

')  Schon  am  13.  Jan.  hat  sich  nach  einer  Randbemerkung  in  einem 
Verhöre  Johann's  v.  Leiden  die  Zahl  der  Wiedergetauften  auf  1400  be- 
laufen.   Siehe  M.  G.-Q.  II,  417. 

*)  Ueber  die  Begrüfsungsformen  der  Wiedertäufer  unter  einander 
gesteht  Regeward  (J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  26):  „Dan  wan  eyner  dem 
anderen  beyegende,  sprack  de  ejne:  „Gods  frede  sy  myt  jw;**  de  ander: 
„Amen!*'  Hebn  syck  oicknamals  yor  den  munt  plegen  f  küssen.**  Aehnlich 
lautet  der  Bericht  H.  Gresbeck's,  der  aber  diese  Art  der  BegrüTsung 
auf  die  Begegnung  der  Männer  unter  einander  beschränkt.  Als  Erkennungs- 
zeichen der  wiedergetauften  Frauen  führt  er  deren  besondere  Eopftraeht 
an  (M.  G.-Q.  n,  12  f.).  —  Ueber  andere  wiedertäuferische  Zeichen  bekennt 
Eloprifs  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  111),  es  „wurde  in  der  stat  Munster  ein 


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Anno  1534  acta.  477 

Eine  circa  horam  septünam  respertinam  diei  28.  lannarii  ss.  Jan. 
retincti  nescio  quo  spirita  agitati  sürsum  deorsxunqne  per  nrbem 
catenis  platearmn  omnibns  conclnsis  armati  cnrsitant  noctnmas- 
qne  Yigflias  disponnnt  Nostri^  rero  extrema  sibi  metnentes, 
qnid  in  animo  habeant  ignari  aedes  snas  egredi  non  andent, 
qnas  tarnen  intus  ita  muniunt,  ne  facilis  sit  irruptio.  Suspi- 
camur  enim  non  levibus  argumentis  ducti  in  nostrum  exitium 
arma  ista  parari';    quae  tarnen   Dens  omnipo*tens  a  cervicibus  »p.  420i 


zeichen  gegeyen,  doranf  etliche  bnechstaben  stunden,  nemlich:  d.w.  w.  f.: 
das  wort  wart  fleisch  . .  .'^  Im  Yerlanfe  des  YerhSrs  erkl&rt  er  weiter 
(a.  a.  0.  8. 124):  »Und  das  ist  ein  lepgen  doechs  gewesen,  daroff  ein  stucke 
silyers  genehet  gewesen  mit  diesen  bnchstaben:  d.  w.  w.  f.  . . «,  nnd  sulch 
seichen  f orten  sie  an  iren  helsen  zu  erkentnifs  irer  sect  nnd  glosen.^  Vgl. 
dazn  H.  Gresbeck  (M.  G.-Q.  11,  27  f.),  der  auch  von  dem  Wechseln  der 
Zeichen  spricht.  —  Ueber  die  Zeremonien  bei  der  Wiedertaufe  s.  die  Aus- 
sagen Kloprifs'  a.  a.  0.  8.  113 f.  und  Yinne's  M.  G.-Q.  II,  273  Nr.  11. 

')  Hier  also  giebt  sich  Eerss.  als  Augenzeugen  zu  erkennen.  Von 
hier  an  bis  zum  27.  Februar  ist  seine  Darstellung  der  Erinnerung  an 
eigene  Erlebnisse  entnommen.  Aber  Eerss.  schrieb  erst  über  30  Jahre  nach 
den  erz&hlten  Ereignissen  (vgl.  die  Einleitung);  und  so  wertvoll  auch  seine 
oft  ins  Einzelne  gehenden  und  auf  eigener  Anschauung  beruhenden  Berichte 
sind,  so  halten  sie  sich  doch  nicht  frei  von  manchen  Ungenauigkeiten  nnd 
Unrichtigkeiten.  —  Als  eine  wichtige,  gleichzeitige  Quelle  kommen  für 
diese  Zeit  die  tagebnchartigen  Notizen  in  Betracht^  die  ich  in  der  Ztschr. 
51  (1893)  8.  97  ff.  veröffentlicht  habe. 

*)  Den  eigentlichen  Grund  der  Zusammenrottung  des  Yolkes  erfahren 
wir  ans  dem  „Tagebuch"  a.  a.  0.  8.  98.  Man  hatte  gehört,  dafs  der  Bischof 
die  gesammte  Ritterschaft  zu  sich  nach  Wolbeck  entboten  hatte,  und  man 
war  berichtet  worden,  ,,dat  de  borgermestere  und  etliche  van  sick  myt  den 
heren  van  capittell  und  den  erf&nannen  verbunden  und  des  eyns  geworden 
weren,  dat  se  vor  der  Horster  porten  wolden  laten  stroe  foren  und  dat 
ansticken;  de  wyle  de  borgere  dar  na  leipen,  wolden  se  unsen  g.  h.  eyne 
porten  oppen  und  de  borgere  so  verraden.**  —  In  der  That  hatte  der  Bi- 
sehof von  Ibuig  aus  am  26.  Dezember  1533  der  Ritterschaft  seiner  8tifter 
Mfinster  und  Osnabrfick  befohlen,  sich  zum  Kriegsdienste  bereit  zu  halten, 
und  auch  den  Amtleuten  entsprechende  Weisung  erteilt  (s.  L.  Keller: 
G.  d.  W.  8.  241).  Ffir  den  8.  Jan«  1534  hatte  er  eine  landst&ndische  Be- 
ratung nach  Rheine  anberaumt  (Yerschreibung  der  8t&dte  dazu  aus  Bever- 
gem  vom  26.  Dez.  1533  im  St-A.  M.,  Landtags-Akten  1532—1537).  Aber 
wir  wissen  Nichts  über  die  Yerhandlungen  daselbst,  und  weiteren  ernsten 
Vorbereitungen  des  Bischofs  gegen  Münster  begegnen  wir  erst  im  Februar 
(8.  weiter  unten). 


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478  Anno  1534  acta. 

M.  Jan.  nostris  clementer  arertit.  Hi  sie  armati  in  diem  seqnentem 
clausis  interim  portis  civitatis  consistont.  Dmn  antem  haec 
agontnr,  dno  viri  peregrino  et  innsitato  habitn  amicti  adsunt^ 
qni  circa  diem  13.  lannarii  Monasterinm  renerant  et  apnd  Knip- 
perdoUingnm  diversabantur  ac  Enocb  et  Helias  vnlgo  esse  exis- 
timabantnr^,  qnormn  alter,  Joannes  Bockelson  Leydanns,  postea 
sceptra  nrbis  invasit,  alter  vero,  loannes  Matthisson,  in  initio 
obsidionis  circa  festam  Paschae  ante  portam  Lndgerianam  ab 
bostibns  occisns  foit,  cuins  relictam  nxorem  Leydanus  dnxit^ 
Hi  singularem  sanctitatem  simnlantes  in  aedibns  Enipperdollingi 
cnm  Bothmanno,  BoUio,  Eloprisio,  Strapadio,  Yinnio  ac  Stralenio 
de  rebns  praesentibns  Consultant  snggerentes  interim  armatis, 
-quid  fieri  velint.  Et  cnm  inter  se  dissentirent  aliis  nrbem  fece 
impiomm  pnrgandam  esse  yolentibns,  aliis  vero  diem  dominicae 
nltionis  nondnm  adesse  asserentibns,  proinde  impiomm  caedem 
prorogandam  esse  et  in  diem  Domini  differendam.  Yemm  cnm 
sibi  certo  persnaderent  dnos  istos  prophetas  esse  et  coelitns 
^emissos  qnibnsqne  inconsnltis  nihil  sibi  agendnm  sit,  decretnm 
illorom  expectant.  Hi  vero  post  mnlta  snspiria  et  meditationes 
nondnm  tempns  esse  pnrgandi  aream  respondent;  plnres  prins 
Domino  Incrifaciendos  et  iam  Incrificatos  coelesti  doctrina,  non 
4inidem  in  impiomm  templis  idololatna  foetentibns,  sed  priratis 


^)  Ygl.  dazu  das  Bekenntnis  JakoVs  von  Osnabrück  bei  J.  ^Tiesert: 
Ü.-S.  I.  S.  156. 

*)  Den  13.  Jan.  als  Tag  der  Ankunft  Johann's  v.  Leiden  in  Münster 
entnimmt  Eerss.  richtig  den  Bekenntnissen  Johann's  (J.  Niesert:  U.-S.  L 
S.  176  und  M.  G.-Q.  II,  371).  Doch  war  sein  Begleiter  nicht  Jan  Matthjs, 
sondern  Gert  tom  Geister,  was  Kerss.  derselben  QneUe  hätte  entnehmen 
können.  —  Jan  Matthys  traf  erst  nach  dem  grofsen  Aufrühre  vom  9.  Febr. 
in  der  Stadt  ein  (vgl.  Knipperdolling's  letztes  Geständnis  M.  G.-Q.  II,  410). 
—  Zu  Johann  t.  Leiden  s.  oben  S.  412  f.  Anm.  ~  Für  das  Folgende  ist 
ans  den  sonstigen  QueUen  kein  Beleg  beizubringen,  auch  wenn  wir  Gert 
tom  Cloister  an  die  SteUe  des  Jan  Matthys  setzen.  Ob  und  in  wie  weit 
Bothmann  und  die  übrigen  Predikanten  den  Abgesandten  des  Matthys 
Widerstand  entgegensteUten,  wissen  wir  nicht.  Nur  Eerss.  hat  oben  be- 
richtet, dafs  Bothmann  noch  am  25.  Jan.  zu  St.  Servatii  predigte,  obgleich 
die  Kirchen  in  den  Artikeln,  die  Johann  t.  Leiden  überbrachte,  verboten 
waren.  Yergl.  oben  S.  449  Artikel  3  und  Johann's  Bekenntnisse  bei  J. 
I^iesert  a.  a.  0.  S.  176  und  M.  G.-Q.  n,  371. 


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Anno  1534  acta.  479 

christianomm  aedibns  confirmandos  esse;  nondnm  itaqne  im- 
piomm  sangnine  manns  snas  contaminent,  ne  et  ipsi  Patrem 
coelestem  sibi  offensnm  reddant;  diem  Domini  propemodum  ad- 
fatnnim  expectent,  qui  pnigatnrus  sit  aream  snam  ab  omni 
impietate.  Eis  vocibns  tanqnam  a  nnminibns  qnibnsdam  pro- 
fectis  acqniescnnt.  Qoare  circa  boram  qnartam  29.  lannarii  sd.  Jan. 
armati  digredinntor  penatesqne  snos  repetnnt,  atqae  ita  motns 
ille  qnievit. 

Ex  bis  senatus  propositnm  sunm  de  pellendis  conciona- 
toribns  anabaptisticis  saeronun  motnnm  causam  esse  animad- 
vertit,  'cnm  iUi  praesidio  suorum  freti  pelli  non  velint.  Ut  »p.  421. 
igitnr  se  snosqne  cives  qnotidiano  caedis  metn  liberet,  cni  ün- 
pliciti  tenebantnr,  die  30.  lannarii  convocatis  tribnnis  et  me-  so.  Jan. 
cbaniconun  magistris  non  iam  de  exigendis  nrbe  Botbmannistis, 
sed  de  pace  intra  moenia  qnoqno  modo  retinenda  Consultant. 
Post  diutinam'autem  nitro  citroque  babitam  consultationem  pla- 
cuit  tandem  \  ut  omni  sollicita  suspicione  sublata  nemo  civium 
seu  incolarum  sibi  quicquam  adversi  a  suo  concive  metuat  neque 
alius  alium  laedat  bonisve  exuat,  sed  fandliariter  et  pacifice 
mutuo  vivant,  nemo  aUum  convitiis  aut  amarulentis  verbis  la- 
cessat,  nemo  alium  in  sua  flde  turbet;  fides  sit  libera  et  pro 
cuiuscunque  conscientiae  instinctu  arbitraria,  donec  Dens  reli- 
gionis  et  fidei  unitatem  per  Spiritum  suum  sanctum  clementer 
laigiatur.  Praeterea  violantes  boc  edictum  publicae  pacis  gratia 
datum  legitimis  poenis  afficiendos  esse  decemitur.  Cum  boc 
edictum  per  totam  urbem  a  lictoribus  iubente  senatu  publica- 
retur,  Botbmannistae  erigunt  cristas  atque  in  sinn  gaudent  se 
eo  rem  perduxisse,  ut  constemato  iam  senatu  impune  omnia 
agant.  Hactenus  ignorati  ac  in  aedibns  passim  delitescentes  nunc 
prodeunt  capitaque  attollunt  et  certo  sibi  persuadent  coelestis 
Patris  nutu  evenire  baec  omnia. 

Princeps  interea  concilium  Woltbecae  2.  Februarii  pera- «.  Febr. 
gendum  indicit^  in  quo  convocatis  statibus  dioecesis  de  religionis 
causa  aliisque  rebus  necessariis  et  ad  utilitatem  patriae  perti- 


^)  Die  Uebereiiiklinft  ist  wörÜich  angenommen  in  dem  ^Tagebnch^ 
A.  a.  O.  S.  99, 


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480  Anno  1534  acta. 

nentibns  matnro  consilio  agant^.  Huc  Monasterienses  miserunt^ 
Casparom  ludefeldiun,  consulem,  loannem  Wyckiimi,  sjndicnm 
seditiosTim,  Henricnm  Bedekeram,  quem  in  Telgetica  ezpeditione 
peram  Melchioris  de  Boren  quingentis  anreis  bene  munitam  ex- 
pngnasse  fernnt^,  et  Tilannm  quendam  bombardaram  praefec- 
tnm^,  iacnlandi  peritissünnm,  cyclopem  oblongom  et  proceritate 
terribilem,  cni  altenim  claudere  ocolnm  iacnlatonun  more  non 
fait  necesse  (monocnlus  enim  erat),  qni  famam  egregii  consnlis 
et  omninm  indicio  boni  viri  Eberwini  Drosthenii  snggestione 
^p.  422.  Enipperdollingi  lacerare  conatns  faerat,  sed  ad  palinodiam  *ad- 
actns  in  publico  indicio  omnia  recantavit;  hoc  nomine  inter  bo- 
nos male  andivit^  Hos  cnm  princeps  legatos  reipnblicae  Mona- 
steriensis  adesse  intelligeret,  ad  colloquinm  snnm  eos  non  ad- 
misit,  sed  a  se  tanqnam  indignos  repnlit.  Per  consiliarios  antem 
snos  consnli,  quem  bonnm  virnm  esse  accepit,  nnnciat  se  in 
isto  concilio  non  de  rebns  levibus,  sed  publicis  serüsqne  et  ad 
incolnmitatem  patriae  salntemqne  animamm  pertinentibas  actn- 
rmn  fidsse,  qnibns  seditiosos  et  infames  istos,  quos  secnm  ad- 
dnxerit,  interesse  non  velit.  Nihil  itaqne  in  hoc  conventu  actum 
est^  Princeps  enim  infamium  seditiosorumque  praesentia  pluri- 
mum  offensus  subito  recessit,  ne  sibi  a  vicinis  Monasteriensibus 
aliquid  mali  eveniat. 

Bothmannus  liberius  iam  nomini  suo  satisfacturus  a  con- 
citando  motu  sibi  non  temperat.    Nam  flammas  a  vestalibus 

»)  fehlt  im  Ms. 


^)  Akten  über  diesen  Landtag  sind  nicht  aufzufinden.  Nach  dem 
«Tagebuch*'  fand  er  am  5.  Februar  statt  —  *)  S.  oben  S.  470. 

')  Wohl  identisch  mit  dem  Yon  H.  Gresbeck  S.  166  unter  den 
Mnnsterschen  wiedert&uferischen  Bürgern  angeführten  „Meister  Tue  Bussen- 
schütte.**    Sonst  ist  über  ihn  nichts  bekannt. 

*)  Das  „Tagebuch**  nennt  von  den  zum  Landtag  Abgeordneten  nur 
Bedeker.  Es  fügt  hinzu,  dafs  man  nur  seinetwillen,  „de  myt  des  marschalcks 
taschen  befameth,**  am  31.  Januar  freies  Geleit  for  die  Gesandten  erbat» 
das  der  Bischof  auch  bewilligte,  dabei  aber  bemerkend,  er  könne  sich  nicht 
„genoigsam  entsynnen,  wat  orsake  de  van  Munster  dar  to  bewegen  mochte, 
szo  doch  van  oldingh  nue  gewontlick,  upn  gemeynen  lantdage  geleidz  to 
gesynnen.** 

')  Nach  dem  „Tagebuch**  a.  a.  0.  w8re  auf  diesem  Landtage  nur 
über  die  Türkeni^teuer  verhandelt  und  darüber  eine  Einigung  erzielt  worden. 


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Anno  1534  acta.  481 

qmbnsdam  Transfluviams  conceptas  exnscitandas  esse  existimat, 
ne  iam  insitas  evangelü  sni  ferror  langaescat.  Ideo  assnmptis 
qmbnsdam  collegis  snis  coenobinm  6.  Febrnarii  ingreditnr  con-  e.  Febr. 
cionemqae  de  matrimonii  lande  habet  et  vlrginitatis  ergastnla, 
qnibns  ea  contra  natnram  conclnditnr,  miris  orationis  arietibns 
effiringit  virginesqne  ad  propagationem  generis  hnmani,  a  qna 
non  magnopere  abhorrebant^  excitare  visns  est.  Inde,  nt  ex 
stnltis  prorsns  insanas  faceret,  persnadet  Ulis  tnrrim  cnm  tota 
coenobii  stmctnra  nniversisqne  habitatoribns  lllins  hora  dno- 
decüna  noctis  seqnentis  diel  minam  datnram  \  Hanc  rem  non 
solnm  a  qnibnsdam  prophetis  in  nrbe  praesentibns ',  vemm  etiam 
a  Patre  sibi  divinitas  revelatam  esse.  Qno  oracnlo  non  tam 
constemantnr  yirgines  quam  laetantnr,  qnamm  spiritns  libidine 
flagrans  a  monastica  vita  abhorrebat;  iam  enim  commodam  oc- 
casionem  excntiendi  ingnm  sibi  oblatam  esse  arbitrabantnr. 
Qnare  snb  seqnentis  diei  anroram  omnia  fere  bona  effemnt;  qnae  7.  Febr. 


*)  Von  dieser  Prophezeiung  des  Einsturzes  des  Klosters  zn  üeber- 
wasser  berichtet  speziell  noch  das  „Bichtboeck''  und  weiter  der  Brief  des 
P.  Plateanus.  Im  «Bichtboeck**  (Mscr.  VII,  1603  im  St-A.  M.)  heilst  es 
Bl.  51^:     „De  jnfferen  tho  Averwater  hebben  van  ehm  versthain, 

Dat  ehr  kloister  soll  up  en  secker  tiedt  vergain; 

Dat  soll  geschein  binnen  8  offt  14  dagen. 

Dat  wehren  averst  nnd  blieben  alle  lagen. 

Wat  ehm  des  nachtes  heft  gedrömet, 

Dat  heft  er  sich  des  dages  för  ein  prophetie  gerömef 
BL  54: 

„Sin  propheteren  heft  he  den  jufferen  tho  Averwather  darum  gedain, 
Dat  de  jufferen  solden  uth  ehren  orden  und  kloister  gain.'' 
P.  Plateanus  Bl.  C4^  schreibt:  „Coenobium  ...  Bemardus  Botman  arch- 
anabaptista  sabbato  quodam  cum  suis  prophetis  ingressus  certiores  facit 
virgiues,  eadem  nocte,  quae  esset  futura  inter  sabbatum  et  dominicum 
diem,  locum  illum  divinitus  subvertendum  ...;  fugerent  itaquc,  si  quae 
essent,  quae  se  salvas  vellenf  —  Vgl.  auch  Eer8s.^s  Jugendgedicht  S.  20, 
bei  D.  Ger  des:  Scrin.  antiq.  11^  S.  392  f. 

^j  Auch  nach  H.  Gresbeck  S.  13  predigten  die  Propheten  und 
Predikanten  „durch  die  gantze  stat  her  und  haben  die  iunfferen  in  den 
cloisters  wies  gemacht,  die  cloisters  wolden  versincken,  dat  sie  sick  solden 
Uten  doepen.**  Ebenso  Iftfst  Joh.  Fabricius  Bolandus:  Motus  Monast 
Bl.  G  4^  Rothmann  nicht  nur  den  Einsturz  des  Ueberwasaer-,  sondern  auch 
den  des  A^düklosters  verkündigen. 

7 


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482  Anno  1534  acta. 

cnm  nnsquam  tntiori  cnstodia  conservari  putarent,  quam  apnd 
Bothmannum,  vimm  Del,  ad  aedes  itaque  illius  magnam  eorom 
partem  defernnt^  Neque  ipsae  sese  coenobio,  sed  partim  Both- 
manni,  partim  aliomm  civium  aedibus  crediderunt.  Ida  yero 
"p.  423.  ""de  Mervelt,  archirestalis,  Lndgera  de  Linteloen  ac  Sophia  de 
Langen  aetate  et  iudicio  reliqnis  excellenüores  omnia  ista  a  Both- 
manno  in  snnm  quaestnm  conficta  esse  sentiunt  ideoqne  obtesta- 
tionibus  et  lachrimis  mnltis  abitnrientes  retinere  conantnr,  sed 
fnistra.  Sic  enim  per  Bothmannnm  dementantur,  sie  fascinantor, 
nt  praeter  generis  sni  decus  virgineumque  pndorem  cQjitempto 
Yoto  mutatoque  habitu  instar  amentium  per  plateas  decorrerent 
nee  moneri  paterentnr.  Proinde  hae  tres  Domino  Deo  sese  com- 
mittnnt  et  locnm  habitnmque  voti  sni  in  quemlibet  fati  eventmn 
paratae  non  desemnt  \   Cnm  haec  fabnla  in  vnlgas  spargeretnr, 


*)  Joh.  Fabricius  Bolandns  a.  a.  0.: 

„Pars  non  usque  adeo  timido  fngit  agmine  raptis 

Nocte  bonis  portans  haec,  Rothmanne,  tibi, 
Seu  fuit  haec  sexus  miseri  formido,  per  astns 

Seu  de  composito  res  ea  gesta  fuit. 
Non  ingrata  qnidem  pravae  sunt  munera  sectae 

Talia  nympharum,  quas  ut  et  illa  cupit, 
Nee  dubimn,  quin  bis  meritas  persolvere  grates 
Formosis  staduit  pro  pietate  satis.^ 
^)  Die  Namen   der  standhaften  Jungfern   fiberliefert  nur  Eerss.  — 
Das  „Bichtboeck^  a.  a.  0.  BL  54  sagt: 

„Da  he  ebne  sine  falsche  prophetio  heft  gegeven 
Da  sint  se  oick  nich  länger  in  ehren  stait  und  Idoister  gebleyen. 
Se  hebben  nah  ehres  gotloisen  propheten  willen  gedain, 
Se  blieven  nich  alle  in  ehren  orden  stain. 
Etliche  sindt  uth  ehren  Idoister  und  ueth  der  stadt  gedreven 
Und  sint  nochtans  in  ehren  orden  und  state  gebleven. 
Yelle  waren  yan  fleschlicker  begerte  dull 
Und  waren  derhalyen  des  uprorischen  handeis  yull. 
Se  weren  yan  groiter  unkuischeit  sehr  yerbaset, 
Darum  hebben  se  uth  ehren  kloister  nah  unkuischen  kerls  geraset.*' 
P.  Plateanus  a.  a.  0.:  „Trepidatum  est  anxie  inter  payidas  puellas.   lu- 
niores  onmes  sarcinulas  colligere  et  fuga  eyadere  tarn  propinquum  interitum 
properant.  Yetulae  quaedam  et  primores  yirgines  yanitate  spreta  insanomm 
prophetarum  perstitemnt  in  coenobio  . . .   Permansit  monasterium  perma- 
netque  in  hodiemum  usque  diem.  Yirgines  yero,  quae  difi^erant,  ab  ana- 


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Anno  1534  acta.  483 

dici  non  potest,  qnanta  hominnm  multitado  per  totam  noctem 
insomnis  minam  Ulam  opperiator^  At  ubi  tempus  minae 
oraculo  prophetico  designatum  iam  instaret,  nihil  praeter  njcti- 
coracis  snpra  nrbem  Yolantis  vocem  audiyere.  Hoc  ergo  vati- 
ciniom  falsnm  fidsse  hodiema  etiam  dies  declarat.  Ne  autem 
Bothmannns  existimationis  snae  naufragiom  falsa  ista  praedic- 
tione  faceret,  exemplo  lonae  se  tnetnr',  qui  mandato  divino 
Ninivitis  eversionem  praedizerat,  quae  non  eyenit;  neque  tarnen 
ideo  ipsnm  prophetam  falsnm  pntandnm  esse,  cnm  talia  prophe- 
taram  oracnla  conditionem  semper  includant,  scilicet  nisi  ege- 
nnt  poenitentiam.  Yirginibns  qnidem  exitinm  inevitabile  im- 
pendisse ;  sed  cnm  serio  poenitnerint,  Denm  Patrem  hoc  malnm 
clementer  avertisse. 

übi  rero  Bollins  falso  hoc  oracnlo  Bothmanni  anctoritatem 
apnd  mnltos  leyari  intelligeret,  in  morem  corybantinm  enthnsi- 
asmo  correptns  fnriose  per  plateas  discnrsans  horrendis  yocifera- 
tionibns  ac  insanis  boatibns  impios  ac  charactere  foederis  non 
signatos  ad  poenitentiam  yocat^.  Diem  enim  Domini  instare 
clamitat.  Qno  astn  et  noya  remm  facie  superioris  Bothmanni 
oracnli  obliyionem  indncit  plnrimosqne  ab  anabaptismo  alieniores 
redditos  reyocai  Hone  antem  fnrorem  toxico  retinctis  immitti 
fama  fdit;   illnd  enim  Bothmannns   parentnm   snomm  artibns 


baptUtis  hospitio  exceptae  re  vera  sunt  subversae.  Pleraeque  enim  rebapti- 
zatae  sanf  —  Zu  den  ausgetretenen  Nonnen  gehörte  auch  die  Tochter 
Johannas  y.  d.  Recke,  üeber  den  vergeblichen  Versuch,  sie  zur  Umkehr 
zu  bewegen,  ygl.  weiter  unten. 

*)  EL  Grosbeck  a.  a.  0.:  „.,.  die  luide  sint  gan  stain  und  hebben 
die  cloisters  und  kercken  angesehn  und  weren  der  in  wachten  und  wolden 
dat  grote  mirackel  und  wunder  ansehen  ..."  P.  Plateanus  a.  a.  0.  hat 
die  Nachricht:  „Senatus  et  ezcubias  disposuit,  ne  firaude  aliqua  igne  in- 
iecto  furiosi  oraculum  suum  verum  facerent." 

*)  Jon.  cap.  3.  —  ■)  Auch  nach  H.  Dorp  Bl.  D2  ist  Roll  der  An- 
fänger des  BufsrufiB.  Aber  bei  ihm  wird  der  Ruf  in  Zusammenhang  ge- 
bracht mit  dem  unbeständigen  Verhalten  der  Fredikanten,  die  zuerst  eine 
Disputation  mit  ihren  Gegnern  provoziert,  sich  dann  aber  wieder  zurück- 
gezogen hatten  (vgL  oben  S.  465 f.).  —  Schon  G.  A.  Cornelius:  M.  A.  ü. 
S.  340  macht  jedoch  darauf  aufmerksam,  daüs  die  Wiedertäuferbekenntnisse 
von  einem  Bufsruf  RoU^s  Nichts  wissen.  Derselbe  wird  auch  in  keiner 
der  sonstigen  Quellen  erwähnt. 


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484  Anno  1534  acta. 

edoctos^  in  lignea  lagena  a  se  baptizatis  miscuisse  dicebatorl 
*p.  424.  *£x  eadem  Bothmanni  Is^ena  cnin  Georgii  Montani  sarcinatons 
8.  Febr.  filia  bibisset,  simili  fnrore  percita  8.  Febroarii  circa  horam  se- 
cnndam  pomeridianam  in  aedibns  Bernardi  Swerthemii  sab  for- 
nice  in  magno  hominnm  ntrinsqne  sezns  coeta  mira  dicacitate 
concionatur,  de  qua  saperios  in  capite  de  ostentis  dictum  est^ 
Eodem  die  Enipperdollingns  ac  Joannes  Bokelson,  propheta 
Leydanus,  circa  horam  tertiam  a  meridie  omnes  propemodmn 
vicos  nrbis  percnrrentes  snperioris  yitae  emendationem  luctifico 
et  terribili  clamore  postnlant.  Nihil  enim  praeter  poenitentiam! 
poenitentiam!  poenitentiam!  denndatis  capitibns  ocnlisque  in 
coelnm  defixis  clamitant^.  Quidam  vero  nostmm  luctifici  ein- 
latus  tristisqne  vocis,  qnae  Hjerosoljmitannm  praedixemnt  ex- 
cidinm,  memores  hnins  qnoqne  reipublicae  minam  lachrimantes 
praesaginnt.    Et  cnm  quidam  inusitatam  corjbantium  insaniam 


')  Vgl.  Bd.  1  S.  160.    Schon  in  seinem  Jngendgedichte  sagt  Kens. 
(S.  8,  bei  D*  Gerd  es:  Scrin.  «ntiq.  11«.  S.  382): 

„Prayns  uterque  parens,  sed  foedis  ille  parentem 
Canninibus  solus  snperavit  gnatus  ntnimque.^ 
*)  Dieses   Gerücht  erwähnt  auch  Joh.  Fabricins  Bolandus: 
Motus  Monast  Bl.  G  2: 

,Fama  fuit  potos,  mistis  qnos  fecerit  herbis, 

Hnnc  ipsum  populis  contriboisse  snis 
Omnibus  et  tantum  semel  infadisse  fororem, 
Horrida  iam  peterent  praeter  ut  arma  nihil. ** 
Es  bot  Anlafs,   Johann  v.  Leiden  in  den  Verhören   mehrfach  danach  aus- 
zufragen. In  seiner  Antwort  auf  die  ihm  auf  Veranlassung  des  Erzbischofs 
Yon  Köln  vorgelegten  Fragen  sagt  er  aus   (J.  Niesert:  U.-S.  I.  8.  185): 
,yltem  wette  nicht  van  Bemharts  teverie  oder  vergibt,  hebben  ock  in  keine 
vlaschen  gerocken  oder  dar  uth  gedruncken.^  Aehnlich  ftufsert  er  sich  am 
25.  Juli  1535  (s.  M.  G.-Q.  H,  375),  und  am  20.  Jan.  1536  (s.  ebd.  S.  401) 
gesteht  er:  »Von  Bemardus  Rotmans  yerbotten  knnsten  und  tzauberei  have 
er  nihe  gehört,  dan  das  sulchs  sein  fiant  sechte." 

*)  Vgl.  Bd.  1  S.  124,  wo  sich  Eerss.  deutlich  als  Augenzeuge  zu  erkennen 
giebt.  —  ^)  In  Johannas  y.  Leiden  Bekenntnis  Yom  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q. 
II,  371)  heifst  es,  es  sei  „Enipperdollingh  in  doller  gestalt  (dat  dan  enge- 
verlieh  XTTTT  dage  geduirt)  roepende  geworden  i,betert  u,  betert  u!"  und 
80  vort  tot  Johannen  van  Leiden  geloepen,  die  oich  so  roepende  geworden, 
und  dat  aUet  uit  bedrongh  oers  harten  und  beswerongh  oers  gemoetz.*^ 
Knipperdolling'fl  BuÜBruf  ist  auch  im  GestSndnis  JakoVs  von  Osnabrück 
erw&hnt  (s.  J.  Niesert:  U.-S.  L  S.  155). 


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Anno  1534  acta.  485 

passün  per  plateas  deriderent,  „Yae,  vae,  vae  Yobis,^  inqniant, 
„yae,  vae  Yobis,  qni  nos  divino  spiritn  agitatos  deridetis,  qni 
salutaris  poenitentiae  vocem  non  admittitis,  qni  foedns  nostnuoa 
contenmitis;  agite  poenitentlam,  resipiscite,  ne  nltionem  Patris 
coelestis  in  vos  provocetis!^  Inde  cnm  ad  fomm  reverterentnr, 
ibi  in  totins  popnli  conspectn  ex  omnibns  fere  angnlis  nrbis  rei 
novitate  coacti  in  mntnos  amplezns  mntnaqne  oscnla  promnnt. 
Cnm  antem  faror  desaeyiret  et  pristina  mentis  integritas  pan- 
latim  Ulis  rediret,  Oeorgins  Montanns,  sarcinator,  cnins  filia 
panlo  ante  concionata  fuerat,  noYo  fnrore  afilatns  abiectp  capitis 
tegmine  palmisqne  in  coelnm  snblevatis  continuo  accnrrit.  „Sn- 
spicite,  viri  fratres,  snspicite  capitaque  vestra  nnnc  attollite," 
clamat,  „Denm  gloriosnm  in  nnbibns  coeli  comscantem  rexillnm- 
qne  yictoriae  dextra  ferientem  yideo!  Vae  vobis  impiis,  qni  in 
malo  pertinaces  estis!  Besipiscite,  resipiscite!  Patrem  coelestem 
cnm  mnltis  angelomm  millibns  dira  vobis  minitantem  in  snblimi 
conspicio.  Vae,  vae  Yobis  impiis!  Agite  poenitentiam,  agite  poeni- 
tentiam!  Dies  ille  Domini  magnns  et  teriibilis  adest.  Besipi- 
sdte,  *resipiscite!  Aeternae  damnationis  poena  et  cmciatns  nnllo  *p.  425, 
tempore  finiendns  vos  manet,  qni  Christnm  ex  Maria  hnmanam 
camem  assnmpsisse  creditis^.  Besipiscite,  resipiscite!  Dens 
iamiam  pnrgatnms  est  aream  snam  et  paleas  inextingnibili  igne 
exnret.  Agite  poenitentiam,  et  si  divinam  nltionem  vitare  Yelitis, 
characterem  foederis  nostri  snmite!^  Qnibns  gestibns  haec  alia- 
qne  mnlta  proclamaverit,  dici  vix  potest;  nnnc  enim  saxis  in- 
snltat  seseqne  saltn  qnasi  yolatnms  effert  et  palmis  elatis  plan- 
dit,  nnnc  capnt  freqnenti  rotatn  concntit,  nnnc  ocnlos  ad  coelnm 
attoUit,  nnnc  deprimit,  nnnc  Inget,  nnnc  hnmi  in  forma  crncis 
procnmbit  et  in  caeno  sese  Yolntat;  nt  pancis  dicam,  singnlis 
Yocibns  habitn  corporis  sni  inservit.  Cnm  antem  nos,  qnotqnot 
aderamns  invennm  more,  insnetis  Yociferationibns  obstnpefacti 
coelnm  diligentins  intneremnr,  nihil  eomm,  qnae  retincti  vide- 
rant,  nee  aliam  qnam  nsitatam  coeü  faciem  animadvertimns. 
Itaqne  ad  Yolnptatem  corybantes  isti  a  circnmfasa  inYentnte  in 


*)  Dieser  Glaube  war  bei  den  Wiedertftnfem  verworfen.  Vergl.  die 
^Mmuterscfaen  Artikel*  (bei  Eerss.  oben  S.  450  Nr.  12,  im  Qestftndnis 
JakoVs  von  Osnabrück,  bei  J.  Cochlaens  und  im  „Eide**  a.  a.  0.  Nr.  10). 


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486  Anno  1534  acta. 

foro  delnsi  sünnl  sese  cnm  EnipperdoUingo  ad  aedes  snas  snb- 
dncnnt.  Ibi  Enipperdollingns  novo,  sed  mitiori  quam  prins  fd- 
Toris  genere  exagitatns  in  angnlo  aedinm  snarnm  foribns  paten- 
tibns  ad  parietem  conversns  cnm  Patre  coelesti  nobis  yidentibns 
et  andientibns  se  loqni  simnlat  et  plnrima  ad  popnlarem  intelli- 
gentiam  non  accommodata  nee  insta  serie  cohaerentia,  sed  more 
fnriosornm  abrnpta  nunc  manifeste  loqnitnr,  nnnc  clancnlnm 
mnssitat.  Tandem  defatigatns  in  intimas  domns  snae  latebras 
spnmivomo  ore  se  recipiens  isti  spectacnlo  finem  imponit. 

Qnidam  etiam  homo  obesns  statnraqne  oblongns,  in  Scotia 
natns,  hnc  forte  fortnna  delatns,  qni,  cnm  panper  esset,  vicatim 
sibi  yictnm  qnaerebat,  hie  snbornatns  et  pecnnia  a  flagitiosis 
condnctns  est,  nt  noctnmo  tempore  per  plateas  poenitentiam 
clamitaret.  Cnm  esset  caecns,  ne  caeno  plateamm  sese  pollneret, 
altes  pedibns  perones  aptat;  hinc  qnasi  anabaptistico  Oestro 
*p.  426.  afflatns  cnrsitat,  poenitentiam  clamitat  *coelnmqne  admirandam 
et  terribilem  faciem  ostentare  vociferatnr  atqne  ita  mnltos  ad 
noctnmnm  spectacnlnm  provocat  eademqne  freqnenter  iterat. 
Tandem  cnm  ad  plateam  regiam  devenisset  coelnmqne  iamiam 
casnmm  edita  voce  ingeminaret,  ipse  ibi  in  magnnm  moUis  Inti 
cnmnlnm  prolapsns  snbito  obticnit  neqne  post  illnd  tempns  ad 
similem  fabnlam  peragendam  nllis  pollicitis  qnantnmyis  eximiis 
indnci  potnit. 

lodocns  qnoqne  Calenbnrgns  eodem  spiritn  agitatns  conci- 
tato  eqno  insidens  snrsnm  deorsnmqne  per  vicos  fertnr  et  coelnm 
mitnmm  nnnciat  ac  admiranda  se  videre  mnltasqne  mjriades 
angelomm  se  prospicere  clamitat.  Hinc  mnlier  qnaedam  non 
absimili  fnrore  concitata  per  omnes  nrbis  yicos  cnrsitans  tantis 
clamoribns  ad  resipiscentiam  omnes  invitat,  nt  prorsns  rance- 
sceret  nee  Yocem  nllam  amplins  edere  posset.  Ne  tamen  spiritns 
snggestioni  desit,  nolam  ovinm  a  tergo  cyngnio  annectit,  qnae 
tremnlo  cnrsn  agitata  sine  intermissione  sonat  atqne  ita  homi- 
nnm  ora  passim  in  se  convertit  et,  qnod  voce  negatnr,  nntibas 
et  signis  perficit.  Praeterea  mnlier  qnaedam  de  Tymmermanns- 
sche^  poenitentiam  et  resipiscentiam  per  yicos  clamitat;  r^em 

^)  Ana  dem  Gestftndnis  JakoVs  von  Osnabrück  (J.  Niesert:  U.-S. 
L  S.  li)b)y  wo  es  dünn  weiter  heiÜBt:  «Defsglichen  sy  von  vielen  andern, 
80  den  geist  gehadt,  also  wie  vorg.  ufsgemffen  umb  penitens  zn  tfaon." 


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Anno  1534  acta.  487 

enim   Sjonis   iamiam   coelitns   descensnmm   Hyerosolymamqne 
instanraturnm. 

Hoc  novo  insaniendi  astn  plurimi  cives  territi  primnm  in 
dabitationem  saae  religionis  sunt  addncti  ambignaeqne  fidei  esse 
coepenmt,  quos  Bothmannns  sna  blandiloqnentia  aggreditnr  et 
iam  nutantes  facile  prostravit  inque  snam  sententiam  pertraxit 
atqne  ita  snomm  numeram  anxit,  nt  iam  non  clancnlum,  sed 
palam  excussis  et  effractis  omninm  magistratnum  frenis  repa- 
gnlisqne  ad  imperinm  nrbis  contenderent.  Nono  enim  Februarii  9.  Febr. 
circa  horam  octavam  ante  meridiem^  ultra  quingenti  infestis 
armis  instructi  forum  curiamque  vicinam,  in  qua  omnis  generis 
armorum  copia  fuerat,  occupant,  ut  vel  nobis  occisis  vel  pulsis 
soli  urbe  potirentur.  übi  vero  haec  sanguinaria  retinctorum 
consilia  nobis   proderentur,    quidam  senatorii  ordinis  *continuo  »p.  427. 


*)  Dasselbe  Datum  und  dieselbe  Tageszeit  für  die  Zusaminenrottung 
des  Volkes  vor  dem  Rathause  bietet  das  „Tagebuch^  a.  a.  0.  S.  101  und 
giebt  als  Grund  des  Aufruhrs  an,  „dat  dar  den  morgen  eyn  man  van  Dorp- 
munde  were  yn  de  stadt  gekommen,  de  den  borgeren  tydonge  gebracht, 
wu  dat  dar  jm  felde  3000  knechte  versammelt  weren  und  wolden  in  de 
Stadt.**  —  Am  3.  Febr.  hatte  der  Bischof  aus  Wolbeck  den  AmÜeuten  den 
Befehl  erteilt,  alle  der  Wiedertäuferei  Verdächtigen  zu  verhaften,  und  am 
gleichen  Tage  gebot  er  der  Bitterschaft,  die  Amtleute  dabei  zu  unterstützen. 
Am  8.  Februar  ordnete  er  an,  dafs  die  Amtleute  schriftliche  Verzeichnisse 
der  Wiedertäufer  aufsetzen  und  ihm  zuschicken  sollten  (s.  L.  Keller: 
G.  d.  W.  S.  306).  —  lieber  die  Unruhen  des  9.  bis  11.  Febr.  fliefsen  die 
QneUen  reichlicher.  Neben  dem  „Tagebuch*'  ist  besonders  Bothmannns 
Darstellung  in  der  lyBeschlufsrede**  seiner  Schrift  „Eyne  Bestitution*'  (s.  P. 
Bahlmann:  Bibl.  1534  Nr.  5)  zu  beachten,  von  wiedertäuferischer  Seite 
dann  weiter  das  letzte  Kapitel  des  von  G.  A.  Gornelius  (M.  G.-Q.  II, 
445  ff.)  unter  dem  Titel  „Münsterische  Apologie^  veröffentlichten  „Beken- 
tones  des  globens  und  lebens  der  gemein  Christe  zu  Monster''  (s.  P.  Bahl- 
mann ebd.  1534  Nr.  4).  Unter  den  Geschichtsschreibern  kommt  neben 
H.  Dorp,  L.  Hortensius,  0.  Hcresbach  und  Joh.  Fabricius  Bolandns  be- 
sonders H.  Gresbeck  in  Betracht,  und  einzelne  Notizen  liefern  die  Wieder- 
tftuferbekenntnisse,  die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  330),  das 
^ichtboeck**  und  ein  Brief  des  Drosten  Evert  v.  d.  Becke  zu  Hamm  an 
Herzog  Johann  von  Cleve  (M.  G.-Q.  II,  218  ff).  —  Zu  Ker8s.'s  Darstellung 
hier  vgl.  auch  die  in  seinem  Jugendgedicht  S.  22  ff.  (bei  D.  Ger  des  a.a.O. 
S.  394  ff.).  Er  hat  hier  manche  Züge  aus  dem  Gedichte  herüber  genonmien 
nnd  die  Nachrichten  über  seine  eigenen  Erlebnisse  besonders  durch  Zu- 
thaten  ans  Joh.  Fabricius  Bolandus  vermehrt. 


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488  Anno  1534  acta. 

per  lictores  cives  Don  retinctos  tarn  evangelicos  quam  caiholicos  ^ 
pariter  ad  coemiterium  Transfluviantim,  quod  Alpha  praeterluit, 
convocant.  Praerepto  enim  a  retinctis  foro  commodior  urbis 
locus  nostris  non  fnit  vel  ad  repellendam  viin  Tel  ad  tuendum 
sese.  Nostri  itaque  subito  tanta  copia  armati  coufluuut,  ut  fo- 
rensem  illam  turbam  et  numero  et  armatorum  potentia  facile 
superarent  *.  Quidam  tarnen  illorum,  qui  aedes  suas  propter  re- 
tinctorum  yicinitatem  armati  non  auderent  egredi,  arma  sua  per 
famulas  praelongis  vestibus  tecta  ad  coemiterium  deferri  man- 
dant,  quarum  quaedam  ab  ezploratoribus  proditae  et  interceptae 
ad  carcerem  sub  pal«w  numellaritiw*  noctivagis  nebulonibus 
paratum  ita  armatae  cum  intolerabilibus  conyitiis  deducuntur. 
Inter  quas  fuit  Assola,  omatissimi  et  doctissimi  viri  loannis 
Weslingi,  medicinarum  doctoris  expertissimi,  hospitis  mei  fa- 
mula,  quae,  cum  in  forum  ab  anabaptistis  protracta  et  multis 
conyitiis  exagitata  fuisset,  tandem  quorundam  intercessione,  qui- 
bus  inserviverat,  haec  sola,  sed  spoliata  armis  carcerem  effugit. 
Cxmi  vero  forenses  retincti  se  impares  Transfluyianis  viri- 
bus esse  per  ezploratores  acciperent,  improvisam  et  inopinatam 
irruptionem  metuentes  primum  sacellum  Michaeli  sacrum,  tur- 
rim  Lambertinam,  curiam  et  omnes  foro  propinquas  aedes  tor- 
mentis  et  missilibus  implent;  ipsum  etiam  forum  scamnis,  se- 
dilibus  e  templo  Lambertino  raptis,  vasis,  tabulis,  lapidibus  et 
ruderibus  subito  undique  convectis  et  comportatis  ita  muniunt 
et  per  modica  extructae  munitionis  intervalla  crebris  bombardis 
ita  distinguunt,  ut  instructissimi  exercitus  impressionem  non 
formidarent.  Claves  quoque  omnium  portarum  urbis  clausae 
prioribus  mutatis  custodibus  suae  factioni  custodiendas  commit- 

»)  Mb,:  sub  palo  nomeUario. 


^)  „Als  de  godüosen  dat  yomommen  hebben,*'  sagt  Rothmann  in  der 
„RestitatioiL*  (Ansgabe  Yon  A«Enaake  S.  108),  „hebben  se  sick  mit  mön- 
niken  unde  papen  np  Ayerwaters  kerckhoff  nnde  de  amliggenden  Straten 
Yorsammelet.^  —  *)  Anch  Botfamann  IftTst  „de  godtlozen  wal  yeer  mael  so 
starck  na  den  fleissche,  als  de  Christen*'  sein  („Restitution'^  a.  a.  0.  S.  109). 
Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  G5^  sagt:  „Haec  (sc.  fera  secta)  aliis 
triplo  minor  esf 


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Anno  1534  acta.  489 

tnnt,  ne  peregrino  robore  in  nrbem  admisso  nostri  se  firment  ^ 
Ex  bis  Omnibus  nostri  facile  animadvertunt,  quid  retincti  moli- 
antnr  qüidre  in  animo  babeant.  Proinde  ut  snarmn  qnoqne 
re*nun  rationem  ineant  snaeqne  saluti  consnlant,  ne  inopinantes«p.  428. 
opprimantnry  omnibns  ad  coemiterinm  plateis  sen  accessibus 
contra  bostilem  irmptionem  bombardas  maiores  opponnnt,  tnrres 
templi  dominici  et  eam,  quae  inxta  pomerinm  a  noctnmis  larvis 
sen  spectris  nomen  habet  ^  ad  arcendnm  retinctomm  impetnm 
armatis  civibus  firmant,  pontes  ligneos,  ne  facilis  ad  coemiterinm 
occidnamqne  nrbis  partem  sit  aditns,  rescindnnt  praeter  arctum 
ponticnlnm,  quo  ex  campo  dominico  et  orientali  urbis  parte  de- 
clivi  yia  per  tnrricnlam  a  specnlo  nomen  habentem  in  coemi- 
terinm Transflnvianum  descenditnr^.  Hanc  tarnen  tnrricnlam 
ponticulnmqne  validis  praesidiis  et  sclopetariis  cbirobombardis- 
qne  mnninnt.  Sed  cnm  non  satis  sibi  esse  pntarent  domestico 
pollere  robore,  nisi  etiam  externis  viribus  et  consiliis  (si  forte 
opus  sit)  se  firment,  ideo  singulari  diligentia  desudatum  est, 
nt  clayes  alicuius  portae  urbis  sine  magna  clade  consequantur. 
Quas  cnm  ab  exploratoribus  loannem  Paleum  ^  yirum  senatorium, 
ac  Com-adum  Covordicum,  qui  retinctomm  causam  fovere  dice- 
bantnr,  detinere  nunciaretur,  missis  itaque  aliquot  armatis  non 
solum  hos  duos,  apud  quos  claves  Marianae  portae  deprehendunt, 
yerum  etiam  Yinnium  ac  Stralenium,  concionatores  anabaptisti- 
cos,  aliosque  eins  farinae  homines  capiunt  turrique  Transfluviani 
templi  firmioribns  ntrinque  yalvis  munitae  includunt^  Mirantur 


')  Im  „Tagebnch**  a.  a.  0.  S.  101:  „Und  mjdler  tydt  leipen  de  bor- 
^re  na  den  porten  und  kedden  posten,  dat  de  togeslotten  worden  . . ." 

*)  Gemeint  ist  der  Buddentarm.    S.  Bd.  1  S.  25. 

')  H.  Gresbeck  S.  15  berichtet,  dafs  alle  Brücken  abgebrochen 
wurden.  Die  Erhaltung  der  Brücke  beim  Spiegelturm  erwähnt  er  nicht 
YgL  dazu  Joh«  Fabricius  Bolandus  a.a.O. 

*)  Vwschrieben  für  Paleum. 

*)  Im  „Tagebuch^  S.  102  heifst  es:  „. . .  sjnt  se  (de  frommen  bor- 
gere)  gegaen  na  unser  Leven  Yrouwen  porten,  dar  se  Johann  Palcken 
raithman  myt  synen  sonne  uper  porten  gefunden  by  dren  haeckbussen,  de 
se  gefuUet  und  na  Unser  Leven  Yrouwen  kerckhoff  gestalt  heddn.  Dar  se 
^ock  pryranden  by  gefänden,  so  hebn  se  denselven  Palcke  myt  synen  sonne 
unde  de  drey  haeckbussen  gebracht  to  Overwater  upn  kerckhoff  und  van 
•en  genommen  de  slottell  to  Unser  Leven  Yrouwen  porten.**  Als  Gefangene 


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490  Anno  1534  acta. 

antem  omnes  boni  anabaptismnm  etiam  in  senatum  irrepsisse, 
iamqne  plnres  senatom  ordinis  viri  a  nostris  in  anabaptistici 
favoris  suspicionem  non  falso  rapiantnr,  qui  tarnen  se  candidos 
et  innocentes  esse  fingebant.  Baptis  itaqne  clavibns  et  Palco 
Covordicoqne,  earum  custodibns,  in  carcerem  coniectis  portae  Ma- 
rianae  et  ludefeldanae  yalida  praesidia  continno,  ne  qnid  mora 
obsit,  imponnnt.  Aliamm  vero  portarum  omninm  ins  nostris 
praereptnm  in  retinctomm  fnerat  arbitrio. 

Hnnc  motum  et  grave  nrbis  discrimen  quidam  civimn  pri- 
mates  senatum  suspectum  habentes  principi  per  literas  subito 
"p.  429.  sig*nificant*  consilium  auxiliumque  contra  retinctos  poscentes; 
se  enim  impetu  in  ipsos  facto  omnibus  molestüs  nunc  tandem 
finem  imposituros  et  rempublicam  a  perpetuo  motu  semel  erep- 
turos.  Princeps  ubi  haec  intellexisset,  se  laboranti  civitati  bo- 
nisque  civibus,  qui  coercendae  seditionis  semper  auctores  fuerint, 
neque  consilio  neque  auxilio  etiam  supra  yires  suas  defuturum 
rescribit.  Ne  autem  propositum  suum  multis  patescat,  quod 
gerendae  rei  plurimum  saepe  obesse  solet,  literas  ad  Herman- 
num  Tylbechium,  praecipuura  et  superiorem  ex  patriciis  con- 
sulem,  quem  factiosum  non  esse  existimat,  in  haec  verba  mittit^: 
Cum  civile  dissidium  et  intestinam  seditionem  in  urbe  Mona- 
steriensi  a  retinctis  concitatam  esse  intelligat  ita,  ut  ciyes  sint 
in  armis  totaque  civitas  effero  exardescat  motu  et  horrenda  san- 


nennt  das  „Tagebnch'  dann  S.  103  neben  Palck,  Yinne  und  Stnden  noch 
Johan  Eonnynck,  Hinrick,  den  doetgreyer  (to  Overwater)  und  Johan  Ernst 
Steynbicker. 

*)  Die  Briefe  sind  nicht  mehr  nachweisbar.  Das  „Tagebuch"  l&fst 
S.  102  aufser  an  den  Bischof  auch  an  „etliche  amptlude  um  hulpe  und 
troist  geschicket*  werden.  E.  v.  d.  Recke  schreibt  dem  Herzog  von  Cleve 
(M.  6.-Q.  II,  219),  dafs  ein  dringendes  Hülfsgesuch  an  Theod.  y.  Merveldt, 
Drosten  zu  Wolbeck,  abgegangen  sei. 

*)  Von  diesem  Briefe,  der  verloren  zu  sein  scheint,  erfahren  wir 
sonst  nur  noch  aus  dem  „Bichtboeck,"  wo  es  Bl.  9  heifst: 

„Usser  gnedige  först  und  herr  hadde  Tilbek  enen  breef  gesandt, 

Des  de  verrader  Tilbek  f5r  de  gemeinheit  nich  was  bekiuidt 

De  vörste  hadde  em  doen  wetten  und  schrieffen, 

Siene  gnade  woll  de  stadt  Monster  bj  ehren  rechte  laten  blieven; 

He  solde  siner  gnaden  de  porten  apen  halden. 

Sin  gnade  wolde  by  denen  frommen  luden  syn  haest  unde  balde." 


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Anno  1534  acta.  491 

gninis  efFdsio  sit  metuenda,  nisi  retinctomm  vis,  qui  priores* 
arma  snmpserxmt  ciyllemqne  concordiam  aliquoties  dissolverunt, 
coerceatur,  se  proinde  petere,  ut  sibi  cum  mediocri  equitatu 
yenienti  citra  ullam  urbani  privilegli  derogationis  snspicionem 
porta  aperiatnr;  se  civitatis  inra  et  reipnblicae  Monasteriensis 
libertatem  in  minimo  non  yiolatnrum,  incrementis  potius  anc- 
tnram,  se  paciflcos  et  insontes  cives  contra  rebellinm  insnltam 
defensnmm  factiosommqne  conatns  repressumm,  se  nrbem  ab 
inmdnente  clade,  ne  totam  secnm  dioecesin  in  exitinm  praeci- 
pitet,  liberatomm.  Consnl  has  principis  literas  in  omnium  ci- 
yinm  totinsqne  reipnblicae  pemiciem  supprimit  neque  de  more 
senatni,  tribnnis  et  mechanicomm  praesidibns  eas  ezaminandas 
ofTert,  qnod  sangninem  cognatnm  non  esse  fnndendnm  consnlat 
yel  potins  qnod  sibi  snisqne,  id  est  retinctis,  interitnm  metnat. 
Ideo  cnm  retinctis  pamm,  nostris  vero  mnltam  praesidii  snper- 
esse  animadverteret,  onmes  snos  conatns  omnesqne  ingenii  vires 
intendit,  nt  caninam,  discordem,  simnlatam  et  civibns  exitialem 
concordiam  introdncat. 

Betincti  cnm  viribns  snis  diffiderent,  ad  armomm  copiam 
confnginnt,  qnibns  se  in  terrorem  Transflnvianomm,  qnantnm 
*possnnt,  firmant.  Proinde  aliqnot  armatos  et  biinges  eqnos  ma-  *p.  4d0u 
iores  bombardas  adferendi  cansa  ad  armamentarinm  apnd  portam 
Aegidianam  sitnm  emittnnt  atqne  tres  stationarios  milites  inxta 
coemiterinm  Aegidiannm  in  eo  loco,  qno  per  vicnlnm  ^  ad  cam- 
pnm  dominicnm  itnr,  cnstodiae  dinmae  gratia  collocant.  Quae 
res  cnm  nostris  proderetnr,  protinns  qninqnaginta  vi  repetitnm 
bombardas  armant,  qnos  a  coemiterio  per  longas  ambages  Bis- 
pinckhovianae  immnnitatis  hostibns  obviam  mittnnt.  Interea 
Joannes  Weslingns  medicns  et  Wintercampins,  acerrimi  anabap- 
tismi  hostes,  qnos  ego  globis  ferreis  corio  obdnctns  in  nsnm 
eomm  armatns  seqnebar,  compendinm  qnaerentes  a  coemiterio 
Transflnviano  per  campnm  dominicnm  vicnlnmqne  snpra  dictnm 
ad  Aegidianam  plateam  properant,  nt  snis  sese  coninngant.  Qni 
com  praeter  spem  et  impmdentes  in  stationarios  inciderent,  in 
ipso  pavore  animos  snmnnt  (neqne  enim  retrocedere  andebant), 
verbis  acrioribns  non  aliter  stationarios  compellant,  ac  si  exer* 

')  Die  Pferdegasse. 

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492  Anno  1534  acta. 

citnm  sequentem  habeant.  Uli  snbito  adventa  et  clamore  nostro 
territi  sese  in  fiigam  coniiciunt  snisque  in  foro  hostem  adesse 
rennnciant,  horrorem  armatonun  praedicant  et  mnlta  vero  acer- 
biora,  quae  metos  snggessit,  afSngont  continnoque  armatos  in 
praesidinm  snormn  mittendos  esse  clamitant.  Dnm  haec  agnntor, 
qninqnaginta  a  nostris  emissi  per  ponticnlnm  lapidenm^  pro- 
gressi,  nbi  et  pnblica  est  forica  et  stabnlarii  apnd  domum  Cap- 
penbergensium  eqnos  snos  aqnantnr,  adsnnt  ac  prope  Aegidia- 
nnm  coemiteriom  hostibns  dnas  bombardas  habentibns  occur- 
nint,  qni  a  nostris  hostilem  impressionem  sentientes  per  yicnlnm 
transyersnm  ibi  vicinnm  ad  forum  fagitant  ac  trepidationem  con- 
duplicant  In  eo  motu  eqnns  nnam  bombardam  trahens  ibi  forte 
traiectas  procnboit,  alteram  vero  nostri  cnstodibns  abactis  eri- 
pinnt  retortoqne  eqno  avehnni  Betincti  yero  cateryatim  sine 
certa  tarnen  acie  foro  effosi  nostros  eminas  missilibns  frostra 
"p.  481.  proseqnuntur.  *Ego  antem  adhuc  pner  tali  crabronnm  snsnrro 
ac  tormentomm  bombis  non  assuetas,  sed  anabaptistarmn  minis 
territus  in  coemiterio  Aegidiano  post  craneomm  repositorinm 
me  snbdnxi  ibiqne  delitni  et  motu  posito  meticulosus  iterum 
prorepsi  ac  ad  nostros  reversus  ipsos  una  cum  bombarda  inco- 
lumes  ad  coemiterium  redüsse  comperi. 

Inde  de  rebus  praesentibus  a  nostris  accurate  consultatum 
est.  Omnium  quidem  votis  irruptio  in  forensem  turbam  placuit, 
ut  Omnibus  controversiis  finis  tandem  imponatur,  ne  novus  motus 
in  posterum  sit  metuendus;  sed  qua  ratione  commodissime  et 
sine  clade  magna  id  fieri  queat,  dubitatum  est  aliis,  ut  aperto 
Harte  undique  in  forenses  iam  constematos  motu  Impetus  fiat, 
consulentibus,  aliis  yero  suadentibus,  ut  ex  omnibus  plateis  ad 
forum  vergentibus  vineae  agantur  ac  per  maiores  bombardas 
munitionibus  forensibus  deturbatis  hostibusque  depulsis  expu- 
gnatio  tentetur.  Sed  cum  utrumque  multo  sanguine  et  vulne- 
ribus  Visum  esset  constaturum,  quibusdam  placuit,  ut  yineis 
actis  ex  omnibus  quidem  plateis  quanto  fieri  possit  apparatu 
bellico  simulata  impressione,  sed  frequentibus  iaculis  impetantur 
^tque  assiduo  labore  ita  defatigentur,  ut  nuUum  ipsis  respirandi 

')  Es  ist  die  Aabrncke  am  Bispinghof.  Vgl.  dazn  A.  Tibas:  Die 
JStadt  Münster  (Münster  1882)  S.  193  ff. 


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Anno  1534  acta.  493 

tempns  relinqnatnr.  Dum  antem  sie  pngnae  sint  intenti,  recens 
exercitns  permptis  nobllium  canonicomm  et  civinm  arcnatis 
aedibns  transrerso  impeta  praeter  spem  et  expectationem  in 
formn  irroat;  eam  fore  yictoriam  minns  sangninolentam.  Hoc 
consilinm  pleriqne  visi  snnt  approbare,  Yemm  cum  ad  eam  rem 
conficiendam  maiore  exercita  opus  esse  putarent,  loannem  Wech- 
leram  et  Hjeronimnm  Busschium  et  alios  quosdam  cives  snb 
noctem  in  pagos  circnmfosos  paganos  in  praesidinm  excitatnm 
ablegant,  qni  Theodorici  a  Mervelt,  satrapae  Woltbecensinm, 
anctoritate  freti  ministrisque  illius  stipati  pagatim  crepitantia 
in  cnrribns  aera  concutinnt  agricolasqne  in  anxilimn  vocant^ 
Cnm  antem  nox  instaret,  yigiliae  noctomae  ntrinqne  disponuntnr, 
*ntrinqae  sjmbola  vocalia  dantnr,  nostris  „Christas,^  retinctis«p.  432, 
»Pater.  ^  Neque  nostris  symbola  mnta  desnnt.  Straminea  enim 
serta  in  armis  gestant,  quae  etiam  tanquam  innocentiae  signa 
ex  omnibns  irretinctorom  aedibns  snspendi  inbentor,  ne  in  fa- 
tora  irmptione  per  errorem  forte  in  aedes  innocentis  ciyis  im- 
petns  fiat^  Inde  retincti  calnnmiandi  occasione  snmpta  nos 
vero  Deo  neglecto  spem  et  fidnciam  nostram  in  stramineos  deos 
collocare,  hos  invocare,  ab  Ms  anxiünm  expectare  passim  per 
plateas  plenis  bnccis  rociferantnr. 

ütrinqne  sie  in  armis  Alpha  interlnente,  hi  in  orientali, 
illi  yero  in  occidna  parte  nrbis  in  diem  seqnentem  fremebnndi 
consistnnt.  Interea  Transflnviani  per  noctem  sibi  mntno  animos 


')  Aus  Joh.  Fabricins  Bolandus:  MotosMonast,  wo  es  BL  66^ 
heiTst:  ,yMitteri8  in  pagos,  Hieronyme  Bnsce,  propinqnos, 

Et  tibi  Vuechleras  fidus  ab  urbe  comes. 
Illico  per  varios  in  equis  cnxrentibus  agros 

Ciyibus  hei  cassam  sollicitatis  opem. 
Namqne  quater  centum  noctu  ratione  colonos 
Cogitis  ingenti  rauca  per  aera  citi.^ 
*)  Ebenso  berichtet  Eerss.  schon  in  seinem  Jngendgedicht.    Kloprifs 
bekennt  (J.  Kiesert:  U.-S.  I.  S.  129):  „Do  sie  zn  Achterwater  waren,  do 
hetten  die  alten  Christen  in  Munster  sich  mit  stroe  gezeichnet^    „Als  de 
Christen,"  sagt  Bothmann   („Restitution^  a.  a.  0.  S.  109),   „sick  tho  der 
slacht  gerostet  hedden,  hebben  se  yan  strö  eine  Idze  gemacket,  syck  und 
Öhre  hüser  darmede  Yortekent,   der  meininge,  wat  also  nicht  getekent  en 
were,  wolden  se  dan  ummebrengen  nnde  plünderen/  Vgl.  auch  H.  6res- 
beck  8.  17. 


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494  Anno  1534  acta. 

:angent  et  ad  acriter  pngnand«m*  se  invicem  inflammant.  Has- 
sicns  ille  quoqne  ecclesiastes  Fabricius  ipsos  circnit  ac  forti- 
tndinis  constantiaeqne  exemplis  propositum  confirmat;  sed  pre- 
catur,  ut,  qnantum  fieri  queat,  a  cognato  et  civili  sangnine  sibi 
temperent  et  post  ademptam  yictoriam  papistas,  omnis  seditio- 
nis  et  nrbani  motus  anctores,  nunqnam  in  pristinom  dignitatis 
sive  auctoritatis  locnm  restitni  patiantnr. 

At  ex  adyerso  Bemhardns  Bothmannos,  Joannes  Bokelson 
Lejdanns  atqne  loannes  Matthisson  \  prophetae  forenses,  retinctos 
animant  yictoriam  in  suis  manibns  esse  persoadentes ;  Patrem 
enim  coelestem  suos  foederis  signo  notatos  contra  omnem  im- 
piomm  insnltmn  defensurom.  Plnrünae  quoqne  anabaptistarum 
feminae  Patrem  precaturae  domum  pistomm  in  foro  piscario  in- 
grediuntur  atqne  ibi  totam  noctem  nunc  tacite  Yerbisque  non 
intellectis  intra  se  murmurant,  nunc  elatis  Yocibus  Patrem  in- 
Yocant;  nullaque  fit  Filii  *  mentio.  Nunc  pro  christianis  suis 
fratribus  forum  occupantibus  precantur,  ut  vires  animosque  ad- 
yersus  bestes  et  yerbi  sui  oppressores  suggerat,  nunc  pro  impiis, 
id  est  nobis,  ut  aliam  mentem  clementer  largiatur.  Quaedam 
etiam  Oestro  percitae  ab  aUis  discurrentes  saxis  platea*rum  in- 
^p.  433.  sultant,  manus  iactant  creberrimeque  plodunt,  capita  concutiunt, 
coelum  intuentur  et  Patrem  cum  omni  coelesti  militia  et  innu- 
merabili  angelorum  multitudine  in  nubibus  coeli  consistere  iam- 
iamque  descensum  in  terram  moliri  horrendis  yocibus  clamitant 
Inde  ad  coetum  suum  reyersae  psalmos  a  Luthero  in  yemaculam 
linguam   transfusos  cantillant.    Neque  huic  sexui   aberant  yiri 

*)  Ms»:  pugnandam. 


')  Wie  schon  oben  S.  478,  erwähnt  Kens,  anch  hier  das  Eingreifen 
-des  Jan  Matthjs  an  ganz  nnrichtiger  SteUe.  Das  Gestftndnis  Enipper- 
4olling's  vom  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  410)  Iftfst  keinen  Zweifel  dar- 
über, dafs  Jan  Matthys  erst  nach  dem  Anfruhr  Yom  9.  bis  1 1.  Februar  in 
Münster  ankam.  Die  Nachricht  yon  demselben  erhielt  er  auf  der  Reise 
nach  Münster  zu  Deventer,  wo  er  hörte,  „irer  brueder  wer  ein  grofs  deil 
«rslagen.*  „Derhalb,''  heilst  es  weiter,  ,,hait  Johan  Mathis  den  knecht  vur- 
hin  zu  Munster  gesant  und  ist  zu  Deventer  hieven.  Darnach  haven  sie 
den  diener  wider  ghen  Deventer  gesant  und  Johan  Mathis  lassen  holen 
^ampt  siner  huisfrawen.' 


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Anno  1534  acta.  495 

eadem  insania  correpti  et  a  mxdieribQs  forte  dementatL  Annati 
vero  in  foro  psalmos  sine  intermissione  cannnt.  His  studiis 
totam  noctem  ntrinqne  transigunt.  Ezorta  vero  Ince  matatina 
Enipperdollingos  effrenatis  fariis  itemm  agitatns  cum  per  omnes  lo.  Febr. 
Ticos  urbis  instar  amentis  ac  furiosi  vitae  saperioris  poeniten- 
tiam  clamans  percurrisset  ^,  tandem  circa  horam  septimam  eadem 
poenitentiae  voce  etiam  Transflavianos  aasos  est  incessere  \  „  Agite 
poenitentiam,"  clamat,  „vos  impii,  agite  poenitentiam,  resipiscite, 
resipiscite!  Ira  enim  Dei  capitibns  vestris  impendet.  0  Pater, 
0  Pater!  Eradicatio,  eradicatio!"  Puisset  a  Casparo  ludefeldo, 
fratre  yeterino,  transfossus,  nisi  qnidam  intervenientes  ipsnm 
eripnissent  et  captnm  in  tnrrim  coniecissent,  nbi  miro  boatu 
cum  reliqnis  ecclesiastis  et  retinctis  viginti  qninqne  ibi  con- 
clnsis  se  ad  ravim  usqne  ezercuit  ^.  Deinde  circa  horam  octavam 
innnmerabilis  pene  paganormn  mnltitudo  suo  more  armata  adest 


*)  Vgl.  dazu  das  „Tagebuch"  a.  a.  0.  S.  102,  nach  dem  Knipper- 
dolling  „vell  unstuers  royt  ropen  gedreyen:  „0  vader,  o  vader,  o  vader! 
Bettert  juw,  bettert  juw!  Doet  böte,  doet  böte!**  Und  darneist  geropen: 
„Bidde,  bidde,  bidde!"  Hefift  dat  gerne jne  volck  myt  erer  wer  tor  erden 
gefallen  mjt  entdeckeden  hoYeden  und  gebedet  und  dan  wedder  upgestaen. 
Hefft  deselve  Berndt  EnjpperdoUjnck  sunder  underlaet  allet  wu  vorge- 
schrcTen  wedder  angeropen  . . ." 

*)  Botbmann  giebt  dafür  den  Grund  an.  Er  sagt  („Restitution"  a.a.O. 
8. 108) :  „Item  Godt  gaff  sinen  dener  dem  propheten  getüchnisse,  wert  sake, 
dat  de  Christen  den  godlotze  dat  hövet  böden,  solden  se  de  flucht  annemen; 
dar  na  worth  der  Christen  ein  gedreven,  dem  se  am  mesten  doch  yiandt 
waren,  mit  namen  Bernd  EnypperdöUing,  de  muste  sunder  weher  tho  den 
godtlozen  intreden,  en  bothe  und  penitentie  verkündigen,  offte  Godt  wolde  se 
straffen.   So  ifs  et  gescheen,  und  den  hebben  se  ock  gevencklick  angeholden." 

')  Die  Gefangennahme  Knipperdolling's  ist  sonst  noch  erwähnt  im 
„Tagebuch"  a.  a.  0.  S.  104,  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  (M.  G.-Q. 
n,  330)  und  bei  H.  Gresbeck  S.  15.  Dieser  l&fst  mit  Enipp.  zugleich 
„noch  vif  of  secs  ander  burgers,  die  wiederdoeper  weren,"  gefangen  ge- 
nommen werden.  Ygl.  auch  oben  S.  489.  Man  habe  sie  «gesät  in  unser 
lieven  Frawen  kerchtomen.  EnipperdoUingk  lagh  in  dem  tom  und  riep 
glich  wie  die  ossen  plegen  tho  ropen.  Und  riepen:  „0  Yader,  o  Yader,  gie^ 
gief,  straef  die  gotlosen!"  Zu  dem  lesten,  so  haben  sie  mehr  reutter  up 
der  Straten  reiden  gehoirt  Do  schwiegen  sie  stil  in  dem  tom  und  riepen 
nicht  mehr  und  meinden,  mein  g.  h.  von  Monster  wer  selber  in  die  stat 
gekhomen." 


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496  Anno  1534  acta. 

nostrumqne  exercitnm  non  pamm  anget.  Addidit  et  nostris  ani- 
mos  satrapae  Woltbecani  nobilimnqae  canonicormn  cum  eqniti- 
bns  et  mricolis  noctumns  adventos  \  et  maxime  cnin  principem 
ipsnm  cum  instructo  equitatu  adfuturum  intelligerent.  Nobiles 
ibi  canonici  *  atque  satrapa  continuo  praesidium  et  operam  suam 
adversus  rebelles  consulibus  offerunt.  Ad  quae  Hermannus  Tyl- 
bechius  gratiis  actis  respondet:  Se  in  civitate  sua  peregrino 
auxilio  ad  pacem  conciüandam  non  egere;  eam  rem  per  se  sine 
sanguine  et  acerbiore  motu  conficere  posse.  Uli  tamen  catastro- 
phen  fabulae  expectare  maluerunt. 

Setincti  vero  desperantes  praesidium  rebus  suis  diffidere 
incipiunt.  Itaque  Eippenbrochium  atque  Suedarthonem^  l^a- 
tionis  obeundae  causa  ad  nostros  mittunt,  qui  publica  fide  a 
♦p.  4M.  nostris  ad  *colloquium  admissi  primum  suos  vehementer  pur- 
ganty  quod  arma  non  in  suos  concives,  sed  exercitii  gratia  sump- 
serint,  ut,  si  quando  opus  foret,  ea  in  bestes  externes  expeditius 
converterent.    Se  quoque  in  proximos  pagos  frumenti  causa  expe- 


*)  Nach  dem  „Tagebuch"  a.  a.  0.  S.  103  traf  der  Drost  Dietrich 
y.  Merreldt  um  Mitternacht  vor  Münster  ein.  Es  berichtet  weiter,  dafs 
der  Bürgermeister  Judefeld  zun&chst  gegen  den  EinlaTs  der  Ankömmlinge 
protestierte.  Er  verlangte  Zusage,  dafs  der  Bischof  die  Stadt  bei  ihren 
alten  Privilegien  belasse,  den  Friedensvertrag  vom  Februar  1533  aufrecht 
erhalte  und  sich  nur  gegen  die  Wiedertäufer  wende.  Erst  als  das  zuge- 
standen war,  liefs  man  den  Drosten  in  die  Stadt.  —  H.  Gresbeck  S.  15 
giebt  die  Zahl  der  Einziehenden  auf  „twe  oft  drj  dusent  huren  und  ein 
deil  reutters  tho  perde"  an.  Nach  ihm,  sowie  nach  Bothmann:  Bestitution 
a.  a.  0.  S.  104  wurde  das  Liebfrauen-  und  das  Jüdefelder  Thor  offen  ge- 
halten. Vgl.  auch  den  Brief  Evert^s  v.  d.  Becke  an  den  Herzog  von  Cleve 
(M.  G.-Q.  n,  219). 

*)  Das  „Tagebuch''  a.a.O.  macht  von  ihnen  den  Domscholaster  Botger 
Schmising  und  den  Domkellner  Melchior  v.  Bueren  namhaft  Letzterer  ist 
auch  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  330)  erwilhnt. 

')  Die  Namen  der  Unterhändler  sind  nur  von  Kerss.  überliefert. 
Nach  dem  „Tagebuch*'  a.  a.  0.  fanden  zweimal  Friedensunterhandlungen 
Statt,  zuerst  am  Abend  des  9.  Febr.,  wobei  die  Wiedertäufer  ihren  Gegnern 
vorstellten^  wenn  sie  wirklich  auf  die  Hülfe  des  Bischofs  und  der  Amtleute 
rechneten,  „dat  se  dat  wall  bedechten;  dat  wolde  en  und  eren  kinderen 
so  wall  overkommen,  alse  den,  de  upn  marckede  weren.**  Da  diese  Ver- 
handlungen zunächst  scheiterten,  wurden  am  folgenden  Tage  neue  ange- 
knüpft, die  am  IL  Februar  zum  Ziele  führten. 


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Anno  1534  acta.  497 

ditionem  interdtun  factnros  fnisse,  cum  obsidionem  sibi  ab  epi- 
scopo  metuant;  eam  vero  a  Transflnvianis  armatis  in  detrimentum 
nrbis  impeditam  esse.  Ipsos  secessionem  et  partes  fecisse,  ipsos 
pacem  et  Mem  snspectam  habnisse;  se  quidem  priores  arma 
indnisse,  sed  meminerint,  nti  priores  se  hostes  declaraverint. 
Sed  utnt  sit,  cum  intelligant  ipsos  episcopum  contra  snos  con- 
eives  praeter  meritnm  et  officinm  vocasse  atqne  in  nrbem  cnm 
equitatu  suo  bostili  intromissuros,  se  illis  altins  banc  rem  ex- 
pendendam  obtrudere;  et  quid  inde  secuturum  sit,  penitius  intra 
se  cogitent,  si  hostis  intra  muros  recipiatur,  quae  sit  futura  rei- 
publicae  facies,  si  duro  servitutis  iugo  ac  tyrannide  civium  com- 
moda  opprimantur,  quae  libertas,  quod  ins,  quod  Privilegium 
superesse  possit.  Hoc  quoque  secum  aestiment  atque  incorrupto 
animi  iudicio  ponderent  libertate  semel  amissa  nuUam  unquam 
spem  eins  recuperandae  reliquam  fore.  Se  quidem  iugulis  suis, 
quos  secum  ferant,  omnia  pendere  posse,  sed  ipsi  hoc  agant,  in 
hoc  laborent,  ne  maiorum  suorum  vestigiis  sint  indigni  neve  ab 
illorum  virtute  et  pietate  degenerent  neque  proditione  hac,  dum 
sibi  incommodare  conentur,  suos  liberos,  suos  nepotes  totamque 
posteritatem  futurae  reipublicae  in  perpetuam  servitutem  prae- 
cipitent.  Si  opes  divitiasque  caducas  liberis  suis  relicturi  sint, 
saltem  hereditatem  et  possessionem  inaestimabilem  neque  auro 
neque  gemmis  conferendam,  libertatem  nempe,  sine  invidia,  cum 
possint,  reünquant.  Secum  animo  volvant  müvinam  pacem 
muri  ranaeque  non  solum  fuisse  exitialem,  verum  etiam  impe- 
rium  paludis  transtulisse  ^.  Cognoscant  pacem  synceram  et  uti- 
lem  non  esse,  quae  sanguinis  et  servitutis  mercede  comparatur. 
Proinde  concordiam,  quae  minoris  constet,  se  suosque,  quorum 
legatione  fungantur,  ex  animo  suadere. 

Haec  ubi  dtrissent  et  a  nostris  digressi  fuisssent,  nostri 
super  hac  re  Consultant  aliis  hoc,  aliis  vero  illud  consulentibus. 
*Hermannus  Tylbechius*  consul:  Sibi  non  videri,  inquit,  iniqua,  »p.  435. 


^)  Vgl.  die  Fabel  „Do  muribus  et  ranis"  in  „ Aesopi  TPhrygis  et  vita 
ex  Mazimo  Planude  desurnpta  et  fabellae  iucundissimae."  Salingiaci.  loan- 
nes  Soter  excudebat.   1538. 

«)  Das  entscheidende  Eingreifen  Tilbeck's  erwähnt  kurz  H.  Gres- 
beck  S.  16,  ausführlicher  und  im  Sinne,  in  dem  es  auch  Kerss.  schildert, 

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498  Anno  1534  acta. 

qnae  a  forensibns  legatis  sint  proposita.  Nam  principe  in  nrbern 
adndsso  ipsnm  omnia  sno  arbitrio  non  sine  gravi  civitatis  in- 
conunodo  et  libertatis  interitn  (qno  iam  din  aflfectaverit)  actu- 
mm.  Quid  futurum  existiment,  si  eum  intra  moenia  recipiant, 
qui  cives  indignis  modis  afflixerit,  eorum  bona  aresto  interce- 
perit,  ipsos  captivitatibus  terruerit,  iudiciis  peregrinis  contra 
privilegia  urbis  involverit,  commeatum  intercluserit  atque  ex- 
trema  adversus  rempublicam  nostram,  ut  a  verbo  Dei  secessio- 
nem  faceret,  susceperit?  Neque  se  hoc  consulere  et  approbare, 
ut  civilem  sanguinem  mutuo  fundant  et  alter  in  alterum  hosti- 
liter  irruat,  pater  filium  et  fllius  patrem,  fratres  reliquique  et 
consanguinitate  et  afßnitate  iuncti  vulneribus  mutuis  se  confi- 
ciant.  Sibi  proinde  utilius  videri  et  cum  pietate  christiana  con- 
gruere,  ut  sine  extemo  et  potentiori  quidem  sequestro  dissidium 
hoc  componatur  et  concordia,  quacunque  ratione  fleri  queat,  con- 
cilietur.  Quae  sententia  quidem  consulis  multis  displicuitj  cum 
per  eam  ad  alios  motus  futuros  relinquatur  materia  et  mutua 
suspicione  perpetuoque  motu  urbs  implicita  teneatur.  Tamen 
cum  ex  animo  visus  est  ista  dicere  et  Caspar  ludefeldus,  alter 
consulum,  ea  quasi  bene  et  salubriter  dicta  approbaret,  nemo 
tantae  auctoritatis  consulibus  ausus  fuit  contradicere.  Eesponsum 
est  igitur  legatis :  Transfluvianos  a  christiana  concordia,  si  bonis 
conditionibus  iniri  queat,  non  abhorrere.  Deliguntur  itaque 
utrinque  sequestri,  quibus  tota  res  decidenda  committitur.  Datis 
igitur  et  acceptis  utrinque  obsidibus*  captivisque  utrinque  re- 
laxatis  onmis  controversia  ita  tollitur,  ut  negotium  fidei  utrinque 


der  Brief  Evert's  v.  d.  Recke  an  den  Herzog  von  Cleve  (M.  G.-Q.  II,  219). 
Tilbeck's  Verhalten  ist  immer  schwankend  gewesen.  Vgl.  oben  S.  490  f. 
An  einer  späteren  Stelle  (S.  31)  sagt  H.  Gresbeck,  Tilbeck  hätte  »dem 
bischop  von  Monster  geholpen,  dat  de  raetters  und  bueren  weren  in  die 
stat  gekhomen,  and  viel  do  up  dat  leste  dem  bischop  af  und  hielde  do 
mit  den  wiederdoepers." 

^)  Die  Namen  der  Geiseln  überliefert  uns  nur  das  „Tagebuch^  a.a.O. 
8.  104 f.;  Die  Partei  der  Wiedertäufer  will  „vam  kerckhore  vor  giselers 
kejsen  de  erberen  und  ersamen  heren  Wilbrant  Ploniefs,  borgermester, 
Hermenn  Herden,  kemner,  Johan  Eerckerinck  upn  Bispinckhave  und  Evert 
Ocken.  Dar  to  hebn  de  upn  kerckhove  weren  gekoren  vor  giselere  ClaelB 
Stripe,  Glaefs  Snyder,  Bemdt  Pickert  und  Evert  Gestemer.*' 


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Anno  1534  acta.  499 

relinquatiir  liberum  et  arbitrarimn;  credat  quisquam,  quid  et 
quantom  velit,  modo  manns  contineat;  neminem  enim  in  sna 
fide  et  possessione  tnrbandnm,  in  reliqois  magistratui  paren- 
dnm  esse*. 

His  ita  actis  nobiles  canonici  et  Woltbecanns  satrapa  cnm 
lachrimis  et  gemitibns  nrbe  excednnt  ^  testantnrqne  palam  hanc 
concordiam  pemiciosae  discordiae,  hanc  pacem  horrendi  belli  et 
*eversionis  totius  patriae  seminarium  fore.  Pagani  vero  faturae  »p.  436, 
calamitatis  non  praescü,  cum  se  cervisia  a  senatu  data  refecis- 
sent,  mores  suas  dorn!  in  maerore  relictas  quasi  post  longam 
militiam  cnm  gaadio  revisnnt.  Inde  ntrinqne  omnes  repetentes 
penates  saos  digredinntnr  bombardasqne  in  exitinm  miitnnm 
paratas  et  instmctas  in  vacnas  anras  exonerant,  nnde  tota  nrbs 
terribili  quasi  tonitru  concnssa  contremiscit.  Princeps  quoque 
ipse,  qni  iam  non  procnl  ab  nrbe  cum  eqnitatn  suo  aberat,  de 
concordia  inita  certior  factns  lachrimas  effadit  et  indignabnndus 
equo  reflexo  recessit*. 

Betinctis  e  foro  digressis  magna  feminarum  mnltitudo  mn- 
nitiones  a  viris  snis  destitntas  ingressa  admirabili  rabie  et  in- 
nsitata  mania  exagitatur*.  Non  potestmaior  Baccharum,  Thya- 


^)  Der  Vertrag,  der  in  den  meisten  Quellen  kurz  und  ohne  Datums- 
angabe erwähnt  wird,  kam  nach  dem  „Tagebuch''  a.a.O.  am  11.  Februar 
zu  Stande.  Im  Wortlaute  schliefst  er  sich  genau  an  das  üebereinkommen 
Tom  30.  Januar  an  (s.  oben  S.  479). 

*)  Der  Abzug  des  Drosten  mit  seinem  Heere  und  den  Bauern  fand 
nach  dem  „Tagebuch'  und  nach  dem  Briefe  Evert's  v.  d.  Recke  a.  a.  0. 
bereits  vor  Abschlufs  des  Vertrages  Statt.  Es  ist  auch  wahrscheinlich,  dafs 
dieser  Abzug  als  Vorbedingung  für  weitere  Friedensunterhandlungen  ge- 
fordert wurde.  Vgl.  auch  C.  Heresbach:  Historia  (Ausgabe  von  E.  W. 
Bouterwek  [Elberfeld  1866]  S.  14.)  Er  fugt  hinzu:  „Non  deerant,  qui 
affiimarent  episcopalis  cohortis  praefectum  evangelico  zelo  permotum  ultro 
retrocessisse,''  ein  Gerücht,  für  das  in  den  sonstigen  Quellen  kein  Anhalt 
zu  finden  ist.  —  •)  Vgl.  dazu  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  16  f.  und 
C.  Heresbach's  a.a.O. 

*)  Im  Folgenden  wiederholt  Eerss.  zum  Teil  die  schon  oben  S.  494 
gegebene  Schilderung  von  dem  Gebahren  der  Frauen.  Vergl.  dazu  auch 
Joh.  Fabricins  Bolandus:  Motus  Monast  Bl.  G8^  Bei  Bothmann: 
Bestitntion  a.  a.  0.  S.  109  heifst  es  über  das  Verhalten  der  wiedert&ufe- 
xischen  Masse  gleich  nach  dem  getroffenen  Üebereinkommen  vom  11.  Febr.: 

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500  Anno  1534  acta. 

dam,  Maenadnm,  Mimallonidnni,  Aedonidnm  Tryateridnmqne  in 
ipsis  Bacchi  sacrificiis  insania  ab  ethnicis  effingi,  quam  hamm 
feminamm.  Nihil  est  aspectu  terribilius,  nihil  sordidins,  nihil 
stnltius  nihüqne  ridicnlum  magis.  Ita  sunt  dementatae,  ita  lym- 
phatae,  ita  phrenesi  concitatae,  ut  ipsas  poeticas  fnrias  prope- 
modum  exuperent.  Quaedam  enim  passis  capillis,  quaedam  so- 
lutis  et  laxis  vestibus,  quaedam  fluentibus  peplis  per  forum  satis 
inverecunde  cursitant,  quaedam  saltibus  insanis  quasi  volaturae 
et  iuvante  furore  sese  eflferunt;  quaedam  supina  facie  in  terram 
corruunt  brachiisque  explicatis  crucis  formam  exprimunt ;  quae- 
dam resupino  vultu  coelum  intuentur  manibusque  extensis  Pa- 
trem  invocant;  quaedam  stantes  palmas  complicatas  crebris  plau- 
sibus  ad  sydera  toUunt;  quaedam  iacentes  in  moUi  luto  sese 
voiutant,  quaedam  in  genua  provolutae  vociferantur,  quaedam 
scintillantibus  oculis  fremunt,  quaedam  plenis  labris  spumant, 
quaedam  concussis  capitibus  dentibus  frementibus  minas,  quae- 
dam pectora  plangentes  luctum  prae  se  ferunt;  quaedam  lachri- 
mantur,  quaedam  rident.  At  nos  illarum  insaniam  et  furorem 
non  tam  risimus,  quam  luximus.  üt  autem  diversis  corporum 
motibus,  ita  quoque  diversis  clamoribus  sese  fatigant.  Onmes 
quidem  Patrem,  sed  nuUa  Filium  invocat;  hae  exitium  nobis 
*p.  437.  precantur  a  Patre,  iUae  vero  salutem,  *hae  nobis  cladem,  illae 
autem  elementiam  et  misericordiam,  hae  caecitatem,  illae  illu- 
strationem  nobis  Optant,  ut  foederis  signo  notemur  et  sub  eodem 
duce  militemus.  Hae  Patrem  cum  multis  angelorum  millibus 
se  videre  et  virgam  apprehensam  in  impiorum  perniciem  quas- 
sare,  illae  Patrem  eoelitus  descendere  causamque  suam  iudica- 
turum  clamant.  Hae  Patrem  invocant,  ut  se  sanctamque  suam 
civitatera,  novam  scilicet  Hyerosolymara,  clementer  tueatur;  illae 
sanguinem  pluere  falso  somniant  et  pepla  sanguineis  guttis  nobis 
conspersa*  ostentant   diras   increpationes   adiungentes.     „Vos,*' 


„Do  Christon  sprunfron  von  fröudcn,  wo  se  alltiid  godacn  hadden;  er  an- 
gcsichto  worden  vorstalt  in  golt  varve,  eck  de  stone  up  den  marckte.  Eth 
prophotcrde  allcnt,  wat  dar  was,  ock  de  kinder  van  scven  jaren.  Wy  achten, 
dat  grottor  froude  up  erden  kortes  nicht  gescliein  en  sy.  De  godtlosen 
spreken,  se  rasen,  se  sint  vull  wins." 

^)  Ueber   den  Blutregen  vergl.  auch   die  Bekenntnisse  Jakob's  von 
Osnabrück   bei  J.  Niesert:  ü.-S.  I.  S.  165   und   Joh.  Fabricius  Bo- 


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Anno  1534  acta.  501 

inqmnnt,  „ünpii,  cnr  in  impietate  vestra  dintius  sordescitis? 
Nnnc  tempns  est  poenitentiae !  Securis  arborum  radicibns  ad- 
mota  est.  Sesipisclte,  resipiscite!  Nondum  Patrem  yobis  in- 
fensnm  excidimnqne  et  intemecionem  extremam  minari  agno- 
scitis?"  Se  qnoqne  videre  affinnant  ingentem  caerulei  et  sub- 
nigri  coloris  ignem*  coelitns  delabi  totamque  nrbem  operire 
tamqne  spissum  esse,  nt  yisnm  non  transmittat;  per  ipsnm  tarnen 
solem  tanta  claritate  snos  radios  transmittere,  nt  omniom  ho- 
minnm  ora  in  foro  stantinm  deanrata  esse  existimarentnr,  et 
snpra  ignem  virnm  albo  eqno  insidentem  gladinmqne  in  inter- 
itnm  impiomm,  impoenitentinm  et  verbnm  Dei  aspernantinm 
quatientem  *.  Sed  hornm  omninm  nemo  nostmm  qnicqnam  vidit. 
Adeo  diabolns  eomm  ocnlos  praestrinxit  et  fascinavit,  nt  se  vi- 
dere arbitrarentnr,  qnae  non  videmnt,  andire,  qnae  non  audie- 
mnt,  et  intelligere,  qnae  non  intellexemnt.  Domns  est  inxta 
fomm,  qnae  deanratnm  gallnm  ventomm  indicem  in  snmmo 
cnlmine  ferebat.  Hie  modico  flatn  interdnm  conversns  solis  ra- 
dios exceptos   tanto  fnlgore  in  ocnlos  spectantinm  reverberavlt 


landus:  Motns  Monast  Bl.  68n.  Hl.  —  P.  Flateanus  erz&hlt  Bl.  G5: 
„Testes  quoque  consucrant  lineas  sanguineisque  gladiis  pinxerant;  iis  in 
concionem  tanquam  coelo  demissis  prodituri  fuerant  pseudoproplietae  ad 
terrorem  mentiendamque  plebi.  Id  quoque  re  prolata  a  fcmina,  quae  cum 
ceteris  vestes  confecerat,  discussnm  est.^ 

^)  Dieses  und  das  Folgende  fast  wörtlich  aus  dem  Bekenntnisse 
JakoVs  von  Osnabrück  (a.a.O.  S.  155 f.),  wo  hinzugefugt  ist:  „und  solichs 
ist  zwei  mall  gescheen.**  Von  feurigen  Wolken  „um  und  över  de  stad,  dat 
de  Christen  up  den  marckte  gemeindet  hedden,  de  domhüscr  unde  umher 
de  hüser  in  der  stadt  hedden  gebrandt''  spricht  auch  Bothmann:  Resti- 
tution a.a.O.  S.  109.  Yergl.  dazu  Joh.  Fabricius  Bolandus  a.a.O. 
Bl.  H7^.  Von  der  Auslegung  des  Feuers  als  eines  solchen,  in  dem  die 
Gegner  der  Wiedertäufer  umkommen  sollten,  berichtet  J.  Eloprifs  (Ge- 
ständnis bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  129)  und  H.  Gresbeck  S.  16 f. 

*)  Bothmann  führt  in  der  „Bestitution^  a.  a.  0.  S.  108  noch  andere 
Gesichte  an:  „Eth  worth  gesehen  ein  man  mit  einer  gülden  krönen,  de 
hadde  ein  swerdt  in  der  rechten  handt  und  ein  roide  in  der  anderen.  Noch 
worth  gesehen  ejns  maus  beide  in  der  lucht,  dat  hadde  beide  bände  vul 
blödes,  dat  eth  daruth  dröp.  Ttem  noch  worth  ein  wyt  perdt  in  der  lucht 
gesehen,  dar  sick  thom  latesten  ein  ruyter  up  sadt^  Von  allen  den  Wun- 
derzeichen hat  das  „Tagebuch''  Nichts.  Eerss.  hat  einzelne  derselben  bereits 
in  das  9.  Kapitel  seiner  Einleitung  aufgenommen.    Ygl.  Bd.  1  S.  123  f. 


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502  Anno  1534  acta. 

aciemque  ocnlomm  ita  hebetavit  et  praestrimdt,  ut  pepla  Can- 
dida sanguineis  macnlis  conspersa  putarentor.  Hnnc  etiam  de- 
anrati  galli  splendorem  eximinm  subita  repercussione  radiomm 
Solarium  factum  intuentes  coeli  portas  aperiri  existimant  Proinde 
ad  repentinam  hanc  radiorum  coruscationem  continuo  simul 
omnes  pari  impetu  insultant^  horrendisque  clamoribus  coelum 
implent  pariterque  complicatis  manibus  et  in  altum  extensis  sine 

♦p.  438.  intermissione  vociferan*tur:  „0  Pater,  o  Pater,  o  Eex  inclyte 
Syonis,  parce  tuo  populo!"  Atque  hie  femineus  clamor  et  in- 
condita  vociferatio  ita  paulatim  augetur,  ita  intenditur,  ita  mul- 
tiplicatur,  ut  mille  porcorum  simul  gnmnientium  voces  te  audire 
putes.  Tandem  quidam  civium  fasciuum  et  illusionem  istam 
sentiens  gallum  deauratum  tormento  deturbavit  et  deiecit;  inde 
omnis  motus  subito  quievit  et  feminae  pudore  confusae  sese 
subducunt. 

Inde  Tylbechius  consul  cum  tota  famiUa  a  Eothmanno 
retingitur  K 

Canina  hac  pace  interpositis  vadibus  facta  et  femineo  hoc 
terribili  motu  plerique  boni  et  opulentiores  cives  territi  ac  con- 
stemati  urbe  excedunt.   Goncordiam  enim  initam  non  fore  diu- 

12.  Febr.  turnam   animadvertunt.     Supellectilia   quoque    12.   Pebruarii  * 


^)  Eine  ähnliche  Erzählung  von  der  Anbetung  eines  in  der  Sonne 
leuchtenden  Wetterhahnes,  weil  man  meinte,  „der  Vader  sette  up  dem  huis," 
findet  sich  bei  H.  Gresbeck  S.  2öf.  Auch  er  verlegt  das  Ereignis  in  die 
Zeit  „ehr  dat  belech  von  Monster  is  gekhomen/  VgL  auch  D.  Lilie  S.  222. 

')  „Yort  da  na''  (nämlich  nach  dem  friedlichen  Abkommen)  „de  erste 
nacht  leiten  sich  voelle  mannen  und  frouwen  und  zunderlinx  de  borgemester 
Tielbecke  mit  aUe  sinen  huisgesinde  doepen^  schreibt  auch  Evert  v.  d.  Recke 
an  den  Herzog  von  Qeve  (M.  G.-Q.  11,  220).  Tilbeck  selbst  steUt  freilich 
in  einem  gleich  weiter  unten  von  Eerss.  angeführten  Brief  an  den  Bischof 
in  Abrede,  dafs  er  getauft  worden  sei. 

")  Das  „Tagebuch'  S.  105  läfst  die  Massenflncht  der  Gegner  der 
Wiedertäufer  ausdrücklich  bereits  am  11.  Febr.  beginnen,  bevor  noch  die 
friedliche  üebereinkunft  getroffen  war.  Es  hätte  sich,  führt  es  an,  das 
Gerücht  verbreitet,  „wu  dat  de  rait  myt  olderluden  und  mesterluden  ge- 
sloeten  und  ock  derwegen  to  raide  weren,  we  slck  nicht  wolde  laten  doepen, 
de  solde  tor  stunt  den  aventh  de  Stadt  rumen,  oft  men  solde  en  doitslaen. 
Des  fruchten  halven  ys  densolven  dach  velle  volcks  uth  der  stadt  gewe- 
cken . . .'   j,ünd  als  nu  de  raidt  angemercket,'  fährt  das  „Tagebuch'  fort, 


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Anno  1534  acta.  503 

plenis  plaustris  praeter  annonam  et  arma  evehunt.  Nam  cnm 
obsidionem  sibi  metnerent,  arctissima  ea  custodia  intra  moenia 
coercent  adeo,  nt  ne  similaginenm  qnidem  panem  efferri  pati- 
antur*.  Cum  enim  Hercules  Hervordianus,  mens  contuberaalis 
et  in  re  literaria  commilito,  frequentibus  Ms  civium  motibus 
detemtus  abituriret,  maxime  cum  in  superiori  motu  quidam 
literarum  Studiosus  per  tempora  capitis  telo  transactus  occu- 
buerit  nee  ad  parentes  redierit^,  sibi  proinde  metuens  ad  suos 
redire  festinat.  Et  cum  sarcinulae  librorum  suorum  duos  exigui 
ponderis  panes  triticeos  addidisset,  quibus  famem,  si  forte  in 
itinere  opus  esset,  sedaret,  progredimur  ad  portam  Horsthanam. 
Ibi  continuo  custodes  armati  nos  apprehendunt  et  scrutantur,  re- 
pertis  autem  panibus  ab  egressu  nos  arcent,  donec  eos  in  urbem 
retulerimus.  At  nos  in  conspectu  frementium  custodum  ventri- 
bus  nostris  eos  committere  maluimus.  Ubi  vero  panes  absump- 
sissemus,  rogamus,  liceatne  nunc  egredi.  „Itote,"  inquiunt,  „vos 
verberones  in  malam  crucem  nunquam  redituri!"  Ego  cum 
commilitonem  in  viam  deduxissem,  per  portam  Mauritianam  in 
urbem  revertor;  per  eandem  enim,  qua  exivimus,  redire  non 
putabam  mihi  utile  fore.  Non  tamen  tam  fuerunt  custodes  por- 
tarum  oculati,  quin  a  feminis  sub  pelliceis  vestibus  supra  lineas 


»dat  malck  so  seeren  uth  toich,  hebben  se  eynen  rccefs  geslotten  ..."  — 
Auch  nach  Bothmann:  Restitution  a.  a.  0.  S.  109  beginnt  die  Auswan- 
derang am  11.  Februar  und  dauert  fort  bis  zum  '21,  Febr.  —  H.  Dorp 
BL  Ü  3^  setzt  die  Zeit  unbestimmt  „umb  die  Fastnacht**  an  und  bringt  die 
Flucht  der  „Reichen*'  in  Zusammenhang  mit  dem  grofsen  Zuzug  aus  den 
benachbarten  Orten  nach  Münster  hin. 

^)  So  auch  das  „Tagebuch*'  a.  a.  0.:  „. . .  men  hefft  eynen  jderen 
dat  syne  volgen  lathen,  uth  gescheiden  wat  sick  an  privande  droech  moste 
men  in  der  stadt  laten,  und  solix  hefft  men  den  borgeren  gegunt  befs  to 
dem  sondage  Invocayit**  (22.  Febr.).  —  TJebereinstimmend  schreibt  auch 
P.  Plateanus  a.  a.  0.  Bl.  C  !▼:  „. ..  plurimi  ciyium  sponte  exulatum 
abierunt.  His  primum  res  suas  exportare  permissum,  nisi  si  quid  escu- 
lentum  aut  poculentum  esset.  Horum  enim  adeo  nihQ  efferri  sunt  passi, 
nt  mnlieribus  quibusdam,  quae  agmen  infantium  partim  ferebant  in  ulnis, 
partim  ad  manus  trahebant,  vascula  cervisiae  plena  . . .  adimerent  ipsorum- 
que  e  manibus  infantium  panes  triticeos  . . .  raperent** 

*)  „Auch  schössen  sie,**  berichtet  H.  Dorp  Bl.  D2^,  „einen  jungen 
▼on  Borgstenforde  auff  dem  Speicher  hofe  zu  tode.** 


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504  Anno  1534  acta. 

subuculas  snillarum  caminm  succidias»  contectas  efferentibus 
•p.  439.fallerentur.  *Hanc  tarnen  frandem  Snndermannus  pellio,  cmn 
nna  earum  supra  modnm  intumesceret,  indecenti  contactu  pri- 
mus  deprehendit.  Hinc  diverbii  loco  satis  inhoneste  et  scurri- 
liter  feminas  lardnm  snpra  cnnnos  gestare  per  totam  nibem 
fama  sparsit;  unde  circumspectiores  redditi  omnia  supellectilia 
sive  in  arcnlis  sive  vasis  conclusa,  nisi  a  dominis  subito  expli- 
centur,  intra  ipsas  portas  vi  excutinnt,  lectos  funibns  constrictos 
evolvunt  gladüsqne  scrutantur.  Haec  omnia  non  legitimi  magi- 
stratüs,  sed  prophetarum  Eothmanni,  Knipperdollingi  et  Kibben- 
brochii  auctoritate  peraguntur,  ex  qnibus,  qnanta  religione  sn- 
perioris  concordiae  foedera  a  retinctis  conserventnr,  videre  licet. 
Lantgravins  cnm  inter  episcopum  et  nrbem  iterum  contro- 
versiam  exortam  esse  acciperet,  legatos  suos  ad  principem  no- 
strum  mittit,  qui  eam  quoqne,  nt  snperiorem,  interciperent  in- 
terceptamque  componerent  ^.     Quibus   princeps   respondet,    cmn 

o)  Msr.  succidnas. 


^)  Von  einer  Gesandtschaft  des  Landgrafen  an  den  Bischof  zur  Frio- 
densYcrmittlung  um  diese  Zeit  fehlt  in  den  Akten  jede  Spur.  Sie  ist  auch 
nicht  wahrscheinlich.  Die  letzte  hessische  Gesandtschaft  an  den  Bischof^ 
Yon  der  wir  wissen,  war  die  des  Alexander  v.  d.  Thann  im  Octoher  1033 
(vgl.  oben  S.  435  Anm.  2).  Es  folgte  dann  der  auch  yon  Eerss.  (s.  oben 
S.  454  ff.)  mitgeteilte  Briefwechsel  des  Bischofs  und  des  Landgrafen  im 
November  über  die  Absendung  der  hessischen  Prediger  nach  Münster. 
Weiter  haben  wir  ein  Beglaubigungsschreiben  des  Bischofs  vom  2.  Dez. 
für  Johann  v.  Buercn  als  Gesandten  nach  Kassel.  Die  Antwort  auf  dessen 
Werbung  liegt  uns  in  dem  Briefe  des  Landgrafen  vom  24.  Dezember  vor 
(abgedr.  bei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  IL  S.  375  ff.),  in  dem  derselbe  dem 
Bischöfe  Rat  und  Hülfe  verspricht,  im  Falle  die  Münsterer  ihren  Landes- 
hcrm  in  weltlichen  Dingen  beschweren  und  im  Ungehorsam  verharren 
würden.  Aber  er  fügt  hinzu:  „So  aber  e.  1.  sie  der  religion  halben  an- 
greiffen  wolt,  kont  ich  e.  1.  nit  helffen."  Am  Schlufs  des  Briefes  heifst  es: 
„Dameben  ist  auch  mein  freuntlich  bit,  e.  1.  wolle  dissen  fastelawent  (15.— 17. 
Febr.  1534)  bei  mir  zu  Cassel  konmien;  wil  ich  mich  mit  e.  1.  allerlei  e.  L 
und  mich  betreffen  underreden.  Und  e.  1.  wolle  ye  nit  ufsen  bleiben  . .  .* 
Nachdem  der  Bischof  dann  bereits  am  21.  Jan.  1534  dem  Landgrafen  das 
üeberhandnehmen  der  Wiedertäufer  in  Münster  angezeigt  und  um  Bat  und 
Beistand  gebeten  hatte  (s.  M.  G.-Q.  II,  217  f.),  lehnt  er  zunächst  am  5., 
dann  am  13.  Febr.  die  geplante  Zusammenkunft  in  Kassel  ab.  Am  26.  Febr. 


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Anno  1534  acta.  505 

Monasterienses  solennia  pacis  foedera  sibi  snisqne  non  ita  com- 
moda  per  Läntgravinm  icta  temere  excasserint,  nnlla  alia  pacta 
ipsos  in  posterum  seryatnros. 

Eberwinus  Droste^  cum  Joanne  filio  suo  nee  non  Her- 
mannus  Schenckinck,  iudex  urbis,  12.  Februarii  principi  pro  la.  Fei»r. 
vero  referunt  Hermannnm  Tylbecliium,  consulem,  cum  tota  sna 
familia  rebaptizatnm  esse,  atqne  maiorem  civium  partem  in  ean- 
dem  haeresin  certatim  incidisse,  innocentes  vero  salutis  suae 
discrimina  effugientes  cum  coniugibus  liberisque  suis  urbe  ex- 
cessisse  et  passim  in  oppidis  pagisque  vel  inter  sanguine  sibi 
iunctos  vel  ignotos  magno  cum  rerum  suarum  dispendio  consi- 
dere  miseramque  vitam  agere;  ipsos  enim  vel  mortem  oppetere 
vel  extremam  paupertatem  perpeti  malle,  quam  anabaptismo  se 
contaminare  et  aetemae  salutis  naufragium  facere.  Se  igitur 
pro  illis  in  communi  hac  calamitate  consilium,  consolationem, 
praesidium  auxiliumque  a  principe  suppliciter  implorare,  ne  diu- 
tumum  sit  hoc  exiliuin,  sed  priori  libertati  clementer  restitu- 
antur.  Ad  quae  princeps:  Sibi  istam  civium  calamitatem  et 
anabaptistarum  contumaciam  ex  animo  displicere  et  nunc  pri- 
mum  se  intelligere,  cur  consules  se  sequestrem  non  admiserint, 
cur  suam  opem  et  consilium  oblatum  excusserint,  *cur  portis*p.  440. 
fere  propinquum  se  excluserint  concordiamque  simulatam  et  dis- 
cordem  conciliaverint;  se  autem  extremis  suis  viribus  per  gra- 
tiam  Dei  effecturum,  ut  boni  cives  se  sibi  curae  esse  intelligant 
et  experiantur.    Ne  autem  princeps  sine  consiUo  cleri  primarii 


meldet  er,  dafs  er  sich  „mit  der  eyll ...  in  rustunge  und  kegenwher**  habe 
stellen  müssen;  dennoch  hoffe  er  am  10.  März  in  Arolsen  den  Landgrafen 
zu  treffen.  Doch  schon  am  1.  März  berichtet  er  wieder,  dafs  er  nicht 
kommen  könne,  da  die  Wiedertäufer  in  Münster  Zuzug  erwarteten,  den  er 
verhindern  möchte.  Nochmals  meldet  er  sich  am  5.  März  zu  einer  persön- 
lichen Zusammenkunft  mit  dem  Landgrafen  auf  den  11.  März  in  Böke  im 
Paderbom'schen  an.  (Sämtliche  Akt^n  im  Original  im  St.-A.  Marburg.) 
Die  Zusanmienkunft  fand  Statt  (vgl.  das  Hülfsgesuch  des  Bischofs  hei  Köln 
[St-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  III.  fol.  253]),  und  weiter  ist  noch  im  März 
eine  hessische  Gesandtschaft  an  den  Bischof  nachweisbar.  Der  Gesandte 
Johann  Nordeck  kehrt  am  21.  März  nach  Kassel  zurück  und  berichtet  be- 
sonders über  das  Schicksal  Joh.  v.  d.  Wieck's  (s.  weiter  unten). 
^)  Das  Folgende  ist  nur  von  Eerss.  überliefert. 


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506  Anno  1534  acta. 

in  publica  hac  causa  et  miseranda  remm  facie  quicquam  aggre- 
diatur,  proinde  haec  omnia  siM  serio  deliberanda  per  literas 
proponit,  nt  secnm,  quid  in  hac  re  opus  sit  facto,  Consultant. 
Eodemque  die  dioecesis  praefectis  satrapisque  omnibus  per  scripta 
edicit  \  ut  eos,  qui  anabaptisma  aversati  Monasterio  excesserunt 
atque  in  pagis  oppidisque  passim  per  dioecesin  fusi  sese  conti- 
neant,  tueantur  ac  defendant  tutumque  ipsis  commeatum  suo 
nomine  largiantur,  sed  anabaptistas  comprehendant  carceribus- 
que  constringant  meritisque  suppliciis  et  poenis  subiiciant. 

Eodem  die  virgines  quaedam  nobües,  sed  vestales  coenobii 
Aegidiani  nee  non  Transfluviani  pMlosophicae  ac  monasticae 
vitae  pertaesae  habitum  votumque  sui  ordinis  excutientes  *  con- 
iugii  capistrum  subolis  praetextu  affectare  videbantur  non  in- 
telligentes, quantis  molestiis,  miseriis  et  calamitatibus  ea  vita 
infestetur.  Parentes  autem  earum  arcuatis  curribus  more  no- 
bilium  huc  advecti  ad  se  eas  blandis  verbis  revocare  et  ab  hac 
impia  vivendi  ratione  subducere  moliuntur.  Ularum  vero  quae- 
dam „Eedite,"  inquiunt,  „domum  neque  nostri  causa  solliciti 
estote.  Vos  non  estis  parentes  nostri,  qui  neglecto  parentum 
officio  in  hunc  locum  mortis  nos  coniecistis,  qui  nos  perpetuis 
flammis  urendas  tradidistis.  Nos  vitam  honestam  nobis  et  Deo 
acceptam  eligimus.  Eedite  ita  cum  bona  pace  domum*!"  Quae- 
dam etiam  avehendae  a  parentum  curribus  a  quibusdam  sub- 
omatis  retinctis  vi  rapiuntur,  quibus  vim  gratam  fuisse  ferunt 
Quaedam  pudicitia  adhuc  integra  parentum  fletibus  conmiotae 
salutaribus  admonitionibus  acquiescunt  ideoque  anabaptisticae, 
hoc  est  monstrosae  libidini  subtrahuntur.  Multae  quoque  alio- 
rum  coenobiorum  virgines  hac  grata  occasione  fruuntur*. 

&)  Ms.:  in  hac  grata  occasione  fruuntur. 


*)  Nicht  mehr  nachweisbar.  Ein  Befehl  des  Bischofs  an  die  Amt- 
leute, aUe  der  Wiedert&uferei  Verdächtigen  zu  verhaften,  war  bereits  am 
3.  Febr.  aus  Wolbeck  ergangen.    Vgl.  oben  S.  487  Anm. 

*)  Das  ist  zuerst,  wie  Eerss.  selbst  berichtete,  bereits  früher  ge- 
schehen. Vgl.  oben  S.  472  ff.,  wo  auch  der  Brief,  in  dem  der  Bischof  am 
26.  Januar  der  Aebtissin  befiehlt,  den  Eltern  und  Verwandten  der  abtrün- 
nigen Jungfern  Mitteilung  von  dem  Geschehenen  zu  machen. 

')  Vgl.  dazu  die  Anmerk.  zu  dem  Berichte,  den  Eerss.  bald  weiter 
unten  über  die  Familie  Johann's  t.  d.  Recke  giebt. 


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Anno  1534  acta.  507 

Interim  Monasteilenses,  ne  ferientur,  munitiones  Schone- 
fletae,  arcis  nohiliiun  canonicomm  in  ripa  Amasis  extractae 
atque  a  Melchiore  de  Boren  cellario  habitatae,  15.  Pebruarii  is.  Febr. 
*noctnma  impressione  tentare  decreverant  omniaqne  ad  rem  »p.  441.. 
conficiendam  fortim  apparantnr  \  Qnae  res  cum  ipsis  proderetnr, 
adversus  fatnram  vim  bombardis  pulvereqne  tormentario  ab  epi- 
scopo  subito  petitis  sese  firmawt*.  Sed  mutato  forte  consiüo 
aliaye  causa  intercedente  expeditionem  animo  conceptam  non 
suscipiunt.  Profuerunt  tarnen  huic  arci  non  parum  beUorum 
minae ;  ita  enim  tumultuario  labore  munitur,  ut  mediocrem  im- 
pressionem  sine  magno  incommodo  sufferre  possit. 

Hermannus  TylbecMus  et  Caspar  ludefeldus,  consules,  cum 
se  furoris  anabaptistici  apud  principem  suspectos  esse  redditos 
sentirent,  purgandi  se  causa  haec  ad  principem  16.  Pebruarii  le.  Febr. 
scribunt*:  Sibi  anabaptisma  in  urbe  Monasteriensi  coeptum 
aliosque  mali  exempli  motus  semper  displicuisse  seque  adversus 
ea  consiliis  suis  et  ingenii  viribus,  quantum  potuerint,  pugnasse. 
Anabaptisma  tamen  contra  suum  mandatum,  consensum  et  vo- 
luntatem  primum  irrepsisse,  inde  contra  omnia  huius  anni  con- 
silia  et  propositum,  cum  illud  citra  sanguinis  effusionem  repri- 
mere  animus  faerit,  praevaluisse.  Se  proinde  tanquam  innoxios 
ab  omnis  flagitii  suspicione  purgatos  esse  principemque  rogare, 
ne  quicquam  mali  de  se  suspicaretur;  se  enim  nullius  motus  et 
schismatis  esse  auctores,  sed  repressores  potius;  ac,  si  opus  sit, 
se  ad  pleniorem  excusationem  admittat  neque  benevolum  et  pri- 
stinum  benignitatis  animum  a  se  alienet,  sed,  quid  sibi  speran- 
dum  sit,  clementer  respondeat. 

Schedula  Tilbechii  literis  superioribus  inclusa:  „Quod  vul- 
garis fama  me  cum  tota  familia  retinctum  esse  spargit^  a  veri- 
täte  alienissimum  est.  übicunque  autem  princeps  velit,  me 
coram  Deo,  toto  mundo  atque  Omnibus  hominibus  ab  isto  cri- 
mine  purgabo.  Ne  ergo  animum  priorem  a  me  deflectas,  precor." 

•)  3fo.;  firmat. 


*)  Der  beabsichtigte  üeberfall  ist  nur  von  Kerss.  überliefert. 
*)  Nicht  mehr  nachweislich.  —  ■)  Vgl.  oben  S.  502. 


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508  Anno  1534  acta. 

17.  Febr.  Ad  haec  princeps  17.  Petrnarii*:  „Vestram  excusationem, 

Yos  neque  anabaptismi,  qni  niinc  in  nrbe  inyalnit,  neqne  nUins 
mali  exempli  motns  auctores  fnisse,  accepimns  et  intelleximas, 
nnde  non  minimum  animi  dolorem  accepimus.    Nee  dnbitamus, 

*p.  442.  si  ab  initio  seditiosos  repressissetis  *  neque  ipsis  nimium  indul- 
sissetis,  tardiores  illos  ad  haec  designanda  fiiisse  neqne  nos  neqne 
vos  ipsos  tantis  niolestiis  involveretis.  Sed  utut  slt,  scripta 
vestra  et  pnrgationem  vestram  penitins  ad  animum  revocabimus 
mentemqne  nostram  suo  tempore  latins  declarabimns.^ 

so.  Febr.  Ad  haec  consnles  20.  Febmarii  *:  Cum  se  de  anabaptismo 

et  aliis  mali  exempli  motibus  in  urbe  Monasteriensi  conceptis 
et  concitatis  superioribus  scriptis  apud  principem  excusaverint> 
sperasse  se  benignum  responsum  consecuturos  fuisse,  cum  ve- 
rissimum  sit  se  bis  semper  restitisse  multisque  laboribus  et  vi- 
giliis  contendisse,  ne  scelerata  ista  factio  in  Monasteriensem  rem- 
publicam  irreperet,  sed  se  in  hunc  usque  diem  operam  illam 
fmstra  insumpsisse.  Si  igitur  praeter  meritum  innoxiis  nulli- 
usque  criminis  consciis  pericula  sibi  sint  metuenda,  se  rogare, 
ut  liberam  securitatem  per  omnes  principis  regiones  conuneandi 
consequantup,  ne  forte  a  satrapis  praefectisque  impetantur  et 
obruantur.  Quid  autem  horum  facturus  sit,  benigne  respondeat. 
Dum  haec  aguntur,  Eothmannus,  ne  feriaretur,  prophe- 
tarum  monitu  et  Enipperdollingi  impulsu  ad  suae  factionis  ho- 
mines,  qui  passim  in  civitatibus  propinquis,  Osnaburgae,  Zuzati, 
Hammonae,  Wesaliae,  Coesfeldiae,  Warendorpiae,  Alenae,  Dul- 
maniae,  Schopingae  atque  aliis  locis  metu  supplicii  latitaverant, 
quos  ipse  non  aliter  atque  dux  aliquis  militiae  suae  inauctoratos 
milites  noverat,  scribit^:  A  Deo  Patre  prophetas  duos  ad  se 
Mouasterium   missos,   qui  insigni   pietate  et  vitae   sanctimonia 


')  Nicht  mehr  nachweislich.  —   ')  Nicht  mehr  nachweislich. 

^)  Kerss.  verbindet  hier  den  Bericht  H.  Dorp's  Bl.  D  3  mit  dem 
des  Lambert  Hortensius:  Tumult,  anabapt.  (Ausgabe  von  Amsterdam 
1636  S.  16).  S.  die  Einleitung.  —  Von  den  Schreiben  selbst,  deren  Inhalt 
Kerss.  mehr  mit  Anlehnung  an  L.  Hortensius  als  an  H.  Dorp  wiedergiebt, 
scheint  keines  erhalten  zu  sein.  Unter  den  beschickten  Städten  werden 
Ahlen  und  Schöppingen  nur  von  Kerss.  genannt.  —  Um  dieselbe  Zeit,  Mitte 
Februar,  fand  die  Aussendung  Jakob^s  von  Osnabrück  in  die  Jülichschen 
Lande  statt.    QueUen  und  Literatur  darüber  s.  oben  S.  448  Anm. 


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Anno  1534  acta.  509 

sint  fllnstres  yerbnmqne  Dei  pnre  et  sine  nlla  hnmanae  fecis 
admixtione  incredibili  quadam  facnndia  atque  snavitate  doceant. 
Si  proinde  salnti  suae  consulere  velint,  cum  uxoribus  liberis- 
que  relictis  opibus  terrenis  ad  se  veniant,  novam  suam  Hyero- 
solimam  et  Syona  *templnnique  Salomonis  verum  ac  aeterni  Dei^p.  443^ 
CTÜtum  explosa  omni  idolomania  in  eo  secnm  instanrent.  Ipsos 
praeter  coelestem  thesaurmn  satis  opnm  habitnros.  Haec  ubi 
fama  urbes  et  pagos  passim  pervagaretnr,  tanta  nndiqne  homi- 
num  copia  novitate  nominis  et  rerum  inflammata  accurrit,  ut 
egressomm  civium  iacturam  non  solum  pensaret,  sed  et  superaret. 
Hnc  igitur  viri  cum  uxoribus  liberisque,  huc  viduae,  huc 
virgines,  huc  mulieres  relictis  domi  maritis  suis,  huc  mariti 
absque  coniugibus  advolant;  huc  nobiles  atque  ignobiles  com- 
meant,  huc  milites  et  pagani  coeunt,  huc  ex  Hollandia  et  Frisia, 
ex  Brabantia  circumfusisque  provinciis,  oppidis  pagisque  quam 
plurimis  confluunt.  Huc  Henricus  Krechtingus,  Schopingensis 
gogravius,  cum  uxore  liberisque  contendit'  magnam  istius  op- 
pidi  multitudinem  civium  secum  adducens.  Qui  cum  aliquot 
plaustris  bene  onustis  in  itinere,  cum  unum  abesset  miliare  ab 
urbe,  prope  tabernam  meritoriam  a  saliceto  denominatam  a  Jo- 
anne Sendano,  Nortwoldiensi  gogravio,  14.  Februarii  interceptus  u.  Febr. 
temeritatis  suae  dedisset  poenas,  nisi  fllius  suus  in  ipsa  impres- 
sione  capientium  manus  elapsus  centum  retinctos  in  praesidium 
ex  urbe  subito  accersivisset  patremque  carceris  custodibus  gra- 


*)  Diese  Nachrichten  über  Heinrich  Krcchting  bietet  nur  Kerss. 
Uebrigens  war  Heinrich  Krechting  schon  in  Schöppingcn  mit  Johann  v. 
Leiden  persönlich  bekannt  geworden.  Johann  sagt  aus,  „. . .  wie  er  dan 
ock  to  Schoppingen  in  der  nacht  gedrungen,  so  Henrich  Krechtingen  magt 
kranck  gewesen,  de  solde  he  dopen,  und  solde  gesunt  werden**  (M.  G.-Q, 
II,  417  f.).  —  Heinrich  Krechting  wurde  später  Kanzler  des  Königs.  Sein 
Bruder  Bernhard  giebt  im  Verhöre  vom  25.  Juli  1535  an  (M.  G.-Q.  11,  381), 
er  sei,  seiner  Meinung  nach,  entkommen.  So  sagt  auch  H.  Gresbeck 
S.  36:  „Derselve  cantzler  hadde  dat  leven  beholden."  Am  7.  Mai  1536 
werden  vom  Bischof  Franz  den  nachgelassenen  Kindern  Heinrich's  die  kon- 
fiszierten Güter  u.  8.  w.  ihres  Vaters  aus  Gnaden  wieder  überlassen,  mit 
Ausnahme  des  Wohnhauses  in  Schoppingen  und  dessen,  was  vom  Bischöfe 
aus  dem  Nachlasse  bereits  an  Andere  vergeben  worden  war  (Urkunde  bei 
J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  231  ff.).  —  lieber  das  weitere  Schicksal  Heinrich 
Krechting's  s.  S.  512  ff.  Anm. 


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510  Anno  1534  acta. 

viter  ea  nocte  vulneratis  ipsoque  Joanne  Sendano  faga  sibi  con- 
STilente  e  vinculis  eripuisset.  Hie  cum  in  nrbem  venisset,  no- 
stras  aedes  praecipno  foco  commodioribusqne  cnbicnlis  raptis 
sibi  facit  plus  quam  communes.  Huc  Hermannus  Begewart, 
17.  Febr.  pastor  Waroudorpiensis,  17.  Februarii  multos  secum  adducit*; 
huc  dominus  Bernardus  Krechtingus  *,  Gilthusianorum  parochus, 
magna  cum  paroecianorum  copia,  huc  Petrus  Sweringus  Coes- 
feldianus*  cum  uxore,  pecuniis  (fuit  enim  dives)  et  eiusdem 
oppidi  civibus  non   paucis,   huc  Weraerus  Scheiffort   nobiKs*, 


*)  lieber  seine  bisherige  Wirksamkeit  in  Warendorf  vgl.  oben  S.  397  ff. 
Als  Tag  seiner  Ankunft  in  Münster  erwähnt  er  selbst  in  seinem  Geständ- 
nisse (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  26)  den  17.  Febr.  1534.  Er  giebt  weiter 
an,  „dat  Hynricus  Maren  eyn  halff  jar  bynnen  Warendorp  uth  begerten 
des  raedts  gewest,  dar  sulvest  umtrent  dertich  gedopt,  darna 
schrifft  gekregen,  dat  he  myt  sampt  den  gedopten  bjnnen 
Munster  komen  solde."  Auf  ernstliches  Ansprechen  dieser  Getauften 
hin  sei  er,  Regewart,  dann  auch  nach  Münster  gezogen. 

*)  Bernhard  Krechting,  Heinrich's  Bruder,  war  vielmehr  schon  im 
Jahre  1533  in  Münster.  In  seinem  Bekenntnisse  vom  25.  Juli  1535  (M. 
G.-Q.  n,  379  f.)  sagt  er  aus,  er  sei  Hausgeistlicher  beim  Grafen  von  Bent- 
heim  gewesen,  habe  dann  in  der  Grafschaft  ein  Pfarramt  (zu  Gildehaus) 
erlangt,  das  er  aber  habe  aufgeben  müssen,  „so  sine  predicait  roincm  g.  h. 
van  Gelre  niet  en  gefeil.**  Vor  der  Verfolgung  habe  er  zu  Münster  Sicher- 
heit gesucht  und  sich  da  „einfoldigh  und  nae  dem  wort  Gaetz  holden  wellen 
und  also  III  verdel  iairs  dair  binnen  gegangen  und  sich  geins  predichens 
wellen  onderwinden.  Dairna  is  ein  disputation  des  wederdoeps 
halven  aldair  enstanden**  (Aug.  1533),  ^^und  asdoe  is  hj  voir  einen 
predicant  verordent,  dat  hy  doe  annemen  und  niet  weigeren  moeste." 

')  Vergl.  über  ihn  das  oben  S.  470  Anm.  angeführte  Bekenntnis 
des  Coesfelder  Bürgers  Lubbert  Wydouw  vom  14.  Februar. 

*)  Auch  hier  ist  Eerss.  chronologisch  ungenau.  Werner  Scheiffert 
von  Merode  nämlich  ist  nach  einem  Briefe  der  Clevischen  Eriegsräte  vom 
16.  Mai  1534  an  den  Herzog  Johann  (M.  G.-Q.  II,  233  f.)  erst  an  Christi 
Himmelfahrt  (14.  Mai)  „in  die  stat  Munster  gelauffen  und  hat  zwei  perde 
tmd  darzu  sin  kleider,  die  in  guter  achtung,  hinder  sich  gelassen.**  „Es 
hat,**  fügt  der  Brief  dann  hinzu,  „des  iederman,  der  ine  gekant,  ein  grofs 
verwunderen.**  Scheiffert  ist  am  5.  Dez.  1534  wieder  aus  Münster  ent- 
flohen, wurde  aber  gefangen  genommen.  Sein  Bekenntnis  vom  11.  Dez., 
das  Eerss.  weiter  unten  benutzt,  erwähnt  Zeit  und  Art  seines  üeberlaofs 
nach  Münster  nicht.  Ueber  ihn  vgl.  auch  J.  Habets:  De  Wedcrdoopeis 
te  Maastricht  (Roermond  1877)  S.  228  ff. 


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Anno  1534  acta.  511 

huc  loanms*^  de  Becke  Dremstenfurdici  nxor  deserto  marito  adest 
neque  satis  sibi  esse  pntavit  dnas  filias  suas,  Transfinviani  coe- 
nobii  vestales,  hac  impietate  imbni,  nisi  et  tertiam  natu  mini- 
mam,  quanquam  Conrado  de  "^Doerloe  desponsatam,  imo  seipsam*p.  444. 
perdendam  adduceret^ 

Circa  haec  eadem  tempora  Joannes  Matthisson  propheta 
in  omnem  effasas  libidinem  retinctos  utriusque  sexns  in  aedes 
Knipperdollingi  satis  amplas  noctumo  tempore  clam  convocat^. 

»)  Ma.:  Joannes. 


')  Die  übrigen  Quellen  sprechen  nur  von  einer  Tochter  Johann's 
V.  d.  Becke,  die  Nonne  im  üeherwasserkloster  gewesen  sei.  Am  ausführ- 
lichsten berichtet  P.  Plateanus  a.  a.  0.  Bl.  C4^  u.  C5:  „Erat  autem 
inter  eas  quaedam  Dorothea  nomine,  nobili  et  vetere  familia  orta.  Ad  hanc 
domnm  reducendam  pater  lohan  von  der  Beck,  cum  eas  turbas  audisset, 
uxorem  misit  et  alteram  filiam  virginem.  Quibus  etiam  ipsis  mens  a  pseudo- 
prophetis  excantata  est,  et  rebaptizatae  manserunt  Monasterii.  Senex  tan- 
dem  frustra  diu  expectatas  sequitur  multisque  precibus  et  blandimentis 
coDoquio  earum  vix  impetrato  ita  infit  nxor:  „lohan  von  der  Beck,  si  bapti- 
zari  vis,  ad  nos  accede;  sin  aliter  es  animatus,  tu  mens  maritus  non  es.^ 
Et  filiae  „Nee  noster,*"  inquiunt,  „es  pater.^  Itaque  infelix  a  suis  spretus 
et  reiectus  animo  confusus  multumque  lachrymans  solus  domum  rediit**  — 
üeber  die  Taufe  gesteht  Knipperdolling  am  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II, 
409):  „Die  van  der  Becke  was  irstlich  in  Botmans  huifs,  und  dar  wart  ir 
und  iren  doechtem  das  wort  vurgehalten.  Die  eine  dochter  fiel  irst  uf  ire 
knee  und  entfingh  die  dof,  dar  nach  die  ander,  und  zum  lesten  die  moder. 
Enipperdollinck  nam  sie  darnach  VIII  oder  IX  dage  in  sin  huifs.**  —  Nach 
D.  Lilie  S.  224  ist  die  Mutter  „mit  eren  dochter en  in  Munster  ge- 
komen  und  wolde  erhe  dochter,  de  se  to  Overwater  im  cloister  hadde,  heime- 
soken;  dan  se  is  binnen  Munster  mit  den  dochteren  gebleven  unde  leten 
sick  tosamende  dopen  . .  .^  —  Am  3.  Juli  1535  stellten  Johann  v.  d.  Becke 
zu  Steinfurt  der  Aeltere,  Johann  v.  d.  Becke  der  Jüngere,  Gert  v.  d.  Becke 
und  Dietrich  v.  Galen  dem  Bischöfe  einen  Bevers  aus,  worin  sie  sich  mit 
6000  Gulden  für  die  begnadigte  Mutter  und  die  begnadigten  Schwestern 
Dorothea,  Anna  und  Margaretha  v.  d.  Becke  verbürgten  (Konzept  im  St.-A. 
M.).  Doch  fiel  Anna  v.  d.  Becke  schon  sehr  bald  wieder  dem  Anabaptismus 
zu  (vgl.  L.  Keller  in  der  „Westdeutschen  Ztschr.**  Jahrg.  1  [Trier  1882] 
S.  457).  —  üeber  die  Hinneigung  Johann's  v.  d.  Becke  zum  evangelischen 
Glauben  s.  Herrn.  Hamelmann  S.  1309  f.  Vgl.  auch  C.  u.  0.  v.  d.  Becke: 
Gesch.  der  Herren  v.  d.  Becke  (Breslau  1878)  S.  160  ff. 

*)  In  keiner  Quelle,  selbst  nicht  in  den  Schriften  der  heftigsten 
Geg:ner  der  Wiedert&ofer,  findet  sich  für  die  im  Folgenden  von  Kerss.  er- 


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512  Anno  1534  acta. 

Qao  cum  convenissent,  ibi  propheta  stans  snb  aeneis  candelabris 
in  media  domo  a  trabe  dependentibus,  qnibus  tres  cerei  ardentes 
superimpositi  fuerunt,  circumfusam  in  orbem  mnltitudinem  docet 
et  mnltorum  circnmstantium  tectos  ignes  prophetico  sno  spiritu 
emscitat  et  inardescere  fecit.  Inde  cap.  1.  Geneseos  subinngit. 
übi  vero  haec  verba  recitasset:  „Crescite  et  multiplicamini  et 
replete  terram^,"  cereos  ardentes  extinguit.  Qnae  tunc  pernoctem 
istam  flagitia  promiscne  sine  verecnndia  et  pndore  sint  com- 
missa,  propheta  in  sinu  pnellae  satis  inverecunde  depreliensns 
declaravit.  Hanc  rem  ignenm  baptisma  appellabant.  Neque  haec 
falsa  esse  credideris.  Nam  cum  ignei  baptismatis  passim  per 
nrbem  fieret  mentio  nee  tarnen  quisquam,  quid  esset,  intelli- 
geret,  mulier  quaedam  a  Weslingo,  hospite  meo,  unius  siliginis 
precio  illud  explorandi  causa  conducta  est.  Quae  cognito  re- 
tinctorum  symbolo  pylorum  fefellit  et  clam  se  in  istas  aedes 
ingessit  omniaque  vidit  nobisque  narravit. 

Joannes  Wyckius,  syndicus  urbis,  quem  plerique  multorum 
motuum  et  urbanae  potissimum  rebellionis  adversus  principem 
et  clerum  auctorem  esse  affirmabant,  proceres  ac  opulentiores 
eicessisse,  homines  vero  leves  et  inutiles  successisse  ipsis  con- 
spiciens  de  hac  republica  actum  esse  animadvertit  neque  eam 
seditiosis  consiliis  perditam  pristinae  dignitati  se  restituere  posse 
putavit.     Ideo  se  quoque    subduxit^.     Verum   cum   omnibus  a 


wähnte  Feuertaufe  des  Jan  Matthys  irg^end  ein  Anhalt.  Das  Gerücht  von 
solchen  Zusammenkünften  und  dem  Treiben  dabei  mag  verbreitet  gewesen 
sein,  ebenso  wie  man  von  der  Verabreichung  von  Zaubertränken  durch 
Rothmann  redete  (s.  oben  S.  484).  Schon  C.  A.  Cornelius  (M.  G.-Q. 
Einl.  S.  51)  tadelte  scharf  die  Leichtgläubigkeit  und  Kritiklosigkeit,  mit 
der  Kerss.  hier  auf  die  blofse  Aussago  einer  gedungenen  alten  Frau  hin 
den  Inhalt  des  Gerüchtes  als  Wahrheit  hinstellt. 

*)  Genes.  1,  28.  —  *)  Wann  v.  d.  Wieck  Münster  verliefs,  ist  aus 
den  Quellen  nicht  zu  ersehen.  Am  20.  Februar  aber  wufste  der  Rat  von 
Münster,  dafs  sein  Syndikus  gefangen  von  Bevergem  nach  Iburg  geführt 
worden  sei.  Ueber  die  letzten  Schicksale  v.  d.  Wieck's  sind  nur  kurze  Nach- 
richten erhalten.  Nach  H.  Dorp,  der  aber  die  Flucht  falsch  nach  dem 
27.  Febr.  ansetzt,  ist  er  ^erbermlich  um  sein  leben  bracht"  worden  (s.  Bl. 
D4^;  vgl.  auch  Bl.  E  1).  Ebenso  kurz  berichtet  Dietrich  von  Hamb*urg 
Bl.  A2  und  A.  Corvinus:  Acta  etc.  Bl.  A4:V.  Ausführlicher  sind  Kerss. 
und  Herrn.  Hamelmann  S.  1207  f.   Doch  kennen  wir  ihre  Quellen  nicht 


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Anno  1534  acta.  513 

principe  circumqnaque  per  dioecesin  praefectis,  satrapis  ac  go- 
graviis  diligens  viarum  observatio  serio  demandata  esset,  ne 
Wyckins  elaberetur,  captns  itaque  primura  Bevergemam,  iride 
Iburgnm,  tandem  Vastenovam  deductus  Eberardi  Moringi,  ibidem 
satrapae,  fideli  cnstodiae  committitur.  Senatus  syndicura  suum 
captum  accipiens  pro  *eius  liberatione  apud  principem  sTippli-*p.  445, 
eibus    scriptis  20.  Februarii  emissis  instat,    cum  anäbaptismo,  20.  Pebr. 


mehr,  die  sich  einander  ergänzen.  Weiter  haben  wir  in  der  Biographie 
V.  d.  Wieck's  durch  Th.  v,  Hase  beachtenswerte  Nachrichten  („Bibliotheca 
Bremensis"  Classis  2  fasc.  1  [Bremae  1718]  S.  164  ff.),  die  auf  die  Erzäh- 
lung eines  bei  der  Gefangennahme  des  Syndikus  Beteiligten  zurückgehen. 
Es  ist  der  Bericht  eines  Bremer  Bürgers  Hermann  Kreffting.  Alle  folgenden 
Notizen  und  den  Text  der  Relation  Kreffting's  verdanke  ich  der  Güte  des 
Herrn  Archivar  Dr.  W.  v.  Bippen  in  Bremen.  Herm.  Kreffting,  geb.  1528, 
gest.  IG07,  war  der  Erste  seines  Geschlechtes,  der  sich  in  Bremen  nieder- 
liefs,  wo  sein  Sohn  Heinrich,  gest.  KUl,  als  Bürgermeister  und  Staats- 
mann eine  hochangesehene  Stellung  einnahm.  Die  Denkwürdigkeiten  seiner 
Familie,  die  er  etwa  1590  für  seine  Kinder  aufzeichnete,  beruhen  durch- 
weg auf  mündlichen  Erzählungen  seines  Vaters  Heinrich  (nicht,  wie  Th. 
V.  Hase  sagt,  Engelbert,  denn  dieser  war  der  Grofsvater  Hermann's),  des 
Gografen  von  Sandwell.  Zur  Gografschaft  Sandwell  vgl.  A.  Tibus:  Grün- 
dungsgosch.  (Münster  1885)  S.  808.  —  Das  Manuscript  Herm.  Kreffting's 
ist  im  Original,  wie  es  scheint,  verloren,  doch  sind  in  Bremen  zwei  Ab- 
schriften aus  dem  Ende  des  vorigen  oder  Anfang  dieses  Jahrhunderts,  die 
beide  nach  dem  Original  gemacht  zu  sein  scheinen,  oder  nach  einer  von 
dem  Enkel  des  Verfassers  gefertigten  Kopie  des  Originals.  Die  hierher- 
gehörige Stelle  lautet:  „Underdefs  droog  sick  de  fall  to,  dat  de  Bremer 
syndicus  doctor  Wyk  genand  dorch  dat  stifft  Münster  reisede;  de  quam  in 
ener  harberge  mit  den  Münsterschen  wigelbischopp  to  disputeren  und  quemen 
also  hart  an  einander,  dat  doctor  Wyk  gefangen  und  up  dat  hus  to  Horst- 
mar  gebracht  wurd.  Aldo  brochte  de  wigelbischopp  eine  klage  so  hoch 
by  dem  bischopp  und  domcapittel  an,  dat  se  an  mynen  vader  en  mandat 
schickeden,  dat  he  den  doctor  als  einen  ketter  scheide  laten  verbrennen, 
worjogen  he  an  den  bischup  was  gereden  und  darjegen  geprotestert,  eck 
synen  denst  opgeseeht,  worto  he  den  orsake  hadde,  dat  en  generalmandat 
an  alle  amtlüdo  was  gesand,  dat  se  alle,  so  Lutherischer  lehre  anhängig, 
golden  gefenklich  intehn  und  na  dem  hus  Bevergeerden  senden.  Mittler- 
wyle  letcn  d^  dompapen  den  doctor  Wyk  den  kopp  by  nachte  affschlahen 
und  wart  in  dem  walle  up  dem  huse  Horsthmar  begraven."  —  Th.  v.  Hase 
hält  sich  genau  an  diesen  Bericht,  irrt  sich  aber,  wie  in  der  Angabe  des 
Namens  des  Gografen,  so  auch  in  der  Bestimmung  der  Zeit,  die  er  irr- 
tümlich in  den  November  1533  ansetzte.  —  Herrn.  Hamelmann,  der  die 

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514  Aimo  1534  acta. 

qui  vires  et  incrementum  (pro  dolor)  in  civitate  sumpserit,  ad- 
dictus  non  fuerit  K  Princeps  Wyckium  non  ut  anabaptismo  ad- 
dictum,  sed  ut  seditiosum  captum  esse  respondet*.  Male  enim 
principem  habebat  Wyckiiiin  clero  catholicisqne  omnibus  in- 
fensTim  seditiosis  suis  consiliis  senatum  urbis  contra  se  semper 
animasse.  Tanto  enim  odio  in  clerum  flagrabat,  ut  etiam  falsa 
persuasione  seductus  adversus  ipsum  et  episcopum  multa  con- 
suleret,  quae  tarnen  in  civium  et  senatus  tandem  perniciem 
praeter  spem  et  opinionem  suam  redundabant.  Ipse  sua  elo- 
quentia  et  iuris  scientia  confisus  usitatis  et  veteribus  abolitis 
inusitata  et  nova  reduxit  ac  non  solum  in  senatu,  verum  etiam 
in  plebe  aemulationem  movit,  partes  fecit,  factiones  dissidiaque 
concitavit.  Ipse  suo  exemplo  docüit  mercenariam  illam  iuris- 
prudentiam  in  curiam  admissam  nihil  nisi  conspirationes,  sedi- 


Gefangennahme  v.  d.  Wieck's  in  die  Nähe  des  Schlosses  Verden  versetzt, 
berichtet  auch  von  dem  besonderen  Anteil  einiger  Domherren  an  der  Ver- 
urteilung und  Tötung  des  Syndikus.  Seinen  Tod  aber  erlitt  v.  d.  Wieck  in 
Fürstenau.  Vgl,  weiter  unten.  —  Der  Gögraf  Heinrich  Kreflfting  entfloh 
nach  Münster,  ward  dort  der  Wiedertäuferei  anhängig  und  entkam  nach 
Ueberwältigung  der  Stadt  zunächst  nach  Oldenburg  und  dann  nach  Goedens 
in  Ostfriesland,  wo  er  nach  der  Angabe  des  Ereffting'schen  Stammbaumes 
1580  gestorben  ist.  Nach  weiterer  gütiger  Mitteilung  des  Herrn  W.  v. 
Bippen  identifizierte  die  Familien tradition  Kreffting  mit  Krechting,  wie 
sie  auch  den  Namen  des  Geschlechtes  von  einem  Schlofs  Krechting  bei 
Wesel  ableitet.  Schon  Herr  v.  Bippen  sprach  die  Vermutung  aus,  dafs 
Heinrich  Krechting,  der  Münstersche  Wiedertäufer,  seinen  Namen  später 
in  Kreffting  abgewandelt  habe.  Die  Vermutung  wird  unterstützt  durch  die 
Nachrichten,  die  L.  Keller  in  der  „Westdeutschen  Zeitschrift"  Jahrg.  1 
(Trier  1882)  S.  433  fif.  über  die  weiteren  Schicksale  Heinrich  Krechting's 
veröffentlichte,  der  nach  seinem  Entkommen  aus  Münster  sich  zunächst  nach 
Lingen  wandte  und  sich  dann  im  Oldenburgischen  „zum  Führer  der 
ganzen  münsterischen  Richtung  des  Täufertums  aufwarf  und  in  den  nord- 
westdeutschen  Gegenden  Jahre  hindurch  der  Mittelpunkt  der  Parteibestre- 
bungen gewesen  ist.*' 

')  Orig.  des  Briefes  im  St-A.  M.  Abgedr.  bei  J.  Niesert:  Ü.-B. 
I^  6.  236.  Es  heifst  dort:  „. . .  dewyle  dan  desolve  unse  sindicus  des  han- 
deis der  wedderdoepe,  so  sick  lejder  in  unse  stadt  erhaven,  to  gyner  tidt 
anhengich,  dan  steitz  dar  entegen  gewest  . .."  Der  Brief  giebt  auch  Be- 
vergern  und  Iburg  als  Orte  der  Gefangenschaft  v.  d.  Wieck's  an. 

*)  Irgend  eine  schriftliche  Aeufserung  des  Bischofs  über  sein  Vor- 
gehen gegen  v.  d.  Wieck  liegt  nicht  mehr  vor. 


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Anno  1534  acta.  51ö 

tiones  et  inimicitias  inter  subditos  parere.  Hie  docuit  levem 
ob  causam  et  de  lana  saepe  caprina  contendendiim  esse,  et  opn- 
lentiam  ex  sudore  et  visceribus  civinm  parandam.  Expedit  ergo 
reipublicae  nnllnm  mercenarinm  patronmn,  qui  servilem  illam 
et  mercenariam  inrispradentiam  exerceat  eamque  prostitnat  et 
in  quaestn  habeat,  in  curiam  admittendom  esse.  lUe  enim  in- 
satiabili  avaritia  excaecatns  divina  et  hnmana  pariter  Incri  gratia 
miscet,  onmia  indicia  et  leges  in  sua  libidine  habet,  iustitiam 
polluit  et  malis  exemplis  etiam  inter  posteros  evertit;  ille  in 
consilimn  adhibitns  non  aliter  lites,  quam  miles  bellum  suadet, 
nam  lites  pendere  diu  vindemia  magna  est  Ita  enim  callidis 
verbomm  anfractibus,  ita  versutis  ambagibus  vivos  omnes  ad 
suam  molam  deducit,  ut  ne  lympha  quidem  alienis  supersit. 
Hoc  genus  aucupum  quidvis  praeter  quietem  civibus  precatur, 
civem  adversus  civem  venali  interdum  lingua  incitat,  interdum 
scriptis  suis  omni  calumniarum  lascivia  refertis  irritat  suisque 
persuasionibus  vaferrimis  in  mutuam  pemiciem  armat,  unde 
magnarum  saepe  calamitatum  homines  isti  mercenarii  in  repu- 
blica  sunt  auctores.  Chilo  enim  eam  rempublicam  *optimam*p.  446, 
esse  pronunciavit,  quae  maxime  leges,  minime  autem  rhetores 
audiat^  Arcendi  igitur  sunt  tales  homines  non  solum  a  curia 
et  consiliis,  verum  etiam  a  civitatibus  et  rebuspublicis.  Nam 
quemadmodum  ubi  multi  sunt  medici,  ibi  multi  morbi  gras- 
santur,  ita  quoque  ubi  multi  sunt  iurisperiti  lucri  gratia  sacro- 
sanctam  iurisprudentiam  turpiter  prostituentes,  ibi  multas  lites 
esse  credibile  est. 

Post  dies  aliquot  cum  Moringus  temporis  fallendi  causa 
in  alveolo  cum  captivo  luderet,  nuncius  cum  Uteris  et  cami- 
fice  celeriter  a  principe  missus  «intervenit.  Moringus  lectis  literis, 
unde  doctorem  decollandum  esse  intelligit,  subito  expalluit.  Cum 
vero  doctor,  ecquid  ita  istis  literis  exterreatur,  sciscitaretur,  sa- 
trapa  ingemuit  neque  verbum  ullum  proloqui  potuit.  Doctor 
instat  causamque  palloris  ipse  quoque  perculsus  sibique  male 
metuens  inquirit.  Ibi  Moringus:  „Domine  doctor,"  inquit,  „de 
tua  vita  agitur;  princeps  misso  spiculatore  te  protinus  obtrun- 
candum  esse  iubet,"  simulque  literas  ipsi  legendas  exhibet.  Qui- 


*)  Plntarch:  ConTivinm  Septem  sapientum.  151,  F. 

9' 


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516  Anno  1534  acta. 

büs  lectis  protinns  terrore  attonitns  et  stnpefactns  nnllnm  mem- 
brorum  movit.  Inde  nbi  cor  excnsso  primo  pavore  iternm  pal- 
pitare  coepisset  et  membris  pristina  vis  reddita  faisset,  in  la- 
chrimas  ernmpens  gravibns  snspiriis  et  qnerimoniis  vitam,  elo- 
quentiam  et  fastum  sunm  deploravit,  culpavit  et  dauinavit  ac, 
quanquam  priocipem  clernmqne  oflfenderit,  se  tarnen  non  clam 
occidendum,  sed  pnblico  iudicio  sistendum  et  condemnandum 
esse  proclamat.  Quod  enim  senatum  contra  principem  et  clernm 
animaverit,  qnod  Sraalcaldicum  foedus  suscipiendum  esse  consu- 
Inerit  aliaqne  multa  snaserit,  evangelicam  libertatem  postulasse, 
qnam  adversus  satanicam  cohortem  cum  vitae  etiam  discrimine 
propugnandam  cum  syndicatu  susceperit.  Moringus  sermonem 
interrumpens,  ne  in  se  culpam  necis  transferat,  precatur;  se 
enim  ad  mandati  episcopalis  executionem  iurisiurandi  religione 
astringi,  se  principis  scriptis  obsequi  oportere.  Ad  quae  Wyckius: 
Satrapam  Deo  potius  quam  homini  impia  iubenti  obtemperaturum; 
cogitet  se  rationem  huius  furtivae  et  calamitosae  caedis  cum 
^p.  447.  suo  episcopo  non  homini,  sed  Deo,  iusto  *iudici,  redditurum. 
Frustra  autem  haec  verba  efiFundit,  frustra  imparatus  verborum 
multitudine  paratos  remoratnr.  Adest  enim  mandatum  principis 
non  teraere  iubentis,  adest  carnifex  ad  stringendum  gladium  in- 
structus,  adest  parochus,  conscientiae  tristis  consolator.  Solus 
Wyckius  imparatus  subterfugia  necis  quaeritat,  parochum  aver- 
satur  et  contemnit,  sibi  vim  fieri  queritur.  Ubi  vero  queri- 
monias  et  lamenta  nihil  sibi  prodesse  nullamque  spem  evadendi 
superesse  videt,  necessitati  parendum  esse  iudicat.  Committens 
itaque  Deo  animam  spreto  sacerdote  flexis  genibus  manibusque 
complicatis  erectam  cervicem  carnifici  incidendam  praebet.  Ca- 
daver autem  in  vallo  sepelitur  \  • 


')  Auch  die  Zeit,  wann  v.  d.  Wicck  in  Fürstenau  ums  Leben  kam, 
steht  nicht  fest.  Aber  schon  am  21.  März  schreibt  Joh.  Nord  eck  dem 
Landgrafen  Philipp  in  einem  Bericht  yber  seine  Sendung  an  den  Bischof 
Franz  (Orig.  im  St.-A.  Marburg),  er  sei  heute  nach  Kassel  zurückgekehrt. 
Dr.  Wieck's  wegen  habe  er  die  Antwort  empfangen,  „das  s.  f.  g.  das  be- 
scheen  anpringen  bey  eigener  botschaft  wolt  beantworten."  Er  fährt  fort  : 
„Und  zeige  e.  f.  g.  dabencben  an,  das  ich  von  meinem  g.  Junckern  von 
Bevem  so  vil  vermerckt,  das  zu  besorgen,  doctor  Wieck  sei  nit 
noch  im  leben.**   Die  Bestätigung  dafür,  dafs  v.  d.  Wieck  heimlich,  und 


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Anno  1534  acta.  517 

Caspar  vero  Indefeldus,  consnl,  etsi  principem  negligentia 
regendi  offensnm  sibi  habeat,  liberius  tarnen  nrbe  et  anabap- 
tistis,  quos  serio  aversabatnr,  relictis  Hammonam  concessit^ 
At  Hermannns  Tylbechins  mentem  snam  non  Celans  diutius,  sed 
eam  ex  nmbra  in  solem  prodncens  totum  se  anabaptismo  dedit 
atque  in  urbe  manet. 


zwar  in  Fürstenau,   hingerichtet  wurde,   giebt  uns   ein  Brief  des  Herzogs 
Ernst  von  Braunschweig-Lüneburg  an  den  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von 
Sachsen  vom  11.  Mai,   in  dorn  es  heifst   (M.  G.-Q.  II,  232):    „Es  ist  der 
frura  doctor  Vick   vam  bischopf  böslich  erwürget  wurden.    Dan  wie  woel 
man  aigentlich  weis,   daes  er  einen  zu  der  Fastcnaw  haimlig  had  laessen 
daes  haubd  absiahen,  so  had  er  doch  mainem  bruder  und  mir  gescribben, 
das  er  aus  drubsal  gestorben  und  zieh  alsso  crgrcmt  habbe'*  (vergl.  dazu 
den  Bericht  Herm.  Hamelmann's  S.  1208).   „Man  sagget  hier,''  schreibt 
der  Herzog  weiter,  „und  ist  nichtig,  das  mans  van  den  Scharfrichtern  ge- 
beert,  das  er  nichtz  gebeten,   doen  ursach  im  zuvor  melden,   vorummche 
man  in  gedechte  zu  doten.  Darauf  sael  man  im  geantwort  habben,  er  sich 
da  mit  nicht  bekümmer;   heddo  er  den  doet  nicht  wordient,   man  wurden 
in  nicht   doten.    Und  ist  warlig   hoch  erbarmlig,   daes  der  frum,    crliche 
mähen  . . .  alfso  iemmerlig   unvorclagt  und  alfso  in  geheim   seins  lebens 
beraubt.    Ich  zweivelle  nicht,   der  almechtige  Got  wirtz  rechen  und  dem 
bischopf  seins  vorhabbens  zu  schänden  machen."  —  Herm.  Hamelmann 
a.  a.  0.  beschliefst  seinen  Bericht  über  v.  d.  Wicck's  Ende  mit  den  Worten: 
„Fama  quoque  referebat,  episcopum  illius  facti  valde  poenituisse  et  semper 
conquestum  fuisse  id  dumherorum  Monasteriensium  instinctu  factum."  — 
Der  Eindruck   des  Verfahrens   des  Bischofs   gegen  v.  d.  Wicck   hat  lange 
nachgewirkt.  Vgl.  den  Brief  des  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen 
vom  20.  Sept.  1534  an  den  Bischof  Franz  (bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  321), 
in  welchem  dem  Bischöfe  jede  fernere  Hülfe  versagt  wird,  faUs  er  keinen 
Unterschied  mache   zwischen  den  Anhängern  der  VTicdertaufe   und  denen 
des  Evangeliums,  „wie  sich  dann  solchs  aus  der  bescheenen  handlung,  die 
sich  mit  doctor  Wicken  seliger  zugetragen,  wol  erzaigt  hat."  —  Auch  gegen 
die  einstigen  Begleiter  v.  d.  Wieck^s  auf  dem  Schmalkaldischen  Bundestag 
za  Höxter  (s.  Bd.  1  S.  30;»),  gegen  Schroderken  und  Ummegrove,  richtete 
sich  die  Verfolgung  des  Bischofs.    In  dem  oben  cltierten  Gesandtschafts- 
bericht meldet  Joh.  Nordeck  weiter:   „Und  warlich,  ufif  des  cappittels  an- 
geben wirdt  einem  der  abgewichenen  burger   Caspar  Schrorick"  (so  statt 
Schroderken)  „genant  hart  nachgestelt  umb  deswillen,  das  er  mit  doctor 
Wieck  uff  tage  zu  Hozer  bei  e.  f.  g.  gewesen."    Aus   einem  Briefe  Joh. 
ümmegrove's  an  den  Bischof  vom  5.  Mai  1534  (Orig.  im  St.-A.  M.)  ersehen 
wir,  dals  Ummegrove  das  freie  Geleit  aufgekündigt  war. 

')  Durch  Vermittlung  der  Kurfürsten  von  Köln   und  von  Sachsen 
erlangte  er  sp&ter  die  Gnade  des  Bischofs  wieder.    S.  weiter  unten. 


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518  Aimo  1534  acta. 

Qnidam  factiosornm  in  omnem  effusi  libidinem  tanta  in- 
temperantia  bacchanalia  celebrant,  ut  non  solnm  hellnando,  po- 
tando  et  craptdando  sese  fatigarent,  vernm  etiam  varios  ludos 
et  spectacula  in  contemptnm  et  Indibriom  catholicomm  publice 
exhiberent*.  Quendam  enim  verberonem  ementito  morbo  ge- 
mentem  in  lectum  curnii  impositnm  collocant,  ad  coins  pedes 
alius  quidam  scnrra  sacerdotis  veste  stolaqne  personatus  sedere 
fingitur  altera  aspergillum,  altera  vero  manu  librum  sustinens 
et  vitreis  perspiciUis  nares  constringens  multa  inepta  obscura 
voce  legit.  Hunc  currum  sex  flagriones  more  equorum  copulati 
per  omnes  urbis  vicos  trahunt,  quorum  duo  Franciscanonun, 
duo  Teutonicorum  dominorum  et  reliqui  duo  Toannitarum  amictn 
vestiti  fuerunt.  Aurigam  vero  personatum  episcopum  faciunt. 
Hupertus  quoque  Buesscheras,  procerus  quidam  faber  ferrarius, 
nigri  monachi  amictu  vestitus  aratro  iungitur  adhibitis  quibus- 

•p.  448.  dam,  qui  *per  ludum  iocumque  flagris  et  scuticis  bipedem  istum 
caballum  per  omnes  plateas  impellerent.  Caspar  Borchardi,  na- 
sutus  quidam  nebulo,  cuius  mater  ante  annos  aliquot,  cum  in 
palo  numellario  ignominiae  causa  se  aliquamdiu  spectandam  ex- 
hibuisset,  urbe  profligata  fuerat,  Hiltropiae  in  pago  urbi  vicino 
fasci  virgarum  incumbens  a  suae  farinae  satellitio  psalmos  bo- 
ante  in  publica  processione  crucibus  vexillisque  praegestatis  et 
Omnibus  campanis  pulsatis  circum  coemiterium  portatur,  quasi 
reliquias  Sanctorum  arculae  inclusas  summa  cum  veneratione 
circumgestassent.  Taceo  hie  reliqua  nugarum  genera  a  triver- 
beronibus  passim  exhibita,  quae,  ne  simplices  o£fendantur,  silentio 
praeterire  quam  publicare  praestat. 

21.  Febr.  Hiuc  Heuricus  BoUius  21.  Februarii  a  retinctis  cum  plena 

auctoritate  conscribendi  milites,  cum  obsidionem  sibi  metuerent, 
in  Hollandiam  emittitur.  Qui  non  procul  a  Traiecto  captus  pe- 
cuniis  emunctus  anabaptista  esse  deprehenditur.  Itaque  igni 
adiudicatus  poenas  transfugii  ab  ecclesia  catholica  pendit^. 


^)  Das  Folgende  ist  nur  von  Kens,  berichtet 

')  Vgl.  oben  S.  421  f.,  wo  auch  die  Literatur  über  RoU  angegeben 
wurde.  RoU  begab  sich  znnftchst  nach  Wesel.  lieber  seine  Wirksamkeit 
dort  geben  die  Bekenntnisse  der  Weseler  Wiedert&ofer  vom  Jahre  1&35 
(abgedruckt  von  K.  W.  Bon t erweck  in  der  «Zeitschr.  d.  Bergischen  Ge- 


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Anno  1534  acta,  519 

Princeps  propins  ad  nrbem  accedens  cum  instrnctissüno 
eqxdtatn  altius  de  rebns  futuris  et  obsidione  cum  dioecesis  pro- 
ceribus  actnrns  23.  Febmarii  *  Telgetnm  ingreditnr  et  snperioris  23.  Pebr. 
memor  captivitatis   excubias  tarn  dinmas  qnam  noctnrnas  dili- 
gentiores  agit,  ne  a  Monasteriensibus  circumveniatur. 

Eodem  etiam  die  *  comitia  novi  senatns  creandi  gratia  ha- 
bita  sniit,  in  quibus  Henricus  Eedeker,  tribunus  plebis,  popnlum 
admonmt,  cnm  hactenns  senatns  ex  instinctn  camis  sit  designa- 
tns,  nnnc  snggestione  Spiritus  enndem  esse  eligendnm  \  Primnm 
ergo  snf&^atores  decem  de  more  in  curia  tributim  deliguntur*: 
ex  tribn  Martiniana  Hermannus  Boemer  et  Andreas  Werdenus, 
coriarius,  ex  tribn  Lambertina  Conradus  Cruse  et  Henricus  Loe- 
man,  alutarius,  ex  tribn  Ludgeriana  Bemardus  Boentrnppe  *ac*  p  449. 
Joannes  Lepper,  ex  tribn  Aegidiana  Albertus  Geisthovell  et  Jo- 
annes Bedeker,  ex  tribn  Mariana  Antonius  Grotevader,  ex  lude- 
feldana  Hermannus  Foecke.  Hi  conclave  senatorium  ingressi 
24  homines  non  solum  abiectissimos,  verum  etiam  sceleratissi- 
mos  et  vix  dignos,  quibus  vel  portarum  vel  carcerum  urbis  vel 
pristini  senatns  equorum  canumve  custodia  committeretur,  ad 
gnbemacula  civitatis  suscipienda  eligunt,  qui  occasu  urbis  magi- 
stratum  suum  finire  cupiebant  *.  Hi  postridie,  nempe  24.  Fe-  24.  Pebr. 
brnarii,  diversa  inter  se  officia  distribuunt  hoc  modo:  Consules 
constituuntur  Bemardus  KnipperdoUingus,  Gerhardus  Kippen- 
broich,   pannicidae;    aediles   Joannes  Daventriacus,   Christianus 


Schichtsvereins"  Bd.  1  [Bonn  1863]  S.  360  ff.,  Separatabdr.  S.  81  fif.)  einige 
Aufschlüsse.  Zuletzt  war  er  in  Maestricht  thatig.  Ygl.  dazu  J.  Habets 
a.  a.  0.  S.  104  ff.,  133  f.,  152  u.  227.  ffier  ist  er  am  Anfang  Sept.  1534 
verbrannt,  nicht  zu  Utrecht,  wie  Kerss.  fälschlich  angiebt.  Die  Quellen 
dafür  bei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  II.  S.  341. 

')  Auf  den  Abend  dieses  Tages  hatte  der  Bischof  am  17.  Febr.  von 
Iburg  aus  die  Bitterschaft  gerüstet  nach  Wolbeck  entboten  (Konzept  des 
Befehls  im  St.-A.  M.).   Der  Bischof  selbst  verblieb  zunächst  noch  in  Telgte. 

—  *)  E«  war  der  zur  Ratswahl  übliche  Tag,  der  erste  Montag  in  den  Fasten. 

—  ')  Das  berichtet  Eerss.  nach  Joh.  Fabricius  Bolandus:  Motus 
Monast.  EL  H8.  —  *)  üeber  die  Form  bei  der  Batswahl  und  über  die 
Ratsämter  s.  Bd.  1  S.  105 ff  —  ^)  H.  Gresbeck  S.  18  sagt:  „Und  alle  die 
iene,  die  sie  do  in  den  rait  setten,  dat  weren  al  mit  einanderen  wedor- 
doepers,  dat  sie  wolden  einerlei  luede  sein." 


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520  Anno  1534  acta. 

Woerdeman,  butyropolae;  praetoris  nrbani  assessores  Christianus 
Kerckerinck,  patricius,  Henricns  Pantes  ^  faber  ahenarins ;  oeno- 
prostatae  (vini  praefecti)  Joannes  Palck,  faber  ferrarius,  Henricns 
Eodde,  aurifaber;  qnaestores  sen  grntae  praefecti  Conradus  Crnse, 
Nicolaas  Snider;  cervisiae  praesides  Joannes  Ossenbeck,  Ber- 
nardns  Boentrnppe,  lanio;  xenodochii  praesides  Joannes  Kceninck, 
•p.  450.  Gerardns  Eeyninck;  *leprosornm  praesides  Lucas  Gruter,  Gerar- 
dus  Pruesse,  coriarius;  Antonianae  domns  praesides  Stephanns 
Kopperschleger,  oenopola,  Hanso  ab  Borstel  alias  Mankenns, 
aurifaber;  lateritii  operis  praefecti  Nicolaus  Stripe  iunior,  pan- 
nicida,  Engelbertus  Edinck;  eleemosynae  praefecti  Bernardus 
Picker,  Albertus  Geisthovell,  pistor;  assessores  vrigravii  Bernar- 
dus Olieschleger,  Henricns  Potligen,  sutor. 

Sub  hoc  magistratu  superiori  sceleratiore  nihil  supellectilis 
nihilque  pecuniae  cflferre,  sed  quaelibet  flagitia  quantumvis  enor- 
mia  impune  committere  licuit.  Nam  catervatim,  quasi  scelera 
inter  se  partiantur,  incredibili  amentia  et  nocendi  studio  fla- 
grantes 24.  Februarii  per  urbem  grassantur.  Hi  Nitzinganas 
vestales  terrent  *,  illi  fratres  Fontissalientis  adoriuntur,  hi  Geor- 


')  Im  Mscr.  vcrscliricbcn  für  Henricus  Xantus,  den  Kerss.  später 
als  einen  der  zwölf  Aeltesten,  dann  als  einen  der  Ilüstjueister  und  weiter 
als  einen  der  Herzöge  des  Königs  aufführte.  Die  Namcnsforra  Pantes  ist 
in  einzelne  spätere  Handschriften  übergegangen,  wälirend  andere  die  rich- 
tige Form  haben.  In  der  von  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  II.  S.  3()8fif.  ver- 
öffentlichten, aus  dem  17.  Jahrhundort  stammenden  Zusanmienst eilung  der 
Münsterschen  Ratsherren  und  Korgenoten,  deren  angeführte  Namen  sich 
sonst  auch  hier  ganz  mit  den  von  Kerss.  gebotenen  decken,  ist  S  312 
neben  Kerstien  Kerckerinck   Henr.  Sanctus  als  Richtlierr  angegeben. 

*)  Viele  Einzelheiten  dazu  bietet  die  Niesingschronik  (M.  G.-Q. 
II,  430  ff.).  Aus  ihr  geht  hervor,  dafs  Beunruhigungen  der  Nonnen  boreits 
am  21.  und  22.  Febr.  stattgefunden  hatten.  Am  24  Febr.  wurde  ihnen 
die  Wahl  gestellt,  entweder  das  Kloster  zu  räumen,  oder  sich  taufen  zu 
lassen.  Am  25.  Februar  begann  die  Plünderung.  Die  Chronik  zählt  eine 
Reihe  der  Kostbarkeiten  auf,  die  geraubt  wurden.  Sie  berichtet  auch,  wie 
es  durch  List  gelang,  die  Wegnahme  der  Rentbriefe  und  des  wertvollsten 
Kelches  zu  verhindern.  Sehr  lebhaft  ist  dann  die  Austreibung  der  Schwe- 
stern am  27.  und  28.  Februar  geschildert,  die  alle  ohne  Ausnahme  aus 
Münster  weichen  mufsten,  da  sie  das  Ansinnen,  sich  taufen  zu  lassen, 
standhaft  zurückwiesen.  Die  Chronik  führt  schliefslich  die  Namen  der  55 
ausgewiesenen  Schwestern  an. 


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Anno  1534  acta.  521 

gianos  invadunt,  Uli  in  loannitas  reliqnaqne  nrbis  coenobia  et 
sacras  aedes  impetnm  faciont,  vestes,  pecnnias,  snpellectilia  et 
quaecunque  sibi  usui  futura  existimabant  diripiunt  Neque  a 
templis  sibi  temperant;  argentum,  aurom,  pallia  sacra,  calices 
omamentaqne  omnia  in  Dei  cnltom  et  ministeriam  dedicata  an- 
ferunt  finntqne  impurissimorum  verberonum,  scortornm  et  mi- 
litmn  vestitns  et  stipendia.  Nihilqne  a  rapina  et  depraedatione 
tutum  Mt.  Imagines  ex  snperioribus  motibus  reliquas  confrin- 
gunt  aut  rasis  parietibus  deturpant.  Sacellum  D.  Antonio  iuita 
portam  Manritianam  *concecratum  ereptis  bonis  mobilibus  de-*p.  45L 
molinntnr.  Sed  nnlla  vis  etsi  saepe  tentata  sacello  D.  Lndgeri 
nocere  potuit^ 

Inde  eodem  die'  circa   horam  quartam  vespertinam   Ber- 
nardns  Mnmme   verberonum    agmen   secnm   dncens    aeditunm 


')  Als  Datam  der  allgemeinen  Plünderung  giebt  H.  Dorp  Bl.  D4 
den  25.  Februar  an.  Er  sagt  nur  kurz:  „Des  Mitwochs  fallen  sie  in  alle 
klöster  und  kirchen,  plündern  die  und  nemen  daraus  gold,  sylber,  gelt, 
kleinot,  Zierat  und  was  sie  sonst  finden."  Einzelheiten  sind,  abgesehen 
von  den  schon  erwähnten  aus  dem  Niesingskloster,  nur  noch  von  der  Ver- 
wüstung des  Domes  und  von  der  Zerstörung  der  Mauritzkirche  überliefert. 
S.  gleich  weiter  unten.  Auch  das  «Tagebuch**  a.  a.  0.  S.  lO^i  begnügt  sich 
mit  den  kurzen  Worten,  es  wären  nach  dem  Dome  »vort  alle  ander  kercken 
und  kloestere  spoliert"  worden.  Die  gleich  näher  zu  besprochende  «Ord- 
nung der  WiederteufTer  zu  Münster"  führt  Bl.  A2  (Neudruck  in  der 
Ztschr.  17  [1856]  S.  242)  unter  den  ausgeraubten  Klöstern  auch  das  üeber- 
wasser-  und  Aegidiikloster  an.  —  Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  228 f. 

*)  Dasselbe  Datum  für  die  Verwüstung  des  Domes  bietet  das  «Tage- 
buch** a.  a.  O.  S.  106:  «Und  dessolvigen  dags**  (24.  Febr.)  «ummetrent  IIII 
uren  synt  de  borgere  mjt  erer  wher  tsamen  gekomen  upn  domhoflf  und 
hebn  den  kostercn  ton  dorne  de  slotteil  genommen  und  dar  yn  gegaen  und 
de  clenodjen,  alse  kclcke,  monstrantien,  selvcren  und  golden  geszmyde  mjt 
gülden  kästen  dar  uth  spolierth  und  alles  up  dat  raithuyfs  gebracht.** 
H.  Dorp  Bl.  D4  hat  bei  seiner  kurzen  Erwähnung  der  Domplünderung 
das  Datum  des  26.  Februar.  H.  Gresbeck  S.  18  führt  kein  bestimmtes 
Datum  an.  Aber  er  sagt :  «Die  wiederdoepers  . . .  hebben  den  custers  die 
sluettel  genommen  und  hebben  den  doem  umbher  tho  geschloten  und  haben 
alle  kisten  und  schape  entwo  geschlagen  und  hebben  so  twe  ofte  dry 
dage  in  doem  gelegen  und  hebben  darin  gesungen  und  gesprungen 
und  alle  die  hilligen  entwe  geschlagen  und  hebben  die  verbrant  und  so 
dagh  und  nacht  in  dem  doem  gelegen  und  haben  gedruncken.*'  Die  Aus- 
plünderung seiner  Domkirche  am  26.  Febr.  meldet  der  Bischof  am  27.  aut 


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522  Anno  1534  acta. 

dominici  templi  adortns  claves  vi  ab  illo  eztorsit.  Ibi  primnm 
in  sacelli^m  D.  Yirginis  aliaque  ex  ordine  irrunnt  eaqne  despo- 
liant,  frangnnt  et  corrumpnnt.  Inde  templnm  dominicnm  omni- 
bns  omamentis  ereptis  denndant,  adyta  profanant,  altaria  aliqnot 
direptis  mappis,  quibus  obtegebantur,  diripinnt.  Horologinm\ 
opus  artificiosissimmn,  malleis  secnribnsqne  pnlsant,  singalari 
vero  odio  et  furore  baptisterium  reliqniarumque  repositoria  com- 
minnnnt.  Conclave  capitniare  ingressi  fenestras  et  sedilia  in- 
signibus  dominorom  magna  arte  elaborata  dissecant.  Imagines 
D.  Virginis  ac  loannis  Baptistae  a  Francone  monacho  artificio- 
sissime  in  tabnlis  daabus  depictas  in  nsum  foricamm  perforant 
easqne  snpra  fossam  interiorem  nrbis  inxta  ludaeornm  coemi- 
terinm  pro  excubias  agentibus  coUocant.  Sybillamm  effigies  ad- 
miranda  arte  expressas  et  circnm  chomm  forinsecns  per  certa 
intervalla  dispositas  emunt.     Imagines   patrio  marmori   incisas 


Telgte  dem  Erzbischofo  von  Eöln  und  dem  Herzog  von  Cleve  (Konzept  im 
St.-A.  M.).  Die  Yerwüstang  wird  eben  mehrere  Tage  angehalten  haben. 
In  der  Proposition  auf  dem  Landtage  zu  Hiltrup  vom  17.  März  läfst  der 
Bischof  den  Ständen  sagen  (St.-A.  M.,  Landtagsakten  1532—37),  der  Dom 
sei  ^. . .  also  verwoestet,  datter  nu  mer  nicht  als  ein  lovclich  gotzhus  und 
overste  kercke  dusscs  lantz,  dan  ein  ungestalt,  verdorven  gcbouw  antoschen. 
Dergeliken  all  kercken,  gotzhuser  und  cloister  in  ger.  stadt  erbärmlich 
spoliert  und  versturt,  zo  dat  nu  gantz  und  gar  Götz  wort  und  sacramente 
nedergelacht  und  dat  wesen  dar  bynnen  mcr  einen  vehischen,  dan  mensch- 
ligen  loven  und  wesen  to  vergliken."  Yergl.  zur  Sache  auch  L.  Keller: 
G.  d.  W.  S.  195  ff. 

^)  In  der  folgenden  Beschreibung  der  Yemichtung  einzelner  Kunst- 
werke des  Domes  (vgl.  über  dieselben  das  5.  Kapitel  der  Ker8s.'schen  Ein- 
leitung [Bd.  1  S.  28  ff.]  und  die  dort  in  den  Anmerkungen  angeführte  Lite- 
ratur) giebt  Kerss.  einen  Auszug  aus  dem  1535  erschienenen,  von  ihm. 
weiter  unten  noch  mehrfach  benutzten  Flugblatt:  „1^3t  €^rbnnng  btr 
Wßitttxttnfi^tv  in  Fäünfttv,  ||  3Um  maa  fttl^  bafelb»  nebenan  uerloffen 
l^tt,  II  uonn  ber  jfßtt  an,  aEa  bie  Ätatt  ||  beUgert  ifl  tnorben.  ||"  (Neu- 
druck in  der  Zeitschr.  17  [1856]  S.  240  ff.)  Die  in  der  „Ordnung"  gebo- 
tenen Nachrichten  gehen,  wie  ich  in  der  Ztschr.  51  (1893)  S.  107  ff.  weiter 
ausführte,  auf  den  Bericht  des  Hermann  Ramert  zurück,  eines  gewesenen 
Anh&ngers  der  Wiedertaufe,  der  am  19.  Juni  1534  Münster  heimlich  ver- 
liefs,  um  die  durch  Hille  Feicken  beabsichtigte  Ermordung  des  BischoÜB  sn 
verhüten,  und  sie  sind  zum  grofsen  Teil  in  die  Münstersche  BischoÜBchronik. 
übernommen  worden  (M.  G.-Q.  I,  332  ff.). 


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Anno  1534  acta.  523 

raraque  arte  elaboratas  capitibns,  brachiis  crnribusque  confractis 
mntilant,  ligneas  vero  secnribus  dissectas  in  ignem  ibi  extmctnm 
coniicinnt.  Simulachra  Patrum,  Prophetarum,  Apostolorum  ali- 
orumque  Sanctornm  colnmnis  parietibnsye  passim  afßxa  scalis 
vectibusque  admotis  deturbant^,  ossa  Sanctornm  et  sacrosanctnm 
Domini  corpus  pedibns  concnlcant.  Organa  ereptis  tibiis  distur- 
bant,  fenestras  pictas  frangunt  et  maxime  Erici  episcopi  donnm 
praestantissimnm  atqne  amplissimnm  ^  Libros  intns  hnmano  ex- 
cremento  illitos  in  nnnm  acervum  cremandos  congerunt;  biblio- 
thecam  doctissimi  viri  et  poetae  gravissimi  Bodolphi  Langii  Incn- 
brationibns  et  monnmentis  antographis  nondnm  editis  anctam 
lacerant  atque  discerpnnt  •.  Magnam  illam  crucem  argenteis 
laminis  detractis  in  cinerem  vertnnt;  sarcophagis  episcoporum 
nobiliumqne  canonicomm*  direptis  et  translatis,  fractis  nobili- 
tatis  *insignibus  propugnacula  muninnt.  His  impiis  studiis  »p.  452^ 
totam  noctem  sine  nllins  magistratns  metn  consnmunt. 

Interea  princeps,  cum  pertinaciae  finem  Monasterienses  non 
facerent  neque  alia  ratione  ad  obedientiam  pristinam  eos  revo- 
care   posset,   omnia,    quae  ad  iustam   militiam  et  obsidionem 


')  Eine  Ausnahme  wurde  aber  mit  den  Bildnissen  David's  und  Salo- 
mon's  gemacht    Vgl.  M.  Roch ell's  Zusätze  (M.  G.-Q.  III.  232). 

*)  Gemeint  ist  das  Geschenk  Bischofs  Erich  I.,  Herzogs  von  Sachsen- 
Lauenburg.  Ygl.  dazu  die  Fortsetzung  der  Chronik  des  Amd  Bevergem 
(IL  G.-Q.  I,  SOG)  und  die  Münstersche  Bischofschronik  (ebendas.  S.  325  u. 
344).    Vgl.  auch  Bd.  1  S.  38. 

")  Die  systematische  Yemichtung  der  Bücher  wird  sehr  bald,  wie 
Kerss.  weiter  unten  erzählt,  fortgesetzt.  Der  Hauptteil  der  wertvollen 
Dombibliothek  war  schon  am  7.  Sept.  1527  infolge  einer  Feuersbrunst  zu 
Grunde  gegangen.  Vgl.  Bd.  1  S.  41  u.  157.  Damals  war  also  die  Bücher- 
sammlung Rudolfs  y.  Langen  gerettet  worden.  Die  „Ordnung^  spricht 
iweimal  Yon  der  Bücherverbrennung.  Sie  erwähnt  zunächst,  dafs  die  „ly- 
berey'  im  Eapitelshause  „gar  verderbt"*  worden  sei,  „und  alle  Bücher,  die 
daranff  waren,  verprennet,  und  die  auff  dem  Chor  waren,  die  nit  verprennet 
waren,  dieselbigen  alle  zerschnitten  und  zerrissen.*'  Gleich  weiter  heilst  es: 
„Yornen  in  dem  Paradeifs  in  der  Kisten  waren  newe  bücher, 
die  man  pflag  fayl  ze  haben,...  sind  alle  von  inen  ver- 
prennef 

*)  Die  „Ordnung^  fuhrt  „inn  Sonderheit  seliger  herr  Diettrichs  Scha- 
denB  thumbtechants  mitt  seinem  aygen  stayu**  an. 


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.524  Anno  1534  acta. 

necessaria  visa  sunt,  comparat^  Primum  itaque  nobilem  loan- 
nem  a  Buren  baronem,  Gerardmn  Morrien,  dioecesis  hipparchum, 
Hermannum  a  Mengersen,  Paderbomensis  dioecesis  vicarinm  seu 
legatum,  ac  loannem  a  Eaesfelt  totins  militiae  primarios  prae- 
fectos  designatl  Fredericus  vero  ab  Eller,  Henricus  a  Schone- 
becke,  Gerardus  de  Eecke,  Joannes  de  Korthe,  Joannes  a  Senden 
ac  Joannes  de  Dincklage,  eqnestri  disciplina  exercitatissimi,  eqni- 
tatns  dnces  creantur*;  pedestris  autem  exercitus  praecipni  ac 
supremi  duces  fiunt  Wilkinus  Stedingus*,  vir  militaris  ordinis, 
et  Gerardus  Munster  cognomento  Smoker,  qui  postea  ad  oppidanos 
defecit^  viri  armorum  scientia  clari,  quibus  singulis  conscribendi 


*)  üeber  frühere  kriegerische  Vorbereitungen  des  Bischofs  gegen 
Münster  vgl.  oben  S.  477  Anm.  2  u.  S.  487  Anm. 

*}  Kopie  der  Urkunde  vom  23.  Febr.,  durch  die  die  Genannten  mit 
Bewilligung  des  Landtages  ^vor  kryges  reede  und  overste  veltheren  ver- 
ordent"  werden,  im  St.-A.  M.  Sie  sichert  Johann  v.  Büren  und  Hermann 
V.  Mengersen  monatlich  ir>0  Goldgulden,  sowie  8  Emden  er  Gulden  „up  ein 
jder  perdf*  zu.  Nach  der  Rechnungsablage  des  Münsterschen  Pfennig- 
meisters Job.  Hageböeke  (mitgeteilt  von  Fr.  Kellerhoff  in  der  Zeitschr. 
24  [18(54]  S.  297  ff.)  erhielten  (S.  334)  Gerhard  Morrien  und  Johann  v. 
Raesfeld  für  acht  Monate  Feldherrndienstes  im  Ganzen  je  1300  Goldgulden, 
sowie  monatlich  für  je  ein  Pferd  8  Emdencr  Gulden. 

^)  Durch  Urkunde  vom  3.  März  (Kopie  im  St.-A.  M.)  erhielten  Bern- 
hard V.  Wcsterholt,  Dietrich  v.  d.  Recke  und  andere  Ungenannte  die  oberste 
Leitung  der  Reiterei.  Bestallungsdekrete  für  die  sechs  von  Kerss.  Genannten 
habe  ich  im  St.-A.  M.  nicht  gefunden.  Sie  werden  jedoch  öfter  in  den 
Akten  als  Rittmeister  genannt,  und  in  der  eben  erwähnten  Rechnungsablage 
des  Johann  Hageböeke  (a.  a.  0.  S.  329  ff.)  sind  sie  als  Rittmeister  bei  den 
einzelnen  später  errichteten  Blockhäusern  aufgeführt.   S.  auch  weiter  unten. 

*)  ^m  18.  Febr.  schon  beurkundet  Bischof  Franz  (Kopie  im  St.-A. 
M.),  „. . .  dat  wy  . . .  Wilcken  Stedinck  vor  unsen  oversten  hoepman  ange- 
nomen  hebben  und  annemen,  in  behoff  noittrofft,  walfart  und  beschermunge 
imser  stiffte,  lande  und  undersathen  ein  venljn  guder  lantzknechte  dre 
maent  lanck  ncistfolgen  antonemen.^  Am  2.  März  meldet  der  Bischof  dem 
Landgrafen  von  Hessen  (Orig.  im  St.-A.  Marburg),  dafs  er  Wilken  Stedinck  zur 
Anwerbung  von  Knechten  nach  Meifsen  und  Thüringen  abgefertigt  habe.  — 
Eine  abermalige  Bestallungsurkunde  für  W.  Stedinck  als  obersten  Hauptmann 
der  Knechte  gegen  Münster  ist  vom  1 5.  März  datiert  (Kopie  im  St-A.  M.), 

^J  Schon  am  16.  Mai  schreiben  die  clevischen  Kriegsräte  an  den 
Herzog  Johann  (M.  G.-Q.  II,  234),  sie  hätten  vom  Bischof  von  Münster 
erfahren,   dafs  der  Hauptmann   Gerhard  Smocker  „in   einem   scharmutsel 


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Anno  1534  acta.  525 

eqaites  peditesqne  cnra  datur.  Hi  itaqne  collectis  aliquot  milli- 
bns  armatomm  reliqna  militiae  ofßcia  habita  fortitudinis  et  ex- 
perientiae  militaris  ratione  distribnnnt.  Pentacosiarchae  hi  sunt : 
Joannes  Corytzerus  Eeynanns,  Peregrinus  Iselmudianns,  Andreas 
Lubbecanns,  Egbertns  Deverenns,  Theodoricus  Grollanus,  Eberar- 
dus  Ovelakerus,  Hermannus  Sittardus,  Laurentius  Horsthanus, 
Theodoricus  Tylanus,  Albertus  a  Beltzich  Suerhusius,  Augustinus 
Daventriacus,  Georgius  Schimmellius,  Joannes  Hakenus,  Godo- 
fridus  Traiectensis,  Beraardus  Kettellius,  Georgius  Kylanus, 
Nicolaus  Utermarckanus,  ludocus  Mudeus,  Georgius  WulfFrams- 
torpius,   Michael  EflFurdianus   ac  Lippoldus  Wulfframstorpius  \ 


in  die  stat  komen.  Of  nn  solichs  mit  sinem  willen  gcschcen,  oder  das 
er  gefangen  sy  worden,  künde  s.  f.  g.  nit  eigentlich  wissen."  Den  Tod 
Smocker's  in  Münster  berichtet  Kerss.  weiter  unten.    S.  dort. 

')  Im  St.-A.  M.  findet  sich  M.  L.  A.  518/19  U.  fol.  2*J0f.  unter  dem 
Titel:  »Myns  gnedigen  hern  van  Munster  angenommen  hoeplude  im  stifffc 
van  Munster  im  jar  xvcxxxiiii"  ein  Verzeichnis  mit  folgenden  Xamen: 
Wilcken  Stedinck  als  einen  oeverst  hoepman  over  de  ander  alle  (Annahme 
38.  Februar),  Johan  Kuritzer  (20.  Febr.),  Pelgrim  van  Iselmude  mit  500 
knechten  (14.  März),  Augustin  van  Deventer  mit  5U0  knechten  (21.  März), 
Boynck  van  Oldershem  mit  einen  walbesattcn  fenlin  (23.  März),  Wolter 
van  Deventer  als  hoepman,  Lentz  van  der  Horst  und  Arndt  van  Utert  mit 
einen  fenlin  knecht  (26.  März),  Gerdt  und  Mispelboem  van  Triebt  mit  etz- 
ligen  lantzknechten  tototrecken  (4.  April),  item  de  Sniokcr,  Jurien  van 
Kyll  und  Claes  ütherdeminck  als  hoeplude  mith  twen  guden  walbedeckten 
venlin  knechten  (10.  April),  Egbert  van  Devem  und  Berndt  Kettel  als 
hoeplude  mith  ses  oder  seven  hundert  knechten  (11.  April),  Joist  van 
Mueden  knechte  antonemen  (13.  Mai),  Dirick  van  Grolle  mit  einem  venlin 
knechten  (17.  Mai),  Andrefs  van  Lubbeke  mith  etligen  knechten  (17.  Mai), 
Evert  van  Suerhuefs  up  deselve  tydt  mith  ein  venlin  (17.  Mai),  Johann 
Hake  mith  einem  hopen  knechten  (26.  April),  Dirick  van  Tyll  mit  ein  fenlin 
(11.  April),  Herman  van  Sittert  mit  dusent  knechten  (27.  Juni).  —  Von 
den  Namen  dieses  Verzeichnisses  fehlen  bei  Kerss.  die  des  Boynck  van 
Oldershem,  Wolter  van  Deventer  und  die  des  Gerdt  und  Mispelboem  van 
Triebt.  Die  Annahmeurkunden  für  die  beiden  Ersteren  zu  Hauptleuten 
befinden  sich  im  St.-A.  M.  Statt  des  im  Verzeichnis  genannten  Arndt  van 
Ütert  hat  Kerss.  Godofridus  Traiectensis.  Nur  von  Kerss.  werden  genannt 
Albertus  a  Beltzich,  Georgius  Schimmellius,  Georgius  Wulfframstorpius, 
Lippoldus  WulfEram&torpius  und  Michael  Effurdianus,  von  denen  die  drei 
Ersten  aktenmäfsig  als  Hauptleute  nachzuweisen  sind  (vergl.  M.  G.-Q.  11, 
239  f.,  377  u.  382).  —  Auf  die  Zeit  der  Annahme  der  Hauptleute  hat 
Kerss.,  wie  ersichtlich,  keine  Rücksicht  genommen. 


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526  Anno  1534  acta. 

Totus  exercitus  tarn  eqnestris  quam  pedestris  tres  menses  in- 
anctoratur,  quibns  exactis  omnes  dnces  et  militiae  praefecti  prin- 
cipi  operam  suam,  si  poscat,  ad  finem  sascepti  belli  sine  sti- 
pendii  augmento  addicnnt  \  Stipendia  singnlis  ratione  officiomm 
militarium  decreta.  Eqniti  in  singulos  menses  octo,  pediti  vero 
"p.  453.  gregario  qnatuor  *Embdenses  floreni  loco  stipendii  decernuntur. 
Qnilibct  florenns  25  solidis  Monasteriensis  monetae  aestimabitur. 
Continebat  autem  mensis  militaris  28  dies  K  Singulis  pentacosi- 
archis  quinque  gregarii  militis  stipendia  et  unum  pro  puero 
decernuntur,  legato  sive  vicario  duo  stipendia  et  pro  puero  unum, 
signifero  quatuor  et  pro  puero  unum  Stipendium,  aciei  supremo 
instructori  quatuor  et  unum  pro  puero,  substitutis  ab  eo  sin- 
gnlis duo,  praetori  militari  totidem  quot  pentacosiarchae  stipen- 
dia, tribus  praetoris  ministris  singnlis  duo,  quaesitori  totidem 
stipendia  quot  sunt  in  exercitu  signiferi  et  pro  tympanista  suo 
unum,  sex  lictoribus  quaesitoris  ministris  singnlis  duo,  praefecto 
vigilum  totidem  quot  pentacosiarchae,  praefecto  commeatus  duo 
et  pro  puero  unum,  pentacosiarchae  duobus  satellitibus  singnlis 
duo  stipendia,  militaris  ordinis  viro  armis  bene  instructo  duo 
stipendia  sine  puero,    reliquis   quibuscunque  splendida  et  gravi 


')  Diese  Bestimmnng  geht  für  das  Fufsvolk  hervor  aus  der  Bestal- 
lung Wilken  Stedinck^s  vom  15.  März,  wo  es  genauer  heiTst:  „Des  sollen 
sie  uns  verpflichtet  sein,  dair  wir  jrer  lenger  hednrfiPten  nach  uTsganck 
disser  vorgeschriehener  dreier  monaten,  uns  zu  dienen  voir  eingen  fursten, 
herm  und  stetten  voir  die  voirgeschrieben  veer  Emhder  gülden  und  uns 
nit  hoher  zu  stegeren  ader  zu  dringen.^  Doch  hedang  sich  der  Bischof 
auch  aus,  dafs,  wenn  er  vor  Ablauf  der  drei  Monate  der  Hauptleute  und 
Knechte  nicht  weiter  hedurfte,  er  Macht  und  Gewalt  hahen  solle,  „vorge- 
melte  hevelhehber  und  knechte  gentzlich  ader  zom  teile  zu  verleuhen  nach 
unserm  gefallen,  auch  inen  de  besoldunge  zu  geben  nit  weiter,  dan  nach 
verlauff  der  zeit  und  sie  uns  gedienet  sollen  verpflichtet  sein.**  Nach  Er- 
oberung der  Stadt  soll  ,,der  knechte  roonat  nach  alter  gewonheit  aus  und 
widerumb  angaen.**  Werden  Knechte  vom  Feinde  verwundet,  oder  werden 
sie  krank,  so  soll  ihr  Dienst  ^vortgaen,  so  lange  uns  der  hauffe  dienet, 
willen  ihne  auch  der  artzen,  bjfs  sie  der  entfangener  kranckheit  und  wun- 
den, so  sie  jn  unserm  dienst  und  vor  den  viant  erlangt  haben,  genefsen, 
zu  &idden  stellen." 

*)  Die  Angaben  werden  bestätigt  durch  die  Bestallungen  für  Wilken 
Stedinck  vom  18.  Febr.  und  15.  M&rz,  für  B.  v.  Westerholt  und  D.  t.  d. 
Becke  vom  3.  M&rz. 


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Anno  1534  acta.  527 

armatnra  indntis  sex  floreni  sine  pnero,  ecclesiastae  duo  stipendia, 
satellitibus,  dnctoribus,  fistnlatoribus,  tympanistis,  tonsoribus  et 
scribis  singolis  duo  stipendia  decernnntur  *.  Haec  autem  sti- 
pendia  tertia  Martii  procedere  incipient. 

Pacta  militaria*:  „1.  Milites  praestito  militari  sacramento, 
qnandocanqne  necessitas  postulaverit  et  ad  quemcunque  locum 
eyocati  fuerint,  adversus  bestes  principis  fortiter  sine  ulla  tergi- 
yersatione  dimicabunt,  principis  sabditorumqne  incommoda  pro- 
pnlsabnnt,  commoda  vero,  qnantam  bnmana  indnstria  et  armis 
possint,  propngnabont. 

2.  Omnes  militaris  disciplinae  articnlos  consuetos,  nt  instos 
et  probos  milites  decet,  servabnnt. 

*3.  Civitates,  arces,  tormenta,  pulverem  nitratum,  globos  »p.  454. 
et  qoaecunque  ad  tormenta  pertinent  ab  hostibus  direpta  prin- 
ceps  sibi  vindicabit*. 


')  Ein  Papier  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A.  518/19  III.  fol.  41)  ^Besoldung 
der  hohen  ampteren*'  hat  folgende  Angahen,  mit  denen  die  Eerss.'s  üher- 
einstimmen:  „Item  einem  iglichen  heuptman  5  solde  und  einen  jongen, 
=  6  solde:  item  einem  jeden  lutenant  2  solde  and  einen  jongen,  =  3 
solde;  item  einem  itzlichen  fenrichen  4  solde  und  einen  jongen,  =  5  solde; 
item  einem  jeden  yeltweihel  4  solde  und  einen  jungen,  =:  5  solde;  item 
den  weihelln  sambt  anderen  nidderen  ampteren,  auch  pfeiffer  und  trumme- 
sleger  2  solde;  item  dem  schulteiTs  eins  hcuptmans  besoldung,  6  solde; 
item  dem  schulteiTs  3  diener,  einem  jeden  2  solde;  item  dem  profossen, 
somannich  fenlin^  somannich  soldt;  item  dem  profossen  sese  diener,  einem 
jeden  2,  auch  einen  trommcnsleger  1  solde;  item  dem  Wachtmeister  eins 
heuptmans  besoldunge;  item  dem  profandtmeister  2  solde  und  einen  jungen, 
=  3  solde;  item  einem  jeden  heuptman  2  drabanten,  2  solde;  item  einem 
edelman,  der  gemst  ist,  2  soldt  und  keinen  jongen;  item  einem  anderen 
g^ten  gesellen,  der  wol  gerast  und  des  werd  ist,  6  Embder  gülden  und 
keinen  jongen.''  Ein  anderes  Papier  ebendas.  fol.  42  verzeichnet  für  einen 
^veltscheer,  schrjTer  und  farer,**  je  2  solde. 

*)  Eriegsartikel  in  der  Form,  wie  sie  Eerss.  hier  auffuhrt,  habe  ich 
nicht  auffinden  können.  Im  St.-A.  M.  befindet  sich  ein  Artikelbrief  mit 
39  Artikeln,  „eÜigen  lantsknechten  am  sundage  Letare  (15.  März)  vorge- 
halden,^  dessen  Bestinmmngen  sich  aber  nur  auf  die  allgemeine  militäri- 
sche Disziplin  beziehen.  Einzelne  der  Yon  Kerss.  angeführten  Sätze  sind 
aber  enthalten  in  den  Vereinbarungen,  die  der  Bestallungsurkunde  für 
Wilken  Stedinck  vom  15.  März  beigefügt  wurden.  Nicht  zu  belegen  ver- 
mag ich  Artikel  4,  5  (soweit  er  das  Bathans  angeht)  und  6 — 9. 

'}  In  der  Bestallang  heifst  es:    „Sollen  wy  auch  alsdan  genielsen 


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528  Anno  1534  acta. 

4.  Principem  peculiari  oppugnationis  stipendio  militibns 
non  obligari,  si  diripiendam  nrbem  ipsis  permiserit. 

5.  Curiam  civitatis  neque  a  ducibus  exercitus  neque  mili- 
tibns diripiendam  nee  nllo  modo  violandam,  sed  principi  in- 
tactam  servandam  esse.  Beliqnae  qnoqne  praedae  dimidium  sibi 
princeps  paciscitnr. 

6.  Nobiles  canonicos  et  reliquos  ex  cleri  ordine  nee  non 
cives,  qni  nrbe  excessernnt,  ad  emendnm  sna  bona,  quae  in  nrbe 
reliqnernnt,  extraneis  qnibnsvis  praeferendos  esse. 

7.  Nihil  domornm  parietibns  ant  solo  infixum  a  militibns 
post  captam  nrbem  esse  refigendum. 

8.  Capta  per  gratiam  Dei  nrbe  milites  omninm  portamm  et 
mnnitionnm  ins  in  principem  ant  ab  ipso  constitntos  transferent. 

9.  Post  recnperatam  per  Dei  providentiam  nrbem  milites 
intra  octo  dies  dato  per  tympannm  signo  eam  deserent,  interea 
praedam  divident  atque  distrahent.  Qnicquid  antem  princeps 
stipendii  militibns  debnerit,  Uberaliter  et  principaliter  solvet. 

10.  Praefecti  militiae  reliqniqne  milites  capita  seditionis 
in  expngnata  nrbe  correpta  et  deprehensa  (qnornm  nomina  ac- 
cnrate  exprimentur)  non  interficiant,  sed,  qnantnm  fieri  qneat, 
iis  parcent  et  capta  ad  principem  mnnera  non  contemnenda  ab 
eo  expectaturi  adducent^" 


von  allen  gewin  und  gewerbe,  so  von  nnsem  viant  genommen  wirdt  halbe 
renberei"  (vgl.  dazu  den  Schlufs  des  5.  Artikels  bei  Kerss.),  „ausgescheiden 
den  rondems  fufs(?),  der  sali  den  knechten  allein  zukommen,  uns  vorbe- 
halten stetten,  schlofseren,  grob  geschutz,  kraut,  loit  und  aUes,  was  zur 
artilarei  gehorich;  alle  victalien,  so  yn  eroberten  stetten  und  slofseren  ge- 
funden, die  nit  zu  verwüsten  und  zu  verbringen,  sonder  uns  dieselbe  vic- 
talien umb  einen  zimblichcn  pfennig  folgen  zu  laessen,  auch  fursten,  hcm 
bischoven,  prelaten,  eddelleuthen  und  aUe  bevelhebbere  der  lantsknecht, 
sampt  allen  dinckzaell  und  brantschatz,  welcke  uns  allein  zukomen  sollen.*' 
')  Nach  der  Urkunde  hat  sich  der  Bischof  während  der  Belagerung 
„die  leibstraiff  und  dem  kriegsvolck  das  gereide  gut  vorbehalten,  beholtlich 
doch,  das  sie  unseren  gesetthen  oberisten  den  ziehenden  pfennynck  alles 
gewerks  und  gewyns  kennen  soUen,  wie  das  nach  alten  kriegsgebrauch  ein 
gewonheit  yst."  Die  Hauptleute  und  gemeinen  Knechte  soUen  die  ^ungre- 
horsame  und  moitwillige  personen**  dem  Bischöfe  „überantworten,  und  der- 
selben barschafft  soll  allein  den  knechten  voir  preifsguit  zukomen;  aber 
die  andere  gehorsame  soUen  sie  in  keinem  wege  beledigen,  sonder  fridlich 
gewheren  laasen.' 


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Anno  1534  acta.  529 

Hlnc  ad  reprünendum  horrendum  illnd  schisma  arcliie- 
piscopns  Coloniensis,  dox  Clivensis,  comes  Lippiacus  et  Benthe- 
micns,  Daventria,  Campia,  Bilveldia  reliquiqne  vicini  principes, 
comites  et  civitates  circnmfasae  varia  tormentorum  genera,  sed 
immensis  episcopi  ünpensis  in  praesidium  militiae  mittunt,  hae 
globos  ferreos,  illae  aeneos  ant  nitrmn,  Maria  lectrix  Brabantiae 
quadringenta  vasa,  dnx  Clivonun  duodecim,  Ericns  dux  Bruns- 
wicensium  triginta  pnlveris  nitrati  centenarios  *.  Inter  tormenta 
antem  nndiqne  advecta  longissimnm  et  acerrimum  fuit,  quod 
SwoUani  a  serpente  denominatum  transmiserant.  Quae  vero 
*iüssu  Lantgravii  advecta  sunt,  ipso  nomine  fuerunt  horrenda,  ♦p.5455. 
cnm  altemm  a  cacodaemone,  altermn  a  matre  ipsius  nomen 
circumferret  *.    Harpagones,  palae,  secnres  et  scalae  tanta  copia 


')  Von  den  gesamten  Verhandlungen  des  Bischofes  zu  dieser  Zeit 
mit  den  Nachbarfürsten  sagt  Eerss.  kein  Wort.  Vgl.  dazu  die  Einleitung. 
Erst  viel  weiter  unten  bei  Gelegenheit  des  zweiten  Tages  zu  Neufs  im 
Juni  berührt  er,  aber  ganz  zusammenhanglos,  die  Beziehungen  zu  Eöbi 
und  Cleve.  Hierüber,  sowie  über  die  Annäherung  Hessens  an  den  Bischof, 
über  die  Besiegung  des  hessischen  Einflusses  durch  Köln  und  Cleve  auf 
dem  Tage  zu  Orsoj  am  26.  März  vgl.  die  aktenmäfsigen  Ausführungen  von 
L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  245  ff.  und  von  demselben  in  der  „Histor.  Ztschr.", 
hrsg.  von  H.  v.  Sybel,  Bd.  47  (1882)  S.  429  ff.  —  Auch  die  Unterstützungen, 
die  der  Bischof  von  Seiten  der  benachbarten  Fürsten  an  Geld  erhielt,  hat 
Kerss.  ganz  unerwähnt  gelassen.  Ein  reiches  Material  darüber  liegt  in  den 
Staatsarchiven  zu  Münster  und  Marburg  vor.  Ich  habe  die  Absicht,  ge- 
nauere Mitteilungen  darüber  demnächst  erscheinen  zu  lassen.  —  Bei  der 
nur  lückenhaft  gegebenen  Aufzählung  des  dem  Bischof  zugesandten  Ge- 
schützes nimmt  Kerss.  keine  Bücksicht  auf  die  Zeit  der  Entlehnung.  Quit- 
tungen für  gelieferte  Geschütze  sind  an  Cleve  am  9.  März,  für  Graf  Simon 
zur  Lippe  am  23.  März,  für  die  Begentin  Maria  von  Burgund  am  9.  April, 
für  Deventer,  Kampen  und  Zwolle  am  2.  Mai,  für  die  Stadt  Bielefeld  erst 
am  22.  Mai  ausgestellt. 

')  „Dat  hessische  Geschuit,  de  duwell  und  sin  mar  genompt,^  ist 
mehrfach  in  der  «Reckenschop  und  nawisinge  der  uthgiffte,  so  ick,  Hinricus 
Fljncterinck(?),  in  tidt  der  belegeronge  Munster  ...  an  betzoldunge  der 
bossenfuesters,  attolerien  und  anders  utgegeven"  (St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19 
m.)  erwähnt  In  der  Münsterschen  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  331  f.) 
heilst  ed:  „Und  de  landtgreve  von  Hessen  sande  . . .  twe  mechtige,  grote 
buflsen,  de  hete  men  den  duvell  und  sine  moder,  mit  krude  und  lode,  overst 
de  kosteden  aver  YU^  gülden  to  halen  und  wedderumb  to  bringen." 

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530  Anno  1534  acta. 

fabricantur,  ut  etiam  aliqnot  plaustra  repleant.  Caednntur  vi- 
mina  in  nsnm  vinearum,  arma  longo  situ  obdncta  confricatione 
nitescnnt,  enses  machaeraeque  in  cotibns  splendescnnt,  lanceae, 
hastae  atque  loricae  rnbigine  diutuma  liberantur,  equi  eior- 
nantnr,  domantnr  et  ad  bella  humanosqne  usus  assnefinnt  nihil- 
que,  qnod  ad  obsidionem  pertinet,  negligitur. 

Ablegantur  etiam  ab  episcopo  viri  aliqnot  adversns  nrbes 
et  emporia,  qui  ad  hoc  bellnm  necessaria  acqnirant  et  coemant. 
Joannes  Henssenbroick  centnm  viginti  dno  nitrati  pulveris  vasa 
in  Brabantia  emit\  Joannes  Heerde  centum  et  quinqnaginta 
Amstelredamo  advehit*,  Hermannus  Tegeder  quadraginta,  Mel- 
chior Bodegen  triginta  sex  adducit;  alii  Coloniam,  alii  Trevi- 
romm  Augustam,  alii  Francofordiam,  alii  Novesium,  alii  Keysers- 
werdam  emptnm  pulverem  tormentarinm  mittuntnr.  Fredericus 
Wetter  centum  octoginta  novem  centenarios  nitri  Erphurdia  ad- 
fert'  multique  alii  ex  diversis  civitatibus  tam  nitri  quam  sul- 
phuris  magnam  adducunt  copiam.  Eriguntur  quoque  Iburgi  ac 
Osnaburgae  pulveris  nitrati  tundendi  et  conficiendi  gratia  molae 
et  offlcinae  aliquot.  Conradus  Prange,  Amsburgicus  iudex,  et 
Joannes  Swerthen  aliquot  millia  centenariorum  ferri  in  terrae 
montanae  ferrariis  officinis  in  globos  fundi  procurant.  Egbertus 
Eaerbuck  cum  ministrorum  turba  rüdes  lapidum  massas  ex  lapi- 
cidinis  erutas  in  globos  tormentarios  transformant.  Coloniensis, 
Clivensis,  Lantgravius,  Benthemicus,  Osnaburga  aÄaeque  circum- 
quaque  urbes  machinarum  bellicarum  praefectos  mittunt.  Deü- 
guntur*  etiam  viri,  qui  multa  miUia  clavorum  ferreorum,  aliquot 

«)  Ms,:  delinguntur. 


^)  Am  28.  M&rz  meldet  Joh.  Herssebrock  dem  Bischöfe  (Oiig.  im 
St-A.  M.),  dafs  er  am  26.  in  Antwerpen  angelangt  sei  und  sich  weiter 
nach  Brüssel  begeben  werde.  28  „tonnen  kndes^  habe  er  bereits  aufge- 
bracht. „Item,"  heifst  es  in  den  von  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  93  ff.  ver- 
öffentlichten Notizen  über  das  bei  der  Belagerung  gebrauchte  Geschütz, 
„hefft  Hersenbroick  van  Antwerpen  51  fad,  sint  oyerslagen  up  116  centener, 
11  pf."  —  »)  Bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  99  belauft  sich  „dat  kruith,  dat 
Herde  bracht  hefft,""  auf  68  Centner  und  30  Pfimd. 

•)  Verschreibung  für  81  Centner  Salpeter  an  Friedr.  Wetter  vom 
14.  April,  den  Gentner  zu  11  Goldgulden,  im  St.-A.  M. 


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Anno  1534  acta.  531 

centenos  fem  et  plumbi  centenarios,  innumerabüem  chyrobom- 
bardarom,  sclopetomm,  falconetomm  multitndinem  et  nonnullos 
mortarios,  aliquot  nuUia  lanceamm  et  hastamm,  omnis  generis 
fanes,  stramina,  fennm,  havenam,  equornm  pabula,  syndonem 
tenuissimam  in  nsnm  signomm  militarinm  et  corium,  unde  culei 
et  sacculi  fiant,  *in  quibus  pulvis  nitratus  deferatur,  coemant.  »p.  456. 
Multorum  quoque  fabrorum  tarn  ferrariorum  quam  lignariorum 
opera  datis  arris  conducitur.  Quantis  impensis  haec  omnia  com- 
parata  sint,  cogitatione  facilius,  quam  numero  comprehendi  et 
exprimi  potest. 

Inde  cum  retincti  certum  futurae  obsidionis  periculum 
expectarent,  25.  Pebruarii^  quingenti  armati  retincti  ex  urbe  in  25.  Febr. 
D.  Mauritii  insigne  canonicorum  collegium  hostiliter  irruunt  et, 
ut  bostibus  latebras  adimerent,  quod  aliquamdiu  secum  agita- 
verant,  nunc  peragunt.  Primum  aedes  canonicorum,  qui  fuga 
sibi  consuluerant,  diripiunt  atque  ereptis  bonis  omnibus  denu- 
dant,  frumentum,  lectos,  spondas,  picta  stragula  atque  ligna 
curribus  ad  hoc  paratis  devehunt,  supellectilia,  cames  bubulas* 
snillasque  succidias^,  panes  reliquaque  omnia  ibi  reperta  capa- 
cibus  saccis  imposita  mulieres  puerique  in  urbem  transportant, 
aedificia  ita  denudata  flammis  impositis  exurunt.  Hinc  avecto 
plnmbo  templi   tectum  resciudunt,   turri  aäriae  subiectis  lignis 

•)  M8,:  bubalas.  —  '>)  Ms,:  succiduas. 


')  Dasselbe  Datum  giebt  die  Niesingschronik  (M.  G.-Q.  ü,  433)  und 
das  „Tagebuch**  a.a.O.  S.  107.  H.  Dorp  Bl.  D4  giebt  den  Dienstag, 
also  den  24.,  an  und  fügt  hinzu,  der  Ueberfall  sei  geschehen  „aufs  befelch 
der  Burgermejster.''  KnipperdoUing  bestreitet  in  seinem  Bekenntnis  vom 
21.  Jan.  1536  jede  Mitbeteiligung  an  der  That  (M.  G.-Q.  II,  407).  Bei 
H.  Gresbeck  (M.  G.-Q.  II,  18)  und  D.  Lilie  S.  225  fehlt  ein  genaues 
Datum,  doch  setzt  Gresbeck  den  Ausfall  nach  der  Ratswahl  vom  23.  Febr., 
die  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  331)  erst  nach  der  Vertreibung  der  Bürger 
(27.  Febr.).  Kurz  ist  die  Zerstörung  von  St  Mauritz  noch  öfter  in  den 
Akten  erwähnt,  so  in  dem  Schreiben  des  Bischofs  an  Köln  und  Cleve  vom 
27.  Februar  aus  Telgte  (Konzept  im  Si-A.  M.),  in  der  Instruktion  zum 
Kreistag  zu  Köln  am  25.  October  (M.  G.-Q.  II,  283)  und  im  Briefe  des 
Bischofs  an  Papst  Paul  III.  yom  Ende  1534  (J.  Niesert:'!U.-S.  I.  S.  84). 
Herm.  Hamelmann  S.  1215  läfst  die  Zerstörung  Jussu  prophetae  mi- 
noris  Johannis  a  Leiden''  geschehen  sein. 

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532  Anno  1534  acta. 

et  straminibns  ignem  iniicinnt,  qni  cnm  a  basi  ad  cacnmen 
nsqne  lignornm  compagines  dissolvisset,  ipsa  ingenti  fragore 
liqnefactis  campanis  in  templnm  roinam  dedit,  unde  ligna  spa- 
riqne  plumbo  denudati  flammas  concipinnt  testndinesqne  pon- 
deribns  ruptae  concidnnt.  Nihil  ibi  praeter  lapidum  compagines 
templi  tnrrisque  indissolutnm  relinqnitnr.  Ubi  panlo  ante  in- 
signes  canonicomm  stmctnrae  conspiciebantnr,  ibi  nnnc  capnae 
sen  camini  saltem  extant.  Omnia  quoqne  extra  eam  nrbis  partem 
sepimenta  rescindnnt,  exumnt  nnamqne  campi  snperficiem  snb- 
latis  impedimentis  explicant.  Eis  ita  actis  quasi  re  bene  et 
fortiter  gesta  exultantes  revertnntur  in  nrbem. 

Eodem  die  circa  horam  tertiam  pomeridianam  loannes 
Matthisson  ^  Harlemicus  propheta  in  aedibns  cuinsdam  civis  re- 
tincti  iuxta  fomm  piscarinm  suis  bombardae  sonitu  convocatis 
concionatur.  Pinita  hac  concione  toti  multitudini  proponit :  Cum 
cbristiana  haec  respublica  Patre  divinitus  sie  dispensante  feli- 
citer  coepta  inter  tot  sectas,  scMsmata  et  opiniones  sine  conten- 
tionibus  et  assiduis  seditionibus  diu  salva  consistere  non  possit, 
Patrem  itaque  velle,  ut  nova  haec  Hyerosolima  cum  sanctuario 


')  Die  Nachrichten,  die  uns  über  Jan  Matthys  erhalten  geblieben, 
sind  nur  sehr  dürftig  (vgl.  C.  A.  Cornelius  in  der  „AUgem.  deutschen 
Biographie"  Bd.  20  [Leipzig  1884]  S.  BOG  ff.).  Am  meisten  Ausbeute,  aber 
doch  immer  nur  eine  kleine,  bieten  die  Wiedertäufergeständnisse,  aus  denen 
hervorgeht,  dafs  sein  Einflufs  während  der  kurzen  Zeit  seiner  Wirksamkeit 
in  Münster  mafsgebend  gewesen  ist.  Er  war,  sagt  H.  Gresbeck  S.  40, 
„ein  groet  langh  man  und  hadde  einen  groten  schwarten  hart  und  was  ein 
Hellender."  Erst  nach  den  Unruhen  vom  9.  bis  11.  Februar  traf  er  in 
Münster  ein  (s.  oben  S.  494  Anm.).  Das  „Tagebuch"  a.  a.  0.  S.  106  über- 
liefert uns  seine  Beteiligung  bei  der  Ratswahl  am  24.  Febr.  „Des  dinx- 
dags  na  dem  sondage  Invocavit,  als  men  do  borgermestere  keisen  wolde,*' 
heifst  es  da,  „. . .  ys  de  prophete  up  dat  raithuyfs  myt  eynen  geschrey  ge- 
kommen und  under  dat  gemeyne  volck  geropen,  dat  men  der  overicheit 
solde  horsam  syn  und  solde  nicht  fruchten  pauwest,  keyser,  forsten,  bis- 
schoppe  noch  jenigen  forsten  dusser  werldt,  und  de  sick  nicht  wolden 
laten  doepen  in  den  bloide  Christi,  solde  men  tor  Stadt  uth 
yagen."  Dafs  es  sich  aber  für  Jan  Matthys,  wie  Eerss.  angiebt,  nicht 
nur  um  ein  Verjagen,  sondern  um  Tötung  der  Gegner  der  Wiedertaufe 
handelte,  gesteht  Enipperdolling  am  21.  Jan.  1536  (s.  gleich  weiter  unten; 
Ygl.  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus  El.  Jd^,  dem  Herm.  Hamel- 
mann  S.  1216  folgt). 


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Anno  1534  acta.  533 

a  foeditate  pnrgetnr.  *Sibi  ergo  utile  yideri,  nt  papistis,  Lnthe-  «p.  457. 
ranis,  sacram^ntariis  omnibnsqne  a  sna  doctrina  dissentientibns 
occisis  nnmn  corpas  imaque  respnblica  constitnatnr  eaqne  novis 
ritibus  et  christianis  legibus  flrmetur  et  stabiliatur,  ut  novo  foe- 
deri  initiati  pacifice  Patri  serviant.  Non  enim  a  fece  aUarum 
sectamm  et  impiorum  contagione  alio  modo  se  immunes  posse 
conservare,  nisi  impii  occidantur.  Bern  istam  non  esse  difficilem, 
cum  civitatem  munitam  et  omnium  rerum  copiam  abundantem 
habeant  et  suorum  numerus  in  urbe  sit  maior,  ita  ut  neque 
externa  neque  interna  pericula  magnopere  sint  metuenda. 

Haec  prophetae  sententia  sine  longa  deliberatione  omnibus 
fere  placuit ;  et  sequenti  die  omnes  nos  trucidassent,  nisi  Knip-  m.  Febr. 
perdoUingus  ^  exitialem  nobis  sententiam  mutasset  dixissetque 
plus  quam  barbarum  esse  sanguinem  eorum  fundere,  a  quibus 
nondum  sint  laesi;  alioqui  ipsos  in  vindictam  innocentis  effusi 
sanguinis  omnium  nationum  principes  et  populos  provocaturos. 
Suasit  proinde  impios  postridie,  nisi  statim  rebaptizati  eandem 
secum  religionem  profiteantur,  urbe  pellendos  esse;  ita  enim 
posse  fieri,  ut  area  Domini  et  domus  Patris  novaque  Hyeroso- 
linoia  ab  impietate  purgetur.  Haue  sententiam  ipse  etiam  pro- 
pheta  et  omnes,  quotquot  aderant,  unanimiter  recipiunt. 

üt  autem  edicto  caesareo^  iurisque  sanctionibus  satisfiat, 
acriter  in  retinctos  passim  per  dioecesin  latitantes  animadver- 
titur.  Nam  circa  haec  tempora  quinque  Woltbecanae  mulieres 
cum  viro  uno  aquis   suflFocantur,  Bevergemae  vero  quatuor  fe- 


*)  Zugleich  mit  Enipperdolling  ist  anch  Johann  v.  Leiden  der  Ab- 
sicht Jan  Matthys'  entgegen  gewesen.  „Es  have  sich,^  so  bekennt  Enipper- 
dolling am  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  407  f.),  „dar  noch  ein  ander  ramoir 
ander  innen  erhaven,  und  das  haif  sinen  anhaf  der  mafsen  genommen. 
Johan  yan  Leien  und  Knipperdollinck  lagen  in  Enipperdollinghs  huiss  up 
dem  gewant  disch,  und  Johan  Mathis  ginck  in  dem  huiss  uf  nider,  und 
im  quaem  ein  geher  an,  das  sin  hoeft  wol  noch  so  groefs  wart,  als  tut; 
und  fingh  an  zu  roiffen:  „Morde,  slagh  doit!**  Do  wurden  Johan  van  Leien 
und  der  EnipperdoUinck  erschrocken  und  Johan  van  Leien  sprach:  „Ach 
Her  Got,  das  doch  munniche  und  pfaffen  gewamet  werden!^  EnipperdoUingk 
avers  Uef  uf  das  raithufs  und  rief:  „Yader,  gif  genade!  Yader,  gif  genade!^ 

*)  Ein  solches,  das  unbedingten  Gehorsam  forderte,  war  noch  am 
20.  Februar  durchs  ganze  Reich  ergangen  (Eopie  im  St.-A.  M.). 


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634  Anno  1534  acta. 

nünae  aqnis  et  dno  viri  igni  adiudicantnr.  Mnlti  qnoqne  agri- 
colae  a  Bothmannistis  clam  in  webe  retincti  ad  merita  snpplicia 
vocantnr.  Coesfeldiensium  aliornmqne  oppidorum  boDa  et  ciyes 
ob  concionatorum  admissionem  et  religionis  novationem  hosti- 
liter  intercipiuntnr,  donec  iis  abactis  redissent  cum  principe  in 
gratiam  et  26.  Pebrnarii  delicti  gratiam  impetrassent'.  Eorum 
vero  civium  bona,  qni  relictis  omnibus  Monasterinm  ingressi 
faerant,  a  principe  confiscantnr  ^.  Et  nisi  singnlari  pmdentia 
et  yigilantia  principis  pagi  et  oppida  fuissent  pnrgata  exemplis- 
qne  acrioribns  delinquentium  conservata,  tota  propemodnm  dioe- 
cesis  anabaptistamm  errore  distnrbata  periisset. 
*p.  458.  *Die  sequenti,  quae  fuit  27.  Febrnarii  et  Veneris  post  do- 

87.  Febr.  minicam  Invocavit,  coelnm  post  gallicininin  matutinum  rubescit 
ac  sol  in  ipso  exori^n  pallet.  Saturnns  etiam  in  Cancro  retro- 
cedens  lunae  aspectu  oflFensus  pluviam  nivemqne  miscet,  quae 
resolutis  nubibus  mixtim  coelitus  decidunt.  Corus  et  Aquilo 
Aeolio  patefacto  antro  aöris  Imperium  sibi  vindicant  et  supre- 
morum  planetarum  quadratura  rarior  frigus .  excitat.  Consurgifc 
itaque  tristis  et  miseranda  aäris  tempestas  imbribus,  nivibus» 
ventis  et  frigoribus  mixta.  Exoritur  dies  ipsis  etiam  brutis  for- 
midanda^    Agri  enim  et  itinera  concretis  vaporibns  ac  coelesti- 


^)  Coesfeld  hatte  zanächst  durch  einen  Boten  und  dann,  da  keine 
Antwort  eintraf,  am  24.  Febr.  den  Bischof  schriftlich  gebeten,  der  Stadt 
wieder  freien  Handelsverkehr  zu  gestatten,  „so  de  predicante  na  i.  f.  g.  be- 
yelle  van  den  unsen  verlaten  und  uith  der  stadt  verweszen.^  Der  Bischof 
erfüllte  die  Bitte  durch  ein  Schreiben  aus  Telgte  vom  26.  Febr.  (abgedr. 
bei  J.  Nies  er t:  Ü.-B.  T.  S.  205  f.).  Am  6.  März  legt  der  Rat  von  Coes- 
feld beim  Bischof  Fürbitte  ein  für  den  gefangenen  Bürger  Lubbert  Dethmer, 
am  9.  März  Dietrich  Cloeth  für  Lubbert  Wydouw  (Original  im  St.-A.  M.; 
vgl.  oben  S.  469  Anm.  2). 

*)  Coesfeld  betreffend  liegt  ein  Schreiben  des  Bischofs  aus  Wolbeck 
vom  9.  April  vor  (abgedr.  bei  J.  Nies  er  t:  U.-S.  I.  S.  73  f.),  in  dem  er 
die  Stadt  auffordert,  zu  gestatten,  dafs  sein  Rentmeister  von  Horstmar  im 
Verein  mit  städtischen  Verordneten  die  verwirkten  Güter  aller  nach  Münster 
entwichenen  und  der  Wiedertaufe  zugefallenen  Bürger  inventarisiere  und 
mit  Beschlag  belege. 

')  Alle  Augenzeugen,  die  uns  von  der  Austreibung  am  27.  Februar 
berichten,  heben  das  schlechte  Wetter  besonders  hervor.  Die  Yerjagnng^ 
sei  geschehen,  sagt  das  „Tagebuch''  a.  a.  0.  S.  107,  „yn  eynen  elendigen^ 


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Anno  1534  acta.  535 

bns  imbribus  passim  flnitant.  Tnnc  retincti  rnptis  pacis  foe- 
deribns  9.  Pebruarii  pactis  \  nt  pridie  erant  edocti,  folgentibns 
armis  forum  occnpant.  Quae  res  in  clansa  urbe,  cnm  nnsqnam 
effaginm  pateret,  ita  nos  terruit,  nt  de  vita  iam  desperaremns. 
Dum  antem  se  ita  adversns  nos  armant  et  militaribns  ordinibns 
constitnendis  occnpantnr,  loannes  Matthisson  propheta  per  totam 
nrbem  cursitans  mnltis  clamoribns  sese  fatigat*.  „Agite,"  in- 
qnit,  „poenitentiam !  Eesipiscite,  resipiscite,  vos  impii!  Nonne, 
qnid  crimina  vestra  memerint,  videtis?  Nonne  elementa  vobis 
infensa  ccmitis?  NoDne  remm  naturam  flagitiis  yestris  commo- 
tam  consideratis?  Nonne  supplicium  vobis  a  Patre  paratum  ei- 
timescitis?  Nonne  manifesta  Patris  laesi  signa  animadvertitis? 
Ultionem  diyinam  capitibus  vestris  impendere  non  agnoscitis? 
0  stupida,  0  vecors  impiorum  turba,  resipisce,  resipisce,  ut  foe- 
deris nostri  charactere  signeris,  ne  a  populo  Dei  excludaris!" 
Vates  ille  anhelo  cursn  fessns  et  vociferando  defatigatus  redit 
ad  curiam,  ibi  in  medium  armatorum  agmen  admissus  corruit 


Yulen  wedder  yan  regen  und  sehne."  „Unde,"  bemerkt  die  Niesingschronik 
(M.  G.-Q.  II,  434),  ^et  was  so  bedroillick  wedder  und  sniedo  so  zeer,  dat 
wy  nouwe  konden  over  wech  komen.**  H.  Gresbeck,  der  gerade  an  diesem 
Tage  nach  Münster  kam,  berichtet  (S.  19):  „Is  ein  bister  wedder  gewest 
von  regnen  und  sehnigen  und  von  groten  wint  Man  sol  up  denselben  fri- 
dagh  nit  einen  hunt  uth  der  stat  geiagt  hebben,  so  bister  weder  was  it 
np  denselben  fndagh/   Vgl.  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  J2^ff. 

')  Vielmehr  vom  11.  Februar.    Vgl.  oben  S.  499  Anm.  1. 

*)  Eine  ganz  ähnliche  Schilderung  wie  die  nun  folgende  des  Trei- 
bens am  27.  Februar  gab  Eerss.  bereits  in  seinem  Jugendgedicht  S.  27  ff. 
(bei  D.  Gerd  es  a.a.O.  S.  399  ff.).  Auch  da  ist  es  Jan  Matthys,  der 
durchaus  in  den  Vordergrund  tritt.  Erwähnt  wird  Matthys  sonst  nur  noch 
von  Joh.  Fabricius  Bolandus  a.  a.  0.  H.  Gresbeck  nennt  keine 
Kamen.  Nach  ihm  beginnen  die  Rufe  um  7  Uhr  Morgens.  „Do  hebben 
sie  . . .  in  der  stat  gelopen,  die  Straten  up  und  neder,  und  hebben  geropen: 
„Ueruth  gy  gotlosen,  Got  wil  einmail  up  wacken  und  wil  iw  straffen !"  So 
liepen  sie  doir  die  stat  mit  oerer  gewehr,  mit  bussen,  spiesen  und  helle- 
barden  . . ."  Das  „Tagebuch"  a.  a.  0.,  das  mitten  im  Bericht  vom  27.  Febr. 
abbricht,  läfst  KnipperdoUing  handelnd  auftreten:.  „Ummetrent  VIII  uren 
vor  myddage  hefft  Bemdt  Knipperdollinck  eyn  geschrey  gemaket,  dat  men 
tor  stunt  alle  porten  open  solde  und  dar  uth  yagen  papen  und  alle  de 
gotlozen,  und  dat  se  noch  golt  eder  sylver  und  sus  nichtz   solden  mede 


nemen." 


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536  Anno  1534  acta. 

in  terram  Patremque  invocat,  totaqne  multitudo  imitata  pro- 
phetam  provolnta  genibus  supplex  Patrem  precatur  vatisque 
mandatnm  opperitnr.  Inde  tanqnam  ex  profnndo  somno  exiliens 
„Haec,"  inquit,  „Patris  est  volnntas,  hoc  mandatnm,  haec  ius- 
sio,  nt  impii,  nisi  retingi  relint,  illico  nrbe  pellantnr,  qui  nc- 
stris  semper  piis  conatibns  obsistnnt.  Urbs  haec  sancta  pur- 
getnr!  Popnlus  enim  Dei  commercio  impiorum  contaminatnr. 
Pellite  itaqne  fllios  Esan!  Debetnr  enim  hie  locns,  haec  sancta 
•p.  459.  civitas,  haec  domns,  haec  hereditas  *filiis  lacob  et  veris  Israe- 
litisM^ 

His  vocibns  pariter  omnes  inflammantnr  armaqne  capes- 
snnt  et  a  foro  in  omnes  plateas  nrbis  profasi  prophecae  oracnlo 
parent  ac  instar  fnriosomm  debacchantnr,  tnmnltnaitur,  gras- 
santnr  vociferantnrqne :  „Apage  te  hinc,  impie,  nun^nam  redi- 
ture%  effnge,  inimice  et  hostis  Patris!  Eecede,  omnis  boni  per- 
tnrbator!  Seceme  teabonis!  Pnrganda  est  Patris  area^,  lolium 
stirpitus  eradicandum  est,  ne  segetem  bonam  opprimat.  Nostra 
est  haec  hereditas  a  Fatre  nobis  donata.  Fngite  ftaqne,  fngite 
simnl  omnes  et  dintnrno  nos  metn  liberate!"  Et  cnm  qnidam 
snbito  terrore  percnlsi,  qnid  agendnm  sit,  sciscitsrentnr,  ut  in 
nrbe  maneant,  „Ad  fornm,**  inqninnt,  „recedite,  ntretingamini." 
Eothmannns  enim  in  cnria  eos  opperitnr  et  adveatantes  retin- 
git  *.  Si  qni  vero  in  aedibns  ad  tollendnm  liberos  snos  aut  alind 
qnidpiam  in  faga  et  exilio  necessarinm  snbsisterent,  tnnc  pnl- 
satae  sonnere  fores  atqne  cardinibns  eiectae  corrnimt*.    Moram 

•)  Ms.:  reditnrae. 


')  S.  dazu  die  Schilderung  bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  BV  J3. 

')  „Got  Wille  de -Stade  reinigen,"  so  hatte  laut  dem  Bekenntnis  des 
Dionysius  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  274)  der  Prophet  von  Gott  verkündigt,  „and 
wy  sick  nicht  wolde  bekercn  und  allen  Gots  willen  wolden  doin,  de  soEen 
sick  uthmaken,  wente  Got  wille  se  straiffen.^ 

")  „Datselve  doepen  duerte  bei  drei  dage  langh,*'  sagt  H.  Gresbeck 
S.  19.  Er  beschreibt  dann,  wie  auf  dem  Markte  drei  oder  mehr  Predi- 
kanten  standen  und  die  Taufe  vollzogen.  Die  Namen  der  am  Freitag 
Wiedergetauften  wurden  in  den  Häusern  der  Bürgermeister  aufgezeichnet. 

*)  „De  borgere  hehn  vor  malckz  doeren  geweltlicher  wize  geslagen,*^ 
meldet  das  „Tagebuch^  und  ähnlich  H.  Gresbeck,  sie  „schloegen  die 
dürren  up." 


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Anno  1534  acta.  537 

qnoqne  in  vicis  trahentinm  crebroqae  respectantinm  tergora 
armis  pulsant.  Sennm  scipionibus  innitentium  lentos  gressus 
acrioribns  verbis,  interdum  verberibus  castigant.  Ingredi  non 
Talentes  bigis  evectos  in  nivem  evolrant.  Quidam  ab  anabap- 
tismo  prorsns  abhorrentes  aäris  intemperie  territi,  qnidam  morbis 
detenti,  qnidam  senio  fracti,  qnidam  bona  tnendi  gratia  intra 
dies  pancos  meliora  sperantes  remanent,  qni  tarnen  inviti  postea 
retingnntnr.  Qnanta  faerit  tyrannis  qnantaqne  immanitas,  inde 
facile  liqnere  arbitror,  qnod  in  tanta  aäris  pertnrbatione  sine 
discrimine  innnmerabilem  mnltitndinem  tam  yiromm  qnam  mn- 
liernm,  tam  virginnm  qnam  pneromm,  tam  ecclesiasticornm 
qnam  profanomm,  tam  invennm  qnam  sennm  exegerint.  Quot- 
qnot  ab  impia  eomm  secta  abhorrebant,  honore  et  dignitate  exi- 
mios,  divites  et  excellentes  ntrinsqne  sexns  cives,  patriis  et  avitis 
sedibns,  omnibns  bonis,  imo  restibns,  pecnniis  atqne  viatico  in 
ipsis  portis  miseris  modis  per  vim  emunctos  et  spoliatos  crnde- 
liter  expnlemnt^.  Matres  raptis  e  cnnabnlis  infantibus  nudis 
efifnginnt  mnltisqne  lachrimis  penates  desemnt.  Adamati  pnsi- 
ones  patmm  manibus  ntrinque  adhaerentes  per  nivem  plaviam- 
qne  nndis  plantis  trahuntnr  et  *flentes  ad  arcendnm  frigas  ma-*p.  460. 
trem  voeant;  alii  non  aeqnis  passibns  pone  seqnuntur.  Neqne 
gravidis  recentibnsque  pnerperis  langoida  et  effoeta  membra  vix 
trahentibns  pepercernnt  adeo,  nt  aliae  (qnod  dictn  horrendnm 
est)  extra  moenia  in  nive  pepererint  *,  aliae  infantes  recens  editos 


^)  Den  schon  früher  aus  der  Stadt  Entwichenen  war  erlaubt  worden, 
ihre  Habseligkeiten  mitzunehmen  mit  Ausnahme  Ton  Lebensmitteln  (vgl. 
oben  S.  502  f.).  Jetzt  aber  mufsten  die  Flüchtigen  ^laten  stain  al  dat  iene, 
wat  sie  hedden,  huis  und  hof,  wief  und  kint  und  moesten  so  iemerlick  von 
dat  oer  trecken  und  laten  dat  so  stain'*  (H.  Gresbeck  a.  a.  0.).  Aehn- 
lieh  H.  Dorp  Bl.  D4^  P.  Plateanus  a.  a.  0.  schreibt  am  25.  MiLrz: 
„. . .  eos,  qui  suae  sectae  non  erant,  prius  in  hostilem  modum  spoliatos  ad 
unum  omnes  exegerunt  nihil  eis  suarum  rerum  relinquentes,  nisi  si  quam 
vestem  non  omnino  bonam  fnissent  induti,  adeo  ut  coraUia  et  hoc  genug 
amuleta  infantibus  pueris  detraxerint  . . .  Intra  horam  plerique  urbe  exce- 
dere  sunt  jussi.  Spiritum  enim  testificari  gentes  et  impios  neci  dedendos.*^ 
Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  223. 

^)  Sie  haben,  so  läCst  der  Bischof  auf  dem  Landtage  zu  Hiltrup  am 
17.  März  Yortragen  (St.-A.  M.,  Landtagsakten),  „krancke,  szwanger  und 
gebrecklige  personen,   maus  und  frouwen,   de  ock  in  zulcken  uthiagen  in 


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538  Anno  1534  acta. 

perizoniis  stragulisve  involutos  in  nive,  plnvia,  frigore  ventoqne 
solatio  humano  destitntae  in  sinn  gestaverint  tarn  de  vespertino 
hospitio  qnam,  nnde  viverent,  incertae,  com  praeter  nndnm  in- 
fantem  ne  teruncium  qnidem  habuerint.  Quantus  tunc  faerit 
in  urbe  clamor,  quantns  armorum  fragor,  quantus  pulsatarum 
aedium  sonitus,  quantus  puerorum  et  feminarum  fletus,  quantus 
eiulatus,  quantus  ploratus  quantaque  querimonia  anabaptistis  ri- 
dentibus,  neque  voce  neque  scriptis  a  me  exprimi  potest.  0  prae- 
clara  Westphalicarum  urbium  metropolis,  utinam  miserrimae 
huius  afflictionis  et  exilii  causam  agnosceres;  sine  dubio  fastum 
luxumque  aversareris  neque  tanto  studio  tranquiUitatis  pertaesa 
in  tui  ipsius  pemiciem  novorum  motuum  yeterum  oblita  occa- 
siones  quaereres! 

Omnibus  portis  urgentibus  et  instantibus  a  tergo  retinctis 
gregatim  eflfundimur  atque  in  mille  vias  mundi  per  nivem  plu- 
viamque  spargimur,  ventos  et  frigora  patimur.  Fabricius,  qui 
multos  concionibus  suis  ab  anabaptismo  retraxerat,  manus  infen- 
sorum  sibi  retinctorum  mutatis  vestibus  vix  vivus  elapsus  est  \ 


äoita  noith  gekommen  und  verstorven,  ellendichlich  verdreven."  Auch  bei 
H.  Dorp  a.  a.  0.  geschieht  die  Vertreibung  „on  alle  schewe  einige  alters, 
ja  auch  schwanger  frawen,  deren  etliche,  ehe  sie  recht  zum  thor  hinaus 
kamen,  schaden  an  jrer  frucht  erlieden  haben." 

*)  Fabricius  giebt  in  seiner  Selbstbiographie  („Bibliotheca  Brcmensis'* 
Classis  4  fasc.  1  pSremae  1720]  S.  78)  folgenden  Bericht:  „Tandem  cum 
optimi  qulque  ex  ea  civitate  bis  malis  fracti  aut  nitro  fugissent  aut  vi 
eiecti  essent  egoque  contra  hos  furioses  homines  penc  solus  remansissem, 
me  aut  ad  necem  aut  ad  fidei  meae  negationem  quaesierunt  ac  me  in- 
ventum  satis  inhumaniter  tractarunt.  Verum  cum  me  infractum  vidissent, 
vitae  meae  parcentes  ex  urbe  plane  miserum  dimittunt  . . .  Ego  ...  in 
Hassiam  redii."  Ausfahrlichere  Nachricht  finde  ich  nur  bei  P.  Plateanns 
a.  a.  0.  £r  erzählt:  „Quidam  e  schola  nostra  illuc  Hebraica  docturus  erat 
missus.  Eum  raptum  in  forum  circumstetit  concio  furiosorum  iubens  pro- 
phetas  Spiritus  de  eo  sententiam  edere.  Responderunt  frustillatim  disse- 
candum,  proditum  enim  Satanae.  Effectumque  habuisset  cruentum  oracu- 
lum,  nisi  quorundam  beneficio  ...  supplicio  fnisset  subtractus  ac  fugere 
permissns.  Alteri,  quem  ante  aliquot  menses  eodem  miserat  princeps  noster, 
ut  evangelii  veritatem  contra  istos  assereret^"  (das  kann  nur  auf  Fabricius 
gehen)  „idem  supplicium  sanguinarius  hie  Spiritus  decemit.  Sed  in  cister- 
nam  quandam  a  mulieribus  demissus  biduum  et  hominum  cmdelitatem  et 
mendacem  hunc  spiritum  latuit  tandemque  faga  elapsus  salutem  repperit.'' 


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Anno  1534  acta.  539 

Qxii  obsidionem  non  fore  dintnmam  sibi  persuadens  Warendorpiae 
se  aliquamdiu  continuit.  Hie  etiam  nobis  itineri  iam  accinctis 
mnltisque  aliis  consuluit,  ne  longius  Monasterio  abiremus;  de- 
ditionem  enim  eins  brevi  faturam  *.  Sed  vicit  ccmsilinm  domini 
nostri  Weslingi  uxorem  snam  cum  familia  nostra  per  literas  ad 
se  Hervordiam  vocantis.  Senatus  hunc  Pabricium  sibi  a  prin- 
cipe clementer  permitti  per  literas  efflagitat,  si  enm,  quem  nnnc 
habeat,  concionatorem,  etsi  sacramenta  legitime  dispenset,  non 
patiatur*.  Princeps  vero  rescribrt*,  nt  senatus  promissae  me- 
mor  sit  fidei. 

Eodem  tempore  dominus  Hermannus  Dungellius  *,  praepo- 
situs  Mauritianus  ac  Moguntinensis,  Monasteriensis  Xantensis- 
que  ecclesiarum  canonicus,  vir  et  pietate  et  annorum  numero 
vene*randus  suo  currui  cum  quatuor  ministris  insidens  impetrato  »p.  461. 
a  consulibus  tuto  commeatu  emigrare  contendit.  Huic  in  media 
fere  urbe  apud  creopolion  loannes  Matthisson  propheta  occurrit 
hastaeque  aciem,  qua  armatus  erat,  in  pectus  Dungellii  coUocat. 
„Non  hinc,"  inquit,  „veterane  impostor,  impune  abibis;  aut  enim 
animam  aut  pecuniam,  quam  habes,  evomes  nobisque  relinques.^ 
übi  rero  iUe  publicam  fidem  imploraret  sibique  emigrandi  tu- 
tum  commeatum  a  consulibus  datum  dictitaret,  propheta  cum 
sua  ibi  cohorte  se  nihil  promisisse  neque  se  consulum  commea- 


')  Dafs  übrigens  Viele  innerhalb  und  aufserhalb  Münsters  derselben 
Meinung  waren,  bezeugt  H.  Gresbeck  S.  21.  H.  Dorp  Bl.  £  1  führt  als 
Grund  dafür,  dafs  Manche  in  der  Stadt  blieben,  an,  dafs  von  selten  des 
Bischofs  „des  unschuldigen  nicht  weniger  verschont  ward,  denn  des  schul- 
digen, sondern  beider  teils  gef englich  angenomen  und  mit  dem  schwerd 
gestrafft  wurden,  wie  wol  sie  nicht  Widderteuffer  waren.** 

*)  Yergl.  das  Schreiben  der  Stadt  Warendorf  an  den  Bischof  vom 
22.  März  (bei  J.  Niesert:  U.-B.  V.  S.  237  f.).  Die  Stadt  bittet,  falls  sie 
ihren  Predikanten  nicht  behalten  dürfe,  möge  ihr  der  Bischof  seinen  Kaplan 
Johann  (v.  Sjburg)  schicken,  und  wenn  auch  das  nicht  thunlich  sei,  „wei- 
den wy  dannoch  i.  f.  g.  gebedden  hebben  genedichliker  umme  Godes  wyllen, 
uns  den  solven  predicanten,  de  uth  Munster  gedrungen,  den  . . .  Her  Phi- 
lippus  Lantgrevo  to  Hessen  bjnnen  Munster  gelent  hadde,  welker  doch 
hir  is  gewest  und  van  uns  begert,  dat  wort  Godes  tho  pre- 
deken,  dat  i.  f.  g.  wolden  vergunnen,  den  solven  antonemen,  so  veer 
mogelick.''  —  *)  Nicht  mehr  nachweisbar. 

*)  Das  Folgende  ist  nur  von  Kerss.  überliefert 


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640  Anno  1534  acta. 

tmn  magnopere  cnrare  respondet  simulque  in  virom  mein  prope 
consternatum  irnrnnt,  annnlis  digitis  detractis  omnibnsqne  pe- 
cuniis  et  ornamentis  enm  spoliant  spoliatnmqne  dimittunt.  Qle 
post  aliquot  dies  literis*  in  urbem  per  lodocum  Boemekenum, 
ministrum  snnm,  missis  de  yi  sibi  illata  et  bonis  contra  fidem 
pnblicam  sibi  ereptis  annnlos  maxime  signatorios  reposcit  et 
nisi  reddantnr,  se  istam  iniuriam  etvim  imperii  principibus  et 
bene  constitntis  rebnspnblicis  bonisqne  yiris  onmibns  cum  queri- 
monia  explicatnrum.  Sed  nihil  nisi  verba  ignominiosa  vixque 
scurris  digna  reportat. 

Et  cum  quaedam  matrona,  uxor  Godofridi  Weraeken^ 
quae  in  platea  Aegidiana  publice  diversorio  rosa  insignito  prae- 
erat,  nimia  pinguedine  praepedita  neque  ingredi  neque  currus 
copiam  habere  posset,  in  urbe  mansit.  Ad  quam  retingendam 
mittitur  Bothmannus,  qui  mulierculae  isti  multa  de  foederis 
signo,  sine  quo  nemo  salvus  fieri  queat,  concionatur  et,  ut  illa 
se  retingi  et  charactere  christianorum  insigniri  patiatur,  instat. 
nia  se  baptizatam  esse  clamat  neque  aliud  baptisma,  quam  quo 
maiores  sui  sint  abluti,  optare.  Ille:  baptisma  illud  ad  salutem, 
nisi  secundum  accedat,  nihil  prodesse.  Illa:  tantum  sibi  pro- 
desse,  quantum  maioribus  suis;  sinat  se  saltem  suo  more  vivere. 
,,8i,^  inquit  Bothmannus,  „tanta  pertinacia  spiritui  Dei  resistere 
non  desinis,  e  consortio  piorum  morte  tollenda  es,  ne  tua  im- 
pietate  iram  Patris  in  nos  accersas  et  nos  tui  sceleris  participes 
*p.  462.  facias.''  Illa  vero  mortis  mentione  *intellecta  expavescit.  „Si 
igitur,^  inquit,  „vis  me  rebaptizare,  rebaptiza  me  in  nomine 
centum  diabolorum;  nam  in  nomine  Dei  sum  semel  baptizata.^ 
nie  autem  eam  suo  more  retingit. 

Hanc  civium  calamitosam  fugam  divinitus  contigisse  Both- 
mannus Omnibus  persuadere  laborat.  Hac  enim  Deum  Patrem 
suos  ab  hostili  motu,   cui  impliciti  tenebantur,    eripuisse,   imo 

«)  Ms.:  literas. 


')  Das  folgende  Beispiel  berichtet  nur  Eerss.  H.  Gresbeck  S.  20 
sagt  im  Allgemeinen:  „So  haben  die  predicanten  ein  deil  luede  in  den 
hneseren  gedoept  von  olde  mans  nnd  frawen,  die  nicht  up  dat  marckede 
gain  künden,  nnd  die  ock  nicht  up  dat  marcket  gain  wolden,  und  hebben 
sie  so  ein  deil  gedoept  mit  guden  werte  . .  .** 


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Anno  1534  acta.  541 

ipsos  ab  intemecione  singulari  beneficio  suo  vindicasse.  Quibns^ 
argnmentis  multos  passim  per  literas  snas  ad  hanc  sectam  et 
nrbem  invitat.  Scribit  enim  ad  Henricum  Schlachtschapinm  et 
alios  snae  farinae  concionatores  in  haec  verba^: 

„Bernardus,  lesa  Christi  in  ecclesia  sua,  quae  est  Mona- 
sterii,  minister,  Henrico  Schlachtschapio,  suo  fratri.  Gratia  Do- 
mini in  fortitndine  Spiritus  tecum  et  cum  omnibus  fidelibus! 
Tänta  et  tarn  magna  sunt  Dei  mirabilia,  mi  frater,  quod  sl 
haberem  linguas  centum,  non  possem  tamen  exprimere,  quare 
etiam  scribere  non  possum.  Dominus  magnifice  operatus  est 
nobiscum.  Liberavit  nos  Dominus  de  manibus  inimicorum  no- 
strorum  et  non  modo  liberavit  nos,  sed  etiam  eiecit  hostes  no- 
stros.  Turmatim  enim  efiluunt  terrore  percussi  nescio  quo. 
Dominus  testificatus  est  nobis  per  prophetas  suos  fore,  ut  in 
bac  civitate  congregentur  sancti*  Dei.  Ideo  iusserunt,  ut  scri- 
berem  tibi,  ut  iubeas  fratres  omnes  huc  propenire  et,  quae  ha- 
bent  in  promptu,  ut  pecuniam,  aurum  et  argentum,  secum  ferant^ 
reliqua  permittant  sororibus,  ut  ipsae  disponant  et  sequantur. 
Yos  diligenter  videte,  ut  spiritum  Dei  sequamini  et  nihil  ex 
came  statuatis.  Frater  iste  plura  coram  vobis  exponet.  Valete 
in  Domino!" 

His  ita  per  yim  exactis  ^,  cum  iam  soll  urbis  imperio  poti- 
rentur,  religiosorum  habitationes  inter  advenas  distribuunt.  Coes- 
feldianis  domus  Georgianorum,  Leodiensibus  fratrum  Fontissa- 


*)  Nur  durch  Kerss.  überliefert.  Ueber  Slachtscaef,  der  der  ihm  ge- 
wordenen Anffordernng,  nach  Münster  zu  kommen,  sehr  bald  Folge  leistet 
(vergl.  H.  Gresbeck  S.  25 ff.),  s.  besonders  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  11. 
S.  848  ff.,  J.  Habets:  De  wederdoeper  to  Maastricht  (Rocrmond  1878) 
8. 216 ff.  und  E.  Rembert:  Die  Wiedertäufer  im  Herzogtum  Jülich  (Münster 
1893)  S.  13ff. 

*)  ^Die  predicanten,^  so  bekennt  Jakob  von  Osnabrück  (s.  J.  Niesert: 
U.-S.  I.  8.  157),  „haven  ime  in  synen  mundt  gelacht,  . . .  allein  bynnen 
Munster  solte  frid  und  Sicherheit  sein ;  das  sie  die  stat  des  Hern  und  nuwe 
Hierusalem,  da  solle  de  Herr  die  syne  erhalten,  und  alle  genuch  haven.^ 
Ygl.  auch  das  Gest&ndnis  des  Joh.  Eloprifs  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  115. 

')  Der  Bischof  schreibt  am  1.  März  aus  Telgte  an  den  Landgrafen 
(Orig.  im  8t.-A.  Marburg),  „das  alle  andere  einwoner  bei  etlich  tausent» 
80  irer  conspiration  und  lere  nicht  haben  gewertich  sein  wollen,"*  verjagt 
worden  seien. 


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542  Anno  1534  acta. 

lientis,  Frisiis  Nitzinganarnm  virginum,  Gilthnsianis  Minoritarum 
monachornm,  Warendorpensibus  loannitamm  aedes  inhabitandae 
assignantnr  ^  lulius  vero  Frisius  episcopns  in  nrbe  creatns,  qni 
solns  baptizandi  munere  fangeretor,  Binganarnm  virginam  tecta 
^p.  463.  colit.  Coenobium  antem  a  valle  *rosarnm  appellatum  fit  carcer 
feminarum  maritis  snis  non  parentinm^ 

Hinc  primam  aedes  nobilinm  canonicornm,  qnid  in  Ulis 
Sit  relictum,  explorant  et  quidam  cives  in  eas  habitatum  demi- 
grant®.  KnipperdoUingus  vero,  Kibbenbrochus,  Nicolaus  Snider, 


")  Schon  Jakob  von  Osnabrück  hatte  auf  seiner  Mission  verkündigi; 
(s.  J.  Kiesert  a.a.O.):  »Die  Christen  haven  bynnen  Munster  hujser  und 
bedden  bestelt  auf  alle  Christen,  so  ankhomen,  zo  underhalden,  euch  essen, 
drincken,  gelt,  kleider  innen  mitgheven.  Dan  die  predicanten  haven  ge- 
sacht, dat  die  stat  so  fol  volcks  suld  khomen,  das  man  hujser  uft  dem 
doemhoeffe,  im  doem  und  kyrchen  für  die  Christen  bouwen,  und  zoletzt, 
so  sich  das  volck  vorgadert,  soulden  in  der  beiden  und  goÜosen  huyser 
und  gueder  underhalden  werden.**  —  Ueber  die  Verteilung  der  Klöster 
unter  den  Zugewanderten  liegt  uns  aufser  dem  Berichte  Kerss.  noch  der 
des  U.  Gresbeck  S.  165  vor.  Er  erwähnt  auch  das  üeberwasser-  und 
Aegidükloster  und  führt  an,  dafs  in  jedem  derselben  „dry  ofte  vehr  iunf- 
feren,  die  in  der  stat  weren  gebleven,"  lagen.  Das  erstere  verwahrte  „ein 
mansmensch  von  Coistfelt,**  das  letztere  „der  schulte,  der  thovoem  plach 
tho  sein  in  dat  cloister;  der  hadde  vehr  frowen."  In  Bezug  auf  die  Zu- 
weisung der  Georgs-Eommende  an  die  Coesfelder,  der  Johanniter-Eommende 
an  die  Warendorfer  und  des  Niesingsklosters  an  die  Friesen  stimmen  die 
Angaben  Eerss.'s  und  Gresbeck^s  überein.  Im  Minoritenkloster  aber  läfst 
Gresbeck  aufser  den  Bürgern  von  Gildehaus  noch  die  von  Schöppingen 
„und  ander  fromet  volck,**  im  Fraterhaus  „allerlei  frembt  volck  und  lans- 
knecht**  wohnen,  und  er  fügt  hinzu :  „So  hcbben  sie  ouck  umbher  besoicht 
die  anderen  iunfferen  cloisters,  die  suster  hueser  und  beginen  huse  und 
ander  vergardingk  mit  dat  frembt  volck  . .  ,** 

')  Diese  Angabe,  die  Eerss.  weiter  unten  noch  einmal  wiederholt, 
wird  bestätigt  durch  H.  Gresbeck  S.  65.  An  einer  andern  Stelle  (S.  43) 
jagt  Gresbeck,  dafs  das  Bosenthalkloster  das  Gefängnis  gewesen  sei  über- 
haupt für  alle,  „die  noch  ungeloevich  weren  von  den  wiederdoepers  und 
wolden  nicht  von  der  dope  holden,  und  die  iene,  die  in  der  stat  weren 
gebleven  und  hedden  sick  nicht  laten  doepen,  und  alle  die  iene,  die  noch 
gelt,  silver  ofte  golt  hedden  beholden  und  hedden  wat  bei  seiden  gehuit 
von  kost  ofte  von  kom.** 

^)  Hier  und  teilweise  auch  in  den  folgenden  Schilderungen,  die  die 
jchon  oben  S.  520  ff.  beigebrachten  Nachrichten  über  die  von  den  Wieder- 
täufern angerichteten  Verwüstungen  nicht  ohne  manche  Wiederholungen 


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Anno  1534  acta.  543 

Gerardns  Koeninck^  et  alii  complures  snb  fomicibus  commo- 
rantes  perfractis  muris  dominornm  habitationes  sibi  commnnes 
faciont.  In  horto  autem  Melchioris  a  Bnren  cellarii,  nbi  postea 
regia  fuerat,  bombardas  aliasque  belli  machinas  fundnnt*;  pul- 
verem  vero  tormentarium  in  templo  veteri  D.  Pauli  mola  tru- 
satili  erecta  tundunt^;  in  aliis  pluribus  locis  urbis  ex  aqua  per 
terram  e  celli&  passim  eflfossam  colata  et  praesidio  ignis  elixata 
nitrum  conficiunt*.  Omnia  quoque  cleri  secundarii  civiumque 
egressorum  tecta  subeuntes  abditissima  quaeque  scrutantur;  fa- 
muli  famulaeque  dominis  suis  pulsis  in  iisdem  domibus,  quibus 
servierant,  nunc  dominantur  dominorumque  suorum  bonis  pro 
arbitrio  quasi  suis  fruuntur.  Quicquid  ex  superioribus  motibus 
in  templis   integrum   relictum  fuerat,    disperditur.    Libros  ex 


erg&nzen,  schöpft  Kerss.  wieder  aus  den  Angaben  des  Herrn.  Ramert,  die 
Quelle  für  die  Münstersche  Bischofschronik  geworden  sind  und  die  in  dem 
Flugblatt  „Die  Ordnung**  eine  Ueberarbeitung  und  teilweise  Erweiterung 
gefunden  haben.  Manche  der  von  Kerss.  gegebenen  Notizen  finde  ich  nur 
in  der  Chronik,  andere  wieder  nur  in  der  „Ordnung."  Ich  mache  das  in 
den  folgenden  Noten  kenntlich  und  ziehe  zur  Ergänzung  auch  noch  das 
Manuscript  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A.  518/19  fol.  327»  ff.)  heran,  aus  dem  ich 
das  oben  oft  citierte  „Tagebuch**  habe  abdrucken  lassen.  Ygl.  meine  Be- 
merkungen in  der  Ztschr.  51  (1893)  S.  107  ff. 

')  Der  Druck  der  „Ordnung*'  giebt  die  Namen  oft  sehr  entstellt 
wieder,  so  heifst  es  hier:  „und  seind  dise  capithenier  Eiebenbrot,  Bern- 
hart  Enopperdelingk,  Claus  Schneyder  und  Bernhart  Remmingk." 
Als  Letzten  unter  ihnen  oennt  die  Bischofschronik  einen  Gert  Beminck 
(Bawinck),  und  im  Manuscript  des  St.-A.  M.  heifst  er  Gert  Reyninck. 

')  „Ordnung*'  und  Chronik,  doch  nur  die  Chronik  hat  die  Notiz, 
dafs  sp&ter  in  dem  Hofe  des  Melchior  v.  Bueren  die  Wohnung  Johannas 
V.  Leiden  gewesen  sei  (s.  darüber  weiter  unten).  Die  „Ordnung"  fügt  hinzu: 
„darinnen  haben  sie  aylff  stuck  gegossen,  darunder  seind  vier  schlangen, 
ein  gröfs,  ein  klein  stuck,  ein  halbe  schlangen,  das  ander  steinschlangen 
tmd  falkanetlen."  Sie  giebt  dann  (wie  ähnlich  auch  das  Manuscript  im 
St-A.  M.)  noch  an,  dafs  in  demselben  Hofe  auch  noch  die  meisten  Fenster, 
Bilder,  Wappen  und  Geräte   vernichtet  wurden. 

»)  Nur  in  der  Cllronik  erwähnt.    Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  231. 

*)  H.  Gresbeck  S.  47  berichtet:  „Sie  hebben  dagh  und  nacht 
pnlver  gemacket  in  der  stat  und  hebben  twe  oliemollen  gehat,  dair  hebben 
de  kmit  ofte  polver  up  gemacket.  Und  hedden  in  den  olden  doem  ein 
stempelmolle  gemacket,  dair  sie  ock  pulver  up  gemacket  hebben,  dat  sie 
al  dat  belech  krudes  genoich  hedden.'' 


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544  Anno  1534  acta. 

onmibns  templis  in  campom  dominicnm  congestos  ctun  literis 
consignatis  exnrunt,  libros  vero  rationum  et  acta  iudicialium 
causarum  discerpunt  ac  per  vicos  disiiciunt  ^  Vitreas  fenestras, 
in  quibus  ant  insignia  maionim  aut  imagines  Patrum  Sancto- 
rumque  reperiunt,  baculis,  fastibus  et  fundis  confringnnt.  Nullas 
enim  Christi  crucifixi,  Mariae  Virginis,  Apostolornm  aut  Mar- 
tyrum  imagines,  qnas  non  perdant,  femnt^;  at  diabolorum,  lu- 
daeorum  impiorumqne  tyrannorum  icones  nuUa  retinctorum  ma- 
nus  violavit.  Ossa  Sanctorum  dissolutis  reconditoriis  et  anro, 
argento  margaritisve,  quibus  exomata  fuerant,  raptis  per  vicos 
strata  indignis  modis  proterunf*.  Idolum  deiparae  Virginis  bi- 
frons  et  deauratis  quasi  radiis  circumdatum  in  medio  templi 
Transfluviani  ex  testudine  suspensum  deturbant*;  Organum  in- 
*p.  464.  signe  et  no*vum  excindunt*,  sedilia,  altaria  et  pulpita  omnia 
templorum  urbis  comminuunt.  Coenobia  virginum  Transfluvia- 
narum  et  Aegidianarum  depraedantur".  In  monasterio  Georgia- 
norum  in  quadam  cista  ex  tabulis  roboreis  non  dolatis  instar 
sarcophagi  composita  duo  eucharistiae  repositoria  deaurata,  Yulgo 
moDstrantias,  quatuor  calices,  argenteum  thuribulum,  Septem 
cochlearia  et  aliquot  scyphos  argenteos,  pateram  omnis  generis 
argenteorum  numismatum  et  arculam  auro  signato  refertam  de- 
prehendunt*^.  In  curia  tarn  publica  quam  graphiaria  discussis 
seris  magnum  illud  civitatis  Signum  Paulini  capitis  insculptam 
effigiem  habens  collidunt;  secreta  curiae  et  per  multos  annos 
abdita  eruuntur,    monumenta  privilegiorum,  plebiscitorum  con- 


*)  Zur  Vernichtung  der  Dombibliothek  vgl.  oben  S.  523.  Die  syste- 
matische Verbrennung  der  Bücher  am  15.  März  erzählt  Kerss.  weiter  unten 
nach  H.  Dorp.    Dort  s.  das  Nähere. 

«)  Vergl.  dazu  oben  S.  522 f.  A.  Corvinus  schreibt  1536  an  G. 
Spalatin  (s.  P.  Bahlmann:  Bibl.  1536  Nr.  4;  im  Originaldruck  Bl.  Bl^): 
,,Imaginibus  adeo  infensi  fuerc,  ut  etiam  pictarum  in  parietibus  ac  fene- 
stris  facies,  oculos  ac  ora  misere  fedarint^' 

•)  Nur  in  der  „Ordnung."  Ganz  ähnlich  im  Manuscript.  Vgl.  auch 
das  Bekenntnis  des  Dionysius  Yinne  (M.  G.-Q.  IT,  274). 

*)  Das  überliefert  Kerss.  allein.  —  *)  Nur  in  der  „Ordnung." 

')  Nur  in  der  „Ordnung."    Aehnlich  im  Manuscript 

')  Nur  durch  Kerss.  überliefert. 


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Anno  1534  acta.  545 

stitutionumque  municipalium  lacerant  et  discerpunt^  Episco- 
porum  vetemm  imagines  ornatus  et  memoriae  causa  citriae  af- 
fixas  deiiciunt ;  omnia  simulachra  et  effigies  Dei  piorumque  ho- 
minnm  perdnnt  et  obliterant,  ne  quicquam  eorum  pubescentis 
iuventutis  memoriae  insideat  *.  Principis  insignia  episcopali  aula 
dimota  in  caeno  conculcant,  fistnlas,  cytharas,  testudines,  bar- 
^yt^9  lyi^s  reliquaque  mnsices  instrumenta  chordis  fidibasque 
obdncta,  canoris  cantns  tarn  fignrativi  quam  plani  libellos,  fri- 
tiUos,  alveolos,  Chartas  onmiaqae,  quibus  temporis  taedimoi  pel- 
litur,  passim  in  aedibns  reperta  dissecant,  ne  aliis  stndiis,  quam 
munitionibus  flrmandis  sint  occupati  et  intenti®. 

Haec  plus  quam  cjclopica  et  contra  omnem  humanitatem 
inunanitas  et  belluina  retinctorum  feritas,  qua  usi  sunt  in  ex- 
pellendis  civibus,  principem,  quem  tunc  Telgeti  videram,  ad 
obsidendam  urbem  maturare  cogit.  Exercitus  itaque  pedestres 
turmasque  equitum  et  agricolarum  turbas  passim  in  oppidis 
pagisque  remotioribus  coUocatas  evocat  et  paulatim  urbem  pro- 
pius  admovit.  Praemissis  ergo  locorum  exploratoribus  nee  non 
castrametatoribus,  qui  loca  castris  apta  desig^'narent,  die  28.,  *p.  465. 
quae  fuit  ultima  Februarii*,  circa  vesperam  ex  propinquioribus  ^».Febr. 


*)  Chronik  und  „Ordnung,"  doch  sind  nach  der  ersteren  nur  »et- 
liche privilegia,"  nach  der  letzteren  „die  bücher  und  privilegia 
alle  verprent."  In  dem  Manuscripte  ist  die  Vernichtung  des  Stadt- 
siegels nicht  besonders  erw&hnt.  Es  heilst  dort  nur:  „Item  wat  men  up 
den  raiihuse  und  der  schriverie  in  yenigen  slotten  konde  vinden  van  segelen 
und  breven,  alle  gebranth." 

*)  Nur  in  der  „Ordnung/  Doch  heilst  es  dort:  „und  die  gemalten 
wiU  man  aufswischen/     Ebenso  in  dem  Manuscripte. 

*)  Nur  in  der  „Ordnung/  doqh  ist  dort,  ebenso  im  Manuscripte, 
nicht  von  der  Vernichtung  der  Musikinstrumente  u.  s.  w.  die  Bede,  sondern 
es  heilst  im  Anschlufs  an  die  Zerstörung  des  bischöflichen  Wappens :  „Auch 
so  ward  auff  s.  g.  sali  aller  hämisch  und  waffen  und  was  raysig  war  darge- 
pracht;  da  mocht  ein  yeder  auff  gehen  und  nemen,  was  ihme  dienstlich  war." 

^)  Die  Anstalten  zu  einer  regelrechten  Belagerung  waren  wirklich 
im  Laufe  des  Februar  getroffen.  Siehe  oben  S.  477  Anm.  2  u.  S.  523  ff. 
Wie  wenig  wirksam  aber  bei  dem  Mangel  an  Eriegsleuten,  Eriegsgeräten 
und  an  Geld  die  Mafsregeln  waren,  geht  schon  daraus  hervor,  dafs  der 
Bischof  mehrfach  den  AmÜeuten  seinen  Befehl  wiederholen  mufste,  den 
Zuzug   Ton  Knechten   nach  Munster   schärfer   zu  überwachen.    Vergl.  die 

11 


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546  Anno  1534  acta. 

circnmquaque  oppidis  agricolae  armati  excitantur,  qui  praevectis 
in  aliqnot  cnrribns  palis,  secnribns  harpagonibusqne  primas  ca- 
strornm  mnnitiones  tnmoltuario  Labore  fodiant.  Hi  ergo  ad- 
innctis  duotoribas  ex  militibns  qnibusdam,  qui  ipsos  ndlitaria 
tyrocinia  et  qnae  potissimom  in  hac  expeditione  opus  erant,  edo- 
cerent,  erectis  signis  militaribus  obsidionis  principia  capessunt. 
Hos  in  media  nocte  dimotis  stationibus  castrorum  assuetis  mi- 
lites  sequuntur  et  munitiones  subito  labore  ab  agricolis  in  nocte 
illa  excitatas  oecupant.   Castra  itaque  peditum  Septem  locantur  ^: 


bischöflichen  Schreiben  vom  24.  Febr.  und  8.  März  bei  L.  Keller:  G.d  W. 
S.  308  u.  310  f.  Yerhandlangen  des  Landtages  zur  Begegnung  der  Gefahr 
fanden  erst  am  17.  März  Statt.  Wirksame  Hülfe  von  benachbarten  Fürsten 
traf  erst  nach  dem  Tage  von  Orsoy  (26.  März)  ein.  Vgl.  dazu  und  zu  der 
bedenklichen  Lage  des  Bischofs  die  Ausführungen  bei  L.  Keller  a.  a.  0. 
S.  243  ff.  —  Das  Datum  des  28.  Februar  für  den  Beginn  der  Belagerung 
entnimmt  Kerss.  der  Angabe  H.  Dorp's  Bl  D4^.  Der  Bischof  selbst 
schreibt  gegen  Ende  des  Jahres  1534  dem  Papste  Paul  m.  (s.  J.  Niesert: 
U.-S.  I.  S.  84) :  „ürbem  circiter  Calendas  Martias  anno  1534  obsidere  coe- 
pimus.**  Auf  den  zur  Erinnerung  an  den  endlichen  Fall  Münsters  geprägten 
Siegesmünzen  ist  als  Tag  des  Anfangs  der  Belagerung  der  1.  März  ange- 
geben, lieber  die  Notiz  D.  Lilie's,  dafs  die  Stadt  bereits  am  22.  Febr. 
„berandf  sei,  vgl.  F.  Bunge  in  seiner  Ausgabe  S.  225.  Ungenau  ist  auch 
die  Angabe  in  der  Flugschrift:  „Der  gantze  handel  und  geschieht**  (s.  P. 
B ahlmann:  Bibl.  1536  Nr.  8)  Bl.  A  l^:  „Der  bischoff  ...  hat  die  stat  mit 
hilff  und  bejstand  des  Ertzbischoff  zu  Cöln,  des  Hertzog  zu 
Cleve  und  Jülich,  fort  etlicher  anderer  ffirsten  mit  heeres  krafft 
zu  fufs  und  zu  rofs  umbgeben  und  belegert  im  an  fang  des  Mertzen.** 
^)  Bei  der  folgenden  Aufführung  der  Lager  vor  der  Stadt  verfährt 
Kerss.  wieder  ohne  Beachtung  der  Chronologie.  Ueber  die  Zeit  der  An- 
nahme der  einzelnen  Hauptleute  s.  oben  S.  525  Anm.  1.  Die  Bischofs- 
chronik S.  331  spricht  zunächst  von  fünf  Lagern,  dem  vor  St.  Mauritz,  dem 
bei  der  Enkingmühle,  dem  Olevischen  vor  dem  Kreuzthor,  dem  Geldrischen 
vor  dem  Jüdefelderthor  und  dem  Oberländischen  vor  dem  Aegidiithor.  ^Dar 
korth  na  quam,**  fährt  sie  fort,  „ein  ander  hupen  knechte,  de  worden  ge- 
legert  iegen  dat  Fraterhuifs  und  hete  dat  nie  leger.*'  Die  Chronik  nennt 
also  das  Lager  vor  dem  Ludgerithor  nicht.  D.  Lilie  erwähnt  S.  226 f., 
der  Bischof  sei  „mit  einem  geweidigen  veltlegger  tom  Dickhuse**  (Haus 
Diekburg  in  der  Landgemeinde  St  Mauritz)  gekonmien  und  habe  „dar  ock 
mit  der  tidt  geschuts  genoich  lathen  voren  unde  worden  vor  Munster  seven 
geweidige  legger  van  landesknechten  geslagen.**  Er  nennt  nur  das  Mauritz-, 
Geldrische,  Meissensche,  Oberländische  und  Clevische  Lager.  In  einem 
Schreiben  des  Bischofs  vom  4.  April  aus  Wolbeck  (Konzept  im  St-A«  M.), 


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Anno  1534  acta.  547 

primnm  inter  exusti  Mauritiani  coUegii  mdera  et  favillas,  cui 
Wilkinns  Stedingus,  etsi  totins  quoque  peditatus  dui  primarins 
faerit,  pecnliariter  praefait;  secnndum  ante  portam  Ladgerianam 
in  agro  avenario,  cains  Joannes  Corytzerns  Seynanns  moderator 
fait;  tertinm  ad  portam  Aegidianam  in  loco  hnmiliori  et  sabn- 
loso  inxta  viam  pablicam,  qnod  a  Misnensibus  militibns  Mis- 
nense  appellatnm  fnit,  cui  Albertus  Beltzius  praefuit.  Qui  cum 
expeditionem  prünam  ad  urbem  facerent,  praedio  domini  Gerardi 
de  Plett^nberch  in  paroecia  Sendenhorsthana  sito  sine  causa,  sed 
eingulari  nocendi  libidine  in  clerum  accensi  flammas  iniecerunt 
illuclque  penitus  exusserunt.  Hi  quoque  tantum  audaciae  sibi 
arroganter  tribuebant,  ut,  cum  urbem  eminus  intuerentur,  non 
opus  esse  ad  eum  viculum  expugnandum  tantis  viribus,  machinis 
et  apparatu  bellico  clamitarent,  minori  enim  se  illum  negotio 
et  citius  subacturo^%  quam  panes  tepido  iure  perfusos.  Quartum 
inde  amne  interluente  ad  portam  Marianam  haud  ita  procul  a 
Telta,  amplissimo  et  fecundissimo  prato,  quod  Hermanni  Sittardi 
ducis  imperio  paruit;  quintum  ad  portam  ludefeldanam  iuxta 
porcorum  aquarium,  quod  et  Geldriacum  a  militibns  et  Qeldriaco 
duce  primario  Egberte  Devereno  denominatur;  sextum  ad  portam 
Crucis  Clivense  appellatur,  cuius  sceptra  Laurentius  Horsthanus 
tenuit;  septimum  trans  amnem  ad  molam  Enickinganam  ^  Swer- 
husius  rexit.  Septem  proinde  peditum  stationes  et  castra  *circum  »p.  466. 
urbem  disponuntur  validisque  militum  praesidiis  firmantur.  Hinc 
matutino  tempore  diei  primae  Martii  magistri  stipendiariorum  i.  Msrz. 
equitum  pedestres  exercitus  subsequuntur  et  in  locis  propinqui- 
oribus  urbis,  extra  iactum  tamen  urbanorum  telorum  stabulan- 
tur,  quorum  Fredericus  ab  Eller  cum  suis  ad  septentrionem  in 
Evinckhovio  castra  collocat,  Henricus  a  Schonebecke  ad  occasum 
in  Eokelenburgo,  Gerardus  de  Becke  ad  aquilonem  in  Hakelen- 

•)  Ms,:  subacturum. 


in  dem  er  den  Amtleuten  befiehlt,  Proviant  in  die  Lager  zu  schaffen,  werden 
Lager  ^to  Enekenckhove,  vor  de  Jodefelt  porten,  vor  Sunte  Ilien  porten, 
to  Snnte  Mauritius,  tom  Koldenhove''  angeführt. 

')  Zur  Enkingmühle  vor  dem  Keubrückenthor,  da,  wo  seit  1884  das 
städtische  Schlachthans   sich  befindet,   s.  A.  Tibus:  Die  Stadt  M.  S.  24. 

11* 


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548  Anno  1534  acta. 

bnrgo,  loannes  de  Koerte  ad  orientem  in  Woesta,  loannes  a  Senden 
ad  meridiem  inxta  aedes  Eberardi  Bischopingi  prope  Geistham, 
loannes  vero  de  Dincklage  ad  earoaastmm  in  Lnkenbeka  ac 
Eoldenhovio^  Ita  antem  eqaites  peditesqne  castrametantnr,  ita 
sunt  vicini,  nt  mutua  sibi  anxilia  necessitate  postulante  adferre 
queant.  Quaelibet  castra  aggeribns,  fossis,  tormentis  aliisque 
rebns  necessariis  accnratius  pedetentim  commnninnt;  yigiliae  et 
excnbiae  tarn  diumae  qnam  noctnrnae  habentur.  Trinm  qaoque 
dioecesinm  snamm  beneficiarios  clientes,  qnos  vasallos  vocant, 
armis  eqnisque  bene  instmctos  ad  primam  diem  Martii  Telgetum 
atque  Woltbecam  princeps  convocat,  ut  stipendiariis  sese  con- 
inngant  eorumque  turmas,  si  forte  opns  sit,  suo  robore  angeant  *. 
Hinc  praeter  crebras  exactiones  et  tributa,  quibns  dioecesis  in 
praesidium  belli  atteritnr,  qnaeqne  nnnc  clero,  nnnc  nobilitati, 
nunc  civibus  exulantibus,  nunc  ruricolis,  nunc  praediis,  nunc 
pecudibus,  nunc  aratris  pendenda  imponuntur,  in  principio  Martii 
ornamenta  quoque  e  templis  per  totam  dioecesim  sublata  sunt ', 
quae  tarnen  pecunia  aestimata  a  paroecianis  redimuntur.  Unde 
multi  motus  passim  sunt  concitati,  maxime  in  urbibus.  Nam 
cum  Boeckholdiani  omamentorum  in  Dei  honorem  a  piis  maiori- 
bus  suis  dedicatorum  aestimationem  aegrius  ferrent,  contentio 
gravis  est  exorta,  in  qua  Georgius  a  Deipenbrock  ac  iudex  eins 


')  Die  Reiterfahrer  sind  dieselben,  die  Eerss.  schon  ohen  S.  524  angab. 

*)  Die  Ritterschaft  wnrde  zum  2.  März  nach  Wolheck,  die  Münster- 
schen  Erhmänner  wurden  nach  Telgte  aufgeboten  (Konzept  im  St-A.  M.). 

')  Mit  Bezugnahme  auf  die  Ausplünderung  des  Münsterschen  Domes 
erging  im  Einverständnis  mit  der  Landschaft  schon  am  27.  Februar  ein 
bischöflicher  Befehl  an  die  Amtleute  (gedr.  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  309). 
Es  heifst  darin  zunächst  nur,  er  wolle  die  „kercken  klenodia  to  eynes  yderen 
besten  ein  tjtlanck  in  getruwe  verwarunge"  nehmen  „befs  tor  tyth  dyt 
unchristlich  uprorisch  vornement  des  gemeynen  mans  . . .  gestillet."  Schon 
gegen  die  Ablieferung  leimte  man  sich  an  vielen  Orten  auf.  Ygl.  aufser 
dem  Berichte  des  Drosten  Job.  Valcke  aus  Vechta  vom  15.  März  (bei  J. 
Nieser t:  U.-S.  I.  S.  22)  die  Schreiben  des  Amtmanns  Wilhelm  v.  Ellen 
zu  Assen  vom  16.  März  und  des  Amtmanns  Job.  v.  Büren  zu  Werne  vom 
4.  April  (Orig.  im  St.-A.  M.).  Gröfser  wurde  die  Erregung,  als  bald  darauf 
das  Ansinnen  gesteUt  wurde,  man  solle  die  abgelieferten  Kleinodien  mit 
Geld  wieder  einlösen. 


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Anno  1534  acta.  549 

oppidi  partes  princlpis  iubentis  defendentes  a  civibns  interceden- 
tibus  propemodum  fuissent  occisi*. 

Ubi  Knipperdollingus  ac  Kibbenbrochus  urbem  obsidione 
episcopali  undiqne  cinctam  esse  animadverterent^  omnes  oppi- 
danos  subito  *armatorum  discursu  nonniliil  consternatos  convo-*p.  467. 
cant  coDYOcatosque  Enipperdollingas  sie  compellat^:  „Cnm  dos 
non  leyiam  neque  impiormn  papistamin  et  pseudoevangelicornm 
iudicium,  sed  vester  omnium  incorruptus  assensus  non  sine  pe- 
culiari  Patris  coelestis  snggestione  ad  hoc  honoris  et  dignitatis 
fastigiom  etiam  invitos  evexerit,  fratres  christianissimi  et  vera 
Abrahami  posteritas,  divinae  qnidem  ordinationi  relnctati  fois- 
semns,  si  a  Patre  mnnus  nobis  suornm  cansa  impositam,  etsi 
difficile  et  ingeniorum  nostrorum  viribus  impar,  aversati  fuisse- 
mus.  Maluimus  igitur  caecorum  papistarum  et  pseudoevangeli- 
corum,  quos  iam  urbe  exegimus,  quibuslibet  conviciis  pro  libi- 
dine  sua  proscindi,  quam  dispositioni  divinae  et  maiorum  no- 
strorum moribus  adversari.  Libenter  itaque  vestro  tarnen  noniine, 
quicquid  est  oneris,  nostris  humeris  imponi  passi  sumus.  Cum 
hoc  enim  magistratu  ea  suscepisse  videmur,  sine  quibus  ille 
recte  geri  non  potest.  Non  potest  autem  recte  geri,  nisi  soUi- 
cita  cura  et  diligentia  pro  subditis,  ne  quid  incommodi  capiant, 
vigiletur;  quod  officium  cum  ad  nos  quoque  pertinere  cognovi- 
mus,  huc  vos  convocavimus,  maxime  in  hoc  metu  publice,  ut 
inopinatam  quorundam  trepidationem,  si  quam  forte  ex  subita 
obsidione  hostium  impiorum  conceperunt,  mutua  omnium  prae- 


*)  Die  Unruhen  in  Bocholt  fanden  erst  im  August  statt  Wir  sind 
n&her  darüher  unterrichtet  durch  ein  Schreihen  der  Stadt  an  die  bischöf- 
lichen Räte  Tom  11.  August  (Orig.  im  8t.-A.  M.).  Der  Rat  erklärt  sich 
darin  für  unschuldig  und  sagt,  der  Aufruhr  sei  durch  einige  Weiher  aus 
Mifsverständnis  yeranlafst,  da  man  gemeint  habe,  die  Kleinodien  sollten 
mit  Gewalt  genommen  werden.  Der  Brief  bestätigt,  dafs  der  Drost  und 
der  Richter  Joh.  Isynck  in  Lebensgefahr  gewesen  seien;  doch  hat  der  Rat 
„myt  groten,  swaren  arbeit  ...  die  uprorige  haesticheit  onser  bürgeren 
gcstnjrt,  dat  dair  awer  nyeraant  geroert  off  gequesset  ys  worden.'^  Die 
Kleinodien  soUten,  wenn  es  notig  sei,  geliefert  werden. 

*)  Vgl.  auch  Ker8s.'s  Jugendgedicht  S.  34f.  (bei  D.  Ger  des  a.a.O. 
S.  573).  Aehnlich  läfst  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  L5  Rothmann 
Tor  dem  ersten  Sturme  um  Pfingsten  zu  dem  Volke  reden. 


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550  Anno  1534  acta. 

sentia  et  verborom  solatio  levemus,  deinde  cum  hoc  negotium 
ad  nos  pertineat,  nt  rei  gerendae  modmn  commnni  etiam  con- 
silio  ineamus  ac  üs,  quas  Pater  dedit,  viribus  ac  annis  adversus 
hostes  nostros  utamur.  Quod  autem  ad  metum  attinet,  quis 
vestrum  erit,  qui  formidabit,  quis  metuet,  cum  nullus  metus 
Sit  in  urbe?  Eum  enim  cum  flagitiosorum  colluvie  ferrum  in 
nos  assidue  acuente  urbe  fugavimus,  domesticam  caedem  clan- 
culum  nobis  machinautes  profligavimus,  simultatem  exterminavi- 
mus,  insidias  expulimus,  periculum  eiecimus;  domesticus  hostis 
excessit,  unius  sumus  religionis,  unius  fidei  ac  tales,  quales  nos 
esse  oportet.  Nullum  igitur  intra  parietem  bestem  extimescimus, 
omnia  iam  in  urbe  sunt  salva,  integra,  pacata.  Quid  igitur 
metuimus?  hostemne  mercenarium,  impium  militem,  raptorem, 
contra  Patrem  suosque  electos  ac  charactere  foederis  insigüitos 
arma  sumentem,  quem  foris  grassantem,  idola  colentem,  luxn 
diffluentem,  scoria  sectantem,  omnium  vitiorum  genere  conta- 
^p.  468.  minatum  prospicimus?  At  ille  metus  foris  est;  inter  illum  *et 
nos  munitiones  sunt.  Murus  enim  satis  firmus,  vallum  praeceps 
et  agger  praeruptus,  fossae  aquarum  multitudine  profundissimae 
aliaque  propugnacula,  imo  arma  nostra  omnem  metum  a  nobis 
arcent,  nisi  nostra  culpa  et  ignavia  iterum  admittatur.  Ad  haec 
nihil,  quod  ad  defensionem  pertinet^  desideratur.  Sunt  nobis 
omnis  generis  arma  quam  plurima;  tanta  nobis  est  bombar- 
darum  multitudo,  ut  non  solum  propugnacula,  castella  et  ag- 
geres  circum  urbem  per  modica  etiam  intervalla,  verum  etiam 
singuli  vici  et  plateae  tormentis  muniri  possint;  sunt  globi  tor- 
mentarii;  superest  plumbum  in  tectis  templorum  turriumque, 
unde  fundi  queunt.  Pulvis  nitratus  in  aliquot  etiam  annos  nobis 
suppetit,  nee  nobis  sulphur  nitrumque  deest.  Immensas  opes 
auri  argentique  impius  iussu  Patris  exactus  nobis  reliquit.  Urbs 
tota  frumenti  copia  omnique  commeatu  abundat.  Haec  omnia 
Pater  nobis  sine  discrimine  ullo  dedit,  haec  quasi  in  sinum 
nostrum  absque  sudore  nostro  efTudit.  Sola  fortitudo  et  con- 
stantia  nostra  requiritur;  dabit  cetera  Dens!  Meditemini  enim, 
cuius  negotium  agatur  cuiusve  gloria  quaeratur!  Cogitate,  quis 
Sit  dux  noster,  quis  signifer,  qui  milites,  quae  causa  belli!  e  di- 
yerso,    quis  sit  dux  hostium,    quis  signifer,  qui  milites,    quae 


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Anno  1534  acta.  551 

causa  armornm!  Opponite  Patrem  coelestem  pontifici  ant  La- 
thero,  opponite  Christum  obeso  episcopo,  opponite  charactere 
foederis  signatos  et  viros  fortes  turbae  rasae  et  eflfeminatae,  op- 
ponite verbum  Dei,  quod  nos  defendimus,  humanis  inventis  et 
constitutionibus !  Utrius  exercitum  maioribus  pollere  viribus 
existimatis?  Hie  pudor,  iUic  petulantia;  hie  vera  fides,  illic  vana 
opinio  et  fraus;  hie  pietas,  illic  scelus;  hie  constantia,  illic  furor; 
hie  honestas  et  continentia,  illic  turpitudo  et  libido;  hie  aequitas, 
pietas  reliquaeque  virtutes,  illic  iniquitas,  impietas  omnisque 
vitioram  proluvies  eflfervescit;  hie  mens  sana,  illic  amentia  et 
turbata  conscientia!  Expendite  itaque  altius,  a  quo  duce  nos 
pendeamus,  quis  nos  adversus  ista  flagitia  armaverit,  quis  de- 
fensionem  suscipere  iusserit.  Nonne,  si  arma  nostra  flaccescerent, 
Pater  coelestis  tam  in  nos  propter  inobedientiam  quam  illos 
propter  scelera  et  pertinaciam  suam  innumeris  et  inmiedicabili- 
bus  morborum  generibus  bellum  susciperet?  Estne  igitur  satius, 
sine  metu  et  formidine  divinae  iussioni  parere,  quam  nos  in 
eandem  *cum  impiis  calamitatem  praecipitare?  Nostris  utitur»p.  469. 
armis  Pater,  ea  regit,  ea  in  viscera  impiorum  disponit.  Quem 
ergo  timemus?  Pugnent  pro  episcopo  omnes  papistae  et  pseudo- 
evangelici,  dum  pro  nobis  pugnat  solus  Dens!  Glorientur  hostes 
in  humano  praesidio,  dum  nobis  divinum  suppetit!  Invocent 
inane  Bomani  imperii  nomen,  dum  Pater  coelestis  suo  auxilio 
nos  non  destituit!  Episcopusne  hos  belli  sumptus  immenses  diu 
sustinebit  suisve  opibus  nostra  moenia  expugnabit,  qui  ipse  inops 
et  egenus,  qui  in  initio  belli  multa  aureomm  millia  aliunde 
mutuatur,  qui  arces  huius  dioecesis  fere  omnes  hypothecariis 
creditoribus  obligavit,  qui  aurum  argentumque  e  templis  in  ex- 
tremum  praesidium  belli  gerendi  rapuit?  Pro  illone  principes 
et  populi  suis  impensis  induent  arma?  in  illiusne  gratiam  facul- 
tates  suas  nihil  recepturi  profundent?  milesne  mercenarins  suis 
stipendiis  militabit,  qui  non  religionis,  sed  pecuniae  gratia  nos 
persequitur?  Nonne  igitur  aerario  exhausto  dioecesique  ad  ex- 
tremam  inopiam  redacta  urbem  aut  deseret  et  motis  castris  dif- 
fluet  aut  Signa  sequetur?  Si  vero  humanis  viribus  sit  certan- 
dum,  pro  nobis  bella  parant  Frisii,  armant  se  Leodienses,  ferrum 
acuunt  Brabanti,  sunt  in  procinctu  Hollandi,  vigilant  pro  nobis 


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552  Anno  1534  acta. 

fratres  per  Universum  mundum  dissipati,  vigilant,  quotquot  Pa- 
tris  agnitione  in  ultimis  etiam  angulis  terrae  sunt  illustrati, 
quotquot  charactere  foederis  sunt  insigniti.  0  fortunatam  rem- 
publicam  nostram,  quae  sub  duce  coelesti  militare  armaque  cir- 
cumferre  digna  est  habita,  quae  pro  Dei  nomine  affligitur!  0  in- 
felices  hostes,  qui  suis  flagitiis  Patrem  irritant,  populum  Dei 
prosequuntur  verbumque  illius  irrident!  Quis  unquam,  quaeso, 
contra  Deum  feliciter  pugnavit?  Nonne  paucissimae  piomm 
manus  validissimos  impiorum  exercitus  saepe  fuderunt?  Nos 
cum  meliora  signa  sequamur,  imitemur  Apostolos,  Prophetas  et 
sanctos  Patres  Israelis,  quos  nullius  unquam  tyranni  quantumvis 
ferocissimi  minae  terruerunt,  qui  in  medio  afflictionum  astu  yic- 
tores  extiterunt  et  magnifice  triumpharunt!  Non  nisi  per  discri- 
mina  exemplo  populi  Israhelitici  ad  sedes  quietas  pervenitur; 
sine  metu  et  confidenter  quidem  prius  certandum  est.  Nemo 
enim  ante  pugnam  coronatur.  Excussa  igitur  omni  formidine 
instruite  adversus  inimicos  Dei,  adversus  hostes  nostros  anna 
•p.  470.  vestra!  *Bes  enim  hoc  postulat,  necessitas  exigit,  Pater  iubet 
atque  deposcit.  Hoc  sacrarium  Patris  sanctissimum,  lianc  sedem 
Dei  purissimam,  hanc  Israelis  haereditatem  nunquam  interituram, 
firmissimas  has  munitiones,  haec  tecta  nostra  non  ruitura  vigiUis 
noctumis  diurnisque  defendite,  protegite  et  conservate,  vim  ho- 
stilemque  impressionem  propulsate,  gladios  impios  a  iugulis  ve- 
stris  arcete,  liberos,  uxores  et  vosmetipsos  a  perpetua  servitutis 
miseria  vindicate!  Haec  si  feceritis,  salutem,  immortalem  glo- 
riam  aetemumque  decus  vobis  cumulabitis.  Nos,  quamdiu  san- 
guis  in  venis  calet,  quamdiu  humeri  anna  gestare,  quamdiu  la- 
certi  spicula  torquere,  gladios  hastasque  vibrare  queunt,  pro 
vobis  extrema  pati  non  detrectabimus,  dummodo  nostris  vigiliis 
nostrisque  laboribus  omne  incommodum  a  vobis  vestrisque  con- 
iugibus  et  liberis  amoveamus.  Ea,  imo  maiora,  quam  magistratus 
noster  poscit,  Deo  duce  agemus,  quem  vos  venerari,  precari  atque 
implorare  decet,  ut  suum  populum  ad  gloriam  nominis  sui  ab 
omni  incommodo  conservet  et  incolumem  tueatur.  Nunc  autem, 
quod  reliquum  est,  fratres  christianissimi,  defensionis  a  vobis 
ineatur  ratio,  designentur  viri  militari  disciplina  praecellentes, 
quorum  apud  nos  non  est  exiguus   numerus,    qui  miliüam  nos 


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Anno  1534  acta.  553 

Qoceant,  nobis  praesint,  nostri  sint  dnces,  centuriones,  princi- 
pales,  ne  imparatos  nos  hostis  inveniat.  Quid  horam  factnri 
sitis,  accnratias  consulite!'' 

Haec  consnlis  oratio  quantmn  audaciae  qnantnmqne  animi 
pavore  propemodum  constematis  tribnerit,  alacris  et  laeta  praeter 
morem  omniTun  acclamatio  satis  demonstravit  Hinc,  uti  Inssi 
sunt  a  consnle,  dnces,  signiferos,  centnriones  aliosqne  militiae 
praefectos,  qni  sibi  in  praesenti  necessitate  praesint,  sedata  con- 
snltatione  elignnt  ^  Hi  antem,  ut  vigiliae  noctnmae  diumaeqne 
per  vices  commode  peragantnr,  totam  multitndinem  primum  in 
centurias,  deinde  in  manipulos  distribnnnt,  qnibns  etiam  sena- 
torii  ordinis  viri  ab  excnbiis  non  immunes,  ut  omnis  proditionis 
suspicio  amoveatur,  suis  vicibus  vigilaturi  admiscentur '.  Nemo 
est  in  urbe,  cui  non  sit  sua  fanctio;  singulis  suus  locus  in 
publica  urbis  oppugnatione  defendendus,  quem  aut  vivi  aut  mor- 
tui teneant,  severissime  committitur;  hostem  enim  validiorem 
in  una  aliqua  parte  urbis  impressionem  callide  moliri,  ut  oppi- 
danis  in  se  provocatis  *munitiones  aliqua  in  parte  defensoribus*p.  471. 
nudatas  superent.  Quidam  recentibus  boum  pellibus  umisque 
coriaceis  instructi  ad  incendium  aut  suflfocandum  aut  restin- 
guendum  ab  igniferis  forte  hostium  iaculis  tectis  illatum  deli- 
guntur.  Magna  quoque  armatorum  virorum  multitudo  consti- 
tuitur,  quae  infirmiori  urbis  parti  et  laborantibus  defensoribus, 
sicubi  opus  sit,  celeriter  succurrat.  Quibusdam  pulverem  nitra- 
tum  subministrandi  negotium  datur.    Pueros  iaculandi  artificio 


0  Der  EiDsetznng'  von  Hauptleuten  gleich  zu  Beginn  der  Belagerung 
widerspricht  der  Bericht  H.  Gresheck's  S.  64f.  Er  erzahlt,  wie  die 
Wiedertäufer  zun&chst  keine  Pfeifen  und  Trorameln  haben  wollten,  und 
fugt  dann  hinzu:  „und  hcdden  ock  nicht  mit  den  irsten  hoptluedc."  Erst 
als  die  Propheten  und  Predikanten  nach  Zurateziehung  des  alten  Testa- 
mentes Pfeifen  und  Trommeln  zuliefscn,  wurden  „hopt  und  befelchluede^ 
ernannt  —  *)  Die  Beteiligung  der  Ratsmitglieder  an  der  Wacht  berichtet 
auch  H.  Gresbeck  S.  2Lf.  Auch  wurden  nach  ihm  vom  Rate  sechs 
„weldemeisters**  verordnet,  die  mufsten  „mit  den  irsten  alle  nacht  die  wacke 
yerwaren,  und  hedden  alle  nacht  ein  beer  panne  mit  fuer  up  dem  marckedo 
stain/  Streng  geregelt  blieb  die  Beaufsichtigung  der  Wachen  auch  sp&ter. 
S-  weiter  unten  die  Verpflichtungen  der  zwölf  Aeltesten.  Vgl.  auch  die 
Schilderung  H.  Gresheck's  S.  160 f.  für  die  Zeit  des  Königtums  Johann's 
▼.  Jjeiden. 


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554  Anno  1534  acta. 

ita  exercent,  ut  in  propugnaculis  tntandis  viris  ipsis  non  cede- 
rent;  feminis  in  aggeribus  calcis  et  picis  coquendae  labor  com- 
mittitar,  qnaedam  etiam  ex  lino  et  stnpa  coronis  sertisque  texen- 
dis  occupantnr,  qnibns  flagranti  pici  immersis  hostes  scandentes 
arceant.  Clandestinae  mnnitiones  et  occulta  defensacnla  admi- 
randi  ingenii  beneficio  intra  aggeres  eriguntur;  cunicnlos  mea- 
tnsqne  snbterraneos  tormentis  muninnt,  casas  vigilnm  passim 
extmant.  Qnicomqne  etiam  in  hostium  perniciem  aliquid  nori 
excogitat^,  non  minimam  industriae  landem  sibi  comparat.  Sic 
Joannes  Uldanus  tanta  arte  et  indnstria  inter  portas  Servatia- 
nam  et  Ludgerianam  propngnacnlnm  erigit,  nt  etiam  in  hodier- 
nnm  diem  Uldani  castellum  dicatnr  anctorisqne  sni  nomine  cele- 
bretur  *.  Plnrimnm  laboris  in  urbe  intus  et  foris  munienda  cen- 
turiatim  insumitur;  ideoque  tumultuaria  opera  urbs  quidem  prius 
munita  intra  dies  paucos  munitissima  est  eflfecta'.  Ante  portas 
singulas  ingentes  terreas  moles  summa  cum  alacritate  congerunt, 
quibus  pro  fundamentis  sarcophagos  episcoporum,  canonicorum, 
nobilium,  sacerdotum  matronarumque  et  levigatorum  lapidum 
pavimenta  e  templis  eruta  subiiciunt  easque  lignis  passim  raptis 
nullo  dominorum  discrimine  habito  intus  fulciunt*.  Et  ne  hostes 
arbitrentur  rem  sibi  esse  cum  effeminatis  aut  pavore  attonitis, 
crebras  excursiones  faciunt  parvisque  proeliis  cum  militibus  saepe 
6.  März,  contendunt^    Nam  6.  Martii   porta  Horsthana   armati   exeunt 


*)  Von  solchen  Erfindungen  zum  Ericgsgebranch  giebt  H.  Gresbeck 
S.  57  f.  einige  Beispiele. 

*)  Die  heutige  Engelschanze.  Siehe  über  dieselbe  A.  Tibus:  Die 
Stadt  Münster  S.  133.    Vgl.  auch  oben  S.  20. 

')  Das  beste  Zeugnis  dafür,  wie  stark  selbst  nach  der  langen  Be- 
lagerung und  endlichen  Einnahme  der  Stadt  noch  ihre  Befestigungen  waren, 
giebt  ein  Brief  des  Justinian  von  Holtzhusen,  Bürgermeisters  von  Frank- 
furt a.M.,  der  am  1.  Juli  1535  seinen  kurzen  Bericht  an  den  Frankfurter 
Bat  über  die  Eroberung  Münsters  mit  den  Worten  schliefst:  „Es  solte  nicht 
schaden,  das  e.  f.  w.  meister  Gaspem  den  baumeister  alher  senten,  der  stat 
befestigung  tzu  besehen.  D erglichen  nit  vil  gefunden  werden 
mit  solicher  weher,  als  diefse  stat  ist"  (M.  G.-Q.  11,367).  Vgl. 
auch  H.  Gresbeck  S.  177, 

*)  Ganz  ähnlich  heifst  es  auch  bei  D.  Lilie  S.  228.  Vergl.  auch 
H.  Gresbeck  S.  162. 

')  Eine  Datierung  der  ersten  Ausf&Ue  der  Belagerer  findet  sich  nur 


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Anno  1534  acta.  555 

dnasqüe  molas  exnrnnt  et  milites  in  se  provocant,  qnorum  non 
paucos  mactant.  Die  etiam  13.  Martii  duobns  Indefeldanis  prae-  is.  mh«. 
diis  in  ipso  meridie  faces  iniicinnt  et  milites  aliquot  sternnnt. 
Verum  in  hac  conflictatiuncula  triginta  et  quinque  oppidani  de- 
siderantur.    Hac  tarnen  clade  non  consternati  sunt,    sed  auda- 
ciores  *redditi  14.  Martii  circa  horam  decimam  antemeridianam  *?.  472. 
quingenti  oppidani  audacius  quam  prudentius  erumpentes  Potter-  ^*'  ^**"' 
husium  cum  lateritiis  casulis  concremant.    Sed  hi  ab  hostibus 
agminatim  undique  ingruentibus  propemodum  fuissent  intercepti, 
nisi  per  viam  obsidentibus  incognitam  incolumes  ad  urbem  eva- 
sissent.    Inter  elabendum  hostium  tympanistam  capiunt  secum- 
que  abducunt,  cuius  caput  a  cervice  praecisum  cum  tympano  e 
summo  Bischopinganae  portae  culmine  in  terrorem  hostiimi  su- 
spensum  est. 

Dum  haec  aguntur  ^  Eberwinus  Droste,  Theodoricus  Mun- 
sterman,  Wilbrandus  Plonies,  Hermannus  Schenckinck  ac  Her- 
mannus  Heerde,  viri  avitae  fidei  et  probitatis,  cum  essent  civium 
proceres,  concives  suos  ab  anabaptistis  urbe  pulsos  diversis  in 
locis  exulantes  per  scripta  Telgetum,  ubi  et  princeps  erat,  con- 
vocant  ibique  de  rebus  suis  ad  libertatem  civilem  privilegiaque 
urbis  pertinentibus  Consultant  et  praesentibus  dominis  de  capi- 
tulo  9.  Martii  principem  bis  verbis  adoriuntur:  Cum  sine  dubio  9.  mä«.. 
principi  innotuerit,  quam  miserabiliter,  crudeliter  et  contra  omnem 
humanitatem  cives  Monasteriensis  urbis  cum  uxoribus  et  liberis 
onmibus  suis  bonis  per  vim  exuti  et  spoliati  patriis  sedibus 
sint  eiecti  et,  ne  se  foedissima  haeresi  contaminarent  principem- 


bei  Kerss.  Ergänzt  wird  sein  Bericht  durch  den  H.  Grcsheck's  S.  50 fit., 
der  hei  dieser  Gelegenheit  den  Wiedertäufern  das  Zeugnis  ausstellt,  sie 
wären  „sehr  könne  mit  schutgefcrt  tho  holden,  w^ie  dat  sie  dem  kreigh 
hedden  gefolgt  twcntigh  iair  langk,  und  al  dat  sie  dcden,  dat  deden  sie 
mit  kloickheit  und  mit  hehendigheit  und  mit  nuchterem  sinne.  Wante  die 
Propheten,  predicanten  und  obersten  in  der  stat,  die  hebben  so  scharpelich 
Terboden,  dat  niemantz  so  koen  en  wer  in  der  stat,  der  sich  sol  vol  drin- 
cken,  up  dat  sie  al  hei  iren  sinnen  solden  hliven  . . .;  und  wan  sie  uth 
taegen,  dat  deden  sie  mit  weifsheit  und  mit  hehendigkheit."  Auch  D.  Lilie 
8.  230  bringt  die  Ausfälle  aus  Münster  mit  der  häufigen  Trunkenheit  der 
Landsknechte  vor  der  Stadt  in  Zusammenhang,  „want  se  van  hinnen  in 
aller  soberheit  leveden." 

')  Das  Folgende  ist  nur  durch  Eerss.  üherliefert 


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556  Anno  1534  acta. 

qne  simili  pertinacia  et  rebellione  offenderent,  omnes  fortnnas 
snas  deseruerint,  se  itaque  principem  obsecrare,  nt  miseria  civili 
aliqno  modo  tangatnr  et  inelnctabilem  exnlum  calamitatem  cle- 
menter secnm  expendat,  yim  ininstam,  qnae  exemplo  prope- 
modum  careat,  pnniat,  rebellionem  vindicet,  haeresim  cum  snis 
anctoribos  extingnat  et  funditns  deleat,  cives  a  Inctnoso  exilio 
ad  penates  snos  et  bona  sibi  adempta  redncat.  Se  eam  gratiam 
qnibnsYis  ofGciis,  etiam  cnm  vitae  discrimine  promeritnros. 

Princeps  per  Themmonem  ab  Hoerde,  anlae  hipparchomy 
clvibns  respondet:  Deliberatum  et  constitutum  sibi  iamdndam 
esse  pestilentem,  pemiciosam  et  impiam  in  nrbe  grassantem  hae- 
resim etiam  cum  vitae  et  omnium  bonorum  suorum  iactura  re- 
primere,  neque  aliorum  principum,  amicorum  atque  sanguine 
iunctorum  praesidia  sibi  defatura.  Sed  cum  domini  de  capitulo 
et  equester  dioecesis  Monasteriensis  ordo  in  retundendis  istis 
»p.  473.  violentis  erroribus  et  rebelli*bus  ad  obedientiam  revocandis  auxi- 
lium  sibi  addixerint,  si  idem  exules  cives  facturi  sint,  se  ipsos 
per  Dei  gratiam  ad  suos  penates  et  bona  reducturum. 

Ad  haec  post  brevem  deliberationem  cives  respondent:  Se 
in  recuperanda  urbe  et  seditiosis  monstris  domandis  pro  facul- 
tatum  et  virium  modo  principi  serio  affuturos  nee  solum  se  opum 
suarum,  verum  etiam  vitae  dispendium,  si  res  poscat,  in  gratiam 
principis  facturos.  Haec  civium  responsio  et  benevolentia  vehe- 
menter principi  placuit.  Et  cum  civitatis  munitiones  nuUis  aeque 
atque  civibus  sint  exploratae  et  cognitae,  petit,  ne  suis  consili- 
ariis  ac  militiae  praefectis  suo  consilio  deesse  graventur,  ut  in- 
telligant,  quibus  in  locis  urbs  sit  infirmior  et  expugnatu  facilior. 
Quod  se  libenter  facturos  recipiunt. 

Inde  cum  senatores  plerique  in  urbe  militari  disciplinae 
darent  operam  neque  sese  causis  forensibus  et  civUibus  multum 
implicarent,  eorum  auctoritas  paulatim  in  urbe  vilescit.  Joannes 
autem  Matthisson  propheta  tam  sacra  quam  profana  sibi  arro- 
gabat  ideoque  eximiae  apud  populum  auctoritatis  et  existima- 
tionis  esse  coepit  plurisque  fit  quam  ullus  consulum.  Nihil 
«nim  neque  domi  neque  foris   agitur  ipso   non  consulto^.    Hie 


')  Auch  U.  Grcsbeck  S.  23  sagt  zu  dieser  Zeit:  „Johan  Matthias 
was  mit  den  irsteu   der  OTerste   prophet.    Johan  von  Leiden   en  was  do 


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Anno  1534  acta.  557 

concionatnr:  Patrem  yelle,  nt  omninm  egressomm  clvinm  bona 
inter  christianos,  non  tarnen  pro  cniosqne  volnntate  et  arbitrio^ 
sed  necessitate  sint  communia*.  Elegit  itaqne  viros,  qni  cnni- 
bus  eorum  bona,  qnos  exegerant,  in  singulis  paroeciis  ad  certas 
qnasdam  domns  a  propheta  designatas  in  commanem  nsnm  bona 

nicht  der  overst  prophet  Mehr  Johan  Matthias  sachte,  dat  ome  geopcn- 
baret  wer,  dat  Johan  von  Leiden  noch  solt  hoch  verhevet  werden  in  der 
werlt  und  eolde  noch  ein  groet  prophet  werden." 

')  Hier  schlierst  sich  Kerss.  wieder  eng  an  Hermann  Ramert^s  Be- 
richt an,  der  uns  in  der  „Ordnung"  vorliegt.  Doch  ist  dort  nicht  nur  von 
den  Gütern  der  Ausgewanderten  allein  die  Rede,  sondern  es  helTst:  „Man 
hat  auch  verordnet  in  etlichen  kirchen  oder  kirchspyl  zwen,  die  mit  wägen 
unihgefaren  seind  und  aus  aller  hurgor  heuser  klein  oder  groTs, 
arm  oder  reich  geholet  was  sy  haben  gefunden  von  kleydem  ..."  Die 
Gütergemeinschaft  konnte  erst  allmählich  durchgeführt  werden.  Sie  setzte 
zunächst  bei  dem  Besitztum  der  vertriebenen  Bürger  ein.  Besonders  H. 
Gresbeck  S.  32ff.  erzählt  von  dem  Widerstände,  der  ihr  entgegenge- 
bracht wurde.  „Und  heft  dat  upbrengen  geduert  bei  twe  monat  lanck,"  sagt 
er,  „dat  sie  so  grewelicken  gepredeket  und  gestraft  hebben,  dat  niemantz 
nicht  beholden  en  d erste."  Es  wurde  schliefslich  eine  Frist  zur  Ablieferung 
gegeben.  „Na  dieser  tiet  en  is  geine  gnade  mehr;  die  gnaden  doer  wil 
tho  gain.  Wer  do  noch  wat  hadde,  der  heft  it  al  upgebracht,  und  lieten 
sick  aveireden."  —  Fast  in  allen  Quellen  erscheint,  wie  auch  bei  Kerss., 
Jan  Matthys  als  der  eigentliche  Urheber  der  gewaltsamen  Mafsregel  in 
Münster.  Auch  Knipperdolling  bekennt  am  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q.  II,  377), 
„dat  Johan  Mathis  und  Johan  van  Leien  die  irste  gewesen  sin,  die  dat  volck 
dair  toe  gereist  und  dat  to  werck  gebraght  hebben,  dat  alle  dingen  gemeint 
sin  solden  ..."  (vgl.  auch  seine  Aussagen  bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  187 
und  M.  G.-Q.  II,  410).  Johann  v.  Leiden  stellt  für  später  Johann  Dusent^ 
schuer  als  besonders  dabei  beteiligt  hin  (s.  Johannas  Geständnisse  bei  J. 
Niesert  a.  a.  0.  S.  178  und  M.  G.-Q.  II,  372).  —  Ueber  die  schliefs- 
liche  Durchführung  der  Gütergemeinschaft  in  Münster  schreibt  Rothmann 
in  seiner  im  October  1534  erschienenen  „Restitution"  S.  71:  „. . .  by  uns 
. . .  ys  de  gemeinschap  weder  van  Godt  gerestituert,  wo  eth  dan  van  an- 
fange gewesen  ys  unde  den  hilligen  Gades  wall  ansteit,  als  darvan  ge- 
schreven  steit  Act.  ii  und  iiii.  Wy  hoppen  ock,  dat  de  gemeinschap 
by  uns  yo  so  krefftich  und  herlick  sy  und  mit  reinen  herten 
durch  Gades  genaden  geholden  werde,  als  ye  tho  vören 
mach  gescheit  sin.  Want  wy  nicht  alleine  unse  güder  int 
gemein  unde  de  bände  der  Dyaconen  gemein  gemaket  hebben, 
unde  dar  van  nodtdröfftichlick  leven,  mer  ock  eines  herten 
unde  modes  prissen  wy  Godt  durch  Christum  und  sint  ge- 
neyget  mit  allerley  deinst  malck  anderen  vor  tho  kommen...*^ 


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508  Anno  1534  acta. 

fide  convehant.  Hi  prophetae  edicto  parentes  vestes,  lectos,  stra- 
gnla,  pictos  tapetes,  spondas,  framentum,  arma,  ahena,  ollas, 
lances  stanneas,  carchesia,  pocula  cniusqne  generis,  linnm«!!- 
nenmque  pannum  et  qnicqnid  supellectilis  deprehendnnt,  aufernnt 
tarn  pauperum  quam  divitom  parietes  denndantes,  slgnatas  vero 
redditanm  literas  signis  detractis  dissecant,  apochas,  chirographa, 
rationum  libros  et  diversorum  contractuum  tabulas  magno  eiu- 
lantium  incommodo  exurunt,  aurea  vero  argenteaque  mulierum 
omamenta,  annulos  et  pecuniam  ad  curiam  graphiariam  defe- 
*p.  474.  runt  ^  Hinc  eodem  propheta  iubente  in  tertium  usque  *diem 
fit  deprecatio,  ut  Pater  divino  suo  nutu  septem  viros  deligat, 
qui  bonls  istis  convectis  praesint  et  singulis  christianis  fratribus 
pro  necessitate  fideliter  ea  dispensent.  Die  vero  tertio  divino 
oraculo  hos  sibi  proditos  esse  prociamat':  Leddanum  villicum, 
Albertum  Heytterum,  qui  Hermanni  Foeckii  filiam  uxorem  du- 
xerat,  Bernardum  Havickhorstium  villicum,  Hermannum  Alber- 
tingum  a  clave  cognominatum ',  Hermannum  Eeyningum,  loan- 
nem  Caterberchum  Montanum  alias  thor  Heyden,  politorem  ar- 
morum*,  et  Hermannum  Bridorpium,  quos  a  ministerio,  quo 
fungebantur,  diaconos  appellavit.  Hi  a  propheta  nominati  ad 
lulium  Frisium  episcopum  ac  alios  concionatores  deducti  per* 
manus  impositionem  in  officio^  suo  confirmantur.  Herum  munos 
erat,  cum  omnia  essent  communia,  egressorum  ciyium  supellec- 
tilia  atque  etiam  domus  indigentibus  suis  confratribus  mini- 
strare.  Quicunque  enim  yestibus  aliisque  rebus  ad  alimentum 
pertinentibus  opus  habet  aut  suae  humilioris  habitationis  per- 
taesus  splendidiorem  afifectat^  apud  diaconos  fit  voti  compos^ 


^)  Eerss.  berichtet  das  Zusammenbringen  des  Geldes  und  Schmuckes 
auf  das  Rathaus  gleich  weiter  unten  noch  einmal.    S.  dort. 

')  Ebenso  die  „Ordnung,*'  in  deren  Druck  aher  die  Namen  wieder 
stark  entstellt  sind.  Ygl.  auch  die  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  334).  Von 
7  Diakonen  sprechen  auch  Herm.  Begewart  und  Joh.  Kloprifs  in  ihren 
Bekenntnissen  (hei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  8.  33  u.  126).  Nach  H.  Gres- 
heck  S.  34  sind  „in  ein  ieder  kerspel  drei  diaken  gesät,  die  dat  gemeine 
guit  solden  irerwaren  von  fruchten  of  von  kom  und  von  fleisch,  von  allerlei 
ettenkost,  die  in  der  stat  was.^  Werner  Scheitert  erwähnt  in  seineu  Aas- 
sagen acht  Diakone  (M.  G.-Q.  U,  293). 

')  In  dem  Slottel.  —  *)  Swertfeger.  —  ")  »Das  gemain  gut,"  sagt 


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Anno  1534  acta.  559 

Post  haec  qnidam  indigenae,  cum  viderent  hominem  pere- 
grinnm  advenam  ignotnmqne  tantum  sibi  anctoritatis  arrogare, 
nt  tarn  sacra  quam  profana  pro  suo  arbitratn  in  nrbe  admini- 
straret,  inter  se  mlnime  ferendam  esse  mussitant.  Inter  qnos 
Hupertns  Enesscherus  *,  faber  ferrarius:  „Haeccine,  fratres,  amen- 
tia  insignis  est,^  exclamat,  „qnod  homo  mendax,  stolidus  et 
amens  se  prophetam  appellare  non  erubescat,  qnod  ipse  indoctus 
alios  docere  praesumat,  quod  consuetndinis  huias  patriae  expers 
politicam  administrationem  temere  invadat,  quod  ipse  ignotus 
notis  se  praeferat?  Nos  stultissimi  snmas,  qui  illnm,  quem  to- 
ties  oracola  fallunt,  prophetam  esse  credimns!  Existimet  himc 
prophetam  esse,  qnicunque  velit;  ego  vero  illum  xs^ovva  vel  ca- 
cantem  prophetam  esse  iadico!^  Moltaque  alia,  qnae  ira  sug- 
gessit,  evomit^  Qni  autem  aderant,  vitae  snae  metnentes  ad 
haec  omnia  Bnesscheri  dicta  ne  verbum  qnidem  mutire  andent, 
sed  altias  intra  se  suos  qnestus  smnmo  cum  dolore  taciti  pre- 
mnnt.  Haec  res  per  delatores  quosdam  prophetae  proditur,  qni 
protinns  per  lictores  hnnc  comprehendi  et  constringi  iubet,  con- 
Yocatqne  totam  *multitndinem  armatam  ad  campum  dominicum.  *p.  475. 
Quo  cxmi  non  solum  plebei,  verum  etiam  consules  ac  senatores 
convenissent  ignari,  quid  sibi  populi  convocatio  vellet,  ibi  tum 
propheta  protracto  Huperto  in  mediam  concionem:  „Fratres  chii- 
stianissimi,^  inquit,    „Hupertus    ille   faber  malo   genio  misere 


die  „Ordnung, **  „wöllichs  bey  einander  bracht  ist,  darzu  seind  durch  den 
befelch  Gottes  geordiniert,  auszutaylen,  was  ein  jeder  bedarff/'  Aehnüch 
anch  die  Bekenntnisse  Herrn.  Regewart's  und  Joh.  Eloprifs'  a.  a.  0.  Dio- 
nysius  Yinne  sagt  aus  (M.  G.-Q.  II,  274):  „Tho  den  huser  sin  diacken 
yerorderet,  de  ein  ideren  na  siner  gelegenheit  de  huse  na  noittmft  indoin/^ 
EinzeUieiten  geben  die  weiter  unten  von  Kerss.  mitgeteilten  Verfügungen 
der  zwölf  Aeltesten. 

^)  Dieselbe  Begebenheit,  aber  im  Einzelnen  mit  mannigfachen  Ab- 
weichungen, berichten  H.  Dorp  Bl.  £2,  H.  Gresbeck  S.  28 fit.  und  Lam- 
bert Hortensius  8.  19.  Herrn.  Hamelmann  8.  1222  verbindet  die 
Erz&hlung  des  Dorp  mit  der  des  Hortensius.  Dorp  nennt  den  Schmied 
Hubert  Truteling,  während  Gresbeck  und  Hortensius  keinen  Zunamen  an- 
geben. Eerss.  erzählte  oben  8.  518,  wie  der  Schmied  Hupert  Ruescher  wäh- 
rend der  Fastnacht  den  Bischof  verhöhnte. 

')  Nach  H.  Gresbeck  geschah  die  Schmähung  der  Propheten  und 
Fredikanten  auf  der  Wache. 


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560  Anno  1534  acta. 

sednctns  eo  dementiae  et  impietatis  devenit,  ut  prophetam  a 
Patre  vobis  in  consolationem  et  salutem  missum  contemnere 
ipsumqne  nefandis,  amaris  [scarrilibnsque  dicteriis  publice  in- 
cessere  andeat;  nnde  liqnet  ipsum  esse  impinm  et  pnblicae  pacis 
pertarbatorem.^  In  ipsam  itaqne  violati  foederis  exempla  esse 
statnenda  docet,  ne  imias  flagitinm  in  totnm  popnlnin  trans- 
fiindatnr;  nnins  enim  ob  colpam  maltos  saepe  pnnitos  esse. 
„Quare,"  inquit,  „extingnendus  et  eradicandus  hie  est  e  nmnero 
piormn  atque  ex  Israel  toUendns.  Scriptum  est  enim:  tempus 
est,  ut  iudicium  a  domo  Dei  incipiat^^  Hermannus  autem  Tyl- 
beck  et  Henricus  Sedeker,  quorum  Mc  anno  superiori  tribunus 
plebis,  ille  vero  consul  fuerat,  intercedunt  neque  concivem  unius 
arbitrio  occidendum  esse  volunt,  cum  iure  non  sit  permissum, 
ut  unus  et  accusatoris  et  iudicis  partes  sustineat;  publice  ita- 
que  illum  iudicio  sistendum  et  more  maiorum  condemnandum 
esse  contendunt.  Propheta  vero  bis  verbis  impatiens  contra- 
dictionis  in  furorem  propemodum  versus  iussit  protinus  Tyl- 
bechium  et  Bedekerum  constringi  et  in  carcerem  abduci^  Ha- 
bebat enim  lictores  aliosque  satellites  non  paucos,  quibus  nemo 
resistere  audebat.  Continuo,  dum  haec  agerentur,  alter  ille  pro- 
pheta loannes  Bokelson  Leydanus  e  media  plebe  exaltans  vocem 
suam  proclamat :  Hupertum  illum  hominem  impium  et  flagitio- 
sum  nuUam  apud  Patrem  gratiam  et  delicti  sui  remissionem 
impetraturum.  „Morte,"  inquit,  „morietur  nee  diem  unum  ultra 
victurus  est.  Ea  mihi  a  Patre  potestas  coelitus  donata  est,  ut 
meo  gladio,  quem  haec  dextra  vibrat,  omnis  ille  cadat,  qui  se 
divinae   huic  iussioni  opposuerit!^     Simulque  ensem   non  sine 


')  1  Petr.  4,  17.  Die  Ausführungen,  die  Kerss.  hier  Jan  Matthys 
in  den  Mund  legt,  gleichen  ganz  denen,  die  sich  bei  L.  Horten sius 
finden,  der  auch  auf  diese  BihelsteUe  anspielen  läTst. 

*)  Ein  offener  Widerstand  gegen  das  Vorgehen  des  Jan  Matthys 
läfst  sich  sonst  nur  noch  aus  dem  Berichte  H.  Gresbeck's  8.  30  ent- 
nehmen: Die  Propheten  und  Predikanten  „hehben  mehr  gesocht,  die  noch 
in  Sunden  solden  sein,"*  und  liefsen  zugleich  mit  Heinrich  Redeker  den 
früheren  Burgermeister  Gerh.  Eibbenbroick  und  den  Borger  Heinr.  Mollen- 
hecke  gefangen  setzen.  In  Bezug  auf  Horm.  Tilheck  sagt  H.  Gresbeck 
ausdrücklich:  „Mehr  hei  wort  nicht  geliet  na  dem  tome.^ 


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Anno  1534  acta.  561 

magno  circumstantium  horrore  concntit  *.  Nemo  igitur  ad  versus 
hos  viros  Dei  mutire  aut  hiscere  ausns  fuit.  Mox  loannis  Mat- 
thisson  his  Leydani  verbis  in  eaede  perpetranda  *obstinatior  et*p.  476. 
obfirmatior  redditns  Hupertnm  ante  pedes  snos  procmnbentem 
pronamque  in  terra  iacentem  valida  bipenne,  quanta  vi  potnit, 
transigit.  Sed  cum  non  snbito,  nt  ipse  sperabat,  expiraret,  rapta 
ab  astante  chyrobombarda  eundem  insuper  traiicit*  Mortno 
igitur  Huperto  prima  in  populo  Dei  victima  totam  ibi  multi- 
tudinem  admonet,  ne  quis  eorum  simili  se  flagitio  et  enormi 
peccato  contaminet.  Hinc  in  laudem  Dei  decantato  hymno  di- 
grediuntur.  Tylbechius  autem  et  Bedekerus,  qui  Buesscheri 
patrocinium  moliebantur,  gratiam  a  propbeta,  cum  proceres  urbis 
habiti  sunt,  facile  impetrant  ideoque  carcere  liberantur'. 

Haec  ubi  feliciter  cessissent  et  omnibus  cruento  isto  spec- 
taculo  terror  incussus  fuisset,  idem  ille  Matthisson  mortis  sup- 
plicio  proposito  omnibus  utriusque  sexus  hominibus  per  totam 
urbem  severissime  edicit,  ut  aurum  argentumque  tam  signatum 
quam  non  signatum  et  omnia  muliebria  omamenta  in  curiam 
grapbiariam  deferant,  cum  inter  veros  cbristianos  nullus  pecuniae 
usus  esse  debeat*.   Plerique  Huperti  exemplo  territi  mortem  sibi 


')  Die  Einmischnng  Johann's  v.  Leiden  ist  sonst  nnr  noch  von  H. 
Gresbeck  8.  28  überliefert.  „Do  hat  Johan  v.  Leiden  genommen  ein 
hellebart  und  stach  denselben  burger  twe  mail  up  dat  lief  und  konde  seiner 
nicht  doer  stecken. ** 

')  Vergl.  die  ähnliche  Schilderung  bei  H.  Dorp,  nach  dem  aber, 
ebenso  wie  nach  H.  Gresbeck,  die  Verwundung  noch  nicht  gleich  tödtlich 
war.  Lebend  wurde  der  Schmied  fortgetragen  und  starb  erst  nach  einigen 
Tagen.  Beide  fugen  hinzu,  es  sei  ihm  prophezeit  worden,  er  solle  am  Leben 
bleiben.  Ja,  H.  Dorp  bringt  sogar  mit  dem  Fehlschlagen  dieser  Prophe- 
zeiung den  Entschlufs  Jan  Matthys'  in  Verbindung,  sich  in  den  Kampf 
mit  den  Bischöflichen  zu  wagen.  L.  Hortensius  hat  nur  die  kurze 
Notiz:  „palo  alligati  caput  ipse  (sc.  Matthys)  tormento  manuario  traiecit^ 
Vergl.  auch  A.  Corvinus:  Acta  etc.  Bl.  AS^  und  desselben  Brief  an  G. 
Spalatin  Bl.  A4^. 

•)  Die  Art  und  Weise,  wie  den  Gefangenen  Gnade  zu  Teil  ward, 
schildert  ausführlich  H.  Gresbeck  S.  30. 

*)  Vergl.  dazu  oben  S.  557  f.  Kerss.  verbindet  hier  den  Bericht  H. 
Dorp's  Bl.  El^  mit  dem  in  der  „Ordnung.^  In  letzterer  heifst  es:  „Dann 
ire  articel  klerlich  aussweysen,  das  kein  gelt  under  den  Christen  ganckbar 

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562  Anno  1534  acta. 

metuentes  edicto  parent  et  annnlos,  bullas,  torqneos,  fibulas 
thoracum,  nodnlos  manicarum  pecuniamque  omnem  conferunt*. 
Mnlti  etiam  snas  opes  in  terram  defodientes  aat  antiqaamm 
aedium  muris  committentes  suarum  rerum  cnstodes  ipsi  esse 
malnnt  (nihil  interim  sibi  esse  simolantes),  quam  in  istam  con- 
iicere  arcam,  cuius  clavis  copiam  habere  non  possint*  Huius 
ita  collati  thesanri  cnstodes  Conradns  Cruse,  Gerardus  Eeyninck, 
Magnus  Koehnss  et  Lucas  Gruter  per  prophetam  constitunntnr, 
qnibus  negotium  datum  est,  ut  christianos  fratres  infidelibus  cre- 
ditoribus  obnoxios  aere  alieno  liberent  debitaque  eorum  exolvant*. 


sein  soll.**  Auch  H.  Gresbeck  S.  48  führt  an:  „Sie  sachten,  sie  weren 
Christen;  ein  Christ  en  solde  gein  gelt  hebben,  et  wer  al  unrein  den  Chri- 
sten, und  der  eine  Christ  en  sol  mit  dem  andern  nit  koep  schlagen,  sie 
solden  tho  hope  bueten  tegen  einander  . .  / 

')  In  der  „Ordnung'':  „Alles  gelt  und  silber  haben  sie  auff  einen 
häuften  bracht  auf  die  schreiberey,  was  ein  jeder  hett,  es  wer,  was  ehs  wolt, 
knöpff  ab  dem  mentlen,  ring  ab  den  kragen,  ehs  wer  den  sach,  das  einer 
etwas  verborgens  het." 

')  Vergl.  die  schon  oben  S.  557  Anm.  1  angeführte  Schilderung  H. 
Gresbeck' s.  Kerss.  scheut  sich  doch,  die  Worte  H.  Dorp's  a.a.O.  zu 
wiederholen:  „Auch  künden  sie  nichts  verborgen  behalten,  wenn  sie  gleich 
etwas  hingesteckt  hatten.  Denn  es  waren  zwey  mediin  da,  vom  Teufifel 
besessen,  die  verrieten,  was  man  verborgen  hatte.'' 

*)  Die  Namen  der  Hüter  des  Schatzes,  die  Kerss.  weiter  unten  bei 
Gelegenheit  der  Verordnungen  der  Aeltesten  noch  einmal  nennt,  stimmen 
mit  denen  in  der  „Ordnung"  überein,  nur  ist  als  letzter  dort  Cuntze 
Günther  gedruckt.  Gleich  darauf  heifst  es :  „. . .  ob  jemandt  were  von  den 
Christen,  der  den  Haiden  schuldig  were,  das  sollen  die  XII  in  Israel  be- 
zalen ;  wan  das  geforderet  wird,  so  seind  vier  gesetzt,  die  alle  müntz,  gelt, 
Silber  und  gold  mit  den  Haiden  handlen.**  —  Dafs  der  Schatz  zunächst  auf 
dem  Rathause  war,  bekennen  Joh.  Kloprifs  (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  126), 
Job.  Beckmann  (ebendas.  S.  36)  und  Beruh.  Erechting  am  20.  Januar 
1536  (M.  G.-Q.  II,  407).  Letzterer  fügt  hinzu:  „Aher  do  sie  vemaemen, 
das  man  die  stat  stormen  wolt,  saghen  sie  vur  gut  an,  das  das  gelt  an 
diverse  plaetzen  gestalt  wurt,  wie  geschach.  Doch  nach  dem  stürm  si  es 
wider  uf  das  raithus  zusamen  kommen,  als  er  meint;  weiTs  es  doch  nit 
eigentlich."  Vgl.  dazu  auch  die  Aussage  Beruh.  Focke's  vom  October  1534 
(M.  G.-Q.  n,  412):  „. . .  des  silvers  ock  des  goldes  sy  ein  gantz  deel  tsamen 
gesmolten.  It  ligge  avers  in  Lambert  Smithuses  hues  vor  Sunt  Michel, 
und  Kibenbroick  plege  darup  tgaen.**  Magnus  Kohues  als  einer  der  Be- 
wahrer dos  Schatzes  wird  von  Herm.  Regewart  genannt  (J.  Niesert 
a.  a.  0.  S.  30). 


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Anno  1534  acta.  563 

Hinc  nbi  proplieta  animadvertit  multos  in  urbe  mansisse, 
qni  non  ex  animo,  sed  aut  simnlate  aat  invlte  ant  metn  mortis 
adacti  ant  bonorum  suorum  cnstodiendorum  gratia  commoti,  a 
qnibus  divelli  non  poterant,  brevi  meliora  sperantes  anabaptisma 
suscepissent,  omnes  utrinsque  sexus  homines  ad  campum  do- 
minicum  iterum  convocari  iubet*.  Quo  cum  rei  novitatp  allecti 
convenissent,  ibi  propheta  longa  oratione  in  falsos  fratres  et  si- 
mulatos  christianos,  quos  secum  adhuc  in  urbe  haberent,  inve- 
Mtur;  *eos  inter  veros  christianos  minime  ferendos  esse.  Iubet»p.  477. 
itaque  hos,  qui  post  diem  26.  Februarii  retincti  fuerunt,  ab  aliis 
in  templum  Lambertinum  secedere  Patrisque  gratiam  implorare, 
si  forte  peccatum  ipsis  remittatur,  cum  non  sponte  sua,  sed  in- 
viti  foederis  charactere  sint  insigniti  et  Patrem  fucata  sanctitate 
simulataque  religione  offenderint  ac  filios  Dei  sua  impietate  con- 
taminaverint.  Si  vero  Pater  ipsos  in  gratiam  non  receperit  neque 
admissum  scelus,  quo  Spiritum  Sanctum  fallere  voluerint,  cle- 
menter remiserit,  ipsos  gladio  piorum  casuros.  Magna  miserorum 
hominum  multitudo  tam  virorum  quam  mulierum  recenti  clade 
Buesscheri  territa  et  constemata  paret  et  ad  templum  D.  Lam- 
berto  consecratum  secedit  ibique  conclusa  gemit,  suspiria  ducit, 
plorat  suamque  sortem  et  calamitatem  extrema  sibi  metuens 
deflet.  Ita  in  templo  per  aliquot  horas  gemitibus  ac  lachrimis 
se  conficiunt,  ut  vix  humanam  prae  maerore  et  mortis  metu 
formam  referrent.  Tandem  cum  propheta  armatis  stipatus  mi- 
nistris  templi  claustra  laxaret,  ibi  tunc  omnes  simul  provoluti 
genibus  complicatis  manibus  et  confusis  singultibus  ipsum  pre- 
cantur,  ut,  cum  ipse  sit  vir  Dei,  sanctus  propheta  Patrique  di- 
lectus,  pro  se  suas  ad  Patrem  fundat  preces,  ut  delicti  gratiam 
impetrent.  Ipse  igitur  flexis  genibus  pro  captivo  populo  se 
Patrem   precari  fingit,    post  modicum   temporis  subito  exiliens 


')  Vgl.  zum  Folgenden  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  23ff.,  der 
im  Einzelnen  von  Ecrss.'s  Schilderung  abweicht.  Bei  ihm  tritt  neben  Jan 
Matthjs  besonders  Johann  v.  Leiden  handelnd  hervor;  er  nennt  auch 
Slachtscaef,  Kloprifs  und  Krechting.  Die  Zahl  der  am  27.  Febr.  getauften, 
jetzt  in  die  Lambertikirche  eingeschlossenen  Männer  giebt  er  auf  „bei  die 
drei  hondert"  an,  die  Zahl  der  Frauen,  die  erst  am  anderen  Tage  zur  Bufse 
in  den  Dom  verwiesen  wurden,  auf  „bei  die  twe  dusent." 

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564  Anno  1534  acta. 

snas  preces  exanditas  iisque  Patrem  graviter  prias  ofifensum  iam 
placatnm  esse  affirmat;  sibi  coelitus  inspiratnm  esse  ipsos  vic- 
tnros.  Inde  hymno  in  laadem  Dei  decantato  ex  ergastnlo  illo, 
ne  itemm  peccent,  in  pace  dimittnntnr  atqne  ita  in  consortium 
alionun  christianonun  fratram  quasi  iam  purgati  recipiuntnr. 

15.  Hiin.  Circa  dominicam  Laetare,  qnae  fnit  15.  Martii,  idem  ille 

Matthisson  praecipit,  ne  qnis  in  urbe  cuinslibet  generis  anctores 
sen  libros  praeter  vetns  et  novnm  testamentum  habeat,  contrectet 
sen  legat;  hos  enim  solos  ad  salutis  negotium  sufficere,  reliquos 
yero  omnes  ad  campum  dominicum  illico  perferant.  Quo  cum 
incredibilis  librorum  multitudo  perlata  fuisset,  qui  etiam  ultra 
viginti   miUibus   florenorum  valebant,  in  ignem  ibi  excitatum 

•p.  478.  coniecti  *in  faviUam  rediguntur,  et  sie  incomparabilem  illum 
urbis  thesaurum  ac  multorum  annorum  lucubrationes  flamma 
subita  absumit*;  quod  eo  consilio  factum  esse  non  dubito,  ut 
sanctorum  Patrum  explicationes,  quae  adversus  suam  doctrinam 
faciunt,  ex  animis  subditorum  paulatim  revellantur  ac  a  se  sola 
scripturarum  interpretatio  dependeat  et  petatur.  Eo  enim  modo 
commodissime  fieri  posse  existimat,  ut  suam  doctrinam  erroneam 
plebi  imprimat  et  impressam  falsis  interpretamentis  suis  con- 
firmet. 


')  Nach  der  Vernichtung  der  Dombibliothek  (s.  oben  S.  523)  wurde 
nun  also  auch  die  systematische  Zerstörung  der  im  Privatbesitz  befind- 
lichen Bücher  angeordnet.  Eerss.'s  Bericht  hält  sich  genau  an  den  dea 
H.  Dorp  Bl.  E  !▼.  H.  Gresbeck  S.46f.  und  die  meisten  anderen  Quellen 
sprechen  auch  von  der  Verbrennung  der  Büchersammlungen  der  übrigen 
Kirchen  und  Klöster  und  von  derjenigen  der  Bentenbriefe  und  anderer 
Urkunden  (vgl.  oben  S.  543 f.).  D.  Lilie  S.  229  fuhrt  ähnlich  wie  Kerss. 
an:  „.,,  wolden  anders  neue  boker  bi  den  eren  wetten,  dan  de  biblien 
unde  erer  predicanten,  insunderheit  Bothmans  boker;  want  se  vormeten 
sick,  dat  se  in  de  hillicheit  weren  getreden  unde  neuer 
boker  boderveden.''  Als  Grund  für  die  Vernichtung  der  Briefe  und 
Urkunden  gesteht  Johann  v.  Leiden  am  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q.  II,  374)  : 
„...so  alle  ding  gemein  sin,  gein  eigendomb  wesen  und 
niemantz  mcher  erbeiden,  sonder  sich  allein  up  Got  ver- 
laetcn  solde."  Vgl.  auch  das  Bekenntnis  KnipperdoUing's  ebd.  S.  378 
und  Krechting's  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-8.  I.  S.  194.  —  Acht  Tage  lang  hat 
nach  U.  Gresbeck  das  Verbrennen  auf  dem  Domplatze  und  vor  dem  Rat- 
haus gedauert. 


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Anno  1534  acta.  565 

Miles  in  initio  obsldionis  intra  castra  commeatns  pennria 
Uborare  coepit,  nam  parum  rerum  necessariarum  adveMtur. 
Neqne  enim  peregrini  mercatores  neqne  agricolae  circumfasi  hnc 
commeant,  qni  non  solnm  bonis,  yemm  etiam  cati  snae  timentes 
militem  raptorem,  depraedatorem  et  tmcnlentlorem  fama  sibi 
fingebant.  Qnod  nbi  princeps  intelligeret,  erectis  inxta  castra 
in  terrorem  flagitiosornm  crucibns,  rotis  aliisqne  malitiae  repa- 
gulis  militibns  imperat,  nt  ab  omni  ininria,  maleficio  et  rapina 
sibi  temperent,  nt  sine  metu  et  periculo  mercatores  cnm  mer- 
cibus  et  oneribns  in  castra  commeare  ac  necessaria  tolerabili 
pretio  distrahere  possint;  ita  fore,  nt  omninm  rerum  copia  ca- 
stris  suppetat.  Simulque  populos  et  urbes  extemas  per  literaa 
15.  Martii  emissas  proposita  publica  fide  et  vendendi  emendique  i5.  Mara. 
übertäte  huc  invitat,  ut  tute  humanis  usibus  necessaria  advehant 
castrisque  laborantibus  commeatibus  subveniant^  Mox  intra 
dies  paucos  annonam  carissimam  inopinata  vilitas  consecuta  est. 

Die  Martis  post  Laetare,  quae  fuit  17.  Martii,  cum  prin- 17.  mk». 
€eps  Hiltropiae  in  pago  non  procul  ab  urbe  obsessa  dioecesana 
comitia  haberet  consultaretque  cum  snis  de  obsldionis  impensis 
aliisque  rebus  afflictis  *,   exules  cives  per  D.  Eotgerum  Smisin- 
gum,   scbolasterem  templi  maioris  Monasteriensis,  hominem  et 


*)  Im  St-A.  M.  ist  das  Konzept  eines  Briefes  des  Bischofs  aus  Telgte 
Tom  20.  März  erhalten,  in  dem  er  die  St&dte  Osnabrück,  Bielefeld,  lipp- 
Stadt,  Hamm,  Dortmund,  Unna,  Geseke,  Soest,  sowie  den  Statthalter  des 
Stiftes  Paderborn  und  den  Kölnischen  Landdrosten  auffordert,  Zufuhr  Yon 
Proviant  ins  Feldlager  zu  veranlassen.  —  Schon  am  6.  MSfz  hatte  der 
Herzog  von  Cleve  dem  Bischof  geschrieben  (Orig.  ebendas.),  er  könne  die 
gewünschten  200—300  Malter  Hafer  nicht  liefern.  Haferank&ufe  wolle  er 
in  seinem  Gebiete  gestatten. 

')  Auf  dem  Landtage  wurden,  da  die  gefährdete  Lage  „nicht  erlyden 
irill  vell  vertochs  und  gemeine  hykumpft  der  lantschap  steits  to  verscreven, 
by  een  to  forderen  und  to  raitsclagene,^  von  Seiten  des  Domkapitels  Sander 
Morrien  und  Botger  Schmising,  von  Seiten  der  Ritterschaft  Arnold  v.  Raes- 
feld  und  Bemhart  y.  Westerholt,  von  Seiten  der  Städte  Wilhrand  Ploenies 
imd  Johann  v.  Graes  verordnet,  denen  „ze  gantze  vuUenkomen  macht  und 
gewalt  gegeven  . . .  hehhen  . . .  mit  . . .  u.  g.  h.  rade  und  guitheduncken 
gelt  und  ander  noittrofft  . . .  up  der  lantschap  affdracht  und  schaden  up 
to  brengen  . .  .'^  (Landtags-Akten  im  St-A.  M.). 


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566  Anno  1534  acta. 

eruditione  et  pietate  insignem,  a  principe  petivernnt:  Cum  9. 
Martii*  civibus  clementer  addixerit  se  ipsos  ad  snos  penates  et 
bona  nondnm  per  retinctos  absumpta  et  dissipata  rednctamm, 
ut  post  urbem  recnperatam  antiqna  privilegia,  libertates  inraqne 
*p.  479.  prisca  antiqnitus  habita  episcoponimqne  •sibi  mutno  sncceden- 
tinm  beneficiis  donata  civitati  non  adimantnr,  et  cnm  malti 
partim  senio  partim  aegritodine  longa  fracti  ac  debilitati  nrbe 
excedere  non  potnerint  nee  ex  animo,  sed  coacti  anabaptismo 
sint  implicati,  ne  in  ipsos,  cnm  sint  insontes,  ins  gladii  capta 
nrbe  exerceatnr.  Princeps  respondet :  Cnm  iniqnnm  sit,  nt  inno- 
centes  nocentinm  poena  afficiantnr,  se  itaqne  privilegia  nrbis 
in  minimo  non  violatnmm,  sed  in  gratiam  eomm,  qni  relictis 
patriis  penatibns  et  omnibns  bonis  snis,  ne  se  monstroso  scMs- 
mate  poUnerent,  crndele  exilinm  elegernnt  snaqne  arma  ant  se- 
cnti  sunt  ant  praesidiis  et  impensis  snis  confirmamnt,  novis 
potins  incrementis  ea  auctnmm.  Neqne  se  capta  nrbe  in  in- 
sontes cives,  qni  certas  ob  cansas  nrbe  excedere  non  potnemnt, 
saevitumm,  sed  cnm  illis,  nt  dementem  decet  principem,  ac- 
tnmm.  Inde  bonns  etiam  princeps,  nt  civibus  gratificaretur, 
quibus  ex  animo  favet,  edicto  publice  *  praecepit,  ne  quis  extra- 
neorum  post  captam  urbem  bona  civium  a  militibus  direpta 
coemat,  aüoqui  ea  novae  proscriptioni  fore  subiecta.  Verum 
huic  edicto  in  tanto  tumultu  minime  paritum  est. 

Circa  haec  tempora  varii  motus  ab  anabaptistis  in  Hol- 
landia,  Frisia,  Brabantia,  aliis  circumfluis  regionibus  terra  mari- 
qne  conectati  sunt  \   Magna  enim  anabaptistarum  copia  utriusque 


*)  In  Telgte.  S.  oben  S.  555  f.  Auch  die  hier  folgenden  Unter- 
handlungen sind  nur  durch  Kerss.  bekannt. 

')  Nicht  mehr  nachweisbar.  Vgl.  dazu  oben  8.  528  den  sechsten 
der  von  Kerss.  angeführten  Eriegsartikel. 

■)  Vgl.  zum  Folgenden  L.  Hortensius  S.  18  und  C.  Hereshach 
S.  19.  Zur  Sache  s.  C.  A.  Cornelius:  Die  niederländischen  WiedertÄufer 
während  der  Belagerung  Münsters  (in  den  Ahhandlungen  der  histor.  Klasse 
der  Kgl.  Bayerischen  Akad.  Bd.  11  Abteilung  2  [München  1869]  S.  .M  ff.), 
K.  W.  Bouterwek:  Zur  Literatur  u.  s.  w.  S.  326  ff.  resp.  S.  47  ff.,  und 
L.  Keller:  G.  d.W.  S.  162 f.  —  Kerss.  erw&hnte  schon  oben  S.  508 f.  die 
Briefe  Rothmann's  an  die  benachbarten  kleinen  Städte.  Vgl.  weiter  auch  S.  541 
sein  Schreiben  an  H.  Slachtscaef.   Am  21.  Febr.  war  H.  Roll  nach  Holland 


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Anno  1534  acta.  567 

sexus  circa  18.  diem  Martii  in  Hollandia,  qnae  Monasterinm  i8.  März, 
contendebat,  subito  emergit,  sed  Georgias  Schenck  eam  inter- 
ceptam  aquis  snbmergit  et  suffocat.  Scribit  etiam  Peregrinns 
Iselmudanns  ^,  qni,  etsi  pentacosiarchae  officio  fungeretur,  ab 
episcopo  tarnen  exploratnm  est  ablegatns:  Qninque  naves  ana- 
baptistis  fetas  ex  HoUandia  appnlisse,  sed  eas  22.  Martii  Vol-  22.  mä«. 
lenhoae,  priasqnam  parerent,  interceptas  esse;  et  viginti  nnam 
in  mari  adhuc  superesse,  sedecimque  millia  retinctorum  *  24.  m.  Mära. 
Martii  coenobium  haud  ita  procul  ab  oppido  Zwollano  a  Monte 
appellatum  violenta  manu  occupatura,  ubi  per  prophetam  quen- 
dam  excepti  ad  novam  illam  Hyerosolimorum  urbem,  scilicet 
Monasterium,  inde  deducendi  sint.  Scribit  quoque  24.  Martii 
*dux  luliacus  principi  nostro':  Sibi  pro  certo  nunciatum  esse*p.  480. 
multos  retinctos  in  dioecesi  Traiectensi  circa  VoUenhoam  et 
Hasseletum  coenobium  S.  loannis  Campum  denominatum  inva- 
sisse  numerumque  eorum  supra  modum  in  dies  augeri,  et  tan- 
dem  ipsos  Monasterium  ab  obsidione  liberaturos;  sibi  proinde 
prospiciat^.  Hos  autem  motus  omnes  Georgius  Schenck  Über 
baro  de  Teutenburgh  ac  Caroli  Quinti  imperatoris  Transissula- 
narum  et  inferiorum  suarum  regionum  praefectus  sunmia  pru- 
dentia  ac  fortitudine  compescuit   retinctosque   legitimis   poenis 


gesandt,  um  for  die  Sache  der  Münsterschen  Wiedertäufer  zu  werben  (vgl. 
oben  S.  518).  Die  Aussendung  Jakob's  von  Osnabrück  berührt  Kerss.  nicht, 
obgleich  er  dessen  Bekenntnisse  mehrfach  benutzt  bat,  ebensowenig  den 
undatierten,  mit  dem  Namen  „Emanuel"  unterzeichneten  Aufruf  (zuletzt  in 
hochdeutscher  üebersetzung  abgedruckt  bei  L.  Keller  a.  a.  0.  S.  148), 
der  auf  Betreiben  Johannas  v.  Leiden  und  seiner  Mithelfer  zu  den  sogleich 
von  Kerss.  angeführten  grofsen  Täuferansammlungen  zum  Zuge  nach  Mün- 
ster aufforderte 

')  Aus  Vollenhove  am  '22.  März.  Nach  der  Kopie  im  St.-A.  M.  ab- 
gedruckt bei  L.  Keller  a.  a.  0.  S.  311. 

*)  Im  Schreiben  heifst  es:  „und  by  ene  wesen  als  men  seicht  by 
viff  dusent  starck." 

^  AusCleve.  Orig.  im  St.-A. M.  Regest  bei  L.  Keller  a.a.O.  S.311. 

*)  Auf  diese  Ansammlung  der  T&ufer  bezieht  sich  auch  der  Brief 
des  Amtmanns  Gisbert  v.  Baix  an  die  Stadt  ZwoUe  vom  20.  März,  mit  der 
Beilage  abgedruckt  M.  G.-Q.  II,  226  f.  Darin  ist  von  14— IGOOO  Täufern 
die  Rede.  Vergl.  auch  das  Schreiben  der  Städte  Deventer,  Kampen  und 
ZwoUe  vom  25.  März  an  Bischof  Franz  bei  L.  Keller  a.a.O.  S.  312. 


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568  Anno  1534  acta. 

affecit  et  varia  clade  ant  aqua  ant  igni  afflixit.  Yicini  qaoqne 
principes  ita  circxunqaaqne  vias  obsessas  peculiari  foedere  et 
pacto  tenebant,  nt  ad  liberandam  ab  obsidione  nrbem  nnlla  mi- 
litum  aut  quommlibet  homintiin  conventicida  coalescere  sinerent, 
sed  dissiparent,  profligarent  et  funderent*. 

8.  Aprfl.  Inde  die  Parascenes,    qnae  fait  3.  Aprilis,   qua  christiani 

amarae  passionis  Domini  nostri  lesa  Christi  fructnm  potissimnm 
meditanttir  neque  qnicqnam  ioci  laetitiaeqae  admittnnt,  sed  toti 
circa  salatiferam  passionem  et  mortem  Domini  sunt  occnpati  ideo- 
qne  nee  campanarmn  pnlsnm  femnt,  —  anabaptistae  vero  contra 
laetnm  hnnc  diem  agnnt,  faces  et  taedas  e  templis  raptas  portis 
civitatis  exemnt  omnesqne  campanas  nrbis  simnl  agitant  et  pnl- 
sant  •  non  aliter,  ac  si  dominicae  resurrectionis  diem  deridentes 
interim  catholicomm  morem  celebrent.  Literas  qnoqne  foederis 
per  Lantgravii  legatos  inter  episcopum  et  civitatem  conciliati 
signatas  candae  annosae  eqnae  alligant  ac  in  principnm  nobili- 
nmque  omniam,  qnorum  signa  appensa  fnerant,  insignem  contu- 
meliam  ex  nrbe  in  castra  Manritiana  abignnt ',  cum  tamen  non 
episcopus,  sed  Monasterienses  foedera  turpiter  violaverint. 

6.  April.  Inde  circa  festum  Paschae*  Matthisson  propheta  miro  enthu- 

siasmo  afflatus  tantam  mortis   securitatem   animo  concepit,  ut 


')  Vgl.  die  Verordnung  Herzog  Johanns  von  Cleve  an  seine  Amt- 
leute vom  S.April  (abgedruckt  bei  L.  Keller  a.a.O.  S.  314 f.),  die  nach 
einer  Vereinbarung  mit  dem  Erzbischof  von  Köln  erlassen  war. 

*)  Das  Glockenläuten  am  Karfreitage  erwähnt  auch  H.  Dorp  61.  E  3. 

')  In  der  Werbung  der  Münstorischen  Bäte  auf  dem  Kreistage  zu 
Koblenz  (14.  Dez.  1534)  heifst  es  (Kopie  im  St.-A.  M.),  sie  hätten  „die 
versiegelten  vertrege,  so  sie  mit  meinem  g.  h.  uffgericht,  zerrissen  und  zu 
i.  f.  g.  verhonung  einen  stroem  pilt  angehengt,  dasselbig  ulT  ein  pferdt 
gebunden  und  ufs  der  stadt  gejagt.''  Aehnlich  lauten  die  Worte  in  der 
Instruktion  für  den  Tag  zu  Worms  im  April  1535.  Auf  eine  derartige 
Verhöhnung  dos  Bischofs  kommt  Kerss.  weiter  unten  noch  einmal  zurück, 
ohne  dabei  aber  den  Friedensvertrag  vom  14.  Februar  1533  zu  erwähnen. 
Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  232, 

*)  Das  Datum  des  Todestages  des  J.  Matthys  entnimmt  Kerss.  dem 
Geständnisse  Johannas  v.  Leiden  (J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  178),  wo  es  auch 
„umbtrent  Paschen*'  heifst.  In  den  Aussagen  Johannas  M.  G.-Q.  11,  371 
ist  genau  der  Ostertag  angegeben.  Sonst  schliefst  sich  Kerss.  an  den  Be> 
rieht  H.  Dorp's  El.  £2^  an,  der  aber  ebensowenig  wie  H.  Gresbeck 
8.  38  ff.  und  L.  Hortensius  S.  24   ein  Datum  bringt.    Die  völlig  will- 


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Anno  1534  acta.  569 

sibi  aliisqne  per  nrbem  persuaderet:  se  Patris  monitu  cum  pan- 
eis  militibus  omnes  hostes  abactnmm  nrbemque  ab  obsidione 
Kberatnrum.  Kapta  itaqne  bipenne  certa  victoriae  fiducia  fretus 
portam  Ludgerianam  ^  *ciim  commilitonibas  non  ita  mnltis  an-^p.  481. 
dacins  quam  prndentins  et  maiori  qnidem  animo,  quam  si  in- 
gentem  exercitum  seqnentem  haberet,  egreditar  hostemqae  la- 
cessere  et  se  discrimini  exponere  andet.  Nee  desnnt  interea 
spectatores,  qtti  de  vietoria  dnbitantes  temeritatem  hominis  ad- 
mirarentnr  atqne  rei  eventnm  in  aggere  soUiciti  expeetarent. 
Hostes  vero  catervatim  exciti  novum  istum  Samsonem  cum  ex- 
peditione  sna  urbana  nndiqne  invadmit  atque  ita  armis  cingunt, 
nt  elabi  vix  possent.  Ille  ergo  frnstra  bipennem  snam  movet, 
fimstra  se  in  fagam  eoniicere  nititur,  frustra  snos  partim  iam 
in  fngam  aversos  partim  oecisos  in  praesidimn  vocat,  frustra 
Patris  monita  appellat.  Misnensis  enim  euiusdam  militis  hasta 
transaetus  stemitur  *.  Et  cum  eum  esse  ab  equitatu  cognoscere- 
tur,  qui  dominum  Hermannum  Dungellium,  virum  avitae  pie- 
tatis  et  venerandae  seneetutis,  contra  ins  gentium  et  promissam 
fidem  in  urbe  spoliaverat ',  ab  ingruentibus  undique  hostibus 
ita  discerpitur  ae  laniatur,  ut  omnes  corporis  compagines  fre- 
quentibus  gladiorum  ictibus  dissolutae  a  se  mutuo  divellerentor 
ac  intestina  largo  cum  sanguine  efQuerent.  Genitalia  quoque 
eins  reseeta  a  quibusdam  andacissimis  tenebrionibus  in  sequente 
noete   propylaeo   versatili  Äegidianae   portae   affiguntur^.     Sic 


kürliche  zeitliche  Einordnung  des  Ereignisses  bei  Joh.  Fabricius  6o- 
landus  61.  T  !▼  hat  schon  Herrn.  Hamelmann  8. 1223  bemerkt,  lieber 
eine  Johann  Matthys  am  Tage  vorher  gewordene  Offenbarung  erzählt  H. 
Gresbeck  a.  a.  0.  Nach  ihm  hatte  Johann  10 — 20  Bogleiter.  L.  Hortensius 
giebt  deren  Zahl  auf  30  an  und  berichtet,  dafs  Matthjs  kurz  vorher  einen 
siegreichen  Ausfall  ins  Geldrische  Lager  gemacht  habe. 

0  Dafs  Jan  Matthys  vor  dem  Ludgerithor  getödtet  wurde,  konnte 
Kerss.  nur  den  Bekenntnissen  Johannas  v.  Leiden  (J.  Niesert  a.a.O.)  oder 
Enipperdolling's  (M.  G.-Q.  II,  404)  entnehmen. 

*)  Aus  H.  Dorp  a.  a.  0.  —  »)  S   oben  S.  539 f. 

*)  Nur  von  Kerss.  erzählt.  Vgl.  dazu  den  Bericht  H.  Gresbeck' s 
a.  a.  0.,  in  dem  es  heifst:  „Johan  Matthias  woert  mit  einer  spiesen  doer- 
stecken,  und  do  hewen  imo  die  lansknecht  den  kop  af  und  heuwen  in 
do  in  hondert  stucker  und  schmeten  sick  darmede.  Dat 
hoevet  satten   sie  up   einen  tuenstacken   in   der  luchf 


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570  Anno  1534  acta. 

yates  cum  sno  vaticinio  et  qnos  secnm  ednxerat  exceptis  paucis^ 
qni  faga  evaserant,  extinctus  est*. 

Huic  successit  Joannes  Bokelson  Leydanns,  qni  maiori  astu 
rem  omnem  peregit  prndentinsqne  negotia  sna  conficere  visns 
est.  Hie,  cnm  plebs  Matthissonem  ab  hostibns  miseris  modis 
peremptnm  et  discerptum  lugeret  et  de  pietate  viri  illins  snb- 
dnbitaret,  qnem  Dens  ita  in  pericnlo  destitnerit  et  interfici 
passns  fnerit  *,  consolatur  popnlnm  et  admonet,  ut  rairari  desinat 
illnm  eo  genere  mortis  snblatum;  insto  enim  illnd  Patris  in- 
dicio  factum  esse.  Patrem  qnidem  inssisse,  nt  cnm  pancomm 
mann  omninm  hostium  agmina  abigeret  et  admirabili  victoria 
potiretnr,  qnod  certo  qnidem  factnrum  fuisset,  si  eam  potentiam 
soli  Deo,  non  suis  viribus  tribnisset,  si  solius  Dei  landem  et 
gloriam  quaesivisset,  si  exemplo  Indith  popnlnm  ad  ieinnium 
et  deprecationem  extimnlasset ;  nbi  vero  omnia  ista  neglexerit  et 
arrogantia  concitatns  swi»  gloriam  inanem  stnlte  venatns  fnerit 
*p.  482.  neqne,  a  qno  victoria  ista  penderet,  agno*verit,  ipsnm  a  Deo 
pnnitnm  esse^  Sibi  hoc  mortis  genns  ante  octidnnm  per  Spi- 
ritnm  a  Patre  esse  proditnm  affirmat*.  Cnm  enim  in  aedibns 
KnipperdoUingi  in  thomm  dormitnrus  sese  componeret  legemqne 

»)  Ms,:  si. 


')  Fast  wortlich  nach  H.  Dorp  a.  a.  0. 

*)  Das  Volk  sagte,  berichtet  H.  Dorp  a. a.  0.:  „So  Gott  diesen  hei- 
ligen man  gestraffet  hat,  ists  gewis,  das  er  uns  auch  straffen  wil,  denn  es 
stehet  geschrieben:  das  gericht  Gottes  hebt  am  haus  Gottes  an." 

')  Während  H.  Dorp  Bl.  E3  nur  ganz  kurz  sagt,  dafs  Johann  das 
Volk  tröstete,  legen  H.  Gresbeck  S.  40  und  L.  Hortensius  S.  24f. 
ihm  auch  Trostesworte  in  den  Mund,  die  aber  in  keiner  Weise  einen  Tadel 
gegen  Jan  Matthjs  enthalten.  „Sein  tiet  was  gekhomen  \*^  so  läfst  H.  Gres- 
beck Johann  reden,  „Got  en  heft  dat  nicht  sonder  orsacke  gedain,  dat  hei 
so  sterven  solde,  dat  gy  nicht  tho  sehr  an  innen  solden  geloeven,  dat  gj 
in  boven  Got  solden  holden  ..." 

*)  Dieses  und  das  Folgende  nach  den  Geständnissen  Johannas  bei 
J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  177  f.  Vgl.  auch  Johann's  Aussagen  M.  G.-Q.  IT, 
371  u.  401.  —  Auch  bei  L.  Hortensius  sagt  Johann  v.  Leiden,  er  habe 
den  Tod  des  Matthys  lange  vorher  gewufst.  „Neque  vero  licuit  hominem 
fati  sui,  in  quod  inevitabili  necessitate  rapiebatur,  praemonere.  Sic  illi 
enim  visum  est,  qui  bona  et  mala  e  dolus  suis  pro  suo  arbitratu  mortali- 
bus  dispensat."     Vergl.  auch  H.  Dorp  a.  a.  0. 


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Anno  1534  acta.  571 

Domini  ante  somnnm  sedulo  meditaretnr  ^,  Matthissonem  armati. 
militis  hasta  ita  transfossnm,  nt  viscera  eins  in  terram  effan- 
derentnr,  per  visum  sibi  apparuisse;  quo  cruento  spectaculo  cum 
snpra,  quam  dici  potest,  terreretur,  virum  armatum  respondisse: 
„Ne  metuas,  vir  Dei,  neque  ulla  re  terrearis,  sed  tnae  vocationi 
et  proposito  insiste!  Non  enim  de  tua,  sed  Matthissonis  vita 
pecnliari  Dei  iudicio  agitur,  cuius  demortni  uxorem  dncas.** 
Hac  voce  magna  admiratione  se  affectnm,  cnm  legitima  sibi  esset 
nxor,  qnam  Leydae  reliqnisset.  Haec  se  omnia  Knipperdollingo 
retnlisse,  ut,  cum  fierent,  testem  rerum  gestarum  haberet.  Haec 
cum  in  coetu  populi  dixisset,  Knipperdollingus  subito  prosiliens 
Vera  esse  omnia  profitetur,  et  quomodo  sibi  mortem  Matthissonis 
praedixerit.  Sed  quod  in  gratiam  prophetae  mentitus  sit,  paulo 
ante  supplicium  suum  Knipperdollingus  tormentis  adductus  fa- 
tetur  *.  Hinc  totus  populus  non  solum  illum  prophetam,  sed  et 
amicum  et  virum  Dei  vocat  et  nefas  esse  credit  tanto  viro  non 
consulto  quicquam  in  hac  sancta  republica  auspicari.  Excellen- 
tiorem  ergo  atque  augustiorem  hunc  esse  Matthissone  sibi  per- 
suadet;  ab  eins  ore  iam  pendent  omnes,  hunc  solum  post  Pa- 
trem  suspiciunt,  colunt  et  venerantur. 

Knipperdollingus  etiam  9.  Aprilis  prophetico  spiritu  agi-  9.  Aprü^ 
tatus  sublimia  humilianda  et  humilia  extollenda  esse  proclamat, 
unde  turrium  pyramides  in  templa  deiiciendas  templaque  omnia 
urbis  solo  aequanda  esse  praecipit;  Patrem  sibi  hoc  per  Spiritum 
suggessisse,  et  nisi  ista  fiant,  ipsum  graviter  offendi  ^.  Ad  haue 


')  Im  Geständnis  bei  J.  Nies  er  t  heifst  es  nur:  ^Item  als  er  in 
EnipperdoUink  hufs  gesetten  viii  tage  vor  Johan  Matiessen  dode  .  .  .^ 
M.  G.-Q.  II,  371  heifst  es,  Johann  safs  „in  KnipperdoUinghs  schrifcamier 
und  schrof  umbtrent  Palmen  und  kregh  dair  selfs  ein  vision  ..." 

*)  Eerss.  spielt  hier  auf  die  Stelle  aus  dem  Bekenntnis  Knipper- 
doUing's  vom  20.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  404)  ungenau  an.  KnipperdoUing 
giebt  zi^ar  ausdrücklich  zu,  „das  im  der  konningk  gesacht,  wie  er  ein  vision 
hat  gehabt  und  gesehen,  das  Johan  Mathis  erstochen  wurt."  Doch  fügt 
er  dann  gleich  hinzu:  „Aber  der  koningk  en  het  im  nit  vurhin  gesacht, 
das  er  Johan  Mathis  frouw  haven  solt  ..." 

')  Fast  wörtlich  nach  H.  Dorp  Bl.  E3,  der  das  Gebot  Knipper- 
doUing's  zeitlich  auf  „ein  tag  vier  odder  fünff  nach  Ostern"  ansetzt.  Aehn- 
lich  ist  die  Erzählung  bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  L2.   Enipper- 


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572  Anno  1534  acta. 

rem  conficiendam,  nt  vaticinio  satisfiat,  Eberardus  Kribbe,  Theo- 
doricus  Trutlinck  ac  loannes  Schemme,  fabri  lignarii  reliquis 
praestantiores,  accersnntur>.  Hi  itaque  ligneas  pyramides  circa 
basim  propemodum  resectas  atque  refixas  cochleis  firmioribns 
snppositis  in  temploram  tecta  et  testudines  praecipitant  et  nno 
casu  mnltornm  annomm  labores  demolinntnr.  Hie  lapsamm 
tnrrium  horrendus,  snbitus  et  pulvernlentns  fragor  etiam  milites 
"p.  483.  in  *castris  remotioribus  degentes  non  solum  terniit,  vernm  etiam 
in  snmmam  admirationem  adduxit,  qua  ratione,  qua  indnstria 
qnibnsve  machinis  (de  cochleis  nihil  suspicantes)  tantas  ligno- 
rum  moles  et  plumbea  tectomm  pondera  nno  impetu  inconvnlsa 
deiecerint.  Pyramidem  vero  Martinianae  turris  cum  cochlearum 
circumductu  ab  occasu  elevatam  in  templum  praecipitare  cona- 
rentur,  erratum  forte  est;  nam  intra  basim  lapideam  ab  altera 
parte  retenta  minime  corruit,  sed  inclinata  et  ad  solis  exortum 
spectans  sine  lapsu  ruinam  minatur.  Gumque  ita  oblique  et  ad 
orientem  solem  supra  templum  inclinata  ad  aliquot  dies  penderet, 


dolling  selbst  sagt  am  21.  Jan.  1536  aus  (M.  6.-Q.  11,  408):  „Er  hab  nit 
geraden,  das  man  die  kirchen  umbrissen  solt.  Dan  er  hab  mit  darzn  ge- 
holfen. Dan  die  Babilonische  hoer  moest  nmbgesturtz  sin  nnd  6ot  allein 
in  dem  levendigen  tempel  und  hertzen  der  menschen  geert  werden  . .  .^ 
Eine  eingehende  Beschreibung  der  im  Laufe  der  Zeit  vollführten  Abtragung 
der  Spitzen  und  Kappen  der  meisten  Kirchen  gicbt  H.  Gresbeck  S.  158 ff. 
Ergänzende  Notizen  bieten  die  Wiedert&uferbekenntnisse.  So  gesteht  Herm. 
Regewart  am  3.  Dez.  1534  (J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  32);  „Se  hebben  den 
docm  schir  verdelget,  der  meynonge,  de  andern  kercken  vort  to  verdcrven, 
hebben  ock  uth  Overwaters  kercken  velle  erden  gefort,  dergeliken  uth  S. 
Servaes  kerckhove,  also  dat  de  kercke  derhalven  umgefaUen.**  Aehnlich 
sagt  Joh.  Beckmann  aus  (ebendas.  S.  37),  und  Joh.  Kloprifs  bekennt  am 
29.  Jan.  1535  (ebendas.  S.  117):  „Die  kirchen  binnen  Munster  sein  gantz 
verwuest  und  etlige  decher  derselben  gleichs  den  thumen  afgebrochen; 
desgleichen  auch  etliche  stucke  bljes  afgenommen  und  damit  die  hutten 
in  den  weiden  gedeckt" 

*)  Diese  Namen  und  die  folgenden  Einzelheiten  überliefert  nur  Kerss. 
Dietrich  Trutlinck  war  derselbe,  der  im  Mai  1525  zur  Hülfe  gerufen  wurde, 
um  den  Nonnen  des  Niesingsklosters  ihre  Webstühle  zu  nehmen  (s.  oben 
S.  131).  —  Beim  Niederreifsen  der  Turmspitzen  war  nach  H.  Gresbeck 
ein  Holländer  thätig,  „und  sein  name  was  Frantz,  und  was  ein  eventuirlick 
geck,"  nach  D.  Lilie  S.  228  „ein  vorlopen  converse  . . .  uth  dem  carthuefs 
to  Wedderen,  de  darbinnen  gelopen  unde  ock  de  wedderdope  angenomen.* 


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Anno  1534  acta.  573 

Trutlingns  sibi  coelitus  a  Patre  rationem  demoliendae  turris  per 
soninium  inspiratam  esse  mnltitndini  persaadet,  a  qua  ad  opus 
conficiendum  vehementer  incitatur.  Proinde  cum  turris  esset 
Gupro  levissimo  tecta,  pedibus  et  genibus  chalybeia  calcaria, 
manibus  vero  acutissimos  utrisque  stimulos,  ut  se  a  lapsu  prae- 
servaret,  atque  collo  longum  funem  aptat,  quo  infra  crucem  et  ' 
globulum  cacumini  affixo  pyramis  tracta  concideret.  Ubi  autem 
ita  instructus  per  acclivem  et  Phaetonteum  repere  coepisset  tra- 
mitem  et  vix  ad  medium  pervenisset,  pyramis  suo  pondere  a 
basi  soluta  magno  cum  fragore  in  templi  tectum  et  testudinem 
corruens  Trutlingum  maiora  suis  viribus  aflfectantem  et  a  Patre 
suo  deceptum  oppressit,  cuius  calcaria  et  Stimuli  chalybei  praeter 
ossa  came  destituta  post  recuperatam  urbem  dimotis  impedi- 
mentis  in  templo  reperta  sunt.  Deiectis  pyramidibus  turrium 
bases  lapideas  tormentis  muniunt,  unde  non  parvam  saepe  cla- 
dem  castris  inferunt.  Habent  enim  peritissimos  iaculatores  adeo, 
nt  quemcunque  extra  vineas  modicum  quiescentem  prospexerint, 
subito  transigant^  Sic  saepe  alea  ludentes  cum  astantibus 
spectatoribus  bombarclarum  sphaerulis  non  sine  insigni  strage 
aut  membrorum  iactura  dissipantur.  Satins  itaque  fuerat  mili- 
tibus  extra  vineas  et  castrorum  munitiones  non  quiescere  neque 
in  uno  loco  consistere,  sed  continuo  motu  huc  illucque  ferri. 

Circa  haec  eadem  tempora  Joannes  Bokelson,  propheta  et 
vir  Dei,  Knipperdollingi  vaticinii  auctoritate  fretus  eidem  gla- 
dium  in  terrorem  maleficorum  tradit  ipsumque  nova  voce  ensi- 
gerum  in  concione  popnli  pronunciavit.  Cum  enim  omnia  ex- 
celsa  humilianda  sint  atque  ipse  hactenus  consul  et  caput  urbis 
fuerit,  Patrem  *nunc  velle,  ut  abiectissimi  camificis  munere  fun-  »p.  484. 
gatur.  Ille  vero  officium  sibi  oblatum  non  aversatur,  sed  libenter 
suscipere  visus  est*  quatuorque   stipatores   loannem  Schultum, 


0  Aehnlich  lauten  die  Worte  D.  Lilie's  S.  229  (vgl.  auch  S.  227): 
„Dar  sint  van  binnen  so  höhende  schütten  gewest,  de  van  den  wellen, 
tomen,  blockhuseren,  homen  konden  scheten  al,  wat  se  ogeden,  unde  ne- 
mandes  binnen  schottes  mochte  stain  bliven,  anders  wordt  he  geschotten.'' 

^  Bis  hierher  genau  nach  ü.  Dorp  Bl.  £3.  Auch  Joh.  Fabricius 
Bolandus  Bl.  L2v  (und  ihm  folgend  Herrn.  Hamelmann  S.  1224) 
bringt  die  Ernennung  KnipperdoUing's  zum  Scharfrichter  zeitlich  mit  dessen 
Gebot   der  Eirchenzerstörung   zusanmien.    Er  stellt  den  Vorgang  so  dar, 


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574  Anno  1534  acta. 

Nicolaum  Smalcaldianum,   Oeorginm  Avenhovelinm  ac  loannem 
Snrennm  in  tutelam  novi  magistratus  assciscit*. 

Cum  autem  propheta  tantae  esset  inter  saos  auctoritatis, 
facilem  ad  regnum  parandum  viam,  qnod  tacite  iam  diu  aflfec- 
taverat,  sibi  patere  putabat*.    Itaque  omnia  maiorum  instituta, 


als  sei  Johann  v.  Leiden  durch  das  selbständige  Auftreten  EnipperdoUing^s 
erzürnt  gewesen  und  als  habe  er  deshalb  seinen  Nebenbuhler  demütigen 
wollen.  In  den  Quellen  kommt  sonst  Knipperdolling  als  Vollstrecker  der 
Gerichtsbarkeit  zuerst  in  den  Verordnungen  der  zwölf  Aeltesten  vor,  die 
Kerss.  gleich  weiter  unten  mitteilt.  Joh.  Kloprifs  bekennt  am  29. 
Januar  1535  (s.  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  133,  vergl.  auch  S.  113),  als  er 
in  seinem  Verhöre  auch  Auskunft  über  Mollenhecke's  Aufstand  (Juli  1534) 
giebt:  „. . .  so  wurden  die  40  vur  die  eldsten  gestalt  und  zum  selbigen 
maill  sy  KnipperdoUingk  burgermeister  gewesen  und  des  Burgermeister- 
ambtz  entsatzt  und  zum  budell  oder  scharpfrichter  geordent 
wurden,  welches  er  gehorsamlich  angenommen.''  Doch  ist  za 
bemerken,  dafs  mit  der  Einsetzung  der  Aeltesten  zugleich  die  Aemter  der 
Bürgermeister,  des  Rates,  der  Older-  und  Meisterleute  abgeschafft  worden 
waren  (s.  weiter  unten). 

')  Die  Namen  der  vier  Diener  Enipperdolling's  giebt  nur  Kerss. 
Weiter  unten  bei  Gelegenheit  der  Verordnungen  der  Aeltesten  wiederholt 
€r  sie  nicht. 

*)  Auch  H.  Dorp  Bl.  E3v,  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  N5 
■und  L.  Hortensius  S.  26  bringen  die  Einsetzung  der  zwölf  Aeltesten  mit 
der  Absicht  Johann's  v.  Leiden  zusammen,  demnächst  ein  Königreich  aufzu- 
richten. H.  Gresbeck  S.  35  erwähnt  dabei  Johann  nicht  speziell,  er  spricht 
nur  ganz  allgemein  von  den  Propheten  und  Predikanten.  In  der  Bischofs- 
chronik (M.  G.-Q.  I,  334)  tritt  Johann  Dusentschuer  als  Verkündiger  in 
den  Vordergrund.  —  Die  Angabe  der  Zeit  der  Einsetzung  bei  H.  Dorp 
(nach  Pfingsten,  24.  Mai)  ist  irrig.  L.  Hortensius  giebt  als  Datum  „circa 
Id.  Maii."  Sehr  bald  weiter  unten  teilt  Kerss.  eine  Schrift  in  Uebersetzung 
mit,  die  von  der  Stadt  aus  ins  Lager  der  Gegner  geschleudert  war,  um 
die  Bischöflichen  von  der  guten  Sache  der  Wiedertäufer  zu  überzeugen. 
Die  Schrift  trägt  das  Datum  des  8.  April  und  die  Unterschrift:  „Senior es 
totaque  communitas  et  consociatio  Christi  Monasterii  con- 
gregata."  Ist  das  Datum  im  Manuscript  richtig  wiedergegeben  (ein  Orig. 
der  Schrift  ist  nicht  nachweisbar),  so  wäre  anzunehmen,  dafs  das  Kollegium 
der  zwölf  Aeltesten  schon  zu  Lebzeiten  des  Jan  Matthys  eingesetzt  worden 
«ei,  oder  unmittelbar  nach  dessen  Tode  (5.  April).  Dafür  aber  findet  sich 
in  keiner  Quelle  irgend  ein  Anhalt.  Es  wäre  wohl  kaum  verschwiegen. 
Sollte  vielleicht  ein  Versehen  des  Schreibers  des  Manuscripts  vorliegen  und 
statt   des  8.  April  der  8.  Mai  zu  lesen  sein?    Im  St.-A.  M.  befindet  sich. 


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Anno  1534  acta.  575 

leges  moresqne  mutatnms  novamque  reipublicae  formam  intro- 
dnctnrus  nudus  in  caligine  noctis  omnes  nrbis  vicos  percnrrit* 
ac  incondita  voce  clamitat:  „Viri  Israelitae,  qui  sancta  Soly- 
momm  moenia  incolitis,  timete  Patrem  coelestem  et  vitae  sn- 
perioris  agit«  poenitentiam !  Eesipiscite,  resipiscite!  Eex  ille 
inclytns  Syonis  cum  multis  angelorum  millibus  est  in  procinctu 
et  expeditionem  tnba  terribili  praecinente  in  terram  parat.  Eesi- 
piscite ergo,  resipiscite!**  His  ubi  nocturnis  clamoribns  ac  hor- 
rendis  vocibns  totam  nrbem  deterrnisset  et  se  ipsum  defatigasset, 
ad  hospitem  suum  Knipperdollingum  simili  interdum  furore  agi- 
tatum  redit  et  continuo  beneficio  sermonis  se  destitutum  esse 
fingit.  Cumque  a  pavidis  ciremnstantibus,  qnid  sibi  mali  acci- 
disset,  sollicite  qnaereretur,  mutnm  se  esse  nutibus  qnibusdam 
significavit;  sciscitantibus  cansam  sibi  a  Patre  os  clausuni  lin- 
guamque  constrictam  neque  sibi  fas  esse  ante  tertium  diem  quic- 
quam  proloqüi  scripsit.  Sed  tertio  die  frequentem  populi  con- 
cionem  convocari  iubet,  quem  diem  tota  multitudo  novitatis 
avida  magno  desiderio  expectat.  Die  constituto  in  concionem 
populi  prodit  sibique  a  Patre  revelatum  esse  proclamat  in  novo 
populo  Israelitico  novam  reipublicae  formam  fore;  novum  ergo 
magistratum  novasque  leges  divina  ordinatione  introducendas 
esse.  Magistratum  superiorem  ab  hominibus  constitutum  esse*, 
nunc  vero  Patris  instinctu  et  expresso  mandato  eundem  esse 
designandum.  Simulque  duodecim  vires  sibi  potissimum  pecu- 
liari  favore  addictos  delegit,  inter  quos  etiam  senatores  fuerunt, 
ne  eorum  plane  a  se  favorem  alienaret,    quos  plebs  suspiciebat 


das  Original  eines  Briefes  vom  20.  Mai  (abgedr.  M.  G.-Q.  II,  239  f.)  an  zwei 
bischöfliche  Hauptieute,  das  unseres  Wissens  zum  ersten  Mal  die  Unter- 
schrift trägt:  „De  oldesten  und  gantze  gemeine  Christi  binnen 
Munster.** 

*)  Dieses  und  das  Folgende  lehnt  sich  oft  wörtlich  an  den  Bericht 
des  L.  Horten sius  an.  Die  übrigen  Quellen  wissen  Nichts  von  dem Bufs- 
ruf  Johann's.  Nur  H.  Dorp  erwähnt  noch  dessen  dreitägiges  Träumen  und 
Stummsein.  —  *)  Im  Geständnisse  des  Dionysius  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  275) 
heifst  es:  „Der  prophete  heft  uth  Gots  bevel  verkündiget,  dewile  de 
overicheit  desser  tit  van  minschen  ingesat  weren  und  Got 
alle  dinck  vomiggen  wolde,  so  heft  dersulvige  prophete  ...  12  gotfruchtige 
Personen  vorgestalt,  welche  dat  swert  der  gerechticheit  füren  solden. 


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576  Anno  1534  acta. 

et  in  honore  habebat,  neve  causam  tumultuandi  concitaret.  Hos 
duodecim  tribnnm  Israeliticarnm  seniores  appellavit,  penes  qnos 
omninm  rernm  tarn  pnblicarom  quam  privatamm,  tarn  sacraram 
"p.  485.  quam  politicaram  iudiciam,  *imo  ins  gladii  snmmaqne  imperii 
potestas  esse  debebat.  Snnt  antem  hi :  Hermannus  Tjlbech,  pa- 
tricius,  Gerlacus  a  Wollen,  nobilis,  Henricus  Xantns,  Henricna 
Boede,  aurifaber,  Joannes  Ossenbeck,  Lambertns  Mapertinck,  Jo- 
annes Eschman  Warendorpensis,  Lambertns  Bilderbeck,  civis 
Coesfeldianns,  Petrus  Sjmonson  Frisius,  Lambertns  Leodins, 
Bernardns  thor  Moer  et  Antonius  Guldenarm '. 

Cum  hi  designati  fuissent,  Bemardus  Bothmannus'  apud 
populum  de  nova  hac  reipublicae  forma  concionatus  est,  quae  a 
Deo  instituta  Jsraelitici  populi  Deo  adamati  imaginem  referret. 
Atque  hie  eorum  nomina  publice  recitavit.  Facta  concione  pro- 
pheta  hos  ordine  in  conspectum  omnis  populi  producit  singuüs- 
que  per  ordinem  gladium  strictum  conceptis  his  verbis  in  manus 
tradit :  „ Accipe  ins  gladii  tibi  a  Deo  Patre  per  me  commissum 


^)  Die  Namen  der  sämtlichen  Aeltesten  überliefert  nor  Kerss.  Er 
verdankt  sie  wohl  derselben  jetzt  verlorenen  Quelle,  aus  der  er  nns  gleich 
die  Verordnungen  der  Aeltesten  mitteilt.  Der  Druck  der  „Ordnung**  nennt 
nur  8  Namen,  unter  denen  wir,  so  verderbt  sie  sind,  7  als  auch  von  Kerss., 
und  zwar  an  der  1.  bis  6.  und  an  der  8.  SteUe  aufgeführt,  wiedererkennen 
können.  Eigentümlich  ist  der  „Ordnung'  der  Name  Johann  Pülhck.  Nach 
Aufzählung  der  8  Namen  heilst  es  dann:  „Noch  ein  Friess,  noch  zwen 
seind  aus  dem  ländt  zu  Mertrich.*'  Die  „Ordnung'  bezeichnet  also  nur  II 
Aelteste.  Abweichend  von  den  Namen  der  „Ordnung'  sind  einzebie  in  dem 
Manuscript  des  „Tagebuchs'  (abgedruckt  in  der  Zeitschr.  51  [1893]  S.  111 
Anm.).  Auch  das  Manuscript  nennt  nur  9  Namen,  die  fast  unverändert  in 
die  Münst ersehe  Bischofschronik  (M.  6.-Q.  I,  334)  übernommen  worden 
sind,  nur  heifst  in  ihr  Lambert  Mackenlinck  derjenige,  der  im  Manuscript  als 
Albert  Mabertyn,  in  der  „Ordnung'  als  Lamprecht  Malbertin  und  bei  Eerss.  als 
Lambertns  Mapertinck  bezeichnet  ist.  Das  Manuscript  fährt  nach  Nennung 
der  9  Namen  fort;  „Noch  eyn  fremdt  Freysze,  noch  twe  van  Luke.'  Der 
Friese  wäre  nach  Kerss.  Petrus  Symonson,  die  beiden  von  Luke  (Lüttich) 
wären  Lambertns  Leodius  und  Antonius  Guldenarm.  —  H.  D  orp  Bl.  E  3^ 
nennt  7  Namen,  die  sich  auch  bei  Kerss.  finden,  darunter  auch  Lambert 
V.  Lueck  und  Peter  Symensen. 

^)  Das  Folgende  ganz  wie  der  Bericht  in  der  „Ordnung.'  YgL  auch 
Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  N3^  n.  N4,  aus  dem  Kerss.  das  Auf- 
treten H.  Tilbeck's  entnimmt. 


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Anno  1534  acta.  577 

eoqne  ad  mandatnm  Del  scinde!^  Hinc  totus  populns  propheta 
iubente  snpplices  ad  Patrem  pro  guberaandi  populum  Israe- 
liticmn  prudentia  preces  fnndit.  Hennannns  antem  TUbechias 
spiritn  humilitatis  exagitatus  lachrimatnr  et:  „0  mi  Pater, **  ex- 
clamat,  ,,indigniis  ego  snm  tanto  munere.  Ta  itaque  miiii  pra- 
dentiam  viresqae  regendi  suggere!^  His  ita  actis  tota  multitndo 
propheta  praecinente  Oloria  in  excelsis  decantat.  Senatos  in 
partes  iam  distractus  prophetico  spiritni  novaeqne  reipnblicae 
formae  non  repngnat  libenterqne  se  magistrata  abdicari  patitur. 
Totnm  ergo  imperinm  et  memm  et  mixtum,  ins  vitae  necisque 
sine  invidia  senatas  seniores  sibi  vendicant,  leges  novas  veteri- 
büs  abrogatis  condnnt,  edicta  pro  sna  libidine,  propheta  tarnen 
consnlto,  pnblicant  et  omnia  pro  sno  arbitrio  agnnt^.  Hanc 
gladii  et  scindendi  licentiam  non  s^^ter  sibi  nsnrpant,  ut 
postea  dicetnr. 


Dnodecim  seniomm  edietnm  publicnm 


2 


„Oratia  et  pax  snper  omnes,  qni  timent  Denm  et  volnn- 
tati  eins  obseqnnntnr,  et  pax  snper  nniversnm  Israelem,  popnlnm 
Dei!  Amen!  Gnm  in  hac  sancta  commnnitate  Monasteriensi  nos 
omnes,  qnomm  cordibns  lex  et  volnntas  altissimi  digito  Dei  in- 
scripta  est,  eam  cogitatione,  verbis  et  operibns  merito  adimple- 
remns  adeo,   nt  nnnc   dehinc  opns  non  sit   legem   domini  Dei 


*)  In  der  „Ordnung"  heifst  es  ansdrücklich :  „Aller  Radt,  Oberkeit, 
Kichter,  Richtstette  seind  alle  ab,  die  von  alter  her  gewonlich  waren,  und 
der  ist  ein  newe  Oberkeit  . . .  empfangen  und  wider  eingesetzt  . .  ,^  Auch 
£L  Gresbeck  S.  35 f.  berichtet:  „So  hebben  sie  die  bnrgermeisters  und 
den  raet,  den  sie  gesät  hedden,  af gesät  und  alle  gielde  und  older  luede, 
dat  die  gein  overicheit  mehr  seiden  sein.  Dan  die  twelf  eldesten  und  der 
raet,  et  was  ein  dinck.'' 

*)  Die  folgenden  Verordnungen  haben  sich  noch  nicht  wieder  auf- 
finden lassen.  Sie  sind  nur  durch  Kerss.  bekannt,  der  sie  gewifs  nach 
ihrem  alten  Drucke  übersetzte.  Der  Druck  ist  in  der  „Ordnung"  zweimal 
erwähnt  An  der  eben  citierten  Stelle  folgt  unmittelbar  auf  die  Worte 
„und  wider  eingesetzt":  „gleich  wie  man  das  in  jhenem  druck  findet,  darin 
man  auch  klar  hat,  warüber  sie  straffen  sollen."  und  bei  dem  Berichte 
über  die  Ernennung  Enipperdolling's  zum  Schwertträger  heifst  es:  „Was 
zu  straffen  ist^  findt  man  in  ihren  bücheren,  welliches  hie  nitt  nöttig  ist 
anzuzejgen." 


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578  Anno  1534  acta. 

nostri  scriptam  nobis  ob  ocnlos  ponere  et  praefigorare,  nihilo- 
minus  tarnen,  cum  Dens  onmipotens  populo  sno  novom  magi- 
•p.  486.  Stratum  clementer  tribuerit,  ut  *impoenitentes  nihil  excusationis 
flagitiis  suis  praetexere  queant  et  imbecillioribus  ac  negligenti- 
bus,  qui  forte  inter  nos  sunt,  serviatur,  itaque  nos  seniores 
populi  ea,  quae  scriptura  multis  verbis  passim  ad  nostram  doc- 
trinam  tradit,  ut  homo  infelix  in  omni  opere  bono  perficiatur, 
in  praesidium  novae  politiae  quasi  in  tabella  breviter  compre- 
hendemus  atque  singulis,  ut,  quid  sibi  agendum  quidve  fugien- 
dum  Sit,  cognoscant,  ob  oculos  ponemus.  lustis  non  est  lex 
posita,  sed  iniustis  et  inobedientibus  ^  Sic  etiam  magistratus, 
qui  gladium  gerit,  in  terrorem  malorum  et  defensionem  bonorum 
a  Deo  constituitur.  Legibus  ergo  et  motu  earum  soluti  esse 
Yolentes  Deum  ante  oculos  habeant  et  omnia  mandata  eins  ser- 
vent,  sicut  infra  ex  scriptura  sacra  breviter  annotatum  est.  Hi 
apud  Deum,  apud  magistratum,  ministrum  eins,  et  onmes  pios 
laudem,  gloriam  et  honorem  consequentur  et  tandem  vitam  aeter- 
nam  sibi  lucrabuntur.  Dens,  pater  domini  nostri  lesu  Christi, 
donet  nobis  cum  omnibus  credentibus  huiusmodi  animum  et 
spiritum.    Amen ! 

Non  in  sermone  regnum  Dei  est,  sed  in  virtute  seu  factis  ^. 
Non  omnes,  qui  dicunt:  „Domine,  Domine,*'  intrabunt  in  regnum 
coelorum,  sed  qui  faciunt  voluntatem  Patris  mei,  qui  in  coelis 
est  ®.  Haec  est  voluntas  Dei,  sanctiflcatio  nostra,  ut  unusquisque 
sciat  vas  suum  possidere  in  sanctitate  et  honore,  non  cum  af- 
fectu  concupiscentiae,  quemadmodum  et  gentes,  quae  non  no- 
verunt  Deum  \  DiUgamus  neque  verbo  neque  lingua,  sed  factis 
et  veritate^  Cum  ergo  regnum  Dei  in  eo  consistit,  ut  factis 
et  ex  tota  mente  voluntatem  illius  impleamus  et  tunc  simus 
veri  filii  Dei,  fratres  et  cohaeredes  Christi  lesu,  si,  quod  iussit, 
factis  impresserimus,  e  diverso  regnum  diaboli  in  bis  consistit, 
quando  peccata  committimus  et  voluntatem  illius  facimus,  quod 
procul  a  nobis  absit!  Si  autem  filü  Dei  facti  sumus  et  in  Chri- 
stum baptizati,  omne  residuum  malum  de  medio  nostri  eradi- 
candum  est,  cui  rei  magistratus  maxime  post  Deum  ancillatur. 


*)  1  Tim.  1,  9.    —    «)  1  Cor.  4,  20.    —    »)  Matthäus  7,  21.    — 
*)  1  Thessal.  4,  3  ff.   —    »)  1  Joh.  3,  18. 


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Anno  1534  acta.  579 

sicnt  scriptum  est  Born.  13:  Omnis  anima  supereminentibns 
potestatibns  snbdita  sit.  Non  enim  est  potestas  nisi  a  Deo ;  qnae 
yero  snnt  potestates,  a  Deo  ordinatae  sunt.  Itaque  quisquis  re- 
fiiistit  potestati,  Dei  Ordination!  resistit;  qui  autem  restiterint, 
sibi  ipsis  iudicium  accipient.  Nam  principes  *non  terrori  sunt*p.  487. 
bene  agentibus,  sed  male.  Vis  autem  non  timere  potestatem, 
quod  bonum  est,  facito  et  feres  laudem  ab  illo.  Quod  si  feceris 
id,  quod  malum  est,  time  tibi!  Non  enim  frustra  gladium  gestat; 
nam  Dei  minister  est,  ultor  ad  iram  ei,  qui,  quod  malum  est, 
fecerit.  Quapropter  oportet  nos  esse  subditos  non  solum  propter 
iram,  verum  etiam  propter  conscientiam  *.  In  gladio  morientur 
omnes  peccatores  populi  mei,  qui  dicunt:  non  accedet  neque 
praeoccupabit  propter  nos  malum**' 

Sequuntur  aliquot  peccata  in  scriptura  comprehensa,  quorum 
nomine  inobedientes  et  non  resipiscentes  gladio  punientur': 

„1.  Principio,  qui  maledixerit  Deo  nomenque  sanctum  vel 
verbum  illius  blasphemaverit.  Levit.  24*:  Quicunque  maledixerit 
Deo,  portabit  poenam  peccati  sui.  Et  qui  blasphemaverit  nomen 
Domini,  morte  interficiatur.  Exo.  20*:  Non  sumes  nomen  Do- 
mini  tui  in  vanum,  quoniam  non  insontem  faciet  Dominus  eum, 
qui  nomen  suum  sumpserit  frustra. 

2.  Nemo  maledicet  magistratui.  Exo.  22«:  ludicibus  non 
maledices  et  principem  in  populo  tuo  non  blasphemabis.  1  Petri 
3'.  Act.  23».  De  inobedientia  Deut.  17»:  Vir  ille,  qui  egerit 
procaciter  nolueritque  audire  sacerdotem,  qui  stat  coram  domino 
Deo  tuo,  ut  tibi  ministret,  aut  iudicem,  moriatur  vir  ille,  et 
eliminabis  malum  de  Israel;  et  omnes  de  populo  audire  debent, 
ut  timeant  et  amplius  procaciter  non  agant. 

3.  Qui  maledixerit  parentibus  suis  neque  illis  paret,  sed 
pertinaciter  se  adversus  illos  erigit.  Exo.  20*^:  Honora  patrem 
tuum  et  matrem  tuam,  ut  prolongentur  dies  tui  super  terram, 
quam  dominus  Dens  tuus  dat  tibi!    Exo.  21^*:  Qui  maledixerit 


*)  Rom.  13,  1—5.  —  ')  Arnos  9,  10.  —  »)  Nur  durch  Kerss.  be- 
kannt. —  *)  15,  16.  —  »)  7.  —  6)  28.  —  ')  Vgl.  l  Petr.  3,  9.  —  »)  5.  — 
«)  12,  13.  —   '•)  12.  —  ")  17. 

13* 


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580  Anno  1534  acta. 

patri  sno  et  matri  snae,  morte  interficiatnr.  Dent.  5  \  Ephes.  6  K 
Dent.  21®:  Si  habnerit  homo  filinin  protervnm  et  rebellem,  qni 
noluerit  andire  vocem  patris  sni  et  matris  suae,  lapidabunt  eom 
omnes  viri  civitatis  suae,  ut  moriatur.  —  De  mariti  imperio  et 
nxoris  in  matrimonio  obedientia  Eph.  5*:  Viri,  diligite  uxores 
vestras!  Uxores,  propriis  viris  subditae  sitis  veluti  Domino  etc. 
Item  uior  virum  timeat. 
*p.  488.  *4.  De  familiae  erga  patremfamilias  obedientia  et  patris- 
femilias  erga  familiam  suam  officio  Eph.  6*:  Servi,  obedite  iis, 
qni  domini  sunt  iuxta  camem,  in  timore  et  tremore  cum  aim- 
plicitate  cordis  vestri  tanquam  Christo,  non  ad  oculum  servi- 
entes  velut  hominibus  placere  studentes,  sed  tanquam  servi 
Christi  facientes,  quae  vult  Dens,  ex  animo,  cum  benevolentia, 
servientes  Domino  et  non  hominibus,  illud  scientes:  quod  unus- 
quisque  fecerit  boni,  hoc  reportabit  a  Deo,  sive  servus  fuerit 
sive  liber.  Et  vos,  domini,  eadem  facite  erga  illos  remittentes 
minas,  scientes,  quod  et  vester  ipsorum  Dominus  est  in  coelis 
nee  personae  est  respectus  apud  illum. 

5.  De  adulterio  Exod.  20*:  Non  adulterabis.  Levit.  20': 
Qui  fomicatus  fuerit  cum  uxore  proximi  sui,  morte  interficiatnr, 
tam  adulter  quam  adultera.  Matt.  5®:  Quicunque  aspexerit 
uxorem  alterius  ad  concupiscendam  eam,  iam  adulterium  cum 
ea  commisit  in  corde  suo. 

6.  De  fornicatione  et  immunditia  omnis  generis  Exo.  22^. 
Deut.  22^®:  Si  invenerit  vir  puellam  apprehendensque  eam  etc. 
Similiter  de  impudicis  et  masculorum  constupratoribus  ac  qui 
se  sororibus  suis  aut  aliquibus  sanguine  sibi  coniunctis  et  scrip- 
tura  vetitis  miscuerint  Levit.  20*^  et  similiter  18**  scriptum 
est.  Qui  iacuerit  cum  muliere  menstruum  habente  etc.  Et  qui- 
cunque turpitudinem  scriptura  prohibitam  exercuerit,  abomina- 
tionem  committit,  morte  morietur.  Item  1  Cor.  6*^  Galat.  5^*, 
Eph.  4**,  5**,  1  Thess.  4".  Fomicatio  et  omnis  immunditia 
ne  nominetur  in  vobis,  sicut  sanctos  Dei  decet. 

7.  De  avaritia  et  rapina  1  Timot.  6**:  Avaritia  est  radix 
omnis  mali. 


')  16.  —  »)  2  u.  3.  -  »J  18 ff.  —  *)  22 ff.  —  ß)  5ff.  —  •)  14.  - 
')  10.  —  «)  28.  —  »)  16.  —  '•)  28.  —  ")  lOff.  —  ")  6 ff.  —  ")  13flf.  — 
^*)  19.  -  '«)  19.  —  ^«)  3.  —   ")  3.  —  ")  10. 


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Anno  1534  acta.  581 

8.  De  ftirto  Eio.  20  ^:  Non  fiiraberis.  Deut.  5«,  ICorint.  6». 
Item  Dent.  27^:  Maledictns,  qni  transfert  terram  prozimi  sni. 

9.  De  fraudibns  et  imposturis  1  Thess.  4*:  Ne  qnis  op- 
primat  et  fraudet  in  negotio  fratrem  sunm,  propterea  quod  nltor 
est  Dens  de  omnibns  bis. 

10.  De  mendaciis  et  obtrectationibus  Sap.  1  •:  Os,  quod 
mentitur,  occidit  animam.  Psalm.  21^:  Timidis  et  incredniis  et 
execratis  et  homicidis  et  scortatoribns  et  veneficis  et  idololatris 
et  omnibns  mendacibns,  pars  iUomm  erit  In  stagno  ardenti  igne 
et  snlphnre,  qnod  est  mors  secnnda.     Jacob.  4®:   Nolite  detra- 

here  vobis  *invicem,  fratres!     1  Petri  2^  Matth.  7*^  »p.  489. 

11.  De  tnrpiloqnio  et  verbis  otiosis  Matth.  12":  De  omni 
verbo  otioso,  qnod  locnti  fnerint  homines,  redditnri  sunt  ratio- 
nem  in  die  indicii.  Item  Eph.  4^':  Omnis  sermo  spnrcns  ex 
ore  vestro  ne  procedat. 

12.  De  Gontentionibns,  seditionibns,  ira  et  aemnlatione 
Galat.  5**:  Manifesta  sunt  opera  camis,  qnae  sunt  haec:  inimi- 
citiae,  lis,  aemnlationes,  irae,  concertationes  etc. ;  qni  talia  agnnt, 
regni  Dei  haeredes  non  emnt.  Matt.  5**:  Qnisqnis  irascitnr 
fratri  sno  temere,  obnoxins  erit  indicio.  1  loan.  4^*:  Qnicnnqne 
odit  fratrem  snnm,  homicida  est. 

13.  De  calnmniis,  obmnrmnrationibns  et  factionibns  in 
popnlo  Dei  Levit.  19*®:  Non  erit  criminator  nee  snsnrro  in  po- 
pnlo.  1  Cor.  10^':  Non  mnrmnretis,  sicnt  et  quidam  illomm 
mnrmnravemnt. 

Gonclnsio :  Qnicnnqne  bis  peccatis  et  similibns  saintari  et 
sanae  lesn  Christi  doctrinae  contrariis  se  contaminaverit,  nisi 
yeram  egerit  poenitentiam,  legi  snbiicietnr  et  excommnnicatione 
gladioqne  a  magistratn  ordinario  a  Deo  constitnto  de  popnlo  Dei 
eradicabitnr.  Apocal.  22'®:  Beati,  qni  servant  mandata  illins, 
nt  Sit  potestas  illomm  in  ligno  yitae  et  per  portas  intrent  in 
civitatem;  foris  autem  canes  et  venefici  et  impndici  et  homi- 
cidae  et  idolis  senrientes  et  omnis,  qni  amat  et  facit  mendacinm.'^ 


1)  15.  -_  «)  19.  _  8j  10.  __  4)  17^  _  5)  6.  —  •)  11.  —  ')  Viel- 
mehr Apocal.  21,  8.  —  ')  11.  —  »)  1.  —  ")  12.  —  ")  36.  —  ")  29.  — 
")  20  f.  —  ")  22.  —  ")  Viehnehr  3,  15;  vgl.  dazu  4,  20.  —  ")  16.  — 
")  10.  -  ")  Uf. 


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582  Anno  1534  acta. 

Ordinatio  politici  regiminis  in  civitate  Monasteiiensi 
a  12  senioribns  recens  introducta*. 

„Seniores  commnnitatis  Christi  in  sancta  civitate  Mona- 
steriensi  per  gratiam  altissimi  et  omnipotentis  Dei  vocati  et  con- 
stitnti  haec  officia  et  hos  sabsequentes  articnlos  a  singnlis  Israe- 
litis  ac  domns  Dei  inhabitatoribns  fideliter  et  inviolate  servari 
volunt: 

1.  Qnicqnid  sacra  scriptnra  ant  praecipit  ant  vetat,  hoic 
poenae  metn  singnli  Israhelitae  parebnnt. 

2.*  Unnsquisqne  vocationi   suae  sednlo  insistet  Demnque 
ac  magistratxim  ab  eo  constitntnm   timebit.    Nam  non  fmstra 
gerit  gladinm,  com  scelemm  sit  nltor. 
*p.  490.         *3.   Qoilibet   seniomm  anios  ministri  opera  ad  inssa  sna 
exeqnenda  ntetar. 

4.  Qninqne  seniomm  tarn  noctnrnis  qnam  dinmis  excnbiis 
praeemnt  easqne  praesentes  inspicient,  ne  quid  negligentia  vi- 
gilum  pericnli  reipublicae  importet. 

5.  Unns  insnper  seniomm  singnlis  noctibns  cnm  qnibus- 
dam  ministiis  amiatis  vigiles  onmes  in  aggeribns,  mnris  et 
portis  eicnbantes  diligenter  contemplabitnr,  nt  in  officio  conti- 
neantnr  et  Dens  cnm  illis  vigilei 

6.  Singnlis  diebns  a  septima  ad  nonam  antemeridianam  ^ 
et  a  secnnda  ad  qnartam  pomeridianam  horam  sex  seniores  in 
foro  locoqne  ad  id  destinato  considentes  omnes  controversias 
snis  decretis  diriment^ 

7.  Qnicqnid  seniores  commnni  consilio  in  hac  nova  Is- 
rahelis  repnbUca  ntile  esse  decreverint,  Joannes  Leydanns  pro- 
pheta  tanqnam  fidelis  minister  altissimi  et  sacrosancti  magi- 
stratns  commnnitati  Christi  totiqne  Israelitico  coetni  annnnciabit 
et  proponet. 

')  Ein  Teil  dieser  Yerordnimgen  der  Aeltesten  ist  auch  in  das  Fing- 
blatt  »Die  Ordnung**  übergegangen.  Die  Namen  sind  wie  immer  in  dem 
Drucke  derselben  sehr  entsteUt.  Wo  sich  nennenswerte  Abweichungen  oder 
Zus&tze  fanden,  habe  ich  sie  vermerkt.  Die  Verordnungen  fehlen  sowohl 
im  Manuscript  des  j^Tagebuchs**  wie  auch  in  der  Münsterschen  Bischofs- 
chronik. —  *)  Fehlt  in  der  „Ordnung."  —  «)  Die  »Ordnung":  „Alle  tag 
Tor  siben  uren  zwischen  zehen  Tormittag."  —  ^)  Ygl.  zu  diesem  und  dem 
folgenden  Artikel  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  36. 


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Anno  1534  acta.  583 

8.  Ne  inter  sinceros  minimeqae  fucatos  Israhelitas  qnic- 
qnam  manifest!  flagitii  cum  verbo  Dei  pngnantis  toleretur  ntqne 
transgressor  sen  flagitiosns  in  manifesto  crimine  deprehensns 
meritis  snppliciis  plectatnr,  Bernardns  Enipperdollingns  ensifer 
enndem  ratione  commissi  delicti  pnniet.  Si  vero  in  manifesto 
crimine  non  deprehendatnr,  cansa  ad  seniores  per  Enipperdol- 
lingum  referetnr,  quorum  decreto  parebitur,  nt  omne  malnm  ex 
Israel  eradicetnr.  EnipperdoUingus  antem  in  sni  mnneris  tnte- 
lam  et  defensionem  qoataor  stipatoribus  mnnitns  in  pnblicnm 
prodibit '. 

9.  Ut  in  cibis  administrandis  legitimus  servetur  ordo, 
praefecti  eins  rei  officii  sni  memores  einsdem  generis  fercnla 
(uti  hactenns  fleri  consnevit)  singulis  diebus  fratribns  sorori- 
bnsqne  in  disiunctis  et  disseparatis  mensis  modeste  et  cum  omni 
yerecundia  sedentibns  apponent.  Neqne  illi  qnicqnam  pro  sno 
arbitratn  praeter  id,  qnod  apponitnr,  exigent.  (Habebant  antem 
ant«  singnlas  portas  singnlas  aedes,  in  quibns  illi,  qni  mnni- 
tionibns  firmandis  dabant  operam,  sno  tempore  cibabantnr,  in 
qnomm  numero  tam  feminae  quam  mares  faerant,  qni  mensae 
cnm  süentio  accnmbentes  nno  aliqno  inter  edendnm  in  veteri 
testamento  legente  cibnm  capiebant.)' 

*10.  Excnbias  interea  dinmas  agentes  aliis  digressis  cibnm  *p.  491. 
capient,  ne  vigiliae  necessariae  negligantnr. 

11.^  Nemo  praeter  Christiannm  Eerckringnm  ac  Herman- 
nnm  Bedekemm,  praefectos  piscationis,  illommqne  ministros 
piscabit,  qni  etiam  pisces  pro  necessitate  aegrotantibns  et  prae- 
gnantibns  non  negabnnt. 


')  Yergl.  dazn  oben  S.  574,  wo  Eerss.  auch  die  Namen  der  vier 
Diener  nannte. 

*)  Dieser  Satz  ist  in  der  „Ordnung**  von  den  Yerf&gangen  der  Ael- 
testen  getrennt  nnd  ist  unter  die  sonstigen  Berichte  über  die  Verhältnisse 
in  Münster  eingereiht  Hinzugefügt  ist  noch:  „Was  man  in  fürsetzet, 
müssen  sj  essen  und  trincken  sonder  murren.  Wer  ein  löifel  will  haben, 
der  mufs  in  mit  im  pringen.  Wölcher  mer  brots  sehne jdt,  dan  er  isst, 
der  wirt  berufft  für  die  Eltesten.''  Vgl.  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus 
Bl.  N  4^  und  L.  H  o  r  t  e  n  s  i  u  s  S.  20  f.  Ueber  die  gemeinsamen  Mahlzeiten 
8.  auch  H.  Gresbeck  S.  d4f. 

»)  Fehlt  in  der  „Ordnung". 


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584  Anno  1534  acta. 

12.  Penes  Bernardnm  Boentruppen  ac  Gerardnm  Pmessen 
mactandl  creopoliiqne  cnrandi  ins  erit,  ne  recentes  cames  sno 
tempore  desint. 

13.  Hermannns  Tornate,  loannes  Bedeker  et  Henricns  Dnm- 
cnster  cnm  sex  suis  ministris  in  nsnm  Israelitarum  calceos  snent. 

14.  loannes  Palck,  Henricus  Pothofif,  Henricas  Stolte,  Con- 
radns  Potthoff,  Hermannns  Beminck  ac  Amoldns  Boidtlandt^, 
fabri  ferrarii,  nnlli  soam  operam  negabnnt.  MoUenhecke  yero 
ac  Steinkamp  soli  magistratni  in  endende   ferramento   servient. 

15.  loannes  Coesfeldins  cum  suis  ministris  claves  ferreos 
endet  *. 

16.  Bemardus  tor  Moer,  Bemardus  Glandorp,  Henricus 
Edelbloit  et  loannes  Northoflf*  sarcinatorum  emnt  praefecti  da- 
buntque  operam,  ne  novae  ac  inusitatae  vestium  formae  fiant. 

17.  Gonscissas  et  dissectas  vestes  nemo  gestabit^ 

18.  Secreta  seniorum  consilia  atque  decreta  illorum  publica 
privataque  Henricus  Erechtingk  tanquam  tabellio  et  a  secretis 
diligenter  annotabit. 

19.  Ne  quid,  quod  ad  bombardas  et  tormenta  eorumque 
nsnm  necessarium  requiritur,  desit,  Henricus  MoUenhecke  et 
Bernardus  Pannicida  curam  habebunt. 

20.  Ut  vinum  aliaque  annosa  potus  genera  in  nsnm  aegro- 
tantium  et  dolore  animi  laborantium  conserventur,  Stephanus 
Eupperschleger  eins  rei  exactam  rationem  suscipiet. 

21.  üt  auro  et  argento  tarn  signato  quam  non  signato 
verus  et  legitimus  usus  tribuatur,  Magnus  Eoehus,  Gonradus 
Eruese,  Gerardus  Beyninck  et  Lucas  Gruter  singulari  studio 
curabunt,  ne  quid  inutiliter  expendatur,  sed  seniorum  consilio 
in  utilitatem  publicam  convertatur*. 

22.  Andreas  Goriarius  et  Hermannus  Bibbert  coriorum  et 
pellium  praeparationi  ac  illius,    quidquid  ad  sutoriam  pertinet, 

''p.  492.  praefecti  emnt  *in  hac  sancta  civitate. 


')  Der  Name  Arnold  Boidtlandt  fehlt  in  der  „Ordnung^. 

*)  In  der  „Ordnung";  „Günters  knecht  genandt  Gastel  soll  mit 
seinen  hülffen  nach  aller  gestalt  nögel  machen." 

•/  Die  „Ordnung"  nennt  fiir  diesen  Johann  VlenthoflF. 

*)  Auf  die  Ordnung,  die  Kleider  hetreffend,  kommt  Eerss.  weiter 
unten  noch  einmal  zurück.  —   ^)  Vgl.  dazu  ohen  S.  562. 


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Anno  1534  acta.  585 

23.  Eberardas  Folien  ac  loannes  Erechtingk  veterinarii 
erant  et  eqnoram  pnblicis  usibns  destinatorum  cnram  agent,  ne 
sine  commodo  pabula  absnmantnr^. 

24.  Pnblicis  mnnitionibns  bnins  sanctae  nrbis  confirman- 
dis  ant  de  integro  erigendis  Gerardns  Eibbenbroich,  Christianns 
Wordeman,  loannes  Daventriacns  ac  loannes  üldanns'  dabnnt 
operam.     Nihil  tarnen  senioribns  non  consnltis  extraent. 

25.  loannes  Erechtingk  raparnm  semina,  qnaecnnque  in 
urbe  deprehenderit,  ad  molam  oleariam  Meynershagii  convehet 
olemnqne  inde  expressnm  in  usus  necessarios  fideliter  consenrabit. 

26.*  Aromatibns  et  placentis  in  nnam  domnm  comportatis 
Bemardns  Menneken  praeerit  iisqne  recte  distribaendis  dabit 
operam. 

27.  Qnoties  cerevisia  et  panis  necessarius  faerit,  seniores  per 
Dei  gratiam  dabnnt  operam,  ne  qnid  respublica  incommodi  capiat. 

28.  Qnoties  ad  reparationem  aggerum  terra  opns  fnerit, 
Theodoricns  Schloschen  in  eins  rei  nsum  bigas  ant  qnadrigas 
procurabit  et  cnpmm,  plnmbnm,  stannnm  a  deiectis  tnrribus 
raptnm  in  singnlos  et  distinctos  acervos  convehere  inbebit. 

29.  Si  peregrinns  et  a  nostra  religione  alienns,  sive  frater 
sive  einsdem  patriae  concivis  sive  familiaris  fnerit,  qni  sese  ad 
hanc  civitatem  nostram  sanctam  contnlerit,  iUe  Enipperdollingo 
ensigero  ad  examinandnm  committetnr,  nt  ille  cnm  eo  coUoqnia 
misceat;  qnod  nnlli  alii  praeterqnam  senioribns  committitnr. 

80.  Baptizatns  christianns  cnm  advena  et  peregrino  ethnico 
nnllnm  coUoqninm  ant  sermonem  habebit  neqne  cibnm  cnm  illo 
snmet,  ne  nlla  collnsionis  snspicio  snboriatnr. 

31.  Nemo  qnacnnqne  etiam  arte  inobedientiae  poena  pro- 
posita  piscabitnr. 

32.  Nemo  citra  consensnm  et  arbitrinm  seniomm  snb  poena 
capitis  Signa  militiae  mntabit  neqne  se  pro  arbitrio  sno  de  ma- 
nipnlo  nno  in  alinm  dedet 


^}  Die  „Ordnung**  sagt  unklar:  „Der  pferd  grofs  und  klein  sollen 
Olbert  Fellen  und  Johann  Krechting  aoffsehen  haben  in  der  Meimerschlagen 
feldmülen.**    Vgl.  dazu  gleich  unten  Artikel  25. 

■)  lieber  die  Uldansschanze  vgl.  oben  8.  554.  Die  „Ordnung"  hat 
statt  Johann  üldan  den  Nunen  Johann  Eürchenrinck. 

')  Dieser  und  s&müiche  folgenden  Artikel  fehlen  in  der  „Ordnung"« 


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586  Anno  1534  acta. 

33.  Si  qnis  Deo  sie  dispensante  ab  hostibns  transfossns 
ant  alia  quavis  ratione  obdormierit  in  Domino,  bona  illins  re- 
licta,  ut  snnt  arma,  vestes  etc.,  nemo  sna  anctoritate  capiet^ 
sed  ad  Bemardnm  Enipperdollingom  ensigemm  deferentnr,  qni 
^p.  493.  senioribns  ea  offeret,  *nt  illomm  anctoritate  veris  haerediba» 
adindieentnr.** 

Inde  retincti  qnaedam  scripta  in  nrbe  et  publice  et  pri- 
vatim composita  ant  lapidibns  alligata  eiicinnt  aut  telis  affixa 
in  castra  spargnnt^  nt  militibns  persnadeant  se  non  priores 
bellum  intnlisse,  sed  sibi  sine  iusta  denunciatione  iUatum;  se 
aut  deprecaturos  aut  legitima  defensione  repnlsuros  verbumqne 
Dei,  qnod  apud  se  vigeat,  defensaros.  Et  haec  eo  astn  atque 
consilio  agnnt,  ut  militem  ab  obsidione  tam  sanctae  civitatis 
removeant  et  ab  oppressione  tam  piorum  virorum  deterreant. 
Quäle  fait  illud,  quod  sequitur*: 

,,Omnibus  populis,  cuiuscunque  sint  aetatis,  Monasterium, 
christianam  civitatem  altissimi  Dei,    obsidione  prementibus. 

Gratiam  et  misericordiam  et  pacem  a  Deo  Patre  per  lesum 
Christum,  unicum  nostrum  et  totius  mundi  servatorem,  omnibus 
piis,  benevolis  et  christianae  veritatis  amatoribus  precamur! 
Audite,  populi,  et  percipite,  iuvenes  senesque,  qui  in  circuitu 
urbis  nostrae  castra  tenetis !  Cum  nos  non  solum  pacem,  verum 
etiam  fratemum  amorem  in  Christo  cum  quibusdam  hominibus 
ex  animo  habere  desideremus,  quibus  rationibus  coram  piis  viris 
(taceo  coram  Deo)  defendetis,  quod  contra  scriptas  pacis  leges 
et  consignatas  non  indicta  belli  causa  obsidione  violenta  a  vobis 
premimur  atque  occidimnr?  Sed  iustos  iuvabit  Dens.  Quod 
vero  vobis  literas  nostras  mittimus,  hac  de  causa  fieri  cogno- 
Seite!  Speramus  inter  vos  multos  adhuc  pios  fore  Deum  ac 
creatorem  suum  amantes,   qui  mortem   oppetere  malint,   quam 


')  So  schreibt  Konr.  Hesse  am  5.  Juni  ans  dem  Lager  vor  Münster 
an  die  landgr&flichen  R&te  zn  Kassel  (M.  G.-Q.  II,  250) :  „Ich  senden  nch 
auch  hei  ein  bucheigen;  das  woUet  lessen.  Die  von  Munster  haben  ir 
etlich  eins  leger  gesanf  Die  übersandte  Schrift  liegt  dem  Originalbrief 
im  6t.-A.  Marburg  nicht  mehr  beL   —  *)  Nur  durch  Kerss.  bekannt 


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Anno  1534  acta.  587 

non  indicto  bello  contra  fas,  contra  Demn  atqne  amabflem  yeri- 
tatem  pecnniae  gratia  snscipere  bellnm,  qni  mendaciis  addncti 
nobis  infensi  sunt  existimantes,  si  nos  armis  perseqnantnr,  se 
gratnm  Deo  obsequinm  praestitnros.  üt  antem  singnU  yestrom 
intelligant  accnratinsqne  secmn  expendant,  qnid  agant  et  contra 
qaos  arma  induant,  fidei  et  yitae  nostrae  rationem  breyiter  ex- 
plicabimns.  Fides  et  fidncia  nostra  est  in  nnnm  verum  et  vivurn 
Demn,  creatorem  coeli  et  terrae,  sicnt  scriptnra  sancta  illud 
latins  explicat,  qnpd  perlongnm  esset  Mc  perseqni.  Scimns  etiam 
et  credimns:  aeternum  Deum  timentes  se  et  in  via  sna  ambu- 
lantes amare,  contra  malefactores  omnes  in  *  terra  enormiter*p.  494.. 
odisse.  Com  igitnr  in  Denm  credimns  et  scimns  enm  esse  re- 
mnneratorem  illis,  qni  ipsnm  ex  toto  animo  qnaemnt  et  in  yiis 
illins  ambulant,  ita  vita  nostra  coram  Deo  est  composita,  nt 
nullum  Inter  nos  flagitiis  obnoxium  impunitum  relinquamus, 
nedum  talia  flagitia  et  enormia  peccata,  qualia  de  nobis  impu- 
denter  inter  yos  confinguntur,  perferamus  et  fieri  permittamus. 
Praeterea  si  constaret  nobis  nos  quenquam  praeter  Satanam  illi- 
usque  familiam  de&audasse,  quadruplum  libenter  refunderemus. 
Haec  est  fides  et  vita  nostra.  Dens  est  nostra  fiducia,  spes, 
praesidium  et  clypeus  noster;  ipsius  voluntati  obsequi  nostrum 
desiderium  est,  sive  vivendum  sive  moriendum  sit  nobis.  Proinde 
non  formidamns,  quid  Anticbristus,  sacerdotes,  monacM  et  dia- 
boli  astutia  cum  tota  coborte  cumque  ipsis  inferorum  portis  ad- 
versus  nos  moliantur.  Nostra  vita  in  Christo  abscondita  tunc 
primum  incipit,  quando  haec  caro  mortalitatem  deposuit.  Tunc 
bestes  Dei  stimulo  Jesu  Christi  occurrentes  fracti  et  repulsi  con- 
fnndentur  et  pudefient.  Quare  resipiscite  et  errores  vestros,  dum 
potestis,  agnoscite,  ne  ipsi  in  vestrum  exitium  foveam  fodiatis! 
Optamus  enim  omnium  hominum  resipiscentiam,  ut  nobiscum 
salyi  fiant.  Quid  yero  nobis  homines  optent,  Dens  sit  iudex! 
Haec  pro  benigna  admonitione  suscipite  et,  ne  nostrum  ducem 
antiquum  et  bene  exercitatum  offendatis,  cavetote!  Onmes  Dei 
hostes  non  secus  quam  paleam  et  quisquilias  aestimamus,  quibus 
intrepide  ducis  nostri  praesidio  freti  resistemus.  Et  certe  durum 
erit  ipsis  contra  stimulum  calcitrare^  et  iudicio  Dei  se  impli- 


')  Act.  Apost  9,  5. 

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588  Anno  1534  acta. 

care.  Si  hanc  agnitionem  fidei  nostrae  yeram  non  esse  existi- 
maveritis,  ferre  poterimns,  ut  certns  commüitonom  yestromin 
nnmems,  a  nobis  tarnen  decemendus,  omnia  praesens  experiator. 
Dens  enim  novit,  qnod  nihil  nisi  regnnm  Christi  qnaeramns  et 
optemns.   Scripta  snnt  haec  Monasterii  in  civltate  Dei  altissimi 

«.April,  anno  post  natom  Christum  1534  octavo  die  Aprilis^ 

Seniores  totaque  commnnitas  et  consociatio  Christi 

Monasterii  eongregata." 
Varia  deinde  Indibrii  et  contnmeliae  genera  ntrinqae  effin- 
gnntur,    qnibns  per  animi  lasciviam  interdnm  sobrii,  interdnm 
ebrii  se  mntno  lacessant,  dicteriis  amarulentis  proyocant    Qni- 

*p.  495.  dam  *militum  ingenti  saepe  confidentia  freti  ad  urbem  decnr- 
runt  caligasqne  detritas  portis  his  vociferationibns  affignnt: 
„Sartor,  detritas  atque  laceratas  has  mihi  refice  caligas!"  Atqne 
hi  interdnm  elabnntnr,  interdnm  transfixi  cadnnt.  Oppidani  yi- 
cissim  yiri  simnlachrnm  e  panno  lineo  consntum  et  feno  fartnm 
ac  indnlgentiamm  literis  pontificiisqne  bnllis  circnmseptnm  an- 
nosae  eqnae  imponnnt  eamqne  scnticis  acriter  in  porta  flagel- 
lantes  ita  cum  sno  sessore  muto  in  castra  Manritiana  abignnt  K 
Miles  eo  simnlachro  illnsns,  cum  oppidannm  aliqnem  ab  effreni 
et  indomito  equo,  quem  retinere  non  potnerit,  per  campnm  ferri 
existimaret,  certatim  praedandi  gratia  accnrrit,  eqnnm  appre- 
hendit  et  a  pemici  cnrsn  coercet.  Cnm  antem  frans  deprehen- 
deretnr,  magna  militnm  mnltitndo  rei  noyae  ayida  et  doli  ignara 
ad  spectacnlnm  illnd  conflnit.  Oppidani  yero  ex  diyersis  nrbis 
mnnitionibns  et  e  tnrri  potissimnm  Martiniana  tantam  tormen- 
tomm  et  missilinm  copiam  in  eam  conglobatam  et  consertam 
militnm  mnltitndinem  coniiciunt,  nt  maiori  parte  occisa  panci 
sine  ynlneribns  elaberentnr.  Neqne  mnlto  post  yas  hnmano  ex- 
cremento  plennm  et  arctissime  obtnratnm  bigaeqne  impositnm 
sine  anriga  in  castra  mittnnt^;  et  alia  infinita  in  contnmeliam 
militnm  comminiscnntnr  et  foedissimis  conyitiis  se  mntno  pro- 
scindnnt.     Hi  milites  appellant  impios  idololatras,  pontificis  et 


>)  Vgl.  oben  S.  574  Anra.  2.  —  «)  Vgl.  dazu  oben  S.  568  Gaöi 
ähnlich  berichtet  Job.  Fabricius  Bolandns  Bl.  Q  1  f .  Denselben 
Spott  erwähnt  auch  H.  Gresbeck  S.  49 f.  —  ")  Siehe  Job.  Fabricius 
Bolandus  Bl.  S  1^  u.  S2.    Vgl.  auch  H.  Gresbeck  S.  49. 


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Anno  1534  acta.  589 

rasae  tnrbae  ministros,  servos  scelerum  etc.;  iUi  e  diverse  da- 
mitant:  „Pater,  spiritus  mens  appetit  carnem  tuam!"  Interdum 
nudatis  natibns  posteriora  ostentänt^  Id  cum  quidam  pner 
eodem  fere  semper  in  loco  crebro  faceret,  oppidani  disposito  ad 
eum  locmn  tormento  puernm  ita  traiiciont,  at  membra  dissipata 
et  per  agros  passim  disiecta  non  reperiri,  nedum  colUgi  potuerint. 

Dum  haec  aguntar,  vimineas  crates,  qnibus  Älpham  castris 
interlnentem  suppositis  trabibus  passim  committant,  octo  pednm 
in  latitudinem,  daodecim  vero  in  longitndinem,  ac  corbes  sen 
gerras  adyersus  tormenta  obiectacnla  inssn  principis  pmefecti 
militiae  in  Äprili  texunt  et  magnum  carmcnlaram,  palamm, 
harpagonnm  et  nncatarnm  scalamm  nnmemm  ad  oppngnationem 
fatnram  comparant.  Buricolae  quoqne  fossores  agminatim  castra 
muniendi  causa  per  vices  accersnntur  ^;  alii  ex  Ms  detrita  ^plau-^*p.  496. 
stra  Stramine  et  erica,  alii  vero  firmiora  fascibus  et  virgultis 
onerata  addncere  iubentnr,  hi  ut  deiectis  fascibus  currus  secum 
reducant,  illi  autem  ut  ipsos  cum  oneribus  in  castris  relinquant  \ 

Princeps  praeterea,  ut  müitaris  disciplina  in  castris  vigeat, 
3.  Maii  satrapis  et  praefectis  per  totam  dioecesim  edicto  prae-  s.  mul 
cipit,  ut  miütes  sine  ducum  suorum  commeatu  signa  deserentes 
et  defectionem  molientes  tanquam  transfugas  intercipiant  et 
captos  poenae  reservent  atque  ita  viarum  rationem  circumquaque 
habeant,  ne  miles  non  auctoratus  et  in  militumi  numerum  as- 
scriplus  sine  fide  publica  in  castra  commeare  permittatur*. 

Inde  Bastwilhelmus,  infumibulorum  rasor,  cum  inter  portas 
Horsthanam  et  Mauritianam  in  loco  valli  sibi  a  militiae  prae- 
fectis assignato  vigilias  noctumas  ageret,  subita  visione  et  in- 
usitata  voce   excitatus  atque  animatus  est,    ut  impiorum  urbes 


')  Ebenso  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  L3^. 

•)  Der  Befebl  des  Bischofs  stiefs  bei  den  Baaem  auf  heftigen  Wider- 
stand. Infolgedessen  ordnete  der  Bischof  in  einem  Erlafs  an  die  Amtleute 
vom  11.  April  aus  Wolbeck  an,  dafs  Jeder,  der  sich  nicht  zu  Schanzarbeiten 
vor  Münster  einstellen  wolle,  verhaftet  werden  solle.  Am  15.  April  schon 
folgte  ein  abermaliger  dahingehender  Erlafs  (Konzepte  im  St.-A.  M.). 

')  Yergl.  dazu  das  bischöfliche  Schreiben  an  die  Amtleute  vom  20. 
April  aus  Wolbeck  (Konzept  im  St-A.  M.). 

^)  Konzept  eines  dahinlautenden  Befehles  des  Bischofs  vom  2.  Mai 
im  St.-A.  M. 


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590  Anno  1534  acta. 

flammis  passim  perderet.  Proinde  publica  anctoritate  et  com- 
meatn  impetrato  eo  animo  exivit,  ut  Woltbecae,  Telgeto,  Alenae, 
Dnlmaniae  aliisque  finitimis  oppidis  flammas  iniiceret.  Et  cum 
Woltbecae  magna  polveris  tonnentarii  recens  advecti  aliarnmqae 
rernm  ad  bellum  et  obsidionem  comparataram  esset  copia,  pri- 
mom  snscepti  incendii  experimentum  in  eo  oppidnlo  facere  ten- 
tavit.  Admoyet  itaqne  tectis  faces  magnamque  oppidi  partem 
<i6.  April.)  sine  pnlveris  tamen  aliarnmque  rernm  bellicamm  exitio  exnssit  \ 
Paganornm  enim  nndiqne  accnrrentiom  mnltitudine,  anteqnam 
pnlveris  repositorinm  ignis  pertingeret,  incendinm  restinctnm 
est.  Incendiarins  yero  clancnlnm  sese  inde  Dremstenfordiam  snb- 
dnxit,  nbi  ex  levi  suspicione  apprehensns  factum  fatetur.  Inde 
flagitii  daturus  poenas  Woltbecam  reducitur.  Beligatus  ergo  ad 
postem  igni,    quo  aliis  nocnit,    suffocatus  et  exustus   periit  di- 


')  Als  Datum  des  Brandes  von  Wolbeck  ergiebt  sich  der  16.  April 
aus  einem  Briefe  des  Bischofs  an  G.  y.  d.  Recke  und  andere  seiner  R&te 
aus  Horstmar  vom  17.  April  (Orig.  im  St.-A.  M.),  in  dem  es  heifst:  „Wy 
hebn  den  brant,  so  gisteren  tor  Wolbecke  yn  unsen  affwesent  gescheit,  myt 
beswerten  gemoeto  nicht  gerne  gebeert. "  Der  Bischof  befiehlt,  sofort  den 
Hauptmann  Koritzer  mit  hundert  Knechten  nach  Wolbeck  zu  berufen,  und 
ordnet  umfassende  Yorsichtsmafsregeln  an.  —  Kurz  ist  der  Brand  erwähnt 
in  der  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  335) :  „Se  mackeden  einen  vorreder  uth 
und  mortbemer,  de  Wolbecke  uthbrandede."  Aehnlich  sagt  D.  Lilie  S.  232: 
„Noch  beslotten  de  boven  in  erem  raide,  se  wolden  itlike  uthmaken,  de 
«olden  ummeher  de  stede,  dorper  unde  huser  affbernen,  dar  ein  mede  ge- 
west,  de  datsulvige  vullenbrachte  unde  dat  fleck  tor  Wolbecke  anstickede  . .  .** 
Der  Name  des  Mordbrenners  findet  sich  aufser  bei  Kerss.  nur  noch  im 
^Bichtboeck**.    Die  betreffenden  Verse  lauten  dort  (S.  7lv): 

^Bast  Wilm  schorstenfegger  is  auch  nüt  uth  Munster  gegangen, 

He  heft  up  mordbrennen  van  den  Mönsterschen  geld  empfangen; 

He  heft  dat  fleck  Wolbeck  met  lunten  gebrandt, 

Danah  is  he  gefangen  aUthohandt 

He  heft  dat  stadlein  Wolbeck  angestecken. 

Oot  moste  davan  seine  live  trecken. 

He  is  vcrbrandt  und  heft  sinen  loen  entfaen, 

Danah  als  he  hadde  by  dem  stadtlein  Wolbeck  gedaen. 

He  mende  da  bussenkruth  tho  finden  in  den  kercken, 

Dat  wolde  he  anstecken  und  dar  groit  ungluck  und  schaden  mit  wercken. 

De  kercke  is  averst  nich  angegaen, 

Und  dat  pulver  heft  tho  der  üed  up  der  borg  gesthaen.'' 


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Anno  1534  acta.  591 

gnamque  factis  snis  poenam  dedit  \  Hie  etiam  in  carcere  Theo- 
dorico  a  Mervelt,  satrapae  Woltbecano,  ad  rem  aliquantulum 
attento  diflferendi  forte  supplicii  causa  persuasit  in  süvavicina, 
qnae  ferarum  hortns  seu  saltns  dicitur,  designato  certo  loco  et 
in  casnla,  qua  Monasterii  in  vallo  excabias  agere  solitus  sit, 
thesauros  defossos  esse,  ütmmqae  ergo  locum,  illnm  ante  cap- 
tam,  hunc  vero  post  captam  nrbem  sollicite  magnoque  studio 
scrutatus  est;  sed  deceptus  nihil  praeter  *terram  reperit.  »p.  497. 

Interea  oppidani  quotidianis  fere  conflictatiunculis  sese 
exercent  bostesque  terrent^  et  maxime  16.  Mail  inopinatam  le.  Mai. 
eruptionem  in  castra  hostium  faciunt  ac  non  paucos,  sine  magna 
tarnen  suorum  strage,  stemunt  atque  Clymnerum  Voerdanum, 
Arzeum  Lythonium  et  Hansonem  Bechemium  secum  captos  in 
urbem  abducunt,  qui  postridie  per  literas  in  castra  missas'  a 
suis  commilitonibus  poscunt,  ut  colloquendi  facultate  ab  oppi- 
danis  impetrata  cum  loanne  Bokelsone  de  commutandis  captivis 
agant;  sibi  enim  in  isto  ergastulo  diutius  detineri  permolestum  esse. 

Cum  iam  omnia  ad  bombardas  maiores  et  ad  oppugnatio- 
nem  urbis  necessaria  comparata  et  instructa  essent^,    ne  quid 


*)  D.  Lilie  a.  a.  0.:  „Desulvige  wordt  gefangen  unde  vor  Telget 
gesmoket  an  der  snilen  unde  vorbrandt.^ 

')  Vgl.  dazu  oben  S.  554  f.  Am  18.  Mai  schreibt  Konrad  Hesse  an 
die  E&te  des  Landgrafen  Philipp  in  Kassel  aus  dem  Feldlager  vor  Münster 
(M.  G.-Q.  n,  238) :  „Sie  fallen  auch  einen  dagh  und  alle  tage  in  die  leger.^ 

*)  Orig.  des  Briefes  des  Clymmer  van  Woerden,  Artz  van  Lyth  und 
Hans  van  Beckem  vom  1 7  Mai  an  viele  ihrer  namentlich  angeführten  Kame- 
raden im  Fähnlein  Jost  van  Muyen's  im  ßt.-A.  M.  Die  Landsknechte  weisen 
darauf  hin,  wenn  der  Bischof  die  im  Scharmützel  gefangenen  Münstercr 
„an  syck  wolde  doin  holden  unde  nicht  na  kryges  rechte  gequitet  volgen 
. . .  laiten,  dat  selve  wert  uns  allen  wederum  erfaren  und  gelyck  den  bro- 
deren,  wefs  enne  geschuth,  wederum  gewarden."  Sie  bitten  um  günstige 
Antwort  und  darum,  „durch  Daniel  Gossens  gnant  Monneke  Yrent  van  den 
Bussche  sprake  to  holden,  eder  anders,  wo  iw  geleveth,  mytJohan  Bökels 
van  Leyden   vor  de   porten  Jodeveit  to  verstendigen." 

*)  Nachdem  der  Bischof  auf  dem  Tage  zu  Orsoy  am  26.  März  wirk- 
same Hülfe  von  Seiten  des  Kurfürsten  von  Köln  und  des  Herzogs  von  Cleve 
erhalten  hatte  (beide  Fürsten  wollten  u.  a.  für  einen  Monat  je  zwei  Fähn- 
lein Knechte  vor  Münster  unterhalten.  Ueber  den  Umschwung  der  Be- 
ziehungen des  Bischofs  zu  den  ihm  benachbarten  Fürsten  und  über  die 
Ursachen  desselben  vgl.  die  oben  S.  529  Anm.  1  angegebenen  Ausführungen 


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5U2  Anno  1534  acta. 

temporis  sine  annorum  exercitio  transmittatnr  neve  turpi  otio 
miles  intra  castra  langnescat,  die  Veneris,  qaae  proxime  festnm 
«2.  Mai.  Pentecostes  praecessit  fuitqne  22.  Maii,  muros,  portas  et  pro- 
pngnacala  nrbis  freqnentibus  ad  fnturam  oppngnationem  ictibus, 
qnae  die  Martis  snbseqnenti  in  crepnsonlo  matntino  fieri  decreta 
est,  qnatere  atqne  deiicere  incipiunt  viamque  irrnptionis  sibi 
aperire  contendant^.  Qnicqnid  antem  mnnitionis  interdiu  ster- 
nitur,  mnlieres  a  certis  dnctoribns  edoctae  noctnrno  tempore 
terra  fimoque  congesto  reparant  ac  restanrant.  Viri  vero  ad 
futnram  oppngnationis  diem,    quam  per  transfngas  didicerant^ 


von  L.  Keller),  entliefs  er  die  ihm  Tom  Landgrafen  von  Hessen  infolge 
der  Zusammenkunft  zu  Böke  (s.  oben  S.  505  Anm.)  zugesandten  zwei  Fähn- 
lein Landsknechte,  da  ihm  ^desses  orts  der  lantzknechte  zo  vele  ange- 
kommen*' (Abdruck  des  bischöflichen  Schreibens  an  den  Landgrafen  vom 
15.  April  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  3iö).  Nach  Ablauf  der  in  Orsoy  fest- 
gesetzten Frist  erneuerten  und  vervollständigten  Köln  und  Cleve  ihre  Hülfe 
für  den  Bischof  auf  dem  ersten  Tage  zu  Neufs  am  7.  Mai.  Wenn  auch 
die  dortigen  Abmachungen  (der  Abschied  ist  abgedruckt  bei  L.  Keller 
a.  a.  0.  S.  316  f.;  vgl.  auch  S.  255)  die  selbständigen  militärischen  Ope- 
rationen des  Bischofs  sehr  beeinträchtigten,  da  der  Bischof  an  die  Zustim- 
mung dreier  kölnischer  und  dreier  clevischer  Kriegsräte  gebunden  ward, 
so  ermöglichten  sie  doch  erst  ein  ernsteres  Vorgehen  gegen  die  Stadt  und 
hatten  von  vornherein  einen  Sturm  auf  Münster  im  Auge.  Zwar  berichtet 
Konr.  Hesse,  der  im  Lager  vor  Münster  die  Anstalten  des  Bischofs  zur  Er- 
oberung der  Stadt,  zugleich  aber  auch  die  Gegenrüstungen  der  Münsterer 
beobachtet  hatte, .  noch  am  18.  Mai  an  die  landgräfiichcn  Räte  in  Kassel 
(M.  G.-Q.  II,  237  f.),  er  besorge,  „das  der  beischaf  deis  mols  die  stat  mit 
gewalt  nit  erobern  werde  . . ."  Nach  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  LS^, 
dem  Herrn.  Hamelmann  S.  1226  folgt,  liefs  der  Bischof  um  Pfingsten 
die  Stadt  zur  Ucbergabe  auffordern,  erhielt  aber  eine  schroffe  Zurückwei- 
sung. Vergl.  dazu  die  von  C.  A.  Cornelius  (M.  G.-Q.  II,  241  ff.)  ver- 
öffentlichten undatierten,  aber  wohl  in  diese  Zeit  gehörigen  Schreiben  von 
Seiten  des  Bischofs  und  von  Seiten  der  Inhaber  der  Stadt  Münster. 

')  Der  Bischof  hatte  am  13.  Mai  dem  Erzbischof  von  Köln  geschrie- 
ben (Konzept  im  St-A.  M.),  die  Beschicfsung  solle  am  19.  oder  20.  Mai 
beginnen.  Vergl.  auch  den  Bericht  der  Clevischen  Kriegsräte  an  Herzog 
Johann  vom  16.  Mai  (M.  G.-Q.  U,  233).  Dafs  die  Beschiefsung  thatsächlich 
erst  am  22.  Mai  begann,  bestätigt  der  Brief  des  Bischofs  an  die  hessischen 
Räte  zu  Kassel  vom  26.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  244). 

*)  „Dan  leider,"  sagt  auch  D.  Lilie  S.  233.  „grote  vorrederie  is 
darbuthen  gewest,  dat  se  binnen  Munster  gewamet  worden  unde  wüsten, 
wanner  de  dach  was  angesatt,  dat  men  stormen  wolde.** 


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Anno  1534  acta.  593 

sese  armant,  neqne  qnicquam,  qaod  ad  repellendos  hostes  utile 
yisnm  est,  intermittitnr.  Nee  dissimili  studio  miles  urbem  op- 
pugnaturus  in  omnibus  castris  se  instrnit  et  a  ducibus  iura- 
menti  praestiti  et  priscae  fortitudinis  admonetur.  Ipsi  etiam 
proposita  opimae  spe  praedae  se  mutuo  aniioant.  Geldri  autem 
non  solum  verbis  mutuis,  verum  etiam  spumantibus  et  plenis 
calicibus  epotis  animos  sibi  conciliant,  omnesque  mortis  terrorem 
largo  mero  cervisiaque  excutiunt  non  intelligentes  consilii  ratio- 
nem  bis  eztingui  neque  fortitudinem,  sed  audaciam  ac  temeri- 
tatem  augeri.  Hl  itaque  cum  diem  Lunae  totum  pocula  con-  S5.  Mai. 
trectassent  et  tarn  strenue  potitassent,  ut  neque  discrimen  die- 
rum  neque  vespertini  neque  matutini  temporis  haberent  ratio- 
nem,  ante  solis  occasum  spe  praedae  praeripiendae  et  inanis 
gloriae  cupiditate  adducti,  cuius  appetentes  plerique  esse  existi- 
mantur,  ingenti  strepitu  et  clamore  sublato  oppugnationem  aliis 
castris  ignorantibus  praetentant  et,  quantum  per  ebrietatem  *li-*p.  4d8. 
cuit,  armis,  scalis  aliisque  machinis  urbem  adoriuntur^  übi 
vero  Qeldrorum  oppugnatio  per  reliqua  castra  nunciaretur,  ad- 
mirantur  primum  ipsos  temporis  decretae  oppugnationis  oblitos 
esse ;  ne  tamen  soli  impressionem  sustineant,  ex  omnibus  castris 
praesidil  ferenda  gratia  fit  irruptio,  et  multorum  oppidanorum 
tela  in  se  quoque  proyocant  atque  ita  hostUem  impetum  unitum 
dispertiuntur  et  dissipant.  Sed  ubi  nox  intervenisset,  duces 
receptui  canunt  et  ad  castra  suos  milites  superstites  revocani 
Plurimi  autem  eonun  in  ista  impressione  irrita  desiderati  sunt^ 


')  Dafs  die  Knechte  ans  dem  Geldrischen  Lager  den  vorzeitigen  An- 
sturm wagten  nnd  das  Zeichen  znm  allgemeinen  Angriffe  nicht  abwarteten, 
berichtet  Eerss.  in  U^bereinstimmnng  mit  Joh.  Fabricins  Bolandns 
Bl.  MS^ff.  Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  233.  In  dem  Briefe  des  Bischofs  an 
die  hessischen  R&te  in  Kassel  Tom  26.  Mai  heifst  es  (M.  6.-Q.  U,  244): 
„Es  hat  sich  aber  zugetragen,  das  etzlieh  getrunken  knechte  gestern  nackt 
umb  die  elf  ur  unversehentlich  und  über  den  abscheit^  unbewust  der  uber- 
sten  Teltheuptleute,  die  stat  angefallen,  und  im  selbigen  anlauffe  die  knechte 
dorch  die  Inhaber  der  stat  widder  abgeslagen.^ 

')  Das  Schreiben  des  Bischofs  an  die  hessischen  B&te  in  Kassel  giebt 
an,  dafs  die  Zahl  der  gefallenen  und  verwundeten  Knechte  sich  auf  200 
belief^  ebenso  ein  Brief  der  clevischen  Kriegsrftte  (M.  6.-Q.  II,  243).  H. 
Dorp  BL  E3^  der  den  Sturm  zu  Pfingsten  nur  ganz  kurz  berührt,  sagt, 

14 


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504  Anno  1534  acta. 

cum  ex  oppidanis  tantum  Antonius  Guldenarm  et  Henricus 
Merschius  cum  octo  aliis  gregariis  Interierint  \  Si  omnia  simul 
castra  decreto  tempore  omnibus  rebus  paratis  irraptionem  ten- 
tassent,  felicius  res  forte  cessissent. 

Ex  hac  recenti  yictoria  cum  oppidani  feliciter  suarum  vi- 
rium  periculum  fecissent,  audaciores  redditi  multa  in  hostimn 
pemiciem  callide  machinantur.  Frimum  enim  iuxta  portam  Jude- 
feldanam  ex  urbe  per  aggerem  cumulum  agunt  eumque  lignis 
robustioribus  intus,  ne  agger  subsidat,  fulciunt  et  fossam  utram- 
que  ponticulis  iungunt^  Per  haue  viam  hostibus  incognitam 
oppidani  aliquot  animo  quam  viribus  maiores  urbe  exeunt  operas- 
que  inter  se  partiuntur.  AUi  enim  chalybeios  clavos,  alii  ferreos 
maUeos,  alii  grandiores  secures,  alii  strictos  enses,  alii  bipennes 
ferunt  et,  ne  hostis  eorum  adventum  praesentiat,  proni  per  ter- 
ram  usque  ad  hostium  stationem  et  vigilias  diumas  repunt.  IM 
praeter  spem  in  hostium  stationem  diumam  subito  irruunt, 
quosdam  alea  ludentes,  quosdam  potitantes  alindve  praeter  offi- 
cium suum  agentes  inermes  armati  opprimunt  et  eos,  qui  sibi 
fuga  salutem  non  quaesierant,  priusquam  arma  corriperent,  ado- 
riuntur,  sternunt  et  mactant.  Alii  clavos  chalybeios  foraminibus 
parvis  novemdecim  bombardarum  intra  vineas  dispositarum,  per 
qnae^  ignis  inmiittitur,  aptant,  alii  ferreis  malleis  eos,  quanta 
vi  possunt,  adigunt,  alii  rotas  tormentorum  receptaculaque  se- 
curibus  secant  et,  quantum  tempus  patitur,  omnia  frangunt,  cor- 
rumpunt  et  perdunt.  Pulverem  etiam  nitratum  in  magna  copia 
ibi  repertum  passim  per  arenam  spargunt*.   Interea  pervallum 

>)  Ms,:  qnem. 


der  Bischof  „gewan  aber  nichts  denn  eitel  verderben  seines  volcks,  sonder- 
lich der  Meisner,  deren  seer  viel  nmbkamen/ 

^)  Das  berichtet  nur  Eerss.  Im  Gegensatz  dazu  sagt  H.  Gresbeck 
S.  53 :  „. . .  nnd  die  wiederdoepers  lieden  ock  schaden  in  der  stat  und* 
lietten  viel  doden.  Auf  demselven  storm  lietten  die  wiederdoepers  mehr 
fichaden,  dan  sie  lieden  up  dem  lesten  storm.^ 

")  Vgl.  dazu  H.  Gresbeck' 8  Bericht   S.  56 f.  u.  177. 

')  Den  Ausfall  zur  Yemagelung  der  feindlichen  Geschütze  erwähnt 
auch  H.  Gresbeck   S.  52fr.    Ebensowenig  wie  Eerss.  giebt  er  für  den- 


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Anno  1534  acta.  595 

et  propngnacülum  nrbis  bombardae  cancellis  ferreis  e  porticn 
maioris  templi  raptis  et  frastatün  dissectis  gravide  in  hostinm 
adventum  et  perniciem  disponuntur.  Cum  vero  ista  *strages»p.  499. 
per  nnmn  ant  alterum  forte  militem,  qoi  sibi  fuga  salutem 
qnaesierant,  in  castris  nunciaretur,  tota  castrorum  vis  emmpit 
oppidanosqne  persequitar,  sed  propius  ac  intra  bombardarom 
iactnm  bostium  versatam  calliditatem  metuens  progredi  non 
andet.  Cmn  vero  oppidani  bestes  fraudis  ignaros  ad  locnm,  ubi 
pulvis  per  arenam  esset  sparsus,  irritando  perduxissent,  protinns 
ignem  in  pulverem  iaciunt.  Ibi  milites  in  mediis  flammis  stantes 
attoniti  miserrime  ambusti  sunt;  reliqui  vero  milites  tristissimo 
isto  suorum  spectacnlo  territi  subsistunt  ignemque  divinitns  im- 
missum  existimantes  oppidanos  persequi  non  atident,  ne  similis 
sibi  aut  maior  calamitas  contingat.  Castra  itaque  repetunt  suo- 
rum semitostorum  reditum  expectantes.  Oppidani  autem  ridentes 
€t  securi  iam  ab  bostium  persecutione  per  cuniculum,  unde  vene- 
rant,  in  urbem  regrediuntur.  Incomparabilis  fuisset  haec  tor- 
mentorum  iactura,  nisi  cuiusdam  viri  singulari  artificio  ac  agili 


selben  eine  bestimmte  Zeit  an.  Jedenfalls  ist  hier  der  Ausfall  vom  16.  Mai, 
also  zeitlich  vor  der  ersten  mifslungenen  Bestürmung  der  Stadt  gemeint. 
In  einem  Briefe  vom  19.  Mai  melden  die  kölnischen  Eriegsräte  ihrem  Erz- 
bischofe  (Orig.  im  St.-A.  Marburg):  „. . .  am  sampstagh  (16.  Mai)  sindt  die 
von  der  stat  am  Gellerschen  leger  heraus  gefallen,  haben  die  in  der  schantze 
in  die  flucht  gestochen  und  zehen  stuck  buchssen,  darunter  e.  churf.  gn. 
noitslange  ein  waren,  vemegelt  und  sex  par  reder  zum  geschutz  zerheuwen 
imd  den  Guilischen  bussenmeister  erstochen.  Ist  aus  versumnis  geschehen; 
man  wirt  hinfnrter  befs  zusehen."  Vgl.  dazu  das  Schreiben  der  clevischen 
Kriegsräte  an  ihren  Herzog  vom  16.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  234  f.),  nach  welchem 
«m  selben  Tage  von  den  Münsterschen  bei  einem  Ausfall  „etlich  feltge- 
schutz,  nemlich  18  stuck  vemegelt  und  darzu  noch  ein  notschlangen  u.  g^ 
h.  van  Collen  zustendig,  femer  etlich  reder  an  den  wagen  zerhouwen  und 
•das  bulver  by  2  donne  angestochen**  wurde.  Sie  haben  am  16.  Mai,  schreibt 
auch  Eonr.  Hesse  am  18.  Mai  an  die  landgräflichen  Räte  in  Kassel  (M.  G.-Q. 
n,  238),  „11  stucke  buxen  vemagelt,  die  redder  zurhawen,  etlich  bolver 
genomen,  etlich  lot  in  graffen  geworffen  und  domit  wederum  in  ir  gewor- 
sam  gezogen.**  Von  26  vernagelten  Geschützen  hatte  der  Herzog  Ernst 
von  Lüneburg  gehört  (s.  dessen  Brief  vom  29.  Mai  an  den  Kurfürsten 
Johann  Friedrich  von  Sachsen,  M.  G.-Q.  11,  247). 


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596  Anno  1534  acta. 

terebello  reserata  foissent^.  In  hac  expeditione  plorüni  quidem 
milites,  sed  14  oppidani  desiderati  sunt^. 

Qnadraginta  circiter  passns  a  porta  Maaritiana  tnnmlas 
est,  cüi  mola  flatiUs  imposita  erat.  Hunc  retincti  muniunt^ 
nnde  militem  incautom  saepe  ex  insidiis  adoriuntor  et  mactant. 
Miles  vero  frandes  oppidanomm,  qxü  muris  sais  non  content! 
foris  etiam  defensacnla  erexerant,  aegerrüne  ferens  ipsos  inde 
detnrbare  constitait.  Id  cum  magna  vi  tentasset,  post  mnltos 
^^ jimi.r'  tandem  sndores  et  clades  snomm  defensacnlo  potitus  omnes  re- 
tinctos  ibi  repertos  ad  nnmn  tmcidavit^.  Corjtzero,  dnci  mili- 
tnm,  in  hac  oppressione  fortiter  pngnanti  iactns  lapidis  hostili» 
altemm  oculnm  excnssit  Monocnlas  militiae  renunciavit  Bey- 
namque  reversus  reliqnos  vitae  dies  militia  vacans  tranflegit. 
Hnic  antem  Hanso  Teckelenbnrgicas  snccessit. 

Qnotidianam  hanc  militnm  cladem  atqne  has  frandulentaa 
oppidanomm  emptiones  princeps  intolerantissime  fereas  cnm 
militiae  dncibus  singnlis  vero  diebas  non  solnm  de  capiend^ 
nrbe,  verum  etiam  de  petulanti  oppidanorum  audacia  coercenda 
et  publice  et  privatim  consultat.  Aliis  hoc,  aliis  vero  illud  con- 
sulentibus   quidam  miles  nomine  Offerkampius^,   gerrarum  seu 


^)  „Aver  doch,  so  sagen  die  oversten,^  schreiben  die  elegischen 
Eriegsräte  a  a.  0.,  „sie  wellen  die  stuck  von  stand  wieder  ganghafdg^ 
machen  ,,  .^  Und  Herzog  Ernst  yon  Lüneburg  meldete  am  29.  Mai  a.  a.0., 
er  habe  erfahren,  „das  man  dennoch  das  maiste  vom  geschntz,  als  vor^ 
nagelt,  die  znntholler  wider  gemacht^ 

•)  Im  Briefe  der  clevischen  Rate  a.a.O.:  „. . .  und  wie  der  attelerj- 
mester  nnsers  g.  h.  von  Monster  s.  g.  ertzalt,  so  sien  zu  beiden  teilen  zu- 
samen  ungeferlich  bifs  in  30  toten  gebliven,  und  fomemlichen  uls  der  stat 
die  iene,  welche  den  schaden  getan. ^  H.  Gresbeck  S.  52  sagt  nur  in 
Bezug  auf  die  Wiodert&ufer:  „Dair  lieden  sie  viel  doden  over  mit  dem. 
aftoch,  dat  sie  weder  wolden  in  die  stat  trecken.*' 

')  Vgl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  55  und  den  Brief  des  Eonr.  Hesse 
an  die  landgräflichen  B&te  zu  Kassel  vom  23.  Juni  (M.  G.-Q.  II,  255),  aus 
dem  sich  als  Datum  des  Kampfes  der  19.  und  20.  Juni  ergiebt.  H.  Gres- 
beck fugt  seinem  Berichte  hinzu,  dafs  die  Bischöflichen  den  Mühlenberg 
behielten,  „so  langh  als  dat  leger  for  der  stat  was,  wente  dat  sie  die 
blochuiser  mackeden.** 

^)  Zum  Folgenden  vgl.  Job.  Fabricius  Bolandus  BLQ4vu.  Q5. 
Offerkamp  stand  frfiher  in  hessischen  Diensten.  Konr.  Hesse  berichtet  am. 


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Anno  1534  acta.  597 

vineamm  in  castris  Mauritianis  pfaefectus,  novnm  genns  expn- 
gnandi  comminiscitnr,  qao  aliquot  arces,  oppida  et  castra  de- 
yicta  esse  militiae  dncibns  persaadet.  Erigendnm  esse  in  vacnis 
campis  aggerem  emnqne  agricolarum  *opera  panlatim  ad  nrbem  »p.  600. 
agendum,  quo  fossae  impleantur;  ita  fore,  ut  miles  sine  magno 
negotio  scandendi  difficultate  sublata  recta  et  explicata  acie  in 
nrbem  eat.  Hoc  ubi  Offerkampii  consüium  utile  compendium- 
que  belli  futurum  militiae  praefecti  iudicassent,  quamvis  quidam 
contrarium  sentirent,  principis  quoque  auetoritas  facile  impe- 
tratur,  qui  agricolas  dioecesis  ad  operas  futuras  in  catervas  seu 
certas  partes  distribuere  iubet,  ut  catervatim  acciti  et  manticis 
ex  humeris  dependentibus  commeatu  adversus  triduanam  famem 
distentis  muniti  palisque  ad  fodiendum  terramque  coacervandam 
instructi  vicissim  adsint  \   Noctumo  itaque  tempore  inter  portas 


8.  Juni  an  die  landgräflichen  R&te  zu  Eassel  (Orig.  im  St-A.  Marburg): 
jyEs  ist  ejner  genandt  Offerkam,  der  m.  g.  f.  dyner  formals  gewefsen  ist, 
der  dem  schuffenemester  mjt  dem  ejnen  äuge  zu  Cassel  stach,  dar  über 
er  den  hott  zu  der  zeit  muTsen  entloffen,  derselbig  hot  m.  g.  h.  dem  bei- 
schaf  angegeben^  er  wol  ym  eyne  bercke  nach  der  sthadt  graben,  das  er 
jm  lut  zugebe,  die  da  graben.  Das  gescheidt  nu  also/  —  D.  Lilie  S.  222 
führt  an,  dafs  der  Bischof  gegen  Ende  des  Jahres  1533  ,,eine  grote  cor- 
touwen  dorch  einen  Tenler  genant  OfTerkamp  up  dem  Hagenberch  to  Iborch 
leith  gelten,  genant  de  Flegengeist.* 

')  Der  erste  Befehl  des  Bischofs  an  die  Amtleute,  dafOr  Sorge  zu 
tragen,  dafs  sich  Gräber  Tor  Münster  einstellten,  erging  am  3.  Juni  (Kon- 
zept im  St.-A.  M.).  Bereits  am  5.  Juni  melden  die  clevischen  Kriegsräte 
ihrem  Herzoge  (M.  G.-Q.  II,  251):  „das  nu  etlich  anschlege  mit  graven  ge- 
macht und  furgenommen  werden,  dordurch  man  yermeint,  den  ufsersten 
graven  Tor  der  stat  Munster  an  etlichen  orten  zu  füllen  und  den  ufsersten 
Wal  für  das  erst  inzunemen."  Am  7.  Juni  schreiben  sie  (a.  a.  0.  S.  252), 
es  seien  „ungeverlich  bj  den  600  buren  ufs  dissen  landen  hir  gewesen  und 
hayen  heftig  gegraven;  derglichen  sollen  noch  dissen  avent  andere  mehe 
ankomen,  alsso  das  man  verhoft,  das  fiirgenomen  werck,  wie  es  sich  noch 
ertzeigt,  solle  sinen  vortgangk  gewinnen/  Doch  war  der  Zuzug  an  Gräbers 
nicht  den  Wünschen  des  Bischofs  entsprechend  grofs  genug  (so  hatte  sich 
z.  B.  am  6.  Juni  Coesfeld,  am  13.  Juni  Ahlen  geweigert,  Gräber  zu  schicken 
[Originale  im  St.-A.  M.]).  Am  18.  Juni  erging  daher  ein  abermaliger  bi- 
schöflicher £rlafs  an  alle  ÄmÜeute,  sie  sollten  ohne  Säumnis  alle  ihre 
„bevolen  amptz  undersaten  man  by  man,  behalven  dat  de  twe  kotter  den 
derden  steUen  und  uthmaken,   by  hogester  straeff  lyres  und  gudes*  iiur 


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598  Anno  1534  acta. 

Horsthanam  et  Manritianam  ad  iactnm  fere  teli  ab  nrbe  parras 
et  hnmilis  qnidam  agger  erigitnr,  qni  mnltitndine  telluris  et 
agricolamm  assidno  labore  fit  maior  altiorqne.  Disponnntnr 
autem  per  Offerkampinm,  hnias  rei  praefectmn,  agricolae  in  tri- 
plices,  quadruplices,  qnintnplices  aut  plnres,  prent  molis  alti- 
tndo  reqnirebat,  ordines;  atqne  sie  infimi  ordinis  fossores  imam 
terram  a  radice  aggeris  raptam  secnndo  ordini  atqne  ita  dein- 
ceps  inferiores  proximis  semper  snperioribns  adiicinnt.  Snpremns 
vero  ordo  terram  ab  inferioribns  sibi  datam  in*  cacnmen  valli 
transmittnnt,  semper  tarnen  tantnm  aggeris  extantis  pro  se  re- 
tinebant,  qnantnm  ad  tntelam  corpomm  snomm  snfficiebat,  ne 
oppidanomm  iacnlis  sternantnr.  Qnidam  tamen  interdnm  novi- 
tatis  avidi  capita  altins  snpra  valli  cacnmen  exerentes  et  ocnlis 
ad  civitatem  deflexis,  qnid  hostis  agat,  contemplantes  hostilibns 
telis  transfossi  cadnnt.  Oppidani  consilinm  obsidentinm  sen- 
tientes  contra  ingentes  instar  montinm  terreas  moles  erignnt 
easqne  praeacntis  ac  deorsnm  inclinatis  sndibns  ad  arcendnm  ex 
imo  ascensnm  in  cacnmine   foris  snpeme  mnninnt  et  trabibns^ 

»)  fMt  im  Ms. 


Feldlager  vor  Münster  senden  (Konzept  ebendas.).  Nachdem  der  Bischof 
am  4.  Juli  einigen  Amtlenten  angezeigt  hatte,  dafs  etliche  Tausend  Gräber 
aus  dem  Stifte  Osnabrück  vor  Münster  ziehen  würden,  befahl  er  zum  17. 
Juli  über  3000  Bauern  aus  dem  Stifte  Münster  abermals  zu  den  Graben- 
arbeiten für  drei  Wochen.  Schon  am  12.  Juli  konnte  Albrecht  KrengelL 
den  landgr&flichen  R&ten  in  Kassel  melden  (Orig  im  St-A.  Marburg),  »myt 
dem  graben  . . .  geitz  myt  allen  krafften  voirthan  in  gantzer  vertroistynge» 
. . .  damyt  ...  die  graben  an  der  stadt  myt  den  wellen  aUszambt  zo  ver- 
gleichen und  alszo  straecks  dar  ober  in  de  stadt  zo  faUen  und  damyt  zo 
eroeberen.^  Weiter  schreibt  Herzog  Ernst  von  Braunschweig-Lüneburg  an 
den  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  am  22.  Juli  (M.  G.-Q.  11^ 
264),  es  seien  „dag  und  nach  3000  bauren,  die  grabben,  und  main  diener 
saget  mir,  das  sie  des  dages  ungeferlig  ainen  schuech  rucken  mit  der  erden; 
achtet  vor  Michelis  die  grebben  nich  gewuellet."  —  Ernstlichem  Wider- 
stände begegneten  die  Befehle  des  Bischofs  auf  Stellung  von  Gräbern  nur 
im  Amte  Yechta,  wo  es  im  Juli  zu  einer  förmlichen  Verschwörung  der 
Bauern  kam,  die  aber  rechtzeitig  durch  die  Energie  des  Bischofs  unter- 
drückt wurde.  Vgl.  dazu  die  Ausführungen  von  C.  A.  Cornelius  in  den 
yMittheilungen  d.  bist  Vereins  zu  Osnabrück**  3.  Jahrg.  (Osnabrück  18ö3> 
8.  54  ff.    S.  auch  weiter  unten  zum  Februar  1635. 


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Anno  1534  acta.  599 

lapideis  statnis  a  sarcophagis  e  tempUs  passim  raptis  ^  ita  intns 
infeme  fnlciunt,  nt  meatas  et  cnnicnli  subtns  relinquantur.  Sic 
autem  istae  moles  prominent,  sie  extant,  sie  extra  onmes  muni- 
tiones  excnrnmt,  nt  oppidani  missilibns  omnem  vim  hostinm 
etiam  a  fossis  prioribns  &cile  arcere  qneant.  Improbo  tarnen 
labore,  qno  magna  aestatis  pars  transigitnr,  agger  Offerkampii 
ad  priores  fossas  volvitnr,  supremnsque  agricolarum  ordo  tellurem 
in  fossas  praecipitat.  Qnam  rem  oppidani  dissimnlanter  aliqnan- 
din  sustinneront,  ut  sua  quiete  bestes  propins  snb  telomm 
*iactum  allicerent.  Cum  vero  eam  ininriam  diutius  sibi  non  fe-*p.  501. 
rendam  esse  existimarent,  primnm  ex  adverso  Offerkampiano 
aggeri  ballistas  erignnt,  qnibus  magnam  saepe  silicnm  copiam 
exentiont  et  superne  in  agrieolas  spargnnt,  inde  ex  transversis 
propngnacnlis  et  moUbDs  reeens  extmctis  tanta  mnltitudine  tela 
iacinnt,  nt  in  aggere  consistendi  potestas  sit  nnlli,  neque  nllom 
fere  iacnlnm  ex  locis  editioribns  missum  irritnm  fait^  Aliis 
igitnr  interemptis,  aliis  vulneratis,  aliis  vero  ex  novo  opere  de- 
torbatis  consilinm  Offerkampii  non  solnm  fmctu  caruit,  verum 
etiam  agrieolas  immensis  laboribus  et  sumptibus  attrivit  pluri- 
misque  intemecionem  attulit'  et  pratorum  dominia  confudit. 
üt  autem  certa  ratio  exeubias  agendi  in  urbe  habeatur^  seni- 
ores  13.  lunii  eonmiuni  eonsilio  senes,  ludimagistros^  sarcina- is- Ji>^* 


»)  Vgl.  anch  oben  S.  554.  —  «)  Vgl.  dazu  den  Bericht  H.  Gree- 
beck's  S.  56f.  Uebor  einen  erfolglosen  Ausfall  der  Belagerten  am  7. 
Jnni,  mn  die  Arbeiten  der  Gräber  zn  verhindern,  schreiben  die  clevischen 
Rfite  an  demselben  Tage  (M.  G.-Q.  II,  252). 

')  Seine  Schildemng  der  Ergebnislosigkeit  des  Offerkamp'schen  Unter- 
nehmens schliefst  D.  Lilie  S.  240  mit  den  Worten:  ^Hefft  en  nicht  vele 
bathe  gedain ;  wante  darbinnen  höhende  boven  gewest  sin,  de  meisterliken 
in  dem  krigeshandel  vorfaren,  also  dat  men  enne  dat  to  moste  geven,  so 
se  eine  rechtverdige  sake  hedden  vorgehadt,  men  solde  se  altosamende 
vor  allen  krigesluden  gekronet  unde  to  ridder  gesclagen  hebben  . .  .** 

*)  Zu  den  allgemeinen  Verordnungen  der  Aeltesten  über  die  Wache 
vergl.  oben  S.  582  Art.  4  u.  5  und  S.  583  Art.  9  u.  10. 

*)  lieber  die  Schulen  berichtet  H.  Gresbeck  S.  47:  „Sie  hebben 
eck  vief  ofte  seess  scholen  upgeschlagen  in  der  stat  Üair  lereden  die 
kinder  und  die  iungen  und  medekens.  Dieselve  meisten  leren  die  duitsche 
sahnen,  schriven  und  lesen,  AI  dat  gene,  dat  sie  lerden,  datselve  was  al 
Ton  der  dope  und  na  irer  weise  . .  .^ 


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600  Anno  1534  acta. 

tores,  febros  tarn  lignarios  quam  ferrarios,  sutore»»,  coriarios, 
piscatores,  pistores,  cenrisiae  coctores,  lanios  et  eos,  qnibns  pnbli- 
comm  mnnemm  administratio  commissa  est,  vigilandi  onere  exi- 
mnnt  ac  liberant.  Die  vero  17.  lunii  qnatuor  chirurgos  yuI- 
neribns  cnrandis  experientissimos  delignnt,  sdlicet  Nicolanm 
Lutzenburgum,  Albertum  Snecanum,  Conradnm  Noestium  et  Mat- 
thiam  luliacum,  qni  communicato  inter  se  consüio  et  mntna 
opera  vnlneratomm  caram  agant.  Ea  tarnen  sanciis  libertas 
relinqnitur,  ut,  qnoscunque  chirurgos  velint,  sibi  poscant*. 

Princeps  praeter  opinionem  suam  bellum  illud  prorogari 
aerariumque  suum  diuturna  obsidione  exhauriri  animadvertit. 
Proinde  Coloniensis  et  luliaci  principum  praesidia  primum  sibi 
imploranda  esse  censet.  Qui  cum  ipsi  partim  rerum  suarum, 
16.  Juni,  partim  principis  nostri  causa  ad  1 6.  diem  lunii  comitia  habituri 
Novesium  convenerant,  legatio  quoque  Monasteriensis  eo  mittitur. 
Nam  princeps  ipse  difficillime  obsidioni  abesse  potuit*.  Huius 
legationis  haec  sunt  summa '*^:  Cum  duobus  vicinis  principibus, 
Coloniensi  et  luliaco,  ibi  praesentibus  nomine  sui  principis  pro 
favore,  studio,  consüio  et  benevolentia  gratias  quam  officiosissime 
egisset,  ipsis  ex  variis  scriptis  diversaque  legatione  sine  dubio 
constare  ait,  qua  necessitate  inevitabili  princeps  suns  Monasteri- 
ensis adactus  se  contra  detentores  urbis  Monasteriensis  et  hor- 
rendam,    sceleratam,   impiam,    seditiosam  ac  violentam   eorum 

a)  Ms.:  suturos. 


')  Beide  Verordnungen  sind  nur  von  Kerss.  überliefert  und  woM 
derselben  Quelle  entnommen,  aus  der  er  oben  die  Bestimmungen  der 
Aeltesten  mitteilte. 

*)  Hier  zum  ersten  Male  berührt  Kerss.  wieder  die  Beziehungen  des 
Bischofs  zu  Köln  und  Cleve.  Vgl.  die  Einleitung  und  oben  S.  529  Anm.  1 
und  S.  591  Anm.  4.  Nach  dem  mifslungenen  Sturme  auf  Münster  am  25. 
Mai  hatte  der  Bischof  bereits  am  2.  Juni  beide  Fürsten  um  eine  neue  Zu- 
sammenkunft zu  Keufs  gebeten,  die  ihm  auch  bewilligt  wurde.  Aus  dem 
Abschiede  des  2.  Tages  zu  Neufs  vom  20.  Juni  (abgedr.  von  L.  Keller: 
G.  d.  W.  S.  317  ff.)  wissen  wir,  dafs  Bischof  Franz  neben  dem  Erzbischofe 
und  dem  Herzoge  persönlich  zu  Neufs  zugegen  war.  Die  Unterhandlungen 
begannen  danach  am  16.  Juni. 

')  Das  Folgende  ist  Wiedergabe  der  bischöflichen  Instruktion  zum 
zweiten  Tage  zu  Neufs  (Kopie  im  St.-A.  M.). 


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Anno  1534  acta.  601 

sectam  et  doctrinam  armaverit  ac  civitatem  necessaria  obsi^dione  »p.  502. 
armata  manu  cinxerit  sperans  ipsos,  nbi  propositom  principis 
serium  animadvertissent,  a  coeptis  snis  impiis  ac  riolentis  re- 
soltaros,  caecitatem  et  seditionem  depositnros,  pemiciem  et  inter- 
necionem  a  se,  a  coningibns  et  liberis  suis,  ab  ans  focisque  et 
a  tota  denique  urbe  amoturos.  Sed  cum  ipsi  tanquam  seducti 
et  excaecati  seditiosi  ac  violenti  invasores  et  grassatores  Dei  et 
omnis  honestatis  christianaeque  pietatis  prorsus  obliti  in  suis 
coeptis  pertinaciter  perseverarent  neque  in  minimo  resipiscerent, 
principem  suum  ducum  militiae  et  consiliariorum  vicinorum 
principum  in  castris  praesentium  voluntate,  consilio  et  hortatu 
urbem  tormentis  ad  faturam  oppugnationem  concussisse  omnia- 
que  ita  ad  eam  rem  necessaria  comparasse,  ut  expugnationem 
eins  praesidio  Dei  futuram  non  diffideret,  nisi  strategema  et 
propositum  de  invadenda  urbe  consilium  turbatum  fuisset,  ut  a 
transfdgis  postea  cognitum  faerit.  Per  militum  ergo  quorundam 
inobedientiam,  temulentiam  et  contumaciam  tempus  impressionis 
praestitutum  negligentium  expugnationem  impeditam  esse,  quo- 
rum  protervia  princeps  praeter  colpam  et  opinionem  suam  non 
exigua  militum  clade  affectus,  victoria  spoliatus  et  in  hunc  usque 
diem  delusus  sit.  Hac  strage  milites  ita  deterritos  esse  \  ut,  nisi 
interior  urbis  fossa  oppleatur,  ad  oppugnationem  non  possfnt» 
denuo  induci.  Cum  itaque  civitas  Monasteriensis  et  natura  loci 
et  hominum  industria  ita  fossis,  muris,  aggeribus  et  propugna- 
culis  diversis  sit  munita,  ita  intus  bombardis,  tormentis,  armis 
aliisque  machinis  ad  defensionem  pertinentibus  instructa,  ita 
muri,  turres,  portae  et  propugnacula  tormentis  deiecta  erecta, 
restituta  et  reparata  sint,  ut  milites  ab  eorum  oppugnatione  de- 
terreantur,  principem  suum  cum  dioecesanis  aliisque  aliunde 
transmissis  consiUariis  ac  militiae  praesidibus  accuratius  super 
hac  re  consultando  depreh^ndisse  se  suis  viribus  ac  opibus  haue 

>)  M8,:  possunt. 


')  In  der  Instraktion  heifst  es:  „und  sind  dorch  snlcken  nnfall  de 
knecht  in  enen  wederwiUen  und  moeterie  gefallen.'  Ueber  Meutereien  der 
Landsknechte  vgl.  das  Schreiben  der  clevischen  Rftte  an  ihren  Herzog  vom 
28.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  245  f.). 


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602  Anno  1534  acta. 

dnram  et  difficilem  obsidionem  sine  yicinonun  principnm  ac 
amicomm  ope  et  praesldio  dintius  perferre  nullo  modo  posse. 
Si  vero  deserenda  sit  nrbs,  seditiosi  relinquendi,  impii  tolerandi, 
ünmensi  smnptns  sine  frncta  perdendi,  primnm  milites,  hinc 
agricolas  circnmquaque,  inde  oppida  et  nrbes  totins  dioecesis, 
hinc  vicinas  qoasqne  regiones  eadem  impnnitatis  spe  et  fidncia 
*p.  503.  ad  se  allectaros,  allectas  iisdem  impieta^tibns  involntas  secnm 
in  minam  et  perniciem  praecipitatnros  multarumqüe  calami- 
tatnm  anctores  fdtnros  totamqne  deniqne  Gennaniam  insigni 
aliqoa  clade  affectnros  omnesqne  principes  pertorbaturos.  Ne 
antem  tantae  calamitatis  initinm,  si  res  in  deterins  vergat  (qnod 
Dens  avertat)  a  principe  sno  profectnm  esse  existimetnr  neve 
snae  negligentiae  qnicqnam  asscribatnr,  qnasi  rem  pericnlis  ple- 
nam  principibns  vicinis  non  manifestaverit,  sed  magno  eomm 
malo  ipsos  celaverit  neqne  ab  iisdem  praesidinm  flagitaverit, 
ideo  prineipem  snnm  utrosqne,  et  Coloniensem  et  Inliacnm,  qnam 
familiarissime  obsecrare,  at  pericnla  fatnra  in  infandas  clades 
ex  hnins  sectae  impnnitate  emptnras  eo,  qno  yaleant,  ingenio 
et  indicio  secom  ezpendant  et  sibi  dioecesiqne  sno  consilio  in- 
signiqne  aliqna  ope  et  praesidio  matnre  snccnrrant,  nt  impietate 
et  rebellione  oppressis  Monasterienses  ad  avitam  pietatem  et 
pristinam  obedientiam  revocentnr  ac  a  vicinis  nationibns  cala- 
mitas  et  eversio  avertatur.  Si  quid  homm  impetratnm  faerit, 
prineipem  sunm  snmmo  stndio  smnmaqae  volnntate  gratias  ac- 
tnmm  et  sno  tempore  aliqna  ex  parte  relatnmm. 

Post  deliberationem  brevem  Coloniensis  et  Inliacas  respon- 
dent  per  oratorem*:  Se  Monasteriensem  praesnlem  et  foederi» 
et  vicinitatis  nomine  maxime  in  hac  cansa  instissima  neqne  con- 
siliis  neqne  ope  neqne  opibns  praesidiisve  snis  nnqnam  deser- 
tnros,  sed,  si  ipsi  molestnm  non  esse  videatnr,  obsidionis  im- 
pensas  in  parte  aliqna  latnros,  et  se  simnl  pro  stipendiis  fntnri 
mensis  in  praesidinm  snscepti  belli  qnadraginta  florenomm  Bhe- 


')  Den  Abschied  des  zweiten  Tages  zn  Neufs  vom  20.  Jnni  (nach 
dem  Orig.  im  St.-A.  M.  abgedruckt  von  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  317 ff.) 
hat  Eerss.  nicht  benutzt,  wohl  aber  den  Entwurf  zur  Verständigung  (Kopie 
im  St.-A.  M.),  der  zwischen  Köln  und  Oleve  yereinbart  war  und  dann  dem 
Bischöfe  von  Münster  zur  Rück&ufserung  vorgelegt  wurde. 


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Anno  1534  acta.  60a 

nensinm  millia  ad  comparandum  pnlyerem  tormentarinm  con- 
tribntnros  \  ea  tarnen  lege,  nt  Monasteriensis  princeps  cum  dioe- 
cesi  sna  tarn  pro  sorte  quam  pensionibns  persolvendis  se  obli- 
gent.  Pro  ista  benevolentia  et  decreto  legati  nomine  sni  prin- 
cipis  totinsqne  Monasteriensis  dioecesis  gratias  agnnt  quam  maxi- 
mas ;  sed,  qnid  fatnram  sit  quaeve  nltioris  praesidii  spes  expec- 
tanda  sit,  si  Intra  istnm  mensem  nrbe  non  potiatnr,  inquinmt 
rogantqne  principes,  ut  hac  in  re  animos  snos,  ne  novis  con- 
yentionibns  onerentnr,  ntrinque,  quid  factari  sint,  declarent.  Ad 
quae  principes:  Se  consnlere,  nt  Westphalicae  provinciae  statns, 
quem  circnlum  vnlgo  vocant,  ad  anxilinm  ferendnm,  sicnt  in 
principnm  imperii  comitiis  convenit,  soUicitentnr ';  a  qnibns  si 
praesidium  negetnr,  *se  Monasteriensi  non  defntaros.  Praeterea*p.  504. 
ad  militarem   disciplinam  conservandam,  et  ne  qnid,    qnod  ad 


')  Kens,  giebt  die  Abmachung  nur  nnyollst&ndig.  Genauer  wird 
zonftchst  vereinbart,  „dath  jder  furst  ein  maenth  lanck  veer  dusent  tzolde 
to  nnderholdinge  der  knechte  wil  daerstrecken,  dar  to  dnsent  greyer  be- 
tzolden,  und  dat  gelikermathe  van  mjnen  g.  h.  van  Munster  vortgefaren 
werde;  weren  in  summa  12000  tzolde.  To  dem  vor  noittroftich  erwegen  . . . 
dat  10000  golt  gülden  van  allen  dren  fursten,  pulver  daer  mede  upt  for- 
derligeste  to  bekommen,  uthgelacht  werden,  de  gerorte  hulp  jderen  forsten 
tor  maent  helopen  wolde  20000  gülden/  Vgl.  dazu  den  ersten  Abschnitt 
des  Abschiedes  a.  a.  0.,  der  diese  Bestimmung  aufrecht  erh&lt.  Doch  wird 
hinzugefügt,  wenn  innerhalb  des  nächsten  Monats  die  Stadt  nicht  erobert 
werde,  so  solle  der  Bischof  mit  den  Seinen  den  folgenden  Monat  das  Eriegs- 
volk  allein  besolden,  sowie  für  Pulver  und  den  sonstigen  Bedarf  Sorge 
üragen.  Sei  Münster  auch  dann  noch  nicht  gefallen,  so  hoffen  Köln  und 
Cleve,  nach  Beratung  mit  ihren  Jjandständen  dem  Bischöfe  „nach  noittroft 
und  raith  des  obirsten  velthauptmans  und  kriegsrethe  mit  mehr  und  groisser 
hulf  zu  stuir  und  troist  zu  kumen.' 

*)  Mit  Hinweis  auf  den  Reichstagsabschied  von  Speier  vom  Jahre 
1528  hatte  der  Bischof  schon  am  29.  M&rz  den  Herzog  Johann  von  Cleve 
gebeten,  die  Hülfe  des  westfälischen  Kreises  gegen  Münster  in  Anspruch 
zu  nehmen  (Orig.  im  St.-A.  Düsseldorf^  abgedruckt  nach  dem  Konzept  im 
St-A.  M.  bei  L.  Keller;  G.  d.  W.  S.  313  f.).  Genauer  ist  in  den  von 
Kerss.  benutzten  Verhandlungen,  wie  auch  im  Abschiede,  von  einem  aber- 
maligen Hülfsgesuch  an  den  westfälischen  Kreis  die  Bede.  Eine  erste- 
Anlforderung  zur  Hülfe  war  den  Kreisständen  bereits  im  April  zugegangen 
(Akten  darüber  im  St.-A.  Düsseldorf^  niederrhein.-westfäl.  Kreisarchiv,  Kriegs- 
handlungen Saec.  16  Nr.  3). 


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604  Anno  1534  acta. 

l)ellüm  pertineat,  desideretul:  i,  consnlitur,  nt  commnni  hornm 
trium  principnm  consilio  et  anctoritate  vir  rei  bellicae  peritissi- 
mns,  qai  toti  militiae  praesit,  designetnr,  cni  a  singnlis  hisce 
principibns  duo  consilii  cansa  in  rebus  difficilibns  et  ardnis 
-adhibeantnr '.  Ad  haec,  cum  in  castris  et  tanta  militum  col- 
lurie  enormia  saepe  flagitia  committantur,  quibus  Dens  graviter 
offensus  yictoriam  aut  differat  aut  magna  cum  castrensium  clade 
ad  bestes  transferat,  constituitur  ab  iisdem  principibns,  ut  Mona- 
steriensis  huius  rei  curam  accurate  suscipiat,  ne  pietas  et  mili- 
taris  disciplina  castra  destituant^  Haec  omnia  Monasteriensem 
principem  facturum  legati  recipiunt  ac  spondent*. 

Bemardus  Buxtorpius^,  homo  andacissimus,    solus  saepe 
urbe  egressus  et  triplici  cbjrrobombarda  munitus  semper  fere  a 


')  „Als  dusse  zake  und  handel  sich  etligermathen  verwylet  und  men 
•dar  yn  better  versehonge  hedde  doin  mögen  . . .,"  heifst  es  in  der  Verhandlung. 

*)  So  die  Verhandlung.  Der  Abschied  aber  bestimmt,  dafs  Bischof 
Franz  zwar  oberster  Feldhauptmann  sein  solle;  doch  „damit  dan  sein  f.  g. 
der  muhe  und  arbeit  etwas  erlichtert  werde,  ^  so  wurden  ihm  neben  den 
bereits  auf  dem  ersten  Tage  zu  Neufs  gesetzten  drei  kölnischen  und  drei 
clevischen  Kriegsräten  jetzt  noch  von  Seiten  Kölns  und  Cleves  gemeinsam 
Graf  Wilhelm  von  Nassau,  von  Seiten  Kölns  allein  Graf  Wilhelm  von 
Neuenahr  und  von  Seiten  Cleves  allein  Graf  Wirich  von  Dhaun  als  weitere 
Kriegsräte  zugeordnet,  mit  deren  Zuthun  und  Rat  „aUe  Sachen  der  itzigen 
belegerung  und  was  zu  eroberung  der  stadt  Munster  dienlich  sein  mach, 
und  nichts  on  dicselbigen,  beraitschlagt,  gehandelt  und  ufs  geheisch  und 
bevel  derselbigen  ufgericht  werden  soll." 

*)  In  der  Verhandlung  lautet  der  Beschlufs:  „dat  durch  de  oversten 
ein  insehens  gescheen  möge,  zulcke  misbruck  und  Unwesen  in  betheronge 
gericht  und  affgestalt  werde  . .  .'*'  Nähere  Bestimmungen  enthält  der  Ab- 
schied a.  a.  0.  S.  320. 

*)  So  weit  die  Verhandlungen.  Die  letzte  sehr  wichtige  Bestim- 
mung des  Abschiedes,  die  aber  in  den  Verhandlungen  nicht  berührt  ist, 
war  die,  dafs  der  Bischof  ohne  Vorwissen  und  Bewilligung  der  Fürsten 
von  Köln  und  Clevo  „sich  mit  keiner  anderen  potentaten,  fürsten  odir 
Staude  in  eyniche  underhandlung  des  stifts  Munster  halb  in  ander  hende 
zu  stellen  . . .  begeven  odir  inlassen,  vil  minder  ubirgeben  suUen."  üeber 
Annäherungen  des  Bischofs  an  Spanien-Burgund  schon  seit  einiger  Zeit  vgL 
L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  248  ff.  —  Der  Abschied  zu  Neufs  vom  20.  Juni 
wurde  am  10.  August  von  den  sämtlichen  Münsterschen  Landständen  rati- 
fiziert (Orig.  im  St.-A.  M.). 

^)  Das  Folgende  ist  nur  von  Kerss.  überliefert. 


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Anno  1Ö34  acta.  60ä 

meridie  hostes  bene  potos  in  se  proYocabat,  qui,  cum  potn  ad 
perseqaendum  hostem  andaciores  redderentur  et  imprudentius 
agerent,  a  Boxtorpio  sobrio  stemebantor.  Nee  nllum  intermisit 
fere  diem,  qnin  aliquot  milites  transfigeret.  Ubi  vero  multos 
in  se  irruentes  cemeret,  per  clandestinos  meatus  viasque  hosti- 
bu8  ignotas  sese  subduxit  et  periculum  eyasit.  Hinc  bombardae 
aliquot  majores  in  exmi  locum,  quo  prostrata  cadavera  iacuerant, 
disponuntur,  quibus  milites  cadaverum  sepulturae  operam  dantea 
imprudentes  traiiciuntur. 

Nux  etiam  fuit  iuzta  murum  in  pomerio  inter  portas 
Horsthanam  et  Mauritianam  altissima  undique  densis  frondibus 
dependentibusque  foliis  tecta,  in  cuius  ramis  firmioribus  ex  ta- 
bnlis  roboreis  fit  receptaculum,  unde  plurimi  milites  iaculis 
transfossi  exanimantur.  Quam  fraudem  miles  aliquandiu  non 
animadyertit,  cum  fumus  tormentarius  ob  foliorum  ac  frondium 
densitatem  subito  evolare  non  queat.  Tandem  tamen  accuratius 
intuentibus  dolus  proditur.  Maioribus  itaque  bombardis  iacu- 
lator  iste  Joannes  Nochleus  claudus  ita  cum  propugnaculo  suo 
deturbatur,  ut  postea  non  apparuerit. 

Non  solum  autem  viri  in  pemiciem  obsidentium  et  suonua 
hostium,  yerum  etiam  mulieres  varias  fraudes  et  circumyeniendi 
dolos  comminiscuntur.  Nam  Hilla,  Pbeiconis  filia,  Verdi,  in  pago 
non  ignobili  inter  Lewardiam  et  Snecam,  nata*,  mulier  *eximia*p.  506w 
pulchritudine  et  placidis  moribus^  cum  forte  audisset  in  con- 
cione  publica  luditb  occiso  Holopheme  Betuliam,  Israelitarum 
oppidum,  ab  obsidione  liberasse,  magna  ad  simile  faciuus  perpe- 
trandum  inflammatur  cupiditate,  atque  huius  rei  cogitatio  adeo 
in  pectus  mulieris  descendit,  adeo  radices  in  ea  agit,  ut  nihil 
aliud  et  noctu  et  interdiu  agitaret,  imo  nihil  aliud  somniaret, 
quam  mortem  principis  et  liberationem  urbis  \  neque  in  se  eam 


')  Die  Angabeu  eatnimmt  Kens,  den  Geständnissen  Hille  Feiken's 
vom  26.  Juni  (al»gedr.  bei  J.  Niesert:  U.-&  I.  S.  40 ff.). 

*)  H.  Gresbeclt  S.  4ö  sagt  von  ilor,  sie  »was  noch  ein  ionck 
sonderlich  koennes  mensck." 

»)  Ans  dem  Bekenntnisse  Hille's  Tom  27.  Joni  (s.  J.  Niesert  a.a.O. 
S.  44),  in  dem  es  heilst:  „Item  se  hebbe  dach  ader  nacht  gyn  rast  no<^ 
xonwe  kennen  hebn  und  ay  yn  eren  gemothe  so  yelveWich  besiwert  worden, 
Jndytz  werk  t'doen  . .  .* 


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«06  Anno  1534  acta. 

cogitationem  minni,  sed  augeri  in  dies  sentit,  nnde  coelitus  se 
tigitari  non  dabitabat.  Qnare  ei  rei  conficiendae  totam  se  dedit 
atqne  nnam  et  alteram  einsdem  patriae  feminam  primnm,  deinde 
Bokelsonem  prophetam  et  Enipperdollingam  in  consilium  ad- 
hibet,  a  qnibns  ita  precibus  precioqae  incitatnr,  ita  nominis  ac 
famae  aetemitate  animatnr,  nt  de  felici  rei  saccessn  non  dnbi- 
taret  et  tarn  certam  sibi  poUiceretur  victoriam  tamqne  flrmam 
«tragis  episcopalis  fatnrae  fiduciam  conciperet,  nt  se  animo  per- 
fecisse,  qnod  restabat  agendnm,  sibi  persnaderet^  Qnid  mnltis? 
Mnliebri  vestitn   pervennsto  se  ornat  nativaeque  formae  splen- 


')  Hille  sagt  aus  a.a.O.,  dafe  sie  „uthgegaen  als  Judith,  den  bischop 
tho  Munster  tom  teken  Holofemus  to  maken,"  und  dafs  sie  diese  Absicht 
„ersten  ener  £rouwen  uth  Hollant  fkennen  gegeven,  de  er  gesacht,  dat  ze 
sick  selvest  daer  in  proye,  daema  den  Propheten  und  Enipperdollinck  und 
noch  enen,  den  ze  nicht  to  nomen  weet,  de  ze  daer  to  geretzet.**  Den  letzten 
Satz  legt  Kerss.  so  aus,  als  sei  HiUe  in  ihrem  Vorhaben  durch  Johann 
Y.  Leiden  u.  s.  w.  bestärkt  worden.  Doch  ist  der  Satz  auch  so  zu  verstehen, 
dafs  Hille  Johann  und  die  Anderen  bestimmte,  ihr  Vorhaben  zuzulassen. 
Das  bestätigen  auch  mehrere  Wiedertäuferverhöre.  Im  October  1534  be- 
kennt Dion.  Vinne  (M.  G.-Q.  11,275),  Hille  „sy  in  Knipperdollinges 
huse  gewest  und  den  uthtoich  gebeden,  damit  se  de  fursten  umb- 
bringen  mochte.'  Joh.  Eloprifs  sagt  am  29.  Jan.  1535  ans  (J.  Niesert: 
U.-S.  I.  S.  132):  „Die  Judith  zuege  wider  irer  aller  raat  uss  eige- 
nem gemuet  uss,  den  bischof  umzubrengen.'^  Johann  v.  Leiden  gesteht 
am  20.  Jan.  (M.  G.-Q.  II,  402) :  „Hille  Feichen  hait  er  nit  uTsgesant,  umb 
den  bisschof  zu  erwürgen,  dan  sie  hait  das  selbs  vurgegeven  und 
begert,  wiewal  der  konningh  und  anderen  dar  widder  gewest 
und  es  für  eine  phantasei  gehalten.*'  EnipperdoUing  behauptet 
im  Verhör  vom  20.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  404),  Hille  habe  bereits  Jan 
Matthys  mitgeteilt,  „die  Vader  het  er  in  iren  sin  gesant,  das  sie  doen  solt 
Als  Judith.*^  Unbestinmit  sind  die  Aussagen  Gottfried  Stralen's  (J.  Nie- 
sert a.  a.  0.  S.  59)  und  Beruh.  Krechting's  (M.  G.-Q.  II,  406).  Der  Dar- 
stellung H.  Gresbeck's  S.45,  D.  Lilie' s  S.  243  und  der  Bischofschronik 
(M.  G.-Q.  I,  335),  als  sei  der  Plan  zur  Ermordung  des  Bischofs  von  den. 
Führern  der  Wiedertäufer  ausgegangen,  widersprechen  die  eigenen  Geständ- 
nisse Hille's  und  die  der  angeführten  Wiedertäufer.  D.  Lilie  ordnet  das 
Unternehmen  Hille's  aufserdem  chronologisch  falsch  ein,  indem  er  es  in 
die  Zeit  nach  der  Erhebung  Johannas  v.  Leiden  zum  König  setzt,  ebenso 
Joh.  F a b r i c i u s  B o  1  a n d u s  Bl.  X  3,  der  das  Ereignis  unmittelbar  vor  der 
Eroberung  der  Stadt  geschehen  sein  läfst.  Ihm  folgt  Herm.  Hamel- 
mann  S.  1277  fit 


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Anno  1534  acta.  607 

dorem  arte  excolit;  inde  in  coriam  graphiariam  admittitnr,  nbi 
non  solmn  pnblicns  civitatis  census,  vemm  etiam  omninm  priva- 
tornm  atqne  egressomm  civiam  pecnniae,  virginnm  matronamm- 
qne  ornamenta  congesta  asseirabantnr  \  ut  tantum  anri  argenti- 
qne,  quantum  volet,  capiat;  et  annolomm  aureomm,  qnomm 
magna  ibi  copia  erat,  datar  illi  electio.  lila  vero  spiritu  sno 
vetante  nihil  honun  appetit,  sed  com  a  EnipperdolUngo  moltis 
modis  ad  ea  inyitaretnr,  tandem  daodecim  florenos  pro  viatico 
et  tres  annulos,  qnorom  dao  gemmas  inclnsas  habebant,  sibi 
dari  poscitl  lUa  etiam  indusimn  ex  tennissimo  lino  insigni 
arte  a  se  elaboratmn  ac  praesentissimo  veneno  imbutnm  muneris 
loco  adornat,  qno  episcopum  eins  rei  ignarum  eztingaat'.  Ita 
exornata  et  exitiali  mnnere  instmcta  16.  Innii  in  crepnsculo  le.  Jani. 
matntino  urbe  egreditar,  continno  a  miUtibns  capitur,  capta 
Telgetnm  ad  Theodoricnm  a  Mervelt,  satrapam  Woltbecannm, 
abducitur,  qni  pecnnia,  annnlis  anreis  aliisqne  omamentis  cn- 
stodiae  fortassis  cansa  ad  se  tradnctis  ^  ipsam  rogat,  qnae  causa 
Sit,  qnod  hisce  pericnlosissimis  temporibos  relicta  patria  sna 
Monasterinm  sit  ingressa,  et  cur  nnnc  religionis  snsceptae  per- 
taesa  snos  deserat?  Bespondet^:  Se  maritnm  sanm  triginta  iam 


*)  Vgl.  oben  S.  561  f.  —  ')  HiUe  bekennt  am  27.  Juni,  „Knipper- 
doUinck  hebbe  er  gelt  nnd  temnge  gegeven.'  Anf  die  Frage,  wie  viel 
Kleinodien  und  Geld  sie  bei  sich  gehabt,  antwortet  sie:  „Dat  wette  ze 
nicht,  wo  Tele  des  geldes  gewest  . . .  Der  rynge  ys  dre  gewest,  twe  mjt 
steynen,  ein  sunder  steTn.**  Enipperdolling  gesteht  (M.  G.-Q.  II,  404),  ihr 
12  Gulden  und  2  goldene  Ringe  gegeben  zu  haben.  —  YergL  auch  Joh. 
Fabricius  Bolandus  a.a.O. 

')  Vgl.  D.  Lilie  a.a.O.:  „Dit  wiff  hefiFt  ein  hemmet  gehadt,  kost- 
liken  mit  golde  dorchgetogen  unde  gesticket,  dar  inwendige  in  dem  kragen 
des  hemmedes  venin  gelacht  so  behendeliken,  dat  men  des  nicht  mercken 
kondo.''  Sonst  ist  in  keiner  Quelle  von  einem  vergifteten  Hemde  die  Rede. 
Eerss.  und  D.  Lilie  haben  als  gemeinsame  Quelle,  wie  ich  annehme,  einen 
Bericht,  der  auf  Aussagen  Herm.  Ramert's  zurückgeht.  Vgl.  die  Einleitung. 
Von  der  Absicht,  den  Bischof  durch  Gift  ums  Leben  zu  bringen,  spricht 
übrigens  noch  H.  Gresbeck  S.  45  und  die  Bischofschronik  (M.G.-Q.  1,335). 

*)  Die  Kleinodien  und  das  Geld  „hebbe  de  droste  tor  Wolbecke 
bynnen  Telgeth  van  er  genommen''  sagt  Hille  aus. 

')  In  den  folgenden  Angaben  schreibt  Kerss.  zum  Teile  die  Bekennt- 
nisse Hille's  aus.  Vgl.  weiter  die  Darstellungen  bei  D.  Lilie  und  Joh. 
Fabricius  Bolandus  a.a.O. 


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608  Anno  1534  acta. 

*p.  506.  annos  natam,  *cui  citra  snorom  arbi triam  nupserit,  evangelii 
causa  Monasterium  profectmn  secutam  esse.  Nunc  yero,  cum 
se  falsa  pietatis  et  religionis  specle  decipi  et  assiduis  in  con- 
gerenda  terra  laboribus  in  civitate  defatigari  animadverterit 
neque,  quem  inde  tandem  fructum  habitura  sit,  intellexerit,  se 
marito  iubente  urbe  excessisse,  pro  quo  etiam  tanquam  innoxio 
et  principis  commodum  ex  animo  quaerente  tutum  exeundi  com* 
meatum  se  impetraturam  non  ambigat,  maxime  si  salutaria  ein- 
tatis  potiundae  consilia  admiserit  seque  coram  clementer  audire 
dignatus  fuerit.  Se  candido  isto  munere,  etsi  perexiguo  et  prin- 
cipe indlgno,  candorem  animi  et  manuum  suarum  experimentum 
declaraturam.  Ad  principis  colloquium  se  saltem  admitti  postulat, 
si  sine  vulnere,  sine  sanguine,  sine  militum  suorum  clade  urbe 
potiri  contendant  Maritum  suum  inter  proceres  civitatis  ver- 
sari  \  quotidianis  consiliis  interesse,  arcana  audire  et  intelligere, 
unde  oertam  urbis  potiundae  rationem  apud  se  conceperit  £t 
cum  son  tarn  munus  quam  omamenta  corporis,  quibus  formae 
nitorem  auxerat,  satrapae  suspecta  esse  coepissent,  cur  ita  compta 
exisset,  inquirit.  At  illa  respondet:  se  occasione  solitudinis  et 
mariti  in  ea  parte  urbis  vigilias  habentis  consilio  praesidioque 
adiutam  omnia  ista  sublata  sibi  reditionis  spe  secum  extulisse. 
Persuadet  haec  satrapae;  et  parum  abfuit,  quin  eam  ad  episco- 
pum  transmisissent,  nisi  Hermannus  Samers,  civis  bonestus,  qui 
anabaptisticae  factioni  minime  addictus,  sed  ut  uxorem,  liberos 
et  bona  sua  praesens  a  retinctorum  rapina  tueretur,  in  urbe 
manserat,  cum  ludith  personatam  interemendi  principem  con- 
silio exivisse  intelligeret  (ea  enim  fama  per  hominum  ora  in 
urbe  vagatur),  omnibus  intra  muros  relictis  et  solius  liberationi 
principis  intentus  in  summum  se  yitae  discrimen  coniicit  et 
(19.)  Jmü.  quaesita  sibi  conmioda  occasione  18.  die  lunii*  urbe  elapsus  ab 


^)  „Er  Maxm  sy  mjrt  Heren  Bernde  und  Enipperdollinck  ym  raide 
gewest,'  bekennt  Hille,  „ze  hebbe  avers  an  den  wall  und  anders,  gelich 
anderen  megeden  und  firouwespersonen,  gearbeidet** 

*)  Nach  einem  gleich  weiter  unten  auch  von  Eerss.  angeführten 
Schreiben  des  in  Münster  gefangenen  Landsknechtes  Caspar  Marschaick 
an  seine  Genossen  vor  Münster  (M.  G.-Q.  II,  254  f.)  am  19.  JunL  Herrn. 
Bamert  war  unter  der  Zahl  deijenigen,  die  am  26.  Mai  152Ö  vom  Münsterschen 


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Anno  1534  acta.  609 

hostibüs  capitur;  et  cum  ad  militiae  dnces  pertraheretnr  can- 
samque  effugii  dicere  iussus  esset,  ille:  continuo  se  in  principis 
gratiam,  cni  praesens  et  certnm  exitinm  paratum  esse  sciat,  nrbe 
egressnm  esse  dielt.  Emissam  enim  esse  intra  bidunm  noiulierem 
a  retinctis,  quae  exitiali  munere  saluti  principis  insidiaretur. 
!Ne  itaque  ferant,  ut  illa  ad  principem  admittatnr;  illam  enim 
esse  vaferrimam,  tectis  fraadibus  instrnctissimam  et  eloqnentia 
vix  habere  parem.  Quae  antem  de  commeatn  pro  marito  *suo*p.  507. 
a  principe  impetrando  dixerit,  cnm  maritum  in  nrbe  non  habeat, 
omnia  esse  vana,  efficta  et  ementita.  Dnbinm  proinde  non  esse, 
si  ad  principem  admissa  faerit,  qnin  ipsnm  mnnere,  qnod  secnm 
gerit,  veneno  efficacissimo  imbuto  incantum  extinguat.  Hac  re 
duces  vehementer  exterriti  captivum,  si  vera  referat,  bene  spe- 
rare  inbent  et  snblata  omni  mora  satrapae  Woltbecano  aliisqne 
consiliariis  haec  nunciant.  Qni  veneficam  in  ipsa  cnria  oppidi 
arctiori  custodia  servantes  ipsam  ex  vinculis  adhibitis  tormentis 
vemm  dicere  cogont.  Dia  impatiens  cruciatus  continno  fatetnr  ^ : 
Se  Snecae,  in  oppido  HoUandico,  super  agnitionem  fidei  snae, 
qnam  praecedere  oporteat,  retinctam  et  novo  foederi  initiatam 
esse,  ideoqne  se  suis  sine  salntis  dispendio  deesse  non  potoisse; 
se  exemplo  Indith  a  spiritn  Dei  et  EnipperdoUingo  aliisqne  piis 
yiris  mnltis  modis  exagitatam,  nt  yenenifero  isto  mnnere  epi- 
scopnm  extinguat  nrbemque  ab  obsidione  tyrannica  liberet;  qnod 
officium  si  recusasset  et  snggestioni  Spiritus  reliquommque  pro- 
phetarum  reluctata  fnisset,  Deum  offendisset^  Sibi  ergo  satius 
esse  in  manus  impiorum  hominum,  quam  iudicium  Dei  incidere. 


Stadtrat  in  das  Fraterhaus  entsendet  wurden,  nm  den  Brüdern  ihre  Ein- 
nahmeregister  und  Handwerkzenge  abzufordern  (vergl.  oben  S.  131).  In 
seinem  Hause  hat  sich  Johann  v.  Leiden  w&hrend  seiner  ersten  Anwesenheit 
in  Münster  bis  zum  25.  Juli  1533  aufgehalten  (s.  oben  S.  412). 

^)  Kerss.  benutzt  im  Folgenden  das  peinliche  Bekenntnis  Hille's 
Yom  27.  Juni  und  behält  die  Aufreizimg  durch  Enipperdolling  und  Andere 
bei.  Auf  die  Frage:  „an  wem  ze  gewiseth,  to  eren  vomemen  behulplich 
t'syn/  sagt  sie:  „Nemantz,  dan  alleine  geluckes  und  ungeluckes  to  ge> 
warden;  zy  ock  willich  tho  liden,  wat  er  overkome." 

*)  „Hedde  ze  dat  nicht  gedaen,  ze  hedde  Got  darmedde  vertoemt»^ 
sagt  Hüle  aus. 

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610  Anno  1534  acta. 

Qnicqnid  sibi  poenamm  eo  nomine  irrogatnm  fnerit,  se  pro  gloria 
Del  et  salnte  animae  saae  aeqno  anüno  latoram^. 

Haec  ubl  princeps  accepisset,  Bamemm  conseiratorem  vitae 
snae  agnoscit  ideoqne  ipsnm  loco  beneficii  non  solum  e  yincnlis 
laxare  inbet,  vermn  etiam  nxorem  liberosqne  anabaptismi  in- 
famia  liberat  tutosqne  in  expngnatione  pronunciat.  Yenefica  vero 
Bevergernam  transvecta  mnnere  flamma  prins  exnsto  capite  prae- 
ciso  rotae  imponitnr,  qnamvis  magnam  sibi  mortis  secnritatem 
polliceri  aasa  fnerit  camificemqne  nihil  in  se  inris  habitnmm 
pnblice  dixerit.  Qna  re  intellecta  camifex  tanta  vi  tantoqne  nisn 
fermm  in  eam  strinxit,  qnasi  non  moUem  feminae  cervicem,  sed 
annosam  qnercnm  praecideret^ 

Caspar  Marschalcos,  miles  gregarins,  cnm  in  conflictati- 
nncnla  qnadam  se  adversns  oppidanos  fortiter  defenderet,  mnlti- 
tndine  tandem  hostinm  circnmdatns,  oppressns  et  graviter  vnl- 
neratns  in  nrbem  abdnctns  est^.    Inde  cnm  ad  libertatem  pri- 

si.  Jani.  stinam  aspiraret,  21.  Innii  ex  snggestione  qnornndam  oppida- 
nornm  ad  Hansonem  Poeckinm,  dncem  snnm,  ad  Symonem  Pflo- 

•p.  508.  chinm,  signifemm,  aliosqne  *decnriones  et  gregarios  milites 
scripsit*:  se  misere  captnm  in  nrbe  detineri  neqne  liberari  posse, 
nisi  Hermannns  Bamerns  pro  commntatione  in  nrbem  remittatnr. 
Hnic  enim  oppidani  infensissimi  erant  ea  maxime  de  cansa»  qnod 
et  a  se  transfngerat  et  principi  consilinm  subomatae  Indith  pro- 
diderat;   itaqne   enndem  ad  poenam   reposcebant.    Bespondent 

28.  Juoi.  23.  Innii  ^:    Se  anctore   principe  omnia,    qnae  ad   liberationem 


*)  „Eth  solle  ze  g3merley  van  dem  waerde  Götz  und  erer  seien 
zelicheit  dringen,  pyne  ader  doeth;  jedoch  offt  ze  waerynne  errede,  wil 
ze  sick  gerne  myt  dem  waerde  Götz  underwisen  laten.' 

^)  Aehnlich  Joh.  Fabricias  Bolandus  Bl.  X4.  Yergl.  anch  H. 
Gresbeck  S.  45f.  Kach  D.  Lilie  S.  245  fand  die  Hinrichtung  auf 
dem  Galgenberge  bei  Bevergem  Statt. 

')  Am  20.  Juni.  Vgl.  den  gleich  von  Eerss.  angeführten  Brief  Caspar 
Marschalck's.  —  *)  Orig.  im  St.-A.  M.  Abgedr.  M.  G.-Q.  II,  254  f.  Das 
Schreiben  trägt  als  Datum  „den  mandach,  21.  Junii  1534/  doch  fiel  der 
21.  Juni  auf  einen  Sonntag. 

*)  Orig.  im  St.-A.  M.  Der  Brief  hat  als  Unterschrift:  „Albrecht  von 
Polszick,  hoepmann,  ...  Hans  Poock,  hoepmann,  Symon  Ploch,  venrych, 
und  ander  bevelsluede  und  lantzknechte  ytzundt  vor  Munster.** 


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Anno  1534  acta.  611 

commilitonis  pertineant,  actnros.  Principeni  autem  consultnm 
respondisse,  si  per  commntationem  alterins  gregarii  aut  sünilis 
militis  ant  pro  tolerabili  pecnnia  redimi  queat,  se  iUi  non  de- 
futnmm;  Hermannom  vero  Bamemm,  cum  gratiam  delicti  im- 
petraverit,  se  non  remissnram  in  urbem;  se  qnoqne  similem 
gratiam  üs  factumm,  qni  intra  breve  tempus  eam  petentes  nrbe 
excesserint  *.  Principem  et  se  non  diffidere,  etiamsi  Bamems 
pro  liberatione  commilitonis  non  dedatnr,  quin  hostes  hnmani- 
tatis  officia  militari  more  capto  sint  exhibitori,  donec  per  com- 
mntationem captivomm  oppidanorum  relaxetnr,  qnod  breri  fu- 
tnmm  sperent*.    Liberatnr  tandem  nnins  mensis  stipendio. 

Seniores  ergo,  ne  quis  oppidanorum  captivitatis  pericnlmn 
incidat,  23.  Innii  constitnnnt  *,  ne  qnis  Israhelitamm  sine  pe-  is.  Juni, 
cnliari  Dei  admonitn  et  instinctn  in  hostes  irmat;  se  qnidem 
nihil  homm  sine  nmnine  divino  per  prophetae  oracnlum  prodito 
factnros,  proinde  se  qnoqne  neminem  ad  id  invitatnros.  Si  vero 
qnis  sna  sponte  in  hostes  nrbe  exierit,  se  neqne  snasores  neqne 
dissnasores  fore.  Hinc  23.  Innii  iidem  seniores  decemnnt,  ne 
nlli  possessio  domns  diaconis  non  anctoribns  tradatnr,  ne  in- 
dignis  habitatio  tribnatnr,  nt  singulomm  Israelitamm  ntilitas 
et  diaconomm  potestas  illaesa  conservetnr^ 


^)  Im  Schreiben:  „Avers  zo  Herman  Rammert  up  s.  f.  g.  gnedige 
schrifft  imde  vertroistunge  unlanges  bynnen  Munster  geschickt  . . .  nth 
Mnnfter  gowccken  und  gnade  begert,  sodano  geldve  und  begnadynge  zolle 
em,  ock  allen  den  gennen,  de  sick  doch  yn  geringen  dagen  gelickfals  er- 
tzeigen,  vestlich  geholden  werden.** 

')  Im  Briefe  heifst  es  nur:  „Unde  willen  uns  ock  daerumme  gens- 
ligen  yerseen,  de  van  Munster  werden  sick  daerentbaven  an  jnw  mit  der 
daeth  yn  faer  juwes  leventz  nicht  strecken/ 

*)  Nur  durch  Eerss.  überliefert.  —  *)  Auch  diese  Verfügung  der 
Aeltesten  überliefert  nur  Eerss.  In  der  „Ordnung**  heifst  ein  Satz:  „Die 
heuser,  die  darinnen  seind,  haben  sie  geport;  wellicher  in  ainem  bösen 
haufs  war,  der  bütt  die  Diacon,  die  weisen  in  ein  bessers.**  Gegen  das 
Ende  zu  sagt  die  „Ordnung**,  man  habe  in  Münster  die  Absicht  gehabt, 
die  Häuser  zu  verlosen.  Mit  dem  ausgelosten  Hause  müsse  Jeder  zufrieden 
sein.  Wenn  Jemandem  ein  leeres  Haus  zufalle,  „dann  so  bitt  er  die  Diacon, 
die  müssen  in  zu  aller  notturfft  geben,  was  er  behebt.**  Ueber  den  Woh- 
nungstausch vergl.  auch  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  97  f. 

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612  Anno  1534  acta. 

28.  .Juni.  Die  Solis,   quae  fuit  28.  lunii,  Gerardns  Smokerus^  Ty- 

mannus  Groninganns,  Georgias  Stinthins,  Otto  Swollanns  et 
Heino  Balderenus,  miütes  oppidanornm,  in  aedibns  Eberardi 
Beymensnjderi  nltra  tempns  iostom  consederant  potitantes,  qnare 
hospes  ipsos  obinrgat  domoqne  egressus  cervisiam  promi  vetai 
Ideoqne  nxorem  adorinntur,  quae  et  ipsa  sese  snbdncit.  Con- 
yersi  itaqne  ad  ÜEimiliam:  „Gnni,^  inquit  Smokerus,  „yestalis  et 
yelata  illa  meretriz  discesserit^  (nxorem  Beimensnideri  intelli- 

•p.  509.  gens),  „tn  *prome  cervisiam,  nisi  capnt  tibi  pocnlo  stanneo  minni 
velis!^  Inde  famnlnm  intervenientem  ad  promendnm  adigunt. 
Die  vero:  „Fratres,"  inquit,  „christiani,  non  est  aequum  neque 
christianos  homines  decet  ita  potitare,  ita  creatura  Dei  abuti, 
quasi  ad  perdendam  eam  sitis  nati.  Scriptum  est  enim:  ebriosi 
non  habent  partem  in  regno  Dei^^  Ad  quae  Smokerus:  „Omissa 
ista  concione  cervisiam  e  cellario  deprome,  nisi  cantharo  craneum 
tuum  fundi  malis!^  Famulus  sibi  metuens  domo  flens  egreditur. 
Itaque  Baldenerus  ^  cervisiae  xmam  mensuram  e  cella  adfert.  In- 
terea  hospes  domum  reversus:  „Itane,  fratres,"  inquit,  „iura  ho- 
spitii  in  libera  civitate  violatis?"    Bespondent:  „Tu  verbero  ac 


')  Es  ist  Gerhard  Münster  mit  dem  Beinamen  „de  Smocker,*'  der, 
wie  Eerss.  oben  S.  524  berichtete,  Yom  Bischöfe  zum  Hauptmann  des  Fufs- 
volkes  angeworben  war  (Notiz  über  seine  Annahme  yom  4.  April  im  St-A. 
M.)  und  später  zu  den  Münsterschen  überlief.  Das  schon  oben  a.  a.  0. 
Anm.  5  angeführte  Schreiben  der  clevischen  Kriegsr&te  an  ihren  Herzog 
vom  16.  Mai  (M.  G.-Q.  11,  234)  läfst  es  noch  unbestinmit,  ob  Smocker 
Ueberläufer  gewesen  oder  yon  den  Münsterem  gefangen  genommen  worden 
sei.  Ein  auf  Betreiben  des  Bischofs  Franz  vorgenommenes  Verhör  mit 
einem  gewissen  Krehan,  der  von  Smocker  den  Befehl  zur  Anwerbung  von 
Knechten  erhalten  hatte  (Orig.  der  Geständnisse  Erehan's  vom  5.  Juni  im 
St.-A.  M.),  macht  die  Desertion  wahrscheinlich,  denn  Smocker  sagt  darin, 
als  er  von  Krehan  erfährt,  dafs  derselbe  von  dem  Hauptmanne  Joh.  Hake 
in  des  Bischofs  Namen  3  Gulden  erhalten  habe:  „Ich  wold,  dat  du  gein 
gelt  entfangen  bettest,  und  dat  wy  beide  bynnen  Munster  weren.*' 
—  Zum  Folgenden  vergl.  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  36  ff.,  der  aber 
kein  Datum  nennt  und  keine  Namen  aufser  dem  Smocker's  („Gert  Smoester, 
und  was  in  der  stat  gefangen  und  was  für  der  stat  in  dem  belech  gewesen 
ein  hauptman').  Nach  ihm  hatten  10  oder  20  Landsknechte  das  Gelage 
gehalten.  Von  ihnen  wurden  6  ihrer  Ausschreitungen  wegen  mit  dem  Tode 
bestraft.  —  *)  1  Cor.  6,  10,  —  •)  So  im  Ms. 


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Anno  1534  acta.  613 

trifdrcifer,  satis  diu  has  aedes  rexisti!  Cmn  omnia  nobis  sint 
commnnia,  regendi  vices  penes  te  non  erunt!"  Qnerelam  huins 
yiolenti  facinoris  Beimensniderns  ad  seniores  et  patres  nrbis 
defert,  qnoram  inssn  continuo  capiuntur  et  ultima  lunii  in  pn-  so.  Juni. 
blico  indicio  morti  adindicantnr.  Fnit  antem  novom  hoc  et 
exemplo  carens  snpplicii  genns.  Nam  in  campo  dominico  a  tilia 
ibi  nata  nnmella  yersatilis  dependet.  Hnic  singnli  ex  ordine 
coUa  sna  insemnt  atqne  ita  religati  tormentis  ab  astantibns 
traiicinntnr  vitamqne  miseris  modis  fininnt.  Nee  deerant  iaca- 
latores  in  necem  miserorum  parati.  Nam  cum  propheta  crnento 
isti  spectaculo  astans  acceptissimnm  hnnc  Patri  coelesti  diceret, 
cnins  prima  mann  flagitia  e  medio  Israelis  toUantur^  certatim 
tiliae  alligatos  sphaemlis  bombardicis  perforant.  Hoc  novo  snp- 
plicii genere  ita  oppidani  in  officio  coercentnr,  nt  contra  decreta 
seniomm  et  prophetae  ne  mntire  quidem  andeant. 

Scriptum  privatum  Gtermanicis  rythmis  incerto  auctore  confectum 
et  Monasterio  eiectum*,  cnins  haec  epigraphe: 

„Militibns  omnibnsque  candidis  Monasterinm  obsidentibns 
S.!  Dens  omnipotens,  omninm  rerum  initium,  snggerat  mihi 
mentemqne  meam  iUnstret,  nt  vos  induratos  et  excaecatos  ho- 
mines  ita  meis  scriptis  commoveam,  ne  in  tam  crudeli  tyrannide 
perseveretis.  *Si  Denm  verbnmqne  illius  perseqnimini,  vestri*p.  510. 
conatns  emnt  irriti  et  inanes.  Sed  illud  non  tam  vobis  sangni- 
nariis  canibns,  sed  illis,  qni  vos  aliter  docerent,  imputandum 
est.  Hnins  rei  episcopus  vester  dnx  est,  qni  vos  ad  eam  tyran- 
nidem  exercendam  invitat.  Hnic  armatam  vestram  operam  ad- 
dixistis,  quem  anargymm  esse  scitis  \  Stipendium  enim  vestmm 


*)  Den  Ausspruch  „Wer  nu  Gott  ein  dienst  thun  wil,  der  thu  den 
«rsten  schofs"  legt  auch  H.  Dorp  BL  E4^  dem  Propheten  in  den  Mund, 
aber  erst  bei  Bestrafung  der  an  dem  weiter  unten  yon  Kerss.  geschilderten 
Mollenheckeschen  Aufstand  beteiligten  Burger. 

*)  Das  deutsche  Gedicht  ist  bis  heute  noch  nicht  aufgefunden. 

')  Der  Drost  £.  v.  d.  Recke  zu  Hamm  hatte  schon  am  14.  April 
dem  Herzog  von  Cleve  Mitteilung  gemacht,  wie  Georg  Tilmans,  ein  Bürger 
in  Hamm,  einem  Landsknechte  auf  dessen  Erklärung,  dem  Bischöfe  zu- 
ziehen zu  wollen,  zugerufen  habe:  „Wat  wultu  dem  amechtigen,  luzigen 
bischope  deinen?    De  en  heft  gin  gelde!"*    (M.  G.-Q.  11,  227  f.).    Auf  die 


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614  Anno  1534  acta. 

a  msticis,  sacerdotibus  et  civibns  extorqnet   Sl  episcopns  vester 

bonnm  pastorem  ageret,  yerbnm  Dei  maiori  studio  amplecteretnr; 

si  evangelicam  et  scripturam   sacram  accnratius  evolyeret,   ad 

alind  bellnin  se  armaret.    Yidistisne  unqnam  talem  principem, 

qxd  sine  publica  belli  denunciatione  bella  gesserit?  Verbum  Dei 

se  defensurum  promisit;   an  illud  faciat,  facta  declarant.   Acta 

Apostolonun  perlegat,  unde  deprehendet  Deum  baptismum,  uti 

a  nobis  usurpatur,   instituisse   omniaque  bona  fore  commuma 

edixisse  \  quam  doctrinam  nos  quoque  amplexati  sumus.    Et  ox- 

periemur,   quid  ille  et  vos  adversus  nos  facere  possitis.    Ignis 

coelestis  vos  eiuret,   priusquam  verbum  Dei  se  a  Yobis  concul- 

cari  patietur.    Nonne  Paulum  coeleste   Mgur  perstrinxit  et  ad 

terram  deiecit,  cum  cbristianos  et  verbum  Dei  satis  arroganter 

et  süperbe  persequeretur?    Proinde  admonitionem  admittite  et 

ezpendite,   adversus  quem  certamen  susceperitis !    Christus  est» 

quem  oppugnatis,  dominus  super  omnes  principes.    lUius  prae- 

sidio  confidentes  nos  defendemus ;  etiamsi  numerum  arenae  maris 

exuperaveritis,  nihilominus  adversus  vos  sanguinarios  et  rabidos 

canes  persistet  Dominus  et  minas   vestras  ridebit.    Haec  verba 

penetralia  cordis  vestri   tangant,  et  accnratius   apud  vos  consi- 

derate,   anne  vos  diaboli  mancipia  contra  Deum  in  proelia  de- 

scendatis.   Heu,  ad  quam  caecitatem  vos  sanguinarii  canes  deve- 

nistis,  ut  Deum  verbumque  illius  profligare  audeatis !   Cur  ama- 

rulentis  bis  dictis  per  contemptum  nos  exagitatis  et  frequentibus 

vociferationibus  lacessitis :  „Pater,  spiritns  mens  appetit  camem 

tuam!^^?    Si  exacte  vobis  omnia  nostra  opera  essent   cognita» 

inomutatis  verbis  haec  pronunciaretis.   Sed  fugitivi  cives  de  nobia 

haec  sparserunt  vobisque  vera  esse  persuaserunt.   Bogate  Deum 

et  flagitia  vestra  agnoscite  et  erudimini  scriptura  sacra;  quam 

si  non  intelligitis,   huc  ad  nos  concedite!    Nos,  si  vos  dociles 

*p.  511.  praebueritis,   scripturam  ad  *amussim   explicabimus.     Si  vera 

interpretatio  nostra  non  placuerit,  illud  nobis  neque  commodabit 

neque  incommodabit.    Liberum  a  nobis  quocunque  tempore  com- 

meatum  recedendi  impetrabitis,   neque  enim  vos  invitos  retine- 


Geldnot  des  Bischofs  hat  Eerss.  schon  oben  S.  551  KnipperdoUing  in  seiner 
gTO&en  Bede  zu  Beginn  der  Belagerang  hinweisen  lassen. 

*)  Anspielung  auf  AcU  Apost  2, 38  n.  2, 44 1  —  «)  Vgl  oben  S.  589. 


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Anno  1534  acta.  Clö 

bimns.  Scimns  vobis  persnasum  esse  patrem  cnm  filia,  matrem 
cum  filio,  fratrem  cum  sorore  apnd  nos  misceri^  Talia  men- 
dacia  fagitivi  homines  in  nos  impudenter  confinxemnt,  qnomm 
608  adhnc  pndebit,  cum  tanqnam  Sodomitae  .et  Gomorraei  piceis 
flammis  peribunt.  De  nostris  ininriis  sibi  iUatis  gravissime,  sed 
praeter  meritnm  apnd  yos  qnemntnr.  Admonnimns  eos  solnm, 
ut  yerbnm  Dei  amplecterentnr;  sed  se  admoneri  non  snnt  passi, 
relictis  onmibns  instar  rabidomm  cannm  magno  sno  malo  nrbe 
excesserunt.  Neqne  tarnen  ipsos,  si  ad  nos  reversi  Patris  nostram- 
qne  doctrinam  amplexi  faerint,  repellemns.  Haec  animo  benigno 
penitins  revolvite  et  hnc  ad  nos  concedite,  nbi  spiritn  et  gratia 
Dei  collnstrati  veram  verbi  agnitionem  conseqnamini!  Yos  nihil 
praeter  pecnniae  vocem  somniatis  nihilqne  praeter  pecnniam 
mnltis  vociferationibns  in  castris  iteratis.  Apnd  nos  vero  ex- 
cellentiora  mnnera  vos  manent;  verbnm  Dei,  qnod  tnrpiter  ne- 
gligitis,  stipendinm  erit  yestrnm.  A  vita  christiana  mores  alienos 
deponite,  ebrietates,  fomicationes,  idolornm  cnltnm  et  in  Denm 
blasphemiam  fngite!  Saepe  ad  nos  mittitis  vires  bonos,  qni  de 
moribns  et  vita  vestra  qnidqne  in  animo  habeatis,  certiores  nos 
reddnnt.  Cnr  non  eandem  viam  ingredimini?  Nam  diligentibns 
Denm  portae  nostrae  patebnnt;  pro  hostibns  vero  nostris  ex 
calce  et  pice  fercnlnm  miscuimus,  quo  in  oppngnatione  ipsos 
cibabimns  et  ad  satietatem  nsqne  ora  eomm  implebimns.  Ad- 
versus  vestrum  diabolum  ipsiusque  matrem,  adversus  Babyloni- 
cam  meretricem,  adversus  volantem  spiritum,  adversus  serpentem 


*)  So  sagt  auch  die  nach  dem  Beginn  der  Belagerung  nnd  vor  der 
Einführung  der  Vielweiberei  abgefafste  Münstersche  Parteischrift  „Beken- 
tones  des  globens  und  Icbens  der  gemein  Christe  zu  Monster''  (M.  G.-Q. 
II,  459):  „Wir  heren,  das  man  uns  auch  . ..  zumifst,  das  wir  salten  Pla- 
tonisch oder  Nickelamchs  weise  der  frawen  gemein  haben  undcr  einander 
mit  YÜ  undugenden  stucken,  als  ob  wir  kein  underscheid  der  per- 
sonen  plutsYorwantschaft  solden  halden.  Aber  dis  ist... 
aler  ding  erstuncken  und  erlogen  ...  Mit  den  graden  der 
magschaften  holden  wir,  als  di  schrift  dorvon  helt  Levit.  18. 
Weliche  persehonen,  die  Got  yerpeit,  diselben  lossen  wir 
ach  nit  zu,  dorzu  wo  sosten  einiche  ergernos  von  kommen 
und  erwachsen  mecht."  Vgl.  auch  die  Verordnungen  der  Aeltesten 
oben  8.  580,  Abschnitt  6. 


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616  Anno  1534  acta. 

SwoUanmn^,  adversns  mortarios,  falconetas  aliaqae  eins  generis 
tormenta  qnam  plnrima  praesidio  Altissimi  ntemnr.  Plnribns 
Yobiscnm  agerQ^l,  si  tempns  snperesset.  Has  autem  literas  Dei 
amatoribns  mitto ;  pertinaces  yero  contemno,  donec  verbnm  Dei 
ferre  discant.  Qnotqnot  bona  operantnr,  mala  aversantnr,  qnot- 
qnot  spretis  hnmanis  constitntionibns  fidnciam  snam  in  solnm 
•p.  512.  Deum  collocant,  conditori  omninm  in  perpetnnm  sint  *com- 
mendati.^ 

His  aliisqne  et  pnblicis  et  privatis  scriptis  oppidani  mnl- 
tornm  militnm  in  castris  Misnensium  favorem  sibi  comparant 
et  in  snam  sententiam  etiam  pertrahnnt,  nt  nefas  esse  pntarent 
adversns  christianos  et  Deo  dilectos  evangelicos  arma  movere*. 


')  Namen  einiger  bei  der  Belagerung  verwendeten  Geschütze,  üeber 
das  Yom  Landgrafen  von  Hessen  gesandte  Geschütz  „der  Tenfel  und  seine 
Mutter''  sowie  über  die  ZwoUcsche  Schlange  vgl.  oben  S.  529,  über  den 
^Fliegengeist"  I).  Lilie  S.  222. 

')  Ganz  allgemein  sagt  H.  Gresbeck  S.  53:  „Und  et  was  nummer 
dagh,  dair  qwemen  lansknecht  in  die  stat."  —  Schon  am  5.  Juni  berichtete 
Konr.  Hesse  den  landgr&flichen  R&ten  in  Kassel  (M.  G.-Q.  II,  249),  man 
erzähle,  dafs  seit  dem  verunglückten  Sturme  über  hundert  Knechte  in  die 
Stadt  gefallen  seien.  „Es  stellen  seich,"  fügt  er  hinzu,  „auch  veil  knecht 
vom  hoffen  en weich,  die  seich  besorgen,  sei  müssen  weidderum  dran  . .  . 
Und  wan  der  beischaf  sei  nit  so  hart  mit  eiden  und  plichten  verfasset  het, 
werre  zu  besorgen,  das  der  merrenteil  die  stunt  der  kncclit  van  im  abge- 
zogen wcrrc."  Ein  Knecht  des  Meifsenschen  Lagers,  der  am  Beginn  der 
Belagerung  von  den  Münsterem  gefangen  genonmien,  am  4.  Juni  aber 
wieder  aus  der  Stadt  entwichen  war,  zeigt  freilich  an,  dafs  nicht  über  200 
Landsknechte  nach  Münster  entlaufen  seien;  „und  dwil  innen,"  fährt  er 
fort,  „nit  mehe  dor  binnen  gegeven  wurt,  dan  notdürftige  undcrhaltung 
mit  essen,  drincken  und  kleidung,  so  selten  sie  wol  gern  widder  heruTs 
fallen,  wan  sie  dorften  und  kunten.  Dan  die  burger  die  vertraweten  inen 
nichts"  (Brief  der  clevischen  Kriegsräte  vom  7.  Juni;  M.  G.-Q.  II,  252). 
Doch  schon  am  23.  Juni  schreibt  Konr.  Hesse  abermals  nach  Kassel  (a.  a.  0. 
255):  „Der  hoff  van  den  knechten  weirt  klein,  dan  es  stellen  seich  feil 
heimlichen  enweck  ...  Es  werden  auch  eitzunder  etzliche  vam  adel  der 
Meifsener  auch  enweck  zcien."  Ebenso  am  27.  Juni  (a.  a.  0.  263) :  „Die 
knechte  versteln  seich  hei  sere  enweck.  Der  beisschaf  lest  uf  sei  streffen." 
Die  UnZuverlässigkeit  der  Knechte  speziell  im  Meifsenschen  Lager  erwähnt 
D.  Lilie  S.  229  f.,  doch  setzt  er  S.  241  die  Massenflucht  derselben  fälsch- 
lich in  die  Zeit  kurz  vor  dem  zweiten  Sturm  auf  die  Stadt  am  Ende  August. 


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Anno  1534  acta.  617 

Quorum  etiam  dnx  Albertus  Beltzins  saepe  ant  privata  colloqnla 
CTun  hoste  miscere  ant  pnemm  secretorum  consiliomm  indicem 
in  nrbem  mittere  et  cnm  oppidanis  coUndere  solebat  ^  Proinde 
magna  Misnenslnm  mnltitndo,  cnm  pridie  eins  diel  Integra  sti- 
pendii  militaris  solntio  sibi  facta  fnisset  et  princeps  nondnm 
ipsos  remisso  militari  sacramento  exanctorasset,  desertis  castris 
sine  legitima  cansa  ultima  Innii  intempesta  nocte  clancnlum  ab  30.  Juni. 
hoste  secednnt.  Continno  Bemardus  de  Westerholt,  magister 
«quitum,  cum  sno  equitatu  principis  iussu  persequitur,  cui  etiam 
permittitur,  ut  7  ant  8  praecipua  eomm  capita  decollentur,  aliis 
dno  digiti  e  deitra  manu  praecidantur  *.  Hos  cum  equitatus 
non  procul  ab  oppido  Sendenhorst  in  villa  lungemanni  asse- 
queretur  et  villam,  in  quam  se  receperant,  undique  fossa  vepri- 
busque  munitam  et  repagulo  ligneo  clausam  alüsque  mnnitioni- 
bus  tumultuario  labore,  ut  tempus  ferebat,  excitatis  firmatam 
ipsosque  desertores  et  fugitivos  bombardis  alüsque  armis  ad  im- 
pressionem  equitatus  repellendam  instructos  ac  in  acie  stantes 
cemeret,  mox  Theodoricus  de  Eeke",  vir  fortis  et  animosus, 
Theodoricum  de  Beke^,  canonicum  templi  maioris  Monasteriensis, 
flanguine  sibi  innctum  et  aeque  animosum  ac  aciei  primae  com- 


')  Dafs  Albrecht  v.  Beltzigk  wiederholt  mit  den  Inhabern  Münsters 
verhandelte,  beweisen  die  Briefe  der  Münsterer  an  ihn  nnd  den  Haupt- 
mann Georg  V.  Wulframsdorf  vom  20.  und  22.  Mai  (abgedr.  M.  G.-Q.  II, 
239  ff.).  Dafür  aber,  dafs  Beltzigk  verräterische  Absichten  hegte,  bieten 
•die  sonstigen  Qnellen  keinen  Anhalt.  Vielmehr  spricht  dagegen  direkt  das 
Bekenntnis  KnipperdoUing's  vom  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q.  II,  377),  nach 
dem  Beltzigk  einmal  bei  einer  Zusammenkunft  vor  dem  Stadtthor  mit 
KnipperdoUing  diesen  hat  bestimmen  wollen,  von  seinem  Vornehmen  abzu- 
stehen und  sich  nicht  also  verleiten  zu  lassen.  Vgl.  auch  Enipperdolling^s 
Aussagen  bei  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  187. 

*)  Dieses  und  die  folgenden  Einzelheiten  berichtet  nur  Kerss.  In 
•den  Akten  des  St.-A.  M.  liegt  das  Original  eines  bischöflichen  Befehles  vom 
30.  Juni  an^Bemh.  v.  Westerholt  vor.  Es  heifst  darin:  „. ..  dat  du  dy 
tor  stundt  myt  allen  dynen  ruteren,  myt  hovethamssche  unde  spiefsen  er- 
hevest  und  to  twcn  uren  namiddage  gewislich  tor  Wolbecke  erschinest  . . . 
und  ock  etlige  ruter  daerto  verordenest,  de  de  gefangen  knechte  tor 
Wolbecke  uth  dem  lande  brengen  und  wysen." 

")  Aus  der  Linie  zu  Senden. 

*)  Aus  der  Linie  zu  Heessen.  VergL  C.  u.  0.  v.  d.  Recke:  Gesch. 
der  Herren  v.  d.  Recke  (Breslau  1878)  S.  126  f.  u.  147. 


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618  Anno  1534  ad;a. 

militonem  assciscit.  Hi  simnl  repagnlo  cardinibns  eiecto  conci- 
tatis  eqnis  in  hostem  aliisqne  seqnentibns  ferantnr.  Sed  ille 
chirobombarda  adverso  ictu  traiectos  protinns  ex  eqno  prolapsns 
expirat,  hie  vero  in  ipsa  eruptione  decem  et  octo  vnlneribns  ao- 
ceptis  ex  eqno  corrnit  et  aliqnot  horis  hnmi  qnasi  mortuns  ia- 
cnit.  Qnae  res  alios  ab  irmptione  termit,  maxime  cnm  repa- 
gnlum  restitntam  et  reparatnm  viderent.  Ita  ergo  eqnitatns 
virtnte  transfugarum  repnlsns  aliqnot  eqnites  in  castra  bom- 
bardas  maiores  petitnm  ablegat.  Qni  cnm  tormenta  addncerent 
et  in  desertomm  interitnm  disponerent,  ipsi  se  elabi  non  posse 
*p.  513.  videntes  *arbitrio  principis  vel  ad  gratiam  vel  ad  snpplicinm 
depositis  armis  se  dednnt.  Inde  per  eqnitatnm  Woltbecam  re- 
dncti  et  in  templo  conclnsi  principi  snpplicant  Princeps  vero 
hanc  cansam  ad  dnces  belli,  centnriones  omnesqne  milites  refert, 
qnomm  nnanimi  cognitione  fngitivi  desertores  militiae  iniidi, 
perinri,  ignominiosi  et  improbi  decernnntnr  et  principis  vel 
poenae  vel  gratiae  adindicantnr.  Verum  cnm  illi  finem  snppli- 
candi  facerent  nnllnm,  princeps  commotns  anctoribns  transfngii 
et  secessionis  pnnitis  ceteris  gratiam  facit  snperinsqne  decretnm 
snnm  lenltate  et  dementia  mitigat^ 

Post  aliqnot  dies*  qnidam  gregarins  e  castris  ad  anabap- 
tistas  transfngerat,  qni,  cnm  ad  Knipperdollingnm  explorandae 
et  discendae  fidei  cansa  tanqnam  catechnmenns  dednctns  esset, 
apnd  qnem  dies  aliqnot  diverterat,  vidit  Bokelsonem  prophetam, 
qni  eodem  adhnc  hospitio  ntebatnr,  noctnmo  tempore  ad  lectnm 
famnlae  clancnlnm  se  snbdncentem.  Vehementer  itaqne  admi- 
ratnr  prophetam,  vimm  Dei  nxorem  legitimam  habentem ',  aliena 


*)  Ftu'  die  Gnadenbczeujping  des  Bischofs  spricht  anch  sein  oben 
angeführter  Befehl  an  B.  y.  Westerholt.  Nach  D.  Lilie  S.  241  wurden 
„de  menedigen  hoyen^  zn  Wolbeck  „yan  dem  scharprichter  Statio  enthoyet, 
ein  deil  dorchgestecken/ 

*j  Der  folgende  Bericht  Kerss.'s  über  die  Einführung  der  Vielweiberei 
stimmt  genau  mit  dem  bei  L.  Horte nsius  S.  27f.  überein,  der  auch  yon 
Herm.  Hamelmann  S.  1232  ausgeschrieben  wurde.  In  keiner  sonstigen 
QueUe  aber  ist  die  offene  Verkündigung  der  Polygamie  durch  Johann  y. 
Leiden  in  ähnlicher  Weise  begründet.    Vergl.  auch  die  Einleitung. 

')  Johann  hatte  sich  schon  in  Leiden  yerheiratet  Vergl.  seine 
Bekenntnisse  bei  J.  Niesert:  U.-S.  L  S.  174f.  und  M.  G.-Q.  II,  369f. 
N&heres  berichtet  Eerss.  weiter  unten. 


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Anno  1534  acta.  619* 

tarnen  yenere  atqne  foedissimo  adnlterio  contra  mandatnm  Dei 
se  contaminare  atqne  poUnere,  nnde  fncatam  pietatem  et  sancti- 
moniam  prophetae  coepit  deridere.  Et  cnm  transfnga  in  coeta 
popnli  factum  non  celaret^  propheta  anctoritatis  snae  interitnm 
apnd  plebem  metaens  primnm  magnificis  promissis  os  Uli  ob- 
turavit,  deinde,  si  forte  fortnm  plebi  innotesceret,  nt  iUud  pnr- 
garet,  cnm  Bothmanno  aliisqne  concionatoribns  de  polygamia 
consnltat  Qni,  cnm  et  ipsi  lasciviae  et  impndentiae  addicti 
essent,  facile^  decemnnt  viris  singnlis  exemplo  Abrahami,  la- 
cobi,  Davidis  et  ceteromm  Patmm  veteris  testamenti,  qnomm 
yitam  referant  ipsi,  plnres  nxores  dncere  licere,  maxime  bis  ra- 
tionibns  addncti :  Viri  se  continere  neqnennt,  ergo  plnres  nxores 
dncere  possnnt.  Antecedens  relinqnnnt  manifestum  et  in  natnra 
fdndatnm,  conseqnentiam  probant,  qnia  seminis  iactnram  facere 
nefas  est.  Faciunt  antem  viri  seminis  iactnram,  ex  qno  nnlla 
proles  nascitnr,  nt  fit,  qnando  vel  impraegnatam  ant  annomm 

')  Ebenso  spricht  L.  Hortensins  S.  28  von  einer  yorhergehcnden 
Beratung  Johann's  mit  den  Predikanten  und  erwähnt  nicht,  daTs  diese  der 
Einführung  der  Vielweiberei  Widerstand  leisteten.  Dafs  aber  der  Wider- 
stand der  Predikanten  thats&chlich  sehr  energisch  war,  hätte  Eerss.  aus 
den  oft  Yon  ihm  benutzten  Wiedertäuferverhören  und  aus  H.  Dorp  ent- 
nehmen müssen.  Letzterer  erzählt  Bl.  E4,  dafs  die  Prediger,  als  Johann 
ihnen  zwölf  Artikel  vorhielt,  deren  Summe  war,  „das  ein  man  nicht  ge- 
bunden solt  sein  an  ein  weih,  sondern  er  möcht  so  viel  weiber,  als  er  wolt, 
zur  Ehe  nemen,**  dem  widerredeten  und  es  „in  keinen  weg  zulassen^ 
wollten.  Erst  als  Johann  die  zwölf  Aeltesten  und  die  Prediger  aufs  Bat- 
haus beschieden,  dort  seine  Artikel  als  gottliche  Offenbarung  ausgegeben 
und  die  Widerstrebenden  mit  dem  Ausschlüsse  von  der  göttlichen  Gnade 
bedroht  hatte,  „werden  die  prediger  mit  den  propheten  des  ehestands 
halben  eins  und  predigen  drej  tage  lang  vom  Ehestand  auff  dem  Thum- 
hoff.^  Ygl.  dazu  EnipperdoUing's  Aussagen  bei  J.  Niese rt:  Ü.-S.  I.  S.  191. 
Johann  v.  Leiden  selbst  gesteht,  dafs  „se  ehme  fenglich  setten  woldcn', 
und  dafs  die  Opposition  wohl  acht  Tage  gedauert  habe.  „Damach  hefffc 
Bemardus  sulvest  dar  van  gepredigt^  (J.  Nies  er  t  ar.a.O.  S.  178;  s.  auch 
M.  6.-Q.  n,  372).  Ausdrücklich  bekennt  auch  Joh.  Eloprifs  (J.  Nies  er  t 
a.  a.  0.  8.  122,  vergl.  auch  S.  135):  „Aber  der  viller  weiber  lust  halben, 
dargegen  weren  alle  predicanten  in  Munster  mit  der  gantzen 
gemeinden.  Aber  der  kunigk  bewiese  inen  das  mit  der  schrifften  und 
drunge  sie  darzu,  das  sie  solchs  halten  moisten.'  H.  Gresbeck  8.  59  f. 
und  D.  Lilie  8.  236  erwähnen  einen  Widerstand  der  Predikanten  nicht 
besonders. 


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620  Anno  1534  acta. 

nnmero  factam   sterilem  cognoscimt.    Ergo,  ne  fiat  seminis  vi- 

rilis  iactnra,  qnandocnnqne   habent  coniugem   praegnantem  ant 

sterilem,  aliam.dacere  licet ^ 

His  simiUbnsque  exemplis  et  fascinis  miseram  et  incantam 

plebecnlam  decipinnt  eamqne  rem  per  totnm  tridnum  in  pnblicis 
^p.  514.  concionibus   agitant*  et  anditoribus   inculcant  *impudicitiaqiie 

flagrantibns  scriptura  exemplisque  ad  id  perqnisitis  facile  per- 
^.  Jnu.  saadent.    Post  primam  antem  concionem  23.  lulii  habitam  tota 

multitudo  in  campo  dominico  in  orbem  coit  ibiqne  de  polygamia 

aliis  non  admittendam  eam  consnlentibns,  aliis  vero  contrarium 


')  Yergl.  hierzu  die  Darlegangen  BoÜimann's  im  15.  Kapitel  der 
„Restitution",  besonders  die  Stelle  (Ausgabe  von  A.  Knaake  S.  83):  „. . .  so 
ein  man  ricklicker  van  Godt  gesegent  were,  dan  eine  frouwe  tho  befröch- 
tigen,  unde  he  en  moit  van  wegen  des  godtlicken  gebades  sodanen  segen 
nicht  mifsbruken,  so  ys  em  frj  gelaten,  ja  van  noden,  meer  fruchtbare 
frouwen  in  die  ehe  tho  nemmen;  dan  unehelick,  dat  js  anders,  dan  na 
Gades  willen  unde  gesette,  ein  frouwe  bekennen,  js  ehebreckerye  und 
horerye."  Weiter  a.  a.  0.  S.  85:  „. . .  want  heflft  he  ein  swangere  frowen, 
offt  de  unfruchtbar  js,  ...  mach  he  der  sunder  sunde  nicht  bekennen,  so 
mach  he  ock  geines  anderen  maus  frouwen  anrörcn  . . .  Hyrumme  so  volget 
van  nodt  wegen,  dat,  welcke  rickliker  van  Godt  gesegent  sint,  dan  se  mit 
einer  frouwen  rein  leven  können,  mögen  tho  erer  nodtrofft  ...  meer  dan 
eine  frouwe  thor  ehe  nemmen."  Auch  weist  Rothmann  wiederholt  auf  das 
Beispiel  der  Patriarchen  im  alten  Testamente  hin.  —  Mehrfach  ist  in  den 
Verhören  von  Seiten  der  gefangenen  Wiedertäufer  eine  Rechtfertigung  der 
Vielweiberei  versucht  worden.  Am  ausführlichsten  spricht  sich  Dionjs. 
Vinne  aus,  der  (M.  G.-Q.  11,  278)  in  erster  Linie  den  Spruch  Genes.  1,  28: 
„Crescite  et  multiplicamini  l"  anfuhrt  und  sich  ebenfalls  auf  die  Patriarchen 
beruft.  Ebenso  äufsert  sich  Joh.  Eloprifs  (bei  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  134). 
Die  auch  in  der  „Restitution^  angezogene  Stelle  aus  dem  1.  Briefe  Pauli 
an  Timotheus,  Vers  2:  „ein  bischop  solle  ein  wiff  hebben,"  bringt  Bemh. 
Krechting  (bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  194)  bei.  „Daruth  solle  folgen," 
sagt  er,  „de  gemeyne  man  möge  wol  velle  wyver  nemen."  Vgl.  auch  Bemh. 
Krechting's  Bekenntnis  M.  G.-Q.  II,  381.  —  Eine  andere  Begründung  der 
Vielweiberei  aus  der  Bibel,  als  die  in  der  „Restitution*'  gegebene,  hat  auch 
Johann  v.  Leiden  in  seinen  Gesprächen  mit  Ant.  Corvin  und  Joh.  Eymeus 
(s.  Bl.  f  l^f.)  nicht  versucht.  Schliefslich  aber  liefs  sich  der  König  zu 
dem  Geständnisse  herbei  (Bl.  g2),  „er  bekenne,  dafs  sie  im  selbigen 
«rtikel  zu  geschwinde  gefaren  sein."  Vergl.  auch  Ant.  Corvin's  Brief  an 
O.  Spalatin  Bl.  B  4. 

'j  Drei  Tage  läfst  auch  H.  Dorp  a.a.O.  vom  Ehestand  predigen. 


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Anno  1534  acta.  621 

clamitantibns  ^  ad  horas  aliquot  disceptatnr;  sine  magna  tarnen 
contentione  digrediuntur.  Post  octo  vero  dies  *,  nempe  30.  Inlii,  so.  Juu, 
Henricns  Mollenhecke*,  faber  ferrarius,  ducentos  fere  indigenas* 
noctnmo  tempore  cogit,  qni  ant  priscam  reipnblicae  formam 
redncere  ant  hostibns  aperire  portas  ant  mortem  oppetere,  quam 
polygamiam  admittere  malnnt.  Proinde  Bokelsonem  prophetam, 
Enipperdollingnm,  Sothmannnm,  Henricnm  Schlachtschapinm, 
Eloprisinm  et  Dionisinm  Vinninm,  concionatores  polygamiam 
docentes,  capinnt^,  captos  carceribns  inclndnnt  secnmqne  deli- 
berant  et  rationes  qnaemnt,  qnibns  delicti  gratiam  a  principe 
impetrent,  civitatem  dedant,  principem  intromittant,  senatnm 
veterem  ciyesqne  vi  eiectos  revocent  et  in  pristinas  possessiones 


')  Nur  L.  Hortons ias  a.a.O.  berichtet,  wie  Einer  aus  der  Volks- 
masse kr&fdgen  Einspruch  erhob  und  deshalb  auf  Befehl  Johann's  ge- 
tödtet  wurde. 

')  Diese  Zeitbestimmung  giebt  auch  H.  Dorp.  Nach  einem  Briefe 
der  clevischen  Eriegsräte  vor  Münster  vom  31.  Juli  (M.  G.-Q.  11,  265) 
sowie  nach  einem  Schreiben  des  gleichfalls  vor  Münster  anwesenden  Her- 
zogs Philipp  Yon  Braunschweig-Grubenhagen  an  den  Kurfürsten  Johann 
Friedrich  von  Sachsen  vom  5.  Aug.  (ebendas.  S.  266)  brach  der  Aufruhr 
in  der  Stadt  am  Abend  des  29.  Juli  aus. 

')  Sein  Name  wird  in  Verbindung  mit  dem  Aufstande  in  den  schrift- 
stellerischen Quellen  nur  von  H.  Gresbeck  S.  73ff.  genannt.  Johann 
V.  Leiden  verlegt  den  Mollenhecke'schen  Aufstand  in  seinen  Bekenntnissen 
(s.  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  179  f.  und  M.  G.-Q.  11,  372)  in  die  Zeit  nach 
Errichtung  des  Königtums  (Sept).  Dafs  diese  Angabe  ungenau  ist,  geht 
schon  aus  den  oben  citierten  Briefen  (M.  G.-Q.  II,  265  f.)  hervor.  Auch 
sagt  Hermann  MoUenhecke,  der  Sohn  Heinrich^s,  am  8.  Juni  1535  aus,  als 
er  vom  Tode  seines  Vaters  redet,  „da  war  der  konig  noch  ein  pro- 
phet'  (Orig.  des  Verhörs  im  St-A.  Marburg).  Der  chronologisch  falsch 
eingeordnete  Bericht  D.  Lilie 's  S.  239  über  den  Aufstand  fuhrt  als 
Haupträdelsf&hrer  einen  Meiger  Bemdt,  hoffsmedt,  an,  einen  Namen,  den 
ich  sonst  nirgends  gefunden  habe. 

^)  Diese  Zahl  stimmt  mit  den  Bekenntnissen  Johann's  v.  Leiden 
a.  a.  0.  (die  Lesefehler  bei  J.  Niesert  sind  berichtigt  M.  G.-Q.  II,  418). 
H.  Dorp  spricht  nur  von  etlichen  Bürgern,  L.  Hortensius  S.  29  von  50. 

'^)  Die  Gefangennahme  speziell  Slachtscaef's  erwähnt  auch  H.  Gres- 
beck, ebenso  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  AS^.  Johann  v.  Leiden 
spricht  aufser  von  seiner  und  KnipperdoUing's  Gefangennahme  auch  von 
der  „etliger  predicanten.^  H.  Dorp  läfst  mit  Johann  und  Knipperdolling 
„alle  Prediger**  gefangen  sein. 


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«22  Anno  1534  acta. 

restitnant,  intolerabile  servitntis  iagnm  excutiant  et  perpetno 
metn  se  liberentK  Exorta  itaque  matutina  Ince  Mollenheckios 
yerbi  Dei  amatores  einsdemqne  defensores  tjmpani  pnlsn  vicatini 
ad  forum  convenire  iubet,  nt  eo  praetextn  exercitnm  sniim  an- 
geat.  Qno  cum  magna  hominnm  armatomm  mnltitndo  conve- 
nisset  ignara,  qnid  sibi  freqaens  popnli  vellet  conclo,  ibi  tum 
primns  omnium  Henricus  Eedeker*  prophetae  et  snorum  pro- 
cerum  captivitatem  civiumqne  armatomm  propositum  sentiens 
clamando  vociferandoqne,  qnamvis  ipse  indigena  et  civis,  hoc 
•effecit,  nt  advenae  et  polygamiae  addicti,  qnorum  magna  copia 
in  nrbem  conflnxerat,  in  nnam  partem  nrbis  inxta  pomerinm  in 
indigenamm  et  civinm  perniciem  armati  conyenirent.  Qnidam 
etiam  in  tjmpani  pnlsn  verbi  Dei  andita  mentione  se  civibus 
forum  occupantibus  coniungunt;  ubi  vero  civitatem  in  partes 
dividi  animadvertunt  et  suae  farinae  homines,  hoc  est  polygames, 
in  adversa  acie  esse  accipiunt,  a  civibus  deficientes  captata  oc- 
casione  ad  snos  redeunt.  Sic  Magnus  Koehuss  et  multi  alii 
turbae  Mollenheckianae   forum  occupanti  primum  adhaeserunt., 


^)  Wenn  anch  der  Aufstand  in  erster  Linie  gegen  die  Einfohnrng 
der  Vielweiberei  gerichtet  war  nnd  nach  dem  Schreiben  der  clevischen 
Eriegsr&te  vom  31.  Juli  (M.  6.-Q.  II,  265),  die  nach  den  Aussagen  eines 
aus  der  Stadt  entwichenen  Bürgers  berichten,  dadurch  zum  Ausbruche  kam, 
dafs  Enipperdolling  eine  Frau,  die  sich  der  neuen  Einrichtung  nicht  fugen 
wollte,  gefangen  nehmen  liefs,  so  gingen  die  Forderungen  der  Aufstän- 
dischen zugleich  doch  auch  schon  weiter.  Eine  Beilage  zum  Schreiben 
Philipps  Yon  Braunschweig  Yom  5.  Aug.  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen 
(M.  G.-Q.  II,  267)  meldet,  die  Uneinigkeit  sei  zum  Teil  auch  dadurch  ent- 
standen, dafs  „etliche  von  bürgern  er  erlegte  gelt  wollen  widderumb  hoben, 
welchs  dan  die  anderen  nit  haben  wollen  verwilligen  und  einruemen.*'  Auch 
nach  Johann's  y.  Leiden  Aussagen  a.a.O.  schalten  Mollenhecke^s  Anhänger 
„up  den  ehestand  . . .  und  ock  np  dat  gantze  regiment  und  de  predicanten.** 
Die  Absicht  der  Aufständischen,  dem  Bischöfe  die  Thore  zu  öffnen,  erzählen 
L.  Hortensius  und  D.  Lilie,  und  H.  Gresbeck  sagt  S.  73:  „. ..  ein 
•deil  burgers  und  fromede  luede  . . .  wolden  den  ehestant  wedder  afhebben, 
und  ein  ieder  solde  sein  guit  widder  hebben,  und  burgermeisters  und  raet 
Bolde  weder  sein,  dat  al  dinck  solde  weder  sein  als  it  gewest  hedde,  und 
wolden  die  stat  upgeyen.^  Vgl.  auch  H.  Gresbeck's  Erzählung  S.  75  von 
dem  Wortwechsel  zwischen  Mollenhecke  nnd  Enipperdolling. 

')  Nach  H.  Gresbeck  war  Herrn.  Tilbeck  der  Führer  der  Anhänger 
^er  Vielweiberei. 


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Anno  1534  acta.  623 

yeram  nbi  polygamomm  tnrbam  fortiorem  esse  animadvertissent, 
se  a  saonun  nnmero  ad  polygamos  snbduxemnt.  Qua  defectione 
*cives  territi  vigiuti  armatos  quasi  vigilias  diumas  finnandi*p.  515. 
causa  ad  munitiones  urbis  e  foro  mittunt^  ut  aut  polygamomm 
animos  aut,  quid  facturi  sint,  pertentent  et  explorent,  quorum 
yenerea  cohors  duodecim  capit  reliquis  ad  forum  repulsis;  unus 
tarnen  polygamomm  a  fugientibus  tomiento  traiectus  expirat. 
Cum  tandem  advenae  polygami  excubiis  munitiones  urbis  fir- 
massent  et  suas  partes  satis  potentes  esse  putarent,  circa  meri- 
diem  in  forenses  impetum  faciunt^  et  spiculo  endnus  emisso 
Hermannum  Erampeum  subito  stemunt^,  cuius  casu  cives  per- 
culsi  et  cum  infirmiores  se  esse  viderent,  in  curiam  salutis 
differendae  causa  sese  recipiunt  foresque  raptim  clausas  com- 
muniunt.  Sed  cum  turba  salax  bombardas  maiores  per  mulieres 
in  fomm  attractas  confringendi  fores  gratia  curiae  admoUrentur, 
tormentomm  ictus  metuentes  ex  inferiori  curiae  loco  in  proxi- 
mum  superius  tabulatum  ascendunt.  Advenae  vero  polygami 
cum  insano  impetu  et  clamore  effractis  foribus  in  curiam  ir- 
munt  ibique  suos  proceres  et  concionatores  in  hypogio  curiae 
detentos  laxant.  Cumque  bestes  suos  tabulatum  proximum  ascen- 
disse  viderent  ita,  ut  ins  gladii  in  illos  continuo  exercere  non 
possent  neque  eodem  impetu  ipsos  persequi  auderent,  alii  infra 
tabulatum  passim  spbaerulis  traiiciunt,  alii  tormenta  grandiora 
ad  demoliendam  curiam  foris  aptant.  Miseri  vero  cives  sua  spe 
deiecti  e  fenestra  curiae  protenso  pileo  se  dedunt  et  abiectis 
armis  supplicant  rebellionisque  gratiam  poscunt.  Hinc  descen- 
dunt  et  impudicomm  hostium  arbitrio  sese  committunt'.  Dici 
vix  queat,  quanto  furore  omnis  mansuetudinis  et  humanitatis 
obliti  in  hos  irmerint,  quanta  immanitate  eos  ceperint,  quantis 
verberibus  pulsaverint,  quantis  convitiis  et  maledictis  proscide- 
rint,    quanta  denique  saevitia  in  carceres  detruserini    Diceres 

')  Nach  H.  Gresbeck  hatte  Tilbeck  mit  einem  Teü  der  Aeltesten 
vorher  noch  den  Versuch  gemacht,  einen  gütlichen  Vergleich  herbeizuführen. 
Erst  als  der  Versuch  gescheitert  war,  rückten  die  Anhänger  der  Vielweiberei 
in  der  St&rke  von  500  oder  600  Mann  gegen  ihre  Widersacher  vor. 

«)  Vgl.  H.  Gresbeck  S.  76,  der  aber  den  Namen  des  getödteten 
Borgers  nicht  nennt. 

»)  Nach  H.  Gresbeck  a.a.O,  betrug  die  Zahl  der  Gefangenen  120. 


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624  Anno  1534  acta, 

ipsos  statim  occidi  maluisse,  quam  tarn  indignis  modis  exagitari. 
Inter  hos  Nicolans  Dethmar  \  miles  qaidam,  deprehenditnr,  qui 
nltra  qnatnor  millia  florenorum  e  cnria  graphiaria,  nbi  thesanrns 
civitatis  erat,  clanculmn  subduxerat,  qnos  eflfugium  sperans  pro 
viatico  intra  vestes  suas  abdiderat.  Hanc  pecnnüs  ita  nndiqne 
♦p.  516.  fartnm  cruciatu  ve*niin  dicere  cogunt;  et  cum  fateretur  fdgae 
snae  consilinm  ac  sibi  per  portam  Ludgerianam  principem  intro- 
mittendi  in  nrbem  foisse  in  animo,  maiore  forore  ülis  insnltant 
omnesqne  exqoisitis  snppliciis  afficiendos  esse  proclamant.  Po- 
stridie  ergo  seniores  de  supplicio  ipsis  irrogando  consultantes 
conveninnt  et  tandem,  at  novi  foederis  tranqnillitas  inviolata 
conseryetur,  ipsos  ad  tiliam'  religatos  in  terrorem  malomm  et 
defensionem  bonorum  tormentis  esse  traiiciendos  pronunciant. 
Mox  itaque  viginti  quinque  protrahuntur  et  eo  supplicü  genere 
aflflicti  terra  obruuntur^   Sed  ne  ex  crebris  bombardarum  toni- 


*)  Das  Folgende  überliefert  nur  Eerss.  Ygl.  dazu  die  Bemerkung 
H.  Gresbeck^s  S.  77,  der  von  den  Anhängern  Mollenhecke^s  sagt:  »Do 
saegen  sie  ock  na  dem  gelde  mehr,  dan  dat  sie  saegen,  dat  sie  ein  port 
in  kregen,  und  hedden  die  mouwen  vol  geldes  gestecken  und  saetten  die 
heile  nacht  in  dem  wein  und  druncken,  dat  sie  druncken  worden.  Dairover 
so  woirden  sie  geschlagen,  dat  die  Fresen  und  Hollenders  die  oyerhant 
kregen/  Dietrich  yon  Hamburg  hat  Bl.  A4  die  Notiz,  dafs  die  Lands- 
knechte Johann  v.  Leiden  „den  Schlüssel  zum  gelt^  abnahmen.  »Und  ein 
yglicher  lantzknecht  nam  zu  sich  zweitausent  gülden  in  yr  ermel.*' 

^)  Die  linde  auf  dem  Domplatz,  die  Kerss.  als  Hinrichtungsstätte 
besonders  schon  oben  S.  613  erwähnte  (vergl.  auch  H.  Gresbeck  S.  37), 
wird  in  den  Quellen  oft  genannt.  In  der  Flugschrift  des  Jahres  1536  „des 
Münsterischen  Königreichs  und  Widertauffs  an-  und  abgang,^  zuletzt  ab- 
gedruckt in  der  Ztschr.  27  (1867)  S.  267  ff.  (s.  P.  Bahlmann:  Bibl.  1536 
Nr.  10),  heifst  es  Bl.  A  3^:  „Item  es  steht  auff  dem  Thumbhoff  zu  Munster 
ein  grofse  und  ein  klein  Linden;  an  die  kleine  linden  ist  ein  halTseisen 
gemacht,  darein,  wie  man  sagt,  die  unsinnige  rott  der  widertauffer  alle 
die,  so  sie  in  Scharmützeln  und  sunst  erobert  und  ires  glaubens  nicht  sein 
wolten,  geschlagen,  mit  büchsen  zu  inen  geschossen  und  mit  spiefsen  er- 
stochen und  also  vom  leben  zum  todt  bracht,  wie  dann  solches  auch  der 
augenschein  und  die  schuefs  in  der  linden  anzeigen.'  A.  Corvinus  fügt, 
als  er  an  G.  Spalatin  yon  den  grausamen  Hinrichtungen  in  Münster  schrieb 
(Bl.  A4),  hinzu:  „Cuius  rei  testis  adhuc  est  arbor  tilia  haud  ita  procul  a 
canonicomm  ecclesia,  ad  quam  deligati  ac  aeneis  tormentis  transfixi  sunt.** 

')  Zu  den  Erschossenen  gehört  auch  Heinr.  Mollenhecke.  Sein 
Sohn  sagte  später  aus   (St-A.  Marburg):  „Da  der  konig  Henrick  Moln- 


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Anno  1534  acta.  625 

trnis  hostes  oppidanos  inter  se  dissidere  snspicentnr  ^,  neqne 
tantam  pnlveris  iactnram  faciant,  decretnm  est  reliqnos  seia- 
ginta  sex  gladio  ferire.  Qnae  poenae  execatio  Knipperdollingo 
committitar,  qni  singulis  diebns  aliquot  pro  arbitrio  suo  pro- 
dnctos  et  tandem  ad  nnnm  omnes  capite  plectit,  nisi  qnod  pro- 
pheta  interdnm  animi  et  exercitii  cansa  in  qnosdam  animad- 
verterit.  Alii  vero,  qnonun  magnns  numerus,  cum  ab  bis  se- 
ducti  dicantur,  publica  seniorum  sententia  seditionis  absolut! 
sunt*. 

Ita  civibus,  in  quibus  adhuc  scintilla  probitatis  et  yere- 
cundiae  relucebat,  effeminatorum  ri  oppressis  onmis  verecundia, 
omnis  castitas,  omnis  continentla  et  pudicitia  sublata  est.  Omnes 
iam  libidine  indomita  fervent,  obscoena  lascivia  insolescunt  et 
yaga  salacitate  ita  inflammantur,  ut  nullus  prodigiosae  veneris 
modus  Sit  babitus.  Huic  rei  cum  loannes  Oekinckfeldus ',  no- 
tarius,  qui  multis  actis  iudicialibus  exustis  controvertentibus 
plurimum  nocuit,  Henricus  ab  Arnhem  et  Hermannus  Bispinck 


hecken  lies  erschiefseu,  das  thet  KnipperdoUing  und  seine  gesellen  omb 
des  willen,  das  er  dagegen  war,  das  sie  vil  wyber  weiten  haben.  Dargegen 
wafs  sein  vatter  und  vil  lenth  und  versamelten  sich  nnd  weiten  es  nicht 
Ijden.    Da  word  er  erschossen.** 

*)  Dafs  der  Anfrahr  in  der  Stadt  im  bischöflichen  Lager  wohl  be- 
merkt wnrde,  beweist  der  Brief  der  clevischen  Eriegsrftte  Yom  31.  Jnli 
(M.  G.-Q.  n,  265),  in  dem  es  heifst,  ,,ein  groifs  romoir  nnd  switracht  in 
der  stat**  sei  „euch  hier  bnifsen  wol  gehoirt  worden. ** 

*)  Eerss.  Iftfst  also  im  Ganzen  Ol  hingerichtet  werden  nnd  weicht 
damit  von  den  Angaben  der  sonst  bekannten  Quellen  ab.  Nach  den  Be- 
kenntnissen Johannas  v.  Leiden  betrag  die  Zahl  der  Getödteten  48,  nach 
der  Aussage  J.  Kloprifs'  (bei  J.  Niesert:  U.-S.  L  S.  134)  45  oder  46, 
nach  H.  Dorp  49,  nach  dem  Briefe  Herzogs  Philipp  von  Brannschweig 
(M.  G.-Q.  II,  266)  sowie  nach  dem  Fingblatte  „Der  gantze  handel"  nnd 
nach  H.  Gresbeck  47,  nach  Dietrich  von  Hamburg  80,  nach  L. 
Hortensins  51.  Als  alleiniger  Tollstrecker  der  Todesstrafe  wird  Knipper- 
doUing vom  Herzog  Philipp,  von  J.  Eloprifs  nnd  von  L.  Hortensins  genannt. 
Die  Art  der  gransamen  Hinrichtungen,  die  zwei  bis  vier  Tage  gedauert 
haben  sollen,  beschreiben  genauer  H.  Dorp,  H.  Gresbeck  nnd  L.  Hortensins. 
Begnadigt  wurden  nach  H.  Gresbeck  nur  diejenigen,  die  durch  Zeugen  be- 
weisen konnten,  „dat  sie  des  nachtz  dair  nicht  weren  beigewest,  dat  sie 
des  morgens  weren  dairbei  gekhomen.** 

')  Das  Folgende  berichtet  nur  Kerss. 

16 


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626  Anno  1534  acta. 

superiori  strage  non  territi  contradicerent  probantes  sacra  scrip- 
tnra  legitimnm  et  christiannm  matrimoniom  in  unins  viri  et 
nnias  mnlieris  coninnctione  consistere  neqne  nni  viro  plares 
nxores  neqne  nni  mnlieri  plnres  maritos  nno  habere  licere,  pro- 
phetae  inssn  gladio  per  Knipperdollingnm  tanqnam  seditiosi 
ferinntnr.  Videntes  antem  indigenae  ita  se  ab  advenis  impu- 
dicis  premi,  ita  affligi,  ita  deniqne  pro  arbitrio  trncidari,  cnm 
alind  nihil  possent,  tacitos  secnm  volvnnt  qnestns  neqne  qnic- 
qnam  adversns  iUornm  vivendi  institntnm  manifeste  hiscere 
•p.  517.  andent*;  *sibi  enim  qnisqne  timet.  Hinc  polygamia  nemine 
iam  repngnante  per  nrbem  publice  invalescit.  Propheta  trinm 
feminamm  fit  ilico  maritns^  inter  qnas  fnit  Matthissonis  pro- 
phetae  in  conflictn  ab  hostibns  occisi  et  discerpti  nxor  Divara, 
qnae  postea  praecipna  fit  regina.  Huins  tarn  sancti  viri  exem- 
plnm  reliqni  concionatores  et  plnrimi  oppidanomm  imitantnr*. 


*)  So  sagt  auch  H.  Gresbock  S.  77:  „Do  hebben  sie  dat  volck  in 
groten  dwanck  gehat,  dat  sie  do  mit  dem  ehestant  iren  ganck  kriegen. 
Na  der  tiet  en  dorste  niemantz  daiitegen  seggen  ...,  wante  al,  dat  sie 
deden,  dat  meiste  recht  sein/ 

^)  Wörtlich  nach  H.  Dorp  Bl.  E  4.  Johann  v.  Leiden  bekennt  selbst 
am  25.  JuU  1535  (M.  G.-Q.  IT,  371):  „. ..  so  hy  dan  Enipperdallinghs 
magt  to  einen  eligen  wif  hadde,  naem  hj  dair  na  Jacobi  (25.  JuH)  Johan 
Mathis  fronw  oich  toe  einen  wif.  Doch  den  ehestant  Toir  hinnen  yry  to 
sin  verkundight."    Ygl.  auch  Johann's  Geständnis  bei  J.  Nies  er  t:  U.-S. 

1.  S.  178.    Genaueres  über  Johannas  Frauen  s.  weiter  unten. 

')  Die  Zahl  der  Frauen  einzelner  Wiedert&uferführer  erfahren  wir 
aus  den  YerhörsprotokoUen;  so  wissen  wir  aus  den  Bekenntnissen  der  im 
October  aus  Münster  ausgesandten  Apostel  (s.  J.  Nieser t:  U.-S.  I.  S.  25 ff.), 
dafs  Joh.  Beckmann  zwei  Frauen  hatte,  Gottfr.  Stralen  drei,  Ant  Pmmeren 
drei,  Dietr.  v.  Alphen  zwei.  Für  die  spätere  Zeit  erhalten  wir  reichere  No- 
tizen durch  ein  im  St-A.  Marburg  befindliches  Protokoll,  das  uns  aber 
freUich  nur  die  Aussagen  zweier  Knaben  bietet,  nämlich  des  12jährigen 
Herrn.  MoUenhecke  und  des  14jährigen  Johannes  Huttman.  Die  Aussagen 
datieren  vom  8.  Juni  1535.  Ich  lasse  die  Angaben  über  die  bekanntesten 
Wiedertäufer  folgen.   Danach  hatten  Frauen:  Rothmann  9,  Enipperdolling 

2,  Heinr.  Erechting  3,  Herrn.  Tilbeck  2,  Gerh.  Eibbenbroiek  2,  E.  Rjmen- 
finider  3,  Heinr.  Xantus  2,  Heinr.  Bedeker  3,  Joh.  Bedeker  2,  Gerh.  Bei- 
ninck  2,  Herm.  Beininck  2,  Magnus  Eohus  2.  Es  sind  noch  andere,  un- 
bekanntere Namen  angegeben.  Zum  Schlufs  der  liste  ist  yermerkt:  „Yil 
mehr  sein  irer;   dan  ich  war  irer  aller   zu  schreiben  Terdrossen.*'  —  In 


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Anno  1534  acta.  627 

Mnltae  etiam  yirgines  ex  diversis  coenobiis  tarn  nobiles  quam 
ignobües  bac  occasione  in  sni  perniciem  frunntnr,  virginitatis 
et  pndicitiae  iactnram  flagitiosissimos  quosqne  verberones  ad- 
mittentes  facinnt,  qnae  alioqni  conclnsae  arctaqne  snornm  prae- 
fectomm  custodia  praepeditae  boneste  vixissent.  Transflnvianae 
atqne  Aegidianae  vestales,  qaotqnot  nrbe  non  excesserant,  ma- 
ritos  sibi  qnaernnt;  baec  militem,  illa  sntorem,  baec  exterra- 
nenm,  iUa  indigenam,  baec  sacerdotem,  illa  villicum,  baec  ora- 
torem,  illa  aratorem,  baec  nobilem,  illa  civem  ant  qaemcunqne 
Spiritus  cuiusque  suggerit^  Quanto  luxuriae  aestu  retincti  ex- 
arserint,  quam  efirenato  libidinis  furore  in  muliebrem  sexum 
quavis  bestia  intemperantiores  et  salaciores  irruerint,  quam  in- 
satiabiliter  amplexibus  turpissimis  operam  dederint,  quam  mon- 
ströse Yoluptatis  ardore  conflagraverint,  silentio  praeterire  prae- 
stat,  quam  castas  aures  offendere.  Quam  immaturam  Teuerem 
cum  teneris  virgunculis,  quae  vix  undecimum,  duodecimum  aut 
decimum  tertium  annum  excesserant',  furiose  exercuerint,  mul- 
tarum  puellarum  aut  perpetuus  morbus  aut  subita  mors  sub- 
secuta  docuit.  Plurimae  quoque  ab  uxore  Enupperi  cbirurgiam 


einem  mir  sonst  unbekannt  gebliebenen  Drnck  ans  dem  Jahre  1535  bei 
G.  Spalatin:  Annales  reformationis  . ..  ans  Licht  gestellt  von  E.  S.  Gy- 
prian  (Leipzig  1718)  S.  302  sind  angegeben  für  Johann  v.  Leiden  5,  for 
Knipperdolling  3,  für  Herrn.  Tilbeck  3  und  für  Rothmann  4  „Eheweyber." 
Dann  folgt  die  Notiz:  „Nach  seindt  alda  xiiii  Propheten  ans  des  Königs 
hoffgesinde,  die  seine  nechsten  Bethe  sein,  haben  auch  an  weibem  keine 
gebrach/ 

^)  So  heifst  es  auch  in  der  „Ordnung'':  „All  Nunnen  auss  baiden 
ClÖstern,  als  Uberwasser  und  zu  Sant  Ilien,  die  darinnen  wonen,  haben  in 
gemain  Männer  genommen,  die  ein  ein  Landsknecht,  die  ander  einen  baurs- 
knecht,  und  wa  ein  jede  ir  Gaist  hingab/  Doch  ist  zu  beachten,  dafs  sich 
die  Nachrichten  in  der  „Ordnung^  s&mtlich  auf  die  Zeit  vor  Einfuhrung 
der  Vielweiberei  beziehen,  Kerss.  also  seine  Quelle  am  unrechten  Orte  ver- 
wertet Später  freilich  bekennt  Joh.  Beckmann  (bei  J.  Niesert:  Ü.-S.  I. 
S.  36):  „he  hefiFt  twe  ehefrouwen  gehatt,  de  eyne  van  sunt  Hyen,  de  ander 
van  Orerwater/    Damit  sind  wohl  sicher  Nonnen  gemeint. 

*)  „AUe  jungfrawen  über  zwolff  iar  müssen  freien,^  berichtet  die 
auf  die  Aussagen  der  im  October  1534  ausgesandten  Apostel  zurückgehende 
„Newe  Zeitung«  (Ztschr.  27  [1867]  S.  260).  Eine  andere  „Newe  Zeytung** 
(s.  F.  Bahlmann  BibL  1535  Nr.  9)  sagt  BL  A2v:  „Under  inen  ...  mufs 
yederman  eelich  sein,  auch  die  mediin  von  zwelff  jaren." 

16* 


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628  Anno  1534  acta. 

ezercente  singulari  arte  curatae  vix  tandem  pristinae  non  vir- 
ginitati,  sed  sanitati  restitunntor,  in  cnius  aedibas  sedecim  mi- 
seris  modis  corrnptae  eodem  tempore  remedia  ezpectantes  simol 
decnbnernnt,  nt  a  diversis  captivis  relatum  Mt^  Promiscaos 
concubitns  insatiabilibas  et  prodigiosis  vicibüs  freqnentant ';  ad 


^)  So  gesteht  Zillis  Leitgen  am  14.  Februar  1535  (s.  J.  Niesert: 
Ü.-S.  I.  S.  136  f.),  »das  er  auif  ein  maell  derselben  (jongen  metlin)  zwelfF 
by  der  Mesterschen,  die  Knippersche  genant,  zn  artzedyen  gesehen.**  Werner 
Scheiifart  sagt  am  11.  Dez.  1534  ans  (M.  G.-Q.  ü,  295):  „dat  ein  groit 
getail  van  jungen  meged^n,  die  noch  nit  manber,  menne  tho  nemmen  ge- 
drungen^ und  na  deme  sj  gehorsame  folge  gedain,  sint  se  eres  liyes  und 
gesnntheit  gantz  verdorven  . . .  und  sint  einer  mesterschen,  die  Knupper- 
sche  genant,  togestalt  und  befoUen,  se  tho  artzen  und  gesunt  tho  maken.** 
Johann  y.  Leiden  selbst  giebt  am  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q.  11,  375)  an, 
,,dat  gene  jonge  mechde  dair  selfs  bedrongen  ader  verkrechticht  worden 
sin,  dan  allein  wanner  sie  sulx  begerden  ader  verwilligden. 
Dan  80  hy  imantz  dair  boeyen  betreden  hedde,  solde  oen  daimmb  hebben 
laten  straeffen.**  Dem  gegenüber  steht  das  Bekenntnis  Enipperdolling's 
vom  gleichen  Datum  (ebendas.  S.  379),  „dat  der  konninck  Johan  van 
Leien  der  erster  anhever  mit  den  jongen  megden  gewest  sy, 
dair  van  oen  dat  gebreck  ontstanden.**  Von  Wiedert&ufer^Aos- 
sagen  kommt  noch  in  Betracht  die  des  Johann  ElopriTs  vom  29.  Jan.  1535 
(J.  Niesert  a.a.O.  S.  122):  „Es  sie  auch  zu  Munster  ein  frage  gewesen, 
ob  auch  die  metger,  so  ire  bestundung  nit  betten,  eligen  mochten.  Und 
wurde  darauf  erkandt,  dweOl  befonden,  das  metger,  ehe  sie  ire  stunde 
kriegen,  hetten  schwanger  werden  wurden  (!),  so  liefsen  sie  zu,  das  sie  eligen 
mochten.**  —  Die  Sch&ndung  kleiner  M&dchen  „von  zehen,  zwelff  und  vier- 
zehen  jaren,**  sowie  die  Wirksamkeit  der  „Ertztin,  die  Knuppersche  ge- 
nant,** erwähnt  auch  H.  Dorp  Bl.  F4^  und  schlielst:  „Dieser  meidlin  hab 
ich  noch  wol  achtzehen  gesehen,  als  ich  von  des  Bisschoffs  wegen  in  die 
Stad  geschickt  war.'*  Ygl.  zur  Sache  auchH.  Gresbeck  S.  62,  besonders 
S.  72  f.  Er  nennt  den  Namen  der  Enupporschen  nicht,  spricht  aber  von 
einer  „astinne**  und  sagt:  „So  heft  dieselve  fro  der  megdekens  gehat  viftein, 
die  sie  weder  heft  gesunt  gemacket**  Indem  A.  Corvin  in  seinem  Briefe 
an  G.  Spalatin  den  Greuel  berührt,  fügt  er  hinzu  (BL  A  4^) :  „. . .  qnod 
mihi  neque  ex  vano  neque  vulgi  sermonibus  hanstum  est,  sed  ex  ea  ve- 
tula,  cui  cura  sie  viciatarum  demandata  fuerat,  auditnm.** 
S.  auch  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  P8v,  der  ebenfslls  keinen  Na- 
men anfahrt. 

*)  Yergl.  die  drastische  Schilderung  von  den  Znstftnden  in  Müneter 
gleich  nach  Einführung  der  Vielweiberei  bei  H.  Gresbeck,  besonders  S.  63. 
Sonst  liegen  queUeDm&fsige  Nachrichten  nicht  vor.    Kurz  und  aUgemein 


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Anno  1534  aota.  689 

arbitrmm  cniiislibet  viri  venevem  poeoeotts  sab  poena  idtmi 
supplidi  midieres  paaratas  esse  yolebant;  negape  Tiro  noctom 
canea  idtimo  snpplido  digaa  foit  adeo,  nt  inde  spuroissizna  et 
vereciindiB  auribne  indigniseima  «ententia  per  iti<bein  spargi  eoe- 
perit,  qua  viri  in  congressa  feminamin  sint  nn :  „Spiritus  mens 
appetit  carnemtnam^^  Qna  quid  foedius,  qnid  ^sordidins,  qnid*p.  518. 
homine  christiano,  a  qno  omnis  immnnditiae  mentio  quam  lon- 
gissime  abesse  debet,  indignins,  ita  in  venerem  promiscaam  mere, 
ita  libidine  dissolvi,  ita  impndicitia  flagrare,  nt  es  homine 
bestiam  et,  si  qnid  deterins  est,  fiiciasP  Mnlieres  riris  ad  nntnm 
non  parentes  mandante  propheta  ad  coenobinm  a  valle  rosamm 
appellatum  captivae  ducebantnr  ibique,  donec  poeniteant,  detine- 
bantur*.  In  eadem  yero  pertinacia  adyersns  maritos  snos  per^ 
seyerantes  praecisis  capitibns  plectebantnr,  qnod  qnatuor  moiie- 
ribns  eodem  tempore  acciderat*.    Joannes  qnoqne  Ultraiectinns, 


sagt  nur  noch  L.  Horten  sin  8  S.  29:  „. . .  prophetae  et  concionatorom 
anthoritate  inxta  et  eiemplo  tota  nrbe  ad  rapiendas  pnlcherrimas  qnasqne 
feminas  discnnrnm  est.  Nee  intra  pancos  dies  in  tanta  hominnm  turba 
fere  nlla  reperta  est  snpra  annnm  decimum  quartnm,  qnae  stoprnni  passa 
non  fderif  Jedenfalls  mufs  das  Treiben  sunftchst  arg  genug  gewesen 
sein,  denn  es  liegt  kein  Grund  Tor,  an  der  Richtigkeit  der  weiteren  Aus- 
sagen H.  Gresbeck's  zu  zweifeln,  nach  denen  die  Propheten,  Predikanten 
und  Aeltesten  geboten,  „dat  sie  nicht  solden  lopen  na  den  frowenlueden.*' 
Und  S.  66  berichtet  er  von  einem  weiteren  Befehl:  „aUe  die  frowenluede, 
die  tho  dem  ehestant  sint  getwungen  und  hebben  menne  genommen,  die 
gern  widder  von  den  mennen  weren,  dieseWen  solden  khomen  up  dat  raet^ 
haufs  ...;  man  sol  sie  widder  von  einander  leggen,  wante  die  predi- 
canten  hebben  sick  versehn  mit  dem  ehestaf  Bestätigt  werden 
diese  Angaben  durch  den  weiter  unten  auch  von  Eerss.  mitgeteilten  Artikel- 
brief Johannas  v.  Leiden  vom  2.  Januar  1&3Ö. 

')  Ygl.  dazu  oben  8.  589  u.  614. 

^)  Zum  Bosenthalkloster  als  Gefängnis  s.  auch  oben  S.  542.  Zur 
Sache  vgl.  besonders  H.  Gresbeck  S.  65  f.  Das  schon  oben  citierte  Be- 
kenntnis der  Knaben  H.  MoUenhecke  und  Joh.  Huttman  giebt  an:  „Die 
jungfrawen,  di  nicht  menner  haben  woUen,  di  legen  si  in  gefengnus  und 
lassen  si  so  lang  liggen,  bis  das  sie  es  gern  thun.^  Doch  steht  diese  Aus- 
sage —  sie  ist  am  8.  Juni  15^  geihan  —  in  schroifem  Gegensatz  zu  der 
24.  Bestimmung  im  Artikelbrief  Johann's  vom  2.  Januar. 

')  Eerss.  bringt  weiter  unten  mehrere  Beispiele  f&r  die  Bestrafung 
einzelner  Frauen  vor.    Auch  H.  Gresbeck  a.  a.  0.  spricht  von  der  Hin- 


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630  Anno  1534  acta. 

qnondam  Traiecti  canonicas,  nbi  cum  nxore  sna  iam  gravida 
consnetndinem  maritalem  de  more  retinctornm  habere  nefas  esse 
dnceret  \  aliam  diixit,  qnod  gravida  aegerrime  tnlit  eamqne  fsicti 
indignitatem  verbis  testatnr;  qnare  a  marito  accnsatam  nltimo  snp- 
plicio  post  foetum  editnm  afficiendam  esse  propheta  pronunciat. 
Ut  autem  rei  foeditatem  fucata  sanctimonia  et  humili  ve- 
stitn  obtegant,  yestinm,  calciamentoram  alionunque  tegomen- 
tonun  corporis  nova  et  simplicior  priore  forma  in  ntroqne  sexu 
per  prophetam  excogitatnr.  Si  qnis  plnra  vestimenta^  quam  ne- 
cessarias  usus  postulat,  habnerit,  in  commune  defert,  sicut  Hen- 
ricns  Schlachtscapins  in  publica  concione  docnit  *.   Docent  enim 


richtung  besonders  solcher  Frauen,  die  sich  ihrer  Männer  wegen  mit  ein- 
ander nicht  vertragen  konnten  nnd  durch  die  Gefangensetzung  im  Rosen- 
thaUdoster  ihren  Sinn  nicht  änderten.  „Es  wurde  auch,^  sagt  Joh.  Kloprils 
(bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  123),  „ein  frauwe  in  Munster  gericht  umb 
ungehorsamts  willen,  . . .  und  nit  willigen  wolte,  das  der  man  bie  ire  ein 
ander  firouwe  nam  . . .'  „Sie  haben  vilen  weiberen  den  köpf  abgehowen," 
heilst  es  im  Bekenntnis  Herrn.  Mollenhecke's  und  Joh.  Huttman's;  die 
beiden  Knaben  nennen  dann  mehrere  Namen  der  Getodteten.  S.  auch, 
weiter  unten.  Einzig  steht  die  Aussage  des  Joh.  Kloprifs  (a.  a.  0.  S.  122) 
da:  „es  weren  die  frauwen  in  solcher  freuntschaft  bie  den  mennem,  das 
die  frauwe  deme  manne  andere  frauwen  by  zu  schlaifTen  holten,  wie  Sara 
thete  Abraham  und  Jacobs  frauwe.** 

^)  Gerade  die  Wiedertäufer  forderten  strenge  Enthaltsamkeit  in  dieser 
Beziehung.  Vgl.  dazu  die  ausführlichen  Darlegungen  Bothmann's  in  der 
„Bestitution',  besonders  S.  85 ff.  S.  auch  H.  Gresbeck  S.  61.  Johann 
V.  Leiden  bekennt  (M.  G.-Q.  II,  375):  „Die  geswengerde  frouwen  bleven 
altit  by  oen  als  die  ander,  quamen  aver  die  menne  die  tit  lanck  niet  dair 
by.**  Ganz  ähnlich  sagt  EnipperdoUing  aus  (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  190 
und  M.  G.-Q.  n,  379). 

')  Schon  eine  Verfügung  der  zwölf  Aeltesten  (vergl.  oben  S.  584 
Art  16)  verbot  neue  und  ungebräuchliche  Kleiderschnitte.  In  der  „Ord- 
nung'' heifst  es:  „AUer  bracht  der  klaidung  manns  und  frawen,  auch  mit 
den  schuhen,  werden  verendert.^  An  einer  andern  SteUe:  „Man  hatt  auch 
mehr  gefordert,  wer  mehr  klaider  hab,  dann  ehr  zu  der  nottnrfft  bedarff^ 
der  soU  sie  bringen  in  die  gemein,  das  der  jhenig,  der  sollichs  bedarfi^  ge- 
brauch;  das  hat  man  zun  brüdem  auff  dem  predigstul  inen  verkündet.*^ 
Den  Namen  Slachtscaefs  nennt  nur  Eerss.  Bei  H.  Gresbeck  S.  96  ist 
jedoch  Joh.  Dusentschuer  der  Urheber  einer  neuen  Kleiderordnung.  Er  be- 
stimmt (s.  auch  bei  Kerss.  weiter  unten),  wie  viel  und  welche  Kleidungs- 
stücke ein  Jeder  haben  dürfe.  Doch  fügt  H.  Gresbeck  hinzu:  „Yon  hoeden. 


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Anno  1534  acta.  631 

nnllmn  hominem  post  ascensionem  Domini  in  vero  matrimonio 
vürisse,  cum  non  secundum  spiritnm,  sed  vel  formae  vel  pnlchri- 
tndinis  vel  pecnniae  et  diyitiamm  vel  consangninitatis  et  afS- 
nitatis  excellentioris  gratia  matrimonia  omnia  sint  contracta^. 
Ideo  de  integro  nuptias  celebrant,  quasi  priores  irritae  fuerint  •. 
Ebrietas  et  alia  post  susceptum  baptisma  peccata  enormia  iu- 
dicio  prophetae  extremo  supplicio  per  EnipperdoUingum  ensi- 
gernm  puniuntur^.  Si  vero  propheta  a  Patre  delicti  gratiam 
pro  aliquo  impetraverit,  poena  quidem  mortis  remittitur,  sed 
panis  et  aqnae  frugali  usu  aliquandiu  punitur.  Si  quis  enorme 
aUquod  flagitinm  mentiendo,  decipiendo  aliove  quoyis  modo  com- 
miserit  et  iUud  coram  uniyerso  populo  professus  fuerit  Patrem- 
que  invocayerit,  pius  et  bonus  christianus  habetur.  Omnia 
Apostolomm  ritu  sunt  communia,  neque   quicquam  petenti  ne- 


bonetten  iind  schoeen,  dair  en  wort  nicht  af  gesacht,  wo  viel  dat  der  ein 
iglich  solde  hebben/  Am  5.  Augnst  meldet  Herzog  Philipp  von  Brann- 
schweig aus  dem  Lager  vor  Münster  an  den  Kurfürsten  von  Sachsen  nach 
Aussagen  von  Ausgefallenen  (M.  G.-Q.  11,267):  „Tuch  und  andere  nottorft 
zu  becleidonge  des  leibes  ist  auch  verordent,  wa  dasselbige  ein  iglicher 
nemen  sal/ 

^)  Ganz  ähnlich  den  Worten  bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  P7^. 
Dionys.  Yinne  erklärt  (M.  G.-Q.  11, 278),  eine  Ehe  sei  gegen  die  Einsetzung 
Gottes,  „wann er  fleissches  lust,  gelt  und  gut,  Schönheit  der  personen  ge- 
sucht werden."  In  der  „Restitution**  (S.  82)  sagt  Rothmann,  es  gezieme 
dem  Manne,  „dat  he  ein  getzirde  unde  gesmuckede  frouwe  söke  und  nemme> 
overst  nicht  getzirdt  mit  golde,  sülver  eder  edel  gesteinte,  noch  ock  in 
lifTs  schönte,  mer  de  getzirdt  sy  mit  Gades  fruchten  und  mit  einen  stillen 
und  sachtmödigen  geiste.  Dit  ys  dan  dat  Paulus  nömet  in  den  Heren 
hiliken.**  Yergl.  auch  die  Ausführungen  schon  in  dem  „Bekentones  des 
globens«  (M.  G.-Q.  II,  458). 

*)  Erneuerung  der  Ehen  nach  der  Taufe  hatten  schon  die  von  Johann 
V.  Leiden  nach  Münster  gebrachten  Artikel  der  Wiedertäufer  gefordert  (vgl. 
oben  S.  450  Art.  13).  Zur  Sache  vgl.  auch  den  Bericht  H.  Gresbeck's 
S.  71.  Joh.  Eloprifs  sagt  aus  (s.  J.  Niesert:  ü.-S.  I.  S.  123):  „Das  ein 
man  ein  elige  weih  muge  verlaissen  und  ein  ander  nemen,  das  sie  zuge- 
laissen  in  der  schrifft  Pauli  ad  Corinth.  I:  si  fidelis  discesserit  etc.**  Vgl. 
1  Corinth.  Eap.  7.  Auf  diese  Bibelstelle  bezieht  sich  auch  die  Darlegung 
in  dem  „Bekentones**  a.  a.  0. 

')  Vergl.  oben  S.  554  Anm.  5  und  weiter  die  S.  580  f.  angeführten 
Verordnungen  der  zwölf  Aeltesten. 


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632  Anno  1534  acta. 

gandtun  esse  censent,  nisi  ipse  eo  egeai  Omnes  Israhelitae^ 
•p.  519.  novae  Syonis  omnia  debita  sibi  mutuo  *reinittuiit,  Multi  visi- 
ones  yarias,  nunc  vires,  nunc  angelos,  nnnc  Patrem  coelestem, 
nnnc  equitem  armatnm,  nnnc  regem  inermem  vel  in  a6re  vel 
terra  se  yidere  multis  persuadent',  nnde  forte  se  mntno  Israe- 
litas  vel  vires  videntes  Denm  vocant*.  Hoc  sibi  firma  fide  per- 
snadent  Patrem  snos  ab  omni  incommodo  ereptumm,  etiamsi 
hostis  in  media  nrbe  grassetnr,  non  aliter  ac  filios  Israelis  a 
Pharaonis  exercitn  perseqnente  liberavit^,  cum  siccis  pedibus 
Mare  Bubrum  transirent.  Tanta  in  Denm  est  fiducia,  ut  etiam 
quinqne  homines  saae  farinae  totnm  episcopi  agmen  contorba- 
tnri  sint^ 

Inde  prophetae  snasu  aedes  Theodorici  Munstermanni  in 
Eodenburgo*  ac  Petri  Frisii  in  vico  salario''  pro  catechumenis 
depntantnr,  in  qnibus  gentes,  hoc  est  anabaptismo  nondum  ini- 
tiati,  ad  nrbem  tarnen  hanc  sanctam  amplexandae  anabaptisticae 
doctrinae  gratia  confagientes  elementa  snae  reUgionis  perdisce- 
rent,  prinsqnam  in  snum  foedus  suscipiantnr,  nnde  etiam  „heyden 
hnser,"  hoc  est  domus  gentium,  appellantur®. 


')  Die  folgenden  Angaben  decken  sich  mit  denen  in  der  „Ordnung". 

«)  Vorgl.  oben  S.  494  u.  500  f. 

^)  „Und  uns,  die  noch  nicht  zum  andern  mal  gcteufft  seind,  nennen 
sy  hayden,"  fügt  die  „Ordnung"  hinzu. 

*)  So  auch  in  der  „Ordnung".  Nach  Joh.  Kloprifs  a.  a.  0.  S.  120 
waren  die  Wiedertäufer  „des  gantzen  glaubens,  wann  schon  die  gantzc 
wereldt  darfur  lege,  das  dannocht  Got  sie  ufs  Gottes  krafft  suUe  beschir- 
met und  verthedingt  haben.**    Vgl.  auch  8.  128. 

®)  „Und  obschon  jrer  vünf  bynnen  der  stadt,**  heifst  es  im  Bekennt- 
nisse des  Zillis  Leitgen  (J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  139),  „die  sulden  sy  den 
gotlosen  Yorentholden.**  Aehnlich  heifst  es  bei  Dietrich  von  Hamburg 
Bl.  A  2^.  Johann  v.  Leiden  betont  später  mehrfach  besonders  sein  festes 
Vertrauen  auf  Gott  (s.  seine  Bekenntnisse  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  8. 183  und 
M.  G.-Q.  n,  400  f.).  —   «)  Auf  der  Rothenburg.  —    ')  Auf  der  8alzstrafse. 

®)  Von  einem  solchen  Heidenhause  berichtet  auch  H.  Gresbeck 
8.  89  f.  Ein  Landsknecht  ist  aus  dem  bischöflichen  Lager  in  die  Stadt  ge- 
laufen. „Denselben  hebben  sie  gebracht  in  dat  heidenhuiss  und  wolden 
in  dein  leren  den  geloeven,  und  solde  sick  laten  doepen  . .  .**  Das  Heiden- 
haus auf  der  Salzstrafse  erwähnt  Zillis  Leitgen  in  seinem  Geständnisse  (bei 
J.  Niesert  a.a.O.  8.  144).  Da  wurden  vier  übergelaufene  Landsknechte 
„geleret,  wie  sie  die  dauff  entfangen  und  Christo  dienen  solten  . .  .** 


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Anno  1534  acta.  633 

Propheta,  qnoties  a  Patre  qnicqnam  petitnrns  est,  extensis 
brachiis  in  fonnam  crncis  snpinmn  se  hnmi  stemit;  inde  Pater 
in  ipsnm  snae  volnntatis  effundit  spiritnm.  Interdum  tridnnm, 
interdnm  qnatridamn  se  beneficio  sennonis  destitni  fingit  atqne 
interim  gypso  seu  alba  terra,  qnam  cretam  vocant,  qnid  Pater 
feri  velity  in  tabula  describit\ 

Si  coninnx  legitinia  a  yiro  divertitnr,  consilio  conciona- 
torum  et  episcopi  vir  alind  coniugium  qnaerit,  qnod  praeter 
alios  mnltos  Eberardns  Beymensnider  ac  loannes  Ludinckhnsanns 
fecemnt  yirgines  Deo  dicatas  sibi  copnlantes^  Hermannnlns 
etiam  qnidam  sna  repndiata  fiüam  Bemardi  Mosis  recipit. 

Cnm  Satan  animadverteret  snom  regnnm  non  tarn  snb 
magistratn  mnltonun,  qnam  nnins  dominio  ac  tjrannide  posse 
propagari,    ideo  post  festum  lacobi  ^  alium  qnendam  prophetam  «».  Juu. 


^)  Ebenso  heifst  es  in  der  „Ordnung'',  wo  hinzagesetzt  ist:  „das** 
(das  Kreuzweisliegen)  „ich  zu  warheit  gesehen  hab.^  Das  Kreuzweisliegen 
bei  den  Wiedertäufern  überhaupt  erwähnt  Eerss.  schon  oben  S.  485  u. 
500.  Jakob  Ton  Osnabrück  hatte  in  seinem  Verhöre  am  28.  Februar  den 
ihm  in  Bezug  darauf  vorgelegten  Frageartikel  als  „nit  wair,  erdicht  und 
gelogen'*  bezeichnet  Vergl.  J.  Niosert:  Ü.-S.  I.  S.  162.  —  Ein  Beispiel 
für  Johann's  Stummsein  oben  S.  575.   Vgl.  auch  H.  Gresbeck  S.  101  f. 

*)  Die  „Ordnung**  (vgl.  aber  dazu  S.  627  Anm.  1):  „Wer  ein  ehe- 
frawen  hat,  die  im  entgegen  ist,  der  mag  mit  rat  der  predicanten  ein 
andere  nemcn,  als  Johann  von  Ludinckhausen,  der  hatt  ein  edle  junck- 
frawen  genommen,  und  Ebert  Reymenschnejder,  und  der  noch  mehr,  der 
namen  ich  nit  kenne."  —  üeber  Eh.  Riemenschneider,  der  nach  den  oben 
S.  626  Anm.  3  angeführten  Aussagen  zweier  Knaben  3  Frauen  hatte,  äufserte 
sich  am  23.  Dez.  1534  Hermann,  der  Diener  des  Malers  Ludger  to  Ring, 
in  seinem  Verhöre  (St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  IV.  fol.  380):  „Item  Evert 
Remensnyder  ist  des  koninges  vorsnjder,  und  des  firowe  ist  gewest  Johan 
thom  Sode  liusfrowe  und  ist  gedrungen  mit  gewalt,  den  Remensnyder  to 
nemen.** 

*)  25.  Juli.  Diese  ungenaue  und  falsche  Zeitangabe  bietet  nur  Kerss., 
der  sich  in  der  folgenden  Erzählung  von  der  Errichtung  des  Königtums 
Johann's  teilweise  eng  an  den  Bericht  PI.  Dorp's  Bl.  F  1  anlehnt,  aber 
mit  Veränderung  des  in  diesem  angeführten  gleichfalls  falschen  Datums 
des  24.  Juni,  das  Herm.  Hamelmann  S.  1236  beibehalten  hat  L.  Hör- 
tensius  S.  30  bezeichnet  den  22.  Juni  als  den  Tag,  an  dem  sich  Johann 
vor  den  Aeltesten  als  den  von  Gott  berufenen  König  zu  erkennen  giebt. 
ünbestinmit  sagt  D.  Lili  e  S.  234  „umb  trent  Joannis  Baptiste,"  kann  aber 
auch  nur  den  24.  Juni,  das  Fest  der  Geburt  Johannes  des  Täufers,  damit 


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634  Anno  1534  acta. 

in  urbe  excitat,   cnins  nomen  Joannes  Dnsentschner,    anrifaber 
Warendorpensis '.    Hie  concione   freqnenti  in  forum  advocata: 


meinen,  da  er,  was  den  sonstigen  Quellen  widerspricht,  die  Einfühnuig 
der  Vielweiberei  im  Joli  zeitiich  der  Anfrichtang  des  Königtomes  folgen 
läfst.  Yergl.  auch  die  Bemerkungen  von  F.  Runge  in  der  Einleitung  zu 
seiner  Lilie-Ansgabe  S.  53  f.  —  Alle  angeführten  Daten  sind  falsch.  That- 
sächlich  fand  die  Erhebung  Johannas  erst  im  Sept  1534  Statt,  nachdem 
die  Wiedertäufer  durch  das  siegreiche  Zurückschlagen  des  auch  Ton  Eerss. 
weiter  unten  erwähnten,  am  31.  August  untemonmienen  Sturmes  auf  die 
Stadt  einen  glänzenden  Erfolg  über  ihre  Gegner  davongetragen  hatten. 
Eine  „Newe  Zeytung"  aus  dem  Jahre  1535  (P.  Bahlmann:  Bibl.  1535 
Nr.  9)  läfst  sich  Johann  „nach  dem  letsten  sturm^  dem  Volke  als 
König  vorsteUen.  Weitere  „Neue  Zeitungen^  (P.  Bahlmann  a.a.O.  1535 
Nr.  lOf.)  melden:  „In  acht  tagen  nach  dem  abgeschlagen  stürm 
hat  . . .  Johan  Ton  Lejden  . . .  der  gemeyne  für  gehalten,  er  hab  von  Gott 
ein  befelh,  das  er  ein  könig  soll  sein  über  Israel . . ."  Dieser  Bericht  geht 
zurück  auf  die  Aussagen  der  im  October  1534  aus  Münster  entsandten 
Apostel.  Das  Flugblatt  „Der  gantze  handel**  (P.  Bahlmann  a.a.O.  1536 
Nr.  8)  erwähnt  Bl.  A2  den  Sturm  im  August  und  fährt  fort:  „Nun  war 
es  unseglich  und  unglaublich,  was  grofsen  gemüts  den  Widertauffem  sey 
daher  entstanden.  Sie  mainten,  alle  not  wer  überwunden.  Sie  gedachten 
noch  furter  auss  und  erhoben  einen  genant  Johann  Ton  Leyden  . . .  zum 
Eönig.^  Auch  H.  Gresbeck  S.  82  läfst  den  Beginn  des  Königtums  Johann 
unmittelbar  dem  wiedertäuferischen  Siege  folgen. 

')  Vgl.  über  ihn  besonders  H.  Gresbeck  S.  95ff.,  der  ihn  aber  bei 
der  Erhebung  Johannas  zum  König  nicht  mitwirken,  vielmehr  ihn  erst  nachi 
der  Errichtung  des  Königtums  zum  Propheten  ernannt  werden  läfst.  Doch 
ist  Joh.  Dusentschuer's  Eingreifen  bei  dieser  Gelegenheit  in  den  Verhörs- 
protokollen der  Wiedertäufer  vielfach  übereinstimmend  bezeugt,  so  in  den 
Geständnissen  des  Herm.  Regewart,  des  Joh.  Beckmann,  des  Joh.  Kloprifs 
(J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  27,  34,  112  u.  133),  weiter  in  denen  des  Dionys. 
Vinne  (M.  G.-Q.  11,  276),  des  Beruh.  Krechting  (J.  Niesert  a.a.O.  S  194 
und  M.  G.-Q.  II,  406)  und  Johannas  v.  Leiden  selbst  (J.  Niesert  a.  a.  O. 
S.  179  und  M.  G.-Q.  II,  372;  vergl.  auch  Johannas  Aeufserungen  in  den 
folgenden  Noten).  In  den  Flugblättern  wird  Joh.  Dusentschuer  in  diesem 
Zusammenhange  nur  von  der  „Newen  zeitung**  (P.  Bahlmann:  Bibl.  1535 
Nr.  11)  erwähnt  Handelnd  tritt  er  auch  bei  H.  Dorp  a.a.O.  und  L, 
Hortensius  a.a.  0.  hervor.  —  Aus  den  Quellen  läfst  sich  nicht  klarlegen, 
ob  und  inwieweit  eine  vorhergehende  Vereinbarung  Einzelner  zur  Errich- 
tung des  Königtums  stattgefunden  habe.  Joh.  Kloprifs  stellt  eine  solche 
in  seinem  Bekenntnisse  a.  a.  0.  in  Abrede,  ebenso  Johann  M.  G.-Q.  II,  399  f. 
und  in  seinem  Gespräche  mit  Ant  Corvin  und  Joh.  Kjrmeus  Bl.  b  2^.  Sehen 
wir  von  dem  ganz  verworrenen  Bericht  des  Joh.  Fabricius  Bolandus 


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Anno  1534  acta.  635 

„Fratres  christianissimi,"  inqnit*,  „Pater  coelitus  mihi  revelavit 
Yobisqne  publicandnm  commisit  loannem  Bokelsonem  Leydannm, 
yirum  Dei  et  prophetam  sanctnm,  per  nniversnm  terramm  orbem 
regem  fore.  Ille  dominabitnr  imperatoribus,  regibns,  principi- 
bns  ac  omnibns  mundi  potestatibns ;  ipse  snpra  omnem  magi- 
stratnm  erit,  nnllns  *vero  snpra  illum.  Hle  occnpabit  sceptrum^p.  520. 
et  sedem  Davidis,  patris  sni,  donec  Dens  Pater  regnnm  ab  eo 
repoposcerit.^  Inde  a  senioribns  ibi  adstantibns  gladinm  acceptom 
sibi  reddi  postnlat.  Quem  cum  regi  iam  designato  in  manus  tra- 
didisset:  „Accipe,^  inqnit,  „gladinm  institiae^  omnemqne  cnm 
ipso  potestatem,   qno  omnes  popnlos  terrae  tibi  snbiicies  eoqne 


Bl.  N  7  f.  ab,  der  ja  Johann  noch  durch  den  bereits  im  April  verstorbenen 
Jan  Matthys  zum  König  ernennen  läfst  und  von  einer  RiTalität  zwischen 
Johann  und  EnipperdoUing  redet,  so  sagt  unter  den  schriftstellerischen 
QueUen  nur  L.  Hortensius  S.  31:  „Cum  hoc^  (d.  h.  Joh.  Dusentschuer) 
„Bocoldus  rem  ex  composito  transigit  et  prophetam  eum  nomi- 
nat.**  Ganz  vereinzelt  steht  eine  Aeufserung  da,  die  Johann  v.  Leiden 
nach  seiner  Gefangennehmung  gethan  haben  soll.  Gefragt,  wie  er  zum 
Königtum  gelangt  sei,  antwortet  er  (s.  die  Flugschrift  „Des  Münsterischen 
Königreichs  an-  und  abgang**  Bl.  A2,  in  der  Zeitschr.  27  [1867]  S.  268; 
ygl.  P.  Bahlmann:  Bibl.  1536  Nr.  10),  indem  er  auf  sein  Yerh&ltnis  zu 
Knipperdolling  eingeht,  u.  a.:  „Und  aber  Knipperdölling,  sein  Schweher, 
zu  solcher  wüterey"  (gemeint  ist  die  Wiedertaufe)  „lust  gehabt  und  ine, 
Johann,  zu  König  und  grofsem  Regiment  zufnrdem  urbüttig,  habs  ime 
nicht  übel  gefallen,  sei  auch  also  darein  kommen  und  das  best,  so  in  seinem 
vermögen  gewest,  thun  helffen  und  sich  füren  lassen,  wie  ime 
durch  seinen  Schweher  und  andere  fürgeschlagen  worden, 
das  er  auch  so  fern  bracht.^  Ist  diese  Aeufserung  wirklich  gefallen, 
80  hat  Johann  damit  offenbar  die  Schuld  an  der  Entwickelung  der  Ereig- 
nisse in  Münster  von  sich  selbst  abw&lzen  woUen,  zumal  ihm  an  derselben 
Stelle  die  durchaus  falsche  Behauptung  in  den  Mund  gelegt  wird:  „Nach- 
dem aber  sein  Schweher  der  unchristlichen  secten  der  Widertauffer  anhengig 
gewest,  mit  ime  derhalben  mancherlay  rede  und  handlung  gehabt,  sei  er 
auch  darin  geraten,  hab  ime  die  sach  gefaUen  und  wol  bevolhen  sein  lassen, 
darab  derselb  sein  Schweher  gefallens  gehabt^ 

')  Die  Anrede  Dusentschuer's  ist  aus  H.  Dorp  übersetzt. 

*)  Im  Gespräch  mit  Ant.  Corvin  und  Joh.  Kymeus  (Bl.  b2^)  er-^ 
klArt  Johann  sp&ter,  dass  der  Prophet  ihm  „auch  das  schwerd  der  gerech- 
tigkeit  befohlen  hat"  Die  üeberreichung  des  Schwertes  erw&hnt  sonst  nur- 
noch  L.  Hortensius;  eine  Salbung  Johannas  nur  noch  Joh.  Fabriciu» 
Bolandus  Bl.  N8^ 


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630  Anno  1534  acta. 

ita  nteris,  nt  Christo  ad  iudiciam  redennti  rationem  reddaff!^, 
fiimülqne  dpsTun  fragrantlssimo  liquore  inüngeira  his  verbiff:  „Ego 
te  in  regem  novi  templi  pppnliqne  Dei  Patre  iubente  inungo 
teqne  in  facie  totins  popnli  regem  novae  6jonis  pronancio!' 
Haec  iamdin  magno  studio  Leydanns  venatus  est^;  ob  hoc  omnem 
magistratnm  contempsit  et  reiecit,  ob  haec  omnia  fecit  com- 
mnnia,  cives  priscae  civitatis  nrbe  eiecit,  eorum  bona  diripnit, 
casta  matrimonii  iura  violavit,  pndicitiam  et  verecnndiam  pro- 
fligavit,  sibi  adversantes  plns  quam  tyrannica  immanitate  tmci- 
davit,  omnia  eo  direxit,  nt  sibi  regnnm  pararet  et  solns  remm 
omninm  pro  arbitrio  ac  sua  libidine  potiretnr.  Nunc  confiden- 
tins  insueto  dignitatis  titnlo  tnmens  prodit  protinnsque  se  humi 
in  faciem  stemit  atqne:  „0  mi  Pater,"  exolamat*,  „cum  ego, 
•qni  neqne  aetate  neqne  consilio  neqne  sapientia  polleo,  admini- 
strationi  tantae  potestatis  non  sufficiam,  ad  tnam  clementiam 
praesidinm  petitnm  supplex  confngio.  Mitte  eigo,  o  Pater,  sa- 
pientiam  illam  tnam  de  coelis  sanctis  tnis  et  a  sede  magni- 
tndinis  tnae,  nt  mecnm  sit  et  mecnm  laboret,  nt  intelligam  et 
sciam,  qnid  acceptnm  sit  in  conspectn  tno!  Sic  enim  dignns 
habebor  officio  mihi  a  te  concredito  et  popnlnm  tnnm  in  aeqni- 
tate  et  iustitia  regam!**  Conversns  hinc  ad  popnlnm:  „Fratres," 
inqnit,  „charissimi,  haec  ego  ante  mnltos  dies  Patris  inspiratione 
fntnra  sciyi,  sed  ne  mea  sponte  regnnm  inter  vos  affectasse  vi- 
derer,  et  nt  maior  vobis  fides  fieret  divinitns  haec  omnia  e venire, 


^)  Die  folgende  Reflexion  wieder  ganz  nach  H.  Dorp. 

*)  Vergl.  zum  Folgenden  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Ol. 
JLuch  Job.  KlopiiTs  a  a.  0.  S.  112  sagt  ans,  als  Johann  von  Dnsentschuer 
zum  König  ausgerufen  wurde,  „hab  er  sich  des  unwürdig  gcacht;  aber  so 
der  prophet  das  van  Götz  wegen  gesagt  hette,  so  muste  er  Gott  gehorsam 
sein/  —  L.  Hortensius  legt  Johann  den  Aeltesten  gegenüber  die  Worte 
in  den  Mund:  „Etsi  ad  iUud  fastigium  invitus  a  Deo  vocor,  ut,  si  optio 
•detur,  malim  subulcum  aut  agasonem  agere,  quamvis  restitans  tamen  et 
quasi  manu  conserta  ad  regnum  Sionis  ineundum  trahor.**  In  ähnlicher 
Weise  läfst  H.  Gresbeck  S.  83  den  König  zum  Volke  reden:  „Ick  wolde 
vil  lieber  sein  ein  verkens  herde  und  wolde  viel  liever  die  ploich  holden 
•ofte  graven,  dan  ick  so  ein  konigh  solde  sein.  Dat  ich  doin,  dat  moit  ick 
dein,  wante  Got  hoft  my  dairtho  utherkoren.**  Nach  Beruh.  Krechting 
(M.  G.-Q.  II,  410)  bat  Johann  „den  Yader,  das  er  im  . . .  vemuft  und 
^isheit,  umb  sin  volck  zu  regiren,  verleben  wolt.** 


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Anno  1534  acta.  637 

per  alinm  revelanda  fnernnt  ^  Sic  David  ex  hnmili  pastore  per 
prophetam  Deo  inbente  rex  in  Israhel  designatns  et  innnctns 
est.  Ita  Pater  coelestis  saepe  operatar;  cnins  voluntati  si  qnis 
resistit,  indignationem  divinam  in  se  provocat.  Data  est  igitnr 
nunc  mihi  in  omnes  totius  orbis  nationes  potestas  et  ins  gladii 
in  terrorem  malonun  et  defensionem  bonomm.  Nemo  itaqne  in 
hac  sancta  civitate  flagitiis  sese  contaminet  Patrisque  volnntati 
obluctetnr,  alioqni  sine  nlla  poenae  remissione  gladio  *ferietnr."  »p.  621, 
Popnlns  magna  cum  admiratione  qnasi  attonitns  haec  nova  atqne 
innsitata  aspectat.  Inde  tacito  mnrmere  intra  se  fremit  ignotmn 
et  peregrinnm  hominem  regnnm  nrbis  invadere;  maiestatem  re- 
giam  deiecto  legitime  magistratn  sibi  nsnrpare,  magnificos  bo- 
nores  et  titnlos  mnndiqne  pompam  contra  evangelicam  hnmili* 
tatem  qnaerere  et  totins  orbis  dominationem  affoctare  non  minns 
stnltnm  esse  et  temerarinm,  qnam  evangelicae  professioni  ad- 
versnm*.    Bex  vero   haec   sentiens  minis  verbisqne   asperrimis 


')  Ganz  Ähnlich  H.  Dorp.  Damit  stimmt  die  Aussage  Johami's 
(bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  178 f.)  übereio,  nach  der  ihm  mehrfach  „sein 
geist  getaget  . . .,  er  solle  ein  konig  sein  over  solch  volck.  Darap  er  ge- 
andtwort  und  den  Yatter  gebedden,  dat  er  solche  Tan  en  wenden  woUe. 
dan  solde  he  dem  yolcke  snlyest  solche  antzegen,  wer  schimpflich,  nnd 
würden  dem  keinen  glanhen  geben.  ^  Yorgl.  anch  Johannas  Bekenntnisse 
M.  G.-Q.  II,  372.  Sachlich  bleibt  Johann  auch  später  in  seinem  Gespräche 
mit  Ant.  Gorvin  und  Joh.  Eymeus  bei  dieser  Aussage  und  fugt  hinzu: 
„Offenbarung  hab  ich  in  diesem  fal  nicht  gehabt,  sondern  es  sind  mir  etwa 
gedancken  eingefallen,  das  zu  Münster  ein  König  solte  erweit  werden  und 
eben  ich  solte  sein  derselbige  .  .  .**  Auf  die  Einrede  der  Predikanten,  Jo- 
hann hätte  seine  Gedanken  als  fleischliche  verachten  müssen,  erwidert  er: 
„Meine  gedancken  zwar  hab  ich  hie  argwenig  gehalten;  aber  da  der  Pro- 
phet kam  nnd  on  mein  zuthun  mich  zum  König  ausrief^  hab  ich  vermeint, 
es  were  Gottes  wille,  und  hab  gleubt  seinem  gesandten.  Hat  er  mich  be- 
trogen, mag  er  Terantworten." 

')  Quelle  ist  hier  das  Bekenntnis  Joh.  Beckmann's  (bei  J.  Niesert 
a.  a.  0.  S.  34),  dem  Kerss.  auch  die  folgenden  Worte  des  Königs  entnimmt. 
Danach  wurde  Johann  von  Dusentschuer  zum  König  ausgerufen,  „wuwall 
de  gantze  gemejne,  dewilen  se  syne  uthwendige  pracht  gesehen,  gemurret. 
De  konninck  avers  hefß:  solx  mjt  draworden  gestjUt,  oick  gesacht:  Phj 
jw  allen!  Wan  gj  my  noch  alle  wederstonden,  woxle  ick  nichtzmjn  aver 
jw  und  de  werlt  myt  Godt  herschen.  idt  werde  oick  syn  angehaTen  kon- 
nynekiyck  bestaen  bliven.*'    Yon  einei  Opposition  der  Gemeinde  ist  sonst 


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638  Anno  1534  acta. 

•et  auditoribus  horrorem  incntientibns  ipsos  compescnit  „Phie,^ 
inquiens,  „obmnnnnratisne  vos  Patris  coelestis  dispositioni? 
Etiamsi  omnes  in  nnnm  conflati  mihi  restiteritis,  nihilominns 
tarnen  vobis  invitis  non  solum  hnic  urbi,  sed  toti  mundo  Patre 
sie  volente  dominabor,  menmqne  regnnm  hie  eoeptnm  sine  inte- 
ritn  perseverabit!^  Haec  ubi  dixisset,  magna  fit  popnli  tran- 
qnillitas,  nee  qnisqnam  contra  haec  regis  tonitrna  mutire  audet. 
Praeterea  propheta  et  reliqui  concionatores  totum  tridumn  po- 
pnlnm  docent  Hieremiam  cap.  23^  et  Ezechielem  cap.  37*  de 
hoc  popnlo  Israelitico  deqne  hoc  rege  suo  iusto  vaticinatos  esse, 
ubi  quicquid  prophetae  scribnnt  de  reliqniis  filiomm  Israhel 
dispersis  atqae  de  iisdem  in  nnnm  locnm  congregandis,  de  se 
dici  interpretantur,  et  qnicqnid  de  David  rege  iusto  a  Deo  exci- 
tando  in  postremis  temporibus  dicitur,  de  hoc  suo  rege  scribi 
populo  persuadent.  Et  13.  capite^  ad  Bomanos  recitato  omnes 
ad  obedientiam  graviter  hortantur^.  Ideoque  iam  ipsum  magis 
suspiciunt  et  venerantur. 

Mox  propheta  Dusentschuer,  et  ut  regem  dominum  urbis 
faciat  et  subditorum  animos  efifrenes  ablatis  indumentis  et  cibis, 
quorum  superfluo  usu  insolescebant,  frangat,  ne  quid  illis  relin- 
quatur,  quo  inflati  adyersus  regem  ferociant,  in  concione  publica 
exaltat  vocem  suam  sibique  coelitus  revelatum  esse  proclamat: 
Patrem  superfluum  ciborum  et  vestimentorum  tam  mulierum 
quam  virorum  usum  damnare.  Quilibet  ergo  virorum  duas 
tantum  tunicas,  duo  caligarum  paria,  duos  thoraces,  duo  capitis 
tegmina  et  quatuor  indusia,    mulier  yero  duas  tunicas,    pallam 


nicht  die  Bede.  „Dat  gemein  volck  heft  stil  geschwegen  in  der  stat,'  sagt 
H.  Gresbeck  S.  82  f.  „Der  ein  heft  des  geloft  und  der  ander  nicht  mit 
der  oppenbaringe.**  Nach  J.  Kloprifs  a.a.O.  S.  112  hat  ^sich  auch  die 
gemeind  gehorsamlich  afschreiben  lassen.** 

«)  Vers  2—6.  —  *)  Vers  21  ff.  —  »)  Vers  1—7.  —  *)  Johann  selbst 
sagt  ans  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  179;  vgl.  auch  M.  6.-Q.  II,  372) :  »Darup 
hebben  die  predicanten  die  schrift  undersocht  und  solchs  waer  gefunden 
und  dem  volcke  solchs  angetzeigt  ..  .*^  Die  von  Eerss.  aus  den  Propheten 
angeführten  Stellen  und  auTserdem  Hesekiel  30  sind  in  diesem  Zusammen- 
hange auch  angezogen  in  dem  Bekenntnisse  des  Dionjs.  Vinne  (M.  G.-Q. 
n,  277).  Aus  dem  neuen  Testamente  verweist  er  auf  Matth.  13  (Vers  41). 
Joh.  KLoprifs  a.  a.  0.  S.  115   erwähnt  noch  das  31.  Kapitel  des  Jeremias. 


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Anno  1534  acta.  639 

luiam,  dno  caligaram  paria,  qnatnor  indnsia,  brachialia  qnatnor 
et  totidem  pepla  capitis  tantnm  habebit';  plnra  vestimenta 
habentes  in  commune  deferent.  Post  tertium  itaqne  diem  83 
*gementibns  et  bene  onnstis  plaustris  vestes  snperfliias  yicatim*p.  522. 
collectas  ad  aedes  diaconomm  convehnnt.  Neqne  quisquam  pro- 
phetae  edicto  frandem  facere  andet.  Inde  maiorem  bnbnlarmn 
suillanunqne  camimn  partem  ex  singulis  tötins  nrbis  aedibns 
direptam  in  communium  omnium  nsnm,  nti  popnlo  persuadet, 
ad  suam  anlam  rex  transfert,  quam  se  redditnrnm  in  necessi- 
tate  pollicetur.  Sed  pennria  inmiinente  pennm  tarn  regis  quam 
popnli  exhanstnm  esse  credere  oportebat*. 

Ne  antem  qnis  basilicam    hnins  basilisci    progeniem  et 
vitam  ignoret,   paucis  eam   expediam*.    Puella  quaedam  Adel- 


^)  Zu  den  yerschiedentlichen  Verordnungen  über  die  Vereinfachung 
der  Kleider  und  Trachten  vergl.  oben  S.  584  u.  630.  Zeitlich  lassen  sich 
die  einzelnen  Bestimmungen  nach  den  Quellen  nicht  auseinander  halten. 
Den  DusentschuerVhen  Befehl  erwähnt  ausführlich  H.  Gresbeck  S.  96. 
Doch  weicht  sein  Bericht  über  die  Zahl  der  erlaubten  Eleidungsstücke  Yon 
dem  Eer8s.'s  ab.  „So  solde  ein  Christen  broder/  sagt  er,  „nicht  mehr 
hebben  dan  einen  rock,  twe  par  hosen,  twe  wemmese  und  drj  hemmede  . .  • 
So  solde  ein  christlicke  suster  nicht  mehr  hebben  dan  eine  fuicke,  einen 
rock,  einen  pels,  twe  kragen,  twe  par  mouwen,  twe  par  hosen  und  vehr 
hemede.  Wat  ein  ieder  mehr  kleider  von  maus  und  frowen  hedden,  die- 
selye  meisten  sie  over  geyen."  H.  Gresbeck  beschreibt  dann  das  umfahren 
der  Diakone.  „So  hebben  die  diacken  so  viel  kleider  gekregen  von  maus 
und  frowen  kleider,  als  sie  hen  fueren  konden,  dat  sie  ein  huiss  vol  kleider 
kregen.  Dieselve  kleider  hebben  sie  gegeven  den  frembden  lueden,  die  in 
die  etat  qwamen  loupen  . .  .^ 

^)  Auch  die  Zeit,  wann  dieses  Gebot  des  Königs  erging,  läüst  sich 
aus  den  Quellen  nicht  feststellen.  Kerss.  schöpft  aus  dem  bisher  unge- 
druckten, weiter  unten  von  ihm  ausgiebiger  benutzten  Bekenntnisse  des 
Dieners  des  Malers  Ludger  to  Ring  (Orig.  im  St-A.  M.),  das  aber  erst 
vom  23.  Dez.  1534  datiert  ist.  Darin  heifst  es:  „Item  der  konynck  hefft 
umbgefaren  und  uth  idem  huse  speck  genomen.  We  twe  siden  hadden, 
helft  he  de  eine  genomen,  we  eine,  de  helfFte  dar  von  und  in  sjnen  hoff 
gefort;  und  wan  jemantz  dat  sjne  upgegetten,  solden  se  wat  wedder  halen; 
averst  nu  se  kemen,  is  des  konynges  mit  den  eren  upgegetten.  Nu  will 
he  noch  ein  mal  husssokinge  don,  und  so  noch  jemantz  ein  stucke  hadde, 
wil  he  ock  noch  to  sick  nemen.^ 

^  Von  neueren  Bearbeitungen  des  Lebens  Johann's  v.  Leiden  s.  be- 
sonders den  Artikel  von  B.  Rose  in  der  „Allgemeinen  EncyklopÄdie"  von 


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640  Anno  1534  acta. 

heidis^  nomine  a  parentibus  agricnltnram  in  praedio  qnodam 
Zelekeu  Monasteriensis  dioecesis  exercentibns  procreata  est,  qnod 
qnidem  praedium  in  paroecia  Dodorpiana  *  sub  Horstmariano  do- 
minio  sitnm  iure  proprietatis  et  servitntis  ad  nobilem  qnendam 
Godefridnm  de  Schedelichen  pertinebat.  Haec  cnm  fratres  so- 
roresqne  complures  haberet  et  praerepta  a  domino  iure  servi- 
tutis  maiore  bonorum  parte  parum  commodi  ex  isto  praedio  sibi 
speraret,  fortunam  apud  exteras  nationes  experiri  praesidiumque 
yitae  suae  inter  ignotos  serviendo  sibi  quaerere,  quam  inter  suos 
Bordescere  miseramque  vitam  ducere  maluit.  In  Hollandiam  ita- 
que  profecta  forma  et  corporis  habitudine  eleganti  praetori  in 
Greyenhagen  cognomento  Boekell  placere  coepit;  a  quo  post 
arctiorem  familiaritatem  et  consuetudinem  compressa  masculam 
prolem  in  pago  Hagen  illi  peperit,  quem  loannem  Bokelsonem 
quasi   filium  istius  Boekel  appellavit*.    Quae  ubi  libertatem  a 


J.  S.  Ersch  und  J.  G.  Graber,  2.  Sektion  21.  Teil  (Leipzig  1812)  S.  438  ff. 
und  Yon  C.  A.  Cornelius  in  der  ^Allgem.  deutschen  Biograpliie''  Bd.  3 
(Leipzig  1876)  S.  91  ff.,  sowie  die  dort  angegebene  Literatur,  zu  der  noch 
hinzuzufügen  ist  L.  Keller:  G.  d.  W. 

')  In  Johannas  Aussagen  sind  die  DeminutiYformen  Aleke  und  Alit 
angegeben. 

')  Darup.  So  heifst  es  auch  bei  Job.  Fabricius  Bolandus  BL  0  !▼: 
„Üt  Bathayus  pater  huic  humilis,  sie  nata  Daropo 
E  tenui  vico  Westphala  mater  erat.' 
Jobann  nennt  in  seinen  Aussagen   als  Geburtsort  seiner  Mutter  nur  im 
Allgemeinen  das  Amt  Horstmar. 

^  Im  Urteil  des  Hofes  von  HoUand  vom  6.  Okt  1534,  abgedruckt 
Yon  0.  A.  Cornelius  in  den  ,, Abhandlungen  der  bist  Kl.  der  Kgl.  Baye- 
rischen Akad.  d.  Wissensch.**  Bd.  11  Abtlg.  2  (München  1869)  S.  79  f.,  ist 
Johannas  yollst&ndiger  Name  Oude  Jan  Beuckelsz  yan  Lejden.  In  den 
Aussagen  bei  J.  Niese rt  a.a.O.  S.  174  ist  ^syn  vader  genant  Bökel  und 
ist  ein  schulte  gewesen  bjnnen  Sevenhagen."  Nach  den  Aussagen  M.  G.-Q. 
n,  369  war  der  Vater  »onder  schöltet  to  Soevenbayen  by  Leiden.*  Als 
Geburtsort  Johannas  geben  die  Bekenntnisse  bei  J.  Niesert,  denen  Kerss. 
folgt,  das  Dorf  Hagen,  die  Bekenntnisse  M.  G.-Q.  IE  Leiden  selbst  an. 
üeber  das  Geburtsjahr  bietet  der  weiter  unten  auch  yon  Kerss.  übersetzte 
sogen.  Artikelbrief  Johannas  Aufschlufs.  Die  Yorschriften  siod  yom  Könige 
am  2.  Jan.  1535,  „synes  olders  sefs  und  twintich,  sines  rikes 
des  ersten  jaers,''  erlassen.  Danach  fiele  Johannas  Geburt  ins  Jahr 
1509.  Zweimal  nennt  C.  Heresbach  (Ausgabe  von  K.  W. Bouterwek  S.  15 


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Anno  1534  acta.  641 

Godefrido  Schedelichen,  domino  sno,  pecunia  redemisset,  post 
annos  pancos  confectis  nuptialibos  instrumentis  facta  est  legi- 
tima  praetoris  nxor^  atque  aliqnoties  ah  illo  foeta  peperit.  Hinc 
annis  aliqnot  ante  obsidionem  natale  solnm  et  sanguine  sihl 
iunctos  revisit  *,  si  forte  quid  dotis  nomine  ex  praedio,  ubi  nata 
foit,  consequi  posset.  Cum  vero  inde  Leydam  rediret,  inter 
praedium  Zeleken,  locum  nativitatis,  et  Dodorpium  pagum  male 
affecta  ad  arhorem  forte  in  itinere  consedit  suhitoque  expiravit. 
Cadaver  ibi  repertum  Dodorpium  tanquam  ad  suam  paroeciam 
sepeliendum  transyehitur.  Filius  vero  natu  maior  loannes  Boe- 
kelson  Leydae  inter  sanguine  sibi  iunctos  educatus  legendi  scri- 
bendique  vemacula  saltem  promptitudinem  atque  artem  sarcina- 
*toriam  didicit*.    Hinc  robustior   aetate  factus   partim  merca-*p.  52a. 


u.  27)  Johann  einen  Jüngling  von  kanm  26  Jahren.  Das  Flugblatt  „War- 
hafftiger hericht  der  wunderbarlichen  handlnng  der  Denffer  zu  Münster' 
(s.  P.  Bahlmann:  Bibl.  1535  Nr.  20  und  Nachtr&ge  S.  57  f.)  hat  auf  dem 
Titelblatte  das  Bildnis  Johannas  mit  der  Angabe  „Etatis  26.'  Die  Denk- 
münze zur  Erinnerung  an  den  endlichen  FaU  Münsters  giebt  das  Alter  des 
Königs  auf  25  Jahre  an.  Von  den  gefangenen  Wiedertäufern  sagt  J.  Elop- 
rifs  (bei  J.  Kiesert  a.a.O.  S.  134)  unbestimmt  aus:  „Item  der  kunig 
Johan  van  Leiden  bj  nit  über  xxx  jair  alt.'  Der  von  J.  Niesert 
a.a.O.  S.  174  aus  einem  gleichzeitigen  Manuscripte  im  St.-A.  M.  richtig 
wiedergegebene  Wortlaut  aus  den  Bekenntnissen  Johannas,  nach  dem  der- 
selbe, „als  er  xxx  jar  alt  gewesen,'  vier  Jahre  lang  England  bereiste,  ist 
sonach  wohl  sicher  auf  einen  Schreibfehler  im  Manuscript  zurückzuführen. 

*)  „Und  sein  vader,'  bekennt  Johann  (bei  J.  Niesert  a.a.O.),  „hefft 
ehme  tovoren  gemaket,  dama  hefft  he  syne  moder  . . .  betruvert  und  ist 
frj  gekofft.'  Eerss.  erwähnt  also  nicht,  dafs  Johann  im  Ehebruch  gezeugt 
wurde.  „Sine  moeder,'  so  lautet  jedoch  Johann's  Aussage  M.  G.-Q.  II,  369, 
„. . .  woende  by  sinem  vader  vii  iair  und  gewan  by  oen  disen  Johan,  die 
wile  sin  wif  noch  leif  den,  und  na  dode  sins  wifs  leiden  hy  dis  Johans 
moeder  to  kirchen.'  Bei  Job.  Fabricius  Bolandus,  der  Quelle  für 
Herm.  Hamelmann  S.  1196  ist,  heifst  es  a.  a.  0.: 

„üxor  erat  sterilis,  cupidus  vir  prolis;  eo  cum 
Consuevit  famula  perfidus  ille  sua.' 
Dafs  Johann's  Vater   ein  Schneider  gewesen  sei,  ist  ein  Irrtum  Boland's, 
den  Hamelmann  nachschreibt 

')  Die  Reise  und  den  Tod  der  Mutter  Johann's  berichtet  nur  Kerss. 

")  Johann  sagt  aus  (bei  J.  Niesert  a.  a.  0.):  „.  . .  hefft  alleine 
schryven  und  lesen  gelert,  dama  eine  schneder  gewesen.'  Nach  Herm. 
Hamelmann  wurde  der  Sohn  vom  Vater  der  Schule  übergeben,  „donec 

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642  Anno  1534  acta. 

tnrae,  partim  sarcinatoriae  exercendae  cansa  in  Angliam  pro- 
fectns,  nbi  quadriennium  fere  haesit,  hinc  in  Flandriam  et  Lys- 
bonam  peregrinatur,  unde  Lnbecam.  Lejdam  reversas  invenis  ad- 
modnm  relictam  cninsdam  nantae  defoncti  nxorem  dncit,  qnae 
Uli  duas  peperit  proles  \  ac  Leydae  in  domo  tribns  arengis  seu 
halecibns  insignita  non  ita  procul  a  porta,  qua  iter  est  in  Greven- 
hagen,  commoratnr,  canponiam  cervisiam  yinnmqne  vendens 
exercet^  Hie  se  rythmis  vemacnlis  componendis  ab  inennte 
aetate  mimm  in  modum  fatigat,  unde  rythmologns  seu  rhetori- 
caster  in  soa  lingna  habitns  est  scholamqne  in  hac  arte  erigit 
eamqne  promptitndinem  discipnlos  ad  se  sna  levitate  allectos 
docet^.  Ludos  etiam  varii  generis  a  se  patria  lingna  compo- 
sitos  in  theatris  et  scenis  popnlo  pnblice,  nt  moris  est  in  istis 
locis,  Incri  gratia  exMbet,  qnibns  interdnm  Indicra,  interdmn 
obscoena  et  tnrpia,  raro  vero  seria  et  cum  virtnte  coninncta  ad- 


et  grammaticos  libros  et  scripta  eleganter  legere  et  intelligere  scriberequo 
mediocriter  didicisset  et  prae  ingenii  acumine  quaedam  ex  Latino  sermone 
Qsn  quodam  citius  percepisset,  quam  scholastici  plane  addicti  et  traditi 
Latinis  litoris.**  Auch  als  Schneider,  fugt  Herrn.  Hamclmann  dann  hinzu, 
„laboribus  semper,  quantum  potuit,  sufforatur  aliquid  temporis,  quod  novis 
libris  perlustrandis  impenderet^ 

^)  Die  Zahl  seiner  in  Leiden  geborenen  Kinder  giebt  Johann  nur  in 
den  Aussagen  bei  J.  Niesert  an.  Doch  setzt  er  hier  wie  auch  in  seinem 
Bekenntnisse  M.  G.-Q.  II  seine  Verheiratung  seitlich  vor  seine  Reise  nach 
Lissabon  und  Lübeck. 

')  „. . .  und  hebben  beer  und  wyn  getappet,"  heifst  es  nur  in  den. 
Aussagen  bei  J.  Niesert.  Vgl.  C.  Ueresbach  S.  22,  der  an  Erasmus 
schreibt:  „eundem  . . .  affirmabant  . . .  alii  institorem  apud  Leydam  . . ., 
alii  noQyoßoaxoy,  nonnulli  militem  gregarium,  verum  militasse  nunquam 
ipse  ab  eo  postea  audivi.'' 

•)  lieber  die  literarischen  Vereine  der  Rederijker  in  den  Niederlanden 
vergl.  besonders  W.  J.  A.  Jonckbloet:  Gesch.  der  niederländischen  Lite- 
ratur; deutsche  Ausgabe  von  W.  Berg  Bd.  1  (Leipzig  1870)  S.  331  ff.  und 
J.  Schwering:  Zur  Gesch.  des  niederländischen  u.  spanischen  Dramas  in 
Deutschland  (Münster  1895)  S.  9  ff.  Dafs  Johann  Mitglied  eines  solchen 
Vereins  war,  findet  sich  bezeugt  in  dem  Bekenntnis  Jakob's  v.  Kämpen, 
der  am  17.  Mai  1535  aussagt  (s.  „Abhandlungen  d.  histor.  KL.  d.  Königl. 
Bayer.  Akad.**  a.  a.  0.  S.  98) :  „dat  hy  in  voortyden  heft  gekent  Jan  Boe- 
kelsz,  nu  coninck  tot  Munster,  ten  tyde  als  Jan  voorsz  waerde  (waende) 
en  rhethorycker  was  tot  Leyden.** 


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Anno  1534  acta.  643 

miscet*.  Qnibus  rebns  ita  ingenium  sunm  exercuit,  ita  facun- 
diam  sermonis  illecebris  anxit  et  confirmavit,  ita  solertiam  et 
versutiam  miscuit,  nt,  in  quamcnnque  partem  velit,  populnm 
flectere  possit.  Profecto,  monstrum  ex  virtutibus  vitiisqne  mix- 
tum diceres^   In  sacris  etiam  literis,  maxime  biblicis,  versatns 


^)  Nur  von  Kerss.  überliefert.  H.  Gresbeck  S.  168  berichtet  ans, 
wie  Johann  sp&ter  im  Dome  zu  Münster  die  Erzählung  von  dem  reichen 
Manne  und  dem  armen  Lazarus  theatralisch  zur  Aufführung  bringen  liefs. 
Vgl.  auch  J.  Schwering  a.a.O.  S.  18 f. 

')  Yon  den  Zeitgenossen  sind  uns  nur  sehr  wenige  allgemeine  Cha- 
rakterisierungen der  Persönlichkeit  Johann's  v.  Leiden  überliefert.  Das 
Flugblatt  „Der  gantze  handel  und  geschieht''  Bl.  A  2  nennt  ihn  „von  an- 
gesicht,  Icbfsen,  vernunfft,  gespräch,  stoltzigkeyt,  beben- 
digkeyt,  künen  thaten  und  anschlegen  ausbündig,  edel  und 
wolgeschickt.^  Diese  Charakteristik  ist  von  Sebastian  Franck  in 
seine  Chronik  übernommen  worden.  —  Ant.  Corvin  schreibt  an  G.  Spalatin 
über  Johann  (Bl.  A4):  „Fuit  enim  in  excogitandis  iis,  quae  regalem  hanc 
pompam  decebant,  mirus  artifex;  ad  haec  in  patria  lingua  facundus, 
subdolus,  fraudulentus  et  versipellis.^  Bei  Erwähnung  seines 
Gespräches  mit  B.  Knipperdolling  und  B.  Erechting  fügt  er  Bl.  B4  über 
diese  hinzu:  „, . ,  neque  calliditate  neque  facundia  regi  pares 
fuere.**  —  C.  Heresbach  S.  15  schildert  ihn  als  einen  Jüngling 
„vafri  ingenii,  oris  et  spiritus  gratiae  plurimum  confidens 
et  ad  res  novas  ingenio  apposito,  caeterum  indoctus  .  .  .'^ 
„Qui  cum  tragico  hoc  rege,"  schreibt  Heresbach  S.  22  weiter,  „dum  adhuc 
loannes  Leydensis  esset  vestiarius  et  scurra  vaferrimus,  consuetudincm 
habuerunt,  eundem  ad  comminiscendas  imposturas  mirum  arti- 
ficem  ac  veluti  natum  affirmabant."  —  H.  Bullinger:  Der 
Widertäuffer  Ursprung  . . .  (Zürich  1560)  S.  52  fafst  das  Urteil  über  Johann 
in  die  Worte  zusammen,  er  war  „scharpffsinnig,  wol  beredt  und 
zimlich  beläsen,  darzu  ser  geschwind  und  listig,  auch  fast 
fräfen,  doch  wunderbarlich  glychfsnerisch  und  anhärig.** 
Auch  L.  Horten si US  S.  26 f.  sagt:  „Indoles  fuisse  videtur  plane  illibe- 
ralis,  inverecunda,  audax,  potentiae  avida  et  in  libidincm  prona.  Ad  ea 
accessit  ingenium  subdolum  ad  simulandum  et  dissimulandum  quidlibet 
promptum,  beluina  item  ferocitas  in  eos,  in  quos  Imperium  esset,  si  pec- 
catum  admissum  fuisset.  Quae  omnia  vitia  authoritas  crcditi  spiritus  pro- 
phetici  et  reverentia  facile  celabat."  —  Der  äufsercn  Gestalt  Johann's 
widmet  Joh.  Fabricins  Bolandus  einige  Verse  (Bl.  0  !▼),  nach  denen 
H.  Hamelmann  S.  1196  berichtet.  Uebcr  bildliche  Darstellungen  Johann's 
in  Kupferstichen,  Gemälden  und  auf  Münzen,  besonders  über  die  Kupfer 
H.  Aldegrever's,  mit  Angabe  der  einschlägigen  Literatur  handelte  neuer- 
dings J.B.  Nord  ho  ff  in  den  „Bonner  Jahrbüchern''  Heft  96u.97  (Bonn 

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644  Anno  1534  acta. 

est,  quas,  qno  ille  velit,  pro  sna  libidine  deto^q^let^  Omnis 
levitatis  lasciviaeque  magister  est.  Adolescentes  adolescentülasqne 
promiscue  receptat  lenociniumqne  clanculum  facit.  Hnc  petnlci 
adolescentes  coennt,  hie  noctes  diesque  potitant,  hie  crapnlantur, 
hie  helluantur,  hie  scortantur,  hie  Insitant,  hie  fidibns  aliisque 
mnsicis  instrnmentis  eanimt,  hie  facnltates  snas  profnndnni 
Interdnm  tarnen  sareinatoriam  vel  animi  gratia  yel  honesti  opi- 
ficii  praeteztn  nsnrpat.  Hinc  hnius  yitae  ant  pertaesns  ant 
splendidiora  affeetans,  cnm  insignes  verbi  divlni  concionatores 
Monasterii  esse  intelligeret,  clam  ab  more  sua  divertit  et  di- 
scendi  aviditate  illeetus  circa  festnm-Pentecostes  anni  1533  eo 
secessit  atqne  Hennanni  Bameri,  civis,  hospitio  ad  festom  lacobi 
nsns  est^    Eine  explorandae  religionis  cansa  Osnabnrgam  pro- 


1895)  S.  320  ff.  Er  weist  anf  die  zahheichen  in  den  Niederlanden  verfer- 
tigten Portraits  der  Häupter  der  Münsterschen  Wiedertäufer  hin.  Ygl.  auch 
über  2wei  in  Schwerin  befindliche  Bildnisse  des  Königs  und  der  Königin 
(von  Fr.  Floris?  oder  von  Herrn,  to  Ring?)  F.  Schlie:  Beschreibendes  Ver- 
zeichnis der  Werke  älterer  Meister  in  der  Grofsherzogl.  Gemälde-Gallerie 
zu  Schwerin  (Schwerin  1882)  S.  524  ff.  Die  Bildnisse  sind  wiedergegeben 
im  „Deutschen  Hausschatz''  Jahrg.  19  (Begensburg  1893)  S.  468  f. 

^)  „DerKunig,"  bekennt  Job.  KlopriTs  (J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  134), 
„sj  ...  eins  grcifsen  Verstands  in  der  hilligen  schrifft,  auch 
einer  solchen  wolsprechenheit,  das  er  damit  das  volk  be- 
wegt, ime  anzuhangen."  Aehnlich  sagt  er  (a.a.O.  S.  128)  aus:  „Und 
dweill  er  dan  uss  deme  wort  Götz  wunderlige  dinge  kunt  sagen,  so  bewegt 
er  das  volck  damit,  das  sie  imc  geneigt  und  anhengig  worden.'' 

')  Hier  und  Im  Folgenden  wiederholt  und  vervollständigt  Kerss.  in 
engem  Anschlüsse  an  Johannas  Bekenntnisse  bei  J.  Niesert  S.  175  seinen 
schon  oben  S.  412  f.  gegebenen  Bericht.  In  seinen  Aussagen  M.  G.-Q.  II, 
369  f.  berührt  Johann  seinen  Aufenthalt  in  Osnabrück,  Schöppingen  und 
Coesfeld  nicht,  führt  aber  als  Grund  seiner  Reise  nach  Münster  an:  „. . .  so 
hy  . . .  an  siner  kopmanschaft  verlaeren  hadde,  wolde  hj  na  Munster  reisen. 
Dair  innen  oen  sine  huisfrouw  wederde,  seggen :  „wilt  ghy  noch  meher  ver- 
teren  ?  ghy  en  hebben  doch  genoech  an  uwcr  kopmanschaft  verlaeren  !*  Is 
aver  buiten  oeren  willen  dair  hinnen  gereist^  so  hy  huerden,  dat  wort  Götz 
dair  selfs  am  heisstcn  und  beisten  gepredigt  werde.  Aver  doe  noch  niet 
weder  doept."  —  Die  erste  Anwesenheit  Johann's  in  Münster  erwähnt  kurz 
auch  Job.  Kloprifs  a.a.O.  S.  128.  C.  Heresbach  S.  22  berichtet,  dafs  er 
Johann  zur  Auskunft,  „quo  pacto  spiritu  ac  visu  admonitus  Monasterium 
petiisset,^  habe  erklären  hören:  „hie  coelestem  Hierosolymam  ftitnram 
scque  illic  mira  praestiturum." 


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Anno  1534  acta.  645 

fectos,  nnde  propter  anabaptismnm,  qnem  palam  serere  coepit, 
profligatas  est,  inde  Schoppingam;  nbi  cnm  dies  aliqnot  in  aedi- 
bns  Henrici  Erechtingi,  *gogravii,  eadem  fece  anabaptistica  pol-*p.  524. 
Inti  haereret,  snggestione  Spiritus  nocte  raptus  est  ad  lectnm 
famnlae  aegrotantis,  nt  eam  suis  pharmacis  et  sno  baptizandi 
ritu  cnraret*.  Hinc  Coesfeldiam,  inde  Monasterinm  regressns. 
Tandem  circa  festam  Omnimn  Sanctonim^  in  patriam  snam 
rediit  ibiqne  cnm  Matthissone  de  paedobaptismo  egit  et  retinc- 
tns  est  mansitqne  in  patria  ad  festnm  nativitatis  Christi  Inde 
cnm  Gerardo  thom  Kloester  itineris  comite  Breylam,  Eotero- 
damnm,  Amstelrodamnm,  Enckhnsiam,  Alckmariam  et  alia  loca 
in  transcnrsn  simnl  peragrabant  rebaptizantes  qnosvis  obvios^ 
Hinc  Lejdam  reversi  sunt,  nbi  non  ultra  tridunm  haerentes 
Monasterinm  ad  13.  diem  lanuarii  anni  1534  redierunt^  et  a 
Enipperdollingo  hospitio  excepti  conyenticula  cum  Henrico  Bollio 
aliisque  eiusdem  farinae  concionatoribus  creberrima  et  fere  quo- 
tidiana  egerunt.  Consnltationis  suae  decreta  ecclesiastae  in  yulgus 
spargunt^  eoque  rem  deducunt,  ut  totam  civitatem  fere  demen- 
tent  et  ex  stnltis  insanos  faciant  Boekelsonem   creantes  regem. 


*)  Vgl.  die  schon  oben  S.  509  Anm.  mitgeteilte  SteUe  aus  dem  Be- 
kenntnisse Johann's.  Die  Worte  sind  in  der  Wiedergabe  der  Aussagen  bei 
J.  Niesert  fortgelassen  und  von  C.  A.  Cornelius  M.  G.-Q.  II,  417  f. 
nachgetragen.  Auch  C.  Heresbach  S.  22  erw&hnt  diese  Begebenheit. 
Er  hat  sie  aus  dem  Munde  des  gefangenen  Königs  erfahren. 

*)  1.  Nov.  —  ')  Kerss.  folgt  auch  hier  weiter  den  Bekenntnissen 
Johannas  bei  J.  Nies ert,  die  im  Ganzen  mit  denen  in  den  M.  G.-Q.  über- 
einstimmen. Nur  in  der  Angabe  der  Zahl  der  an  den  einzelnen  Orten 
Wiedergetauften  weichen  die  YerhörsprotokoUe  von  einander  ab.  Auch  giebt 
das  in  den  M.  G.-Q.  mehr  Namen.  Zwischen  den  Aufenthalt  in  Rotterdam 
und  den  in  Amsterdam  fällt  eine  nochmalige  Anwesenheit  Johann's  in 
Leiden,  während  welcher  Johann  u.  A.  seine  Frau  wiedertaufte.  —  Das 
„Urteil  des  Hofes  von  Holland«  a.  a.  0.  S.  79  sagt  über  Johann:  «...  dat 
deselve  deffaiUant  zeer  besmet  was  van  den  Lutersse  ende  Melciorite  secte, 
welcke  secte  hy  gesajt  ende  geleert  hadde  binnen  der  stede 
van  Lejden  diversche  persoonen  hardoopende  vel  luyden 
binnen  zjnen  hujse  . .  .* 

*)  Hier  giebt  Kerss.  richtig  Gert  tom  aoister  als  Reisegenossen  Jo- 
hann's an,  w&hrend  er  oben  S.  478  f&lschlich  Jan  Matihys  als  solchen  nannte. 

»)  Gemeint  sind  die  oben  S.  448  Anm.  erwähnten  Artikel  der  Wieder- 
täufer. 


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646  Anno  1534  acta. 

Eeliquerat  hie  Boekelson  nxorem  snam  in  patria  vaferri- 
mam,  qnae  eadem  fece  contaminata,  qua  maritns,  mnltos  ibi 
blandiloquentia  sua  clancnlum  seduxerat.  Sed  prinsquam  Mona- 
sterinm  obsidione  solntnm  esset,  a  magistratu  Lejdano  appre- 
hensa  temerarii  schismatis  poenas  gladio  pendit^.  Fratrem  ha- 
bnit,  quem  secum  in  urbem  abduxit*.  Soror  vero  consuli  Ley- 
dano  nnpsit;  cui  cum  fortuna  novercaretur,  locum  commutavit; 
nee  tarnen  id  multum  profuit,  nam  inops,  ut  dicitur,  anno,  ut 
opinor,  1568  e  vivis  excessit. 

Ita  regiam  maiestatem  per  Warendorpensis  prophetae  som- 
nium  consecutus  palatinos  vel  palatii  sui  ministros  seu  aulicos 
se  dignos,  hoc  est  sceleratissimos  quosque,  sibi  deligit,  maxime 
vero  eos,  quorum  coUusione  ad  hoc  honoris  fastigium  emersit. 
Principio  itaque,  ut  suo  hospiti  in  primis  gratificaretur  et  sub- 
ditorum  rationem  habeat,  si  regno  aucto  et  düatato  omnibus 
oneribus  solus  superesse  non  possit,  KnipperdoUingo  vicariam 
operam  et  fiduciariam  regni  administrationem  se  absente  vel 
occupato    committit^.     Bernardus   Bothmannus,    omnis    motus 


*)  Yon  den  wiedertauferischen  Unruhen  in  Leiden  im  Januar  1535 
berichtet  auch  L.  Hortensius  S.  53.  Yergl.  dazu  C.  A.  Cornelius  in 
den  »Abhandlungen  d.  Kgl.  Bayer.  Akad.  d.  Wissensch."  bist  Kl.  Bd.  11 
Abtlg.  2  (München  1869)  S.  66  f.  u.  88,  wo  es  in  einem  Briefe  des  Reynier 
Brunt  an  den  Grafen  von  Hoichstraten  vom  27.  Januar  1535  heifst :  ,Vaii 
Dordrecht  heb  ic  meester  Vincent  up  eergister  doen  advertem  van  de  ver- 
gaderinge  tot  Leyden  van  den  anabaptisten  ten  huyse  van  den  pre- 
tense  coninck  van  Sion,  die  welcke,  nae  sy  langen  tyt  resistencie 
gedaen  hadden,  in  vangenisse  gebrocht  syn  tot  in  getal  van  19  of  iiO  per- 
sonen,  soe  vrouwen  als  mannen,  daer  desselfs  conincx  huysvroe 
een  of  es  . ,.** 

•)  Einen  Bruder  Johann's  finde  ich  in  den  Quellen  nur  einmal  er- 
wähnt. Job.  Kloprifs  sagt  aus  (J.  Niese rt  a.a.O.  S.  128),  „der  kunig 
hab  vom  stürme  prophetiert,  defsgeleicben  auch,  das  sein  broder  mit 
Enipperdollings  dochter  sulle  verhillicht  werden." 

■)  Die  Einrichtung  des  Hofstaates  sowie  die  Ernennung  der  könig- 
lichen Beamten  und  Diener  ist  nach  dem  Bekenntnisse  des  Job.  Eloprils 
a.a.O.  S.  113  und  nach  H.  Gresbcck  S.  85  durch  Rothmann  aus  einem 
Register  dem  Volke  verkündigt  worden.  Die  im  Folgenden  von  Kerss.  ge- 
gebenen Namen  und  Amtsbezeichnungen  finden  sich  mit  wenigen  Ausnah- 
men wieder  in  der  in  hochdeutscher  Sprache  gedruckten,  bei  Weitem  voU- 
st&ndigeren  „Des  Münsterischen  Königes  Johann  von  Leden  Hoffordming,^ 


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Anno  1534  acta.  647 

auctor,  coryphaeus  et  summus  concionator,  fit  nunc  orator  re- 
giu8^  *Begi  a  consiliis  quatuor:  Gerardus  tznm  Kloester,  Ber-*p, 
nardus  Krechtingus,  pastor  Gilthusianns,  Henricns  Eedeker, 
pellio,  Gerardus  Eeyninck,  mercator  *;  quibus  postea  Christianum 
Eerckringnm  patricinm  praeficlt  tanquam  dissentientium  senten- 
tiarnm  sequestrum  *.  Andreas  Coesfeldianns  censor  morum*. 
Hermannus  Tylbech,  patricius,  praefectus  praetorio,  quem  alii 
praefectum  palatii  seu  aulae  magistmm  appellant^.  Henricns 
Krechtingus,  gogravius  Schoppinganus,  archigrammateus  ^  Joannes 


einem  Fingblatte,  das  1535  zugleich  mit  einem  Berichte  Hermann's  v.  Men- 
gerssen  über  die  Eroberung  Münsters  veröffentlicht  wurde  (Neudruck  nach 
einer  Handschrift  in  niederdeutscher  Sprache  im  Altertumsvereine  zu  Münster 
in  der  Zeitschr.  16  [1855]  S.  358 ff.;  vgl.  auch  P.  Bahlmann:  Bibl.  1535 
Nr.  17).  In  niederdeutscher  Sprache  ist  uns  diese  „Hofordnung''  noch  er- 
halten im  „Cod.  ms.  bist.  657*  (Mss.  Zwichemiana)  Bd.  8  der  Üniv.-Bibl. 
zu  Göttingen.  In  den  Noten  habe  ich  auch  dieses  gleichzeitige  Manuscript 
berücksichtigt.  —  Die  „Hof Ordnung"  kennt  das  erst  im  Frühjahr  1535  ein- 
gerichtete Amt  der  Herzöge  noch  nicht.  Andererseits  aber  führt  sie  in 
einem  Anhange  die  Namen  von  sechzehn  Frauen  Johannas  auf.  Da  aber 
die  Aussagen  der  im  October  1584  entsendeten  wiedertäuferischen  Apostel 
von  höchstens  sechs  Frauen  Johann's  sprechen  (Genaueres  darüber  s.  weiter 
unten),  so  können  die  Angaben  der  Hofordnung  nicht  unbedingte  Geltung 
haben  für  die  Zeit  der  Errichtung  des  Königtums,  sondern  erst  für  die  Zeit 
zwischen  dem  November  1534  und  dem  Mai  1535. 

')  „Waner,"  bemerkt  H.  Gresbeck  S.  93,  „dat  dair  was  tho  sagen, 
dair  dem  konninck  macht  an  lagh,  so  plagh  Stutenbcmt  dat  wort  tho  dein. 
Der  was  des  konnincks  advocat  ofte  sein  worthelder." 

')  So  auch  die  „Hof Ordnung".  Dieselben  königlichen  Räte  nennt 
Herm.  Regewart  in  seinen  Aussagen  vom  3.  Dez.  1534  (J.  Niesert:  Ü.-S. 

I.  S.  28),  nur  hat  er  nicht  den  Namen  Gert's  tom  Cloister,  sondern  sagt: 
„Her  Gerdt,  ertydes  capellaen  to  Deventer."  Job.  Beckmann  giebt  (M.  G.-Q. 

II,  411)  an  letzter  Stelle  unbestimmt  „Herman  of  Gert  Reininck"  an. 
Dionys.  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  276),  der  wieder  Gert  Reineken  nennt,  führt 
statt  des  Gert  tom  Cloister  Rothmann  als  einen  der  Räte  auf,  H.  Dorp 
Bl.  F  !▼  einen  Geistlichen  Joannes  Daventriae,  L.  Horten sius  S.  32  einen 
„Gerardum,  compaginatorem  librarium  SuoUanum." 

*)  Die  „Hofordnung"  führt  Christian  Kerkerinck  als  einen  unter  den 
fünf  königlichen  Bauherren  auf.  B.  Krechting  sagt  am  25.  Juli  1535  aus 
(J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  194):  „Kcrsten  Kerckerinck  sy  visscher  und  grever- 
meister  gewesen." 

*)  Zuchtmeister.  —    *)  Hofmeister.  —    *)  Kanzler. 


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648  Anno  1534  acta. 

Pnchmannns  regi  a  secretis  K  Bemardns  Zwollanns  arcMmagiros  ^ 
Gerardns  Kibbenbrock  praegnstator*.  Eberardns  Beymensnider 
strnctor*.  Gwalterus  Schemmeringk  regi  a  pocnlis*.  Gerardns 
Bonnensis  pylorns  •.  Joannes  Snttorpe  et  Hupertns  Knpperschleger 
cnbicnlarii  ^.  Christophorns  Waldegk,  episcopi  filins,  qni  rernm 
bellicamm  ignarns  per  imprndentiam  e  castris  propins  ad  nrbem 
accedens  ab  oppidanis  ernptionem  facientibns  captns  et  in  nrbem 
ad  regem  dnctns  est,  ob  liberaliorem  formam,  qnam  prae  se 
ferebat,  factus  est  somatophylax»  regins®.  Caspar  Wynschenck 
hemerodromns  ^.  loannes  Cnlmannns  ostiarins  ^".  Lnbbertns 
Haverhoven  coqnns.  Henricus  Deckeninck  promns '  K  Lnbbertns 
Oestermannns  organicen.  Habebat  enim  rex  organnm  in  aedibns 
snis  parvnm  qnidem,  sed  tanta  fistnlamm  omnis  generis  copia 
refertnm,  nt  vocnm  varietate,  sonornm  snavitate  et  singnlari 
artificio  cnm  maximo  etiam  certare  possit;  hoc  se  snosqne  anlicos 

>)  Ms,:  somotophilax. 


')  Im  alten  Druck  der  „Hof Ordnung'':  „Ca aper  Puthman,  secretarius.'* 
Doch  hat  das  Göttinger  Mannscript  den  Yomamen  Johann,  der  Nendrack 
Jasper  Puchmann.  —  *)  Küchenmeister. 

^)  Kredenzmeister.  Dionys.  Vinne  sagt  (M.  G.-Q.  II,  276):  „Kipen- 
broick  kockemester  sins  achtens.**  H.  Dorp  fuhrt  a.a.O.  G.  Kibbenbroiek 
ebenfalls  als  „Credentzer"  auf.  —  *)  Vorschneider.    So  auch  H.  Dorp. 

*)  So  auch  der  alte  Druck.  Im  Göttinger  Mscr.  heifst  er  Woltor 
Schemelick,  im  Neudruck  Wolter  Schenkingh,  bei  H.  Dorp  Walter  von 
Schoppingen.  -—  ®)  Thorwärter.  —  "')  Beide  fehlen  in  der  ^Hofordnung.** 

^)  „Mins  g.  h.  son  ist  des  konninges  kemmerlingk,**  sagt  Dionys. 
Vinne  im  October  1584  aus  (M.  G.-Q.  II,  276).  Ebenso  heifst  es  in  dem 
auf  die  Aussagen  der  Münsterschen  Apostel  zurückgehenden  Berichte  der 
„Newen  zeitung»*  (Zeitschr.  27  [1867]  S.  257),  wo  von  den  zwei  Knaben 
die  Rede  ist,  die  den  König  begleiten,  wenn  er  in  seiner  Majestät  in  der 
Stadt  umreitet  (vgl.  weiter  unten):  „der  knaben  einer  ist  meins  g.  h.  von 
Münster  son,  der  ist  dar  inne  gefangen  und  wartet  auf  des  königes  leib 
in  der  kamer.**  S.  auch  L.  Horten«ius  S.  33.  Nach  einem  Briefe  Ju- 
stinian^s  von  Holtzhausen  an  den  Rat  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  vom  8.  Juni 
1535  ist  Christoph  v.  Waldeck  am  2.  Juni  aus  der  Stadt  entronnen  (M.  G.-Q. 
II,  351).  S.  auch  J.  Niesert:  Ü.-S.  II.  S.  500.  Danach  ist  die  Angabe 
bei  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  V  7  zu  verwerfen,  der  dem  Bischof 
seinen  Sohn  durch  H.  Graes  (Januar  1535)  wieder  zugeführt  werden  läfst. 
—  Nur  der  Neudruck  der  „Hofordnung"  nennt  den  jungen  Waldeck. 

»)  Lakai.  —  >•)  Pförtner.  —  ")  Slueter  =  Ausgeber. 


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Anno  1534  acta.  649 

singnlis  fere  diebns  in  tnrba  reginarnm  et  pellicnm  choreas  dn- 
cens  oblectat^  Joannes  Bnsschodncensis  pyropaens  ^.  "Satellites  *p.  526. 
regia  28:  Gerardns  Aldenzeell,  Henricns  Santensis,  Hermannns 
Bilderbeck,  Emestns  Dammensis,  Georgins  Fromme,  Egbertns 
Scharlaken,  Henricns  Osnabnrgensis,  loannes  Brinck,  Petms 
Bevens  \  Bemardns  Olieschleger,  Adrianns  Traiectensis,  Gerardns 
Schelve,  Tnrban  Bjll^,  loannes  Langstrate,  Hermannns  a  Wnllen, 
Theodoricns  Dnsseldorp^,  loannes  Schnren*,  Infans  Agrippinas, 
loannes  Bispinck,  Qnirinns  Aqnensis,  loannes  Yoess,  Engelbertns 
Edinck,  Antonius  Velthness,  lacobns  Aldenzeell,  Hermannns  Kiste- 
maker,  Otto  Belholt*,  Bemardns  Wichardes,  loannes  Grevoni- 
ensis.  Nilandns  Enipperdollingo  snccessit  factnsqne  est  ensiger 
iisdemqne  ministris,  qnibns  Enipperdollingns  antea,  usus  est^. 
loannes  Eerkringns,  nothns,  in  re  militari  exercitatissimns,  fit 
architectns,  qni  cum  Gerardo  Mackenburgo,  loanne  Daventriaco 
ac  Antonio  Grotevadero,  coUegis  suis,  magnam  operariomm  ca- 
tervam  regit  ^  Oenoprostatae®  dno:  loannes  Ossenbecke,  loannes 
Salwide.  Creopolii  praefecti®  2:  Bemardns  Boentmpp,  Gerardns 
Pmesse.  Fmmenti  praesides  2^®:  Hermannns  Eeyninck,  Ber- 
nardns  Menneken,  qni  etiam  aromatnm  et  placentamm  cnsto- 
diam  habet.  Hanso  Borstel  anrifaber.  Bemardns  Bnschius  mone- 
tarins.   Winoldns  N.  tonsor.    Hermannns  Glade  pistor.    loannes 


^)  Auch  Bernh.  Erechtiiig  erwähnt  den  Organisten  des  Königs,  indem 
er  am  25.  Juli  1535  aussagt  (J.  Niesert:  Ü.-S.  1  S.  195):  ^ümb  die  4 
weche  hebben  se  eine  dans  geholden  uth  des  konigs  bevelch,  und  ist  einer 
dar  bjnnen  gewesen  mit  namen  Lutgerus,  hefPt  dem  konigo  up  dem  ergein 
gespilf  „So  hadde,**  berichtet  H.  Gresbeck  S.  103,  „der  konnick  sein 
Organist  und  hadde  ein  postif  in  seinen  huifs;  derselve  spielden  dair 
weilen  dat  sie  etten." 

*)  In  der  „Hof Ordnung":  „Johan  van  dem  ßussche  fuerboeter." 

•)  Fehlt  in  der  „Hofordnung**,  in  der  ein  Peter  Bruins  als  einer 
unter  den  sechs  „Ausreutem  oder  Feltschützen**  genannt  wird.  Im  Neudruck 
heifst  er  Peter  Brunsinck.  —  *)  In  der  „Hofordnung"  ürban  Bilde. 

*)  Fehlt  in  der  „Hofordnung." 

*)  Vgl.  oben  S.  574  u.  583.  Niland  ist  in  der  „Hofordnung"  nicht 
erwähnt.    Kerss.  nennt  ihn  weiter  unten  nochmals. 

^)  Als  fünften  unter  den  Bauherren  fuhrt,  wie  schon  oben  gesagt, 
die  „Hofordnung"  Christian  Kerkerinck  an. 

•)  Weinherren.  —    •)  Fleischherren.  —   ■*)  Over  dat  kom. 


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650  Anno  1534  acta. 

Coesfeldianus  ephippiopaeus  ^  Henricus  Leodins  sarcinator.   Her- 
mannns  Hagedorn  piscator.  Tabellarii  duo:  Goswinns  Glasemaker, 
Henricus  Oldenzeel*. 
*p.  527.  *Officiorum,    qnae    ad   militiam    pertinent,    distribntio': 

Omnis  regiae  primarii  praefecti  *  Gerlacus  a  Wallen,  Lambertus 
Leodius,  nobiles.  Joannes  Kursener,  pellio,  magister  eqnitmn*: 
Conradns  Kruesse  totius  pedestris  exercitus  praccipuus  dui*; 
Infans  Aldenzelanns,  Joannes  luliacus,  Christophorus  SchonhoflF 
signlferi  3^;  Nequam  Mulhemicus  dnctor  praecipui  exercitns, 
Speius  ductor  gregariorum®;  Arnoldus  Aldenbnrgicns  dux  cnr- 
sorum;  Henricus  Xantes,  loannes  Middelburgus  armonim  prae- 
fecti 2^;  Gerardus  Marcoduranus,  Caspar  Bornemannus  aciei  in- 
structores  2*";  Hermannus  Marcoduranus  tympanista*^ 

His   reliquisque   officiis,    quae    brevitatls   causa   prudens 
omitto**,   non  allter  regiam   suam  exomat,   ac  si  regia  stirpe 


')  Sattelraacher.  —  *)  In  der  „Hofordnung"  ist  der  letzte  der  beiden 
Boten  Hermann  von  Oldensell.  —  ')  Vgl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  84  f.  u. 
122.  —    *)  Feldherren.   —    *)  Rittemeister.   —    *)  Oberste  Hauptman. 

^)  Der  Letztere  fehlt  in  der  „Hof Ordnung." 

®)  Im  alten  Druck  der  „Hof Ordnung";  „Schaep  von  Melven  fürer 
bey  dem  gewaltigen  hauffen,  Spe  Für  er  bey  dem  vorloren  hauffen."  Im 
Göttinger  Mscr. :  „Schaep  van  Molven  furerer  by  dem  weidigen  hoep, 
Spe  by  den  vorlaren  hoep  furerer."  Im  Neudruck:  „Schapp  von 
Melven  forehr  . . .  Spe  f  or  ehr."  Offenbar  ist  hier  das  Amt  der  Furiere 
gemeint,  nicht,  wie  Kerss.  irrtümlich  übersetzt,  das  der  Führer. 

*)  Heinrich  Sanctus  und  Johan  Middebroch  nennt  auch  der  alte 
Druck  der  „Hofordnung"  als  Rüstmeister.  Im  Göttinger  Mscr.  heilst  es: 
„Henrich  Sanctus,  Johan  Muderwerth  Rustmester,"  im  Neudruck:  „Hin- 
rick Xanctus,  Johan  Mudelborgh." 

^°)  Im  alten  Druck:  „Gerdt  von  Duiren  Weweler  bey  dem  gewei- 
tigen hauffen,  Casper  Bornman  Weweler  bey  dem  verloren  hauffen."  Der 
Neudruck  führt  Gerdt  van  Düren  und  Jaspar  Bordemann,  das  Göttinger 
Mscr.  nur  Gerdt  van  Düren  an. 

")  Fehlt  in  der  „Hofordnung."  —  '*)  Die  „Hofordnung"  fuhrt  neben 
Pfeifern  und  Trommelschlägern  noch  namentlich  an :  1  Holzförster,  2  Bier- 
und  Brodherren,  2  Wollherren,  2  Büchsenmeister,  1  Futtermeister,  1  Stall- 
meister, 4  Büchsenschützen,  1  Buttermeister,  1  Thorhüter,  1  Vogt,  2  Turm- 
hüter, 1  Schuster,  2  Kleinschmiede  (Göttinger  Mscr.  u.  Neudruck:  „klcin- 
snider"),  1  Glasmacher,  5  Schmiede,  5  Maurermeister  (Göttinger  Mscr.: 
„muntemester"),   5  Zimmermeister,  5  Wallmeister,  2  über  die  fette  Kost^ 


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Anno  1534  acta.  651 

procreatns,  regiis  moribtfs  Imbntns  ac  inter  principes  ab  inen- 
nabnlis  edncatns  esset  K  Interea  dnm  haec  officiomm  fit  distri- 
bntio,  nt  et  enm,  qnem  ministromm  tnrba  fingebat,  yestitn  et 
corporis  omamentis  exprimeret,  dnas  Coronas  ex  anro  pnrissimo 
falgentibns  gemmis  per  certa  Intervalla  distinctis  sibi  fieri  inssit, 
qnamm  altera  tnrricnlis  qnibnsdam  more  regio  ednctis,  altera 
yero  praeter  tnrricnlas  istas  crncem  qnoqne  ex  anreis  laminis 
snpra  capitis  verticem  gestans  maiori  artificio  more  imperatorio 
ita  elaborata  est,    nt  materiam  opns  fere  snperet',    nnde   non 


2  Aasteiler  des  Gewandes,  1  Gewandverschaffer  (das  Göttinger  Mscr.  nnd 
der  Neudruck  nennen  zwei  mit  dem  Amte  „dat  want  to  schaffen,''  und 
zwar  neben  Magnus  Koehues  noch  Clawes  Stripe),  2  Austeiler  des  Holzes 
und  2  Gastmeister.  Ob  die  angeführten  Handwerker  nur  für  den  Bedarf 
des  Königs  und  seines  Hofes  arbeiteten,  oder  auch  für  sämtliche  Einwohner 
der  Stadt,  läfst  sich  aus  den  Quellen  nicht  entnehmen.  Wir  wissen  nur, 
dafs  um  Geld  und  Lohn  nicht  gearbeitet  werden  durfte.  „In  Munster  sie 
alle  dingk  gemein,"  heifst  es  im  Bekenntnis  des  Joh.  Kloprifs  (J.  Nies  er  t: 
U.-S.  I.  S.  126),  „und  treiben  nit  destoweniger  ire  hanntwerke,  aber  alles 
um  nicht z.**  „. . .  arbeiden  um  gelt,**  sagt  Rothmann  in  der  „Bestitution** 
S.  71,  „. . .  is  in  krafft  der  leiffden  und  gemeinschap  bj  uns  gantz  ge- 
yallen  . . ." 

')  So  schreibt  auch  A.  Corvin  anG.  Spalatin  Bl.  A4:  „Aulam 
praefecturis  ac  ofüciis  ita  instituerat,  ut,  si  natus  rex  fuisset,  prudentius 
non  potuerit." 

*)  Diese  genauere  Beschreibung  der  zwei  Kronen  des  Königs  giebt 
nur  Kerss.  Von  zwei  Kronen,  jedoch  für  den  König  und  die  Königin,  be- 
richtet unter  den  gleichzeitigen  Quellen  das  Flugblatt  vom  Jahre  1535 
„Newe  Zeytung  die  Wiederteuffer  zu  Münster  belangende"  (s.  P.  Bahl- 
mann:  Bibl.  1535  Nr.  9)  Bl.  A2^:  „Hatt  lassen  von  Ducaten  gold  zwo 
Kronen  machen,  ihm  und  seiner  Kunigin,  alle  mal  drey  kronn  auff 
einander."  Eine  andere  „Newe  zeitung"  (zuletzt  abgedr.  in  der  Ztschr. 
27  [1867]  S.  255 ff.;  s.  P.  Bahlmann  a.a.O.  1535  Nr.  11),  die  zum  Teü 
auf  die  Aussagen  des  Heinrich  Graefs  zurückgeht,  führt  unter  den  Insignien 
des  Königs  Bl.  A2^  u.  a.  eine  „dreyfeltige  krön,  seer  köstlich  gemacht 
Yon  ducaten  gold  . . .  und  darauff  köstlich  geschmnck**  an  und  fugt  hinzu: 
„Der  gleichen  helt  sich  auch  die  königen.^  Die  Krone  der  Kö- 
nigin speziell  erwähnt  noch  H.  Gresbeck  S.  109  bei  Gelegenheit  des 
Abendmahles  auf  dem  Berge  Zion  und  weiter  L.  Hertens ius  S.  44.  Auch 
nach  H.  Dorp  Bl.  F  !▼  „lest  sich  der  König  zwo  gülden  krönen  vom  aUer 
besten  golde  machen."  Endlich  spricht  noch  D.  Lilie  S.  234  von  „twe 
golden  krönen,   de  eine  noch   kosüikor,  als  de  anderen."    Sonst  finde  ich 


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652  Anno  1534  acta. 

solnm  regnum  aat  partem  aliquam  mnndi,  yernm  etiam  totins 
orbis  Imperium  et  monarchiam  se  consecntunmi  animo  concepit. 
Torqnis  gemmatns,  cni  aureus  mediocris  magnitudinis  glo- 
bus  mundi  formam  repraesentans  adhaeret,  duobus  gladiis  trans- 
versis,  altero  aureo,  aJtero  vero  argenteo,  transfiius  a  collo  de- 
pendet.  Inter  capulos  vero  gladiorum  in  suprema  globi  super- 
ficie  crux  aurea  posita  fuit,  cui  haec  verba  inscripta  fuenmt: 
"p.  528.  „Ein  koninck  der  gerechticheit  *uber  all,"  vel:  unus  rex  iusti- 
tiae  super  omnia^;   unde  non  obscure  se  mundi  dominum  esse 


stets  nur  eine  Krone  des  Königs  erwähnt  Sie  war  nach  Angabe  H.  Gres- 
beck's  8.  108  „twe  hant  briet  hoich.^^  L.  Hortensins  S.  33  hat  die 
Notiz:  „Corona  ex  puro  et  obrizo  triplex  gemmis  et  signis  mirandom  in 
modum  affabre  facta."  Auf  die  Frage,  wie  der  König  gehe,  antwortete 
Herrn.  Regewart  im  Verhör  (s.  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  28)  u.  A.,  der 
König  habe  „eynen  swarten  hoeth  myt  eyner  gülden  krönen  upgehatt." 
Von  der  Krone  auf  dem  schwarzen  Hute  spricht  auch  Dietrich  von 
Hamburg  Bl.  A3.  —  „De  kröne  und  ander  zirait,"  sagt  Dionys.  Vinne 
aus  (M.  G.-Q.  n,  277),  „ist  dorch  de  goltsmede  gemaket."  Die  königliche 
Krone  wurde,  wie  Kerss.  weiter  unten  berichtet,  nach  der  Einnahme  der 
Stadt  zugleich  mit  dem  Schwerte  und  den  goldenen  Sporen  Johannas  dem 
Bischöfe  von  Wilkin  Steding  überliefert.  —  üeber  den  Prunk  des  Königs 
und  seines  Hofes  vgl.  auch  J.  B.  Nord  ho  ff  in  den  „Bonner  Jahrbüchern'^ 
Heft  96  u.  97  (Bonn  1895)  S.  323  ff. 

')  Diese  Kette  des  Königs  ist  mehrfach  in  den  Quellen  genauer  be- 
schrieben. Kerss.'s  Worte  stimmen  mit  der  Schilderung  überein,  welche 
die  „Newe  zeitung'*  (in  der  Zeitschr.  27  S.  257)  giebt,  in  der  es  heifst, 
der  König  hatte  „ein  gülden  ketten  mit  eddelm  gesteyn,  der  weit  figur, 
mit  einem  gülden  schwert  und  mit  eim  silbern  durchstochen,  mitten  auff 
dem  apffel  ein  gülden  kreutzlin,  darauff  geschriben:  ein  König  der  gerech- 
tigkeit  über  die  weit."  Nach  dem  Berichte  des  The  od.  Fabricius,  der 
im  Auftrage  des  hessischen  Landgrafen  u.  A.  im  Nov.  1534  mit  Johann 
v.  Leiden  in  Münster  persönlich  unterhandelte,  ging  dem  Könige  „ein  gülden 
ketten  doppcl  nmb  den  hals"  (s.  die  „Mitteilungen  aus  dem  germanisch. 
Nationalmuseum"  Bd.  2  [Nürnberg  1889]  S.  100).  Ebenso  sagt  Dietrich 
von  Hamburg  Bl.  A3  von  der  Kette:  „die  geet  zw  ei  facht  umb  den 
hals."  Auch  H.  Dorp  a.a.O.  nennt  „ein  gülden  omament  umb  den  hals, 
mit  einem  kostlichen  blauen  und  edeln  gestein,  darauff  die  weit  mit  zweien 
schwerten  durchstochen  gemacht  war."  Vgl.  auch  L.  Hortensius  S.  33. 
Ausführlicher  ist  wieder  der  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  87:  „So  hadde 
.der  konningk  ein  gülden  ketten.  In  derselven  ketten  dair  hadde  hei  innen 
Jiangen  die  werlt  glick   als  sein  wapen,   mit  einen   gülden   runden  appel. 


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Anno  1534  acta.  653 

significavit  *.  Nee  hoc  sibi  satis  esse  putavit,  nisi  etiam  magni 
ponderis  catenae  diversis  gemmis  fulgentes  in  multiplices  orbes 
conyolutae  scapnlas  ambirent'.  Yaginam  gladii  militaris  plane 
anream  lateri  et  ex  eodem  metallo  calcaria  facta  pedibns  accom- 
modat  et  aptat.  Sceptrum  regium  tribns  circnlis  aureis  ambitur 
praeter  annulos  variis  gemmis  micantes,  quibus  regii  digiti  ex- 
omati  riguerunt*.    Signatorium  etiam  annnlum  pondere  viginti 


und  derselve  appel  was  ein  blae  sprincklick  oder  bunt  appel,  und  der  stein 
was  grae  . . .  Und  derselve  stein  was  nmbher  befatet,  glick  als  man  plecht 
die  werlt  tho  malen,  mit  golden,  und  boven  np  dem  appel  ein  gülden 
crentze,  und  mit  twe  gülden  schwerde  doer  stecken.  Dieselve  kette  plach 
der  konigh  in  dem  halfs  tho  dragen.^^  —  Mit  einer  kunstvollen  Kette  ist 
Johann  sowohl  auf  den  H.  Aldegrever'schen  Stichen  wie  auch  auf  dem  Ge- 
mälde in  Schwerin  angethan.  Dafs  die  wiederholt  in  Münster  ausgestellten 
Wiedert&uferketten  im  Besitze  der  Familien  v.  Heereman  und  v.  Merveldt 
„der  n&heren  Beweise  der  Echtheit  entbehren,^*  hat  schon  J.B.  Nordhoff 
a.  a.  0.  S.  326  bemerkt.  „Selbst  das  Merveldter  Exemplar,"  fährt  er  fort, 
„welches  bestimmter  für  die  Königskette  ausgegeben  wird,  pafst  mit  den 
kleinen  Gliedern  und  der  schlichten  Arbeit  überhaupt  weder  zu  den  in 
Aldegrever^s  Wiedertäufer-Stichen  dargestellten  Ketten,  noch  zu  den  son- 
stigen Prunkstücken  des  Hofes  . .  ,^ 

*)  So  sagt  Dionys.  Vinne  (M.  G.-Q.  11,  277)  aus:  „Mit  der  ange- 
hengener  werlt  an  der  ketten,  bedut,  dat  he  hersschen  sal  aver  de 
gantzen  werelt."  Die  Flugschrift  „Warhafftiger  bericht"  (s.  P.  Bahl- 
mann:  Bibl.  1535  Nr.  20)  meldet  Bl.  B  4:  „Man  hat  dem  König  . . .  vor- 
tragen ein  königlichen  apffel  mit  einem  gülden  creutz,  darvor  här  zwey 
Schwerter;  das  hat  so  vil  bedeut  als  ein  König  aller  weit." 

')  Von  „viel  gülden  ketten"  spricht  H.  Gresbeck  S.  87,  vergl. 
auch  S.  85  u.  93. 

')  So  nach  H.  Dorp  a.  a.  0.:  „Ein  gantz  güldene  scheyd  zu  eim 
knechtsendegen,  zwen  gülden  Sporen,  . . .  einen  zepter  mit  dreien  gülden 
benden  beschlagen  ..."  H.  Gresbeck,  der  8.  87  von  einem  „schwert 
mit  einer  gülden  scheiden"  imd  einem  „panser  degen  mit  einer  gülden 
scheiden"  berichtet,  sagt  S.  88  von  den  Sporen:  „Ick  halde,  dat  die  ock 
silver  sint  gewest  und  sint  overguldet.  It  magh  ouch  wol  clair  golt  sein 
gewest."  Nach  Joh.  Beckmann's  Bekenntnissen  (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  35) 
trug  der  König  „eynen  knechtzdegen  myt  eynen  golden  ortbande;  dat  be- 
steck ys  oick  myt  golden  huven."  Von  dem  „degen  mit  gold  beschlagen" 
spricht  noch  Th.  Fabricius  a.a.O.,  von  „gülden  sporn"  Dietrich  von 
Hamburg  a.a.O.  Th.  Fabricius  sendet  am  26.  October  1534  dem  Land- 
grafen von  Hessen  eine  „newe  zeitungh"  ein,  in  der  es  heilst  (St.-A.  Mar- 
burg), dafs  der  König  „mehr  dan  vor  acht  dusent  gülden  klenodien  umb 
sich  und  an  sich  hangen  hat." 


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654  Anno  1534  acta. 

duorum  florenorum  ex  auro  Ehenano  ac  dnriore  factum,  ne  assi- 
duo  signandi  usu  atteratur,  indici  induit,  in  cuius  pala  orbis 
fuit  dnobns  gladiis  transfixns,  insigne  regium,  qnem  haec  scrip- 
tura  dnplici  circnitu  ambiebat:  „Die  Koninck  in  den  nyen  tempell 
foret  dit  vor  ein  exempell." 

Vera  forma  et  magnitudo  palae  regii  annuli^ 


Hunc  Eberardus  ab  Elen,  vir  doctrina,  humanitate,  ex- 
perientia  et  longo  rermn  usu  excellentissimus,  a  principe  mne- 
mosyni  loco  post  recuperatam  urbem  sibi  donatum  moriens  se- 
natui  Monasteriensi  cum  regiis  quibusdam  armis  in  perpetuam 
rei  memoriam  conservandum  legavit*;  qui  tanquam  memorabile 
tristissimae  cladis  exemplum  in  conclavi  senatorio  conservatus 
et  quotidiano  conspectui  obiectus  magistratum  sui  officii  admo- 
nere  et  a  simili  calamitate  conservare  potuisset.  Hunc  tarnen 
senatus  vel  antiquitatis  negligens  vel  Westphalica  quadam  po- 
steritatis  invidia  vel  potius,  ut  tantae  cladis  memoriam  et  luctum 
perpetuum  animis  civium  semel  eximeret  et  publicum  commo- 


')  Im  Manuscript  ist  an  dieser  Stelle,  wahrscheinlich  aus  einem  alten 
Flugblatte,  eine  Abbildung  des  Siegelringes  eingeklebt,  die  hier  abgedruckt 
ist.    Sie  weicht  von  der  bei  G.  Spalatin:  Annales  Reformat.  S.  300  ab. 

*)  Im  Stadt-A.  M.  XIV,  36»  ist  eine  beglaubigte  Abschrift  des  Testa- 
mentes Eberh.  v.  Elen's,  Kanzler  des  Bischof  es,  vom  24.  Januar  1558  er- 
halten, in  dem  es  heilst:  „Noch  gaff  und  besatte  he  einem  erbaren  raede 
der  Stadt  Munster  den  golden  signetz  rinck,  so  der  wedderdoper 
konninck  Johan  van  Leiden  gehadt,  item  harnesch  und 
speitze  em  oich  tobehorich  gewesth,  item  alle  ander  weher 
und  oich  boeker,  so  van  dem  wedderdopeschen  handel  alhir  to  Munster 
hirbefoms  geschein  meldunge  doen,  sodaene  tor  ewiger  gedechtniss  to  ver- 
waren  und  to  holden/  Ein  Harnisch  und  Waffen  des  Königs  sind  sonst 
von  Kerss.  nicht  erwähnt.  Nach  mir  gewordener  gütiger  Mitteilung  des 
Herrn  Dr.  A.  Wormstall  findet  sich  in  den  Kämmerei-Rechnungen  im 
Stadt-A.  M.  zum  Jahre  1616  noch  ein  Posten  für  Reinigung  der  Panzer 
und  der  Spiefse  Johann's  durch  einen  Schwertfeger  vermerkt. 


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Anno  1534  acta.  655 

dum  augeret,  a  se  alienavit  et  Davidi  Knopio,  etiam  inter  Italos 
artis  nomine  aurifabro  clarissimo,  vendidit*. 

Yestitus  etiam  aliis  omamentis  respondens  et  plus  quam 
regius,  quem  pro  arbitrio  saepe  commutat ;  nunc  enim  radiantem 
coccineam  et  purpuream,  nunc  holosericam,  villosam,  nunc  Da- 
mascenam  nigram  alterinsve  coloris  pellibus  ferarum  subductam, 
nunc  undulatam^  variis  imbrium  figuris  adumbratam,  nunc  Si- 
doniam  auro  argentove  intextam,  nunc  bombjcenam  manicis  con- 
scissis  et  aureis  fibulis  subnexis  et  religatis,  raro  vero  laneam 
vestem  in  publicum  proditurus  induitl  Latrones^  et  satellites 
regii  colore  rubre  caeruleoque  instructos  *amictus  et  in  altera  »p.  529. 
manica  figuram  mundi  duobus  gladiis  transversis  transfixam  et 

»)  Ms.:  undalatam.  —  b)  Ms.:  laterones. 


^)  Ueber  die  Eünstlerfamilie  Enop  zn  Münster  vgl.  bes.  J.  B.  N  o  rd- 
h off  in  der  «Ztschr.  f.  bildende  Kunst"  Bd.  10  (Leipzig  1875)  S.  83 ff.  und 
in  den  ^Bonner  Jahrbüchern'*  Heft  87  (Bonn  1889)  S.  118  ff.  Authentische 
Nachrichten  über  den  weiteren  Verbleib  des  Ringes  sind  nicht  bekannt. 

*)  Hier  möge  eine  Zusammenstellung  der  hauptsächlichsten  Angaben 
in  den  gleichzeitigen  Quellen  über  die  Kleidung  des  Königs  folgen.  HeruL 
Regewart  sagt  aus  (bei  J.  Kiesert:  U.-S.  I.  S.  28):  „he  drege  eynen 
Bwarten  fluelen  paltrock  und  eyn  langen,  wytten,  zammeten  rock,  eyn 
swarth  zammeten  boneth."  Damit  stimmt  genau  die  Aussage  Joh.  Beck- 
mann^s  (ebd.  S.  35)  überein.  In  einem  „Witten  siden  rocke"  erschien  der 
König  nach  der  Angabe  des  Dionys.  Vinne  (M.  (r.-Q.  II,  276)  bei  dem 
Abendmahle  *auf  dem  Berge  Zion,  während  nach  der  Angabe  des  H.  Graefs 
(Zeitschr.  27  [1867]  S.  263)  Johann  bei  dieser  Gelegenheit  „mit  einem 
schwartzen  paltrock,  darauff  ein  silberen  stuck  gedeckt,"  bekleidet  war. 
Th.  Fabricius  berichtet  a.a.O.,  wie  er  den  König  gesehen  habe  „in 
einem  swarczen  sammeten  balcz  oder  leibrock,  weissen  damaskaten  mantel, 
swarczem  sameten  spanischen  biretlein."  „Wen  aber  der  könig  in  seiner 
maiestet  in  der  stat  umbreitet,"  berichtet  die  „Newe  zeitung"  (Ztschr.  ebd. 
S.  256)  nach  den  Erzählungen  der  ausgesandten  Apostel,  „so  hat  er  ein 
silbren  stück  an,  das  auf  der  falden  zuschnitten,  darunter  rot  carmesin, 
und  mit  golde  zusamen  gebunden."  Danach  schildert  auch  L.  Hortensius 
S.  33,  der  schon  S.  32  anführt:  „. . .  aureis  et  argenteis  tunicis  conspicuus 
per  publicum  vehebatur."  Nach  H.  Gresbeck  S.  87  hat  sich  der  König 
^laten  macken  einen  sambten  rock  und  kostelicke  hosen  und  wambufs  von 
kostlickem  sietwerck  und  eine  kostlicke  gülden  huye  und  ein  sambten  ho- 
net."    Vgl.  auch  S.  85  u.  93. 


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656  Anno  1534  acta. 

intra  gladiorum  capalos  crucem  habentem  gerunt^  Quisque 
etiam  anlicorum  pro  titulo  sui  honoris  non  aliter,  quam  qui  in 
scenis  spectacnla  exhibent,  vestitum  sibi  affingit.  Duodecim 
seniores  ac  prophetae,  penes  qnos  in  superiori  reipublicae  forma 
imperium  fiiit,  hmnili  ac  simplici  ntebantnr  vestitn*.  Nunc 
vero,  cum  anmm,  argentnm  tarn  publicum  quam  privatum, 
pallia  Sacra  reliquaque  Sidonea,  serica  purpureaque  omamenta 
Deo  dicata  e  templis  rapta  et  ad  se  delata  sint  sibique  omnia 
tam  publica  quam  privata  subiecerint  verosque  cives  suis  co- 
natibus  intercedentes  trucidaverint,  pro  libidine  sua  rebus  alieno 
labore  quaesitis  sese  omant^    Non  satis  erat   stulto  et  amenti 


^)  YgL  dazu  die  hiermit  übereinstimmende  ausführliche  Schilderung 
bei  H.  Gresbeck  S.  86f.  Danach  hatte  auch  „für  ein  jeder  porte  ein 
portener  . . .  up  der  einer  mouwen  einen  schluttel  gesticket,  dat  hei  ge- 
denken sol  up  und  tho  tho  schluitten  die  porten.^  Das  Wappen  auf  dem 
rechten  Aermel  der  königlichen  Trabanten  erwähnt  auch  der  „WarhafPtige 
bericht''  Bl.  B  4.  Nach  H.  Gresbeck  a.  a.  0.  hatte  der  König  seine  Diener 
gekleidet  „roit  und  grae,  cruitze  wiefs  gedeilt  die  hosen,  der  eine  roet  und 
die  ander  grae  ..,*'  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  A3  spricht  von  30 
königlichen  Trabanten,  die  „haben  an  grün  und  ascherfarb  und  tragen  auf 
yren  häuptem  weiTz  hüt  und  güldene  ringe  an  yren  henden/  Ebenso  sagt 
L.  Hortensius  S.  40  und  läfst  die  Farbe  der  Kleidung  durch  Rothmann 
80  auslegen,  „ut  color  cinericius  mortificationem  camis  et  peccati,  grami- 
neus  vero  novum  hominem  ex  Deo  renatum  signaret.** 

<J  Ygl.  oben  S.  630.  Auch  H.  Gresbeck  a.a.  0.  sagt:  „Mit  den 
irsten,  do  sie  die  dope  anhoeveden,  do  en  hedden  sie  geine  doirschneden 
kleider.  Do  wolden  sie  so  hillich  sein,  dat  sie  solcke  kleider  nicht  dregen 
wolden.    Dieselve  kleider  weren  na  der  werlt  und  na  dem  fleisch.*' 

»)  S.  oben  S.  520 ff.  u.  542 ff.  An  den  Stellen,  wo  H.  Gresbeck 
die  reiche  Tracht  der  königlichen  Bäte,  Hofleute  und  Befehlshaber  be- 
schreibt, fügt  er  hinzu:  „Dieselve  rocke  hedden  sie  in  der  stat  gekregen, 
die  den  ricken  lueden  weren  gcwest,  die  sie  thor  stat  uth  dreven''  (s.  S.  89, 
Tgl.  auch  S.  86  u.  186).  „De  misgewanten  und  ander  koirkappen,^  bekennt 
Dionys.  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  274),  „hebben  se  vordeilt  under  de  hovetlude 
und  knechten."  Aehnlich  sagt  Joh.  Kloprifs  aus  (bei  J.  Nies  er  t:  U.-8. 
I.  S.  132).  Als  der  König  zum  grofsen  Abendmahle  ritt,  kam  er  nach  dem 
Zeugnis  des  H.  Graefs  (s.  Zeitschr.  27  S.  263)  „mit  seinem  volck,  mit  31 
pferden  mit  vier  trabanten,  geklejdet  mit  sammet  und  gülden  stucken  aus 
der  kirchen."  Von  vielen  aus  allen  Kirchen  entnommenen  Gewändern  u.  s.  w. 
wurden,  wie  Herm.  Bamert  berichtet  (M.  G.-Q.  I,  332;  vgl.  auch  die  „Ord- 
nung"), „gemacket  koller  und  wambese."  Vgl.  auch  L.  Hortensius  S.  32. 


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Anno  1534  acta.  G57 

popnlo  scenicum  regem  et  scortonun  praesidem  admittere,  nisi 
etiam  scenicas  meretrices  (reginas  dicere  volui)  admittant.  Ele- 
gantissimas  enim  forma  pnellas  eligit,  qnamm  nnlla  praeter 
praecipnam  reginam  vicesimnm  aetatis  snae  annnm  ezcesserat, 
easque  sibi  omnes  matrimonio  copnlat,  quarum  nomina  subse- 
qnnntnr^:  1.  Divara  Harlemica,  Matthissonis  prophetae  in  teme- 


')  Die  hier  von  Eerss.  angegebene  Zahl  der  Frauen  Johannas  und 
die  Namen  derselben  decken  sich  mit  den  in  der  „Hofordnung^  angeführten. 
Ueber  die  Zeit  der  Gültigkeit  der  Nachrichten  in  der  „Hofordnnng^  (No- 
vember 1534  bis  Mai  1535)  vgl.  oben  S.  647  Anm.  Die  Angaben  der  Quellen 
über  die  schliefsHche  Gesamtzahl  der  Frauen  Johannas  weichen  von  ein- 
ander ab.  Die  höchste  Anzahl,  und  zwar  17,  nennt  H.  Dorp  Bl.  F2  n.F4^. 
IG  ^echte  wive**  giebt  die  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  335)  an,  und  die- 
selbe Zahl  findet  sich  bei  H.  Gresbeck  8.  132,  während  er  S.  60,  135, 
157  u.  191  nur  von  15  Frauen  redet.  ^Er  nam  zur  Ee  15  weyber,*  be- 
richtet das  Flugblatt  „Der  gantze  handel**  Bl.  A2v.  C.  Heresbach 
schreibt  S.  21  an  Erasmus  von  15  Konkubinen,  S.  27  von  ungefähr  15. 
Nach  D.  Lilie  S.  236  nahm  Johann  „bi  vertein  wiveren,"  eine  Zahl,  die 
auch  Ant.  Corvin  in  seinem  Briefe  an  G.  Spalatin  Bl.  A4  und  ebenso 
L.  Horten 8 ins  S.  44  angiebt  —  Dafs  Johann  bereits  in  Leiden  ver- 
heiratet war,  und  dafs  er  in  Münster  nach  Einführung  der  Yielweiberei 
um  Jacobi  (25.  Juli)  1534  drei  Frauen  nahm,  erzählte  Kerss.  schon  oben 
S.  626  n.  646.  Der  im  October  1534  als  Apostel  aus  Münster  entsandte 
Joh.  Kloprifs  bekennt  (J.  Niesert:  U.-8.  I.  S.  125),  „der  kunig  hab  6 
frauwen."  Vier  derselben  bezeichnet  er  näher  (s.  gleich  unten) ;  die  fünfte 
und  sechste  „kenne  er  nit."  Der  gleichfalls  im  October  als  Apostel  aus- 
geschickte Joh.  Boentrup  sagt  bei  seiner  Yemehmung  aus  (s.  das  „Be- 
kentnis  des  Fleischawers"  in  der  „Newen  zeitung"  [Zeitschr.  27  8.  265  f.], 
das  auch  von  L.  Hortensius  8.  39  übernommen  wurde):  „Der  König  hat 
4  haufsfrawen,  ist  itzund  an  die  fünffte  komen.^^  Während  seines  kurzen 
Aufenthaltes  in  Münster  am  Anfang  November  1534  sah  Th.  Fabricius 
nach  seinem  Gesandtschaftsberichte  a.  a.  0.  S.  101  vier  Weiber  des  Königs. 
Ein  alter  Druck  vom  Jahre  1535,  mitgeteilt  von  G.  Spalatin  in  seinen 
„Annales  Beformationis'^  führt  (Ausgabe  von  E.  8.  Cyprian  [Leipzig  1718] 
S.  302)  fünf  Frauen  Johannas  an.  Die  gleichfalls  aus  dem  Jahre  1535 
stammende  „Newe  Zeytung^'  (s  P.  Bahlmann:  Bibl.  1535  Nr.  9)  meldet 
von  sieben.  Endlich  besitzen  wir  noch  aus  der  Zeit  um  Ostern  (28.  März) 
1535  die  weiter  unten  auch  von  Kerss.  verwerteten  Aussagen  des  Hans 
Nagel,  der  sich  freiwillig  in  die  8tadt  begeben  hatte,  um  die  Lage  der 
Dinge  daselbst  auszukundschaften.  Nach  seiner  Rückkehr  gab  er  an  (Kopie 
im  St.-A.  M.),  der  König  habe  15  Frauen.  Eine  andere  Fassung  der  Nagel- 
schen  Aussagen  im  8t.-A.  Marburg  spricht  aber  nur  von  14  Frauen  Johann's. 

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658  Anno  1534  acta. 

raria  illa  eruptione  occisi  uxor,  mnlier  mediocri  statura,  obesula, 
cuius  genae  lacteo  colore  permisto  mbent,  ocuü  scintillant  Haec 
heroicam  quandam  gravitatem  in  incessn  prae  se  fert  et  yenn- 
state  ceteras  excellit.  Non  immerito  itaqne  eam  praecipnam  re- 
ginam,  cni  reliquae  sine  invidia  pareant,  creat*.  2.  Maria  Heckers, 
3.  Catharina  Milinges,  4.  Anna  Laurentz,  5.  Angela  Eerckringes, 
6.  Anna  Averwheges,  7.  Elyzabet  Wantscherers,  8.  Catharina 
Averweges,  9.  Elyzabet  Dreggers*,  10.  Anna  Knipperdollings, 
privigna  Knipperdollingi,  legitima  vero  filia  Matthiae  Hanges- 
becke  cognomine  Zelenmacker  *,  11.  Anna  Kibbenbroichs,  12.  Chri- 


*)  üeber  Johann's  Heirat  mit  Divara  (Differe)  aus  Harlem,  der  Witwe 
des  am  5.  April  1534  vor  Münster  gefallenen  Jan  Matthys,  vgl.  auch  oben 
8.  626.  Johann  bekennt  am  20.  Januar  1536  (M.  G.-Q.  11,  401),  dafs  er 
Yor  dem  Tode  des  Jan  Matthys  „ghein  sunderlinghe  zuneigungh  zu  der- 
selbigen  gehabf  Und  in  der  Aussage  Enipperdolling's  von  demselben  Tage 
heilst  es  (M.  6.-Q.  II,  404):  „Als  bald  Johan  Mathis  doit  was,  ginck  der 
koningk  und  troisten  sin  frauw.  Der  koningk  bekent  des  oich  und  saght, 
er  have  das  gheiner  ander  meinungh  gedaen,  dan  sie  was  ufs  HoUant  und 
sin  mitlantzfrauw.^'  —  „Ein  schön  edel  weih  aus  Holand'^  wird  Divara  in 
der  „Newen  zeitung"  a.  a.  0.  S.  256  genannt,  ebenso  in  der  „Newen  Zey- 
tung^^  Bl.  A2^.  L.  Hortensius  S.  22  sagt  von  ihr:  „Uxor  erat  elegant! 
forma,  admodum  adhuc  iuvencula/^  Ihr  stolzes  Auftreten  erw&hnt  Joh. 
Fabricius  Bolandus  Bl.  0  8^.  —  Dafs  sie  von  Jan  Matthys  schwanger 
war,  berichtet  Joh.  Eloprifs  a.  a.  0.  S.  125,  die  „Newe  zeitung"  a.  a.  0.  und 
H.  Gresbeck  S.  157.  —  Ihre  bevorzugte  Stellung  als  Königin  wird  in 
den  Quellen  mehrfach  hervorgehoben.  Sie  ist,  wie  H.  Gresbeck  S.  83£. 
ausfuhrt,  des  Königs  „irste  huisfrow^^  gewesen  und  „tho  einer  konigkinne 
gemacket  Die  andern  frowen  heft  der  konigh  nit  tho  konnighinnen  ge- 
mackt  Dieselven  sint  der  konigkinnen  underfrowen  gewest  und  sint  des 
konigs  concubinen  ofte  spilfrouwen  gewest."  „Reginam,"  schreibt  Ant. 
Oorvin  über  den  König  an  G.  Spalatin  (Bl.  A4),  „pari  secum  honore 
habebat,  cui  etiam  ceterae  uxores,  sive  concubinas  mavis,  subiecerat  ac 
parere  iubebat."    Vgl.  auch  L.  Hortensius  S.  44. 

')  Im  alten  Druck  der  „Hofordnung":  Elisabeth  Tregers;  im  Göt- 
tinger Mscr.  Elsa  Dreiers,  ebenso  im  Neudruck. 

^)  Mit  KnipperdoUing's  „magt"  war  Johann  schon  vor  der  Einfüh- 
rung der  Vielweiberei  verheiratet.  Vgl.  seine  Aussagen  bei  J.  Niesert 
a.a.O.  S.  178  und  M.  G.-Q.  II,  371;  s.  auch  „des  Münsterischen  König- 
reichs ...  an-  und  abgang"  Bl.  A  2,  Auch  wird  sie  von  Joh.  KlopriXs  a.  a.  O. 
als  Frau  des  Königs  genannt.  H.  Gresbeck  S.  157  berichtet:  „So  hadde 
der  koningk   ein  frow,   die  was   fruchtbar.    Dieselve  frouw  was  Knipper- 


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Anno  1534  acta.  659 

stina  Boede^  13.  Margareta  Modersonne,  14.  Elyzabet  Buscho- 
dncensis^,  15.  Margareta  Grolle,  16.  alla  qnaedam,  cuins  nomen, 
cnm  adhnc  snpersit,  prndens  praetereo^;  qnae  cum  nondnm 
aetate  matura-viro  esset,  ita  in  primo  congressu  a  rege  corrupta 
est,  ut  necesse  habnerit  a  Knupperi  uxore  chirurgiam  exercente* 
cnrari.  Haec  pristina  sanitate  recepta  adeo  a  regis  consnetudine 
abhormit,  ut  ad  ipsom  non  redierit. 

"^Taceo  hie  alias  feminas,  quamm  consnetudine  usus  fuerit,  «p.  &ao* 
priusquam  sceptra  invaderet.  Hamm  omnium  duae  tantum, 
nempe  Divara,  praecipua  regina,  et  Margareta  Modersonne,  femi- 
neas  regi  proles  pepererunt,  quamm  alteram,  cum  die  Solis  na- 
sceretur,  a  litera  eins  diei  A  Averall  vel  super  omnia,  älteram 
vero,  cum  die  Lunae  ederetur,  a  litera  B  Bljdam  vel  gauden- 
tiam  appellant  ^.  Septem  enim  prioribus  alphabeti  literis  Septem 
hebdomadae  dies  signavit  et  distinzit,  ita  ut  diei  Solis  literam  A, 
Lunae  vero  B  et  sie  deinceps  tribueret.  Quandocunque  igitur 
partus  in  urbe  editur,  regi  protinus  nunciatur:  populum  Israe- 


dollinks  magt  gewest  und  hadde  thovooren  gehat  einen  lansknecht.  Der 
wort  doit  geschotten.  Darna  nam  sie  der  koningk  für  ein  frow."  Nach 
Herrn.  Hamelmann  S.  1197  war  ein  Henricus  Selemecker  der  Yater 
der  Frau  des  Knipperdolling. 

')  Joh.  Eloprifs  nennt  a.  a.  0.  als  vierte  antcr  den  Frauen  Johannas 
„des  goltsmids  des  Kudden  maget/ 

*)  In  der  „Hofordnung'':  Elisabeth  von  dem  Bussche. 

')  Nach  der  „Hofordnung**  wäre  es  Clara  Knipperdolling  gewesen. 
Sonst  erwähnt  nur  Joh.  Eloprifs  a.  a.  0.  unter  den  Frauen  Johann's  auch 
„Enipperdollings  dochtor."   —   *)  S,  oben  S.  627  f. 

*)  Kerss.'s  Bericht  weicht  hier  von  dem  H.  Gresbeck's  8. 157  er- 
heblich ab.  Nach  letzterem  hatte  die  schon  früher  mit  einem  Landsknechte 
verheiratet  gewesene,  dann  von  Johann  als  Frau  angenommene  Magd  Enip- 
perdolling's  ein  Kind.  „So  wolden,"  fährt  H.  Gresbeck  fort,  „die  gemeine 
luede  sagen  in  der  stat,  dat  datselve  kint  dem  lansknecht  solde  tho  hoeren, 
dat  dem  koningh  dat  kint  nicht  en  hoerde.'^  Die  Nachrichten  über  Divara's 
Schwangerschaft  schon  von  Jan  Matthys  s.  vorige  Seite  Anm.  1.  Divara's 
Kind  war  auch  nach  H.  Gresbeck  ein  Madchen,  doch  licfs  es  der  König 
„Nige  geboren"  nennen.  „Nergcn  ein  von  alle  den  firouwen,*  bemerkt  er, 
„die  von  dem  koningk  kinder  hadde.''  Auf  die  Geburt  der  Tochter  Divara's 
bezieht  sich  auch  die  Aussage  H.  NagePs  im  April  1535  (Fassung  im  St.-A. 
Marburg),  der  König  „habe  vierzehen  weiber  und  mit  der  ersten  neu- 
lich ein  dochter  erobert.* 

18* 


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660  Anno  1534  acta. 

liticnm  et  regnum  snum  prole  nova  esse  anctnm.  Eine  rex  illi 
nomen  imponit,  ita  tarnen,  ut  primus  nominis  character  litera 
diei  sit,  in  qna  nata  est^  Pancissimae  tarnen,  qnae  in  nrbis 
obsidione  nuptias  celebraverant,  pariant,  sed  divino  fortassis 
nutn  sterilescnnt  *,  ne  ex  tarn  portentosa  venere  et  impnrissimo 
polygamiae  complexn  in  perniciem  reipnblicae  posteritas  exci- 
tetur.  Monstra  enim  scelemm  et  vitiosa  sine  dnbio  progenies 
(proverbio  monente)  ex  vitiosis  parentibns  fuisset  orta.  Parinnt 
itaqne  hae,  qnae  ante  obsidionem  nteram  ferebant. 

Delegit  etiam  rex  sibi  non  inter  plebeios,  sed  in  campo 
dominico  non  hnmilem,  sed  omnium  fere  splendidissimam  anlam, 
nempe  MelcMoris  de  Buren,  cellarii*.  In  proxima  vero  domo 
ad  solis  exortnm,  nbi  praepositns  snmmae  aedis  babitare  con- 
snevit,  gynecaenm  foit,  hoc  est  reginaram  anla*,  ad  quam  per 


')  So  auch  H.  Gresbeck  S.  156 f.,  der  uns  das  vom  Könige  auf- 
gestellte Wortregister  überliefert  hat  War  für  die  Namen  der  Kinder  das 
Alphabet  erschöpft,  so  hat  der  König  ^^den  kindem  ander  namen  gegeven 
na  den  propheten  und  altvaders,  David,  Abraham,  Isaak,  Jacob,  na  den 
olden  Propheten  und  patriarchen  ..." 

')  Bei  H.  Gresbeck  S.  157  heifst  es:  „So  worden  viel  kinder  in 
der  stat  geboren.  Mehr  dieselven  widerdoepers,  die  viel  frowen 
hedden,  die  kriegen  alder  minst  kinder." 

')  Ygl.  oben  S.  543.  Bis  dahin  wohnte  Johann  im  Hause  Ejiipper- 
dolling's  auf  dem  Prinzipalmarkte.  S.  oben  S.  618.  Vgl.  auch  L.  Hor- 
tensius  S.  22,  dem  Herm.  Hamelmann  S.  1219  folgt.  Von  einem 
längeren  Aufenthalt  bei  KnipperdoUing  spricht  Johann  selbst  in  sein^i 
Aussagen  bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  177.  —  Dafs  die  v.  Bneren^sche 
Kurie  die  Wohnung  des  Königs  gewesen  sei,  erwähnt  auch  die  Bischofs- 
chronik (M.  G.-Q.  I,  333).  D.  Lilie  sagt  S.  235  vom  Könige:  „Sinen 
pallas  unde  wonninge  he£ft  he  upslain  lathen  in  heren  Melchiors  van  Buren, 
des  kelners,  ho£f."  Ebenso  bekunden  die  beiden  Kjiaben  Herm.  Mollenhecke 
und  Joh.  Huttman  in  ihrem  Verhöre  am  8.  Juni  1535  (St.-A.  Marburg): 
„Der  konig  hat  des  thumkellers  genant  herr  Johan  von  Bueren  hoff  inne.* 
H.  Gresbeck  nennt  die  Wohnung  nicht.  „So  heft  der  konigh,"  heifst  es 
S.  84,  „ein  hof  allein  geholden  mit  seinen  diener,  und  die  konigkinne  heft 
hof  alleine  geholden  mit  iren  mitfrouwen  und  mit  iren  dieners.**  —  Die 
V.  Bueren'sche  Kurie  lag  auf  der  Dom-Immunität  hinter  dem  jetzigen  neuen 
Postgebäude     Vgl.  A.  Tibus:  Die  Stadt  Münster   (Münster  1882)  S.  72. 

*)  „Die  frauen  wonen  in  der  probstei,**  sagen  die  beiden  Knaben 
a.  a.  0.  aus,  „und  igliche  hat  ire  eigen  kammer.^  Auch  in  der  „Newen 
Zeitung**  heifst  es  (Ztschr.  17  S.  256):  „Die  Königin  hat  jren  eygen  hoff." 


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Anno  1534  acta.  661 

mumm  effi^actnm  fit  aditus.  Tanta  est  reginis  diversi  coloris 
yestinm  copia,  tantns  omatns,  tanta  mnndities,  tot  catenae,  tot 
monilia,  tot  annnli  gemmati,  tot  absque  genmiis,  nt  hoc  West- 
phalicnm  gynecaemn  cnm  Imperatorio  certare  yideatnr^ 

Praecipnae  reginae  anlici: 

Henricns  Boedens  praefectns  praetorio  vel  magister  aulae, 
Petras  Symonson  archimagirns  *,  Joannes  a  GeylP  pyloras,  Jo- 
annes Leydanus  cubicularius,  Fredericns  luffell  pincema*,  Engel- 
bertus  Schemmeringk^  stractor;  quatuor  satellites  viridi  et  spa- 
diceo  vestitn  amicti:  *Andrea8  Koester,  Henricns  WnlfE,  Lam-»p.  531. 
bertus  Gylthness,  Joannes  Bentlagen «;  Henricns  Willenhness  pyro- 
paens  ^,  Eberardns  thor  Hege  coqnns,  Alexander  Bnschodncensis 
hemerodromns  ®,  Gerardus  Selkinck  ostiarins®. 

Ne  antem  in  tanta  reginaram  sen  pellicnm  tnrba  de  foedi 
amoris  symbolo  poscendo  nlla  oriatnr  contentio,  rex  tabnlam 
fieri  fecit,  cni  reginaram  nomina  per  ordinem  inscripsit  singn- 
lisqne  nominibns  singnla  foramina  a  capite  terebello  addidit, 
qnibns  bacillnm  immittendnm  aptavit,  non  aliter,  quam  in  coUe- 
güs  ordo  canonicoram  in  tabnla  snspensa  praefigitnr,  nnde  a 
bacillo  imposito  deprehendi  solet,  qnem  in  choro  canendi  ordo 
tangat.    Sex  itaqne  mensae   accnmbens  et  reginas  sen  pellices 


^)  H.  Gresbeck  S.  89:  „So  heft  der  konningk  die  konningkiii  sehr 
kostlich  gerastet  mit  iren  dieners,  ia  so  kostlick,  wie  der  konningk  hadde 
gedain.  Mehr  alle  seine  frowen  weren  so  kostlick  nicht  ge- 
rüstet, glich  als  die  konningkin  was/ 

*)  Küchenmeister.  —  ')  Als  Thorwärter  nennt  der  alte  Druck  der 
„Hofordnung"  Johann  v.  GroU.  Das  Göttinger  Mscr.  hat  Johan  van  Goel, 
der  Neudruck  in  der  Zeitschr.  16  S.  363  Johan  y.  Soel. 

*)  In  der  »Hofordnung**  heifst  der  Schenk  Friedrich  Insel. 

*)  Im  alten  Druck  ist  Yorschneider  Engelbert  Schemerinck,  im  Göt- 
tinger Mscr.  Engelbert  Scheverinck,   im  Neudruck  Engelbert  Schenckinck. 

®)  In  der  „Hofordnung"  sind  als  Trabanten  nur  die  beiden  Ersten 
genannt.  —  Abweichend  von  Eerss.  berichtet  H.  Gresbeck  S.  89:  „So 
hadde  die  konningkin  ire  dieners  ock  gekleidet  glich  als  der  konningk. 
Sie  hadde  roet  gekleidet,  gein  twierlei." 

')  So  der  alte  Druck  und  das  Göttinger  Mscr.  Im  Neudruck:  Hinrick 
Mülenhues.  —  ")  In  der  „Hofordnung^^:  Sander  vom  Bussche. 

•)  Diesen  Letzteren  erwähnt  die  „Hofordnung"  nicht. 


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662  Anno  1534  acta. 

circnmqnaque  sibi  in  prandio  adinnctas  habens  solo  s^pectn, 
noctis  quam  vellet  fatnrae  sociam,  delegit  neqne  eam  verbis  ant 
nntibns  aliisye  signis,  sed  baciUo  nomini  eins  in  tabula  appo- 
sito  signavit;  ita  signata  sine  aliaram  contnmelia  et  invidia  re- 
giam  noctem  opperitur.  Si  vero  veneri  inepta  sit,  baciUnm  in 
alind  nomen,  cui  favet,  transfert  ^  Depntata  itaque  regio  thoro, 
ne  quid  nanseae  maiestati  regiae  moveatar,  balnenm  ingreditnr, 
lavatnr,  odoriferis  liqnoribns  perfnnditnr,  bysso  pnrpnrave  in- 
dnitnr;  articnli  annulomm  mnltitndine  rigent,  catenis  et  moni- 
libns  gemmatis  coUum  ambitur;  comae  anro  snbstringnntnr, 
virentibns  fragrantibnsqne  sertis  tempora  cinguntnr,  bombycino 
perisomatio  uteras  obtegitur,  per  tenuissimam  sindonem  gemina 
ubera  resplendent,  et,  ut  semel  dicam,  omnia,  quae  venerem  eiere 
queant,  per  effetas  anus  quasi  magistras  et  hac  in  re  exercitatas 
apparantur. 

Ita  autem  rex  libidini  et  foedis  voluptatibus  indulget,  ut 
Interim  ea,  quae  ad  reipublicae  suae  conserrationem  pertineant, 
non  Degligat.  ludicia  ergo,  cum  ad  tranquillitatem  urbis  neces- 
saria  esse  videret,  conservat  et  se  iudicem  solum  constituit. 
Solium  in  foro  e  regione  librae'  iuxta  fomicum  finem  et  aedes 


*)  Aehnlich  heifst  es  in  der  „Hofordnung":  „Dieser  weiber  namen 
seyndt  yn  eyn  hangend  Teffelgen  geschrieben,  nnd  gegen  eyner  jeglichen 
Namen  eyn  löchlein  gebort  mit  einem  anhangenden  stöckleyn.  Und  bey 
welcher  der  König  die  nacht  hat  ligen  wollen,  gegen  der  selbigen  namen 
hat  ehr  das  stöckgen  gesteckt.  Szo  aber  dieselbige  zum  beylager  nicht 
geschickt  gewest  ist,  mochte  sie  das  stöckgen  ihres  gefaUens  stecken  gegen 
eyner  andern  «namen,  der  sie  günstig  war;  die  selbige  muste  denn  dem 
Könige  willig  seyn  und  die  nacht  bey  yhm  schlaffen/^  Von  den  sonstigen 
Quellen  berichtet  hierüber  nur  noch  Joh.  Pabricius  Bolandns  Bl.  P7^; 
„Depictis  ridet  thalamo  de  more  tapetis 

Regifico,  totum  yela  cubile  tegunt. 
Charta  tenet  yalvis  aulae  sufüxa  protervae 

Istarum  signis  nomina  grata  suis. 
Indicat  haec,  quaenam  poscatur  qualibet  ex  his 

Nocte,  sed  appositis  conditione  notis. 
Si  negat  haec  aut  illa  gravi  ratione,  relinquit 
Concubitum  regis,  cui  magis  ipsa  favet'^ 
')  Die  Stadtwaage  lag  neben  dem  Bathaus  auf  der  Nordseite  des- 
selben.   S.  oben  S.  76. 


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Anno  1534  acta.  663 

Dorhoffii  magnificnm  et  rege  dignum  tribns  a  terra  gradibus 
erigitur,  quod  in  adventu  regia  interdum  anreis,  interdum  pur- 
pureis  tapetibus  ac  sericis  pnlvillis  exomatur*.  Hnc  ter  sin- 
golis  hebdomadis  cansas  popnli  audituras  solenui  anlicornm 
pompa  et  apparatn  regio  eqnes  commeat^.  Primnm  litnis  et 
tubis  canentibus  Gerlacus  a  Wnllen  ac  Lambertns  Leodins,  Jo- 
annes Kursener  et  Conradus  Kruse  plumeis  apicibns  *crepitanti-  »p.  532. 
bus  anlae  foribns  egredinntur '.  Hos  subsequnntar  pnrpnrati  et 
catenati  consiliarii  bini  Gerardas  tzmn  Eloister  et  Bernardns 
Krechtingk,  Henricus  Kedeker  et  Qerardus  Beyninck;  inde  Her- 
mannns  Tylbech,  praefectns  praetorio,  solus  ante  regem  albnm 


')  Nach  H.  Dorp  Bl.  F  2:  „Auff  dem  Marckt  hat  sich  der  König 
einen  herlichen  stuel  mit  dreien  graden  oder  stuffen  lassen  zu- 
richten, der  wart  alle  zeit,  wenn  der  König  hinauff  sitzen  wolt,  mit  eim 
giüden  stuck  hehangen  . .  /^  Der  königliche  Richtstuhl  ist  ganz  kurz  er- 
wähnt in  der  „Newen  zeitung"  (Zeitschr.  17  S.  257)  und  von  Joh.  Pa- 
hricius  Bolandus  Bl.  03.  H.  Gresbeck  berichtet  S.  85,  wie  sich  der 
König  „heft  einen  groten  stoel  latcn  setten  up  dat  marckede,  mit  seiden 
stucken  umbher  behau gen.^^  „Und  des  konninges  stoel  heft  so  hohe  ge- 
stain,'^  erzählt  er  8.  90  weiter,  „dat  hei  hadde  boven  alle  menschen  ge- 
setten,  und  beneden  dem  stoel  für  dem  stoel,  dair  stonden  viel  bencke 
umbher."  D.  Lilie  S.  235  sagt:  „Sinen  koninckliken  richtestoill  hefft  he 
gemeinliken  gehadt  bi  sunte  Michael  an  den  marckede,  dar  men  mit 
graden  moste  upgain."  Der  Stuhl  war  „mit  kostliken  tapeten  umme- 
gehangen."  Von  einer  „sella  sublimior  polite  et  affabre  parata"  spricht 
L.  Hortensius  S.  33. 

*)  Auch  nach  H.  D orp  a.  a.  0.  hielt  der  König  dreimal  in  der  Woche 
Gericht  ab,  aber  entweder  auf  dem  Markte  oder  auf  dem  Domplatze.  Er 
fugt  hinzu:  „allein  das  der  König  auff  dem  marckt  auff  seinen  stucl  sas, 
auff  dem  Thumhoff  aber  mitten  im  hauffen  stunde."  Die 
dreimaligen  Gerichtssitzungen  in  der  Woche  auf  dem  Markte  finden  sich 
auch  erwähnt  in  der  „Newen  zeitung"  a.  a.  0.,  in  einer  anderen  „Newen 
Zeytung"  (P.  Bahlmann:  Bibl.  1535  Nr.  9)  Bl.  A2^  und  bei  L.  Hor- 
tensius a.  a.0. 

•)  Das  waren  (vergl.  oben  S.  650)  die  beiden  obersten  Feldherren, 
der  Bittmeister  und  der  Hauptmann  des  Fufsvolkes.  Auch  bei  H.  Dorp 
a.a.O.  reitet  der  König  zu  Gericht  „mit  dem  gantzen  hoffgcsinde;  die  fier 
Rhetd  giengen  für  im  her,  Knipperdölling  aber  mit  den  andern  hoffgesinde 
folgetem  im  nach."  Mehrfach  beschreibt  H.  Gresbeck  den  pomphaften 
Aufzug  des  Königs  (vgl.  besonders  S.  85  u.  1^0  f.). 


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664  AuQO  1534  acta. 

scipionem  gestans*;  hinc  rex  coronatns  regiisqne  ornamentis  con- 
decoratns  feroci  et  phalerato  insidens  eqno^  prodit  atqne  £asta 
qnodam  inyehitQr,  quem  dno  pneri  liberalioris  formae  eleganter 
vestiti  praecedunt,  quorum  dexter  bibliorum  codicem,  sinister 
vero  strictnm  gladium  ntriusqne  politiae  tarn  profanae  quam  ec- 
clesiasticae  praefert  ^.  EnipperdollingiLs  autem,  regius  legatus,  et 
Bemardüs  Bothmannns,  orator,  regem  äubsequnntnr;  hos  Chri- 
stianns Kerckring,  consiliariorum  Sequester,  et  Henricus  Kreg- 
tinch,  archigrammateus,  hos  Nilandus,  ensiger,  cum  suis  ministris, 
hinc  reliqua  aulicorum  et  ministrorum  turba.  Sed  28  satellites 
regia  latera  utrinque  claudentes  populum  nndique  eatervatim 
propius  accurrentem  insuetaque  admirantem  et  certatim  aspec- 


M  Einen  „Witten"  (silbernen)  Stab  des  Hofmeisters  erwähnt  sonst 
nur  noch  H.  Gresbeck  S.  91  u.  137.  Nach  Dietrich  von  Hamburg 
Bl.  A  3  hat  der  König  „ein  lackeyen  vor  jm  her  lauffen,  der  selb  hat  ein 
weifz  st&blein  in  der  haut  . . ." 

')  „Und  dat  der  konningk  tho  seinem  perde  hadde,"  meldet  uns 
H.  Gresbeck  S.  88,  „dat  gerast  ofte  dat  beschloch,  dat  was  auck  al  mit 
golt  beschlagen,  wante  ick  holde,  dat  datselve  silvcr  were  tho  dem  be- 
schlage  und  wer  overguldet  . . .  Und  tho  seinem  sadel  dat  beschlagh  was 
auck  al  verguldet/  „Der  König,'*  so  heifst  es  in  der  „Newen  zeitung" 
(Zeitschr.  a.  a.  0.  S.  2o6),  „hat  3 1  pferdt  mit  gülden  tüchcrn  bedeckt  und 
etliche  gülden  settel."  Von  31  Pferden  des  Königs  redet  auch  die  andere 
„Newe  Zejtung"  a.a.O.,  ebenso  L.  Hortensius  S.  3'i 

^)  Der  eine  derselben  war  Christoph  von  Waldeck,  der  natürliche 
Sohn  des  Bischofs  Franz.  Yergl.  oben  S.  648  und  dio  dort  angeführten 
Belegstellen.  Unter  den  sonstigen  Quellen  erwähnt  auch  noch  Dietrich 
von  Hamburg  Bl.  A3  die  beiden  Knaben,  und  zwar  führt  bei  ilmi  der 
auf  der  rechten  Seite  das  Schwert,  der  auf  der  linken  die  Bibel.  Vergl. 
auch  den  Brief  A.  Corvin's  an  G.  Spalatin  Bl.  AS^f.  Der  Junge  mit 
der  Bibel  trägt  nach  der  Angabe  der  „Newen  zeitung"  (Zeitschr.  a.  a.  0. 
S.  256)  und  nach  L.  Hortensius  S.  33  auch  noch  die  Krone.  Sehr  aus- 
führlich beschreibt  H.  Gresbeck  S.  91  f.  die  Bedeutung,  die  der  König 
den  von  den  Knaben  getragenen  Symbolen  unterlegt,  und  den  Sinn,  den 
er  damit  verband,  wenn  er  die  Knaben  ihre  Plätze  mit  einander  vertauschen 
liefs.  Kurz  sagt  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  0  8^: 
„A  laeva  gladius,  Signum  tcrroris,  acutus, 
Scd  liber  a  dextra  rcUigionis  adesf 
Auch  Theod.  Fabricius  sah  bei  seinem  Aufenthalte  in  Münster  im  Nov. 
1534  (vgl.  seinen  Gesandtschaftsbericht  a.  a.  0.  S.  100)  „zwen  buhen,  einer 
ein  gülden  swert,  der  ander  ein  buch  dem  konig  furtragendt" 


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Anno  1534  acta.  665 

tantem  arcent.  Cum  ad  forum  yenitur,  hemerodromo  reginm 
retinente  equum  rex  solium  sibi  exomatmn  conscendit  sceptrmn- 
que  dextra  quatiens  ad  se  controyertentes  adyocat^;  se  enim 
iusto  omnes  lites  decreto  diremptnrum.  Ibi  (bone  Dens !)  causae 
toipissimae  et  castis  anribns  indignissimae  tnrpissimo  indici 
decidendae  offerantur  \  de  incestu,  de  fomicatione,  de  adnlterio, 
de  impotentia  coniugali,  de  coniugum  diyortio,  de  matrimonii 
distractione,  de  reliqnis  rebns  foedissimis.  Maxima  antem  con- 
troyersia  fuit  inter  coniuges  de  negato  sibi  utrinque  debito  con- 
iugali querentes^,  quae  inobedientia  extreme  supplicio  saepe 
plectebatur,  ut  postea  dicetur.  Peracto  iudicio  eadem  pompa  eo, 
unde  yeneraty  redit.  Saepe  etiam  conciones  audiendi  causa  rex 
totusque  populus  ad  forum  conyenit,  ad  quas  regina  qaoque  mi- 
tiori  equo  yillosa  purpura  strato  et  ab  hemerodromo  ducto  in- 
sidens  accedit  ac  Henrico  Boede,  aulae  praefecto,  aliisque  aulicis 
quibusdam  praeeuntibus,  reliquis  yero  scortis  yel  pellicibus  longo 
ordine  subsequentibus  et  quatuor  satellitibus  utrumque  latus 
defensantibus  in  proximas  librae  aedes  concedit,  ubi  ipsa  exad- 
yersum  regi  sericis  pulyiUis  incumbens  aliis  aulicis  et  pellicibus 
circumsedentibus    concionem  audit^.    Ecclesiastes  autem  iuxta 


')  „KnipperdoUing,**  sagt  die  „Newe  zeitung**  a.  a.  0.  S.  257,  „stehet 
ein  8tu£fe  under  im,  und  darnach  die  rete.  Wer  daselbst  zu  thun  hat, 
mus  sich  zweymal  neygen  und  zum  dritten  mal  aufF  die  erden  nider  fallen 
und  demach  sein  meinung  antragen/'  Vgl.  auch  L.  Horte nsius  S.  33. 
Nach  der  ^Newen  Zeytung**  Bl.  A  2^  ist  für  KnipperdoUing  der  Platz  zu 
Füfsen  des  Königs  angewiesen,  und  ebenso  herichtet  H.  Gresheck  S.  91: 
„Der  stathelder  ifs  dem  konninck  für  sein  voete  gain  sitten.  Der  stathelder 
iss  dem  konningk  negst  gain  sitten,  dan  die  rede  dcden  und  predicanten." 
„War  hei  hen  riet  vur  dat  volck,"  erzählt  er  S.  94,  „dair  deden  sie  ime 
reverentie.  Sie  ni^eden  und  hugeden  im  tho  . . .''  A.  Corvin  schreibt 
an  G.  Spalatin  BL  A4:  „Et  poena  parata  erat  praetergredienti  non  con- 
genudantibus/' 

*)  Vergl.  H.  Dorp  Bl.  P2^:  „und  wie  der  Bichter,  so  waren  ge- 
meiniglich auch  die  klagen/' 

^)  H.  Dorp  a.  a.  0.:  „. . .  das  weih  klagt  über  den  man,  der  man 
über  das  weih,  und  brachten  so  schendliche  ding  herfur,  das  es  keinem 
Christen  nach  zu  sagen  stehet  . .  /' 

*)  Einen  solchen  pomphaften  Aufzug  beschreiht  auch  H.  Gresheck 
S.  90  ff.:  „So  hcft  der  konningk  mit  seiner  konningkin  einmael  so  kostlick 


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666  Anno  1534  acta. 

• 

regem  reginmqne  tribnnal  e  suggesto  editiore  ibi  eitracto  yerba 
ad  populum'  facit^  snoque  more   concionatur.    Interdum   post 
concionem  pomeridianam  rege  chorago  anlici  aliiqne,   qnotqnot 
♦p.  533.  volebant,  *permiitas  ad  satietatem  duxere  choreas*. 

Praeterea  nt  rex  se  non  solnm  aequalem,  sed  et  snperiorem 
cnnctis  mnndi  principibns  faciat,  nnmismata  tarn  anrea  quam 
argentea  inaequalis  valoris  et  ms^itudinis  cum  magnifica  in- 
scriptione  cndit.  In  altero  latere  haec  in  media  snperficie  fuere 
scripta:  „Verbum  caro  factum  est  et  habitat  in  nobis*;"  in  cir- 
cmnferentia:  „Qni  non  est  natns  ex  aqua  et  spiritn,  non  potest 
intrare."  In  altero  vero  latere  perficitnr  sensns  bis  verbis:  „in 
regnum  Dei*."    „Unus  rex  instns  super  omnes,  unus  Dens,  una 


gereden  na  dem  marckede,  und  sie  wolden  eine  predicate  doin  ...  So  hadde 
die  konningkin  ein  huifs  np  dat  marckede,  recht  tegen  des  konniges  stoel 
over,  dair  hadde  die  konningkin  ein  velt  doer  tho  gerüstet  mit  decken 
umhher  hehangen  nnd  twei  seiden  küssen,  roit  sammet  oft  flawel.  So  is 
de  konningkin  up  einen  morgen  nth  gereden  na  dat  marckede  nnd  hadde 
einen  kloepper,  dair  se  up  säet,  der  was  over  hehangen  mit  einer  decken  . . . 
Als  sie  nu  iss  an  dat  marckede  gekhomen,  so  meiste  sie  doer  dat  volck 
hen  reiden  na  dat  huifs,  dair  sie  in  liggen  wolde.  Do  meisten  der  luede 
ein  deil  up  stain  und  laten  sie  doer  reiden  mit  iren  dieners  und  mit  iren 
mitfrowen.  Dieselve  mitfrowen  sint  oer  gefolgt  hy  paren  up  de  rige.  So  iss 
die  konninckin  in  ir  fenster  gain  liggen  und  heft  auck  die  precate  gehoirt.^^ 

')  Yergl.  H.  Gresheck  S.  93:  „So  plagh  altiet  für  dem  konninck 
tho  stain  ein  predicante  up  der  hanck  und  hadde  ein  pulmet  für  sick  stain, 
dair  hadde  hei  ein  hoick  up  liggen.^* 

*)  Von  Tanzhelustigungen,  zu  denen  der  König  in  seinen  Hof  „die 
rede  und  aUe  siene  houptluede  und  oversten  dieners  und  predicanten  tho 
gaste  tho  hidden  plach  mit  ein  deil  frowen,^^  herichtet  H.  Gresheck  S.  103. 
„Wan  sie  nu  getten  hedden,  so  giengen  pipen,  tmmmen  und  luten,  und 
hegunten  tho  dantzen  und  tho  hoyeren  mit  den  schonen  frowen.  Datselve 
haveren  plach  wol  ein  nacht  tho  duren.  Datselve  was  al  Goddes  wille.^^ 
Auf  diese  Feste  hezieht  sich  auch  die  Aussage  Bemh.  Krechting's  vom 
25.  Juli  1535  (M.  G.-Q:  II,  381):  „dat  der  koninck  toegericht  hadde,  dat 
men  in  die  vierde  wecke  einen  dantz  in  des  koninghs  hof  hielde  und  dair 
selfs  waUust  dreve  und  guet  zier  maeckte.^^  Vgl.  auch  Bemh.  Krechting^s 
Bekenntnis  hei  J.  Kies  er t:  U.-S.  I.  S.  195.  Von  sp&teren  allgemeinen 
Tanzhelustigungen  im  Rathause,  die  der  König  anordnete,  um  das  Volk 
während  der  Hungersnot  zu  zerstreuen,  erzählt  H.  Gresheck  S.  135  IL 

»)  Ev.  loan.  1,  14.  —  *)  Ev.  loan.  3,  5. 


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Anno  1534  acta. 


667 


fides,  nnum  baptisma."  In  medio  eiusdem  lateris :  „1534.  Mona- 
sterii."  Utriusqne  numismatis  tarn  maioris  quam  nainoris  veram 
efiSgiem,  fonnam  et  magnitndinem  cum  inscriptionibus  sequente» 
flgurae  demonstrant  ^. 


')  In  Bezug  auf  die  Münzen  der  WiedertÄnfer  vgl.  die  von  P.  Bahl- 
mann:  Bibl.  S.  52f.  angegebene  Literatur,  in  der  zahlreiche  Abbildungen 
enthalten  sind,  und  J.  B.  Nordhoff  in  den  „Bonner  Jahrb/  Heft  96  u.  97 
(Bonn  1895)  S.  324  ff.  —  Schon  vor  der  Errichtung  des  Königtums  haben 
die  Inhaber  der  Stadt  Münster  Münzen  prägen  lassen.  Die  älteste  Quelle 
dafür  ist  die  „Ordnung, **  deren  Bericht  sich  auf  die  Zeit  vor  Einführung 
der  Vielweiberei  (Ende  Juli  1534)  bezieht.  Es  heifst  da:  „Sy  haben  auch 
etlich  dick  pfenning  müntzen  lassen  sonder  wappen  mit  einer  umbschrifft 
also  lautende:  Wer  nit  gebom  ist  auss  dem  wasser  und  gaist,  mag  nit 
eingeen  in  das  Reich  Gottes.  Zum  anderen:  Ein  Herr,  ein  Glaub,  ein  tauflf 
zu  Munster.  Noch  aufT  der  andern  Seiten:  Das  werte  ist  flaisch  worden 
und  wonet  nnder  uns.^  Ausdrücklich  sagt  auch  H.  Gresbeck  8.  48r 
„Ditselve  gelt  hedden  sie  al  ein  dcil  schlain  latcn,  ehe  dat  Johan  von 
Leiden  konningk  woert**  Als  Grund,  weshalb  die  „prophcten  und 
predicanten  hebben  dit  gelt  schlain  laten  und  alle  die  oversten  in  der  stat,*' 


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668  Anno  1534  acta. 

Si  quis  oppidanorum  regem  aliosque  proceres  nrbis  secntas 
polygamus  esse  ant  plnres  nuptias  celebrare  afifectaret,  regem 
tanqnam  paranymphum  adit  sponsasqne  secnm  addncit.  Ubi 
aatem  rex  inqnirendo  volnntatem  atqne  consensum  ntrinqne  in- 
tellexisset,  „Quos,"  inqnit,  ^Dens  copulavit,  homo  non  sepa- 
rabit\  Itote  eigo  et  iaxta  praeceptnm  ]>ei^  mnltiplicabimini 
et  replete  terram*!" 

Princeps  malitiam  et  rebellionem  in  urbe  iam  qnotidie  in- 
crementum  snmere  sentiens  vehementer  animo  perturbatur.  Et 
cum  ex  captivis  et  transfugis  accepisset  oppidanos  contra  im- 
perii  decreta,  contra  aequitatem,  contra  ins  divinum  pariter  et 
humanum  iusiurandum  et  pacta  violasse,  suum  magistratum  oon- 
tempsisse  et  reiecisse,    novum   regnum  et  regem   sarcinatorem 


glebt  er  an:  „AI  dat  ander  gelt,  et  wer  silver  oder  golt,  dat  solde  nicht 
mehr  gelden  in  der  werlt.  Datselve  gelt,  dat  sie  schlain  leten  und  dat  sie 
noch  wolden  schlain  laten,  datseWe  gelt  solde  geldon  ovcr  die  gantze  weide 
weit."  —  lieber  die  Verwerfung  des  Geldes  seitens  der  Wiedertäufer  vgl. 
auch  oben  S.  561  f.  —  Die  beigegebenen  Abdrücke  sind  von  Wiedert&ufer- 
münzcn  aus  der  Sammlung  des  Altertumsvereins  in  Münster  genommen. 
Die  Prftgung  der  gröfseren,  aus  der  Zeit  des  Königtums  Johann's  stammenden 
entspricht  der  von  Kerss.  gegebenen  Beschreibung.  Die  kleinere,  auf  der 
eines  Königs  nicht  gedacht  wird,  ist  wohl  mit  Sicherheit  in  die  Zeit  vor 
Errichtung  dos  Königreiches  zu  versetzen.  Im  Manuscript  dnd  Münzab- 
bildungen  eingeklebt,  die  sich  mit  Kerss.'s  Darstellung  nicht  decken,  sich 
aber  mehrfach  in  der  von  P.  Bahlmann  a.  a.  0.  angeführten  Literatur 
wiederfinden. 

*)  Ev.  Matth.  15»,  G.  —  *)  Genes.  1,  28.  —  «)  In  den  sonstigen 
Quellen  ist  nicht  erwähnt,  dafs  die  neu  einzugehenden  Ehen  dem  Könige 
angezeigt  wurden.  Sehr  einfach  war  nach  dem  Berichte  H.  Gresbeck's 
die  Fonn  der  Trauung.  Er  schreibt  (S.  79):  „Wan  sick  ein  pair  luede 
laten  tho  hope  geven  wolden,  die  en  geven  sie  nicht  tho  hope,  glich  als 
sie  mit  den  irston  deden,  von  den  prodicanten.  Wer  tho  dem  andern  in 
gingk,  derselve  brachte  einen  ofte  twe  mede  ofte  seine  frunde,  und  hielden 
einen  zogh  tho  hope  und  deden  sick  malckander  die  haut.  Dairmede 
weren  sie  echte  luede."  Johann  selbst  bekennt  am  25.  Juli  1535  {M.  G.-Q. 
II,  iilb) :  „Item  geschagh  oire  trouwe  in  bysin  2  ader  3  oirer  broder,  also 
fleggende:  ,Wilt  gy  my  hebben?  Ich  beger  uwer."  Und  wanner  sie  dan 
willichlich  jae  sacliten,  was  die  trowe  vollenbracht,  sus  niet.**  Vgl.  auch 
J.  Nies  ort:  U.-S.  I.  S.  184.  Knipperdolling  sagt  am  21.  Jan.  1536  aus 
(M.  G.-Q.  IT,  401)):  „In  der  ehe  hielten  sie  ghein  solenniteten  noch  cere- 
monicn,  dan  das  der  ein  dem  anderen  sin  hertz  ubergaf." 


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Anno  1534  acta.  ü6U 

constituisse  S  qni  omnes  leges  antiqnas  abrogaverit,  novas  et 
innsitatas  substitnerit,  ^mnia  sacra  profanaverit,  >na  somnia  in 
locmn  reposnerit  et  coli  praeceperit,  adeo  iam  libidine  indomita 
aliisqne  flagitiis  honestis  anribns  indignis  omnes  flagrare,  nt 
tota  iam  nrbs  snbnrbana  fomix  et  *foedissimnm  prostibnlnm»p.  534, 
Sit  nee  virgo  dnodecim  annorum  intra  moenia  deprehendatur  *, 
adeo  omnia  esse  cormpta  et  detnrpata,  nt  nihil  sani  et  a  tnrpi- 
tndine  aliennm  snpersit,  —  omnes  ergo  militiae  praefectos  ad 
diem  24.  Angnsti  de  retandenda  retinctornm  pervicacia  et  im-  u.  Aug. 
pietate  ad  consnltandnm  convocat;  et  cnm  forte  archiepiscopns 
Coloniensis,  Palatinns,  dnx  de  Gmbenhagen,  comites  de  Schon- 
wenbnrgk,  Isenbnrgh,  Nassanw,  Waldegk,  Nenwenar,  Vberstein, 
Benthem  et  Wedda  aliiqne  militaris  ordinis  viri  complnres  rei 
bellicae  peritissimi  vel  animi  gratia  vel  oppngnationis  inyandae 
stndio  in  castris   adessent^,  a  principe  nostro  ad  hanc  qnoqne 


')  Beim  Folgenden  ist  stets  zn  beachten,  dafs  Kerss.,  wie  oben  S.  633 
Anm.  3  erw&hnt,  die  Errichtung  des  Königtums  zeitlich  ganz  falsch  ein- 
ordnet, und  dafs  das  Königtum  erst  im  September  nach  dem  siegreichen 
Abschlagen  des  gegen  Münster  unternommenen  zweiten  grofsen  Sturmes 
proclamiert  wurde. 

')  Vergl.  oben  S.  627.  Auch  Dietrich  von  Hamburg  berichtet 
BL  A  4v:  ,,Und  femer  ist  der  gebrauch  in  der  statt  Munster,  das  kein  weibs- 
bild,  das  über  12  jar  alt,  es  mufs  ein  man  haben.''  Auf  dem  Kreistage 
zu  Köln  im  October  153^  liefs  der  Bischof  in  der  Instruktion  vortragen 
(M.  G.-Q.  II,  286),  dafs  „die  iunffer,  de  14  iair  olders  erlangt,  tom  man 
gedrungen**  wurden. 

^)  In  einer  Beilage  zum  Schreiben  des  Herzogs  Philipp  von  Braun- 
schweig-Grubenhagen  vom  5.  August  an  den  Kurfürsten  Johann  Friedrich 
von  Sachsen  (M.  G.-Q.  II,  267)  heifst  es :  „Als  heut  ist  der  churfurste  von 
Collen  in  den  leger  vor  Munster  kommen,  und  seint  zuvor  da  gewest  von 
wegen  Collen  und  Cleve  grave  Wilhelm  von  Nassaw,  von  Collen  wegen 
allein  grave  Wilhelm  von  Newenar  und  Buprecht  grave  zu  Manderscheit, 
von  Cleve  grave  Wirich  von  Oberstein.  So  ist  am  negstvergangen  doners- 
tagk**  (30.  Juli)  „ankomen  hertzoge  Wolfganck,  des  paltzgraven  Ludcwigs 
bruder,  zwehen  graven  von  Solms,  graven  Bemtz  sonne,  ein  grave  von 
Issenbergk  und  einer  von  Beineck. **  —  Der  Herzog  Philipp  von  Braun- 
schweig-Grubenhagen  war  schon  früher  am  15.  Mai  im  Feldlager  vor  Münster 
eingetroffen.  Vergl.  den  Brief  der  clevischen  Kriegsräte  an  ihren  Herzog 
vom  16.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  283).  Nach  einer  Beilage  des  Briefes  des  Her- 
zogs Ernst  von  Braunschweig-Lüneburg  vom  24.  Juni   an  den  Kurfürsten 


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«70  Anno  1534  acta. 

-consultationem  benignis  verbis  invitantur.  Et  cum  diu  nitro 
citroqne  aliis  hoc,  aliis  vero  illnd,  nt  fit,  suadentibns  in  con- 
silio  rem  Yolvissent,  tandem  decemnnt  legationem  prins  pnbli- 
cam  in  nrbem  mittendam,  si  forte  aeqnis  conditionibns  citra 
magnas  impensas  et  sanguinis  effasionem  se  dedant;  sin  iUnd 
facere  nolint,  nrbem  snmmis  viribus  esse  oppugnandam  et  forti- 
tudinem  oppidanorum,  quanto  cum  apparatu  bellico  queat  fieri, 
tentandam  ^  Hoc  etiam  in  militari  hac  consultatione  decernitur  ^ 
ut  principes,  comites,  supremi  militiae  domini  barones  et  mili- 
taris  ordinis  viri  se  ab  expugnatione  abstineant,  sed  cum  equi- 
tatu  in  locis  sibi  designandis  sese  turmatim  sustineant^  Si 
autem  oppugnatio  ab  oppidanis  vel  prorogetur  vel  vi  repellatur* 
ac  utile  necessariumque  comitibus  de  Nassauw,  Neuwenar,  über- 
stein ac  Benthem^  visum  faerit,  ut  ab  equitata  impressio  augeatur 
roboreturque  et  •  supremi  militiae  domini  in  locis,  ubi  necessitas 


von  Sachsen  (s.  ebd.  S.  259)  war  er  „stathalter  des  bisschofe  von  Munster 
in  abwesent  des  selbigen  bisschofs.*  —  Die  Grafen  Wilhelm  von  Nassau, 
Wilhelm  von  Neucnahr  und  Wirich  von  Dhaun,  Graf  zu  Oberstein,  waren 
die  auf  dem  zweiten  Tage  zu  Neufs  dem  Bischöfe  neu  zugeordneten  Kriegs- 
räte (s.  oben  S.  604  Anm.  2).  —  Auch  Joh.  Fabricius  Bolandus,  an 
den  sich  Eerss.  bei  der  gleich  folgenden  Beschreibung  des  zweiten  Sturmes 
auf  Münster  eng  anschliefst,  sagt  Bl.  S  5 : 

„Visendi  studio  princeps  pius  Agrippinus 

Atque  Palatinus  Nassoque  castra  petunt; 

Quo  simul  afflicto  praesentes  tempore  cunctis 

Longa  bonis  solito  taedia  more  levent.'^ 

^)  Aktenmäfsige  Nachrichten  über  einen  Kriegsrat  vor  Münster  liegen 
mit  Ausnahme  eines  gleich  zu  berücksichtigenden  undatierten  Papieres  im 
St.-A.  M.  nicht  mehr  vor.  Doch  schreibt  Yiglius  von  Zwichem  bereits  am 
22.  August  an  Erasmus  von  Rotterdam  (s.  C.  P.  Hoynck  van  Pa pen- 
drecht: Aiialecta  Belgica  Tom.  1*  [Hagae  Com.  1743]  S.  108  f.):  „Extre- 
mam  porro  aleam  hisce  diebus  iacere  Monasteriumque,  cunctarum  haereseon 
sentinam,  omni  vi  oppugnare  principes  nostri  constituerunt." 

')  Das  Folgende  nach  einem  undatierten  Papiere  im  St.-A.  M.  M.L.A. 
518/19  III.  fol.  316.  Die  Fürsten,  Grafen  und  die  vom  Adel  hatten  sich 
nämlich  bereit  erklärt,  bei  dem  beabsichtigten  Sturme  mitzuwirken. 

*)  In  dem  Papiere  ist  hinzugefugt:  „Es  ist  auch  gleichmefaig  vor 
nodich  angesehen,  das  die  velthem  auch  nit  mit  stormen  sollen,  sundem 
mit  furstcn,  graffcn  und  rittermefsigen  uff  den  storm  halten." 

*)  „an  einem  oder  mher  orthem."  —  '^)  „und  den  velthem." 


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Anno  1534  acta.  671 

exegerit,  ad  militarem  irrnptionem  extimnlandam  ab  equis  de- 
scenderint,  snb  bis  qnoque  militantes  tnrmae  relictis  subito 
eqnis  oppugnantinm  animos  sao  robore  et  exemplo  excitent  et 
erigant.  Praeterea  equitatns  post  captam  nrbem  intromissus  a 
direptione  sibi  temperabit,  sed  magistros  eqnitnm  snaque  signa 
tunnatim  sequetur*. 

Haec  legatio  libera  yeniendi  recedendique  secnritate  impe- 
trata  datisque  ntrinque  ad  triam  borarnm  spatimn  indutiis 
25.  Aügüsti  in  nrbem  est  admissa  K  Et  quanquam  ad  oppi-  as.  Aug. 
danos  omnes  pertineret,  eam  tarnen  nisi  coram  solo  rege  et  pan- 
cissimis  anlicis  obire  non  licnit.  Enit  antem  bnins  legationis 
haec  summa :  Principem  insigne  clementiae  exemplum  oppidanis 
exhibiturum  ipsisque  vitam  donaturum  et  omnis  superioris  in- 
iuriae  et  admissi  flagitii  memoriam  depositurum,  si  impietatis 
et  rebellionis  pertaesi  inermes  urbe  excedant  eamque  *sibi  de-  «p.  535. 
dant  Si  vero  ülud  facturi  non  sint,  sed  in  rebellione  superiori 
perstiterint,  se  ferro  et  sanguine  viam  facturum. 

Ad  quae  rex :  Se  hostis  clementiam,  quae  mera  sit  tyrannis, 
sibi   populoque  suo  non  optare;    sufficere   sibi  Patris  coelestis 


^)  „. . .  und  die  von  reisigen  (wo  Got  das  gluck  gebe,  die  stat  erobert 
und  sie  in  die  stat  kommen)  sollen  bj  dem  fenlin  bleiben,  davon  nit  ab- 
weichen und  sich  plundems  enthalten  und  uff  der  velthem  bevellich  warten/^ 

*)  Das  Folgende  berichtet  Kerss.  allein.  Ganz  kurz  sagt  nur  Joh. 
Fabricius  Bolandus  Bl.  S8  über  die  Gesandtschaft: 
„En  redit  a  rapta  legatio  principis  urbe, 
Quae  regem  sese  dedere  noUe  canit.'^ 
Wenn  D.  Lilie  S.  241  erzählt,  dafs  vom  bischöflichen  Lager  aus  „mitler- 
tidt  vele  sprake  geholden,  darumme  dat  se  nicht  gerne  dat  unschuldige 
bloet  verstört  hadden  unde  de  stadt  mit  den  scheiten  vordorven,^^  so  wird 
das  bestätigt  durch  die  bischöfliche  Instruktion  zum  Kölner  Kreistage  im 
October,  in  der  der  Bischof  ausführen  läfst  (M.  G.-Q.  11,  285) :  „Wo  wal  ock 
sine  f.  g.  in  sulcher  dapperer  belegeronge  den  inhebberen  vdger.  stat  aver- 
mails  schriftlich  heft  anbeiden  laten,  alle  de  ghenne  uth  der  stat  an  zine 
f.  g.  up  gnaden  kommen  und  uthwiken  worden,  eres  levens  fristonge  und 
yelicheit  to  geven  . .  .'*  Aehnllch  äufsert  sich  der  Bischof  in  einem  Hülfs- 
gesuch  an  den  Kurfürsten  von  der  Pfalz  (Kopie  im  St-A.  M.  M.  L.  A. 
518/19  IV.  fol.  103).  Erhalten  hat  sich  ein  Schreiben  der  Feldherren  vor 
Münster  an  die  Inhaber  der  Stadt  vom  31.  Juli  (abgcdr.  M.  G.-Q.  II,  264), 
in  dem  die  Letzteren  wiederholt  der  bischöflichen  Gnade  versichert  werden, 
wenn  sie  die  Sache  der  Wiedertäufer  verlassen. 


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Gl 2  Anno  1534  acta. 

clementiam.  Ad  haec  blasphemiani  esse  insignem  existimare  a 
se  clementiam  et  vitae  beneficiam  pendere,  qai  ipse  clementiae 
et  ritae  inops  sit.  Postremo  se  nullius  impietatis  aut  rebellionis 
sibi  conscios  esse,  cum  verbo  Dei  pareant  illudque  pro  vivendi 
norma  habeant.  Ipsum  episcopum  potius  esse  impium  et  re- 
bellem,  qui  destinata  quadam  rebellione  et  pertinacia  ruptis  foe- 
deribus  pios  ad  praescriptum  verbi  Dei  viventes  sine  publica 
belli  denunciatione  armis  persequatur.  Cum  haec  ita  sint,  se 
neque  arma  pro  defensione  evangelü  sumpta  deposituros  neque 
urbem  suam  quasi  malum  Punicum  dedituros,  sed  ad  extremum 
halitum  defensuros  et  sanguinem  tandem  suum,  si  necessitas 
exigat,  pro  gloria  Dei  fusuros. 

Princeps  ubi  cognovit  legationem  illam  ad  coUoquinm  po- 
puli  non  admissam  et  a  rege  scenico  pro  nihilo  pene  habitam, 
ut  ergo,  quod  oppidani  a  legatis  intelligere  non  potuerunt,  alia 
ratione  intelligant,  üteras  passim  e  castris  ex  arcubuys  telis  alli- 
86.  Aug.  gatas  et  sigillo  principis  confirmatas  26.  Augusti  in  urbem 
mittit,  quibus  urbem  et  impietatem  anabaptisticam  deserentibus 
admissi  flagitii  remissionem  certissimam  promittit,  quarum  haec 
fait  sententia^:  Se  aliquoties,  ut  innocentiae  parceretur,  deten- 
toribus  urbis  violentis  eam  deserentibus  et  transgressiones  agno- 
scentibus  liberum  exeundi  commeatum,  delicti  gratiam  et  vitae 
beneficium  suis  literis  benigne  obtulisse  neque  fidem  addictam 
Ulli  unquam  violasse;  se  nunc  quoque  eandem  gratiam  omnibns 
clementer  exhibiturum,  qui  ante  horam  quintam  pomeridianam 
diei  lovis  futurae  *  urbem  gratiam  optantes  deseruerint ;  eo  vero 
tempore  lapso,  si  quid  durius  adversus  oppidanos  benignas  ad- 
monitiones  temere  excutientes  decreverit,  se  his  scriptis  coram 
Deo  et  Omnibus  mundi  hominibus  publice  purgaturum. 

Quod  cum  regi  nunciaretur,  edicit  protinus,  ne  quis  literas 
ab  hostibus  impiis  in  sanctam  civitatem  sparsas  humo  toUat  et 
contrectet,  quibus  ab  impoUutA  evangelii  doctrina  ad  defectionem 
soUicitentur;  transgressores  ultimo  supplicio  afficiendos  et  e 
christianorum  coetu  tollendos  esse  denunciat.  Hoc  regis  edictum 


*)  Nur  durch  Kerss.  überliefert;  ebenso  auch  der  gleich  folgende 
Befehl  in  Münster,  dafs  Niemand  in  der  Stadt  die  hineingesandten  Briefe 
lesen  dürfe.  —  *)  27.  August. 


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Anno   1534  acta.  673 

tantum  *oppiflanis  terrorem  incutit,  ut  de  defectione  nemo  quic-  »p.  536. 
qnam  cogitare,  nednm  verba  facere  audeat.  Bex  etiam,  nt  regni 
sui  robur  cognoscat,    omnium  novi   foederis    nomina  ntriusque 
sexus  libello  cuidam  monente  propheta  inscribi  iussit,  quem  a 
bono  viro  mihi  donatum  non  sine  causa  conservo*. 

Princeps  se  prima  parte  decreti  superioris  consilii  nihil 
efficere  posse  videns,  cum  in  eadem  rebellionis  pertinacia  oppi- 
dani  perseverarent,  ad  alteram  igitur  partem  necessario  confugi- 
endum  esse  existimat.  Comparatis  itaque  omnibus,  quae  ad  op- 
pugnationem  necessaria  visa  sunt,  28.  Augusti  urbem  a  quatuor  28.  Aug. 
partibus  tormentis  quatere  incipit^  quorum  horrenda  toniteua 
ultra  decem  et  sex  milliaria  Westphalira»  clarescunt  et  in  pagis 
villisque  vicinioribus  vitreas  fenestras  aut  e  suis  sedibus  excu- 
tiunt  aut  plumbo  assiduo  tremore  convulso  frangunt.  Pleraeque 

»)  Ms.:  Westphalia. 


')  Ein  Yerzeichnis  der  Unterthanen  des  Königs  Johaun  ist  bis  jetzt 
noch  nicht  wieder  aufgefunden.  In  einem  anderen  Zusammenhange  ist  ein 
solches  Verzeichnis  in  dem  Bekenntnisse  des  Joh.  Eloprifs  erwähnt.  Bei 
Berührung  der  Erhebung  Johannas  zum  König  sagt  er  aus  (s.  J.  Niesert: 
U.-S.  I.  S.  1 12) :  „Item  de  prophet"  (Johann  Dusentschuer)  „sagt  zu  Johan 
van  Leiden  . . .,  das  er  sulle  koningk  sein,  und  Got  geve  ime  die  gantze 
werelt;  und  des  sulle  er  die  gantze  gemeind  ufschreihen.  Und 
darauf  habe  sich  auch  die  gemeind  gehorsamlich  ufschreihen 
lassen."  —  H.  Gresbeck  S.  lG6f.  macht  46  Münstersche  Bürger  nam- 
haft, „die  mit  dem  koningh  tho  hielden  und  mit  den  Fresen  und  mit  den 
Hollanders  . . ."  Er  fügt  hinzu:  „Diese  hedden  des  koninghs  kleidungk  und 
weren  seine  dieners  und  giengen  mit  dem  koningh  tho  have."  Weitere 
Hauptanhänger  des  Königs  nennt  H.  Gresbeck  nicht,  da  er  deren  Namen 
„nit  behalten."  —  Reichhaltige  Namens-Verzeichnisse  der  wiedergetauften 
Münsterschen  Bürger  sind  im  St.-A.  M.  erhalten. 

^)  Das  Datum  nach  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  S8: 
„Hinc  tres  usque  dies  muri  quatiuntur,  in  urbem 
Moenibus  ut  fractis  latius  esset  itcr." 
Dafa  die  Stadt  vor  diesem  zweiten  Sturme,  ebenso  wie  vor  dem  ersten  im 
Mai  (vgl.  oben  S.  502),   zunächst  heftig  beschossen  wurde,  berichtet  auch 
H.  Gresbeck  S.  8U:  „Und  hedden  die  stat  tho  storm  laten  schietten  und 
hedden  seess  porten  nidder  geschotten  und  noch  ein  deil  ander  tornne  und 
hedden  umb  die  stat  her   laten  graven   storm  schantzcn."    Kurz  erwähnt 
ist  die  vorhergehende  Beschiefsung   auch  in  dem  Flugblatte  „Der  gantze 
handel"  Bl.  A2  und  von  D.  Lilie  S.  241. 

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674  Anno  1534  acta. 

portae  civitatis  dissolutis  compagibns  sternnntur,  qnaedam  nu- 
tantes  ruinamque  minantes  pendent,  quae,  ne  in  fossas  praecipites 
mant,  funibns  ab  oppidanis  attrahuntar.  Turres  in  moenibus 
stantes  sphaeralis  ferreis  impnlsae  excayantur  et  defensores  inde 
deturbantur;  et  cnm  e  tum  aedis  Marianae  Geldris  magna  clades 
missüibus  inferretur,  multiim  laboris  et  impensae  in  ea  deiicienda 
frastra  consumitur.  Habet  enim  firmissimam  basim  e  patrio 
mannore  et  calce  tenaciore  consolidatam,  quae  quosvis  tormen- 
torum  ictus  facile  respuit ;  arroditur  tarnen  ab  occasu  eins  apex, 
sed  sine  fructu  ^  Cacumina  ac  pinnae  murorum  ab  occasn  aesti- 
vali  inter  portam  ludefeldanam  et  Crucis  usqne  ad  vallum  in 
urbe  obiectum,  sine  magna  tamen  munitionis  noxa,  quassantur 
et  abraduntur.  Saepe  etiara  tegulae  domorum  in  pomeriis  errore 
tactae  magno  cum  fragore  corruunt.  Ita  saxa  muris  dissoluta 
et  evulsa  volant,  ut  in  locis  pomerio  vicinis  sine  discrimine  ver- 
sari  non  licuerit.  Tanta  fumorum  instar  mj^orum  montinm 
moles  conglobata  attoUitur,  ut  partim  e  pulvere  nitrato,  partim 
aliarum  rerum  ruina  sine  intermissioue  excitata  aärem  opplet 
tantaque  caligine  solis  lucem  obscurat,  ut  coelum  horriflca  toni- 
trua  maximosque  imbres  minari  existimes*.  Quicquid  autem 
murorum  deiicitur,  quicquid  munitionum  interdiu  labefactatur, 
mulieres  quorundam  virorum  ductu  excitatae  noctu  reparant,  ne 
viri  eo  labore  defatigati  vires  suas  debilitent,  sed  integras  fu- 
turae   oppugnationi   reservenf*.    Apparant  tamen   omne  genus 

*)  Vgl.  zur  Ueberwasserkirche  auch  oben  S.  53  f.  Bei  seiner  Schil- 
derung der  Verwüstung  der  Kirchen  erzählt  H.  Gresbeck  S.  159,  wie 
die  Wiedertäufer  zwar  auch  das  Innere  der  Ueberwasserkirche  zerstört,  die 
Kirche  selbst  aber  nicht  abgebrochen  hatten.  Nur  die  Kappe  vom  Turme 
sei  niedergeworfen  worden,  die  Glocken  seien  im  Turme  verblieben.  Sie 
hatten,  setzt  er  dann  hinzu,  „up  demselven  tom  twe  halve  slangen  up  stain 
und  deden  groite  schult  in  dat  leger  für  die  stat.  Sohebben  sie  die 
torn  uth  dem  leger  tho  schotten  und  hebben  ouck  die  kercke 
doer  dat  dack  geschoten.    Sufs  is  die  kercke   stain  gebleven." 

*)  Vorlage  für  Kerss.  ist  hier  und  im  Folgenden  die  Schilderang 
bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  S8  u.  T  1  fif . 

■)  Ganz  ähnlich  lautete  schon  Kerss.'s  Schilderung  bei  Gelegenheit 
des  ersten  Sturmes  auf  Münster  (s.  oben  S.  592).  Joh.  Fabricius  Bo- 
landus a.  a.  0.  sagt: 

„Ast  ea  quod  damni  faciunt  sibi  luce,  per  atras 
Instaurat  noctes  regis  ubique  labor." 


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Anno  1534  acta.  675 

armorum,  quae  ad  arcendum  hostem  conducunt,  neque  uUum 
telnm,  nisi  hostem  feriat,  reiiciant,  sed  in  propugnaculis  firmi- 
oribas  quasi  consopiti  expectantes  hostium  impressionem  *taciti*p.  537. 
et  securi  degont.  Qaaedam  feminae  in  aggeribns  per  certa  inter- 
yalla  cacabos  et  ahena  capacissima  disponant  calcem.pro  matn- 
tino  fercnlo  hosti  coquentes;  aliae  stapea  serta  ligneis  circnlis 
involnta  farcalis  qaibusdam  ad  hoc  comparatis  liqaefactae  re- 
sinae  et  pici  immergunt;  aliae  saxa  in  hostem  desnper  rotanda 
congerunt  *.  Pueri  quoque  decem  aut  plurium  annornm  ad  iacu- 
landum  edocti  hirundineas  caveas  aliaqne  inter  aggeres  erymata 
occnpantes  adversus  hostes  disponuntur,  qnibus  tamen  viri  cor- 
datiores  et  in  re  militari  exercitatiores  admiscentur.  Neque  qnis- 
quam  in  urbe  est,  cui  non  sit  suum  officium.  Kex  ipse  equo 
per  pomeria  urbis  vectus  omnia  ad  tutelam  et  defensionem  ne- 
cessaria  disponit,  cuique  locum,  quem  aut  vivus  aut  mortuus 
teneat,  defendendum  tribuit  simulque  diera  oppugnationis,  quem 
a  transfugis  quibusdam  clanculum  acceperat,  quasi  spiritu  pro- 
phetico  afflatus  praedicit^    Partitur  ita  oppidanos,  ut  quidam 


0  Vgl.  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  T3.  Auch  H.  Gresbeck 
S.  80  berichtet:  „So  hedden  sie  in  der  stat  legen  den  storm  tho  gerüstet 
von  heittem  water  mit  kalck  gcsoden  und  hedden  teerkrenfse  geraacket . . ." 
Vergl.  noch  D.  Lilie  S.  242.  S.  auch  oben  S.  615  das  von  Kerss.  über- 
setzte deutsche  Gedicht  gegen  die  Belagerer  der  Stadt. 

*)  Dafs  den  Inhabern  der  Stadt  abermals  der  neu  bevorstehende 
Sturm  verraten  war,  erwähnt  das  Flugblatt  „Der  gantze  handel"  und  ebenso 
D.  Lilie  S.  241.  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  R5^  u.  R6  macht 
ebenso  wie  Kerss.  in  seinem  Jugendgedichte  S.  48  (bei  D.  Ger  des:  Scrin. 
antiqu.  Tom.  2*  S.  585  f.)  als  Verräter  bei  dieser  (lelegenheit  den  Hans 
von  der  Langens traten  namhaft.  Doch  findet  sich  dafür  in  den  sonstigen 
Quellen  kein  Beleg.  —  „Der  kunig  hab  vom  stürme  prophetiert,"  sagt  Joh. 
Kloprifs  aus  (s.  J.  Niesert:  U.-S.  L  S.  128),  und  ausfülirlicher  bekennt 
er  (s.  ebd.  S.  119,  vgl.  auch  S.  133):  „Drey  tage  vur  deme  stürme  gebe 
der  prophet  zu  Munster  bevelh,  uf  den  wellen  zu  sein  und  zu  wachen,  und 
also  zeuch  er  selbst  nmb  und  verkündigt  solchs  deme  volck  . .  .^^  „Und  do 
man  sturmete,  reidt  der  kunig  umb  und  reizte  das  volk  an."  Aehnlich 
heifst  es  nach  dem  Bekenntnisse  des  Joh.  Boentrup  in  der  „Newen  zeitung^' 
(Zeitschr.  17  S.  266) ;  „Was  der  prophet  prophetiert  hatte  gegen  dem  storm, 
were  jnen  alles  also  begegnet^  als  auff  was  zeit  de  stürme  angehen  selten; 
und  hatte  jnen  droy  tage  gepoten  vor  dem  storm,  zu  fasten  und  zu  beten." 
Die  Einzelheiten  von  dem  Plane  zum  Sturme  scheinen  jedoch  den  Macht- 

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676  Anno  1534  acta. 

manitionibns  defendendis  sint  occapati;  alios  per  manipnlos 
passim  in  pomeriis  collocat,  qui  ant  defatigatis  ant  repulsis  a 
defensione  murorum  snccedant  ant  hostes  mnnitiones  forte  su- 
perantes  excipiant.  Aliam  quandam  mnltitudinem  in  foro  ar- 
matam  et  ad  qnamcunque  belli  aleam  paratam  constitnit.  Se 
vero  cum  fortissimorum  invenum  globo  passim  in  urbe  vig^la- 
turum,  ne  quid  proditionis  metuatnr,  promittit.  Ita  autem  a 
rege  ad  futoram  impressionem  animantur,  nt  iam  tempus  adesse 
optarent,  quo  hostibus  internecionem  adferant,  sibi  vero  victoriam 
pariant  ^  Cum  autem  munitiones  urbis  iam  triduum  continuum 
tormentis  quassatae  militesque  a  suis  ducibus  fortitudinis  mili- 
tarisque  sacramenti  eximiis  orationibus  intra  castra  admoniti 
31.  Aug.  fuissent,  ultima  die  Augusti,  quo  nundinae  Grevonianae  eo  anno 
peragerentur,  in  ipso  crepusculo  matutino  hora  quinta  *  macMna 
quaedam  aenea  a  Lantgrario  in  praesidium  obsidionis  missa  dia- 
boli  nomen  circumferens,  omnibus  militibus  a  terrifico  suo  bombo 
cognita^,  ingentis  ponderis  globo  feta  hon'endo  boatu  partum 
suum  edit  et  ex  composito,  uti  inter  militiae  duces  convenerat, 
milites  ad  oppugnandam  urbem  hoc  signo  impellit.  Continuo 
equitatus  lituorum  tubarumque  clangore  concitus  turmatim  cir- 


habem  nicht  verraten  worden  zu  sein,  denn  Joh.  Kloprifs  bekennt  (a.  a.  O. 
S.  119)  weiter:  „Aber  sie  wisten  nirgentz  des  anfals  zu  warten, 
dann  an  deme  ort,  da  die  stat  geschossen  war.  Und  so  betten  sie  auch  die 
pcrde  hoeren  krysschen,  und  demnach  gistcn  sie  uf  den  stürme.  So  weren 
auch  lüde  uf  deme  thome,  die  konten  aUo  das  velt  durchsehen.'*  Auch 
Dionys.  Vinne  sagt  aus  (M.  G.-Q.  II,  27G):  „Se  hebben  nicht  gewust, 
an  weicherem  orde  men  stormen  wolde.'* 

')  Auch  H.  Gresbeck  sagt  S.  80:  „So  hat  den  wiederdoepers  ver- 
langt na  dem  storm  und  hebben  in  groten  furchten  geweat.  So  plagen  sie 
tho  ropen  uth  der  stat:  Wanner  wil  gy  khomen?  Wy  hebben  gebacken 
und  gebrouwen  dry  oft  vehr  nacht  lanck;  der  bry  iss  langk  gar  gewest, 
wolde  gy  anders  khomen." 

*)  Noch  am  31.  August  schreibt  der  Bischof  aus  dem  Feldlager  vor 
Münster  an  Lubbert  Torck  (Konzept  im  St.-A.  M.),  „dat  wy  gemelte  stadt 
Munster  huet  den  maendach  to  viff  urhen  vormyddage  ge- 
weidige und  stormen  der  haut  angefallen."  Das  richtige  Datum 
für  den  Sturm  bietet  auch  die  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  332),  das  Flug- 
blatt ,J)er  gantze  handel"  Bl.  A2,  H.  Gresbeck  a.a.O.  und  D.  Lilie 
S.  241.  —  8)  Yg\,  oben  S.  529. 


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Anno  1534  acta.  677 

cum  urbem  in  eqnis  haeret ;  et  cum  tympana  ad  arma  sonareut, 
ex  omnibas  castris  primam  signiferi  dupliciariique  milites  simal 
omnes  certatim  a  sex  partibus  urbem  adoriuntur^.  Currus  cum 
yiminibus,  fasciculis,  straminibus  et  ericis  in  usum  "^impressionis  *p.  538. 
reservatos  in  priores  fossas  praecipitant;  alii  vimineis  cratibus 
incumbentes  eas  tranant  et  crates  roboreas  sepimentumque  ag- 
geris  rumpunt  gladiisque  findunt;  alii  reliquiis  deiectarum  por- 
tarum  scalas  uncatas  affigunt  scanduntqne;  alii  valvas  foresque 
subiecto  pulvere  tormentario  cardinibus  eiicere  conantur  nulli- 
que  labori,  quem  utilem  sibi  fore  existimarent,  parcunt.  Qui- 
dam  etiam  signiferi  ipsis  muris  insidentes  auxilium  suorum  im- 
plorant  *. 

Oppidani  vero  fortiter  pugnantium  impetum  non  modo 
sustinent,  verum  etiam  magnam  eorum  partem  vel  munitionibus 
impeditam  vel  vepribus  aggeris  irretitam  missilibus  interficiunt. 
Hi  scalas  tincatas^  illisque  inhaerentes  deiiciunt  miseroque  casu 
terrae  eos  enecant;  illi  muros  apprehensantes  praecisis  manibus  • 
mutilant;  bi  trabes  in  valli  cacumine  suspensas  funibus  resectis 
solvunt,  quarum  praecipiti  rotatu  in  aggere  consistentes  per- 
imuntur  et  in  fossas  praecipitantur;  illi  clava  dentata  scanden- 
tium  capita  frustra  galea  tecta  tanta  vi  feriunt,  ut  effuso  cerebro 
magno  cum  boatu  spiritum  quoque  emitterent;  hi  hasta  ascen- 

»)  Ms.:  fulcatas. 


0  Ebenso  sind  nach  H.  Gresbeck  a.a.O.  „des  morgentz  die  lans- 
knecht  angefallen  fnrseessporten  an  die  stat  Monster  und  hebben 
gestormet." 

«)  Vgl.  dazu   die  ähnliche   Schilderung  bei   Joh.  Fabricius  Bo- 
landus  Bl.  T2,  der  seinen  Bericht  mit  den  Worten  schliefst: 
„Nee  mora;  contendunt  fera  moenia  fortibus  omnes 
Expugnare  suis  viribus,  arte,  manu.'' 
„In  tyth  des  storms,"  gesteht  Herin.  Regewart  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  32), 
„sy  de  meeste   fruchte   an  der  Jodevelth  und  Crutze  porten,   avers  an  S. 
Sen'acs  porten  wer  dat  spyll  schyr  am  ersten  versehen  gewest "   Aehnlich 
aufsert   sich   Joh.  Beckmann   und  fugt   hinzu  (M.  G.-Q.  II,  412):^„Sint 
eck  ein  deel  upn  walle  gewest,  avers  wederum  uthgcwecken."  Auch 
die  Bischofschronik  erwähnt  (s.  M.  G.-Q.  I,  332),    dafs   der  Sturm   abge- 
schlagen wurde,  „wowol    ein  deel    der   knechten   in  den   wellen, 
ein   deel   up  der   muren;   sint  wedder  to  rugge    geschlagen,   und  dat 
dorch  vorrederie  uth  dem  leger  . . ." 


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678  Anno  1534  acta. 

dentes  detrudnnt,  illi  bipenne  dissecant;  hi  accnrrentes  saxis 
eminns  arcent,  illi  in  cayeis  hinmdineis  aliisque  defensacnlis 
latitantes  per  fossas  tranantes  aat  in  aggere  haerentes  de  trans- 
verso  traiicinnt.  Miserrimum  antem  lethi  genns  a  mulieribns 
illatnm  est,  quarum  aliae  receptacnlis  ligneis  ferventem  calcem 
in  hostem  mnnitiones  snbenntem  effundnnt,  aliae  piceas  Coronas 
adhibita  face  incendnnt  atqne  ita  flagrantes  forculis  qoibnsdam 
ferreis  in  ascendentiom  coUa  iniicinntS  qni  horrendis  flammis 
ipsa  arma  penetrantibns  miseris  modis  excmciati  snrsnm  deor- 
sumque  cnrsitant  maiorique  motn  flammas  exnscitant  et  fmstra 
chyrotecis  e  crassioribus  ferarum  pellibns  ad  hoc  comparatis  ar- 
dentia  serta  eximere  tentant.  Ita  enim  flagranti  resina  et  pice 
tenaci  contrahuntar,  nt  manns  inde  retrahere  neqneant.  Tandem 
qnidam  eomm  proni  concidnnt  seseqne  in  terra  algenti  prae  in- 
tolerabili  cmciatn  ita  volvnnt,  ut  herbae  circnmquaqne  flammis 
emarcescerent;  hinc  magno  cum  clamore  animam  eyomunt.  Alii 
.vero  conceptas  flammas  restinctnri  in  fossas  promnnt  et  pondere 
armorum  depressi  snbsidunt. 


')  Vergl.  oben.  „Die  wiederdoepers  deden  grote  wer  uth  der  Stadt 
Monster,"  sagt  H.  Gresbeck  S.  80  f.,  „mit  schietten  und  mit  steinen  tho 
werpen  und  mit  heitten  water  tho  gieten  und  mit  den  fueren  krenfaen  tho 
wcrpen,  dat  de  lansknecht  moisten  wieder  afwiecken."  S.  auch  Joh.  Fa> 
bricius  Bolandus  Bl.  T3.  —  Die  energische  Verteidigung  der  Stadt 
ist  von  den  Gegnern  der  Wiedertäufer  mehrfach  anerkannt  worden.  Der 
Bischof  selbst  schreibt  an  Papst  Paul  III.  (s.  J.  Nieser t  a.a.O.  S.  84  f.), 
„propter  ipsius  (proelii)  . . .  incredibilem  mutationem  desperatorumqne 
hominum  diligentissimam  defensionem"  sei  die  Hoffnung  auf 
Eroberung  der  Stadt  für  ihn  gescheitert.  „Aber  die  Widertauffer,"  äufsert 
sich  das  Flugblatt  „Der  gantzc  handel"  Bl.  A  2,  „. . .  haben  mit  aller 
geschicklichkeit  drauff  zugelegt,  der  feindt  ci'warten  mit  f eur  rey ffen, 
allerhand  geschütz  und  weer  so  grausam  und  dapffer  begegnet, 
das  die,  so  ontlauffen  mochten,  fro  waren  und  sich  bedanckten."  —  Nach 
D.  Lilie  S.  242  unternahmen  die  Bischöflichen  „den  dach  seven  gewcldige 
unde  gruwelige  storme  na  einander,"  nach  H.  Gresbeck  „twe  storme  für 
ein  ieder  port,  und  für  ein  deil  porten  deden  sie  dry  storme."  —  Letzterer 
führt  als  Grund  für  das  Scheitern  des  Sturmes  die  Saumseligkeit  im  bi- 
schöflichen Lager  an.  „Mehr  hedden  die  lansknecht  anderhalf  stnnt  ehe 
angefallen,  so  hedden  sie  die  stat  gewunnen  gehat,  wante  sie  wachten  tIcI 
tho  lange  up  den  dagh,  dat  it  tho  licht  was."  Uneinigkeit  unter  den 
Landsknechten  kam  hinzu. 


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Anno  1534  acta.  079 

Inter  portam  Neopontanam  et  Crucis,  quasi  ea  pars  urbis 
defen*soribus  nudata  esset,  hostem  primara  fossam  vallumque  »p.  539. 
superare  sinnnt*.  Id  cum  posteriores  animadverterent,  priores 
in  urbem  evasisse  existimant,  magno  proinde  nisu  subsequuntur; 
alius  alium  ad  invadendum  et  verbis  et  nutibus  extimulat.  Be- 
tincti  vero  in  insidiis  tectisque  propugnaculis  latitantes  et  omnia 
ad  mactandum  parata  habentes,  ubi  satis  hostium  vallum  trans- 
isse  putarent,  tanto  telorum  turbine  eos  invadunt  et  ad  satie- 
tatem  sternunt,  ut  pauci  se  fuga  eriperent.  Non  enim  aliter  ibi 
chyrobombardae,  quam  arengarum  ova  in  ignem  coniecta  sonant 
et  sine  intermissione  crepant.  Ita  repulsi  novis  saepe  viribus 
impellente  equitatu  impressionem  redintegrant  eamque  ad  vespe- 
ram  eins  diei  magna  suorum  strage  frustra  continuant.  Tandem 
vivi  diutumitate  oppugnationis  defatigati,  lassitudine  propemodum 
exanimati  vulneribusque  confecti  non  solum  muros  et  aggeres, 
verum  etiam  fossarum  aquas  et  campos  sanguine  suorum  com- 
militonum  rubere  et  innumera  cadavera  passim  prostrata  videntes 
spem  potiundae  urbis  abiiciunt.  Duces  etiam  milites  in  angu- 
stum  adductos  esse  sentientes  desperatis  quasi  iam  rebus  suis 
receptui  canunt  integrosque  pedites  ad  castra  revocant.  Multi 
semianimes  inter  cadavera  fusi  resumpto  spiritu  in  quiete  noc- 
turna vel  ad  castra  repunt  vel  eo  deferuntur^.  Dici  vix  queat, 
quantus  in  castris  fuerit  luctus  virorum  carissimos  suos  com- 
militones  desiderantium,  quantus  fletus  vulneratorum  intolera- 
bilem  cruciatum  sentientium,  quantus  ululatus  feminarum  ma- 
ritos amissos  querentium !  Si  retinctis  non  fuisset  satis  hostem 
a  moenibus  propulisse,  sed  in  tanta  perturbatione  erupissent, 
castra  aliquot  sine  dubio  fudissent  et  internecione  delevissent. 
Id  cum  miles  metueret,  vigilias  noctumas  accurate  disponit^. 


')  Nur  von  Kerss.  überliefert. 

*)  Nach  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  T5; 

„Repit  et  huc  noctu  quae  pars  est  saucia,  multos 

Mors  adimit  largo  fusa  cruore  viros. 
Seinineces  socii  superante  dolore  gementes 
In  sua  nocturno  tempore  tecta  gerunt." 
')  So  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus  a.a.O.: 

„Cumque  metus  foret  huc  hostis  ruitura  per  astus 
Agmina,  noctivagas  sors  facit  excubias.^^ 


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680  Anno  1534  acta. 

Post  amplissimam  istam  victoriam  oppidani,  cum  pau- 
cissiml,  nempe  decem  et  sex,  cecidissent  ^,  non  solum  hynmos 
Deo  gratias  agentes  cannnt,  verum  etiam  epulantur,  festos  laetos- 
que  dies  agunt  et  Insolentiores  finnt^  Princeps  vero  non  tan 
impensarum,  quam  insigninm  viroram  clade  consternatus  gemit 
et  animo  vehementer  angitur,  non  tarnen  spem  potiundae  urWs 
prorsus  abiicit,  sed  dioecesis  ordines,  militiae  duces,  signiferos, 
♦p.  540.  centu*riones  et  primipilos  de  rebus  futuris  consultandi  gratia  si 
3.  Sept.  tertium  diem  Septembris  convocat.  Qui  ut  urbem  vi  non  posse 
capi  animadvertunt,  ad  moras  consilium  vertunt;  sie  enim  rem 
minori  impendio  et  clade  militum  posse  peragi  existimant,  ma- 
xime  cum  a  transfugis  accepissent  oppidanos  de  commeatus  pe- 
nuria  incipere  queri,  hordeum  siligini  ad  panem  misceri,  coemi- 
teria  aliasque  in  urbe  areas,  imo  ipsos  urbis  vicos  silicibus  di- 
motis  frumento,  oleribus,  radicibus,  rapis  et  similibus  ad  usum 
hominum  necessariis  consitos  esse,  quae  omnia  certissima  sim 
argumenta  ipsos  de  annona  desperare,  et  parum  rerum  necessa- 
riarum  ipsis  superesse  ^  ünanimi  ergo  consilio  decernunt  militum 


^)  „Item  in  deme  stürme  blieben  in  Munster  irgend  15  oder  16  per- 
sonen."  So  bekennt  Job.  Kloprifs  a.a.O.  S.  133.  Abgesehen  von  dem  ganz 
allgemein  gehaltenen  Berichte  des  Joh.  Fabricius  Bolandus  sind  Nach- 
richten über  den  Verlust  der  Münsterer  nicht  erhalten.  Kloprifs  hat  wold 
die  Zahl  der  in  der  Stadt  Gefallenen  zu  niedrig  angegeben.  Sehr  grofs 
war  die  Anzahl  der  Gefallenen  auf  der  bischöflichen  Seite.  „Nicht  ane 
merkligen  schaden  unser  krjgeslude^'  habe  man  den  Sturm  aufgeben  müssen, 
schreibt  der  Bischof  am  31.  Aug.  an  Lubbert  Torck  (Konzept  im  St.-A.  M.), 
Die  Bischofschronik  meldet  (M.  G.-Q.  I,  3;^2),  dafs  der  Sturm  „mit  vor- 
lesingh  veles  guden  volckes  ifs  affgeschlagen."  Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  242. 
Die  Flugsclirift  „Der  gantze  handel"  berichtet  Bl.  A2:  „Da  ist  ein  grofse 
menig  volcks,  edel  und  unedel,  umbpracht  und  vil  gewundt.  Es  sein 
auch  42  namhaffter  Haubtmänner,  welche  in  vil  kriegen  ge- 
ubet  und  eer  eingelegt,  blibcn.  Dergleichen  otlich  Kriegss- 
volck  der  stat  zugefallen  und  eingelauffon." 

*)  Aehnlich  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  T8.  „Nach  verlore- 
nem storm  hebben  se  Got  gelovot^"  heifst  es  im  Bekenntnisse  des  Dionys. 
Vinne  (M.  G.-Q.  II,  27G).  Vgl.  auch  die  Ausfuhrungen  bei  H.  Gresbeck 
S.  81  und  D.  Lilie  S.  242. 

■)  Verhörsprotokolle  aus  der  Zeit  vom  Juli  bis  September  scheinen 
nicht  erhalten  zu  sein.  Die  Aussagen  der  im  October  aus  Münster  ent- 
sandten Apostel  verbreiten  sich  mehrfach  über  den  Stand  der  Verprovian- 


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Anno  1534  acta.  681 

nameram  esse  minaendum  et  circam  urbem  per  certa  intervalla 
Septem  propugnacnla  sea  castella  esse  erigenda  eademqne  muni- 
tionibus  et  sufficienti  praesidio  aliisqne  rebus  ad  bellum  perti- 
nentibus  firmanda ;  interstitia  quoque  inter  singula  propugnacula 
yallo  fossaque  contiuuo  ductu  esse  obstruenda,  ut  tarn  aecessus 
ad  urbem  quam  egressus  omnibus  praecludatur  *.   Huic  rei  con- 


tierung  der  Stadt.  Danach  aber  kann  für  die  von  Kerss.  hier  bcrülirte 
Zeit  von  einem  empfindlichen  Mangel  an  Lebensmitteln  in  Münster  noch 
nicht  die  Rede  sein.  „It  is  noch  an  wine,  her  und  brode  ein  iair 
lanck  genoich  dar,"  sagt  Dionys.  Vinne  (M. G.-Q.  II, 277).  Joh.  Klop- 
rifs  äuTsert  sich  (bei  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  125):  „Als  er  noch  in  Munster 
was,  do  hetten  sie  ...  noch  korns  und  gersten  gnug."  Auch  Herrn. 
Regewart  erklärt  (bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  28),  „körne s  solde  noch 
genoich  dar  bynnen  wesen,  avers  solt  und  botter  wjUe  syns  be- 
dunckens  mangelen,  wuwoll  he  gehört,  dat  Johan  Dusentschur  gesacht, 
kostes  solle  noch  bjnnen  twe  jaren  gyn  mangel  wesen."  Joh.  Beckmann 
setzt  noch  hinzu,  „specks  und  flesches  sy  noch  bes  Paschen  genoich"  (ebd. 
S.  35).  Endlich  meint  Gottfr.  Stralen  (ebd.  S.  59)  ganz  allgemein,  sie  „soUen 
noch  vor  ein  yar  proviande  genoich  hebn."  Vgl.  auch  H.  Graes'  Aussagen 
in  der  Zeitschr.  27  S.  264,  nach  denen  noch  Malz,  Roggen,  Gerste  und 
Speck  in  grofser  Menge  vorhanden  ist.  Nur  von  Salz  und  Käse  ist  wenig 
da,  an  Butter  giebt  es  noch  ungefähr  14  oder  15  Fafs. 

')  Von  einem  solchen  Beschlüsse  erfahren  wir  aus  der  Instruktion 
des  Bischofs  für  eine  Gesandtschaft  an  den  Erzbischof  von  Köln  (Kopie 
im  St.-A.  M.  M.L.  A.  5lb/l9  IV.  fol.  112).  Die  Instruktion  ist  zwar  un- 
datiert, fällt  aber  zeitlich  vor  den  14.  Sept.,  da  in  ihr  dieser  Tag  als  für 
einen  demnächstigen  Landtag  zu  Telgte  in  Aussicht  genommen  bezeichnet 
wird.  Es  heifst  in  ihr,  „das  s.  f.  g.  der  Sachen  nit  besser  zu  verhelfen 
wisse  noch  zur  zeit,  dan  das  die  blockheusser  mögen  geslagen  werden,  wie 
der  abscheit  auch  mit  s.  churf.  g.  genomcn  ist;  daruff  dan  vor  Munster 
von  s.  churf.  g.  und  meins  g.  h.  von  Munster  rethen,  auch  den  verordcnthcn 
von  der  lantschafft  der  pletz  und  stede  besichtynge  bescheen  ist,  wo  sie 
am  bequemsten  zu  leggen  sein,  das  die  einhaber  der  statt  Munster  ver- 
hindert werden,  profianden,  pulver  oder  anders  einzufuren  . . .  Und  ist  von 
denselbigen  vor  guit  angesehen  nah  der  weytte  der  statt,  das  syben  bloch- 
heuser  zu  machen  und  von  nothen  sey,  und  das  die  besatzt  werden  mit 
drithalb  tausent  knechte."  —  Kerss.  irrt,  wenn  er  die  Zustimmung  des 
Landtages  bereits  auf  den  3.  Sept.  verlegt.  Der  Landtag  war  vielmehr 
wirklich  erst  auf  den  14.  Sept.  nach  Telgte  zusammenberufen  und  bewil- 
ligte in  seinem  Abschiede  am  16.  Sept.  (St.-A.  M.  Landtags- Akten;  s.  auch 
Zeitschr.  24  [1864]  S.  312  fit.)  die  dringend  nötige  aufserordentliche  Steuer 
zur  Errichtung  und  Unterhaltung  der  Blockhäuser   und  bestimmte  aufser- 


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682  Anno  1534  acta. 

ficiendae  Wilkinus  Stedingns  praeficitur.  Eadem  cum  in  comitiis 
Essendianis  proponerentur,  ad  quae  praeter  episcopum  Monasteri- 
ensem,  archiepiscopus  Coloniensis,  dux  Sazoniae  elector,  dox 
Cliviae  aliiqne  proceres  convenerant  *,  placnerunt,  et  plurimum 
commoditatis  adferre  visum  est,  si  episcopns  noster  trecentos 
equites  armatos  semper  in  procinctu  habeat,  qni  oppidanos  erup- 
tionem  forte  molientes  ant  repellant  aut  intercipiant. 
4.  Sept.  Princeps  itaque  per  literas  4.  Septembris  emissas  *  satrapis 


dem,  dafs  sich  der  Bischof  für  weitere  Ilülfe  an  den  Kaiser  und  an  die 
Fürsten  und  Stände  des  Reiches  wenden  solle.  Vergl.  auch  L.  Keller: 
G.  d.  W.  S.  2G2.  —  Die  schriftstellerischen  Quellen  geben  nur  ganz  kurze 
und  unzureichende  Nachrichten  über  die  Errichtung  der  Blockhäuser  (s.  die 
Bischofsclironik  M.  G.-Q.  I,  ;335,  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  V2, 
H.  Gresbeck  S.  1G8  f.  und  D.  Lilie  S.  242). 

^)  Kerss.  verwechselt  hier  wohl  eine  erste  Zusanunenkunft  zu  Essen 
zu  Beginn  des  September,  über  die  ich  freilich  keine  Akten  gefunden  habe, 
mit  einer  zweiten  zu  Anfang  des  November.  Dafs  der  Bischof  gleich  nach 
dem  verunglückten  Sturme  mit  seinem  „hofleger  und  gesinde,  eck  de  an- 
deren uthlendeschen  heren,  upgebrocken  und  vertogen,"  geht  aus  dem 
Briefe  hervor,  durch  den  ihn  Etliche  aus  dem  Domkapitel  und  der  Ritter- 
schaft am  5.  Sept.  in  die  Nähe  des  Feldlagers  zurückzurufen  versuchen 
(M.  G.-Q.  II,  267).  Die  eben  zitierte  Instruktion  des  Bischofs  stellt  eine 
Vereinbanmg  desselben  mit  dem  Erzbischofe  von  Köln  über  die  Anlage  der 
Blockhäuser  als  sicher  hin,  und  Herzog  Johann  erwähnt  in  einem  Schreiben 
vom  11.  Sept.  (Orig.  im  St.-A.  M.)  dem  Bischöfe  gegenüber,  indem  er  Vor- 
schläge macht,  wohin  „de  nastendigo  pennyngen"  geschickt  werden  möchten^ 
einen  „jungst  genomen  affscheid  zu  Essend.^^  Keincnfalls  kann 
aber  schon  damals  auf  einem  ersten  Tage  zu  Essen  der  Kurfürst  Johann 
Friedrich  von  Sachsen  an  den  Beratungen  und  Besclüüssen  teilgenommen 
haben,  denn  noch  am  20.  Sept.  lehnt  er  jede  von  ihm  durch  ein  bischöf- 
liches Schreiben  vom  10.  Aug.  erbetene  fernere  Hülfe  mit  dem  Hinweise 
darauf  ab,  dafs  der  Bischof  bei  Bestrafung  der  Stadt  keinen  Unterschied 
machen  woDe  zwischen  den  Anhängern  der  Wiedertaufe  und  denen  des 
Evangeliums.  Abdruck  des  Briefes  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  321  f.  Erst 
der  Vermittlung  des  Herzogs  Johann  von  Cleve  gelang  es,  zwischen  dem 
Bischöfe  und  dem  sächsischen  Kurfürsten  eine  Annäherung  zustande  zu 
bringen,  deren  Folge  im  November  eine  Zusammenkunft  der  Kurfürsten 
von  Köln  und  Sachsen,  des  Herzogs  von  Cleve  und  des  Bischofs  Franz  in 
Essen  war.  S.  L.  Keller  a.a.O.  S.  264 ff.  und  in  der  „Histor.  Zeitschr.,*^ 
herausgeg.  von  H.  v.  Sybel,  Bd.  47  (München  u.  Leipzig  I8rt2)  S.  432. 

")  Aus  dem  Feldlager  vor  Münster.  Konzept  im  St.-A.  M.  Einge- 
leitet ist  der  Befehl  mit  den  Worten:   „Szo  wy   myt  krigesreden,   dom- 


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Anno  1534  acta.  683 

et  praefectis  suis  passim  per  dioecesim  serio  mandat,  ut  ser- 
vorum^  tnrbas  nulla  ratione  habita,  cniusque  sint  send,  ad  7. 
diem  Septembris  fodiendi  terramqne  coacervandi  gratia  advoceAt  7.  sept 
ac  singnli  in  quintum  diem  commeatu  se  muniant;  elapsis  vero 
diebüs  qoinqne  alias  servoram  tnrbas  mittant,  ne  opus  coeptum 
intermittatur.  Ipsi  quoqne  praefecti  et  satrapae  sua  praesentia 
suos  agricolas  ad  continunm  laborem  extimnlent^. 

Eo  labore  antequam  castella  locentur  et  contra  oppidanorum 
impetnm  maniantnr,  magna  pars  autnmni  consumitnr  \  Septem 
Ms  castellis  totidem  duces  cum  praesidiis  praeflciuntur.  Proxi- 
mum  fere  urbi  fuit  Mauritianum,  cui  Wilkinns  Stedingus,  *omni3  »p.  541.. 
pedestris  ezercitus  dnx  primarins,  praeest;  altemm  in  valle  iuxta 
pratum  Drolshagii*  extmitur,  quod  Hanso  Teckelenbnrgicus  mo- 
deratur;  tertium  super  Geistam  iuxta  molam  flatilem  xenodochii 
attollitur,  quod  Antonius  Lichtherte  regit;  quartum  super  Teltam 
ad  portam  Marianam  ponitur,  quod  Hermannus  Sittardus  ad- 
ministrat;  quintum  ad  portam  ludefeldanam  in  confinio  Stephani 


kapittell  und  gemeiner  ritterschap  . . .  overkomon  undc  beslotten,  eilige 
blockhuser  vor  der  stadt  Munster  up  f  schlaen  und  an  de  orde  vcm  genoch 
yan  der  stadt  to  leggcn,  dat  de  grever  van  dem  geschulte  uude  zufs  aUent- 
halyen  unbcscheddiget  bliven  sollen  ..." 

')  Im  bischöflichen  Befehle:  grever.  —  *)  Im  bischöilichon  Befehle: 
„. . .  dat  du  ock  sulvest  mit  djnen  richtem  und  vogcdcn  des  orts,  dar  de 
grever  tor  tith  upgebracht  worden,  mith  den  luden  ©verkommest,  ze  in 
arbeide  bewarest  und  by  ennen  bes  tor  entschap  verblivcst." 

')  Häufig  finden  sich  in  den  Akten  Klagen  über  die  Nachlässigkeit, 
mit  der  der  Bau  der  Blockhäuser  betrieben  wurde.  Vergl.  den  Brief  des 
landständischen  Ausschusses  an  den  Bischof  vom  8.  Sept.  (M.  G.-Q.  II, 
268  f.).  Schon  am  18.  Sept.  melden  die  verordneten  Feldherren  und  Rate 
aus  Tclgte  dem  Bischöfe  (Orig.  im  St.-A.  M.)  abermals,  dafs  sie  bei  einer 
Inspektion  am  vorhergehenden  Tage  „hebben  by  dem  arbeide  gyne  ampt- 
lude  eder  geschickte,  doiglige  bevelhebbcr,  weynich  grever  und  arbeider, 
ock  noch  wagen,  holthouwer  eder  tymmerlude  befunden."  Bei  Gelegenheit 
der  Zusammenkunft  zu  Essen  entsandlen  die  Kurfürsten  von  Köln  und  von 
Sachsen  sowie  der  Herzog  von  Cleve  am  9.  Nov.  eine  Kommission  zur  Be- 
sichtigung der  Blockhäuser.  Der  Bericht  dieser  Kommission,  datiert  aus 
Warendorf  vom  17.  Nov.,  tritt  besonders  für  Vermehrung  und  für  Ver- 
besserung der  Beschaffenheit  des  Geschützes  und  für  strengere  Regelung 
des  Wachtdienstos  ein  (Akten  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  VIII.  fol.  IUI  ff.). 

*)  Bei  Lütkenbeck. 


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684  Anno  1534  acta. 

Bodden  et  fratrum  Pontissalientis  erigitur,  cni  Egbertus  Deve- 
renus  imperat;  sextum  iuxta  locnm  Hoystacken  appellatnm  ad 
pbrtam  Cmcis  excitatur,  quod  Lanrentius  Horsthanus  gubemat; 
septimnm  apnd  molam  Eninckinganam  iuxta  campnm  ibi  ac- 
clivem  locatur,  cuius  sceptra  Wilhelmns  Amhemicus  tenet^ 
Singulis  autem  stativis  tormenta  et  quingentorum  armatomin 
praesidium  imponitur.  Reliqui  milites  parcendomm  sumptnum 
gratia  paulatim  exauctorantur. 

Dum  haec  ita  aguntur,  princeps  difficilem  hanc  et  peri- 
culosam  obsidionem  dioecesis  impensis  diutius  sustineri  non 
posse  videns  (nam  non  solum  attritae,  verum  etiam  crebris  ei- 
actionibus  exhaustae  propemodum  erant  subditorum  facultates, 
cum  ultra  600000  florenorum  in  hoc  bellum  insumpsisset  *)  de 
consensu  omnium  dioecesanorum  legationes  ad  quatuor  electores 


')  Aktcnmäfsig  finde  ich  die  sieben  Blockh&user  zum  ersten  Male 
aufgeführt  in  einem  Erlasse  des  Bischofs  vom  3.  October,  in  dem  er  den 
Amtleuten  befiehlt,  dafür  Sorge  zu  tragen,  dafs  den  Blockhäusern  „alle 
wecke  beer,  broith,  fleisch,  kese,  botter  und  ander  nottrofft  togefoert,  und 
dat  sodane  provande  nicht  to  hoge  gesath,  dan  umb  geborlich  und  teme- 
lich  gelt  gegeven"  werde.  Kopie  in  der  Bibliothek  des  Altertumsvereins 
zu  Münster,  Mscr.  101.  Es  heifst  da:  „Twe  blockhuser  ym  Dale  und  np 
der  Geist.  An  der  Telth  Herman  Sutters  blockhuefs.  Am  gelresschen  leger 
Egbertz  van  Doveren  blockhuefs.  Achter  Suerhues  leger  Wilhera  van  Am- 
hems  blockhuefs.  Maurjtz  leger  des  oversten  blockhuefs.  Achter  den  cle- 
vesschen  leger  Lentzen  van  der  Horst  blockhuefs." 

*)  Nach  der  von  Kerss.  oben  S.  548  erwähnten  Kleinodien-,  Pflug- 
und  Viehschatzung  bereits  im  März  hatten  die  Landtage  auf  der  Heide 
hinter  St.  Mauritz  am  18.  Juni,  zu  Telgte  am  14.  Sept.  und  zu  Ahlen  am 
10.  Nov.  drückende  allgemeine  Landsteuem  bewilligt.  Yergl.  dazu  des 
Pfennigmeisters  Joh.  Hagebocke  „Specificatio  derer  kosten  ...,**  heraus* 
gegeben  von  F.  Kellerhoff  in  der  Ztschr.  24  (18G4)  S.  297  flf.  —  Nach  dem 
Hülfsgesuche  des  Bischofs  an  den  Kurfürsten  von  der  Pfalz  (undatiert,  aber 
aus  dem  September  stammend;  Kopie  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  Ol 8/ 19  IV. 
fol.  101  ff.)  beliefen  im  siebenten  Monate  die  Kosten  der  Belagerung  sich 
„an  de  sess  mael  hundert  dusent  gülden."  In  der  Instruktion  zum  Kreis- 
tage zu  Köln  am  25.  Oct.  liefs  der  Bischof  vortragen  (M.  G.-Q.  II,  286), 
dafs  sich  die  Kosten  „over  de  seven  mail  hundert  dusent  gülden  bewifslich 
erstrecken."  In  einer  Werbung  um  eilige  Hülfe  bei  Burgund  vom  lö.  Nov. 
(Kopie  im  St.-A.  M.)  giebt  er  die  Kosten  für  acht  Monate  auf  800000 
<julden  an. 


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Anno  1534  acta.  685 

Moguntinum,  Coloniensem,  Trevirensem  et  Palatinum  ac  prin- 
cipes  trium  provinciarum  Oermaniae,  seil.  Bhenanae,  Inferioris 
ac  Westphalicae,  aoxilia  petitnm  mittit.  Divisa  enim  est  Ger- 
mania in  aliquot  provincias,  quas  circnlos  vulgus  vocat.  Haec 
aatem  legatio  apud  omnes  tarn  benigne  est  exandita,  ut  in  co- 
mitia  Conflnentiae  ipso  die  Lnciae%  qaae  fait  13.  Decembris, 
celebranda  citra  tergiyersationem  consentirent,  in  qnibus  res  illa 
exactius  discuteretur  \  Quae  autera  in  eo  conventu  auxilia  sint 
decreta,  suo  loco  dicetur. 

Caspar  ludefeldus  ac  Petrus  Frisius  cives,  qni  ante  urbis 
obsidionem,  cnm  sibi  timerent,  et  urbe  et  dioecesi  excesserant, 
archiepiscopo  Coloniensi,  duci  Saxoniae  aliisque  principibus  pro 
libero  commeatu  in  dioecesi  Monasteriensi  impetrando  suppli- 
cant;  se  apud  principem  et  quoslibet  alios  de  quocunque  cri- 
mine  obiecto  purgaturos.  Hos  archiepiscopus  Amsbui-gum  ad 
6.  diem  Septembris  vocat;  ibi  ipsos  praesentibus  *Monasterien-  *?•  542, 
sium  consiliariis  responsum  recepturos^.  *'    ^*' 

»)  Ms.:  Lunac. 


')  Die  Akten  aber  erweisen,  dafs  die  Sache  für  den  Bischof  durchaus 
nicht  80  leicht  verlief.  Genaueres  darüber  s.  weiter  unten  bei  Gelegenheit 
des  Tages  zu  Cohlenz.  Vgl.  auch  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  262 ff.  und  in 
der  «Histor.  Zeitechrift"  Bd.  47  (1882)  S.  432  ff.  —  Die  Vermittlung  um 
Hülfe  bei  den  Kurfürsten  von  Mainz,  Trier  und  der  Pfalz  sowie  bei  dem 
Bischöfe  von  Lüttich  hatte  zunächst  zwar  der  Erzbischof  von  Köln  über- 
nommen, doch  ging  der  Bischof  sehr  bald  auch  selbständig  vor. 

*)  Das  Entweichen  des  früheren  Bürgermeisters  Kasp.  Judefeld  aus 
Münster  erwähnte  Kerss.  oben  S.  517.  Schon  am  30.  Juli  hatte  er  sich 
brieflich  an  den  Grafen  Wilhelm  von  Nassau  mit  dem  Wunsche  gewandt, 
derselbe  möge  für  ihn  beim  Bischöfe  freies  Geleit  und  die  Möglichkeit, 
sich  zu  rechtfertigen,  auswirken  (Orig.  im  St-A.  M.,  abgedr.  bei  J.  Nie- 
se rt:  U.-B.  IK  S.  243  ff.).  Auf  Antrag  des  Grafen  von  Nassau  erbittet 
dann  am  4.  Sept.  der  Erzbischof  von  Köln  das  freie  Geleit  für  Judefcld, 
das  Bischof  Franz  bei  Gelegenheit  einer  Gesandtschaft  nach  Köln  auch  in 
sichere  Aussicht  stellt.  Doch  hat  der  Bischof  seine  Zusage  nicht  gehalten. 
Denn  schon  am  lü.  Sept.  wiederholen  Kasp.  Judefeld  und  Pet.  Friese,  die 
inzwischen  am  ü.  Sept.  in  Arnsberg  eine  Zusammenkunft  mit  dem  Erzbischofe 
von  Köln  gehabt  hatten,  ihr  Gesuch  um  Geleit  und  Verhör,  erneuern  es 
am  10.  Nov.  abermals  und  hatten  unterdessen  in  Soest  auch  die  Vermitt- 
lung des  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  für  sich  gewonnen,  der 


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686  Anno  1534  acta. 

Post  hanc  postremae  oppugnationis  cladem  multi  milit^s 
desertores  finnt,  cuni  tarnen  de  stipendii  sibi  addicti  mora  qneri 

14.  septnon  possint^  Proinde  episcopns  per  scripta  14.  Septembris 
emissa  a  vicinis  principibus  familiariter  petit,  ut  milites  per 
snas  ditiones  sine  ducis  sui  commeatn  transire  volentes  remo- 
rentur  legitimisque  poenis  afficiant^ 

16.  Sept.  Praeterea,  ut  snbditi  in  officio  contineantur,  16.  Septembris 

magistratus  omnium  oppidorum  et  satrapas  per  scripta*  admonet, 


in  einem  Schreibon  vom  13.  Nov  auch  seinerseits  für  die  in  Ungnade  ge- 
fallenen beiden  Münstersclien  Bürger  beim  Bischöfe  eintritt  (Akten  im 
St.-A.  M.).  üeber  Judefeld  habe  ich  weitere  Akten  nicht  gefunden.  Kerss. 
hätte,  wie  schon  C.  A.  Cornelius  (M.  G.-Q.  II.  Einl.  S.  45 f.)  betont, 
gewifs  leicht  nSliere  Xacliricliten  beibringen  können,  da  er  eine  geborene 
Judefeld  zur  Frau  hatte.  Wir  werden  dem  Kasp.  Judefeld  weiter  unten 
zum  Jahre  1553  wieder  begegnen.  —  Pet.  Friese  beklagt  sich  noch  am 
28.  Aug.  1535  in  einem  Schreiben  an  den  Bischof  über  dessen  dauernde 
Ungnade  und  über  die  Femhaltung  von  seinen  Gütern.  Erst  auf  wieder- 
holte Vermittlungsgesuche  des  Wenemar  Ewerswin  vom  17.  und  25.  Sept. 
hin  (Orig.  im  St.-A.  M.,  s.  auch  M.  G.-Q.  II,  382  f.)  verfugt  der  Bischof 
am  29.  Sept.  aus  Horstmar:  „So  vorn  nu  gemelter  Peter  geneigt,  uns  als 
dem  lantfursten,  wie  ander  weder  ingekomen  borger  gedaen,  huldynge,  eidt 
unde  loffte  to  doen  unde  zick  vemer  gelick  denselven  to  holden,  alsdan 
mögen  wy,    zick  wedder  bynnen  unse  stadt  Munster  to  ergeven,   erlyden." 

^)  Schon  gleich  am  31.  Aug.  hatte  der  Bischof  aus  dem  Feldlager 
vor  Münster  dem  Lubbert  Torck  gemeldet  (Konzept  im  St.-A.  M.),  dafs 
infolge  des  abgeschlagenen  Sturmes  „under  den  unsen  etlige  unwyllicheit 
entstanden,  dat  deselven  nycht  zo  balde  weder  an  den  storm  zoUen  syn  to 
bewegen."  Ueber  das  massenhafte  Verlaufen  der  Knechte,  über  das  der 
Bischof  am  6.  Sept.  in  seinem  Hülfsgesuche  an  den  Herzog  von  Cleve  kla^irt 
(Konzept  ebendas.),  vorgl.  besonders  die  Schreiben  einiger  Mitglieder  des 
Domkapitels  und  der  Ritterschaft  vom  5.,  8.  und  9.  September  an  Bischof 
Franz  (M.  G.-Q.  II,  267  ff.)- 

®)  Konzept  des  bischöflichen  Schreibens  aus  Telgte  an  Cleve,  Köln, 
Hessen,  Bremen,  Geldern  und  den  Statthalter  von  Fricsland  im  St-A,  M. 
Es  heifst  darin  auch :  „Wo  wall  wy  de  lantzknechte  ...  der  gcstalt 
vermoget  unde  betalt,  dat  zick  des  gyn  redoliker  myt  der 
warheyt  to  beklagen  kann  hebn,  dennoch  befynden  wy,  dat  der- 
selven  knechte  vast  aUe  dage  yn  groten  unde  kleynen  getale  erer  ede  unde 
plichtunge  unbedacht  uth  unserm  denste  unde  betzoldynge  verlopen." 

*)  Aus  Telgte.  Nach  dem  Konzept  im  St.-A.  M.  abgedruckt  bei  L, 
Keller:  G.  d.  W.  S.  320 f.   Der  Inhalt  des  Briefes  ist  nicht  genau  wieder- 


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Anno  1534  acta.  687 

cum  Monasterienses  in  coepta  rebellione  pertinaciter  perseverent 
malisque  suis  exemplis  multos  ad  similem  contumaciam  commo- 
vere  queant,  ut  civium  subditornmque  suorum  rationem  habeant, 
ne  se  suosqne  in  simile  discrimen  et  tandem  exitium  praecipitent. 
Kex  recenti  victoria  inflatus  fastnm  intolerabilem  ornatu, 
incessu  et  moribus  ostentat  ac  originis  vitaeqne  suae  pristinae 
immemor  et  oblitus  qnotidie  nova,  quae  ad  regium  deciis  illu- 
strandum  pertinent,  conmiiniscitur,  saevns  et  crudelis  in  sub- 
ditos.  Joannes  antem  Dusentschuer  propheta  \  cum  de  regis  fastn 
et  crudelitate  plebem  infausta  mussitantem  intelligeret,  minam 
novi  imperii,  cuius  ipse  auctor  fuerat,  mctuit,  nisi  ipse  illud 
novo  robore  firmaret.  Die  itaque  23.  Septembris  in  concione  et  23.  sept. 
publice  populi  conventu  ad  audiendum  verbi  Dei  de  more  coacto 
vocera  suam  exaltat:  „Pratres,"  inquit,  „christianissimi,  recenti 
vos  adhuc  memoria  teuere  arbitror,  quod  quibusdam  ex  vobis 
decem  iam  annis,  quibusdam  sex,  aliis  tribus,  aliis  paucioribus 
annis  verbum  Dei  annunciatum  sit."  Eespondet  tota  multitudo 
se  id  scire.  „Audite  ergo,  populi,"  inquit,  „et  intelligite  ver- 
bum Dei,  qnöd  per  me  vobis  nunciatur!  Omnes,  quotquot  dehinc 
in  agnitam  veritatem  pertinaciter  peccant,  neque  in  praesenti 
saeculo  neque  in  futuro  delicti  gratiam  invenient,  sed  continuo 
regis  arbitrio  tradentur,  qui  eos  ensigero  committet,  ut  tales  de 
medio  Israhelis  tollantur  et  memoria  illorum  sempitema  oblivione 
deleatur."  Hac  ratione  meditantes  rebellionem  ita  coercet,  ut 
nemo  virorum  contra  regem  regiaque  instituta  mutire  audeat. 
Sed  tamen  Elizabeth  Holschers,  cum  mulier  esset,  plus  sibi  forte 
ratione  sexus  impunitatis  sperans  dominum  ac  maritum  suum 
Godefridum  Beckers  ter  quaterve  negando  coniugii  debitum  enor- 
miter  offendit  ac  tandem  manifestam  blasphemiam,  ut  retinctis 
Visum  est,  *eflFundens:  „0  Pater,"  inquit,  „si  potens  es»,  effice,  »p.  543. 

»)  Ms,:  est. 


gegeben.  Der  Bischof  befiehlt,  dafs  die  Städte  unter  ihren  Bürgern  „gyner 
ungewontliger  nyerong  cddor  rotterycn"  gestatten,  und  falls  dieselben  vor- 
kämen, bestrafen  sollen.  Zu  gleicher  Zeit  befiehlt  der  Bischof  den  Amt- 
leuten, „yn  eren  ampteren  unde  buyten  den  steden  des  handeis  upsicht  to 
hebn  unde  den  steden  . . .  hulp  unde  bystant  to  doen.^^ 
')  Das  Folgende  berichtet  nur  Eerss. 


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688  Anno  1534  acta. 

ne  unquam  thorum  istum  iugalem  viva  conscendara!*'  Propter 
haec,  si  diis  placet,    nefanda  flagitia  a  marito  ad  tribnnal  pro- 

«6.  sept  tracta,  accnsata  ac  omninm  prima  a  rege  damnata  25.  Septem- 
bris  gladio  punita  est,  nee  sexus  eam  in  iudicio  tyranni  ex- 
cusavit^ 

26.  Sept.  Die  2G.  Septembris   Catharina  Kokenbeckers   alio  nomine 

Wulves  gladio  quoqne  iubente  rege  caesa  est,  qnod  cnm  duobns 
maritis,  cum  altero  Bernardo  Emingo  pridie  coram  Inlio  epi- 
scopo,  cum  altero  vero  Francisco  Wast  Zelando  postridie  nuptias 
celebraverit.  Eegia  enim  lege  solis  viris,  non  mulieribus  poly- 
gamia  permittitur.  Margareta  etiam  Osnaburgica  hoc  eodem 
mense  ferro  percussa  est,  quod  Henricum  Schlachtschapium, 
verbi  Dei  praeconem,  non  solum  convitiis  exceperit  et  ipsum  in 
arena  fundamentum  doctrinae  suae  posuisse  dixerit,  yenim  etiam 
in  contemptum  verbi  Dei  in  faciem  eins  expuerit. 

Barbara  uxor  Butendickii  in  initio  Octobris  a  domino  ac 
marito  suo  publice  accusata  est,  quod  sibi  obmurmuraret  ac 
multis  yerbis  contumeliosis  obstreperet  dicens  se  cum  aliis  suis 
coniugibus  ac  consororibus  non  spiritualiter,  sed  camaliter  agere 
et  cum  iisdem  corpus  saepe  miscere.  Protracta  itaque  ad  iu- 
dicium  morti   adiudicatur.     Joannes  autem  Dusentschuer  pro- 


*)  Zur  Sache  vcrgl.  hier  und  für  das  Folgende  auch  oben  S.  629  f. 
Xach  den  Aussagen  der  im  Octoher  ausgesandten  Apostel  herichtet  die 
^Newe  Zeitung"  (Zeitschr.  27  S.  2()()) :  „Wenn  der  weyher  eines  von  einem 
andern  man  odder  irer  gescllin  eine  unfreundlich  angesehen  wird,  der  mucfs 
als  bald  beklagt  werden  und  sterben,  desgleichen  auch  die  weibor, 
wo  eine  mit  einem  andern  berüchtigt  wird."  „Wo  ein  wcyb  mit 
dem  andern  zürnet  oder  zancket,  haben  sie  den  kopff  verloren,"  heifst  es 
in  der  ,,Newen  Zcjtung"  Bl.  A  2^.  —  Die  von  Kerss.  hier  angeführten  Bei- 
spiele der  Bestrafung  von  Frauen  sind  aus  andern  Quellen  nicht  zu  kon- 
trolieren.  Nur  gestehen  die  beiden  Knaben  Herm.  MoUenhccke  und  Joh. 
Huttman  am  S.Juni  1535  (St.- A.  Marburg):  „Item  een  Beckersche  sy 
gethot,  dar  sie  dem  man  auch  ungehorsam  gewest.  Itom  es 
wurden  noch  drei  gerichtet."  Weiter  sagen  sie  aus:  „Item  ein  maget 
Annokc  hat  eynen  man  genomen,  der  hadde  vor  ein  weih,  und  die  anderen 
frauwen  schundten  sie  darein,  das  sie  bey  den  man  nicht  schlaffen  wolto; 
darumb  lies  ir  der  konig  den  köpf  abhawen.  Item  mit  ir  noch  ein  ge- 
richtet,  dy  hies  die  Schomsteinfegersche,   die  was   irem  man  ungehorsam 


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Anno  1534  acta.  689 

pheta:  „Haec,"  inquit,  „per  iustam  sententiam  damnata  mone- 
tär, sed  cum  ferat  uterum,  in  gratiam  partus,  donec  pepererit, 
conservabitur;"  quo  in  lucem  edito  futurum  esse,  quod  Patri 
Visum  fuerit.  lila  continuo  humi  strata  dominum  ac  maritum 
suum  suppUciter  veniam  et  gratiam  precatur.  Maritus  vero 
ignarus  virum  esse  inter  Deum  et  uiorem  suam,  nisi  pertina- 
citer  peccaverit,  mediatorem,  culpam  magistratu  inconsulto  re- 
mittere  non  audet.  Post  partum  autem  23.  Febr.  anni  1535  ^^i^^^* 
iterum  ad  iudicium  deducta  mitiorem  sententiam  audivit:  se 
satis  diuturno  mortis  metu  mortificatam  esse,  et  cum  a  domino 
ac  marito  suo,  in  quem  non  pertinaciter  deliquerat,  delicti  gra- 
tiam petiverit,  criminis  absoluta  est.  M.  Eberardus  Kribbe, 
faber  lignarius,  cum  propter  crimen  laesae  maiestatis  in  regem 
commissum  interficiendus  esset,  suae  artis  excellentia  criminis 
remissionem  meruit. 

Inde  circa  festum  Gereonis  *  in  Octobri  senatus  Bremensis  oct. 
amanu*ensem  curiae  suae  ad  principem  nostrum  ablegat,    cuius*p.  544. 
legationis  hie  erat  scopus :  Se,  si  et  princeps  ferat  et  Monasteri- 
enses  prius  impietati  renunciaverint,  controversiam  intercepturum 
et  aequis  conditionibus  per  gratiam  Dei  sublaturum^  Ad  quae 


*)  10.  October.  —  *)  Vergl.  das  Schreiben  der  verordneten  bischöf- 
lichen B&te  zu  Wolbeck  vom  10.  October  an  den  Osnabrückschen  Kanzler 
Joh.  Merkel  und  den  Hofmeister  Friedr.  v.  Twist  (Orig.  im  St-A.  M.).  Die 
Räte  melden  darin:  „De  huisschriver  to  Delmenhorst  bericht  uns  itzt,  dat 
he  underweges  mith  dem  Bremeschen  secretario  in  underreddong  gekommen 
und  verstanden,  wo  de  van  den  Oisterschen  steden  mit  credentzen  und 
werffongen  an  unsen  gnedigen  fursten  und  hem  van  Munster  uthgeferdigt, 
dat  zine  f.  g.  den  ger.  steden  tusschen  ziner  f.  g.  und  den  van  Munster 
underhandelonge  gestaden  wolde.**  In  Bremen  bestand  der  Wunsch,  zwischen 
dem  Bischöfe  und  der  Stadt  Münster  zu  vermitteln,  schon  länger.  Bereits 
am  24.  Juni  schreibt  Herzog  Ernst  von  Braunschweig -Lüneburg  an  den 
Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  (M.  G.-Q.  11,  257),  „das  ein  rat 
der  stat  Bremen  iren  geheimen  secretarien  hie  bei  uns  gehapt  und  neben 
anderen  anzeigen  lassen,  ...  das  sie  nochmals  bitten,  wie  es  imer 
zu  thun,  das  man  wolt  ein  beschigkung  an  den  bischof  und 
stat  ...  aussmachen.  Was  sie  vor  sic|^  selbs  und  mit  zutziehung  anderer 
stette  hirtzu  thun  künden,  weiten  sie  sich  auch  erpotten  haben.  ^  —  Auch 
in  Bremen  hatte  man  sich  mit  der  Zeit  gegen  den  Einflufs  wiedertäufe- 
rischer Lehren  zu  schützen.   Vgl.  W.  v.  Bippen:  Gesch.  der  Stadt  Bremen 

20 


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690  Anno  1534  acta. 

princepsM  Cnm  Monasteriensium  impietatem  et  rebellionem  non 
solum  caesareae  maiestati,  veram  etiam  electoribns,  principibns 
aliisque  imperii  statibus  per  legatos  suos  nunciaverit  praesidium- 
que  adversns  iUos  imploraverit  *,  ea  quidem  spe  et  fiducia,  ut 
divina  ope  nrbem  Monasteriensem  ad  poenam  bene  commeritam 
et  pristinam  obedientiam  revocet;  se  itaqae  solnm  exclusis  et 
imperii  et  dioecesis  statibus  in  nnllas  pacis  conditiones  consen- 
summ.  Se  tarnen  Bremensinm  oblatum  officinm  et  petita  stati- 
bus rennnciatumm.  Sed  cnm  ab  imperii  principibns  decretnm 
sit  exempla  anabaptisticae  perfidiae  in  ea  urbe  tanqnam  eins 
scbismatis  asjlo  statnere,  maxime  cnm  adeo  praefracte  snam 
impietatem  tneantnr,  nt  in  minimo  ab  ea  recedere  nolint,  Bre- 
mensibns  responsnm  est  pertinaciam  Monasteriensium  nullam 
neque  gratiam  neque  pacis  foedera  mereri^ 

Bemardus   Enipperdollingus  ^   cum   loannem   Bokelsonem 
Leydanum  Hollandum,   bumili  loco  natum,    rithmolognm   seu 


Bd.  2  (Bremen  1895)  S.  97  f.  und  die  Yerordnung  des  Rates  gegen  die 
Wiedertäufer  vom  Jahre  1534,  abgedr.  im  „Bremischen  Jahrbuch*'  Serie  2 
Bd.  1  (Bremen  1885)  S.  163  E 

')  Die  folgende  Antwort  erteilt  der  Bischof  seinen  B&ten  in  einem 
Schreiben  (Konzept  ohne  Datum  im  St.-A.  M.  M.L.  A.  518/19  IV.  fol.  195»), 
in  dem  er  ihnen  auch  mitteilt,  daüs  der  Bremer  Syndikus  in  Osnabrnck 
gewesen  sei,  und  dafs  mit  Bremen  zusammen  auch  andere  Hansestädte 
vermitteln  wollten. 

')  Im  Schreiben  fügt  der  Bischof  hinzu:  „und  wy  uns  ock  mit  etligen 
chur  und  forsten  dusser  sacken  halven  in  verstaut  und  buntnisse  begeven . .  .'^ 

")  Die  schliefsliche  Antwort  des  Bischofs  an  Bremen  hat  sich  bis 
jetzt  weder  in  Bremen  noch  in  Münster  gefunden. 

*)  Ueher  das  Yerh&ltins  zwischen  Johann  v.  Leiden  und  Enipper- 
dolling  geben  uns  die  Quellen  in  keiner  Weise  genügenden  Aufschlufs.  Dafs 
zeitweilig  ein  schroffer  Gegensatz  zwischen  den  alteingesessenen  Münster- 
sehen  Bürgern  und  den  zahlreich  zugewanderten  Fremden  bestand,  dafür 
liefert  der  Mollenhecke^sche  Aufruhr  im  Juli  den  deutlichsten  Beweis.  Eine 
Begünstigung  der  Fremden  geht  mehrfach  aus  den  Berichten  H.  Gres- 
beck's  hervor.  Ygl.  besonders  S.  150,  wo  er  erz&hlt,  wie  der  König  aUe 
di^'enigen,  die  dafür  eintraten,  dafs  man  noch  einen  König  wählen,  und 
dafs  man  einen  weltlichen  und  einen  geistlichen  König  haben  müsse,  ins 
Gef&ngnis  setzen  liefs,  „dat  sie  penitentzie  doin  solden.'^  Er  fügt  hinzu: 
„Dieselve  weren  Hollenders  und  Fresen.  Heddent  gewest 
burgers   oder  lansknechte,   so  hedde  sie  der  koningk  laten 


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Anno  1534  acta.  691 

rhetoricastrom  scenicnm,  lenonem,  canponem,  sarcinatorem  va- 
gnm,  advenam  et  peregrinnm  ad  hoc  honoris  fastiginm  emer- 
sisse  videret  regiumqne  nomen  et  maiestatem  incessn,  moribus, 
vestitn,  insignibus  et  ministrornm  turba  cnm  laude  et  applansu 
omniom  ipsnm  tueri  et  ostentare  posse,  se  vero,  civem  indi- 
genam  et  ex  optimatnm  genere  procreatnm,  contemni,  imo  se  ad 
sordidissimiun  camificis  mnnns,  qnamvis  nnnc  demnm  eo  libe- 
ratus  Sit,  detrasnm  esse,  generosnm  ipsias  animnm  snblimiora 
affectantis  vehementer  contnrbat;  qnare  rationes  sibi  qoaerendas 
esse  existimat,  qoibus  indigena  peregrino  praeferatar.  Se  ergo 
12.  Octobris^  fnrere  fingit.  Nam  hoc  in  urbe  sibi  persuaserant  12.  oet. 
neminem  inter  se  nisi  divinitus  forore  corripi,  talemque  imperio 


richten/  Yon  einer  bisherigen  Bivalität  zwischen  Johann  und  Enipper- 
dolling  spricht  nur  Joh.  Fabricins  Bolandus  Bl.  L2^  u.  NÖf.,  ohne 
dafs  wir  in  anderen  Quellen  Bestätigung  dafür  finden.  Dafs  es  aber  wirk- 
lich einmal  in  EnipperdoUing^s  Absicht  lag,  die  Macht  und  Stellung  des 
Königs  einzuschränken  oder  gar  zu  stürzen,  dafür  liefern  die  folgenden, 
von  Eerss.  aus  verschiedenen  Quellen  geschilderten  Vorgänge  den  Beleg. 
Wichtig  in  diesem  Zusammenhange  ist  auch  Johannas  eigenes  Bekenntnis 
(bei  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  8.  183):  „Enipp.  hebbe  ebne  tho  keinen  regi- 
mente  gekoren,  dan  er  sy  stil  gewesen  und  hebbe  sich  van  dem 
konige  getogen;  derhalven  dan  der  konig  sich  umb  seynes 
bogen  geistes  befurchtet  Doch  wil  er  solchs  Got  richten  laten.** 
')  Keine  Quelle  giebt  für  das  Heiligen  Knipperdolling's  und  für  sein 
Verhöhnen  des  Königs  ein  bestimmtes  Datum  an.  Dafs  aber  diese  Vor- 
gänge sich,  wie  Kerss.  behatif^t,  am  12.  Oct.,  dem  Tage  vor  dem  grofsen 
Abendmahle,  abspielten,  erscheint  ebenso  unwahrscheinlich,  wie  dafs  sie, 
was  Kerss.  gleich  weiter  unten  berichtet,  die  eigentliche  Veranlassung  zur 
Ansetzung  der  Abendmahlsfeier  gewesen  seien.  Denn  dieser  nahe  zeitliche 
und  ursächliche  Zusanmienhang  zwischen  den  beiden  Ereignissen  wäre  in 
den  zahlreichen  gleichzeitigen  Nachrichten,  die  wir  über  das  Abendmahl 
besitzen,  gewifs  nicht  verschwiegen.  Jedenfalls  jedoch  fand  das  Auftreten 
KnipperdoUing's  zeitlich  vor  der  grofsen  Feier  und  vor  der  ihr  unmittelbar 
folgenden  Aussendung  der  Apostel  Statt,  und  H.  G  res b eck  8. 142  fL  be- 
richtet ungenau,  wenn  er  es  in  eine  viel  spätere  Zeit  verlegt  Denn  schon 
in  einzelnen  Aussagen  der  gefangenen  Wiedertäufer-Apostel  ist  von  dem 
Beginnen  KnipperdoUing's  die  Bede.  Von  der  Teilnahme  KnipperdoUing's 
am  Abendmahle  erzählt  nur  H.  Gresbeck  S.  110  f.  Kerss.  hat  wohl  aus 
Kachlässigkeit  hier  dasselbe  Datum  gesetzt,  das  er  sehr  bald  weiter  unten 
für  die  Zeit  angiebt,  zu  der  Joh.  Dusentschuer  den  König  zur  Feier  des 
grofsen  Festes  bestimmt 


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692  Anno  1534  acta. 

dignum;  sie  enim  Matthissonem  et  Bokelsonem  prophetas  eva- 
sisse  ac  tandem  regem.  Per  totam  orbem  amentis  instar  cursitat 
magnoqne  nlnlatn  et  clamore  onines  ad  poenitentiam  invitat. 
„Agite,^  clamat,  „poenitentiam,  agite  poenitentiam;  resipiscite, 
resipiscite!***,  quasi  dicere  velit  oppidanos  nondum  yeram  pie- 
tatem  snb  hoc  rege  tenere,  sed  aliam  adhnc  snperesse.  Inde 
post  inconditas  vociferationes  spnmeo  ore  ad  forum  reversus  est 
•p.  545.  et  instar  apri  spumans  humi  prostratus  tacuit.  *Hinc*  cum  sub 
concione  frequenti  populus  magna  concionatorem  audiendi  avidi- 
täte  inflammatus  sese  premeret  et  arctissime  iungeretur,  saltu 
se  subito  effert  et  instar  quadrupedis  supra  stantium  capita 
reptans  singulos  afflat  et:  „Pater,"  inquit,  „te  sanctificavit;  ac- 
cipe  Spiritum  Sanctum!"  Eundem  fortasse  spiritum  afflavit, 
quo  a  terra  sublatus  et  in  sublimi  supra  populi  capita  retentus 
est.  Saliva  quoque  oris  sui  quorundam  caecorum  oculos  bis 
verbis  illivit:  „Eecipe  visum!**  Designat  etiam  certum  in  foro 
locum,  ubi  se  hoc  die  moriturum  et  continuo  resurrecturum 
affirmat^   Inde  ad  solium  regis  accedens  coram  rege  concitatis 


^)  Vgl.  die  Worte  Ant.  Corvin's  in  seinem  Briefe  an  G.  Spalatin 
Bl.  A3^:  „KnipperdoUingum  hie  ferunt  saepe  veluti  enthusiasmo  percitum 
per  omnes  civitatis  vicos  cnrrere  solitum  adeoque  obyium  quemque  adflando 
iis  verbis:  Accipe  Spiritum  Sanctom!  allocntam  esse.^  In  diesen  Zusam- 
menhang gehört  auch  das  Geständnis  des  ZiUis  Leitgen  (J.  Nieser t  a.a.O. 
S.  138):  „. ..  und  EnipperdoUinck  schrejet  und  reift  durch  die  stadt:  Rot 
auss,  rot  auss!"* 

^)  Das  Folgende  fast  wörtlich  aus  H.  Dorp  Bl.  ¥2^  übersetzt 
Vgl.  dazu  den  eingehenden  Bericht  bei  H.  Gresbeck  S.  143  ff.  „Dieselve, 
die  hei  nu  gehilliget  hadde,^  heilst  es  da,  „den  heft  hei  die  haut  gedain 
und  heft  sie  gekusset  für  den  munt  und  heft  gesacht:  Du  bist  hilligh, 
Got  heft  dy  gehilliget!"  Bemerkenswert  ist,  dafs  nach  H.  Gresbeck  Knip- 
perdolling  wohl  einem  Teile  des  Volkes,  später  auch  dem  Könige  den  Geist 
einbliefs,  dafs  er  aber  „des  koninghs  reden,  predicanten  ofte 
dravanten  nicht  einen  gehilliget.** 

')  Vom  Sehenmachen  der  Blinden  und  von  der  Todesprophezeiung 
Enipperdolling's  berichtet  H.  Dorp  nicht  Eerss.  schöpft  aus  den  Bekennt- 
nissen der  ausgesandten  Apostel.  Job.  Boentrup  sagt  aus  (s.  die  „Newe 
Zeitung"  in  der  Zeitschr.  27  S.  265;  die  Nachricht  ist  auch  von  L.  Hör- 
tensius  S.  39  übernommen):  „Knipperdolling  saus  in  des  Königs  stucl 
und  sprach,  er  wolt  sterben  und  wider  genesen,  und  zu  gesagt,  dass  die 
blinden  soUen  sehend  werden."  AehnUch  gestehen  Dionys.  Yinne  und  Pet 


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Anno  1534  acta.  693 

saltibus  praeter  communem  hominnm  usum  ducit  choreas'. 
„Sic,"  exclamat,  „cum  meretricibus  quandoque  saltare  consnevi; 
nunc  vero  vnlt  Pater,  ut  in  conspectu  regis  mei  hoc  faciam." 
Per  contemptum  visus  est  haec  dicere.  Eex,  ut  erat  homo  calli- 
dissimus,  fucum  Knipperdollingi  regale  solium  aflfectantis  sen- 
tiens,  cum  insaniendi  finem  non  faceret,  vehementer  offensus 
solium  suum  deserit;  EnipperdoUingus  vero  illud  occupans  se 
pro  rege  gerit.  Inde  spiritu  Dei  se  exagitari  proclamat*;  loan- 
nem  Bokelsonem  quidem  regem  esse  secundum  camem,  se  vero 
spiritualem  futurum ;  eoque  dementiae  tandem  venit,  ut  utrum- 


Kucper  (St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  V.  foL  175v),  „dat  KnipperdoUinck  up 
de  erde  neddergefallen,  goschumet,  van  sick  geropen,  he  werde  sterven  und 
verryscn,  blinden  sehende  maken,  und  gesacht,  sulx  des  Yaders  wille  sj.^ 
Auch  H.  Gresbeck  berichtet  S.  107,  wie  die  Predikanten  verkündigten, 
die  I^ahmen  sollten  gehend  werden,  und  wie  Knipperdolling  beim  Anblick 
eines  Blinden  ausrief:  „Der  sol  noch  weder  sehende  werden;  solcke  teicken 
sol  noch  Got  bei  uns  doin!" 

')  Dieses  und  das  Folgende  wieder  fast  wörtlich  aus  H.  Dorp  a.a.O. 
übersetzt,  aus  dem  auch  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  X4^  u.  X5 
schöpft,  der  aber  von  dem  Heiligen  Knipperdolling's  Nichts  weifs.  Wenn 
aber  H.  Dorp  das  Heiligen  KnipperdoUing's  und  sein  Verhöhnen  des  Königs 
in  verschiedene  Zeiten  verlegt,  so  widerspricht  das,  wie  schon  CA.  Cor- 
nelius M.  G.-Q.  II.  Einl.  S.  21  bemerkt,  der  Erzählung  des  H.  Gresbeck 
a.  a.  0.,  der  die  Ereignisse  an  zwei  auf  einander  folgenden  Tagen  geschehen 
und  Knipperdolling  an  beiden  Tagen  seine  Tänze  vor  dem  Könige  auf- 
führen läfst. 

*)  Die  Aussprüche  KnipperdoUing's  —  H.  Dorp  hat  Nichts  darüber 
—  entnimmt  Kerss.  aus  Ant.  Corvin:  Acta  etc.  Bl.  A3,  der  sie  aus  des 
Königs  eigenem  Munde  erfahren  hat.  Vergl.  auch  Ant.  Corvin's  Brief  an 
O.  Spalatin  Bl.  B4^.  Nach  H.  Gresbeck  S.  149  sagte  Knipperdolling 
Tor  dem  versammelten  Volke  zu  dem  Könige:  „Ick  solt  von  rechten  ein 
koningh  sein.  Ick  hebbe  dj  tho  einem  koningk  gemackef  Vgl. 
auch  die  dichterisch  ausgeschmückte  Rede  KnipperdoUing's  bei  Joh.  Fa- 
bricius Bolandus  Bl.  X5^u.  X6.  —  Ueber  sein  Zerwürfnis  mit  Knip- 
perdolling äufsert  sich  der  König  selbst  in  seinem  Verhöre  bei  J.  Niesert: 
U.-S.  I.  S.  182 f.:  „KnipperdoUinck  hebbe  gesacht,  se  handeln  buten  der 
schrifft,  und  wolde  dem  konige  gelick  syn,  darnach  syn  liffverwarer 
werden;  ist  der  konig  van  den  markte  upgestan  und  to  hufs  gangen  . .  .* 
Vgl.  dazu  Johann's  Bekenntnis  M.  G.-Q.  II,  374.  Ein  Beispiel  dafür,  worin 
die  Predikanten  nach  seiner  Meinung  „neben  der  schrift*'  lehrten,  giebt 
Knipperdolling  selbst  in  seinem  Verhöre  am  21.  Jan.  1536  an  (M.  G.-Q. 
n,  409). 


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694  Anno  1534  acta. 

qne  testamentnm  tarn  novnm  qnam  vetas  et  totam  scriptnram 
sacram  abolendam  atqne  e  mundo  tollendam,  neque  ad  politi- 
camm  legmn  decretmn,  sed  ad  natnrae  et  spiritns  suggestionem 
vivendum  esse  diceret.  Quam  rem  rex  indigne  ferens  redit  enn- 
demqne  de  sede  sua  detnrbat  et  in  carcerem  dnci  iabet.  Quo 
cum  triduum  vinctus  detineretur*  neque  se,  uti  forte  sperabat, 
liberari  cemeret,  superioris  spiritus  fervor  paulatim  flaccescit, 
sibique  metuens  suam  culpam  agnoscit  et  deprecatur.  Se  enim 
non  innata  quadam  malitia,  sed  malo  spiritu  agitatum  et  de- 
ceptum  esse  queritur  ^;  se  nunc  praeterita  noct«  in  carcere  Patris 
inspiratione  didicisse,  quanti  regia  maiestas  sit  faciunda;  se  iam 


^)  Auch  nach  H.  Dorp  Bl.  F3  setzt  der  König  seinen  Widersacher 
„drey  tage  zur  straffe  gefangen.**  Doch  scheint  die  Gefangensetzung  nicht, 
wie  Eerss.  nnd  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  X  7  berichten,  sofort 
stattgefunden  zu  haben.  Wenigstens  sagt  Johann  bei  J.  Nies  er  t  a.a.O. 
S.  183  ausdrücklich  aus,  KnipperdolUng  sei  „datzumal  nit  gefangen*^  (bei 
J.  Niesert  fälschlich  „mit  gefangen^  gedruckt).  „Dama  ist  bjnnen  Munster,** 
heifst  es  weiter,  „vil  volcks  erschotten  und  sunst  kranck  geworden,  hebben 
ee  gemeynt,  ed  sy  ein  straffe  Gots,  dar  Knipperdollinck  nit  glich 
andern  umb  seiner  overtreddung  gestraffet  sy  worden.  Ist 
darnach  Knipperdollinck  umb  seiner  overtreddung  gefeng- 
lich  angenomen  biXs  er  seine  overtreddung  bckandt  und  böte  dede.* 
Vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  374.  Nach  H.  Gresbeck  S.  150  hat  der  König 
zunächst  dem  Volke  den  Eindruck  der  Worte  KnipperdoUing's  „uth  dem 
sinne  gepredigt.**  „Wie  dat  sie  vertan  gescheiden  sint,*  fährt  H.  Gresbeck 
fort,  „KnipperdoUinck  und  der  koningk,  dair  en  khan  ich  nicht  wider  von 
schriven.**  Er  berichtet  dann  weiter,  dafs  Knipperdolling  den  König  um 
Gnade  bat,  aber  zwei  oder  drei  Tage  gefangen  gesetzt  wurde,  „nicht  umb 
der  sacken  willen  allein,  umb  ander  sacken  ouck  . .  .** 

')  „Er  sy  eimal  gefenglich  angenomen,**  bekennt  Knipperdolling  bei 
J.  Niesert  a.a.O.  S.  186,  „der  orsake,  dat  he  etzliche  verblyn- 
düng  gehat,  dat  er  nit  wisse,  wat  er  dede.  Damach  ist  ehme  van. 
dem  konige  ein  cedel  vorgehalden;  hefit  he  gesehen,  dat  dednvel  solch» 
in  ehme  solde  gewerckt  hebben,  derhalven  er  dan  penitentien  gedan 
und  loesgestalt.**  Vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  376  f.,  wo  Knipperdolling  hinzu- 
fügt,  „wie  hy  oich  sulx  in  der  gantzer  gemeinten  apentlich  gesaght  hedde.*^ 
In  seinem  Geständnisse  am  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  409)  sagt  er,  „er 
het  eine  boese  driwungh  und  infal  gehabt.**  Auch  Dionys.  Vinne  und  Peter 
Kueper  fuhren  in  ihrem  Verhöre  (St-A.  M.  a.  a.  0.)  an,  wie  KnipperdoUing 
bekennt,  „dat  em  Lucifer  verforet  hedde,  und  sy  in  umwege  gewesf  8. 
auch  H.  Gresbeck  S.  150. 


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Anno  J534  acta.  üi)o 

non  dnbitare  ipsnm  totius  orbis  fore  monarcham.  His  rebus  rex 
adductns  KnipperdoUingnm  carcere  liberat  sperans  ipsnm  regiis 
stndiis  propensiorem  posthac  futnrmn  K  Sed  captivitas  illa  manet 
alta  mente  reposta.  Non  enim  solnm  regiis  coeptis  clancnlnm 
obstrepebat,  verum  etiam  officium  sibi  impositum  respuebat^ 
ünde  rex  ipsum  sibi  ob  captivitatem  superiorem  infensum  esse 
sentiens  eundem  Ms  scriptis  admonet  sibique  reconciliare  laborat. 

*  Epigraphe  literarum*.  *p.  546. 

„Bemardo  Knipperdollingo,  legato  regis  novi  templi,  viro  in 
regiis  negotiis  prudenter  et  sollicite  conficiendis  eximio. 

Sapientia  Altissimi  mentem  tuam  illustret,  fidem  confirmet, 
dilectionem  adaugeat,  officium  tuum  beneficio  compenset,  te  ditet 
et  ad  bereditatem  nunquam  interituram  deducat.  Amen!  Scis, 
care  frater,  quod  te  meis  scriptis  familiariter  admonere  velim, 
ut  diligenter  officium  tuum  administres,  cum  intelligas  mihi 
impossibile  esse  sine  ministrorum  Dei  ope  regere,  sicut  nee  ipse 
Dens  sine  ministris  suis  tanquam  mediis  causis  et  instrumentis 
quicquam  vult  operari.  Quisque  ergo  in  sua  vocatione  ambu-- 
labit.  Ego  vero,  quantura  pro  viribus  meis  potui,  ad  regni  con- 
servationem  ministros  disposui,  te  vero  vicarium  seu  legatum 
meum  in  bac  urbe  constitui,  etiamsi  praesens  sim.  Aequum 
igitur  est,  ut  officium  tuum  facias,  sicut  te  decet.  Scis  me  ora- 
torem  et  consiliarios  habere,  quorum  opera  praesenti  carere  non 
possum,  qui  mihi,  quocunque  etiam  ivero,  semper  adsint  et  in- 
serviant,  quibus  unum  aliquem  praefeci,  qui,  si  aliqua  in  re 
dissentiant,  eos  in  concordiam  sua  auctoritate  revocet^,  ut  omnia 
cum  decore  et,  ut  aequitas  postulat,  agantur,  quamvis  plebs  oc- 
casionem  inde  sumens  me  regnum  in  alium  transtulisse  dicat. 
Verum  qui  falso  et  intemperanter  ista  efifutiunt,  sperant  sublato 


^)  Bemerkenswert  ist  die  freilich  in  einem  anderen  Zusanmienhange 
gethane  AeuCserung  H.  Gresbeck's  S.  110:  „. . .  der  konigk  konde  Enip- 
perdoUinck  nicht  entheren,  hei  was  ime  ein  goit  blat  in  der  karten,  na 
dem  mail  als  Enipperdollinck  dat  regiment  hatt,  und  was  des  konnigs  stat- 
helder.    Hei  was  der  irst  und  der  lest/ 

')  Belege  dafür  bieten  die  Quellen  nicht.  —  ')  Der  Brief  ist  nur 
durch  Kerss.  bekannt.  —  *)  Christian  Kerckerinck.    Vgl.  oben  S.  647. 


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696  Anno  1534  acta. 

regno  omnia   pro  voto  sibi   eventura,    quod  nnnquam   fatoram 
erit.     Admoneo  itaque  te,   ne  prioris  amoris  obliviscaris  neqne 
te  a  me  alienes.    Beneficia  mihi  a  te  et  nxore  tna  exhibita  non- 
dum   exciderunt,    qnamvis  mala  in  te  reprehenderim.     Cogita, 
qnae  tibi  antehac  serio  dixerim,  neqne  eornm  obliviscaris,  quae 
certo  evenient,  etsi  nunc  tentationibns  atque  afflictionibns  invol- 
vimur.    Qnare  simns    fideles;    merces  nostra  erit  copiosa!    Sis 
sapiens  mente,  loqnere  veritatem,  animnm  resume  neque  despera, 
sed  fastum  depone,   fnge  incredulitatem,   orationibus  potins  in- 
siste!    Ita  fiet,  ut  infirmos  et  pnsillanimes  consoleris.   Admira- 
bilium   operum  Dei  ne  obliviscaris;    reminiscaris  losuae  et  Ca- 
leph*,  lege  aliquando  Hester  de  Mardocheo^!    Nam  exiguus  po- 
pnlus  snnm  honorem  retinebit,  quanqnam  illud  vi  fidei  et  sin- 
gulari  Dei    artificio  ad  snam   gloriam   evenire  non   sentiamus. 
ütinam  apostolnm  mihi  esse  liceret;  quanto  animi  fervore  veri- 
tatem profiterer!    Nonne  nunc  multo  magis  fiduciam  in  Deum 
•p.  547.  collocaremus,  cum  ipse  nunc  in  *nobis  regnum   suum,  de  quo 
omnes  Prophetae  vaticinati  sunt,  perficiet,  etiamsi  multi  despon- 
deant  animum,    prioris  amoris   obliviscantur,    Deum  et  ab  illo 
missos    contemnant,    unde  constat   tempus  iam  prope   adesse? 
Lege  Caput  ultimum    Esdrae  lib.  4!     Abiecitne  nos  a  se  Dens, 
cum  nobis  benefacit  et  castigat?  Si  nos  non  habemus  veritatem, 
si  citius   bene  agere  coepimus  et  a  vera  via  aberravimus,  quo- 
modo  ergo  Dens  quotidie  in  cognitione  suae  veritatis  magis  ma- 
gisque  nos  illustrat,    sicut  brevi  ex  scriptis  Bemardi  cognosce- 
mus?*    Sed  Dens  donet  tibi  et  nobis  omnibus   suae  sapientiae 
agnitionem,  quantumvis  etiam  mundus  malitia  et  fastu  suo  in- 
solescat!     In  fide  persist«  salvus;  camis  curam  agat  Dens! 

Joannes  Leydanus. 

Potentia  Dei  robur  meum,  vel  sie  Germanice: 

Grots  kracht  ist  mein  macht." 

Joannes  Dusentschuer  propheta  regem  graviter  a  Knipper- 
doUingo  offensum  esse  sentiens,  ut  ergo  ipsum  a  concepta  in- 
dignatione,  quam  animo  excutere  non  potuit,    rebus  laetioribus 


^J  Kum.  14,  24  ff.;  26,  65;  32,  12.  —  «)  Esther  2  ff.  —  «)  Hinweis 
auf  Rothmann^s  ^Restitution,"  die  im  October  1534  im  Druck  erschien. 


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Anno  15:34  acta.  697 

abdncat,  Ms  verbis  eodem  dnodecimo  die  Octobris  ipsnm  adit*:  12.  oct. 
„ninstrissime  rex,"  inquit,  „scriptura  ad  finem  properat.  Ergo 
Dens  inbet,  nt  in  monte  Syonis"  (sie  vocant  campnm  domini- 
cnm)^  „coenam  commnnem  pro  christianis  fratribus  sororibusque 
instituas.  Dens  enim  sni  verbi  praecones  apostolosqne,  quos  de- 
legit,  in  qnatuor  mnndi  piagas  ablegaturus  est."  Eex  bis  verbis 
in  alium  quasi  hominem  transformatus  omnis  iniuriae  sibi  a 
Knipperdollingo  illatae  obliviscitnr  nihilqne  iam  aliud,  quam 
coenam  illam  magnam  apparare  iubet,  quod  propter  nünistrorum 
multitudinem  difficile  non  erat.  Etsi  prandium  illud  fuerit, 
tarnen  a  coena  illa  dominica,  quam  post  prandium  in  multum 
diem  protractum  Christi  exemplum  secutus  suo  more  peregit, 
coena  appellata  est.  Dispositis  mensis  sedilibusque  et  omnibus, 
quae  ad  rem  istam  pertinere  visa  sunt,  instructis*  propheta 
Dusentschuer  hora  nona  antemeridiana  diei  13.  Octobris  per  13.  oct. 
vicos  urbis  agitatus  litui  sonitu  utriusque  sexus  horaines  praeter 
eos,  quibus  excubiae  diumae  interea  commissae  fuerant,  ad  coe- 
nam vocat*. 


*)  Vgl.  oben  S.  G91  Anm.  1.  In  den  sonstigen  Quellen  findet  sich 
nur  bei  L.  Hortensius  S.  34  Dusentschuer  als  eigentlicher  Urheber  der 
Feier  des  Abendmahles  angegeben.  Auch  in  der  Anrede  des  Königs  an 
Dusentschuer  folgt  Kerss.  dem  Berichte  des  L.  Hortensius. 

^)  ^Dem  doemhof,"  sagt  H.  Gresbeck  S.  103,  „hedden  sie  den 
namen  gegeven,  dat  hei  heitten  sol  der  bergh  Sion." 

^)  „Der  eine,"  berichtet  H.  Gresbeck  S.  105 f.,  „gaf  einen  schincken, 
der  ander  ein  siet  specks,  dat  sie  so  viel  kost  bei  einander  kriegen.  Thom 
lesten  Terkundigten  die  predicantcn,  wer  benck,  schrägen  ofte  taiffelen 
hedde,  dieselve  sollen  sie  brengen  up  den  bergh  Sion,  up  den  doemhof. 
So  hebben  sie  die  taiffelen  und  bencke  tho  rechte  gesät,  dat  die  ein  siet 
von  dem  doemhof  vol  taiffelen  und  bencke  was.  Wante  der  doemhof  tho 
Monster  ifs  ein  grote  platz." 

*)  Vgl.  H.  Dorp  Bl.  F3,  bei  dem  der  Prophet  Joh.  Dusentschuer 
ebenso  ,.leufft  . . .  durch  alle  gassen  und  blesset  ein  bosaunen,  das  alles 
volck  auff  den  Thumhoff  komen  solt  mit  rüstung  und  wehr,  auffs  aller 
best  sie  künten  geschickt,  denn  sie  solten  die  feinde  von  der  Stad  hinweg 
schlagen.*'  Ebenso  erwähnt  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  A3  das  Blasen 
der  Posaune  durch  den  Propheten  und  fügt  hinzu:  „Wan  er  zum  dritten 
mal  umb  blaest,  so  sollen  sie  auff  sein."  Damit  stinmit  der  Bericht  H. 
Gresbeck's  S.  103 ff.  überein,  der  als  Zweck  der  Versammlung  wie  H. 
Dorp  die  Vereinigung  zum  Ausfalle  aus  der  Stadt  bezeichnet,  die  Posaune 


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698  Anno  1534  acta. 

♦p.  548.  *Hora  decima*  rex  coronatus,  catenatus,  torquatus,   gern- 

matns  et  annnlatns  tnnicam  pectoralem  ex  villosa  purpura  ge- 
staDS,  cni  bombjciiiam  argento  intertextam  snperindxixit,  triginta 
dnobus  eqüitibns  et  satellitibus  non  paucis  auro  byssoque  e  tem- 
plis  erepto  vestitis  stipatüs  ex  anla  sua  prodit;  a  collo  aureus 
mundus  duobus  gladiis  transfixus  dependet  K  Quem  mox  regiua 
e  gynecaeo  suo  cum  aulicis  et  pellicibus  suis  longo  ordine  sub- 
sequitur.  Quibus  praeseutibus  Tylbechius,  praefectus  praetorio, 
totum  populum    considere  iubet.    Bex  vero  cum  universa  auli- 


dreimal  erschallen  lafst,  und  zwar  mit  14tfigiger  Pause  zwischen  dem  ersten 
und  dem  zweiten  Male.  Ein  Datum  giebt  er  für  den  Tag  der  Versamm- 
lung nicht  an.  Ganz  irrig  ist  die  Zeitbestimmung  bei  H.  Dorp  „umb 
Bartholomei  ungefähr**  (24.  Aug.).  Kerss.  setzt  richtig  nach  den  Bekennt- 
nissen der  ausgesandten  Apostel  den  13.  October.  S.  die  „Newe  zeitung," 
in  der  es  (Zeitschr.  17  S.  262)  nach  der  Aussage  des  H.  Graes  heifst: 
„Des  dinstags  nach  Gereonis  ist  eine  versamlung  zu  Münster  auf  dem 
thumhoff  geschehen  zu  zehen  uren  vor  mittage  ..." 

*)  So  in  den  Aussagen  des  H.  Graes  in  der  „Newen  zeitung"  S.  262  £F. 
In  der  folgenden  Erzählung  von  der  Feier  auf  dem  Domplatze  geht  Eerss. 
wiederholt  auf  diesen  Bericht  zurück,  verbindet  aber  mit  demselben  die 
Angaben  auch  einzelner  anderer  aus  Münster  ausgesandten  Wiedertäufer- 
Apostel  und  die  Schilderung  bei  H.  Dorp  Bl.  F3f.  Sehr  ausführlich  ißt 
die  Feier  von  H.  Gresbeck  S.  103 ff.  beschrieben.  Als  Zweck  der  Feier 
tritt  die  Vorbereitung  zum  Auszuge  aus  Münster  in  den  Vordergrund,  aber 
noch  während  derselben  erklärte  der  König,  „dat  en  was  die  meinunge 
nicht,  dat  wy  so  sollen  uth  der  stat  trecken,  und  ifs  Goddes  wiUe  nicht. 
Wante  dat  en  is  nicht  mehr,  dan  eine  versoickingh  an  iw.** 
Ein  weiterer  Beleg  dafür  findet  sich  in  den  Quellen  nicht,  «uch  nicht  dafür, 
dafs,  wie  H.  Gresbeck  sagt,  der  König  geäufsert  habe,  „Got  hedde  innen 
afgesat,  und  wer  gein  konnigk  lenger;  hei  hedde  Got  vertomet,  dat  hei  sie 
nicht  regierde,  gHck  als  hei  dein  solde,"*  und  dafs  er  darauf  von  Johann 
Dusentschuer  auf  Grund  einer  göttlichen  Offenbarung  abermals  zum  König 
ausgerufen  worden  sei.  —  Joh.  Fabricius  Bolandus  bringt  Bl.  X  1  f. 
ganz  willkürlich  die  Feier  mit  der  Vermählung  des  Königs  mit  Divara  in 
Verbindung.  Auffallend  ist,  dafs  D.  Lilie  von  dem  Abendmahle  nicht  ein 
Wort  berichtet  L.  Uortensius  S.  34ff.  gründet  seine  Erzählung  durch- 
gehends  auf  die  Berichte  der  ansgesandten  Apostel.  Herrn.  Hamelmann 
S.  1249  ff.  hat  nur  eine  eigentümliche,  nicht  weiter  zu  kontrolierende  Notis, 
die  weiter  unten  anzuführen  ist. 

^)  lieber  das  pomphafte  Auftreten  sowie  über  die  Kleidung  des 
Königs  und  seines  Hofstaates  vergl.  im  Einzelnen  S.  651  ff. 


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Anno  1534  acta.  699 

cornm  et  latronnm  moltitadine  considentibns  ac  edentibns  mini- 
strat  \  Pro  primo  fercnlo  carnes  recentes  ac  iurulentae  cum  ra- 
dicibus  coctae,  pro  secnndo  pemae  et  carnes  fumatae,  pro  tertio 
et  postremo  assae  apponuntur  K  Cum  satisfactnm  esset  stomachOy 
orbicnlares  placentae  et  infermentatae  et  ex  flore  tritici  confectae^ 
in  canistris  adfemntnr,  qnas  rex  mensis  sablatis  coenam  do- 
minicam  anspicatnms  frangit  singnlornmque  bnccis  hiantibus 
verbis  Ms  inserit:  „Accipite,  comedite  et  mortem  Domini  an- 
nnnciate!^  Begina  vero  pocnlnm  vino  plennm  manibus  annn- 
lormn  multitndine  rigentibns  snstinens  singnlos  ad  bibendnm  his 
verbis  invitat:  „Bibite  ex  hoc  omnes  et  mortem  Domini  annun- 
ciate^!^  His  ita  gestis  pro  gratiamm  actione  psalmnm  ^Grloria 
in  excelsis"    in   vemaculnm   sermonem    transfasnm   cantillant. 


')  H.  Graes  giebt  a.  a.  0.  die  Zahl  der  Diener  auf  ungefähr  60  an. 

*)  Beim  grofsen  Mahle  ward,  wie  die  „Newe  zeitung"  a.  a.  0.  S.  257 
u.  263  berichtet,  gereicht:  „gekocht  fleisch,  schincken  und  gebratens." 
wahrend  die  „Newe  Zeytung"  Bl.  A  !▼  das  Volk  nur  mit  „dürrem  ochsen 
fleysch"  gespeist  werden  läfst,  hat  nach  H.  Dorp  der  König  bestellt  „ge- 
soten  und  gebraten,  wein  und  hier."  Von  drei  Gerichten  spricht  noch 
Dionjs.  Vinne  M.  G.-Q.  II,  276,  ebenso  L.  Hortensius,  bei  dem  es  S.  34 
halfst:  „Accumbentibus  triplex  mistus  fuit  appositus,  carnes  fumo  duratae, 
inde  recentes,  postremo  assa.  Potus  cerevisia  erat."  Indem  Herm.  Hamcl- 
mann  S.  1249  den  Bericht  des  H.  Dorp  mit  dem  des  L.  Hortensius  ver- 
bindet, fügt  er  hinzu:  „Hortensius  nihil  habet  de  vino,  et  opinor  etiam 
tantae  multitudini  vinum  non  fuisse  adhibitum.'' 

')  Das  Folgende  nach  H.  Dorp.  Dafs  beim  Abendmahle  der  König 
das  Brot,  die  Königin  den  Wein  reichte,  ist  in  den  Quellen  sonst  ausdrück- 
lich nur  noch  erwähnt  von  Joh.  Beckmann  (s.  K.  W.  Bouterwek^s  Aus- 
gabe des  C.  Heresbach  S.  37)  und  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  X  1^. 
Die  „Newe  zeitung*'  hat  a.  a.  0.  S.  257  den  Bericht,  dafs  der  König  und 
die  Königin  gemeinsam  Brot  und  Wein  boten,  berührt  aber  S.  263  nach 
dem  Geständnisse  des  H.  Graes  die  Mitbeteiligung  der  Königin  nicht.  „So 
heft  der  konnick,"  heifst  es  bei  H.  G res b eck  S.  110  f.,  „und  die  konnig- 
kinne,  KnipperdoUinck  und  des  konnigks  rede  gain  stain  midden  np  dem 
doemhof  und  hebben  kleine  runde  koekesken  gehat  und  hebben  die  entwe 
gebrocken,  und  al  dat  volck  . . .  sint  tuschen  dem  koningk  und  der  koning> 
kinnen  und  KnipperdoUinck  her  gegain,  und  heft  do  ein  ider  ein  koekesken 
von  den  koken  getten  und  dair  malch  einen  dmnck  weins  tho  gedruncken 
und  hebben  so  dat  aventmail  geholden."  Bei  L.  Hortensius  bieten  zwei 
königliche  Diener  den  Wein. 


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700  Anno  1534  acta, 

Nnmerantnr  in  ea  coena  viri  ad  arma  ntiles  praeter  eos,  qni 
excnbias  interea  egerant,  mille  et  sexcenti,  senes  et  pneri  prope- 
modum  qnadringenti,  feminae  vero  qninquies  mille*. 

Hinc  rex  omnibus  in  orbem  convocatis  proponit,  velintne 
omnes  verbo  Dei  parere*.  Exclamat  tota  mnltitudo:  se  non 
solum  illi  parituram,  vemm  etiam,  si  opus  sit,  mortem  pro  eo 
oppetituram.  Deinde  Joannes  Dusentschuer,  aurifaber  et  pro- 
pheta  Warendorpensis,  suggestum  conscendens:  „Pater,"  inqnit, 
„viginti  Septem  apostolos  coelitus  mihi  revelavit,  qui  in  qnatuor 


^)  Eerss.  giebt  hier  Aussagen  der  Apostel  wieder,  die  sich  aber  nicht 
auf  die  Zahl  der  Teilnehmer  am  Abendmahle,  sondern  auf  die  gesamte 
Einwohnerzahl  Münsters  in  damaliger  Zeit  beziehen.  H.  Regewart  sagt 
(J.  Niesert  a.a.O.  S.  32 f.),  ^dat  he  van  Johan  van  Leyden  yn  dem  nacht- 
mael  an  dem  dyssche  gehört,  idt  solden  noch  1600  wehrhafftiger  dar  bynnen 
syn  . . .,  dat  baven  de  werhafFtigen  ungeferlich  an  jungen  und  olden  mans 
400,  und  tegen  yderman,  syncr  achtinge,  wall  dree  wyver  syn."  Joh.  Beck- 
mann bekundet  (ebendas.  S.  37):  „Do  se  syn  uthgetogen,  synt  ungeferlich 
1600  werhaflftiger,  und  sust  mit  olden  und  krancken  2000,  der  wyver  sy 
umtrent  5000  gewest.**  Aehnlich  giebt  Gottfr.  Stralen  (ebendas.  S.  59) 
^1600  waraftiger  und  wall  5000  frouwen"  an.  Die  Zahl  der  Teilnehmer 
am  Abendmahle  beziffert  die  „Newe  zeitung**  S.  257  nach  Aussagen  der 
Apostel  auf  4200,  ebenso  S.  262,  wo  nach  H.  Graes  hinzugefugt  ist,  es 
seien  ,.die  helflft,  so  in  Munster  vorhanden"  gewesen,  und  S.  260  hat  sie 
die  Notiz:  „Es  sind  auch  nicht  über  8000  menschen  mit  weib  und  kind 
in  Münster,"  endlich  S.  265  nach  dem  Bekenntnis  des  Joh.  Boentrup :  „das 
noch  in  Münster  sind  bey  6000  oder  7000  man  und  frawen."  Für  dieselbe 
Zeit  des  October  giebt  Dionys.  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  277)  an:  „Et  sollen 
noch  binnen  Munster  by  de  2000  werhaftiger  und  over  alle  by  5000  edder 
6000  sin;"  Joh.  Kloprifs  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  125):  „1800  wehrhafftiger 
manne  ungeferlich,  und  zusamen  so  man  und  frauwen  bie  6000  personen.** 
Ant.  von  Prüm  spricht  von  1600  wehrhaften  Männern,  Bemh.  Focke  von 
1500  und  von  im  Ganzen  über  5000  Einwohnern  (St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19 
IV.  fol.  221  u.  314).  H.  Gresbeck  äufsert  sich  S.  107  bei  Gelegenheit  des 
Abendmahles:  „Die  mans  sint  do  starck  gewest  mit  alden  lueden  und  mit 
den  iungen  twe  dusent.  Si  en  sint  nuwerl  starcker  gewest  in  der  stat 
Monster,  die  wiederdoepers,  werhaftiger  mans,  dan  1500.  Der  frowen  sint 
in  der  stat  gewest  iunck  und  alt  acht  oft  negen  dusent,  mehr  oftc  min, 
dair  weit  ick  so  enckede  nicht  af.  So  sint  dair  ouck  wol  gewest  von  klenen 
kinder,  die  gain  konden  und  die  nicht  gain  konden,  tehen  oder  twelf  hundert." 

')  So  nach  den  Bekenntnissen  in  der  „Newen  zeitung"  S.  258  u.  263. 
Abweichend  davon  läfst  Joh.  Beckmann  bei  K.  W.  Bouterwek  a.a.O.  und 
H.  Dorp   Johann  Dusentschuer  diese  Frage  an  das  Volk  richten. 


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Anno  1534  acta,  701 

angelos  orbis  ablegati  doctrinam  nostram  de  regno  Dei  publica- 
bnnt  ac  ita  a  Patre  snb  mnbra  alamm  snarum  protegentnr,  nt 
ne  pilnm  quidem  capitis  amissnri  sint^.  Si  vero  magistratus ', 
ad  qaemcünqne  locnm  devenerint,  evangelio  locum  non  dederint,. 
ibidem  aureo  nnmmo  relicto  et  pulvere  e  vestimentis  in  Signum 
non  recepti,  sed  contempti  evangelii  excusso  ad  aUa  loca  demi* 
grabunt.^  Inde '  recitatis  apostolorum  nominibus :  „Ite,^  inquit^ 


^)  Aus  dem  Geständnisse  Joh.  Beckmann's  bei  K.  W.  Bouterwek  8. 37. 
Danach  sagte  Joh.  Dusentschuer,  „de  personen,  he  uplesen  woide,  weren 
em  van  Godt  angetekent,  dat  se  solden  gaen  yn  de  veer  stedde  und  pre- 
digen dat  Evangelium  van  dem  ryke  Godts,  und  ejn  haer  solde  enn 
nicht  van  dem  hovede  genommen  werden;  und  so  dat  nicht  so 
Gades  emstlick  beveli  wer,  dat  enn  dan  Godt  van  stundt  an  int  affgrunt 
der  helle  verstotte.**  Sehr  bemerkenswert  und  ganz  aUein  stehend  ist  die 
AeuDsemng,  die  Joh.  Beckmann  unmittelbar  hieran  knüpft:  „Dat  heb  wy 
unwysen  semptlich  als  gehorsame  deyners  gelofft,  avers  de  konnynck 
wort  gantz  blyde  und  sprack:  Ick  hebbe  hyr  gyn  getuchnisse 
van  Godt  van,  dan  ick  weth  averst,  idt  moeth  also  syn,  dat 
geystlike  swert  moyth  voer  gaen  und  dat  worltlike  nafolgen.** 
Dem  gegenüber  steht  die  Behauptung  des  Dionys.  Yinne  (M.  G.-Q.  II,  277) : 
„De  ienne,  so  uthgeschicket  vorgerort,  ist  uth  bevel  des  konninges 
geschein  dorch  den  propheten.**  Herm.  Hamelmann  S.  1250  hat 
die  eigentümliche  Notiz,  dafs  sich  im  Register  der  auszusendenden  Apostel 
^ignorante  rege,  de  cuius  sententia  alioquin  omnes  erant  clam  scripti,*' 
auch  der  Name  Enipperdolling's  befunden  habe,  und  dafs  bei  Nennung 
desselben  der  König  sagte:  „Nos  non  possumus  Knipperdollingio  carere, 
qui  etiam  magis  est  castris  appositus,  quam  doctrinae.  Ideo  tu,  Dei  pro- 
pheta,  eins  locum  subibis.**  Wenn  Herm.  Hamelmann  hinzufügt,  dafs  der 
Konig  alle  diejenigen  hinaussandte,  „quos  . . .  putabat . . .  suae  dignitati  vel 
doctrinae  vel  ingenio  obesse  aliquando  posse,^  so  findet  sich  in  Bezug  auf 
Joh.  Dusentschuer  eine  dahin  gehende  Auslassung  in  einer  „Neuen  Zeitung,*' 
die  Th.  Fabricius  am  26.  October  dem  Landgrafen  von  Hessen  zusandte, 
und  in  der  es  heilst  (St.-A.  Marburg),  der  König  habe  auch  deshalb  die 
Apostel  abgeordnet,  weil  er  besorgte,  „der  prophet,  welcher  ihn  zum  ku- 
nyngh  gemacht  hat,  wurde  ihn  wedder  absetzen  und  ihm  das  folck  ab- 
felligh  machen,  dan  er  war  ihm  zu  wedder  worden.'' 

*)  Die  folgende  AeuTserung  Joh.  Dusentschuer's  fast  wörtlich  nach 
dem  Geständnisse  Joh.  Beckmann's  bei  J.  Nies  er  t:  U.-S.  I.  S.  36.  Ygl. 
auch  die  Aussage  des  Joh.  Kloprifs  bei  J.  Niesort  a.  a.  0.  S.  112.  S.  noch 
H.  Dorp  BL  F4^. 

')  Das  Folgende  nach  dem  Bekenntnisse  des  H.  Graes  in  der  „Newen 
Zeitung**  S.  263  f. 


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702  Anno  1534  acta. 

■•p.  549.  «in  civitates  et  annun*ciate  verbum  Dei!"  Vocati  ad  munus  sibi 
a  propbeta  impositnm  promptissime  adsunt.  Eine  rex  totam 
mnltitudinem  e  snggesto  sie  compellat:  „Fratres  carissimi,^  in- 
qnit,  „si  res  adversns  hostes  egredi  posceret,  estisne  parati?^ 
Bespondent  se  paratissimos.  Hinc  qnisque  se  ad  mnnns  sunm 
recepit.  His  digressis  rex  et  regina  cum  pellicibns  ac  nniversa 
aulicornm  et  satellitnm  tnrba  nee  non  quingentis  fere,  qni  alüs 
edentibus  exeubias  egerant^,  magnifiee.eoenant  exqnisitisqne  fer- 
enlis  sese  reeipiunt.  Inter  coenandum  rex  consurgit  sibi  nego- 
tium conficiendum  a  Patre  datum  esse  asserens,  et  cum  sursnm 
deorsumque  ambularet,  mensis  assidentes  contemplaretur,  reperit 
ibi  forte  militem  peregrina  facie  et  habitu  sibi  ignotum*,  ab 
hostibus  captum  et  ad  eandem  coenam  a  capientibus  adductum, 
ut  omnium  rerum  copia  et  affluentia,  qua  miles  maxime  afficitur, 
ad  eandem  suam  religionem  invitaretur^  Ad  quem  rex:  „Amice, 
^uae  est  fides  tua?^  At  iUe  poculis  forte  obrutus  de  fide  se 
nihil  scire  respondet;  se  didicisse  et  pocula  et  veneres  sectari^ 
Ad  quae  rex:  „Amice,   quomodo  ergo  huc  ad  nuptias   intrasti 


^)  Ueber  die  Wacht  sagt  H.  Graes  in  der  „Newen  zeitong*'  S.  265 
aus:  „Sie  wachen  alle  nacht  mit  fünffhundert  man,  and  gehet  die  dritten 
nacht  umb,  und  sind  frey  zu  wachen  der  könig  mit  seinem  volck  als  das 
Ampt  Yolk.^  „Wante  die  stat,^  berichtet  H.  Gresbeck  S.  131,  „was  ge- 
-deilt  in  dry  deüe,  dat  die  wacht  was  in  der  stat  over  die  derde  nacht.** 
Am  6.  Dez.  1534  bekennt  Job.  Eettel  Tan  Tiel  (M.  G.-Q.  II,  291):  ,8e 
waken  de  nacht  binnen  vor  den  porten,  Toir  iüiger  porten  by  de  40.  Dair 
^int  veele  inngen  mede.^  W&hrend  des  Abendmahles  l&fst  EL  Dorp  „zehent- 
halb  hundert  man  und  frawen*'  Wache  halten. 

')  Die  Hinrichtung  des  Landsknechtes  durch  Johann  giebt  Eerss. 
nach  der  Erz&hlung  bei  H.  Dorp  Bl.  F4)  doch  fugt  er  Stellen  aus  dem 
Bekenntnis  des  Job.  Eloprifs  und  aus  C.  Heresbach  hinzu.  Bald  weiter 
unten  berichtet  er  den  Vorgang  noch  einmal,  dann  aber  fast  wörtlich  nach 
den  Aussagen  W.  Scheiffart's  M.  G.-Q.  II,  295. 

')  H.  Dorp  a.a.O.:  „Es  war  ein  reisiger  knecht  gefangen  da,  den 
hatten  sie  mit  zu  solchem  nachtmal  gebracht  und  im  wol  zugetruncken.* 

*)  Nach  dem  Geständnisse  des  Job.  Eloprifs  bei  J.  Niesert:  U.-S. 
I.  S.  135 :  „Item  der  kunig  biege  einem  uf  deme  abentmaill  selbst  den  kop 
Ab,  und  darzu  wurde  er  von  Gode  gedrungen,  und  des  ufs  ursach,  so  der- 
selb  knecht  sull  gesagt  haben,  dass  er  von  keinem  glauben 
^isse,  dan  von  drincken  und  frauwen,  stracks  ufsgesagt.* 


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Anno  1534  acta.  703 

Bon  habens  vestem  nnptialem?^  At  ille:  se  ad  nuptias  istas 
suas  meretriceas  non  invitatum  venisse,  sed  invitum  protractum 
esse^  Quibus  verbis  rex  vehementer  exacerbatus  ipsnm  quoqne 
invitum  ad  se  protrabi  iabet  protractumqne  snis  manibns  in 
conspectu  omninm  decollavit  atqne  ita  gaadia  publica  pertur- 
bavit,  ut  nemo  borrenda  caede  ob  oculos  versante  ex  animo 
gauderet.  Ipse  vero  quasi  re  bene  et  fortiter  gesta  ad  solium 
suum  continuandae  coenae  causa  reversus  adeo  volaptate  et  gau- 
dio  titillatur,  adeo  sibi  placet,  ut  non  solum  de  isto  homicidio 
tanquam  eximio  facto  inter  suos  gloriaretur,  verum  etiam  per- 
acta  coena  tripudia  et  cboreas  cum  scenicis  meretricibus  in  mul- 
tam  noctem  duceret*.  Interea  qui  ad  peregrinationem  evangelii 
propagandi  gratia  delecti  erant,  omnia  ad  profectionem  adomant 
valedicentes  uxoribus  suis,  quarum  centum  et  viginti  quatuor 
in  urbe  relinquunt,  sicut  Henricus  Graess  Iburgi  atque  aUi  cap- 
tivi  fassi  sunt  *.  Inde  ad  montem  Syonis  reversi  a  rege  suggesto 
ascenso  bis  verbis  admonentur:  ,,Ite  et  praeparate  nobis  locum! 
Nos  armati  subsequemur  et  contemptores  vestros  ferro  vindica- 
bimus  gladioque  nobis  subiicicmus^."  Ita  a  rege  dimittuntur. 
Et   cum  nox  obscuram  caliginem   induxisset,  a  regüs  aulicis 


*)  Vgl.  C.  Heresbach  8.  22:  „Rex  accnmbentes  circnmiens  tan- 
dem  e  medio  apprehensinn  quendam,  cnins,  nt  ipse  inquiebat,  cor  rectum 
non  esset  neqne  veste  indutam  ntiptiali,  ense  capnt  avro/ffc^  ferit,  regis 
simnl  et  camificis  mnnere  perfungens."  Nach  EL  Dorp  sagte  der  König 
EU  dem  Landsknechte,  ^er  were  der  Judas  gewest^ 

')  Bei  H.  Dorp  heiTst  es  vom  Könige  nur:  „Damach  kam  er  Widder 
an  den  tisch  und  gefiel  jm  selbs  so  wol  über  diesem  mord,  das  er  sein 
noch  lachet**  —  Die  Hinrichtung  eines  Landsknechtes  durch  den  König 
am  Schlüsse  des  Festes  berichtet  auch  H.  Gresbeck  S.  1131 

')  In  den  jetzt  bekannten  Gest&ndnissen  des  H.  Graes  und  der 
übrigen  Gefangenen  findet  sich  dafür  kein  Beleg.  Vielmehr  sagt  Joh. 
KlopriÜB  aus  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  121):  „Das  ufsschicken  der  predicanten 
were  ein  wunderlich  ufsschicken,  dweill  es  inen  in  einer  uren  an- 
gesagt wardt,  und  sie  meisten  auch  in  derselben  urhen 
reisen  und  ulsgehen.*  Er  fügt  hinzu:  „Nach  dem  gehaltenen  nacht- 
maill  wurde  jedem  ein  hrieff  gegeven,  zu  zehen.  Also  zuege  er  auch 
anstundt  ufs  und  spreche  sein  weih  und  kinder  nit  an.** 

^)  Nach  den  Aussagen  des  H.  Graes,  der  den  König  noch  sagen 
l&fst:  „So  wollen  wir  die  gantzen  weit  einnemen.** 


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704  Anno  1534  acta. 

praelucentibns  domino  inbente  facibas  ad  portas  dedacti  sunt  ^ 
Portam  Servatianam  Zuzatum  missi  ezeunt,    Marianam  Coesfel- 
♦p.  550.  diam,   Mauritianam  Warendorpiam,   Hor*sthanam   Osnaburgam 
ablegati  egrediantur  *. 

Nomina^  eorum,  qni  Zuzatum  ad  austrum  mundi  sunt  missi: 
Joannes  Dusentschuer,    propheta  et  aurifaber  Warendorpensis, 


')  Vgl.  dazu  das  Geständnis  des  Bemh.  Focke  (M.  G.-Q.  II,  4V2): 
„. . .  de  konninck  heb  einen  mit  ener  torssen  vor  om  hergesant  bes  an  de 
Frouwen  porten,  dar  se  Eibenbroick  uthgelaten  heft.'*  Der  Aufbruch  der 
Apostel  erfolgte  noch  an  demselben  Abend.  So  berichten  H.  Graes  und 
H.  Dorp  Bl.  F4.  Mit  dieser  bestimmten  Angabe  und  mit  der  in  allen 
Quellen  übereinstimmend  hervorgehobenen  wichtigen  BoUe,  die  Joh.  Dusent- 
schuer bei  der  grofsen  Abendmahlsfeier  am  13.  Oct.  spielte,  ist  der  Bericht 
im  Rats-ProtokoU  der  Stadt  Soest  nicht  zu  vereinigen,  der  (s.  C.  A.  Cor- 
nelius: M.  A.  I.  S.  271  f.  und  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  322  u.  324)  die 
acht  Wiedertäufer-Apostel  aus  Münster  bereits  „op  donnerstag  na  Francisci'' 
(8.  Oct.)  in  Soest  erscheinen  läfst.  Unter  den  Aposteln  nach  Soest  befand 
sich  ja  auch  Joh.  Dusentschuer.  Der  13.  Oct.  als  Tag  des  Abendmahles 
ist  von  den  gefangenen  Aposteln  (vgl.  auch  Herm.  Regewart's  Geständnis 
bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  31)  ebenso  fest  bezeugt,  wie  das  hervorragende 
Auftreten  Joh.  Dusentschuer's  an  diesem  Tage.  —  Nach  L.  Hoxtensius 
S.  35  verliefsen  die  Apostel  Münster  erst  am  15.  October.  Das  ist  irrig. 
Vergl.  weiter  unten.  Unbestimmt  setzt  D.  Lilie  S.  244  die  Aussendung 
„na  dem  dage  Michaelis^  (29.  Sept.). 

*)  So  auch  H.  Graes  a.a.O.  Dafs  die  nach  Coesfeld  bestinmiten 
Apostel  Münster  aus  dem  Liebfrauenthore  verliefsen,  bestätigt  aufser  dem 
eben  angeführten  Bekenntnis  des  Bemh.  Focke  auch  das  des  Herm.  Rege- 
wart und  des  Joh.  Beckmann.    Siehe  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  31  u.  37. 

^)  Die  folgenden  Namen  sämtlicher  Wiedertäufer-Apostel  giebt  Eerss. 
im  Ganzen  genau  nach  einem  Verzeichnisse  derselben,  das  sich  in  mehr- 
fachen Abschriften  zugleich  mit  den  Aussagen  eines  Teils  der  Apostel  er- 
halten hat  (im  St.-A.  M.  M.L.  A.  518/19  V.  fol.  165  f.  u.  171  f.).  Einzelne 
Zusätze  bringt  er  besonders  aus  H.  Dorp  Bl.  F3^  u.  F4  bei  sowie  aus  den 
Aussagen  des  Joh.  Kloprils,  Dionys.  Yinne  und  des  Joh.  Beckmann.  S.  die 
folgenden  Noten.  Die  Zahl  der  Abgesandten  beträgt  auch  in  dem  Yerzeich- 
nisse  27,  ebenso  bei  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  A4.  Wie  Kerss.  nach  dem 
Verzeichnisse,  so  läfst  auch  die  „Newe  Zeytung"  Bl.  A  1^  und  Dionys.  Vinne, 
freilich  ohne  Namennennung,  8  Apostel  nach  Soest,  5  nach  Warendorf,  6 
nach  Osnabrück  und  8  nach  Coesfeld  abgeordnet  werden  (s.  M.  G.-Q.  II, 
277).  In  den  sonstigen  Quellen  schwanken  die  Angaben  sowohl  über  die 
Gesamtzahl  der  Apostel  wie  über  die  Zahl  der  nach  den  einzelnen  Städten 
bestimmten.    Selbst  H.  Graes  (s.  „Newe  zeitung"  a.  a.  0.  S.  263  f.)  bietet 


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Anno  1534  acta.  7u5 

Hermannus  Eerckringk,  loannes  Batendieck,  loachimns  Eesse, 
Henricns  Maerenn,  Henricus  Schlachtschaep,  Lanrentius  Yisscher, 
Bernardus  Wever*. 

Osnabnrgam  ad  septentrionem  missi  sex:  loannes  Boentmp, 
lanionls  famnlns,  Henricns  Graess  Borckensis,  Indimagister,  Dio- 
nisins  Vinne  Deistensis,  pastor  in  Aldeneick  non  procnl  a  Ma- 
sieck  in  dioecesi  Leodiensi',  Panlns  Sweringk  altero  brachio 
tormenti  ictu  privatus*,  Petms  Kneper  Sneickensis,  loannes 
Scheffer  Freckenhorsthanns,  calopodiarii  minister*. 

Coesfeldiam  ad  occasnm  missi  octo:  lacobns  van  den  Grave, 
loannes  Essens  Goesfeldiensis,  Bernardus  Focke  Monasteriensis, 
Inlins  van  Franeken  Frisins,  qni  erat  episcopns  in  nrbe*,  Her- 


ungenaue  Nachricht,  wenn  er  sagt,  es  seien  2  nach  Soest,  6  nach  Coesfeld 
geschickt.  Ungenau  ist  auch  die  Aussage  in  der  „Newen  zeitung"  a.  a.  0. 
S.  258,  wo  von  25  Aposteln  die  Rede  ist,  sowie  die  des  Zillis  Leitgen,  der 
(J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  137)  die  Zahl  auf  28  hestimmt.  Nach  L.  Hor- 
ten sius  S.  3J  w^aren  es  im  Ganzen  25,  nach  C.  Hereshach  S.  23  aher 
23  Apostel. 

')  Die  Namen  der  Apostel  nach  Soest  sind  aus  den  Ratsprotokollen 
der  Stadt  auch  ahgedruckt  hei  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  I.  S.  272  und  hei 
L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  324,  doch  wird  dort  statt  des  Joachim  Kesse  ein 
Joachym  Vreyse  genannt.  H,'  Dorp  führt  mit  Namen  an  H.  Slachtscaef^ 
Joh.  Dusentschuer,  Herrn.  Kerckerinck,  einen  Lanrentius  Friese  und 
einen  Heinricus  von  Gog.  Ein  „Heinricus  von  Gorge,  predicant  zu 
Warendorff,"  wird  von  H.  Graes  unter  denen  erwähnt,  die  nach  Coes- 
feld gingen.  Doch  ist  dieser  Heinrich  von  Goch,  der  Warendorfer  Predi- 
kant,  wohl  sicher  identisch  mit  dem  nach  Soest  entsandten  Heinr.  Maren; 
denn  aus  dem  Bekenntnisse  des  Herm.  Regewart  (J.  Niesert:  Ü.-S.  L 
S.  26)  wissen  wir,  „dat  Hynricus  Maren  eyn  halflf  jar  hynnen  Warendorp 
uth  hegerten  des  raedts  gewest,  dar  sulvest  umtrent  dertich  gedopt  ..." 
Ein  Hinricus  Goch  ward  nach  der  Aussage  KnipperdoUing's  (M.  G.-Q.  IL, 
403)  am  5.  Jan.  1534  zusammen  mit  Rothmann  u.  A.  wiedergetauft. 

*)  Der  Zusatz  nach  seinem  Bekenntnisse  (M.  G.-Q.  II,  272). 

")  Nach  H.  Dorp:  „Paul  Schweringk  mit  einem  arm,  denn  die 
hüchs,  der  teuffei  genant,  hat  im  den  andern  arm  hinweg  geschossen." 

*)  Im  Verzeichnisse  der  Apostel  heifst  es  nur:  „Johan  Freckenhorst, 
ein  holscher  knecht,  predicant.**    Den  Namen  Johan  Schefer  hat  H.  Dorp. 

*)  Im  Verzeichnis:  „Julius  van  Franeken."  Bei  H.  Dorp:  „Julius 
Friese,  der  Bischoff  odder  oberster  unter  der  Widderteuffer  predigem  zu 
Münster."    Auch  Kerss.  nannte  den  Bischof  sonst  nur  Julius  Frisius. 

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706  Anno  1534  acta. 

mannns  Begewart,  pastor  novae  ecclesiae  in  Warendorp  \  loannes 
Beckman  Osnabnrgensis,  sacellanns  Martini  in  nrbe,  inde  D. 
Maaritii  extra  nrbem,  eo  antem  collegio  incendio  devastato  in 
nrbem  secessit  (hie  habuit  duas  uxores,  alteram  ex  coenobio 
Transflnviano,  alteram  Aegidiano)*;  Bartholomaeus  Neteler  dictns 
de  Wale  Hollandus-^  Egbertus  Wideman  Nortkerkensis*. 

Warendorpiam  ad  ortnm  solis  missi  qoinqne:  loannes 
Klopriss,  Henricus  Ummegrove,  Godofridns  Stralen,  Theodoricns 
Alfensis,  Antonius  Prumeren  Eifeldianus,  Tasschenmacker*. 


')  Im  Verzeichnis  heifst  er  irrtümlich  Herman  Bevert  (oder  Renert) 
yan  Warendorp,  doch  in  dem  dem  Verzeichnisse  beigefügten  Bekenntnisse 
wird  er  richtig  als  Hermannns  Regewort  bezeichnet.  lieber  ihn  s.  oben 
S.  397 ff.  u.  510.  H.  Dorp  nennt  ihn  nur  „Hermannns,  Pfarher  zu  der 
newen  kirchen  zu  Warendorfi!."  Ganz  entstellt  ist  der  Name  „Herman 
Reverdinck«  hei  D.  Lilie  S.  245. 

')  Im  Verzeichnisse  der  Apostel  heilst  es:  „Johannes  Beckman  van 
Osenhrugge,  vor  iaren  sacellan  to  S.  Mauritius,  daima  predicant  gewest 
to  S.  Märten  hynnen  Munster.^  Kerss.  folgt  dem  Geständnisse  Joh.  Beck- 
mann's,  das  lautet  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  33  ff.):  „. . .  he  sy  ...  van  der 
Nyenkercken  hy  den  Voerden  geboren,  eyn  tyt  lanck  cappellaen  gewest  to 
Sunte  Merten  hynnen  Munster  . .  .  Dewilen  Sunte  Mauritz  huthen  Monster 
verstuert,  dar  he  de  cappellaen  gewest,  sy  he  myt  andern  heren  bynnen 
Munster  getogen  ...  He  hefft  twe  ehefrouwen  gehatt,  de  eyne  van  Sunt 
Ilyen,  de  ander  van  Overwater."  —  Einem  Bekenntnisse  des  Joh.  Beck- 
mann im  St.-A..M.  M.L.A.  518/19  IV.  fol.  815t  ist  die  üeherschrift  bei- 
gefügt: „Dyt  nabeschreven  hefft  de  geschicktste  und  myns  be- 
dunckens  de  geler  desto  baven  de  vorgestalte  artickeln  hekant  und 
myt  syner  haut  upgeschreven,  genomet  Johannes  Beckeman.^' 

')  Im  Verzeichnisse:  „Bartholomeus  de  Wale  uth  Franckryck.^ 
H.  Dorp  nennt  ihn  „David  der  Wale."  Ein  Bartolomeus  Nadler  findet 
sich  für  Warendorf  in  den  Aussagen  des  H.  Graes  und  bei  Herm.  Hamel- 
mann  S.  1251,  und  zwar  bei  ihm  als  einzige  Abweichung  von  H.  Dorp, 
mit  dem  gemeinsam  er  aber  wieder  statt  des  Joh.  Essens  Johann  von  Ut- 
recht, einen  früheren  Domherrn  zu  Utrecht,  nennt. 

*)  Dieser  fehlt  hei  H.  Dorp,  der  zwar  acht  nach  Coesfeld  gesandt 
werden  l&fst,  aber  nur  sieben  nennt. 

^)  H.  Dorp  meldet  irrtümlich  von  sechs  Aposteln  nach  Warendorf. 
Er  nennt  Joh.  KlopriTs,  Gottfr.  Stralen,  Heinr.  Ummegrove  und  Antonius 
Taschenmacher,  weifs  die  Kamen  der  Anderen  nicht.  H.  Graes  berichtet 
von  fünf  Aposteln,  nennt  nur  Joh.  Eloprifs. 


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Anno  1534  acta.  707 

*Honim  omniüm  doctissimns  ac  eloqnentissimns  fait  Elop-  »p.  551. 
risius  *  in  paroecia  Boentnip  patre  sartore  prope  Weilern  domum 
Teutoniconun  habitante  natas^,  qni  Boricenae  ad  aliquot  annos 
concionatar.  Cnm  Zwinglü  doctrinam  docoisset,  dnx  Gliviae 
suis  ditionibus  Uli  interdixerat'.  Coloniae  inde  propter  idem 
Schisma  captus  trium  virorum  auxilio  carcere  liberatus  est  efifu- 
gitque^.  Proinde  neque  illi  tutus  in  dioecesi  Coloniensi  locus 
fuit.  Quare  cum  transactio  inter  episcopum  et  civitatem  Mona- 
steriensem  Telgeticae  captivitatis  nomine  fieret,  Monasterium 
ingressus  est  ibique  in  vigilia  Trium  Begum  anno  1534  a  Bar- 
tholomaeo  Neteler  Hollando  retinctus  est^.  Hinc  Wendelam 
Hexam,  quae  ilU  extra  legitimum  matrimonium  quatuor  proles 
Buricenae  pepererat,  ad  se  per  literas  revocat  et  cum  ea  legi- 
timas  nuptias  celebrat  ^  cui  mox,  ne  a  consuetudine  Monasteri- 
ensium  degenerare  videatur,  Margaretam  quandam  adiungit^. 

Haec  ubi  princeps  a  transfugis  et  publica  fama  cognovisset, 
ad  omnes  satrapas  et  praefectos  dioecesis  scribit^:  Cum  ex  urbe 
missi  sint  concionatores,  ut  populum  passim  seducant  et  in  si- 
milem  errorem  protrahant  seditionemque  excitent,  unde  varii 
motus  et  rerum  novarum  moUtiones  emergere   possint,    itaque 


^)  Im  Yerzeichnisse  der  Apostel  ist  Joh.  Kloprifs  genannt  y^prester, 
predicant,  fnrnemste  negst  Berndt  Bothmann/  Die  folgenden 
Einzelheiten  aas  dem  Leben  des  Joh.  Kloprifs  entnimmt  Eerss.  dessen  Be- 
kenntnissen (bei  J.  Nies  er t:  U.-S.  I.  S.  102  ff.).  Ueber  ihn  s.  besonders 
G.  A.  Cornelius:  M.  A.  IL  8.  344  f.  nnd  in  der  „Allgem.  deutschen  Bio- 
gTaphie""  Bd.  16  (Leipzig  1882)  S.  209  ff.,  sowie  C.  K rafft:  Die  Gesch.  der 
Märtyrer  . . .  A.  Glarenbach  und  P.  Fliesteden  (Elberfeld  1886),  bes.  8.  21  ff. 

')  Siehe  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  180.  Gemeint  sind  Bottrop  und 
Welheim.  —   •)  S.  ebendas.  S.  103  f.  —   *)  S.  ebendas.  S.  107. 

^)  S.  ebendas.  8.  131.  Danach  hat  er  „das  ufswendig  zeichen  des 
Wassers  entfangen  zu  Munster  von  Bartholomeo  aus  Hollandt  uf  abend 
Regum  anno  1534.''  —   «)  S.  ebendas.  S.  131. 

'')  Joh.  Kloprifs  bekennt  darüber  a.a.O.  S.  134,  er  „hab  zu  der  irsten 
huifsfrawe  Wendell  noch  ein  gnomen,  gnant  Griet,  und  er  wolte  lieber  zu 
Borne  sein  gangen,  dan  die  genommen;  und  die  Griet  sy  desmails  noch 
maget  gewesen,  aber  er  hab  bie  der  nit  über  2  nacht  geschlaiffen.^ 

*)  Aus  Wolbeck  am  17.  October.  Abgedruckt  nach  dem  Konzept 
im  St-A.  M.  bei  L.  Keller:  G.  d.  W.  8.  322 f. 

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708  Anno  1534  acta. 

huins  rei  accnratam  rationem  habeant,  ne  impnne  per  dioecesim 
vagentur,  suam  doctrinam  evomentes  incantos  circamyemant  K 

Dtun  haec  aguntnr,  acerba  interea  pestis  Clivica  potissi- 
mnm  castra  invadit  multosqne  quotidie  milites  sternit*.  Castra 
proinde  deserere  in  animo  habent.  Quod  cum  ad  militiae  dnces 
perlatnm  esset,  ab  iisdem  datae  fidel  et  iorislnrandi  severiter 
admonentnr;  si  vero  locnm  iam  pestilentia  infectam  mutare  ve- 
Unt,  Kinderhusiom  sine  clade  tarnen  priomm  castroram  secedant 
neqne  principe  invito  se  desertores  militiae  declarent  neqne  sibi 
infamiae  macnlam  nnnqnam  ablaendam  innrant,  sed  stipendii 
solutionem  ezpectent.  Uli  yero  omnes  admonitiones  in  ventos 
u.  oct.  excntinnt  et  die  14.  Octobris  castris  inflammatis  tnmnltuantes 
ita,  nt  fit,  exennt  ac  erectis  signis  hostili  de  more  Havekes- 
becnm  pagnm  invadnnt  omniaqne  ibi  in  praedam  yertnnt  et  pro 
sna  libidine  in  agricolas  et  qnosvis  obvios  grassantur^  Cum 
vero  princeps  ipsos  eqnitatn  suo  perseqni  inberet,  fnga  se  eri- 
•p.  552.  pinnt.  *In  horum  autem  locnm  dncnm  cura  novns  miles  con- 
tinno  snblt. 

Joannes  Eloprisins  deformi  mltu  et  barba  cnm  qnatnor 
suis  coUegis  hoc  eodem  die,  nempe  14.  Octobris  \  Warendorpiam 


^)  Im  Befehl  heifst  es:  „. ..  dath  du  des  ander  djnen  amptsver- 
Wanten  ein  vlitich  upsicht  and  Vorsorge  hebbest,  ock  tor  stondt  unse  ander* 
säten  von  adel  yn  dynen  ampt«  gesetten  darvor  warnest,  in  raitschap  t^sitten 
and  so  sick  in  dynen  ampte  einiger  uproir  oder  an  ander  orden  erhove^ 
alsdan  in  der  yle  to  dynem  gesynnent  tom  ernst  t'folgen  and  sulcken  up- 
roir te  wercn." 

*)  In  den  Quellen  ist  die  Seuche  sonst  nur  noch  von  Joh.  Fabri- 
cius  Bolandus   Bl.  S4^  erw&hnt. 

")  Das  berichtet  nur  Kcrss.  lieber  das  Verlaufen  der  Knechte  vgl. 
die  Anmerkungen  auf  S.  686.  AktenmäXsig  wissen  wir  von  gewaltthätigcn 
Uebergriffen  der  Landsknechte  schon  im  September.  Am  19.  September 
schreiben  Job.  v.  Bueren  und  Hermann  v.  Mengersen  an  den  Bischof  (Orig. 
im  St.-A.  M.),  CS  sei  ihnen  „ytzundt  yn  affwessende  i.  f.  g.  mannichfoldige 
klagte  ankörnen,  dat  ytzliche  von  den  clevesschen  knechten  b}imen  Korrell 
gewessen,  twy  mall,  ock  gestheren  nacht,  und  aldar  genhomen,  wes  de 
knechte  gefunden,  und  ander  gewalt  mit  glassefenstem,  kästen  und  ander» 
tho  vordistruerende  und  up  to  slaende  vorgewandf 

*)  Dieses  Datum  ergiebt  sich  aus  dem  Schreiben  des  Bischofs  vom 
21,  Oct.  aus  Warendorf  an  den  Erzbischof  von  Köln.  Konzept  im  St.-A.  M. 


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Anno  1534  acta.  709 

ingressl  primum  poenitentiam  in  medio  foro,  inde  per  vicos  suo 
more  clamitare  coepemnt  continnoqne  aedes  Erponis  Holland!, 
senatoris,  iassn  prophetae  Sionis  snbeuntes  domesticis  pacem  an- 
nnnciant  ibique  ad  aliquot  dies  haerentes  nltra  qnitiqnaginta 
retingunt,  quorum  catalogum  idem  Erpo  in  cubili  post  pfomp- 
tuarium  snum  reconditum  habet  ^  Huius  etiam  receptoris  ope 
effectuin  est,  ut  totus  senatus  decerneret  concionatores  servandos 
et,  cum  salntarem  suam  doctrinam  profiteantnr,  ad  docendum 
publice  admittendos,  et  se  pro  eomm  tntela  extrema  latnrnm^ 
In  eandem  sententiam  plebs,  qaanquam  mnlti  boni  reclamarent, 
senatus  suggestione  addncta  conspirat.  Tota  ergo  republica  an- 
nuente  dogma   Monasteriensium  eo  animo   palam  serunt   (sicut 


Der  Brief  ist  wörtlich  übergegangen  in  die  „Ncwe  zeitung^  (Zeitschr.  17 
S.  261  f.).  Mit  dem  Verzeichnisse  der  Apostel  und  mit  den  gleich  zu  be- 
rührenden Quellen  über  die  Hinrichtung  der  Ausgesandten  und  einzelner 
Bürger  Warendorfs  läfst  es  sich  nicht  vereinigen,  wenn  der  Bischof  in 
diesem  Briefe  sagt :  „Heut  acht  tage  vergangen,  ist  ein  predicant  der  wid- 
dertauffer  secten  anhengig  mit  fünff  der  furnemesten  aus  Münster  in 
Warendorff  komcn."  —  Ueber  die  früheren  kirchlichen  Unruhen  in  Waren- 
dorf  8.  oben  S.  397  ff.,  410,  457  u.  468. 

^)  Kerss.  berichtet  nach  den  Geständnissen  der  nach  Warendorf  ent- 
sandten Apostel,  die  sämtlich  erhalten  sind,  und  nach  denen  einzelner 
wiedertäuferischer  Bürger  der  Stadt.  Die  Aussagen  des  Joh.  Kloprifs  bieten 
Nichts  zur  Sache,  doch  bekennt  Gottfr.  Stralen  am  22.  Oct.  (J.  Niesert 
a.a.O.  S.  58):  „De  prophete  hebbe  em  verkündiget,  he  solde  na  Waren- 
don^  gaen  in  Erp  HoUantz  huefs  und  em  den  freden  verkundigen."  Er  fügt 
hinzu :  „Erp  HoUant  solle  enne  cedele  hcbn,  daerup  ze"  (die  in  Warendorf 
Wiedergetauften)  „getcckent  staen,  und  der  solle  ungeferlich  27  syn." 
Dietrich  v.  Alphen  giebt  die  Zahl  der  Getauften  aber  auf  ungefähr  50  an 
(Kopie  im  St.-A.  M.).  Eri)  HoUant  selbst  (vgl.  über  ihn  auch  oben  S.  399  f.) 
sagt  aus  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  61),  „dat  he  de  prcdicanten  gehuset  und 
geherberget ;  item  dat  yn  synem  huse  up  der  cameren  achter  enem  schape 
ejn  register  sy,  darynnen  de  gedoepten  genoempt."  Er  nennt  die  Zahl 
der  Getauften  nicht. 

'^)  Kurze  Zeit  scheint  jedoch  der  Bat  geschwankt  zu  haben.  Denn 
Gottfr.  Stralen  sagt  a.a.O.:  „Ock  synt  ze  an  den  raide  gegaen  und  em 
gesacht,  se  weren  daer  van  den  Vader  geschicket,  umb  em  den  freden  to 
verkundigen,  dan  egentlirh  tom  ersten,  tom  andern  kyn  waraff- 
tich  bescheit  gekregen,  dan  tom  derden  sy  de  borgermester 
Kopperslager  gekomen  und  gesacht,  se  woelden  dat  woert 
Götz  nicht  utslaen.** 


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710  Anno  1534  acta. 

is.  oct,  22.  Octobris  quaestionibns  subiecti  fassi  sunt)^,  nt  schismaia^ 
factiones  ac  seditiones  plebeas  concitent  atque  suo  foederi  qnam 
plurimos  lucrifaciant  ac  tandem  confoederatornm  mnltitadine 
freti  Monasterinm  ab  obsidione  liberent. 

Et  quanqnam  saepe  scriptis  familiaribns  Warendorpenses 
a  principe  admonerentnr  *,  se  tarnen  eadem,  qna  Monasterienses, 
perfidia  et  scelere  poUuerunt.  übi  vero  princeps  cognosceret 
mala  sibi  in  hac  potissimnm  rermn  angustia  condnplicari,  vehe- 
menter qnidem  animo  constematur,  Kteris  tarnen  ipsos  ab  insti- 
tuto  retrahere  conatnr,  qxiibus  primnm  ipsos  datae  fidei  et  prae- 
stiti  sacramenti  admonet,  qnamque  turpe  sit  illnd  violare;  deinde 
petit,  nt  concionatores  Monasterio   missos  tanqnam  suos  bestes 


')  Der  Bürger  J.  Bomans  bekundet  (J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  63), 
^dat  ein  raidt  to  Warendorpe  ein  verraem  gedaen,  dat  ze  de  predicanten 
wolden  holden  und  dacrby  levendich  und  doet  bliven;  dat  de  ge- 
mein hei  t  hebbe  moten  bewilligen.^  Aehnlich  ftufsert  sich  ein 
anderer  Bürger  J.  Prange  (J.  Niesert  a.a.O.):  „Dan  de  raidt  hebbe 
ze  by  erer  huldinge  up  laten  eisschen  und  gedrungen,  to  Tulbar- 
den,  dat  men  de  predicanten  solle  holden,  und  dat  de  raidt  und  gantze 
gemeinheit  dorch  Cloprys  vorger.  twe  mail  up  de  knehe  gefallen  unde  ge- 
beden,  dat  ze  stanthafftich  mochten  bliven  und  syn  woerdt  annemen." 

*)  Noch  am  16.  Sept.  hatte  der  Bischof,  wie  Kerss.  oben  S.  686  be- 
richtet, den  St&dten  des  Hochstifts  befohlen,  keine  ungewöhnlichen  Neue- 
rungen bei  sich  zu  gestatten  und,  wo  solche  sich  zeigten,  sie  zu  bestrafen. 
Ueber  die  Haltung  der  Städte  in  damaliger  Zeit  haben  wir  einen  wichtigen 
Beitrag  in  einem  Schriftwechsel,  der  uns  im  St.-A.  M.  erhalten  ist.  Am 
1.  October  nämlich  richtete  Coesfeld  als  Haupt  der  westlichen  Städte  des 
Stiftes  im  Vereine  mit  Bocholt,  Borken,  Dülmen,  Haltern  und  Yreden  einen 
Brief  an  den  Bischof,  wie  ein  solcher  am  2.  Oct  in  gleichem  Wortlaute 
auch  Ton  Warendorf  als  dem  Vororte  der  östlichen  Städte  zusammen  mit 
Beckum,  Ahlen,  Rheine  und  Werne  dem  Bischöfe  übersandt  wurde.  Die 
Städte  bitten  darin  wiederholt,  der  Bischof  möge  gestatten,  dafs  sie  ^twe 
uth  jeder  stat  an  de  inhebber  to  Munster  ferdigen  und  uthschicken  mögen, 
allen  mogelicken  flit  antowenden  und  tho  versoichen,  offt  man  deselTigen 
noch  nicht  tor  widderkerung  tzehen  und  up  de  byllicheit  bewegen  und  hin- 
brengen  könne.*  Am  2.  Oct.  schon  antwortet  der  Bischof  ans  Wolbeck: 
„. ..  wy  mögen  erlyden,  gy  uns  juwen  voerslach,  wes  gy  mitJi  den  van 
Munster  to  verhandelen  . . .  bedacht,  instructionswise  vofattet  toatellen, 
und  willen  wy  datselve  mith  andern  unsen  herm  und  firunden  . . .  ock  unser 
lantschap  yn  rait  und  bedencken  nemen.*  —  Die  nächsten  Ereignisse 
machten  eine  Vennittlong  seitens  der  kleinen  Städte  unmöglich. 


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Anno  1534  acta.  711 

pnblicam  tranqniUitatem  suis  praestigiis  labefactantes  et  avitam 
fidei  pnritatem  contaminantes  sibi  suoque  arbitrio  tradant^. 
Warendorpenses  vero  pertinaciores  facti  respondent*:  Cives  metu 
iam  ünplicitos  armomm  exercitio  ita  occupatos  esse,  nt  nihil 
certi  rescribere  qneant.  Ad  haec  se  cnm  metropoli  sna  ita  con- 
sociatos,  ita  confoederatos  et  fide  communi  iunctos,  nt  sine  illins 
consilio  se  ab  ea  divelli  et  distrahi  non  patiantnr.  Proinde  ad 
se  bona  fide  concionatores  a  metropoli  sna  missos  *salva  eadem«p.  553. 
fide  principi  interficiendos  dedere  non  posse  neqne  debere,  sed 
conimnneni  potins  cnm  ea  fortnnam  in  commnni  reUgione  se 
snbitnros.  Si  antem  princeps  in  animo  habeat  concionatoribns 
ad  se  missis  pericnlnm  capitis  intendere  inreqne  contra  ipsos 
experiri,  se  snos  in  nrbe  sna  indicio  pnblico  sistere  velle,  et  si 
doctornm  virornm  praesidio  ipsos  convicerit,  pro  arbitrio  in 
ipsos  animadvertat. 

Princeps  Warendorpensinm  respondendi  temeritatem  ad- 
miratnr,  qni  nnllas  admonitiones  qnantnmyis  benignas  et  fami- 
liäres admitterent,  sed  concionatomm  sibi  dedendomm  cansa 
totam  snam  rempnblicam  in  pericnlnm  coniicerent.  Armis  itaqne 
opns  esse  censet,  qnibns  ad  obedientiam  revocentnr.    Swerhusii 


*)  Die  ausfülirlichc  Schilderung  der  Vorgänge  in  Warendorf  deutet 
darauf  hin ,  dafs  Kcrss.  auch  hier,  wie  schon  früher,  u.  A.  dem  Berichte 
einer  genauen  Chronik  der  Stadt  folgt.  Vgl.  die  Einleitung.  In  Einzelheiten 
berührt  sich  seine  Erzählung  sehr  nahe  mit  der  des  D.  Lilie  S.  248 ff.  — 
Ein  Brief  des  Bischofs  an  Warendorf  aus  dieser  Zeit  ist  nicht  nachweisbar, 
doch  schreibt  er  am  21.  Oct.  dem  Erzbischofe  von  Köln  (a.a.O.  S.  262), 
dafs  die  Warendorfer  sein  Ansinnen,  die  Predikanten  anzuhalten  und  aus- 
zuliefern, abschlugen.  Ebenso  läfst  er  es  in  seiner  Instruktion  für  den 
Landtag  zu  Ahlen  am  10.  Nov.  vortragen  (St.-A.  M.  Landtagsakten).  YgL 
auch  D.  Lüie  S.  248  und  die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  1, 338). 

*)  In  der  Instruktion  zum  Landtage  zu  Ahlen  a.a.O.  heifst  es:  „Und 
wo  waU  unse  gnedige  her,  ock  z.  f.  g.  rhede  und  bevelhebber  tor  Wolbecke 
de  predicanten  und  ere  hulper  van  den  van  Warendorp  gefordert,  h ebben 
ze  de  dannoch  z.  f.  g.  mit  spitziger,  verhoenliger  antwordt 
voir  entholden. **  Danach  ist  D.  Lilie  zu  berichtigen,  der  a.a.O.  er- 
zählt, dafs  die  bischöflichen  „breve  unachtsam  unbeantwordet  bleven  unde 
worden  hengelachf  Uebrigens  hat  nur  D.  Lilie  die  Notiz,  die  Waren- 
dorfer  „schickeden  heimeliken  na  Soist,  Ossenbrugge  unde  Coisfelde,  lethen 
erforschen,  wu  de  handelden  mit  eren  predicanten.** 


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712  Anno  1534  acta. 

ergo  copiis  nondum  exanctoratis  aliisqne  gregariis  militibns  e 
21.  oct.  Septem  castellis  carptim  accitis  et  eqnitibus  non  paucis  21.  Oc- 
tobris  ^  in  crepnscnlo  matutino  oppidnm  cingitur,  castra  locantnr, 
tormenta  advehnntur,  vineae  aguntur,  machinae  bellicae  eriguntur, 
maxime  ex  adverso  portae  Amisianae  inxta  pnblicam  foricam  rix 
dnodecim  ab  urbe  passibus,  qnibns  valvae  portaram  effi-actae 
deiicerentur,  omniaqne  ad  instam  obsidionem  necessaria  appa- 
rantur.  Warendorpenses  vero  interea  per  nobilem  loannem  de 
Bueren,  baronem,  et  Hermannnm  Mengersen,  innocentium  misertos, 
nt  se  dedant,  serio  admonentur,  alioqui  futurum,  cum  princeps 
vehementer  sit  offensus,  ut  et  omnes  occidantur  et  tota  civitas 
praeda  sit  militibus  \  Quibus  verbis  adducti,  maxime  cum  viri- 
bus suis  diffiderent  neque  se  contra  tantum  martis  appäratum 
oppidum  suum  tuen  posse  animadverterent  neque  auxilium  ali- 
unde  metropoli  iam  obsessa  sperarent,  ea  conditione  deditionem 
ofiFerunt,  ne  se  armis  et  privilegiis  princeps  spoliaret.  Ad  quae 
princeps:  Se  magis  dementia,  quam  merito  oppidum  conserva- 
turum,  sed  deditionis  nullam  esse  conditioncm ;  se  clementiorem 
fuisse,  si  deditionem  fecissent,  priusquam  copias  urbi  admovisset, 
machinas  et  tormenta  magnis  suraptibus  adduxisset,  si  non  in 
hac  rerum  angustia  rebellionem  movissent.  Uli  vero  necessitate 
compulsi  se  imperata  facturos  recipiunt  urbemque  dedunt,  prin- 
'p.  554.  cipem  circa  lioram  *nonam  antemeridianam  eiusdem  diei,  quo 
oppidum  obsessum  est,  cum  omni  suo  equitatu  et  peditatu  intro- 
mittunt*.    A  depraedatione  tamen  et  direptione  intercedentibus 


*)  Dieses  Datum  giebt  auch  das  Schreiben  des  Bischofs  vom  21.  Oct. 
an  den  Erzbischof  von'Köln  a.a.O.  Ebenso  D.  Lilie  a.a.O.  Der  Bischof 
war  selbst  zugegen. 

*)  Johann  v.  Bueren  und  Hermann  v.  Mengersen  sind  auch  bei  D. 
Lilie  a.a.O.  diejenigen,  die  der  Stadt  zur  Ergebung  raten;  „anders  wher 
sine  furstlike  genade  der  emstliker  bedacht,  he  wolde  de  stat  den  rutlieren 
unde  landesskn echten  to  plünderen  overgeben,  darover  se  altosamende  er- 
worgel  mochten  werden."  Nach  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  V:V, 
dem  Her m.  Harn elmann  S.  1254  folgt,  spielte  (Job.)  v.  Raesfeld  die 
Rolle  des  Vermittlers. 

^)  Von  Verhandlungen  zwischen  dem  Bischöfe  und  der  Stadt  über 
Bedingungen  bei  der  Uebergabe  berichtet  nur  Kerss.  Die  Bürger  haben 
„sich  in  unser  gnade  und  Ungnade  ergeben  und  die  stat,    auch  die  predi- 


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Anno  1534  acta.  713 

dioecesis  ordinibns  sibi  temperant ;  in  omnes  vicos  oppidi  pede- 
stris  exercitus  effonditur,  tormenta  omnia  in  civinm  pemiciem 
ferro  snlphureoque  pulvere  foeta  in  forum  protrahuntur  ibique 
principis  iassa  foetns  snos  tantis  tonitrnis  tantisqne  fragoribns 
in  vaeaas  anras  evomunt,  ut  tota  urbs  tremeret  omnesqne  fe- 
nestrae  vitreae  circa  forum  e  sedibus  suis  excussae  dissilirent  *. 
Concionatores  interea  in  curia  a  quibusdam  senatorii  ordinis 
viris  aliisque  civibus»  capti  detinentur,  qui  abiecto  in  curia 
pallio  et  aureo  nummo  a  rege  anabaptistarum  Monasterii  per- 
cusso^  testantur  suam  doctrinam  veram  et  salutareni  esse,  sed 
cum  ab  episcopo  vim  exercente  contemnatur,  se  officio  suo  esse 
.functos;  Patrem  iniuriam  istam  vindicaturum.  Ipse  vero  prin- 
ceps  in  foro  cum  equitatu  haeret  et  moratur,  donec  conciona- 
tores isti,  totius  mali  auctores,  tradantur,  quorum  custodiam  lo- 
anni  Walen  cognomento  Schiltmaker,  iudici  civitatis,  committit; 
et  ne  quid  cives  moliantur,  vigilias  tarn  diumas  quam  nocturnas 
constituit.  Postridie  litui  sonitu  omnes  cives  et  incolas  proposita 
negligentibus  Ultimi  supplicii  poena  ad  horam  octavam  diei  23. 
Octobris  in  curiam  convocat  eoque  omnia  sua  arma,  non  quidem  »3.  oct. 
in  humeris,  sed  ulnis  deferant.    Huc  cum  venissent  armaque  sua 

«)  Ms.:  civitatibus. 


canten  in  unser  gewalt  gestolt,"  schreibt  der  Bischof  dem  Erzbischofe  von 
Köln  a.a.O.    S.  auch  D.  Lilie  a.a.O. 

^)  Ganz  ähnlich  D.  Lilie  a.a.O.:  ^Do  nn  dat  grove  geschotte  an 
cortouwen  unde  slangen  to  \Varendori>e  an  dat  marcket  quam,  gebodt  sine 
f.  g.  den  bussenschutten,  dat  sc  dat  geschutte  stellen  scholdcn  in  de  hogede 
unde  scheitern  dat  äff.  Als  dat  geschutte  affgeschotten  wordt,  dorch  dat 
grote  geludt  sint  alle  de  glasevensters  up  dem  marckede  in  den  huseren 
umbher  tobrocken,  dar  voreirst  groit  schade  geschein." 

*)  Eine  solche  Münze  schickte  der  Bischof,  wie  auch  Eerss.  gleich 
weiter  unten  erzählt,  dem  Erzbischofe  von  Köln  zugleich  mit  seinem  Schrei- 
ben am  *21.  Oct.  ein.  ^Und  schicken  hie  bey  e.  1.  zur  newikeit  ein  stuck 
golds,  welchs  der  predicant"  (Joh.  Kloprifs)  „bey  sich  gehabt  und  dem  rat 
für  geworffen  zur  urkund,  dafs  sie  vom  Herrn  gesand.**  Auch  dem  Land- 
grafen von  Hessen  übersendet  der  Bischof  am  28.  Oct.  eine  Wiedertaufer- 
münze'  mit  einem  Briefe  aus  Geseke,  in  dem  er  die  Einnahme  Warendorfs 
meldete  (Orig.  im  St.-A.  Marburg).  Ueber  die  Münzen  s.  oben  S.  6G7f. 
Vgl.  auch  S.  701. 


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714  Anno  1534  acta. 

secnm  allata  deposnissent,  ibi  princeps  omnes  literas  immimi- 
tatnm,  libertatom  et  privilegiornm  signatas  clavesque  oppidi 
sibi  dari  poscit  et  rebelles  retinctosqne  nominatim  prodi  iubet. 
Circa  vesperam  clangore  tnbae  mandat,  ne  qnis  civinm  domo 
sua  excedat,  sed  se  intra  parietes  snos  contineat,  donec  alind 
edicto  inbeat*. 

(25.)  oct.  24.  Octobris  ex  novem  Paderbornensibns  vasis  üianibns  ac 

tabulis  scena  seu  theatmm  in  medio  foro  extmitnr,  in  qno  arena 
spargitur*.  Hnc  qnatnor  concionatores  et  tres  cives  protracti 
decoUantnr  ^.  Concionatores  hoc  ordine  plectnntnr:  Grodofridus 
Stralenins,  Henricus  Ummegrovins,  Antonins  Prnmerenns,  Theo- 

•p.  555.  doricns  Alfensis;  qnomm  cadavera  rescisis  capitibus  ad  *  qnatnor 
nrbis  portas  transvecta  in  terrorem  incolamm  ac  omninm  se- 
ditiosornm  rotis  imponnntnr^.     Joannes   antem  Eloprisins  cum 


^)  Ebenso,  aber  ohne  Datumsangabe,  berichtet  D.  Lilie  S.  249  u.  251. 

*)  Der  Bischof  liefs,  sagt  D.  Lilie  S.  249,  „up  dem  marckede  itlike 
wagen  unde  tunnen  brengen;  dar  worden  bredde  overgelacht  unde  mit 
sande  besprenget** 

')  Kerss.  zeigt  sich  hier  besser  unterrichtet  als  D.  Lilie  S.  249  f. 
Neben  den  vier  Aposteln  aus  Münster  wurden  in  der  That  auch  drei  Waren- 
dorfer  Burger  (die  Namen  nennt  Kerss.  weiterhin)  hingerichtet,  nicht  nur  der 
Pfortner  Job.  Stopenborch  allein.  In  einem  Schreiben  aus  Warendorf  vom 
25.  Oct.  meldet  der  Bischof  dem  Grafen  Philipp  dem  Aelteren  von  Sohns 
(Konzept  im  St.-A.  M.),  „dat  wy  de  predicanten,  ock  eÜige  uprorische 
borger  to  unsen  banden  erlangt  und  derselven  dussen  dach^  (also  nicht,  wie 
Kerss.  angiebt,  am  24.  Oct.)  „seven  myt  dem  swerde  hebn  verrechtferdigen 
laten."  Auch  in  der  „Newen  zeitung"  S.  261  heifst  es,  dafs  aufser  den 
vier  Münsterschen  Propheten  drei  Biirger  gerichtet  worden  seien.  Yergl. 
auch  L.  Hortons  ins  S.  43.  Indem  die  Münstersche  Bischofschronik  er- 
wähnt (M.  G.-Q.  1, 338),  dafs  „burgermeister  und  rath  gefangen  imd  merck- 
liehen  geschattet,''  fügt  sie  hinzu,  es  seien  ^»et liehe  up  dem  marckede 
mitt  den  predicanten  gerichtet 

*)  So  auch  die  Bischofschronik  a.a.O.  D.  Lilie  a.a.O.  nennt  die 
einzelnen  Thore.  Er  hebt  besonders  hervor,  unter  den  Predikanten  sei  „ein 
jungelinck  vam  adell  gewest,  genant  Alffen,  dar  de  wolgebomer  Juncker 
Wilhem,  her  tom  Rennenberge  etc.,  mit  anderen  vam  adell,  ock  de  scharp- 
richter  sulvest  vor  gebeden,  mochte  wol  genade  sines  lives  erlanget  hebben. 
Dan  de  wolde  standthafftich  bi  sinen  christliken  broderen  bliven,  achtede 
up  den  dodt  nichtes.  So  vorhardet  weren  de  annen  vorforden  lüde  in  eren 
vomement  Tom  latesten  wordt  de  van  AMen  ock  enthovet  ..."  —  Ueber 
die  Standhaftigkeit  der  Apostel  heifst  es  in  der  „Newen  zeitung'  8. 261:  ^Da 


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Anno  1534  acta.  715 

anreo  nnmmo  a  rege  retinctonim  percnsso  eodem  die  archie- 
piscopo  Coloniensi  dono  mittitnr,  qni  primo  Febmarii  anni  1535 
Brenlae  igni  adindicatns  temeritatis  snae  poenas  solyit\  Gives 
vero  Saxenburgo,  nbi  capti  detinebantnr,  cum  se  retinctos  esse 
fassi  essent,  in  oppidmn  reducti  et  obtmncati  in  coemiterinm 
deferuntur,  qnoram  primus  Erpo  Hollandns,  Senator,  qui  ab 
Kloprisio  retinctus  concionatores  hospitio  exceperat  multosque 
in  aedibas  suis  retingi  passns  erat^  Seenndns  erat  Bernardns 
Bontemans  alias  Schomacker,  qni  Christi  flagellati  statnam  in 
coemiterio  cmribns  bracMisqne  discnssis  confregerat*;  tertins 
Joannes  Stopenbergius,  portae  orientalis  cnstos,  qni  per  nates 
episcopi  restim  potins  e  pilis  tortam  trahendam  esse  contnme- 
liose  dixerat,  qnam  nt  ita  in  dioecesi  pro  sno  arbitrio  et  libi- 
dine  grassetnr^  Hermannns  vero  Prie,  Henricns  Eeymensnider, 
Joannes  Prange  ac  Henricns  Mnter,  cnm  factioni  anabaptisticae 
se  implicitos  faisse  negassent,  in  carcere  Saxenbnrgico  capti 
relinqnnntnr^. 


ist  keiner  gefunden  worden,  der  da  revociren  wollt,  so  im  gleich  gnad  wird 
angeboten,  sonder  sie  singen  und  dancken  dem  Yatter,  das  er  sie  wirdig 
gemacht  hat,  für  seinen  namen  zu  leidn/ 

*)  S.  auch  D.  Lilie  S.  249.  —  Am  23.  Oct.  schreibt  der  Bischof 
aus  Warendorf  an  den  Erzbischof  (Konzept  im  St.-A.  M.):  „  ..  schicken 
wy  derselven"  (Predikanten)  ;,eyncn  Klopryfs  genompt  hyr  by  an  i.  L,  zo 
wy  erfaren,  i.  1.  denselven  ock  hyrbevorens  yn  eyner  behafftynge  mögen 
gehat  hebn.''  Joh.  Kloprifs  safs  vom  3.  April  1528  in  Köln  in  Haft  und 
wurde  am  31.  Dezember  desselben  Jahres  Ton  Th.  Fabricius  daraus  befreit. 
S.  die  oben  S.  707  Anm.  1  angegebene  Literatur  und  das  Bekenntnis  des 
Joh.  Kloprifs,  dem  am  Schlüsse  die  Bemerkung  hinzugefügt  ist:  „Uff  difs 
bekenntnifs  ist  Johan  Klopreifs  . . .  uf  den  irsten  tag  Febmarii  anno  etc. 
35  zum  Bruel  . . .  mit  deme  feur  vom  leben  zum  dode  bracht  und  ge- 
straifft  wurden.«  —  «)  Vgl.  oben  S.  709. 

')  Im  St.-A.  M.  sind  die  am  23.  October  zu  Sassenberg  gemachten 
Aussagen  einiger  Warendorfer  Bürger  erhalten  (abgedr.  bei  J.  Nies  er  t:. 
U.-S.  I.  S.  61ff.).  Darin  heifstes:  „Item  Jürgen  Bomans  bekanth,  dat 
he  yn  dmnckenheit  unwettens  to-  mytnacht  dat  beide  up  den  alden  karck- 
hove  myt  eynen  steen  en  twe  geworpen.** 

*)  Wörtlich  aus  dem  Bekenntnisse  Joh.  Stopenborch^s  a.  a.  0.  S.  62 
übersetzt  —  '^)  Als  nicht  wiedergetauft  giebt  sich  in  den  Sassenberger  Be- 
kenntnissen femer  noch  Peter  Schröder  an. 


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716  Anno  1534  acta. 

£a  animadversione  facta  civibus  libertas  commeandi  in 
:35.  oct.  urbe,  quo  velint,  permittitnr.  Hinc  die  25.  Octobris,  quae  fuit 
dies  dominica,  ceremoniae  pristinae  aliqnandin  intermissae  revo- 
cantur  et  sno  nitori  restituuntur,  qnibus  princeps  ipse  cum 
aulieis  snis,  cum  aqua  consecrata  spargeretar  et  res  divina  in 
templo  ageretur,  interfoit.  Inde  finito  sacro  cives  ad  templnm 
convocat  atque  ibi  omnia  antiqua  iura,  immnnitates  et  über- 
tates  opificum  curiis  totique  reipublicae  Warendorpensi  ob  mu- 
tatam  religionem  et  violatum  iusinrandum  viva  voce  adimit, 
literas  privilegiornm  et  reddituam  annales,  sigillum,  omnia  se- 
cretiora  oppidi  monumenta  arcolae  consignatae  inclusa,  arma 
potiora  et  machinas  bellicas^  Saxenburgiim  avehi  inbet.  Est 
antem  Saxenburgnm  arx  episcopalis  dioecesis  Monasteriensis.  Et 
cum  plerique  senatores,  Henricus  Huge  cognomento  Koppersmidt  ^ 
Joannes  Bispinck,  consules,  Henricus  Buth,  Joannes  Pagenstecker, 
•p.  556.  Conradi  filius,  quaestores,  Erpo  *Hollandus,  Henricus  Crumaker 
cognomento  Sonneken,  Joannes  Eggerdes,  Joannes  Branscho,  Ber- 
nardus  Bechemicus  et  Joannes  Heslingus  iuramenti  sui  faissent 
2.  Nov.  obliti,  totum  senatum  removit,  cuius  2.  Novembris  quosdain 
Jburgum,  alios  vero  Saxenburgnm  captos  abduci  mandat;  qui 
tandera  post  diuturnam  captivitatem,  cum  se  periuros  et  rebeJ- 
lionis  nomine  ultimo  supplicio  dignos  esse  in  publice  iudicio 
fassi  essent,  grandi  pecunia  mulctati  liberantur  et  gratiam  im- 
petrant^.     Jn  senatus  amoti  locum  sex  conspicuae  probitatis  et 


*)  Auch  die  Münstcrsche  Bischofschronik  a.a.O.  meldet,  dafs  die 
Stadt   aller  ihrer  ^Privilegien,   gerechticheit  unde  were**  entsetzt  wnide. 

*)  Wohl  irrtümlich  für  Kopperslager.    S.  oben  S.  7()9  Anm.  2. 

^)  Die  Namen  des  gröfsten  Teiles  der  Warendorfer  Ratsherren  nennt 
uns  nur  Kerss.  Zur  Sache  vgl.  D.  Lilie  S.  250,  bei  dem  es  heifst:  ^Dama 
hofft  de  furste  gofencklick  laten  nemen  den  borgermeister  Hinderick  Hugen, 
genant  Koppersieger,  meister  Hanss  Roth"  (ob  vielleicht  derselbe,  den  Kerss. 
Henricus  Buth  nennt?)  ^unde  Bemdt  van  Beckem,  de  befamet  weren  vor 
dem  furstcn,  dat  se  de  orsake  solden  sin  gewest,  dat  de  breve  des  fursten 
nicht  boantwordet  worden  unde  de  predicanten  dem  fursten  np  dat  furst- 
like  eischent  nicht  worden  overgelevert."  D.  Lilie  berichtet  weiter,  dafs 
man  den  Bürgermeister  in  Iburg,  die  beiden  Ratsherren  in  Fürstenau  ge- 
fangen setzte,  und  dafs  die  Gefangenen  nur  einer  gewichtigen  Fürsprache 
und  der  Erlegung  einer  beträchtlichen  Geldsumme  ihre  schliefsliche  Be- 
gnadigung verdankten. 


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Anno  1534  acta.  717 

fidei  viros  reponit,  nempe  loannem  Boelevinck,  loannem  Eoer- 
dinck,  loannem  Sternebergh,  Theodoricnm  Goetzen,  loannem 
Gisen  ac  loachimnm  Grasen,  qnibus  loannes  Wale  cognomento 
Schiltmaker,  index  civitatis,  anctoiitate  Frederici  a  Twisth  magni 
nominis  tnnc  temporis  apnd  principem  fretns,  etsi  a  principe 
ad  id  designatus  non  esset,  se  tarnen  ingessit^  tantnmqne  sibi 
tribnit,  nt  reliqni  sine  huius  consensn  nihil  auderent.  Inde,  ut 
princeps  fatnrae  qnoqne  rebellioni  iannam  occlnderet,  cives  in 
officio  contineret  et  insigne  violatae  fidei  exemplnm  constitueret, 
propngnacnlnm  firmissimnm  in  nrbis  parte  orientali  erigit  eiqne 
valida  praesidia  civitatis  snmptibns  snstentanda  imponit  atqne 
tormentis  Warendorpensibns  ablatis  illnd  mnnit,  cni  Swerhnsinm 
rei  bellicae  peritissimum  praeficit  ^  Beliqnos  nülites  apnd  cives 
passim  per  oppidnm  alendos  collocat".  Hoc  antem  propngnacnlam 


0  Auch  die  Namen  der  sechs  vom  Bischöfe  neu  ernannten  Rats- 
herren sind  nnr  dnrch  Kerss.  bekannt.  Die  Bischofschronik  a.  a.  0.  S.  339 
läfst  „seyen  ander  neffen  den  richter  vorordnet  to  regeren 
gesath^  werden.  Nach  D.Lilie  S.  251  setzte  der  Bischof  Bürgermeister 
und  Rat  ein,  „welcker  nicht  besluten  edder  handelen  mosten,  idt  wer  dan 
mit  der  amptlude  tom  Sassenherge"  (Friedrich  von  Twist)  „edder  richters 
willen."  Die  von  Kerss.  angeführten  Namen  finden  sich  sämtlich  in  dem 
vom  Bischöfe  aufgestellten  Verzeichnisse  der  von  ihm  für  Warendorf  er- 
nannten 12  Ratsherren,  das  er  am  19.  April  1542  dem  Amtmanne  Friedrich 
V.  Twist  mit  dem  Befehle  zusendet,  die  Ernannten  zu  vereidigen.  Johann 
Koerdinck  und  Johann  Giese  sind  darin  zu  Bürgermeistern  bestimmt  (Orig. 
im  St.-A.  M.,  Stadt  Warendorf). 

*)  Schon  am  25.  Oct.  meldete  der  Bischof  dem  Grafen  Philipp  dem 
Aelteren  v.  Solms  a.  a.  0.,  er  sei  „yn  meynonge,  aUhyr  bynnen  unser  Stadt 
Warendorp  eyn  vestnysse  to  leggen,  darmede  glickmetigen  uproer  vorge- 
komen."  Noch  an  demselben  Tage  befiehlt  er  den  Amtleuten  zu  Strom- 
berg und  Wolbeck,  alle  Amtsverwandten  „man  by  man"  für  Anfang  Nov. 
„myt  schuppen,  spaden,  hacken  unde  exen"  vor  Warendorf  zu  schicken, 
und  ebenso  den  Amtleuten  zu  Sassenberg,  Stromberg  und  Wolbeck,  dafür 
zu  sorgen,  dafs  Bauholz  geliefert  werde  (Konzepte  im  St.-A.  M.).  —  Die 
Lage  des  Blockhauses  in  Warendorf  giebt  D.  Lilie  a.a.O.  n&her  an  mit' 
den  Worten:  „De  furste  hefft  noch  ein  gewcldich  blockhues  mit  graven, 
porten  unde  weUen  bi  dem  Benthem  an  der  Oistporten  mit  einer  bruggen 
buthen  over  de  Emese  laten  leggen,  darmede  sine  f.  g.  de  stadt  gedwungen, 
konde  in-,  uthriden  unde  gain  na  siner  f.  g.  eigen  wolgefallen  unde  behach.^ 

')  Dazu  hat  D.  Lilie  a.  a.  0.  die  Notiz:  „Dama  hefft  sine  f.  g. 
sin  legger  mit  sinem  hoffgesinde  unde  perden  gelacht  in  den  Swanen  am 


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718  Anno  1534  acta. 

tantam  agricolarum  assidno  laborantinm  nmltitudinem  reqnirit, 
nt  opus  Monasterii  coeptnm  interromperetur.  Praeterea  consti- 
tnitnr  \  ne  qois  advenas  et  peregrinos  hospitio  excipiat,  qnorom 
nomina  singulis  diebus  praefecto  propngnacoli  non  transmittat; 
claves  quoque  nrbis  eo  deferendas.  Tandem  M  sex  oppidi  Waren- 
dorpensis  praefecti  aegre  ferentes  hnlas  reipnblicae  statrun  et 
iudicem  ad  communia  admitti  consüia,  imo  se  ab  eins  volnn- 
tate  pendere,  proinde  proximos  quosque  episcopo,  qnos  snbticere 
libet,  mnneribns  adorinntar  pristinam  reipnblicae  fonnam  ant 
saltem  mitiorem  petent^.  Qni  facile  principem  natura  benignnm 
et  dementem  precibns  expngnant  aliamqne  reipnblicae  fonnam 
"p.  557.  anno  1542  die  *Mercnrii  post  dominicam  Indica  impetrant*. 
1645.  Hinc  anno  1545  propngnacnli  demolitionem  conseqnnntnr'.  Tan- 

*^idi^'  ^®^  *^^^  ^^^^  ^^®  ^^^  P^^*  Antonii  abbatis  civitas  Waren- 
dorpensis  ab  eodem  principe  in  arce  Ibnrgica  omnibns  pristinis 
privilegiis  qnidem  restitnitur,  sed  modns  eligendi  senatnm  prae- 


29.  Hftrs 
1548. 


marckede,  unde  dat  voitvolck  als  de  lantzknechte  worden  yorscheideliken 
na  rotten  in  erer  betzoldunge  Tordelet  in  den  herbergen  ande  borgerhuseren, 
dar  se  van  den  besten  etten  unde  drincken  wolden;  ein  deil  betalden  er- 
liken,  dan  de  meiste  hupe  betalde  mit  der  kriten  tom  groten  unvorwint- 
liken  schaden  sommiger  borgeren.*' 

^)  Das  Folgende  berichtet  nur  Kerss. 

*)  Original  der  Urkunde  vom  29.  März  1542  im  8t.-A.  M.,  Stadt 
Warendorf.  Zwar  giebt  der  Bischof  der  Stadt  ihre  alten  Freiheiten  und 
Gerechtigkeiten  im  Ganzen  zurück,  bestimmt,  dafs  sie  wieder  landtagsf&hig 
werde,  aber  er  behält  sich  doch  einige  wesentliche  Rechte  vor.  So  verfügt 
er  hauptsächlich,  dafs  die  Ernennung  der  zwei  Bürgermeister  und  zehn 
Batsheiren  auch  femer  durch  ihn  geschehe,  und  dafs  auch  künftig  alle 
Gilden  aufgehoben  bleiben  sollen.  Dem  bischöflichen  Richter  werden  zwei 
Batsherren  als  Beisitzer  zugeteilt. 

•)  In  einer  Urkunde  vom  15.  Sept  1545  (Orig.  im  St-A.  M.  a.  a.O.) 
begiebt  sich  der  Bischof  aller  seiner  früher  sich  vorbehaltenen  Rechte  in 
Warendorf,  nur  bleibt  die  Bestimmung,  dafs  er  den  Rat  besetzt,  und  da(s 
die  Gilden  abgeschafft  sein  sollen.  Ueber  das  Blockhaus  heilst  es  dann, 
die  Warendorfer  sollen  „ock  unses  blockhuses,  so  wy  bynnen  gerorter  unser 
Stadt  upgerichtet,  mit  gründe,  boden  und  syner  alinger  in-  und  thobe- 
horinge,  wo  dat  itzt  vorhanden,  henforder  und  tho  ewigen  dagen  wedder- 
umb  gebrucken,  genethen,  besitten  und  beholden  ...  in  aller  mathen  und 
gestalt,  se  vor  erer  overfaringe  und  unser  ersten  und  dussen  begnadinge 
gedaen  hebben.^ 


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Anno  1534  acta.  719 

scribitnr,  et  curiae  opificum  ab  antiquis  libertatibns  arcentur. 
Sed  haec  omnia  et  plnra  oppidum  Warendorpense  tempore  Wil- 
helmi  episcopi  anno  1555  plenissime  recnperavit,  ita  nt  antiqna  1555. 
iura,  consnetudines,  immnnitates,  libertates  et  privilegia  in 
nnllo  imminuta  receperit  iisdemqne  in  hodiemum  diem  feliciter 
utatnr  \ 

Zuzatnm  ^  missi,  cnm  per  vicos  poenitentiam  clamitassent, 
continno  omnis  metns  expertes  inconsulti  et  impudentes  cnriam, 
in  qua  senatus  de  rebus  politicis  implicitus  consederat,  praeter 
pylori  et  ministrorum  opinionem  ingrediuntur '.  Senatum  quoque 
ad  poenitentiam    multis  verbis  invitant.    At  senatus  inusitata 


')  Urkunden  darüber  haben  sich  im  St.-A.  M.  und  in  Warendorf 
nicht  erhalten.  Die  von  Eerss.  in  genauer  Angabe  auf  den  21.  Jan.  1552 
gesetzte  Urkunde  wird  wohl  lediglich  die  Bestimmungen  vom  15.  Sept.  1545 
bestätigt  haben,  da  ja  die  Verfügungen  über  die  Einsetzung  des  Rates  und 
über  die  Gilden  nicht  ver&ndert  wurden.  Die  völlige  Rückgabe  aller  Rechte 
an  Warendorf  erwähnt  auch  D.  Lilie  a.a.O.  Er  nennt  kein  Datum,  sagt 
aber  ausdrücklich,  die  Stadt  habe  vom  Fürsten  „mit  Torbeden  unde  ge- 
schenckeden  ere  gerechticheit  mit  groter  swarhcit  erlanget,  sowol  de  ove- 
richeit  der  stadt  to  keisen  als  de  borgere  ere  ampte  to  bostedigen,  wu  se 
Yoreirst  gehadt  unde  geilain."  Vgl.  auch  die  Münstersche  Bischofschronik 
a.  a.  0.  S.  339. 

*)  Ueber  die  reformatorischen  Bewegungen  in  Soest  vgl.  besonders 
CA.  Cornelius;  M.  A.  I.  S.  %ff.  u.  252fif.,  L.  Keller:  G.  d.W.  S.  108  fif. 
u.  268 ff.  und  F.  Jostes  in  der  Einleitung  zu  seiner  Ausgabe  des  „Daniel 
von  Soest^  (Paderborn  1888).  Speziell  über  die  Wiedertäufer  in  Soest  han- 
delte noch  einmal  L.  Keller  in  der  „Zeitschr.  d.  Vereins  f.  d.  Gesch.  von 
Soest  u.  d.  Börde"*  1881/82  (Soest)  S.  45  ff.  —  Geständnisse  der  nach  Soest 
entsandten  Apostel  scheinen  sich  nicht  erhalten  zu  haben. 

')  Dafs  die  Apostel  in  Soest  gewaltsam  in  die  Ratssitzung  eindrangen, 
berichtet  auch  D.  Lilie  S.  245.  Ganz  anders  aber  war  der  Vorgang  nach 
der  Schilderung  im  Soester  Rats-Protokoll  (s.  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  I. 
S.  271  und  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  322  f.).  Es  heifst  dort:  „Anno  etc. 
XXXrV  up  Donnerdag  na  Francisci"  (8.  October;  s.  darüber  oben  S.  704 
Anm.  1)  ^quemen  acht  wedderdoper  uit  Munster  in  der  Potter- 
schen  huis,  und  dej  burgermester  laten  en  seggen  twe  mal, 
dat  sej  rumen  solden;  des  sy  nicht  wolden  doin  und  wolden 
selvest  die  heren  sprecken  etc.,  dat  sy  worden  mit  vorberaide 
ampter  und  gemeinheit  gefencklich  angenommen  ...**  Zu  einer 
persönlichen  Auseinandersetzung  zwischen  dem  Rate  und  den  Aposteln  ist 
es  danach  gar  nicht  gekommen. 


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720  Anno  1534  acta. 

reram  facie  attonitas,  nnde  cniasve  rei  gratia  qnave  confidentia 
et  temeritate  non  vocati  neqne  admissi  veniant,  inquirit;  sibi 
eam  andaciam  vim  videri.  Uli  vero  respondent :  Se  a  rege  norae 
Syonis  propheta  Del  inbente  evangelii  propagandi  gratia  able- 
gatos  esse  neqne  se  in  hac  potissimnm  re  ad  salntem  pertinente 
commeatn  et  venia  egere,  cum  regnnm  Dei  vim  patiatur  et  vio- 
lenti  illnd  ingrediantnr.  Senatns  de  civili  bono  consnltans  im- 
patiens  concionis  recedere  ipsos  inbet,  et  si  quid  velint,  more 
Znzatensis  reipnblicae  id  agant.  Uli  se  contemni  sentientes  in 
mediam  cnriam  ad  pedes  senatornm  dnos  anreos  nnmmos  pro- 
iicinnt,  qnibns  Znzatenses  verbo  et  regno  Dei  indignos  esse 
palam  testantnr^  übi  vero  cognitnm  esset  ipsos  anabaptistas 
et  a  rege  Monasterio  seditionis  concitandae  causa  ablegatos  esse, 
continuo  iussu  senatus  comprehenduntur  atque  intra  portas  suae 
23.  oct.  nrbis  23.  Octobris  gladio  caesi  in  aggere  sepeliuntur  *.  Quorum 
UDUs'  multum  confidenter  et  satis  temerarie  magna  mortis  se- 
curitate  fretus  ad  camificem  dicere  ausus  est  suum  iugulum 
eo  die  ab  illius  gladio  immunem  fore.  Sed  cum  camifex,  ut 
id  secum  experiatur,  respondisset,  tanta  vi  gladium  in  hunc 
vibrat,  ut  triplicem  cervicem  facile  penetravisset. 


*)  So  erzählt  auch  D.  Lilie  a.a.O.:  „. . .  woipen  der  stucke  geldes 
itlike  densulvigen*'  (dem  Rate)  „vor  de  vothe  mit  dem  bovelle  des  koninges, 
wu  Torg.  steit.**  Der  Befehl  des  Königs  lautete  nach  D.  lilie  S.  244: 
^Welcker  stede  er  wordt  nicht  wolden  annemen,  scheiden  se  in  ein  ge- 
tuechnisse  der  stucke  goldes  ein  edder  twe  van  sick  werpen,  darmede  se 
dem  Vader  in  de  straffe  gefallen  solden  sin." 

^)  Nach  dem  Soester  Rats-Protokolle  zögerte  der  Rat  mit  der  Be- 
strafung der  Apostel  noch  so  lange,  bis  die  Aemter  und  die  Gemeinde  „up 
gudenstach  na  Sunte  Gallen**  (21.  Oct.)  „tosecht  . . .,  wes  er  und  recht  be- 
vollen, dat  8j  de  wedderdoper  und  de  genne,  de  sy  husede  und  herbergede, 
solle  strafen,  dat  de  rait  na  rechte  straiffe;  sy  willen  by  den  raidt  liff  und 
gut  setten  und  darby  stain,  ock  derglicken  tegen  de  genne,  de  mit  den 
wedderdopem  tof eilen,  dergliken  to  straiffen.''  Als  Tag  der  Hinrichtung 
giebt  auch  das  Rats-Protokoll  den  23.  October  an.  D.  Lilie  nennt  kein 
Datum.  Er  sagt:  „Unde  als  de  gemeine  man  van  den  Straten  vorschotten, 
worden  se  twisschen  de  porten  unde  welle  gebracht^  de  porten  togewaret, 
undc  dar  van  dem  scharprichter  ein  na  dem  anderen  enthovet  unde  daraa 
in  de  welle  begraven.** 

')  Das  Folgende  berichtet  nur  Kerss. 


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Anno  1534  acta.  721 

*Coesfeldiam  missi^  diversis  in  locis  mactantnr,  ut  discreta*p.  558. 
et  mnlta  perfidiae  seditionisqne  motae  exempla  statnerentnr. 
Quatnor  eoroin  circnm  nrbem  ipsam,  qnintns  Horsthmariae,  sextus 
Borkenae,  septimus  Bocholdiae,  octavus  autem  Vredenae  prae- 
cisis  capitibus  rotis  imponimtnr.  Omnes  autem  se  a  propheta 
Dusentschuer  misere  seductos  qneruntur*. 


')  üeber  das  Auftreten  der  Apostel  in  Coesfeld  sind  nähere  Nach- 
richten nicht  bekannt  Schon  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  167  hat  darauf  hin- 
gewiesen, dafs  B.  Sökeland:  Gesch.  der  Stadt  Coesfeld  (Coesfeld  1839) 
S.  94  irrt,  wenn  er  behauptet,  die  Stadt  sei  von  jeder  Hinneigung  zum 
Anahaptismus  frei  geblieben.  Zu  früheren  religiösen  Bewegungen  in  Coesfeld 
vgl.  oben  S.  415  ff.,  434  f.,  469  u.  534.  Auf  die  Frage,  ob  in  Coesfeld  Wieder- 
täufer seien,  antwortet  Dionys.  Vinne  (M.  G.-Q.  II,  277):  „He  hebbe  wol 
gehört,  dat  binnen  Coisfelt  ein  deil  sin  sollen;  wette  nicht, 
wy  vil.'*  Herrn.  Regewart  sagt  aus  (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  31):  „onune 
sy  van  Schlachtschaep  beyegent,  dat  bynnen  Coisfeld  aver  hundert 
gedopt,  de  se  aldar  fynden  und  troesten  solden.**  —  Der  Bischof  schrieb 
am  21.  Oct.  dem  Erzbischofe  von  Köln  (a.a.O.  S.  262),  er  habe  die  Aus- 
lieferung der  acht  Apostel  vom  Coesfelder  Rat  gefordert;  sie  sei  „bis  her 
noch  gewegert.  Darumb  wir  die  auffs  emstlichst  nachmals  beschriben.'^ 
Der  Bischof  ist  entschlossen,  sich  mit  Gewalt  Gehorsam  zu  erzwingen.  Die 
erste  Aufforderung  an  den  Rat  hatte  der  Bischof  bereits  am  16.  October 
ergehen  lassen  (Orig.  in  der  Bibliothek  des  Altertumsvereins  zu  Münster, 
Mscr.  101).  Am  21.  Oct.  wiederholte  er  seinen  Befehl  mit  dem  Bemerken 
(Orig.  aus  Warendorf  ebendas.),  „so  gy  dar  ynn  vemer  weigerong  vor- 
wenden . . .  werden  wy  des  in  ander  wege  verdacht  zin.^  Erst  daraufhin 
gehorchte  die  Stadt,  lieferte  die  acht  Apostel  dem  Rentmeister  zu  Horstmar 
aus  und  erhielt  am  1.  Nov.  vom  Bischöfe  und  Domkapitel  die  urkundliche 
Zusage  (abgedr.  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  75  ff.),  „dat  zodane  overlatinge 
geroerter  gefangen  unser  stadt  Coifsfelt  itzund  edder  na  dossem  dage  an 
eren  Privilegien  und  gerechticheiden  unaffbrechlich  sali  syen  und  bliven.'^ 

')  Der  Vollzug  der  Strafe  an  den  nach  Coesfeld  entsandten  Aposteln 
ward  lange  hinausgeschoben.  Die  uns  im  St-A.  M.  erhaltenen  Geständ- 
nisse des  Herm.  Regewart,  Joh.  Beckmann,  Bemh.  Focke  und  Joh.  Essens 
datieren  erst  vom  3.  Dez.  Von  Jak.  v.  d.  Grave  und  Julius  y.  Franeker 
sind  nur  ganz  kurze  Aussagen,  von  Barthol.  Neteler  und  Egb.  Wideman 
gar  keine  bekannt  Auf  einen  Teil  der  in  Coesfeld  verhafteten  und  dem 
Bisehofe  überlieferten  Apostel  scheint  sich  der  Befehl  des  Bischofs  vom 
23.  Januar  1535  aus  Horstmar  an  den  Amtmann  zu  Ahaus  zu  beziehen 
(Konzept  im  St.-A.  M.),  in  welchem  dem  Amtmanne  geboten  wird,  von 
den  gefangenen  Wiedertäufern  einen  in  Ahaus,  einen  in  Yreden,  einen  in 
Borken  und  einen  in  Bocholt  hinrichten  zu  lassen.  Aus  den  Akten  eigiebt 

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722  Anno  1534  acta. 

Osnaburgam  ablegati  ^  primum  domum  Ottonis  Spikers  in- 
gressi  sunt  existimantes  hunc  esse  snae  farinae  hominem,  hoc 
est  de  Sorte  anabaptistica.  Cui  cum  narrassent  ^,  cuius  rei  gratia 
venissent,  dnos  simul  aureos  et  regios  nuinmos  in  testimonium 
se  a  Patre  missos  ad  pedes    illins    proiiciunt.     Ille  vero  humo 


sich  nur  noch,  dafs  die  Stadt  Coesfeld  wiederholt  für  die  Begnadigung 
ihres  Mitbürgers  Joh.  Essens  eingetreten  ist,  der  in  seinem  Yerhöre  (J. 
Nies  er  t  a.a.O.  S.  39)  aussagte,  er  sei  nur  durch  Verwundung  und  Krank- 
heit in  Münster  zurückgehalten  worden,  und  „dat  he  jemerlich  myt 
der  wederdope  v  er  fort  . . .,  und  beger  gnade."  Schon  in  seinem 
Schreiben  am  1.  Nov.  versprach  der  Bischof  der  Stadt:  „Wj  willen  . . . 
juwer  vorbeden  in  behoiff  des  yungen  knechtes,  Johan  von  Essen  genompt, 
to  syner  tyth  gedechtich  syn."  Am  16.  Jan.  1535  wiederholte  Coesfeld  die 
Bitte  für  den  Gefangenen  (Orig.  im  St.-A.  M.).  Ob  dem  Gesuche  Folge 
gegeben,  und  w^ann  an  den  einzelnen  Aposteln  die  Strafe  vollzogen  wurde, 
läfst  sich  nicht  mehr  feststellen.  —  Irrig  ist  die  Darstellung  D.  Liiie's 
S.  245,  der  die  Gefangenen  sofort  peinlich  verhört,  „na  körten  dagen  .  . . 
enthovet  unde  up  ein  radt  ider  vor  sick  vor  de  Stadt  gelacht"  werden  läfst. 

^)  Die  folgende  Schilderung  Kerss.'s  von  den  Vorgängen  in  Osna- 
brück hat  grofse  Aehnlichkeit  mit  der  Erzählung  D.  Lilic's  S.  246  f^ 
nicht  selten  fast  wörtliche  üebereinstimmung.  Beide  schöpfen  aus  Be- 
richten des  H.  Graes,  die  sie  gelegentlich  selbst  als  ilire  Quelle  namhaft 
machen  (vgl.  für  Eerss.  oben  S.  703,  für  Lilie  F.  Runge  in  der  Einleitung 
zu  seiner  Lilie -Ausgabe  S.  52  ff.  und  in  der  Ausgabe  selbst  S.  251  f.). 
Leider  sind  die  Aussagen  des  H.  Graes  jetzt  nur  noch  bruchstückweise 
bekannt.  Näheres  darüber  s.  in  der  Einleitung.  —  Wenn  D.  Lilie  unter 
den  Aposteln  „Cup  ers  Ho  Ischers"  nennt,  so  sind  darunter  die  von  Kerss, 
nach  dem  Apostel-Verzeichnisse  erwähnten  Petrus  Kueper  und  Joannes 
Scheffer,  calopodiarii  minister,  zu  verstehen.  Von  Aussagen  der  Osna- 
brücker Apostel  sind  uns  aufser  vereinzelten  des  H.  Graes  nur  noch  die 
des  Dionys.  Vinne  und  des  Joh.  Boentrup  erhalten.  Letztere  sind  über- 
gegangen in  die  „Newe  zeitung"  S.  265 1.  Ein  gleichzeitiger  Bericht  über 
das  Auftreten  der  Apostel  in  Osnabrück  liegt  sonst  nur  noch  in  der  „Newen 
Zeytung"  (P.  Bahlmann:  Bibl.  1534  Nr.  9)  Bl.  A  !▼  u.  A  2  vor  in  einem 
Briefe  des  Bischofs  an  den  Herzog  Philipp  von  Braunschweig-Grubenhagen. 
—  Zur  Sache  s.  auch  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  178 f. 

*)  Das  Folgende  ganz  übereinstimmend  mit  D.  Lilie,  der  die  Wie- 
dertäufer auTser  nach  Otto  Spiker  auch  noch  nach  Joh.  Ertmann  fragen 
läfst.  Beide  Osnabrücker  Bürger  waren  bekannt  durch  ihre  hervorragende 
Teilnahme  an  dem  Obergschen  Aufstand  vom  Jahre  1525.  Siehe  D.  IJlie 
S.  192f.  VgL  C.  A.  Cornelius:  M.  A.  L  S.  8  und  C.  Stüve:  Gesch. 
des  Hochstifts  Osnabrück  Bd.  2  (Jena  1872)  S.  33  ff. 


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Anno  1534  acta.  723 

toUens  nummos:  „Gratias,"  inqnit,  „agite  Patri  vestro  pro  mn- 
nere  isto  mihi  misso,  sed  renunciate  üli  me  vestrae  factionis 
non  esse!  Metaendnm  antem  est,  nisi  vobis  accaratias  prospexe- 
ritis,  ne  non  ista  miinera  vobis  exitio  sint  futura."  Verum  bis 
nihil  moventur.  In  omnes  enim  vicos  nrbis  effasi  quasi  amentes 
cursitant  vociferantes  poenitentiam  et  vitae  superioris  emen- 
dationem,  quos  magna  iuvenum,  opificum  aliorumque  hominum 
insuetos  clamores  admirantium  multitudo  ad  forum  usque  per- 
sequitur  concionesque  audit*.  Senatus  vero  per  iuratos  suos 
satellites  apostolos  illos  apprehendi  et  in  carcerem  seu  turrim 
a  capro  cognominatam  abduci  iubet*;  quam  mox  magna  lanari- 
orum  turba  circumstat  psalmosque  vernaculos  sine  intermissione 
cantillaf^,  quae  seris  discussis  ipsos  carcere  liberasset,  nisi  se- 
natus proposita  Ultimi  supplicii  poena  vim  fieri  vetuisset.  Se- 
natus tarnen  intra  sua  moenia  populärem  seditionem  metuens 
principi  rem  totam  per  literas  significat  atque  unum  captivorum 
esse,  qui  se  vel  ad  principem  ipsum  vel  ad  consiliarios  suos  in- 
timos  coUoquendi  causa  admitti  cupiat;  ipsum  enim  de  re  non 
communi,  quae  parum  momenti  habeat,  sed  quae  ad  salutem  et 
conservationem  totius  dioecesis  Monasteriensis  finitimarumque 
regionum  pertineat,   dicturum*.     Proinde  princeps  Wilhelmum 


*)  So  heifst  es  auch  in  der  „Newen  Zeytung**:  „. , .  Die  sechs,  so 
nach  Osenburg  vergangen  donerstag"  (15.  Oct.)  „kommen  seind  . . .,  haben 
auflf  der  gassen  hin  und  herwider  geruffen :  Bessert  euch,  bessert  euch ;  der 
Vatter  ist  erzürnet  und  will  straffen!  und  fürder  understanden,  iren  irtthumb 
in  der  statt  zu  predigen." 

*)  In  den  Bucksturm.  Nach  der  „Newen  Zeytung"  haben  Bürger- 
meister und  Rat  die  Predikanten  „haifsen  weichen  aus  der  stat,  und  so 
sie  solliches  nicht  haben  thun  woDen,  haben  sie  dieselbigen  gefencklich 
angenommen.'' 

^)  Auch  bei  D.  Lilie  sind  es  „vele  wuUenknapen  und  andere  handt- 
werckesvolck  van  borgeren  unde  knechten  ...  de  dudesschen  psalme  undo 
lovesenge  ein  umb  den  anderen  sungen."  Nach  Herm.  Hamelmann 
S.  1132  gehen  die  Gefangenen  „gaudentes  et  canentes  ad  carcerem.  Plebs 
vero  laetitia  et  cantu  eorum  non  leviter  movebatur,  quia  adeo  concitabatur, 
ut  vellet  omnino  eos  dimittendos  et  restitnendos  libertati.'' 

*)  D.  Lilie,  der  dem  Landesfursten  die  Gefangennahme  der  Predi- 
kanten anzeigen  und  ihn  um  Rat  fragen  läfst,  erwähnt  Nichts  von  einer 
Mitteilung  über  den  beabsichtigten  Verrat  des  H.  Graes. 

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724  Aimo  1534  acta. 

Staell  ^  cnm  eqnitibas  quibusdam  ac  bombardigeris  captivos  pe- 
titum  ablegat,  qni  in  crepnsculo  matntmo,  prinsquam  circnm- 
fnsa  hominum  frequentia  e  stratis  ezcitata  vicos  oppleret,  apo- 
stolos  a  senatu  deditos  et  compedibns  vinctos  dnobns  cumbns 
ünponnnt  secnmqne  Ibnrgnm  abducnnt  l  Et  ciun  princeps  snper 
*p.  559.  mumin  "^Ibnrgicae  arcis  obambnlaret^  adventom  captivomm  ta^ 
citus  aspiceret,  Henricns  Grasins  agnoscens  principem  Latine  sie 
exclamat:  „Non  princeps  potestatem  habet  dimittere  Yinctnm'?'' 
Qnibns  verbis  favorem  principis  sibi  conciliavit.  Ex  bis  Gode- 
fridns  Stralenins  in  carcere  mortuns  inxta  Ibnrgici  templi  coemi- 
terinin  sepnltns  est^.  Quatnor  vero  seditionis  concitatae  sen- 
tentia  morti  adindicati  praecisis  capitibns  in  Stalbiinco  rotis 
imponnntnr^.  Henrioum  antem  Grasinm  aliis  rebus  conficiendis 
fata  reservabant.  Hie  cnm  principi  omnia  baptistanun  secreta 
et  qnam  expeditionem  oppressionemqne  in  animo  habeant,  qnos 
popnlos  in  praesidinm  expectent,  retnlisset,  si  gratiam  admissi 
flagitii  conseqnatnr  et  vita  a  principe  donetnr,  porro  promittit 
se  ea,  qnae  et  reipnblicae  et  illios  maxime  intersint,  effectumm 
et,  qnomodo  nrbe  sine  mnlto  sangnine   potiator,  ostensurom^ 


^)  Er  war  Amtmann  zu  Ibnrg.  —  ')  Ansf&hrlicher  eiz&hlt  D.  Lilie 
den  Hergang :  „Do  idt  quam  an  den  morgen  unde  dat  volck  was  yorschotten, 
leihen  se  de  gefangen  ein  na  dem  anderen  nth  des  Backes  tome  na  der 
Hegerporten  nth.  Dat  gemeine  Tolck  was  nha  Sunte  Johannis 
porten  vorlopen,  yormeinten,  de  predicanten  solden  dar  nth- 
gefort  werden.*'  Bei  Herm.  Hamelmann  a.a.O.  wird  das  Gerücht, 
die  Gefangenen  sollten  Tor  dem  Johannisthore  dem  Bischöfe  ausgeliefert 
werden,  absichtlich  von  den  Bürgermeistern  und  Anderen  ausgesprengt. 

')  Ehenso  D.  Lilie.  Er  setzt  hinzu:  „Als  dit  sine  f.  g.  horde,  ge- 
bodt  he  den  sinteren,  dat  men  den  gefangen  solde  allene  oyer  de  sidt 
setten.**  —  Heinrich  Graes  war  aus  Borken  gebürtig.  H.  Gresbeck  sagt 
S.  d4  yon  ihm,  er  »plach  ein  schoelmeister  tho  sein  in  der  stat* 

*)  So  auch  D.  Lilie.  Kerss.  aber  hat  schon  oben  S.  714  gani 
richtig  en&hlt,  da(s  Gottfr.  Stralen  als  einer  der  nach  Warendorf  ent- 
sandten Apostel  dort  hingerichtet  wurde.  Welcher  Osnabrncker  Apostel 
vor  der  Bestrafung  yerstarb,  Iftfst  sich  nicht  feststellen. 

*)  D.  Lilie  setzt  die  Hinrichtung  der  Apostel  zeitlich  in  den  Advent. 

*)  D.  Lilie  S.  251  f.  berichtet,  wie  H.  Graes  in  ein  hesonderes  Ge- 
mach geführt,  ihm  Papier  und  Tinte  gereicht  wurde,  und  wie  er  dann  alle 
„naireseehe  boyerie,  so  se  binnen  gehandelt . .  .,*  auTserdem  auch  ^de  kant- 
Bchoff  edder  ansclege,  so  se  butfaen  in  den  Nedderlendesachen  steden  ge- 


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Anno  1534  acta.  725 

Princeps,  com  in  Grasii  yita  ant  morte  pamm  momenti  situm 
esse  pntaret,  ea  qnidem  lege  annuit,  si  in  urbem  revertatnr 
clancnlnm  scitatnm  omnia  regis  secreta  et  qnae  oppida  ipsi  sint 
confoederata.  Qnod  se  ex  fide  cnratunun  recipit^.  Compedibns 
itaque  vinctns  noctomo  tempore  oppidanis  non  sentientibns  biga 
ad  nrbem  vehitnr.  Inde  a  yigüibns  matntina  Ince  exorta  agnitns 
incredibili  gandio  et  psalmonun  yernacnlonim  modnlamine  ex- 
cipitnr  et  ita  vinctns  ad  regem  defertnr  *.  Ibi  satis  miserabiliter 


hadt,''  anfzeichnete.  Von  diesen  Bekenntnissen  des  H.  Graes  scheinen  die 
im  St.-A.  M.  erhaltenen  und  dem  gröfsten  und  wesentlichsten  Teile  nach 
in  die  „Newe  zeitung"  S.  262  flf.  übergegangenen  nur  Bruchstücke  zu  sein. 
—  Ueber  die  von  H.  Gracs  gegebenen  Zusagen  läfst  der  Bischof  durch 
seine  Räte  auf  dem  Tage  zu  Wonns  im  April  1535  vortragen,  Graes  habe 
zu  verstehen  gegeben,  „wo  men  ine  bei  dem  leben  und  in  Munster  widder 
wolt  laissen  zehen,  wolt  er  die  anschlege  machen  und  finden,  welche  er 
dan  auch  zum  tcill  angezeigt,  das  m.  g.  h.  die  stat  solte  erobern  on  enig 
blub-ergiefsen.  Wo  aber  ime  dasselbig  mislingen  . . .  wurde,  wolt  er  sich 
seiner  anschlege  weiter  erkundigen  und,  waer  auff  sie  sich  weiter  vertroisten, 
auff  das  genauwst  erfaren  und  alsdann  widder  ausfallen  und  solichs  m.  g. 
h.  . . .  anzeigen  und  sich  des  auffs  höchst  verschreiben  und  verbürgen^ 
(St.-A.  M.  M.L.A.  518/19  VIII.  fol.  43). 

^)  In  der  Instruktion  für  Worms  a.  a.  0.:  „Als  nun  mein  g.  h.  ime 
dasselbig  ein  weill  nit  haben  durffen  vertrauwen,  haben  doch  s.  f.  g.  nach 
viele  mit  ime  gehapte  nnderhandlung  zu  letst  im  rath  gefunden,  so  doch 
nit  vil  an  einen  gelegen,  ob  er  gleich  nit  hielte,  und  denselbigen  das  leben 
zugesagt,  gelubd  von  ime  genomen,  seinen  zusagen  nachzukomen.^  Einer 
Fassung  der  Bekenntnisse  des  H.  Graes  im  St.-A.  M.  a.  a.  0.  lY.  fol.  218  f. 
ist  die  Notiz  hinzugefügt:  „So  de  vorgemelte  möge  myt  etlichen  volcke 
von  m.  g.  h.  u.  f.  versorget  werden,  will  he  alsdan  m.  g.  h.  de  Stadt  Munster 
in  5  dagen  ungeferlich  leveren;  des  will  he  szick  verplichten  mit  11  hundert 
goltgulden,  so  em  erfftals  tho  Borken  thokomen.^ 

^)  Auch  nach  der  Instruktion  für  Worms  a.  a.  0.  ist  H.  Graes  ^mit 
den  fesseren,  gleich  ob  er  ufsgebrochen,  heimlich  bey  nacht''  vor  die  Stadt 
geführt;  „und  als  er  sich  vor  der  stat  angeben,  haben  sie  in  mit  grofsen, 
froligen  lobsang  und  dancksagung,  gleich  ob  ime  der  Yatter  also  seiner 
gefencknuTs  hette  wunderlich  und  mirakelsweyfs  erledigt,  empfangen  und 
eingefnrt.*'  Von  den  Fesseln  spricht  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus 
Bl.  y  6%  der  aber  (und  ihm  folgt  Herm.  Hamelmann  S.  1256 f.)  in  dich- 
terischer Phantasie  mit  der  Rückkehr  des  H.  Graes  nach  Münster  die  Be- 
freiung des  jungen  Christoph  v.  Waldeck  in  Verbindung  bringt.  Vgl.  oben 
S.  664  Anm.  3.    Nach  D.  Lilie  S.  252  wurde  „Hinricus  Graes  bi  nacht- 


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726  Anno  1534  acta. 

et  cum  lachrimis  Actis  quidem  commemorat,  quantis  discrimini- 
bns  et  pericülis  evangelii  nomine  implicitus  fderit,  qnibns  tor- 
mentis  reliqui  apostoU  secmn  emissi  ab  impiis  ethnicis  et  regni 
Dei  hostibns  afQicti  perierint*;  se  vero  solmn  Patris  nutu  reser- 
vatnm,  nt  homm  omninm  regins  nuncios  esset.  Bex  compedes 
discussis  clanstris  laxari  iubet  et,  quomodo  hnc  translatus  sit^ 
perqnirit.  Ad  qnae  ille :  Se  snperiori  nocte  insueto  Imninis  fol- 
gore  in  obscuro  carcere  Ibnrgicae  arcis  septnm  angelnm  Dei  ad 
se  yenientem  vidisse,  qni  apprehensa  mann  sna  se  ab  indicto 
sibi  in  hnnc  diem  capitali  indicio  clementer  eripuerit,  qni  a 
tyrannica  impiormn  crndeKtate  se  liberavit,  ne  in  se,  nt  in  alios 
confratres  snos,  pro  Kbidine  sna  saeviant,  qni  in  profnndissimo 
♦p.  560.  sopore  hnc  ad  nrbem  se  admirando  modo  vexerit,  *et,  ne  qnis- 
qnam  de  hac  stnpenda  Patris  liberatione  ambigat,  compedes  istas 
esse  hostinm  et  secnm  hnc  per  angelnm  esse  translatas,  nt  rex 
Israhelis  et  totns  popnlns  Dei  in  sancta  hac  nrbe  videat,  qnam 
ineffabili  ratione  Pater  snis  adesse  eosqne  tneri  et  ab  exitialibns 


tiden  gelaten  dorch  de  blockhuser  mit  einem  stocke  als  ein  armer  bedeler.** 
H.  Gresbeck  giebt  nicht  genauer  an,  wie  der  Verräter  in  die  Stadt  zurück- 
kehrte. Er  sagt  nur  S.  115:  „So  heft  innen  dat  volck  wilkhomen  geheitten 
und  hebben  ime  die  haut  gedain  und  hebben  innen  für  den  munt  gekusset 
mit  einen  freden." 

^)  „Sagt  inen  an,  wie  mit  den  andern  gehandelt  wurde,"  heilst  es  in 
dem  Bekenntnisse  des  Zillis  Leitgen  (J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  137).  H. 
Gresbeck  S.  114 f.  berichtet  ausführlich,  wie  der  Konig  zunächst  gute 
Nachrichten  über  den  Erfolg  der  Apostel  erhielt,  dann  aber  von  ihrer  Ge- 
fangennahme und  von  dem  Falle  Warendorfs  erfuhr.  „Do  was  ein  bedrovet 
hoep  binnen  Monster.  **  Doch  verstand  der  König  das  Volk  zu  trösten  mit 
den  Worten:  „datselve  moiste  so  geschehn,  dat  wer  Goddes  wille,  dat  sie 
sterven  meisten,  wante  na  den  predicanten  sollen  noch  ander  predicanten 
khomen,  die  noch  Goddes  wort  sollen  viel  clarlicher  austrucken  und  pre- 
digen." So  gesteht  denn  auch  am  6.  Dez.  Joh.  Kettel  van  Tiel  in  seinem 
Verhöre  (M.  G.-Q.  II,  292):  „Se  wetten  dair  binnen  wal,  dat  de  predicanten^ 
de  se  uthgesant  hadden,  umb  de  helse  sint  Dair  seggen  se  to,  dat  zy 
des  YaldeVs  wille,  de  Yader  mote  danck  hebben."  Die  «Newe 
zeitung"  hat  S.  266  nach  Joh.  Boentmp^s  Aussage  die  Notiz,  dafs  den 
Aposteln  geboten  war,  „so  sie  in  gefencknis  kemen  . . .,  das  sie  das  in 
Münster  nicht  schreiben  selten,  auff  das  die  brüder  nicht  in  Schwermut 
mochten  kommen,-«  sonder  selten  allein  gen  Sofst  schreiben  an  den  pro- 
pheten^  (Dusentschuer).    S.  auch  ebendas.  S.  262. 


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Anno  1534  acta.  727 

periculis  eripere  et  possit  et  velit*.  His  multisqne  aliis  verbis 
regi  fidem  facit  se  divinitus  per  angelum  Dei  a  tyrannide  san- 
guinariorum  solutum  esse,  quamvis  auKcis  quibnsdam  perspica- 
cioribus,  quibus  haec  res  snspecta  esse  coeperat,  aliter  visum 
sit*.  Vicit  tarnen  credentium  multitndo.  Befert  etiam,  qnanti 
passim  in  orbe  motns  novae  Sionis  gratia  per  christianos  fratres 
excitentur;  qni  si  ducem  habeant,  fore,  ut  hostibus  intemecione 
deletis  liberam  hanc  sanctam  civitatem  ab  omni  impressione, 
persecntione  et  periculo  reddituri  essent.  Inde  ita  animo  regio 
se  insinuavit,  nt  ad  omnia  consiKa,  quantnmvis  arcana,  admit- 
teretur.  Hie  in.  omnibns  concionibus  a  rege  aliisqne  ecclesiastis 
in  hoc  novo  non  aliter,  quam  Abrahamns  in  veteri  regno  Israbe- 
litico  tanquam  fortis  fidei  exemplnm  proponitur.  Tandem  vatici- 
nandi  munere  propheticoque  spiritn  ipsum  pollere  non  dnbitatur; 
designatur  ergo  propheta^. 

Verum  Grasius  vehementer  sibi  metuit,  ne  fabula  ista  et 
dolus  compositus  aut  per  transfugas  aut  per  captivos  in  per- 
niciem  sui  prodatur.  Longam  enim  in  urbe  manendi  moram 
sibi  exitium  certissimum  allaturam  non  dubitat.  Proinde  occa- 
sionem  commodam,  qua  bona  pace  a  rege  dimittatur,  quaerit*. 
Quare  cum  rex  in  solio  suo  controversias  populi  sui  auditurus 
consideret  et  maiestate  undique  cinctus  fastum  suum  ostentaret, 
Grasius  furore  prophetico  concitatus  coram  rege  vociferatur :  sibi 


')  Aehnlich  berichten  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  VB^  u.  V  7 
und  L.  Horte nsius  S.  40,  Tvährend  D.  Lilie  davon  Nichts  erwähnt. 
Nach  H.  Gresbeck  S.  116  erzählte  H.  Graes,  „wie  dat  hei  uth  der  ge- 
fencknisse  ifs  gekhomen,  wie  dat  hei  uth  einem  finster  ifs  gefallen  und  wie 
dat  hei  ifs  bei  nachte  gegain,  ehe  dat  hei  ifs  an  die  hillige  stat  gekhomen/ 

^)  Auch  D.  Lilie  a.a.O.  fuhrt  an:  „De  koninck  gaff  em  geloven, 
dan  ein  deil  mistwivelden  daran,  bevulbordeden  nochtan  datsulvige  mit  em, 
dat  deVader  em  uth  der  gefencknisse  geholpen  hadde,  umb  kuntschop  to 
geven  van  den  anderen  broderen,  de  mit  em  uthgesandt  weren.'' 

^)  Nach  H.  Gresbeck  S.  94f.  war  H.  Graes  schon  früher  unter 
die  Zahl  der  Propheten  gerechnet  worden. 

*)  Ganz  ähnlich  heilst  es  bei  D.  Lilie  S.  253:  „Dan  ein  ider  kan 
wol  dencken,  wu  em  to  herten  gewest  is:  wanner  gefangen  dar  enbinnen 
hedden  gekomen,  de  kuntschoff  van  em  gefort  hedden,  moste  he  eine  grote 
yhar  hebben  gestain.  Dammme  ilede  he  in  sinen  ansclegen,  dat  he  orsake 
mochte  krigen,  darmede  he  wedder  uth  der  stadt  mochte  gesandt  werden.^ 


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728  Anno  1534  acta. 

a  Patre  divinitns  revelatnm  esse,  nt  christianos  fratres  Wesaliae, 
Daventriae,  Amstelrodami  et  per  totam  Grermaniam  inferiorem 
dissipatos  in  nnnm  exercitmn  ad  liberandam  nrbem  colligat;  se 
aliqnot  millia  armatorum  in  omninm  principnm  Oermaniae  inter- 
necionem  et  nrbis  Israheliticae  liberationem  coactnmm ;  se  illnm 
fore,  qni  noyam  Hyerosolymam  abactis  hostibns  ab  obsidione 
liberaturus  sit;  se  certa  fidncia  rei  feKciter  conficiendae  fretum 
in  gratiam  confratram  snorom  hanc  peregrinationem  libenter 
"p.  5<5i.  snsceptumm  et  hoc  pericnlnm  *sponte  sua  Patre  volente  snb- 
itnmm ;  omnes  fratres  ad  praesidium  ferendnm  esse  paratissimos, 
si  saltem  certo  indicio  regis  animmn  cognoscant^  Bege  itaqne 
anctore  et  extimnlante  Wesaliam  atqne  in  alias  civitates  eodem 
schismate  infectas  se  profectnmm  recipit,  ut  confoederatomm 
nnmerum  suo  dogmate,  cum  propheta  a  rege  haberetnr,  angeat, 
illnstret  et  confirmet,  hinc  eosdem  in  praesidium  novae  Syonis 
ad  arma  concitet.  Fidei  autem  plenioris  faciendae  gratia  scriptum 
illi  annulo  signatorio  maiori  regis  munitum  traditur  in  haec 
verba  *: 

„Nos  Joannes  rex  iustus  novi  templi  et  minister  Dei  al- 
tissimi  omnibus  et  singulis  christianis  fratribus  foedere  nobis 
consociatis  Ms  nostris  scriptis  notum  facimus,  quod  hunc  gram- 
matopborum  Henricum  Graes,  prophetam  Patris  coelestis  inspi- 


')  Vgl.  zur  Sache  das  Bekenntnis  Bernh.  Krechting's  vom  25.  Juli 
1535  (M.  G.-Q.  II,  380),  nach  dem  H.  Graes  gesagt,  „dat  hy  van  dem 
Vader  der  gefenckenis  verlost  wer,  und  dair  neist  verkündigt  hy  oen  ein 
onteillich  volck,  und  das  so  voel,  als  der  stemen  in  dem  hemel  und  des 
zantz  in  dem  meher  wer,  erweicken,  dieselve  to  sampt  den  steden  als  Wesel, 
Amsterdam,  Deventer  und  ander  oen  bystaen  und  to  hulp  komen  solden.* 
Johann  v.  Leiden  gesteht  am  gleichen  Tage  (M.  G.-Q  II,  373),  wie  H. 
Graes  geäufsert  habe,  „hy  die  brueder  in  dem  Watterlande  und  sus  aller- 
wegen upbrengen  und  sie  dair  raede  ontsetten  wolde."  Nach  Enipperdol- 
ling's  Aussage  (M.  G.-Q.  II,  378)  hatte  H.  Graes  erzählt,  „wie  hy  in  einer 
Visionen  und  getuegnifs  gesien  heb,  dat  vuel  volcks  hy  ein  ander  komen 
und  sie  erloefsen  solde,  und  dat  hy  dair  hinnen  reisen  und  up  ein  seker 
ure  by  sie  sin  moeste."    Vgl.  auch  L.  Hortensius  S.  40. 

*)  Nur  durch  Kerss,  überliefert.  In  der  Instruktion  für  Worms  heifst 
es:  „Also  hat  ime  der  koninck  zergelt  geben  und  mit  zweien  anderen  sampt 
eynen  pitscher  und  ander  warzeichen  aufs  der  stadt  bei  nechtlicher  weill 
vergleitet.  •* 


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Anno  1534  acta.  729 

ratione  illustratam,  anctoritate  nostra  ablegaverimns,  nt  fratres 
passim  per  Germaniam  dissipatos  in  regni  nostri  angmentom 
verba  yitae  doceat  et  in  iinum  coUigat  reliquaque  mandata  Dei 
nostraqne  sibi  commissa  exeqnatnr.  Bogamns  itaque,  nt  hnic 
non  aliter,  qnam  nobis  ipsis  in  omnibus,  qnae  ad  causam  no- 
stram  pertinent,  fidem  habeatis  certissimam.  Scriptum  Mona- 
sterii  in  civitate  Dei  et  signo  nostro  corroboratnm  anno  aetatis 
nostrae  26,  regni  vero  nostri  primo,  secnndo  die  primi  mensis 
post  incamationem  lesu  Christi,  filii  Dei,  anno  1535." 

Grasins  bis  scriptis  trecentisque  florenis  munitns  egre- 
ditnr  \  Et  cnm  aliquot  armati  oppidani  iussu  regis  et  ex  com- 
posito  in  una  parte  urbis  castra  irritarent  milesque  iis  repel- 
lendis  esset  intentus,  in  alia  parte  duorum  ministrorum  ductu 
militibus  non  sentientibus  castella  praeterit.  Ita  elapsus  fidei, 
quam  principi  dederat,  memor  a  ministris  suis  sese  subducit 
et  Iburgam  in  feriis  praecidaneis  Trium  Eegum  anno  1535  ad^j.'J*'»- 
principem  fidem  suam  liberaturus  redit*  atque  ibi  omnia  regis 


*)  D.  Lilie  S.  253  spricht  unbestimmt  von  einer  „snmmen  van  gülden 
to  siner  noittrofft."  „Himicus  Grafs,"  bekennt  Johann  v.  Leiden  fJ.  Nie- 
se rt:  U.-S.  I.  S.  180),  ^hefft  200  g(ulden)  mit  sick  genomen,  etzlich  an- 
schlegc  to  maken/  Vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  373.  Dieselbe  Summe  nennen 
auch  Knipperdolling  und  Bemh.  Krechting  und  fügen  hinzu,  man  hätte 
ihm  auch  1000  Gulden  gegeben,  wenn  er  sie  verlangt  hätte  (J.  Niesert 
a.a.O.  S.  189  und  M.  G.-Q.  II,  378  u.  380).  Auch  H.  G  res  heck  S.  116 
redet  von  200  Gulden.  Er  weifs  auch  von  einem  weifsen  Fähnlein  zu  be- 
richten, um  das  H.  Graes  die  Anhänger  der  Wiedertaufe  scharen  und  dann 
nach  Münster  zurückkehren  sollte.  „Mit  diesem  Witten  fentlein,  dat  dat 
solde  Henricus  hebben  mede  gehat,  do  hei  lestmail  uth  der  stat  toich  . . ., 
datselve  sachten  die  gemeine  wioderdoepers  in  der  stat  Monster.  Wehr 
dat  so  geschehn  ifs,  dair  en  khan  ick  nicht  enckede  von  schriven.'' 

'}  5.  Januar.  Dasselbe  Datum  bei  D.  Lilie  a.  a.  0.  Doch  schreibt 
der  Bischof  bereits  am  4.  Januar  aus  Iburg  nach  Köln  und  Cleve  (Konzept 
im  St.-A.  M.):  „. . .  doch  ys  ho  ungeverlich  yn  veer  dagen(?)  weder  uth 
der  Stadt  an  uns  gekomen.**  lieber  die  Flucht  des  H.  Graes  aus  Münster 
vergl.  auch  H.  Gresbeck  S.  117.  Als  seinen  Begleiter  nennt  L.  Hor- 
tensius  S.  46 f.  einen  Joh.  Nottel  und  berichtet,  wie  dieser,  nachdem  er 
von  seinem  Gefährten  im  Stiche  gelassen  war,  sich  zunächst  nach  Deventer 
wandte  und  von  dort  nach  Münster  zurückkehrte.  Ein  Brief,  den  H.  Graes 
bald  darauf  in  die  Stadt  sandte,  ist  abgedruckt  M.  G.-Q.  II,  296.  S.  dar- 
über auch  H.  Gresbeck  S.  llSf.  S.  auch  den  fingierten  Brief  des  H.  Graes 
und  die  Anrede  des  Königs  an  das  Volk  bei  L.  Hortensios  S.  47  fif. 


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730  Anno  1534  acta. 

nrbisque  arcana  prodit*  et  quae  sint  anabaptistaram  secretiora 
symbola,  qui  cives  Wesalienses  regi  Monasteriensi  foedere  sint  con- 
sociati  qnidve  illi  in  animo  habeant,  quid  Daventriae,  quid  Äm- 
stelrodami  ac  in  aliis  inferioris  Gennaniae  civitatibus  hnius  fa- 
rinae  homines  in  perniciem  bonorum  meditentur,  in  quibus  aedi- 
"p.  562.  bus  et  cellis  arma  clanculum  congesta  *adserventur,  quas  ciades 
ehristianomm  agitent,  quos  motus  quaeve  latrocinia  secum  ver- 
sent,  ut  occisis  passim  magistratibus  urbes  et  respublicas  sibi 
subiiciant,  ut  asylum  omnium  scelerum  et  sceleratorum,  omnium 
flagitiorum  et  flagitiosorum  obsidione  Kberent,  ut  schismaticum 
venereumque  suum  regnum  pietate,  pudicitia  et  omni  obedientia 
profligata  quam  latissime  propagent  atque  dilatent^ 

Princeps  haec  omnia  duci  luliaco  aliisque  principibus  et 
8.  Jau.  oppidorum  magistratibus  in  initio  nempe  8.  die  lanuarii  anni 
1535  per  literas  significat-,  ut  sibi  accurate  prospiciant  et  pul- 
lulascenti  adhuc  malo  resistant,  simulque  efflagitat,  ut,  si  forte 
Henricum  quendam  Grasium  anabaptismi  nomine  apprehenderint, 
supplicium  illius  dififerant,  donec  sibi  eins  rei  indicium  faciant*; 
nam  in  huius  captivitate  plurimum  esse  momenti  et  sibi  et  rei- 

a)  Im  Ms.  fehlt  das  Verbum  finüum. 


0  Ein  Bruchstück  der  Bekenntnisse  des  H.  Graes  aus  dieser  Zeit 
hat  sich  erhalten  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  V.  fol.  109  und  ist  abge- 
druckt von  J.  Nies  er  t:  ü.-S.  I.  S.  146  ff.  (Verbesserungen  dazu  M.  G.-Q. 
II,  416).  Vgl.  auch  die  Bekenntnisse  der  Weseler  Wiedertäufer  vom  Jahre 
1535  bei  K.  W.  Bouterwek:  Zur  Literatur  u.  s.  w.  (in  der  ^Zeitschr.  des 
Bergischen  Geschichtsvereins"  Bd.  1  [Bonn  1863]  S.  360  ff.,  Separatabdruck 
S.  81  flf.).  Weitere  Aussagen  des  H.  Graes  bietet  die  Instruktion  des  Bi- 
schofs für  Worms.  S.  darüber  weiter  unten  zum  Jahre  1535  bei  Gelegen- 
heit der  Wiedertäufer-Unruhen  in  den  Niederlanden. 

')  Vielmehr,  wie  eben  angeführt,  nach  Köln  und  Cleve  bereits  am 
4.  Januar.  Aussagen  des  H.  Graes  über  Geldsendungen  der  Münsterer  nach 
Wesel  und  Köln  zeigt  der  Bischof  am  11.  Jan.  dem  Kurfürsten  von  Köln 
und  dem  Herzoge  von  Cleve,  am  12.  Jan.  dem  Landgrafen  von  Hessen  an 
(Konzepte  im  St.-A.  M.;  s.  auch  M.  G.-Q.  II,  304  f.). 

')  Ein  Schreiben  des  Bischofs  vom  3.  Januar  bittet  die  Fürsten, 
Grafen,  Herren  und  Städte,  „zo  ze  ejnen,  Henricus  Graefs  genompt,  un- 
fertigen (?)  verfolgen  unde  anklagen  werden,  denselven  uns  to  gefallen  yn 
verwarynge  antonemen  unde  uns  to  unsen  wy deren  gcsynnent  to  rechte  to 
holden^  (Konzept  im  St-A.  M.). 


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Anno  1534  acta.  731 

pnblicae.  Timebat  enim  princeps,  ne  illo  interempto  anabap- 
tistici  flagitii  consortes  non  proditi  ünpnniti  remanerent  et  con- 
cnrsu  tandem  facto  se  cum  omnibus  copiis  ab  obsidione  pelle- 
rent.  Inde  duos  itineris  comites  anabaptismnm  quoque  simu- 
lantes  Grasio  adiungit,  qnorum  alter  Joannes  Swerthen,  qni  nrbe 
relicta  in  ea  nxore  excesserat,  quae  et  pedes  et  eques  armata 
virago  plus  quam  viri  officiam  in  repellendis  hostibus  saepe 
exercuerat*;  alter  vero  scriba  fnit  Mauritii  ab  Amelunxen  no- 
bilis^.  Sed  cum  hi  essent  huius  schismatis  ignari,  Grasium 
sectantur,  illius  mores  imitantur  et  effingere  discunt,  illum  pro- 
phetam  appellantes  venerantur  et  suspiciunt,  illum  observant, 
ab  illo  tanquam  magistro  suo  toti  pendent.  Hie  ergo  Wesaliam 
cum  discipulis  suis  iussu  principis  ire  contendit  et  ostensis  ibi 
regiis  literis  et  symbolis  quibusdam  secretioribus  se  in  quorun- 
dam  magni  nominis  civium  familiaritatem  et  consuetudinem, 
quos  eiusdem  farinae  esse  cognoverat,  insinuat;  qui  cum  se  in 
regis  Monasteriensis  liberationem  collatis  in  certas  aedes  variis 
armorum  generibus  suggestione  Grasii  armassent,  ab  eodem  pro- 
diti sunt.  Quae  res  ingentes  Wesaliae  motus  concitavit.  Dux 
enim  luliacus  reprimendae  seditionis  causa  cum  aliquot  equitum 
turmis  quinto  die  Aprilis  anni  1535  oppidum  ingressus  13.  eins-  "-j^f^ 
dem  mensis  Ottonem  Vinken,  Wühelmum  Schlebusch  et  alios 
quatuor  non  contem*nendae  auctoritatis  cives,  seditionis  capita,  »p.  563, 
decoUari  et  extra  muros  sepeliri  iussit.  Reliqui  vero  retincti, 
quorum  magnus  erat  numerus,  ipsa  dominica  lubilate,  quae  fuit 


^)  Vom  3.  Jan.  datiert  ein  Befehl  des  Bischofs  an  Wilkin  Steding, 
in  dem  es  heifst:  „So  zick  Johan  Swerten  elige  huisfrow  uth  Munster  be- 
geven  werde,  ys  unse  bevell,  dat  dn  de  alsdan  gelejtlich  holdest,  ock  dar 
anne  zyst  unde  by  anderen  hoepludcn  bestallest,  derselven  frowen  gyn  leit 
edder  overfaU  gesche,  snnder  velich  unde  ungeleit  to  passeren  gestadet 
werde."  Durch  diesen  Befehl  belohnte  der  Bischof  die  Dienste  des  einen 
Begleiters  des  H.  Graes. 

')  Denselben  nennt  auch  D.  Lilie  S.  254,  aber  als  einzigen  Ge- 
fährten des  H.  Graes  nach  Wesel.  In  einem  undatierten  Schreiben  des 
Bischofs  an  seine  Räte  (Konzept  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  Y.  fol.  109«) 
werden  als  solche  angegeben  Hermann  v.  Mengersen's  Schreiber  und 
Job.  Swerten.  S.  auch  den  gleich  anzuführenden  Bericht  des  H.  Graes 
über  die  Wiedertäufer  in  Wesel  und  das  Schreiben  des  Bischofs  nach 
Kassel  vom  12.  Januar  (M.  G.-Q«  II,  304  f.). 


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732  Anno  1534  acta. 

^^535*^*  18.  Aprilis,  gratiam  ea  lege  a  principe  conseqaebantnr,  ut  lin- 
teis  albis  circmndati  in  publica  Instratione  coemiterinm  circnm- 
irent  et  integro  sacro  stantes  interessent  *.  Hac  publica  igno- 
minia  omnia  superiora  crimina  expiantur,  atque  ita  in  gremium 
ecclesiae  catholicae  recipiuntur.  Grasius  bis  actis  ad  suos  re- 
versus  reliquos  vitae  dies  in  pace  transegit. 

Ut  autem  narratio  ad  id,  unde  digressa  est,  revertatur,  in 
Octobri  quidam  miles  ab  oppidanis  eruptionem  facientibus  in 
conflictatiuncula  captus  et  in  urbem  abductus  carceri  plebeo  sub 
curia  mancipatur;  ad  quem  rex  scitatum  mittit,  an  verbum  Dei 
continuo  amplecti  velit?  At  miles,  quodnam  sit  illud  verbum 
Dei,  quod  in  urbe  amplectantur,  inquirit;  sibi  non  aliud  videri, 
quam  stupra  et  adulteria  foedissima  sectari.  Hoc  miUtis  re- 
sponsum  cum  regi  nunciaretur,  rex  stupore  mentis  se  corripi  et 
spiritu  conturbari  simulat  iraque  fremit  et  excandescit  militem- 
que  protinus  ad  se  e  carcere  in  forum  protrahi  iubet,  protractum 
ipse  suis  manibus  mandante  Patre  ob  contemptum  verbi  Dei  et 
urbanae  religionis  gladio  ferit*. 


*)  Ueber  H.  Graes'  Auftreten  in  Wesel  haben  wir  dessen  eigenen 
Bericht,  den  der  clevische  Rat  Hermann  v.  Wachtendunck  am  19.  Jan.  1535 
dem  Stadtrat  zu  Wesel  übersandte.  Er  ist  abgedr.  bei  K.  W.  Bouterwek: 
Zur  Literatur  u.  s.  w.  a.  a.  0.  S.  385  flf.,  resp.  S.  106  if.  Schon  Bouterwek 
hat  auf  die  Wichtigkeit  der  Bekenntnisse  der  Weseler  Wiedertäufer  hin- 
gewiesen und  Auszüge  aus  den  Gerichts-Protokollen  der  Monate  Januar  bis 
März  1535  veröffentlicht.  Weiteres  reichhaltiges  Material  befindet  sich  im 
St.-A.  Düsseldorf.  Zur  Sache  vgl.  auch  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  157  flf.  — 
Die  von  Kerss.  angeführten  Daten  für  die  Hinrichtung  des  Otto  Vinck, 
Wilh.  Schlebusch  u.  A.  sowie  die  Begnadigung  der  anderen  Angeklagten 
wird  durch  die  Weseler  Ratsprotokolle  bestätigt.  In  Bezug  auf  die  Ver- 
bindung zwischen  Münster  und  Wesel  seien  noch  folgende  Stellen  aus  den 
Aussagen  des  H.  Graes  (bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  146  u.  149)  angefahrt: 
^Daer  is  geschreven  bynnen  veerthein  dagen  in  Wesel  uth  der  stadt  Munster 
an  einen  erfman  Havemester  offt  Lantdroste  genannt,  wonhafftich  bjnnen 
Wcsell,  dat  se  sick  solden  versorgen  mit  proviand  vor  ein  jaer  ofiFte  twe  to 
behoiff  der  van  Wesell,  und  dat  he  solde  bestuiren  bynnen  Wesell  bussen- 
kruith  und  loith,  dat  et  alle  bereit  wäre,  want  noit  dede,  want  se  der 
meinong  sint,  dat  sulve  antorichten,  als  et  bynnen  Munster 
is  angerichtet  „Enippinch  b3mnen  Wessel  is  gedoipt  und  is  der  van 
Munster  ehr  doin  und  laten ;  an  den  schicken  de  van  Munster  dage- 
lychs   boden  und  breve.**     Vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  293. 

*)  Fast  wörtlich   dem  Bekenntnisse   des  Werner  Scheiffart  vom  U. 


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Anno  1534  acta.  733 

Circa  haec  tempora  cum  pner  qnidam  ^  decem  propemodum 
annornm  radices  atqne  olera  sedandae  famis  causa  snbtraxisset, 
in  forto  deprehenditnr  et  ad  postem  religatns  a  singulis  scho- 
larmn  magistris,  qni  tnnc  erant  in  nrbe,  in  praesentia  snorum 
discipnloram  ad  sanguinis  effusionem  flagellatur.  Sed  cum  in 
idem  flagitium  relaberetur,  in  monte  Sjonis  vel  campo  dominico 
ad  quercum  suspenditur ;  ubi  vero  fracto  funiculo  decideret,  ita 
attonitus  et  perculsus  stetit,  dum  restim  finniorem  carnifex 
afferret,  quo  iterum  suspensus  interiit. 

Mulier  etiam  quaedam  \  cum  caraes  equorum  in  creopolio 
distribuerentur,  bis  subdole  exegit  carnes.  Quae  res  cum  pro- 
deretur,  rex  eam  infamiae  causa  in  macello  strictum  teuere  gla- 
dium  per  horas  aliquot  iussit,  atque  hoc  publice  dedecore  mortis 
poenam  expiavit. 

In  Novembri  Conradus  Insulanus  ac  Joannes  Ketteil  Ty- 
lanus  ""cum  aliis  quatuor  commilitonibus  suis  stipendii  faciendi  *p.  564. 
causa  in  castra  ventitant  et,  cum  sibi  episcopi  militia  negaretur, 
recta  in  urbem  ad  regem  abeunt*.  Qui:  „Vosne  sex,"  inquit, 
„urbem  nostram  nunc  capitis,  quam  praeterita  aestate  decem 
millia  vestrum  capere  non  potuerunt?  Quae  est  adventus  vestri 
causa?  Qua  spe,  qua  fiducia  freti  huc  non  vocati  moenia  nostra 
subitis,  cum  stipendia  a  me  praeter  victum  et  vestitum  nuUi 
militum  assignentur?"  Ad  haec  milites  se  fidei  defendendae 
causa  ad  regem  confagisse  respondent  neque  amplius  quicquam, 
quam  aliis  suis  militibus  sit  datum,  postulare.  Ad  quae  rex: 
an  hoc  ex  animo  loquantur  et  super  ista  agnitione  baptizari  cu- 
piant?  Sespondent  se  non  solum  baptizari,  verum  etiam  extrema 


Dezember  (M.  G.-Q.  II,  2ifb)  entnommen.  Schon  G.  A.  Cornelius  hat 
M.  G.-Q.  II.  Einl.  S.  54  darauf  hingewiesen,  dafs  diese  Erzählung  von  der 
Hinrichtung  eines  Landsknechtes  nur  eine  andere  Relation  sei  von  dem 
Berichte  einer  gleichen  That  des  Königs  w&hrend  des  grofsen  Abendmahles 
am  13.  Oct.,  die  Kerss.  oben  S.  702  f.  nach  verschiedenen  andern  Quellen 
anfuhrt. 

^)  Das  Folgende  nur  durch  Kerss.  bekannt 

*)  Dieses  und  das  Folgende  fast  wörtlich  nach  den  Bekenntnissen 
des  Gort  Tan  dem  Werde  und  des  Joh.  Kettel  yan  Tiel  vom  6.  Dez.  1584 
(M.  G.-Q.  Uj  289  ff.).  —  Gort  ▼.  d.  Werde  sagt,  »dat  se  mit  willen  sint  in 
Munster  gdopen,  dan  he  sy  dmncken  gewest** 


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734  Anno  1534  acta. 

pericula  et  quamlibet  fortunam  cum  ipsis  experiri  velle.  Inde 
post  longam  admonitionem  baptizantur  *.  Hinc  regi  quaerenti 
castroram  mnnitiones,  numemm  militum  et  tonnentomm  omnia- 
que  secreta  enunciant^  Et  cum  rex  de  glandium  porcorumque 
pinguium  copia  inquireret,  respondent:  intra  viginti  annos  tan- 
tam  neque  glandium  ubertatem  neque  porcorum  bene  sagina- 
torum  rusticis  copiam,  quam  hoc  anno  fuisse.  Ad  quae  rex: 
„Comedant  illi  farcimina,  nos  vero  lardo  fruemur^!" 
27.  Nov.  Quae  res  cum  principi  innotuisset,  27.  Novembris  satrapis 

praefectisque  passim  per  dioecesim  edicto  praecipit*,  ne  quic- 
quam  militum  sine  suo  aut  Wilkini  Stedingi  commeatu  in  dioe- 
cesim admittant  neque  egredi  patiantur.  Timet  enim  princ^ps, 
ne,  si  libertas  ultro  citroque  commeandi  militibus  vagis  per- 
mittatur,  plures  sint  futuri,  qui  nihil  pensi  pietatis  habentes 
idem,  quod  hi  sex,  facturi  sint. 

Post  dies  aliquot  cum  Insulanus  atque  Tylanus  aliique 
oppidani  in  hostem  impetum  facerent  et  imprudentius  quam 
6,  Dez.  cautius  pugnarent,  capti  sunt  atque  ipso  die  Nicolai  quaestioni- 
bus  atque  tonnentis  subiecti  fatentur*^:  Oppidanos  in  singulos 
dies  eruptionem  violentam  in  proximos  quosque  pagos  commeatus 
adferendi  causa  meditari;  in  eins  rei  usum  duo  signa  miütaria 


*)  Im  Bekenntnis  des  Cort  v.  d.  Werde:  „Do  heft  he  en  uth  einem 
boke  voele  laiten  verlesen,  se  wetten  nicht,  wat  dat  was,  und  h ebben  se 
dairnp  gedopet." 

*)  Im  Bekenntnisse:  „Item  de  konninck  heft  em  mechtig  gefraget 
na  gestalt  der  blockhueser,  und  wu  starck  se  sint,  und  war  men  et  up  dat 
beste  doen  konde;  dair  hebben  ze  em  algelech  van  gesecht." 

«)  Aus  dem  Bekenntnisse  des  Job.  Kettel  van  Tiel  (M.  G.-Q.  II,  292). 

*)  Aus  Warendorf.    Konzept  im  St.-A.  M, 

^)  Am  6.  Dezember.  Eerss.  giebt  im  Folgenden  nur  einige  Geständ- 
nisse des  Job.  Kettel  van  Tiel  wieder,  üeber  den  Grund,  weshalb  sie 
Münster  verliefsen,  sagt  Cort  v.  d.  Werde  aus,  er  w&re  „mede  uthgelopen 
mit  den  anderen  der  meinonge,  se  wolden  4  of  5  dairin  halen,  de  wüsten 
de  andern,  mit  summiger  provande."  Die  von  Kerss.  nicht  mitgeteilten 
Aussagen  beziehen  sich  meist  noch  auf  Anschläge  der  Münsterer,  Proviant 
in  die  Stadt  zu  bekommen.  Uebrigens  gesteht  Cort  v.  d.  Werde,  „men  heft 
en  gude  kost  gegeven  tor  noittrofft  und  hebben  en  dair  by  gesecht, 
so  hebben  speckes  genoch  went  tho  Paeschen.*' 


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Anno  1534  acta.  735 

ab  ipsis  esse  facta  ^.  Item  quatuor  cum  mnltis  pecnniis  et  li- 
bellis  quibusdam  in  nrbe  excnsis  in  Phrisiam  atque  Hollandiam 
commeatus  emendi  et  seditionis  concitandae  gratia  ablegatos, 
qnorum  reditnm  magno  *desiderio  expectent^  Item  qningentos  »p.  565. 
homines  singnlis  noctibns  agere  vigilias,  qnornm  qnadraginta  in 
singnlis  portis,  qnae  et  noctes  et  dies  pateant  propylaeis  saltem 
clausis,  excnbent  \  Item  quosdam  audacissimos  oppidanos  mntato 
habitu  saepe  urbe  elabi  et  castra  hostium  clanculum  praeterire 
famosasque  pernas  et  gallinas  viventes  vel  Oldenberga  vel  aliunde 
allatas  in  castris  Egberti  Devereni  explorandi  gratia*  hostibns 
fucnm  non  sentientibus  divendere  et  salvos  in  urbem  redire. 
Item  mnlieres,  quamvis  sexies  virornm  numernm  exnperent,  ita 
inter  viros  esse  distractas,  nt  nullae  iam  ampHus  innnptae  praeter 


*)  „Dat  eine**  (venlin)  „heft  Kint  van  Oldensel;  dat  heft  he  in  der 
hant  gehat,"  setzt  Joh.  Kettel  hinzu,  der  von  einem  beabsichtigten  Aus- 
falle „tusschen  Lentzen  und  Egbertz  blockhusern  hen,  umbtrent  2  mile" 
zum  Zwecke  des  Proviantholens  spricht. 

*)  Joh.  Kettel  erwähnt  noch ;  „De  hebben  sick  tho  Rheene  edder  tho 
Eueren  nige  gekledet.  Der  eine  is  ein  groit  lanck  man  und  het  Albert 
edder  Beneventura  de  Beneventura,  is  na  Freifslant;  und  de  anderen  drei 
na  HoUant,  der  wet  he  eren  namen  nicht."  Auch  W.  Scheiflfart  läfst  (M. 
G.-Q.  II,  294)  „vier  mit  grotem  gelde  na  HoUant,  Brabant  und  Freifslant 
um  proviande  uthgesant"  sein.  Er  macht  unter  ihnen  nur  einen  als  Peter 
Simons  namhaft,  der  nach  dem  Geständnisse  des  Dieners  des  Malers  Ludger 
to  Ring  vom  23.  Dez.  (s.  weiter  unten)  bald  wieder  nach  Münster  zurück- 
kehrte. Vergl.  auch  die  Bekenntnisse  des  Zillis  Leitgen  (bei  J.  Niesert; 
U.-S.  I.  S.  137  f.).  Die  Bücher,  die  den  Ausgesandten  mitgegeben  wurden 
(Joh.  Kettel  sagt  „veele  boeke  und  breve,  de  se  en  wech  brengen  solden; 
wat  de  innen  beiden,  dat  is  em  unbewust"),  waren  Exemplare  der  Roth- 
mann'schen  „Restitution."  lieber  die  Vertreibung  dieses  Buches  s.  weiter 
unten.    Zur  Sache  vgl.  noch  H.  Gresbeck  S.  120 f. 

^)  Vgl.  dazu  oben  S.  702  Anm.  1.  Der  Diener  des  Malers  Ludger 
to  Ring,  dessen  Bekenntnisse  vom  23.  Dezember  Kerss.  gleich  weiter  unten 
benutzt,  sagt  über  die  Wacht  aus:  „Alle  nacht  und  dag  waken  vor  jder 
porten  vertich,  und  gan  dan  ock  noch  etzliche  van  des  konynges  rede  umb, 
dat  erer  ungeferlich  bj  viffhundert  waken;  und  die  wacht  gehet 
stets  in  de  derden  nacht  umb." 

^)  Im  Geständnisse :  „umme  to  beseen  edder  dat  an  to  stecken,  und 
verhören  alle  gelech  ,.,"  Von  listigen  Auskundschaftungen  bekennt  auch 
Zillis  Leitgen  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  145. 


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736  Anno  1534  acta. 

apostolorum  a  rege  ablegatomm  et  passim  interfectomm  nxores 
in  nrbe  relictas  supersint*. 

Hi,  cum  essent  retincti,  inre  plectantnr. 

Weraerus  quoque  Scheiffort  ^  homo  antiqui  generis  et  stem- 

matis,  cum  aliqnandin  inter  retinctos  ispe  retinctns  yixisset  neque 

sibi  dintias  ratio  vivendi  in  nrbe  placnisset  neque  ea,  qnae  ad 

5.  Dez.  Tiyendnm  pertinebant,  satis  abnnde  snppeterent,  qninto  Decem- 

bris  elapsns  capitur  ac  nndecimo  einsdem  mensis  adhibita  qnae- 

11.  Dez.  stione  fatetnr^:   Primnm  oppidanos  in  feriis   nataütüs   fntnris 


')  Im  Geständnisse  heifst  es  nur:  „Item  dair  sint  ock  nine  ehe- 
frouwen  mer  tho  krigen,  dan  der  gerichteden  predicanten  froawen,  de  sint 
noch  nicht  verlovet."  —  Die  Nachrichten  aus  dem  Octoher  1534  über  die 
Einwohnerzahl  Münsters  s.  oben  S.  700  Anm.  1.  Ich  füge  hier  die  Angaben 
darüber  aus  der  Zeit  vom  Dezember  1534  hinzu.  W.  Scheiffart  sagt  am 
11.  Dez.  aus  (M.  G.-Q.  II,  293),  „das  dabinnen  in  als  von  man  und  frauwen 
personen  darzu  kindem  ungeferlich  zwischen  acht  und  nenn  dusent  sein, 
dere  ungeferlich  1400  werhaftig.^  H.  Graes  bekundet  im  Jan.  (J.  Nies  er  t: 
U.-S.  I.  S.  148):  „Dar  sint  noch  umbtrent  waU  1300  maus  und  wall  6000 
wyver,  uthgenommcn  noch  kinder.*'  Zillis  Leitgen,  der  am  31.  Dezember 
Münster  verliefs,  gesteht  am  14.  Febr.  1535  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  143): 
„Item  de  woren  noch  ungeferlich  zehen  oder  elff  hondert  wehrhafftiger  man. 
Item  dar  woren  noch  700  schoeler.  Die  metlin  hait  die  koninckine  ire 
scholmeister  inen  zu  verordent;  sunst  sint  noch  über  zwey  dousent  weiber 
dar  bynnen.*'  —  Keine  der  erhaltenen  Quellen  rechtfertigt  die  Behauptung 
Kerss.'s,  dafs  die  Anzahl  der  in  Münster  anwesenden  Frauen  sechsmal 
gröfser  gewesen  sei,  als  die  der  Männer. 

*)  Er  hatte  sich  am  14.  Mai  1534  nach  Münster  begeben.  Vgl.  oben 
S.  510  Anm.  4.  Ueber  ihn  bekennt  Dionys.  Yinne  (M.  G.-Q.  11,  275): 
„Scheiffert  sy  binnen  Munster  und  hebbe  sust  kein  berel,  dan  he  sy  nn 
lesten  mit  dem  konninge  gereden  npt  aventmail  und  hebbe  eine  schlechte 
maget  genommen  thom  wive.^  Job.  Kloprifs  sag^  von  ihm  (J.  Niesert 
a.a.O.  S.  132):  „Item  er  hab  den  Scheiüert  in  Munster  gekant,  und  er 
hette  irstlich  gewolt,  das  er  darufs  were  gewesen,  aber  binden  nach  hielte 
er  sich  stille;  und  er  hab  zu  Munster  ein  frauwe  genommen.*' 

*)  Die  Daten  entninmit  Eerss.  richtig  dem  Gest&ndnisse  W.  Scheif- 
fart's.  Dasselbe  ist  bruchstückweise  in  einer  Kopie  im  St.-A.  M.  erhalten, 
ans  der  es  abgedruckt  ist  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  150 ff.  Yollstftndig 
findet  es  sich  aus  einer  Kopie  im  AichiTe  zu  Weimar  in  den  M.  G.-Q.  II, 
292  ff.  yeröffentliebt.  Kerss.,  der  das  GestAndnis  schon  oben  benutzte,  bringt 
hier  nur  zwei  Aussagen  aus  demselben  bei,  die  sich  auch  bei  J.  Nieeeort 
finden.    Was  er  sonst  als  von  W.  Scheiffart  geftnfsert  hinstellt^  findet  sich 


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Anno  15o4  acta.  737 

ernptionem  in  proximos  quosqne  pagos  decrevisse  et  ad  eam 
rem  HoUandorum  praesidinm  in  singnlos  dies  expectare.  Daces 
etiam  conscribendi  exercitus  gratia  alieni  principis  nomine  ab- 
legatos  esse  \  Item  omne  frnmentnm  in  oppido  regis  mandato  in 
nnnm  locnm  convectnm  esse,  cni  Bemardns  Menneken  praesit. 
Item  siliginem  ad  panem  conficiendam  hordeo  conmiisceri  \  Item 
magnam  puellarum  multitndinem  veneri  adhnc  inmiatnram  foe- 
dissime  ita  a  nris  salacioribus  corraptam,  nt  maltae  earnm  inde 
occnbnerint,  quaedam  vero  a  Knappen  uxore  chirnrgiam  exer- 
cente  sanitati  pristinae  restitutae  sint^.  Item  plebem  snspicari 
regem  sese  cnm  anlicis  quibnsdam  snbdnctnrnm  et  eifdgitunim, 
cum  libros  pecnniamqne  emiserit.     Qnod  cum  regi  enonciatum 


in  der  von  ihm  gebotenen  Forni  nicht  in  den  Bekenntnissen  Scheiffart's, 
sondern  in  denen  des  Dieners  des  Ludger  to  Ring,  aus  denen  Eerss.  gleich 
unten  weitere  Auszüge  bietet 

')  Aus  dem  Geständnisse  des  Dieners  des  Ludger  to  Ring,  wo  es  heifst: 
„Erstlich,  dat  de  von  Munster  der  meynung  sjn,  dat  se  in  dussen  hil- 
ligen dagen^  (das  Bekenntnis  datiert  vom  23.  Dez.)  „willen  uthfallen 
und  eine  kercke  berennen  und  dat  volck,  so  se  darin  vynden,  doethslaen. 
Derhalven  moth  men  gude  wacht  holden,  in  Sonderheit  na  Rocksell  uth. 
Ock  meynen  se,  de  Hollander  werden  se  erstes  dages  entsetten, 
und  hebben  sunst  ock  na  knechten  uthgesandt,  de  man  under 
anderer  hern  namen  annemen  und  szolt  geven  saL**  Der  Wort- 
laut im  Bekenntnisse  des  W.  Scheiffart,  der  zwar  dieselbe  Sache  im  Auge 
hat,  ist  ganz  anders  (M.  G.-Q.  II,  294).  Schon  am  6.  Dez.  hatte  Gort  v.  d. 
Werde  eingestanden,  die  Münsterer  beabsichtigten,  „umme  nie  iairen 
hen  uth  to  trecken"  (M.  G.-Q.  II,  290).  VgL  zur  Sache  auch  die  oben 
von  Eerss.  citierte  Aussage  des  Joh.  Kettel  und  die  des  H.  Graes  bei  J. 
Niesert  a.a.O.  S.  146. 

')  Aus  dem  Bekenntnisse  des  Dieners:  „Item  men  hefft  aUe  l^om 
uth  den  husem  gesamblet  und  up  einen  hop  gebracht  und  Bemdt  Menneken 
dar  vuer  vor  einen  oversten  gesatt,  und  moth  nymantz  backen  oder  bmwen, 
he  hale  dan  dat  mell  van  den  verordenten;  und  datsulvige  is  gemenget 
mit  gersten  melle."  Aehnlich  sagt  W.  Scheiffart  (M.  G.-Q.  n,  293)  aus. 
Er  nennt  aber  B.  Menneken  nicht,  sondern  spricht  von  vier  Diakonen,  denen 
das  Zusammenbringen  und  Verteilen  des  Korns  übertragen  war.  Zugleich 
berichtet  er,  „das  vier  diaconi  verordent,  die  ein  ider  hnifs  besichtigen, 
wie  sie  mit  profiand  versorget,  und  wa  se  vU  gefunden  haben,  darvon  ge- 
nomen  und  den  andern  verteilt^  Zillis  Leitgen  gesteht  (J.  Niesert  a.a.O. 
S.  143),  „sie  boucken  roggen  und  gerst  zusamen.^ 

')  Aus  den  Bekenntnissen  W.  Scheiflart^s.  Zur  Sache  vgl.  oben  S.  627 1 

23 


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738  Anno  1534  acta. 

Sit,  sese  coram  tota  multitudine  pnrgasse;  se  id  in  gratiam  om- 
nimn  confratrum  suorum  fecisse  \  ne  liberationis  medium  a  Patre 
sibi  revelatnm  excutiat,  non  uti  desertor  fiat  snosque  in  necessi- 
tate  destitnat;  se  enim  tam  adversa  quam  prospera  commnni 
"p.  566.  *  Sorte  cum  popnlo  Dei  latnrum. 

Ludgerns  tho  Ringe,  pictor  sui  temporis  praestantissimus, 
qni  filiam  nomine  Hermannnm  tho  Binge  se  excellentiorem  pin- 
gendi  artificem,  symmetriae  architecturaeqne  peritissimum  et 
virum  magni  ingenii  anno  1573  adhnc  snperstitem  habuit,  ne 
seditioso  se  scMsmate  pollneret,  nrbe  excessit,  sed  ministrom 
snnm  isto  malo  infectnm  neqne  admonitiones  salatares  admit- 
tentem  intra  moenia  suae  temeritati  reliqnit.  Qni  postea  schis- 
23.  Dez.  matis  pertaesus  elapsus  captns  est  ac  23.  Decembris  tormentis 
adactus  fatetur*: 

Primum  oppidanos  eqninis  carnibns  vesci  ac  bonm  vac- 
carumqne  carnes  pro  rege,  lac  vero  pro  infantibus  et  praegnan- 
tibus  conservari^.  Item  ante  dies  paucos  tres  aromatibus  onu- 
stos,  quibus  equorum  carnes  condiant,  in  urbem  castris  non  sen- 
tientibus  reversos*.  Item  omnia  apud  oppidanos  ad  eruptionem 


*)  So  weit  aus  den  Bekenntnissen  W.  ScheifTart's.  Der  Diener  des 
liUdger  to  Ring  sagt  aus:  „Ock  ist  dat  gerume  bjnnen  Munster,  wanner 
dat  gemeyne  Yolck  uthfalle,  so  wil  der  konig  und  Enipperdollinck  sampt 
iren  anhang  als  koplude  up  der  anderen  sjden  ock  uthfallen  und  alle  golt 
und  sylyer  mit  sick  nemen.^ 

*)  Die  Gestandnisse  des  Dieners  des  Ludger  to  Ring  haben  sich  im 
St-A.  M.  erhalten  und  sind  noch  nicht  veröffentlicht.  Sie  datieren  vom 
23.  Dez.  1534.  Die  obere  Ecke  des  ersten  Blattes  des  Aktenstückes  ist 
abgerissen,  so  dafs  wir  nur  den  Vornamen  Hermann,  nicht  den  Familien- 
namen des  Dieners  erfahren.  —  lieber  die  Malerfamilie  to  Ring  vgl.  J.  B. 
Nordhoff  in  Th.  Prüfer's  „Archiv  für  kirchliche  Baukunst"  Bd.  9  u.  10 
(BerUn  1885  u.  1886). 

^)  „Item  se  mothen  perde  fleisch  etten  und  hebben  nicht  mer  dan 
3  stige  perde  und  hebben  noch  etzliche  koie.  De  melck  brücket  men  tho 
kleinen  kindem  und  swangem  frouwen,  und  das  fleisch  werdt  alleine  von 
dem  konynck  gespiset."  H.  Graes  giebt  die  Zahl  der  Pferde  auf  44,  der 
Kühe  auf  300,  Zillis  Leitgen  auf  96  resp.  220  an  (s.  J.  Niesert  a.  a.  O. 
S.  143  u.  147,  die  Verbesserungen  dazu  M.  G.-Q.  II,  415  f.). 

*)  Nachdem  der  Diener  berichtet  hat,  dafs  Peter  Symonson  aus  Fries- 
land wieder  nach  Münster  zurückgekehrt  sei,  fährt  er  fort:  „Und  gegen 
den  avent   sjn  ehme  gefolget  twe  maus  und  eine  fraw,  de  hebben  gehatt 


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Anno  1534  acta.  739 

esse  instructa,  sed  regia  saltem  mandata  ipsos  opperiri^  Item 
ßothmannnm  in  publico  conventn  et  concione  dixisse  omnes 
reges,  electores,  principes,  comites,  magistratns  ac  nobiles  totins 
orbis  ipsornmque  nxores,  filios  et  filias  regi  reginaeqne  novae 
Syonis  subditos  et  pedisseqnas  fore  K  Item  Grasinm  solam  apo- 
stolorum  reliqnis  interemptis  reversum  regi  faisse  carissimum  et 
magnae  anctoritatis  prophetam'.  Item  regem  aliqnot  vasa  con- 
tusis  carbonibns  referta  pro  pulvere  tormentario  plebi  de  eins 
pennria  qnerenti  ostentare*.  Item  oppidanos  suggerente  rege 
sibi  persoadere  episcopnm  anabaptismom  scriptis  snis  appro- 
basse  ipsnmqne  consortem  imperii  posse  ferre  et  regi  profanam 
administrationem  libenter  permissnrum,  si  sibi  ecclesiastica  non 
adimatnr^   Et  alia  inepta  risaqne  digna  fatetar,  quae  perlongum 


einen  kramkorff  vol  pepper,  spise,  krut,  sucker  und  allerlej  kruth  gehatt, 
damit  men  de  perde  kecken  solde,  und  was  wol  4  edcr  5  hundert  gülden 
wert  gewesen." 

')  „Item  se  hebbcn  einen  geweidigen  und  einen  verloren  hupen  ver- 
ordent  und  alle  gewere  togerustet  und  gewarten  des  konjnges  gebot,  dat 
se  uthtrecken  sollen.** 

*)  Diese  Aeufserung  Rothmann's  findet  sich  nicht  in  dem  Bekennt- 
nisse des  Dieners,  wohl  aber  in  dem  des  W.  Scheiffart,  doch  behält  dort 
Rothmann  die  Dienste  der  Könige  u.  s.  w.  nicht  nur  dem  Könige  Johann 
und  der  Königin  vor,  sondern  neben  diesen  auch  sich  selbst  und  „siner 
hufsfrauwen«  (s.  J.  Niesert  a.  a.O.  S.  153  und  M.  G.-Q.  II,  295  f.). 

')  Ueber  H.  Graes  berichtet  der  Diener  noch  weiter,  er  hätte  „pro- 
phetert,  wie  dat  in  des  capittcls  camem  solde  ein  groth  schat  begraven 
syn.  Derhalven  se  dan  eine  grote  kulen  gemaket  und  den  schätz  gesocht, 
averst  nichts  gefunden.  Und  Knipperdollinck  hefft  den  greveren  de  luchten 
gehalden.  Ock  hefft  he  gesagt,  wu  dat  Got  ehme  in  sjner  gefengnifs  hebbe 
openbart,  he  solde  an  sjnen  hals  tasten,  so  solde  dat  isem  dar  van  springen, 
und  solde  sick  alsdan  mit  einer  spetzen  uth  dem  thom  lathen;  denn  he 
also  gedan.  Ock  sj  des  Yaders  wille,  he  solle  noch  kortz  wedderumb  vor 
den  bisschop  komen.  Wanner  ock  der  konig  utthtehen  werdt,  soUen  ehme 
alle  buren  underdenig  sjn.** 

*)  So  der  Diener.  Zillis  Leitgen  bekennt  a.  a.  0.  S.  143:  „Sie  haven 
locde  genoich,  aver  nit  vill  pulvers,  dan  sie  machen  noch  pulver,  aver  mit 
gebrauten  wyne,  dewyle  sy  nit  vill  zwefels  haven.**  H.  Graes  a.a.O.  S.  149 
sagt  aus:  „Dair  sint  noch  bynnen  Munster  umbtrint  7  tunnen  krudes,  de 
ick  gesehen  hebbe.** 

^)  So  die  Aussage  des  Dieners.  Seine  sonstigen  Angaben  bieten 
nichts  wesentlich  Neues,  es  sei  denn,  dafs  er  berichtet,  wie  ein  Einkönmi- 

23* 


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740  Anno  1534  acta. 

esset  chartis  committere.  Solns  antem  horum  Scheiflfort  et  ami- 
comm  et  generosi  sanguinis  ope  liberatnr^ 

Circa  festnm  Nativitatis  magnns  Daventriae  motns  ab  ana- 
baptistis  excitatur,  qni  varia  annornm  genera  paulatim  ita,  nt 
nemo  animadyerteret,  in  aliquot  aedes  civium  congesserant,  qui- 
bus  ad  caedem  bonorum  et  occupandam  urbem  uterentur,  inde 
Monasterium  ab  obsidione  liberarent.  Sed  cum  res  proderetor, 
Joannes  a  Wintzum,  consulis  filius,  cum  aliis  tribus  civibus 
capti  et  in  Brinco  (sie  enim  forum  yocant)  praecisis  capitibus 
•  p.  567.  extra  muros  se*pulti  suo  exemplo  motum  represserunt '. 

Bex  interea  iuyentutem  urbis  yariis  agilitatis  et  militiae 
studiis  exercet  nunc  iaculando,  nunc  pugnando,  nunc  currendo, 
nunc  saltando.  Interdum  eam  in  dissidentes  et  quasi  hostiles 
eiercitus  partitur,  qui  composita  utrinque  acie  per  iocum  con- 
currunt.  Interdum  longum  agmen  in  gyrum  contorquet;  hinc 
idem  illud  explicat  et  in  phalangem  dispositis  utrinque  comibus 
deducit,  inde  rursus  in  cuneum  contrahit  diversasque  aciei  for- 
mas  effingit^    Interdum  currus  falcatos  regiis  insignibus  exor- 


ling  in  Münster  verbreitet,  der  Bischof  habe  für  den  20.  Dezember  einen 
Sturm  auf  die  Stadt  geplant. 

')  Er  starb  am  12.  Juni  15!>3.  Siehe  J.  Habets:  De  Wedcrdoopers 
te  Maastricht  (Roermond  1877)  S.  230. 

*)  Zur  Sache  vgl.  C.  A.  Cornelius  in  den  „Abhandlungen  d.  hist. 
Kl.  d.  Egl.  Bayerischen  Akad.  d.  Wissensch.''  Bd.  11  Abtlg.  2  (München 
1869)  S.  66.  —  H.  Graes  hatte  die  Münsterer  auf  Hülfe  auch  von  Deventer 
her  verwiesen  (s.  oben  S.  728).  Da,  wo  H.  Gresbeck  berichtet,,  dafs  der 
König  dem  H.  Graes  ein  weifses  Fähnlein  mitgab,  fugt  er  hinzu  (S.  116): 
„Datselve  solde  Henricus  laten  flogen  binnen  Deventer  up 
dat  marckede  of  up  dem  brienck,  dair  solden  sick  die  wieder- 
doepers  under  geven.^  „Jacob  van  Wynssem,  burgermeister  bynnen 
Deventer,''  heifst  es  in  den  Aussagen  des  H.  Graes  (J.  Niesert  a.a.O. 
S.  149),  „is  gedoipt  und  hefft  eine  suster  bynnen  Munster." 

")  Vgl.  dazu  den  Bericht  H.  Gresbeck's  S.  122:  „So  Ket  der  ko- 
ningh  alle  wecken  alle  die  maus  einmail  up  den  doemhof  khomen  mit  irem 
gewer  und  geweidigen  hoep  und  mit  irem  verloren  hoep  und  giengen  dair 
in  die  schlach  orden  und  deden  so  eine  schlacht  tegen  einander,  recht  wie 
sie  an  die  feiande  weren,  dat  sie  wolden  leren,  wie  dat  sie  sick  solden 
hebben,  ofte  sie  schier  ofte  morgen  solden  ein  schlacht  doin  mit  den  feian- 
den.  So  heft  sick  al  dat  volck  gerüstet,  al  dat  werhaftigh  was,  und  hedden 
sick  utfa  genistet  glick  wie  ein  hoep  lansknecht . . ."  Vgl.  auch  S.  126  u.  138f. 


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Anno  1534  acta.  741 

natos,  nt  erant  edocti,  provehnnt,  qnos  ipse  rex  cum  expedita 
invenum  mnltitndine  per  iocum  saepe  singulari  certaminis  genere 
oppugnat  atqne  ita  snos  exercet,  nt  adversns  hostes,  si  qnando 
eniptionem  Ms  curribns,  sicut  decreverat,  facturus  sit,  instruc- 
tiorem  contra  omnem  pugnae  aleam  exercitum  habeat  K  Sed  cum 
equos  paulatim  cogente  necessitate  in  cibum  verterent,  propt^r 
eorum  penuriam  horum  curruum  usus  esse  desiit*.  Quare  in 
partes  distracti  in  sununi  templi  angulos  coUocantur,  ubi  post 
captam  urbem  inveniuntur. 

Comitia  Confluentina  obsidionis  causa  habita. 

Cum  iam  tempus  comitiomm  habendorum  instaret  ac  le- 
gati  quatuor  electorum  Moguntini,  Coloniensis,  Trevirensis  ac 
Palatini,  nee  non  ordines  et  consiliarii  trium  provinciarum,  sei- 
licet  Bhenanae,  Inferioris  et  Westphalicae,  ad  petitionem  episcopi 
Monasteriensis  ad  diem  Luciae*,  quae  fuit  13.  Decembris,  Con-  is.  Dez. 
fluentiam  convenissent*,  episcopus  autem,  cum  difficillime  obsi- 

•')  Ms.:  Limae. 


*)  Von  der  Wagenburg  sagt  Bemh.  Krechting  am  25.  Juli  1535  aus 
(J.  Niesert  a.a.O.  S.  193):  »Item  up  des  konigs  propheteren,  das  se 
fiolden  up  Paschen  erloset  werden,  hebben  se  ehre  wagenborch  gemacht  in 
meynuiig  ehren  brodern  under  ogen  to  thehen."  In  der  Fassung  des  Be- 
kenntnisses M.  G.-Q.  II,  380  heifst  es,  „uit  angeven  des  vursz.  Graefsen 
hebben  se  dat  wagenborgh  verordent  to  macken  . . ."  Eine  genauere  Be- 
schreibung der  Wagenburg  liefert  uns  H.  Gresbeck  S.  123:  »So  hebben 
sie  die  wagenborgh  tho  genistet  und  hebben  dair  geschuit  in  laten  macken 
von  lialven  schlangen  und  von  falckenetten  und  halve  falckenetten  und 
schrappcntmers  und  hebben  ouck  laten  gietcn  eine  heile  veltslange  und 
hedden  ouck  up  karen  geschuit  gemacket,  recht  wie  orgelpipen,  die  bei 
einander  stonden,  von  heilen  hacken  ...  So  hebben  sie  die  wagenborch 
nicht  groter  gemacket,  dan  von  vieftehn  ofte  sefstehn  wagen,  wante  sie  en 
hedden  des  holtcs  nicht,  dat  sie  eine  groetter  macken  konden  . .  .^ 

■^)  „De  wagenborch,  so  se  angericht,"  sagt  Sybbeken  Frese  am  19. 
April  1535  aus  (St.-A.  M.),  »hebben  se  affgestalt  umb  gebrecke  der  perde.** 

')  Vgl.  oben  S.  684  f.  Eerss.  hat  keine  Kenntnis  von  den  Verhand- 
lungen, die  dem  Tage  zu  Goblenz  vorhergingen.  Bereitwillig  war  der  Herzog 
von  Cleve  auf  das  Hülfsgesuch  des  Bischofs  Franz  vom  G.  September  ein- 
gegangen und  hatte  am  11.  Sept.  erklärt,  er  halte  es  für  gut,  dafs  nicht 
nur  der  niederrheinisch-westfälische,   sondern  auch  der  oberrheinische  und 


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742  Anuo  1534  acta. 

dioni  ipse  abesse  uon  possit,  loannem  a  Dockheim  cognomento 
Preiss,  lodocum  Eulandum  archigrammateum,  doctorem,  Her- 
mannmn  a  Mengersen,  satrapam  Snalenbnrgicnm,  Temmonem 
ab  Hoerde,  anlae  episcopalis  hipparchmn,  ac  Eberardnm  ab  Elen 
a  secretis  eo  sno  nomine  ablegat.  A  capitnlo  vero  primario, 
eqnestri  ordine  et  dioecesi  Monasteriensi  Eotgerus  Smisinck, 
scholaster  aedis  maioris,  homo  apprime  doctns,  Gerardns  Morrien, 
dioecesis  hipparchns,  ac  Wilbrandns  Plonies,  consul  Monasteri- 
ensis  nrbis,  mittuntnr.  Qui  cum  eo  venissent  et  ad  coetmn 
principnm  legatornmque  admissi  fuissent,  ibi  nomine  stii  prin- 
cipis  per  oratorem  gratiis  actis  referunt  ^ :  Qnod  horrendum  ana- 


sachsische  Kreis  zur  Unterstützung  herangezogen  würden.  Doch  kam  es  zu- 
nächst nur  zu  einer  Yersammluiig  einiger  Stände  des  niederrheinisch-west- 
fälischen Kreises  zu  Köln,  die  in  ihrem  Abschiede  am  26.  Octoher  die  defini- 
tiveEntscheidung  auf  einen  erweiterten  Kreistag  im  Dezember  zu  Coblenz 
verschoben.  Inzwischen  hatte  sich  der  Bischof  erst  durch  Vermittlung  des 
Erzbischofs  von  Köln,  dann  selbständig  um  Hülfe  an  die  Kurfürsten  von 
Mainz  und  Trier  und  von  der  Pfalz,  weiter  an  Burgund  und  Lüttich,  am 

16.  October  auch  an  die  kaiserlichen  Gesandten  in  Fulda  gewandt.  Durch 
den  Einflufs  Cleves  hatte  zwischen  dem  Bischöfe  und  dem  Kurfürsten  von 
Sachsen  eine  Annäherung  zu  Anfang  November  in  Essen  Statt  gefunden. 
Auf  einer  Versammlung  zu  Oberwesel  war  es  dem  Landgrafen  vou  Hessen 
nicht  gelungen,  die  Kurfürsten  von  Mainz,  Trier  und  der  Pfalz  zu  einer 
ausreichenden  Hülfe  für  Münster  zu  bewegen  und  damit  die  gröfsere  Ta- 
gung der  Kreisstände  in  Coblenz  zu  verhindern.  Die  Kurfürsten  beschlossen, 
die  Entscheidung  in  Coblenz  abzuwarten  (Abschied  vom  16.  Nov.);  erst 
danach  hat  sich  der  Landgraf  entschieden,  auch  seinerseits  den  Tag  zu 
Coblenz  zu  beschicken.  Die  Beteiligung  des  niedersächsischen  Kreises  war 
durch  die  ablehnende  Stellungnahme  des  Herzogs  Georg  von  Sachsen  ver- 
hindert worden.  Nur  Kursachsea,  das  keinem  der  Kreise  angehörte,  nahm 
freiwillig  an  den  Beratungen  Teil.  Zur  Sache  vgl.  L.  Keller:  G.  d.  W. 
S.  262  ff.  und  in  der  „Histor.  Zeitschr.«  Bd.  47  (1882)  S.  482  f. 

*)  Im  Folgenden  giebt  Kerss.  eine  Uebersetzung  des  „Abschiedt  der 
vier  Churfursten  am  Rhein,  auch  der  Reynischen,  Niderl  endischen  und  West- 
feilschen  kreyfs  Stenndt,  Botschaftten  und  Rhet,  so  . . .  auff  dem  tag  Lucie 
Anno  etc.  xxxiiii  zu  Coblentz  erschienen  sein**  vom  26.  Dez.  (s.  P.  Bahl- 
mann:  Bibl.  1534  Nr.  8).  Auf  dem  Tage  waren  34  Reichsstände  ver- 
treten. Die  Namen  der  Gesandten  sind  auch  dem  Drucke  des  Abschiedes 
beigefügt.    Nach  einem  Schreiben  der  Münsterschen  Räte  zu  Coblenz  vom 

17.  Dez.  an  den  Hofmeister  Friedrich  von  Twist  (Orig.  in  der  Bibl.  des  Alter- 
tumsvereins zu  Münster  Mscr.  101)  kamen  dieselben  erst  am  15.  Dez.  zum 


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Anno  1534  acta.  743 

baptistanim  schisma  snperiori  Quadragesima  in  civitatem  Mona- 
steriensem  aliaqne  circnmfusa  op*pida  et  territoria  irrepserit,  et*p.  568. 
nisi  divina  ope  repressum  fuisset,  sine  dubio  illud  in  cladem 
multonim  et  avitae  religionis  interaecionem  latins  serptnrum 
fuisse.  Monasterienses  vero  tarn  in  contemptnm  privatae  admoni- 
tionis  a  caesarea  maiestate  factae  quam  in  Indibriam  publici 
illicis  edicti  adversas  imperii  signata  conventa,  adversus  publi- 
cam  pacem,  adversns  iusiurandnm,  adversns  pacta  et  sollicita- 
tiones  snas  coUegia  ac  templa  profanasse,  antiqnas  et  laudabiles 
ceremonias  ac  cultnm  divinum  profligasse,  inusitatos  mores  sub- 
stituisse,  libros,  literas  tam  signatas  quam  non  signatas,  instru- 
menta et  scripta  publica  magno  totius  reipublicae  malo  partim 
discerpsisse,  partim  flammis  exussisse,  omnem  magistratum  tam 
ecclesiasticum  quam  profanum  contempsisse  totumque  politicum 
ordinem  evertisse  ac  in  nihilum  redegisse,  multorum  civium 
bona  ipsis  pulsis  diripuisse  eademque  communia  inter  se  fecisse  \ 
ignotum  quendam  sarcinatorem  regem,  qui  se  Syonis  et  novae 
Hierosolimae  regem  appellarit,  creasse,  sicut  concionatores  a  se 
urbe  emissi,  qnorum  quidam  flammis,  quidam  aquis,  quidam 
gladio  transgressionis  poenas  dederint  *,  confessi  sint,  qui  et  hoc 
adiecerunt:  se  a  rege  popularis  seditionis  passim  concitandae 
gratia  ablegatos,  ut  innumerabilem  et  armatam  eiusdem  farinae 
hominum  multitudinem  non  solum  in  dioecesis  Monasteriensis, 
sed  etiam  totius  Germaniae  exitium  et  eversionem  cogant,  quae, 
si  per  vires  liceat,  totum  christianum  orbem  persuasura  eumque 
Omnibus  principibus  et  magistratibus  a  fide  sua  abhorrentibus 
gladio  incendioque  extinctis  sibi  subiectura  sit.  Haue  impie- 
tatem,  haue  rapinam,  hoc  flebile  et  per  vim  extortum  bonorum 
civium  exilium,  hanc  denique  plus  quam  cyclopicam  immani- 
tatem  et  barbaricam  tyrannidem  principem  suum  aegerrime  tu- 
lisse  et,  ne  rem  pessimi  exempli  in  sua  dioecesi  aequo  animo 
tolerasse  existimetur  neque  Germania  ac  tandem  totus  christianus 


Vortrage,  da  sie  „des  maendages  ander  yngefallenen  onderhandelong  by  den, 
stenden  angehört  bleven." 

')  Die  Vertreibung  der  Bürger  und  Verteilung  ihrer  Besitztümer  ist 
im  Abschiede  nicht  erwähnt.  —  ^)  Im  Abschiede:  „. ..  die  zum  theil  ge- 
fangen und  mit  dem  schwert  gericht  worden/ 


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744  Anno  1534  acta. 

orbis    negligentiae  snae  causa  in  vitae,    animarum  et  bonorum 
irreparabilem    cladem  praecipitetur,   ipsum  exercituS  tarn  eque- 
stres  quam  pedestres  comparasse  et  quorundam  vicinorum  prin- 
cipum  praesidia,  ut  in  Spirensibus  et  Augustanis  comitiis  con- 
venerat,  ad  reprimendam  istam  impietatem  et  audaciam  implo- 
rasse,  qui  magnitudinem  etiam  periculorum  expendentes  ingentem 
pecuniarum  summam  ipsi  in  sumptum  belli  mutuayerint,  milites, 
♦  p.  569.  tormenta  pulveremque  bombardicum  in  auxilium  trans*niiserint 
certissima  quidem  spe  rebellionem  Monasteriensium  retundendi 
et  per  gratiam  divinam  eos  ad  pristinam  obedientiam  revocandi  ^; 
sed  nihil  hucusque  cum  fructu  actum  esse.   Proinde  ipsum  con- 
tracto  bello  in  compendium   septem  castra  fossis    aggeribusque 
munita,  quibus  singulis  quingentorum  militum  praesidium  *  ad- 
iectis  quibusdam   equitum  turmis    impositum  sit,  ut  oppidanis 
commeatus   intercluderetur,    circum   urbem   erexisse  et  partim 
dioecesis  sumptibus,  partim  mutua  pecunia  in  nonum  iam  men- 
sem  sustentasse  et  ultra  septies  centena  florenorum  miUia  huic 
rei  impendisse,  nee  ipsum  iam  diutius  has  impensas  sine  aliorum 
auxilio  perferre  posse  neque  'maiori  mutuo  superiori  nondum  so- 
luto  principes  degravare  andere*.   Quare  status,  legatos  et  con- 
siliarios  superiorum  principum  et  provinciarum  trium,  quotquot 
bis  comitiis  intersint,  suum  principem  rogare  atque  obsecrare,  ut 
horrendam  haue  causam  simul  et  periculosam  diligenter  secum 
expendant  neque  novum  regnum  Turcicum  in  medio    christiani 
orbis  coalescere  sinant*,  sed  subito  eximioque  praesidio  sibi  suc- 
currant  atque  subveniant^.     Si  enim  illud  futurum  non  sit,  se 
diutumo  bello  exhaustum  et  fractum  rebus  istis  diutius  super- 
esse non  posse.   Si  quid  inde  mali  aut  inconmiodi  Romano  im- 
perio  contingat,  principem  suum  purgatum  esse  velle. 

')  Gemeint  sind  die  Hülfsverträge  des  Bischofs  mit  dem  Erzbischofe 
von  Köln  und  dem  Herzoge  von  Cleve  zu  Köln  am  7.  Mai  und  20.  Juni. 
Vgl.  oben  S.  592  Anm.  u.  600  ff. 

^)  Im  Abschiede;  „sieben  fenlin  kriegsknecht«.** 

')  Im  Abschiede:  „. . .  so  wer  den  chur-  und  fürsten,  die  s.  f.  g.  bifs 
anher  hilff  geleyst,  hoch  beschwerlich,  etwas  weither  daruf  zu  wenden.« 

*)  Neque  —  sinant  ist  Zusatz  Kerss.'s.  —  »)  Im  Abschiede:  ,,. . .  und 
8.  f.  g.  itzo  mit  einer  ylenden  und  zu  künfftigen  wettertagen  mit  einer  stat- 
liehen  und  beharlichen  hilff  zu  trost  und  stewer  kommen.« 


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Anno  15o4  acta.  745 

Cum  Monasterienses  finem  dicendi  fecissent,  illis  digressis 
res  in  consultationem  est  delata.  £t  cum  non  solnm  confirmato 
Monasteriensi  ac  dioecesi,  verum  etiam  imperatoriae  ac  regiae 
maiestatibus,  imperio  ac  Germanicae  nationi  ac  tandem  toti  Chri- 
stiane orbi  clades,  exitium  atque  eversio  ex  hac  sceleris  impuni- 
tate,  si  non  reprimatur,  sit  metuenda,  Monasteriensem  ergo  tan- 
qnam  imperii  membrom  et  reliqnos  dioecesis  ordines  nullo  modo 
deserendos  et  non  minus  contra  haue  seetam,  quam  Turcam, 
bellum  ab  imperio  suscipiendum  esse  censent^  Quanquam 
autem  Joannes  Fredericus  dux  Saxoniae,  elector,  ad  has  tres 
provincias  huc  accitas  non  pertineat,  a  reliquis  tamen  electori- 
bus  et  episcopo  Monasteriensi  ^  rogatus,  cum  causam  comitiorum 
intellexisset,  suos  quoque  legatos  cum  auctoritate  eo  mittit  et 
se  in  hac  pia  causa,  quae  omnium  merito  cliristianorum  prae- 
sidium  posceret,  contributionem  sua  sponte  facturum  pollicetur, 
ut  Schisma  hoc  plenum  periculis  maturius  supprimatur;  quare 
*et  huius  legati  ad  consilia  a  statibus  admittuntur.  Post  con-»p.  570. 
sultationem  diutumam  concordibus  tandem  sufEragiis  ad  susten- 
tationem  erectorum  castellorum  et  ad  continuandam  obsidionem 
subsequentia  praesidia  et  articulos  decemunt: 

Primum  Septem  castra  ad  obsidendam  urbem,  et  ad  prae- 
sidium  eorum  tria  millia  exercitatissimorum  militum  sufficere^ 
Si  vero  Imperator  praecipuus  iam  designatus  reliquique  quatuor 
iUi  a  consiliis  militaris  delectus  praefecti  post  accuratam  rerum 
inspectionem  utile  et  necessarium  esse  iudicaverint  pluribus 
castris  urbem  cingendam,  confirmati  Monasteriensis  curiae  et 
dioecesis  impensis  illud  incumbet,  ita  tamen,  ut  tria  tantum 
millia  peditum  in  castella,  quotquot  etiam  fnerint,  distribuantur. 
Stipendiorum  quoque  exacta  ratio  habebitur,  ut,  si  quibus  plura, 
quam   rerum,   officiorum  et  personarum   dignitas   postulaverit, 


*)  Im  Abschiede:  „. ..  keins  wegs  zu  verlassen,  sonder  das  inen  die 
hilff  pillich  mitgeteilt  werde;  haben  demnach  zu  underhaltnng  der  ploch- 
heuser  sich  itzo  einer  jlender  hilff  und  anders  halber  nachfolgender  ar- 
tickell  entschlossen/ 

*)  „. . .  auf  meiner  gnedigsten  hem  der  chur-  und  fursten  Cöln, 
Gnlch  und  des  confirmirten  von  Monster.^ 

')  Auch  sollen  die  Blockhäuser  „mit  geschütz  und  desselben  zuge- 
hörde  wol  versehen  und  bestelt  werden/ 


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746  Anno  ir)34  acta. 

stipendia  assignata  faerint,  cum  illis  familiariter  de  diminutione 
stipendiornm  agendnm,  ne  modns  excedatnr,  ut,  qnod  istis  de- 
tractum  fuerit,  aliis  usibns  necessariis  applicetnr.  Ad  haec  si 
fossae  et  aggeres  snperimpositis  cratibns  roboreis  in  sommitate 
dentatis  a  castris  ad  castra  continuo  dactu  nondum  protracti 
fnerint  neqae  castra  tormentis,  globis,  pnlvere  nitrato  aliisqae 
rebus  ad  bellum  pertinentibus  nondum  sint  communita,  ut  id 
propediem  a  confirmato  reliquisque  Monasteriensis  dioecesis  sta- 
tibus,  sicut  in  Essendianis  comitiis '  convenerit,  diligenter  curetur 
atque  efficiatur. 

Praeterea,  cum  necesse  sit  omnes  vias  circum  urbem  ita 
obsessas  teuere,  ne  oppidani  insperatis  eruptionibus  adversus 
milites  insolescant  neve  quis  ex  urbe  elabatur  efifugiatque  neve 
eam  ingrediatur,  ad  quam  rem  efflciendam  cum  non  equites  ex- 
terranei,  sed  dioecesani  partim  propter  viarum  locorumque  noti- 
tiam,  partim  pro  in  patriam  periclitantem  amore  adducti  promp- 
tiores  accommodatioresque  videantur,  et  in  comitiis  Essendianis 
confirmatus  et  nobilitas  Monasteriensis  se  trecentos  equites  suis 
sumptibus  et  impensis  in  eam  rem  sustentaturos  receperint,  — 
cum  legatis  itaque  Monasteriensium  actum  esse,  ut  pollicitis 
satisfiat  et  totidem  equites  ad  oppidanorum  eruptionem  aut 
fugam  in  castris  ad  expeditionem  instructi  semper  maneant  dili- 
*p.  571.  gentiusque,  quam  hactenus,  in  officio  suo  vigilent*  *negligen- 
tiamque  maiori  studio  sarciant  imperatorisque  monitis  pareant; 
et  nisi  id  fiat,  metuendum  esse,  ne  principes  et  Status  provin- 
ciarum  decretum  auxilium  iusta  de  causa  denegent. 


')  Vgl.  oben  S.  683  Anm.  3.  —  «)  Die  UeberwachuDg  der  Stadt  durch 
die  Bischöflichen  hatte  in  der  That  bisher  viel  zu  wünschen  übrig  gelassen. 
Das  beweisen  die  erfolgreichen  Streifzüge  der  Münsterer  zum  Zwecke  der 
Zuführung  neuen  Proviants,  von  denen  die  oben  angeführten  Bekenntnisse 
reden,  und  die  Aussendungen  um  Hülfe  nach  Holland  u.  s.  w.  Joh.  Kettel 
van  Tiel  sagt  ausdrücklich  (M.  G.-Q.  U,  292):  „se  können  dach  und 
nacht  uth  der  stat  und  wedder  in  kommen."  W.  Scheifiart  ge- 
steht (M.  G.-Q.  II,  294),  man  habe  den  Glaubensgenossen  in  Holland^ 
Brabant  u. s.w.  ansagen  lassen,  „dat  se  sick  dair  binnen  foegen,  want  se 
kunnen  tusschen  die  blockhuser  aen  faer  herdurch  komen»*' 
Am  13.  Dez.  erl&fst  der  Bischof  strengen  Befehl  an  die  Amtleute,  sie  sollten 
für  bessere  Einrichtung  des  Wachtdienstes  sorgen  (Konzept  im  St-A.  M.)« 


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Anno  1534  acta.  747 

Tertio  in  primis  curandnm  esse,  nt  periti  longoqne  bel- 
lomm  usn  exercitati  et  seduli  duces  militibns  praeficiantor.  Et 
cum  Wilkinns  Stedingus  hactenns  omnium  castrorum  snpremus 
rector  faerit,  mnltis  de  causis  imperatori  militiae  iam  designato 
et  qnatuor  Uli  a  consiliis  committitur,  ut  quam  diligentissüne 
de  Ullas  industria  inqniratur  et  Uli,  quo  dignns  officio,  desti- 
netur.  Totius  autem  militiae  tam  equestris  quam  pedestris  Wi- 
richns  comes  a  Valckenstein  ac  dominus  in  überstein  moderator 
seu  Imperator  designatur  \  ut  coeptam  obsidionem  sex  mensibus, 
quibus  auxilium  decretum  est,  praesens  in  castris  semper  con- 
tinuet,  nocturnae  diumaeque  vigiliae  et  stationes  tam  equitum 
quam  peditum  quam  accuratissime  agantur,  ne  quicquam,  quod 
ad  pubUcum  et  privatum  imperatoris  officium  pertinet,  omit- 
tatur.  Huic  quatuor  consiliarii  rei  bellicae  peritissimi  a  Trevi- 
rensi,  Coloniensi,  luliaco  et  Hasso  designandi  adiunguntur,  quo- 
rum  semper  bini^  altemis  mensibus  consUii  capiendi  causa  de 
rebus  praeter  opinionem  forte  incidentibus  in  castris  apud  mo- 
deratorem  militiae  manebunt,  quorum  etiam  consilio  pactorum 
militarium  articuli  pro  ratione  circumstantiarum  conmiutabuntur, 
delectus  militum  habebitur,  castra  necessariis  munitionibus,  fossis, 
aggeribus,  cratibus  roboreis,  tormentis  et  similibus  firmabuntur*. 
Ad  haec  grammateus  exercitatus  designabitur*,  qui  continuus 
in  castris  degat  nee  ab  imperatore  recedat. 

Quarte  ad  sustentationem  exercitus  castrensis,  supremi  mo- 
deratoris  et  quatuor  consiliariorum,  quaestoris  aerarii,  grammatei 
militaris,  exploratorum,  nunciorum  aliorumque  impendiorum  quin- 


*)  Oberster  Feldhauptmann  vor  Münster  war  bisher  nach  den  Be- 
stimmungen des  zweiten  Tages  zu  Neufs  am  20.  Juni  der  Bischof  Franz^ 
(s.  oben  S.  604  Anm.  2). 

*)  „, ..  als  nembllch  der  Tryrisch  und  Gülgisch  und  darnach  der 
Cölnisch  und  Hessisch  . .  .'^  Die  Eäte  sollen  zuerst  am  6.  Januar  1535  in 
Warendorf  sein. 

*)  Im  Abschiede  heifst  es  weiter:  „. . .  sich  daby  gelegenheit,  wesens 
und  haltens  des  kriegsvolcks  eygentlich  erkundigen  und  was  mangels  und 
ungeschicklicheit  erfunden  wurde,  dasselbig  sampt  dem  obersten  zum  besten 
keren  und  anschicken  . . .,  was  aber  ires  erhebens  nit  were,  dasselbig  jeder 
zeit  an  die  obgemelten  chur-  und  forsten  zu  bringen,  der  gepur  dar  nnder 
zu  verfügen.**  —   *)  Und  zwar  von  Seiten  des  Obersten. 


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748  Anno  1534  acta. 

decim  miUia  ilorenonun  Bhenensiom  in  singulos  menses  a  prae- 
dictis  principibus  et  provinciarnm  ordinibus  contribuenda  decer- 
nuntur  \  unde  moderator  totius  rei  militaris,  quem  imperatorem 
appellavimus,  qningentos,  consiliarii  singiüi  et  delectus  praefecti 
ducentos,  qnaestores  aerarii  quinquaginta,  grammateas  qninqne 
et  viginti  florenos  singulis  mensibns  capient;  reliqnis  vero  penta- 
••p.  572.  cosiarchis,  signiferis,  centurionibus,  tribunis  inferiorumqne  *offi- 
ciorum  praefectis  et  gregariis  militibns  Embdensis  monetae  floreni 
assignantnr.  Hoc  autem  praesidium  ad  sex  tantum  menses  de- 
ceraitnr.  Sed  si  intra  illud  tempus  nrbs  non  capiatur,  aliis  co- 
mitiis  opns  esse.  Triam  priornm  mensium  decretnm  praesidium 
ad  festum  Purificationis  Mariae*,  inde  duorum  ad  festum  Pa- 
schae^,  Ultimi  autem  mensis  ad  festum  Pent-ecostes  *  exolvetur. 
Trium  electorum,  scilicet  Moguntini,  Trevirensis,  Palatini,  illo- 
rumque  provinciales  simul  et  Rhenanae  provinciae  status  suam 
decreti  praesidii  partem  apud  senatum  Confluentium,  sed  Colo- 
niensis,  Saxo  simul  et  Inferioris  ac  Westphalicae  provinciae 
ordines  contributionem  suam  apud  senatum  Coloniensem  depo- 
nent,  unde  militiae  consiliarii,  quoties  opus  est,  in  usum  stipen- 
diorum  redditis  apochis  postulabunt.  Si  vero  interea  urbs  vel 
expugnetur  vel  dedatur,  ratione  facta  et  deductis  impensis  super- 
flua  pecunia  pro  rata  portione  singulis  statibus  restituetur.  Qua- 
tuor  militiae  consiliarii  loannem  üdenheim  in  quaestorem  aerarii 
adsciscunt,  qui  legatis  principum  ac  provinciarnm  oumium  re- 
ceptorum  expositorumque  rationem  exactam  reddet;  dabitque 
operam,  ne  miles  negati  sibi  stipendii  causa  in  castris  tumul- 
tuetur.  Totius  militiae  moderator,  consiliarii,  duces,  pentacosi- 
archae  et  omnes,  quotquot  officiis  condecorantur,  principibus  et 
statibus  supradictis  sacramento  militari  erunt  obstricti,  miles 
quoque  nunc  in  castris  et  obsidione  degens  hactenus  confirmato 
Monasteriensi  iureiurando  obligatus  eo  remisso  universae  militiae 
gubernatori  nomine  superiorum  statuum  iuratus  erit*. 

M  ^. . .  und  8ol  solcher  Rjnisch  gülden  zu  fünflPteehen  balzen,  sechss 
und  tzwentzig  weyfspfennig  und  tzwen  pfennig,  oder  ein  und  tzwentzig 
groschen  oder  dergleichen  werdt  verstanden  und  gerechent  werden.** 

*)  2.  Febr.  If»85.  —    »)  28.  März.  —    *)  16.  Mai. 

*)  Diese  Bestimmung  führte  später  zu  Differenzen  zwischen  dem 
Bischof  und  dem  Oberbefehlshaber.   S.  weiter  unten.  ~  Im  St.-A.  M.  haben 


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Anno  1534  acta.  749 

Qninto  decretnm  est  milites  nnnc  in  castris  retinendos  esse, 
sed  alios  ipsis  adinngendos,  non  tarnen  ultra  triam  millinm  nn- 
merum,  nisi  aliqui  eomm  vel  inobedientiae  vel  contumaciae  vel 
sceleris  et  impietatis  vel  mditatis  armorum  nomine  in  delectn 
militiae  excludantnr,  in  qnorum  locnm  meliores  et  exercitatiores 
snbstitnantnr. 

Sexto  matura  deliberatione  in  bis  comitiis  constitutum  est, 
ut  civitates,  pagi,  arces  et  quaelibet  aliae  munitiones,  quae  a 
confirmato  ac  dioecesi  Monasteriensi  defecerunt  aut  in  posterum 
defecerint  *et  per  principum  provinciarumque  decretum  auxilium  »p.  573. 
iure  belli  recuperatae  fuerint,  iurisdictioni  episcopali  nullo  modo 
subtrahentur  neque  a  dioecesi  Monasteriensi  et  imperio  quovis 
colore  quaesito  abalienatae  peregrinis  dominus  subiicientur  K  Si 
Monasterium  intra  decreti  praesidii  sex  menses  aut  expugnatum 


sich  (M.  L.A.  518/19  VIII.  fol.  167  «f.)  die  Artikel  erhalten,  die  von  den 
Kreisständen  in  Coblenz  im  Laufe  der  Verhandlung  den  Münsterschen  Räten 
vorgehalten  wurden,  ebenso  die  Antworten,  die  die  Räte  darauf  erteilten. 
Auf  den  Artikel,  dafs  der  Bischof  „die  knecht  mit  den  gethanen  pflichten 
an  den  uhersten  hauptmann  weisen  solt,  demselbigen  an  stat  der  kreys- 
stende  etc.  gewertig  zu  sein,*'  erwiderten  die  Räte  schon  während  der  Ver- 
handlungen, „das  mein  g.  h.  ongetzweivelt  sampt  dero  lantschafft  sich  nit 
wenig  des  wurden  erfreuwen,  das  die  stende  darselbst  einen  uhersten  haupt- 
man  verordent,  und  wurde  auch  ir  f.  g.  zu  noitturfFt  und  berichtung  der 
Sachen  die  iren  zugeben.  Aber  die  rethe  wyllen  ...  nit  bergen,  das  die 
knecht,  und  zuvor  die,  so  ein  einf eltig  und  ploefs  bezoldung  hetten,  ... 
gern  sich  aus  dem  dienst  begeben  selten.  Wo  nu  dieselbig  knecht  selten 
mit  pflichten  und  eyden  demselbigen  uhersten  zugestalt  werden  und  auff 
neuwe  artickell  und  besteUung  sweren  selten,  das  daraus  sie  Ursachen 
muchten  nemmen,  sich  aus  dem  dienst  zu  begeben  und  die  blockhausser 
zu  yerlaissen  . . .  Mein  g.  h.  wurde  wal  verschaffen,  das  die  knecht  dem 
uhersten  sollen  gehorsam  leisten  . .  .** 

^)  In  Bezug  auf  die  Verpflichtung  des  Bischofs,  „das  stifft  Munster 
bei  dem  reich  unzertrent  pleiben  zu  lassen,  auch  das  in  ander  band  nit 
stellen  adir  an  sich  zu  loefsen  nit  vcrgunnen,*'  erklärten  die  Münsterschen 
Räte  während  der  Verhandlungen,  „das  mein  g.  h.  noch  derselbige  lant- 
schaffti  dasselbig  in  ir  gemuet  nit  genommen,  vil  weniger  wurden  sie  es 
thun,  wan  inen  von  e.  g.  w.  und  gunsten  wurde  gehulffen  . . .  Solt  aber  an 
der  hilff  mangell  geschehen  . . .,  haben  e.  g.  w.  und  gunsten  zu  erachten, 
das  mein  g.  h.  aus  dem  stifit  müsse  entweichen,  so  sie  sieh  selbst  nit  helffen 
ader  erretten  kunten.** 


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750  Anno  1534  acta. 

aut  deditione  facta  recnperatnm  sit,  nnlla  reipnblicae  forma  in 
eo  citra  dictomm  principum  ac  statnnm  consensnm  et  arbitrinm 
institaetur.  Qna  in  re  confirmatus  et  reliqni  dioecesis  Mona- 
steriensis  ordines  signatis  literis  sese  obligab^nt^ 

Septimo,  si  anabaptistae  liberandae  nrbis  causa  conflaxerint 
et  aut  in  castra  aut  provinciam  aliquam  impetum  fecerint,  re- 
liquae  provinciae  subitam  opem  oppressis  aut  afflictis  ferent^. 
Electores  et  provinciarum  status  in  suis  regionibus,  territoriis  ac 
dominus  diligentissime  vigilabunt,  ne  quam  retinctorum  turbam 
intra  fines  suos  coalescere  sinant,  sed  eos  apprehendant,  ut  iuxta 
imperii  caesarisque  edictum  poenae  commeritae  subiiciantur. 

Octavo,  cum  metuendum  sit,  ne  subitum  hoc  praesidium 
ad  rem  praesentem  conficiendam  non  sufficiat,  decretum  est  ita- 
que,  ut  confirmatus  Monasteriensis,  ad  quem  haec  causa  potissi- 
mum  pertinet,  secundum  imperii  sanctiones  praecipuos  reliquarum 
provinciarum  Septem  principes  per  legatos  exoret,  ut  provinciales 
suos  ad  diem  dominicam  Quasimodogeniti,  quae  fuit  4.  Aprilis 
anni  1535,  Wormatiam  comitiorum  habendorum  gratia  convocent, 
ubi  fusius  de  insequentis  temporis  auzilio,  si  urbs  interea  non 
capiatur,  consultetur®.  Ad  quem  etiam  diem  Ferdinandus  Carolo 
imperatore  occupato  non  solum  electorum,  verum  etiam  confir- 
mati  Monasteriensis  familiaribus   scriptis  et  legatis  invitabitur. 


')  Auch  soll  der  Bischof  den  Kriegsraten  ein  Verzeichnis  aller  Städte, 
Schlösser  und  Flecken  seines  Landes  zustellen.  Dann  heifst  es  im  Abschiede 
weiter :  „Doch  was  mein  g.  und  g.  hem  Cöln  und  Gülch  und  ander  chnr> 
und  fürsten  dem  confirmirten  uff  zimliche  ablöfsliche  verschreibung  für- 
gestreckt,  das  solchs  iren  chur-  und  f.  g.  fhrbehalten  und  unabbruchlich 
sein  soll."  —  Ein  Verzeichnis  der  St&dt«  u.  s.  w.  des  Stifts  befindet  sich 
im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/1«  VUI.  fol.  75  und  hat  den  Vermerk:  „Gelych 
ludende  zedell  is  na  vermöge  des  avescheitz  to  Goblentz  dem  oversten  velt- 
hopmann  und  yeer  kriegessreeden  tor  Wolbecke  donredach  na  Conversionis 
Pauli'  (28.  Januar)  „overgoven  anno  etc.  35.*^  —  Die  geforderte  Beurkun- 
dung ist  vom  Bischöfe  und  der  Landschaft  am  7.  Febr.  1535  ausgefertigt 
(Orig.  im  St-A.  M.,  Fürstent.  M.  Nr.  3017). 

^)  „Und  im  fal,  so  einer  oder  mehr  stende  . . .  von  einem  andern 
aberzogen  und  zur  gegenwehr  gedrungen,  das  die  der  ylenden  hilff  wegen 
zu  leysten  entladen  sein.'' 

')  Der  dahin  lautende  Brief  des  Bischofs  an  die  Obersten  der  ein- 
zelnen Kreise  datiert  aus  Iburg  vom  1.  Jan.  1535  (Kopie  im  St-A.  M.). 


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Anno  1534  acta.  751 

ut,  cum  omnium  provinciarum  totinsque  imperii  ßomani  intersit 
hoc  seditiosom,  impinm  et  nefandom  schisma,  quod  iam  maltas 
regiones  invasit  atqae  in  aliis  latens  incrementnm  sampsit,  deleri 
et  extirpari,  commani  qnodam  provinciarum  et  imperii  tum  con- 
silio  tum  auxilio  de  eo  supprimendo  agatur  et  quibus  poenis 
detentores  urbis  Monasteriensis  ea  capta  afficiantur  K  Hoc  etiam 
eodem  die  de  collatione  superiorum  sumptuum  trium  provincia- 
rum consultabitur,  ut,  quod  ad  omnes  aequaliter  spectat,  omnium 
aequalibus  *impensis  conficiatur^  »p.  574. 

Trium  provinciarum  principes  ac  status  hie  iam  praesentes, 
etiamsi  specialiter  ad  futura  Wormaciensia  comitia  non  revo- 
centur,  tarnen  ipsi  vel  legati  ipsorum  cum  plena  auctoritate  de 
utilitate  publica  acturi  communi  ordinum  consensu  ac  mandato 
adesse  iubentur.  Quamvis  trium  provinciarum  quidam  neque 
suam  neque  legatorum  suorum  copiam  fecerint  neque  se  de  ab- 
sentia  sua  purgaverint,  decretis  tamen  horum  comitiorum  non 
minus,  quam  praesentes  parebunt^.  Si  quis  suam  decreti  prae- 
sidii  partem  exolvere  detractaverit,  adversus  hunc  tanquam  in- 
obedientem  fiscus  imperii  ex  officio  suo  iure  experietur^. 

Cum  autem  nunc  praesens  rei  necessitas  subitam  provin- 
ciarum opem  serio  deposcat,  ne  miles  desertis  castris  di£Quat, 
cum  legatis  electorum  et  principum  Coloniensis,  Saxonis,  Cli- 
vensis,  Hassi,  Leodiensis  ac  Monasteriensis  actum  est,  ut  singuli 
principes  tria  millia  florenorum  continuo  conferant  et  expendant. 
Coloniensis  vero  senatus  cum  ad  hoc  non  possit  adduci,  ut  idem 


^)  Kopie  des  Schreibens  der  in  Coblenz  versammelten  Botschafter 
und  Räte  vom  31.  Dez.  1534  und  des  Schreibens  des  Bischofs  aus  Iborg 
vom  1.  Jan.  1535  an  den  Römischen  König  Ferdinand  im  St.-A.  M.  Orig. 
der  zustimmenden  Antwort  des  Königs  Ferdinand  an  den  Bischof  vom  5. 
Februar  ebendas. 

')  Im  Abschiede  ist  hier  weiter  bestimmt,  dafs  „im  fal,  das  in  mitler 
zeit  die  stat  Monster  erobert,  dieweil  sich  dan  die  sect  weither  ausgebreyt 
hat,^  trotzdem  die  Beratungen  zu  Worms  Statt  finden  soUen. 

")  Im  Abschiede:  „. . .  sol  inen  dieser  abschiedt  mit  antzeige,  wie  ein 
jeder  in  der  y lender  hilff  angeschlagen,  zugeschickt,  und  zu  dem  angesetzten 
tag  ghein  Wormbs  . . .  abermals  beschrieben  und  erfordert  werden  ..,'^ 

*)  Der  Abschied  hat  den  Zusatz:  ,.£s  sol  auch  der  anschlag,  wie 
der  itzo  zu  der  ylender  hilff  gestelt  worden,  niemant  an  seiner  protestation 
der  ringerung  halber  . . .  künfftiglich  zu  nachteil  reychen  oder  gelangen. ** 


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752  Anno  15o4  acta. 

faciat,    Clivenses  tarnen  se  id  apud  senatum  effectnros*  polli- 
centnr  ^ 
28.  Dez.  Decernitur  etiam  23.  Decembris  in  iisdem  comitiis  scrip- 

tum publicum  \  quo  oppidani  serio  prius  admoneantur,  ut  secnm 
meliore  mentis  parte  seclusis  omnibus  perturbationibus  ezpen- 
dant,  quam  impie  et  nequiter  tam  ius  divinum  quam  humanuni 
violaverint,  catholicae  ecclesiae  decreta  pariterque  principum 
sanctiones  ezcusserint,  sacramenta  contaminaverint,  pristinas  ec* 
clesiae  ceremonias  et  cultum  divinum  antiquitus  receptum  pro- 
fligaverint,  sua  somnia  in  locum  reposuerint,  templa  profana- 
verint,  profanata  diripuerint  et  tandem  solo  aequaverint,  publi- 
cam  pacem  violenter  poUuerint,  magistratum  suum  deiecerint, 
regem  sarcinatorem  propria  auctoritate  creatum  -substituerint, 
cives  spoliaverint,  spoliatos  urbe  in  exilium  exegerint,  bona  eoram 
ad  se  traduxerint  et  inter  se  communia  fecerint  aliaque,  quae 
neque  pia  neque  iusta  sint,  perpetraverint.  Imperii  proinde 
•p.  575.  principes  et  provinciarum  proceres  postulare,  ut  ad  *cor  reversi 
impia  dogmata  aversentur  et  reiiciant,   magistratum  legitimnm 

»)  Ms.:  effectumm. 


')  Während  der  Verhandlungen  war  der  Artikel  aufgestellt  worden, 
dafs  bis  zum  2.  Febr.,  dem  Zahlungstermine  für  die  erste  Rate  der  zu  be- 
willigenden Hülfe,  der  Bischof  und  die  Münsterschen  Stände  allein  „die 
weghe  suchen*'  sollen,  „damit  an  der  underhaltung  des  kriegfsvolcks  nit 
mangel  erscheine;  soll  inen  solch  dairgelegt  gelt  yeder  tzeit  in  erlegung 
der  kreifsanlage  wider  vergnügt  werden.^  Erst  auf  Bitten  und  Vorstellung 
der  Münsterschen  Gesandten  wurde  dieser  Artikel  abgeändert.  Doch  er> 
klärten  die  Abgeordneten  des  Bischofs  von  Lüttich  nur,  sie  hofften,  ihr 
Herr  werde  sich  auf  diese  Bestimmung  einlassen.  Auch  sagten  im  Ab- 
schiede nicht  nur,  wie  Eerss.  berichtet,  die  Gesandten  des  Herzogs  von 
Cleve  ihre  Vermittlung  beim  Rate  der  Stadt  Köln  zu,  sondern  auch  die 
des  Erzbischofs  von  Köln.  Der  Abschied  schliefst  sodann  mit  der  Ver- 
sicherung der  Abgeordneten,  dafs  die  beschlossenen  Hülfsgelder  bis  zum 
2.  Febr.  richtig  erlegt  und  die  etwa  säumigen  Stände  durch  gemeinsames 
Vorgehen  gezwungen  werden  sollen,  ihren  Verpflichtungen  nachzukommen. 

')  Kopie  des  Schreibens  der  in  Coblenz  yersammelten  Botschafter 
und  Räte  vom  23.  Dezember  an  die  Inhaber  der  Stadt  Münster  im  St.-A. 
Marburg  und  im  Stadt-A.  Strafsburg,  neuere  Abschrift  im  St-A.  M.  Das 
Schreiben  hält  den  Münsterem  zunächst  ihr  Vorgehen  in  der  Form  vor, 
wie  es  auf  dem  Tage  zu  Coblenz  von  den  Räten  des  Bischofs  geschildert 
worden  war. 


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Anno  1535  acta.  753 

in  pristinnm  honoris  dignitatisqne  locnm  reponant,  cives  bonis 
exntos  et  in  exilinm  pnlsos  in  priorem  statnm  restitnant,  civi- 
tatem  et  poenae  et  gratiae  dedant.  Si  vero  illud  factnri  non  sint 
neqne  haec  salntaris  et  familiaris  admonitio  apnd  ipsos  quic- 
qnam  ponderis  sit  habitnra,  sed  in  ventos  eam  excutere  malne- 
rint,  sciant  principes  et  ordines  imperii  commnnibos  anziliis  et 
impensis  contra  ipsos  arma  snmptnros^ 

Haec  snnt  in  comitiis  Conflnentinis  acta. 


Annus  1535/ 

Hoc  superius  scriptum  Wirichus  generosus  ab  überstein, 
totius  militiae  iussn  principmn  triumqne  provinciarnm  praefectns, 
qnamvis  ipse  ante  diem  18.  lanuarii  in  castra  non  venerit,  per 
nnncinm  ad  oppidanos  mittit,  cni  prins  tntnm  commeatom  ad 
portam  Manritianam  veniendi  recedendiqne  per  literas  snas  ^  im- 
petrat.  Nam  in  haec  verba  oppidani  13.  lanuarii  respondent*:  i».  J*n. 
,,Nos  gratia  Dei  secundum  verbum  suum  designati  rectores,  cives 
ac  inhabitatores  sanctae  civitatis  Monasteriensis  tua  Wirichi  co- 
mitis  in  Yalckenstein  ac  L  jmborch,  domini  in  überstein  ac  Broeck, 
constituti  militiae  praefecti  etc.,  scripta  accepimus,  quibus  pe- 
titur,  nt  nuncio  tue  die  14.  lanuarii  hora  nona  ad  portam  Mau- 


^)  Das  Schreiben  der  Ereisstände  lautet  znm  Schlufs:  ,. . .  das  wir 
dan  in  erwegang,  das  noch  etliche  junge  und  frome  leuthe  bey  euch  sein 
möchten,  denen  solche  ungeschickte  Sachen  nit  lieb,  die  auch  der  ding  nit 
ursach  sein  noch  gefallen  haben  mochten  . . .,  nit  mögen  underlassen,  euch 
nochmals  uffs  höchste  zu  erinnern  und  zu  ermanen  . . .,  ihr  wollet  . . .  von 
solchem  eueren  irsal  und  . . ,  fumemen  abstehen  . . .  Dan  wo  das  nit  . . ., 
so  seint  . . .  rom.  keys.  und  kon.  Mt.  . . .  und  alle  christliche  stende  und 
glider  des  romischen  reichs  • . .  geneigt  . . .,  das  sie  dem  bestetigten  und 
stifft  Munster  des  fhals  mit  hulfF  und  bystandt  nit  verlassen  werden  . .  .** 

*)  Vergl,  oben  S.  341  Anm. 

>)  Vom  12.  Jan.  1535.  Abgedr.  M.  G.-Q.  II,  305  f.  Es  geht  daraus 
hervor,  dafs  Eerss.^s  weiter  unten  wiederholte  Behauptung,  Wirich  sei  erst 
am  18.  Januar  vor  Munster  eingetroifen,  iirig  ist 

*)  Kopie  im  St-A.  M. 

24 


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754  Anno  1535  acta. 

ritianam  veniendi  literasqne  nomine  principnm  imperii  ac  pro- 
vinciarum  triam  ad  civitatem  nostram  adferendi  liberam  com- 
meatum  dare  velimus.  Ad  qnae  respondemus :  nos  neminem  nn- 
quam  a  nobis  repulisse,  sed  semper  quosvis  libenter  admisisse, 
nt  cansas  snas,  si  quas  habuerint,  nobiscum  agant;  quae  eadem 
benevolentia  merito  a  nostris  adversariis  nobis  qnoque  eipectanda 
esset.  Permittimus  itaque,  ut  nuncius  ille  tuto  nostro  commeatu 
fretns  ad  portam  urbis  nostrae  Mauritianam  veniat  literasqne, 
quas  habet,  tradat  libereqne  recedat.  Nos  similiter  petimus,  nt 
et  noster  nnncius,  quem  ad  principes  qnosdam  ablegabimus,  se- 
cnram  a  yobis  abenndi  redenndique  libertatem  habeat.  Qoid 
homm  facturi  sitis,  responderi  cnpimus.  Datum  sub  signo  no- 
strae civitatis  die  Mercurii  post  Trium  Eegum  anno  1535." 
*p.  576.  *Tabellarium  hunc  ad  se  missum  benigne  ezcipiunt,  munere 

decorant,  scripta  allata  legunt  et  quaedam  inepta  alienissima  a 
proposito  Viva  voce  respondent,  sed  accuratius  ac  deliberatius  se 
scriptis  per  suum  nuncium  responsuros  recipiunt.  Eodem  itaque 
die,  quo  scripta  allata  fuerant,  nempe  14.  lanuarii,  brevi  delibe- 
14.  Jan.  ratione  habita,  uti  receperant,  respondent  ^  eamque  responsionem 
Lantgravio  per  nuncium,  pro  quo  commeatum  petiverant  et  im- 
petraverant,  transmittunt  *,  quam  ille  principnm  provinciarumque 
legatis  remitteret,  qua  se  innoxios  omnique  culpa  vacare  conantur 
ostendere  neque  se  unquam  vero  suo  magistratui  rebelles  fuisse 
eumque  urbe  expulisse;  se  ergo  praeter  meritum,  contra  ins  di- 
vinum pariter  et  humanum  tyrannico   more  non  indicto   hello 


^)  Das  Schreibon  ist  aus  dem  Original  im  St.-A.  Düsseldorf  abge- 
druckt in  der  „Zeitschr.  des  Bergischen  Gcschichtsvcreins*'  Bd.  20  (Bonn 
1885)  S.  34  ff. 

^)  Vgl.  dazu  den  Briefwechsel  zwischen  Wirich  v.  Dhaun  und  den 
Inhabern  der  Stadt  Münster  am  18.  und  19.  Januar  (M.  6.-Q.  II,  306  ffl), 
nach  dem  es  dem  Münsterschen  Boten  nur  gestattet  wurde,  unbehindert 
mit  dem  obersten  Befehlshaber  und  den  zugeordneten  Eriegsrftten  zu  ver- 
handeln. In  einem  Briefe  (Kopie  ohne  Datum  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19 
Y.  fol.  74«)  zeigt  Wirich  sodann  der  Stadt  an,  dafs  er  das  Schreiben  be- 
fördert habe.  Ygl.  auch  Wirich^s  Schreiben  vom  28.  Januar  an  den  Land- 
grafen Philipp  (M.  G.-Q.  n,  308).  —  Eerss.  folgt  hier  und  im  Folgenden 
genau  der  Darstellung  bei  Ant.  Corvin:  Acta  etc.  Bl.  B2ff. 


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Anno  1535  acta.  755 

ab  episcopo  armis  infestari  et  indignis  modis  opprimi^  Ad  id 
autem,  quod  de  rege  privata  anctoritate  creato  in  literis  prin- 
cipum  obiectum  illis  fuerat,  nihil  respondent,  sed  callide  si- 
lentio  praetereunt  ^ 

Scribit  qaoqne  rex  privatas  ad  Lantgravinm  literas,  quem 
saae  factionis  esse  vel  certe  fatnmm  sibi  persoadebai  His 
literis  non  aliam  epigraphen  proposuit,  quam  „Unsern  leiben 
besonderen  Lipsen,  Landtgraven  etc.*"   Unde,  quantum  sibi  prae 


*)  „Eth  is  lichtlick  und  wywesch,"  heifst  es  im  Schreiben,  „eynen 
anderen  houch  tho  beschuldigen ;  overs  bewysen  und  bybrengen  hoeret  dap- 
percn  und  redelicken  mennen  tho.**  Nachdem  dann  ein  Teil  der  den  In- 
habern der  Stadt  von  ihren  Gegnern  gemachten  Vorwürfe  aufgezählt  wurde, 
heifst  es  weiter:  „Hierumb  is  unse  endtlick  und  beslutelick  antwordt:  So 
wanner  uns  obgelachte  ticht  und  schult,  als  godtlick  und  recht  is,  over- 
wiset  wert,  willen  wy  allethidt  tho  redelicker,  billicker  straffe  oerbodigh 
befunden  werden ;  overst  wo  nach  rechte  . . .  one  bewy fs  beschuldigen  mer 
den  kleger  dan  den  beklageden  besweren  doet,  also  is  unse  klegelick  ge- 
synnent  und  begerent,  men  wille  rcchtlickes  bewyses  nach  gelegenheit  der 
sake  mit  uns  plcgen  ...  Et  is  uns  better,  mit  logenhafTtiger  schult  umb 
die  wairheit  willen  tho  liden,  dan  uth  fruchten  des  tyrannischen  und  Baby- 
lonischen vervolges  van  der  bekanter  wairheit  affthowykcn  . . ."  Das  Schrei- 
ben spricht  wiederholt  von  dem  „vermeynten  bisschopp"  und  fügt  hinzu, 
wie  derselbe  „sampt  sinen  thostendcren"  die  Stadt  „siecht,  plump,  verloeren, 
unangetzeichder  oursakon  mit  hercs  krafift  overfallen,  belegert  und  besche- 
digt"  habe.  —  Ein  Schreiben  des  Bischofs  Franz  aus  Wolbcck  vom  14. 
März  an  Wirich  v.  Dhaun  giebt  eine  eingehende  Widerlegung  des  Schrei- 
bens von  bischöflicher  Seite  (Orig.  im  St.-A.  Düsseldorf). 

*)  So  auch  Ant.  Corvin  a.  a.  0.  Das  Schreiben  geht  überhaupt 
auf  keine  der  den  Münsterem  vorgehaltenen  Anklagen  ein,  erwähnt  unter 
denselben  aber  auch  die,  dafs  man  „unchristlick  eynen  konnynck  opge- 
worpen"  habe. 

')  Der  Brief  ist  bereits  vom  10.  Jan.  datiert.  In  einer  Beilage  vom 
14.  Januar  zeigen  die  Inhaber  der  Stadt  dem  Landgrafen  den  inzwischen 
geschehenen  Schriftwechsel  mit  den  Koblenzer  Kreisständen  an  und  senden 
ihm  denselben  in  Abschrift  zugleich  mit  ihrem  Schreiben  vom  10.  Januar. 
Abdruck  des  Briefes  und  der  Beilage  M.  G.-Q.  ü,  296  ff.  Die  Unterschrift 
lautet:  „Uth  gotlicker  ordnunge  und  Vereinigung  der  regenten  und  ge- 
meinen der  stat  Munster;^  die  Anrede:  „Besonders  leve  Philips,  Lantgrave 
tho  Hessen."  —  Der  Brief  weist  auf  die  früher  vom  Landgrafen  der  Stadt 
Münster  erwiesenen  guten  Dienste  hin.  Die  Inhaber  betonen,  „dat  wy  mit 
goder  vertrostinge  und  hopeninge,  der  warheit  sollen  noch  bei  iuw  stede 
finden  . . .,  hebben  wollen  an  iuw  schriven."     „Mehr  es  ist  iamerlick,  dat 

24* 


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756  Anno  1535  acta. 

ceteris  prmcipibus  tribnerit,  videre  licet,  ütrumque  autem  scrip- 
tam  nihil  continebat  praeter  inanem  et  ineptum  yerbonun  stre- 
pltnm,  quo  rex  non  aUter  suam  impietatem,  quam  Adamns  sua 
verenda  fici  foliis  obtegere  contendebat^  In  scripto  vero  pri- 
vato  ad  Lantgravinm  misso  regni  et  regis  creati  causa  sie  de- 
scribitur:  „Leve  Lips,"  (hoc  est:  care  Philippe;  hoc  enim  erat 
nomen  Lantgravio)  „tu  sine  dubio  nosti,  quod  Christus  et  pro- 
phetae  dixerint,  ne  apicem  quidem  propheticarum  scripturarum 
frustra  positnm  Msse*.  Petrus  in  Actis  Apostolorum  inquit^ 
quod  in  tempore  restitutionis,  quae  coepit,  postquam  per  clari- 
tatem  evangelii  Babylonica  captivitas  manifestata  est,  omnia, 
quae  locutus  est  Dens  per  os  omnium  Prophetarum  suorum, 
adimplebuntur  etc.*  Revolve  ergo  Prophetarum  scripta  et  dili- 
genter  scrutare,  quid  de  captivitate  Babylonica  et  consummatione 
huius  mundi  scribant,  similiter  quid  parabolae  Christi,  Aposto- 
♦p.  577.  lorum  scripta  et  Apocalypsis  *testentur,  quid  Babylonicis  pro 
sua  militia  retribuetur,  et  e  diverse  ad  quod  regnum  quamve 
gloriam  populus  Dei  ex  omnibus  terrae  finibus  congregandus 
exaltabitur.  De  hoc  tempore,  quo  id  futurum  sit,  minores  Pro- 
phetae  potissimum  agunt.  Si  haec  accuratius  tecum  expeuderis 
et  scripturas  recte,  ut  Paulus  Tymotheum  docet,  secueris  et  in- 
tellectum  earum  a  Deo  consecutus  fueris,  facile  ac  sine  magno 
negotio  intelliges,  an  propria  auctoritate  regem  designaverimus, 
an  a  Deo  praedestinatum  habeamus.^ 


de,  de  sick  des  evangelii  beromen,  dat  wäre  eyangelium  also  verfolgen,'' 
heilst  es  später  weiter.  „Dat  de  papistische,  die  rechte  Babilonische  uns 
tegen  stan  und  verfolgen,  des  hebben  sie  nach  irem  gotzdienst  rechten 
bescheit.  Overst  dat  die  evangelischen  . . .  den  lugenhaftigen  Christen  bei- 
fallen, helpen  in  iren  leidtprecken,  lever,  we  mach  sodane  unbescheidenne- 
heit  genochsam  utspreckcn?''  —  Auch  in  diesem  Briefe  fordern  die  Wieder- 
täufer wiederholt,  zum  Verhöre  zugelassen  zu  werden,  geSen  keine  Yertei- 
dig^uig  gegen  die  wider  sie  erhobenen  Anschuldigungen,  senden  jedoch  zu- 
gleich die  Bothmann'sche  „Restitution*  dem  Landgrafen  ein.  S.  weiter  unten. 

^)  Genau  aus  Ant.  Corvin  a.a.O.,  dem  Eerss.  auch  die  gleich 
folgende  Stelle  aus  dem  Briefe  der  Münsterer  entnimmt  Auch  A.  Corvin 
citiert  Nichts  weiter  daraus.  Seine  Wiedergabe  stimmt  mit  dem  Texte  des 
Briefes  M.  6.-Q.  II,  801  f. 

«)  Matth.  5,  18;  Luc.  16,  17.  —   »)  Act  Apost  3,  21. 


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Anno  1535  acta.  757 

His  scriptis  adinngit  libellnm  qnendam  in  nrbe  impressnm, 
plane  impinm  ac  satanicnm,  cni  titnlns  „de  restitntione,''  nnde 
Lantgravins  anabaptistarnm  farias  cognovit  K  Quem  libmm  sicnt 


')  „Widder,*'  so  heifst  es  im  Schreiben  der  RegeDten  Münsters  an 
den  Landgrafen,  „. . .  so  wollen  wy  na  von  etlicken  stucken  bj  uns  int 
licht  gekommen,  daran  sick  die  gemeine  gnthertige  man  und  villeicht  gy 
ock  iw  erstes  ansehen s  steten  mochten,  einen  klaren  und  weitem  bericht 
geven.  Demnach  schiken  wy  iw  hier  ein  gedrukte  schrift  thor  anwisonge 
uns  christlicker  lere,  glovens  und  levendes.  So  lif  und  wert  iw  nu  die 
warheid  is,  so  leset  solicke  schrift  mit  vlite!  Provet  und  richtet  nach  der 
warheit  mit  rechter  gericht!  Gj  werden  mererteils  den  grünt  der  warheit 
daruth,  de  by  uns  is,  vememen  ..."  —  üeber  die  Drucke  der  Rothmann- 
schen  „Restitution**  s.  P.  Bahlmann:  BibL  1534  Nr.  5.  Die  Ansicht  A. 
Knaake^s,  des  neuesten  Herausgebers  der  Schrift,  dafs  es  fraglich  sein  könne, 
ob  mehrere  Ausgaben  des  Buches  existiert  haben  (vergl.  die  „Neudrucke 
deutscher  Litteraturwerke  des  16.  und  17.  Jahrhunderts"  Nr.  77  u.  78  [Halle 
1888]  Einl.  S.  9),  ist  durchaus  irrig.  Thatsächlich  sind  zwei  alte  Drucke 
bekannt,  der  eine  von  62,  der  andere,  mit  kleineren  Buchstaben,  von  48 
Blättern.  Der  zweite  Druck  ist  durch  den  liandgrafen  Philipp  von  Hessen 
veranlafst  worden.  Am  3.  März  schreibt  er  nämlich  an  einige  Reichsstädte 
(Konzept  im  St-A.  Marburg),  indem  er  Bezug  auf  die  Münstorschen  Wieder- 
täufer nimmt,  er  habe  ihnen  unlängst  ,,copien  des  buchs  irer  bekentnus" 
gesandt.  Dann  heifst  es  weiter:  „Dweil  aber  solch  buch  damals  in  eil  ab- 
geschrieben wurden  und  wir  vermutten,  es  mocht  die  copie  nit  allenthalben 
recht  und  verstentlich  geschrieben  sein,  und  wir  das  buch  abzutrucken 
bevohlen,  so  schicken  wir  euch  hiernebon  drei  abtruck  des- 
selben  buchs  ..."  Einen  solchen  vom  Landgrafen  veranlafsten  Abdruck 
haben  wir  wohl  in  dem  Exemplar  des  Stadtarchivs  zu  Frankfurt  a.  M.  vor 
uns.  —  Der  erste  Druck  erschien  in  Münster  schon  im  October  1534. 
Rothmann  hat  bei  der  Abfassung  Job.  Eloprifs  hinzugezogen,  denn  dieser 
sagt  aus  (J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  135):  „Item  das  boick  Restitution  hait 
Bemhardus  gemacht,  und  er  sie  dabie  gewesen."  lieber  die  Art  der 
Verbreitung  des  Buches  durch  die  Inhaber  Münsters  (vgl.  auch  oben  S.  785 
Anm.2)  berichtet  H.  Gresbeck  S.  120  f.:  „. ..  und  hebben  dat  gesant  in 
Hollant  und  Frieschlant  und  WQrpen  do  datselve  boicke  in  dat  leger  für  dat 
blochuifs  und  steken  die  bocker  up  stocke  und  satten  sie  bei  nachte  für  dat 
blochuifs,  dat  sie  die  lansknecht  solden  kreigen,  und  meinden,  die  lansknecht 
von  dat  blochuifs  tho  kreigen  in  die  stat.  Mehr  dieselve  boicke  wolden  nicht 
helpen."  —  Knipperdolling  giebt  am  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  II,  409)  an,  dafs 
mehrere  Exemplare  des  Buches  in  die  Grafschaft  Mansfeld  versandt  wurden 
zur  Unterrichtung  der  dortigen  Glaubensgenossen.  Eine  Charakteristik  der 
„Restitution"  geben  K.  W.  Bouterwek:  Zur  Literatur  u.  8.w.  S.  293  ff., 
resp.  S.  Uff.  und  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  149 ff. 


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758  Anno  1535  acta. 

et  plerosqne  alios  Monasterii  circa  illnd  tempns  editos  ^  praestat 
omnino  snpprimere,  quam  miseram  et  incantam  plebecnlam 
eonun  editione  circumvenire  et  in  aetemam  damnationem  prae- 
cipitare.  Quomodo  antem  Monasterii  retincti  omnia  restitnerint^ 
testantnr  omninm  templonun  profanationes,  testantur  omnes  boni 
cives  in  exiliam  pnlsi,  testantnr  divina  et  hnmana  prorsns  eversa. 
Dens  antem  anabaptistarnm  restitntionem  avertat;  nam  si  ea  ad- 
mitteretur,  nihil  integrnm  per  totnm  imperinm  relinqneretnr  *. 
Absit  ergo  talis  restitntio,  qnae  omnis  boni  est  destructio! 

Hnnc  libellum  Lantgravins  legit  erroresqne  in  eo  a  se  re- 
fntatos  remisit.  Qno  pacto  sint  refatati,  cnm  perlongnm  sit, 
omisimns.  In  istis  antem  princeps  ingenii  sni  vires  declaravit 
Ince  meridiana  clarins  ostendens,  qnod  retincti  ntrinsqne  politiae 
decreta,  omnes  bonos  mores,  omnia  inra  divina  pariter  et  hn- 
mana, omnem  deniqne  honestatem  et  virtntem  prorsns  abolere 
et  e  medio  tollere  nitantnr®. 


*)  Kcrss.  meint  RotLmann's  Schriften  von  der  „Rache"  und  von  der 
„Verborgenheit  der  Schrift  des  Reiches  Christi  ..."  (s.  P.  Bahlmann 
a.a.O.  1534  Nr.  7  u.  1535  Nr.  1).  Das  Buch  von  der  „Rache,"  erschienen 
im  Dezember  1534,  wurde  massenhaft  an  die  Glaubensgenossen  nach  aus- 
wärts gesandt.  Johann  v.  Leiden  bekennt  am  20.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  n, 
400),  es  „wer  Johan  Geel  irstlich  . . .  uf  Wesel  getzogen  und  het  das  boich, 
die  wraecke  gnant,  durch  Rotman  zusamen  bracht^  mit  im  ufsgefurt,  umb 
das  ufszubreiden."  H.  Graes  sagt  im  Januar  1535  aus  (J.  Nies  er  t  a.a.O. 
L  S.  147):  „Daer  sint  geschickt  uth  Munster  dusent  boeken 
van  3  quaternen  in  allen  umliggenden  stedcn  und  dorpen, 
welck  boek  genant  is  van  der  wracho,  umb  dat  gemein  volck 
uprorich  to  maken,  darum  dat  Munster  mochte  ontsath 
werden."  H.  GresbeckS.  125  berichtet  von  dem  Buche:  „Und  datselve 
bockcskcn  hebben  sie  laten  drucken  und  hebben  dat  ouck  in  HoUant  gcsant 
und  in  Frieschlant,  dair  sie  wiederdoepers  wlsten.  Dair  stunt  in  dat  boe- 
keskcn,  dat  sick  ein  iedcr  solde  up  macken  und  solde  dat  schwert  in  die 
haut  nemmen,  und  solden  wecken  na  Nige  Israel,  die  vrake  des  Hern  wolde 
von  stunden  an  angain,  und  solden  sick  tho  der  wer  stellen  und  khomen 
mit  gewalt." 

*)  Nach  Ant  Corvin  a,  a.  0.  Bl.  B3:  „Gott  gebe,  das  dergleichen 
Restitution  ja  nicht  viel  geschehen,  sonst  würde  in  Germania  kein  stein 
auff  dem  andern  bleiben." 

")  Kopie  der  Gegenschrift  des  Landgrafen,  datiert  vom  M&rz  1535 
ohne  Angabe  des  Tages,  im  Stadtarchive  zu  Frankfurt  a.  M.   Eerss.  giebt 


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Anno  1535  acta.  759 

Cum  aatem  Monasterienses  ea  scripta  a  Lantgravio  30. 
Martii^  edita  legissent,  plurünum  irritati  et  exasperati  sunt. 
Quare  denuo  scripta  ad  Lantgravium  transmittunt,  quibus  suam 
causam  defendant  et  per  quasdam  scripturarum  ambages  com- 
monstrare  conentur  se  agere  omnia  ex  mandato  Dei  et  Prophe- 
tarum  oraculis,  obiicientes  interim  Lantgravio  (ut  suam  vim  et 
spolium  extenuent),  quod  episcopos  armata  manu  opprimere  vo- 
*luerit,  ducem  Wirtenburgensem  imperatore  renitente  in  pristi-*p.  578. 
nam  possessionem  restituerit,  coenobia  pulsis  coenobitis  spolia- 
verit  etc.  Mittunt  qnoque  alium  libellum,  cui  titulus  „de  my- 
sterio  scripturae  regni  Christi  ^,"  simulque  efflagitant,  ut  suarum 


nur  ganz  auszugsweise  den  Bericht  des  Ant.  Corvin  wieder,  der  zunächst 
neun  „irrige  Artikel**  aus  der  „Eestitution"  anfuhrt,  die  der  Landgraf  „der- 
mafsen  mit  schrifft  widderlegt,  das  es  einem  wolgeübeten  Theologo  genug 
gewesen  werc."  Dann  führt  Ant.  Corvin  die  Stellen  der  Gegenschrift  wört- 
lich an,  die  sich  auf  die  Errichtung  des  Königtums  und  auf  den  Wunsch 
der  Münsterer  beziehen,  auch  jetzt  noch  zum  Verhöre  zu  gelangen.  Da 
heifst  es:  „Es  wil  nu  mehr  nicht  stat  haben,  das  ir  euch  zu  verhör  und 
untherrichtung  on  grundt  erbietet,  nachdem  ir  das  schwerd  mit  gewalt 
genomen  und  ewer  auffrürischer  handel  ...  so  weit  eingerissen  ist,  das  jder 
man  sihet  und  spüret,  das  ewer  meinung  ist,  alle  gute  policey,  gute  sitten^ 
ober-  und  erbarkeit,  alle  recht  und  billigkeit  gründlich  zu  verstören,  umb 
zu  bringen  und  zu  vertilgen.  Und  wie  ewer  vornemcn  widder  Gott  ist  und 
unchristlich,  also  ist  auch  dis  ewer  erbieten,  zu  verhör  zu  kommen,  nicht 
von  hertzen  geschehen  . . ." 

^)  Dieses  Datum  Kerss.'s  ist  irrig,  ebenso  wie  es  irrig  ist,  wenn 
Ant.  Corvin  a.a.O.  Bl.  B4v  angiebt,  die  Inhaber  der  Stadt  hätten  am 
30.  März  dem  Landgrafen  geantwortet.  Ihre  Entgegnung  ist  vielmehr  schon 
vom  25.  März  datiert,  wie  aus  dem  Eingange  des  Schreibens  hervorgeht,  das 
Landgraf  Philipp  im  Mai  abermals  als  Antwort  in  die  Stadt  sandte  und  das 
wörtlich  von  Ant.  Corvin  in  seine  „Acta"  etc.  (Bl.  C  l  ff.)  übernonmien  wurde. 
Im  St.-A.  Marburg  hat  sich  die  Kopie  eines  Schreibens  der  Inhaber  der 
Stadt  vom  30.  März  an  den  Grafen  Wirich  v.  Dhaun  erhalten,  in  dem  die 
Münsterer  den  Grafen  um  W^eiterbeförderung  einer  Briefsendung  an  den 
Landgrafen  bitten,  da  es  ihnen  versagt  sei,  einen  eigenen  Boten  nach  Kassel 
zu  schicken.  —  Den  Inhalt  des  Briefes  der  Regenten  Münsters,  der  ver- 
loren zu  sein  scheint,  giebt  Kerss.  nach  der  Angabe  Ant.  Corvin's. 

*)  „Van  verborgenheyt  der  schrifft  des  Bykes  Christi  unde  van  dem 
daghe  des  Heeren ;  durch  de  gheraeynte  Christi  tho  Münster."  Diese  Schrift 
ist  im  Februar  1 535  in  Münster  erschienen,  war  von  Eothraann  bereits  auf 
dem  letzten  Blatte   seiner  „Restitution"  angekündigt,    aber  die  Abfassung 


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760  Anno  1535  acta. 

reram  ratio  apnd   principes   habeatnr;    se  enim   iustam  causae 
snae  cognitionem  non  diffagitnros. 

Lantgravias  postquam  omnia  sibi  a  retinctis  obiecta  gra^ 
viter  et  diserte  refatasset:  „Praeterea,*  inqnit^  „quod  causae 
yestrae  iustam  cognitionem  non  difFagitis,  si  ad  me  solum  res 
ista  pertineret,  facile  impetraretis.  Vobis  tarnen  rectius  consu- 
luissetis,  si  id,  quod  nunc  facere  videmini,  maturius  fecissetis 
vestramque  causam  iudicio  principum  imperii  obtulissetis,  prius- 
quam  vim  illain  armatam  exercuissetis,  priusquam  noyum  regnum 
et  regem  constituissetis,  priusquam  prophetas  et  apostolos  vestros 
ad  alias  urbes  et  nationes  commovendas  et  in  similem  errorem 
ac  seditionem  protrahendas  emisissetis,  quae  res  ad  sanguinem 
effandendum  praecipua  fuit  causa,  priusquam  viduas  et  orphanos 
fecissetis*.  Si  vero  eos,  quos  exutis  omnibus  urbe  expulistis, 
bonis   conditionibus  in  priorem   statum   restitueritis,    senatum 


derselben  mufste  vor  der  des  Baches  von  der  „Rache*  zurücktreten.  Dar- 
über äufsert  sich  Rothmann  selbst  in  der  Vorrede  zur  ^Rache"  im  Dez. 
1534:  „Wy  hadden  upgesatt,  wo  dan  ock  in  unser  Restitution  belavet  ys, 
wy  wolden  noch  van  dem  Ryke  Christi  und  van  dem  dage  des  Heren  wat 
flunderlinges  an  den  dach  gcven;  cth  ys  ock  al  undor  banden.  Mer  under 
des  lecht  uns  de  Heer  ein  ander  up,  dat  he  wil  uthgerichtet  hebben,  dar 
wy  meer  aver  ylen  möten  unde  so  völe  mögelick  allen  bröderen  kunt  doin, 
nemptlick  van  der  yegenwordiger  und  anstaender  wrake  dor  Babilonisscher 
tyrannie,  dat  wy  upgesat  hadden  tho  schryven,  darvan  de  titel  ludt  van 
Verborgenheit  der  schrifPt  des  Rikes  Christi  und  van  dem  dage  des  Heren ; 
wil  Godt,  zo  mach  eth  noch  gescheen."  Eine  neue  Auegabe  der  Schrift 
besorgte  E.  W.  H.  Hochhuth  (Gotha  1857).  Vgl.  P.  Bahlmann:  Bibl. 
1535  Nr.  1.  —  Eine  Inhaltsangabe  des  Buches  sowie  eine  auf  Befehl  des 
Landgrafen  Philipp  von  fünf  hessischen  Predikanten,  darunter  auch  AnL 
Corvin,  gegen  dasselbe  verfafste  Antwort  fügte  Ant.  Corvin  seinen  „Acta" 
etc.  bei. 

^)  Im  Briefe  des  Landgrafen  vom  Mai  an  Münster  bei  Ant  Corvin 
a.  a.  0.  Bl.  D  2^  u.  D  3. 

*)  Kerss.  läfst  in  seiner  Uebersetzung  folgende  Stelle  des  Briefes 
aus:  „Denn  da  ir  unsere  thatten,  wie  obstehet,  anzihet,  haben  wir  erst 
umb  verhör  gebetten ;  aber  ir  habt  gantz  und  gar  das  widderspiel  gepraucht. 
Und  80  euch  ewer  gewissen  nu  ungezweiffelt  rüret  und  ir  fulet,  das  ir  mis- 
handelt  habt,  und  euch  der  griff  ewers  furhabens  mit  Schickung  des  AI- 
mechtigen  vorkomen  ist,  und  dem  fas  der  bodem  ausgehen  wil,  so  erpietet 
ir  ench  zn  verhör." 


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Anno  1535  acta.  761 

yestrum  in  pristinum   dignitatis  et  auctoritatis  locnm  reposne- 
ritis,  vestra  fortassis  postulatio  benignius  exaudietur." 

Cnm  Wirichus  ab  überstein  circa  diem  18.  lannarii  in  is.  Jan. 
castra  venisset  ^  sceptraque  militiae  arripuisset,  a  principe  Mona- 
steriensi  postulavit,  nt  sua  pace  miles  remisso  priori  iureiurando 
sibi  nomine  imperii  ab  integro  inraret.  Ad  quae  princeps:  mi- 
litem  sibi  toto  militiae  tempore  pro  quatuor  florenormn  Embden- 
sinm  stipendio  obstrictum  esse;  si  vero  iam  ab  integro  iusiuran- 
dum  ab  eo  exigatur,  ipsum  qnoqne  plus  stipendii  exactnmm, 
wt*  decretum  imperii  praesidium  tardius  exolveretur;  non  igitur 
inramenti  novationem  eipedire^ 

Inde  idem  Wirichus  ab  überstein  reliqnique  militiae  prae- 
fecti  animadvertentes  Monasterienses  superioribus  principnm, 
provinciamm  ac  statuum  scriptis  nihil  commoveri  literas  et 
ipsi  in  urbem  mittunt,  qnibus,  ne  ad  sanguioem  efFundendum 
yideantur  proni  et  faciles,  oppidanos  ab  impietate  sua  deterreant 
*et  ad  meliorem  mentem  revocent.  Quarum  haec  fuit  sententia'^:  »p.  579. 
^Nos  illustrissimi  ac  potentissimi  principis  ac  domini  Ferdinandi, 
Romanorum  et  Bohemorum  regis,  nee  non  electorum,  principum, 
comitum,  baronum  et  legatorum  Romani  imperii  designati  Mona- 

a)  3f8,:  et. 


')  Vergl.  dazu  oben  S.  753  Anm.  3.  —  ')  üeber  die  Bestimmung 
des  Kreistages  zu  Coblenz  s.  oben  S.  748.  Am  22.  Januar  meldet  Wirich 
V.  Dhaun  nach  Köln,  Trier,  Cleve  und  Hessen  (Orig.  im  St.-A.  Marburg), 
dafs  der  Bischof  „die  knecht  nit  änderst,  dan  das  sy  in  s.  f.  g.  aid  pleiben, 
unrath,  so  darufs  erwachsen  mocht,  zu  verhüten,  übergeben,  jedoch  den 
knechten  dameben  angezeigt,  das  sy  uns  als  obersten  und  kriegsrath  von 
den  churf.  gesant  vort  erkennen,  haben,  halten  und  gehorsam  sein  sollen, 
das  wir  dan,  damit  die  knecht  nit  abzihen,  also  uff  e.  chf.  u.  f.  g.  wider 
bescheit  angcnomen."  Wiederholt  wurde  der  Bischof  von  den  ihm  verbün- 
deten Irrsten  zur  voUen  Einhaltung  der  Coblenzer  Beschlüsse  auch  nach 
dieser  Richtung  hin  ermahnt,  so  am  7.  und  19.  Februar  vom  Landgrafen 
Philipp,  an  den  sich  am  14.  Februar  auch  der  Kurfürst  Johann  Friedrich 
von  Sachsen  Beschwerde  führend  gewandt  hatte.  Am  27.  Febr.  antwortet 
dann  Bischof  Franz  aus  Wolbeck  nach  Kassel  (Konzept  im  St.-A.  M.),  dafs 
er  in  allen  Punkten  den  Abmachungen  von  Coblenz  nachkommen  wolle, 
doch  hält  er  seine  Bedenken  in  der  von  Kerss.  erwähnten  Form  aufrecht. 

^)  Kerss.  giebt  hier  chronologisch  ungenau  den  Entwurf  zu  einem 
Schreiben  an  die  Stadt  vom  1.  Juni  wieder.    S.  weiter  unten. 


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762  Anno  1535  acta. 

steriensis  militiae  praefecti  vobis  civitatis  praedictae  rectoribus, 
detentoribus  et  habitatoribns  bis  scriptis  notum  facimns:  Qnan- 
quam  certa  spe  et  fiducia  sustentabamur  yos  benignas  superiores 
principnm  admonitiones  ex  benevolo,  christiano  et  commiserante 
vices  vestras  animo  profectas,  quas  nos  iubentibus  iisdem  piin- 
cipibus  ad  vestram  urbem  misimus,  libenter  amplexuros,  salutis 
et  tandem  vitae  necisque  vestrae  rationem  accnratins  habitnros, 
diuturnam  vestram  seditiosam,  insanam  ac  intolerabilem  impie- 
tatem  et  grassandi  libidinem  deposituros  et  urbem  vi  a  vobis 
detentam  et  gratiae  et  poenae  regiae  maiestati  et  imperii  ordini- 
bns,  sicnt  scripta  illorum  a  vobis  postulabant,  dedituros  fuisse, 
experimnr  tarnen  non  sine  magno  animi  dolore  vos  haec  omnia 
in  ventos  excussisse,  imo  vos  rebus  iam  desperatis  impio  errore 
obduratos  in  dies  magis  magisque  in  cladem  ineluctabilem  prae- 
cipitari  ac  miserrime  multos  incautos  et  fraudis  vestrae  ignaros 
ita  vestrae  ruinae  involvere  et  implicare,  ut  non  solam  vitae, 
verum  etiam  aetemae  beatitudinis  iacturam  et  dispendium  faci- 
ant,  quod  malum,  quantum  per  gratiam  Dei  et  vires  nostri  in- 
genii  licet,  ab  innocentium  et  simplicium  cervicibus  libenter 
averteremus.  Proinde  bis  nostris  scriptis  ex  abundanti  vos  mo- 
nemus,  uti  superioribus  principnm  petitis,  sicut  vos  decet,  ob- 
temperetis.  Quod  si  feceritis,  vobiscum,  ut  christianis  convenit, 
agemus  summamque  vobis  benevolentiam  exhibebimus.  Si  vero 
caecitatem  vestram  non  agnoveritis,  sed  in  m*  perseveraveritis, 
scitote  nos  post  hanc  postremam  admonitionem  officium  nostrum 
nobis  a  principibus  commissum  executuros  et  tam  contra  viros 
quam  feminas,  tam  contra  iuvenes  quam  senes  extra  moenia  de- 
prehensos  acerrimo  iure  acturos  neque  uUi  vestrum,  nisi  singu- 
larem  gratiam  mereatur,  parsaros." 

Misit  quoque  Lantgravius  cum  publica  auctoritate  in  urbem 

obsessam  Fabritium,  qui  plebem  ab  errore  retraheret.     Sed  hie 

neque  ad  publicam    concionem   neque  ad  privatum  coUoquium 

"p.  580.  multitu*dinis  est  admissus*.    üt  paucis  dicam,  adeo  fuere  en'oris 

*)  feUt  im  Ms, 


^)  Kerss.  ist  hier  chronolo^sch  ganz  nngenau.  Fabricius  ist  schon 
am  Anfang  November  1534  in  Münster  gewesen,  um  im  Auftrage  des  I^nd- 
grafen  Philipp   mit  den  Inhabern   der  Stadt   zu  unterhandeln   (Kopie  der 


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Anno  1535  acta.  763 

pertinaces,  adeo  impietate  immersi,  adeo  excaecati,  nt  nullius 
neqae  scripturae  neque  hominis  auctoritas  et  benigna  admonitio 
ipsos  permovere  potuerit.  Abeant  igitnr,  qnia  volunt,  in  ezitium! 
Dum  haec  aguntur,  rex  interea,  ut  suos  in  eadem  civitate 
retineat  et  confirmet,   subsequentes   articulos  2.  lanuarii  cudit:  2.  Jan.. 

Articuli  regis  Monasterii  in  urbe  Israhelitis  praepositi*. 

„Notum  et  manifestum  sit  omnibus  veritatis  et  iustitiae  Dei 
amatoribus,  tarn  rudibus  quam  mysteriorum  gnaris,  quomodo  et 
qua  ratione  christiani   sibique   adhaerentes  sub  vexillo  iustitiae 


Instruktion  für  ihn  im  St.-A.  Marburg).  Am  26.  October  schrieb  er  aus 
Sassenberg  an  den  Landgrafen  (Orig.  ebendas.),  dafs  Bischof  Franz  mit 
dem  Erzbischofe  von  Köln  über  die  Gewährung  der  Gesandtschaft  unter- 
handle. Der  Geleitsbrief  Johann's  v.  Leiden  für  Fabricius  und  dessen  Diener 
(M.  G.-Q.  n.  Einl.  S.  20  Anm.  18)  ist  vom  2.  Nov.  datiert.  Schon  am 
16.  Nov.  berichtete  Fabricius  auf  dem  Tage  zu  Oberwesel  über  den  Mifs- 
crfolg  seiner  Sendung.  Der  Bericht  ist  abgedruckt  von  Th.  Volbehr  in 
den  „Mitteilungen  aus  d.  german.  Nationalmuseum"  Bd.  2  (Nürnberg  1889) 
8.  99  ff.  und  ist  in  der  gedruckten  gleichzeitigen  Literatur  nur  erhalten  in 
einer  „Newen  zeytung"  vom  Jahre  1535  (ein  Exemplar  derselben  in  der 
Hof-Bibliothek  zu  Wien;  s.  auch  P.  Bahlmann:  Bibl.  1535  Nr.  10).  — 
Kerss.  hat  hier  am  unrechten  Platze  eine  Stelle  aus  dem  Briefe  dos  Land- 
grafen an  Münster  vom  Mai  1535  venvertet,  wo  es  heifst  (Ant.  Corvin: 
Acta  etc.  Bl.  D2):  „Ir  schreibt,  ir  lasset  unsere  brive  vor  und  unter  ewer 
gemeine  lesen.  Das  können  wir  nicht  glcuben;  ursach,  dieweil  ir  unsem 
geschickten  Fabritium  vor  der  gemeine  nicht  verhören  woltet,  in  auch  der- 
mafsen  gehalten,  das  er  ewer  gemeine  nichts  hat  sagen  dörffen,  noch  son- 
dere personen  der  cwren  mit  im  gesprech  halten  dorfiften,  sonder  allein  ir 
von  dem  genanten  Regiment."  Dafs  die  Machthaber  in  der  Stadt  die 
Schreiben  des  Landgrafen  der  Gemeinde  nicht  bekannt  gaben,  erz&hlt  auch 
H.  Gresbeck  S.  119f.  Im  Briefe  der  Regenten  Münsters  an  den  Land- 
grafen vom  10.  Jan.  1535  geschieht  der  Gesandtschaft  des  Fabricius  zwei- 
mal Erwähnung  (s.  M.  G.-Q.  11,  297  u.  302),  und  zwar  heifst  es  da,  dafs 
„Fabricius,  de  sick  de  Hebrcer  nömet,  mit  geschmückten  logen,  an  und  af 
trogen,  wo  wy  in  der  warheit  erfunden,  dat  he  gethan  heft,"  mit  den  Mün- 
sterern verhandelt  habe.  Ganz  kurz  und  ohne  Einzelheiten  anzuführen 
berührt  Fabricius  diese  seine  Gesandtschaft  in  seiner  Selbstbiographie 
(„Bibliotheca  Bremensis^  classis  4  fasc.  1  [Bremae  1720]  S.  79).  Danach 
wäre  er  nicht  nur  auf  Veranlassung  des  Landgrafen,  sondern  auch  des 
Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  nach  Münster  geschickt. 

^)  Eine  Charakterisierung  dieses  Artikelbriefes  als  eines  Aktenstückes, 
das  „mehr  für  ein  Parteiprogramm   als  für  eine  gesetzartigo  Verordnung 


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764  Anno  1535  acta. 

tanqnam  veri  Israhelitae  novi  templi  in  praesente  regno  iam  diu 
ante  raulta  saecula  praeviso  et  per  os  omninm  Prophetarum  pro- 
misso  et  per  Christum  Apostolosque  suos  in  virtute  Spiritus 
Sancti  inchoato  et  prodito,  nunc  vero  per  loannem  iustum  regem 
in  sedem  Davidis  collocatum  instaurato  vivere  et  gerere  se  de- 
beant.  Itaque  hi  articuli  omnes  et  singuli  ad  gloriam  omni- 
potentis  Dei  et  regni  sui  augmentum  propositi  poenae  metu 
servabuntur  \ 


anzusehen"  ist,  lieferte  F.  Philippi  in  der  „Zeitschr.  für  Kirchengesch." 
Bd.  10  (Gotha  188i^)  S.  146  ff.,  wo  auch  die  Satzungen  in  einer  oberdeut- 
schen Bearbeitung  aus  dem  St-A.  Stettin  veröffentlicht  worden  sind.  F. 
Philippi  fügt  aus  einer  gleichfalls  oberdeutschen  Bearbeitung  im  St.-A. 
Marburg  die  für  den  Sinn  wichtigsten  Lesarten  in  den  Anmerkungen  bei 
und  berücksichtigt  daneben  die  lateinische  Uebersetzung  des  C.  Heres- 
bach  (in  der  Ausgabe  von  Th.  Strack  [Amsterdam  1650]  S.  187  ff.,  wieder 
abgedruckt  bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  424t fL).  Eine  ebenfalls  ober- 
deutsche Wiedergabe  der  Satzungen  befindet  sich  im  St.-A.  Düsseldorf! 
Aus  einer  Kopie  im  Beichsarchiv  zu  Wien  sind  die  Artikel  in  niederdeutscher 
Sprache  abgedruckt  bei  F.  B.  v.  Bucholtz:  Gesch.  der  Regierung  Ferdi- 
nand's  d.  Ersten,  ürkundenband  (Wien  1838)  S.  354  ff.  Da  dieser  Abdruck 
sehr  mangelhaft  ist  und  die  von  Philippi  herausgegebenen  nicht  originalen 
Texte  zum  Teil  stark  verstümmelt  sind,  so  habe  ich  in  den  Noten  den 
Wortlaut  der  Artikel  aus  einer  gleichzeitigen  Kopie  beigebracht,  die  uns 
in  niederdeutscher  Sprache  auf  der  Univ.-Bibl.  zu  Göttingen  im  Cod.  ms. 
bist.  657  (Mss.  Zwichemiana)  Bd.  8  erhalten  geblieben  ist.  Kerss.'s  Wieder- 
gabe der  Satzungen  stimmt  im  Ganzen  getreu  mit  dieser  sicher  wohl  auf 
das  Original  zurückgehenden  Fassung  übercin.  Ihm  fehlen  zwei  Artikel 
(im  Druck  bei  Philippi  Nr.  4  u.  10),  dreimal  (bei  Artikel  1,  3  u.  21)  hat 
er  wohl  von  ihm  selbst  herrührende  erläuternde  Zusätze.  Seine  Ueber- 
setzung ist  von  der  des  C.  Heresbach  völlig  unabhängig.  In  den  uns  be- 
kannten handschriftlichen  Fassungen  fehlen  die  Satzungen,  die  Kerss.  unter 
Nr.  24 — 26,  Heresbach  unter  Nr.  26—28  wiedergiebt.  Ganz  allein  von 
Kerss.  angeführt  ist  der  bei  ihm  unter  Nr.  27  gesetzte  Artikel.  VergL 
weiter  unten. 

')  „Kundich  und  apenbar  sj  allen  leeffhcbberen  und  tostenderen  der 
warheit  und  gotliger  gerechtigheit,  sowoll  den  unvorstendigen,  als  in  der 
Verborgenheit  Götz  verstendigen,  wo  und  in  wath  maten  de  Cristen  und 
ere  tostendere  sick  under  dem  pannir  der  gerechticheit  als  wäre  Israheliten 
in  den  Nyen  Tempell  in  jegenwardicheit  des  richs,  vorlanges  versein  durch 
den  munth  der  Propheten,  belaveth  vermitz  Christum  und  sine  Apostelen, 
in  kraft  des  Geistes  angefangen  und  geapenbairt  und  nu  an  Johan  den 
gerechten  konniugk  in  dem  stole  Davidz  geloMichen  und  unwedderspreck- 


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AnDO  1535  acta.  765 

1.  In  hoc  novo  templo  unnm  regem  esse  oportet,  qni  po- 
pnlnm  Dei  regat  et  gladinm  iastitiae  ferat,  ne  falsa  doctrina 
contaminetnr,  qnia  sanctnm  est,  et  illis,  qni  hoc  templnm  in- 
gressi  snnt,  omnia  snnt  mnnda  attestante  Panlo.  Qnare  nnllns 
rex  ant  magistratns  nisi  a  Deo  depntatns  in  foedns  Christi  sese 
intromittet  K 

2.  Bex  ipse  et  indices  illins  rectoresqne  popnli  citra  perso- 
namm  ant  nllins  commodi  respectnm  nnicniqne  institiam  ad- 
ministrabnnt  omnesqne  cansas  et  controTersias  sive  in  nrbibns 
sive  in  castris  campestribns  secnndnm  Dei  verbnm  in  institia 
et  aeqnitate  indicabnnt  ac  diriment,  et  si  necessitas  postniabit, 
gladinm  in  facinerosos  ipsi  stringent  K 

3.  Nemo  se  in  alterins  provinciam  sen  ofScinm  intromittet 
iUndqne  pro  sno  arbitratn  nsnrpabit,  sed  qnisqne  se,  nti  pro- 
misit,  intra  snae  Tocationis  terminos  continebit^ 

*4.  Nemo  impnne  scriptnram  sacram  impiis  snis  interpreta-  »p.  531, 
mentis  pervertet;  ea  enim  nt  verba  per  se  sonant,  adhibita  tamen 
temporis  circnmstantia,  intelligi  debet^ 

5.  Qnod  si  propheta  in  popnlo  Dei  snrrexerit  et  a  verbo 
Dei  dissentientia  yaticinatns  fnerit,  ab  onmi  popnlo  separabitnr 


licken  vorhanden,  schicken,  wanderen  und  holden  sullen,  und  dat  alle  und 
itlige  articule,  besunderen  und  int  gemein,  nnverachtlicken  by  straif  der- 
selven  tom  prifs  Gots  und  vennerunge  altidt  sins  ricks  geholden  und  yollen- 
furth  sullen  werden.  Amen!^^ 

')  „Vor  ersth,  dath  sali  gin  koninck  noch  jenige  oyericheit  under  de 
bundtgenoten  Christi,  ane  de  van  Got  verordent  sick  na  Götz  worth  holden 
und  schicken  mögen,  bestendig  bliven.^' 

*)  „De  konninck,  sine  richtere  und  alle  regenten  sollen  ane  ansehent 
der  personen  und  einigerlei  profitz  jdermennichlich  recht  doen  und  alle 
Sache  na  Götz  worth,  dat  sy  yn  stodden  offt  velden,  in  gerechticheit  und 
billicheit  richten  und  yerhandelen  und,  so  eth  geforderth  wurde,  dath  swerth, 
darmede  to  richten,  gebruken.^^ 

')  „Nemandt  sali  in  eins  anderen  ampt  tasten  und  na  sinem  willen 
gebruken.^' 

^)  „Gin  lerer  sali  mögen  ungestraift  de  schrifte  verkeren;  dan  all- 
tidt  sali  de  schrift  recht  na  eren  worde  und  tidt  geordelt  und  ingefoert 
werden/*  Bei  Eerss.  fehlt  der  yorhergehende  Artikel,  der  lautet:  „Ein 
iÜicker  sali  na  Gottes  gesette  und  wort,  wo  he  doch  yurhen  geloyet,  ver- 
plichtet  und  to  dein  ock  to  holden  verwilliget,  sick  in  sine  beroepunge 
alletidt  gebrucken.^ 


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766  Anno  1535  acta. 

atque  ab  eodem  interficietur,  ut  omnis  Israhelita  abominandmn 
et  detestandum  illius  flagitinm  intelligat  execreturqne  *. 

6.  Nemo  sub  vexillo  iustitiae  militans  turpi  ebrietate,  foeda 
more  brutornm  impndicitia,  avidis  privati  lucri  lusibns,  nnde  odia 
et  dissidia  promanant,  fornicatione  et  adnlterio  sese  contaminabit 
Talia  enim  flagitia  non  relinquentur  in  populo  Dei  impnnita*. 

7.  Si  qnis  seditionem  concitare  coeperitj  morte  morietur*. 

8.  Si  qui  intra  castra  altercati  faerint  et  praefracti  inter 
se  contenderint  et  in  mutua  verbera  irruerint,  si  anctor  conten- 
tionis  sen  provocator  alterum  interfecerit,  ipse  qnoqne  ad  sup- 
plicium raptus  capitis  poenas  Inet.  Si  vero  provocatns  snnm 
antagonistam  vel  concitato  animo  vel  necessariae  defensioni  in- 
tentns  imprndenter  prostraverit,  qnicquid  eins  demonstratum 
fnerit,  innocens  vel  nocens  declarabitur  ^. 

9.  Nemo,  cninscnnqne  etiam  sexns  fnerit,  levissimis  snspi- 
cionibns  ac  praesnmptionibns  qnibnsvis,  sed  certa  commissi  fla- 
gitii  scientia  motns  alinm  accnsabit.  Accnsator  enim  intentatum 
crimen  non  probans  eas  poenas,  qnas  criminis  rens  periiulisset, 
perferet^ 


*)  „So  ein  prophet  under  dem  volck  Götz  upstunde  und  Götz  worde 
ungemefs  falslicken  prophetirden,  sali  van  der  gantzer  gemeinte  affge- 
sundert  und  gedoedet  werden,  dat  jdermenniglich  erfare,  sodane  gniwel 
gehatet  werde." 

')  „Eth  sali  numandt  under  dem  pannir  der  gerechticheit  vnlsnpen, 
beestlichen,  untuchtich,  untidich,  eigensoikich  spellen,  darath  tzanck  und 
hadder  erwasset ;  ock  gin  horessche,  ebrekersche  untucht,  dat  erfaren,  werth 
ungestrafft  gestadet  werden."  Vgl.  oben  S.  580  f.  die  Bestimmungen  der 
zwölf  Aeltestcn. 

')  „So  jumandt  understunde,  moiterie  antorichtcn,  sali  des  dodes 
sterven." 

*)  „So  welcke  binnen  legers  tzencklich  haederende  und  sich  slaen 
wurden,  isset  dat  de,  de  de  yerhalinge  gedain  heft,  den  anderen  dar 
tho  doeth  sloge,  sali  de  verbaler  wedderumme  sterven.  So  aver  de  ver- 
halede  den  verheler  uth  hastigen  moede  offt  werender  handt  nedderlachte, 
wat  des  so  recht  bewiset  kan  werden,  sali  de  overhalede  ofift  werende  schul- 
dich  offt  Unschuldich  gedelt  werden."  Dann  folgt  der  von  Eerss.  nicht  ge- 
gebene Artikel:  „Desgliken  so  welcke  binnen  legers  maUickanderen  sick 
sloegen,  sollen  na  vurgemelten  regulen  verrechtferdiget  werden." 

^)  „Nemandt  sali  mögen  den  anderen,  so  wall  mann  als  franwe,  uth 
qwaden  vermoden  offt  gissene,   anders  dan  mit  rechtligen  bewise  beschal- 


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Anno  1535  acta.  767 

10.  Nemo  sine  venia  et  commeatn  a  dnce  seu  magistratu 
sno  impetrato  sese  e  castris  suis  snbducet^. 

11.  Si  quis  tridüum  continuum  insciente  uxore  sua  neqne 
missione  a  duce  sno  impetrata  tanqnam  transfaga  castris  snis 
abfnerit,  nxor  iUins  libere  aliud  matrimoniam  qnaeret^ 

12.  Nemo  neque  interdiu  neque  noctn  vigilum  stationem 
subibit,  nisi  hostis  praesto  sit  impressionemqne  faciat,  vel  com- 
missionem  eins  singnlarem  habeat,  nt  est  dnx  militiae,  decnrio 
vel  alins  magistratus  militaris,  qni  vigiliamm  accnrate  custo- 
diendarnm  vel  alterins  necessariae  rei  cansa  circnit.  Transgressor 
non  impnne  evadet*. 

13.  Nemo  snb  poena  capitis  fomicationis  Babylonicae  inno- 
centem  et  inscinm  opprimet,  nisi  armata  mann  noceat^. 

*14.  Nemo   spolinm  ant   praedam  hostibns  detractam  pro*p.  582. 
sno  arbitratn  snbdncet  ant  nsnrpabit,  sed  eam,  nt  aeqnnm  est, 
coram  sno  magistratn  in  Incem  proferet  et,    si  qnid  sibi  ab  eo 
datnm  fnerit,  eo  sine  ininria  ntatnr^ 

1 5.  Si  qnis  christianis  prins  addictns  desciverit  ad  bestes 
atqne  itemm  mntato  animo  a  christianis  recipi  contenderit,  non 
recipietnr,  sed  poenam  bene  commeritam  Inet^. 


digen  und  beclagen.  Und  off  de  cleger  sine  clago  nicht  bewisen  konde, 
sali  he  de  schult  der  clagt  sulven  dragen." 

')  „Numandt  sali  sick  uth  sinem  leger  geven  edder  missen  latcn, 
eth  sy  mith  medewetten  und  consent  sines  hoepmans  oder  overicheit." 

*)  „So  jumandt  ane  wetten  siner  husfrouwen,  ock  unbewust  und  un- 
verlovet  van  sinem  hoepman  oder  overicheit  dre  dage,  dre  nachte  buten 
sinen  leger  als  ein  fluchtiger  sich  leite  missen,  mach  die  frouwe  einen 
andern  manne  sick  vertruwen." 

')  „Numandt  sali  by  dage  offte  nachte  up  jenige  wacht  gaen,  uth- 
genonmien  so  viandes  noet  vurhanden  ofTt  sunderlinges  bevell  hadde  als  hoep- 
man, rothmeister  oder  emandtz  der  overicheit  darsulvest  ein  upsehen  edder 
ichtefswefs  uthtorichten  hadde;  wo  dar  baven,  sollen  angeholden  werden." 

*)  „Menn  sali  by  lives  straf  den  unschuldigen,  unvermögenden  mit 
der  Babilonischen  horerie  nicht  beschedigen,  he  werde  dan  de  wal  unwetende 
sin  mochte  schedeliker  dat  werender  handt  befunden." 

")  „Kemandt  sali  mögen  einigerleie  buithe  off  roff  to  sinen  willen 
offt  nutz  gebruken  offt  nnderslaen,  dan  vor  sine  temeliche  overicheit  wo 
billlck  vor  den  dach  brengen  und,  wat  em  tor  billicheit  togedeilt,  dairmede 
sick  laten  genogen." 

')  „Wanner  degennen,  de  den  Christen  tostendich  gewesen  und  wed- 


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768  Anno  1535  acta. 

16.  Ghristianns  sab  poena  nltimi  indicii  cwm^  fratre  suo 
mercatnram  pecania  interveniente  non  exercebit,  neqne  alins 
alium  in  commntationibus  dolis  et  fraudibns  circomveniet  ^ 

17.  Nemo  christianonun  ex  nna  societate  sea  commnnitate 
in  aUam  recipietur,  nisi  se  innocent^m  et  nullo  crinüne  conta- 
minatnm  docnerit;  si  vero  aliter  deprehensnm  fuerit,  sine  nlla 
poenae  remissione  punietnr^ 

18.  Si  alienigena  christianis  inservire  yelit,  non  est  repel- 
lendns,  etiamsi  spiritu  nondnm  forte  ülnstratos  fidem  christia- 
nonun amplecti  nolaerit.  Qnicunqne  non  convitiandi,  sed  fami- 
liariter  convivendi  animo  cum  christianis  amicitiam,  mercatnram, 
foedera,  pacta  sen  conventiones  facere  cupiant,  minime  repellentnr  \ 

19.  Si  qnisqnam  in  praesidium  christianomm  commeatnm 
aliaqne  vitae  necessaria  advehere  proque  tolerabili  pretio  inter 
ipsos  distrahere  aliasqne  negotiationes  cum  iUis  exercere  affecta- 
verit,  illi  publica  itineris  libertas  praestabitur  *. 

20.  Nemo  christianomm  magistratui  ethnico,  qni  nondnm 
verbnm  Dei  andivit  et  in  eo  nondnm  edoctus  est,  sese  opponet 
damnumye  inferet,  si  neminem  ad  incrednlitatem  ant  impietatem 
adigat ;  sed  Bab jlonica  tjrannis  sacerdotnm  et  monachomm  cnm 
omnibns  suis  asseclis  et  assentatoribns,   qni  institiam  Dei  per 

a)  fehlt  im  Ms. 


deramme  eren  vianden  dienstbar  geworden,  den  Christen  overmals  to  dcnende 
begerde,  sali  men  nicht  annemen,  dann  straeffen." 

^)  „GeJn  Christen  sali  mit  sinem  broder  nmb  gelt  nicht  koepschlagen 
bj  liyes  straef,  ock  mit  giner  bedregunge  offt  argelist  handelen,  dat  sy  in 
bntenschap  edder  nmbslagen.''    Vgl.  auch  oben  S.  561  n.  651  Anm. 

')  „Nemant  uth  den  broederen  sali  nth  der  einer  gemeinte  in  der 
ander  entfangen  werden,  he  bekenne  da  sick  an  allen  gemeinten  nnschnldich 
to  sin;  wo  anders,  sali  ane  genade,  so  eth  befunden  wurde,  gestraeffeth  werden.^^ 

')  „So  ein  frembdelinck  bj  den  Christen  to  dienen  begerde,  mach 
waU  angenamen  werden,  wowall  he  den  geloyen  der  Christen,  er  dan  he 
des  yerstant  krege,  nicht  yerwilligede  antonemen;  ock  so  welcke  de  Christen 
nicht  to  beledigen,  dan  fruntlicken  mit  enn  handelen  und  lefflicken  mit  enn 
Terdregen  begeren  wollen,  sollen  nicht  yerstot  offt  uthgeschlagen  werden.^' 

*)  „So  ejmant  den  Christen  to  stuir  proyiand  und  noittroft  toforen 
wolde  und  umb  temelike  koepenschap  to  handelen  begerde,  sali  in  aller 
yelicheit  gehalden  werden.^' 


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Anno  ir)3ö  acta.  769 

suam  iniustitiam  et  vim  obscuravernnt,  quacunque  ratione  fieri 
potest,  opprimetur*. 

21.  Si  ethnicns  alicni  flagitio  obnoxias,  ut  criminum  su- 
orum  impunitatem  assequatur,  ad  christianornm  consociationem 
profugerit  et  contra  legem  Dei  manifeste  egerit,  frustra  christia- 
nornm praesidium  invocabit,  sed  snppHcio,  qno  dignus,  affi- 
cietnr*,  ne  christianornm  consociatio  flagitiosornm  sit  asylnm. 

22.  Yades  alterins   panciores   non  emnt  qnam  tres,    qni 
vadimonio  *obstricti    cansam  eins,    cnins  snnt  vades,  continno  »p.  583. 
snam  facient  ideoqne  cansam  eins  in  indicio  agent'. 

23.  Si  qnisqnam  magistratns  vel  alins  qnicnnqne  verbo 
Dei  atqne  his  instis  edictis  nostris  restiterit  eaqne  contnmaciter 
contempserit,  non  qnidem  snbito  ad  poenam  commeritam  ra- 
pietnr,  sed  ant  insti  regis  ant  praefecti  illins  indicio  prins  si- 
stendns  est,  nt  inre  conyictns  sententiam  factis  snis  dignam 
publice  andiat*. 

24.*  Nemo  alinm  ad  matrimonii  foedus  invitnm  adiget, 
cnm  illnd  liberum  sit  et  vero  naturalique  amoris  vincnlo  con- 
nectitur. 


')  „Nemant  mach  tegen  de  heidensche  overicheit,  de  noch  Götz  wort 
nicht  gehört  und  mith  bestendicheit  ock  nicht  berichtet  sint  worden,  streven 
und  mit  schaden  de  beleidigen,  dewiele  deselven  to  ungeloeven  nemandt 
bosworde  und  uncristlick  to  doen  alswem  nicht  an  drouwunge.  Avers  die 
Babilonische  tyrannie  der  papen,  monneke  in  sampt  eren  anhange,  de  de 
gerechticheit  Götz  in  erer  nngerechticheit  mith  gewalt  underhalden,  sollen 
nicht  verschonet  werden." 

')  „So  ein  heidene  umb  sine  missedaet  under  de  Christen  eine  to- 
flucht  sochte  und  tegen  dat  gesette  apentlick  Godtz  gedain  hadde,  sali 
nicht  bcschuddet^  dan  gestrafft  upgeholden  werden." 

')  „Wanner  eimandt  vor  den  andern  bürge  wolde  wesen,  sollen  der- 
selven  nicht  mjn,  dan  wall  mehr  dan  dre  sin;  de  bürgen  sollen  unver- 
achtligken  des  verborgeden  stedde  to  rechte  verstaen." 

^)  „Offt  enige  overicheit  oder  eimandtz  sick  mit  vrevel  tegen  Götz 
wort  und  itzige  rechtraetige  upgerichtede  articule  upmakede  und  uprichtede, 
sick  dar  entegen  holden  wolde,  sal  nochtans  deselve  unbeleidiget  bliven, 
bes  idt  selve  vur  dem  heren,  dem  gerechten,  und  koenninge  oder  sinen 
verordenten  gebeert  und  gerichtet  geworden  und  de  saecke  entlicken  na 
rechte  beslotten  werde." 

^)  Die  folgenden  drei  Artikel  überliefert  anfser  Eerss.  nur  noch  C. 
Heresbach  (bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  430  Nr.  26—28).    Da  sie  in  allen 

25 


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770  Anno  1535  acta. 

25.  Quicnnque  morbo  comitiali  seu  epüepsia,  lepra^  malo 
Oallico  ant  simili  corporis  vitio  laboraverint,  matrimonia  non 
contrahent,  nisi  prius  conthorali  Vitium  manifestaverint. 

26.  Nulla  virginis  specie,  cum  virgo  non  sit,  confratrem 
suum  defraudabit  et  decipiet,  alioqui  serio  punietur. 

27  ^  Quaelibet  femina,  cum  legitimus  non  sit  maritus, 
virum  aliquem  tutorem  seu  defensorem  ex  comjnunitate  Christi 
sibi  eliget. 

Edita  sunt  haec  a  Deo  ac  loanne,  iusto  rege  nori  templi, 
altissimi  sanctissimique  Dei  ministro,  anno  aetatis  suae  vicesimo 
sezto,  regni  vero  sui  primo,  secundo  die  primi  mensis  post  na- 
tivitatem  lesu  Christi  filii  Dei  1535*." 

Vaticinia  regis*. 

„Verbum  Domini  hodie  circa  horam  tertiam  ante  diei 
exortum  ad  me  factum  est:  Innumerabilem  mihi  populum  in 
gloriam  nominis  mei  excitabis;  ubi  autem  quove  tempore  id  fu- 


sonst  erhaltenen  Fassungen  der  Satzungen  yom  2.  Januar  fehlen,  so  ist  es 
wahrscheinlich,  dafs  sie  ursprünglich  nicht  dahin  gehören,  sondern  nach- 
träglich als  Bestimmunget  einer  schon  gültigen  Gesetzgebung  hinzugefügt 
sind,  lieber  den  Inhalt  dieser  Artikel  vgl.  besonders  Kapitel  14 — 16  der 
Rothmann' sehen  „Restitution''  und  H.  Gresbeck's  Bericht  (S.  66 ff.) 
von  den  Veränderungen,  die  die  Machthaber  in  der  Stadt  bald  nach  Ein- 
führung der  Vielweiberei  an  den  von  ihnen  getroffenen  Verfügungen  über 
die  Ehe  vorgenommen  hatten  (s.  auch  oben  S.  628  Anm.  2). 

')  Dieser  Artikel  fehlt  auch  bei  C.  H  er  es  b  ach  und  ist  in  diesem 
Zusammenhange  nur  von  Eerss.  überliefert.  Zur  Institution  der  sogen. 
,3o8<^lürmherren^'  s.  H.  Gresbeck  S.  68  f.  „Diese  frowen,^'  heifst  es  da, 
„die  in  der  stat  weren  und  tho  alt  weren,  menne  tho  nemmen,  dieselve 
frowen  meisten  keifsen  beschomhem  ...  So  meisten  diese  selve  beschom- 
hem  up  die  aide  frowen  sehn  und  hebben  ein  upsicht  up  sie,  dat  sie  bei 
dem  geloven  hieven,  und  meisten  sie  underweisen  ...  So  meisten  die  be- 
schomhem den  alden  frowen  bestellen  kost  und  kleider  . . .,  dat  sie  geins 
dings  solden  gebrech  hebben  . .  .^ 

')  „Gegeven  durch  Got  und  Johan  den  gerechten  und  koninck  in 
den  Nien  Tempell,  diener  des  hogesten,  hilligesten  Götz,  synes  olders  seesz 
und  twintich,  sines  likes  des  ersten  jaers,  den  anderden  dag  des  ersten 
mandtz  negest  der  menschwerdinge  Jesu  Christi,  des  sonnes  Götz,  duseni 
Tiefflumdert  vieff  und  derttich  jare." 

*)  Sie  sind  nur  durch  Eerss.  bekannt 


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Anno  1535  acta.  771 

tnmm  sit,  —  eritum  tumn  tibi  revelabo.  Tu  vero  cante  ambu- 
labis.  Haec  reliqniis  populi  tni  annnnciabis  et,  nt  tacitnmi  sint!" 

Aliud:  „Vox  viventis  Dei  me  docuit:  Hoc  est  mandatum 
Altissimi:  Viri  ab  uxoribns  snis  legitimis  et  ab  illis,  qnanun 
tütores  sen  defensores  snnt,  fidem  exigent,  non  illam,  quae  ynlgo 
legitur:  „Credo  in  Deum  Patrem  etc.;**  sed  fidem  de  novo  regno, 
de  matrimonio,  qaare  et  ad  qnid  sint  baptizatae.  Haec  nnncia- 
buntur  et  palam  fient  onmibus  viris,  et  post  bidunm  ab  iisdem 
facti  ratio  *deposcetiir,  nt  Dens  omnis  sangninis  maneat  innocens/  »p.  584. 

Alind  vaticininm:  „Praeterea  haec  qnoqne  est  volnntas  Dei, 
ne  verbnm  illins  tarn  inaniter  mnltis  psalmis  canendis  in  ventos 
excntiatis,  sicnt  hactenns  sine  mente  et  pietatis  meditatione 
psalmi  decantati  sunt.**   * 

Haec  qnidem  regia  decreta  plebem  primnm  terraernnt,  sed 
cnm  nihil  annonae  nrbi  obsessae  inferretnr  et  plnrimi  essent, 
qni  absnmerent,  panlatim  ea  attennantnr.  Neqne  tarnen  cum^ 
rex,  ut  se  factnmm  receperat,  cnm  omnis  generis  caraes  ad  se 
transtnlisset  ^,  penuriae  popnlaris  qnicqnam  pensi  haberet,  plebs 
inter  se  de  regis  frandibns  clancnlum  mussitare  coepit*.  Die 
vero  popnlnm  fideleni  nullius  rei  inopia  laboraturum  variis 
scripturae  exemplis  comprobat.  Verum  cum  nihilo  minus  tacitum 
illud  plebis  murmur  now»  quiesceret,  sed  in  dies  ingravesceret 
factionesque  in  urbe  fierent  simulque  de  captivitate  regis  et  de- 
ditione  urbis  inter  se  agitarent,  ut  et  principem  oflfensum  sibi 
reconcilient  et  a  futura  famis  calamitate  se  eripiant^  —  quae 

•)  feMt  im  Ms. 


^)  S.  dazu  oben  S.  639,  wo  Eerss.  aus  dem  Geständnisse  des  Dieners 
des  Malers  Lndger  to  Ring  vom  23.  Dez.  1534  schöpfte.  Vgl.  auch  S.  738. 

^)  Eerss.  schliefst  sich  hier  und  im  Folgenden  wieder  eng  an  H. 
Dorp  Bl.  Gl  an.  Daher  die  falsche  chronologische  Einordnung  der  be- 
richteten Thatsachen. 

")  So  H.  Dorp  a.  a.  0.  Das  MiTstrauen  des  Volkes  gegen  den  König 
und  dessen  Hof  aus  Veranlassung  der  Entsendung  von  Geld  und  Büchern 
erwähnt  Eerss.  bereits  oben  S.  737  f.  aus  den  Geständnissen  des  W.  Scheif- 
fart  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  A3^  ffihrt  an,  wie  die  Bürger  sich 
verwundern,  „das  ir  Eönig  so  redlich  tregt  von  silber  und  golt,  so  es  doch 
alles  gemein  soll  sein,  und  es  sej  doch  ynen  verboten.  Sagt  der  Eönig: 
Nempt  kein  ergemnfs  davon,  sonder  er  sey  dann  erweit;  und  verbeut  inen, 

25* 


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772  Anno  1535  acta. 

cnm  Uli  clam  nunciarentur,  in  ipso  metn  et  cladis  propemodnm 
initio  hisce  plagis  ac  retibns  implicatnm  sese  yaferrime  extricat 
consilinmque  adversariorum  dissipat.  Primum  itaqne  in  foro 
pnblico  nniversae  multitndini  liberationem  certissimam  ad  fa- 
tnrum  diem  Paschae  promittit  et,  nisi  illud  eveniat,  in  se  tan- 
qnam  prophetam  vaniloqnam  et  scelerosum  hominem  populari 
iudicio  animadvertendnm  esse  recipit^.    Duodecim   inde  duces 


welcher  davon  redet,  die  wöU  er  enthaupten  lassen."  Gleich  weiter  fährt 
Dietrich  fort:  „Dar  nach  hat  der  König  in  gepranch,  das  er  das  best  ifst 
und  trinckt,  dj  gemein  soll  pferdt  und  ander  ungewonlich  speifs  essen, 
und  der  König  spricht  doch,  er  sey  ein  gemeyner  hruder,  und  sey  zum 
besten  verordnet  zu  essen;  und  umh  des  ungleichen  willen  erwechst  ymer 
murmlung  under  der  gemein."  Auch  das  Mifstrauen  des  Königs  gegen  das 
Volk  wuchs  mehr  und  mehr.  Der  freiwillig  zur  Auskundschaftung  in  die 
Stadt  gegangene  Hans  Nagel,  der  am  30.  März  glücklich  wieder  aus  Münster 
entkam  (s.  weiter  unten),  sagt  aus  (Fassung  des  Berichtes  im  St.-A.  Mar- 
hurg),  der  König  „hahe  wenig  vertrauwens  zu  seinen  imderthanen,  verhuite 
durch  seine  heimliche  und  öffentliche  kuntschafften,  damit  sich  keiner  mit 
dem  andern  heimlichen  zu  heraten  understee,  gestattet  nit,  das  zween, 
drei  oder  mher  in  geheimen  redden  hei  einander  stehen,  viel 
weniger  geduldet  er  noch  mher  Versammlungen."  Am  21.  Mai 
schreiht  Justinian  von  Holtzhausen  an  seinen  Vater  nach  Frankfurt  a.M. 
(M.  G.-Q.  II,  335):  „Es  dorf  die  gemein  keiner  mit  dem  andern  reden, 
noch  vil  weniger  sich  einiges  unwiUens  vememen  lossen.  Welcher  das 
uherseit,  wirt  von  stunt  an  gericht." 

*)  Auch  H.  Dorp  Bl.  G  !▼  berichtet  von  der  Vertröstung  auf  Ostern, 
fugt  aber  den  Nachsatz  des  Königs  nicht  hinzu.  Kerss.  entnimmt  ihn  dem 
Bekenntnisse  KnipperdoUing^s  (bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  8.  187),  nach  dem 
Johann  sagt,  „wo  se  nicht  den  Passchen  erlost  werden,  solde  man  den 
konig  glich  andern  boswichtcm  richten."  Eine  Befreiung  der  Stadt  vor 
Ostern  hatte  der  König,  wie  KnipperdoUing  (ebd.  S.  191)  aussagt,  schon 
vor  Michaelis  1534  prophezeit.  Joh.  Beckmann,  einer  der  im  October  1534 
nach  Coesfeld  ausgesandten  Apostel,  bekennt  (St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19 
IV.  fol.  315^):  „Item  de  konnynck  hefft  oick  dem  volcke  tovom  gesacht, 
se  sollen  vor  dussen  austaenden  Paeschen  van  allen  vyenden  entledigt  syn." 
Bestärkt  in  dem  Glauben  auf  Entsatz  der  Stadt  wurde  der  König  durch 
günstige  Nachrichten  aus  Holland.  Er  selbst  spricht  (M.  G.-Q.  11,  373) 
von  einem  Briefe,  den  „einer,  Jeronimus  Mullinck,  geschreven  und  mit 
Hensken  van  Soest  dair  inen  gesant  hadde,  vermeldende,  wie  die  christliche 
broder  sie  tegen  dat  hochtit  Paesch^i  entseittcn  und  sie  sich  dairenbinnen 
hart  halden  solden."  Er  fügt  hinzu,  wie  er  „sulx  langh  dair  bevoir  haet 
prophetiert  und  des  sinen  koep  af  to  houwen,  so  veme  sulx  neet  geschege^ 


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Anno  1535  acta.  773 

creat,  quibns  imperinm  nrbis  in  totidem  partes  distributum  (s-  Mai.) 
acerrime  regendum  et  singulis  nnius  portae  custodiam  ad  vitan- 
dam  proditionem  committit^  qni  novi  nominis  et  magistratus 
avidi  satellitnm  fortissimorum  turbam  in  custodiam  suorum  cor- 
pomm  et  ad  mandata  celeriter  expedienda  adsciscunt.  Habent 
enim   singuU   tres  consiliarios  et  24  satellites   bene  armatos^ 


verwillicht  hadde."  Auch  H.  Gresbeck  S.  121  bringt  die  königliche 
Prophezeiung  mit  Zusagen  auf  Entsatz  aus  Holland  und  Friesland  in  Ver- 
bindung und  berichtet  zugleich,  wie  der  König  bei  dieser  Gelegenheit  über 
einen  Landsknecht  das  Todesurteil  fällte  mit  den  Worten:  „Iss  it  sacke, 
dat  tho  Paeschen  die  vcrloesunge  nicht  en  kompt,  so  doit  my,  als  ick  diesem 
selven  boefswicht  wil  doin,  . . .  und  hauwet  my  ouck  dan  den  kop  af." 
Ygl.  auch  EnipperdoUing's  Geständnis  M.  G.-Q.  II,  377  und  die  Aussage 
des  H.  Graes  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  149. 

')  Wo  fi.  Dorp  die  Verteilung  der  Herrschergebiete  an  die  einzelnen 
Herzöge  erwähnt,  die  auch  Eerss.  gleich  weiter  unten  mitteilt,  setzt  er 
hinzu  (Bl.  G  !▼) :  „Und  dis  geschach  auff  trium  Regum"  (6.  Jan.).  Nach 
diesem  falschen  Datum  ordnet  Kerss.  die  Ernennung  der  Hersöge  ein,  die 
thatsächlich  erst  viel  später,  am  3.  Mai,  erfolgte.  Johann  v.  Leiden  sagt 
aus  (bei  J.  Nieser t  a.  a.  0.  S.  180;  Tgl.  auch  M.  G.-Q.  11,  373):  „Ock 
worden  to  ende  des  regiments  12  hertzogen  gesatt,  de  wurden  gedeilet 
in  12  dele  up  ider  porten.'^  Das  Datum  des  3.  Mai  als  Tag  der  Ernennung 
ergiebt  sich  aus  dem  Bekenntnisse  Johann  Clevom's  (Orig.  im  St.-A.  M. 
M.  L.  A.  518/19  VI.  fol.  174  f.)  und  aus  dem  eines  Gefangenen  Namens 
Brage,  das  der  Herzog  Philipp  von  Braunschweig-Grubenhagen  am  23.  Mai 
dem  Kurfürsten  von  Sachsen  zusandte  (abgedr.  M.  G.-Q.  11,  338  flf.).  Nach 
einem  Schreiben  Wirich^s  v.  Dhann  an  die  clevischen  Bäte  vom  7.  Mal 
hätten  Joh.  Clevom  und  ein  anderer  Gefangener  (Gl.  Mecklenborg)  aus- 
gesagt (s.  M.  G.-Q.  n,  324),  die  Ernennung  der  Herzöge  sei  geschehen, 
um  Aufruhr  des  Volkes  zu  unterdrücken.  So  sagt  auch  H.  Gresbeck, 
der  S.  179  ff.  die  scheinbar  freie  Wahl  der  Herzöge  ausfohrllch  schildert: 
„So  heft  der  koningk  den  anslach  gemacket  und  heft  die  twolf  hertoge 
gekoren,  up  dat  sie  wolden  dat  gmeinyolk  in  dwangh  halden..." 
Vgl.  auch  des  Bischofs  undatiertes  Schreiben  nach  Köln  bei  J.  Nies  er  t  a.a.O. 
S.  198.  Nach  dem  Bekenntnisse  des  Brage  (a.a.O.  S.  340)  wäre  die  Ernennung 
„yilleicht  der  orsach  vom  konningk  geschein,  ob  sich  die  dinge  zum  ärgsten 
zutragen  wurden,  das  er  alsdan  nicht  alleine  wolle  geregiert  haben."  — 
Sachlich  und  chronologisch  ganz  ungenau  ist  der  Bericht  bei  D.  Lilie  S.  237. 

')  H.  Dorp  spricht  nur  yon  „ein  anzal  Trabanten  und  diener." 
Joh.  Clevom  sagt  aus  (St.-A.  M.  a.  a.  0.)  „. . .  ider  herttoge  sali  hebben 
dree  reede,  derselven  ider  eyn  porte  mit  dreen  hopen,  itlick  hoepp  24  starck 
sollen  inhebben,  und  nomen  se  van  den  12  gesiechte  Israhell.  Mit  dnssen 


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774  Anno  1535  acta. 

Singalis  etdam  portis  praesidia  adversns  plebemn  motnm  impo- 
nunt.  Hi  plebem  ita  poenae  metn  coercent,  nt  ne  mntire  qnidem 
adversns  regem  qnisqnam  aadeat.  Nomina  etiam  portamm  mn- 
tantar.  Horsthanam  enim  orientalem,  Manritianam  argenteam, 
Servatianam  regis,  Lndgerianam  anstralem,  Aegidianam  r^inae, 
*p.  585.  Marianam  occidentalem,  *Indaicam  anream,  Cmcis  septentrio- 
nalem,  Neopontanam  aqnariam  appellant^. 

Dnces  yero  sunt  Bemardns  thor  Mogr,  sarcinator,  loannes 
Bedeker,  sutor,  loannes  Palck,  faber  ferrarius,  loannes  Dencker, 
institor,  Engelbertns  Edinck,  Nicolans  Stripe,  mercator,  Henricns 
Xantns,  faber  ahenarins,  loannes  Eaterbergh,  gladiomm  politor, 
Henricns  Eock  Osnabnrgensis,  Hermannns  Beyninck,  Christianas 
Eerckringh,  patricins,  et  villicas  Leddanns^    His  magistris  in 


selvigen,  hefft  de  Yader  apenbart,  sollen  ere  saken  und  tom  ersten  ntfa- 
gerichtet  werden/'  Aehnlich  ist  die  Aussage  Brage's  a.  a.  0.  Ueber  den 
Schmuck  der  Herzoge  und  ihrer  Bäte  s.  den  eben  angeführten  Brief  Wi- 
rich's  V.  Dhaun  an  die  clevischen  Bäte  und  H.  Gresbeck  S.  183  f.  Nach 
dem  ersteren  muTsten  auch  die  Herzöge  geloben,  „zu  verdeligen  al  overkeit, 
geistlich  und  weltlich,  und  die  gantze  Christenheit  under  sich  brengen.^ 

')  Yergl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  154 f.,  wo  die  neuen  Namen  der 
Thore  in  gleicher  Weise  angegeben  sind.  Eerss.  läfst  das  Bispingthor  aus. 
«Dieselve  porte/  sagt  H.  Gresbeck,  „blief  bie  irem  namen  und  wort 
nicht  verändert/  Sie  hiefs  auch  „dat  nige  werck.**  Den  Namen  der  Thore 
entsprechend  wurden  auch  die  Benennungen  der  dahin  fuhrenden  Stralsen 
abgeändert  „Die  andern  Straten  hieven  bei  iren  namen;  der  was  tho  voeUe, 
daer  en  wüste  hei  geinen  raet  tho,  Johan  von  Leiden.*'  Der  Diener  des 
Malers  Ludger  to  Bing  sagte  schon  am  23.  Dez.  1634  aus:  „Se  hebben  den 
porten  andere  namen  gegeven.^  Er  nennt  nur  vier  Namen,  und  zwar  fur 
das  Jüdefelder-,  Mauritz-,  Servatii-  und  Aegidiithor  die  Bezeichnungen  des 
Gold-,  Silber-,  Königs-  und  Eöniginnenthores.  —  Aufser  den  Herzogen  an 
den  zehn  Thoren  ward  nach  H.  Gresbeck  S.  183  der  elfte  Herzog  gesetzt  „up 
dat  nige  blochuifs  an  der  Nien  bruggen  porten'  (Zwinger),  der  zwölfte  «up 
ein  rundeil,  dat  die  wiederdoepers  hedden  gemacket  tuschen  dem  waai  und 
der  stat  muiren,  tuischen  S.  Luegers  und  S.  Servatius  porten^  (Engelschanze). 

')  Die  Namen  der  Herzöge  giebt  Eerss.  in  Uebereinstimmung  mit 
H.  Dorp  a.  a.  0.,  nur  sagt  dieser  „Heinrich  Santes,  ein  kopffersdunid  von 
Wesel"  und  hat  für  Job.  Katerbei^h  nur  die  Bezeichnung  „Johan  schwerd- 
feger."  Eine  ganz  andere  Liste  der  Herzöge  ist  uns  aber  in  einer  Beilage  zu 
einem  Briefe  erhalten,  den  Justinian  v.  Holtzhausen  am  29.  Mai  an  seinen 
Yater  in  Frankfurt  a.M.  schrieb.  Sie  ist  abgedr.  M.  G.-Q.  II,  347.  In  ihr 
finden  sich  die  auch  von  Kerss.  in  anderer  Form  gegebenen  Namen  Johann 


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Anno  1535  acta.  775 

regno  sno  officia,  si  regia  inssa  qnam  diligentissime  exegtiantar, 
promittit.  Se  enim  dissolata  obsidione,  quod  erga  festum  Paschae 
fatnmm  sit,  totnm  mnndnm  occisis  omnibus  principibns  praeter 
Lanigrayinm  ^  pervasnram  suoqne  dominio  subiectumm.  Ne 
autim  inter  ipsos  in  postemm  contentio  oriatnr  de  dominio,  ipse 
ducatus  et  principatns  (venatorem  Aesopicam  pellem  nrsi  non- 
dim  capti  vendentem  imitatns)  ante  victoriam  inter  dnces  distri- 
biit  et  incertis  pro  certis  ipsos  exhilarat.  Ducatum  Saxonicnm  * 
Lanni  Dencker,  Brunswicensem  Bernardo  thor  Moer,  Westphali- 
cum  inter  Bhenum  et  Visnrgim  Christiano  Kerckringh,  luliacnm 
et  Clivensem  loanni  Bedeker,  G-eldriacnm  cum  Traiectensi  epi- 
Ecopatn  loanni  Paick,  Brabanticum  et  HoUandicmn  comitatnm 
Engelberte  Edinck  donat;  episcopatnm  Coloniensem  villico  Led- 
daio,  Mognntinnm  Henrico  Xanto,  Trevirensem  Henrico  Eock 
Osnabnrgensi,    Bremensem,    Yerdensem   et   Mindensem    loanni 


Balck,  Jung  Claufs  Strippe,  Herman  Beinicks,  Bert  Zermer,  Johan  Redecker 
wieder,  sonst  aber  werden  genannt :  „Johan  Naderman,  bnrger,  vor  der  Crentz- 
pforten,  Bemhart  Koet,  bnrger,  Henrich  Beker  von  Warendorf  an  der  Jud- 
denfelder  pforten,  Johan  Lnck,  ein  edehnan  aufs  Frieslant,  Eckhart  Schar- 
lach Yon  Jasvelt  an  sant  Ludwigs  (I)  pforten,  Herman  Frotig,  ein  burger,. 
Wilhelm  von  Detten,  was  vormolss  ein  paster. "  Die  Wahl  Joh.  Nader- 
mann's  als  Herzog  am  Erenzthore  beschreibt  eingehend  H.  Gresbeck 
S.  180  ff.  Auch  ein  Gefangener,  Claus  Mecklenborg,  bekennt  am  4.  Mai 
(Orig.  im  St.-A.  M.) :  „Eyner,  genompt  Nordermann,  is  eyn  herttoge  gekoren 
vor  der  Grutzporten.^  Sollte  das  Amt  der  Herzöge  Öfter  gewechselt  haben? 
Das  ist  wahrscheinlich,  da  in  den  Akten  wiederholt  Männer  als  Herzöge 
bezeichnet  worden,  deren  Namen  sich  in  den  angeführten  Listen  nicht 
finden.  So  gesteht  Enipperdolling  am  21.  Jan.  1536  (M.  G.-Q.  U,  408): 
„Er  have  oich  die  12  hertzogen  nit  ofgeworffen,  dan  der  koningk  selbst. 
Und  es  lebt  noch  einer  da  von,  Gert  Eoeninck  genant,  zu 
Schoppingen  wonhaftig,  als  er  meint.^  Am  8.  Juni  1534  machen  die  beiden 
Enaben  Herrn.  Mollenhecke  und  Joh.  Huttmann  aufser  Johann  Bedeker  und 
Hermann  Beininck  auch  Johann  Padde  und  Lambert  Bilderbecke  als  Her- 
zöge namhaft  (St.-A.  Marburg). 

')  H.  Dorp  fügt  hinzu:  „Dem  wolten  sie  allein  verschonen  und  nichts 
nemen,  darumb  das  sie  verhofften,  er  solt  noch  ir  bmder  werden.'' 

')  Die  Verteilung  der  Herrschergebiete  an  die  Herzöge  ist  in  dieser 
Weise  nur  von  Eerss.  überliefert  Bei  H.  Dorp  heifst  es  kurz:  „Das  Chur- 
fürstenthumb  von  Sachsen  sol  Johan  Dencker  haben,  die  Graffschafft  von 
Teckelnburg  Christian  Eerckering,  und  so  fort  an.*' 


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776  Anno  1535  acta. 

Eaterbergh,  Hyldensem  et  Magdebnrgensem  Hermanne  Berninck, 
utramque  Frisiam  cum  terra  Groningana  Nicoiao  Stripeo  donat 
Penes  hos  duces  omnium  opemm  cnra  et  Imperium  erat. 

Ne  antem  tempus  meditandi  seditionem  adversns  ißgem 
oppidanis  relinquatnr,  continuo  eos  labore  exercent  et,  ne  fero- 
ciant,  panem  sale  tantnm  conditum  illis  ad  vescendnm  apponcnt 
Nam  cam  mnnitionibus  necessariis  firmandis  non  occnparentu, 
ant  templis  aut  tnguriis  humilibusqae  aedificiis  circa  pomeda 
antiquitus  extructis  fnnditns  diruendis  occupati  tenentnr  *.  C<b- 
21.  Jan.  perant  enim  21.  lannarii  summae  aedis  strncturam  convellere*. 
♦p.  586.  cum  ante  *munitionibus  publicis  operam  dederint. 

Magno  interea  conamine  variisque  motibus  Holland!  <t 
Frisii  ad  liberandam  ab  obsidione  urbem  intra  fines  suos  tmnxl- 
tuantur^.     Sed  cum  multi  in  terra   Groningana   confluxisseit, 


*)  So  nach  dem  Bekenntnis  des  W.  Scheiflfart  (M.  G.-Q.  II,  2t5): 
„Item  na  dem  se  bnten  der  stat  nicht  mer  tho  arbeiden,  dannoch  die  ge- 
meinheit  in  arbeide  geholden,  rotten  and  thosamenkompst  der  gemeinieit 
dairmede  verschoent  moechte  werden,  laten  se  binnen  der  stat  umblsmx 
•der  nmren  und  sunst  allenthalven  unnutte  haser  and  gedeme  nedderbrechen 
aind  verwoesten," 

*)  üeber  die  Zerstörung  der  Kirchen  überhaupt  vgl.  oben  S.  571  f 
Am  30.  Januar  schrieb  der  Bischof  aus  Iburg  an  den  Kölnischen  Rat  Am- 
brosius  von  Virmunden  (Konzept  im  St-A.  M.),  wie  er  ci-fahren,  „dat  de 
innenholder  unser  stadt  Munster  de  domkercken,  ock  ander  kercken  dar- 
sulvest  nedderbrecken  unde  de  stadt  inwendich  gruntlich  verderven."  Nach 
seiner  Anwesenheit  im  Nov.  1534  in  Münster  berichtet  Theod.  Fabricius 
auf  dem  Tage  zu  Oberwesel  (a.a.O.  S.  101):  „Den  thumb  hab  er  gesehen, 
dergleichen  andere  kirchen,  die  sie  begjnnen  abzuprechen,  derhalb  er  ursach 
gefragt;  hetten  sie  jme  geantwort,  ehe  sie  den  babstumb  und  der  pfaffen 
mifsbrauch  wider  annemen,  weiten  sie  ehe  das  kind  in  materleib  essen  nnd 
alle  sterben.  Und  als  er,  der  predicant,  dogegen  repetirt,  wo  sie  predig 
hören  wolten,  musten  sie  kirchen  haben,  antworten  sie:  wan  wir  predig 
hören,  wollen  wir  uff  den  marckt  gehen,  forchten  weder  hagel  noch  regen, 
dan  sie  wisseten  wol,  das  inen  unter  der  predig  nichts  beswerlichs  wider- 
fure.*'  Nach  Ernennung  der  Herzöge  erteilte  Johann  v.  Leiden  diesen  den 
Befehl,  auch  die  noch  unversehrt  gebliebene  Jakobikirche  niedenoreifsen 
„wente  up  dat  leste  gesemsel,  dat  von  der  kercken  wair  solde  stain  bliven, 
war  ein  man  hohe.**    Siehe  H.  Gresbeck  S.  187. 

")  Ucber  die  Versendung  von  Geld  und  Rothmann^schen  Schriften 
nach  Holland  und  Friesland  vgl.  oben  S.  735  u.  757  £.  Am  31.  Dez.  1534 
waren  abermals  vier  Wiedert&ufer  aus  Münster  mit  Aufträgen  an  die  Ge- 


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Anno  1535  acta.  777 

Georgias  Schenck  liber  baro  de  Teutenburg,  Caroli  Quinti  im- 
peratoris  vicarias,  24.  lanuarii  eos  profligavit  ac  prophetam  m.  Jan. 
Petrmn  Schomacker,  qni  ipse  stnltissimus  se  filinm  Del  esse 
stulto  populo  persuaserat,  nnde  se  populärem  fevorem  habiturum 
et  armatas  copias  ad  liberandam  urbem  coacturom  sperabat,  cum 
quibusdam  eins  exercitus  capitibus  commerito  supplicio  affecit  ^ 

Vicesimo  etiam  quinto  die  lanuarii  retincti  nocturno  con-  25.  jan. 
cursu  facto  Leydam,  regis  monstrosi  patriam,  quanta  vi  possunt, 
aggrediuntur,  verum  cum  magis  furore,  quam  prudentia  rem 
agere  coepissent,  bonorum  civium  viribus  a  spe  potiundae  civi- 
tatis deiecti  capiuntur,  et  utriusque  sexus  non  pauci  furoris  sui 
poenas  luunt.  In  quo  motu  regis  uxor  Leydae  relicta,  cum  non 
solum  retincta,  sed  et  retinctorum  receptrix  esset,  gladio  caesa  est'. 


sinnungsgenossen  gesandt,  unter  ihnen  Zillis  Leitgen.  Yergl.  dessen  Ge- 
ständnisse vom  14.  Febr.  1535  bei  J.  Nies  er  t:  Ü.-S.  I.  S.  136  ff.  Dafs 
es  sich  überhaupt  um  die  planmäfsige  Durchführung 'der  Absicht  handelte, 
Münster  zu  entsetzen,  geht  aus  den  Geständnissen  der  Yon  H.  Graes  nam- 
haft gemachten  Weseler  Wiedertäufer  hervor,  die  bekennen  (s.  die  Instruk- 
tion des  Bischofs  Franz  zum  Tage  von  Worms  im  April  1535  [St-A.  M. 
M.  L.  A.  518/19  Vni.  fol.  44]),  „das  sie,  die  widderteuffer,  vier  banner 
'  solten  lassen  fliegen,  eins  in  Fschenbroick  bei  der  Maefsen  im  land  von 
Gulich,  eins  in  HoUant  und  Wasserlanden,  eins  zwisschen  Mastricht,  Aich 
und  dem  lande  von  Lymburg  und  das  vierdt  in  Freifslandt  bei  Gruningen; 
mitler  weill  das  geschege,  solten  sich  die  bruider  mit  geweher  und  zeher- 
gelt  fertig  machen  und  so  bald  sie  vememen,  die  banner  fliegen  wurden, 
jeder  zum  nehesten  zuzehen  und  Munster  zu  entsetzen  und  die  landen  in- 
nemen.**     Zur  Sache  vgl.  auch  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  270ff. 

^)  Vielmehr  meldet  Georg  Schenck  von  Tautenburg  am  24.  Januar 
dem  Bischof  Franz  (Abdruck  des  Briefes  bei  L.  Keller  a.a.O.  S.  326 f.), 
dafs  eine  grofse  Täuferversanmilung  von  900—1000  Mann  im  Groninger- 
land  stattgefunden  habe,  die  aber  durch  Herzog  Karl  von  Geldern  zerstreut 
worden  sei.  „De  principail  propheet,  Hermann  Schomacker  genannt, ** 
sei  mit  6  oder  7  „ander  principalen^  gefangen.  Kerss.'s  Bericht  stimmt 
mit  der  Darstellung  in  der  eben  angeführten  bischöflichen  Instruktion  für 
Worms  überein,  in  der  es  heifst:  „£s  ist  auch  zu  Freifslandt  bei  dem  Dam 
ein  versamlung  von  neun  adir  zehen  hundert  man  vorhanden  gewesen,  dar- 
under  einer,  Peter  Schomacher  genant,  der  sich  vor  Christo,  Götz 
sonn,  angeben  ...  in  hoffiiung,  der  gemein  man  solt  inen  vort  zuge- 
fallen, alsdan  weiten  sie  Munster  entsatzt  haben;  wie  dan  ongezweivelt 
geschehen,  so  dieselbige  durch  den  stadthalter  nit  zertrent  und  der 
Antichrist  nit  gefangen  were  worden."  —   ')  Vgl.  dazu  oben  8.  646. 


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778  Anno  1535  acta. 

Wilkinns  Stedingos  cnm  aliqnamdin  nihil  explorati  ex 
nrbe  habnisset  cnperetqne  scire  magnopere,  qnid  in  nrbe  agator 
quidve  oppidani  moliantnr,  ex  gpregarüs  itaque  militibns  Han- 
sonem  Nagelinm^  lYancofordianxun,  hominem  callidnm  et  ver- 
sntnm  atqne  ad  hanc  fabnlam  peragendam  aptum,  deligit,  qnem 
magnis  pecnniis  et  pollicitationibus,  nt  sinmlata  defectione  in 
nrbem  exploratum  transeat,  invitat.  Is  interritns  et  confidens 
se  factamm  recipit  Qnaesita  est  antem  commoda  defectionis 
simtdatae  occasio,  ne  commilitonibns  fagae  consilinm  patescat 
Nagelins  forte  in  castris  Mauritianis  nnum  e  commilitonibns  ad 
aleae  Insam  provocat.  nie  vero  intra  propngnacnli  septa  minime 
Indendum  sicnt  nee  pngnandnm  esse  inre  militari  dictitat;  edicto 
enim  illud  a  ducibns  militiae  vetitum  esse;  si  ergo  secnm  Indere 
velit,  septa  propngnacnli  exeat;  se  ad  qnaeris  paratnm.  Nagelins 
vero  ardentins  instat  nee  finem  nee  modnm  lacessendi  facit;  nbi 
vero  nihil  perfice^et,  raptim  arma  corripit,  qnasi  magnnm  sit 
flagitinm  militem  negare  militi  iactnm  aleae,  nnde  snam  existi- 
mationem  minni  pntabat.  Post  logomachiam  nitro  citroque  ha^ 
bitam  yibrantnr  ntrinqne  arma.  Nagelins  caedendo  pnngendo- 
"p.  587.  qne  serio,  nt  pntabatnr,  instat.  Alter  vero  *gladio  sno  ictus 
excipit  elnditque,  retrocedit  nee  reverberat.  Interea  Stedingus 
aliique  militiae  praefecti  hoc  innsitato  motn  ex  composito  tarnen 
facto  excitati  accnrrunt  pngnamqne  dirimnnt  et  causam  motus 
inqnimnt.  Deprehenditnr  tandem  Nagelins  primi  motus  anctor; 
itaqne  qnod  pacem  pnblicam  propngnacnli  violasset  dignnsque 
ultimo  supplicio  habitns  esset,  compedibus  tribuni  constringitnr 
detineturque  captivus  triduum,  ne  fabnla  prodatnr.  Inde  cum 
Stedingus  reliquique  dnces  animi  oblectandi  gratia  in  eqnis 
passim  veherentur,  Nagelius  Interim  adiutns  per  tribunnm  col- 
lusionis  conscinm  clanstra  compednm  laxat  et  sese  versus  nrbem^ 


^)  Aussagen  des  H.  Nagel,  die  Eerss.  gleich  weiter  nnten  benutzt^ 
befinden  sich  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  Y.  fol.  311  ff.  Doch  mufs  Kens, 
noch  eine  andere,  jetzt  nicht  mehr  zu  ermittelnde  Quelle  vorgelegen  haben. 
Im  St.-A.  Marburg  befindet  sich  fiber  die  That  und  die  Berichte  des  H* 
Nagel  die  Relation  eines  „bayerischen  gesandten,  der  umb  erfarung  willen 
ins  leger  geschickt.^  Auch  diese  ist  bedeutend  kürzer  als  Kerss.'s  Bericht, 
best&tigt  denselben  aber  im  Ganzen. 


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Anno  1535  acta.  779 

qnantam  potest,  in  pedes  coniicit.  Ibi  tum  tota  castrorom  mnl- 
titndo  indigntim  facinns  defectionemqne  torpissimam  exclamat, 
sacramentom  pactnmqne  militare  et  honestnm  nomen  yiolari. 
Perseqnantnr  itaque  omnes  fngientem  minis  variisque  vocifera- 
tionibns  et  folminibns,  alias  aUmn  ad  pnngendum,  caedendum, 
iaculandmn  transyerberandnmqne  desertorem  incitai  Oppidani 
vero  in  propngnacnio  et  terrea  mole  nrbis  motnm  sentiente? 
eundem  transfagam  ad  currendnm  elatis  capitnm  tegamentis  in- 
flammant ;  se  ipsom  iamiam  bombardarnm  ictibus  ab  inseqaen- 
tium  hostinm  persecntione  liberatnrnm  ^  Qnidmnltis?  Pervenit 
tutus  in  urbem,  adventus  est  gratus,  dncitur  ad  regem.  Qno- 
modo  impiomm  commilitonnm  manns  et  vincula  praesentemqu& 
necem  sibi  levi  de  cansa  paratam  efFagerit,  exponit;  sangoinarios 
esse  snos  nollaque  dementia  erga  ndsemm  moveri  edisserit,  se 
inter  feras  immanes  vivere  et  hostinm  benignitatem  tentare  malle, 
qnam  snomm.  Excipitnr  a  rege  hnmanissime,  versatnr  inter 
anlicos,  donatnr  a  rege  anreo  annnlo,  vestitnr  splendide,  fit  in 
dies  regi  carior  K   Diligentissime  omnia,  qnae  agnntnr,  intnetnr 


')  Vor  den  Aussagen  des  H.  Nagel  im  St-A.  M.  ist  nur  kurz  ver- 
merkt:  „Hans  Nagel  von  Franckfurt  an  der  Oeder,  der  sich  annam,  er 
entlifi^  oder(!)  doch  hinein  geschickt  was,  umh  alle  sach  so  viel  im  muglich 
sich  zu  erkunden,  sagt  . .  /  Ausführlicher  heilst  es  in  der  Relation  im 
St.-A.  Marburg:  „Ein  edelman,  genant  H.  Nagel,  der  uff  den  plochheusem 
nnder  den  knechten  besoldet  ligt,  hat  ehrlicher,  guter  meynung  mit  er- 
laubnis  seines  krigshem  . . .,  damit  er  der  Mnnsterischen  geheim  erfaren 
mocht,  seinen  leib  ritterlich  gewagt  und  in  angenommen  schein,  als  ob  er 
uff  der  wacht  widder  ehrlichs  kriegsrecht  und  den  artickelbrieff  sich  ver- 
gessen, gepalget  und  derhalben  von  dem  hauffen  fluchtig  werden  müssen, 
damit  er  nit  vor  recht  gestelt  wurde,  sich  zu  der  stat  Munster  lauffend 
genahet  und  solich  fürwort  gepraucht  und  dasselbig  mit  Vorzeigung  seiner 
werc,  welche  mit  vleis  vol  scharten  und  kromme  geslagen  gewest,  bekreff- 
tigt;  also  ist  er  vor  den  vermeinten  konig  gefnrt  . .  .*' 

')  In  der  Relation  im  St-A.  Marburg:  „. . .  also  ist  er  vor  den  ver- 
meinten konig  gefnrt,  daselbst  examinirt  und  zuletzt  in  einen  thom,  den 
sie  den  beiden  thom  . . .  nennen,  geftirt  worden.  Als  er  sich  aber  im  glauben 
und  die  widdertauff  anzunemen  erbotten,  ist  er  nach  dreien  oder  vier  tagen 
ausgelassen  und  getaufft,  auch  zu  vermeintlichen  trabanten  oder  diener 
angenommen,  mit  krön  und  schwartz  sammeten  wambs  (des  kOnigs  färbe) 
bekleidet  und  einem  guldnen  ringe,  wie  ander  des  konigs  hofgesynde,  be- 
gabt worden.** 


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780  Anno  1535  acta. 

exploratqae  adeo,  nt  proditionis  suspectus  apud  quosdam  esse 
coeperit.  Sed  auctoritas,  qua  apud  regem  pollebat,  suspicionem 
obscurat.  Manet  in  urbe  ultra  menses  duos^,  ut  omnia  secreta 
regis  et  urbis  exactius  cognosceret.  Interea  Stedingus,  cum  re- 
ditum  iUius  expectaret,  per  castra  nunciavit,  ne  quis  ex  urbe 
interdiu  venientem  sudariumque  explicatum  circum  caput  agi- 
tantem  occideret.     Illud  enim  signi  reditus  datum  erat 

Nagelus  cum  se  satis  diu  in  urbe  fuisse  et  omnia,  quae 
^p.  588.  ibi  agerentur,  *explora8se  putaret,  30.  Martii,  id  est  die  Martis 
^.  März,  post  diem  paschalem  ^  quasi  olera  allaturus  urbe  egreditur  et 
recta  ad  castra  Mauritiana,  unde  digressus  fuerat,  contendit 
Viso  signo  a  militibus  recipitur  *,  ducitur  ad  Stedingum,  narrat 
omnia,  quae  exploraverat.  Primum^  regem  decem  et  sex  secum 
pellices,  quarum  una  praecipua  sit  regina,  alere,  ipsum  trecentas 
habiturum  et  totius  mundi  monarcham,  ut  populo  persuaserit, 
futurum  ^  Centum  equos  et  ducentas  propemodum  yaccas  esse, 
neque  quicquam  praeter  salem  et  panem,  quibus  vescantur,  super- 
esse ^.  Item  regem  eruptionem  yiolentam  moüri  ipsumque  plebi 


')  In  den  Aussagen  H.  NagePs  findet  sich  kein  Anhaltspunkt  dafür, 
wie  lange  er  in  der  Stadt  blieb. 

*)  „Auff  dinstag  nach  Ostern"  heifst  es  auch  im  Bericht  H.  Xagel's 
im  St.-A.  M.  —  ^j  üeher  die  Art  der  Flucht  H.  Nagel's  herichtet  nur  die 
Eelation  im  St-A.  Marburg,  in  der  es  heifst:  „Des  konigs  hoffgesjnde  gehet 
heraus  uff  ein  wiefsmat,  daselbst  salat . . .  auch  andere  worzeln  zu  graben 
und  essen.  Mit  denen  ist  gemelter  edelman  etliche  tage  heraus  und  widder 
hinein  gangen.  Zuletzt,  als  man  nit  mher  mifstrauen  in  im  gesetzt,  hat 
er  seinen  furtheil  ersehen  und  sein  flucht  uff  die  plochheuser  widder  ge- 
nommen, sich  auf  den  weiten  mosigen  boden  also  abgelauffen,  das  er  er- 
legen und  in  der  vheinde,  so  ime  nachgeilt,  henden  hett  pleiben  müssen, 
wo  er  von  den  plochheuscrn  nit  entsetzt  were  worden/ 

*)  Das  Folgende  nach  H.  KagcPs  Aussagen  im  St.-A.  M. 

^)  In  den  Aussagen:  «...  sagt,  das  der  konigk  hab  funffzehen 
weiber,  solde  und  mufs  zu  hauff  drey  hundert  haben.  Er  wolt  auch  ein 
konig  in  aller  weit  werden,  und  alle  andere  konig  und  keyser  sampt  allem 
gewalt  müssen  von  ym  entsatzt  werden.**  Die  Relation  im  St.-A.  Marburg 
berichtet  vom  König,  „er  habe  vierzehen  weiber  und  mit  der  ersten  neulich 
-ein  dochter  erobert."  lieber  die  Frauen  Johannas  v.  Leiden  vgl.  oben  S.  657  ff. 

°)  So  die  Aussagen  im  St-A.  M.  Die  Relation  im  St.-A.  Marburg 
berichtet:  „Von  prophanden  der  stat  zeigt  er  an,  es  seien  darin  nit  über 
funffzig  mclckkue,    der  verschonen  sie  von  wegen  der  milch,  schmalz  und 


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Anno  1535  acta.  781 

persuadere  annm  Israelitam  decem  impios  in  pugna  prostra- 
tnrnm;  Patrem  omnes  obsidentes  caecltate  percussnrom.  Item 
nrbem  mirum  in  modnm  firmari.  Eegem  ipsnm  in  erigendis 
mnnitionibns  occnpatnm  esse;  et  nisi  gib  Hollandis  et  Frisiis, 
quorum  copias  in  singnlos  dies  expectet,  ab  obsidione  liberetnr, 
ipsnm  obsidionem  ad  dnos  menses  ob  pennriam,  famem  et  om- 
ninm  remm  inopiam  non  posse  snstinere  ^.    Hnic  viro  narranti  ^ 


kelber;  aber  rofs  seien  noch  bei  nngeverlich  60  darin  ...  An  brot  spnr 
man  nit  mangcl,  ob  aber  an  dreide  noch  viel  vorraths  vorhanden,  habe  er 
nit  gesehen.  Viel  saltz  sei  vorhanden.  Bier  brauen  sie  in  der  stat.  Viel 
seien  darin,  denen  das  wessen  misfalle,  wollten  gern  heraus,  so  sie  mochten.*' 
Damit  ist  die  Aussage  des  Sybbeken  Frese  nicht  zu  vereinigen,  der  am 
19.  April  bekundet  (St.-A.  M):  „De  gemeine  mann,  wiffer  und  kindere  lyden 
groten  smacht  und  kummer  und  schreyen  und  ropen  up  der  gassen  elendich, 
und  men  hebbe  in  vyff  dagen  gyn  broit  gespiset,  dann  leven  van 
grafs  und  zwynen  krude  uth  dem  velde,  welcker  en  de  koninck  gesacht, 
darvan  solden  se  glick  van  brode  zick  mögen  entholden."  Noch  am  Ende 
des  Jahres  1034  soll  der  König  geäufsert  haben  (s.  das  Bekenntnis  des 
Zillis  Leitgen  bei  J.  Niesert:  U.-S.  L  S.  143),  „sy  betten  noch  vor  ein 
jaer  hier  und  broth,  dan  sie  boucken  roggen  und  gerst  zusamen."  Ganz 
anders  aber  lautet  der  Bericht  des  H.  Graes  im  Januar  1535  (J.  Niesert 
a.a.O.  S.  148):  „Ick  hebbe  raitswyse  gespraken  mit  Bemarde  Botman;  de 
sachte  my,  weret  sake,  dat  uns  Got  nicht  reddet  van  unssen  vyanden,  so 
wüste  men  geinen  raith,  want  de  rogge  und  gerste,  de  krimpe  seer  und 
wolde  wall  in  einen  maent  offt  2  uppe  syn."  Die  Anzahl  der  noch 
vorhandenen  Pferde  und  Kühe  giebt  S.  Frese  auf  20  resp.  '200  an.  Die 
Kühe  werden  „vor  kynder  und  krancke  lüde  geholden  und  gebruckt."  Vgl. 
auch  oben  S.  738  Anm.  3. 

')  In  den  Aussagen  im  St-A.  M.  heifst  es:  „Sie  bawen  auch  die 
stat  unmuglich  fest,  und  der  konigk  arbeitet  selber  daran.  Er  hofft  auch 
auff  uffruer  des  gemeinen  mans,  und  so  im  dasselb  feien  wurde,  möge  er 
die  stat  nber  zwen  monat  nicht  halten. ** 

')  H.  Nagel  föhrt  dann  noch  fort:  „Er  ist  auch  muts  heraus  zu 
zihen,  hat  darum  acht  personen  heraus  geschickt.  Und  wiewol  er  sie  auff 
diss  Ostern  verdrost,  das  sie  entsatzt  selten  worden  sein  —  das  Got  hab 
lob  noch  verhut  ist  —  sagt  aber  inen,  es  geschehe  umb  irer  sonde  willen; 
sie  sollen  sich  aber  besseren,  so  werde  sie  Got  erretten  und  sie  aus  den 
henden  irer  feindt  erloesen.''  Damit  enden  die  Aussagen  U.  NagePs  im 
St.-A.  M.  Die  Relation  im  St-A.  Marburg  erwähnt:  „In  der  nechsten  kar- 
wochen  seien  sie  willens  gewest,  herauTser  zu  fallen  einhellig  und  alle, 
haben  zwo  wagenburgk  derhalben  zugericht,  aber  der  konig  hab  es  nit  ge- 
scheen  woUen  lassen,  sonder  gesagt,  der  Vater  habs  ime  verbotten.  Ir  mey- 
nung  sei  gewest,  sich  durch  die  vheinde  zu  slagen  und  abweg  ze  zyhen.^ 


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782  Anno  1535  acta. 

ita  fides  habetur,  nt  de  certissima  deditione  urbis  duces  non 
ambigant.  Nihil  nnnc  miles  per  castra  sonmiat  nisi  de  conditi- 
onibns  deditionis,  de  facie  urbis  captae,  de  direptione,  de  praeda 
dividenda.  lam  cogitat  se  tandem  post  longam  Martis  peregri- 
nationem  lannm  clausumm  et  senectntis  viaticnm  consecntomm, 
quo  reliquos  vitae  annos  in  pace  transigat. 

Turbanus  Billus,  vir  militaris  ordinis  ex  Dania  oriundus, 
post  calamitosam  illam  superiori  anno  factam  oppugnationem  in 
s.  Febr.  conflictatiuncula  ab  oppidanis  captus  est  et  tertio  Februarii  urbe 
«lanculum  reversus  coram  principe  et  militiae  praefectis  enxm- 
ciavit^:  regem  literas  typis  in  urbe  excusas  illiusque  sigillo  si- 
gnatas  in  omnes  orbis*  partes  emissurum,  quibus  grandia  mi- 
litibus  stipendia  et  praedam  omnium  populorum  promittat;  quo 
Astu  ingentem  se  exercitum  in  praesidimn  suae  causae  et  onmis 
magistratus   intemecionem  coacturum  confidat^    Princeps  haec 

»)  Ms.:  urbis. 


Ueber  den  König  berichtet  die  Belation  noch,  er  «iieite  uf  einen  falen  gaulin 
mit  schwartzem  granen  sammat  bedeckt  in  der  stat  nmb,  habe  ein  gnldene 
<;ron  uf  seinem  haupt,  ein  yergulte  raten  in  der  handt,  ein  güldene  weit 
mit  zweien  Schwertern  am  halTs,  und  sonst,  wie  doch  einem  rechten  konig 
2usteet,  geziret.''  „Er  zeige  sich  firolig  mit  dantzen,  singen  und  springen." 
—  In  Bezug  auf  einen  beabsichtigten  Ausfall  des  Königs  aus  Munster 
mahnt  der  Bischof  bereits  am  15.  März  die  Amtleute  zur  Vorsicht  mit  den 
Worten  (Konzept  aus  Wolbeck  im  St-A.  M.),  er  habe  von  Gefangenen  er- 
fahren, „dat  der  yan  Munster  yermeynte  konynck  yn  meynonge  sjn  zolle, 
upt  starckste  mjt  der  macht  uth  to  trecken,  yillichte  de  klejnen  stede 
unde  ylecken  yn  to  nemen,  to  plünderen  unde  zo  den  gemeynen  man  myt 
doetslach  unde  rauw  geweltlich  to  oyerfaUen."  Vergl.  auch  weiter  unten 
die  Aussagen  des  Nikolaus  yon  Boppard  und  H.  Gresbeck  S.  125 IL 

')  Dieses  und  das  Folgende  entnimmt  Kerss.  einem  Schreiben  des 
Bischofs  aus  Wolbeck  yom  3.  Febr.  an  die  Erzbischöfe  von  Köln  und  Trier, 
den  Herzog  yon  Cleve  und  den  Landgrafen  von  Hessen  (Konzept  im  St-A. 
M.;  Abdrack  des  Orig.  des  Briefes  an  den  Landgrafen  M.  G.-Q.  II,  312  fl). 
Turban  BiU  war  einer  der  Trabanten  des  Königs  gewesen.  Vgl.  oben  S.  649. 

*)  In  seinem  Schreiben  giebt  der  Bischof  genauer  an,  dafs  die  In- 
haber der  Stadt  „einem  ideren  einf eidigen  tzoldener  yeir  goltgl.,  den  bussen- 
schütten  vif,  und  einen  gerusteden  knecht  sefs  goltgnlden  tor  maent  to  geven 
willen  anbeiden  laiten.'^  Ebenso  berichtet  Wirich  v.  Dhaun  am  12.  Febr. 
dem  Landgrafen  und  f&gt  hinzu  (M.  G.-Q.  II,  316) :  „Sie  wollen  auch  aller 
forsten,  geistlichen  und  weltlichen,  grayen,  edeUeut  und  obeikeiten  guter 


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Anno  1535  acta.  783 

ubi  accepisset,  arctissimas  vigilias  disponit,  ne  regii  isti  legati 
«labantur  passimque  per  orbem  varios  motns  excitent.  Ingenia 
6nim  militrun  ea  esse  cognoscit,  nt  manifestam  etiam  impietatem 
magnitndine  stipendii  et  praedae  illecti  tneri  non  ernbescant; 
ibi  enim  (teste  Lucano  ^)  fas  esse  existimant,  ubi  maziina  merces; 
quae  res  non  solnm  se,  verum  etiam  omnes  Europae  prin^cipes  »p.  589. 
et  respublicas  contnrbatura  sit^.  Proinde,  si  forte  castodiam 
saam  elabantnr,   regis  illad  propositmn  omnlbus  eircnmqnaqne 


den  knechten  zum  pefsten  geben,  sonder  den  gemeinen  man  nnbeschedigt 
lassen.^  Ueber  Anwerbung  von  Knechten  s.  auch  oben  S.  737.  Zwar  stellt 
Johann  y.  Leiden  in  seinen  Bekenntnissen  solche  Anwerbungen  entschieden 
in  Abrede  (bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  180 f.  und  M.  G.-Q.  II,  373 f. u. 401); 
aber  schon  im  Januar  1535  sagte  H.  Graes  aus  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  146): 
„Daer  is  raitswyse  geslotten  under  de  hoveden  bynnen  Munster,  dat  men 
will  knecht  annemen,  acht  offt  tein  dusent,  so  vell  als  men  krjgen  kan, 
und  geven  enn  ton  maent  4  g.  und  frje  roverje,  alle  heren  und  fursten, 
beide  geistlige  und  werüige  overicheit  to  yerdrucken.  Dyt  is  alle  bestalt 
in  Overlant,  Yreislant,  HoUant  und  Wessel.''  Ein  uns  erhaltener  Aufruf 
der  Inhaber  Münsters  an  die  Landsknechte  vor  der  Stadt  vom  19.  Januar 
(Zeitschrift  des  Bergischen  Geschichtevereins  Bd.  '20  [Bonn  1885]  S.  38  f.) 
stellt  den  Ueberläufem  „veer  wichtige  golt  gülden  myt  todath  vryer  buthe 
der  beschorenen  monneken  und  papen''  in  feste  Aussicht 

')  De  hello  civili  X,  408.  —  *)  Ueberhaupt  waren  die  Knechte  vor 
Münster  zu  Meuterei  und  Desertion  geneigt,  denn  immer  fehlte  es  am  Gelde, 
sie  rechtzeitig  und  ausreichend  zu  besolden.  Das  Stift  Münster  war  durch 
eine  auf  dem  Landtage  zu  Telgte  am  18.  Jan.  1535  neu  bewilligte  Schät- 
zung wieder  schwer  belastet  worden.  Die  in  Coblenz  festgesetzten  Hülfs- 
gelder  kamen  nur  sehr  langsam,  oder  auch  gar  nicht  ein.  Wiederholt  sah 
sich  der  Bischof  genötigt,  bei  den  ihm  verbündeten  Fürsten  neue  Anleihen 
zu  machen,  um  überhaupt  Geld  zu  erlangen.  Die  kräftigste  Stütze  fand 
er  an  dem  Landgrafen  von  Hessen,  der  überall  auf  Bezahlung  der  rück- 
ständigen Gelder  drang  und  sich  deswegen  auch  an  den  König  Ferdinand 
wandte.  Am  14.  März  konnten  die  hessischen  Räte  dem  Bischöfe  aus  Kassel 
melden,  dafs  der  Landgraf  den  Erzbischof  von  Mainz  nicht  nur  zur  Er- 
stattung des  Geldrückstandes,  sondern  auch  dazu  vermocht  habe,  weitere 
2000  Gulden  zu  leihen.  Am  20.  März  berichten  sie  weiter,  dafs  der  Land- 
graf auch  von  dem  Herzoge  Georg  von  Sachsen  2000  Gulden  erlangt  habe 
(Originale  im  St.-A.  M.).  Doch  war  damit  in  keiner  Weise  hinreichend 
geholfen.  —  Anknüpfend  an  die  Aussagen  des  Turban  Bill  schreibt  Wirich 
V.  Dhaun  am  12.  Febr.  an  den  Landgrafen  (a.a.O.):  „...  so  das  gelt  nit 
erlegt,  were  nit  möglich,  die  knecht,  so  doch  meütterei  daronder,  zu  be^ 
halten.  Wir  wurden  auch  von  den  knechten  in  soUichen  last  komen,  dar- 


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784  Anno  1535  acta. 

principibns  significat,  ne  uspiam  militnm  copias  coalescere  si- 
nant.  Uli  autem,  etsi  arctissima  custodia  septi,  inter  tela  et 
gladios  tuti  elabuntur,  veram  regiis  literis  proditi  a  Creorgio 
Schenck  aliisque  passim  magistratibus  intercipiuntur  atque  sup- 
pliciis  meritis  aflFecti  regis  sni  expectationem  fnistrantur. 

Mnltos  inde  oppidanos  pnllulascens  remm  penuria  ad  de- 
fectionem  sollicitavit^,  qaae  qnibusdam  satis  feliciter,  qnibnsdam 
9.  Febr.  vero  male  cesserat.  Nam  die  9.  Februarii  tres  viri  et  totidem 
feminae  *,  cum  aut  defectionem  molirentnr  ant  defectionis  fiitnrae 
conscii  deprehenderentur  neque  eam  magistratui  enanciarent, 
gladio  plectuntur,  qnornm  primus  Hanso  Bechemicns  Turbanum 
Billnm  elabi  machinaDtem  inverat,  ut  ab  episcopo  pro  se  quoque 
effagituro  commeatmn  impetret. 

Hieronimus  Profaess  et  Henricus  Holsten  coUusionem  Billi 
et  Bechemici  de  effagio,  de  commeatu  ab  episcopo  petendo  de- 
que  commeatus  impetrati  symbolo  foris  inter  mnnitiones  et  vi- 
neas  ostentando  scivernnt  et  caelaverunt. 


durch  nns  unser  leib  und  leben  in  sorgen  stan  must."  Yergl. 
auch  Wirich's  Brief  an  den  Landgrafen  vom  25.  Febr.  (M.  G.-Q.  II,  31 7  ff.). 

^)  Auch  fehlte  es  im  Laufe  der  Zeit  nicht  an  Versuchen,  die  Be- 
wohner Münsters  zum  Yerrat  an  dem  Könige  zu  bewegen.  Im  St-A.  M. 
hat  sich  das  Konzept  eines  Schreibens  des  Bischofs  aus  Wolbeck  vom  13. 
April  an  den  Amtmann  zu  Iburg  mit  dem  Vermerke  „selvest  ton  handen** 
erhalten,  in  dem  es  heilst,  in  Iburg  sei  unter  den  Gefangenen  ein  Ijands- 
knecht;  seine  Strafe  werde  dieser  wohl  kennen.  „So  vem  zick  derselve 
gefangen  verplichten  wyll,  wedder  bjnnen  Munster  to  trecken  und  den  un- 
schuldigen gemeynen  man  upt  heymligste  na  allen  sinen  vermögen  under- 
richten  und  bewegen,  wegen  deme  ze  zick  dar  hin  wjUen  begeven  und  uns 
den  konynck,  Bemdt  Botmann,  KnypperdoUinck  unde  andere  oversten  bevel- 
hebber,  dar  to  den  schätz  unde  kleinodien  an  sylver  unde  golde,  zo  noch 
bynnen  Munster  vorhanden,  overleveren,  dat  wy  alsdan  ere  unschult  unde 
dat  ze  zo  iamerlixt  bedragen  unde  verfuret,  . . .  wyllen  ansehen  unde  eres 
lyves  unde  leventz  begnaden,  dat  wy  dan  ock  geneigt,  dem  gefangen  synes 
leventz  to  Msten.**  —  Das  Konzept  einer  Aufforderung  von  Seiten  des  Be- 
lagerungsheeres vor  Münster  an  die  Gemeinde  der  Stadt,  „den  vermenden 
koninck  mith  synen  valschen  propheten  und  anhanck  by  den  helszen*'  zu 
greifen  und  sie  „levendich  to  leveren,''  datiert  vom  1.  Mai,  ist  mitgeteilt 
in  der  „Zeitschr.  des  Bergischen  Geschichtsvereins ^  Bd.  28  (Elberfeld  1892) 
S.  220  ff.    S.  auch  weiter  unten. 

')  Die  folgenden  Beispiele  sind  nur  durch  Kerss.  bekannt 


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Anno  1535  acta.  785 

Dreierschenia  non  tantum  Billi,  verum  etiam  Werneri 
Scheiffers  defectionis  conscia,  quem  etiam,  ne  inter  elabendum 
quibusvis  fidat,  praemonuit  (sibi  enim  extrema  a  rege,  nisi  pru- 
dentius  rem  instituat,  parata  esse),  ob  id  in  coenobio  a  valle  ro- 
sarum  nuncupato  ad  aliquot  dies  capta  detinetur. 

Margareta  Tunekens  Billo  literas  pro  gratia  impetranda  ad 
Baesfeldium  perferendas  tradiderat  et  pecuniam  publicam,  quam 
secum  exitura  pro  viatico  ferret,  subtraxerat. 

Anna  Hoenes  Tymanno  Groningano  quinque  florenos  in 
suroptum  effugii  dederat,  quod  scelus,  ne  simili  se  postea  con- 
taminaret,  carcere  expiatum  est.  Nunc  vero  superioris  sibi  factae 
gratiae  immemor  Billo  octo  florenos  suppeditaverat.  Praeterea 
iuxta  arctum  ponticulum,  quo  iter  est  ad  Transfluyianos,  17  flo- 
renos repertos  in  contemptum  regii  edicti  in  commune  non  de- 
tulit,  sed  sibi  servayit  et  sub  tecto  domus  suae  condidit. 

Propter  haec  enormia,  si  diis  placet,  flagitia  capti  in  forum 
protrahuntur  et  decoUantur.  Cum  vero  camifex  in  caede  Drei- 
erscheniae  *a  valle  rosarum  ad  supplicium  protractae  tardior»p.  590. 
Visus  esset,  EnipperdoUingus  gladio  e  manu  camificis  rapto  offi- 
cium illius  peregit  neque  amicus  amicae  pepercit  neque  horruit 
eum  fundere  sanguinem,  quo  saepe  concaluerat,  neque  erubuit 
crudelem  ei  se  exhibere  hostem,  cuius  amplexibus  fotus  veneri 
aliquoties  indulserat.  Hle  vero  furorem  suum  excusans  Patris 
se  instinctu  agitatum  proclamat;  illius  nutu  et  arbitrio  manus 
suas  praeter  opinionem  suam  in  sceleris  vindictam  commotas  et 
impulsas  esse^ 

Matthias  quoque  Arschins,  cum  advenae  cuidam  arma  ven- 
didisset  et  a  Turbano  Billo  duos  florenos  Philippicos  accepisset 
atque  ita  adversus  regis  edictum  pecunia  interveniente  negotiatus 
fuisset  *,  25.  Pebruarii  gladio  caesus  est.  25.  Febr. 


*)  Ganz  allgemein  sagt  H.  Gresbeck  S.  72:  „So  hat  Enipperdol- 
lingk  mehr  Ineden  die  koep  in  der  stat  afgehonwen,  dan  Johan  Yon  Leiden, 
wante  EnipperdoUingk  was  dat  schwort  bef ollen  mit  den  irsten.*'  Yergl. 
dazu  oben  S.  573.  In  seinem  ersten  Verhöre  am  25.  Jnli  1535  gesteht 
KnipperdoUing  selbst  zn  (s.  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  188;  vergl.  auch  M. 
G.-Q.  n,  378),  „er  hebbe  nmbtrent  11  oder  12  mit  syner  handt  gerichtet, 
ock  etzliche  mit  schrayen  up  den  benen  gepyniget.*' 

*)  Vgl.  oben  8.  768  Artikel  16. 

26 


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786  Anno  1535  acta. 

Legitima  Enipperdollingi  coninnx,  matrona  quidem  honesta, 
cnm  adversns  polygamiam  multa  dixisset,  rex  eam  in  forum  pro- 
duci  iubet,  nbi  in  populi  frequenti  Corona  strictum  gladinm 
aliquamdiu  tenere  compellitnr,  qua  ignominia,  cnm  agnosceret 
quoqne  se  deliquisse,  criminis  remissionem  impetravit*. 

Cum  oppidani  aut  bini  aut  temi  aut  quatenii  aut  plures 
simul  consociati  excursiones  saepe  facerent  et  pro  arbitrio  aut 
cum  militibus  confligerent  ant  iis  non  sentientibus  castra  prae- 
terirent  commeatumque  passim  in  villis  ru8ticanis  aut  emptum 
aut  militiae  praetextu  raptum  secum  in  urbem  asportarent  vel 
non  redituri  elaberentur  efifugerentque,  alii  vero  quovis  tempore 
urbem  impune  ingrederentur',   princeps  et  militiae  duces  opus 


')  Dietl-ich  von  Hamburg  Bl.  A2'^  berichtet  —  wir  kennen  seine 
QueUe  nicht  — ,  dafs  einst  Joh.  Dusentschner  öffentlich  als  gottliche  Ein- 
gebung verkündet  habe,  es  sollten  sechs  gefangene  Frauen  getödtet  werden, 
unter  denen  sich  auch  die  Frau  Knipperdolling^s  befand,  die  ,,der  andern 
seiner  frawen  jr  kleid  nit  gleich  niitthejln^  wollte.  Er  fügt  die  schliefs- 
liche  Begnadigung  der  Gefangenen  hinzu  und  die  Worte  des  Königs,  der 
zum  versammelten  Yolke  sprach:  „Dise  weiber  sein  euch  hie  für  zu  einem 
Spiegel ;  wo  sie  dise  guter  nit  gleich  mit  einander  thejlen,  sollen  sie  sterben 
mit  dem  schwert . .  /  Eine  zeitweilige  Gefangensetzung  der  Frau  Enipper- 
doUing's  findet  ihre  Bestätigung  in  den  Geständnissen  des  Dionjs.  Yinne, 
der  schon  im  Oct.  1534  aussagte  (M.  G.-Q.  II,  276):  „Enipperdollinges 
husfrowe  is  ledich  und  is  wedder  bj  em  im  huse."  Joh.  Fa- 
hr i  eins  Bolandus  Bl.  Y3,  dem  auch  H.  Hamelmann  S.  1273  folgt,  sagt: 
„Consortem  thalami  fera  regni  facta  gementem 

Ensifer  ipse  suo  perfidus  ense  necat. 
Duxerat  hanc  anabaptistes  iam  factus  et  istam 

Legitime  tandem  fecerat  iUe  suam. 
Namque,  ut  fama  refert,  cum  qua  consueverat  ante, 

Quam  fieret  coniuni,  haec  vel  amica  fuit. 
Dicitur  ista  tamen  mulier  miseranda  fuisse, 
Morihus  in  reliquis  usque  probata  suis.^ 
Ein  Beleg  dafür  findet  sich  in  keiner  anderen  Quelle.   Es  liegt  bei  Bolandus 
wohl  nur  eine  Verwechselung  dieser  That  des  EnipperdoUing  mit  der  Hin- 
richtung  der  Dreierschen  vor,  die,  wie  Eerss.  eben  angab,  eine  frühere  Ge- 
liebte des  EnipperdoUing  gewesen  war.  Eine  Ähnliche  Art  der  BestraAuig 
«iner  Frau  erzählte  Eerss.  oben  S.  733. 

*)  „Lauffen  auch  etliche  beweil  in  und  auls  der  stat,  des  man  nit 
yerhueten  kan,**  schreibt  Wirich  v.  Dhaun  am  12.  Febr.  dem  Landgrafen 
▼on  Hessen  (M.  G.-Q.  II,  316).    Vgl.  auch  oben  S.  746  Anm.  2. 


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Anno  1535  acta.  787 

in  autamno  superioris  anni  coeptnm  et  partim  Warendorpensiam 
seditione,  partim  hjemis  incommodo  abrnptum  perficiendom  esse 
censent,  et  nt  tota  arbs  vallo  fossaqne  arctissime  cingatnr,  ne 
coiqnam  exitus  ingressnsqne  in  nrbem  pateat';  sie  enim  fore, 
nt  oppidani  commeatibns  interclnsi  pennria  remm  necessariarnm 
laborantes  et  anxilii  liberationisque  spe  destituti  sine  sangaine 
sese  dedant,  atqne  ita  se  incmentam  victoriam  habitnros  confi- 
dunt.  Bevocantnr  itaqne  agricolae  ad  opns  snperiori  anno  inter- 
missum  ad  11.  diem  Pebmarii.  Qni  inviti  quidem  superioris  in-  u.  Febr. 
commodi  memores  ad  hoc  opus  pertrahuntur,  quorum  quidam, 
cum  non  solum  rebelies  essent,  sed  et  alios  quoque  ad  similem 
rebellionem  ita  animassent,  ut  horrendam  seditionem  omnium 
rusticorum  trium  episcopatuum  ad*versus  principem  fere  commo-  »p.  591. 
vissent,  capite  plectuntur  et  concitatae  seditionis  poenas  in  hac 
rerum  angustia  bene  commeritas  dederunt;  quorum  exempla  a 
simili  temeritate  reliquos  deterruerunt  K   Peculiaris  etiam  domus 


')  Die  sorgfältigere  Befestigung  der  im  Herbste  angelegten  Block- 
häuser und  die  yoUstandige  Durchführung  des  Planes,  Münster  von  jedem 
Verkehre  nach  aufsen  abzuschliefsen ,  war  dem  Bischöfe  und  dem  Ober- 
befehlshaber auf  dem  Kreistage  zu  Coblenz  zur  Pflicht  gemacht  (s.  oben 
S.  745  f.)  und  war  Gegenstand  der  Yerhandlungen  auf  dem  jüngsten  Land- 
tage zu  Telgte  geworden.  Aber  schon  am  28.  Januar  berichtete  Wirich 
V.  Dhaun  zusammen  mit  den  Kriegsräten  dem  Landgrafen  (M.  G.-Q.  II, 
810 f.):  „Als  auch  zu  Coblentz  abgcret,  das  von  einem  plockhufs  zu  dem 
anderen  graben  mit  stancketten  gemacht  werden  solten,  haben  wir  die  ge- 
legenheit  mit  flifs  besichtigt  und  befinden,  das  noch  zu  dieser  zeit  solch 
graven  nit  moegen  furgenomen  werden  ufs  Ursachen,  das  umb  Munster  ilich 
wassericht  land  ist  und  die  greber  ime  wasser  nit  arbeiden  künden.  Aber 
doch  willen  wir  nit  underlassen,  so  bald  inrnier  möglich  sin  kan,  das  das- 
selbigh  furgenomen  und  volnpracht  werde. ^ 

')  Wohl  haben  wir  aus  jener  Zeit  Nachricht,  dafs  die  zur  Arbeit  be- 
fohlenen Gräber  nicht  rechtzeitig  eintrafen  (so  schrieb  der  Amtmann  von 
Ahaus  am  22.  Febr.  entschuldigend  an  den  Bischof  [Orig.  im  St.-A.  M.]), 
aber  für  einen  ernstlichen  Widerstand  oder  gar  offenen  Ungehorsam  geben 
die  Akten  keinen  Beleg.  Kerss.  hat,  worauf  schon  O.A.  Oornelius  hin- 
wies, hier  chronologisch  ganz  ungenau  die  gefährliche  Verschwörung  der 
Bauern  des  Amtes  Yechta  im  Juli  1534  im  Auge,  die  durch  bischöfliche 
Befehle  zur  Durchführung  der  Offerkamp'schen  Belagerungspläne  veranlaCst 
und  durch  die  Energie  des  Bischofs  im  Keime  erstickt  wurde.  Vgl.  oben 
S.  5%  ff.  und  0.  A.  Oornelius  in  den  „Mittheilungen  des  bist.  Vereins  zu 
Osnabrück^  3.  Jahrg.  (Osnabrück  1853)  S.  54ff. 

26* 


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788  Anno  1535  acta. 

in  castris  extruitnr,  in  qua  gerrae  seu  vineae  tormentorum  ob- 
iectacula  ac  defensacnla  militam  ex  viminibns  lentis  ac  tena- 
cioribns  vlrgultis  texerentur.  Operas  itaqne  partixintnr,  ut  Wolt- 
beccani  agricolae  ab  Alphae  dextro  latere  in  nrbem  decnrrentds 
ad  Anthonii  Lichtbertenii  propagnacnlnm  opus  ducere  incipe- 
rent  \  inde  Bevergemenses  et  Saxenburgici  ad  Hansonis  Tecken- 
burgici  castellum,  inde  Ludinckhusiani  ad  arces  Mauritianas, 
quibus  Stedingus  praefait,  inde  Horsthmariani  ad  Wilhelmi  Am- 
hemici  /brtalitia%  inde  Dulmanienses  et  Stromburgenses  ad  Lau- 
rentii  Horsthani  munimentum,  inde  Abusiani  et  Bocholdiani  ad 
Egberti  Devereni  defensaculum,  inde  Wemenses  ruricolae  ad 
Hermanni  Sjttardi  erymata  et  binc  ad  sinistrum  Alpbae  latus  '. 
His  post  qnintum  diem  dimissis  Harpstediani,  Wildeshusenses, 
Yechtenses,  Emeslandii,  Cloppenbergenses  et  Delmenborsthani 
succedunt ;  his  aliaruro  quoque  dioecesium  agricolae,  donec  opus 
absolvatur,  per  vices  substituuntur'  ita,  ut  supra  tria  rusticorum 
millia  a  satrapis  et  praefectis  suis  ibi  praesentibus  continuo  la- 
bore  occupati  semper  detineantur,  nisi  quod  statis  boris  tympa- 
norum  pulsu  a  labore  quiescant  et  ad  eundem  revocentur.  Are- 
tissime  ita  urbs  tota  praecipiti  fossa  praeruptoque  vallo  sentibus 
lignisque  per  certa  intervalla  insertis  et  ad  retinendum  opus  e 
terra  sabulosa  congestum  interpositis  cingitur,  libertasque  yagandi 
erumpendique  oppidanis  adimitur,  quae  res  ipsis  exitio  tandem 
futura  erat.  Multum  temporis  in  eo  opere  excitando  absumitur. 
Amplissimam  enim  iUam^  campi  planitiem,  quam  regnum  vulgus 

»)  Ms.:  scortalitia.  —  b)  Ms,:  illud. 


')  Kerss.  übersetzt  hier  die  Bestimmungen,  die  in  der  ^Ordennnge  der 
nygen  grafFt  vor  Munster*  enthalten  sind  (Kopie  ohne  Datum  im  St-A.  M. 
M.  L.  A.  518/19  Y.  fol.  129).  Sie  beginnen:  «Wolbecke;  van  der  Aa  befs  an 
Thonies  Lichtherten  bloickhues,  dairtho  dath  korffhuis  hurte,  holt, 
korve  to  bestellen  und  donredach  nach  Estomihi*'  (11.  Febr.)  „an  f  fangen.* 

■)  In  der  „Ordenunge":  „Werne;  van  der  A  up  bes  an  Herman  van 
Sytters  und  vort  dan  van  Sitters  befs  an  Egberts  van  Devem  blockhofs.* 

^)  Doch  mufste  der  Bischof  seine  Befehle,  die  nicht  genügend  be- 
achtet wurden,  mehrfach  wiederholen,  so  am  14.  Februar  und  am  3.  M&n 
(Koniepte  im  St-A.  M.). 


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Anno  1535  acta..  789 

appellavit^    inter  castra  et  nrbem   continuo  clrcnmdnctu  am 
plectitur. 

Orientales  urbes,  qnae  cnm  aliis  qnibusdam  rebuspublicis 
commodioris  mercatnrae  exercendae  gratia  qnaedam  inter  se  foe- 
dera  antiqnitns  pepigerunt*,  Monasterimn,  nobilissimam  West- 
phaliae  metropolim,  foedere  sibi  qaoqne  consociatam,  ita  ferro, 
caedibas  popnlationibasqae  peritnram  dolent.  Itaqae  senatns 
Lübecensis  reipnblicae  per  literas  ad  principem  nostmm  13.  is.  Febr. 
Februarii  scriptas  efflagitat,  nt  *sibi  vicinisque  civitatibus,  ut-»p.  592. 
pote  Hamburgensi  et  Bremens!,  controversiam  inter  se  civitatem- 
que  Monasteriensem  iam  diu  agitatam  et  gliscentem  in  gratiam 
innocentnm,  qnornm  sine  dnbio  magna  adhnc  inter  nocentes  sit 
copia,  intercipere,  interceptam  per  gratiam  Dei  ad  pristinam 
concordiam  revocare  liceat^.  Eodem  qnoque  tempore  amanuensis 
cnriae  Bremensis  idem  petitmn  iternm  aderat  ^. 


^)  So  bezeichnet  z.  B.  das  Flugblatt  „Der  gantze  handel"  Bl.  A3^ 
den  Raum  „zwischen  der  stat  und  den  plockheusern^  als  „Königreich.*' 
S.  auch  H.  Gresbeck  S.  169,  172,  188,  194  u.  197. 

')  Gemeint  sind  die  Hansestädte.  —  ')  Orig.  des  Briefes  im  St.-A, 
M.  Die  Stadt  Lübeck  weist  darauf  hin,  dafs  sie  von  jeher  die  ketzerische 
Lehre  der  Wiedcrt&ufer  hätt«  verhütet  und  verfolgt  wissen  wollen,  dafs  sie 
„ock  ungemc  dar  an  sjn**  wolle,  „dat  de  hovede  und  stiftere  soUichs  un- 
christlichs  vomemens  aldar  tho  Munster  erem  verdeynste  na  nycht  scheiden 
gestraffet  werden."  „Dannoch,**  so  fahrt  das  Schreiben  fort,  „darmyth  de 
unschuldigen,  so  thom  dele  buthen  und  ock  ungetwjfelt  noch  bynnen  be- 
rurter  stadt  Munster  sjn  mögen  und  de  djnge  woU  gerne  anders  gesehen 
hedden,  so  eth  yn  erem  vermöge  gewest,  mochten  bewart  und  gereddet 
werden,  wolden  wy  unsers  deles  unbeschwert  syn,  so  i.  h.  u.  f.  g.  gnedich- 
llck  geneget,  yn  der  sachen  handeis  tho  vergunnen  und . . .  uns  neffen  den 
ersamen  unsem  nahem  und  frunden  von  Bremen  und  Hamborch,  de  sick 
ock  ungetwyvelt  beruerten  valles  to  soUichem  guden  wercke  mede  wurden 
gebruken  lathen,  tho  gelegener  tyth  und  maelstede  mith  der  sachen  tho 
bekümmern,  den  armen  unschuldigen  tho  erer  reddynge  und  sust  dem  frede, 
christlicher  eynicheyt  und  gemeinen  besten  tho  gude."  —  üeber  Lübecks 
Verhältnis  zur  Lehre  von  der  Wiedertaufe  s.  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  187 ff. 
*)  üeber  Bremens  erfolglosen  Vermittlungsversuch  schon  im  October 
1534  s.  oben  S.  689  f.  Jetzt,  am  22.  Februar,  beglaubigt  die  Stadt  ihren 
Abgesandten  mit  folgenden  Worten  bei  dem  Bischöfe  (Orig.  im  St.-A.  M.) : 
„Wy  hebben  avermals  unsen  secreter  mester  Märten  afgeferdiget,  itlicke 
werve  von  unser  und  iüicker  ander  stede  wegen  an  i.  f.  g.  tho  dragende, 


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790  Anno  1535  acta. 

(S7.  Febr.)  Ad  quae  princepsM  Se  non  animi  ant  oblectationis  causa 

ant  temere  levenique  ob  cansam,  sed  summa  et  inevitabili  ne- 
cessitate  adactnm  violentos  istos  urbis  Monasteriensis  detentores 
seditiosos,  schismaticos,  anabaptistica  fece  poUutos,  perfidos, 
foedifragos,  perinros,  impios,  imperii  edicti  et  publicatae  pacis 
violatores,  ut  subditi  in  tranquillitate  conserventur,  ferro  armis- 
que  persequi  civitatemque  tanqnam  impionun  et  seditiosomm 
asjlum  obsidere.  Et  nisi  illud  factum  fuisset,  Monasterienses 
non  solum  dioecesim,  verum  etiam  Gtermaniam  et  totum  inde 
christianum  orbem  quasi  contagione  quadam  seditione  sua  turba- 
turos  et  in  insignem  cladem  praecipitaturos  fuisse.  Saepe  ipsos 
et  yerbis  legatorum  suorum  et  scriptis  non  tarn  a  se  et  dioecesis 
ordinibus,  sed  etiam  ab  imperii  aliquot  principibus  familiariter 
admonitos  fuisse,  quae  omnia  nihil  profuerint,  imo  ipsos  prae- 
fractiores,  obstinaciores  et  pertinaciores  redditos.    Se  ergo  peri- 


deme  nha  wy  ock  instendiges  fljites  bydden,  i.  f.  g.  wollen  ehme  synes 
Yordragens  an  unser  stede  nnde  nhamen  nppe  dnth  mael  gnedige  gehör 
nnd  geloyen  geven,  gelick  uns  sulvest."  —  Schon  am  10.  Febr.  hatte  die 
Stadt  Bremen  an  die  Stadt  Köln  geschrieben  (Kopie  im  St.-A.  Düsseldorf )« 
sie  habe  sich  nach  den  früheren  fehlgeschlagenen  Yerhandlnngen  mit  dem 
Bischöfe  an  Hamburg,  Braunschweig  und  Lüneburg  gewandt,  damit  der 
Bischof  erkenne,  dafs  yon  den  Hansest&dten  die  eine  in  Zeiten  der  Kot  die 
andere  mit  billigem  Beistande  nicht  yerlasse.  Da  jetzt  Lübeck,  dem  die 
Vermittlung  „als  oyersten  der  stede  bülicken  gebueren  wolde,  durch  ytzige 
kiyegsleufftige  daran  yerhindert,*'  so  möge  Köln  die  Führerrolle  übernehmen 
,,in  ansehung  . .'.,  so  die  stat  Munster  weitter  überzogen  . . .,  das  sie  dar- 
durch  nit  allein  yon  gemeinen  stenden  der  Anza  abgesondert  und  yermekt" 
werde,  sondern  dafs  es  „auch  sonst  zu  unser  aller  nachtheil  und  beschwe- 
rang  langen  und  gereichen  konte."  —  Auch  hatte  Bremen  in  Gemeinschaft 
mit  Osnabrück  dem  Bischöfe  Franz  den  Entwurf  eines  Schreibens  der  Hanse- 
stftdte  an  die  Inhaber  der  Stadt  Münster  eingesandt  Das  Schreiben  (Kopie 
ohne  Datum  im  8t-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  Y.  fol.  109)  bietet  die  Vermitt- 
lung an  und  schliefst  mit  der  Frage,  „ifft  wy  sampt  anderen  yorbenoempten 
reden  der  erbaren  stede*'  (Lübeck,  Köln,  Hamburg  und  Braunschweig)  ,Juwer 
ock  to  allen  reden,  rechten  und  billicheyde  scholen  mogende  und  mechtieh 
weeen,  unde  ifft  gj  juw  ock  in  juwer  lerö  und  leyende,  szo 
desulyige  tom  dele  unkristlich  und  yerfurisch,  wie  dar  yan 
gesecht  wert,  befunden  wurde,  mit  der  klaren  eyangelischen 
lere  wolden  underwysen  und  boseggen  laten.^ 

■)  Aus  Wolbeck  am  27.  Februar.    Konzept  im  Si-A.  M. 


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Anno  1535  acta.  791 

culosam  belli  et  obsidionis  aleam  primum  subiisse,  inde,  nbl  se 
snscepto  oneri  imparem  esse  intelligeret  \  se  viciDornm  prin- 
cipnm  et  tandem  aliorum  imperii  Bomani  ordinnm  praesidia  ad- 
versns  Monasteriensinm  temeritatem  implorasse  et  consecutmn 
esse.  Sibi  enim  ab  Ulis  non  tantum  anxiliom  decretum  esse^ 
verum  etiam  ipsos  se  in  partem  onerom  intromisisse.  Proinde 
se  sine  illomm  consilio  et  anctoritate,  quomm  maxime  intersit, 
nihil  in  hac  cansa  admissurnm.  Si  vero  alia  in  re  ipsis  grati- 
ficari  et  vicinitatis  officia  praestare  quiverit,  se  non  gravatim  id 
factumm.  Hoc  response  facile  declaratnr,  quod  imperii  priii- 
cipes  impietatis  et  rebellionis  exempla  in  hac  urbe  stataenda 
esse  decreverint  *. 


^)  „. . .  dewlle  wj  uns  dan  allein  by  uns  . . .  jn  de  lengde  to  swack 
und  de  zake  uth  to  foren  unvennogens  befunden  . .  .^ 

')  Thats&chlieh  gab  der  Bischof  das  Yennittlungsgesuoh  der  Hanse- 
städte den  verbündeten  Fürsten  bekannt.  Seinem  Gesandten  an  den  Erz- 
bischof von  Köln,  Hermann  v.  Amclunzen,  dem  auch  das  Schreiben  der 
Städte  Bremen  und  Osnabrück  mitgegeben  war,  wurde  am  3.  März  eine 
ausführliche  Antwort  zu  Teil  (Kopie  im  St.-A.  M.).  Der  Erzbischof  spricht 
sich  deutlich  gegen  eine  einseitige  Yermittlung  aus,  erhebt  jedoch  keinen 
Einwand  dagegen,  dafs  von  Seiten  der  Städte  eine  Abmahnungsschrift  an 
die  Inhaber  Münsters  gesandt  werde,  nur  müsse  der  ihm  eingeschickte  Ent- 
wurf abgeändert  werden.  Der  Erzbischof  mifsbilligt  u.  a.,  dab  der  Ent- 
wurf die  Einwilligung  des  Bischofs  in  eine  Yermittlung  als  sicher  hinstelle^ 
ebenso  dafs  die  Städte  darin  erklären,  nur  gerüchtweise  von  den  Münster- 
scheu  Yorgängen  gehört  zu  haben,  und  dafs  sie  nur  einen  Teil  derselben 
für  unchristlich  und  verführerisch  halten,  und  dafs  dieser  Teil  nach  der 
klaren,  evangelischen  Lehre  solle  untersucht  werden.  Er  wünscht  ein 
Schreiben  ganz  in  der  Art,  wie  es  die  Kreisstände  zu  Coblenz  abgesandt 
hatten.  —  Auch  liegt  uns  ein  Gutachten  vor,  das  der  Statthalter  und  die 
Bäte  zu  Kassel  in  Abwesenheit  des  Landgrafen  am  6.  März  an  Wirich 
V.  Dhaun  und  die  Kriegsräte  übermittelten  (Orig.  ebendas.).  Sie  heben 
hervor,  dafs  eine  gütliche  Yermittlung  zwar  in  erster  Linie  Sache  des  Bi- 
schofs Franz  und  der  Münsterschen  Landschaft  sei,  doch  meinen  sie,  „das 
vor  aUen  dingen  versehen  werde,  das  den  leutten  in  der  stat  dardurch  khein 
lufft  gemacht  und  dem  furhaben,  so  mit  grofsen  Unkosten  jtz  erhalten  wird^ 
khein  unrath  entstehe.  So  wissen  wir  auch  nit,  ob  es  gut  sey,  das  so  ilends 
die  gutliche  underhandlung  eingeraumpt  werdt^  —  Auf  der  Yersammlung 
der  Stände  zu  Worms  im  April  setzten  die  Reichsstädte  aber  doch  noch 
einen  abermaligen  Yersuch  zu  einer  Unterhandlung  durch.  S.  weiter  unten. 


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792  Anno  1535  acta. 

Nicolaus  Bupardicns,    miles   gregarins  ab  oppidanis  ante 
25.  März,  menses  aliquot  captus,  25.  Martii^  id  est  die  lovis  post  Palmamm, 
occasione  captata  ex  urbe  ad  suos  redit^     Hie  commemorat: 
*p.  593.  Monasterienses  octo  *yiros  totidem  pecuniarum  sarcinis  onustos 
16.  Martii  in  Hollandiam  et  Frisiam  auxilinm  petitum  tempore 
nocturno  ablegasse,  qnorum  quatuor  Clivense,  reliqui  vero  qna- 
taor  Geldriacnm  castellum  centnm  et  quinquaginta  anuatis  sti- 
pati   militibus  non  sentientibus  inter  tumultum   praetergiessi 
sint '.   Befert  etiam  regem  falcatis  quibusdam  curribus  frumen- 
tatum  eruptionem  facturum^.  Proinde  princeps  omnia  dioecesis 
oppida   omnesque   satrapas  et  pagorum  villarumque   praefectos 
admonet,    ut  accuratissime   suis  rebus   prospiciant  et,  si  quid 
frumenti  aut  commeatus  in  locis  urbi  propinquioribns  habnerint, 
remotioribus  ac  tutioribus  id  committant. 
S8.  März.  Bex,  cum  paschalis  dies  instaret,  qui  eo  anno  28.  Martii 

celebrabatur,  et  de  liberatione  urbis,  quam  populo  vaticinatus 
erat  futuram^  desperare  inciperet,  aegritudinem  simulans  domi 
sese  ad  sex  dies  continet,  ut  interea  viam  elabendi  et  purgandi 


^)  Dieses  und  das  Folgende  aus  einem  Briefe  Wirich's  y.  Dhaun 
yom  25.  März  an  den  Bischof  (Orig.  im  St-A.  M.).  Darin  heifst  es,  dafs 
Nikol.  Y.  Boppard  f&nf  Wochen  in  Münster  gefangen  safs.  Ein  Schreiben 
des  Bischofs  yom  26.  März  ans  Wolheck  an  G.  Schenck  y.  Tautenhorg 
(Konzept  ehendas.)  herichtet  kurz  über  die  Aussagen  des  Nikol.,  nennt  aher 
dessen  Namen  nicht.  Doch  heifst  es  da  yon  ihm,  „ja  ock  yan  dem  ver- 
meynten  konjng  to  denste  unde  yor  ejnen  yeltscherer  angenomen.** 

*)  Im  Briefe  meldet  Wirich,  wie  Nikolaus  aussagte,  „das  uff  yerliden 
dinstach*"  (also  am  23.  März,  nicht,  wie  Eerss.  sagt,  am  16.  März)  „acht 
ufs  der  stat  Munster  geleidt  worden  seien,  die  yil  pack  hy  sich  gehapt; 
was  dar  in  gewesen,  weis  er  nit.  Dero  hahen  sy  yier  mit  200  starck  hy 
dem  cleyischen  plockhufs,  und  die  andern  yier  mit  600  by  dem  gellerischcn 
herufs  geleid.  Dieselbigen  sollen  sie  uff  Holand  und  Frifsland  umb  hilff 
gesant  haben.  Da  sol  einer  by  sein  yon  Ossenbrug  und  einer  yon  Doyenter.** 
Von  derselben  Aussage  berichtete  später  auch  H.Nagel  (s.  oben  S.  781  Anm.  2). 

')  So  heifst  es  in  dem  Briefe  des  Bischofs  an  G.  Schenck  y.  Tauten- 
burg:  „dat  gedachter  yermeynter  konynck  der  andacht,  myt  der  macht 
unde  syner  wagenburch  uth  t'fallen,  proyiande  und  entsath  to  soeken.*' 
Nach  Wirich's  Schreiben  bekundete  Nikolaus,  „wie  die  in  der  stat  der  mei- 
nung  weren,  diese  nacht  herufs  zu  trecken,  und  so  sy  also  herufs  khemen, 
der  gemeine  man  wurde  inen  zufallen.^  —  *)  Vgl.  oben  S.  772. 


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Anno  1535  acta.  793 

sese  apnd  plebem  meditetur*.  His  diebns  elapsis  ad  forum  et 
freqnentis  popnli  conspectmn  liberationis  avidi  satis  confidenter 
prodit  atqne  ibi  Patrem  omninm  Israheljtarnm  peccata  snis  hu- 
meris  imposaisse  ^,  qnae  se  per  dies  aliquot  debilem  fecerint, 
enunciat;  hoc  se  gravi  iugo  populi  nomine  pressum,  eo  suas 
humanae  naturae  vires  debilitatas  fuisse,  sed  Patris  dementia 
in  integrum  restitutas  esse;  liberos  itaque  iam  ipsos  a  peccati 
sarcina  redditos,  de  interna  et  spirituali,  quae  potissima  sit,  libe- 
ratione  se  sensisse.  Eam  a  se  liberationem  promissam  esse,  ex- 
temam  patienter  expectent,  eam  enim  certo  futuram,  si  in  pec- 
cata non  relabantur  et  plenam  in  Patrem  fiduciam  collocent. 
Ipsum  suos  nunquam  deserturum,  ipsum  constantiam  suorum 
variis  afflictionibus  probaturum^ 

Circa  28.  diem  Martii  magna  anabaptistamm  turba  anti- 


^)  Kerss.  schöpft  hier   und  im  Folgenden   fast  wörtlich    aus   H. 
Dorp   Bl.  G2^. 

^)  Auch  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Y4  läfst  den  König  zum 
Volke  sagen: 

„Nam  peccata  Pater  placatus  vestra  supremus 

Ingesslt  scapulis  cuncta  gerenda  meis. 
Sustulit  a  Yobis  maiora  pericula,  quam  si 
Det  victis  fruges  hostibus  ipse  malis.'' 
«)  Johann  selbst  bekennt  am  25.  Juli  1535  (M.  G.-Q.  11,  373;  vgl. 
auch  KnipperdoUing's  Geständnis  vom  gleichen  Datum  ebendas.  S.  377): 
„Aver  so  Paeschen  quam  und  die  erloessung  na  bleve,  sacht  hy,  wie  hy 
niet  die  loessong  uitwendich,  sonder  inwendich  und  in  den  geist  gemeint 
hedde."  Nach  H.  Gresbeck  S.  124  erinnerte  das  Volk  den  König  an 
seinen  Ausspruch,  wenn  die  Erlösung  zu  Ostern  ausbliebe,  so  soUe  ihm 
dasselbe  geschehen,  wie  dem  Landsknechte,  dem  er  das  Haupt  abgehauen 
habe.  Dem  gegenüber  „heft  der  koningh  in  der  predicate  gesacht:  . . .  Nein, 
lieven  brueders  und  susters,  hebben  gy  dat  so  enckede  beholden?  Wil  gy 
Got  tiet  setten  ?  Nein,  Got  en  wil  gein  tiet  gesät  hebben.  Gy  moeten  erst 
reine  von  sunden  sein,  von  allen  sunden,  so  sol  uns  Got  wol  verloesen.^ 
Vgl.  dazu  auch  oben  S.  781  Anm.  2  die  Aussage  H.  NagePs.  H.  Gresbeck 
fügt  hinzu,  dafs  der  König  allein,  ohne  Unterstützung  seines  Anhanges, 
das  Volk  nicht  hätte  zum  Schweigen  bringen  können.  Joh.  Fabricius 
Bolandus  a.  a.  0.  berichtet: 

„. . .  populus  furit  omnis  et  arma  capessit 

In  regem,  faciat  spem  nisi  forte  novam. 
CoUecto  recipit  modo  robore  fortis  in  bestem 
Se  suscepturum  bella  cruenta  suum.^ 


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794  Anno  1535  acta. 

qnnm  coenobinm  quatnor  fossis  praernptoque  aggere  septnm  efc 
firmioribus  aedificiis  commanitmn  in  Frisia  Oiientali  inter  Sne- 
cam  et  Bolswerdam  sitnm  vi  invadunt  illndque  adversus  hostilem 
impressionem  firmare  incipinnt^.  Georgias  vero  Schenck  con- 
tinao  hos  persecutus  obsidione  eos  cingit^  et  eornm  animos^ 
qnid  facturi  sint,  subita  et  tnmiiltnaria  oppngnatione  ex  itinere 
*p.  ödi.  pertentat.  "^Cnm  vero  mnnitiones  coenobii  firmas  deprehenderet 
neqne  subito   expugnare  posset,    tormentis  advectis^  eas  primo 

1.  April,  die  Aprilis  confringit.  Eine  quatuor  impressionibus  recentibus 
militibus  oppugnat  et  in  quarta  aedificia  aliquot  depulsis  lade 
hostibus  assecutus  est  Et  cum  in  templum  tandem  secessissent 
illudque  communivissent  neque  faces  in  illud  propter  testudines 

7.  April,  firmiores  coniici  possent,  die  7.  Aprilis  a  quinque  partibus  tor- 
mentis et  machinis  bellicis  concutit  ac  hora  tertia  pomeridiana 
navalibus  pontibus  illud  magna  vi  oppugnat;  post  solis  occasum 
non  sine  ezimia  suorum  clade  victoria  potitus^  furorem  eorum 


^]  Die  Beschreibung  des  Kampfes  nin  das  Oldenkloster  zwischen 
Sneek  und  Bolsward  in  Westfriesland  entnimmt  Eerss.  einem  Schreiben 
des  Statthalters  G.  Schenck  y.  Tautenbnrg  an  den  Bischof  Franz  Yom  8. 
April  (abgedmckt  aus  einer  Kopie  im  St.-A.  M.  von  L.  Keller:  6.  d.  W. 
S.  328).  Kurz  berichtet  darüber  E.  Beninga  in  seiner  „Historie  van  Oost- 
frieslant^  (bei  A.  Matthaens:  Yeteris  aevi  analecta.  Ed.  2.  Tom.  4  [Hagae 
Com.  1738]  S.  681).  Einige  Ergänzungen  bietet  L.  Hertens  ins  S.  56  f. 
üeber  die  Einnahme  des  Klosters  durch  die  Wiedertäufer  meldet  er:  „Tertio 
Cal.  Apriles  tumultuatum  est  in  Phrisia.  Ad  Bolsverdam  ad  arma  ab  ana- 
baptistis  concursum  est.  Invaserunt  coenobinm,  quod  Yetus  monasterium 
appellatum  fuit,  ad  ponenda  castra.  Promiscua  hominnm  turba  numero 
trecenti  fuerunt,  qui  facinus  incoeptamnt.  Pulsis  monachis  omnia  interiora 
vastant;  contemptis  regni  principibus  et  magistratu,  quantum  remm  fuit» 
snae  ditionis  fecerunt.  Aedis  sacrae  omnia  demoliuntur,  eucharistiam  pedi- 
bns  humi  per  ignominiam  illisam  proculcare,  addere :  En  Deum  impiomm ! 
Multas  id  genus  blasphemias  oblatrantes  sacra  omnia  prophanamni.** 

')  Schenck  schreibt,  „mit  zwein  hundert  knechten,  vort  burger  und 
lantfolck.*" 

')  Nach  seinem  Briefe  liefs  Schenck  „dar  zehen  stuck  grofs  geschuts 
vor  brengen  und  den  dritten  man  in  den  steden  und  lande  uffgebieten." 
L.  Hortensius  berichtet  von  einer  vergeblichen  Friedensunterhandlung, 
die  der  Belagerung  vorherging. 

^)  „Mit  einem  harten,  swaren  stürm,**  schreibt  Schenck.  Nach  E. 
Beninga  „hieven  an  beden  siden  in  summa  tusschen  8  u.  900  dooden." 


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Anno  1535  acta.  795 

compescnit  et  iter  institntnm  interrnpit.  Hie  Oeorgins  Schenck 
ita  Oermaniam  inferiorem  et  oras  maris  passim  obsidet,  nt  nnllos 
retinctomm  coetns  illic  coalescere  nee  errantes  in  pelago  rates 
anabaptistis  foetas  ad  llttns  appellere  sinat. 

Carolas  etiam  du  Oeldriae  catholicae  rellgionl  addictissi- 
mns  et  sectariis  infensissimns  tres  naves  anabaptistis  ntrinsqne 
sexns  et  variis  armis  in  ezitinm  Daventriensium  foetas  cnm 
oneribns  in  Issnla  demersit. 

In  imperii  conventn,  quem  Ferdinandns  rex  rogatn  prin- 
cipnm,  nt  Conflnentiae  convenerat^,  ad  qnartnm  diem  Aprilis  4.  Apru. 
per  legatos  agebat,  qnaedam  civitates,  qnae  nihil  adhnc  snbsidii 
in  obsidionem  civitatis  Monasteriensis  contnlerant,  protestantnr 
se  ad  enm  diem  propter  decretnm  Conflnentiae  factnm  non  ve- 
nisse,  sed  nt  imperatori  et  Ferdinande  regi  morem  gerant.  Magna 
ergo  foit  inter  prineipes  et  nrbes  de  eontribntione  altercatio'. 


Nach  L.  Hortensins  kamen  alle  Wiedert&nfer  nm  aofser  62  M&nnem 
und  70  Frauen  mit  Kindern.  Im  siegreichen  Heere  wurden  100  Mann  ver- 
mifst.  —  In  Münster  erftihr  man  sehr  bald  den  für  die  Wiedertäufer  un- 
günstigen Ausgang  des  Kampfes.  Doch  war,  wie  S.  Frese  schon  am  19. 
April  bekennt  (Orig.  im  St.-A.  M.),  „bynnen  Munster  gerochtich,  Jörgen 
Schenck  sj  m jt  doit  gebleven."  H.  Gresbeck  S.  129f.  schildert,  wie  die 
in  der  Stadt  „do  wol  merckten,  dat  it  mit  innen  verloren  was.*"  Im  Auf- 
trage des  Königs  verkündigte  Rothmann  dem  Volke:  „. . .  up  die  frembde 
brueders  . . .,  dair  sol  gy  iw  nicht  up  verlaten.  Got  sol  uns  wol  verloesen, 
wan  unse  tiet  iss/ 

*)  Vgl.  oben  S.  750f.  —  »)  Vgl.  über  die  Haltung  der  Stftdte  die 
Ausführungen  von  L.  Keller:  G.  d.  W.  S.  28  t  f.  und  in  der  „Historischen 
Zeitschrift'*  Bd.  47  (München  u.  Leipzig  1882)  S.  434  ff.  In  einem  Berichte, 
den  die  bischöflichen  Abgesandten  von  Worms  aus  am  13.  April  dem  Bi- 
schofe  Franz  zuschickten,  heifst  es :  „. . .  aber  die  stende  und  bodschafften 
der  fursten  und  stedt,  die  nicht  zu  Coblentz  gewest,  woUen  in  den  cobe- 
lendischen  abscheidt  nicht  verwilgen.  Es  woUen  auch  die  stedte  er  anläge, 
die  auch  gleich  zu  Cobelentz  gewest,  nicht  erlegen.''  Der  Protest  sämt- 
licher Reichsstädte  gegen  den  Abschied  des  Tages  zu  Goblenz  und  die 
scharfe  Betonung,  dafs  sie  nur  aus  Gehorsam  gegen  das  königliche  Aus- 
schreiben, und  um  nicht  den  Schein  zu  erwecken,  als  billigten  sie  das  Vor- 
gehen der  Stadt  Münster,  in  Worms  erschienen  seien,  war  schon  auf  einer 
Versammlung  zahlreicher  rheinischer  und  schwäbischer  Städte  zu  Efslingen 
am  9.  März  vereinbart  worden  (Akten  im  Stadtarchiv  zu  Frankfurt  a.  M.). 
—  Die  Städte  erlangten  in  Worms,  dafs  auch  von  ihrer  Seite  ein  Kriegsrat 
(Justinian  v.  Holtzhausen)  ins  Lager  vor  Münster  abgeordnet  wurde. 


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796  Anno  1535  acta. 

Tandem  tarnen  in  menses  qninqne  anxilinm  decemnnt,  nempe 
ad  riginti  anreornm  millia  in  singulos  menses,  praeterea  nt 
capta  nrbe  innocentiae  parcatnr  et  in  exilium  pnlsis  civibos 
bona  immobilia  in  nrbe  relicta  restitnantnr.  Alias  qnoqne  in 
hac  eadem  cansa  ad  13.  lulii  conventns  hoc  eodem  loco  cele- 
brandns  indicitnr,  de  qno  sno  loco^ 

Insnper  oppidanos  iternm  et  postremo  publica  imperii  le- 
gatione  admonendos  esse  censent.  Mittnntnr  ergo  imperii  snmp- 
tibns  Francofnrdiensis  et  Nnrenbergensis  consules,  qni  post  fi- 
delem  admonitionem  nrbis  deditionem  ad  poenam  et  gratiam 
poscant.  Qnibns  Monasterienses  respondent:  Nihil  sibi  negotii 
^p.  595.  esse  cum  *qaarta  ista  Danielis  bestia,  hoc  est  cum  imperio  Ro- 
mano ;  se  novnm  Israheliticnm  sanctnm  Patris  coelestis  instinctn 
longo  a  Bomano  diversnm  institnisse  et  fhndasse  imperiam.  Se 
proinde  flagitare,  ne  Patri  coelesti  adversentnr  neve  illius  regnmn 
impiis  armis  snis  evertere  conentnr;  alioqni  fore,  nt  illius  in- 
dignationem,  yindictam  et  perpetuum  exitium  sibi  accersant^. 


^)  Eerss.  hat  hier  keine  Akten  benutzt.  Seine  ungenaue  Darstellung 
stimmt  fast  wörtlich  mit  derjenigen  zusammen,  die  sich  bei  Job.  Sleidan: 
De  statu  religionis  . . .  (Ausgabe  von  Strafsburg  1555  fol.  1 56)  findet,  die 
auch  von  Herm.  Hamelmann  S.  1 27G  übemonmien  wurde.  Der  Abschied 
des  Wormser  Tages,  datiert  vom  25.  April,  ist  abgedruckt  in  „Neue  und 
vollständige  Sammlung  der  Reichs- Abschiede  . . .""  (Frankfurt  a.  M.  1 747) 
S.  4ü7ff.  —  Am  9.  Mai  stellte  der  Bischof  mit  den  Landständen  seines 
Stiftes  einen  Revers  aus,  allen  ihnen  in  Worms  auferlegten  Verpflichtungen 
nachzukommen.  In  demselben  wird  die  Gesamtsumme  der  bewilligten  (relder 
auf  105000  Gulden  angegeben  (Kopie  im  St.-A.  M.).  Der  Abschied  setzt 
ähnlich  wie  der  des  Tages  zu  Coblenz  fest,  dafs  nach  Eroberung  Münsters 
in  der  Stadt  ohne  Mitwissen  des  Kaisers,  des  Königs,  der  Kurfürsten, 
Fürsten  und  gemeinen  Stände  „kein  Ordnung,  form  noch  mafs  furgenommen, 
noch  ichts  gehandelt  oder  gethan  werden,"  und  dafs  das  Stift  unzertrennt 
beim  Reiche  bleiben  solle.  Irgend  eine  Bestimmung  über  Schonung  der 
Unschuldigen  und  über  Rückerstattung  der  den  aus  Münster  vertriebenen 
Bürgern  gehörigen  imbeweglichen  Güter  findet  sich  jedoch  in  dem  Ab- 
schiede nicht. 

*)  Auch  hier  ist  Kerss.'s  Darstellung,  wie  schon  CA.  Cornelius 
(M.  G.-Q.  II.  Einl.  S.  52)  bemerkt,  ganz  unrichtig.  Während  des  Tages  zu 
Worms  wurde  von  den  Ständen  auf  Drängen  der  Städte  beschlossen,  aber- 
mals ein  Schreiben  an  die  Inhaber  der  Stadt  mit  der  Aufforderung  zur 
Uebergabe  zu  schicken.    Eine  Kopie  des  Schreibens,  datiert  vom  18.  April, 


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Anno  1535  acta.  797 

Princeps  et  praefecti  militiae  ab  initio  obsidionis  in  Dick- 
hansio  castrametati  snnt,  sed  cnm  ille  locus  remotior  sit  ab  urbe, 
inde  ergo  ad  locnm  nrbi  propinqmorem  post  castellnm  Arnhe- 
micum  in  praediis  Averhagii  et  Wintercampii  quinto  die  Aprilis  6.  Apriu 
tentoria  saa  transfernnt  ^  Princeps  vero  aeger  et  animo  et  cor- 
pore Woltbecam  abit,  ubi  in  arce  saa  qnibusvis  conveniendi  sni 
copiam  faciat  finemqne  ant  fati  sni  ant  belli  opperiatnr. 

Pner  qnidam  26.  Aprilis  elapsns  refert :  in  nrbe  non  solnm  ae.  Aprü. 
panis,  verum  etiam  omninm  remm  pennria  oppidanos  laborare 
et  plerosqae  herbis  graminibnsqne  vesci  \  Et  qnanqnam  pennria 
animos  qnoqne  frangere  atqne  debilitare  soleat,  nihilo  tarnen 
minns  honim  animi  non''  flaccescnnt.  Nam  Hensnlnm  Teckenbnr- 
gicnm,  castelli  inxta  pratnin  Drolshagii  excitati  dncem,  in  eqno 
temere  extra  mnnitiones  vectnm  tormento  transigunt,  quem  tarnen  (u.  Aprü.> 

•)  fehU  im  Ms, 


befindet  sich  im  St-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  YIII.  fol.  130  ff.  Die  ablehnende 
Antwort  der  Münsterer  vom  10.  Mai  ist  abgedr.  M.  6.-Q.  II,  326  ff.  Eine 
von  Kerss.  behauptete  Absendnng  der  Bürgermeister  von  Frankfurt  a.  M. 
und  Nürnberg  nach  Münster  hat  gar  nicht  Statt  gefunden.  Justinian  v. 
Holtzhausen  traf  erst  am  20.  Mai  von  Frankfurt  aus  vor  Münster  ein  (vgl. 
seine  Briefe  M.  G.-Q.  11,  334  u.  342).  Was  Kerss.  den  Münsterem  als  Ant- 
wort auf  die  Vorstellungen  der  Bürgermeister  in  den  Mund  legt,  ist  der 
Antwort  entnommen,  die  die  Inhaber  der  Stadt  am  2.  Juni  auf  eine  noch- 
malige Aufforderung  zur  Uebergabe  vom  1.  Juni  erteilten,  einer  Antwort, 
die  Kerss.  bald  weiter  unten  genauer  übersetzt. 

')  Aus  einem  Schreiben  Wirich's  y.  Dhaun  vom  5.  April  an  die  bi- 
schöflichen B&te  (Orig.  im  St.-A.-M):  „Es  haben  die  kriegsrethe  und  ich 
uns  hieher  uff  den  Dickhoff  gelegert,  aber  so  wir  befanden,  das  es  etwas 
var  von  den  plockhusem,  und  wo  by  nichts  durch  uns  versaumpt;  sein  wir 
vnllens,  uns  neher  by  die  plockhuser  zu  legen,  nemlich  uff  den  hoff  hinder 
Wilhelm  von  Amheim  plockhufs,  da  die  dhumherm  vergangnen  sommer  uff 
gelegen  sin.  Is  darumb  unser  gutlich  begem,  ir  wellend  doch  bevelhen 
thun,  das  morgen  20  hufslut  uff  denselben  hoff  gesant  werden,  umb  den- 
selbigen  zu  räumen.  Wil  einen  meiner  diener  zu  den  huTsluden  senden, 
der  sy  anwysen  soL" 

*)  So  schreibt  Wirich  v.  Dhaun  am  27.  April  dem  Bischöfe  Franz 
(Orig.  im  St-A.  M.) :  „Es  ist  gestern  umb  funff  nren  ein  jung  ufs  der  stat 
khomen  . . .,  der  sagt,  das  sy  in  der  stat  gebrecken  an  brot  hoben  und 
essen  gras  . .  .** 


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798  Anno  1535  acta. 

satellites,  ne  oppidani  ipsom  tactnm  esse  sentiant,  in  eqno  erectnin 
ad  castra  nsqne  snstentant^;  cai  Lodowicns  Bmnswigns  snccedit 
<i3.  April.)  In  eodem  qaoqne  mense  Aprili  Wühelrnns  Amhemicns,  castelli 
EninckiDgani  praefectns,  cum  imprndentins  atqne  licentins  per 
agros  evagaretnr,  bombarda  traiectns  rebus  homanis  excessit; 
atqne  hnic  Matthias  Bilderbechns  snbstituitnr  ^.  In  hoc  eodem 
mense  infans  Agrippinas  dnplici  notatns  transfogio,  cum  primum 
e  castris  in  urbem,  inde  inediae  pertaesus  ex  urbe  impune  efiu- 
gere  speraret,  captus  et  cum  quinque  viris  retinctis  et  dnabus 
feminis  ultimo  supplicio  adiudicatus  Woltbecae  gladio  caeditur* 
Haec  penuria  et  fames  urbis  ita  paulatim  invalescit,  ita 
saevit,  ita  populum  affligit,  ut  ea  pro  ventre  alendo  in  cibum 
yertere  cogantur,  a  quibus  aUoqui  hominis  natura  abhorret 
*p.  596.  Haec  equarum  *maritos  pullosque,  haec  canes,  fidissimos  homi- 
num  amicos,  qui  neque  auro  neque  gemmis  corrumpuntur  neque 


')  Dieses  und  das  Folgende  bestätigt  die  Beilage  zn  einem  Schreiben 
Wirich's  V.  Dhaun  und  der  Kriegsräte  an  Herzog  Johann  von  Cleve  (M. 
G.-Q.  II,  321  f.).  Danach  fand  das  Scharmützel  am  14.  April  Statt  «Da 
plieb  . . .  unsser  haupleut  einer,  gnant  Hensgin  von  Tekeneburg.  Die  unsere 
prachten  in  tot  ab.  Und  von  unsem  knechten  plieben  uf  die  20  iode  und 
ungeverlich  so  vil  verwunt.  Auch  hebben  die  viant  grofsen  schaden  ge- 
leden,  wie  vil,  kan  man  nit  eigentlich  wissen."  —  Ungenau  beschreibt 
Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Y4  die  AusfäUe  der  Munsterer. 

')  In  der  Beilage  zum  Schreiben  Wirich's  und  der  Bäte:  „Item  es 
hait  sich  uf  den  13.  tag  Aprilis  ein  Scharmützel  begeben,  da  unser  haup- 
leut einer,  Wilhelm  von  Amheim  gnant,  toid  verblieb,  den  sie  tot  mit  in 
die  stat  zogen ;  und  das  pert  zurhauwen  si  wie  vriltbert  und  drogens  auch 
in  die  stat/  Auch  in  einem  Briefe  des  Pfennigmeisters  Joh.  Hageböeke 
an  den  Domscholaster  Rotger  Schmising  vom  14.  April  (Orig.  im  St.-A.  IL) 
heifst  es:  „Ock  is  gistern  upn  schermutzelen  Wyllem  van  Arnhem  doet 
gebleven."  —  VieUeicht  in  einem  dieser  Scharmützel  ist  Bothmann  ver- 
wundet worden.  Joh.  Clevom  sagt  am  4.  Mai  aus  (Orig.  im  St.-A.  M.; 
vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  324):  „Herr  Bemdt  is  geschotten  in  dath  been."  — 
Für  die  Ernennung  des  M.  Bilderbeck  zum  Hauptmann  traten  die  bischöf- 
lichen Räte  im  Namen  des  Bischofs  Franz  wiederholt  bei  dem  Kriegsobenten 
ein.  Vgl.  ihr  Schreiben  vom  16.  April  an  Wirich  v.  Dhaun  (Orig.imSt-A.M.). 

*)  Nur  durch  Eerss.  bekannt.  Von  mehreren  Hinrichtungen  gefan- 
gener Wiedertäufer  im  April  und  Mai  berichtet  die  Beilage  zu  einem 
Schreiben  des  Herzogs  Philipp  von  Braunschweig-Gmbenhagen  vom  23.  Mai 
an  den  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  (M.  G.-Q.  II,  338  fL). 


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Anno  1535  acta.  799 

flagris  qnantnmyis  herilibns  fidem  mutant,  excoriare  inbet.  Haec 
pro  leporibns,  apris  et  cervis,  qnorom  nnlla  fait  copia,  mores, 
sorices  et  glires  non  qnidem  in  silvis,  sed  horreis  inanibns  et 
vacuis,  non  plagis  et  retibns,  sed  decipnlis  esca  ad  fallendmn 
instmctis  venari  snggerit,  qni  dum  escam  captant,  esca  finnt. 
Haec  loco  leporum  mnrum  bestes,  quos  feles  vocamns,  illi  vero 
lepores  domesticos,  mactat  et  resectis  capitibns,  cum  cerebrum 
noxinm  putetnr,  verubns  inflxos  igni  torret  \  Haec  corinm,  haec 
detritos  calceos,  haec  omnis  generis  pelles,  haec  librornm  non 
exnstomm  alatas  aqua  permollltas  et  frustillatim  concisas  %  haec 


')  Im  Flugblatte  „Der  gantze  handel^  Bl.  A  3  heifst  es:  „Nach  dem 
aber  schier  all  getrajd  auff  gezert  . . .,  do  erhub  sich  jamer.  Sie  emerten 
sich  fortan  mit  kreutem  und  wurtzeln.  Damach  sein  katzen,  hund,  meufs 
und  dergleichen  theur  wildpret  gewesen.*  C.  Heresbach  S.  24  schreibt: 
„Ac  primum  equinis  camibus  et  herhanim  radicibus  victitabatur.  Aliquam- 
diu  caeterls  parum  tarnen  vescis  cibis  inediae  occurrerunt,  veluti  canibus, 
gliribus,  catis  . .  .*     Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Y2  sagt: 

„Quin  pro  delitiis  animalcula  foeda  per  aedes, 
A  quibus  abscedens  usus  abhorret,  habent. 

Hie  feles  canibus  iunctis  coquit,  alter  alutam 
Et  corium,  fervens  quod  bene  mollit  aqua. 

Fluribus  est  victus  caenosi  garrula  stagni 
Bana,  Yolans  alis  musca  sonora  suis. 

Iste  vorat  mures  ..." 
Vergl.  die  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  338),  auch  D.  Lilie  S.  255  und 
Herm.  Hamelmann  S.  1272  u.  1277.  H.  Gresbeck  S.  189  berichtet: 
„. . .  hebben  . . .  gegetten  allerlei  beeste  up  dem  lande  imd  in  dem  water, 
al  dat,  dat  leven  hadde  ...  So  hebben  sie  in  dat  irste  getten  perde,  dat 
hovet  mit  den  voeten,  lever  und  lunge.  Sie  hebben  getten  katten,  hunde, 
muefs,  ratten,  grote  breide  muscheln,  voersche  und  grafs;  und  is  moiss  ir 
broit  gewest  So  langh  als  sie  saltz  hedden,  is  dat  ir  vet  gewesen."  — 
Schon  im  Januar  hatte  H.  Graes  ausgesagt  (J.  Nieser t:  U.-S.  I.  S.  148): 
„Dar  sint  24  perde  alle  gegetten;  de  katten  braden  se  an  den  spotten,  und 
muifse  in  der  pannen."  Am  8.  Juni  bekunden  Herm.  Mollenhecke  und  Job. 
Huttman  (St.-A.  Marburg):  „Item  sie  essen  katzen,  mus,  frosch,  ledder, 
gras  und  was  sie  uberkonmien  mögen,  hude  von  den  pferden." 

*)  Ant.  Coryin  schreibt  an  G.  Spalatin  (Bl.  B  1):  „Vidi  ipso  multos 
ibi  libros,  quomm  detracta  coria  yictum  miseris  suppeditarant.  Et  eo  in- 
ediae postea  ventum  est,  ut  nullum  corii  genus  tam  fuerit  durum,  quod 
non  esculentum  illis  factum  sit."  „Alt  leder,  schuch,  heut  der  thier  haben 
sie  gesotten,  darnach  gestossen  und  mit  allerlej  materi  vermischt;  das  was 


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800  Anno  1535  acta, 

ranamm  Inmbos  lenta  tenacique  pingaedine  sugit,  haec  virides 
pampinos  acetosum  saporem  referentes,  haec  novos  et  molles 
adhüc  arborum  frutices  ant  cortices  in  delitiis  habet.  Haec  ole- 
ribns  elixis,  qnae  semel  iternmqne  sebacea  candela  raptim  im- 
mersa  pingnescere  pntantnr,  gandet;  haec  limaces  et  cochleas 
Inbricas,  haec  herinaceos  hirtos  in  regno  captos  in  cibnm  vertit. 
Haec  herbas  et  radices  qnaslibet  in  cibi  et  nntrimenti  solamina 
poscit^  haec  bomn  vaccarnmque  excrementa  sole  exiccata  col- 
ligit,  haec  foricas  inxta  Alpham  rimatnr  et  excrementnm  hn- 
mannm  aäris  solis  calore  in  massam  indnratnm  emit,  qnod  cum 
intus  speciem  panis  referret,  quidam  eo  ad  edendum  illecti  sunt, 
sed  cum  degustassent,  non  sine  horrore  et  nausea  illud  abiece- 
runt  et  mortem,  quam  talem  cibum  iternm  degustare  maluerunt 
Haec  recentia  cadavera  raptis  inde  musculosis  carnium  pulpis 
ferro  spoliat. 

Hinc  viribus  destituti  et  exhausti,  hinc  tabe  luridi  in  varia 
morbornm  genera  incidnnt.  Crura  primum  inflantur  et  turgent, 
inde  totnm  corpus  fit  tuber.  Quidam  enim  crudis  humoribns 
adeo  intumescunt,  ut  vix  corporis  sui  molem  ferro  queant.  Multos 
infantes  aut  in  cunis  ant  in  sinu  matrum  auxilii  expertium  fames 
absumit  et  enecat,  multos  quoque  (horresco  referens)  parentum 
gladius  cibi  causa  extinguit,  quorum  membra  post  captam  urbem 


ir  prot,^  meldet  „Der  gantze  handel^  a.  a.  0.  Als  Mittel,  den  Hunger  zu 
stillen,  giebt  D.  Lilie  a.a.O.  in  diesem  Znsammenhange  an  „allerleie 
hnde,  pergamentz  yan  den  beesten  getogen,  desnlvigen  gesoden  nnde  in  de 
sulten  gelacht'  Aehnlich  erz&hlt  auch  H.  Gresbeck  a.a.O.:  „So  hebben 
sie  ouck  ossen  huede  getten,  und  aide  schoe  hebben  sie  in  die  weike  ge- 
lacht und  hebben  die  gegetten.**  Vgl.  auch  C.  Heresbach  a.a.O.  Am 
29.  Mai  schreibt  Justin,  v.  Holtzhausen  nach  Angaben  gefangener  Flücht- 
linge aus  Münster  an  den  Rat  der  Stadt  Frankfurt  (M.  6.-Q.  II,  343) : 
„Etzlich  sieden  die  schuchlappen,  etzlich  hahen  pertz  heut  gesotten  und 
die  gessen.'  S.  noch  das  Flugblatt  „Warhafftiger  bericht'  (P.  Bahlmann : 
Bibl.  1535  Nr.  20)  BL  A  2  (Zeitschr.  33  [1875]  S.  6  f.). 
')  So  sagt  Job.  Fabricius  Bolandus  a.a.O.: 

„In  magno  sunt  bis  precio  grave  olentia  longe 
AUia,  quin  quaevis  gramina  qulsque  Yorat 
Fitque  Ceres  variis  rebus  vitüsque  fabisque, 
Quodlibet  et  miseri  vile  legumen  edunt" 
Vgl.  auch  L.  Hertens  ins  S.  58. 


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Anno  1535  acta.  801 

non  in  nno,  sed  plnribns  locis  nrbis  in  *salsngine  reperta  snnt^  «p.  597. 
Hansonis  Menkeni  senatoris  nxor  trigeminos  peperit,  quos  mem- 
bratim  dissectos  in  salsngine  conservavit  ^.   Parentes  in  sna  pi- 
gnora,  imo  in  sna  viscera  mactando,  laniando  lacerandoqne  sae- 


')  Dafs  auch  Menschenfleisch  nicht  verschmäht  wurde,  berichtet  ganz 
kurz  „Der  gantze  handel*'  und  D.  Lilie  a.a.O.  Ausführlich  schreibt  davon 
„Des  Münsterischen  Königreichs  ...  an-  und  abgang  . . ."  (s.  P.  Bahlmann: 
Bibl.  153G  Nr.  9u.  10)  BLAb^  (in  der  Zeitschr.  27  [1867]  S.  272):  „Und 
als  die  widertaufl'er  ...  so  hart  betrangt  und  nicht  mehr  lic£ferung  gehabt, 
sindt  sie  vor  grossem  hunger  dahin  benöttigt  worden,  alle  die,  so  sie  ... 
an  der  linden  umbbracht,  auch  sunst  frisch  umbkommen  und  nicht  am 
Schelmen  gestorben,  solche  under  ire  rott ...  zu  theilcn,  dieselben  alsdann 
eingcsaltzen  und  vor  hunger  . . .  geessen,  auch  würst  daraufs  gemacht,  wie 
man  dann  das  noch  eingesaltzen  und  im  rauch,  als  die  statt  erobert,  han- 
gend gefunden,  und  dcmjhenigen,  der  solchs  gesehen,  in  etlichen  Thumb- 
herm  hoffen  zu  Münster  angezeigt  und  der  würst  eine  gegeben  worden." 
Diese  SteUe  ist  Quelle  für  die  Erzählung  Herrn.  Hamelmann's  S.  1277. 
In  den  gleichzeitigen  Akten  und  Briefen  habe  ich  von  dergleichen  Nichts 
erwähnt  gefunden.  Die  schriftstellerischen  Quellen  aber  führen  wiederholt 
das  Verspeisen  von  Kindern  an.  So  schreibt  Ant.  Corvin  an  G.  Spalatin 
Bl.  B  1:  „Imo  scio  pueros  quoque  comesos  ibi  esse,  id  quod  ab  iis  au- 
ditum  mihi  est,  qui  in  reliquias  quasdam  capta  nrbe  eins  rei 
testes  inciderunt."  Ebenso  meldet  C.  Heresbach  S.  25;  „Infantium 
pedes  ac  manus  in  salsamentis  a  militibus  ad  pracdam  occupata  urbe  dis- 
currentibus  inventas  ferunt."  H.  Gresbeck  äufsert  sich  zweimal  über 
diese  Sache.  S.  189  heifst  es  bei  ihm:  „So  wolden  ouck  ein  deils  luede 
sagen,  dat  sie  hodden  kinder  gegetten.  Wes  des  is,  dair  en  wiet  ick  nicht 
mehr  af.  Ick  en  hebbe  dos  nicht  gesehn.'*  „Do  die  stat  gewunnen 
was,"*  erzählt  er  S.  209  f.,  „do  sachten  ein  deil  lantzknecht,  dat  sie  ein 
duppen  gefunden  hedden,  kinder,  de  gesalten  weren,  von  banden  und  von 
voeten*  und  von  beinen.  Wes  dairaf  is,  dair  en  khan  ick  nicht  weider  von 
schriven.  Ick  en  hebbe  des  nicht  gesehen.  Mehr  it  is  wol  tho  geloe- 
ven,  dat  it  geschehen  ifs,  so  groten  hunger,  als  der  gemein 
man  in  der  stat  lief  Unter  den  von  dem  Erzbischofe  von  Köln  zum 
Verhöre  mit  Johann  v.  Leiden  und  Knippordolling  entworfenen  Fragen  be- 
findet sich  auch  die,  „ob  es  njt  war  sy,  das  der  komber  da  bjnnen  so  groifs 
gewesen,  das  itliche  er  kinde  getodet  und  gesaltzett  haben,  wedan  etliche 
kjnder  gefonden.''  Darauf  antworten  die  Gefragten  gleichmäfsig,  dafs 
sie  vom  Töten  und  Verspeisen  von  Kindern  Nichts  wüfsten.  SieheJ.  Nie- 
sert:  U.-S.  I.  S.  173,  184,  190;  vgl.  auch  M.  G.-Q.  D,  375  u.  379. 

*)  Nur  von  Kerss.  überliefert. 

27 


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802  Anno  1535  acta. 

viunt^  Quae  nnqnam  fera  tarn  immanis  tamque  cradelis  ftiit, 
quae  in  snam  snbolem  et  partum  dentes  snos  acoit?  Diligant 
enim  ferae  snos  foetns,  qnos  etiam  in  fame  cibis  ant  magno 
labore  ant  pericnlo  vitae  snae  paratis  vel  proprio  interdum  san- 
gnine  nntrinnt  et  in  vita  conservant.  Bruta  qnoqne,  quae  al- 
terius  generis  animalium  rapina  pascuntur,  a  eonsimili  tamen 
sni  generis  sanguine  sibi  temperant.  At  hi  a  proprii  partus  cibo 
non  abhorrentes  omnes  bestias  acerbitate  et  immanitate  superant 
0  malesuada  penuria,  quae  naturae  leges  violas!  0  preciosa 
fames,  quae  propriis  visceribus  non  parcis !  0  obscoena  egestas, 
quae  sordida  et  insueta  humanis  usibus  infers!  Hoc  oppidum 
Westphalicum  Hyerosolimam  illam  ludaicam  non  modo  aequare, 
verum  etiam  calamitatibus  et  miseriis  superare  non  est  ambi- 
gendum.  Non  igitur  sine  fatali  causa  novam  illud  Hyerosolimam 
appellitant  ^.  Cutis  oppidanorum  flaccida  came  absumpta  exa- 
rescit  et  nigrescit;  per  eam  costae  et  intestina  numerantur,  ossa 
extant,  digiti  macie  rigent,  nasus  acuitur,  genae  pendent  et  suleos 
agunt,  lumina  in  suis  sedibus  altius  subsidunt  et  quasi  demersa 
conspiciuntur;  livor  est  in  vultu,  et  adeo  macie  confecti  sunt, 
ut  spectris  hos  et  simulacris  mortuorum  similiores  esse  diceres, 
quam  hominibus.  Sola  hominis  figura  cemitur,  usus  vero  et 
officium  desideratur  ^.    Quidam  ulcerum  sanie  ita  solvuntur,  ut 


*)  Ein  Beispiel  dafür  erzählt  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Y  2^. 
Dasselbe  nimmt  Herrn.  Harn el mann  a.a.O.  in  seine  Darstellung  auf. 

^)  Aehnlich  wird  in  diesem  Zusammenhange  Münster  mit  Jerusalem 
verglichen  von  Joh.  Fabricius  Bolandus,  D.Lilie,  0.  Heresbach, 
Ant.  Corvin  a.  a.  0. 

°)  Vgl.  dazu  die  Schilderung  in  der  Flugschrift  „Der  gantze  handel' 
Bl.  A  3^,  wo  von  den  infolge  des  Hungers  aus  Münster  Entwichenen  gesagt 
wird;  »Das  feil  hieng  on  flejsch,  Ifir,  lofs  und  geruntzelt  über  die  blofse 
bein;  das  haubt  stund  nit  anders,  dann  wie  das  kranthaubt  auff  den  stilen; 
die  oren,  lefftzen,  nasen,  wangen  waren  spitzig  und  durchsichtiger  dann 
ein  papyr.**  „Vidisses  horrendum  corporum  habitum,"  schreibt  C.  Heres- 
bach S.  25,  „plerosque  . ..  inedia  ac  malo  cibo  debilitatos  deformatosque, 
ut  semimortua  busta  verius  quam  homines  apparerent,  facie 
cadaveroso  pallore  confecta,  ventre  tumido,  membris  luridis,  pedibus  vix 
consistentibus.*'  Justinian  v.  Holtzhausen  meldet  am  21.  Mai  seinem  Vater 
(M.  G.-Q.  n,  335) :  „Wie  ich  sie  den  gesehn  hab,  die  weiber,  menner  und 
kinder,  die  sehen  alle  so  weis  under  den  äugen  wie  ein  gewaschen  duch. 


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Anno  1535  acta.  803 

Vivantes  difflnant,  pntrescant  et  ambnlantes  moriantnr;  qnidam 
distenta  cnte  nunpnntnr;  et,  at  pancis  dicam,  nrbs  erat  plena 
mortis.  Plurimi  enim  passim  in  vicis  cormont  snbitoqne  ezpi- 
rant,  qnorum  cadavera  ad  evitandnm  foetorem  rhedae  inssn  regis 
ad  hoc  comparatae  iniecta  snbito  tnmulanda  avehnntur.  Magni 
enim  terrae  hiatns  ad  cadavemm  sepnltaram  aperiantnr,  qni 
immissis  mortuorum  corporibus  paulatim  replentnr'.  Qnidam 
promissione  regis  freti  eam  habent  fiduciam,  ut,  prinsqnam  fame 
intereant,  Patrem  saxa  plateamm  in  panes  transformatnrum  cre- 
dant  ^;  ideoque,  cnm  horrenda  esurie  torqnerentnr,  morsibns  si- 
lices  pertentant;  at  nbi  neqne  snbstantiae  *neque  nllins  acci-»p. 
dentis  metamorphosin  factam  experirentnr,  fidncia  illa  pristina 
flaccessit,  et  flentes  miserrime  se  esse  snbdnctos  tacite  qaemntnr. 
Omnia  gemitibns  personant,  omnia  mnliebri  planctn  snnt  plena, 
omnia  plebeis  querimoniis  perstrepnnt,  omnia  pnerilibns  plora- 
tibus  replentur,  omnia  sennm  et  aegrotorum  snspiriis  contur- 
bantnr.     Hoc  nnnm  clancnlnm  quernntnr,  qnod  auctores  tantae 


und  sint  innen  die  leib  geschwollen,  grofse  beuch  und  bein."  H.  Gres- 
beck,  der  das  Elend  in  der  Stadt  selbst  erlebte,  schildert  (S.  2 LG):  „Ais 
sie  up  dat  Icstc  weren  . . .,  do  gienge  dat  volck  so  iemerlich  up  den  Straten, 
von  frowenlueden  und  ein  deil  mans  und  kinder,  lieten  anders  nicht,  wie 
dat  sie  von  dem  dode  uth  dem  grave  up  weren  gcstain,  und  sagen  anders 
nicht  uth  dem  angesicht  wie  ein  doden  hoevet . . ."  Am  4.  .Mai  sagt  Joh. 
Clevom  aus,  sie  „swellen  umb  dat  hovet  und  vote  van  hunger  und  van 
«tten  des  grafs,  mit  gyfftigen  plagen  und  krenckde  befangen/ 

*)  „Et  hadde  der  koningh,**  berichtet  H.  G res b eck  S.  170 f.,  „für 
ieder  porten  einen  platz  laten  afdeilen.  Wanner  dat  in  starf  in  der  stat 
ofte  starf  von  hunger  ofte  doit  geschotten  oder  geschlagen  woort  von  den 
lansknechten  . . .,  dieselven  groven  sie  für  die  porten,  dair  eins  iederen 
wacht  was.  So  wolde  der  koningk  nicht  lenger  die  doden  in  die  stat  graven 
und  ouck  geine  luede  mehr  richten  in  die  stat.  Mehr  up  dat  leste  richtede 
hei  Widder  in  der  stat  und  grof  do  die  doden  wieder  in  die^stat  up  den 
docmhof.^  Justinian  v.  Holtzhausen  schreibt  am  29.  Mai  seinem  Yater 
(M.  G.-Q.  II,  343):  „Sie  sterben  seher  hungers  in  der  stat,  das  oft  6,  8 
odder  10  in  ein  grab  gelegt  werden." 

*)  Aehnlich  sagt  Dietrich  von  Hamburg  Bl.  A2^:  „So  starck 
wer  yr  glaub  auff  Christum  und  sprachen:  Ist  Christus  mit  uns,  wer  wil 
dann  wider  unssejn?  Und  ehe  Christus  uns  hunger  leiden  laest, 
ehe  wirt  stein  zu  brod  werden,  und  Christus  wirt  sein  volk  wol 
behalten." 

27* 


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804  Anno  1535  acta. 

miseriae  non  solum  snpersnnt,  vemm  etiam  omnis  generis  yolup- 
tatibns  perfrnnntnr  et  qnasi  bene  re  gesta  honoribus  insnper 
afficinntur.  Bex  enim  pro  se  suisqne  omninm  remm  copiam  et 
instrnctissimam  penom  apnd  se  in  regia  abditam  habens^  bis 
qnerelis  non  commoyetur  neqne  miseriam  popnli  sni  extrema 
fame  tabescentis  ipse  Inxn  difQuens  agnoscit,  sed  Patrem  suam 
plebem  non  desertnmm,  fidnciam  saltem  per  famem  explora- 
tnmm  concionatnr;  qni  vero  minus  in  fide  sint  constantes^  bis 
se  liberam  exenndi  facultatem  facturum,  si  meliori  in  nrbe  re- 
licto  viliori  vestitn  egrediantnr;  se  enim  solnm,  etiamsi  omnes 


')  In  der  Behauptung,  dafs  Johann  v.  Leiden  und  die  Führer  in  der 
Stadt  sich  auf  Kosten  des  Volks  reichlich  mit  Proviant  versehen  hätten, 
stimmen  die  schriftstellerischen  Quellen  üherein.  Vgl.  ,,Der  gantze  handel" 
Bl.  A4,  H.  Dorp  Bl.  G2,  C.  Horesbach  S.  25  u.  29,  L.  Hortensius 
S.  70,  D.  Lilie  S.  256  u.  259,  Joh.  Fahricius  Bolandus  BL  Y  1,  H. 
Hamelmann  S.  1272 f.  H.  Gresheck  äufsert  sich  wiederholt  in  diesem 
Sinne  (s.  S.  134,  141,  173, 176,  190),  ebenso,  nach  Aussagen  der  Gefangenen, 
Justinian  v.  Holtzhausen  in  seinen  Schreiben  nach  Frankfurt  a.  M.  (vergl. 
M.  G.-Q.  II,  33(),  343,  351,  354).  Doch  Johann  v.  Leiden  selbst  stellt  das 
entschieden  in  Abrede.  Am  25.  Juli  15;»5  äufsert  er  sich  (J.  Niesert: 
Ü.-S.  I.  S.  183 f.;  vergl.  auch  M.  G.-Q.  II,  375):  Jtem  se  hebben  keinen 
ratslag  geholden,  dat  se  wolden  proviand  bj  sich  behalden  und  dem  ge- 
mcjnen  man  davan  niths  gcven.  Dan  sc  hadden  wol  gewolt,  dat  se  in  der 
wostenie  mochten  gelegen  hebben,  so  dat  gemeyne  volck  mocht  erloset 
werden.**  Auch  Enipperdolling  erklärt  (J.  Niesert  a.a.O.  S.  189;  vgl.  auch 
M.  G.-Q.  II,  378),  „dat  de  konig  mit  sampt  sinen  roden  nit  mber  gehat 
hebben,  dan  de  gemeine  man,  averst  de  gemeyne  man  hebben t  unwislich 
togebracht  ..."  —  Als  am  2.  Juni  1535  der  junge  Christoph  von  Waldeck, 
der  natürliche  Sohn  des  Bischofs,  aus  der  Stadt  entflohen  war,  meldet  er 
nach  Angabe ,  Justinian's  v.  Holtzhausen  (M.  G.-Q.  II,  351):  „so  ist  der 
konnig  sampt  seinem  anhang  und  vil  der  reichen  mit  probiant  (anfsent- 
halb  des  brots),  mit  wein,  saltz  noch  versehen."  Damit  ist  die  Nachricht 
in  der  „Newen  zeittunge  von  Münster"  vom  3.  Juni  nicht  zu  vereinigen, 
nach  der  (s.  J.  Niesert:  U.-S.  II.  S.  500)  der  junge  Waldeck,  der  „stedtigs 
bei  dem  könig  gewesen"  (vergl.  oben  S.  648),  „eigentlichen  waren  bericht 
gibt,  das  er  in  dreien  wochen  in  des  königes  hof  kein  brot,  auch  nicht 
anders  dann  müs  oder  kdl  gegessen;  es  hab  auch  der  konig  kein  brot  oder 
nichts  mehr  dergleichen  sonderlichs  zu  essen."  —  Dafs  nach  der  Eroberung 
der  Stadt  bei  dem  König  und  den  Hauptf&hrem  noch  reichlich  Plroviant 
gefunden  wurde,  meldet  „Der  gantze  handel"  Bl.  A4,  H.  Dorp  a. a.  0.^ 
D.  Lilie  S.  259,  C.  Heresbach  S.  28 f.  und  H.  Gresbeck  S.  209. 


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Anno  1535  acta.  805 

defecerint,   angelonun  ope  et  praesidio  civitatem  ab  hostili  im- 
pressione  defensnrnm^ 

Haec  cum  a  rege  ezenndi  libertas  permitteretnr,  acerbissi- 
mam  famem  effogientes  in  hostium  gladios  incidere  malnernnt, 
quam  lenta  esarie  tabescere  satias  esse  dncentes  nno  die  et 
subito  extingni,  quam  singnlis  diebns  mori,  nnam  perferre  mor- 
tem, quam  mnltas.  Magnam  ergo  mnltitndinem  yiromm,  sennm, 
male  affectorum,  mulierum  et  puerorum  in  Aprili  *  horrenda  fames  Apru. 


')  In  einem  undatierten  Schreiben  des  Bischofs  Franz  an  den  Erz- 
bischof von  Köln  heifst  es  (J.  Nies  ort:  Ü.-S.  I.  S.  199),  der  König  ^be- 
roempt  sich,  wanner  he  alleinc  de  stadt  inhedde,  werden  de  engel  van 
hymmel  em  bystcndich  zjn,  de  viande  dar  uth  to  holden.^ 
Den  festen  Entschlufs,  die  Stadt  unter  allen  umständen  zu  halten,  bekunden 
Johann  und  Knipperdolling  in  ihren  Verhören  (bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  183 
u.  190;  vgl.  auch  M.  G.-Q.  II,  374  u.379).  —  Da,  wo  H.  Gresbeck  S.  172 
(vgl.  auch  S.  189)  erzählt,  dafs  der  König  allen  denen  Urlaub  anbot,  die 
des  Hungers  wegen  die  Stadt  verlassen  wollten,  fügt  er  hinzu :  „So  hcbben 
sie  den  lueden  irst  genommen  al,  dat  sie  bei  sick  hedden.  Hedden  sie  gude 
kleider  an,  die  meisten  sie  uth  trecken,  und  tuegen  innen  aide  klcider  widder 
an."  Er  berichtet  weiter,  wie  der  König  dann  auch  allen  Hausrat  der  Ausge- 
wanderten mit  Wagen  aus  den  Wohnungen  abholen  liefg.  Der  „Warhafiftige 
bericht"  Bl.  A  2^  (Zeitschr.  33  S.  7)  meldet:  „Do  liefs  er  sie  alle  plündern 
und  besuchen,  und  licfs  keinem  mer  dann  einen  rock  und  sprach  zu  inen: 
nun  zeucht  hin  zu  den  ketzern!''  Auch  C.  Heresbach  S.  25  schreibt: 
„Nihil  tamen  eis  efferre  licebat,  adeo  ut  etiam  vestimentis  praeter  intcrulas 
exspoliarentur.^ 

')  Schon  am  14.  April  schreibt  Joh.  Hageboeke  nach  den  Aussagen 
eines  aus  Münster  entwichenen  Knaben  an  den  Domscholaster  Rotger  Schmi- 
sing,  man  sei  in  der  Stadt  „inmeynonge,  de  kynder  und  olde  luede 
uth  der  stadt  to  jagen**  (Orig.  im  St.-A.  M.).  Bald  darauf  am  22.  April, 
wird  dem  Bischöfe  von  seinen  Bäten  aus  Wolbeck  gemeldet  .(Orig.  ebd.), 
dafs  Wirich  v.  Dhaun  ihnen  angezeigt  habe,  „eth  begeve  sick,  dat  de 
van  Munster  vast  alle  dage  etlige  olde  luede,  wyver  und  kinder,  uth 
der  Stadt  van  sick  yagen.**  Zuerst  hat  nach  der  Schilderung  H.  Gres- 
beck^s  S.  170 ff.  der  König  das  Verlassen  der  Stadt  nicht  geduldet,  denn 
„wer  ein  wort  davon  sachte,  der  gerne  hedde  uth  der  stat  gewest,  ofte 
wolde  von  innen  loupen,  dieselbe  liet  hei  vort  gefencklick  setten  und  heve 
ime  vort  des  andern  dages  dat  hoevet  af.^  Aber  da  die  Not  gröfser  wurde, 
setzte  er  eine  Frist  von  vier  Tagen,  während  welcher  Alle,  die  zu  ent- 
weichen wünschten,  von  ihm  Urlaub  erbitten  sollten.  Es  lag  ihm  daran, 
dafs  alle  alten  Männer  und  Franen  und  alle  Kinder  „weren  uth  der  stat 
gewest,  up  dat  sie  des  tho  mehr  profianden  hedden  beholden.^    Doch  be- 


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806  Anno  1535  acta. 

in  singolos  dies  nrbe  expnUt,  inter  qnos  faerunt,  qni  intra  octo 
hebdomadas  ne  micam  qnidem  panis  gostassent^.  Yiros,  cmn 
circnmspectins,  quam  imbeciUe  et  imbelle  genns  hominnm  agere 
debnissent  et  tempns  veniae  elapsnm  esset,  hostilis  gladius,  ha- 
bita  tarnen  innocentiae  ratione  absnmpsit,  quomm  qnidam  gladio 
caedi,  quam  vita  donari  et  negotii  conficiendi  causa  in  nrbem 
ad  intolerabiles  aemmnas  redire  malebant^  Senes  yero,  qnibus 
parcitnr,  mulieres  et  pneri  inter  nrbem  et  castra  a  militibns 
coercentar  et  ad  nrbem  repellnntnr,  sed  in  nrbem  redire  nolentes 
in  regno,  qnod  inter  castra  et  nrbem,  conclnsi  ad  qnatnor  fere 
hebdomadas  yagantnr  et  instar   qnadmpednm  herbas  yellnnt^ 


gehrte  er  nach  der  Aussage  Job.  Clevom^s  vom  4.  Mai  „van  allen,  de  darat 
komen,  dat  se  wülen  seggen,  dar  sy  gnoch  bjnnen  und  gyn  kiunmer.* 
Sp&ter  setzte  der  König,  wie  H.  Gresbeck  S.  189  meldet,  noch  einmal  eine 
achttägige  Frist  zum  Erbitten  des  Urlaubs  fest. 

')  Dafs  »etlige  in  acht  wecken  gyn  broit  eder  ander  spyse  gebrockt,'' 
schreibt  der  Bischof  in  dem  undatierten  Briefe  an  den  Erzbischof  von  Köln 
(bei  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  198).  Sybbeken  Frese  bekundet  am  19.  April: 
„Men  helft  vergangen  donnerdage^  (15.  April)  „nth  Overwaters  cloister  ge- 
fort  noch  12  molt  weiten.  Datselve  is  aUe  von  kome,  wes  dar  gewesf 
Ungefähr  stimmt  damit  die  Aussage  Joh.  Olevom's  vom  4.  Mai  überein,  in 
der  es  heiTst:  „Is  vergangen  maendage**  (3.  Mai)  „3  wecke,  do  hefft  noch 
eynem  idem  gemeynen  mann  geven  eyn  snedde  brodes  in  maten  eyn  hant 
groit,  und  dama  nnmmantz  nicht^    Zur  Sache  vgl.  auch  S.  780  Anm.  6. 

')  Vgl.  für  dieses  und  das  Folgende  „Bei  gantze  handel^  BL  A3, 
L.  Hortensius  S.  70,  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Tl^u.  T2,  C. 
Heresbach  S.  25,  D.Lilie  S.255f.  und H.  Gresbeck  S.  172 f. u.  188 ff. 
—  Am  29.  Mai  meldet  Justinian  v.  Holtzhausen  in  Bezug  auf  die  aus 
Münster  flüchtigen  Männer  (M.  G.-Q.  IE,  346) :  „Was  werhaftiger  man  her- 
aus kompt,  ist  grofs  gluck,  woho  er  durch  gutte  kuntschaft,  das  er  hinein 
gefangen  sei,  begnadet  wert;  snnst  alle  erschlage n."  Schon  vorher 
heifst  es  in  demselben  Briefe  (a.  a.  0.  S.  343):  „Unsere  knecht  sent  hart 
über  sie  erbittert.,  den  sie  haben  (wie  ich  bericht  wert)  für  Munster  bis  in 
die  6000  man  umbpracht  . .  ."^  S.  auch  „Warhafftiger  bericht**  BL  A  2^ 
(Zeitschrift  33  S.  7). 

')  Wirich  v.  Dhaun  berichtet  am  13.  Mai  dem  Landgrafen  von  Hessen 
(M.  G.-Q.  n,  333 f.):  „Ycmer  . . .  begibt  sich  nun  aUe  tag,  das  die  weiber 
mit  den  kindem  und  sonst  aus  der  stat  Munster  bis  an  die  blockheoser 
und  graben  louffen,  die  wir  understen,  wider  inzuiagen.  Aber  sie 
begern,  das  man  sie  darfur  tot  schlage ;  wollen  vil  lieber  sterben,  dan  wider 
in  die  stat  gen.**    S.  auch  C.  Heresbach  a.  a.  0. 


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Anno  1535  acta.  807 

Quidam  debilia  membra  trahentes  in  terra  repnnt  et  qnaecunque 
necessitas  offert,  nsnrpant,  quicquid  fortuna  et  casus  snbmini- 
strant,  in  cibnm  vertont.  Tantns  est  fervor  edendi,  nt  nee  sapor 
amplins  discrimina  cibomm  faciat.  Quidam  viribus  prorsus  de- 
stituti  in  arena  se  volvunt,  *palpitant  et  moribunda  membra  «p.  599. 
sursum  deorsumque  trahunt;  quidam  ita  avidas  fauces  oleribus 
et  virgultorum  foliis  farciunt,  ut  pleno  ore  suffocentur;  quidam, 
dum  procumbunt  et  ore  vellunt  herbas,  dentibus  subito  morsu 
cespites  apprehendunt  et  vitam  evomunt^  Quidam  lacrimantur, 
sed  prae  ariditate  lacrimas  non^  effundunt;  quidam  gemunt  et 
suspirant  lamentabilique  voce  queruntur:  „0  fames  insatiabilis, 
0  pestis  ipsa  morte  atrocior  et  crudelior,  o  horrendum  Solymarum 
fiiagellum,  o  ludaica  lues,  o  flamma  viscera  nostra  excrucians! 
0  mors,  cur  a  nobis  refagis?  cur  longas  vitae  moras  non  ab- 
rumpis?  cur  non  metam  aerumnis  et  calamitatibus  imponis?  cur 
miserias  nostras  differs  et  differendo  auges?  Nihil  spei  in  urbe 
nobis  superest.  Omnia  sunt  pene  absumpta;  fames  in  singulas 
horas  invalescit  et  recrudescit.  Poris  a  milite  gladiis  coercemur^ 
inter  urbem  et  castra  concludimur,  evagandi  abeundique  libertaa 
nobis  adimitur.  ütinam  haue  solam  gratiam  ab  hoste  conse- 
quamur,  ut  gladiis  tormentisve  pectora  cutemque  nostram  vii 
ossibus  adhaerentem  confodiat!  Utinam  saniei,  qua  pro  sanguine 
distendimur,  ferro  viam  faciat,  utinam  e  praecipitio  deiecti  et 
fossarum  aquis  suffocati  fuissemus !  Non  formidamus  hostem  nee 
hostis  arma,  sed  horrendum  monstrum,  quod  circumferimus, 
quod  viscera  nostra  rodit,  quod  artus  attenuat,  quod  in  meduUas 
descendit,  quod  vires  nostras  absumit.  Hoc  vulnere  sine  vulnere 
intus  affligimur,  intus  excruciamur,  intus  sine  morte  morimur. 
His  Omnibus  vulneribus,  his  molestüs,  huic  monstro,  huic  morti 
atri  panis  crustula  mederi  posset!^     Dum  ita  senes  matresque 

«)  fehlt  im  Ms. 


V)  „Sie  künden  den  lejchnam  nit  wol  tragen,**  sagt  „Der  gantze 
handel^;  „etlich  giengen  mit  eim  stabe,  die  andern  krachen  wie  die  thier 
auff  der  erden,  vil  bliben  auff  halbem  weg  todt  ligen;  solch  gestalt  was 
durchs  gantz  Königreich,  das  ist  zwischen  der  stat  und  den  Plockhensern.** 
Vgl.  auch  Job.  Fabricins  Bolandus  Bl.  Y6. 


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808  Anno  1535  acta. 

qnernntnr,  infantes  ^  alii  prae  inedia  vaginnt,  alii  siccis  matmm 
uberibns  adhaerentes  frnstra  ea  lambnnt^  alii  pro  lacte  virifico 
sordidam  saniem  attrahnnt,  alii  plorantes  et  e  sinn  matemo  sn- 
spicientes  praemansnm  ex  ore  matris  cibum  hiantibus  bacnlis 
expectant  et  certa  spe  cibi  ora  movent,  sed  delusi  lacrimantur. 
Alii  grandiores  bntjro  illitnm,  alii  siccnm  panem  postnlant. 
Matres  vero  singnltus,  gemitns  et  lacrimas  cibi  loco  donant  et 
se  cnm  adainatis  pnsionibns  non  extinctas  esse  qnernntnr.  Moltis 
inde  lamentis  snpplicant  militibns,  nt  se  homines  esse  remini- 
scantur  et  se  a  muliebri  sexu  editos,  se  infantes  fuisse,  materno 
praesidio  egnisse,  matema  cnra  et  soUicitndine  enntritos  esse; 
se  ergo  per  amorem  maternnm  in  liberos  obsecrare,  nt  sibi 
"p.  600.  panxillum  atri  et  *mnscosi  panis  adiiciant;  sit  sna  cnm  canibus 
portio.  Si  vero  id  fieri  neqneat,  infanteni  saltem  famelicnm  et 
morti  vieinnm  semel  qnocnnqne  etiam  cibo  satnrent  vel,  si  neqne 


^)  lieber  die  Anzahl  der  kleinen  Kinder  damals  in  Münster  besitzen 
wir  eine  Notiz  in  einem  Briefe  Wirich's  v.  Dhaun  vom  7,  Mai  an  die  clevi- 
schen  Hofräte.  Wirich  fuhrt  da  (s.  M.  G.-Q.  II,  325)  die  Aussagen  einer 
aus  der  Stadt  entwichenen  Frau  und  eines  Jungen  von  16  oder  17  Jahren 
an,  die  beide  bekunden,  dafs  „sie  die  iung  kinder  in  der  stat  getzalt  haven, 
die  under  2  iar  seint,  dat  der  warhaftig  darbinnen  wercn  1007.'*  Ueber 
die  Gesamtzahl  der  Einwohner  Münsters  zu  jener  Zeit  (für  früher  vgl.  oben 
S.  7t  )0  u.  736  Anm.  1)  findet  sich  eine  Angabe  in  der  Beilage  zu  einem 
Schreiben  des  Herzogs  Philipp  von  Braunschweig-Grubenhagen  vom  23.  Mai 
an  den  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen,  wo  es  heifst  (M.  G.-Q. 
II,  341),  dafs  Gefangene  aussagen,  „das  noch  binnen  der  stat  Munst-er  an 
die  neunthalbtausent  lebendiger  menschen  sein.  Darunter  sein  gewislich 
1300  und  darüber  werhaftiger  menschen,  iunck  und  alt,  item  funft«halb- 
tausent  weiber,  und  die  andere  sollen  kinder  sein."  —  Ueber  die  Ernährung 
der  Kinder  in  der  Stadt  meldet  Justinian  v.  Holtzhausen  am  21.  Mai  seinem 
Vater  (M.  G.-Q.  II,  335),  wie  er  persönlich  von  einem  gefangenen  Müller 
gehört  habe,  der  y,auch  soUichs  bei  höchstem  eide  behilt,**  dafs  derselbe 
„seinen  kindem  das  weis  von  den  wenden  geschapt  hotte  und  mit  wasser 
gemengt  und  seinen  kinden  das  zu  trincken  geben  hatte;  sagt  auch,  das 
es  ander  leut  mer  gethan  betten  und  noch.*'  Am  29.  Mai  berichtet  er  aber- 
mals (ebendas.  S.  343):  „Kriden  mit  wasser  gemengt  ist  den  kinden  ein 
deglich  speis,  auch  den  alten."  Die  „Newe  zeittnnge  von  Münster*  vom 
3.  Juni  teilt  mit  (s.  J.  Niesert:  Ü.-S.  11.  S.  500 f.):  „Die  kleinen  und 
jungen  kinder  werden  mit  milch  und  krejden  und  mit  gemüfs,  das  mit 
milch  gesotten  wirdt,  erhalten." 


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Anno  1535  acta.  809 

se  ad  id  mnliebribns  lacrimis  commoyeri  sinant,  nno  ense  se 
cnm  parta  transigant  et  calamitati  saae  finem  imponant,  cum 
vivere  sibi  miserrimum  sit,  ergastulxim  animae  solvant,  carcerem 
ferro  aperiant,  animam  camis  consortio  infirmam  et  dintnmis 
laboribns  defatigatam  liberent,  nt  a  came  divnlsa  libertate  fma- 
tnr^;  illnd  se  pro  beneficio  snmmo  babituras*.  Miles,  qnamvis 
dnrus  et  inexorabilis,  hac  tarnen  miseranda  rerum  facie  et  qneri- 
moniis,  qnae  et  feras  immanes  et  saxa  commovissent,  ita  emol- 
litnr,  nt  miseriae  mnliebri  et  pnerili  hnmano  aliquo  solatio  snc- 
currendnm  esse  existimarent.  Panem  ergo  passim  milites  e  castris 
matribus  pnerisque  per  mnnitiones  adiiciunt  *,  qui,  qnantum  per 
aetatem  et  famem  licnit,  non  aiiter,  qnam  famelici  catelli  cer- 
tatlm  ad  cibnm  cnrsitant.  Alins  alinm  praecnrrere  contendit, 
alins  alii  praeripere  bolnm  gestit,  nnde  variae  contentiones  inter 
pueros  orinntnr,  quas  matres  vix  sopinnt.  Non  enim  de  re  levis 
momenti,    sed  de  cibo,  vitae  conservatore,  agitnr.     Cum  antem 

a)  Ms.:  habituros. 


'j  Im  Briefe  Wirich's  v.  Dhaun  vom  7.  Mai  an  die  clevischen  Hof- 
räte wird  mitgeteilt  (M.  G.-Q.  II,  324  f.):  am  5.  Mai  „quam  ein  frauw 
Widder  mit  eim  iongen  kind  herufs,  die  hatten  wir  eins  zu  rugge  in  die 
stat  geiaget,  mer  sie  quam  zer  stont  widder.  Sie  sacht,  sie  wer  liever  mit 
dem  kinde  dot,  dan  von  hunger  zu  sterven.  So  nomen  die  knecht  er  dat 
kint  af,  und  die  fraw  sitz  noch  an  einer  heggen  binnen  der  graft."  Am 
27.  Mai,  so  meldet  die  „Newe  zcittunge  von  Münster"  (bei  J.  Niesert 
a.a.O.  S.  500)  „hat  ein  weib  in  der  schantz  ihr  eigen  kind  wollen  erstechen; 
do  ihr  solchs  nicht  kondt  oder  raocht  gestat  werden,  hat  sie  sich  selbe 
durch  grofscn  zweiffei  erstochen.** 

'^)  „Die  knechtsfrauwen,**  schreibt  Wirich  v.  Dhaun  den  clevischen 
Hofräten  am  7.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  325),  „langen  innen  aver  durch  dat  stacket 
gnoch  zu  essen.**  Ueber  die  Frauen,  alten  Männer  und  Kinder  äufsert  sich 
Justinian  v.  Holtzhausen  im  Briefe  vom  21.  Mai  an  seinen  Vater  (ebendas. 
S.  334  f.) :  „Ligt  für  iedem  plochaus  ein  hauffen  derselben,  welche  von  ploc- 
heussem  aus  barmbhertzigkeit,  doch  aus  geheis  des  obersten  noch 
notturft  gespeist  werden.**  C.  Heresbach  S.  25  schreibt:  „Pueri  passim 
alendi  a  militibus  recepti  plerique  . .  .**  So  berichtet  auch  H.  Gresbeck 
S.  190:  „So  hebben  die  lansknecht  die  kinder  tho  sick  genommen  und  hebben 
ein  deil  kinder  ndt  sick  genommen.**  Gleich  darauf  er&fthlt  er  weiter: 
„Dieselve  frowen  luede,  die  so  uth  der  stat  tuegen,  die  noch  ionck  waren, 
dieselve  namen  die  lansknecht  tho  sich  np  dat  blochuifs  und  behielden  die 
bei  sick  vortan  für  ire  frowen.** 


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810  Anno  1535  acta. 

data  esset  ipsis  copia  cibi,  qnibnsdam  oneri  coepit  esse  cibns. 
Dentes  dissneti  alimentis  mandere  ingesta  non  poterant,  invalidus 
erat  morsus,  obstmcti  erant  meatns  alimentormn,  obrignerant 
interiora  viscernm,  interclnsl  erant  faucinm  dnctns,  arnerant 
iecoris  venae  clbnm  attrahentes.  Aviditas  qnidem  edendi  mansit, 
mansit  appetentia  cibi,  sed  edendi  nsus  defecerat.  Cibns  itaqne 
plnribns  pericnlnm,  qnam  salntem  adferebat,  in  qnibns  appetitns 
edendi  rationem  praecnrrebat.  Qnidam  enim  mensnrae  nescii 
snpra  modum  cibum  ingerebant  ideoqne  magis  inflabantnr  solito 
cibo,  qnam  reficiebantur,  et  repentino  cibo  farti  crepabant  et 
mmpebantnr  ^  Qni  vero  panlatim  et  parca  mann  cibis  ntebantnr 
et  fenrorem  edendi  fmstrabantnr,  donec  e  dissneta  cibnm  capi- 
endi  consnetndine  ad  pristinnm  nsnm  reverterentnr,  pericnlnm 
evadebant. 

Haec  cnm  miseria  et  calamitas  egressomm  qnotidie  ex  urbe 
elabentinm  et  in  regno  instar   bmtomm   errantinm  per  Uber- 

S2.  April,  steninm,  militiae  praefectnm,  22.  Aprilis  ad  principem  perlata 
esset',  princeps  ingemescit  et  nrbis  et  egressomm  miseriam  ex 

*p.  601.  animo  deplorat,  "^manns  in  coelnm  attollit  et  se  tarn  horrendae 
calamitatis  causam  non  esse  testatnr,  qni  saepe  oppidanis  in  ipsa 
obsidione  pacem  et  cnlpae  gratiam  obtnlisset  nitro;  si  impietate 
et  rebellione  posita  pacem  toties  oblatam  elegissent,  se  cleroen- 
tissimnm  illis  fntnrum  fnisse;  nbi  vero  bellum  qnam  pacem^ 
angnstiam  qnam  libertatem,  famem  qnam  satietatem  malnissent, 
se  necessario  pro  defensione  gloriae  Dei,  catholicae  religionis  et 
reipnblicae  tranqnillitatis  ad  arma  protractnm';  coram  Deo  ita^ 
qne  et  hominibns  se  ab  illa  clade  pnrgatnm  esse. 


')  In  einem  andatierten  Konzepte  zu  einem  Schreiben  des  Bischofa 
an  den  Erzbischof  von  Köln  heifst  es  (St-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  VI.  foL  204) : 
„. . .  dwil  ein  deil  bedagten  und  kinderen  uth  der  stadt  entkommen  Ton 
den  knechten  ynwendich  der  grafft  spyse  nnd  dranck  nth  chrisüigen  mit- 
lyden  gereickt,  zinth  derselven  etlige  durch  yil  begirlige  aet- 
znng  des  broits  und  spise  jehelings  erstickt.* 

^  Vielmehr  durch  das  oben  S.  806  Anm.  2  erwftUnte  Schreiben  der 
bischöflichen  Räte. 

')  Die  B&te  hatten  in  ihrem  Schreiben  den  Bischof  gebeten,  er  möge 
schleunigst  von  Iburg  nach  Wolbeck  kommen,  um  mit  ihnen,  dem  Obersten 
und  den  Eriegsr&ten  über  die  Behandlung  der  Flüchtigen  zu  beraten;  auch 


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Anno  1535  acta.  811 

Inde  cum  militiae  praefectis  de  transfugis  et  nrbe  egressis 
consultat;  et  cnm  hac  consnltatione  visnm  fnisset  principi  im- 
mane,  cmdele  et  horrendum  tantam  sennm,  mnliernm,  pnerornm 
et  male  affectomm  mnltitudinem,  in  qna  procnl  dubio  plnrimi 
sint  innocentes,  sine  discrimine  mactare  aut  ita  inter  urbem  et 
castra  coerceri,  nt  fame  et  inedia  simul  eitinguantur,  cum  foris 
malint  gladio  confici,  quam  in  urbem  redire  et  fame  tabescere^ 
neque  satis  tutum  ratus  esset  ipsis  libertatem  abeundi  permit- 
tere,  ne  simili  seditione  alia  loca  impune  concitent  et  evertant  \ 


sei  ihre  Absicht,  noch  einmal  eine  Schrift  in  die  Stadt  zu  senden.  Der 
Bischof  antwortete  am  22.  April,  er  könne  augenblicklich  von  Iburg  nicht 
fort  „So  tragen  wir,**  heiTst  es  dann  weiter  (Orig.  im  St.-A.  M.),  „der- 
selben schriirt  bedencken,  achten  auch,  das  sie  wenig  frucht  gebieren  und 
schaffen  wirdt,  dweiU  sie  dem  gemeinen  man  verhalten  und  allein  den 
hanptsachem  zur  henden  kompt.**  Der  Bischof  rät,  einen  gefangenen  Kund- 
schafter (gemeint  ist  Sybbeken  Frese)  möglichst  nahe  vor  einem  Thore  der 
Stadt  hinrichten  und  an  der  Bichtstätte  die  schriftliche  Drohung  befestigen 
zu  lassen,  dafs  in  gleicher  Weise  gegen  alle  Flüchtigen  verfahren  werden 
solle.  Zugleich  damit  soll  den  Münsterem  zu  Gemüt  geführt  werden,  dafs 
sie  nach  der  am  7.  April  erfolgten  Erstürmung  des  Oldenklosters  durch 
Georg  Schenck  v.  Tautonburg  auf  keinen  Entsatz  weiter  zu  rechnen  hätten. 
Dann  f&hrt  der  Bischof  fort:  „Aber  doch  unangesehen,  das  wir  hiebevor* 
darinne  zu  vil  malen  geschriben  und  inen  angepotten,  so  sie  sich  in  unser 
gnad  und  ungnad  geben  weiten,  sie  antzunemen,  so  weiten  wir  noch  als^ 
ein  loblicher  fürst,  der  kein  lust  noch  freude  hat,  unschuldig  bloit  zu  ver- 
giefsen,  im  falle  das  sie  sich  sunder  lenger  hinstellent  noch  in  gnad  und 
ungnad  stellen  wurden,  sie  dermafsen  annemen  und  das  unschuldig  bloit 
verschonen.** 

^)  Die  Erwägungen,  die  Eerss.  hier  dem  Bischöfe  zuschreibt,  sind 
alle  schon  in  dem  Schreiben  der  bischöflichen  Räte  vom  22.  April  von 
diesen  zum  Ausdruck  gebracht.  „Nu  hebn,**  heifst  es  dort,  „gedachter 
overste,  krigesreede  und  wy  myt  ennen  den  handel  bedacht,  alsulcke  luede 
an  erem  levende  alle  umbtobrengen,  wer  eüiger  maten  beswerlich  und  myt- 
lidelich,  desulven  ock  dorch  passeren  t'laten,  sulx  steit  ock  to  bedencken 
umb  ander  ungeluck  und  uproer,  zo  ze  an  anderen  oerden  erwecken  mochten. 
Solde  men  ze  ock  anholden  und  also  kummers  halven  vor  den  ogen  sterven 
laten,  wer  erbärmlich  und  erschrecklich,  zo  ze  sick  apentlich  hoeren  laten, 
willen  veUever  buten  Munster  erworget  syn,  dan  daer  bynnen  von  kummer 
sterven. **  Ganz  ähnlich  schreibt  dann  am  1.  Mai  Wirich  v.  Dhaun  an  den 
Landgrafen  Philipp  von  Hessen  und  bittet  um  dessen  Bat,  wie  mit  den 
Ausgefallenen  zu  verfahren  sei  (Orig.  im  St.-A.  M.).  Philipp  antwortet  am 
12.  Mai   (Konzept  ebendas.),   er  könne  „in  dem  falle  nit  rathen,   dan  ea 


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812  Anno  1535  acta. 

quare,  ne  qnid  atrocins  vel  lenins,  quam  aeqnnm  sit,  in  hos 
transfagas  a  se  decematar,  hanc  rem  consilio  Coloniensis  et  Cli- 
vensis  proponendam  esse  snadet,  ut  isti  principes,  quid  sibi  utile 
Visum  fuerit,  in  medium  consulant,  rcsenrato  tarnen  sibi  consilii 
temperamento.  Haec  consultatio  ab  utriusque  principis  consi- 
1».  Mai.  liariis  facta  est  Coloniae  19.  Maii,  in  qua  decemitur*:  Primum, 
ut  egressi  in  urbem,  quacunque  ratione  fieri  queat,  redire  com- 


mochten  die  leuthe  und  hcrtze  nit  alle  gleich  steen  nnd  sein;  aber  ewere 
gewissen  und  ewere  vemunfift  . . .,  nach  denen  habt  ir  zu  handelen.**  Er 
höre  aber,  dafs  man  auch  solche  Flüchtige  erschlage,  „die  da  rnffen,  sie 
wollen  sagen,  daran  dem  bischoff  zu  Munster  und  sein  landen  und  leuthen 
mugelich  und  trefflich  vil  gelegen  sy  . .  .^  „Y>&8  dunckt  uns,  solte  nit  sein. 
Man  solte  sie  erst  hören,  und  wan  sie  gehört  weren,  weren  es  dan  soliche 
leuthe,  dy  es  verdient  hetten,  kan  und  mochte  man  richten  lassen.'*  Noch 
ehe  diese  Antwort,  vor  Münster  eintraf,  hatte  sich  Wirich  am  13.  Mai  aber- 
mals um  Bat  bittend  an  den  Landgrafen  gewandt  (s.  M.  G.-Q.  II,  333  f.). 
Auf  eine  spätere  Anfrage  des  Bischofs  selbst  antwortet  der  Landgraf  am 
1.  Juni  (Konzept  im  St.-A.  Marburg),  er  wolle  nicht  gern  raten,  da  man 
ihm  später  dann  die  Schuld  an  dem  Geschehenen  zur  Last  legen  könne. 
Hätte  er  aber  zu  handeln,  so  würde  er  die  Weiber  des  Landes  verweisen, 
die  Männer  nach  Einnahme  der  Stadt  je  nach  ihrer  Schuld  strafen  oder 
freilassen. 

')  Zwar  nennt  Kerss.  hier  und  im  Folgenden  genaue  Daten;  akten- 
mäfsig  aber  läfst  sich  eine  Beratung  der  erzbischöflichen  und  herzoglichen 
Räte  in  Köln  nicht  nachweisen.  In  dem  von  J.  Niesert  a.a.O.  S.  197 ff. 
veröffentlichten  undatierten  Konzepte  zu  einem  Schreiben  des  Bischofs  Franz 
an  den  Erzbischof  von  Köln,  das  die  Ernennung  der  Herzöge  in  Münster 
bereits  erwähnt,  also  zeitlich  nach  dem  3.  Mai  fallen  mufs,  heifst  es  nur: 
„Mith  den  kindem  und  wyvem,  de  tuschen  de  stadt  und  blockhuiser  gele- 
gen, zinth  wy  vast  hoich  beswert  und  mith  den  oversten  und  kriges- 
luden  etlige  dage  in  ratslag  gestanden,  wat  woge  mith  denselven 
voir  to  nemen  . .  .**  Aus  den  Akten  steht  jedoch  andererseits  fest,  dafs 
sowohl  Bischof  Franz  wie  auch  Wirich  v.  Dhaun  sich  aufser  an  den  Land- 
grafen auch  noch  an  andere  Fürsten  um  Rat  wandten.  So  schreibt  der 
Bischof  am  26.  April  aus  Wolbeck  an  seine  auf  dem  Tage  zu  Worms  an- 
wesenden Räte  (Konzept  im  St.-A.  M.),  sie  sollten  die  Meinung  der  Reichs- 
stände  einholen,  wie  mit  den  Ausgefallenen  zu  verfahren  sei.  Am  1.  Mai 
bat  Wirich  zusammen  mit  den  Kriegsräten  den  Erzbischof  von  Trier  um 
seine  Ansicht.  Die  Antwort  vom  7.  Mai  (Orig.  im  St.-A.  Düsseldorf)  empfahl 
möglichst  schonendes  Vorgehen.  Sicher  ist  noch,  was  auch  Kerss.  gleich 
weiter  unten  berührt,  dafs  die  Angelegenheit  auch  den  Münsterschen  Land* 
tag  beschäftigt  hat. 


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Anno  1535  acta.  813 

pellantar,  ubi  maritos  suos  aliosque  sangnine  sibi  innctos  ad 
capiendnm  regem  reliqnaqne  praecipna  factionis  capit^  commo- 
veant,  qnibns  principi  traditis  nrbeque  reclnsa  sibi  reliqnisqne 
oppidanis  innocentibns  gratiam  comparent;  si  vero  ad  id  indnci 
non  possint,  nt  in  nrbem  revertantnr,  totam  mnltitndinem  egres- 
somm  hominum  Dickhausinm  per  equitatum  dednctam  noctumis 
dinrnisque  vigiliis  ita  ad  captam  nsque  nrbem  coercendam  et 
cnstodiendam,  ne  qnis  eomm  sese  snbdncat  neve  qnis  peregrinns 
ad  ipsos  colloqnendi  cansa  admittatnr.  Praeterea,  nt  diligens  et 
accnrata  tarn  inter  feminas  qnam  mares  inqnisitio  fiat,  spontene 
an  coacti  in  nrbem  transierint  vel  in  ea  remanserint,  an  ana- 
baptismo  addicti  fnerint,  qnid  de  eo  sentiant  etc.,  eo  certe  con- 
silio,  nt  innocentiae  parcatnr,  flagitiosi  vero  et  anabaptistica  labe 
contaminati  commeritis  snppliciis  secnndnm  ins  ^imperatorisqne  *p.  602, 
constitntiones  afficiantnr.  Ad  haec,  nt  ad  snpplicinm  destinatis 
doctns  et  pins  ecclesiastes  adhibeatnr,  qni  ipsos  ab  errore  ad 
veritatis  agnitionem,  a  deviis  in  viam  veram  per  scriptnram  sa- 
.  cram  revocet  et,  ne  salntis  aetemae  iactnram  faciant,  redncat. 
Postremo  dabitnr  opera,  ne  et  illi,  qni  t^nqnam  innocentes  Dick- 
bansii  conservandi  snnt,  concionatore  catholico  destitnantnr,  nt, 
si  forte  impietatis  reliqniae  ex  pristina  labe  in  ipsis  remanserint, 
stirpitns  eradicentnr  et  in  catholica  religione  confirmentnr. 

Ad  haec  consnlta  episcopns  noster  27.  Maii  respondet:  27.  MaL 
Aliqnot  centena  hominnm  plebeornm  capita  inter  nrbem  et 
castra  errantia  neqne  blandis  verbis  addnci  neqne  vi  nlla  cogi 
posse,  nt  in  nrbem  revertantnr;  se  hostili  gladio  malle  continno 
occnmbere,  qnam  ad  priores  aernmnas,  qnas  desemerint,  redire. 
Dioecesis  proinde  capita,  ad  qnae  potissimnm  hoc  negotium  per- 
tineat,  hinc  totnm  militare  concilinm  censiiisse  egressomm  ho- 
minnm mnltitndinem  datis  vadibns  in  diversas  regionis  partes 
spargendam  esse,  in  qnibns  se,  donec  inde  revocentnr,  mortis 
poena  non  parentibns  proposita  contineant,  ne  dioecesis  haec 
plnribns   degravetnr  snmptibns,    qnam   ferre   qneat*.    Mnltis 


')  Am  21.  Mai  schreibt  Justinian  v.  Holtzhansen  seinem  Vater  (M. 
G.-Q.  II,  335):  „Es  wirt  für  gut  angesehen  von  der  lantschaft,  ober- 
sten, auch  der  verordenten  chur-  und  fursten,  das  die  ausge- 
lauflfen  an  ein  odder  2  versichertter  ort  bis  zu  endung  der  handlung  be- 


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814  Anno  1535  acta. 

enim  impendiis  opus  esse  primnm  ad  vigilias  tarn  dinmas  quam 
noctnmas  peragendas,  deinde  ad  tantam  hominnin  multitndinem 
alendam,  quae  in  singolas  etiam  horas  transfugarum  nnmero  in- 
crementnm  sumptnra  sit. 
.28,  MaL  Princeps  ergo  28.  Mali  totam  illam  mnltitndinem  per  qnos- 

dam  bombardigeras  et  equitnm  turmas  ex  ergastnlo  illo  seu  regne 
nndique  concluso  liberat  Dickhausinmqne  transfert.  Sed  cnm 
mnlti  ntrinsqne  sexns  fame,  inopia,  aegritndine  vel  senio  fracti 
neqne  consistere  neqne  ingredi  possent,  qnadrigis  eo  devecti  sunt. 
Ibi  crimine  notati  ab  innocentibns  seiongnntnr  et  ultimo  snp- 
plicio  destinati  post  bidunm  plectnntnr,  insontes  vero  pactioni- 
bus  quibnsdam  obligati  praestito  iureinrando  et  datis  fideius- 
soribns  ad  diversa  dioecesis  löca  relegantnr,  fideinssores  antem 
pro  personarnm  dignitate  ad  certam  pecnniae  snmmam  exolven- 
dam  prineipi  loco  inramenti  se  obligant,  si  relegandi  a  fide  data 
recedant  et  pacta  in  minimo  violent*. 


haltten  werden,  und  inen  gnade  mitgetilt  werde.*  Ein  Münsterscher  Land- 
tag war  am  18.  Mai  zu  Dülmen  versammelt,  doch  gehen  die  im  St.-A.  M. 
üher  denselben  erhaltenen  Akten  in  Bezug  auf  diese  Angelegenheit  keinen 
Aufschlufs.  Wohl  aber  schreibt  der  Bischof  am  20.  Mai  aus  Iburg  seinen 
Räten  zu  Wolbeck  {flrig.  im  St.-A.  M.),  sie  sollten  dem  Obersten  und  den 
Kriegsräten  die  Beschlüsse  des  Landtages  in  Betreff  der  flüchtigen  Frauen 
mitteilen.  Er  sei  mit  ihnen  einverstanden.  Am  23.  Mai  schreibt  er  an  die- 
selben weiter  (Konzept  im  St.-A.  M.),  „dat  iw  ane  twivell  bewust,  wy  uns 
hirbevor  entslotten,  dat  wy  uns  der  gefangen  henforder  nicht  undernemen, 
noch  vel  weiniger  der  to  doen  hebben  wolden.  Derwylen  so  willet  denn 
verschaffen,  dat  sodane  gefangen  dem  oversten  togestalt,  der  to- 
versicht,  he  werde  sich  mit  denselven  der  gebor  to  holden 
wetten.  Der  gefangen  frouwen  halven  hebben  wy  dem  drosten  tor  Wol- 
beck unfse  gemoith  und  meinunge  geschreven,  dama  he  sich  to  richten.'' 
Der  bischöfliche  Befehl  an  den  Drosten  ist  nicht  mehr  zu  ermitteln. 

')  Am  29.  Mai  berichtet  Justinian  v.  Holtzhausen  seinem  Vater  (M. 
G.-Q.  II,  346);  „Die  wiber  und  kinder,  so  für  den  plocheusern  ligen,  und 
alten  mennem  bot  der  bischof  von  Munster  gefencklich  verwart,  und  ver 
burgschaft  hot,  wirt  ledig  und  gewonlich  des  bischofs  undersossen.  Mit 
den  ingelauffen  frembden  weibern  weis  ich  nicht,  wie  ers  halten  wirt.  Er 
wolt  den  last  uf  uns  geschoben  haben.  Wir  weiten  aber 
nicht  richter  und  hencker  sein  über  das  arm  folk.**  Am  aus- 
führlichsten erzählt  die  „Newe  zeittunge  von  Münster"  vom  3.  Juni  (bei 
J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  503  f.).    Danach  waren  seit  Pfingsten  (16.  Mai)  ,.an 


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Anno  1535  acta.  815 

*Pactiones  et  articuli  mulieribus  ac  senibns  Monasterio  egressis»p.  603. 
et  in  gratiam  quodammodo  receptis  propositi,  quos  singoli  nno 
propinqnorum  adhibito  et  inreiurando  interposito  se  servatnros 

recipiebant*: 

Primnm  anabaptismnm  et  omnes  ex  eo  articalos  manantes, 
per  qnos  seducti  seductaeve  sint,  ex  animo  abinrant  neque  se 
bis  in  postemm  adbaesnros  ant  ad  praeterita  delicta  reditnros, 
sed  cum  snperioris  vitae  resipiscentia  pie  et  Christiane  victuros 
pollicentur. 

Secnndo,  se  locnm,  ad  qnem  relegantnr,  sine  arbitrio  et 
volnntate  principis'  snb  poena  Ultimi  supplicii  non  mutaturos 
neque  se  apud  quenquam  hominem,  cuiuscunque  etiam  sit  aetatis, 
de  anabaptistica  secta  verba  facturos,  nedum  viam  ad  eam  prae- 
stituros  eamve  dicturos,  sed  hominum  multorum  commercia  ad 
tempus  se  evitaturos  promittunt. 


die  300  weiber,  one  die  kinder,  der  sie  vil  bei  sich  hatten,  darunter  waren 
nicht  mer  dann  sechs  alte  nienner  in  die  schantz,  aufs  der  stat  hungers 
halben  zusammen  gelauffen  . . ."  Auf  Befehl  des  Bischofs  wurden  sie  zum 
„teich  hausse"  gebracht.  „Und  wer  nu  von  den  selbigen  bürgejund  glauben, 
das  sie  sich  von  ihrem  glauben  zur  besserung  wollen  geben,  künnen  stellen, 
die  hat  man  zu  bnrger  banden  komen  lassen.  Also  das  der  mehre  teil  von 
selbigen  freunden  zu  banden  gestellt.  Es  seind  aber  noch  von  den  selbigen 
wol  an  die  70  zum  teich  haufs,  doch  des  Versehens,  sie  werden  von  iren 
freunden,  so  ein  teil  aufswendig  gesessen,  auch  der  mafsen  aufs  geborget. 
Nu  seind  in  den  zwejen  tagen,  die  weil  man  die  andern  weiber  zu  bürgen 
haben  komen  lassen,  widerumb  ungeferlich  wol  hundert  weyber,  so  auch 
vil  kleiner  kinder  bei  sich  haben,  in  die  schantze  angekommen.  Item  es 
hat  mein  gnediger  herr  von  Münster  auch  jetziger  zeit  14  oder  15  unge- 
ferlich gefangene  sitzen,  so  aufs  der  stat  Münster  komen  seint,  die  meins 
Versehens  der  mehre  teil  in  kurtz  sollen  gericht  werden.'' 

^)  Im  Ganzen  decken  sich  die  folgenden  Artikel  mit  denen,  die  in 
einem  Konzept  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A.  518/19  VI.  fol.  167b)  erhalten  sind 
und  die  Ueberschrift  haben:  „So  unse  gnedige  her  van  Munster  etc.  etlige 
frouwespersonen,  de  uth  Munster  gekomen,  uth  gnediger  bewegung  und 
sunderlingcr  bede  mith  willen  und  wetten  der  oversten  und  krigesreede  in 
gnade  und  Ungnade  upgenommen  und  deselven  eren  bloitzverwanten  und 
frunden  bes  to  entschap  dusser  belegerong  und  wideren  bescheitz  to  be- 
waren  und  in  gewifsheit  to  holden  ton  banden  leveren  und  bevellen  lathen, 
sallen  de  berorte  frouwen  vor  zick,  und  beneffen  ennen  er  frunde  und 
borgen  folgende  artickel  loven  und  schweren." 

')  Im  Artikel  heifst  es  nur:  „. . .  bes  to  wideren  bescheid  ..." 


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816  Anno  1535  acta. 

Tertio,  äi  vero  demonstratam  fnerit  se  qnenqnam  cuios- 
libet  aetatis  hominem  verbis,  factis,  scriptis  ant  qnalibet  aUa 
Tätione  post  hanc  relegationem  anabaptismnm  docnisse  ant  pro- 
pagasse  \  continno  poenas  bene  commeritas  se  datnros  recipinnt  ^ 

Quarto,  recnperata  per  Dei  gratiam  civitate  Monasteriensi, 
etsi  remissionem  delicti  mereantnr^,  se  pnblicam  impietatis  et 
admissi  sceleris  poenitentiam,  qnalemcnnqne  sibi  princeps  impo- 
snerit,  libenter  actnros* 

Quinto,  omnes  articnlos  snperiores  snb  privatione  vitae  et 
aetemae  salntis  se  servataros,  neqne  se  eos  verbis,  factis,  scriptis 
ant  qnacnnqne  sinistra  machinatione  clam  palamve  neqne  per 
se  neqne  per  alios  oppngnatnros  neqne  ^  se  adversns  eos  ab  nllo 
magistratn  ecclesiastico  sen  profano  privileginm  nllnm  impetra- 
tnros  inreinrando  affirmant. 

Uberstenins  reliqniqne  militiae  praefecti  cnm  incredibilem 
miseriam  et  calamitatem  in  nrbe  esse  a  transfngis  illis,  qnos  fames, 
nt  dictnm  est,  expnlerat,  accepissent,  ad  deditionem  oppidanos 
fore  nnnc  proniores  existimant.   Proinde,  nt  sangnini  parcatnr^, 


^)  Der  Artikel  setzt  hinzu:  „off  der  wederdoep  wederamme  byfeUe 
und  de  to  vertedigen  understonde.* 

*)  Im  Artikel:  „. . .  alsdan  sali  de  persone,  alsbald  men  des  innen 
werde,  tor  stnndt  on  aUe  inredde  weder  an  nnsen  g.  h.  eder  s.  f.  g.  bevel- 
hebber  tor  straeff  und  tor  plaitz,  waerhen  men  de  benompt,  in  behafftong 
gestalt  werden/ 

^)  Im  Artikel:  „und  de  persone  alsdan  uff  midier  tyth  des  leventz 
begenadet  worde  . .  .** 

*)  Das  Folgende  ist  in  dem  Artikel  nicht  enthalten.  Bei  Eerss.  fehlt 
aber  der  Schlufssatz :  „Des  sollen  zick  ock  de  borgen  na  einer  jder  persone 
gelegenheit  verplichten  und  an  ede  stadt  geloTen,  mith  einer  nompligen 
summa  gelden  u.  g.  h.  verfallen  to  sjne,  so  in  dussen  vorg.  artickeln  aUcn 
off  einen  jderen  in  sunderheit  overfaren  unde  nicht  geholden  worde.** 

^)  Ein  wahrhaft  furchtbares  Bild  von  der  in  der  letzten  Hälfte  des 
Mai  und  in  den  ersten  Tagen  des  Juni  massenhaft  vollzogenen  Tödtung  der 
aus  der  Stadt  Flüchtigen  giebt  die  „Newo  zeittunge  von  Münster**  a.  a.  0. 
Mit  einer  Uebertreibung  haben  wir  es  da  wohl  kaum  zu  thun.  Die  Zahl 
der  Fliehenden  war  sehr  grofs  (vgl.  H.  Gresbeck  S.  173  u.  189,  sowie  den 
Brief  Justinian's  v.  Holtzhausen  an  seinen  Vater  vom  21.  Mai  [M.  G.-Q. 
II,  335]),  und,  wie  wir  wissen,  wurde  den  ausgefallenen  M&nnem  in  der 
Regel  keine  Gnade  gewährt.  Noch  am  8.  Juni  schreibt  Justinian  dem  Rate 
seiner  Vaterstadt  (M.  G.-Q.  II,  351):   „Der  lauffen  deglichs  vil  aus.    Es 


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Anno  1535  acta.  817 

Scripte  30.  Maji  in  lurbem  misso  *  ipsos  itermn  admonere  ntüe  (i.  Jnni.) 
Visum  est,  nt  deposita   impietate  serio  resipiscant  et  civitatem 
ad  gratiam  poenamqne  dedant;  si  vero,  nt  id  faciant,  sibi  per- 
suaderi  non  sinant,  viros,  mnlieres  *paerosqne  in  nrbe  retineant  ^p.  eoi. 
neque  eos  egredi  permittant,  alioqni  se  eos  infestissimorum  ho- 
stinm  loco  habituros  *.    Ad  haec  oppidani  2.  Innii   respondent «.  Juni, 
in  hunc  modum^: 

,,Qnanqnam  responsnm  a  nobis  non  postnlatis  memores 
sine  dubio  superioris  praemeditati  et  constantis  responsi  nostri^, 
ut  tarnen  mentom  nostram  plenius  assequamini,  pro  constanti 
et  immutabili  responso  habetote:  Nos  ita  erga  veritatem,  quae 
per  Dei  gratiam  apud  nos  fulget,  affectes  et  animates  esse,  ut 
eam  totis  viribus  ad  extremum  etiam  vitae  halitum  tueri,  pro- 
pugnare  eique  adhaerere  decretum  sit  nobis,  nisi  ea  a  vobis  aut 
aliis  quibuscunque  validioribus  scripturarum  arietibus  convel- 
latur  et  ezpugnetur.  Bidiculum  profecto  ac  stultum  esset,  cum 
nullius  flagitii  simus  nobis  conscii,  etsi  a  vobis  falso  insimu- 
lamur,  nos  nondum  convictes  culpam  agnoscere,  delictum  de- 
precari,  hostium  gratiam  implorare  et  in  arbitratum  illorum  nos 


sent  in  vier  tagen   bis  in  die  200  man   erschlagen/    Vgl.  auch 
H.  Gresbeck  S.  199. 

')  Das  Schreiben  erging  erst  am  1.  Juni.  Eerss.  hat  es,  chrono- 
logisch ganz  ungenau,  bereits  oben  S.  761  f.  mitgeteilt,  aber  aus  einem  un- 
datierten Entwürfe,  der  seinen  Ursprung  wohl  in  der  bischöflichen  Kanzlei 
hat  und  von  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  437  ff.  abgedruckt  ist.  Eine  gleich- 
zeitige Kopie  des  wirklich  abgesandten  Schreibens  befindet  sich  im  Stadt- 
archiv zu  Frankfurt  a.  M.,  eine  Abschrift  danach  im  St.-A.  M.  Inhaltlich 
deckt  sich  das  Schreiben  mit  dem  Entwürfe,  ist  aber  in  der  Form  kürzer. 

^)  Im  Schreiben :  „So  ir  aber  solchs  zu  thun  nit  gemeint,  so  warnen 
und  bevellen  wir  euch  hieruff  zum  aUer  emstlichsten,  euer  mans  personen, 
weyb  und  kindt  in  der  stadt  zu  behalten,  hinfurter  nit  mehr  hierufs  zu 
khomen.  Wo  dar  über  jemand  begriffen,  nemant  ufsgenomen,  wellen  wir 
dieselben  als  unsere  höchste  feind  zum  aller  emstlichsten  verfolgen  lassen." 

»)  Orig.  im  St.-A.  M.  Abgedruckt  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  431  ff. 
Auch  dieses  Schreiben  ist  von  Kerss.  schon  früher,  aber  an  ganz  unrechtem 
Orte,  verwertet  worden.    Vgl.  oben  S.  796  f. 

*)  Das  Schreiben  giebt  hier  ganz  kurz  den  Inhalt  der  Briefe  an,  die 
von  den  Inhabern  Münsters  am  14.  Jan.  auf  das  Schreiben  der  Coblenzer, 
am  10.  Mai  auf  das  der  Wormser  Stände  eingesandt  worden  waren. 

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818  Anno  1535  acta. 

dedere.  Si  Christi  nomen  digne  circnmferre  velitis,  de  qao  satis 
arroganter  gloriamini,  Christiane  iure,  qnod  saepe,  sed  frustra, 
postnlavinins,  nobiscom  ageretis,  accnsatis  et  in  crimen  Tocatis 
coram  iudicibns  incormptis  et  non  snspectis  defensioni  daretnr 
locus.  Sed  frustra  haec  qnerimur.  Divinitus  enim  haec  fieri 
Daniel  7  ^  nobis  praefignravit.  Nam  sie  bestia  qnarta  qnartam 
terrae  monarchiam,  hoc  est  Imperium  Bomanum,  praesignificans 
sanctos  Dei  conculcat ;  sie  haec  bestia  est  affecta,  ut  nuUi  legi- 
timae  defensioni  det  locum,  sed  pro  sua  libidine  et  tyrannide 
sanctos  Dei  conculcet,  comminuat,  mactet,  perdat,  latrocinetur, 
interficiat  ac  devoret,  cum  si^*  ultima  quartae  bestiae  tyrannis 
longo  a  prioribus  tribus  bestiis  diversa  onmia  comminuens  et 
pedibus  conculcans.  Legantur  omnium  Patrum  et  historicomm 
scripta,  et  non  invenietur  tyrannis  similis  in  causa  fidei  circa 
sanctos  Dei,  quam  huius  bestiae  temporibus.  Et  quod  horribilius 
est,  iudices  et  praefecti  huius  bestiae,  etiamsi  sciant  se  inno- 
centes  et  sanctos  Dei  opprimere,  tamen  a  cmdelitate  et  sanguinis 
effusione  ex  destinata  quasi  malitia  in  gratiam  bestiae  sibi  non 
temperant,  ne  veritas  in  suam  ipsorum  pemiciem  emergat  et 
populum  ad  vindictam  commoveat.  Testes  evangelii  ita  sub  pe- 
dibus pressos  tenent,  ita  linguas  ipsorum  praecidunt,  ita  ora 
obturant,  ita  tibiis  tympanisque  obtundunt,  ut  ipsos  in  defen- 
sionem  sui  exurgere  non  sinant;  atque  hoc  illud  est,  quod  Pro- 
*p.  605.  pheta  dicit*:  „residuum  pedibus  suis  conculcans."  *  Christus 
etiam  in  evangelio  Matthaei  24^  haec  praedixit.  „Erit,"  inquit, 
„tunc  afflictio  magna,  qualis  non  fuit  ab  initio  mundi  ad  hoc 
usque  tempus  neque  fiet."  Et  eodem  capite*:  „Abominatio  de- 
solationis  stabit  in  loco  sancto."  Quod  iam  manifestum  evadii 
Nam  sanctum  Christi  nomen  locumque  sibi  arrogant,  horrendam 
tamen  abominationem  sanctimoniae  fuco  super  terram  commit- 
tunt.  Quare  si  neminem  causae  nostrae  ratio  moveat,  si  nulla 
purgatio  nostri  permissa  fuerit,  sed  bestiae  pedibus  concolcati 
fuerimus,  si  id  Deo  ita  placuerit,  exempla  tolerantiae  Sanctomm 
Dei  nostras  afflictiones  consolabuntur  levioresque  facient,  donec 

o)  M8.:  sie. 


»)  Vgl.  besonders  Vers  7, 8  u.  23  ff.  —  •)  Daniel  7,  7.  —  »)  Vers  21.  — 
*)  Vers  15.    Vgl.  auch  Daniel  9,  27. 


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Anno  1535  acta.  819 

lapis  ille  angularis  pedes  bestiae  aeneos  conterat  et  regnnm  atque 
potestatem  et  magnificentiam  regni  subter  nniversnm  coelnm  po- 
pulo  sanctomm  excelsorum  dederit  \  Ad  id  vero,  quod  scribitis, 
nee  viros  nee  mnUeres  neqne  pneros  plnres  emitteremns,  alioqui 
vos  eum  iUis  vestro  more  aeturos,  respondemus  nos  nnllos  vobis 
misisse  neque  missnros  esse,  sed  eos,  qni  sponte  sna  a  nobis 
recedere  postulant,  abire  permittünns,  etiamsi  sciamus  ipsos  nihil 
boni  nobis  praestituros,  imo  vobisenm  omne  malnm  eontra  nos 
exeogitaturos  et  moturos.  Cum  illis  igitur  agite  vestro  more, 
quieqnid  animns  vester  snaserit,  qnicqnid^  bestia  haee,  enins 
praesides  estis,  snggesserit!  Nos,  ut  non  areemns  eos  a  nobis, 
qui  familiaritatis  conciliandae  gratia  ad  nos  veninnt,  ita  quoque 
neminem  invitum  retinemus,  qui  abeundi  faeultatem  efflagita- 
verit,  etiamsi  tanquam  hostis  a  nobis  sit  eaptus.  Haec  ex  abun- 
danti  respondere  ea  mente  voluimus,  ut  hae  postrema  et  immu- 
tabili  responsione  satiati  nullam  a  nobis  postbac  exigatis.  Non 
enim  tam  sumus  rüdes  et  rerum  imperiti,  ut  ehristianos  vestros 
animos  non  inteUigamus  et  quam  certa  sit  eommeatus  vestri 
securitas  et  promissa  fides.  Datum  sub  signo  civitatis  nostrae 
post  inearnationem  Filii  Dei  Jesu  Christi,  Domini  nostri,  1535 
secundo  lunii.*' 

Dum  haec  mutuis   scriptis  aguntur,    interea  die  11.  Mail  n.  Mai, 
circa  oetavam  vespertinam  magna  fuit  retinetorum  Amstelrodamae 
ad  liberandum  ab  obsidione   Monasterium  coUuvies',  qui  oecu- 
pata  curia  eam  civitatem   pro  asylo  et  receptaeulo   suae  feeis 
habituri  erant.    Sed  cum  in  eo  motu  alterum  consulem*  eum 


")  Vgl.  Daniel  2,  34  ff.  u.  7, 27.  —  «)  Dieser  Satz  ist  Zuthat  Keras.'s. 

')  Vgl.  zn  dem  kurzen  Bericht  Kerss.'s  über  den  Aufruhr  in  Amster- 
dam, zu  dessen  hervorragendsten  Führern  der  von  Johann  v.  Leiden  aus 
Münster  entsandte  Johann  t.  Geel  gehörte  (s.  Johann's  Bekenntnisse  bei 
J.  Nieser t:  Ü.-S.  1.  S.  182  und  M.  G.-Q.  II,  374;  s.  auch  oben  S.  758 
Anm.  1),  die  ausführliche  Erzählung  bei  L.  Horte n sin s  S.  58ff.  Zur 
Sache  s.  besonders  C.  A.  Cornelius  in  den  „Abhandlungen  d.  bist.  Kl.  d. 
Kgl.  bayer.  Akad.  d.  Wissensch."*  Bd.  11  Abtlg.  2  (München  1869)  S.  70  ff. 
und  L.  Keller:  G.  d.W.  S.  278 f. 

*)  Es  war  Petrus  Colinus.  Siehe  L.  Horten sius  S.  63.  Den  Tod 
des  Bürgermeisters  erwfthnt  auch  Justinian  v.  Holtzhausen  in  seinem  Be- 
richte über  den  Aufstand  an  seinen  Vater  vom  2t.  Mai  (M.  G.-Q.  11,337). 

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820  Anno  1535  acta. 

vigilibus  occidissenty  cives  prima  formidine  deposlta  adTersns 
hos  arma  capiunt,  cnriam  cnm  civitate  ferro  recuperant,  retinctos 
«p.  eo6.  ^<^<^i3is  ^7^  capiunt,  *quonim  qnosdam  gladio  ferinnt,  qnosdam 
snspendio  ingiQant,  qnosdam  aqnis  snffocant,  qnosdam  evnlso 
corde  vivos  laniant    Irritns  proinde  fuit  eomm  conatns. 

Dnm  plebs  lacrimis,  üme  et  Inctibns  miseris  modis  se 
conficit,  rex  choreis,  Inxn  et  caedibns*  pro  libidine  indnlget 
Kam  Joannes  Inliacns,  signifer,  cnm  a  mnltis  accnsaretor,  qnod 
defectionem  clancnlariam  moliretnr  et  verba  seditionem  spirantia 
in  vnlgns  sparsisset,  ex  vincnlis  cansam  a  rege  dicere  inssns  est 
nie  vero  in  carcere  cnm  Christophoro  Schonhovio,  signifero,  qni 
et  ipse,  qnod  anabaptisticae  impietati  restitisset,  ibidem  captns 
detinebatar,  in  defectionem  conspiravit.  Qnare  fortnnae  sese 
committentes  effracto  carcere  nrbe  qnoqne  se  elabi  posse  speraot. 
At  Schoenhovins  Inliaco  capto  evasit,  apnd  qnem  signnm  mili- 
11.  Mal.  tare  convolntnm  et  in  sinn  abditnm  reperinnt.  Proinde  11.  die 
Maii  capite  plectitnr*. 


0  »Viginti  octo  ex  anabaptistis  ea  nocte  occubuenmt,''  sagt  L.  Hor- 
ten eins  S.  66.     „Inter  cives  viginti  sunt  desiderati.^ 

*)  Wenn  auch  H.  Gresbeck  wiederholt  berichtet,  dafs  Johann 
schon  früher  eigenhändig  Hinrichtungen  vollzog,  so  sagt  er  doch  S.  89 
noch  ganz  besonders :  «üp  dat  leste,  so  plach  der  konningk  mede 
tho  richten."  Johann  selbst  gesteht  freilich  nur  zu,  er  habe  höchstens 
8  mit  seiner  Hand  geköpft  (vgl.  seine  Bekenntnisse  bei  J.  Nies ert  a.a.O. 
S.  181  und  M.  G.-Q.  II,  874).  Die  aus  Münster  Flüchtigen  wufsten  jedoch 
anders  zu  erzählen.  Am  21.  Mai  schreibt  Justinian  v.  Holtzhaasen  seinem 
Yater  (M.  G.-Q.  II,  33G):  ,.,Er  bot  neulicher  tag  vier,  so  herausfallen  wolten 
und  Widder  sein  regiment  geret  haben,  mit  eigner  haut  gericht  und  sei 
diesse  wort  dartzu  geret  haben,  wie  man  glublich  sagt  im  leger,  auch 
etzlich  gefangen  bekant  haben,  also  wolt  er  aUen  weltlichen  fursten  thun, 
konnig  und  keissem.'' 

*)  Dieselbe  Sache  berichtet  ausführlich  H.  Gresbeck  S.  192  ff.  Er 
nennt  die  Namen  der  Fähnriche  nicht,  sondern  sagt  nur:  ^Der  eine  ven- 
dreger  was  ein  HoUender,  der  ander  was  ein  Gulicher."  Auch  fehlt  bei 
ihm  eine  genauere  Zeitangabe,  doch  setzt  er  die  Hinrichtung  des  einen 
Fähniichsl  auf  den]|  derj^mifsglückten^  Flucht  unmittelbar  folgenden  Tag. 
Kerss.'s  Datum  ist  wohl  nicht  das  richtige.  Denn  nach  einem  Schreiben 
Wirich's  v.  Dhaun  vom  27.  April  an  den  Bischof  Franz  (Orig.  im  St.-A. 
M.)  sagte  derselbe  aus  Münster'  flüchtige  Knabe,  der  Auskunft  über  die 
Hungersnot  in  der  Stadt  gab  (vgl.  oben  S.  797  Anm.  2),  aus,  „des  nechst 
verliden  soders  tag"  (24.  April)  „am  abent  . . .  sej  ein  knecht  ufs  Munster 


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Anno  1535  acta.  821 

Henricns  fiadanns,  qni  bis  exenndi  facnltatem  a  rege  im- 
petraverat  et  bis  receptns  est  in  gratiam,  nunc  tandem  clancn- 
liim  a  communitate  Christi  deficere  machinatar  et  cnm  Andrea 
Coloniensi  negotiatns  est,  a  quo  sibi  gladium  et  thoracem  emit. 
Praeterea  liberum  exenndi  commeatnm  pro  Andrea  Coloniensi  id 
petente  ab  episcopo  se  impetratnrum  recipit.  Quare  nterqne 
captns  et  12.  Maii  capitali  sententia  damnatns  est^  is.  mkl 

Item*  nxor  Henrici  Grassii  propter  mariti  sni  in  regem 
scelus  neque  exilii  iudicio  condemnata  neque  conunnnitate  re- 
tinctorum  eiecta  clancnlnm  egredi  conatnr.  Ideoqne  vestibus 
alüsque  omamentis,  qnantnm  potest,  se  comit.  Gterdrudis  etiam, 
magistri  Conradi  cbimrgi  coniunx,  a  fide  anabaptistica  deficit, 
marito  obstrepit  et  ab  eo  clam  annonam  secnm  anferens  diyertit, 
pecuniam  et  argentnm  contra  reginm  edictnm  apud  se  recon- 
ditnm  habet  neque  in  commune,  sicut  alii,  defert,  varia  supel- 
lectilia  in  fundo  domini  Dungellii  defossa  esse  reticet.  Quare 
utraque  deprehensa  eodem  die,  nempe  12.  Maii,  in  monte  Syonis, 
hoc  est  campo  dominico,  decollatur. 

Albertus  natione  Frisius,  cum  in  animo  haberet  se  episcopo 
portam  aliquam  urbis  et  pecora  in  regno  pascentia  traditurum 
et  ad  eam  rem  secum  conficiendam  aliquot  oppidanos  sollicitaret, 
ab  iisdem  prodltus  8.  lunii  iugulum  gladio  incidendum  praebuit'.  s.  jnnt 


gefoUcn,  heis  Christophel  von  SchonhofFen,  sey  dis  gantz  jar  ein  venderich 
darin  gewest;  und  als  er  ufsgefoUen,  hab  er  das  venlin  mit  genomen,  aber 
er  hab  solchs  venlin  in  dem  graben  müssen  lassen,  er  der  knecht  hinweg 
khomen.  Ist  zu  erachten,  das  derselbig  knecht  durch  der  lucken  ein,  die 
noch  nit  zugemacht,  hinweg  khomen  must  sein.''  H.  Gresbeck  bemerkt 
S.  194:  „Und  der  ander  vendreger  was  enwech  gekhomen  mit  dem  Tenlein.** 

^)  Unmittelbar  an  die  Erz&hlung  von  der  Hinrichtung  des  einen 
Fähnrichs  knüpft  auch  H.  Gresbeck  S.  194  den  Bericht:  „So  heft  der  ko- 
ningk  kort  daima  noch  twein  lansknecht  dat  hoevet  af  lalen  schlain.  Die- 
selve  hedden  noch  gelt  gehat,und  der  eine  hadde  dem  andern 
wat  afgekoft.   Darumb  meisten  sie  sterven.**   Vgl.  oben  S.  768  Art  16. 

*)  Das  Folgende  ist  nur  durch  Eerss.  bekannt 

')  Yergl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  170:  „So  iss  einmail  gewest  ein 
Frese,  gnant  der  lange  Albert  Derselb  was  der  koningkinnen  dravante. 
Der  wolde  hebben  up  ein  mail  alle  die  koe  na  dem  blochuifs  geiaget,  na 
den  lansknechten,  up  dat  hei  hedde  gefangen  worden,  und  dat  hei  hedde 
dat  leven  beholden.  Dit  woert  der  koningk  gewar  und  liet  denselven  Fresen 


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822  Anno  1535  acta. 

•p.  607.  *Anna  Bodehosiana,  cum  marito  semper  rebellis  esset  et 

obstreperet  eo,  qnod  aliam  et  iuniorem  se  dnxisset  nxorem,  re- 
prehensa  antem  a  marito  adeo  foiiis  agitabatnr,  nt  maledictis 
dirisqne  ipsnm  devoYeret  et  correpta  sella  cranio  mariti  mina- 
retnr,  nisi  eam,  quam  diixisset,  a  se  abigeret  Haec  rebellio 
poena  gladii  digna  visa  est;  ideoqne  capitis  snpplicinm  eodem 

8.  Juni,  die,  nempe  8.  Innii,  pertnlit  K 

Nicolaus  Sniderus  Northomanus,  cum  uxorem  suam  ad 
episcopum  et  satrapam  Stromburgicum  cum  literis,  quibns  sa- 
lutem  et  officium  hostibus  suis  precaretur  et  offerret,  ablegasset, 
praeterea  literas  ad  Stedingum  destinatas  cuidam  confratri  suo 
deterendas  credidisset,  at  ille  non  Stedingo,  sed  regi  eas  obtu- 

9.  Juni,  lisset,   patcfacta  autem  proditione  9.  lunii  gladio  caesus ',  inde 

in  tredecim  partes  dissectus  misere  vitam  finivit^ 


fangen  und  heve  ime  selyer  dat  hoeyet  af.  Diese  Frese  wolde  dit  doin  von 
grotem  hunger  und  kammer;  anders  was  hei  ein  recht  wiederdoeper,  glick 
als  der  koningk  und  die  andere  sein  lansleni.**  Ob  dieser  Friese  Albert 
identisch  ist  mit  dem  „groit,  lanck  man''  Albert  oder  Beneventora  de  Bene- 
Ventura,  der  nach  dem  Geständnisse  des  Job.  Eettel  van  Tiel  vom  6.  Dez. 
1534  mit  3  Genossen  Proviants  wegen  nach  Friesland  gesandt  wurde 
(vgl.  oben  8.  735  Anm.  2)? 

*)  Vgl.  hierzu  die  oben  8.  688  Anm.  1  aus  den  Geständnissen  der 
beiden  Knaben  Herm.  Mollenhecke  und  Job.  Huttman  vom  8.  Juni  ange- 
führten Beispiele  der  Bestrafung  von  Frauen. 

*)  üeber  diese  Begebenheit  haben  wir  weitere  Berichte  von  H.  Gres- 
beck  S.  171  f.,  von  Justinian  v.  Holtzhausen  im  Briefe  an  seinen  Yater 
vom  29.  Mai  (M.  G.-Q.  II,  344)  und  in  der  „Newen  zeittunge  von  Münster'' 
(bei  J.  Nieser t:  Ü.-S.  IX.  8.  501  f.).  Justinian  v.  Holtzhausen  erzählt 
nach  den  Aussagen  zweier  Gefangener  aus  Münster,  ,,sent  dobei  gewesen, 
gebort  und  gesehen.^  Danach  schrieb  ,,Clos  Korthom^  an  Wilkin  Steding, 
und  „als  der  Glos  kein  antwurt  bekam,  schrib  er  noch  ein  brif,  und  der 
konnig  wart  es  gewar,  lies  in  griffen  und  lafs  ime  den  brif  für.*  Die  „Newe 
zeittunge'*  und  H.  Gresbeck  geben  als  Inhalt  der  Briefe  das  Anerbieten 
an,  Mittel  und  Wege  zur  Eroberung  der  Stadt  zu  verraten.  Nach  allen 
drei  Berichten  vollzog  der  König  die  Hinrichtung  selbst.  Das  von  Eerss. 
dafür  gegebene  Datum  ist  falsch.  Die  „Newe  zeittunge"  setzt  das  Ereignis 
unbestimmt  „in  der  wochen  nach  Ezaudi'*  (9.  Mai),  Justinian  v.  Holtz- 
hausen hat  die  genaue  Zeitangabe:  „dorstag  noch  Pingsten**  (20.  Mai).  Die 
„Newe  zeittunge''  nennt  den  Verräter  „Claus  von  Nortwalde*,  H.  Gresbeck 
sagt:  „Clais  Northornne,  und  was  ein  burger  in  der  stat  Monster." 

')  Nach   den  drei^  angeführten  Berichten  wurde  der  Leichnam  in 


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Anno  1535  acta.  823 

loannes  Ploer,  coriarii  minister,  defectionem  potius  clan- 
Gulariam  meditari  voluit,  quam  a  rege  exeundi  facnltatem  petere, 
quam  tarnen  cum  cansae  cognitione  in  eo  mense  permittebat  ^. 
Ideo  captus  et  10.  die  lunii  gladii  poenae  adindicatnr.  lo.  Juni. 

Alexander  Buschoducensis,  reginae  hemerodromus,  defectio- 
nem agitans  anrenm  annnlnm  sibi  a  domina  sna  donatum  soleae 
sinistri  pedis  pro  viatico  snffixit.    In  quo  forto  cum  deprehen- 
deretnr,  11.  lunii  ad  viridem  quercum  in  monte  Syonis  suspen-  n.  Juni, 
sus  interiit^ 

Elizabeth  Wantscherers  a  crebra  maritali  consuetudine  ab- 
horrens  Beineri  Hardewiceni,  prioris  sui  mariti,  mores  aversata 
effugit  et  haud  procul  a  Clivicis  castris  extra  urbem,  ubi  sese 
condiderat,  reperta  in  urbem  reducitur  et  marito  reconciliatur. 
Post  dies  vero  paucos  marito  mortuo  Augustino  Torrentino  co- 
gnomento  Cloterbemdt  nubit,  quem  cum  ferro  non  posset,  di- 
Yortium  regia  auctoritate  fieri  postulat  querens  se  patris  saevitia 
ad  hoc  connubium  compulsam.  Quod  cum  pater  in  consilia 
regis  verum  esse  affirmaäset,  divortium  approbatur.  Obiurgatur 
tamen  puella  a  patre  levitatis  et  quod  obedientiam  marito  sua 
debeat.  „Nequaquam,"  inquit  illa,  „virum  enim  in  hac  urbe 
non  esse  existimo,  qui  me  domiturus  sit!"  Quae  puellae  pro- 
tervia  cum  ad  regem  esset  delata,  continuo  eam  in  carcerem 
coniici  iubet.  Inde  biduo  exacto  eam  ad  se  duci  praecipit.  Et 
cum  puella  liberaliori  forma  *esset:  „Si,"  inquit  rex,  „posthac^p.  608. 
in  obedientiae  et  verecundiae  officio  te  continere  voles,  ego  te 
in  uxorem  duxero."  Ad  quae  Elizabeth :  „Si,"  inquit,  „rex  illu- 


zwölf  Stücke  zerhauen  und  jedes  Stück  aoTserhalb  der  Stadt  aufgeh&ngt. 
Den  Kopf  liefs  der  König  auf  einer  Stange  auf  den  Turm  des  Domes  stecken. 
„Als  er  gericht,"  setzt  dann  noch  Justinian  v.  Holtzhausen  hinzu  (ähnlich 
auch  H.  Gresbeck),  „. . .  nam  einer,  genant  mister  Glos,  ein  Holender  und 
prcdicant,  sein,  des  gerichten,  hertz  und  leber,  druge  das  heim,  kochet  ea 
und  ass." 

0  Vgl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  172  u.  189.    S.  auch  oben  S.  804 f. 

*)  So  berichtet  nur  Kerss.  In  der  „Newen  zeittunge  von  Münster" 
a.a.O.  S.  502 f.  findet  sich  noch  folgende  Notiz:  Am  27.  Mai  „hat  der  könlg 
seinen  locayon  auff  den  thumbhof  an  eine  linden  lassen  hangen,  derhalben, 
das  er  gesagt,  das  des  königs  lere  und  fümemen  wer  falsch  und  unrecht 
und  eytel  betrugk." 


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824  Anno  1535  acta. 

strissime,  eam  gratiam  ancilla  taa  in  ocnlis  regis  mei  consequi 
qneat,  nt  omnium  nzonim  regis  mei  pedes,  ant  si  qnid  abiectins, 
ablaat,  habebit  rex  mens  ancillam  snam  ad  haec  et  qnaevis  alia 
paratissimam.^  Invenit  ergo  gratiam  in  ocnlis  regis  et  facta  est 
non  lotrix,  non  pedisseqna,  sed  regia  coninnx  et  pro  ea  ad  sex 
fere  menses  habita^.  übi  vero  Elizabeth  impietatem,  Inxum  et 
efinsam  regis  libidinem,  qna  intemperantissime  exaestnabat,  po- 
pnli  vero  fame  perenntis  qnerelam  et  lacrimas  agnosceret,  res 
sibi  displicere  coepit.  Qnare  annnlos  et  reliqua  sibi  omamenta 
donata  restitnit  et  more  aliamm  exenndi  facultatem  'snppliciter 
petivit*.    Ad  qnam  rex:  „lam  tandem,"  inqnit,  „tua  iropostura 


')  Diese  Nachrichten  aus  dem  Leben  der  Elisabeth  Wantscherei,  die 
schon  oben  S.  658  als  eine  der  Frauen  Johann's  angeführt  wurde,  bietet 
nur  Eerss. 

*)  „Item  . . .  hat  der  könig,"  so  berichtet  die  „Newe  zeittunge  von 
Münster''  a.  a.  0.  S.  502,  „eine  seiner  haufsfrawen  der  Ursache,  das  sie  gerne 
mit  andern  weibem,  so  aus  der  stadt  gewichen,  gezogen  were,  eigner  person 
ir  haubt  abgeschlagen/  H.  Dorp,  der  auch  den  Namen  der  Unglücklichen 
nennt,  sagt  (Bl.  G  2) :  „Als  nu  der  hunger  . . .  gröfser  wardt  . . .,  sagt  eine 
von  den  Königinnen,  Eis  Gewandscherers  genant,  zu  den  andern  irer  mit- 
königinnen,  sie  gleubte  nicht,  das  dis  Gotts  wille  were,  das  man  das  arm 
volck  so  todt  schmachtet  odder  hungerte  ...  Dis  sagen  die  andern  köni- 
ginnen  dem  könig  an  . .  .**  Bei  Joh.  Fabricius  Bolandus,  der  zugleich 
mit  H.  Dorp  Quelle  für  Herm.  Hamelmann  S.  1272  f.  ist,  heifst  es  Bl.  Y  7: 

„Fama  fuit  miseram  solum  petiisse  libellum, 
Qui  rata  coniugii  solvere  iura  solet; 

Namque  novi  reputans  inamania  crimina  regni 
Hac  propere  tutam  captat  ab  urbe  fugam. 

Dixit  et  indignum  sibi  religione  videri 

Vera,  quod  miseros  enecet  atra  fames  ..." 
Auch  Justinian  y.  Holtzhausen  giebt  in  seinem  Briefe  vom  29.  Mai  an  seinen 
Vater  (M.  G.-Q.  II,  344)  an,  dafs  die  Frau  „bot  wollen  auslauifen."  Ver- 
einzelt steht  die  Erzählung  des  L.  Hortensius  S.  46:  „Uxorum  regiamm 
una,  civis  Monasteriensis,  iurgium  in  regia  adversus  unam  aliquam  thori 
sociam  moverat,  quod  ad  aliarum  ingenium  se  accommodare  noluisset.**  — 
Johann  selbst  äufsert  sich  in  seinem  Verhöre  am  25.  Juli  (s.  J.  Nies  er  t: 
U.-S.  I.  S.  löl ;  vgl.  auch  M,  G.-Q.  II,  373):  „Sein  wiff  ist  gekoppet  worden 
darumb,  dat  se  den  gloven  und  ehme  ungehorsam  ist  worden  und  van  ehme 
tredden  wolde."  Indem  C.  Heresbach  die  Hinrichtung  der  Else  Want- 
scherer  kurz  erwähnt,  fügt  er  (S.  23)  hinzu:  „Neque  hoc  (rex)  aliter  ex- 
cusabat  coram  principe  nostro**  (gemeint  ist  der  Herzog  von  Cleve),  „me 
cum  multis  aulicis  . . .  auscultante,   quam  quod  uxor  profugere  voluisset.* 


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Anno  1535  acta.  825 

et  frans,  tna  levitas,  inobedientia  et  rebellio  patescit.^  Eam 
itaqne  in  fomm  protractam  snis  manibns  in  conspectn  totins 
popnli  omninmqne  pellicnm  12.  lunii  gladio  ferit  pedibnsqne  m.  Jnnt 
cadaver  concnlcat.  Hac  caede  immani  peracta  reliqnae  pellices 
hjmnnm  ,,Gloria  in  excelsis^  cantiUant.  Inde  rex  cnm  anlicis 
snis  in  foro  pnblico  choreas  satis  lascivas  dncit  et  snnm  facinns 
impietate  decoUatae  pnellae  pnrgat.  „Scortnm,"  inqnit,  „erat 
et  ad  seditionem  semper  prona.  Ideo  Pater  eam  e  medio  toUi' 
inssit^" 

Hensnlns  EcMns  Langestratins,  exignae  statnrae  miles,  in- 
genio  yero  eximio  et  vaferrimo,  qni  ante  menses  aliqnot  desertis 


')  Diese  näheren  Umstände  der  Hinrichtung  giebt  Eerss.  in  lieber- 
einstimmnng  mit  H.  Dorp.  Yergl.  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus. 
Das  unbestimmte  Datum  bei  H.  Dorp  „nach  Pnrificationis  Marie"  (2.  Febr.) 
hat  Eerss.  zwar  verändert,  aber  nicht  richtig,  denn  die  Hinrichtung  fand 
bereits  im  Mai  Statt,  nach  der  „Newen  zeittunge'^  a.a.O.  „am  abend  des 
Herrn  leichnam**  (25.  Mai),  nach  dem  Briefe  des  Justinian  v.  Holtzhausen 
vom  29.  Mai  am  27.  Mai.  —  Ant  Cor  vi  n  behauptet  in  seinem  Schreiben 
an  6.  Spalatin  Bl.  A  4,  der  König  habe  die  Hinrichtung  vollzogen  „in  re- 
ginae  palatio,  fortassis  ut  caeteris  timor  incuteretur.  Quod  facinus  cnm 
ego  illi  post  perinde  atque  barbarum  ac  Scythicum  obiicerem,  respondit  se, 
quicquid  huius  fecerit,  iubente  atque  imperante  Propheta  fecisse."  Die 
gezwungene  Anwesenheit  der  übrigen  IiVauen  Johannas  erwähnt  ausdrück- 
lich noch  die  „Newe  zeittunge*'  und  fügt  hinzu,  unter  ihnen  sei  eine  ge- 
wesen, „die  ir  antlitz,  solchs  nit  anzusehn,  darvon  gewendet  bette,  der  wolt 
er  gleichermafsen  gethan  haben.''  Gerüchte  über  Unthaten  des  Königs 
mögen  genug  ausgesprengt  worden  sein.  So  schreibt  Justinian  v.  Holtz- 
hausen schon  am  21.  Mai  seinem  Vater  (M.  G.-Q.  11,  336),  und  das  ist 
unvereinbar  mit  seinem  späteren  Briefe,  der  König  habe  zwei  seiner  Frauen, 
„so  Widder  in  geret  haben,''  richten  lassen.  —  In  den  öfter  angeführten 
Bekenntnissen  der  beiden  Knaben  Herm.  Mollenhecke  und  Job.  Huttman 
vom  8.  Juni  (St.-A.  Marburg)  findet  sich  folgende  Aussage:  „Es  ist  war, 
das  der  konig  Johan  von  Leden  konig  ist  und  hat  14  frawen  gehabt.  Deren 
eine  hat  geheifsen  Anna  Wantscherersche.  Die  hat  im  ingeredt  ...  und 
wolt  hinaus.  Die  nam  der  konig  und  setzte  sie  in  den  keller,  das  ist  in 
das  gefengnus,  und  darnach  hieb  der  konig  selbst  ir  mit  eynen  degen  us 
seiner  rede  eins,  genant  Gert  von  Nygehus,  scheiden  den  köpf  ab.  Das 
hat  der  kleine  geseen.  Und  hab  nicht  reyn  abgehawen.  Da  kam  einer, 
heist  Ludger  Wechhacke,  der  schneidt  ir  den  köpf  völlig  ab."  —  Kurz  er- 
wähnt ist  die  Hinrichtung  noch  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  (M. 
G.-Q.  I,  335)  und  von  D.  Lilie  S.  236.  Sehr  auffallend  ist,  dafs  H.  Gres- 
beck  den  Vorgang  mit  keinem  Worte  berührt 


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826  Anno  1535  acta. 

castris  in  nrbem  transfagerat  statimque  a  rege  praefectns  yigilnm 
designatus\  cnm  se  aliosqne  plebeos  summa  rermn  pennria  la- 
borare  spemque  nullam  diu  expectatae  liberationis  superesse,  sed 
acerbiorem  vitae  sortem  et  nihil  nisi  extremam  desperationem 
imminere  animadverteret,  de  elabendi  ratione  cum  octo  aliis  mi- 
litibus  clanculum  consultat  \  Hi  certissimum  sibi  exitium  brevi 
impendere  videntes,  quod  evitare  non  queant,  nisi  se  aliqao  casu 
eripiant,  fortunam  ergo  tentaodam  esse  existimant,  aleam  laden- 
dam  et  periculum  anceps,  in  quo  spes  aliqua  evadendi  sit,  potius 
subeundum,  quam  spe  vitae  prorsus  destitui;  Deum  forte  coeptis 
•p.  609.  suis  aspiraturum.    Hi  itaque  circa  festum  Viti'  simul  urbe  *ela- 


*)  In  der  oben  S.  529  Anm.  2  citierten  „Reckenschop  und  nawisinge 
der  uthgiffte**  des  Hinricus  Flyncterinck  im  St.-A.  M.  heilst  es  zum  Jahre 
1534,  dafs  im  bischöflichen  Lager  „Hensseken  vhan  der  Langenstraten  gu- 
densdage  nha  den  sondage  Jubilate''  (29.  April)  „tho  eynen  schantzmeister 
verordent"  wurde.  Er  ging  später  zu  den  Münsterem  über  (vgl.  auch  oben 
S.  675  Anm.  2).  Nach  Angabe  der  „Hofordnung^  Johannas  v.  Leiden  hat 
ihn  Kerss.  oben  S.  649  unter  den  königlichen  Trabanten  aufgeführt  S.  auch 
den  Bericht  Wirich's  v.  Dhaun  auf  dem  Tage  zu  Worms  im  November  1535 
(M.  G.-Q.  II,  393).  —  Nur  der  Bericht  des  Herm.  v.  Mengersen  in  der 
„Newen  tzeittung**  BL  A2  (vgl.  P.  Bahlmann:  Bibl.  1535  Nr.  17)  ent- 
hält die  auch  von  Kerss.  hier  gegebene  Namensform  „Hans  Ecke  von  der 
langen  strafsen.**    Sonst  heilst  er  stets  nur  Hans  von  der  Langenstraten. 

*)  Nach  H.  Gresbeck  S.  194  entflohen  mit  Hans  von  der  Langen- 
strate  zusammen  noch  4  Andere,  darunter  H.  Gresbeck  selbst  und  einer^ 
„Hensken  von  Nimwegen.^  Die  Namen  der  Uebrigen  nennt  er  nicht.  Kerss. 
hat  von  der  wichtigen  Rolle,  die  H.  Gresbeck  bei  der  Eroberung  der  Stadt 
spielte,  offenbar  keine  Kenntnis.  Seine  Darstellung  beruht  hier  und  im 
Folgenden  teils  auf  mündlicher  Ueberlieferung,  teils  auf  den  schriftstelle- 
rischen Quellen,  die  ebenfalls  die  Vorgänge  durchweg  nur  von  einseitigem 
Standpunkte,  und  zwar  von  dem  des  bischöflichen  Interesses,  wiedergeben. 
YergL  dazu  die  Darlegungen  von  C.  A.  Cornelius  im  „EUstor.  Taschen- 
buch'' 5.  Folge  2.  Jahrg.  (Leipzig  1872)  S.  231  ff.  Von  den  gleichzeitigen 
Flugblättern  hat  nur  die  „Historia  der  bclegerung ..."  (abgedruckt  in  der 
Zeitschr.  17  S.  236  ff.)  H.  Gresbeck's  Wirksamkeit  berührt,  ohne  aber  seinen 
Namen  zu  nennen.  Später  giebt  Herm.  Hamelmann  S.  1279  zwar  an, 
dafs  H.  Gresbeck  Gnade  erlangte,  „quod  potiundae  urbis  rationem  osten- 
deret."  Aber  ganz  unzutreffend  fügt  er  sofort  bei:  „interim  Über  f actus 
non  satis  fidit  hosti,  sed  clam  aufugit"  Akten,  die  genaueren  AufschluDs 
hätten  geben  können,   hat  Kerss.  nicht  benutzt.    Vgl.  die  Einleitong. 

')  15.  Juni.  Dieses  Datum  ist  falsch.  Als  Tag  der  Flucht  steht  der 
23.  Mai  fest  durch  die  bestimmte  Angabe  H.  Gresbeck's  S.  194   und 


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Anno  1535  acta.  827 

bnntnr  et  dnm  diversis  in  locis  septa  regni  penetrare  molinntnr,  (ss.  Mai.> 
Septem  eonun  strepitn  imprudentias  concitato  a  vigilibus  noc- 
tnmis  excipiuntur  et  mactantnr.  Hensnlus  vero  et  Conradns 
Sobbins  multas  in  circnitn  vigilom  stationes  explorant  facilio- 
remqne  elabendi  locnm  perquinmt;  quo  invento  Sobbins  prior 
opns  agricolamm,  hoc  est  septnm  regni,  quo  tota  nrbs  circnm- 
ducta  erat,  transit,  sed  cum  aggere  sentibns  et  spinis  irretitus 
haereret,  strepitnm  concitat,  quem  ab  eqnis  in  regno  pascentibus 
fieri  vigiles  opinantnr  ideoqne  minus  de  eo  motu  solliciti.  Eva- 
dunt^  itaque  non  sine  coelesti  numine  feliciter,  ut  ille,  cuius 
consilio  et  auxilio  urbs  capi  debebat,  in  vita  conservetur,  ne  tot 
annorum  opus  et  labores  una  dies  flammis  perderet  Constitue- 
rant  enim  oppidani  absumpta  omni  annona  et  spe  amissa  Omni- 
bus praesidiis  destituti  opes  nrbis  in  aliquot  aedes  congerere  ac 
urbe  plurimis  in  locis  inflammata  armatam  eruptionem  facere 
fortunaeque  arbitrio  se  omniaque  sua  committere  ^  Hammonam 
cum  venissent,  Sobbius  sese  subducit.  Est  autem  Hammo  op- 
pidum  non  ignobile  terrae  Marcanae  in  confluxu  Lupiae  et  Azae 


Wirich's  v.  Dhaun  (M.  G.-Q.  II,  359  u.  393).  Auch  Justinian  v.  Holtzhauaen 
schreibt  am  1.  Juli  dem  Bäte  zu  Frankfurt  a.  M.  (M.  G.-Q.  U,  3G4),  dafs 
H.  Gresbeck  vor  der  Eroberung  der  Stadt  (25.  Juni)  4  bis  5  Wochen  ge- 
fangen gewesen  sei. 

')  So  ausführlich  berichtet  nur  Eerss.,  vielleicht  auf  Grund  münd- 
licher Tradition.  Er  allein  überliefert  den  Namen  des  Konrad  Sobbe,  den 
er  aber  gleich  weiter  unten  von  seinem  Genossen  sich  wieder  trennen  läfst. 
Aus  bester  Kenntnis  erzählt  H.  Gresbeck  S.  201:  „Hensken  von  der 
langer  Straten  qwam  seif  derde  über  die  schantze  und  qwam  dairvon.  So 
was  ein  bei  Hensken  bieben,  und  der  derde  was  seinen  wegh  gegangen,  so 
fro  als  sie  over  die  schantze  weren  gekhomen/  Die  übrigen  Quellen  er- 
wähnen den  Gef&hrten  nicht.  —  Schon  C.  A.  Cornelius  a.a.O.  S.  236 
that  die  innere  Unwahrheit  und  die  Sagenhaftigkeit  der  Erzählung  im 
„Warhafftigen  bericht*'  Bl.  A3  (Zeitschr.  33  S.  8 f.)  dar,  nach  der  Hans 
von  der  Langenstraten  sein  Entweichen  aus  der  Stadt  dadurch  ermöglichte,, 
dafs  er  dem  König  veiräterischer  Weise  vorspiegelte,  er  wolle  „praband 
und  drey  hundert  knecht  innerhalb  fierzehen  tagen  in  die  statt  lifferen.*' 
Ganz  ähnlich  schreibt  die  Munstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  336) 
und,  rhetorisch  ausgeschmückt,  Herm.  Hamelmann  S.  1279  f. 

^)  So  auch  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Z  1.  Sonst  spricht  nur 
noch  H.  Gresbeck  von  der  Absicht  der  Münsterer,  im  Notfall  die  Stadt 
einzuäschern. 


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828  Anno  1535  acta. 

situm.  Hensnlus  vero  Meinardi  Hammonii,  praeclarissimi  sui 
temporis  per  Gennaniam  militiae  ducis,  sub  quo  stdpendia  olim 
fecerat,  tecta  snbit  ibiqne,  nt  erat  homo  mediocriter  facnndas, 
quae  miseria,  qnae  calamitas  sit  tn*  urbe  Monasteriensi,  comme- 
morat^  quam  sint  inedia  et  fame  oppidani  attennati,  detuipatd, 
exhausti  et  fracti,  quam  viribus  destitnti,  nt  difBcile  non  fnerit 
exigna  militnm  mann  tota  nrbe  potiri;  se  inediae  et  calamitatis 
pertaesnm  elapsnm  esse,  nt  pericnlnm  toti  nrbi  onmibosqae 
opibns  impendens,  qnas  flamma  alioqni  absnmeret,  avertat;  se, 
si  princeps  periniii  transfngiiqne  cnlpam  remittat,  si  omnis  ad- 
missi  flagitii  macnlam  ablnat,  si  laboris  et  pericnli  solatinm  seil 

»)  fehU  im  Ms. 


')  Vgl.  Joh.  Fabricius  Bolandus  a.a.O.,  der  Yon  Hans  von  der 
Langenstraten  sagt: 

„Et  cum  praecipne  te  nosset,  adire  paravit 
Confogiens  ad  opem,  magne  Menarde,  toam. 

Eiponens  faciles  capiendi  moenia  cansas 
Conceptus  animi  detegit  ille  sui.** 
Auch  H.  Gresbeck  schreibt  S.  201:  „So  is  Hensken  von  der  langer  Straten 
gelogen  na  dem  Hamme  selfs  anderde  na  Meinert  vom  Hamme,  welcher 
Meinert  vom  Hamm  ein  houptman  gewesen  ist  under  den  lantxkneehten. 
So  heft  Henseken  von  der  langer  Straten  geraitschlagt  mit  Meinert  vom 
Ham,  wolde  mein  g.  h.  von  Monster  innen  tho  gnaden  nemen  und  wolde 
ime  begiftigen,  hei  wolde  dem  bischof  von  Monster  die  stat  lieveren.*"  Unter 
den  gleichzeitigen  Flugblättern  wird  Meinhard  nur  erwähnt  in  dem  .War- 
hafftigen  bericht"  a.a.O.  Vgl.  sonst  D.  Lilie  S.  257  und  Herm.  Hamel> 
mann  S.  1280 f.  Ganz  ungenau  ist  die  Erzählung  des  L.  Hortensius 
S.  71.  Die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  336)  weils,  dafs  der 
Flüchtling  nach  Hamm  entkam,  meldet  aber  Nichts  von  dessen  Verkehr 
mit  Meinhard.  Auch  in  den  gleichzeitigen  Akten  und  Briefen  ist  von  diesem 
Verkehre  nicht  die  Rede.  Bemerkenswert  aber  ist  der  Bericht  Wirich^s  v. 
Dhaun  und  der  Kriegsräte  auf  dem  Tage  zu  Worms  im  November  (M  G.-Q. 
II,  393  f.).  Danach  erfuhr  Wirich,  nachdem  er  sich  bereits  entschlossen 
hatte,  auf  die  Angaben  H.  Gresbeck's  hin  die  Eroberung  der  Stadt  zu  ver- 
suchen, dafs  Hans  von  der  Langenstraten  in  Hamm  sei.  Er  befahl  sofort, 
denselben  anzuhalten,  „damit  wir  ine,  wie  unsera  gefangen,  umb  secher 
gelegenheit,  die  stat  zu  erobern,  befragen  mochten.  **  Als  aber  Kundschaft 
kam,  fährt  der  Bericht  fort,  dafs  „Henssgin  von  irer  f.  g.  gleid  erlangt 
und  in  handlung  mit  irer  f.  g.  gestanden,  haben  wir  gegen  ime  forzunem- 
men  underlassen.^ 


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Anno  1535  acta.  829 

praemlnm  sibi  donet,  capiendae  nrbis  rationem  et  consiliom  da- 
tnrom ;  se  victoris  exercitus  ductorem  fatnnim,  se  in  prima  acie 
itorom,  se  primam  itineris  glaciem  ruptnmm,  se  primis  peri- 
cnlis  capnt  snom  obiectnnun;  se,  cum  vigilnm  praefectns  faerit, 
omnes  arcanos  meatus  novisse,  sibi  munitionis  et  nrbis  vias  esse 
cognitas,  se  locnm  impressioni  accommodnm  et  mente  et  ocnlis 
designasse,  se  cum  militibus  laetam  sine  dubio  victoriam  repor- 
tatumm.  Militum  vires  esse  re*centes,  ipsos  esse  impavidos,  ro-»p.  610* 
bustos  armisque  exercitatos,  bestem  vero  diutuma  inedia  debili- 
tatum,  vires  illius  longa  fame  esse  attritas  et  fractas ;  sanguinem 
fervidum  et  validum  in  saniem  frigidam  et  debilem  sordidi  victus 
causa  commutatum,  ipsum  vix  membra  sine  armis,  nedum  arma 
movere  posse.  Simulque  consilii  sui  rationem  explicat.  Matu- 
randum  autem  esse  suadet,  ne  communis  totius  urbis  flamma, 
ad  quam  in  extreme  periculo  oppidani  desperantes  sint  confdgi- 
turi,  hanc  impressionem  antevertant,  ne  horrendum  incendium 
urbem  devastet  et  deleat,  ne  praedam,  quam  iam  diu  miles  avide 
expectavit,  flamma  absumat^ 

Hammonius,  qui  consilio  Hensuli  in  diversa  militia  ali- 
quoties  feliciter  usus  fuerat,  auditam  capiendae  urbis  rationem 
altius  secum  volvit^  übi  vero  nullam  commodiorem  excogitari 
posse  animadvertit,  continuo  rem  totam  per  Uteras  principi  signi- 
ficat  tutum  commeatum  pro  transfoga,   quem  adhuc  apud  se 


')  Bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  a.a.O.  heifst  es  von  Hans  von 
der  Langenstraten : 

„Doctns  in  arte  sna,  quam  saepius  ante  probarat, 

Spem  facit  haec  pauco  milite  posse  capi. 
Idque  prius,  totam  quam  flamma  voraverit  nrbem 

Impia  detqne  furens  damna  parata  focis; 
Nam  däpibus  plane  consnmptis  nrere  sectam 

Hos  ita  capturam  constituisse  fugam. 
Saevitiae  fatum  per  bella  cruenta  petendum 
Omnibus  instantis  praeposuisse  famis.'' 
Ancb  H.  Gresbeck  S.  214  erzählt,   dafs  er  habe  sagen  hören,  wenn  die 
Stadt  bis  auf  den  letzten  Mann   gehalten  sei,  ^so  wolden  sie  hebben  die 
stat  angestecken  und  hebben  sie  gebraut  in  den  grunt.^ 

^)  Ganz  ähnlich  sagt  D.  Lilie  S.  257:  „Bedachte  Meynart  einen 
snellen  raidt,  wu  he  Hanseken  in  vortiden  in  sinen  ansclegen  gebruket 
hedde,  de  em  gelungen.'' 


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830  Anno  1535  acta. 

retinet,  postnlans.  Princeps  militiae  pertaesos  et  doYastationem 
urbis,  qnae  per  flammam  fatura  sit,  metnens  Hensulnm  non 
solnm  libero  commeatn  munitnm,  yenun  etiam  magnificis  pro- 
niissis  illectnm  ^  noctumis  itineribns  per  fidissimos  qnosqne  mi- 
nistros,  ne  res  prodatnr,  primnm  Horstmariam,  inde  opertmn 
frondibus  in  cnrm  iacentem,  qnasi  ferinae  cames  in  eo  vehantnr, 
Willinckhegam  transferri  inbet^  Est  antem  Willinckhega  lo- 
annis  St^veningi  habitatio,  quae  dimidinm  fere  miliare  abest  ab 
nrbe.  Hnc  praecipua  dioecesis  capita  et  militiae  dnces  coeont 
de  strategemate  et  consilio  Hensuli  altins  cum  eo  consultnri. 
Et  cum  nitro  citroqne  rem  aliqnamdin  volvissent  melioriqne 
mentis  parte  pertractassent,  Hensnli  consilinm  per  Dei  gratiam 
profntnmm  non  dnbitassent,  pericnlnm  invadendae  nrbis  se  fw- 


^)  In  einem  Notariats-Instrumente  vom  5.  Dezember  1536  (Kopie  im 
St.-A.  M.)  erklärt  Hans  von  der  Langenstraten,  dals  er  von  dem  Pfennig- 
meister  im  Namen  des  Bischofs  und  der  ganzen  Landschaft  „entfangen 
hedde  50  Emeder  gnlden,  de  ehme  tho  ejner  yererunge  ge- 
geven  und  gelavet  weren/  Fortan  habe  er  keine  weiteren  Ansprüche 
zu  stellen. 

*)  Ergänzend  tritt  hier  H.  Gresbeck's  Bericht  hinzu.  Er  erzählt 
S.  198  ff.  von  sich  selbst,  wie  er  im  Gefängnis  „heft  contrafetet  alle  die 
vestnis  und  alle  die  erthueser  und  porten  umb  die  stat  her,  und  heft  auck 
contrafetet  die  gantze  stat,  und  heft  ouck  eine  glicknis  gegraven  in  die 
erde  na  der  stat  Monster  . .  .'^  (Vgl.  dazu  den  Brief  Justinian's  v.  Holtz- 
hausen  vom  1.  Juli  an  den  Rat  der  Stadt  Frankfurt  und  Wirich^s  und  der 
Räte  Bericht  für  Worms  [M.  G.-Q.  n,  364  u.  393].)  Mit  eigener  Lebens- 
gefahr hat  er  dann,  beobachtet  von  einigen  Eriegsräten  und  Hauptleuten, 
während  der  Nachtzeit  an  Ort  und  Stelle  den  Beweis  erbringen  müssen, 
dafs  sein  Anschlag,  heimlich  in  die  Stadt  zu  kommen,  geraten  könne.  In- 
zwischen, fährt  H.  Gresbeck  fort,  der  wiederholt  (S.  199  u.  214)  betont,  er 
sei  „der  aller  irst  gewest,  der  den  hem  den  anschlagh  heft  gegeven,**  er- 
hielt Hans  von  der  Langenstraten  von  Hamm  aus  freies  Geleit  vom  Bischöfe, 
dem  er  seinen  Anschlag  eroffnen  liefs.  In  Bevergem  wurden  die  Flücht- 
linge einander  gegenüber  gestellt,  und  hier  wurden  die  ersten  Yorberdton- 
gen  zum  Ueberfall  getroffen,  die  auch  Eerss.  gleich  erwähnt  Nach  Been- 
digung derselben  wurden  beide  Ueberläufer  erst  nach  Wilkinghege,  darauf 
nach  Schönefliet  geführt  und  endlich  nach  Haus  Korde,  wo,  wie  H.  Gres- 
beck angiebt,  ein  grofser  Eriegsrat  Statt  fand,  zu  dem  aber  nur  Hans  von 
der  Langenstraten,  nicht  er  selbst,  zugezogen  wurde.  —  Die  übrigen  schrift- 
stellerischen Quellen  bieten  keine  Einzelheiten. 


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Anno  1535  acta.  831 

turos  decernnnt'.  Indicitur  ad  eam  rem  tentandam  nox  illa, 
qnae  D.  loannis  Baptistae  nativitatem  a  Lebnini  ferils  dirimit  ^ 
Et  quanquam  Hensulus  trecentos  armatos  ad  recuperandam  nrbem 
sibi  snfficere  existimaret,  consilio  tarnen  ducum  quadringenti  ex 
Omnibus  castris  longo  armornm  usn  fortisslmi  atque  exercitatis- 
simi  delignntur  ^,  quorum  Wilkinus  Stedingus  praecipuns  ductor 


')  Der  Bischof  enthält  sich  in  den  Briefen,  in  denen  er  den  be- 
freundeten Fürsten  die  Eroberung  Münsters  mitteilt  (der  Brief  an  den 
Landgrafen  Philipp  vom  25.  Juni  ist  abgedr.  M.  G.-Q.  II,  357  f.),  ebenso 
in  seinem  Schreiben  aus  Wolbeck  vom  26.  Juni  an  den  Römischen  König 
(Kopie  im  St.-A.  M.)  jeder  Andeutung  auf  die  RoHe,  die  H.  Gresbeck  spielte. 
Er  nennt  auch  Hans  von  der  Langenstraten  nicht,  aber  der  „uthgefallener 
lantzknecht,''  der  ihm  „kuntschap  und  wege  voirgeslagen''  zur  Eroberung, 
kann  nur  dieser  sein.  Der  Bischof  sagt  dann  ganz  kurz,  er  habe  „na  ge- 
daner  antzeigunge  mit  raide  der  oversten  und  krigcsrede  de  gelegenhcit 
erwogen  und  by  den  hoepluden  und  knechten  verhandelen  und  unangesehen 
erer  uthstendiger  verdeinter  betzoldinge  uthbrengen  laten"  {im  Brief  an 
den  Römischen  König  fügt  er  hinzu:  „mit  swairheit  und  grofser  mog**),  dafs 
die  Eroberung  versucht  werde.  Aktenmäfsig  läfst  sich  noch  feststellen,  dafs 
die  Kriegsräte  den  Plan  des  Ueberfalles  zwar  billigten,  aber  Aufschub  für 
die  Ausführung  wünschten,  bis  die  Vorbereitungen  genügend  getroffen  seien, 
und  sie,  die  Kriegsräte,  zurückgekehrt  wären  von  ihren  Gesandtschaften  an 
benachbarte  Fürsten  und  Städte,  bei  denen  sie  die  endliche  Erlegung  der 
rückständigen  Gelder  bewirken  sollten.  Man  war  übereingekommen,  erst 
dann  Tag  und  Stunde  des  Angriffs  zu  bestimmen.  Aber  noch  während  der 
Abwesenheit  einiger  Kriegsräte  beschlossen  die  bischöflichen  Räte  und  die 
Hauptleute  auf  den  Blockhäusern  im  Einvernehmen  mit  dem  Ober- 
befehlshaber Wirich  v.  Dhaun,  dafs  der  Versuch  gegen  die  Stadt 
in  der  Nacht  vom  24.  auf  den  25.  Juni  gemacht  werden  soUe.  S.  den  Brief 
Justinian^s  v.  Holtzhausen  vom  1.  Juli  an  den  Rat  von  Frankfurt  a.  M.  und 
den  amtlichen  Bericht  Wirich's  und  der  Kriegsräte  für  Worms  (M.  G.-Q. 
II,  364  f.  u.  394  f.).  Freilich  weifs  im  Gegensatz  hierzu  der  hessische  Ge- 
sandte Siegmund  v.  Boineburg  am  7.  Juli  seinem  Herrn  zu  melden  (ebd. 
S.  367  f.),  dafs  der  oberste  Feldhauptmann  und  der  clevische  Kriegsrat  „die 
Sache  hochlich  widerratten  und  bewogen  haben.^  Uebrigens  berichtet  S. 
V.  Boineburg  nur  von  den  Anschlägen  des  Hans  von  der  Langenstraten  und 
erwähnt  H.  Gresbeck  nicht. 

*)  Nacht  vom  24.  auf  den  25.  Juni.  —  ')  Dieses  und  die  folgenden 
Kamen  der  Führer  überliefert  nur  Kerss.  Neben  Wilkin  Stcding  nennt  die 
Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  336)  Egbert  von  Deveren  und 
einen  Fähnrich  Johan  von  Guliche,  D.  Lilie  S.  258  Roleff  van  Lutten 
und  den  Gulicher. 


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832  Anno  1Ö35  acta. 

designatnr,  liomo  nt  in  amicos  benignus  et  familiaris,  ita  in 
hostes  fems  et  trncnlentns.  Beliqni  dnces  fnerunt  Egbertus 
Deverenns,   Hennannns   Sitthardus,   Lodowicns  Branswigos   et 

•p.  611.  Lanrentius  Hor*sthanns.  Signum  vero  militare  loanni  a  Twickell, 
homini  militaris  ordinis  et  yalde  animoso,  militari  fide  com- 
mittitur.  Scalae  leves  et  uncatae,  si  forte  usus  eas  postniaret, 
omniaque  alia,  quae  ad  eam  rem  necessaria  visa  sunt,  tacite  et 
citra  ullius  oppugnationis  suspicionem  publicam  apparaIltur^ 
Delecti  ad  periculum  subeundum  se  mutuo  armant  et  animant 
tempusque  invadendi  sunmiis  votibus  exposcunt. 

At  princeps  et  überstenius,  ne  sanguinarii  esse  videantur, 

».  Jnni.  22.  lunii  oppidanos  per  legatos  praemonendos  esse  censent,  ut 
impietatem  et  rebellionem  deponant,  quibus  iura  et  tranquilli- 
tatem  Bomani  imperii  satis  inverecunde  et  praefracte  yiolaverint; 
cives  a  se  per  vim  in  exilium  profligatos  et  bonis  omnibus  exutos 
in  pristinas  possessiones  et  dignitatis  sedes  restituant  ac  se  im- 
perio  principique  ad  gratiam  et  poenam  dedant.  Bespondent  per 
Bothmannum  oratorem  suum  satis  contumeliose :  se  civitatem 
suam  non  dedituros,  nisi  id  forte  fiat  in  spiritu^ 


')  Nach  dem  Berichte  H.  Gresbeck's  S.  202  wurden  durch  ihn 
im  Verein  mit  Hans  Yon  der  Langenstraten  und  dessen  Gefährten  in  Be> 
vergem  „tho  gemst  von  storm  ledder  und  von  bruggen  und  aUe  dat  iene, 
dat  daertho  dienet"  S.  204  fügt  er  hinzu:  »Und  et  sint  die  wagen  mit  den 
ledderen  und  bruggen  khomen,  acht  wagen  vol  ledder  und  twe  bruggen,  und 
sint  in  datselve  dorp  gefaren  tho  Eoerde,  do  Hensken  und  der  burger  lagen.^ 

*)  „Doch/^  berichtet  „Der  gantze  handel"  Bl.  A  3^,  „thet  der  Bischoff 
vor  eins  gnedigsten  Fürsten  stuck,  und  mit  anbietung  der  gnaden  (ausser- 
halb etlicher  in  kleiner  zal  bestimpt)  liefs  er  versuchen,  ob  sie  die  Stat 
wölten  auffgeben.  Welch  sie  nochmals  trutzlich  und  nit  on  schmehung  des 
Keysers  und  des  Fürsten  abgeschlagen.*^  Ohne  genaueres  Datum  und  ohne 
Einzelheiten  anzuführen  meldet  auch  D.  Lilie  S.  257  von  dieser  letzten 
Aufforderung  zur  Uebergabe.  Das  von  Kerss.  gegebene  Datum  des  22.  Juni 
wird  bestätigt  durch  den  amtlichen  Bericht  Wirich^s  für  Worms  (M.  G.-Q. 
n,  395),  in  dem  es  heifst:  „Erstlich  hat  man  noch  ufs  uberQus  mit  inen 
in  der  stat  den  zweiten  tag  vor  Johannis  an  der  pforten  freuntlich  durch 
Willicken  den  leutenampt  gesprech  gehalten,  sie  nochmals  von  irem  ir- 
thumb  abzusteen  erindert  . . .,  daruf  sie  ire  antwurt  durch  Bemharten  Rot- 
man  in  bywesen  des  vermenten  konigs  und  etlicher  siner  rete  fast  ge- 
schicklich gegeben,  iedoch  zu  letst  uf  irem  fumemen  verhart  und  also 


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Anno  1535  acta.  833 

Ipso  die  loannis  Baptistae,  quae  fnit  24.  lunii,  post  solis  84.  juiü. 
occasum  ingentem  nubiam  Puniceamm  instar  magnorum  mon- 
tium  congeriem  Zephims  panlatim  attollit,  nee  minor  atranun 
nabium  moles  ab  Austro  consurgit,  quae  in  sublimi  disiecta  et 
dissipata  totins  coeli  faciem  operit  et  obscorat.  Aer  ventorom 
procellis  finctnat  continneqne  mngitns  et  snsurros  edit;  coelestis 
ignis  ruptis  et  displosis  nnbibus  crebro  emicat,  et  horrendo  to- 
nitm  largns  cum  grandine  nymbns  descendit^  Vigiles  autem 
nrbis  fragoribns  et  imbribus  coeli  continuis  attoniti  et  perculsi 
aSris  intemperiem  snbterfngientes  casnlas  suas  passim  in  agge- 
ribns  per  intervalla  extructas  snbennt  ac  fame  vigiliaque  defati- 
gati  in  soporem  solvuntur^. 


von  einander  geschiden."  So  erzählt  auch  J.  Sleidan:  De  statu  religionis 
(Argen torati  Ibbb)  Bl.  156^,  der  wieder  Quelle  für  Herrn.  Hamelmann 
S.  1281  ist. 

')  Eine  ähnliche  Schilderung  des  Unwetters  am  Abend  des  24.  Juni 
findet  sich  hei  Joh.  Fahricius  Bolandus  Bl.  Y8^.  Zwei  gleichzeitige 
Flugblätter,  die  „Gewise  neue  zeittung  von  der  statt  Münster  von  denjenigen, 
so  hey  der  Sachen  gewesen  sind"  und  die  „Newe  zeyttung,  Wie  die  Statt 
Münster  erobert  und  gewunncn  worden  ist  ..."  (s.  P.  Bahlmann:  Bibl. 
1535  Nr.  15  u.  18),  die,  im  Wortlaut  fast  übereinstimmend,  einen  durch- 
aus unklaren  Bericht  über  die  Eroberung  Münsters  geben,  haben  die  Notiz, 
dafs  in  der  Nacht  um  zwei  Uhr  „ein  grausam  grofs  wetter  angefallen  . . . 
mit  donnern  und  plitzen,  das  keiner  den  andern  sehen  hat  mügen." 

*)  Aus  den  Quellen  ist  übereinstinmiend  die  überraschende  That- 
Sache  zu  entnehmen,  dafs  es  auf  Seiten  der  Wiedertäufer  an  Wachsam- 
keit völlig  fehlte.  Es  sind  in  der  gleichzeitigen  Literatur  Versuche  ge- 
macht, diese  Thatsache  zu  erklären.  Der  „Warhafftige  bericht"  Bl.  A4v 
(Zeitschr.  33  S.  11)  bringt  die  Sorglosigkeit  der  Belagerten  mit  der  Ver- 
abredung zusammen,  die  Hans  von  der  Langenstraten  mit  dem  Könige  ge- 
troffen haben  soll,  um  Proviant  in  die  Stadt  zu  schaffen;  ebenso  die  Mün- 
stersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  336).  Auf  die  Ungeschicklichkeit  und 
innere  Unwahrheit  dieser  Darstellung  machte  schon  C.  A.  Cornelius  a.a.O. 
S.  236  aufmerksam.  —  Eine  andere,  nicht  minder  unhaltbare  Erklärung 
sucht  die  „Historia  der  belegerung"  Bl.  2^  (Zeitschr.  17  S.  238)  zu  geben, 
die  mitteilt,  dafs  die  Obersten,  nachdem  sie  etliche  Hundert  Knechte  für 
das  Wagnis  der  Ueberrumpelung  der  Stadt  ausgewählt  hatten,  den  anderen 
Haufen  ansagen  liefsen,  „bey  tag  und  nacht  für  und  für  lerma  zu  erwecken, 
als  wölten  sie  die  statt  stürmen.  Dadurch  sie  denen  in  der  stat  wonig  rue 
gelassen  biss  an  sant  Johans  tag,  da  sie  gegen  nachts  im  feldt  fast  still 
gewesen  sein.    Darumb  die  Münsterischen   gemaint,   die  feind 

29 


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834  Anno  1535  acta. 

Hensulns  vero  in  ista  caligine,  qua  oppidanis  prospectas 
in  campos  adimitnr,  et  ventorom  mormure,  quo  annorom  alia- 
nunque  remm  fragor  obtunditur,  circa  horam  nndecimam  noctis 
qnadringentornm  fortissimomm  militnm  globnm  propylaeo  portae 
Crucis  admovet.  Hi  fasces  stramentorum  et  virgultomm,  quos 
secum  singnli  ex  castris  attulerant,  arbomm  stipites  et  tmncos, 
scalas,  ligna,  cespites,  viliora  cum  viminibus  plaustra  et  quic- 
quid  fors  afferebat  in  fossas  ibi  angustas  et  aquae  pauperes  ioxta 
annosam  trabem  ligneam  dentatamque  cratem  ad  arcendum  ho- 
*p.  612.  stem  in  superficie  aquarum  transversim  "^sustinentem  praecipi- 
tant.  Huius  pontis  raptim  facti  praesidio  rapta  crate  primam 
fossam  superant.  Inde  erat  praeruptum  et  instar  montis  pro- 
pugnaculum  per  anabaptistas  e  terra  in  portae  tutelam  aggestum, 
in  cuius  fere  culmine  praeacuti  stipites  a  se  invicem  modico 
intervallo  per  ordinem  ita  positi  sunt,  ut  hostem  ascendentem 
reprimant  vel  saltem  remorentur.  Hoc,  cum  esset  acclive,  obli- 
que tramite  scandunt.  Sed  cum  ad  praeacutas  sudes  in  propu- 
gnaculo  extantes  deventum  esset,  Hensulus  unam  ex  eis  ante 
notatam  ita  loco  removit,  ut  ascendentes  sine  magna  molestia 
in  summum   propugnaculi   cacumen   penetrarent^    Ibi  yigiles 


weren  durch  die  teglichen  lerman  gleich  so  müd  als  sie,  und 
sich  dester  mehr  in  rue  begeben/^  Die  oben  citierte  „Gewise  neue 
zeittung*^  und  die  „Newe  zejttnng'^  melden:  „Drej  tag  vor  Johannis  Bap- 
tiste  haben  die  knecht . . .  alle  tag  mit  denen  in  der  statt  geschaimutzelt, 
und  den  dritten  tag  . . .  mit  tnunmen  und  pfeyifen  umb  die  stat  gesogen, 
als  ob  sy  abzihen  weiten.*  Die  Unachtsamkeit  der  Wachen  in  Mon- 
ster hatte  sich  schon  Yor  dem  24.  Juni  deutlich  gezeigt,  als  H.  Gresbeek 
einmal  allein,  das  andere  Mal  in  Gemeinschaft  mit  Hans  von  der  Langen- 
Straten  auf  Veranlassung  der  Obersten  die  Befestigungen  der  Stadt  enti^. 
Yon  beiden  Malen  berichtet  er  (S.  200  u.  204),  dafs  er  Niemanden  auf  der 
Wacht  gefunden  habe. 

^)  Das  Eindringen  Hans^  von  der  Langenstraten  schildert  Kerss.  ganz 
ähnlich  wie  Job.  Fabricius  Bolandus  BLZ  3,  teilweise  mit  wörtlichen 
AnUängen.  Einen  ausführlichen  und  anschaulichen  Bericht  liefert  H.  Gres- 
beek S.  205,  der  hier  noch  als  Mithandelnder  redet  Wenn  er  auch  nicht 
selbst  in  die  Stadt  eindrang,  so  ist  er  es  doch  gewesen,  der  zuo^t  durch 
den  Graben  schwamm,  die  Brücke  an  einem  Seile  nach  sich  zog  und  an 
dem  Staket  befestigte.  Seine  Mitteilungen  bestftügt  durchaus  das  Schreiben, 
das  Wirich  v.  Dhaun  am  29.  Juni  dem  Herzog  von  Cleve  über  die  Erobe- 


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Anno  1535  acta.  835 

consopitos  mactant  et,  ne  qnenqnam  a  tergo  hostem  relinquant, 
per  totmn  istam  aggerem  yigilxim  casas  scrutantor  repertosqne 
confodinnt  onmes.  Stationarios  qnoqne  milites  passim  per  valla 
in  stipitibns  et  trancis  haerentes  ac  profando  somno  sepnltos 
ferro  conficinnt  praeter  nnnm  Bernardom  Schnltenium,  pellionem, 
qui  vita  donatus,  cnm  symbolum  istius  noctis  proderet,  exer- 
citum  victorem  secutus  est.  Erat  antem  symbolum:  „Terra ^'^ 
Inde  ex  propngnaculo  in  viam  planam  saxis  constratam  et 
muris  ntrinque  septam,  quae  est  inter  portas,  quaque  iter  est  in 


rung  der  Stadt  zusandte  (M.  6.-Q.  II,  359 f.),  das  C.  Heresbach  fast 
wörtlich  (S.  26  f.)  in  seine  Erzählung  aufnahm.  „So  heft  de  burger/  sagt 
H.  Gresbeck  von  sich  selbst,  „alletiet  in  der  graft  gestain  und  heft  sie  tho 
rechte  gewieset^  dat  sie  sint  over  gekhomen."  Als  die  Brücke  geschlagen 
war,  ist  Hans  von  der  Langenstraten  zunächst  hinübergegangen  und  hat 
dann  weitere  35  Landsknechte  zu  sich  gerufen.  Am  Thore  und  auf  dem 
Erdhause  werden  die  Wachen  erschlagen.  Darauf  dringt  der  ganze  Haufe 
nach,  zunächst  etwa  400.  So  weit  H.  Gresbeck.  Wirich  v.  Dhaun  giebt 
in  seinem  Briefe  an  den  Herzog  von  Cleve  a.  a.  0.  und  in  seinem  Berichte 
für  Worms  (M.  G.-Q.  II,  395)  die  Zahl  der  zuerst  eingedrungenen  Knechte 
auf  ungefähr  500  an,  ebenso  Justinian  v.  Holtzhausen  in  seinem  Schreiben 
vom  1.  Juli  an  den  Bat  von  Frankfurt  a.  M.  (M.  G.-Q.  II,  365).  Die  Zahl 
von  etwa  300  Knechten  findet  sich  in  dem  Flugblatte  „Der  gantze  handel**, 
in  der  „Historia  der  belegemng^  und  in  dem  Bericht  des  Herm.  v.  Men- 
:gersen  in  der  „Newen  tzeittung",  ebenso  bei  D.  Lilie  S.  258.  Unter  den 
Flugblättern  hat  allein  der  „Warhafftige  bericht",  der  ^bey  trithalb  hun- 
dert'' Knechte  in  die  Stadt  gelangen  läfst,  einige  in  den  sonstigen  schrift- 
stellerischen Quellen  nicht  erwähnte  Einzelheiten,  so  auch  diejenige,  welche 
durch  den  Bericht  für  Worms  &.  a.  0.  bestätigt  wird,  dafs  nämlich  die  an 
die  Mauern  gelegten  Sturmleitern  meist  zu  kurz  gewesen  seien,  und  die 
Knechte  sich  gegenseitig  mit  ihren  Hellebarden  auf  die  Bollwerke  hinauf- 
gezogen hätten.  —  Als  Zeit  des  Einbruchs  ist  fast  ausnahmslos  in  den 
Quellen  die  Stunde  um  11  oder  zwischen  11  und  12  des  Nachts  angegeben. 
Die  Breite  des  Grabens  betrug  nach  Wirich^s  Schreiben  an  den  Herzog  von 
Cleve  a.  a.  0.  nicht  mehr  „daa  dns  knechtspies  lang  und  ungeverlich  vier 
fufs,*'  nach  Justinian  v.  Holtzhausen  a.  a.  0.  „ungeverlich  30  schuch.'  Die 
letztere  Angabe  hat  auch  die  „Historia  der  belegerung.'' 

')  Von  der  Yerschonung  eines  Wächters  weifs  sonst  keine  Quelle.  — 
Als  Losung  giebt  ebenso  Joh.  Fabricins  Bolandus  a.a.O.  das  Wort 
„Erde*  für  die  Wiedertäufer  an;  für  die  Bischöflichen  habe  es,  fügt  er 
hinzu,  „Anna*  geheifsen.  Der  „Warhaiftige  bericht*  hat  als  Losungsworte 
«Erde*  beziehungsweise  „Maria.* 

29* 


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836  Anno  1535  acta. 

urbem,  descendnnt  ibiqne  vigiliae  cansa  collocatos  et  somno  se- 
pnltos  ad  unam  omnes  ingnlant.  Mox  Hensnlus  tracto  fonicnlo 
portnlam,  per  quam  vigiles  statis  yicibns  in  aggeres  conuneare 
solebant,  pandit.  Urbem  iam  introgressi  ^  per  vicnm  cmcis  pri- 
mnrn  ad  coemiterinm  templi  Transfluviani,  hinc  per  angnstam 
ponticnlom  trans  Alpham  factum  in  campum  dominicum  nullo 
pccursante  hoste  deveniunt.  Ibi  Devereno  cum  militibus  quibns- 
dam  bombardarum  anabaptistarum  custodia,  quae  ad  iaculandmn 
bene  instructae  in  aede  maiori  asservabantur,  conmiittitur,  nt 
retinctis  earum  usus  praeripiatur.  lüde  se  in  densam  aeiem 
componunt,  tympana  ad  arma  pulsant,  signa  ad  volatum  expli- 
cant  retinctosque  alacriter  opperiuntur  *.  Ingens  continno  eio- 
ritur  clamor  hostem  in  media  urbe  versari,  tormenta  teuere^ 
caedibus  et  rapinis  pro  libidine  grassari.  E  stratis  itaque  exciti 


^)  H.  Gresbeck  S.  206  sagt  von  sich  selbst:  ^Wante  der  bnrger 
hedde  wol  mit  den  irsten  mit  Henseken  in  die  stat  gefaUen.  Dat  en  dorfte 
hei  nicht  doin  hiramb,  wante  hei  was  noch  ein  gefangen  man  und  hadde 
gein  gewer  und  hadde  geine  mstongh.'' 

*)  Auch  bei  der  Schildemng  der  Kämpfe  in  der  Stadt  stimmt  Kerss. 
häufig«  wie  auch  hier  am  Anfang,  mit  Joh.  Fabricius  Bolandns  über- 
ein, giebt  aber  manche  Zusätze,  die  sich  auch  in  anderen  Quellen  nicht 
finden  und  wohl  auf  mündliche  Ueberlieferung  zurückzuführen  sind.  So 
nennt  nur  Kerss.  hier  Egbert  von  Deveren  als  denjenigen,  dem  die  Ueber- 
wachung  der  wiedertäuferischen  Geschütze  anvertraut  wurde.  Bei  Joh. 
Fabricius  Bolandus  Bl.  Z4  heifst  es: 

„In  sacrum  veniunt  campum  figuntquc  silentes, 

Bombardas  alii  et  quaelibet  arma  parant. 
Hi  certant  authore  locum  duce  claudere  firmo 

Robore,  quo  se  res  haec  dabat  ipsa  modo.** 
Die  „Gewise  neue  zeittung**  und  die  „Newe  zeyttung"  haben  die  Notiz,  die 
Landsknechte  hätten  „das  grofs  geschütz,  so  in  der  stat  geladen  gewest, 
abgelauffen,  die  zyndtlöcher  vernagelt/  Mit  Ausnahme  des  „WarhafTtigen 
bericht"  (s.  die  folgenden  Anmerkungen)  geben  die  Flugblätter  so  gut  wie 
gar  keine  Einzelheiten  über  die  Kämpfe  in  der  Stadt.  „Der  sieg,^  sagt 
„Dor  gantze  handcl",  „stund  lange  weyl  in  zweyffel;  sie  jagten  einander 
in  der  Stat  biss  an  den  morgen.^^  Kurz  berichtet  auch  Herrn,  v.  Mengersen 
in  der  „Newen  tzeittung'^  nur,  dafs  sich  die  Gegner,  „eher  sie  zu  stände 
gekommen,  wol  yn  die  fünff  stunden  lang,  die  eyne  strafsen  auff,  die  andern 
nydcr  gedrengt'^  Erst  in  Bezug  auf  das  Eindringen  der  Hauptmacht  der 
Bischöflichen  in  die  Stadt  werden  die  Nachrichten  ein  wenig  ausführlicher. 
Ebenso  ist  es  auch  in  den  Akten. 


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Anno  1535  acta.  837 

alii  raptim,  nt  tempns  ferebat,  arma  corripinnt,  alii  inermes  ex 
aedibns  passim  prorunnt  et  panlatün  hostibns  armatis  occur- 
rentes  stemuntur;  alii,  dum  ad  templum  snmmom  educendoriim 
tormentorum  gratia  catenratim  accurrant,  in  custodes  imprudenter 
incidnnt  et  praeter  spem  mactantnr.  Ciun  vero  tormenta  sibi 
praerepta  esse  animadyerterent,  ad  forum  armati  confluunt^  sa- 
cellumque  ibi  vicinum  sancto  *  Michaeli  consecratum  occupant*p.  613. 
et  raptim  muniunt,  unde  iaculis  continuis  bestes  in  campo  do- 
minico  in  acie  consistentes  eminus  lacessunt.  At  illi  maioribus 
tormentis  e  templo  adductis  retinctos  inde  deturbare  contendunt, 
sed  frustra;  omnes  enim  ictus  antiqua  et  firma  illa  murorum 
compages  facile  respuit.  Mox  retincti  tota  belli  mole  e  foro,  ubi 
se  armaverant,  ruentes  bestem  invadunt  et  in  angiportum  a  sa- 
cello  D.  Margaretae  sacro  cognominatum  ^  cedere  compellunt; 
quod  cxmi  non  esset  pervium  et  retincti  caedendo,  pungendo 
iaculandoque  instarent  nostrosque  in  angiporti  angustias  ita  co- 
gerent,  ut  yix  arma  et  lacertos  movendi  facultas  esset,  suspirant 
et  quasi  iam  omni  spe  destituti  tacite  ingemiscunt.  Sed  con- 
silio  Stedingi  porta  ibi  cuiusdam  canonici  vi  aperitur,  qua,  dum 
reliqui  conmiilitones  ibi  relicti  hostium  impetum  fortiter  susti- 
nent,  ducenti  propemodum  per  posticas  in  aliam  plateam  tem- 
plum Aegidianum  versus  evadunt',  unde  per  viculum  vicinum* 
laborantibus  conmiilitonibus  quasi  nova  acie  subito  occurrunt. 
Betincti  vero  novas  hostium  vires  esse  existimantes  contremiscunt 
nihil  dubitantes  totam  urbem  ab  hoste  teneri.  Nostri  autem 
mutuis  acclamationibus  sibi  animos  faciunt,  conterritis  insultant, 
cedentibus  instant,  fngientes  persequuntur  plurimosque  stemuni 
Interea  portula,  qua  hostis  in  urbem  venerat,  arctissime  con- 
cluditur  \ 


*)  Vergl.  dazu  den  „Warhafftdgen  bericht**  Bl.  B  !▼  (Zeitschr.  33 
S.  13)  und  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Aa4.  Unklar  sind  die  Aus- 
fahrungen H.  Gresbeck's  S.  208,  der  zun&chst  die  Landsknechte  auf 
dem  Doinplatze  die  Oberhand  gewinnen  l&üst,  dann  aber  fortf&hrt:  „So  sint 
die  wiederdoepers  gewicken  up  S.  Lambertz  kercke  up  den  doemhof 
und  hebben  dairvon  geschotten."  Gemeint  ist  wohl  die  Michaels- 
kapelle. —  *)  Heute  die  Buxe  genannt  —  *)  In  die  Johannisstrafse.  — 
*j  Durch  die  Pferdegasse.  —  *)  Hier  berührt  Eerss.  die  wichtige  That- 
sache,  dafs  die  Pforte  geschlossen  ward,  durch  welche  die  Landsknechte, 
von  Hans  von  der  Langenstraten  geführt,  in  die  Stadt  drangen,  nur  ganz 


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838  Anno  1535  acta. 

Dum  in  nrbe  utrinqne  aeriter  pngnant  et  reliqaomm  ca- 
strornm  pleriqne   milites  de  commilitonnm  salnte  soUiciti  foris 


obenhin.  Vgl.  C.  A.  Cornelius  a.a.O.  S.  239.  Gar  nicht  erw&hnt  wird 
dieses  Ereignis  in  den  uns  erhaltenen  Schreiben  des  Bischofs  Franz  an  die 
befreundeten  Fürsten  und  den  König  Ferdinand,  nur  ganz  kurz  im  .Wai^ 
hafftigen  bericht^,  in  der  „Historia  der  belegerung*  und  in  Herrn,  v.  Men- 
gersen's  Bericht  a.a.O.  Aus  H.  Gresbeck^s  Schilderung  S.  206 f.  geht 
hervor,  dafs  er  vergeblich  ermahnt  hatte,  die  Pforte  besetzt  zu  halten,  „bis 
der  mieste  hoep  von  den  lansknechten  over  dat  erthuiüs  weren.**  Er  setzt 
hinzu,  die  Knechte  seien  mehr  auf  Beute  als  auf  Sicherung  des  Thores 
bedacht  gewesen  und  „ehe  do  die  andern  lansknecht  over  dat  rundel  qwe- 
men,  do  qwamen  die  wiederdoeper  und  schlogen  die  porten 
tho.''  Diese  Angabe  bestätigt  der  Brief  Wirich's  v.  Dhaun  vom  29.  Juni 
an  den  Herzog  von  Cleve,  in  dem  auch  ausdrücklich  gesagt  ist  (M.  G.-Q. 
n,  360),  dafs  die  Eingedrungenen  „niemantz  die  porten  inhaben 
lassen.  Des  sein  dere  von  der  stat  gar  we(nig)  an  die  port 
komen  und  die  zugeschlagen,  also  das  der  häuf  nit  hat  mugen  in  die 
stat  komen. **  (So  auch  C.  Heresbach  S.  27.)  Derselbe  Sachverhalt  ergiebt 
sich  im  Grunde  auch  aus  dem  amtlichen  Berichte,  den  Wirich  und  die  Kriegs- 
r&te  im  November  auf  dem  Tage  zu  Worms  erstatteten,  wenn  es  darin 
auch  heifst  (M.  G.-Q.  II,  395  f.) :  „Als  sie  nun  mit  rotten  hien  in  gefallen, 
und  die  in  der  stat  auch  uf  gewesen,  ist  ein  starck  rot  in  der  stat  der 
widdertauffer  an  die  Creutzpfort  komen,  haben  sie  sich  mit  unsem  knechten, 
deren  damals  wenig  daran  pliben,  gemangelt  und  sie  wider  heruTs  gestochen, 
die  pforten  in  behalten  und  zugeschlagen,  also  das  der  unsem  nicht  meher 
hinin  und  die  andern  nicht  wider  heruls  konten.^  Vgl.  auch  Herm.  Harne I- 
mann  S.  1282,  der  wieder  wörtlich  aus  J.  Sleidan  a.a.O.  Bl.  l&e^  schöpft 
—  Auch  die  folgenden  Ereignisse  w&hrend  des  Ringens  um  den  Sieg  be- 
stärken die  Richtigkeit  dieser  Darstellung.  Die  Unterschätzung  der  Kräfte 
der  Wiedertäufer  seitens  der  Anführer,  sodann  auch  die  Beutegier  der 
Landsknechte,  die  überdies  nicht  leicht  zum  Sturm  auf  die  Stadt  bewogen 
worden  waren,  veranlafsten  den  schweren  Fehler,  das  gewonnene  Thor  un- 
besetzt zu  lassen  und  das  Nachrücken  des  Hanptheeres  zu  erwarten.  Wenn 
Justinian  v.  Holtzhausen,  der  während  der  Eroberung  Münsters  abwesend 
war,  in  seinem  Briefe  vom  1.  Juli  nach  Frankfurt  (M.  G.-Q.  n,  365)  in 
Bezug  auf  das  Schliefsen  des  Thores  meldet,  dafs  Niemand  wisse,  wie  es 
eigentlich  zugegangen  sei,  „allein  das  eczlich  sagen  wollen,  das  es 
unser  eigen  knecht  gedan  haben,  dermeinung,  das  sie  desto  rugli- 
cher  plündern  mochten,"  so  giobt  er  damit  ein  Gerücht  wieder,  das  ja  bei 
dem  Gegensatz,  der  zwischen  der  Münsterischen  Seite  und  den  Vertretern 
des  Reiches  herrschte,  leicht  entstehen  konnte,  aber  den  Berichten  Wirich's 
gegenüber  nicht  zu  der  Annahme  (s.  C.  A.  Cornelius  a.a.O.  S.  245)  berech- 
tigt, dafs  das  Thor  wirklich  von  den  Bischöflichen  geschlossen  worden  sei. 


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Anno  1535  acta.  839 

urbem  ambinnt,  si  quid  forte  motns  exaudiator,  mnlieres  ex  ag- 
geribus  et  propugnacnlis  nocturna  et  incerta  missilia  in  eqnites 
peditesque  vagantes  spargunt  hisque  verbis  illudnnt^:  „Vestros,** 
inqniunt,  „dnces  et  militiae  praefectos  satis  imprudenter  ad  nos 
niissos  prudenter  iam  confecimus,  praecipnnm  mililiae  vestrae 
robnr  et  flos  periit  Yah,  qnam  insignem  reportastis  yictoriam, 
quam  ampla  retnlistis  spolia!  Sic  evenire  solet,  qni  se  Deo  op- 
ponant,  qui  sibi  omnia  arrogantes  hostis  sni  vires  contemnunt 
et  aspemantnr.  Nnnc  dicite  nos  fame  et  inedia  fractos  viribus- 
que  exhaustos!  Flures  nobis  mactandos  et  conficiendos  mittite! 
Sentietis  neque  animos  neque  vires  nobis  deesse!^  Miles  de  sa- 
lute  commilitonum  suorum  anxius  et  anceps  bis  ludibriis  femi- 
neis  vehementer  constematur  neque  iam  dubitat  omnes  cum 
Hensulo  in  urbem  missos  esse  extinctos. 

*Interea  nostri  e  campo  dominico  retinctos  fugientes  ad*p.  614. 
forum  usque  persequuntur  viamque  totam  cadaveribus  et  san- 
guine  stemunt.  Verum  in  foro  ex  munitionibus  tumultuario  la- 
bore  ex  vasis,  scannis,  lapidibus,  lignis,  tabulis,  trabibus,  sudi- 
bus  aliisque  rebus  erectis  ita  in  nostros  tonant,  ut  inde  repelle- 
rentur.  Erant  enim  omnes  continuo  armorum  labore  defatigati. 
Betincti  vero  subinde  novis  viribus  refocillati  nostros  cedentes 
sequuntur.  Neque  tamen  nostri  etsi  delassati  spem  victoriae 
abiiciunt,  sed,  ut  fugae  turpitudinem  virtute  delerent,  animos 
resumunt  iterumque  sibi  viam  ferro  faciunt. 

Interea  rex  inter  spem  metumque  haerens  circa  horam  ter- 
tiam  noctis  legationem  intercipiendae  pugnae  gratia  ad  utrum- 


*)  H.  Gresbeck  S.  2üGf.  erzählt,  wie  er,  nachdem  das  Thor  von 
den  Wiedert&ufem  geschlossen  war,  in  der  Umgebung  Wirich's  y.  Dhaun 
vor  dem  Thore  gewesen  sei,  „und  weren  al  in  hoppen,  sie  wolden  den 
andern  in  die  stat  gefolgt  hebben.  Do  sie  nicht  folgen  konden,  do  riepen 
die  lantzknechte,  dat  wer  Henskens  von  der  langen  Straten  stuck  ein  und 
hedde  sie  verraden  . . .  Als  sie  do  widder  sint  von  der  stat  gewiocken^  do 
hebben  die  wiver  uth  der  stat  geropen,  sie  solden  wieder  khomen  und 
hoUen  ir  grote  hense  wieder,  und  hebben  gesungen/  Ganz  ähnlich  wie 
hier  wird  das  Verhöhnen  seitens  der  Wiedertäufer  in  der  Mnnsterschen 
Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  337)  geschildert.  S.  auch  den  „Warhaflftigen 
bcricht"  und  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Z8. 


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840  Anno  1535  acta. 

qne  exercitum  mittit  colloqmumqae  postnlat  K  Cnm  antem  nostri 
continno  armonim  exercitio  et  totins  noctis  labere,  retincti  rero 
dintuma  fame  et  inedia  exhansti  essent,  utrique  colloquinm  et 
armomm  qnies,  nt  interspirare  panlxüxim  detnr,  foit  gratissima. 
In  eo  colloqnio  legati  postnlant,  nt  miles  positis  armis  sese  dedat; 
regem  enim  sangninarinm  non  fore  neqne  in  snpplices  saevi- 
tnmm,  sed  omnes  in  gratiam  receptnrnm.  Milites  se  id  factnros 
negant,  sed  si  se  neqne  armis  exntos  neqne  signis  snis  militari- 
bns  spoliatos  cnm  bona  pace  egredi  patiantnr,  se  nrbe  egressnros. 
Ad  qnae  legati,  nt  positis  armis  traditisqne  regi  militaribos 
signis  inermes  nrbe  excedant.  Milites  se  salva  militari  fide  et 
inreinrando,  qno  imperio  et  principi  sint  obstricti,  illnd  admit- 
tere  non  debere  respondent,  nnde  perpetnam  sibi  ignominiam  et 
aetemnm  dedecns  comparent;  mortem  gloriosam  se  oppetere, 
qnam  hac  infamiae  labe  se  snamqne  posteritatem  contaminare 
malle.  Inter  hanc  armomm  qnietem  et  indntias  loannem  a  Twi- 
ckell,  signifemm,  convolnto  signo  clancnlnm  oppidanis  non  sen- 
tientibns  cnm  tribns  armatis  satellitibns  ad  vallnm  ablegant; 
qni  cnm  signnm  in  crepnscnlo  matntino  ad  yolatnm  explicoisset 
anxilinmqne  snomm  clara  voce  invocasset,  continno  milites  ad 
novam  hanc  vocem  accnrrnnt;  et  cnm  anabaptisticam  fraudem 
snbesse  snspicarentnr,  ne  occisis  ad  se  militibns  missis  plnres 
ostenso  signo  in  idem  pericnlnm  et  discrimen  frandnlenter  alli- 
ciant,  accnratins  propins  accedentes  veritatem  rei  scmtantnr. 
nie  vero  se  loannem  a  Twickel  signifemm  et  onmia  adhnc  salva 
esse  commemorat,  sed  militem  vehementer  caedendo  esse  defati- 
gatnm,  et  nisi  in  hac  remm  angnstia  sibi  laborantibns  snccnr- 
*p.  615.  rant,  actnm  esse  de  salnte  omninm;  simnlqne  sym^bolnm,  qnod 
erat  Waldech,  edita  voce  pronnnciat.  Haec  nbi  dixisset,  se  in 
snonmi  aciem  recipit  et  anxilinm   certnm  sibi  affutnmm  pro- 


')  Von  einer  Unterhandlung  zwischen  den  Gegnern  erzählt  auch 
Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  AA  1,  aber  den  König  Johann  fuhrt  er 
dabei  nicht  an.  Wohl  aber  läfst  der  „WarhaflPtige  bericht*  a.  a.  0.,  ohne 
aber  den  Verlauf  der  Verhandlungen  zu  schildern,  den  König  den  Knechten 
zurufen :  „Ir  lieben  landsskneeht,  legt  ewer  weer  von  euch  und  zeucht  zur 
porten  auss,  euch  soll  kein  leid  geschehen!**  Die  Nachrichten  über  Johann 
Y.  Leiden  während  des  Kampfes  s.  weiter  unten. 


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Anno  1535  acta.  841 

clamat*.  Hac  voce  retincti  perculsi  sibi  metuunt,  nostri  vero 
animos  sumentes  certa  yictoriae  fiducia  proelinm  acerrime  redln- 
tegrant  et  novis  qnasi  viribus  restituti  speqne  anxilii  confirmati 
andacins  in  retinctos  irrnnni  Stedingas  interim  reliquiqne  duces 
nominatim  nostros  cohortantnr,  nt  pristinae  virtntis  et  fatarae 
gloriae  memores  Inmina  aperiant,  palmas  comprimant,  album 
hostilinm  oculorum  feriant  seqne  a  deditionis  et  captivitatis  tur- 
pitudine  vindicent.     Fitqne  inde  miserrima  strages. 

Betincti  in  angnstnm  addncti  plns  qnam  ferinnm  esse  ex- 
clamant,  ita  se  mntnis  vnlneribns  confodere,  ita  sangninem  chri- 
stianum  et  cognatnm  effundere,  tanta  in  alterios  necem  rabie 
sine  discrimine  irruere,  tanta  immanitate  et  tjrannidef  popnlnm 
Dei  opprimere,  ita  saevire,  nt  christianornm  craore  ntrinqae 
arma  mbescant  ac  tingantnr.  Sic  Inpos  in  ovile  admissos  in 
oves  grassari,  sie  ethnicos,  sie  Tnrcas,  sie  Scytas,  sie  Getas  ali- 
osqne  barbaros  populos,  qnos  nnlla  religio  et  dementia  tangit, 
christianis  insultare  solere.  Hanc  barbariem  Patri  coelesti  dis- 
plicere  evangelicisque  literis  adversari.  Pro  armis  itaque  verbnm 
Dei,  pro  belle  qnietem,  pro  caedibus  amabüem  concordiam,  pro 


'j  Das  Erscheinen  des  Fähnrichs  auf  der  Mauer  ist  von  den  Flug- 
blättern kurz  erwähnt  in  der  „Historia  der  belegerung'',  in  dem  „Warhaff- 
tigen  bericht^',  in  der  „Gewisen  neuen  zeittung^'  und  in  der  „Newen  zeyt- 
tung^^  Ein  Name  ist  liier  nirgends  genannt.  Ausführlicher  erzählt  D.  Lilie 
S.  258 :  „. . .  de  Gulicher,  ein  venler,  reip  van  dem  walle  to  den  landes- 
knechtcn,  de  dar  buthen  beiden:  Waldegk,  Waldegk,  Munster  is  unse,  tredet 
an,  tredet  an,  leven  landesknechte!''  Ueber  die  näheren  Umstände,  die  das 
Erscheinen  einer  Abteilung  der  Bischöflichen  auf  der  Mauer  ermöglichten, 
geben  die  QueUen  ungenügenden  Bericht  Irrig  setzt  D.  Lilie  das  Ereignis 
nach  dem  Kampf  bei  der  Wagenburg  und  nach  dem  dort  getroffenen  Ab- 
kommen. H.  Gresbeck  S.  209  verlegt  es  zeitlich  nach  der  Gewinnung 
des  Jüdefelderthores.  JedenfaUs  suchten  die  Bischöflichen  in  der  Stadt 
wieder  Verbindung  mit  dem  Hauptheere  draufsen,  und  ein  Teil  derselben 
wandte  sich  zu  den  Thoren  zurück,  während  die  Kameraden  weiter  kämpften. 
Vgl.  unten  die  Anmerkung  über  die  Eröf&iung  des  Jüdefelderthores.  Ein 
kleiner  Haufen  des  Heeres  vor  der  Stadt,  darunter  der  Oberste  und  andere 
Kriegsräte,  schreibt  Justinian  v.  Holtzhausen  am  1.  Juli  nach  Frankfurt  a.  M. 
(M.  G.-Q.  II,  366),  „die  bliben  in  einer  alten  schantz  hart  an  der  stat  und 
wartten,  was  Got  geben  wolt.  In  des  kam  ein  fenlin  mit  eczlichen  unsera 
knechten  widder  uf  den  wal  aus  der  stat.'^ 


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842  Anno  1535  acta. 

Cadmea  victoria  pacem  eligant  et  foederi  sno  initiati  iisdem 
l^bns,  eadem  ratione  et  pietate  ünbnti  Patri  coelesti  secnm 
simnl  tranqnUli  inserviant.  Si  vero  ad  id  addnci  non  possint, 
nrbe  retentis  armis  snis  signisque  militaribus,  sicnt  prius  rece- 
pissent,  exeant  et  ad  suos  revertantnr  seque  snae  libertati  suis- 
qne  moribns  relinqnant  neqne  popnlnm  Dei  in  sna  religione  in 
hac  sancta  civitate  contnrbent.  Alii  in  ipso  conflicta  Patrem 
sanm  yel  iam  snrdnm  vel  dormientem  yel  aliis  negotiis  occn- 
patnm  snppliciter  implorant  victoriamqne  contra  impiam  Deiun- 
qne  ignorantem  gentem  ab  eo  postülant.  At  Pater  ilionim  et 
milites  snrdas  habentes  aures  nihil  Ms  commoyentnr;  nam  ille 
hos  non  exandit,  hie  vero  yiam  sibi  per  anabaptisticam  pha- 
langem  ferro  acrius  facit  atqne  ita  in  campo  dominico  retinctos 
passim  mactat,  transfigit,  ingnlat,  perimit,  nt  tota  illa  planities 
cadaveribns  strata  sangnine  hnmano  sanie  permista  innndaret. 
Bothmannns  desperabnndus  militari  habitn  e  templonun 
*p.  616.  omamentis  "holosericis  facto  in  consertissünam  hostinm  aciem 
sese  coniiciens,  ne  captus  acerbiori  snpplicio  reservetor,  letali 
vnlnere  accepto  cormit  vitalemqne  spiritnm  mnlto  cnm  sangnine 
evomit^ 


')  Mit  aller  Bestimmtheit  schreibt  auch  H.  Dorp  BL  G4:  „Es  soll 
der  anfenger  dieses  spiels  und  aller  buben  ein  könig,  der  Rothmann,  auch 
solchen  reien  getantzt  haben"  (d.  h.  zu  Tode  gepeinigt  worden  sein),  „wenn 
er  nicht  im  ersten  einfallen  der  feind  in  die  stat  erwürget 
wer  worden.  Denn  dieser  bube,  als  er  nu  sieht,  das  spiel  verloren  ist, 
leufft  er  in  seinem  knechtischen  kleid  den  feinden  mit  den  andern,  die  sie 
wider  zurück  schlagen  wolten,  unter  äugen  und  wirt  also  von  inen  mit 
eim  Schlachtschwert  durch  die  schultern  gehauen  und  mit  zweien  spiesen 
durchstochen  ..."  Auch  bei  D.  Lilie  S.  258  heifst  es:  „In  der  mange- 
linge  bleiff  her  B^mdt  Bothman  ..."  H.  Gresbeck  hat  über  das  Schicksal 
Bothmann's  kein  Wort.  Am  25.  Juni  schreibt  Wirich  v.  Dhaun  dem  Land- 
grafen Philipp  (Orig.  im  St.-A.  Marburg),  „. . .  Enypperdullingk  und  Stuten 
Bernhardt . . .  solten  thot  bleyben  sein  . . . ,"  und  am  29.  Juni  meldet  Herm. 
V.  Mengersen  (in  der  „Newen  tzeittung"  Bl.  A3):  „Herr  Bemdt  Rotman 
aber  ...  ist  noch  nicht  bekommen,  wol  doch  das  mehrer  teil  ver- 
nommen, das  er  erwürget  sei.  Justinian  v.  Holtzhausen  berichtet 
am  1.  Juli  nach  Frankfurt  a.  M.  (M.  G.-Q.  II,  366):  „Stautten  Bemhart  . . . 
ligt  noch  verporgen."  Die  „Historia  der  belegemng"  Bl.  3^  (Zeitschr.  17 
S.  239)  sagt,  man  habe  den  „obristen  Propheten  und  predicanten  unter 
den   todten   Corpeln   gesucht,   aber  au  ff  7.  Julii   nit  gefunden." 


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Anno  1535  acta.  843 

Bex  quoqne  ipse  hisce  caedibns  percnlsns  per  posticnlum 
anlae  suae  ad  portam  Aegidianam  sese  snbdncit  clancnlnm,  vel 
cum  hnnc  locnm  manitissimnm  esse  ratns  sit  vel  hinc  commo- 
dissime  data  occasione  hostiiun  manns  elabi  et  effngere  posset. 
Sed  per  pnenun  proditns  in  snpremo  huins  portae  tabniatu 
captns  in  vincula  protrahitnr  *. 


C.  Heresbach  S.  28  spricht  von  einer  „maior  coniectora  etun  in  ipsa 
irruptione  interüsse."  Vgl.  auch  S.  49.  Endlich  führt  auch  Joh.  Fabri- 
cius  Bolandns  Bl.  Aa8  an: 

„Etsi  mors  minns  est  Rothmanni  nota,  tamultu 
In  tnrba  tarnen  hnnc  interüsse  pntant^^ 
Fest  steht,  dafs  die  Nachforschungen  nach  Rothmann  keine  Gewifsheit  über 
sein  Schicksal  ergaben  und  dafs  sich  die  Meinung  verbreitete,  er  sei  ent- 
kommen. Der  Rat  von  Münster  zeigte  1537  der  Stadt  Lübeck  an,  er  habe 
erfahren,  dafs  Rothmann  sich  in  Lübeck  oder  in  Rostock  oder  in  anderen 
benachbarten  Städten  aufhalten  solle.  Daraufhin  sandte  sich  Lübeck  an 
Rostock  mit  der  Bitte,  auf  Rothmann  zu  fahnden  und  mitzuteilen,  was  in 
der  Sache  vorgenommen  würde.  Dem  Briefe  vom  6.  Juni  ist  eine  Beilage 
angefügt  (s.  M.  6.-Q.  II,  410  f.),  in  der  es  über  Rothmann  heifst:  „Is  van 
personen  ein  drangen,  verkant  man,  under  ogenen  wit,  bleck,  brun  strack 
haer  kort,  dricht  int  gemein  eine  Spaniske  kappen  unbosettet.^^  Lübeck 
ist  dem  Versprechen  nachgekommen,  das  es  am  8.  Juli  1537  der  Stadt 
Münster  gab,  „Rothman  und  seyns  geleichen  anhengem  myth  aller  sorg- 
feltichkeit  und  emsig  nachzustellen.^^  Aber  am  16.  Dezember  meldete  es- 
dem  Rate  zu  Rostock,  von  dem  es  gleichfalls  zur  Verhaftung  Rothmann^s 
aufgefordert  worden  war,  dafs  es  in  Wismar  statt  Rothmann's  irrtümlich 
einen  Arzt  Heinrich  Bentinck  aus  Amheim  habe  gefangen  nehmen  lassen,, 
und  bittet  um  Ersatz  der  dadurch  verursachten  Kosten  (vergl.  die  Akten 
bei  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  237 ff.).  —  Sicheres  über  Rothmann's  Ende 
ist  nicht  zu  ermitteln.  —  Herrn.  Hamelmann  erzählt  den  Tod  Roth- 
mann's übereinstimmend  mit  H.  Dorp,  fügt  dann  aber  S.  1284  f.  hinzu: 
„Sunt,  qui  dicunt,  Rothmannum  aufugisse  et  evasisse,  nescio  quorum  opera, 
et  hactenus  delituisse  in  Phrisia  apud  quendam  nobilem  in  institutione 
scholastica,  sed  mutato  nomine;  promisisse  etiam  Rothmanno  nobilem,  se 
nnnquam  hoc  revelaturum,  modo  quiescat  et  nihil  scribendo  vel  dicendo 
tentet;  et  ita  illum  iam  senem  hactenus  delituisse.  Haec  Monasterii  retulit 
clarissimus  medicinae  doctor  Gerhardus  Martellus  Ruremundensis  referente 
nobis  Bolando.    Credo  tamen  id  minimc  verum.^^ 

^)  Die  Mitteilung  der  Flucht  des  Königs  zum  Aegidiithor  giebt 
Kerss.  in  engem  Anschlüsse  an  die  Erzählung  des  Joh.  Fabricius  Bo- 
landus  Bl.  Zö^  u.  ZG.  Von  dem  Verrat  des  Knaben  berichtet  dieser 
nicht,  erzählt  aber  BL  AaO^  (und  ihm  folgt  Her m.  Hamelmann  S.  1285),. 


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844  Aubo  1535  acta. 

Interea  Matthias  Bflderbechns  et  Antonius  lichtherthenins 
andito  symbolo  et  Toce  signiferi  omninm  castrorom  vires  elato 
clamore  et  tympanomm  sonitu  ad  qnaslibet  nrbis  mnnitiones 
defensoribns  iam  nndatas  certatim  invadendnm  excitant.  Pari 
itaqne  tnmolta  et  eqnes  relictis  eqnis  et  pedes  fossas,  aggeres, 


wie  die  Landsknechte  das  Thor  ersttrmen  und  den  König  fesseln,  troti 
dessen  Warnung,  sich  an  seiner  Person  nicht  zu  vergreifen.  Johann  selbst 
gesteht  (s.  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  8.  180):  „Als  die  knechte  in  die  porten 
gekomen,  ist  der  konig  up  Sanct  Ilien  porten  gelopen  und  hefft  to  den 
knechten  gesprochen,  wolden  de  knechte  de  leven  laten,  so  dar  up  der 
porten  weren,  so  wolde  he  wilHchlich  to  ehne  affkomen;  offte  dem  so  ge- 
schehen oder  nit,  sy  eme  unbewnst/^  Kürzer  heiüst  es  in  dem  Bekenntnisse 
M.  G.-Q.  II,  373 :  „Item  dair  na,  dat  die  stat  ingenomen  wart,  lep  hy  up 
Sent  Telien  port  . . .,  dair  van  hy  doch  weder  gingh  und  also  gefangen 
wart^^  —  Von  einer  Unterhandlung  des  Königs  mit  den  siegreichen  Haupt- 
leuten am  Aegidiithor  meldet  sonst  nur  noch  H.  Gresbeck  8.  208 f.  Er 
schreibt:  „So  was  der  koningh  und  der  burgers  begeren,  dat  man  sie  wolden 
gefangen  nemmen,  und  dat  die  burgers  mochten  in  ir  huser  gain,  wente 
dat  mein  gnediger  her  von  Monster  in  die  stat  qweme.  Datselve  hebben 
die  lansknecht  gedain.  So  ifs  der  konningk  mit  den  burgers  von  der  porten 
khomcn,  so  sint  der  burgers  ein  deil  in  ir  huser  gegain,  und  den  koningk 
und  Knipperdollingk  und  ein  deil  mehr  hebben  sie  gefencklich  genommen.^ 
H.  Gresbeck  l&fst  übrigens  den  König  am  Kampfe  um  die  Wagenburg  auf 
dem  Markte  teilnehmen  und  von  dort  zum  Aegidiithor  zurückweichen.  Das 
Iftfst  sich  aus  anderen  Quellen  nicht  belegen,  die  in  ihrer  Mehrzahl  von 
einem  Eingreifen  Johann's  überhaupt  schweigen.  Nur  der  „WarhafFtige 
bericht^  hat  die  Erzählung  von  der  oben  auch  von  Kerss.  mitgeteilten  Auf- 
forderung Johannas  an  die  zuerst  eingedrungenen  Landsknechte,  die  Waffen 
niederzulegen,  und  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Z5^  läfst  am  Beginn  des 
Kampfes  den  König  seine  Anhänger  zur  mutigen  Verteidigung  anfeuern. 
Sonst  erfahren  wir  keine  Einzelheiten.  Der  Bischof  begnügt  sich  in  seinen 
Briefen  an  die  verbündeten  Fürsten  vom  25.  Juni  (M.  G.-Q.  U,  358)  mit 
der  kurzen  Meldung,  dafs  Johann  gefangen  sei,  ebenso  Justinian  v.  Holtz- 
hausen  in  seinem  Schreiben  vom  1.  Juli  nach  Frankfurt  a.M.  (ebd.  S.  366) 
und  Wirich  v.  Dhaun  mit  den  Ejriegsräten  in  ihrem  Berichte  für  den  Tag 
zu  Worms  (ebd.  S.  39G).  Unter  den  Flugblättern  giebt  nur  der  „War- 
hafftige  bericht^^  das  Aegidiithor  als  Ort  der  Gefangennehmung  an;  die 
„Gcwise  neue  zeittung"*  und  die  „Newe  zeyttung''  lassen  f&lschlich  den 
König  in  die  Domkirche  flüchten.  „Bex  pugnando  capitur^'  berichtet  C. 
Heresbach  S.  27,  ähnlich  L.  Uortensius  S.  72f.,  bei  dem  aber  Johann 
am  Lambertikirchplatz  überwunden  wird.  —  Zunächst  wurde  der  König 
•dem  Oberbefehlshaber  Wirich  v.  Dhaun  übergeben,  dann  aber  ist  er,  wie 
Wirich  und  die  Kriegsräte  nach  Worms  melden,  demselben  „durch  Willigken 


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Anno  1535  acta.  845 

propngnacnla,  castella,  crates  mnrosque  snperant.  Qnaedam 
etiam  portae  vi  excindnntur,  mmpnntnr,  panduntur  ant,  qna- 
cnnqne  arte  fieri  potest,  aperinntnr,  atqne  ita  fortnna,  imo  Deo 
auspice  nrbem  ingressi  recta  hostes  inyadunt  nostrosque  latori- 
bns  et  caedibns  liberant  inque  se  iam  hostinm  aciem  conver- 
tnnt.    Ibique  horrenda  laniena  exercetnr^ 


und  die  knecht  wider  abgetrungen  und  den  Munsterischen  reten  pracht  und 
gelifert  worden."  In  einer  Beschwerdeschrift  Wirich's,  die  der  Erzbischof 
von  Köln  und  der  Herzog  yon  Cleve  dem  Bischof  zustellen  (Kopie  im  St.-A. 
M.  M.L.A.  518/19  YIII.  fol.  140)  heifst  es:  „So  were  ...  dem  obersten 
der  Ycrmeint  konig  durch  ein  landtzknecht  geschenckt  worden,  der  aber 
seiner  gnaden  darnach  abhendich  gemacht.  Begert  demnach  s.  g.,  das  ime 
dargegen  ein  ergetzung  gethan  werde."  Darauf  antwortet  der  Bischof  am 
3.  October  (Konzept  ebd.  fol.  141),  „dath  de  koninck  durch  einen  lantz- 
knecht  erst  in  unse  hende  gefencklich  angenommen  und  gestalt,  derhalven 
▼ilg.  von  Oyerstein  zick  des  mit  redden  unses  erachtens  nicht  kan  oder 
mach  anmaten." 

')  Hier  läfst  sich  Kerss.^s  kurzer  Bericht  aus  den  gleichzeitigen 
Quellen  ergänzen.  Aus  diesen  geht  hervor,  dafs  dem  vor  der  Stadt  be- 
findlichen Hauptheere  von  Landsknechten  in  Münster  ein  Thor  geöffnet 
wurde.  Nach  H.  Gresbeck  S.  209,  der  auch  die  Notiz  hat:  „und  die 
ruettcr  sint  von  den  perden  gesetten  und  sint  ouck  tho  vote  geloupen  na 
der  stat,"  geschah  der  Einbruch  durch  das  Jüdefelderthor.  „So  sint  sie 
althomail,"  fügt  er  hinzu,  „in  die  stat  geloupen  und  hebben  do  al  doit 
geschlagen,  wat  sie  overqwemen  van  den  wiederdoepers."  Die  Eröffnung 
des  Jüdefeldcrthores,  die  Wirich  v.  Dhaun  bereits  in  seinem  Briefe  vom 
29.  Juni  an  den  Herzog  von  Cleve  (M.  G.-Q.  II,  360)  erwähnt,  ist  weiter 
bezeugt  in  dem  Bericht  Wirich's  und  der  Ejriegsräte  für  Worms.  Dort 
heilst  es  (ebendas.  S.  396):  „In  dem  begab  sich,  das  die  unsern  in  der 
stat  die  Judenfelder  pforte,  das  nechst  an  der  Creutz  pforten,  welche 
am  schwechsten  verwart,  geöffnet.  Dardurch  ich,  der  ob  erst,  mit 
dem  gantzen  hauffen  unsers  volcks  hie  in  kommen. **  Damit 
stimmt  auch  der  Bericht  Renn.  v.  Mengersen's  vom  29.  Juni  (»Newe  tzeit- 
tung^  Bl.  A2)  überein:  „Doch  yn  die  lenge,  do  . . .  meins  gnedigen  herren 
knechte  standt  begriffen,  hat  Wiltken  Steding  so  allen  vleis  difs  mal  vor- 
gewandt, ein  fenleyn  auf  dem  thumhofe  vorlassen  und  mit  dem  andern 
fenleyn  und  knechten  die  ejnfelder  pforten  den  knechten,  auch  etlichen 
reutem,  so  abgefallen  und  mit  hinan  gelauffen,  geöffent.**  Danach  ist  die 
Angabe  in  der  Flugschrift  „Der  gantze  handel**  BL  A  4  zu  berichtigen,  die 
„das  gantze  beer  durch  die  geöffnete  Creutzport  eingedrungen"*  sein  läfst 
Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  AA3  spricht  von  der  Eröffnung  des  Kreuz- 
und  Hörsterthores,  Herm.  Hamelmann  S.  1282  von  der  des  Servatii- 
und  Kreuzthores. 


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846  Anno  1535  acta. 

Dum  haec  agnntur,  loannes  Bokolins  Marcanns,  olim 
scholae  Panlinae  Timanno  rectore  claviger  et  post  recnperatam 
nrbem  in  snnuna  aede  campanarins,  yir  procems,  robnstns  et 
valde  animosns,  cnm  panlulnm  post  snperiores  labores  exanth- 
latos  interspirasset,  in  regiam  solns  irmit  neminemqne  ibi  praeter 
puerom  aegrotantem  reperit,  qnem  armis  minisqne  ad  regia  oma- 
menta  commonstrandnm  adegit.  Pner,  cnm  pactns  esset  ab  hoste 
yitam,  ipsnm  ad  gazophylacinm  dedncit,  nbi  miles  coronam  me- 
liorem  dextro  pede  compressam  calcariaque  anrea  Stedingo  do- 
nanda  et  aliqnot  catenas  annnlosque  snb  chaljbaeo  thorace  abdit. 
Inde  cnm  maiore  animo  in  pngnam  rediret,  dentata  clava  ab 
hoste  tactns  in  genna  snbsidit,  sed  commilitonnm  snomm  armis 
panlulnm  protectus  animum  viresqne  pristinas  resumit  ipsinsqne 
hostis  latus  sinistmm  valida  bipenne  confodit*. 

übi  vero  oppidani  hostium  numerum  et  aciem  angeri,  suam 
antem  assidnis  cladibus  mind  animadvertunt,  diffngiunt  omnes, 
latebrasqne  sibi  qnisqne  quaerit.  At  dncenti  propemodnm  mu- 
nitiones  in  foro  excitatas  raptim  occupant,  qnos  miles  inter  fn- 
^p.  617.  giendnm  snbsecutns  ferro  postremum  fugientium  agmen  a  ter*go 
carpit;  sed  cnm  mnnitiones  subüssent,  ita  ex  illis  tonant,  ita 
fremunt,  ita  tormenta  iacinnt^  nt  nnllnm  militem  in  foro  con- 
sistere  paterentnr  neqne  nllnm  in  conspectnm  sunm  impnne  ve- 
nire admitterent^ 


')  YgL  dazu  die  Erzählung  bei  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  Z6^ 
u.  Z7,  die  auch  von  Herrn.  Uamelmann  S.  1282  übernommen  wurde. 
Ein  Name  wird  dort  nicht  genannt.  Der  Mann  wird  bezeichnet  als  der- 
jenige, „cui  Pauli  tradita  phani  cura  prius*'  (bei  Herrn.  Hamelmann  als 
„olim  aedituus  ad  S.  Paulum*').  Auch  entkommt  er  ohne  Gefahr  aus  dem 
Fenster,  nachdem  er  aus  den  Gem&chem  der  Königin  neben  dem  könig- 
lichen Scepter,  den  Sporen  und  dem  Diadem  auch  die  Schlüssel  der  Stadt 
an  sich  genommen  hat,  die  er  seinem  Hauptmann  überliefert  Von  d& 
königlichen  Krone  und  der  Beschädigung  derselben  ist  hier  nicht  die  Bede. 
Vgl.  noch  M.  Böcheirs  Zusätze  zu  Kerss.  (M.  G.-Q.  HI,  232  f.). 

')  Der  letzte  Yerzweülungskampf  um  die  Wagenburg  auf  dem  Markte 
ist  fast  in  allen  Quellen  erwähnt  „Als  aber,^'  heilst  es  im  Bericht  for 
Worms  (M.  G.-G.  II,  396),  „die  in  der  stat  der  mererteil  überwunden  ge- 
west,  haben  sich  die  übrigen  py  einander  uf  dem  mark  in  ein  wagenburgk 
geschlossen,  da  selbst  zu  der  wer  steUen  woUen.^^  Die  Anzahl  der  Vertei- 
diger der  Wagenburg  giebt  der  Bischof  in  seinem  Schreiben  vom  26.  Juni 
an  den  Bömischen  König  (Kopie  im  St-A.  Marburg)  auf  „etzlich  hundert,^ 


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Anno  1535  acta.  847 

Post  dintnrnam  obsidionem  mnltiplicesqne  oppngnationes 
et  clades  urbe  iam  capta  nova  obsidione  novisque  impressioni- 
bns  et  cladibns  ad  conficiendos  et  debellandos  forenses  opus  esse 
militiae  dnces  animadvertnnt.  Proinde,  qnid  facto  opns  sit,  Con- 
sultant. Et  cnm  alii  vi  oppngnandos  esse  snaderent  neqne  com- 
mittendnm,  nt  yicti  victoribas  aeqniparentnr,  nt  extincta  innn- 
merabili  retinctomm  mnltitudine  exigoa  illa  manns  et  quasi 
snperiorls  belli  reliqniae  tantis  dncibus  et  militibns  iUndant  — 
victos  non  insnltare  yictoribns  solere;  victoriam  non  esse  per- 
fectam  et  absolutam,  qnae  hostiom  proterviam  non  contnndit 
ac  reprimit;  proinde  totam  illam  gentem  gladlo  extingnendam 
esse,  ne  nllae  reliqniae  anabaptisticae  impietatis  supersint  — ; 
alii  vero  consnlnnt  in  gratiam  ipsos  esse  recipiendos  et  vita,  si 
cnpiant,  donandos;  nndiqne  enim  ipsos  mnnitionibns  conclnsos, 
difficilem  et  pericnlosum  esse  aditnm,  cnm  tormentorum  et  bom- 


Wirich  y.  Dhaon  in  seinem  Briefe  an  den  Herzog  Ton  Cleve  (M.  G.-Q.  II, 
360)  am  29.  Juni  auf  3 — 400,  Jnstinian  y.  Uoltzhausen  am  1.  Juli  nach 
Frankfurt  a.  M.  (ebd.  S.  366)  auf  ungefähr  300  an.  Nach  dem  Flugblatte 
„Der  gantze  handel*'  Bl.  A4  stellten  sich  zunächst  „sjben  hundert,  wie 
man  achtet,  zur  weer  auff  dem  marckt  . . .  Zuletzt,  als  sie  vemamen,  das 
ir  König  gefangen,  hat  inen  grofs  forcht  alle  krafft  abgenummen,  sein  das 
merteyl  abgewichen  ...,  das  zuletzt  nit  über  200  den  standt  behalden 
haben.'^  Dafs  H.  Gresbeck  8.  208  die  Teilnahme  des  Königs  an  diesem 
Kampfe  berichtet,  ist  bereits  oben  erwähnt.  Als  Anführer  der  Schar  neumt 
D.  Lilie  S.  258  Hermann  (so  statt  Heinrich)  Krechting,  „etwan  gogreye 
to  Schopingen,''  der  „oyer  de  vifftige  weerhaiftiger  mans  mit  sick  hadde/* 
Yergl.  auch  die  von  C.  A.  Cornelius  im  „Histor.  Taschenbuch'^  5.  Folge 
Jahrg.  2  (liCipzig  1872)  S.  243  angeführte  yertrauliche  Mitteilung  der  bi- 
schöflichen Räte  zu  Neufs  im  Juli:  „Krechtinck  bei  zweihundert  bei  sich 
gehabt,  die  Wagenburg  eingenommen,  sich  zur  wehr  gestellt  . .  .^  Wenn 
Justinian  y.  Holtzhausmi  unter  den  300  Verteidigern  den  „newen  konnig^ 
anfuhrt,  so  ist  damit  wohl  Bernhard  Krechting  gemeint.  Denn  von  H. 
Gresbeck  S.  199  erfahren  wir,  dafs  eine  aus  der  Stadt  entflohene  Frau  die 
Zeitung  brachte,  „dat  sie  hebben  einen  andern  koningk  gekoren  Inder 
stat.^'  Zwar  war  diese  Nachricht  falsch.  Johann,  fährt  H.  Gresbeck  fort, 
„hadde  einen  lutenant  under  sick  gesät,  der  ime  solde  helpen,  dat  yolck 
in  dwange  holden.  It  woort  Johan  yon  Leiden  allein  tho  yiel.  Dersehe 
lutenant  is  genant  Berndt  Kroch ti gen  ...'^  —  Eine  Beschreibung  der 
Wagenburg  (ygl.  auch  oben  S.  740f.)  giebt  Joh.  Fabricius  Bolandns 
Bl.  AAft^u.  AA6. 


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848  Anno  1535  acta. 

bardamm  copia  intus  abundent;  non  posse  facile  iUis  hanc 
munitionem  eripi;  si  autem  vi  agantnr  omnia,  mnlto  militam 
sangnine  et  clade  banc  victoriam  sibi  constatnram,  et  si  nllam 
belli  gloriam  sint  consecnti,  eam  bac  strage  se  sine  dubio  con- 
taminaturos ;  satius  itaque  esse  partam  gloriam  paucorum  ho- 
stium  Salute  inviolatam  retinere,  quam  multorum  militum  san- 
gnine turpiter  amittere.  Quae  sententia  maiori  consultantium 
numero  placuit.  Donantur  ergo  vita  et  positis  armis  urbe  pro- 
tinus  praeeuntibus  quibusdam  militiae  ducibus  exire  iubentur^ 
Cum  vero  liberum  exeundi  commeatum  impetrassent^  multi  eorum 
ad  aedes  suas  necessariorum  forte  aliquid  inde  secum  elaturi 
sese  subducunt  atque  ita  ab  aliis  ad  exeundum  paratis  sponte 
sua  divelluntur;  ubi  cum  longiorem  moram  fecissent,  iam  tuto 
egressos  eodem  certe  commeatu  confisi  sine  ducibus  subsequi 
contendunt;  qui  a  militibus  intercepti  mactantur  firustraque  com- 
meatum sibi  datum  implorantl 


^)  Yergl.  zur  Sache  C.  A.  Cornelias  a.a.O.  S.  237  ff.  Von  den 
gleichzeitigen  SchriftsteUern  herichtet,  abgesehen  von  C.  Heresbach 
S.  27,  der  auf  einen  Brief  Wiiich^s  v.  Dhaon  zurückgeht,  sonst  nur  D. 
Lilie  a.a.O.  und  die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  6.-Q.  I,  337)  kurz 
von  diesem  Vertrag  auf  freien  Abzug,  von  den  Flugblättern  nur  der  „War- 
hafftige  bericht''  Bl.  B  2  (Zeitschr.  33  S.  13  f.),  der  aber  die  Entscheidung 
über  das  Schicksal  der  zunächst  Begnadigten  bis  zur  bevorstehenden  An- 
kunft des  Bischofs  verschoben  werden  läfst.  Sonst  ist  nur  von  dem  sofor- 
tigen Niedermachen  und  der  Gefangennahme  der  Wiedertäufer  die  Rede. 
Dafs  aber  Unterhandlungen  Statt  gefunden  haben  und  der  Vertrag  ge- 
schlossen wurde,  bestätigen  die  Briefe  und  Akten.  Zwar  sagt  der  Bischof 
in  seinem  Schreiben  an  die  verbündeten  Fürsten  nur,  dafs  die  in  der  Wagen- 
burg „tho  lest  vermits  angeschickte  upforderunge  und  underhandelunge  sick 
ock  bcgeven;''  und  Wirich  v.  Dhaun  meldet  auch  nur  kurz  dem  Herzog 
von  Cleve  am  29.  Juni,  „die  sein  begnadet  worden.**  Aber  Justinian  v. 
Holtzhausen  a.a.O.  berichtet  am  1.  Juli  an  seine  Vaterstadt:  „Die  begertcn 
gnade.  Den  wart  genade  bewisen,  und  mit  weifsen  steblin  aus  dem 
lant  über  die  sehe  verweist.*  Und  im  Bericht  für  Worms  a.  a.  O. 
heifst  es:  „Als  sie  aber  gemerkt,  das  sie  zu  schwach  gewesen,  haben  sie  umb 
frischtung  des  lebens  genad  gebetten,  das  inen  nach  gehaptem  rate 
gedihen,  und  sie  alspald  zu  der  stat  und  lant  ussgewisen.* 

*)  So  berichtet  nur  Kerss.  Vergl.  C.  A.  Cornelius  a.a.O.  S.  239 
u.  245.  Zwar  sagt  die  sonst  schlecht  unterrichtete  Bischofschronik  a.  a.  O., 
dafs  die  Begnadigten  „utgeleidot*  seien.   Ein  Vertragsbruch  scheint  jeden- 


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Anno  1535  acta.  849 

Circa  horam  sextam  diei  25.  lunii  Paulns  Ledebur,  natu-  25.  Juni, 
ralis  Henrici  Ledebur  filius,    celerrimo  Woltbecam  vectus  equo 
principi  captam  esse  urbem  primus  nunciat,  quam  victoriam  ipse 
multis  principibus  ac  civitatibus  per  literas  continuo  significat  \ 

*Miles   inde  omnes  domos  et  angulos  urbis   accuratissüne  •  p.  618. 
scrutatur  et  anabaptistas  repertos  producit  productosque  gladiis 
conficit.   Ita  Bernardus  Swerthenius  \  ita  Magnus  Koehuess  atque 


falls  Statt  gefanden  zu  haben,  wenn  auch  die  Briefe  und  Akten  Nichts 
davon  melden.  Wir  erfahren  sonst  nicht,  dafs  ein  Teil  der  Begnadigten 
wirklich  die  Stadt  verlassen  habe.  Vielmehr  sagt  die  schon  oben  citierte 
Mitteilung  der  bischöflichen  Räte  zu  Neufs:  nachdem  die  Kämpfer  auf  der 
Wagenburg  die  Wehr  von  sich  gelegt,  „soll  Krechtinck  davon  gekommen, 
aber  doch  erstochen  sein,  die  andern  der  mehrtheil  umgekommen. 
Monster  trage  des  handeis  kein  wissen."  Die  „Historia  der  belegerung", 
die  den  Kampf  um  die  W^agenburg  nicht  besonders  erwähnt,  läfst  Bl.  3^ 
(Zeitschr.  17  S.  2310  nach  dem  Eindringen  des  Hauptheeres  von  den  Wieder- 
täufern den  gröfsten  Teil  auf  den  Gassen  erstochen,  „und  doch  ettlich,  die 
sich  in  genad  und  ungnad  begaben,  nit  weifs  ich,  ob  sie  der  Sachen  vor- 
wissen hetten,"  gefangen  genommen  werden.  Der  „W^arhafftige  berichf* 
a.  a.  0.  erklärt  das  Hinmorden  der  in  ihre  Wohnungen  entlassenen  W^ieder- 
täufer  durch  die  Wut  der  Knechte  über  die  gehabten  Verluste;  vgl.  auch 
H.  Gresbeck  S.  209.  C.  Heresbach  a.a.O.  sagt,  nachdem  er  an  der 
Hand  des  Briefes  Wirich's  die  Begnadigung  erzählt,  selbständig:  „Sed  po- 
stea,  cum  insidias  struere  rebellionemque  parare  deprehenderentur,  plerique 
occisi  sunt.**  Von  einem  Befehl,  der  dem  Morden  Einhalt  gebot,  weifs  nur 
der  „Warhafftige  bericht". 

M  Abdruck  des  Briefes  aus  Wolbeck  an  den  Landgrafen  M.  G.-Q. 
II,  3')?  f.  Gleichlautende  Schreiben  ergingen  an  den  Römischen  König,  an 
die  Kurfürsten  von  Köln,  Mainz,  Sachsen  und  der  Pfalz,  an  den  Herzog 
von  Cleve  und  an  die  Städte  Kampen,  Deventer,  Zwolle  und  Osnabrück. 
Der  Bischof  sagt  darin,  dafs  die  Stadt  „vor  dussen  middach"  in  seine  Ge- 
walt gekommen  sei.  Die  Angaben  der  Quellen  über  die  Zeit  der  einzelnen 
Phasen  des  Kampfes  in  der  Stadt  lassen  sich  nicht  mit  einander  vereinigen. 
Bemerkt  aber  sei,  dafs  Wirich  v.  Dhaun  in  seinem  Briefe  an  den  Herzog 
von  Cleve  vom  29.  Juni  (M.  G.-Q.  II,  360)  die  Zeit  der  Eröffnung  des 
Jüdefelderthores  auf  „gegen  morgen  umb  die  6  uren"  angiebt. 

*)  Die  folgenden  Einzelheiten  berichtet  mit  wenigen  Ausnahmen  nur 
Kerss.  Die  Flugblätter  und  Schriftsteller  geben  ein  grausiges  Bild  der  nun 
folgenden  Metzeleien.  „Was  sich  hat  verborgen,"  sagt  „Der  gantze  handel" 
Bl.  A4,  „ward  mit  fleys  gesucht,  herfür  geruckt  und  getriben,  zu  stundt 
on  einich  gehör  zerstochen  und  zerhackt.  Da  was  kein  mitlejden,  kein 
menschlich  barmhertzigkeyt^  sonder  über  zehen  tag  lang  weret  solch  suchen, 

30 


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850  Anno  1535  acta. 

permulti  alii  in  vicos  e  latebris  aedium  producti  strictis  mucro- 
nibus  conciduntur.  Joannes  Eschmannns  Warendorpensis,  homo 
procervus  et  canus,  qui  a  propheta  in  superiori  republica  inter 
seniores  Israheliticos  numerabatur  \  in  anla  cuiusdam  canonici 
summae  aedis  deprehensns  militibns  ad  se  caedis  causa  irruen- 
tibus  se  canonicum  eiusdem  templi  esse  persnadere  conatnr  et 
aegritudine  impeditum  urbis  obsidionem  eflfugere  non  potuisse. 
Facile  id  quidem  ob  venerandam  canitiem  et  morum  gravitatem 
nodlitibus  persuasisset,  nisi  a  quibusdam  proditus  fuisset.  Theo- 
doricns  Schloschenius  snmpto  agricolae  habitu  eflfugere  molitur, 
at  a  EortemoUio  agnitus  bipenne  dissectus  corruit.  Hermannus 
Tylbechius  prope  coenobium  Aegidianum  confossus  inter  sordes 
iacuit,  tandem  in  aquagium  yieinum  protractus  et  arena  opertus 
vix  asini  sepulturam  habuit  *.  Joannes  Boentruppius,  lanio,  inter 
retinctos  non  infimus,  frustra  supplices  manus  extendens  iuxta 
palum  numellarium  mactatur.  Gerardus  Kibbenbrochius  in  foro 
ante  fores  suas  traiectus  supremum  efflat  spiritum.   Xantus  vero, 


morden  und  würgen."  Vergl.  auch  H.  Gresbeck  S.  t:00.  Am  29.  Juni 
meldet  Wirich  v.  Dhaun  dem  Herzoge  von  Cleve  (M.  G.-Q.  n,  360):  „Es 
sein  aber  denselbigen  tag^^  (25.  Juni),  „die  nacht  und  den  anderen  tag 
dere  in  der  stat  vil  in  huseren  und  kelneren  gefunden,  die  al  von  den 
knechten  zu  tod  geslagen.''^  Am  1.  Juli  schreibt  Justinian  y.  Holtzhausen 
(ebendas.  S.  366) :  „Es  werden  noch  deglichs  gefunden  und  erstochen."  Im 
Briefe  vom  7.  Juli  schreibt  Siegmund  v.  Boineburg  dem  Landgrafen  Philipp 
(ebd.  S.  368):  „Und  mögen  des  ersten  tages  in  eroberung  der  stat  funfte- 
halb  hundert  sein  tot  bliben,  so  dorch  die  tottengreber  getzalt  und  gleub- 
lichen  bericht  gethon.  Aber  noch  volgends  haben  die  knechte  von  tage  zu 
tage  leut«  in  den  kellern  und  under  den  dechem,  auch  sunst  hin  und  widder 
funden;  die  haben  die  knechte  alle  selbem  erhawen  und  erschlagen.  Der 
auch  nicht  weniger  dan  '200,  so  von  den  knechten  von  tage  zu  tage  er- 
schlagen worden  sint.^^  Herm.  v.  Mengersen  giebt  (in  der  „Newen  tzeit- 
tung**  Bl.  A  2^)  die  Zahl  der  Getödteten  auf  über  500  an.  „Der  gantze 
handel"  fügt  seiner  Schilderung  hinzu:  „Allein  ist  der  frawen  verschont, 
es  wer  dann,  das  sie  zur  weer  gestanden,  oder  haubtsacher  dises  handeis 
gewest  weren/'  Auch  Justinian  v.  Holtzhausen  schreibt  a.  a.  0. :  „Sonst 
von  frawen  und  kinden  ist  ncmant  umbkomen,  dieweil  sie  sich  nicht  ge- 
wert haben." 

*)  S.  oben  S.  576.  —  *)  Den  Tod  Herm.  Tilbeck's  meldet  kurz  und 
ohne  Nebenurastände  D.  Lilie  S.  258.  üeber  Th.  Schloschen's  Tod  vgl. 
auch  M.  Röcheil  (M.  G.-Q.  III,  233). 


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Anno  1535  acta.  851 

faber  ahenarins,  e  regione  curiae  aperto  mncrone  latere  cormit. 
Alii  e  cnria  praecipitantnr  in  forum  et  in  militum  ibi  stantinm 
hastas  insiliunt*. 

Tylanns,  homo  statnra  oblongns,  monocnlus  et  insignis 
iaculator,  aicis  pelle  et  galea  munitns  a  militibns  nndiqne  ha- 
stis,  gladiis,  bipennibns  impeditnr,  pungitur,  caeditnr  et  pul- 
satur  ita,  ut  saepe  in  genua  corruat,  sed  muri  praesidio  tan- 
quam  fulcro  innixus  resurgit,  vix  tandem  creberrimis  ictibus 
iuxta  angustum  ponticulum  stemitur  et  in  Alpham  detruditur,- 
ubi  aquis,  quas  cruore  suo  tingit,  et  arena  obrutus  animam 
evomit.  Speculatores  quatuor  in  turri  Lambertina  acriter  sese 
adversus  ascendentium  impetum  tuentur,  sed  tres  eorum  trans- 
fossi  concidunt,  quartus  vero  e  summo  fastigio  vivus  praecipi- 
tatur,  qui  cum  solum  tetigisset,  ita  dissiluit,  ut  omnibus  cor- 
poris nexibus  dissolutis  intestina  cum  sanguine  effluerent*. 

Huiusmodi  cruenta   spectacula  quotidie  ad  octo  fere  dies 
in  eos,  quos  aut  miles  aut  fames  e  latebris   prodire  coegit,  ex- 
hibentur.    Et  cum  omnes  retincti  pallerent,  omnes  pallentes  ana- 
baptistas  esse  existimabant.    *Ideo  multis  peregrinis  et  ignotis^p.  619. 
pallor  exitio  fuit. 

Dominus  Bernardus  Krechtingus  e  coenobio  Aegidiano  cap- 
tiyus  protrahitur  et,  cum  continuo  mori  mallet,  acerbiori  tamen 
poenae  reservatus  est.  Gerlacus  quoque  a  Wullen  et  Christianus 
Kerckringus  capti  abducuntur  ad  arces  principis*,  quorum  ille 
circa  festum  Galli  in  Octobri  abiurans  anabaptismum  in  gratiam 
a  principe  receptus  vita  donatur,  hie  vero  inter  Dulmaniam  et 
Wedderen,  coenobium  Carthusianorum,  e  curru,  quo  cum  Knip- 
perdollingo  vehitur,  per  carnificem  raptas  decollatur®. 

Hinc  cadavera   occisorum  vestibus  despoliata  ab  agricolis 

»)  Ms.:  hastas  et  insiliunt. 


^)  Vgl.  D.  Lilie  S.  259:  „De  landesknechte  nemen  den  kuerwechter 
up  Sunte  Lamberdes  torne,  de  enne  in  dem  legger  vele  spites  gedain,  unde 
worpen  en  daraff  upt  marcket." 

')  Das  berichtet  auch  Herrn,  v.  Mongersen  am  29.  Juni  (a.a.O.  Bl.  A3). 

^)  Die  Hinrichtung  Chr.  Kerckerinck's  erwähnt  Kerss.  gleich  unten 
noch  einmal.  Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  259:  „Kerckerinck  wordt  twisschen 
Dulman  unde  Coesfelde  in  dem  velde  affgehouwen.** 

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852  Anno  1535  acta. 

sepnltorae  causa  accitis  amplis  terrae  hiatibns  in  campo  do- 
minico  effossis  contnmnlantur  ^ 

Cnm  autem  KnipperdoUingus  neqne  inter  captivos  neqne 
inter  cadavera  deprehenderetnr  neqne  in  conspectnm  cninsdam 
prodiisset,  ne  nsqnam  gentium  arctissima  omnium  viarnm  cu- 
stodia praepeditus  eflfngere  potuisset,  ipsum  ut  totius  fere  motus 
causam  magno  studio  et  diligentia  inquirendum  esse  censent. 
Die  vero  capta  urbe  rebusque  iam  perditis  et  desperatis  certa 
elabendi  spe  fretus  primum  sese  in  aedes  Catharinae  Hobbels 
ad  portam  Neopontanam  commorantis   clanculum  subduxit,  ubi 

26.  Juni,  per  noctem  istam  et  diem  subsequentem,    quae  fuit  26.  lunii, 

in  suprema  domus  parte  elabendi  occasionem  expectans  delitescit. 
Et  cum  intolerabili  siti  se  premi  quereretur,  aquam  puram  sibi 
dari  postulavit,  quam,  cum  bibisset,  regio  mero  praeferebat  suam 
sortem  Interim  deplorans.  At  mulier  illa  KnipperdoUingum  per 
milites  investigari  intelligens  trepidare  coepit,  ne  novus  ille 
hospes,  quem  occultasset,  sibi  exitio  sit.  Proinde  ne  in  suis 
aedibus  deprehendatur,  imminente  vespertina  in  desertas  ibi  vi- 
cinas  aedes  ipsum  secedere  iussit,  in  quibus  se  pro  arbitrio  ab- 
scondat.  Cum  vero  multa  passim  loca  in  urbe  perscrutati  ftiis- 
sent  neque  KnipperdoUingum  invenissent,  die  sequenti,  quae  fuit 

27.  Juni.  27.  lunii,  mussitatum  est  ipsum  apud  portam  Neopontanam  po- 

stremo  visum  fuisse;  quare  eo  aliquot  cohortes  ad  ipsum  investi- 
gandum  mittuntur.  Interea  anabaptisticarum  feminarum  fit  con- 
cursus,  cum  per  praeconem  urbe  excedere  iuberentur  *.  Ad  quas 
überstenius  eam,  quae  KnipperdoUingum  monstraret,  se  vita  et 


*)  Vergl.  D.  Lilie  S.  260:  „Do  worden  die  burcn  ummeher  in  de 
Stadt  gelaten,  de  doden  corporen  umb  des  groten  stanckes  wiUen  to  be- 
graven.  De  buren  togen  de  doden  naket  uth  unde  spolierden  desulvigen, 
groven  grote  knien  np  den  kerckhovcn  edder  steden,  dar  se  legen,  unde 
worpen  de  doden  so  naket  in  de  knien,  den  einen  up  den  anderen,  gelick 
dat  beeste  weren  gewest.**    S.  auch  Job.  Fabricius  Bolandus  Bl.  AA8. 

*)  „Weitter,"  schreibt  am  7.  Juli  Siegmund  v.  Boineburg  dem  Land- 
grafen Philipp  (M.  G.-Q.  II,  368),  „wil  ich  e.  f.  g.  auch  nicht  verhalten, 
das  m.  g.  h.  von  Munster  alle  die  weiber,  so  in  Munster  gewest,  in  einen 
hof  zusammen  gefordert  und  inen  vorhalten  lossen,  wo  sie  gnade  begerten 
und  von  irem  vomemen  der  vorfurischen  secten  der  widertauf  abstehen 
wolten,  wolten  s.  f.  g.  sie  begnaden."     Vgl.  gleich  weiter  unten. 


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Anno  1535  acta.  853 

civltate  donatnram  bonaqne  eins  a  pnblicatione  atqne  confisca- 
tione  tnta  conservaturnm.  Ad  qnae  Catharina  Hobbels:  si,  in- 
quit,  promissa  firma  sibi  futura  intelligat,  se  Uberstenium  voti 
compotem  facturam.  *Hinc  data  sibi  fide  latibnlnm  Knlpper-  »p.  620. 
doUingi  commonstrat,  unde  vinctus  protrahitnr  \  Maritas  aut^m 
huius  muliercnlae  iam  praegnantis  a  militibns  ad  coemiterium 
Lambertinura  raptns  decoUatur,  feminae  vero  et  bonis  ex  fide 
parcitur. 

Capto  KnipperdoUingo  qninquaginta  propemodum  miKtes 
in  curiam  graphiariam,  nbi  totius  fere  nrbis  opes  reconditae 
erant,  irraunt  atque  anro  argentoque  tarn  signato  quam  non  si- 
gnato  vestes  suas  satis  laxas  farciunt  et  opplent.  Sed  in  hoc 
furto  deprehensi  Septem  eorum  in  campo  dominico  decoUantnr, 
reliqui  exutis  omnibus  praeter  indusia  vestibus  per  vicos  longo 
ordine  funibus  religati  ad  portam  Crucis  protrahuntur  eaque 
ignominia  ajffecti  urbe  profligantur.  Vestes  tarnen  biga  ad  por- 
tam vectae  illis  restituuntnr  ^ 

Inde  Stedingns  28.  Innii  cum  octingentis  armatis  principi  »s.  Juni, 
ad  urbem  captam  Woltbeca  venienti  gratulabundus  obviam  pro- 
cedit  aflferens  illi  honorarii  et  manubiarum  loco  regiam  coronam, 
gladium,  calcaria  aurea  et  claves  urbis.  Princeps  restituta  sibi 
urbe  vix  triduura  propter  pestem  ex  inedia  et  foetore  passim 
scintillantem  in  ea  haeret,  sed  cum  partem  praedae  ex  pacto 
sibi  debitam  accepisset,  constitutis  vicariis,  qui  se  absente  ra- 
tionem  urbis  habeant,  Iburgum,  ut  opinor,  concessit*. 

^)  Vgl.  dazu  die  Erzählung  des  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl. 
AA  7,  nach  der  sich  Knipperdolling,  erschöpft  vom  Kampfe,  auf  dem  Wege 
zur  Flucht  doch  noch  zur  Rückkehr  in  die  Stadt  entschliefst.  Er  verkriecht 
sich  in  ein  Haus  an  der  Martini kirche,  wird  aber  von  einer  Frau,  die  ihn 
zufällig  gesehen  hat  (ihr  Name  wird  nicht  genannt),  den  Feinden  verraten 
und  gefangen  genommen.  Ucbcr  das  Schicksal  der  Frau  und  das  ihres 
Mannes  erfahren  wir  hier  weiter  Nichts,  —  Kerss.'s  Datumsangabe  ist  un- 
richtig. Schon  am  25.  Juni  fügen  Wirich  v.  Dhaun  und  die  Kriegsräte 
einem  kurzen  Berichte  über  die  Eroberung  Münsters  an  den  Landgrafen 
Philipp  einen  Zettel  bei,  in  dem  es  heifst  (Orig.  im  St.-A.  Marburg):  „Es 
ist  KnippertuUing  uff  heut  ungeverlich  umbtrynt  11  uren  in 
einer  heimnus  gefunden,  lebt  noch.    Wir  haben  ine  fnrgehapt.^ 

'^)  Die  sonstigen  Quellen  berichten  davon  Nichts. 

')  Dasselbe  Datum   für  den  Einzug  des  Bischofs  in  Monster  giebt 


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854  Anno  1535  acta. 

Milites   pueros  ntriusqne  sexus   liberalioris  formae  occisis 

parentibns  tanquam  mancipia  viris  matronisque  dignitate  prae- 

fnlgentibns  donant^. 

5.  Jnu.  Qninto  die  Inlii,  cnm  snperiori  edicto  feminae  non  pamis- 

sent,   itemm  per  praeconem  proposita  contemptricibus  mortis 


der  Bericht  Wirich's  v.  Dhaun  und  der  Kriegsräte  für  Worms  (M.  G.-Q. 
II,  396).  „Ist,"  heifst  es  dann  weiter,  „. . .  Willigken  mit  etlichen  haupt- 
lewten  i.  f.  g.  engegen  geritten,  des  königs  kröne  uf  sinem  haupt  und  des- 
selben Schwert  mit  ime  gefurt,  und  das  dem  confirmirten  zu  Munster  zu 
einer  bcwtc  gcschenckt."  So  sagt  auch  H.  Gresbeck  S.  213:  „Als  nu 
die  stat  gewunnen  was,  do  ist  mein  g.  h.  von  Monster  in  die  stat  khomen, 
des  d erden  dages  dairna.  So  sint  ime  entegen  getogen  twe  venlein 
knecht  und  hebben  innen  in  die  stat  geholt."  Doch  war  nach  einem  Briefe 
Wirich's  V.  Dhaun  vom  29.  Juni  an  den  Landgrafen  Philipp  der  29.  Juni 
der  Tag  des  Einzuges,  denn  Wirich  schreibt  (M.  G.-Q.  11,  359):  „Es  ist 
der  bischof  uf  heut  umbtrent  8  ure  uf  einem  wagen  zu  Munster  in- 
gefaren."  Fast  wörtlich  so  schreibt  auch  Herm.  v.  Mengersen  am  29.  Juni 
(in  der  „Newen  tzeittung"  Bl.  A3)  und  fährt  dann  fort:  „Es  haben  seiner 
f.  g.  die  lantzknecht  diesen  tag  des  königes  krönen  und  sporen,  so  lauter 
goldt,  darzu  das  schwerd,  so  mit  golde  beschlagen,  aus  der  beute  ge- 
schenckt."  Im  Briefe  Siegmund's  v.  Boincburg  vom  7.  Juli  an  den  Land- 
grafen (M.  G.-Q.  II,  368)  ist  für  den  Einzug  kein  Datum  angegeben.  Drei 
Fähnlein  Knechte  zogen  dem  Bischöfe  entgegen,  dem  Krone,  Schwert  und 
Sporen,  aufserdem  noch  die  Schlüssel  zu  allen  Thoren  der  Stadt  überreicht 
wurden.  Vergl.  noch  die  „Historia  der  belegerung^  Bl.  3^  (Zeitschr.  17 
S.  239)  und  D.  Lilie  S.  260 f.,  wo  ebenfalls  ein  Datum  fehlt.  Ungenau 
ist  die  Angabe  des  L.  Hortensius  S.  73,  nach  der  der  Einzug  am  26. 
Juni  Statt  fand.  —  Von  einem  vier-  oder  fünftägigen  Aufenthalt  des  Bi- 
schofs in  der  Stadt  meldet  H.  Gresbeck  S.  213.  Doch  hat  sich  der  Bischof 
wohl  länger  in  Münster  aufgehalten.  Denn  Siegmund  v.  Boineburg  fügt 
in  seinem  Briefe  bei:  „Also  ist  s.  f.  g.  ingezogen  ...,  wirdet  auch  noch- 
mals ein  tzeit  lang  do  verharren  und  seinen  hoflager  do  haben  werden.^^  — 
üeber  den  Zustand  in  der  Stadt  äufsert  sich  die  „Historia  der  belegerung**: 
„und  ist  ein  übler,  grofser  gestanck  und  sonst  vil  ander  unlust  in  der  statt 
und  ein  jemerlich  wesen."  In  „Der  gantze  handel''  Bl.  A4^  heifst  es: 
„Die  gewunnen  stat  was  erschröcklich  anzusehen;  in  allen  gassen  lagen 
todten,  das  weiber  geschrey  schallet  au£f  allen  orten.  Es  lagen  in  vilen 
heusem  die  von  hunger  gestorben  noch  auff  einander  unbegraben."  —  Vom 
Verbleib  der  königlichen  Insignien  Johann's  (vgl.  oben  S.  651  ff.  u.  846) 
ist  Nichts  bekannt. 

^)  So  nur  Kerss.  „Der  gantze  handel''  Bl.  A4  hat  die  Notiz:  „Es 
ist  kein  oder  gar  wenig  Jungs  volcks  in  der  stat  funden,  so  strengklich 
hat  der  geweitig  hunger  da  geherscht.^^ 


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Anno  1535  acta.  855 

poena  ad  praepositnram  smnmae  aedis  convocantar;  quo  cum 
venissent,  nna  cum  pneris  ab  armatis  per  portam  Marianam  exi- 
guntur  et  urbe  dioecesiqne  interdicuntnr  *. 

Septima  Inlü  Divara,  praecipua  regina,  nxor  Knipperdol-  ?.  Juii. 
lingi  et  Brandeschenia,  socrus  illius,  Wolterissa  cum  filia  sua 
in  anabaptismum  furentes  decollantur  ^.  Eberardus  Beimensni- 
derus  in  summo  culmine  domus  lacobi  Stovenii  interdiu  semper 
delituit,  noctarno  vero  tempore  militibus,  qui  aedes  eas  tunc 
occupabant,  dormientibus  inedia  et  siti  adactus  clanculum  pro- 
repsit  et  se  militum  cibo  satiavit.  At  cum  modum  vorando  non 


')  Der  Brief  Siegmund's  v.  Boineburg  a.a.O.  weifs  Nichts  von  einem 
zweimaligen  Gebot.  Er  meldet,  es  hätten  nur  wenig  Frauen  widerrufen 
wollen.  Daraufhin  habe  der  Bischof  „die  vomemesten  gefencklich  annemen 
lassen  in  willens,  dieselben  zu  rechtfertigen  . . .,  die  gemeinen  weibes  per- 
sonen,  so  do  nicht  haben  widderruffen  wollen,  der  stat  Munster  vorwisen, 
doch  mit  der  antzeig,  welche  über  kortz  oder  lang  sich  bedencken  worde 
und  die  widertauf  widderruffen  und  gnade  begeren,  den  wolte  s.  f.  g.  wider- 
varen  lossen."  Dafs  zahlreiche  Frauen  bald  zurückkehrten,  erzählt  Kerss. 
gleich  weiter  unten,  „üp  dat  leste,"  beschreibt  H.  Gresbeck  S.  213, 
„sint  sie  wieder  in  die  stat  khomen.  Und  ein  dcil  sint  enwech  getogen  in 
ander  landen.  So  wolden  ein  deil  sagen,  dat  sie  weren  in  Engelaut  ge- 
togen." Auch,  der  „Warhafftige  bericht'',  der  von  zwei  Ausweisungsbefehlen 
erzählt,  fügt  Bl.  B  2v  (Zcitschr.  33  S.  IT))  hinzu:  „Also  weisst  niemant, 
wohin  das  volck  kommen  sey,  wie  wol  etliche  sprechen,  sie  seind  merteils 
in  Engelland  kommen." 

^)  Die  Hinrichtung  der  Divara  erfahren  wir  nur  durch  Kerss.  C. 
Heresbach  S.  27  f.  schreibt:  „Ex  uxoribus  regiis  . . .  aliquot  captae,  non- 
nullae  elapsae.  Regina  . . .  caesane  in  ipso  tumultu  an  evaserit,  incertum." 
Aehnlich  sagt  H.  Gresbeck  S.  214:  „War  die  koningkinne  is  gebleven 
mit  iren  mitfrowen,  dair  en  khan  ick  nicht  von  schriven."  Früher  (S.  191) 
hatte  H.  Gresbeck  mitgeteilt,  dafs  Johann  allen  seinen  Frauen  mit  Aus- 
nahme der  obersten  Königin  Urlaub  zum  Verlassen  der  Stadt  gegeben 
hatte.  Unter  den  hingerichteten  Wiedertäuferinnen  nennt  D.  Lilie  S.  260 
„Bemdt  KnipperdoUinges  frouwe  mit  Tilenbecken  suster,  dat  ein  conver- 
sinne  to  Sunte  Egidius  gewest  is."  Wie  Siegmund  v.  Boineburg  a.  a.  0. 
dem  Landgrafen  Philipp  schreibt,  hat  er  selbst  im  Verein  mit  den  Main- 
zischen und  Pfälzischen  Gesandten  dem  Bischöfe  geraten,  die  Frauen  bis 
zur  Entscheidung  des  Tages  zu  Worms  gefangen  zu  behalten;  doch  habe 
der  Bischof  geantwortet:  „Solche  weibes  personen  seien  wol  als  tettigk  und 
zum  teil  tettiger,  als  die  maus  personen;  s.  f.  g.  wollen  in  auch  nicht 
unrecht  thun." 


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856  Anno  153Ö  acta. 

teneret,   ex  diminntione   ciborum    anabaptistam   secnm  latitare 

suspicantnr,    quem  cum  accurate  et  diligenter   inquirerent,  in- 

•p.  621.  veniunt,  inventum  8.  lulü  ad  campum  dominicum  •cum  Catha- 

*'  ^"^^'  rina  Borchardes  et  Casparo,  filio  illius,  protrahunt;  ibi  praecisis 

capitibus  transgressionis  poenas  luunt*. 

Sed  quis  omnes  singulorum  dierum  caedes  enumerare  queat? 
ürbs  inde  tota  diripitur,  omniaque  bona  mobilia  sine  discrimine 
in  praedam  vertuntur;  praedae  praefecti  constituuntur,  qui  non 
solum  clero  et  civibus  ab  exilio  reversis,  verum  etiam  quibusvis 
exterraneis  spolia  divendunt  et  precium  in  commune  confenmt. 
Quaedam  bona  ita  distrahuntur,  ut  nulla  fere  sit  regio  Genna- 
niae,  in  quam  praeda  non  sit  illata.  Multi  etiam  cives  post 
diotumum  exilium  reversi  sua  bona  spolium  iam  facta  non  mi- 
noris  quam  aliena  redimunt,  bonorum  vero  immobilium  posses- 
sionem  gratuito  recuperant*.  At  retinctorum  res  immobiles  in 
communem  patriae  utilitatem  et  impensarum  factarum  levamen 
confiscantur,  ad  quarum  venditionem  ex  quatuor  dioecesis  or- 
dinibus  viri  graves  deputantur,  a  principe  Fredericus  a  Twisth, 
praefectus  praetorio,  et  Everardus  Moringus,  satrapa  Vastenou- 
wensis ;  a  capitulo  D.  Botgerus  Smisingus,  scholaster,  et  D.  Ge- 
orgius  ab  Haitzfelt,  bursarius ;  a  militari  ordine  Gerardus  Mor- 
rien,  hipparchus  dioecesis,  et  Joannes  a  Mervelt;  a  ciWtatibus 
dioecesis  Wilbrandus  Plonies,  consul  Monasteriensis,  et  Joannes 
a  Graes,  consul  Coesfeldiensis  ^ 


*}  Die  Hinrichtung  E. Riemensnider's  erwähnt  kurz  auch  ü.  Lilie  S,  2t30. 

*)  Im  Bericht  Wirich's  v.  Dhaun  und  der  Kriegsräte  für  Worms  (M. 
O.-Q.  II,  397)  heifst  es  in  Bezug  hierauf:  „In  diesen  tagen  ist  alles,  was 
noch  für  haufsrate  in  den  heusem  gewesen,  von  den  bewtmeistom,  deren 
von  idem  fenlin  dry  geordent  gewesen,  ufgeschriben  worden  und  den  ienigen, 
so  ufsge^richen,  das  ire  wider  zu  kauffen  vergunt.  Wu  die  nit  furhanden 
gewesen,  und  deren,  die  umbkomen  sint,  ist  iedennann  zu  kauffen  erlaupt 
worden,  ie  doch  dem  ingesessenen  lant  volck.  Wes  also  verkauft, 
ist  alles  zu  gemeiner  pewte  getragen  worden  . . ."  Vgl.  noch  H.  Gresbeck 
S.  211  und  „Des  Münsterischen  Königreichs  ...  an-  und  abgang"  El  A3^ 
u.  A4  (Zeitschr.  27  S.  272 f.). 

V  qa'^  ^"^'  ^^^  Urkunde  vom  26.  Jan.  1536  im  St.-A.  M.  (Fürstent  M. 
^r  3038),  Abdruck  bei  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  226  ff.  Für  den  Verkauf 
Destimmt  werden  darin  die  „wederdoepische  verwerckte  guder,  huser,  gaideD, 
nonstede,  acker,  guido,   tynse   unde  tobehoringe,   bynnen  und  buthen  der 


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Anno  1535  acta.  857 

Magnus  in  nrbe  capta  motns  inter  praedae  praefectos  et 
gregarios  milites  exoritur.  Cum  enim  hi  illorum  fidem  suspectam 
haberent  et  in  praeda  divendita  male  lUos  versatos  esse  suspi- 
carentur,  captos  in  vincula  coniiciunt  et  ad  extorquendam  rei 
veritatem  tormentis  snbiiciunt  ipsosque  interficere  et  totam  urbem 
iterum  diripere  constitnunt,  qnanquam  cives  sua  iam  bona  nu- 
merata  pecunia  redemerint  ^  Princeps  bis  rebus  cognitis  militum 
furorem  per  literas  coercet  praefectosque  praedae  excusat;  ipsos 
nempe  suam  partem  ex  pacto  sibi  debitam  exolvisse  —  dimi- 
dium  enim  praedae,  tormenta  et  res  in  curia  repertas  *sibi»p.  622. 
pactus   erat  princeps*  — ,  de  reliquis  vero  pecuniis   ex  praeda 


Stadt  Munster  gelegen  und  entholden,  liggende  und  farende,  nichtz  uthge- 
nomnien."  In  dieser  Urkunde  sind  W.  Plonies  und  J.  v.  Graes  nicht  als 
Mitbovollmächtigte  aufgeführt,  wohl  aber  untersiegeln  sie  dieselbe  im  Namen 
der  Städte.  Eine  besondere  Verkaufs-Vollmacht  vom  24.  Juni  15.SG  für 
\V.  Plonies  s.  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  234  ff.  Uebrigens  hatte  der  Bi- 
schof schon  auf  einem  Landtage  zu  Rheine  am  30.  Aug.  1535  eine  Kom- 
mission zur  Abschätzung  der  Wiedertäufergüter  beantragt,  und  am  1.  Oet. 
■war  zu  Horstmar  vom  Bischöfe  und  von  Verordneten  der  Landschaft  die 
Kommission  wirklich  gewählt  worden,  um  „der  huser  und  guder  der  weder- 
doper  binnen  Munster  eigentliche  gelegenheit  und  werde  gruntlich  to  er- 
kunden und  schrifftlich  to  verteikenen,"  damit  dieselben  möglichst  rasch 
und  teuer  verkauft  wurden  „to  afdracht  der  landtzbeschwerungen"  (Laud- 
tags-Akton  im  St.-A.  M.).     S.  noch  ü.  Lilie  S.  20 1  f. 

')  Am  28.  Juli  schreibt  der  Bischof,  der  dem  Herzoge  von  Clove 
bereits  am  22.  Juli  ganz  kurz  den  Streit  über  die  Beute  angezeigt  hatte, 
aus  Horstmar  an  seine  Räte  und  Verordneten  in  Worms  (Konzept  im  St.-A. 
M.) :  „Als  die  sempligen  knechte  b3'nnen  . . .  Munster  noch  by  eynander 
gewest,  ys  erer  eroverten  buyte  halven  under  ennen  eyn  uproir,  getzanck 
unde  meuterunge  entstanden,  zo  veren  dat  ze  ere  gesette  buyth  meistere 
yn  de  yseren  geslagen  unde  eynsdels  pynlich  verhöret  hebn,  ock  unse  rheede 
und  rhuythmesters,  derglyken  ock  Wilken  Stedinck  yn  alsnlcke  bedrangyng 
und  lyfTzfaer  gebracht,  dat  ze  ennen  heymlich  uth  der  stadt  hebn  entwyken 
mothen.  Doch  hebn  ze  sick  na  langer  verhandelong  der  buythen  verglyken." 
—  Den  Beutestreit  erwähnen,  ohne  besondere  Einzelheiten  anzuführen, 
D.  Lilie  S.  261  und  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  AA8^  u.  AA9, 
ausführlicher  der  „WarhafFtige  bericht"  BL  B  3  (Zeitschr.  33  S.  16  f.)  und 
H.  Gresbeck  S.  211  f.,  bei  denen  aufser  einigen  Ben tmeistem  auch  noch 
der  König  Johann  einem  peinlichen  Verhöre  nach  seinen  Schätzen  unter- 
zogen wird. 

*)  Vgl.  die  oben  S.  527  f.  von  Kerss.  angeführten  Eriegsartikel,  be- 


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858  Anno  1535  acta. 

distracta  coUectis  exactam  rationem  per  receptormn  tabnlas  mi- 
litibns  reddituros.  Proinde  eam  se  fidnciam  habere  generosos 
ac  veros  milites,  qnibns  Stipendium  principaliter  solvent,  snam 
civitatem  sibi  iam  traditam,  cnins  etiam  claves  sibi  eam  ingres- 
suro  nitro  obtulerint,  non  nlterins  devastatnros  neqne  spolia- 
tnros,  maxime  cum  tam  ecclesiasticns  quam  profanns  snppellec- 
tilia  sna  et  res  domesticas  a  praedae  praefectis  redemerint  atque 
pecnnia  numerata  exolverint.  Ad  haec,  etiamsi  in  toto  exercitu 
viginti  ant  triginta  scelerosi  et  impii,  qni  neqne  inrisinrandi 
neqne  aeqnitatis  rationem  habeant,  deprebendantnr,  se  tarnen 
confidere  reliqnos  generosos  milites  sacramentnm  snnm,  hone- 
statem  et  decns  militare  inviolate  conservaturos  *.  His  scriptis 
seditiosornm  animi  flaccescnnt,  nt  totns  ille  motns  subito  rese- 
deritl 


sonders  Nr.  3  u.  5.  Die  Einbehaltung  dos  halben  Anteils  an  der  Beute 
durch  den  Bischof,  sowie  dessen  Beschlagnahme  des  gesamten  eroberten 
Geschützes  hat  dann  zu  weiteren  Mifshclligkeiten  mit  den  Ständen  auf  den 
Tagen  zu  Worms  geführt.     S.  weiter  unten. 

*)  Kerss.  schöpft  aus  einem  undatierten  Schreiben  des  Bischofs  an 
sämtliche  Hauptleute  und  Befehlshaber,  auch  den  gemeinen  Mann  der  fünf 
Fähnlein  (Konzept  im  St.-A.  M.  M.  L.  A.  518/19  VI.  fol.  298).  Er  habe 
erfahren,  schreibt  er,  wie  im  Streite  über  die  Beute  sich  Etliche  haben 
hören  lassen,  „unse  stad  Munster  upt  nye  t'plundern  und  t'buthen,  eck 
tom  dele  sich  vememen  laten,  de  stad  t'bemen."  Er  weist  darauf  hin,  dafs 
ihm  bei  seiner  Ankunft  in  Münster  die  Schlüssel  der  Stadt  überreicht  seien, 
dafs  er  die  Landsknechte  richtig  bezahlt  und  abgedankt  habe,  und  dafs 
gute  Nachweisung  und  Rechenschaft  über  die  Verteilung  der  Beute  gegeben 
worden  sei..  Dann  heifst  es:  „Willen  uns  aen  allen  twyvell  verseyn,  ghy 
werden  uns  und  den  unsen  de  stad  Munster  vemer  unverwostet  und  un- 
spoljert  laten  . . .,  na  dem  so  mannich  man  geystlich  und  wertlich  van 
unsen  undersaten  so  swerlich  und  duer  gestanden,  dat  se  tom  dele  er  ge~ 
koflfte  husgerait  und  anders  yuwen  buetmesters  vermoget  und  betalt."  Dann 
folgt  noch  der  Appell  an  die  Redlichkeit  der  Soldaten. 

*)  Die  Gröfse  der  Beute  scheint  weit  hinter  den  gehegten  Erwar- 
tungen zurückgeblieben  zu  sein.  Vgl.  den  Brief  Justinian's  v.  Uoltzhanscn 
vom  1.  Juli  nach  Frankfurt  a.  M.  (M.  G.-Q.  II,  366).  D.  Lilie  S.  260 
meldet:  „Dan  ein  deil  van  den  oversten,  rithmeisters  unde  hovetlnden  hebben 
eine  grote  buthe  an  sulver,  golt  unde  kostliken  clenodien,  so  se  in  des  kon- 
ninges  under  anderen  regenten  hoven  unde  huseren  hebben  gekregen,  lethen 
mit  groten  wagen  vul  uth  der  stadt  foren.**  Nach  dem  „Warhafftigen  be- 
rieht"  a.a.O.  erhielt  jeder  Knecht  aus  der  Beute  18,  nach  H.  Gresbeck 


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Anno  1535  acta.  859 

Princeps  ad  13.  diem  Inlii  per  totam  dioecesim  pnblicas  m.  Jnu.. 
snpplicationes  indicit,  nt  pro  insigni  victoria  grates  Deo  sol- 
vantur  ^  Primarins  quoqne  cleras  in  gratiarum  actionem  et  per- 
petiiam  tarn  praeclarae  et  inopinatae  victoriae  memoriam  singulis 
annis  eum  diem,  qui  natalem  S.  loannis  Baptistae  proiime  snb- 
sequitur,  singnlari  qnadam  solennitate  et  pietate  celebrandum 
institnit.  Totus  enim  clerns  et  senatus  urbis  ad  templum  snm- 
mum  coexint  ibiqne  eximia  lustratione  longo  ordine  prins  facta 
et  sacramento  altaris  praegesto  sacrnm  de  Trinitate  peragitur,  et 
hymni  varii  in  laudem  Dei  decantantur.  Funduntur  etiam  preces 
ad  Deum  pro  iis,  qui  contra  haec  hominnm  monstra  et  anabap- 
tistica  portenta  fortiter  pugnantes  occnbuerunt  ^. 

Die  15.  lulii  habitus  est  Novesii  conventus,  ad  quem  archie-  i5.  Jnu^ 
piscopus  Coloniensis,   dux  Clivensis  et  episcopus  Monasteriensis 
de  futura   reipublicae  et  politiae   forma  consulturi   conveniunt, 
ne  simili   incommodo  et  seditione   imperium  Romanum  in  po- 
sterum  afficiatur  et  conturbetur^ 


S.  212  1 6  Emdener  Gulden.  Auf  dem  Landtage  zu  Rheine  am  30.  August 
giebt  der  Bischof  seinen  Anteil  an  ungemünztem  Silber  auf  ungefähr  450 
Pfund  an.  Das  gemünzte  Gold  und  Silber,  dessen  Wert  er  nicht  nennt, 
hatte  er  zur  Auszahlung  an  die  Landsknechte  verwendet. 

*)  Kopie  des  bischöflichen  Befehls  ohne  Datum  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A. 
518/19  VI.  fol.  3ü4d).       • 

*)  Aehnlich  D.  Lilie  S.  259  und  das  »Festum  liberationis  nostrae 
ab  impiissimo  Cathabaptistarum  impetu  et  tumultu"  (Monasterii  1545),  in 
dem  Bl.  A  3  ff.  die  Zeremonien  näher  beschrieben  werden.  —  Die  Dank- 
feier im  Dom  zur  Erinnerung  an  die  Besiegung  der  Wiedertäufer  wird 
noch  bis  heute  jährlich  begangen. 

^)  Orig.  des  Abschiedes  zu  Neufs  vom  19.  Juli  im  St.-A.  M.,  Ab- 
druck bei  J.  Niesert:  U.-S.  l.  S.  2i)lflf.  Hauptsächlich  wurde  hier  be- 
schlossen, die  Bestimmungen  über  Form  und  Weise  in  den  Hauptstücken 
der  christlichen  Religion  zu  Münster  von  der  Entscheidung  des  Kaisers  und 
der  Reichsstände  abhängen  zu  lassen,  im  Dome  und  anderen  Stiftern,  Kol- 
legien, Klöstern  und  Pfarrkirchen  der  Stadt  „christliche  und  lofQiche  cere- 
monien'*  wiederherzustellen  und  „gude  predicanten  bewerter  leer  und  levens** 
heranzuziehen,  die  „allen  zwyspalt  in  der  lere,  dispntirliche  materie  und 
die  zu  ergernifs  ursach  geven  mochten,"  vermeiden  sollen.  Da  der  Erz- 
bischof und  der  Herzog  beabsichtigen,  „eyn  christliche,  loffliche  reformation 
und  ordnong  in  iren  landen  uflfzurichten,"  so  soll  dieselbe  schriftlich  dem 
Bischöfe   zugesandt  werden,   damit   dieser   sich   darüber   mit  den   beiden 


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860  Anno  1535  acta. 

Eodem  qnoque  die  comitia  imperii  Wormatiae  habita  snnt, 
in  quibns  de  anabaptistis  in  universnm  extirpandis  agitur.  Et 
princeps  noster  per  legatos  impensas  belli  anabaptistici  sibi  re- 
fiindi  petit  et  pactam  pecuniam  nondum  esse  solntam  queritur. 
Cum  vero  panci  ordines  adessent,  in  praeindicium  absentimn 
nihil  certi  decernere  audebant.  Indictus  est  itaqne  alias  prin- 
cipum  et  ordinum  imperii  conventns  ad  primnm  diem  Novem- 
bris,  in  quo  de  belli  Munasteriensis  sumptibus  et  quae  fonna 
reipublicae  in  ea  urbe  sit  instituenda,  decerneretur  *.  De  hoc 
conventu  suo  loco. 
^p.  623.  *ßex,  KnipperdoUingus,  D.  Bernardus  Krechtingus  ac  Chri- 

stianus Kerckringus  compedibus  manicisque  constricti  in  diversis 
curribus,  ne  colloquia  inter  se  misceant,  ad  arcem  Dulmanicam 


Fftrst^n,  wie  er  zu  thun  geneigt,  vergleichen  möge.  —  Ueber  die  politische 
Bedeutung  dieser  Abmachungen,  die  von  dem  Münsterschen  Landtage  am 
22.  Juli  zu  Dülmen  gutgeheifsen  wurden,  und  die  den  Bischof,  vielleicht 
unter  dem  Einflüsse  des  Kaisers,  auch  wohl  im  Gegensatze  zu  seinen  per- 
sönlichen Anschauungen  von  der  Annäherung  an  die  protestantischen  Stände, 
besonders  den  Landgrafen  Philipp,  wieder  zurück  und  neuerdings  in  den 
Bund  mit  seinen  katholischen  Nachbarn  brachten,  vergl.  die  aktenmäfsiore 
Darlegung  von  L.  Keller  in  der  „Histor.  Zeitschrift"  Bd.  47  (München 
u.  Leipzig  1882)  S.  436  ff. 

^)  Im  Wortlaut  ähnlich  und  ebenso  kurz  ist  die  Darstellung  bei 
Joh.  Sleidan:  De  statu  religionis  ...  (Ausgabe  von  Strafsburg  1555  foL 
157).  Kopieen  der  Akten  zu  diesem  Tage  sowie  des  Abschiedes  vom  23. 
Juli  im  St.-A.  M.  Die  Aufschiebung  der  Entscheidung  wird  darin  aufser 
durch  die  geringe  Anzahl  der  erschienenen  Stande  auch  dadurch  begründet, 
dafs  weder  der  oberste  Befehlshaber  und  die  Kriegsräte  noch  der  Pfennig- 
meister zugegen  gewesen  seien,  um  Rechenschaft  über  die  Vorgänge  vor 
und  in  Münster  zu  geben.  Es  wird  beschlossen,  für  November  Bericht  von 
ihnen  einzufordern.  Thatsächlich  langten  Wirich  v.  Dhaun  u.  s.  w.  in  Worms 
erst  an,  als  der  Abschied  bereits  beschlossen  war.  S.  die  Akten  des  Mün- 
sterischen Landtages  zu  Rheine  am  30.  Aug.  im  St.-A.  M.  —  Schon  hier 
in  Wonns  wurde  dem  Bischöfe  vorgehalten,  dafs  er  „in  eroberung  der  etat 
Monster  sich  mit  den  knechten  der  bewt  halben  verglichen  und  anders  fur- 
genomen  haben  soll,  das  dem  abschiedt  nit  ganz  gemefs  sei."  Gemeint  ist 
der  Wormser  Abschied  vom  25.  April  (s.  oben  S.  796  Anm.  1).  Im  Gegen- 
berichte darauf  weisen  die  Münsterschen  Gesandten  darauf  hin,  dafs  der 
Bischof  in  Betreff  der  Beute  mit  Wissen  des  Obersten  und  der  Kriegsräte 
gehandelt  habe. 


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Anno  1535  acta.  861 

24.  lulii  avehuntur  \   Sed  in  itinere  solus  Kerckringus  e  currn  w.  juu.. 
exemptns  in  loco  ibi  herbido  et  amoeno  capite  plectitnr  terraque 
obruitur*.  Reliqui  autem,  qnos  gravius  snpplicium  manet,  car- 
ceribus  Dulmanicae  arcis  inclnduntur. 

Godofridns  a  Schedelichen  ac  Wilkinus  Stedingns,  quibus 
princeps  vicem  suam  in  urbe  demandaverat,  per  literas  2.  Angnsti  a.  Aug. 
principi  significant  mnlieres  obsidionis  tempore  in  famis  angn- 
stia  nrbe  elapsas  et  vita  donatas  qnotidie  catervatim  nnnc  re- 
dire  ®.     Princeps  13.  Augusti  respondet,    ne  quenquam  civitate  is.  Ang. 
donent,   nisi^  se  iureiurando  sibi  obstringat*.     Quare  militibus 

a)  Ms.:  ne. 


')  Es  geschah  auf  Befehl  des  Bischofs  ans  Neufs  vom  18.  Juli  (Kon- 
zept im  St.-A.  M.)  an  den  Amtmann  zu  Bevergern  und  an  den  Amtmann 
zu  Horstmar.  Die  Amtleute  sollen  dafür  sorgen,  ^dat  de  gefangen  nnder- 
wegs  nycht  by  eynander  komen."  Der  bischöfliche  Befehl  war  Folge  der 
Vereinbarungen  zu  Neufs,  nach  denen  am  25.  Juli  in  Dülmen  im  Beisein 
einiger  kölnischer  und  clevischer  Räte  mit  den  Gefangenen  Verhöre  ange- 
stellt werden  sollten.  Vgl.  den  Abschied  bei  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  208f. 
Nach  dem  „Warhafftigen  bericht"  Bl.  B  2^  (Zeitschr.  33  S.  15)  wurden  Jo- 
hann und  Knipperdolling  am  28.  Juni  zunächst  nach  Iburg  gebracht.  Es 
waren  eiserne  Halsbänder  für  sie  geschmiedet  worden,  die  mit  langen 
Stricken  versehen  waren.  An  diesen  wurden  sie  „zwischen  den  reysigen 
wie  die  rüden  . . .  gefürt."  Vgl.  dazu  H.  Gresbeck  S.  214  und  H.  Dorp 
Bl.  G  3,  der  aber  den  Ort  der  Haft  nicht  angiebt  und  Beruh.  Krechting 
auf  gleiche  Weise  transportiert  werden  läfst.  L.  H orten sius  S.  73  er- 
zählt, dafs  der  König  an  den  Schweif  eines  Pferdes  gebunden  wurde,  das 
durch  Sporen  in  unausgesetztem  Laufen  erhalten  ward.  „Des  Münsterischen 
Königreichs  ...  an-  und  abgang"  Bl.  A  !▼  (Zeitschr.  27  S.  267)  giebt  Telgte 
als  ersten  Gewahrsam  für  die  Gefangenen  an,  D.  Lilie  S.  259  die  Diek- 
burg,  von  wo  Johann  nach  Bevergern,  Krechting,  Knipperdolling  und  Chr. 
Kerckerinck  aber  nach  Horstmar  gebracht  wurden. 

^)  Aehnlich  berichtete  Kerss.  schon  oben  S.  851. 

')  Erhalten  hat  sich  im  St.-A.  M.  das  Original  eines  Schreibens,  in 
dem  Gottfr.  v.  Schedelich  dem  Bischöfe  meldet,  „wudanewyfs  der  weder- 
dopischen  wyver,  de  hyrbevorens  heruth  der  stadt  gewiset  und  myt  dem 
lyve  begnadet  worden,  dachlix  zo  lenck  zo  meer  wederum  herinkomen,  uth 
wes  bevell  eder  vergunninge,  is  my  unbewust."    Vgl.  oben  S.  852  u.  854  f. 

*)  Konzept  des  Schreibens  an  Gottfr.  v.  Schedelich  und  Wilken  Ste- 
ding  aus  Petershagen  im  St.-A.  M.  Der  Bischof  befiehlt,  „dat  gy  num- 
mantz  vryge  wertligen  Standes  bynnen  unse  stadt  Munster  myt  de  wonnynge 
komen  laten  edder  gestaden,  edder  deselven  hebn  uns  dan  tovoms  gelovet 


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862  Anno  1535  acta. 

plerisqne  iam  exanctoratis  cives  qnoqne  ab  exilio  ad  patrias  sedes 
reversi  extra  portam  nrbis  Horsthanam  evocantur,  et  ab  illis 
iusiurandnm  novum  exigitnr.  IUI  vero  se  veteri  inramento  in 
inangnratione  praestito  principl  obligatos  esse  et  ita  eodem  se 
teneri  respondent,  ut  novo  non  sit  opns.  Ad  qnae  consiliarii 
principis:  ipsos  snperins  inramentnm  violasse,  quo  custodiam 
nrbis  Monasteriensis  in  ntilitatem  principis  et  totius  patriae  re- 
ceperint,  sed  eam  ita  desemerint,  nt  ab  anabaptistis  et  peregri- 
narnm  gentinm  hominibus  infimis  non  solnm  in  principis  et 
totins  dioecesis,  verum  etiam  ßomani  imperii  dispendium  et  per- 
niciem  occuparetur;  principem  itaque  ab  integro  iusiurandum 
poscere ;  et  si  qui  id  praestare  non  velint,  a  reliquo  civium  nn- 
mero  secedere  iubentur.  Hos  enim  conclusis  portis  in  urbem 
non  esse  admittendos  decretum  fuit.  Illud  cum  cives  animad- 
verterent,  necessitati  parent^ 

Princeps  tempore  obsidionis  suggestione  quorundam  eici- 
tatus  omnia  coenobii  Transfluviani  bona  esse  confiscanda  et  suae 
mensae  usui  applicanda  cogitat,  cum  pleraeque  vestales  anabap- 
tismo  se  contaminassent  et  in  urbe  mansissent^  praeter  Idana  a 
Mervelt,  archivestalem,  Ludgeram  a  Linteloe  ac  Sophiam  de 
Langen,  quae  tempore  obsidionis  in  villa  sua  Holthusia  exula- 
bant;  quem  numerum  virginum  sibi  obstare  non  posse  existi- 
mat.  Cum  vero  7.  Maii  anno  1535  Ida  de  Mervelt  in  exilio 
ultimum  suum  diem  clausisset,  iam  se  iure  effecturum  putat, 
quod  mente  aliquamdiu  secum  agitaverat.  Ideoque  cum  super- 
stites  virgines  de  more  archivestalem  novam  libera  electione  de- 

28.  Aug.  signare  cogitarent,  princeps  id  vetuit.    Quare  28.  Augusti  anni 
1535  reliquis  dioecesis  ordinibus  supplicant,  ut  principem  a  sen- 

•p.  624.  tentia  et  Institute   suo  flectere  *dignentur,    ne  sibi  innoxiis  et 


unde  gesworen  na  vermog  unde  inholdt  des  schryftligen  verfateden  edes, 
gy  by  iw  hebn,  unde  de  gemeynen  borger  ab-eyde  gedaen."  —  Der  Bischof 
hatte  am  12.  Juli  Wilken  Steding  zum  Obersten,  Egbert  v.  Deveren  zum 
Hauptmann  über  zwei  Fähnlein  Knechte  für  mindestens  3  Monate  in  Mün- 
ster angenommen. 

^)  So  auch  die  „Körte  antekunge**  (Ms.  Berufs.  Qu.  272  in  der  Kgl. 
Bibliothek  zu  Berlin).  Danach  ist  Dietrich  Munstermann  Wortführer  der 
Bürger.  —  *}  Vergl.  oben  S.  482. 


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Anno  1535  acta.  863 

immerentibns  ins  snnm  adimat;  docentqne  simnl,  qnanti  mili- 
taris  ordinis  et  egenomm  civitatis  intersit  monasterinm  illnd 
conservari^  Princeps  a  snperiori  sna  sententia  per  ordinnm 
intercessiones  abdnctns  mentem  mntat.  Eligitnr  ergo  Ermbgardis 
Schenckinck  in  archivestalem,  atqne  hnius  electionis  princeps 
fit  anctor  *. 

Cum  ad  primum  diem  Novembris  imperii  ordines  comi-  i.  Nov. 
tiornm  habendornm  gratia  Wormatiam  convenissent,  Ferdinandi 
regis  legatus  cansas  indicti  conventns  commemorat,  et  nt  praeter 
alia  secum  deliberent,  quomodo  civitas  Monasteriensis  nnper  capta 
et  anabaptistis  erepta  posthac  in  veteri  religione  contineatur. 
Inde  episcopi  nostri  legatus  declarat',  qnantos  iUe  toto  belli 
tempore  snmptus  fecerit,  quam  magnum  aes  alienum  conflaverit, 
quod  capta  urbe  duo  in  ea  castella  novi  motus  et  periculi  re- 
primendi  causa  sint  construenda  eaque  praesidiis  firmanda,  qua- 
rum  rerum  omnium  rationem  haberi  petebat.  Ad  quae  respon- 
sum  est: 

Episcopum  maiorem  partem  praedae  tormentaque  omnia 
et  retinctorum  civium  bona,  quae  tarnen  omnia  ad  imperium 
pertineant,  ad  se  solum  transtulisse;  aequum  igitur  esse,  ut  aesti- 
matione  facta  cum  impensis  haec  conferantur;  quod  amplius  desi- 


*)  Orig.  des  Schreibens  an  das  Donikapitel  und  die  Ritterschaft  im 
St.-A.  M.  Ladgera  v.  Lintloe  und  die  Jungfern  sagen  darin,  dafs  „zodane 
upholdinge**  allen  hergebrachten  Rechten  des  üosters  zuwiderlaufe.  Ueber- 
wasser  sei  „ein  portc,  underholt  und  thoflucht  des  adels,  t'behoeff  des  adels 
dorch  kejzer  und  andere  prjncen  gestichtet,  fundert  und  mercklich  be- 
gifftiget." 

*)  Die  am  16.  October  vollzogene  Wahl  der  neuen  Aebtissin  wird 
am  20.  dem  Bischöfe  angezeigt,  der  sie  am  27.  bestätigt  (Urkunden  im 
St.-A.  M.,  Kloster  Ueberwasser  Nr.  311  u.  312). 

*)  Dieses  und  das  zunächst  Folgende  stimmt  fast  wörtlich  nbercin 
mit  der  Darstellung  bei  Joh.  Sleidan  a.a.O.  fol.  157.  In  der  Instruk- 
tion der  Münsterschen  Gesandten  zum  Tage  in  Worms  heifst  es  über  die 
vom  Bischöfe  vorgenommenen  Befestigungen  der  Stadt:  „Also  haben  ir  f.  g., 
umb  myt  den  geringsten  kosten  die  stat  zu  verwaren,  zwey  blockhuyser 
lassen  uffrichten."  Die  Stände  würden  leicht  ermessen  und  bedenken  können, 
„das  es  nit  nutz,  in  diesen  geferlichen  zeyten  die  stat  on  verwarung,  be- 
festigung,  Ordnung  und  poUicey  zu  laessen,  auch  nit  muglich,  in  gehorsam 
zu  halten."     Genaueres  über  die  Befestigungen  s.  weiter  unten. 


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864  Anno  1535  acta. 

deratnm  fuerit,  eins  quoqne  rationem  habendam  esse^;  dimidimn 
tarnen  tormentonun  et  immobilinm  anabaptistamm  bonorum  in 
nrbe  captorom  imperinm  sibi  vindicaturam. 

Postea  decernitar  primmn  ^  nt  episcopns  et  civitas  Mona- 
steriensis  pro  more  antiqnitns  recepto  imperio  snbsint. 

Deinde,  cum  per  Dei  gratiam  civitas  Monasteriensis  com- 
munibus  imperii  sumptibus  sit  recuperata,  eadem  confirmato» 
successoribus  episcopis  et  dioecesi  cum  omnibus  privüegiis,  im- 
munitatibus  et  dominus  non  aliter,  quam  superiores  episcopi 
antiquitus  et  ipse  confirmatus  ante  anabaptisticum  motum  usur- 
pavit,  remanebit^;  neque  ipse  neque  successores  illius  haue  urbem 
ab  imperio  venditione,  oppignoratione  vel  quovis  alio  titulo  alie- 
nabxmt.  Et  cum  cbristiana  religio  non  minimum  sit  bene  con- 
stitutae  reipublicae  fundamentum,  ordines  imperii  consolunt 
confirmatum  reliquosque  dioecesis  Status  eam  religionem,  quae 
imperii  recessibus  non  adversetur,  in  hac  quoque  urbe  restau- 
raturos  *. 


*)  Auch  diese  Antwort  giebt  Kerss.  fast  wörtlich  nach  Joh.  Sleidan 
a.  a.  0.  wieder.  Die  betrefifende  Bestimmung  im  Abschiede  lautet:  ^Der 
confirmiert  woU  gemainen  stenden  ...  die  gemelten  halben  bewth,  des- 
gleichen das  grobe  geschutz  und  alle  der  widderteuffer  ligende  guter  un- 
vertzuglich  zustellen  und  uberantwurten  und  domit  Kun.  Mt.  und  gemaine 
stende  durch  ire  verordenten  rethe  und  commissarien  nach  gelegenheit  und 
nottroft  der  sachen  handelen  lassen.  Des  wollen  wir  uns  . . .  unzwyvelich 
versehen.^  Die  Beute,  das  Geschütz  und  die  Wiedertäufergüter  seien  „ge- 
mainen stenden  als  den  hercn  des  kreiges,  in  der  hilft  und  namen  die  stadt 
Munster  erobert,  zustendigk." 

*J  Von  hier  an  übersetzt  Kerss.  eine  Reihe  der  wichtigsten  Bestim- 
mungen des  Abschiedes  selbst  (Akten  des  Wormser  Tages  im  St.-A.  M.). 

')  Der  Abschied  fügt  hinzu:  „Anderer  gestalt  soU  sich  der  confir- 
miert der  Stadt  Munster  nit  underzihen  noch  weitter  obrigkeit  und  gerech- 
tigkeit  sich  anmafsen,  dan  von  alters  herkumen.** 

*)  Dieser  wichtige  Artikel  lautet  im  Abschiede  wörtlich :  ^ünd  dweü 
christlich  religion  nit  der  geringst  grünt  guter  Ordnung  ist,  sein  die  rethe 
und  botschafften  der  guter  Zuversicht,  der  confirmirt,  seiner  g.  thumb- 
capittel,  ritterscafft  und  lantscafft  werden  sich  des  fals  K.  Mt.  und  des  hei- 
ligen rcichs  abschieden  gemees,  und  wie  inen  sust  geburt  und  zusteht,  der 
gebur  woU  wissen  zu  ertzeigen."  Erfolglos  war  während  der  Verhandlun- 
gen von  protestantischer  Seite  aus  der  AufsteUung  dieses  Artikels  entgegen- 
gearbeitet worden  (vgl.  L.  Keller  a.a.O.  S.  447  f.).   Als  er  dennoch  durch- 


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Anno  1Ö35  acta.  865 

lUad  etiam  decemitur:  instom  esse,  nt  tarn  clerus  secnn- 
darias  quam  primarins  aliiqae  nobiles^  aedes  suas,  fnndos, 
templa,  pensiones,  proventns,  privilegia  et  iura  omnia,  quae  vel 
in  vel  extra  nrbem  habuerint^  sine  *ullo  incommodo  recipiant.  »p. 
Simüiter  cives  omnes  utriusque  sexus,  qui  motom  anabaptisti- 
cnm  effagientes  urbe  excessemnt  spontanemnqne  exilimn  eligere 
maluerunt,  quam  se  schismate  isto  contaminare,  in  pristinam 
aediam  snarnm,  redditnom,  pensionom  aut  qnormnlibet  bonorum 
immobilium,  quae  in  vel  extra  urbem  reliquerunt  %  possessionem 
restituentur,  etiamsi  literae  signatae  exustae,  discerptae,  amissae 
aut  alio  modo  alienatae  fuerint. 

Si  horum  quidam  anabaptismo  non  addicti  in  exilio  extre- 
mum  diem  clauserunt,  illorum  bona  immobilia,  proventus,  pen- 
siones omniaque  iura  ad  haeredes  anabaptismo  non  contaminatos 
devolventur. 

Si  vero  quidam  civium,  qui  urbe  excessemnt,  anabaptismo 
se  poUuerint  illamque  sectam  ipsos  promovisse  demonstratum 
fuerit,  perpetuo  exilio  et  confiscatione  omnium  bonorum  suorum  * 
mulctabuntur. 

Ne  autem  quis  suspicionibus,  coniecturis  aut  odiis  contra 
ins  et  aequitatem  opprimatur,  necessarium  esse  visum  est,  ut 
vicini  aliquot  electores  et  principes  tanquam  commissarii  deli- 
gantur,  qui  legatos  sacri  imperii  nomine  Monasterium  mittant, 
qui  de  ipsi  confirmato  suspectis  cognoscant,  ut  innocentes  suspi- 
cione  absoluti  et  purgati  sua  bona  recuperent,  nocentes  vero  et 
anabaptismo  contaminati  perpetuo  exilio,  infamia  et  proscriptione 
omnium  bonorum^  puniantur. 


gesetzt  wurde,  ward  dem  Abschiede  folgender  Passus  beigefugt:  „Und  dweil 
in  diesem  abschiedt  ein  artickel  der  religion  halben  verleibt  ist,  so  haben 
. . .  der  churfursten  und  forsten  Sachssen,  Wirttemberg,  Hessen 
und  Anholt  gesante,  rethe  und  botscafften  sulchen  artickel  also  zu  stellen 
nit  bewilligt,  sonder  do  widder  protestiert  vermuge  der  protestation  in 
der  Mentzisch  cantzlei  übergeben/  Auch  die  Reich8städt>e  hatten  sich  der 
Annahme  dieses  Artikels  einmütig  widersetzt. 

')  „.. .  und  ander,  so  hoff  und  heuser  in  Munster  gehapt  .,.*'  — 
*)  „. . .  und  bewisen  mugen  . .  .**  —  *)  „...  und  beweifslich  weren  ...**  — 
*)  „.  . .  gemeinen  stenden  zu  gut  . . .'  —  ^)  »•  •  •  gemainen  stenden  zu 
guth  .  . .« 

31 


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866  Anno  1535  acta. 

Si  etiam  quidam  miseratione  digni  deprehendantur,  ita 
cnm  illis  circnmstantiaram  habita  ratdone  agatnr,  ne  qnis  praeter 
meritum  et  aequitatem  degravetnr. 

Et  cum  sacri  Bomani  imperii  ordines  per  inobedientiam 
civitatis  Monasteriensis  ad  immenses  snmptns  et  impensas  adacti 
et  per  impiam  inanditamqne  scMsmatis  persuasionem  in  snm- 
mnm  animamm,  corpomm  et  bonorum  periculum  adducti  sint, 
ne  igitur  in  simile  discrimen  et  impendiorum  magnitudinem  in 
püstei:um  praeeipitentur,  non  commodior  utiliorque  via  excogi- 
tata  est,  quam  ut  praecipuae  munitiones  urbis  Monasteriensis 
rescindantur  et  toUantur,  ita  tarnen,  ut  in  rescissomm  locnm 
cum  auctoritate  supra  dictorum  legatorum  muri  vulgares  substi- 
tuantur  et  civitatis  saltem  nomen  retineat;  quae  res  non  solum 
futurorum  periculorum  metum  propulsabit,  verum  etiana  haec 
urbs  suo  exemplo  alias  quoque  respublicas  a  simili  impietate  et 
rebellione  posthac  terrebit.  Praeterea  legati  supra  dicti  omnes 
istius  civitatis  munitiones  praesentes  inspicient  et  inter  se,  quae 
•p.  626.  sint  rescindendae,  convenient.  Hinc  vo*luntatis  suae  decretnm 
confirmato,  capitulo,  nobilitati  et  dioecesi  significabunt  et,  nt 
imperii  decretum  maturius  exequantur,  sedulo  instabunt,  qnibus 
dioecesis  status  parebunt*. 

Ne  autem  innocentes  nocentium  poenas  in  civilibus  rebus 
perferant,  decretum  est,  ut  cives,  qui  urbe  excesserunt,  si  ana- 
baptismo  se  non  poUuerunt,  maiorum  suorum  antiquitus  et  ante 
exilium  habitam  urbis  administrationem  et  regimen  recipiant, 
senatum,  iudicium,  mechanicorum  munia  et  curialia  consortia 
restaurent^,  quibus  singulis  sua  iura,  privilegia,  libertates,  im- 


^)  Im  Abschiede  hciTst  es  nach  dem  einleitenden  Satze  nur:  ,,. . .  so 
sollen  die  bemelten  redt  und  commissarien  alle  bew  und  festungen,  so  die 
widderteuffer  vor  und  in  der  belegerung  Munster  ufPgericht  und  gemaicht 
haben,  furderlich  und  als  baldt  ym  grundt  abzubrechen  und  abzuthun  bei 
dem  confirmierten,  irer  f.  g,  thumbcapitt^l,  ritterscafft  und  lantscafft  ver- 
fuegen  und  vorscaffen.**  Die  in  Worms  vertretenen  Reichsstädte  setzten 
diesem  Artikel  den  schärfsten  Widerspruch  entgegen,  und  als  derselbe  nach 
langen  Verhandlungen  ebenso  wie  der  auf  die  Religion  bezügliche  Artilcel 
angenommen  ward,  versagten  sie  die  Unterzeichnung  des  gesamten  Ab- 
schiedes und  vereinigten  sich  zu  einem  Proteste  gegen  diese  Abmachungen. 

*)  „. . .  rath,  gericht  und  ander  empter  besetzen  . . ." 


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Anno  1535  acta.  867 

mnnitates  et  consnetudines  antiqnitns  receptae  sine  confirmati 
saccessonunqne  episcoporom  ant  cuinsvis  ünpedimento  et  inter- 
cessione  restituentur  et  inviolabiliter  remanebunt,  etiamsi  privi- 
legiornm  tabnlae  signatae  laceratae,  exnstae  vel  qnavis  ratione 
abalienatae  fuerint,  ea  tarnen  lege,  ut  confirmato  debitam  obe- 
dientiam  praestent*. 

Pacta  nitro  citroqne  restitntione  (nt  dictnm  est)  et  prae- 
cipnarnm  forinsecns  erectamm  mnnitionnm  rescissione  et  demo- 
litione  ita,  nti  legati  imperii  insserint,  confirmatns,  capitnlnm, 
nobilitas  et  dioecesis  simili  modo  dno  propngnacnla  *  ad  repri- 
mendam  oppidanornm  proterviam  post  recnperatam  nrbem  in  ea 
extrncta  demolientnr  prorsnsque  toUent^. 

Ad  haec  confirmatns,  capitnlnm,  nobilitas  et  nrbis  Mona- 
steriensis  cives  regi  Eomano  atqne  imperii  ordinibns  literis  si- 
gnatis  necessario  cavebimt  neqne  se  neqne  snccessores  snos  de- 
molitas  mnnitiones  nnqnam  reparatnros  neqne  alterins  formae 
nllas,  qnam  legatis  imperii  visnm  fnerit,  extrnctnros,  atqne  hanc 


*)  Wie  die  Verhandlungsakten  erweisen,  wurde  dieser  Artikel  nur 
«uf  energisches  Drangen  der  Reichsstädte  hin  in  den  Abschied  gebracht 
Grade  in  Bezug  auch  auf  ihn  spricht  sich  später  der  Bischof  auf  einer  ver- 
traulichen Versammlung  von  Verordneten  des  Domkapitels  und  der  Ritter- 
schaft zu  Mimster  am  22.  Dezember  folgendermafsen  aus  (Landtags-Akten 
im  St.-A.  M):  „Und  sey  woll  zu  erachten,  das  die  stede  solichs  zu  wege 
bracht  haben.  Dan  wie  s.  f.  g.  glaublich  anlanget,  so  haben  die  stcdte 
ein  oder  meher  artickell  den  Munsterisschen  bürgern  ...  zu  irem  fortheill 
und  besten  gesetzt  wollen  haben  . .  .^     S.  auch  weiter  unten. 

*)  „.,,  und  ander  befestigung  ..." 

^)  Schon  früh  hatte  der  Bischof,  freilich  unter  dem  Widerspruche 
seiner  Landschaft,  mit  dem  Baue  neuer  Befestigungswerke  in  der  Stadt 
begonnen,  aber  trotz  seiner  wiederholt  ergangenen  Befehle  wurden  seine 
Anordnungen  nur  sehr  lässig  befolgt.  Mehrfach  finden  sich  in  den  Akten 
Klagen  der  Beamten  an  den  Bischof,  dafs  es  an  Gräbern  und  Zimmerleuten 
fehle,  und  dafs  der  Bau  über  Gebühr  langsam  vorschreite,  so  am  2.  und 
24.  August,  am  10.  September  und  am  27.  Octobcr.  Am  wichtigsten  ist 
die  Aeufserung  Gottfried's  v.  Schedelich  am  2.  August,  weil  in  ihr  die 
Oertlichkeiten  der  geplanten  Bauten  bezeichnet  werden.  Es  heifst  da,  dafs 
es  „by  dem  bow  und  tymmer  an  der  Bispinckporte  und  Nyen- 
wercke"  nicht  nach  bischöflichem  Befehle  „uthgcrichtet**  werde,  und  dafs 
die  Arbeit  am  Aegidiithor  noch  nicht  angefangen  sei. 

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868  Anno  1535  acta. 

Obligationen!  signatam  continno  legatis  tradent,  qni  eam  in  usnm 
imperii  in  grammatophilacium  Mognntinmn  deponent\ 

Ut  antem  haec  comitiomm  dispositio  et  decreta  restitutio 
perficiatnr,  per  Ferdinandnm  regem  Bomannm  pro  commissariis 
depntantur  et  designantur  electores  et  principes  Mognntinns, 
Trevirensis,  Coloniensis,  luUacns,  Hessus,  Wilhelmus  generosns 
a  Nassanw  comes  et  civitas  Coloniensis,  ut  hi  snos  legatos  ad 
diem  Lnnae  post  dominicam  Beminiscere,  qnae  foit  ö.  Martii 
faturi  anni  1536,  Tremoniam  nüttant,  qui  hinc  imperii  impensis 
et  snmptibns  Monast«riam  saperiorem  ordinationem  et  restitatio- 
nem  exeqnendi  gratia  contendant*. 

Impendia  hnias  legationis  a  pecnnia  in  communem  imperii 
nsnm  coUocata  et  apnd  Trevirensem  deposita  commissarii  re- 
cipient  ^. 


')  Die  Urkunde  soll  auch  die  Yerpflichtung  enthalten,  der  hier  ge- 
gebenen Ordnung  nachzuleben  und  allen  Verfügungen  nachzukommen,  die 
die  Eommissarien  in  Ausführung  des  Wormser  Abschiedes  vom  25.  Apnl 
treffen  würden. 

')  Kerss.  ist  hier  ungenau.  Nicht  der  Konig,  dessen  Ermessen  ea 
vielmehr  überlassen  bleibt,  einen  Rat  zu  schicken,  sondern  die  Stände  be- 
stimmen sogleich,  dafs  alle  geistlichen  und  weltlichen  Kurfürsten  je  einen 
Rat  absenden  sollen,  ebenso  je  einen  Rat  von  Seiten  der  geistlichen  Fürsten 
die  Bischöfe  von  Worms  und  Lüttich,  Ton  Seiten  der  weltlichen  Fürsten 
der  Herzog  von  Cleve  und  der  Landgraf  von  Hessen,  von  Seiten  der  Prä- 
laten der  Propst  von  Ellwangen,  von  Seiten  der  Grafen  Graf  Wilhelm  von 
Nassau  und  von  Seiten  der  freien  Städte  die  Stadt  Köln.  —  Der  Montag  nach 
Renüniscere  fiel  im  Jahre  1536  nicht  auf  den  5.,  sondern  auf  den  13.  März. 

')  Die  sonstigen  Artikel  des  Abschiedes,  die  Kerss.  unerwähnt  läfst^ 
betreffen  fast  ausschliefslich  nur  noch  finanzielle  Dinge.  Bemerkenswert 
ist  aber,   dafs  den  Münsterschon  Gesandten   auf  ihre  Instruktion   erst  am 

19.  November  Antwort  erteilt  wurde,  als  sie  bereits  in  der  dritten  Woche 
sich  in  Worms  aufgehalten  hatten,  und  nachdem  der  Abschied,  der  ja  vom 

20.  November  datiert,  schon  fertig  gestellt  war.  Als  sie  Bedenkzeit  zur 
Gegenäufserung  erbaten,  hiefs  es,  es  sei  von  den  Ständen  „der  mcrerteil 
verrittcn.  Darumb  selten  die  rethe  und  gesanten  ir  bedenckens  und  ant- 
wurt  kurtz  machen.  Dan  sie,  die  commissarii  und  botscafiften,  kunten  in 
so  geringer  antzall  nichts  oder  gar  weynich  im  abschiedt  oder  Ordnung 
vcrenderen.^  Die  Münsterischen  Gesandten  entgegneten  darauf,  dafs,  wenn 
sie  zu  den  Beratungen  zugezogen  worden  wären,  „die  commissarii  und  stendt 
solten  vill  ein  ander  Ordnung,  die  unsem  gnedigen  hern  und  der  lantscafft 
. . .  liedlich,   der  Sachen  gcmees   und  nit  so  hoich   beschwerlich   gewesen^ 


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Anno  1535  acta.  869 

*Cnm  ante  supplicium  rex  ille  scenicns  qnibusdam  prin-»p.  627. 
cipibns  spectandns  faisset  exhibitns,  red  actus  est  Bevergemam 
atque  ülius  arcis  custodia  firmiori  concluditur.  Knipperdollingus 
vero  et  Krechtingus  in  vinculis  Horsthmarianis  discretis  deti- 
nentur^  Ad  hos  omnes  diversis  quidem  temporibus  Antonius 
Corvinus  et  Joannes  Kymeus  admissi  de  diversis  articulis  collo- 
quia  miscent,  videlicet  de  regno  Christi,  de  magistratu,  de  bap- 
tismo,  de  coena  Domini,  de  humanitate  Christi,  de  matrimonio 
alüsque  rebus  male  intellectis  cum  Ulis  agunt.  In  his  coUa- 
tionibus  rex  scripturae  sacrae  ab  his  viris  adductae  propemodum 
acquiescere  visus  est,  sed  Knipperdollingus  ac  Krechtingus  adeo 
sui  cerebri  fuerunt,  adeo  praefracti,  adeo  pertinaces  adeoque 
duri,  ut  neque  scriptura  neque  ratione  uUa  moUirentur.  Quare 
in  his  duobus  parum  fructus  illa  scripturarum  collatio  operatur  *. 


haben  ufFgericht,  oder  diese  Ordnung  verändert  und  gcmiltert/  Jetzt  hofften 
sie  das  nur  noch  von  der  für  Münster  bestimmten  Kommission. 

*)  Kerss.  schöpft  hier,  wie  im  Folgenden  öfter,  aus  dem  Briefe  des 
Ant.  Cor V in  an  Georg  Spalatin  Bl.  Bi^ff.  Der  König  sei,  heilst  es  da, 
„spectaculi  vice  huc  atquo  illuc'^  geführt.  Aehnlich  sagt  auch  die  Münster- 
sche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  337),  während  nach  H.  Dorp  Bl.  G3 
und  Joh.  Fabricius  Bolandus  Bl.  BB  2  zugleich  mit  dem  Könige  auch 
seine  Mitgefangenen  zur  Schau  gestellt  wurden.  D.  Lilie  S.  2B3  berichtet, 
wie  der  Bischof  den  Wunsch  des  Herzogs  von  Cleve  erfüllte,  indem  er  dem- 
selben den  König  zum  Sparenbergo  bei  Bielefeld  zusenden  liefs  (vgl.  auch 
H.  Hamelmann  S.  12Ü5).  Bei  dieser  Gelegenheit  hat  C.  Heresbach 
(s.  S.  22)  den  Gefangenen  gesehen.  D.  Lilie  fügt  hinzu:  „Also  is  van  dem 
koninge  ein  monstrum  unde  schouwspel  geworden  . . .,  ock  mannich  spitzich 
wordt  moste  (er)  hören."  Aber  auch  der  König  hat  es  an  spitzigen  Beden 
nicht  fehlen  lassen.  Beispiele  dafür  bringt  U.  Dorp  Bl.  GS^  bei,  femer 
der  „Warhafftige  bericht"  Bl.  B3  (Zeitschr.  33  S.  15  f.),  „Des  Münsterischen 
Königreichs  An-  und  abgang"  Bl.  A  !▼  (Zeitschr.  27  S.  268)  und  Joh.  Fa- 
bricius Bolandus  a.  a.  0.  Ant.  Cbrvin  und  Joh.  Kymeus  gegenüber  bekennt 
Johann:  „Das  er  aber  erstlich,  da  er  sej  gefangen  worden,  unserm  g.  f. 
und  h.  von  Münster  und  aller  Oberkeit  keine  Reverentz  erzeigt  habe,  sej 
geschehen  aus  den  Ursachen,  das  er  seine  Autoritet  und  ansehen  bey  den 
Teuffern  nicht  hat  verkleinem  wollen  . . ."  (Gesprech  Bl.  gl.) 

')  Von  diesen  im  Januar  1536  mit  den  Gefangenen  gehaltenen  Ge- 
sprächen gibt  Ant.  Corvin  in  seinem  Briefe  an^eorg  Spalatin  a.a.O.  eine 
kurze  Inhaltsangabe ;  ausführlich,  „bejnahe  von  wort  zu  wort,^  wie  er  sagt, 
fügte  er  das  Gespräch  mit  Johann  als  Anhang  dem  Dmcke  der  „Acta  etc.^ 
hinzu,    (lieber  die  Dmcke  vergL  F.  Bahlmann:  BibL  1536  Nr.  3  u.  4.) 


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870  Anno  1536  acta. 


Annus  1536. 

Tandem  die  Mercurii  ante  festum  Antonii  Abbatis,  quae 

(19.  Jan.)  fnit  12.  lanuarii,   Monasterium  ad  supplicinm  transvecti  sunt* 

ibique  ad  diem    Saturni   post  Antonium,    qnae   fuit  Vincentio 

Mit  Johann  v.  I^eiden  wurden  zunächst  die  von  Eerss.  nach  Ant.  Coirin's 
Brief  angegebenen  Materien  besprochen  (nur  vergifst  Eerss.  auch  das  Them* 
de  iustificatione  zu  erwähnen).  In  dieser  Unterredung  näherte  sich  der 
König  allein  in  der  Frage  über  die  Rechtfertigung  durch  den  Glauben  der 
Ansicht  der  hessischen  Predikanten,  während  er  in  den  anderen  Stücken 
den  ihm  entgegengebrachten  Argumentationen  nicht  nachgab.  Nach  etwa 
acht  Tagen  wünschte  der  König  eine  abermalige  Besprechung,  die  ihm  mit 
Genehmigung  des  Bischofs  auch  gewährt  ward.  Sie  dauerte  zwei  T&s:e. 
„Und  wiewol  wir,"  schreibt  Ant.  Corvin:  Gesprech  Bl.  F4,  „grofsem  glimpflE, 
denn  vorhin,  bey  im  funden,  so  haben  wir  doch  nichts  anders  vermercken 
können,  denn  das  er  errettunge  seines  lebens  suchte.  Denn  also  sagte  er 
ungezwungen,  ungedrungen,  aus  eigener  wilköre:  Wenn  man  in  wolle  zu 
gnad  nemen,  wolle  er  mit  hülffe  Melcher  Hoffmans  und  seiner  Königinnen 
alle  Teuffer,  deren  denn  in  Holland,  Brabant,  Engeland  und  Friesland 
überaus  viel  seien,  bereden  zum  stilschweigen  und  gehorsam  — **  Kaeh 
dieser  Unterredung  brachten  die  Predikanten  den  Kern  der  Aeufserungen 
Johann's  zu  Papier  und  liefsen  das  Schriftstück  von  dem  Gefangenen  unter- 
zeichnen. In  anderen  Stücken  nachgiebig,  blieb  er  standhaft  bei  seiner  Ver- 
werfung der  Kinder  taufe  und  bei  dem  Bekenntnisse,  „er  könne  in  keinem 
wege  gleuben,  das  Christus  von  Marien  fleische  etwas  an  sich  genomen 
habe,  ob  er  wol  von  ir  geboren  sey.**  Er  versehe  sich  aber,  fugt  er  hinzu, 
wenn  man  ihn  begnadige,  die  Wiedertäufer  in  Bezug  auf  diese  Lehren  zum 
Schweigen  zu  bringen.  —  Die  mündliche  Unterredung  mit  Knipperdolling 
und  B.  Krechting  in  Horstmar  giebt  Ant.  Corvin  nicht  wieder.  Er  führt 
nur  an,  dafs  „sehr  ungeschickte  antwort**  gegeben  worden  sei,  und  fügt 
dann  schriftliche  Erklärungen  bei,  die  von  den  Gefangenen  in  Sachen  der 
Mortifikation,  der  Kindertaufe,  der  Gütergemeinschaft  und  des  leiblichen 
Reiches  Christi  verfafst  waren,  in  denen  die  Predikanten  aber  „gar  keine 
besserunge"  verspürten.  Die  von  Ant.  Corvin  und  Job.  Kymens  in  Form 
eines  Briefes  aufgesetzte  Gegenerklärung  bildet  den  Schlufs  des  Druckes 
der  „Gesprecho."  —  Von  den  Unterredungen  berichtet  kurz  auch  D.  Lilie 
S.  263,  der  die  Predikanten  bereits  am  29.  November  beim  Bischöfe  in 
Iburg  eintreffen  läfst  Er  irrt,  wenn  er  angiebt,  dafs  auch  der  König  in 
Allem  verhärtet  geblieben  sei. 

*)  Richtiger  wohl  am  Mittwoch  nach  Antonius,  am  19.  Januar,  wie 
das  Flugblatt  „Des  Münsterischen  Königreichs  . . .  An-  und  abgang'  Bl.  A2 


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Anno  1536  acta.  871 . 

martjri  sacra  et  22.  lannarii^  in  carcere  asservantnr.  Ante 
curiam  vero  ex  tribus  curribus  roboreis  asseribus  contectis  scena 
ac  theatrum  extruitur^,  ut  sit  locus  editier  et  a  populari  con- 
cnrsn  remotior;  in  cnins  medio  palns  nnmellas  versatiles  affixas 
habens  eminet,  unde  ad  altitadinem  nnius  cnbiti  snpra  asseres 
transversnm  extat  lignnm,  cni  snpplicio  adindicati  didnctis  crn- 
ribns  insideant. 

Eex"*  pridie,  quam  publice  indicio  sisteretur,  interrogatns,  (21.  Jan.) 
cnperetne  ecclesiasten,  qni  se  scriptura  sacra  consoletur  et  cum 
quo  de  salutis   aetemae   negotio,    cum  postridie   moriturus  sit, 
serio  agat,  respondet  se  iUud  magni  beneficii  loco  habiturum,  si 
dominum  loannem  a  Siburgh,  principis  sacellanum,  ad  se  coUo- 


(Zeitschr.  27  S.  269)  angicbt,  welches  hinzufügt,  dafs  am  folgenden  Tage 
mit  den  Gefangenen  Verhöre  angestellt  wurden  (die  Bekenntnisse  sind  ab- 
gedruckt M.  G.-Q.  II,  398  flf.).  l^en  19.  Januar  als  Tag  der  üeberführung 
nach  Münster  nennt  auch  I).  Lilie  S.  264.  Ant.  Corvin  giebt  in  seinem 
Briefe  an  Georg  Spalatin  kein  Datum,  Herm.  Hamelmann  S.  1295  nennt 
den  20.  Januar.  Ganz  irrig  läfst  H.  Dorp  Bl.  G  3^  das  „umbfuren'*  „bifs 
auf  Purificationis  Marie*  (8.  Febr.)   153«)  dauern. 

*)  In  den  Abschied  des  Tages  zu  Worms  vom  20.  Nov.  1535  war 
auch  die  Bestimmung  aufgenommen  worden,  den  Bischof  durch  seine  Ge- 
sandten anhalten  zu  lassen,  den  Gefangenen  „ir  geburlich  straff  furderlich 
widderfaren  zu  lassen,  und  sie  lenger  gefencklich  nit  zu  halten, 
sorg  und  kunfftige  geferligkcit  irenthalben  zu  verhueten  und  ferrer  be- 
schwerlichen nachtail  und  schaden  zuvorkumcn."  Im  Dezember  schrieb  denn 
auch  der  Bischof  aus  Iburg  dem  Erzbischofe  von  Köln  und  dem  Herzoge 
von  Cleve,  dafs  die  Hinrichtung  für  den  Januar  1536  bestimmt  worden  sei. 
Es  scheint  auf  einigen  Seiten  Neigung  vorhanden  gewesen  zu  sein,  wenig- 
stens den  König  noch  länger  in  qualvoller  Haft  zu  behalten.  Denn  die 
Instruktion,  die  der  Erzbischof  von  Köln  am  11.  Januar  seinem  Gesandten 
Ambrosius  v.  Virmunden  nach  Münster  mitgab,  schliefst  mit  den  Worten 
(Kopie  im  St.-A.  M.):  „Salt  auch  vor  guit  angesehen  werden,  das  der  ver- 
meinter konig  nit  alsbalde  umbzubrengen,  sonder  zum  spiegell  der  weit  ein 
zeit  lanck,  als  ungeverlich  ein  viertheill  oder  halb  jar,  in  einem  weitheren 
oder  gerumen  korbe,  darinnen  er  sich  legen  mocht,  mit  gekurtzter  zunge 
ufgehangen  und  biss  zu  der  zeit,  das  er  entlich  gerechtfertigt  werden  sult, 
doch  kummerlich  emert  und  erhalten  werden  sult,  dasselb  soll  uns  nit 
zuwidder  sein." 

^)  So  nach  dem  „. . .  An-  und  abgang"  a.a.O.  Vgl.  auch  I).  Lilie  S.  265. 

*)  Das  Folgende  ist  teilweise  wörtlich  dem  Briefe  Ant.  Corvin's  an 
G.  Spalatin  Bl.  0  1  entnommen.   Corvin  war  bei  der  Hinrichtung  zugegen. 


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872  Anno  1536  acta. 

qnil  cansa  admittant.  Hnins  itaqne  opera  per  totam  noctem 
USUS  est.  A  quo  ita  permotns  et  immntatns  est,  ut  nihil  praeter 
suam  impietatem,  caedes,  rapinam,  impudicitiam  aliaqne  flagitia 
defleret  et  detestaretnr  seque  decies  mortem  acerbissimam  com- 
memisse  diceret  ac  omnes  errores  snos  praeterqnam  de  baptismo 
et  humanitate  Christi  privatim  in  carcere  revocaret*;  qnod  idem 
erat  publice  facturus,  si  licuisset.  Nam  cum  metuerent  ipsum 
"p.  628.  ea  in  vulgus  sparsurum,  unde  maioris  mali  occasio  fuisset  *orta, 
non  sunt  passi  tempore  supplicii  ipsum  publice  loqui.  Sibi 
quoque  dolere  dixit,  quod  Lantgravii  saluberrima  consilia  saepe 
pro  nihilo  duxerit  et  arroganter  contempserit*.  Praeterea  se 
optare,  Divaram  uxorem  suam  simili  poenitudine  conunissorum 
flagitiorum  duci*.  Et  cum  Siburgh  se  id  illi  renunciatumm  di- 
ceret: „Nequaquam,*'  inquit  ille,  „tibi  ista  dicenti  credet,  neque 
facile  illi  persuadebis  me  doctrinam  meam  tanquam  erroneam 
recantasse,  nisi  certo  signo  id  a  te  probetur."  Eefert  ergo  hoc 
signi  loco,   quod  illa  tenente  lumen  pediculorum  inguinariorum 


*)  „Qui"  (Johann  v.  Syburg),  schreibt  Ant.  Corvin,  „postea  ad 
nos  rcversus  mlram  fuisse  miseri  hominis  poenitentiam  renuntiavit,  adeo, 
ut  etiam  ingenue  confcssus  sit,  si  docies  occidi  possit,  mortem  certe  decies 
nieritum  esse  se;  et  tamen  induci  non  potuisse,  ut  eirorcm  de  baptismo  a** 
humanitate  Christi  recantaret/  Die  Unterredung  mit  dem  bischöflichen 
Kaplan  erwähnt  auch  der  „. . .  An-  und  abgang,"  nennt  aber  den  Kamen 
nicht.  ^Auff  solche  des  Gapplans  handlung/  heifst  es  dann,  „hat  sich  der 
König  als  geirret  bekent,  sein  handlnng  berewet  und  als  unrecht,  das  kein 
grundt  hab,  widerrufft,  sich  auch  zu  dem  rechten  heiland  Christo  bekert, 
im  zu  helffen  und  seine  sünd  zu  verzeihen  angerufft.*'  Vgl.  dazu  Herrn. 
Hamelmann  S.  1295,  der  hier  neben  Johann  v.  Syburg  auch  noch  einen 
Kaplan  Stephanus  Krontingius  Dulmoniensis  anführt,  der  identisch  ist  mit 
Steffen  Crumtunger,  welcher  nach  D.  Lilie  S.  274  «ein  lesemeister  tom 
Barvoten  im  cloister  to  Munster  is  gewest."  Er  trat  später  zu  St  Johann 
in  Osnabrück  energisch  gegen  die  Päpstlichen  auf  und  wurde  hernach  Fastor 
in  Petershagen  (s.  Herm.  Hamelmann  S.  1136  und  C.  Stüve:  Gesch.  des 
Hochstifts  Osnabrück  Tl.  2  [Jena  1872]  S.  87  f.). 

*)  Nach  Ant.  Corvin' s  Brief  hat  der  König  noch  gesagt:  ^Quod 
si  praesens  Landgravius  esset,  suppliciter  se  eins  delicti  veniam  oraturum, 
id  quod  nunc  a  Corvino  ac  Kjmeo,  quam  primum  in  patriam  redeant, 
fieri  cupiat." 

")  Dieses  und  das  Folgende  berichtet  nur  Kerss.  Danach  hätte  man 
dem  König,  was  wenig  wahrscheinlich  ist,  den  Tod  der  Divara  verschwiegen. 


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Anno  1536  acta.  873 

latibnlmn,  nempe  pnbeni  snam,  abraserit.  Per  totam  ergo  noctem 
domini  Siburgi  colloquio  et  consolatione  rex  fruitur.  Alii  vero 
a  sacerdotum  colloquio  abhorrent  praesentiamque  eorum  aver- 
santnr^  sibi  Patris  coelestis  praesentiam  sufßcere  dictitantes. 

Inde  post  octavam  horam  antemeridianam  die  22.  lannarii  22.  jan. 
portis  oppidi  conclusis  captivi  a  carceribus  ad  fomm  producuntur, 
ibique  scenam  extructam  scenicus  ille  rex  cum  suis  aulicis  ascen- 
dens  provolvitur  in  genua  Patremque  suo  more  iteratis  vocibus 
invocat*.  Hinc  surgentes  circumspectant,  nunc  carnificum  tur- 
bam,  nunc  palum  numellarium  locumque  supplicii,  nunc  prin- 
cipem  in  aedibus  lodoci  Holthufs  ex  adverso  sedentem^,  nunc 
populum  circumfusum,  nunc  ferreos  duos  focos  et  carbones  pru- 
nasque  candentes  ipsis  impositas,  nunc  forcipes  quatuor  ipso 
etiam  aspectu  horribiles,  nunc  turrira  Lambertinam,  ad  quam 
ferreis  receptaculis  post  supplicium  inclusi  pasturi  alites  coeli 
suspenderentur,  miserrimo  vultu  intuentur.  Interea  carbones 
foUium  flatu  a  spiculatoribus  excitati  strident  crepitantque,  ac 
forcipes  foculis  impositae  excandescunt.  Joannes  Wesselingk, 
iuris  licentiatus  ac  iudex  urbis,  cum  assessoribus  Hermanne 
Herden  ac  Melio  Herten  aliisque  iudicii  ministris  theatrum  con- 
scendit*  atque  ibi  captivorum  causa   iudicaturus    pro  tribunali 


')  So  auch  bei  Ant.  Corvin  und  im  „. . .  An-  und  abgang." 

-)  Die  Angabe  der  Tageszeit  „umb  8  uhr  ungeferlich  vormittag** 
findet  sich  in  dem  „. . .  An-  und  ahgang,"  ähnlich  bei  D.  Lilie  a.  a.  0. 
Auch  berichtet  das  Flugblatt  von  dem  Schliefsen  der  Thore.  Doch  geht 
aus  den  Quellen  hervor,  dafs,  im  Gegensatz  zu  Kerss.'s  Schilderung,  die 
Hinrichtung  der  Gefangenen  nicht  zu  gleicher  Zeit  Statt  fand,  sondern 
erst  Johann  v.  Leiden  gemartert  und  getodtet  ward,  dann  Enipperdolling 
und  zuletzt  Krcchting.  Ausdrücklich  sagt  besonders  der  „. . .  An-  und  ab- 
gang,'*  man  habe  sie  „vom  leben  zum  todt  bracht  je  einen  nach  dem  andern, 
das  keiner,  wes  todts  sein  mitgesello  umbkommen  odder  mit 
ime  gehandelt  worden,  wissens  gehabt." 

^)  Nach  dem  „. . .  An-  und  abgang"  ist  am  19.  Januar  „auch  der 
Bischoff  von  Münster  sampt  den  Kölnischen  und  Gülchischen  Rathen  und 
gesandten  ungeverlich  mit  3  hundert  pfcrden  auch  zu  Münster  eingeritten." 
Dieses  Flugblatt  ist  wohl  die  Quelle  für  Job.  S  leid  an  a.a.O.  fol.  158  ge- 
wesen, dem  wieder  H.  Hamelmann  S.  1295  folgt.  Sonst  ist  die  Anwesen- 
heit des  Bischofs  in  den  gleichzeitigen  Quellen  nicht  besonders  erwähnt. 

*)  Die  Namen  des  Richters  und  der  Beisitzer  nennt  nur  Eerss.,  der 


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874  Anno  1536  acta. 

insidet.  Continno  rex  accosatur,  qnod  in  Denm  et  magistratnm 
deliquisset,  errores  anabaptisticos  conciliis  sanctoram  Patmm  et 
legibus  civilibns  damnatos  resuscitasset,  sacramenta  omnia  con- 
taminasset,  templa  et  aedes  sacras  dirnisset  et  diripuisset,  sacra 
profanasset,  seditionem  concitasset,  magistratnm  legitimnm  deie- 
cisset,  se  propria  anctoritate  substitnisset  et  contra  ins  conminne 
regem  fecisset  maiestatisqne  crimine  se  contaminasset,  cives 
•p.  629.  Omnibus  *bonis  exutos  nrbeqne  eiectos  in  Inctuosnm  exilinm 
profligasset,  qnae  omnia  tarn  sint  manifesta  ac  omnibus  per  Bo- 
manum  imperium  tam  snpremi  quam  infimi  ordinis  hominibns 
ita  sint  nota,  ut  probatione  nuUa  egeant.  Eespondet  ^  se  qnidem 
magistratnm,  non  autem  Denm  offendisse.  Quasi  vero  non  offen- 
dat  Denm,  qui  ordinationem  illius  contemnit  et  evertit!  Äna- 
baptismum  autem  et  seditionem  a  se  in  pemiciem  magistratns 
commotam  atque  laesae  maiestatis  crimen  confitetnr.  Quare 
morti  adiudicatur.  Propter  eadem  quoque  propemodum  flagitia 
KnipperdoUingus  ac  Krechtingus  mortis  sententia  condemnantur  K 
Continno  carnifices  regem  primum  numellis  inclusum  et 
palo  alligatum  candentibus  et  ignitis  forcipibus  corripiunt  et 
musculosas  in  toto  corpore  camium  pulpas  apprehensant,  quae 
ad  singulos  tactus  manifestam  flammam  emittunt,  unde  tantns 
exhalat  foetor,  ut  omnium  in  foro  stantium  nares  graviter  oflFen- 
derentnr.  Simili  poena  et  reliqui  afficiuntur ;  intolerabilius  tarnen 
et  impatientius  cruciatus  istos  perferre  visi  sunt,  quam  rex  ipse ; 
pluribus  enim  lamentis  et  vocibus  dolorem  t^stantur  *.   Knipper- 


sich  im  Folgenden  sonst  wieder  teilweise  wortlich  an  Ant.  Corvin's  Brief 
Bl.  Cl^  anschlicfst.  Auch  D.  Lilie  a.a.O.  meldet,  daTs  die  Gefangenen 
„vor  dat  recht  unde  richtestoil  gehracht^  wurden,  „dar  se  mit  ordelen  unde 
rechten  tom  smeliken  unde  vorschreckliken  dode  vorordelt.* 

*)  Von  hier  his  zum  Schlüsse  des  Absatzes  wörtliche  Anklänge  an 
den  Brief  Ant.  Corvin's. 

*)  Ant  Corvin:  „cum  ob  eadem  crimina  accusarentur  neque  in- 
fitiari,  quae  designarant,  posscnf 

')  Ant.  Corvin  schreibt  über  den  König:  „Non  hie  dicam,  quanta 
fortitudine  in  perferendis  cmciatibus  istis  usus  sit;  neque  enim  vel  vocem 
emisit  doloris  tcstem."  Von  KnipperdoUing  sagt  er:  „. . .  qui  tarnen  ad 
palum  deligatns,  an  aliquid  locutus  sit,  nescio.  Gerte  qui  non  tam  procul 
a  supplicii  loco  aberant,  quam  nos,  dixisse  eum  ferunt:  Deus  propitius  esto 


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Anno  1536  acta.  875 

dollingus  autem  cum  horrendi  crnciatus  aspectu  territus  obstn- 
pesceret,  subsidens  nnmella,  qna  alligatus  stipiti  fuerat,  guttur 
elidere  et  mortem  maturare  contendit.  Quod  cum  carnifices  sen- 
tirent,  ipsnm  erigunt  et  restim  per  os  hians  inter  dentes  ita 
ductant,  ut  neque  subsidere  neque  gulam  frangere  neque  se  re- 
presso  spiritu  et  vocali  arteria  clausa  suffocare  possit'.  Post 
diuturnnm  supplicium  cum  adhuc  viventes  palpitarent,  guttura 
candente  forcipe  compiunt  ignisque  fervore  constringunt  pariter- 
que  sicam  in  pectora  singulorum,  quanta  vi  possunt,  adigunt, 
ut  vulnerata  vitae  sede  citius  occumbant  ^  Inde  cadavera  eorum 
ad  coemiterium  Lambertinum  devecta  corbibus  seu  fiscellis  fer- 
reis  et  cancellatis  imponuntur  numellisque  quibusdam  erecta  in 
iis  sustinentur  et  supremae  parti  turris  Lambertinae  ad  latus 
australe  ita  affiguntur,  ut  rex  in  medio  eminentiorem  locum, 
reliqui  vero  utrinque  humiliorem  obtineant,  ubi  etiam  nunc  in 
perpetuam   rei  memoriam    carne  et  ossibus    absumptis    corbes 


mihi  peccatori !  Alias  inter  cniciatus  perpetuum  silentium  fuit.*  „Postremo," 
fährt  er  fort,  „Krechtiiigus  eodem  supplicii  genere  periit,  quem  adhibitis 
forcipibus  bis:  0  Pater,  o  Pater!  exclamantem  audivimus."  —  Ausführlicher 
berichtet  der  „. . .  An-  und  abgang,"  dafs  das  Martern  des  Königs  eine 
Stunde  oder  länger  gedauert  hätte.  „Und  dieweil/  heifst  es  dann  weiter, 
„man  den  König  also  gemartert,  hat  er  drei  griff  mit  der  zang  erlitten, 
nichts  geredt  oder  geschrihen,  darnach  aber  stetigs  mit  solchen  Worten  zu 
Gott  gerufft :  Vatter,  erbarm  dich  mein !  Gott  umb  gnad  . . .  und  hülff  an- 
geruffen.  Do  er  aber  seins  lebens  nit  lang  zu  sein  empfunden,  riefft  er: 
Vatter,  in  dein  hend  bevelh  ich  meinen  geist!  und  also  sein  ende  genom- 
men/ Von  Knipperdolling  und  Krechting  wird  dann  aber  erwähnt,  wie  sie 
„sich  in  der  marter  gar  nicht  bekeren  wollen,  sondern  auff  irem  fümemen 
stracks  beharrt  und  nach  irem  gebrauch  nur  den  Vatter,  wie  sie  ine  ge- 
nent,  angeschrien.  Hat  auch  ir  keiner  nichts  sonders  geredt,  vileicht  aufs 
grofser  marterxin  der  gefencknuss,  das  sie  mehr  eim  todten,  dann  eim  le- 
bendigen gleich  gesehen  worden,  und  ir  leben  also  geendet."  —  D.  Lilie 
S.  2H5  bietet  nur  die  sonst  nicht  berichteten  Einzelheiten,  dafs  dem  König 
„dorch  de  mundt  eine  starke  linen  getogen"  ward,  und  dafs  Knipperdolling 
und  Krechting  „swarer  und  dapperer  worden  mit  den  glonigen  tangen  an- 
getastet, als  de  koninck.** 

')  So  berichtet  nur  Kerss.  —  ')  Das  schliefsliche  Durchstofsen  der 
Brust  meldet  der  „. . .  An-  und  abgang"  (danach  auch  H.  Hamelmann 
S.  12%),  D.  Lilie  a.a.O.  und  C.  Heresbach  S.  28. 


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876  Anno  1536  acta. 

affixae  conspiciuntnr  ^  Forcipes  Tero,  qnibns  excmciati  sunt,  in 
colnmnis  domus  senatoriae  snspensae  in  medio  foro  visnntnr ',  nt 
seditiosis  et  magistratni  legitimo  non  parentibns  sint  exemplo 
et  terrori. 

Post  haec  clerus  et  cires  certatim  maiori  studio  templormn 
reparationi  et  divini  cultus  restaurationi,  qnam  homines  iUi  de- 
^p.  630.plorati  de*structioni  et  abolitioni  int^nti  in  hoc  potissimnm  in- 
cubuere,  ut  parietibns  adhuc  fere  integris  tecta  snperimponerent 
et  divina  ofScia  quasi  postliminio  matore  revocarent,  deinde  ea 
paulatim  intns  repararent,  qnae  ad  pristinnm  decus  pertinebant, 
postremo  suis  rebus  reparandis  animum  adiicerent*. 

Princeps  etiam  id  sibi  studio  habet,  ut  certa  recuperatae 
civitatis  politiae  forma  constituatur  et  a  futuris  malis  sit  tuta. 


')  Die  Körbe  hingen  an  dem  Turme  bis  zu  dem  Abbruche  desselben 
im  Jalire  ISSI  und  werden  noch  jetzt  bewahrt.  Aus  der  Dortmunder  Do- 
minikanerchronik des  1 6.  Jahrhunderts  teilt  J.Hansen  in  den  „Chroniken 
der  deutschen  Städte"  Bd.  20  (Leipzig  1887)  S.  429  Anm.  2  die  Notii  mit: 
„Anno  ir>35  in  Tremonia  fabricate  sunt  tres  sporte  fcrree  a  magistro  Bcr- 
toldo  Smet,  in  quibus  suspcndendi  erant  rcx  Monasteriensis  et  Enipper- 
dollink  et  pastor  in  Gildchusen.  Rcgis  sporta  in  libra  4  wagen  iserens 
minus  13  talenta  (libra  centum  talenta).  Anno  1536  his  sportis  innectun- 
tur."  Als  Ende  1535  der  Gesandte  des  Rates  der  Stadt  Strafsburg  Bern- 
hard Wurmbser,  nachdem  er  in  Bevergem  mit  Johann  v.  Leiden  eine  L^nter- 
redung  über  dessen  Verhältnis  zu  Melchior  Hofmann  gehabt  hatte,  auch 
nach  Münster  kam,  berichtet  er  von  dem  Korbe,  „darin  der  Eonig  getan 
werden  sol^^:  „der  ist  höher,  dann  ein  langer  mann,  ist  dry  spannen  wjtt 
und  stark  mit  isen  wie  ein  gettor  gemacht,  und  ein  tier  dran."  (Siehe  F.  O. 
zur  Linden;  Melchior  Hofmann  [Haarlem  1885]  S.  461  f.) 

*)  Vgl.  D.  Lilie  a.a.O.  Sie  werden  noch  heute  gezeigt 
^)  So  sagt  auch  D.  Lilie  S.  266  f.:  „Dama  . . .  begunnen  dat  dom- 
capittel  unde  alle  vorodenthen  der  anderen  kercken  uude  cloisteren  wedder- 
umb  to  reinigen  unde  to  bouwen  de  kercken  unde  cloisters,  dar  groit  schade 
inne  geschein  ..."  —  Schon  am  15.  Sept.  1535  schrieben  die  Stiftsherren 
zu  St.  Mauritz,  indem  sie  den  Bischof  bitten,  die  Eröffnung  der  Kirche 
und  die  Wiedereinführung  des  Gottesdienstes  zu  gestatten,  sie  h&tten  er- 
fahren, „wie  i.  f.  g.  und  derselvighen  i.  f.  g.  verordenthen  bevelhebber  in 
der  Stadt  Munster  hebben  vorwilliget  und  . . .  verloveth,  dat  de  coUegia  ock 
de  kerspels  kercken  . . .  wedderumb  tho  betteren  und  upthorichten  vorge- 
nommen und  angehaven,"  wie  das  denn  auch  am  19.  Juli  in  Neufs  be- 
-schlosscn  wäre.  Vgl.  oben  S.  859  Anm.  3.  Zur  Sache  s.  auch  L.  Keller 
in  der  „Historischen  Zeitschrift"  Bd.  47  S.  445  f. 


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Anno  1536  acta.  877 

Proinde  consentientibns  reliqnis  dioecesis  ordinibns  ad  24.  diem  24.  jan. 
lannarii  dioecesana  comitia  in  loco  antiqnitns  consneto,  nempe 
Laerbroeck,  habenda  indicit.  Ad  qnem  cum  convenissent  \  yariae 
dioecesis  difficnltates,  onera  et  molestiae  a  principe  proponuntnr; 
qnae  cum  in  consnltationem  pnblicam  producta  fnissent  accn- 
ratinsque  examinassent,  utile  visnm  fnit  consnltantinm  multi- 
tndinem  de  more  in  compendinm  contrahere,  nt  certins  aliqnid 
super  bis  decernatur.  Designantur  itaque  omnium  ordinum  vo- 
luntate  viri  graves  et  apprime  nobiles,  videlicet  generosus  comes 
Amoldus  de  Benthem  ac  Steinfordia,  Gerardus  Morrien,  hip- 
parchus,  Amoldus  de  Baisfelt,  Bernardus  de  Westerbolte  ^,  Gode- 
fridus  a  Schedelichen,  loannes  a  Mervelde,  Conradus  Ketteier, 
Bodolphus  a  WuUen,  loannes  a  ßueren,  Henricus  SchencWnck, 
loannes  ab  Asbecke  ac  loannes  a  Dincklage.  In  hos  omnem  fi- 
gendi  statuendique  auctoritatem  et  potestatem  ordines  transfun- 
dunt  seque  ratum  habituros,  quicquid  dioecesis  nomine  in  bis 
difficultatibus  decreverint,  poUicentur. 

Primum  ergo,  cum  imperii  Status  in  superioribus  comitiis 
Wormaciensibus  in  feste  Omnium  Sanctorum  habitis  decreta 
principi  et  toti  dioecesi  adversa,  onerosa  et  propemodum  into- 
lerabilia  fecerint  ediderintque,  quae  etiam  legati  imperii  nomine 
die  5.  Martii^  a  dioecesi  sint  exacturi,    cum  principe  illique  a 


^)  Kerss.  giebt  im  Folgenden  in  oft  wortgetreuer  Uebersetzung  die 
Urkunde  wieder,  durch  welche  die  Stände  des  Stifts  am  i^9.  Januar  1537 
die  in  den  ersten  Monaten  des  Jahres  1536  von  der  Landtags-Eommission 
in  Gemeinschaft  mit  dem  Bischöfe  und  dessen  Räten  getroffenen  Verein- 
barungen über  die  Errichtung  und  Unterhaltung  des  Blockhauses  und  über 
die  bürgerliche  Ordnung  in  der  Stadt  bestätigten.  Die  Urkunde  (Orig.  im 
St.-A.  M.)  ist  vollständig  abgedruckt  bei  J.  Nieser t:  U.-S.  I.  S.  245 ff. 
Der  von  Eerss.  erwähnte  Landtag  tagte  vom  24.  bis  29.  Januar  1536  erst 
auf  dem  I^aerbrok,  dann  in  Münster.  Auf  demselben  (Kopie  des  Abschiedes 
im  St.-A.  M.,  Landtags-Akten)  ward,  abgesehen  von  anderen  hier  nicht  in 
Betracht  kommenden  Dingen,  nur  die  Erwählung  der  Kommission  be- 
schlossen, der  die  weitgehendsten  Vollmachten  erteilt  wurden.  Sie  war 
allein  aus  Mitgliedern  des  Eitterstandes  zusammengesetzt.  Ueber  die  dann 
folgenden  Verhandlungen,  die  zu  den  von  Kerss.  nach  der  oben  angegebenen 
Urkunde  mitgeteilten  Festsetzungen  führten,  habe  ich  Akten  nicht  gefunden. 

*)  Kerss.  läfst  hier  folgende  Namen  aus:  Joest  Korff,  Johann  van 
Baisfelt  to  Baisfelt,  Bemdt  van  0er. 

»)  Vielmehr  am  13.  März  (s.  oben  S.  868  Anm.  2). 


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878  Anno  1536  acta. 

consillis  et  capitnlo  commnnicato  consilio  secnm  deüberent,  qni- 
bns  fandamentis  et  rationibus  ea  decreta  enervent  ac  toUant 
oneraqne  a  dioecesi  optimo  iure  amoveant;  inde,  qnae  in  nrbe 
recnperata  politia  qnaeque  propugnacnli  ad  inturam  oppidanomm 
rebellionem  coercendam  fonna  erigenda  sit,  deliberate  consultent. 
Hoc  conventu  dissoluto  princeps,  capitulum  et  ex  militari 
ordine  delecti  nrbem  Monasterinm  ingressi  de  rebus  sibi  publice 
commissis  exactius  Consultant;  et  primum  quidem,  quid  legatis 
seu  commissariis  imperii  5.  Martii  ^  respondendum  sit,  decemunt. 
Quod  habes  suo  loco.  Hinc  cum  penitius  expendissent,  ex  quibus 
'p.  681.  causis  superioribus  annis  *in  civitatem  Monasteriensem  religionis 
causa  variae,  multiplices  et  praefractae  novationes  irrepserint, 
unde  conspirationes,  factiones  et  Schismata,  tandem  detestabilis 
et  horrenda  anabaptistarum  secta,  publica  seditio  et  manifestum 
bellum  a  violentis  urbis  detentoribus  adversus  principem  et  dioe- 
cesim  excitatum  sit,  —  principem  itaque  et  obedient^s  subditos, 
ut  non  solum  patriam  suam  a  vastitate  et  bona  sna  a  deprae- 
datione  seque  a  certissima  clade  et  exitio  vindicarent,  verum 
etiam  ut  haec  provincia  et  Germania  christianusque  orbis  ab 
anabaptistica  contagione,  seditione  et  intemecione  incolumis  prae- 
servaretur,  necessario  ad  arma  confagisse,  exercitum  magnis  sump- 
tibus  comparasse,  urbem  obsidione  cinxisse,  rebelies  in  ea  con- 
clusisse,  eruptiones  arbitrarias  compressisse  sectamque  horren- 
dam,  ne  latius  serperet,  coercuisse,  unde  eximiae  calamitates, 
sanguinariae  caedes,  horrenda  et  inaudita  flagitia  ac  miserandae 
vastitates  in  urbe  secutae  sint,  quibus  rebus  oppidani  principem, 
dioecesim  omnesque  subditos  in  irrecuperabilem  iacturam  prae- 
cipitaverint  atque  detruserint,  praesidio  tamen,  ope  et  consilio 
principum  ac  amicorum  initium  obsidionis  et  postea  ordinum 
imperii  auxilio  totum  bellum  ac  obsidionem  pertulisse  eoque  pro- 
duxisse,  ut  tandem  manifeste  Dei  beneficio  et  munere  civitas  sit 
recnperata  ac  in  potestatem  obedientiamque  principis  redacta. 
Quare,  ut  haec  civitas  et  eiusdem  innocentes  incolae  superiorum 
flagitiorum  et  exulceratissimi  praesentis  temporis  ratione  habita 
per  gratiam  Dei  et  matura  consilia  posthac  in  bona  politia,  obe- 
dientia  concordiaque  regantur,  ne  simile  quid  in  posterum  con- 


*)  Viehnelir  am  13.  März. 


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Anno  1536  acta.  879 

tingat,  princeps,  capitnliun  et  delecta  nobilitas  unanimi  consüio 
necessarium  esse  iudicarunt,  nt  in  commodum  et  conservationem 
arbis  totiusqne  patriae  propngnaculam  in  ea  excitetur,  mnni- 
tionibns,  praesidiis  aliisqne  rebus  necessariis  ita  firmetnr,  nt 
futurae  rebellionis  sit  repagulnm  et  hnins  metu  oppidani  in 
officio  contineantnr. 

Sequuntnr  articnli  de  propngnaculo  extmendo,  mnniendo 
firmandoque : 

„1.  Propngnacnlnm  seu  castellnm  in  commodo  et  apto  nrbis 
loco  de  consüio  capituli  et  nobilitatis  huins  dioecesis  ita  con- 
stmetnr,  ut  minimo  praesidio  et  tolerabilibns  impensis  snsten- 
tari  queat^. 

2.  Si  hnins  arcis  stmctura  in  eam  amplitndinem  proten- 
datnr,  nt  yicinamm  aedinm  demolitione  opus  sit,  princeps  atqne 
dioecesis  instnm  eomm  pretinm  possessoribns  reddet. 

*3.  Media  pars  omninm  proventnnm  nrbis   tarn  ex  male-»p.  632. 
ficiis  et  friegraviatn  Sendano  aliisqne  praediis  ad  civitatem  per- 
tinentibns   qnam  ex  indicio    profane  collecta  in  snstentationem 
hnins  arcis  conferetnr.   Si  vero  hi  snmptns  non  snfifecerint,  prin- 
ceps* alinnde  de  sno  necessaria  hnic  arci  prospiciet. 

4.  Praefectns  hnins  arcis  erit  dioecesis 'Monasteriensis  in- 
digena,  de  militari  ordine,  dives*  et  ad  eam  administrationem 
idonens ;  se  snamqne  fidem  principi,  capitnlo  et  nobilitati  inre- 
inrando  atqne  antipocha  astringet,  neque  hie  a  solo  principe 
sine  capitnli  et  nobilitatis^  consensn  inanctorabitnr  neqne  ex- 
anctorabitnr^ 


')  „Und  sali  datsulve  huss  und  festunge  . . ,  to  einer  denligen,  wal- 
gelegen platz  gebouwet  und  besatt  werden,  dair  to  etlige  verordent,  de 
sulche  gelegenheit  besichtigen  und  ordenung  stellen  sollen,  dat  hues  der- 
maten  intotehen  und  schicklich  to  festen,  dat  sulye  mit  den  wenigsten  Un- 
kosten, personen  und  knechten  to  bewaren  sy/ 

*)  „. . .  dat  de  gebreck  van  des  ampts  to  Wolbecke  off  anderen  unses 
gnedigen  hern  ampteren  alssdann  verschaffet  und  erfüllet  werde." 

^)  „. . .  in  stjfft  genochsam  und  wall  beervet  und  begudet/ 

*)  „off  eren  dair  to  verordenten." 

*)  Dem  Artikel  ist  noch  hinzugefügt:  „mit  dem  anhange,  wanner 
geborlige  und  nodige  orsaken  voirfallen  edder  des  bevelhebbers  gelegenheit. 


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880  Anno  1536  acta. 

5.  Hie  praefectus  ins,  iurisdictionem  et  constitutiones  prin- 
cipis  in  nrbe  fideliter  tntabitnr  ac  defendet.  Ac  omnes  bom- 
bardas  in  recnperata  nrbe  inyentas,  qnae  rotis  yehnntnr,  in 
hanc  arcem  transferet  eammqne  qnam  diligentissimam  cnsto- 
diam  recipiet. 

6.  Princeps  illinsqne  successores  episcopi  ad  arbitrinm 
snnm  hnc  accedendi  recedendiqne  potestatem  habebnnt;  et  prae- 
fectns  praesente  principe  non  minorem  arcis  cnram,  qnam  illo 
absente  aget.  Neqne  princeps  neqne  snccessores  illins  nUos  pere- 
grinos  principes,  dominos  ant  proceres  ad  hanc  arcem  secnm 
addncent,  qni  mnnitionnm  rationes  contemplentnr.  ^  Si  etiam 
nllo  tempore  in  civitate  seditio  ant  motns  excitatns  fnerit,  neqne 
eapitnlo  neqne  nobilitati  ad  hanc  arcem  fagientibns  accessns 
praecludetnr. 

7.  Si  inter  principem  et  dioecesis  ordines  vel  alios  qnos- 
cnnqne  dissensio  ant  contentio  nlla  snboriatnr,  praefectns  arcis 
nentrins  partes  fovebit  receptabitve  ^ 

8.  Princeps  *  eam  religionem,  qnam  sibi  imperator  et  im- 
peratorii  ordines  in  snperioribns  comitiis  imposnemnt,  in  sna 
dioecesi  tntabitnr  neqne  a  recessibns  Wormatiae  a  statibns  im- 
perii  et  Novesii  a  Coloniensi  et  Clivensi  habitis^  recedet 

9.  Haec  arcis  stmctnra  et  articnli  ad  civitatem,  praefectnm, 
snstentationem  et  praesidinm  arcis  pertinentes  et  haec  amplior 
qnam  snperioris  temporis  ante  motnm  anabaptisticnm  potestas 
in  principem  einsqne  snccessores  iam  coUata  privUegio  dioecesis 
antiqnitns   observato   nihil   detrahet,    nihil   derogabit*,    neqne 


dat  ampt  to  yerlaiten,  erforderen  werde,  alssdann  gjnen  anderen  in  de 
Stadt  des  erloveden  affgetredden  itziger  mathen  npthonemen  und  intosetten, 
de  8j  dann  voir  erst  by  des  yorigen  staenden  plichten  mith  gelickmetigen 
eide  und  gelofften  gebunden,  und  dair  over  breifflich  orkund  und  reverfs 
gegeven.** 

^)  Hinzugefügt  ist  noch:  „Und  so  seine  f.  g.  mit  einen  van  den 
stenden  to  uneinicheit  qwemen,  sali  sich  seine  f.  g.,  dergelyken  de  stende 
mit  up-  und  affriden  des  husses  entholden,  und  in  den  saken  vermöge  des 
privilegii  gehandelt  werden."  —  *)  „mith  der  landtschap."  —  *J  S.  oben 
S.  796  Anm.  1,  S.  809  Anm.  3  und  S.  864.  —  *)  „zunder  dataulve  Privi- 
legium in  siner  macht  und  herkommen  gebrueck  aller  dinge  bliven,  hir- 
mede  innovert,  bestedlgt,  vemuwert  zin  und  geholden/ 


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Anno  1536  acta.  881 

ordinibus  hnius  dioecesis  per  has  novas  constitntiones  qnicquam 
iuris  decedet,  praeterqnam  qnod  per  principem  et  dioecesim 
necessario  in  articnlis  ad  civitatem  pertinentibus  constitutum  et 
decisum  est. 

*10.   Si  propter  seditionem  et  motum  in  vel  extra  urbem^p.  633. 
exortum  amplioribus  praesidiis  *  arx  opus  habeat,  praefectus  ab- 
sente  principe  a  satrapis  dioecesis  praesidium  ad  rem  praesentem 
necessarium  exiget,  nee  sibi  id  denegabitur. 

1 1 .  Contra  haec  orania  a  principe  et  dioecesi  constituta 
et  decreta,  quae  ad  civitatem  Monasteriensem  peri^inent,  neque 
consules  neque  senatus  neque  cives  incolaeve  sub  poena  periurii 
et  Ultimi  supplicii  quicquam  attentare  praesument  aut  attentari 
sine  auctoritate  et  consensu  principis  totiusque  dioecesis  per- 
mittent." 

Articuli  boni  regiminis  et  politicae  ordinationis  civitatis 
Monasteriensis  *. 

„Ad  evitandam  futuram  seditionem  et  inobedientiam,  quae 
Dens  clementer  avertat,  et  revocandam,  constabiliendam  ac  reti- 
nendam  pacem,  obedientiam  tranquillitatemque  inter  cives  ac  ' 
incolas  civitatis  Monasteriensis,  ad  conservationem  eiusdem  ac 
salutem  totius  dioecesis,  utque  boni  tutiores  sint  et  ab  oppres- 
sione  malorum  defendantur  et  civitas  posthac  divina  gratia  et 
benignitata  hoc  maxime  exulceratissimo  ac  fraudulentissimo  sae- 
culo  in  pace  et  tranquillitate  et  optimo  statu  melius  ac  con- 
stantius  conservetur,  unanimi  consilio  principis  et  dioecesis  struc- 
tura  arcis  seu  propugnaculi  est  decreta.  Inde  articuli  subse- 
quentes  ad  senatum  et  regimen  dictae  urbis  pertinentes  senatui 
designato  traditi  sunt  dominico  die  Misericordias  Domini  \         30.  Aprii. 

1.  Principio  senatus  designabitur  ex  duodecim  patriciis  et 


')  „mit  meren  luden  van  der  ridderschap.** 

'-)  Diese  „Artikel  der  Ordnung  guden  regimentz  und  bürgerlicher 
polizei  in  der  stat  Munster  . . .  mit  wetten  gemeiner  lantschap  beslotten 
und  den  verordenten  raitzpersonen  schriftlich  overgeven  am  Sondage  Miseri- 
cordias Domini  anno  36"  sind  aufser  bei  J.  Niesert  a.a.O.  S.  256 ff. 
noch  abgedruckt  bei  V.  N.  Kindlinger:  Münsterische  Beiträge  zur  Gesch. 
Deutschlands  Bd.  1  (Münster  1787),  Urkunden  S.  294  ff. 

«)  30.  April. 

32 


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882  Anno  1536  acta. 

duodecim  aliis  ditioribus  civibus*  notae  originis  et  vitae  pro- 
batae.  Atqne  M  viginti  quatuor  senatores  et  duo  ex  llis  con- 
sules  primum  per  principem  de  consilio  capituli  et  nobilitatis* 
constituentur. 

2.  Hi  viginti  quatnor  senatores  habent  potestat^m  posthac, 
ubi  opns  fuerit  et  necessitas  postulaverit,  ex  consilio,  arbitrio  et 
auctoritate  praefecti  arcis^  duos  consules  ex  supradicto  numero 
eligendi;  ea  tarnen  lege  electio  rata  erit,  si  princeps  eins  flat 
anctor. 

3.  Utile  qnoque  visum  est,  nt  hi  viginti  quatuor  consules 
et  senatores  perpetuo  sua  officia  retineant  neque,  quamdiu  ho- 
neste  inculpateque  vixerint,  iis  destituantur;  si  vero  aliquis 
eorum  sui  amovendi  legitimam  occasionem  dederit,  a  magistratu 
excludi,  alius  idoneus*  substitui  debet  cum  consensu  praefecti 
et  principis  auctoritate. 

•p.  634.  *4.  Quoties  etiam  horum  quis  inorte  sublatus  aut  morbo 
sontico  aut  alia  iusta  causa,  quae  excusationem  meretur,  impe- 
ditus  muneri  sibi  imposito  superesse  non  possit,  in  huius  locum, 
ut  in  superiori  articulo  dictum  est,  alius  surrogabitur. 

5.  Consules  et  senatus  civium  suorum  civiles  controversias 
pereconditiones  utrinque  tolerabiles  familiariter  transigent.  Sin 
id  fieri  nequeat,  pro  personarum  qualitate  causam  ad  suum  tri- 
bunal  remittent. 

6.  Princeps  in  iudicio  profane  iudicem,  duos  e  senatu  asses- 
sores  reliquosque  ministros  constituet  certasque  iudicandi  et  li- 
tium  forensium  mature  decidendarum  formas  praescribet. 

7.  Cives  ac  incolae  civitatis  anabaptismo  non  contaminati 
sine  cuiusquam  intercessione,  impedimento  et  interturbatione  ad 
possessionem  suorum  bonorum  admittentur  *. 

8.  Quanquam  princeps  iustissima  de  causa  et  iure  quidem 
omnes  civitatis  proventus  sibi  in  sustentationem  novae  arcis* 
vindicare  queat,    singulari  tarnen    benevolentia  et  gratia  dimi- 


*)  „van  fromen,  begudeden  borgeren."  —  *)  „off  eren  dair  to  ver- 
ordenten."  —  ")  „in  bisin,  ock  mit  raide  . . .  des  stadtholders.*  —  *)  „uth 
welchem  stände  dat  alfsdann  nodicb."  —  ®)  „und  ruwlich  bliven."  — 
®)  „so  bes  to  wideren  des  fürst en  tor  tidt  und  gemeiner  Munsterscher  lant- 
schap  eindrochtigen  bescheide  gelacht  und  bestalt  werden  sali." 


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Anno  1536  acta.  883 

dinm  eorum  civitati  relinquet,  unde  aes  alienum  exolvat  reliqna- 
que  onera  perferat  et  snstineat  praeter  id,  qnod  ad  arcis  snsten- 
tationem  in  superioribus  articnlis  destinatum  est. 

9.  Archidiaconis  nihil  iuris  et  iurisdictionis  antiqnitus  in 
oivitate  habitae  et  nsurpatae  hac  ordinatione  adimetnr. 

10.  Cum,  nt  superius  dictum  est,  dimidium  proventnum 
civitati  ex  gratia  relinqnatur,  consules  et  senatns  cum  consensu 
praefecti  arcis  officiorum  urbis  administrationes  fidelibus  et  con- 
spicuae  probitatis  viris  principi  et  reipublicae  Monasteriensi  iu- 
ratis  concedent  et  re  ita  exigente  ab  iisdem  officiis  removebunt 
aliosque  substituent.  Atque  hi  in  interregno  post  mortem  prin- 
cipis  ad  novi  episcopi  designationem  eiusque  coniirmationem 
capitulo  et  militari  ordini  simili  iureiurando  obstricti  erunt  et 
suo  tempore  cum  oeconomo  principis  coram  arcis  praeside  prae- 
sentibus  Qonsulibus  et  senatu  administrati  ofScii  exactam  ratio- 
nem  reddent. 

11.  Arcis  etiara  praeses  et  senatus  universae  civitatis  sta- 
tum  accurate  perscrutabuntur  et  omnium  circumstantiarum  ra- 
tione  habita  ad  concordiae  et  publicae  utilitatis  conservationem 
leges  politicas  et  municipales  emendi^  vendendi,  contrahendi 
commerciaque  uberioris  commodi  gratia  miscendi  in  civitate 
constituent. 

1 2.  Cum  exploratissimum  sit,  quod  per  sodalitia,  consocia- 
tiones,  confoeMerationes  atque  conventus  tribuum  atque  plebe-*p.  635. 
arum  curiarum  omnis  seditio,  factio,  abusus  et  inobedientia  in 
civitatem  Monasteriensem  irrepserint  *,  ideoque  curiae  et  tribus 
cmnes  in  urbe  tollentur  penitusque  abrogabuntur  neque  unquam 
restituentur.  Praeterea,  ut  futuris  motibus  omnis  occasio  prae- 
cludatur,  neque  clandestini  neque  manifesti  conventus,  socia- 
tiones,  confoederationes  civium,  incolarum,  peregrinorum  vel  ad- 
ventitiorum  hominum  in  civitate  perferentur.  Si  qui  vero  hoc 
decretum  contumaciter  excusserint,  non  solum  bonis,  verum 
etiam  ultimo  supplicio  pro  personarum  et  rerum  qualitate  mulc- 
tabuntur. 

13.  Ad  haec,  cum  ante  hnnc  superiorem  motum  civitas 
in  sex  partes,  quas  leyschoppias  vocant,  fuerit  divisa  et  distincta, 

^)  „gcorsaket  und  vortganck  genommen." 

32* 


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884  Anno  1536  acta. 

nt  hac  ordinatione  vigiliae  et  reliqua  clvilia  onera  et  monia 
commodias  expediantur,  eas  partes  in  costodiam  nrbis  imma- 
tatas  conservare  placnit,  hac  tarnen  lege,  nt  praefecto  arcis,  con- 
solibns  et  senatui  pareant. 

14.  Item  magister  violentiarum  ^  designabitur,  qni  loco 
principis  praefecto  arcis  iureiarando  devinctus  erit.  Hie  noctur- 
nas  yigilias  aliaqae,  qnae  ad  officinm  spectant,  ex  fide  admini- 
strabit.  Hie  noctes  diesqne  cnm  sex  lictoribns*  tarn  principi 
quam  senatni  inratis  diligenter  providebit  et  praecayebit,  ne 
occnlta  conventicula,  conciliabula,  factiones  et  seditiones  in  urbe 
agantur  et  concitentur.  Penes  hnnc  etiam  erit,  si  necessitas 
postnlabit,  omniura  partium  nrbis  vel  qnarnndam  praesidium 
implorare,  nt  se  contra  vim  seditiosornm  mnniant  et  mali  poenas 
non  eflfugiant.  Huic  imploratum  anxilinm  a  leyschoppiis  non 
negabitnr. 

15.  Nnlli  anabaptistarum  et  seditiosornm,  qni  in  civitate 
istins  factionis  vel  auctor  vel  antesignanns  fuerit,  neqne  prin- 
ceps  neqne  arcis  praefectns  libemm  hnc  redenndi  commeatnm 
concedent.  Qni  vero  innocentiam  sibi  praesnmnnt,  ad  snspici- 
onis  pnrgationem  admittqntnr.  Si  antem  qnis  seditionis  snperi- 
oris  anctor  pnblica  sibi  data  secnritate  confisas  nrbem  ingressns 
fnerit,  hnic  pnblica  secnritas  rennnciabitnr  et  ant  in  perpetnum 
exilinm  relegabitur  ant  ad  commeritnm  snpplicinm  rapietnr. 

16.  Neqne  princeps  neqne  praefectns  nrbis  inrisdictionem 
iudicii  gograviatns  tarn  intra  qnam  extra  nrbem  ad  clemm  pri- 
marinm  pertinentem  tnrbabit  neqne  illi  qnicqnam  derogabit. 

17.  Vinnm,  cervisia  et  qnaelibet  annona  in  nsnm  cleri 
Primarii  comparata  citra  nllnm  incommodnm,  portorinm  et  vec- 

"p.  636.  tigal  importabitnr  *in  nrbem  et  exportabitnr.   Clems  etiam  se- 
cnndarins  privilegio  et  immnnitate  et  sno  inre  non  destitnetnr. 

18.  Si  etiam  qnispiam  militaris  ordinis  hnins  dioecesis 
filinm  filiamve  in  civitate  Monasteriensi  vel  in  matrimoninm  vel 
coenobinm  coUocaverit,  vinnm,  cervisiam  aliaqne  ad  eas  solnm 
nnptias  celebrandas  necessaria  citra  portorinm  et  vectigal  in 
nrbem  advehet  eaqne  libere  nsnrpabit. 


^)  „Gewaltmester.'*  —  *)  »Botmesteren.** 

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Anno  1536  acta.  885 

19.  Omnium  pensionnm  et  redditunm*  ptochotrophiorum 
et  xenodochiorum  praefectus  urbis,  consules  et  senatus  atque 
principis  designatus  in  urbe  quaestor  ab  oeconomis  et  procura- 
toribus  earnm  domorum  singulis  annis  oportuno  tempore  ad- 
ministrati  officii  rationes  exigent  dabuntqne  operam  in  primis 
et  potissimum,  ne  bona  panperum  dilapidentnr  neve  in  alinm, 
quam  oportet,  nsnm  conferantnr^ 

20.  Et  hoc  qnoqne  necessarinm  esse  visum  est,  nt  con- 
sules, senatns,  cives  et  incolae  iureinrando  se  obstringant  se 
nnlli  post  mortem  principis  praeterquam  capitulo  et  depntatae 
a  dioecesi  nobilitati  usque  ad  unanimem  novi  principis  electio- 
nem  et  eiusdem  confirmationem  atque  inaugurationem  parituros. 

21.  Singulis  diebus^  claves  portarum  clausa  urbe  ad  prae- 
fectum  arcis  deferentur." 

Cum  superior  haec  ad  novae  arcis  structuram  et  custo- 
diam  pertinens  ordinatio  ac  civitatis  Monasteriensis  politiae  forma 
in  hos  articulos  contracta  deliberato*  et  unanimi  consilio  con- 
stituta  et  decreta  sit,  placuit  eam  omnium  ordinum  signis  com- 
munire,  primum  principis,  secundo  capituli,  tertio  Arnoldi  co- 
mitis  Benthemensis  etc.  pro  militari  ordine.  At  cum  senatus  (1537  jan.) 
Monasteriensis  tanquam  quartus  dioecesis  ordo  pro  se  reliquis- 
que  oppidis  consignaret,  distractus  est  in  partes.  Patricii  enim 
a  civibus    ad   militarem   ordinem   secesserant*  existimantes  se 

")  Ms,:  deliberatio. 


^)  „Van  allen  upkumpsten,  renthen  und  guderen.** 
^)  Hinzugefügt  ist  noch:  „des  de  stadtholder  ock  in  sunderheit  ernst- 
lich upsicht  to  der  armen  besten  sali  voirwenden,  de  guder  nicht  verbracht 
off  mifsbruket  werden." 

^)  „Iders  avcntz  na  gelegenheit  der  tith  und  ordnunge  des  stadtholders.* 
*)  Hier  und  in  Vielem,  was  Kerss.  weiter  von  der  Gestaltung  der 
Dinge  in  Münster  erzählt,  deckt  sich  sein  Bericht  mit  den  ausführlichen 
Nachrichten  einer  aus  Münster  stammenden,  jetzt  in  der  Königlichen  Bi- 
bliothek zu  Berlin  (Ms.  Berufs.  Qu.  272)  aufbewahrten  Chronik  mit  dem 
Titel:  „Eine  körte  antekunge,  wes  sick  binnen  Münster  nach  veravemnge 
der  Stadt  uit  der  wcdderdoper  gewalt  in  der  ersten  und  lesten  restution(!) 
hefft  begeven  und  togedragen  . . .  Anno  1562."  Vergl.  die  Einleitung.  — 
Den  Landtag  berührt  die  Chronik  nur  kurz.  „Do  wer,"  sagt  sie,  „eyn 
lantdach  versclireven   inne  die  stadt  Munster  und  wort  den  raithe  Torge- 


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886  Anno  1536  acta. 

iure  ciyinm  non  magis  coerceri  posse,  qnam  militarem  ordinem. 
Princeps  acrius  et  yehementins  instat,  nt  consignatio  fiat.  Plebei 
vero  senatores  respondent  se  perpetuae  in  sua  republica  servi- 
tntis  auctores  non  fore  neqne  hoc  nnquam  commissnros,  nt  sna 
culpa  tota  civium  posteritas  in  calamitatem  ineluctabilem  prae- 
cipitetur;  se  ergo  articulos  in  perniciem  civilis  libertatis  factos 
nunquam  consignaturos,  sed  postulare  potius,  nt  remisso  inre- 
inrando  se  magistratn  abdicari  clementer  patiatur.  Eis  princeps 
persnasione  qnorundam  angente  offensam  vehementer  exacerbatus 
est  seque  aliam  cum  civitate  viam  initnmm  aliaque  remedia  ad- 
'p.  637.  versus  *eam  rebellionem  cogitaturnm  respondet.  Quibus  verbis 
Borchardus  Herde,  vir  antiquae  pietatis  et  fidei  civilisque  liber- 
tatis amator  ac  superioris  responsi  potissimus  auctor,  ita  tnr- 
batus  atque  attonitus  est,  nt  domnm  regressus  in  snbitam  aegri- 
tndinem  incideret,  quam  mors  brevi  subsecuta  est^  Sic  utrin- 
que  exasperatis  animis  digrediuntur.  Nee  desunt  hie  Interim 
osores  publicae  tranquillitatis,  qui  Gammas  adversus  civitatem 
conceptas  tacitis  flatibus  eiuscitent.  Cum  itaque  senatus  Mona- 
steriensis  consignationem  herum   articulorum   principi  negaret. 


geven  van  den  forsten,  capittell  und  ritterschafft,  dat  eyn  raith  solde  dit 
mit  den  huifse  und  anderen  verseggelen.  Do  treden  die  erffmans 
von  den  raide  und  gingen  staen  by  die  ritterschafft,  dat  do 
den  andern  eine  grothe  swarheit  und  bedenckent  makede."  — 
Dafs  der  ganze  Vorgang  erst  im  Jahre  1537  Statt  fand,  ist  Ton  Eerss. 
unbemerkt  geblieben. 

*)  „Und  do,"  heifst  es  in  der  „Körten  antekunge"  weiter,  „man  upt 
hardeste  mit  drouwinge,  oick  die  furste,  up  die  versegelunge  und  anders 
anhelt,  und  die  radtsherm,  welcher  van  den  bürgeren  weren,  so  die  erff- 
manne  afftreden,  uff  hochgste  beangestet,  was  dar  eyner  mit,  Borchart 
Heerden  genant,  die  aide ;  desser  war  eyn  dapper,  rick,  fromer  mann.  Dei 
weddereit,  dafs  man  des  nicht  bewilligen  solde,  und  holt  dar  burgemeister 
Willebrant  Plonies  tho,  so  he  oick  syn  vedder  was,  dafs  he  den  fursten 
und  andern  anthworden  solde:  „Gnedige  fürst  und  her!  Des  uns  dar  wert 
vorgestelt  van  wegen  e.  f.  g.  hoichweisen  reden,  das  können,  moeten  und 
deren  wy  nicht  doen  ...;  sunder  dafs  wy  das  versegelen  solden,  yfs  uns 
unmoglick  umb  unser  nachkomelunge  tho  donende."  Und  sie  begerden  aUe 
van  sine  f.  g.  eyn  gnedich  verloeff,  dat  alfso  mith  grote  bitterheit  affghinck, 
und  leith  seggen,  sine  f.  g.  wolde  dar  anders  tho  trachten.  Als  sie  nun 
van  einander  weren,  gingk  gedachte  Borchart  Heerde  in  sin  huifs,  wort 
kranck  und  starff  . . ." 


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Anno  1036  acta.  «87 

utile  Visum  est,  ut  pro  oppidis  totius  dioecesis  viginti  sex  no- 
biles  tabulas  articnlomm  consignent.  Inde  hornm  articulomm 
quinqne  exempla  einsdem  sententiae  in  perpetnam  rei  memoriam 
et  fidei  robnr  describuntur,  quornm  primum  principi,  secundum 
capitnlo,  tertium  comiti  Benthemensi,  quartum  Gerardo  Morrien, 
hipparcho,  nomine  militaris  ordiyis,  quintum  consulibus  et  se- 
natui  civitatis  Monasteriensis  traditur*. 

luramentum  ad  verbum  translatnm: 

„Consules,  senatus,  cives  et  incolae  civitatis  Monasteriensis 
vovebunt  et  lurabunt  se  principi,    successoribus  illins,  S.  Paulo 


^)  Vgl.  dazu  den  Schlufs  der  Urkunde  bei  J.  Nies  er  t  a.a.O.  S.  266 f. 
—  Ergänzungen  zur  Sache  bietet  ein  im  Stadt-A.  M.  erhaltenes  Bruchstück 
des  Münsterschen  Ratsprotokolls  aus  dem  Jahre  1537.  Danach  liefsen 
Bürgermeister  und  Rat  am  :i6.  Januar  dem  Bischöfe  auf  dem  Landtage 
„ein  supplication  behanden  der  beswerungc  und  gebrecke  halven,  .so  enne 
an  den  nagelaten  halven  deil  der  stadtz  upkompsten  gemangelt  und  deg- 
lichs  vorfallende  sich  begeven  "  Diese  Bittschrift  blieb  unbeantwortet.  Der 
Rat  erfuhr  aber,  ^dat  men  darumme  handelen  wolde,  dat  die  raith  de  halven 
upkompste  der  stadt  Munster  up  dat  bloickhuifs  und  tho  underholdunge 
desselvigen  versiegelen  solde.**  Er  berief  sich  in  Unterhandlungen  mit  dem 
Dompropst,  dem  Domscholaster  und  dem  StatthaltcT  darauf,  dafs  schon 
die  ganzen  Einkünfte  der  Stadt  nicht  hinreichten,  den  an  Münster  gestellten 
finanziellen  Anforderungen  gerecht  zu  werden,  geschweige  denn  die  Hälfte 
derselben,  „als  sich  dess  uith  erer  reckenschop,  wan  dat  jair  umrae  wer, 
woU  befunden  soll  werden."  In  die  gewünschte  Yersiegelung  könne  er 
nicht  willigen.  Er  bitte,  den  Bischof  zu  bewegen,  damit  so  lange  zu  warten, 
bis  der  Rechenschaftsbericht  gegeben  worden  sei.  „Lange  wyle"  wurde 
alsdann  die  Angelegenheit  von  Vertretern  des  Domkapitels  und  der  Ritter- 
schaft mit  den  bischöflichen  Räten  verhandelt.  Bürgermeister  und  „etzliche 
raidtsfrunde"  blieben  bei  ihrem  Widerspruche,  auch  als  ihnen  vorgestellt 
wurde,  dafs  der  Landtag  die  Sache  der  Versiegelung  als  einen  Hauptartikel 
betrachtete,  bei  dessen  Ablehnung  durch  die  Stadt  vielleicht  auch  die 
Durchführung  der  sonstigen  Beschlüsse  fraglich  werden  könnte ;  auch  würde 
sich  der  Bischof  Münster  gegenüber  in  anderen  Dingen  gnädig  erweisen. 
Die  feste  Haltung  der  Vertreter  der  Stadt  hatte  den  Erfolg,  dafs  die  bi- 
schöflichen Räte  schliefslich  erklärten,  „men  wolde  mit  der  versegelunge 
befs  up  ankunfftige  erbodden  reckenschop  verdulden;  dess  solde  de  raidt 
midtler  tyt  sich  bedencken  und  up  wegge  trachten,  darmit  nichts  dewei- 
m'ger  berurte  versiegelunge  ein  vortganck  erlange,  desgeleichen  wolde  myn 
g.  h.  oick  dein." 


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888  Anno  1536  acta. 

ac  dioecesi  Monasteriensi  fidelitatem  suam  atqne  debitnm  offi- 
cium praestituros,  principi  ac  successoribus  episcopis  civitatis 
ac  dioecesis  Monasteriensis  commodum,  emolumentum  et  salntem 
quaesituros  ac  promoturos,  detrimentum  vero,  damnum  et  omne 
incommodum,  qnantnm  fieri  potest,  amoturos,  commissuni  sena- 
torii  ordinis  officium  legitime  et  ex  fide  administraturos,  in 
civitate  Monasteriensi  pacem,  obedientiam,  iustitiam  et  civilem 
concordiam  habituros  et  conservaturos,  principis  et  dioecesis 
dispositionem  et  politicam  ordinationem  in  dicta  civitate  defen- 
suros  et  propugnaturos  eidemque  parituros  neque  adversus  eam 
clanculum  palamve  quicquam  acturos  vel  agi  permissuros,  prae- 
fecto  urbis  vel  arcis  gubernatori  in  suo  sibi  officio  commisso  in 
salntem  dioecesis,  in  obedientiae  et  concordiae  civitatis  conser- 
vationem  et  tutelam  morem  gesturos,  civitatis  curam  et  patro- 
cinium  in  utilitatem  principis  et  universae  patriae  suscepturos; 
praeterea  post  mortem  principis  capitulo  primario  et  militari 
ordini  huius  dioecesis  nee  ulli  alii  usque  ad  concordem  electi 
principis  inaugurationem  et  eiusdem  administrationem  obligatos 
et  inratos  fore.''  Haec  se  omnia  fideliter  sine  fraude,  dolo  male 
et  sinistra  machinatione  acturos  recipiunt*. 
^p.  638.  *Consules  et  senatores  ad  curiam  episcopi  acciti  hoc  iura- 

(Mai.)  mentum  praestiterunt.  Inde  omnes  cives  in  campo  dominico  in 
articulos  et  leges  superiores  prius  sibi  praelectas  iurant.  Eodem- 
que  iureiurando  ipsis  impositum  fuit,  ut  senatui  praefectoque 
urbis  et  praescriptis  articulis  pareant,  consules  et  senatum  merito 
honore  afflciant,  neque  verbis  neque  factis  ullis  articulisque  su- 
perioribus  adversentur;  si  etiam  seditiosi  aut  de  seditione  suspecti 


*)  Die  Vorlage  für  diesen  Eid  habe  ich  nicht  gefunden.  Wohl  aber 
hat  sich  im  St.-A.  M.  (M.  L.  A.  518/19  VII.  fol.  321)  folgender  „Eydt 
der  inwonner  und  gyner  borger"  erhalten:  „Anfencklich  sweren  de 
in  wonner  nafolgender  wyse :  dem  hilgen  Apostell  S.  Pauwell  als  des  stjfifts 
patron,  dem  hoichwerdigen  unsem  g.  f.  u.  h.  van  Munster  und  dem  styfft 
Munster  tru  und  holt  t'syne,  er  beste  t'done  und  argeste  tho  keren,  und 
dar  se  ictzwes  in  erfaringe  bynnen  edder  buten  Munster,  dath  dem  fursten 
und  styffte  tho  schaden  reken  edder  tom  gemynen  uproyr  mochte  verlopen, 
kregen,  dath  sulve  myt  erem  lyve,  gude  und  blöde  so  vell  mogelyck  t'keren, 
dat  sulve  ock  to  melden  und  anbrengen  an  den  fursten  sulvest  eder  syner 
f.  g.  bevelhebberen  bynnen  Munster.** 


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Anno  1536  acta.  88) 

in  urbe  emerserint,  sub  poena  capitis  et  bonorum  omnium  amis- 
sione  prodant.  Si  vero  praefectus  urbis  aut  senatus  in  sup- 
plicio  seditiosis  irrogando  tergiversentur,  a  principe  negligentiae 
nomine  serio  pnniendos.  Gerardns  Morrien,  hipparchus,  prae- 
sent«  principe  a  consulibus,  senatu  et  uni versa  plebe  hoc  ius- 
iurandum  exigit\ 

Nomina  senatorum  e  patriciis  per  principem  designatorum: 
Bertoldus  Travelman  consnl,  Joannes  Bisschopinck  aedilis  \  Lam- 
bertus  Bück,  Henricus  Droste,  Joannes  Warendorp  tzum  Evinck- 
hove,  Hermannus  Schenckinck,  Arnoldus  Drolshagen,  Bernardus 
de  Tynnen,  Henricus  Steveninck,  Eberwinus  Droste,  Egbertus 
Clevorn,  Albertus  Clevom.  E  civium  numero  senatores:  Wil- 
brandus  Plonies  consul,  Theodoricus  Munsterman  aedilis,  Bor- 
chardus  Heerde,  Hermannus  Heerde,  Joannes  Herdinck,  Bernar- 
dus Gruter,  Gerhardus  Averhagen,  Joannes  Buthman,  Bernardus 
Grolle,  Jodocus  Smythus,  Jacobus  Steve,  Hermannus  Jonas ^; 
Nicolaus  ab  Affelen  pylorus.  Beliqua  senatoria  officia  a  consuli- 
bus et  senatu,  quem  princeps  haereditarium  esse  voluit,  con- 
stitui  permissum  est. 

Cum  porta  Judefeldana  post  urbis  recuperationem  nondum 
reclusa  et  usus  eins  civibus  necessarius  esset,   tribus  illa  apud 
clerura  primarium  1 3.  Februarii  ea  de  re  agit.   Capitulum  itaque  is.  Febr. 
principem  interpellans  facile  impetrat,  ut  reseretur*. 


')  Am  2.  Mai  1536  zeigen  die  bischöflichen  Räte  ihrem  Herrn  an 
(Orig.  im  St.-A.  M.),  dafs  sie  „de  ordnunge  und  artickell  mith  der  stadt 
Munster  vorgenommen,  mit  vorgaender  erkundigung  van  wegen  i.  f.  g.  24 
raetspersonen  erwelet  und  geordent"  hätten.  Sie  hitten  den  Bischof,  am 
3.  Mai  in  Münster  einzutreffen,  um  am  4.  Mai  die  Bürgermeister  zu  er- 
nennen, die  Artikel  verlesen  und  den  Bürgern  den  Eid  abnehmen  zu  lassen. 
Am  2.  Mai  antwortete  der  Bischof  aus  Fürstenau  zustimmend  (Konzept  ebd.), 

')  Kämmerer.  —  ^)  Die  Namen  finden  sich  im  Verzeichnisse  der 
Münsterschen  Ratsherren  und  Korgenoten  im  Stadt- A.  M.  (Ms.  I J  Nr.  0)  nicht. 
Die  „Körte  antekunge**  giebt  nur  die  Namen  der  beiden  Bürgermeister. 

*)  Kopiecn  der  bischöflichen  Schreiben  vom  13.  Februar  1536  aus 
Petershagen  an  den  Statthalter  und  an  das  Domkapitel  im  St.-A.  M.  Der 
Bischof  überläfst  die  Entscheidung  über  die  Eröffnung  des  Thores  dem 
Statthalter,  der  erst  eine  genaue  Besichtigung  vornehmen  sollte. 


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890  Anno  1536  acta. 

•p.  639.  *Hinc  dies  5.  Martii  instabat*,  ad  quem  commissarii  in 
(13.  Mär».)j.g^ggg^  comitiorum  Wormaciensinm  designati  causa  expediendi 
imperii  decreta  legatos  Monasterium,  uti  convenerat,  missuri 
erant.  Princeps  itaque  totius  dioecesis  praecipuae  auctoritatis 
nobiles,  abbates  aliosque  eicellentiores  ex  clero  viros,  ne  sibi  in 
rebus  perplexioribus  consultores  desint,  huc  convocat*. 

Cbi  autera  legati  venissent  et  decreta  imperii,  ut  supra 
sunt  descripta,  principi,  capitulo,  nobilitati  ac  urbibus  in  pu- 
blico  ibi  conventu  praesentibus  proposuissent  atque  eorum  exe- 
cutionem  nomine  imperii  ursissent,  princeps  ceterique  dioecesis 
ordines  haec  in  consultationem  trahunt  atque  in  hunc  modum 
respondent*: 

Demolitionem  propugnaculorum  aliarumque  munitionum 
urbis  hac  potissimum  exulceratissima  et  infida  tempestate,  qua 
omnia  fraudibus,  captionibus  et  imposturis  plena  sint,  non  solum 


')  Vielmehr  der  13.  März,  der  Montag  nach  dem  Sonntage  Remini- 
scere.    Vgl.  ohen  S.  SG8  Anm.  2. 

*)  Aufforderungen  zum  Eintreffen  in  Münster  ergingen  vom  Bischöfe 
an  die  Verordneten  der  Landschaft  am  21.  und  am  2i>.  Febr.  15iJ6  (Kon- 
zepte im  St.-A.  M.).  Unter  dem  ersten  Konzepte  ist  vermerkt,  dafs  auch 
jede  Stadt  einen  ihrer  Ratsverwandten  senden  solle.  Dem  Konzept«  des 
Schreibens  vom  'J*J.  Febr.  ist  das  eines  bischöflichen  Briefes  an  die  Aebte 
von  Marienfeld  und  Liesborn,  sowie  an  die  Pröpste  von  Cappenberg,  Varlar 
und  Clarholz  hinzugefügt,  in  dem  diese  aber  nicht  zur  Teilnahme  an  dem 
Tage  eingeladen,  sondern  nur  aufgefordert  werden,  den  Bischof  »tegen  de 
tj'th  mith  etligen  guden  gronen  visschen"  zu  „versorgen." 

')  Die  Akten  der  Verhandlungen  befinden  sich  in  mehrfachen  Kopieen, 
sämtlich  undatiert,  im  St.-A.  M.  M.L.A.  518/19  IX.  foL4ff.  Kerss.  giebt 
nur  einen  kurzen,  ungenauen  Auszug.  —  Ueber  die  den  Reichskommissaren 
zu  gebende  Antwort  hatte  der  Bischof  schon  am  22.  Dez.  1535  in  einer 
vertraulichen  Beratung  von  Abgeordneten  des  Domkapitels  und  der  Ritter- 
schaft zu  Münster  Vorschläge  eingefordert.  Er  hatte  darauf  hingewiesen, 
dafs  die  Wormser  Bestimmungen  über  die  Auslieferung  der  Beute,  des  Ge- 
schützes und  der  Wiedertäufergüter  sowie  über  die  Rückgabe  der  Selbst- 
verwaltung an  die  Stadt  unannehmbar  und  besonders  den  Interessen  des 
Kapitels  und  des  Adels  zuwider  seien.  —  Der  dann  im  Januar  1536  auf 
dem  Landtage  gewählte  Ausschufs  hatte  inzwischen  die  Antwort  an  die 
Reichskommissarien  festgestellt.  —  Ueber  einen  nochmaligen  Versuch  des 
Bischofs,  durch  Vermittlung  des  Landgrafen  von  Hessen  Unterstützung  von 
Seiten  der  evangelischen  Stände  zu  erlangen,  s.  L.  Keller  in  der  „Histor. 
Zeitschrift"  Bd.  47  (München  u.  Leipzig  1882)  S.  450  f. 


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Anno  1536  acta.  891 

principi,  toti  dioecesi  ac  innocentibus  urbis  Monasteriensis  in- 
colis,  verum  etiam  vicinis  principibus,  caesareae  maiestati  et 
toti  imperio  incommodum  allaturam  et  publicae  utilitati  pluri- 
mnm  obfutnram*.  Ad  haec  principi  nnllam  aliam  in  tota  dioe- 
cesi esse  munitionem,  ad  quam  periculo  impendente  tuto  con- 
fugere  possit;  neque  subditos  in  villis  passim  et  agris  commo- 
rantes  ab  externa  depraedatione  et  hostili  oppressione  tutos  fore, 
nisi  ad  hanc  urbem  tanquam  asylum  munitionibus  iUius  freti 
sua  bona  confidenter  convehant  eique  concredant*. 

Porro :  dimidiura  manubialis  pecuniae  ex  tormentorum  bo- 
norumqne  immobilium  a  retinctis  possessorum  distractione  col- 
lectae  legatis  imperii  esse  reddendum,  non  solum  principi,  verum 
etiam  toti  dioecesi  molestissimum  fore  et  publicum  dispendium 
allaturum,  cum  princeps  initium  obsidionis  difficillimum  impen- 
diis  propriis  non  tantum  in  suum  et  dioecesis  emolumentum, 
sed  et  in  imperii,  universae  Germanicae  provinciae,  omnis  magi- 

a)  Ms. :  allaturum  . . .  obfuturum. 


*)  Zur  Sache  vergl.  oben  S.  8(56  f.  Die  Antwort  betont  zunächst, 
dafs,  wenn  auch  die  wiedertäuferischen  Befestigungen  abgebrochen  würden, 
Münster  immer  „noch  eine  nottfeste  statt"  sei,  deren  Einwohner  jetzt  wohl 
wüfsten,  „waran  es  ir  mangelt  und  am  meisten  feiet,"  so  dafs  sie  bei  einer 
etwaigen  neuen  Empörung  „so  woll  als  die  weddertauffer  vorgethain,  sulche 
bevestigung  kundten  oder  mochten  uffrichten."  Wenn  aber  doch  beschlossen 
würde,  die  Befestigungen  der  Wiedertäufer  niederzureifsen,  so  könne  das 
vom  Bischöfe  und  der  Landschaft  niclit  ausgeführt  werden ;  „dan  die  under- 
thanen  sein  so  hoich  mit  schattzung  und  diensten  beswerdt  worden,  das 
sie  lieber  alles,  was  sie  im  stifiFt  haben,  verlaissen  und  des  uifsersten  ge- 
warten, dan  solche  swere  dienste  weiter  zu  thun."  Wohl  wäre  es  auch  „uff 
das  höhest  von  noten,  die  bolwerck  vor  der  stadt  und  graben,  euch  uffge- 
worffen  ertreich  dem  anderen  wedder  gleich  zu  machen,"  dazu  aber  könnten 
die  Unterthanen  noch  viel  weniger  herangezogen  werden.  Dann  folgt  in 
der  Antwort  der  auch  von  Kerss.  angeführte  Hinweis  darauf,  dafs  Münster 
mit  seinen  Befestigungen  der  einzige  Platz  im  Lande  sei,  der  in  kriege- 
rischen Zeiten  Schutz  und  sichere  Zuflucht  gewähren  könne.  Neben  der 
in  Aussicht  genommenen  Herstellung  guter  Ordnung  und  Polizei  wird  zur 
Verhinderung  künftigen  Aufruhrs,  „obgleich  die  stadt  in  die  bevestigung, 
dar  inne  sie  jetzundt  ist,  wurde  pleiben,"  der  Bau  „etlich  behusung  oder 
blockhues"  empfohlen,  „dardurch  mein  gnediger  her  und  die  lantschafft 
altzeit  ein  frien  zugang  zu  inen  mochten  haben." 


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892  Anno  1536  acta. 

stratns,  honestatis  ac  christiani  nominis  conservationem,  salntem 
et  commodura,  antequam  imperii  ordines  quicquam  contribuerent, 
Septem  integris  mensibns  sustinuerit  et  in  singulos  menses  qnin- 
decim  millia  florenorum  ^  in  usum  militiae  expenderit  atqae  ita 
impendens   periculum  corponun,   animarum,   bonorum,  uxomm 
liberorumque,  tyrannicam  oppressionem  et  interitum  a  christia- 
nornm   cervicibus  primus  amoverit.     Et  cnm  penes   dioecesim 
Monasteriensem  non  esset  tantos  obsidionis  ferre  sumptus,  epi- 
*p.  640.  scopum  a  vicinis    principibns  *eam   pecuniam    mutuatum    esse, 
quibus  arces,  dominia,  oppida,   pagos  aliaqne  praedia  hypothe- 
carum  nomine  obligaverit,  unde  grandis  pensio  in  singulos  annos 
solvenda  sit;  dioecesanos  singulis  mensibus  exactionibus  attritos, 
tormentorum  vectura  et  fodiendo  terramque  coaeervando  in  är- 
geres ad  semiduos  fere  annos  degravatos  fuisse;   item  trecentos 
equites  et  quaecunque  ad  tormenta  necessaria  erant  suis  impen?is 
sustinuisse  et,    priusquam   decretum   praesidium   ab    ordinibus 
transmitteretur,    quinquaginta  sex  florenorum    millia    ipsum  ab 
hypothecariis  creditoribus  esse  mutuatum,  quibus  omnibus  difiS- 
cultatibus  et  incommodis  tam  pensionum  quam  sortium  dioecesim 
obnoxiam  et  imraersam  adhuc  teneri.   Si  autem  tormentorum  et 
bonorum   anabaptistarum    aestimatio  imperii  ordinibus  daretur, 
dioecesim  nunquam  e  tantis  incommodis  et  difficultatibus  emer- 
suram  neque  credita  exoluturam  *.    Eeliqua  vero  imperii  decreta 


^)  Vielmehr:  ^ein  jede  monat  in  die  funfftzig  tausent  gülden.*"' 
*)  Zur  Sache  vergl.  S.  864  Anm.  l.  Die  Antwort  weist  noch  aus- 
drücklich auf  die  Bestimmung  der  Abschiede  hin,  dafs  die  Stadt  dem  Bi- 
schöfe und  seinen  Xachfolgem  „zum  besten  soll  gewunnen  und  ingeant- 
wort  werden  und  hy  dem  stifft  und  dem  reich  wie  von  alters  pleiben."* 
Dann  heifst  es  weiter:  ^Und  were  ein  scltzamer  verstand,  das  mejnem  g.  h- 
die  Stadt,  und  der  widderteuffer  heuser  dem  reich  solten  zukommen.  Dan 
in  gleichen  vall  mocht  das  reich  alle  gebew  in  der  stadt  zueignen.**  Aus 
demselben  Grunde  stehe  dem  Bischöfe  auch  der  Anteil  an  der  Beute  und 
das  eroberte  Geschütz  zu.  Um  das  Stift  unzertrennt  beim  Reiche  zu  er- 
halten, sei  es  nötig,  dafs  dem  Bischöfe  und  der  Landschaft  das  ausgelegte 
Geld  ersetzt  und  ihnen  die  Möglichkeit  gegeben  werde,  die  verpfändeten 
Aemter  wieder  einzulösen  und  alle  Gläubiger  zu  befriedigen.  Dafür  möchten 
die  Kommissare  sorgen  und  dahin  wirken,  dafs  zu  Gunsten  des  Stiftes  auf 
einem  künftigen  Reichstag  „ein  gemeine  steur  durch  das  reich**  bewilligt 
werde. 


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Anno  1536  acta.  893 

principem  libenter  sustinere  velle*.    Se  ergo  rogare,  ut  imperii 
ordinibus  benigne  haec  renuncient. 

Commissarii  autem  decreta  imperii  acriter  urgent  neque 
sibi  ab  illis  in  minimo  recedendum  esse  docent.  Quare  prin- 
ceps  ab  eo  gravamine  ad  imperatoriam  maiestatem  et  omnes 
imperii  ordines  appellat  et  provocat  sperans  ipsos  pro  temporis 
et  rerum  qualitate  articulos  mitigaturos.  Ee  itaqne  in  his  dno- 
bus  articulis  infecta  legati  recedunt*.  Inde  princeps  ceterique 
dioecesis  status  magno  studio  et  impendio  apud  Carolum  im- 
peratorem,  Ferdinandum  regem,  electores  imperiique  principes 
et  urbes  eam  sibi  benevolentiam  et  favorem  comparant,  ut  tem- 
poribus  et  rebus  ita  exigentibus  severiora  illa  in  rempublicam 
Monasteriensem  decreta  int^rciderent  nee  in  hodiernum  diem 
resuscitata  sint. 


M  Gemeint  sind  die  Artikel,  sich  in  Sachen  der  Religion  den  Reichs- 
abschieden gemäfs  zu  halten,  Inquisitionen  mit  den  Verdächtigen  durch 
die  Kommissare  anstellen  zu  lassen,  damit  die  Schuldigen  bestraft,  die 
Unschuldigen  verschont  würden.  Die  Antwort  besagt  dann  weiter,  dafs  die 
Bestimmungen,  den  vor  der  Belagerung  aus  Münster  entwichenen  Geist- 
liclien  und  Bürgern  oder  deren  Erben  ihre  Stifter,  Güter  und  Gerechtig- 
keiten wiederzugeben,  bereits  vor  der  Ankunft  der  Kommissare  ausgeführt 
wurden.  Die  Forderung  auf  Rückerstattung  der  Selbstverwaltung  an  die 
Stadt  wird  in  der  Antwort  nur  kurz  als  unannehmbar  bezeichnet,  ohne 
dafs  besondere  Gründe  namhaft  gemacht  werden.  Ausführlicher  hatte  der 
Bischof  seine  Ansicht  darüber  in  der  vertraulichen  Verhandlung  am  22. 
Dez.  löif)  dargelegt.  Mit  dem  Hinweis  darauf,  dafs  diese  Forderung  durch 
die  Vertreter  der  Städte  in  Wonns  in  den  Abschied  gebracht  worden  sei 
(vgl.  oben  S.  8G7  Anm.  1),  verband  er  die  Vorstellung,  wie  bei  der  Durch- 
führung derselben  alle  von  der  Landschaft  aufgewandten  Mühen  und  Kosten 
vergeblich  gewesen  sein  würden,  wie  die  „des  kriges  am  wenigsten  schaden 
hetten,  die  doch  desselbigen  eine  Ursache  seint."  Endlich  betonte  er,  dafs 
solches  Vorgehen  die  Städte  künftig  nur  in  ihrer  Opposition  gegen  die 
anderen  Landstände  bestärken  könnte. 

-J  Kopie  des  Protestes  und  der  Appellation  des  Bischofs  und  der 
Stände  im  St.-A.  M.,  ohne  Datum.  Kopie  des  Abschiedes  der  Kommissare, 
datiert  vom  23.  März,  im  St.-A.  Marburg.  Schon  in  der  vertraulichen  Be- 
ratung am  22.  Dez.  1535  hatte  der  Bischof  seinen  Entschlufs  kund  gethan, 
dafs,  ,,wo  gleichwoll  die  commissarien  weiten  verharren  auflf  dem  abschiedt 
. . .  und  nit  auff  den  bericht  der  beschwerung  die  ordenung  mildem  . . ., 
dan  seine  f.  g.  gegen  den  abschiedt  protestert  und  berufft  sich  an  Key. 
und  Koenig.  Mt.  und  an  die  semptlich  stende  des  reichs  ...'' 


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894  Anno  1536  acta. 

Mox,  nt  ordinxun  huius  dioecesis  decreto  satisfiat  et  cives 
a  fntnris  motibus  coerceantur,  princeps  in  urbis  parte  septen- 
trionali  prope  portam  Neopontanam  fortissimum  propugnacnlmn 
inter  fossas  et  vallom  urbis  antiqnitns  eztmctnm  exactios  com- 
munit  illique  urbem  versus  fossam  obdncit  et  praesidia  arma- 
torum  adversus  civium  iDSultum  imponit  *.  In  alia  quoque  parte 
ad  occasura  hybemum  inxta  coenobium  monachomm  Fontissa- 
'p.  641.  lientis  locus  arei  designatur,  qui  aedibus  circumquaque  *vicini- 
oribus,  quae  officerent*,  dirutis  reddito  dominis  precio  magnis 
laboribus  et  impensis  Armatur  et  adversus  urbem  crassissima 
turri,  muro,  aggere,  fossa  aliisque  propugnaculis  corroboratur. 
Hanc  arcem  Angeli  castrum  vocant*.    Et  cum   turrim  Trans- 


')  Das  ist  der  noch  jetzt  bestehende  „Zwinger.*  Vgl.  auch  A.  Tibus: 
Die  Stadt  Münster  (Münster  1S82)  S.  134  f.  Ueber  frühere  Mafsnahmen 
des  Bischofs  zur  Befestigung  der  Stadt  s.  oben  S.  807  Anm.  3. 

*)  Die  „Körte  antekunge*  sagt :  „Men  lachte  ejnen  starcken  dwenger 
dar  die  Bisbinck  porte  gestanden  hadde,  dar  oick  gedachte  (men)  eyn  . . . 
feste  huifs  offte  schlos  zu  bauwen,  dem  gaff  men  namen,  dat  sie  heiton 
solde  die  Engclborch,  dar  eyn  jderman  tho  arbeiden  moste,  werth  oick  die 
armmeth  seher  jemerlick  mit  arbeiden,  schattunge  und  andern  schwemissen 
ane  gnade  ovell  tractert  und  gehandelt."  Vgl.  auch  D.  Lilie  S.  '2iy2  und 
Herm.  Hamelmann  S.  \2f^l.  Die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q. 
I,  83«)  fügt  hinzu,  dafs  der  Bischof  „ock  datt  blockhufs  vor  der  Horster 
porten  befestedo  und  mackede  dat  weidiger,  brack  dar  etliche  huse  äff  und 
mackcde  nie  porten  von  den  blockhuse  uth  der  stadt."  Zur  Sache  s.  auch 
A.  Tibus  a.a.O.,  E.  v.  Schaumburg  in  der  Zeitschr.  16  {185:>)  S.  Iö3ff. 
und  W.  Sauer  in  der  Zeitschr.  32'  (1874)  S.  177 f.  —  In  der  Instruktion 
für  den  Landtag  auf  dem  liacrbrok  vom  ^5.  Mai  heifst  es,  der  Bischof 
habe  von  einigen  Adligen  einen  geeigneten  Platz  zur  Errichtung  des  Block- 
hauses ausfindig  machen  lassen;  diese  hätten  „vermerckt  und  erfunden,  dat 
sulcke  festunge  und  blockhuis  an  gyne  better  und  beqwemer  plaitz  voir* 
genommen  und  gestalt  mach  werden,  dan  des  ortz,  dair  dath  nn  angefangen 
und  tom  deill  gericht"  (beim  Bispingthor).  Der  Land  tagsabschied  vom  31. 
Mai  bestimmt  auf  Betreiben  des  Bischofs,  dafs  der  Bau  mit  ungefähr  00(),  700 
oder  800  Gulden  aus  der  Landschaftssteuer  „möge  uthgefoirt  und  MiUen- 
bracht  werden."  Gegen  das  Abbrechen  ihrer  Häuser  und  gegen  die  Ver- 
letzung ihrer  Privilegien  beim  Bau  der  Festung  rufen  (s.  J.  Nieser t: 
U.-S.  I.  S.  216  ff.)  die  Burgmänner  auf  dem  Bispinghofe  am  27.  September 
wiederholt  die  Intervention  der  Stände  des  Stiftes  beim  Bischöfe  an.  Die 
Schleifung  der  Engelsburg,  die  auch  D.  Lilie  a.a.O.  erwähnt,  erfolgte  bald, 
da  die  Stadt  ihre  alten  Rechte  und  Freiheiten  zurückerhielt  (s.  weiter  unten). 


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Anno  1536  acta.  895 

fluviani  templi  propter  insignem  altitudinem  arci  obfuturam  pu- 
tarent*,  unde  iacula  ab  infestis  civibns  ita  in  arcem  torqueri 
queant,  ut  defensores  a  munitionibus  facile  deturbarentur,  — 
quare  eins  fastiginm  minoribns  snmptibns  tolli  posse  existimant, 
quam  vallnm  ad  tantam  altitudinem  edaci,  ut  defensores  a  ia- 
culis  securiores  reddantur.  Neque  etiam  tantum  opus  in  se  con- 
sistere  posse  arbitrantur,  ut  non  sua  mole  et  gravitate  depres- 
sum  in  se  comiat.  Haec  autem  demolitio  turris,  donec  structura 
arcis  sit  absoluta,  differtur. 

Huic  arci  de  consilio  aliorum  ordinum  Bernardum  ab  0er, 
eximiae  et  nobilitatis  et  auctoritatis  virum*,  princeps  praeficit. 
Penes  hunc  summa  imperii  est ;  Mc  consul,  hie  Senator,  hie  tri- 
bunus  plebis  est,  hie  gubemacula  urbis  solus  tenet,  nisi  quod 
senatores  inania  offlciorum  nomina  circumferant;  hie  pro  suo 
arbitrio  figit  refigitque  leges,  cives  in  carceres  coniicit  eosque 
pro  sua  voluntate  aut  punit  aut  mulctat.  Portam  Bischopin- 
ganam,  turrim  a  mola  flatili  nomen  habentem,  magnam  murornm 
partem  et  alias  quaseunque  munitiones  ita  diruit,  ut  tam  noc- 
turno  quam  diurno  tempore  sine  portarum  usu  et  equites  et  pe- 
dites  in  urbem  transire  possint.  Huius  ministri  magna  impuni- 
tatis  spe  freti  in  aedes  civium  irruunt  et,  quicquid  libido  sug- 
gerit,  perpetrant;  neque  tamen  quisquam  de  iniuria  sibi  illata 
queri  audet.  Hunc  praefectum  urbis  appellant,  cui  pro  stipendio 
in  singulos  annos  septingenti  floreni  assignantur  *.  Dictu  mirum. 


*)  So  berichtet  nur  Kerss.  —  ')  Er  war  selbst  Bargmann  auf  dem 
Bispinghofe.    Vergl.  W.  Sauer  a.a.O.  S.  191  f. 

*)  Die  „Körte  antekunge"  berichtet:  „Dar  nach  eligerde  sine  f.  g. 
einen  stadtholder,  genant  Berent  van  Oer,  dem  gaff  man  jarlix  seven  hun- 
dert gülden  des  amptes  halven  van  dem  gruthuifse.  Yerboet  und  geboet 
die  stadtholder.  Die  raith  hadde  gyne  macht  Die  stadtholder  dede,  wee 
ime  gelevede,  viell  den  burger  in  ehr  huser,  warp  sie  in  die  gevenckenisse, 
schattedc  und  handelde  sie,  wie  he  sulvest  wolde;  warp  äff  die  Bispinck 
porten  und  den  Winderaollen  thome;  und  wort  die  stadt  Munster  ser  ver- 
wostet  und  entfestet,  also  dat  men  mit  drogen  voten  in  die^  stadt  Munster 
by  nachtiden  ryden  und  gaen  koend,  wie  sulcks  foele  luite  gethan  und 
geseen  hebben  . . ,"  Gleich  danach  heifst  es  wieder:  „. . .  Des  statholders 
knechte  vellen  den  bürgeren  in  die  huifse  und  deden,  wat  sie  wolden,  dar 
oick  die  stadtholder  vakcn  nicht  van  wueste.  Dan  wie  den  borgercn  konde 
spith  und  leith  doen,  defs  worth  gelachet  und  bleff  ungestraffet."    S.  auch 


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896  Anno  1536  acta. 

quam  cives  libertati  assueti  hanc  reipnblicae  formam  aversentnr 
et  detestentur,  quam  aegre  antiquae  libertatis  memores  praefecti 
dominatum  ferant,  quem  omnia  pro  suo  quaestu,  avaritia  et  libi- 
dine  agere  mussitant.  Malunt  tarnen  Uli  ad  t^mpus  subesse, 
quam  novi  motus  auctores  haben.  Quae  ergo  ipsis  acerba  et 
propemodum  intolerabilia  erant,  aequo  animo  in  gratiam  benigni 
principis  tolerare  videntur,  a  quo  libertatem  pristinam  se  recu- 
peraturos  sperant. 
*p.  642.  *  Quantum  damni  retincti  in  demoliendis  templis  urbi  in- 
tulerint,  magnitudo  impensarum  et  reparationum  unius  dominici 
templi  coUata  satis  declarat\  quae  septem  millia  et  nongentos 
florenos  aureos  excedebat,  praeter  dimidium  plumbi  et  orichalci 
in  usura  tecti  a  principe  donati,  praeter  mille  et  octoginta 
qnercus  a  dominis  primarii  cleri,  a  vicariis  templi  summi,  a 
coenobiis  diversis  dono  datas*,  ac  praeter  vitreas  fenestras  partim 
principis,  partim  comitis  Benthemensis,  partim  nobilium  canoni- 
corum,  partim  virorum  equestris  ordinis  et  partim  executorum 
diversorum  testamentorum  sumptibus  reparatas  et  pristino  nitori 
restitutas  ^, 

»)  Ms.:  datis. 


M.  Röcheil  (M.  G.-Q.  III,  '234),  der  die  Bestrafung  des  Bürgers  J.  Schro- 
decken  erzählt,  weil  derselhe  mit  einem  Bürger  aus  Lüheck  zusammen  in 
seinem  Garten  am  Breul  von  Luther  verdeutschte  Psalmen  sang. 

')  lieber  die  zur  Wiederherstellung  der  Domkirche  gegebenen  Ge- 
schenke s.  das  von  A.  Krabbe  in  der  Zeitsclir.  17  (1856)  S.  332  ff.  aus 
einem  gleichzeitigen  Manuscript  der  Eönigl.  Paulinischen  Bibliothek  zu 
Münster  (Nr.  750)  veröffentlichte  Verzeichnis.  In  demselben  sind  aber  nur 
-wenig  Geschenke  an  Geld  aufgeführt,  viele  jedoch  an  Mefsgewändem,  Kir- 
chenschmuck, Fenstern,  Büchern  u.  s.  w.  Zur  Wiederausschmückung  der 
Münsterschen  Kirchen  wurden  auch  die  Kostbarkeiten  aus  dem  Kloster 
Hude  bei  Delmenhorst  verwandt^  das  Bischof  Franz  (s.  D.  Lilie  S.  267) 
„umb  vorwerckinge  des  abts  unde  conventes"  hatte  zerstören  lassen. 

*)  So  heifst  es  im  Verzeichnis  z.  B.:  „Item  de  . . .  her  Frans  van 
Woldeck  . . .  gegeven  dat  halve  hlyg  upp  dem  dome  und  gerkamer  und  up 
beyden  tornen.  Item  noch  den  groten  kellick  und  dat  grote  glasevynster 
by  Sunth  Johann  altair  myth  syner  gnaden  wopen  . . .  Item  myn  gnedige 
her  van  Benthem  und  Stenforde  dath  eyne  vynster  up  den  olden  choir.'^ 
üeber  den  vom  Bischöfe  geschenkten  Kelch  hat  L.  F.  v.  Corf  ey  in  seiner 
Chronik  die  Notiz   (M.  G.-Q.  III,  327):  „Fürst  Frantz  hat  auch  im  thum 


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Anno  1537  et  1538  acta.  897 

Hinc  eodem  hoc  anno  1537  secnnda  Decembris,  quae  tunc^^gj^ 
erat  dominica  prima  Adventns  Domini,  reconciliatam  fnit  snm- 
mom  templnm  D.  Pauli  per  reverendum  dominum  loannem  Bi- 
schopinck  suffraganeum^ 

Beparatis  aliquo  modo  in  urbe  templis  et  cantionum  Ubris 
Primarii  cleri  impensis  ab  integro  impressis  *,  cum  priores  a  re- 
tinctis  aut  discerpti  aut  exusti  fuissent,  divinus  cultus  omnes- 
que  ceremoniae  catholicae  singulari  omnium  civium  pietatis 
studio  et  applausu  revirescunt,  et  constituta  per  principem  rei- 
publicae  forma  quisque  ad  sua  officia  suasqne  negotiationes  re- 
vertuntur. 

Cumque  iam  omnia  pacata  esse  existimarentur  militesque 
omnes  exauctorati  fuissent®,  praeter  spem  et  existimationem 
omnium  anno  1538  circa  dominicam  Cantate*  Joannes,  Georgius,  ^ 
Christophoruä  et  Antonius  fratres  ab  Oldenburgh  et  cum  bis 
Wilhelmus  dux  Brunswicensis  ac  Otto  comes  Teckenburgensis  *, 
qui  postea  in  eodem  belle  captus  est,  collecta  magna  militum 
manu  non  indicto  belle  ®  in  dioecesim  Monasterieu'^em  longo  iam 


verehrt  einen  extraordinairen  alten  und  grofsen  kelch  von  7  pfd.  silber,  auf 
dessen  patene  das  abendmahl  Christi,  und  wie  der  theufel  in  Judam  fart, 
zu  sehen  ist.  Auf  dem  rande  des  kelchs  list  man:  Robertus  abbas  in  Huda 
me  formari  fecit  anno  Domini  1397.  Uic  est  caliz  novum  testamentum  in 
sanguine  meo,  qui  pro  vobis  fundetur." 

^)  Nach  und  nach  wurden  auch  andere  Kirchen  in  Münster  und 
Altare  in  denselben  wieder  geweiht.  Vergl.  A.  Tibus:  Geschichtl.  Nach- 
richten über  die  Weihbischöfe  von  Münster  (Münster  1862)  S.  58  ff. 

-)  Im  Jahre  ir)36  wurde  zu  Köln  in  der  Presse  des  Hero  Alopeciuff 
auf  Kosten  des  Münsterschen  Domkapitels  gedruckt  ein  Münstersches  Gra- 
duale,  im  Jahre  1537  ein  Antiphonarium  und  ein  Psalterium.  Für  den 
Druck  dieser  drei  Bücher  stellte  das  Domkapitel  dem  Drucker  einen  Schuld- 
schein von  400  Joachimsthalem  aus.  Siehe  J.  B.  Nord  hoff:  Die  kunst- 
geschichtl.  Beziehungen  zwischen  dem  Rheinlande  und  Westfalen  (^Bonner 
Jahrbücher"  Heft  53  u.  54  [Bonn  1873]  S.  94  f.),  wo  auch  eine  genaue 
Beschreibung  der  Drucke. 

^)  Ebenso  leitet  die  Münstersche  Bischofschronik  (M.  G.-Q.  I,  339) 
die  ErzÄhlung  von  der  Oldenburger  Fehde  mit  den  Worten  ein :  „Item  . . . 
do  alleman  mende,  se  weren  tofrede,  und  alle  knechte  vorlovet  weren  . .  .^ 

*)  19.  Mai.  —  *)  Er  war  Propst  zu  St.  Johann  in  Osnabrück. 

•)  So  heifst  es  auch  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  a.  a.  O.r 
^. . .  nemandt  wüste,  warup  idt  gelth.  Myn  gnedige  here  dachte  ock  nicht 

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898  Anno  1538  acta. 

Marte  fractam  et  exactionibns  crebris  attritam  et  exhaastam  in- 
vadunt,  Wilthausara  et  Vechtam  oppidum  prima  impressione, 
inde  arcem  ipsam  post  oppngnationes  aliquot  capinnt,  nbi  ipse 
fere  episcopus  ab  hostibus  interceptus  fuisset.  Hinc  Hasellnnna, 
Meppa,  Harpstedio,  Niehusio  et  Cloppenburgo  captis  et  prae- 
sidiis  Ulis  impositis  totam  istins  tractus  provinciam  bona  in 
praedam  vertentes   occnpant^     Si  posita   conctatione   et  mora 


dat  id  syner  fürstlichen  gnaden  gcgolden  hadde."  Doch  ist  ein  Brief  er- 
halten, datiert  vom  24.  Mai  1538,  in  dem  die  Grafen  Johann,  Georg,  Chri- 
stoph und  Anton  von  Oldenbnrg  dem  Bischöfe  die  Fehde  ankündigten.  I>ie 
Grafen  erhohen  darin  den  Anspruch,  dafs  ihnen  die  1482  abgetretene  Herr- 
schaft Delmenhorst  „mit  eren  tho-  und  anhoryngen"  zurückerstattet  werde 
(s.  J.  Hobbeling:  Beschreibung  des  ganzen  Stifts  Münster  [Dortmund 
1742]  S.  l.sr)f.).  Auch  C.  Schele  sagt  in  seinen  Aufzeichnungen  über 
Bischof  Franz  (s.  ^Mittheilungen  des  bist  Vereins  zu  Osnabrück*'  Jahrg.  1 
[Osnabrück  i -4^]  S.  l«f.):  „Cumque  aliquoties  hoc  modo  repetisset**  (An- 
tonius comt'S  ab  Aldenborg)  „et  non  tam  statim  arx  cum  adherentibus  pos- 
sessionibus  redderctur,  bellum  opinione  citius  grave  infert"  Zur  Olden- 
burger Fehde  s.  norh  die  kurzen  Notizen  bei  D.  Lilie  S.  267 f.  und  die 
ausführlicheren  Angaben  bei  H.  Hamelmann:  Oldenburgisch  Chronicon 
(Oldenburg  l'-i'*. )  S.  oü»»  ff.  —  Kerss.  hat  in  seinem  Catalogus  episcopomm 
Monast.  die  Oldenburgische  Fehde  viel  kürzer  berührt.  Es  heifst  da: 
„Anno  \b'6^  Christo[)hurus,  Antonius  ac  Joannes  comites  de  Aldenborg  do- 
minica  Yocem  lucunditatis*'  (2H.  Mai)  „Cloppenburgium  capiunt  ac  per 
totam  Emcslandiam  grassantur  immensam  pecuniam  a  pagis  singulis  extor- 
quentes.  Nienhusium  cum  mola  ezurunt.  His  actis  regredinntur.  Inde  die 
Veneris  post  festum  Corporis  Christi"  (21.  Juni)  »Franciscus  eiercitu  in- 
structissimo  Eineslandiam,  Cloppenburgum  ac  Vechtam  omniaque  sibi  per 
comites  adempta  recuperat." 

')  Nach  der  Münsterschen  Bischofschronik  a.  a.  0.  versuchten  die 
Oldenburger  erst  Delmenhorst  zu  erobern,  „branden  de  vorstadt  ganti  nth, 
overst  der  borck  konden  se  nicht  dein."  Dann  wird  die  Einnahme  von 
Wildeshausen  und  von  Vechta  berichtet;  und  weiter  heifst  es:  „erwoi^eden 
vele  gudes  volckes,  togen  alssdan  vort  in  der  ile  vor  de  Cloppenborch  und 
gewunnent,  want  dar  was  nemandt  vele  up,  de  amptman  was  affgetogen. 
Und  weren  in  nieinunge,  so  vort  na  Beene  to  trecken  und  dan  vort  vor- 
dan.'  Von  der  Einnahme  Cloppenburgs,  Yechtas  und  Wildeshauaens  er- 
zählt auch  0.  Schele  a.a.O.  S.  119.  H.  Hamelmann  a.  a.O.  S.  367 
giebt  für  die  Einnahme  von  Yechta  den  2.  Juni,  für  die  von  Harpstedt  den 
22.  Juni  an.  Die  Einnahme  von  Haselünne  und  Meppen  findet  sich  in  dem 
kaiserlichen  Befehle  vom  19.  Juni  1538  erwähnt,  der  den  Oldenborgem 
unter  Androhung  der  Reichsacht  anfgiebt,  dem  Bischöfe  Schadenersati  la 
leisten  (s.  J.  Hobbeling  a.a.O.  S.  187 ff.). 


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Anno  1538  acta.  899 

tantas  copias  iam  bello  paratas  in  ezpeditionem  adversns  nrbem 
Monasteriensem  et  totam  dioecesim  duxissent,  sine  dubio  yictoria 
potiti  fuissent^.  Urbs  enim  erat  bombardis  et  omni  genere  *fere*p. 
armornm  exhansta;  aggeres  negligentia,  cum  nemo  esset,  qni 
munitiones  curaret,  in  fossas  deciderant,  fossae  qnibnsdam  in 
locis  casu  aggemm  oppletae,  muri  ex  obsidione  superiori  fracti 
nondnm  reparati  erant.  Cives  dominatum  praefecti  non  ferebant 
et  servitatis  pertaesi  ad  pristinam  libertatem  anhelabant,  nnde 
difficile  non  faisset  nrbem  et  in  ea  totam  dioecesim  capere.  At 
cum  princeps  copias  t^am  equestres  qaam  pedestres  adversus  in- 
speratam  illam  vim  conscripsisset  ac  loannem  de  Baisfelt  mi- 
litiae  snae  praefecisset  *,  bestes  incensa  Vechta  oppida  cum  arce 
-et  Niehusio  dioecesi  excesserunt.  Cloppenburgum  vero  firmant 
et  praesidia  illi  imponunt.  Princeps  vero  oppida  arcesque  sibi 
ab  hoste  ereptas  manu  recuperat,  Cloppenburgum  vi  armata  in- 
vadit  hostemque  ad  comitatum  Oldenburgicum  fugientem  per- 
sequitur  ibique  Wardenburgo  capto  Oldenburgo  quoque,  regionis 
oapiti,  obsidionem  minatur  occupassetque  totum  comitatum,  nisi 
<;onsiliarii  dissuasissent  et  magister  equitum  catena  ita  constrictus 
et  impeditus,  ut  ne  latum  quidem  culmum  ulterius  progredi 
posset^  Interea  banc  militiae  causam  archiepiscopus  Coloniensis 


')  Ygl.  dazu  H.  Haine  Im  ann  a.a.O.:  „Jedoch  sagen  viele,  wofern 
Graff  Anthonins  . . .  den  Münsterischen  das  Haupt  gebotten  und  ihnen  eine 
Schlacht  geliefert,  hette  er  ihnen  ohne  zweiffei  einen  abbrach  gethan  und 
überlegen  gewesen^  dieweiln  er  viele  versuchter  und  bessere  Kriegesleute 
bey  sich  hatte.  Aber  er  ist  durch  etzliche  der  seinen  überredet,  dafs  er 
flieh  gewendet  . .  .** 

*)  Er  wird  auch  von  D.  Lilie  als  Befehlshaber  genannt. 

•)  In  der  Münsterschen  Bischofschronik  a.  a.  0.  S.  340  heifst  es,  der 
Bischof  „wolde  ock  vor  Oldenborch  hebben  getogen,  dar  wordt  syne  fürst- 
liche gnaden  mith  list  affgeraden  durch  syne  ...  rede  und  ritmesteren. 
Wo  dat  ein  gestalt  hadde,  iss  ein  deel  woU  bewust,  und  hir  to  lanck  to 
schriven.  Hebbe  doch  von  lof^verdigen  luden  gebort,  hadde  syn  f.  g.  vort 
gefaren,  he  hadde  de  stadt  mit  der  horch  ingekregen.**  Nach  D.  Lilie 
a.  a.  0.  „overrededen  Johan  von  Raisfelde  unde  ander  bovelhebbers  des 
kriges  den  frommen  heren,  dat  sine  f.  g.  mit  den  Oldenborgeschen  heren 
in  ein  verdrach  sick  gegeven  hefft.^  Dafs  von  Bestechlichkeit  der  Münster- 
schen die  Bede  war,  geht  aus  den  Worten  C.  Schele's  a.a.O.  hervor: 
^. ..  bellum  quibusdam  vidnis  principibus  intercedentibuB  vel,  ut  quidam 

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900  Anno  1538—1541  acta. 

aliiqne   proceres   intercipinnt  interceptamqne  pacificant.     Qnae 
antem  sint  pacis  conditiones,  sciens  ignoroK 

Princeps  mnltis   belli   sndoribns  exanüatis    tandem   anno 

isl'uL.  1540  tantum  pacis  vix  consecutus  est,  ut  ipso  die  Innocentiiim  * 
in  coenobio  Ibnrgico  per  loannem  Bischopinck,  suffraganenm 
Monasteriensem,  in  diaconum  et  postridie  in  presbyterum  ordi- 

1  'San  °*retnr.  Inde  ipso  die  Circnmcisionis  Domini  *  in  coenobio  Ma- 
rienfelde ab  episcopo  Leodiensi  in  exilinm  pnlso^  ac  a  Mona- 
steriensi  Paderbomensiqae  soffraganeis  consecratnr  in  episcopnm 


volnnt,  quibusdam  ex  Monasteriensium  primoribus  precio 
corruptis  componitur."  M.  Röchell,  der  Kerss.  übersetzt,  fügt,  wie- 
schon J.  Janssen  (M.  G.-Q.  III,  235)  bemerkt,  dem  Worte  Kette  am 
Rande  hinzu:  „nicht  von  iseren,  sondern  Yon  golde.**  Ganz  abweichend  ist 
die  Darstellung  bei  H.  Hamelmann  S.  8» »7  f.  Danach  haben  die  Mün> 
sterer  mit  den  Truppen  des  Grafen  Anton  unmittelbar  vor  Oldenburg  ^auch 
zimblich  scharmützelt  und  sie  biss  ans  Thor  verfolget;  so  seind  sie  doch 
allda  dermafsen  empfangen  und  abgewiesen  worden,  dafs  sie  nicht  Tiel  ge- 
wonnen, sondern  unverrichteter  Sachen  zurücke  weichen  müssen.^  Dann 
folgt  die  Erzählung  von  der  Vermittlung  des  Friedens  durch  Köln  und  Cleve. 

')  Der  Vertrag   (Orig.  desselben  im  St.-A.  M.,  Frsttm.  M.  Ürk-Kr. 
3 1 10)  wurde  unter  Vermittlung  des  Erzbischofs  von  Köln  und  des  Herzogs 
von  Cleve  am  HO.  Juli  zu  Wildeshausen  abgeschlossen.    Er  stellte  für  die 
streitenden  Parteien  den  Besitzstand  wieder  her,  wie  er  vor  dem  Ausbruche 
der  Feindseligkeiten  gewesen  war.  Die  endliche  Entscheidung  der  Streitig« 
keiten  wurde  dem  Rechtsspruche  des  Reichskammergerichtes  vorbehalten. 
Auch  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  a.a.O.  heifstes:  ^Do  handelde 
myn  g.  f.  u.  h.  de  ertzbisschop  von  Collen  und  ander  treffliche  herren 
mer,  datt  idt  tom  frede  quam;"  dann  weiter:  „Wo  de  frede  gemacket 
iss,  wertt  alleman  nicht  wifs."     „Arx  tamen  Dulmenhorst,**  sagt  C. 
Schele,  „cum   adherentibus   terris  ...  penes  victorem   episcopnm  roanet, 
cogiturque    comes  Antonius  . . .  omne  suum  in  istam    arcem  ins  in  manus 
Monasteriensium  renunciare  ac  transferre.*'    D.  Lilie  weifs  Nichts  von  der 
Vermittlung   Kölns  und  Cleves.     Auch    nach   ihm   versprechen  die  Olden- 
burger,   dafs    sie  „to  ewigen  tiden    nene   ansprake  an  Delmenhorst  unde 
Harpstede  hebben  willen,  ock  to  jenigen  dagen  tegen  dat  stifPt  van  Munster 
mit  viantschoff  nicht  handelen.     Wu  dat  geholden,  geve  ick  ideren  to  bo- 
dencken."*  —  Schon  im  Jahre  1547  überfiel  Anton  von  Oldenburg  abermals 
Delmenhorst  und  Plarpstcdt,   die  dann   trotz    eines   kaiserlichen   Befehles 
dauernd  dem  Stifte  Münster  entrissen  blieben.   Zur  Sache  s.  U.  A.  Erhard: 
Geschichte  Münsters  (Münster  ib'67)  S.  372. 

')  28.  Dezember.  —  ■)  1.  Januar  1541.  —  *)  Cornelius  v.  Berghen. 


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Anno  1541  acta.  901 

ministrantibns  dnobas  abbatibns  Arnoldo  tzum  Drecke  Marien- 
feldano  et  Bemardo  Westerholte  Ibnrgico*. 

Senatus,  cum  ea  reipnblicae  forma,  qua  ciyes  contra  pri- 
:stinam  libertatem  snb  praefecti  nrbis  dominata  premebantnr, 
minime  sibi  placeret,  mnltis  modis  in  omnibns  fere  conventibns 
per  annos  aliquot  apnd  principem  instabat,  nt  ant  ea  forma 
•commutetnr  in  mitiorem  ac  tolerabiliorem  ant  ad  priorem  redi- 
gatnr  ant  reddita  officiornm  snornm  ratione  magistratn  se  ab- 
•dicare  clementer  patiatur*. 

Tandem   anno    1541    qnarto   lannarii   conventns   habitns  4.  Jan. 
Monasterii  inter  legatos  principis  et  depntatos  qnosdam  a  clero 
primario  ab   nna   et  consnles    senatnmqne   Monasteriensem  ab 
altera  partes    In  qno  *legati  principis  proponnnt:  Cnm  in  sn-«p.  644. 


')  Die  Erteilung  dieser  Weihen  an  den  Bischof,  der  bisher  nur  die 
Subdiakonswürde  hatte,  ist  in  der  Münsterschen  Bischofschronik  nicht  er- 
wähnt. Eerss.'s  Bericht  stimmt  genau  mit  dem  bei  D.  Lilie  S.  2G8f. 
uberein,  der  noch  die  weitere  Notiz  hat,  dafs  die  Weihe  zum  Diakon  in 
Iburg  „up  dem  sekenhuse  im  cloister"  Statt  fand.  „Welcker  ordines,"  heifst 
-es  dann  weiter,  „de  frommer  her  mit  groter  andacht  unde  innicheit  ent- 
fangen befft,  wante  to  der  tidt  was  sine  f.  g.  der  olden  religion  noch  an- 
hengich."  —  In  seinem  „Catalogus  episcoporum  Monast.**  sagt  Eerss.  nur 
;ganz  kurz:  „Anno  1540  Franciscus  omnes  ordines  sacros  adsumit.^ 

*)  So  heifst  es  scbon  in  den  Akten  des  Landtages  auf  dem  Laerbrok 
am  3.  Januar  1538:  „Als  de  burgermestere  und  raidt  der  stadt  Munster 
ua  eren  entfangen  raits  ampteren  und  bevell  reckenschap  und  genoicbsam 
bewjs  gedain,  dair  in  getruwlich  und  ylitich  befunden,  des  unse  g.  h.  ein 
gnedich  gefaUen  drecht,  und  darby  etlige  artickell  erer  beswemnge  over- 
geven  und  erer  ampter  erloefFnis  und  leddich  to  werden  gebeden  . .  ."^  Der 
Bischof  ordnete  an,  dafs  einige  seiner  Räte  im  Vereine  mit  städtischen 
Vertretern  am  18.  März  die  Sache  in  Bedenken  nehmen  sollen.  Die  Klagen 
des  Münsterschen  Rates  kamen  aber  auch  später  wiederholt  noch  auf  den 
Landtagen  zur  Sprache,  so  auf  dem  zu  Münster  im  September  1538,  auf 
-denen  auf  dem  Laerbrok  im  Dezember  1538  und  im  März  1540. 

')  Akten  über  die  yon  Eerss.  im  Folgenden  angeführten  Verhand- 
lungen habe  ich  nicht  gefunden.  Im  Stadt-A.  M.  (I.  Nr.  9«)  befindet  sich 
eine  Anzahl  yon  Papieren,  yon  denen  einige  sich  auf  Versuche  des  Rates 
beziehen,  eine  selbständigere  Verwaltung  der  Stadt  wiederherzustellen.  Es 
:sind  sämtlich  undatierte,  häufig  corrigierte  Konzepte,  meist  nnyoUständig, 
welche  die  einzelnen  Punkte  der  Unterhandlungen,  wie  Eerss.  sie  angiebt, 
nicht  berühren.  —  Die  Art  und  Weise,  wie  Kersa.  yon  der  Wiedererlangung 
4er  Priyilegien  seitens  der  Stadt  und  yon  der  Haltung  des  Rates  bei  dieser 


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902  Anno  1541  acta. 

perioribns  aliquot  comitiis  dioeoesaois  et  proxime  in  conyentii 
Telgetico  et  Monasteriensi  consnles  senatasque  quam  diligen- 
tissime  et  ofGciosissime  apnd  principem  insteterint,  nt  accepta 
ratione  sibi  ab  officio  sno  decedere  clementer  patiatnr,  ad  qnod 
princeps  responderit:  se  ad  diem  Lnnae  post  Gircnmcisionem 
dominicam  legatos  snos  et  e  capitulo  mUitariqne  ordine  desi- 
gnatos  accipiendae  rationis  gratia  Monasteriam  missnrum%  qnod 
hest^mo  die  factum  sit,  quam  etiam  rationem  ita  redditam,  con- 
fectam  et  absolutam  principi  tradituri  sint  non  dubitantes  eam 
sibi  optime  placitaram;  ad  id  vero,  quod  consules  et  senatus 
reddita  ratione  ad  superiorem  petitionem  relabantur  atgue  in  ea 
praefracte  persistant,  ut  princeps  remisso  iureiurando  officionun 
nomine  praestito  se  magistratu  abdicare  clementer  patiatur,  se 
iussu  principis  respondere:  Principem  existimasse  consules  et 
senatum  civilia  et  publica  ofiScia  sibi  commissa  et  eorum  ad- 
ministrationem,  ut  in  ordinatione  politica  per  se,  capitulum  et 
nobilitatem  consentientibus  et  approbantibus  oppidis  cum  aequi- 
tatis  quidem  temperamento  facta,  constituta  et  decreta  descri- 
bitur,  non  intermissuros  neque  repudiaturos  aut  deserturos  fuisse, 
sed  ipsos  accuratius  secum  expendisse  hanc  politicam  disposi- 
tionem  ad  restaurationem  et  conseryationem  pacis  et  civilis  con- 
cordiae  institutam  et  descriptam  esse,  ut  similis  seditio  et  motus, 
qualis  superioribus  annis  exarserit,  evitetur,  unde  non  solum 
civitatis  Monasteriensis,  verum  etiam  totius  dioecesis  incolae 
atque  vicini  principes  et  rerumpublicarum  rectores  in  grave  in- 
commodum  et  in  intolerabilem  pemiciem  praecipitati  sint;  si 
vero  iterum  in  hanc  rempublicam  seditio  et  motus,  quod  DeuK 
clementer  avertat,  irrepserit,  hoc  consulum,  senatus  et  opulen- 
tiorum  potissimum,  inde  principis  et  dioecesis  totius  magno 
malo  futurum.  Ad  haec  metuendum  esse,  ne  non  princeps,  capi- 
tulum, nobilitas  universaque  dioecesis  caesareae  maiestatis  in- 
dignationem  in  se  provocent,  quod,  cum  civitatem  in  sua  pote- 
state  habuerint,  leges  et  decreta  politica  non  constituerint,  quibus 

*)  Ms,:  missuros. 


Gelegenheit  berichtet,  spielt  sp&ter  auch  eine  Bolle  in  Kens.'s  Proieli. 
8.  die  Binleitong. 


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Anno  1541  acta.  9(j3 

fnturae  seditioni  aditus  praecludetur.  Si  antem  imperinm  iterum 
simili,  ut  snperioribns  annis,  incommodo  affectum  fuerit,  omnium 
impendiornm  refnsionem  et  solutionem  a  principe  et  universa 
Monasteriensi  ditione  sine  dubio  ipsum  exactnrum.  *Principem»p.  645. 
itaqne  efflagitare  et  poscere,  nt  consules  et  senatns  suoram  mu- 
nemm  sibi  impositorum  et  snsceptorum  administrationem  con- 
tinuent.  Si  vero  in  ordinatione  politica  snpra  dicta  adyersns 
aeqnitatis  temperamentom  se  degravari  existimaverint,  sibi  a 
principe  mandatom  esse,  ut  cum  legatorum  capituli  consilio  et 
auxilio  familiariter  super  bac  re  coUoquantur  et  inter  se  sen- 
tentias  conferant,  ut  ad  aeqnitatis  normam  omnia  revocentur, 
consiliumque  senatns  audiant,  quid  hac  in  re  expedire  censeat 
quidve  futuros  motus  a  se  et  tota  dioecesi  arceat. 

Post  deliberationem  brevem  senatns  respondet:  Verissimum 
esse,  quod  sibi  senatoria  officia  in  civitate  Monasteriensi  cum 
molesta  et  pene  intolerabüi  politiae  forma  sint,  quorum  etiam 
administrationem  coacta  quadam  obedientia  susceperint;  quae 
officia  si  iuxta  formam  illam  sibi  praescriptam  retinuerint  im- 
pleverintque,  se  solitum  sine  factione  et  dissentione  civili  urbi» 
regimen  nou  posse  conservare,  sicut  articulis  in  superioribus 
comitiis  recitatis  satis  edoctum  fuerit,  cur  ea  forma  a  se  non 
sit  recipienda.  Certum  etiam  esse  alia  huius  dioecesis  oppida 
amplioribus  libertatibus  et  privilegiis  gaudere  et  frui,  cum  tamen 
necessarium  foret,  si  huius  civitatis  pristinum  decus  sit  speran- 
dum,  pluribus  atque  adeo  novis  libertatibus  et  privilegiis  eam 
donari.  Verum  illud  se  mordicus  et  tenaciter  non  urgere;  hoc 
autem  solum  se  postulare  et  suppliciter  petere,  ut  in  pristinum 
libertatum  et  privilegiomm  statum  restitiiantur.  Ea  vero  in 
dispendium  civitatis  praetermittere  et  negligere  non  debere,  neque 
se  bona  conscientia  quicquam,  quod  ad  politicam  formam  perti- 
neat,  consulere  neque  in  rem  uUam,  priusquam  restituantur, 
consentire  posse.  Sogare  se  quoque,  ut  consiliarii  et  a  capitulo 
deputati  in  hac  causa  non  sint  iudices,  sed  civilium  commo- 
dorum  fautores;  hoc  sua  sponte  agant,  quod  iustum  et  aequmn 
Visum  fuerit,  et,  ut  principibus  imperii  in  comitiis  Wormaciensi- 
bus  decreto  placuit^,  restituantur. 


^)  Vgl.  oben  S.  866.   So  heifst  es  auch  in  dem  undatierten  Konzept 

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904  Anno  1541  acta. 

Ad  quae  principis  consiliarii  et  e  clero  primario  deputaii: 
Se  rationes  cogitatione  inveniro  non  posse,   cnr  praescripta  po- 
litiae  forma  consnlibus  et  senatui  magnopere  sit  molesta  et  ita 
fere  intolerabilis,  nt  neqne  stante  hac  forma  solidnm  nrbis  re- 
•p.  646.  gimen  conser*vare   nee  officiis  snis  sine   factione  et  civili  dis- 
sentione  hinc  emergente  commode  praeesse  possint.    Necessarimn 
omnino  faisse,  etiam  senatn  attestante,  legibas  qaibusdam  tan- 
qnam  repagnlis  incolas  huius  civitatis  a  simili  furore  et  motu, 
qnalis  snperioribns  annis  in  pemiciem  dioecesis  exarserit,  coer* 
cere;  neqae  etiam  has  leges  alio  fine  esse  introdnctas  et  prae- 
scriptas,    quam  iit  fntnris   malis  via  praecladatur.     Se  qnoqne 
tanquam   praestantiores,    prudentiores,    cordatiores,   remm  asu 
exercitatiores  et  virtutibus  eminentiores  a  principe  et  a  dioecesi 
in  senatorinm  numemm  asscitos  esse  meminerint,  quae  res  existi- 
mationes   eximias  apud  omnes   pariat.     Si  antem  indigni,   qni 
alieno   consilio  et  dnctn   egnissent,    ad  hoc  honoris    fastiginm 
evecti  fuissent,  pluribus  ex  eo,  quam  ex  hac  politica  forma,  sese 
molestiis  implicuissent.     Proinde  consiliarios  principis  et  a  ca- 
pitulo  deputatos  fideliter  consulere,  ne  ad  politicae  fonnae  de- 
cretum  administrationes  munernm  suorum  aversentur  et  reiiciant, 
sed  in  honoris  sui  et  publicae  utilitatis   augmentum   retineant. 
Quod  autem  ea  politica  forma  dissipationem  civilis  regiminis  in 
civitate  Monasteriensi  secum  adferat,  se  non  videre,  cum  eadem 
fere  forma  in  civitate  Coloniensi  antiquitus  sit  recepta  et  diu- 
turno  usn  confirmata.   Neque  consultum  fore,  ut  haec  forma  iam 
praescripta  rogatu  senatus  commutetur  seu  abrogetur  ac  perfec- 
tissima,  sicut  Imperium  decrevit,  restitutio  fiai   Inde  enim  me- 
tuendum  esse,  ne  non   pristinum  schisma  et  prior  motus  con- 
tinuo  intra  moenia  repuUuIescat.    Nam  si,  ut  imperium  voluit, 


eines  Schreibens  des  Bates  der  Stadt  an  die  Landstände  (Stadt-A.  M.  a.a.O.): 
„Wie  woU  wy  nu  . . .  gucder  fnege  and  oirsaichen  hotten,  uns  an  Ro.  Key. 
Mt  und  dat  hillige  Ro.  ryck  tho  beropen  und  tfao  beclagen,  dewile  by 
demselvigen  dorch  gemeine  chor-  und  fürsten  und  stende  eindrechtlich  en- 
slotten  und  bedochtlich  erwogen,  dat  ein  stadt  Mnnster  by  older,  herge- 
brachter fryheit  erholden  und  de  nnschuldigen  der  schuldigen  handele» 
nicht  entgelden  sollen,  als  de  billicheit  oick  erfordert,  jedoch  . . .  willen 
. . .  hirmit  unse  gobrecken  und  undregliche  besweronge  itziger  tyt  gemeiner 
landtschafft  vorgestalt  . . .  hebben.^ 


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Anno  1541  acta.  905 

restitutio  fieret,  cnriarum  omninm  restitntionem  plebem  acriter 
a  senata  nrsnram.  Inde  snperior  inobedientia,  rebellio  et  seditio 
adversns  magistratum  ac  tandem  similis  motns  sit  metnendns. 
Si  vero  cnriae  in  pristinam  statnm  et  libertatem  antiqnam  re- 
stitnantur,  qnae  tnnc  fenestrae  funestis  dissidiis  et  eyersionibus 
omnium  statunm  hnins  dioecesis  aperiantnr,  snperiorem  cnria- 
rnm  libertatem  in  licentiam  versam  satis  edocnisse.  Si  antem 
snperiori  similis  clades  imperio  a  dioecesi  illata  fnerit,  imperiom 
a  dioecesi  non  solnm  impensas  omnes  exactnmm,  venun  etiam 
nrbem  in  extremam  et  principis  et  senatns  et  aliornm  ordinnm 
pemiciem  funditns  eversurum.  *  Summe  igitur  necessarium  esse,  »p.  647» 
üt,  quibnscnnqne  eti  m  modis  fieri  queat,  fatnris  hisce  calami- 
tatibns,  qaantam  divina  gratia  permiserit,  obviam  eatur.  Qnod 
etiam  senatus  consilium  summnm  commnnicare  et  in  ullam  rem, 
qnae  ad  constans  nrbis  regimen  pertineat,  consentire  nolit,  se 
vehementer  mirari,  cum  formam  politicam  a  principe  praescrip- 
tam  sibi  permolestam  esse  qneratnr  et  ex  snperioribos  motibus 
tanquam  rectores  nrbis  sciant,  qnibas  remediis  fntnris  via  prae- 
clndatnr.  Nee  non  senatum  scire,  qnod  inter  principes  snperiores 
et  civitatem  Monasteriensem  indiciorum  et  iurisdictionis  nomine 
contentio  aliquoties  inciderit  \  qnae  non  tam  principi  et  dioecesi 


')  Noch  am  18.  Februar  1525  schrieb  Bischof  Friedrich  von  Wied 
aus  Ahaus  dem  Stadtrate  (Orig.  im  Stadt-A.  M.  Vc.  Nr.  H):  „Wy  werden 
berichtet,  dat  gy  etlige  saken,  zo  vor  unssem  wertligen  gerichte  unde  richter 
unser  stadt  Munster  er  entlige  geboerliger  uthdracht  noch  nicht  erlangt, 
und  er  de  durch  appellation  an  jnw  gekomen,  tegen  olde  gewonte  und 
gebrueck  unses  gcrichts  unde  olden  herkomen  vor  juw  trecken  unde  advo- 
ceren,  dat  unsem  gerichte  to  affbrocke  und  verkleinonge  reiket,  uns  ock  to 
erliden  nicht  getemen  wyll.  Derhalven  wy  ock  nu  gerorten  unsen  richter 
bevell  gedain,  darmede  vort  to  faren,  wo  zick  dat  na  stUnm  des  rechten 
und  older  gewonten  unde  gerichte  verloep  behoiren  zall,  dar  dorch  nnse 
wertlige  gerichte  myth  zulcken  ungewontliken  unde  unbehoirligen  inbrocke 
ungesweckt  blyve."  Der  Bischof  fordert  vom  Rate  Abstellung  der  üeber- 
griffe  für  die  Zukunft  und  fährt  dann  fort:  „So  uns  ock  in  inbrengunge 
unses  gerichts  verfeile  und  brocke  dorch  etlige  juwe  deiner  erringe  be- 
iegent,  dat  de  ger.  unsem  richter  nicht  werden  ton  banden  gestalt,  willen 
wy  hirmede  gnitlich  begert  hebben,  dat  gy  also  beschaffen,  zodane  brocke 
unsem  richter  unbehindert  folgen  und  gelevert  werden,  wo  sick  dat  nach 
hilHcheit  beihemmet  ..." 


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906  Anno  1541  acta. 

quam  civitati,  nisi  Dens  avertisset,  grave  incommodnm  attnlisset. 
Ut  ergo  talis  contentio  in  posterum  evitetnr,  modnm  et  ratio- 
nem  esse  eins  inveniendam.  Praeterea  senatum  non  latere,  qnod 
cives  gograviatns  Sendani  inre  confisi  Monasterio  eruperint  et 
in  principis  inrisdictionem  irruerint,  vi  tarn  nobiles  quam  igno- 
biles  ceperint  atqne  in  nrbem  secnm  abduxerint,  qnod,  cnm  prin- 
cipis inrisdictionem  violaret,  civitati  minime  licnisse  se  existi- 
mare ;  nnde  plnrimnm  dissidii  et  contentionis  saepe  exortum  sit. 
Ne  antem  idem  inter  hnnc  principem  illiasqne  snccessores  et 
civitatem  contingat,  si  ratione  gograriatus  Sendani  cives,  nt 
factitatmn  sit,  in  principis  inrisdictionem  irruerint^  modnm  paci 
esse  qnaerendnm. 

Post  deliberationem  habitam  Monasterienses  respondent: 
Nnllo  se  modo  fonnam  illam  politicam  a  principe  praescriptam 
admissnros;  sibi  enim  temerariam  istnm  consensnm  apnd  po- 
steros  ignominiosnm  fore,  quo  culpa  maiornm  snornm  in  per- 
petuam  servitntem  sint  praecipitati.  Se  ergo  rogare,  ut  abdi- 
cationem  officiorum  snomm  a  principe  impetrent  aliosqne  sibi 
amotis  substitnant.  Se  enim  id  ferre  posse,  cum  nihil  nisi  ho- 
nesta et  iusta,  nempe  privüegiorum  et  libertatum  antiquarum 
recuperationem,  postulaverint.  Quod  autem  consilium  a  se  in- 
stituendae  certae  formae  politicae  poscant,  se  illud,  cum  consilii 
inopes  sint,  negare  oportere.  Sibi  tamen  utile  videri,  ut  curiae 
opificum  eorumque  conventicula  reprimantur  neque  unquam  in 
nrbem  recipiantur  et  penes  principem  sit  senatores  constituendi 
removendique  auctoritas;  ita  enim  futurum,  ut  minus  seditionis 
•p.  648.  in  urbe  excitetur.  *Ad  id  etiam,  quod  adductum  sit,  restitntis 
privilegiis  et  libertatibus  pristinis  superiorem  rebellionem,  in- 
obedientiam  et  seditionem  adversus  magistratum  esse  metuen- 
dam,  se  respondere:  si  Privilegium  et  libertas  sint  rebellionis 
causae,  nullum  coUegium,  nullam  communitatem  nuUamque  nni- 
versitatem  a  seditione  esse  alienam,  et  Telgetum  oppidulum  non 
tam  esse  expers  motus,  quam  Monasterium.  —  Quantum  autem 
ad  inrisdictionem  pertineat^,  haue  fuisse  rationem,  quod  penes 
principem  constituere  vel  removere  iudicem  fuerit;  et  si  quem 
ob  fiagitinm  capi  contigisset,  ipsum  in  criminalibns  per  senatum 


')  Vgl.  zum  Folgenden  aach  oben  S.  93  ff.  und  die  Einleitimg. 

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Anno  1541  acta.  907 

quaestionibus  suMici  consuevisse,  iadici  fassa  crimina  tradita^ 
ream,  si  flagitia  non  recantaret,  in  ins  protractnm,  accnsatnm 
et  tandem  maleficii  cansa  alicni  snpplicio  ant  poenae  adindi- 
catnm  fnisse.  Senatam  non  sine  principis  consensn  facinerosnm 
relaxatnmm.  Pecnniae  mnlctatitiae  in  civitate  extortae  dimidinm 
ad  principem,  reliqnnm  vero  dimidium  ad  senatnm  pertinere, 
nnde  impensas  captivorum  snstineat.  —  Civiles  caosas  coram 
principis  indice  et  qnibnsdam  ex  senatorio  ordine  assessoribns 
agitari  et  decidi  consnevisse.  —  Commeatnm  publicnm  a  senatn 
et  indice  semper  petitnm  et  cnm  consensn  indicis  secnritatem 
pnblicam  cnivis  ant  ad  ins  snnm  perseqnendnm  ant  se  inre  de- 
fendendnm  datam  foisse.  —  Gograviatnm  Sendannm  senatnm 
antiqnitns  possedisse  et  occnpasse.  Ernptionem  etiam  civinm 
antiqnitns  et  ante  hominnm  memoriam  in  nsn  fnisse;  si  qnis 
illis  ininriam  ant  Yim  intulisset,  se  permissn  inris  conunnnis 
bestem  persecntnm  fnisse. 

Ad  haec  consiliarii  e  capitnlo  depntati :  Se  etiamnnm  ani- 
madvertere  senatni  praescriptam  politiae  fonnam  molestam  esse, 
cnm  tarnen  ex  snperioribns  satis  cognoverit,  qnae  principem  eam 
constitnendi  cansa  moverit,  nempe  nt  seditioni  via  praeclndatnr 
et  concordia,  pax  tranqnillitasqne  in  nrbe  conservetnr.  Ac  nisi 
senatns  principis  anctoritati  innixns  in  nrbe  regat,  ipsnm  pacem 
et  tranqnillitatem  conservare  non  posse.  Proinde  regendi  ins  et 
anctoritatem  a  principe  pendere,  atque  ab  eodem  formam  prae- 
scribi  necessarinm  fnisse.  *Nec  hoc  solum  ad  tranqnillitatem  *p.  649, 
nrbis  facere,  qnod  opificnm  cnriae  non  admittantnr  et  senatns 
a  principe  constitnatur  removeatnrqne,  cnm  ex  snperioribns  satis 
snperqne  intellexerint,  si,  nt  imperinm  decrevit,  restitntio  fiat, 
plebem  existimatnram  sibi  eodem  qnoqne  decreto  cnrias  opifi- 
cnm facere  conventicnlaqne  habere  permissnm  esse,  ideoqne  ea 
omnia  a  senatn  in  pristinnm  statnm  restitnto  extortnram.  — 
Ad  id,  qnod  a  senatn  adfertnr,  si  Privilegium  et  libertas  sint 
cansae  motns,  nnllam  nniversitatem  qnantnmvis  parvam,  imo  ne 
Telgeticam  qnidem  rempnblicam  a  motn  fore  immunem,  respon- 
detnr:  iUud  hie  locnm  non  habere,  si  cnm  Monasteriensi  nni- 
versitate  conferatnr,  cnins  seditio  non  sine  magno  principis  et 
totins  dioecesis  incommodo  componi  possit,  Telgeticns  vero  motos 


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•908  Anno  1541  acta. 

facile,  sicnt  snperiori  exemplo  satis  ostensnm  sit.  —  Si  ins  com- 
mune scriptum  expendendom  sit,  ipsos  se  magistratu  non  posse 
abdicare,  cum  munera  publica  gerant,  quae  nullam  excusationem 
admittant,  et  antiquitus  in  hac  civitate  receptum  sit,  ut  nemo 
in  hunc  ordinem  adscitus  excusatione  uti  queat.  —  Ad  haec, 
•etiamsi  princeps  ins  constituendi  remoyendique  iudicem  habeat, 
saepe  tamen  antehac  in  eo  quibusdam  contentionibus  interiectis 
ipsum  impeditum  et  turbatum  fuisse.  —  Sibi  quoque  consultum 
videri,  ut,  quoties  a  captivis  cruciatibus  veritas  sit  extorquenda, 
id  praesente  iudice  fiat.  Nam  non  solum  delictorum  confessione, 
verum  etiam  ex  vultu,  gestibus  aliisque  circumstantiis  male- 
flciorum  rationem  cognosci  posse.  —  Praeterea  penes  principem, 
qui  ins  gladii  habeat,  merito  esse  pro  clrcumstantiarum  ratione 
flagitiosos  relaxare.  —  Consiliarios  etiam  et  a  capitulo  delectos 
in  civilibus  causis  magnum  abusum  in  iuris  et  iurisdictionis 
principalis  eversionem  animadvertere,  ut  a  sententia  per  prin- 
cipis  iudicem  lata  ad  senatum  appelletur,  cum  appellationes  non 
contra  naturam  sui  a  snperiori  ad  inferiorem  iudicem  devol- 
vantur;  proinde,  ut  naturae  ordo  servetur,  sibi  videri  iustum, 
ut  degravatus  ad  principem  provocet.  Sibi  etiam  aequitati  con- 
forme  videri  senatum  in  causis  civilibus  posse  civibus  securi- 
tatem  publicam  dare;  sed  cum  arrestatio  per  iudicem  principis 
"p.  650.  facta  sit,  senatui  adversus  eam  non  licere  cuiquam  *tutum  com- 
meatum  dare,  et  multo  minus  in  causis  criminalibus ;  illam 
enim  securitatis  dationem  ad  solum  principem  illiusve  praefectos 
spectare.  —  Quantum  autem  ad  gograviatum  Sendanum  perti- 
neat,  se  non  ignorare  doctorem  Wick  et  alios  quosdam  senatorii 
ordinis  vires  nuper  a  senatu  legationis  obeundae  causa  Iburgum 
missos,  qui  cam  principe  de  articulis  quibusdam  agerent,  nerope 
ne  quis  in  circuitu  urbis  Monasteriensis  intra  unum  milliare 
cervisiam  panesque  ad  vendendum  coquat,  ac  ut  principem  exo- 
rarent,  ne  gograviatum  Sendanum  oppignoratum  redimat*.     Se 


')  In  Bezug  auf  die  Gografscliaft  zu  Senden  findet  sich  im  Rats- 
protokoll Yom  Jahre  1536  (Stadt-A.  M.)  folgende  Notiz:  „. ..  Die  qnidem 
Ticesima  prima  mensis  Augusti  sin  beide  borgermeister  by  meister  Everdt 
^an  Eylen  gewest  und  emme  omb  gestalt  und  na  gelegenheit  der  gogreve- 
.schap  tho  Senden  und  der  yrygeiichte  gefraget,  off  de  oick  yan  unsen  gne- 


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Anno  1541  acta.  90() 

itaqae  nnnc  scire  percupere,  qnanti  gograviatas  oppignoratns  sii^ 
qnantaye  pecnnia  redimi  queat.  —  Si  etiam  senatus  friegraviatus 
tribnnali  nti  velit,  ne  plos  sibi  inris,  quam  habeat  in  eo,  sibi 
vindicet  neqne  caasas  ab  imperio  non  permissas  ad  hoc  tribnnal 
pertrahat.  —  Eruptionem  adyersus  forenses,  qni  cives  concus- 
serint,  principis  iurisdictionem  et  auctoritatem  plurimnm  violare, 
qnare  illad  impetrata  difficile  fore,  com  id  toti  dioecesi  non  sit 
tolerandnm,  imo  ipsi  senatni  molestias  varias  illatnmm  non  te- 
mere  snspicentnr.  Si  enim  homo  temerarins  et  ad  seditionem 
pronns  levi  de  causa  foris  extra  nrbem  cum  aliqno  contenderet 
et  temere  adycTSUs  illom  se  erigeret,  posse  hunc  de  gravi  in- 
iuria  sibi  praeter  meritam  illata  apnd  senatum  queri  et  prae- 
sidium  ad  hostem  sunm  perseqnendnm  capiendamque  sibi  de- 
cerni  poscere;  quod  si  a  senatn  sibi  negaretnr,  sangoine  sibi 
coninnctos  aliosqne  seditiosos  adversns  senatum  ipsum  concita- 
turum,  unde  primum  inobedientia,  inde  motus  civilis  sit  me- 
tuendus.  Si  vero  senatus  eruptionem  permittat,  magnam  ipsum 
ad  tumultuandum  occasionem  daturum.   Quod  autem  haue  erup- 


digcn  hern  tho  lene  gain,  und  des  widers  sinen  gaden  raith  und  gunstig' 
bcricht  begert,  off  sie  des  oick  moegen  op  gemeinen  leendage  na  gewondt- 
lieber  wiese  gesinnen  mögen  laten.  Dar  ap  meister  Everdt  vor  eirst  ge- 
antwort,  be  wolde  sieb  des  eirst cn  bj  den  rbedcn  wider  befragen  . . .  und 
dan  dem  rade  wider  bescbeidt  geven.  Als  solcks  oick  am  selvigen  dage 
na  mitdage  dorcb  den  dorwedder  an  emme  gesonnen  und  dar  up  ein  ant- 
wort  erlangt,  he  bedde  angezeigte  meinunge  and  gesinnen  des  raitbs  uns- 
sem  gnedigen  bern  selver  tbor  kennen  geven,  und  emme  vor  antwort  be- 
iegcnt  worden,  sin  g.  wolde  des  in  bedencken  nemmen  etc.  Dan  emme 
duchte  geraden,  dat  nien  nichts  demin  als  morgen  up  dem  lehendage  umb 
die  belenunge  gewondtlicber  wiese  lethe  gesinnen  etc.  —  Demnae  ...  die 
122.  Augusti  hefft  de  olde  borgermeister  Dirick  Munsterman  . . .  up  gemeinen 
binnen  Munster  geholden  leendage  ein  zeedell  overgegeven  diefs  inholdt» 
in  effcctu:  „Gnedige  furste  und  her!  I.  f.  g.  borgermeister  und  raidt  diesser 
Stadt  Munster,  so  van  i.  f.  g.  verordent  sin,  undertbeniges  fljtes  biddende 
und  begeren,  i.  f .  g.  . . .,  se  mit  der  goegreveschop  tho  Senden  und  sunsi 
anderer  gerechtigheit  der  vrygerichte,  dar  mit  sie  van  i.  f.  g.  vorvadem 
vormails  belenet  gewest,  oick  gnediglichen  belenen  willen,  i.  f.  g.  hoich- 
mildichüit  hir  inne  anroepende  etc.  ..."  Und  als  gemelte  Munsterman  de 
zcdell  overgegeven,  hefft  he  oick  van  wegen  des  raidts  de  belenunge  der 
maiten  gesunnen  und  entfangen,  oick  gewondtliche  huldunge  und  eidt  wie 
ander  Iheenmans  gedain.** 


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910  Anno  1541  acta. 

tionem  defensionem  iure  pennissam  esse  existiment,  per  hoc  se  falli, 
cum  defensio  moderamen  incolpatae  tntelae  comprehendat;  si  aut^m 
plebs  fnrere  inciperet,  metas  incnlpatae  tntelae  sine  dubio  trans- 
grederetur.  Secundo,  si  talis  defensio  civibns  adversns  snos  op- 
pressores  permitteretnr,  ad  qnid  magistratns,  ad  quid  princeps, 
ad  quid  satrapae  et  praefecti,  si  qnisqne  index  snae  cansae  esse 
qneat?  Tertio,  etiamsi  oppidanis  permissnm  esset  civium  oppres- 
*p.  651.  Sorem  armata  *mann  perseqni  et  capere,  qnod  tarnen  nnnqnam 
expresse  permissnm  sit,  attamen  enndem  in  nrbem»  abdnceDdnm 
ibidemqne  in  carcerem  detmdendnm  non  esse,  sed  illi  potins 
satrapae  sen  praefecto,  in  cnins  inrisdictione  apprehensns  ftierit. 
tradendum,  qni  illnm  indicio  qnibnslibet  ins  snnm  perseqni  V(v 
lentibns  sistat.  —  Si  etiam  Monasteriensibns  libemm  esse  de- 
beat  iniuriam  civibns  illatam  in  inrisdictione  principis  yindicare, 
oppressorem  perseqni  enndemqne  capere  et  ad  nrbem  rapere, 
eodem  inre  qnoqne  principi  licere  oppressorem  snornm  subdi- 
torum  in  nrbem  fngientem  perseqni,  in  ea  apprehendere  et  sioe 
senatns  intercessione  edncere  ednctnmqne  poenis  afficere.  Qnod 
enim  nni  instnm  sit,  alteri  ininstum  esse  non  posse. 

Ad  haec  Monasterienses :  Se  iternm  atqne  itemm  effla«ri- 
tare,  nt  ex  sententia  et  decreto  imperii  in  pristinnm  libertatam 
et  privilegiorum  statnm  restitnantnr.  Qnod  si  flat  et  opificara 
cnriae  non  admittantnr,  tranqnillam  se  rempnblicam  habituros 
confidere.  Ad  haec,  nt  magistratnm  deponere  sibi  princeps  per- 
mittat. —  Ad  id,  qnod  addnctnm  sit,  mnnera  ista  esse  publica, 
qnae  excusationem  sni  non  admittant,  se  respondere:  quemlibet 
quidem  debere  de  repnblica  bene  mereri  et,  qnantnm  fleri  possit, 
illi  prodesse.  Verum  cum  hie  magistratus  sit  perpetnns  et  ad 
vitae  finem  nsqne  sibi  impositus,  se  cum  remm  snamm  dispen- 
dio  ad  illnm  astrictum   non  esse  existimare^  —  Et  cum  con- 

•)  Ma,:  urbe. 


^)  In  einem  der  Papiere  im  St-A.  M.  a.  a.  0.  beklagt  sich  der  IUI, 
dafs  seine  Mitglieder  „an  erer  nerange  und  geschefften  dorch  ere  beswe- 
mnge  thoruggesatt,  dewile  unse  gewontliche  genatt,  wiewoll  klein  gewest, 
uns  oick  affgeknrtet.*'  Es  scheint  ihm  „nicht  geraden  noch  mogelich,  wy 
des  regiments  mit  nnser  eigen  beswerong  und  entgeltniTs  tho  dragen;  oick 
dar  tho  unverplichtet* 


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Anno  1541  acta.  911 

siliariis  utile  yisnm  faerit  praesente  indice  quaestiones  capti- 
Yormn  fieri,  se  pntare  non  esse  illnd  operae  precium,  cum  crimina 
a  reis  extorta  ipsi  offerantur,  unde  non  obscure  maleficiorum 
circumstantias  elicere  queat.  —  Quod  etiam  princeps  absqne 
senatus  voluntate  facinerosos  relaxare  possit,  non  sine  periculo 
reipublicae  id  futurum,  cum  incendiarius  et  latro  pecuniae  gratia 
Tel  alia  de  causa  a  principe  relaxari  possit.  —  Quod  autem  ap- 
pellationis  natura  invertatur,  cum  a  iadicio  principis  ad  senatum 
appellatum  sit,  ad  hoc  se  fespondere:  appellationem  iUam  non 
esse,  sed  potius  relationem,  reductionem  atque  instructionem, 
cum  ex  iisdem  actis  fiat.  Senatum  enim  cum  consilio  iudicis 
ex  iisdem  actis  facere  declarationem,  et  esse  haue  unam  instan- 
tiam.  —  *Publicam  securitatem  et  cpmmeatum  semper,  ut  dic-*p.  652. 
tum  sit  supra,  antiquitus  datum  fuisse,  neque  se  videre,  quo- 
modo  haec  consuetudo  cum  aequitate  pugnet.  —  Ad  articulum 
gograviatus  Sendani  se  neque  aliter  scire  neque  audivisse  un- 
quam,  quam  hunc  a  nobilibus  de  Schonebecke  pecunia  emptum 
esse  et  a  senatu  ante  hominum  memoriam  possessum.  —  Qaan- 
tum  ad  eruptionem  civilem,  si,  quo  tempore  et  in  qua  causa  in- 
iustam  ernptionem  fecerint,  sibi  aperiatur,  se  eias  rationem  red- 
dituros.  Hinc  misere  et  flebiliter  queruntur,  quid  superiori  anno 
prope  Schoppingam  civibos  suis  acciderit. 

Post  deliberationem  habitam  consiliarii  respondent:  Se 
pluribus  verbis  cum  senatu  non  decertaturos,  sed  ea,  quae  sunt 
producta  et  proposita,  ad  principem  relaturos.  Ipsum  sine  dubio, 
quae  aequitati  sint  conformia,  acturum.  Verum  quantum  ad 
gograviatus  iudicium  in  civilibus  causis  attinet,  sese  extricare 
nondum  posse,  quae  post  latam  sententiam  causa  ad  senatum 
sit  referenda;  se  itaqne  respondere,  qaod  non  sit  reductio,  cum 
ab  arbitris  sententia  non  sit  lata.  Secundo  relationem  non  esse, 
cum  ea  ante  latam  sententiam  fiat  Belationes  qnoque  aliam 
habere  naturam  et  ad  superiorem  fieri.  Illud  tamen  sibi  utile 
videri,  ut  hie  articulus  ad  cognitionem  principis  et  totius  dioe- 
cesis  reiiciatur.  —  Quod  facinerosi  absque  senatus  consensu  a 
principe  non  sint  relaxandi,  se  ea  in  re  mediam  quandam  yiam 
excogitasse,  haue  videlicet,  quod  si  princeps  maleficum  dimittere 
velit,  quem  senatus  non  esse  dimittendum  contendat,  a  principe 


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912  Anno  1541  acta. 

tres  snoram  consiliariornm  in  dioecesi,  et  non  aUunde,  ortos 
esse  designandos,  coram  quibus  tanqnam  indicibns  renüsso  ipsis 
prins  Inreinrando  ntrinqne  rationes  proponant,  hinc  quibus  di- 
mittendnm,  illinc  vero  qnibns  non  dimittendam,  sed  capitali  in- 
dicio  consistendnm  esse  censeant;  et  herum  decreto  utrinque 
acquiescendum  esse.  —  De  commeatu  quoque  dando  senatum 
causas  audiyisse,  cur  solus  princeps  in  quibusdam  casibus  sibi 
eum  vindicet.  —  Eruptionem  etiam  civilem  plus  incommodi  quam 
commodi  allaturam*;  aequitati  quoque  adversari  in  principis 
^p.  653.  inrisdictionem  irruere  eamque  praefracte  ^violare  supra  dictum 
est.  Se  tarnen  a  senatu  in  medium  adducta  ad  principem  rela- 
turos.  lUud  autem  ab  ipso  se  consecuturos  sperare,  nt  ciyibus 
oppressorem  seu  bestem  suum  in  iurisdictione  principali  perse- 
qui  et  apprebendere  liceat,  si  tarnen  id  sine  subditorum  incom- 
modo  fiat  et  maleficus  satrapae  seu  praef  cto,  in  cuius  dominio 
apprehensus  sit,  tradatur. 

Senatus  bis  exasperatus  in  abdicatione  magistratus  perse- 
yerat.  Ad  quod  consiliarii :  se  a  principe  eins  rei  nullam  neque 
commissionem  neque  permissionem  habere;  hortari  autem  se  et 
fideliter  admonere  senatum,  ne  officia  sua,  priusquam  haec  omnia 
ad  principem  referantur,  deponat.  Se  non  dubitare  principem 
clementer  ad  omnia  responsurum.  Senatus  ea  lege  annuit,  ut 
brevi  sibi  respondeatur,  cuius  animi  princeps  sit.  Quod  consi- 
liarii se  apud  principem  effecturos  pollicentur.  Eis  ita  actis 
digrediuntur. 

Cum  autem  de  reipublicae  forma  mitiori  et  tolerabiliori 
reddenda  aut  pristina  saltem  recuperanda  ultra  quinquennium 
iam  cum  principe  actum  esset  neque  ipse  princeps  vehementer 
offensus  iusiurandum  remittere  vellet,  sedatiores  quidam  senatorii 
ordinis  alio  modo  cum  principe  offcnso  agendum  esse  censent<^ 
si  priyilegia  antiqua  sint  recuperanda  ^  Hermannus  itaque  Heerde, 

a)  Ms,:  allatarum. 


^)  Von  hier  an  stimmt  Eerss.'s  Bericht  wieder  in  den  Hauptsachen 
mit  dem  in  der  „Körten  anteknnge**  überein.  Diese  hat  keine  Kenntnis 
Yon  den  eben  von  Kerss.  mitgeteilten  Verhandlungen.  Unmittelhar  nach- 
dem das  Regiment  des  Statthalters  und  seiner  Diener  als  ein  tyrannisches 
charakterisiert  ist,   heifst  es  dort  weiter:  „So  nun  dit  durede  int  seyende 


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Anno  1541  acta.  913 

tnnc  temporis  in  senata  aedilis  (postea  consnl  factns  com  om- 
niam  civinm  applansn  rempnblicam  Monasteriensem  per  mnltos 
annos  optima  et  prudentissime  rexit),  vir  placidus  et  mire  fa- 
cnndns,  hie  ope  et  consilio  Hermanni  Schenckinck,  patricii,  usus 
in  familiaritaten)  Frederici  a  Twisth,  satrapae  Saxenbnrgici  et 
anlae  episcopalis  praefecti,  se  insinaavit,  qni  ea  apud  principem 
anctoritate  valuit,  nt  minorem  episcopnm  ipsxun  passim  appel- 
larent,  et  nomine  senatns  Uli  obtulit  dono  sexaginta  fiorenos 
anreos  deque  pristinomm  restitutione  privilegiornm  cnm  illo 
collocntns  est  >.  Et  dnm  crebris  conyentionibus  habitis  inter  se 
ea  de  re  agerent  consiliaque  communicarent,  qnomodo  apud  prin- 
cipem restitutionis  negotium  commode  conficeretur,  Twistius  in 
aegritudinem  incidit,  cuius  curam  loannes  Wesselinck,  philo- 
sophiae  et  medicinarum  doctor  ac  principis  medicus,  suscipit. 
Accidit  autem  interea,  ut  Herde  ac  Schenckinck  coeptum  civi- 
tatis *  negotium  peragere  cupientes  Twisthium  conveniendi  facul-  »p.  654. 
tatem  quaererent,  sed  ne  creber  ille  conventus  malevolis,  qui 
intercedere  et  impedire  coepta  possent,   rem  prodat,    ideo  eam 


jar,  wort  van  ethlichen  vorgenamen,  offt  man  an  den  reden  nicht  erlangen 
konde,  dat  man  einen  gnedigen  hem  mochte  bekommen,  und  disser  handel 
np  andere  wege  werden  gestalt."  Dann  folgt  die  Notiz:  „Dat  wort  oick 
gesacht,  dafs  die  furste,  capittel  und  ritterschafft  der  sake  nicht  woU  eyns 
worden,  und  wafs  dar  nicht  mede  thofreden,  dat  sloth  in  der  stadt  solde 
yan  sine  f.  g.  und  der  landtschofif  gebouwet  werden;  und  wolden  dat  ca- 
pittel und  ritterschap  für  sich  hebben  und.  den  fursten  dar  nicht  uplaten, 
were  tho  besorgen  gewesch,  dafs  sie  der  furste  dar  oick  mit  zukumpftich 
mochte  dwingcn.  Darumb  trachteden  etliche  und  sich  daruff  malckanderen 
berachtslageden,  wo  men  den  handel  up  dat  beste  angripen  mochte.^ 

')  In  der  „Körten  antekunge^:  „Desser  einer  wart  genant  Herman 
Heerde  . . .  kcmner,  ejn  dapper,  geschicket,  verstendich  und  wolberedt 
mann  . . .  Die  begafiF  sich  by  einen  der  oversten  rede,  die  ock  des  fursten. 
woll  mechtigh  wafs  und  emme  vacke  in  sinen  fürstlichen  saken  Yolgede. 
Desse  hette  Frederich  van  Twiste,  den  men  oick  den  luttiken  bisschop 
nomde.  Als  nun  genante  Heerde  der  restitution  halven  redde  mit  enne^ 
so  gaff  he  inne  eyne  vererunge  des  rades  wegen  als  men  sechstich  golt- 
gülden,  und  boscheiden  sich  darnach  vaken  bieinander  und  bewogen,  wie 
man  den  handel  mochte  beste  inieggen,  und  thoch  manck  anderen  bi  sick 
Herman  Schenckinck,  oick  eyn  wolbereden  und  wolbeschickten  mann  van 
den  erfifmannes,  die  do  thor  tidt  winher  wafs.* 

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914  Anno  1541  acta. 

Twistius  Weslingo  committere  illoqne  pro  intemuncio  nti  con- 
stitnit.  Proinde  commemorat  Weslingo,  qaod  senatos  Monasteri- 
ensis  Herdennm  et  Schenckingam  privilegiornm  recnperandomm 
gratia  ad  se  ablegaverit,  qni  secum  ea  de  re  serio  egerint:  ne- 
minem vero  ad  eam  secnrins  diligentiusqne  ac  sine  snspicione 
conficiendam  inyeniri  posse,  qnam  ipsum  doctorem;  iUnm  enim, 
cnm  Sit  civis,  civitatis  commodum  singulari  sine  dubio  fide  cnra- 
tnmm,  et  cnm  sit  medicns  pnblicaqne  persona,  ipsnm  citra  sn- 
spicionem  nllam  tarn  apnd  principem  et  se  qnam  apnd  Herde- 
nnm et  Schenckingnm  omnia  sibi  clancnlnm  commissa  tntins 
referre  posse.  Weslingns  in  gratiam  civitatis  se  id  facturum  re- 
cipit,  qnare  per  ipsnm  Twistins  Herdeno  et  Schenckingo  nnn- 
ciat,  ne  ad  se  Saxenbnrgnm  vitandae  snspicionis  cansa  veniant, 
se,  qnicquid  a  se  apnd  principem  effici  velint,  doctori  intemnncio 
ad  se  perferendnm  concredent^. 

Haec  cansa  mnltis  modis  agitatnr  et  volvitnr  anno  1541 
Jan.  in  lannario.  Sed  Twistius  spe  nberioris  quaestns  mnlta  inter- 
iicit,  moras  nectit  causamqne  procrastinat,  nnde  senatns  Twlstii 
mentem  non  obscure  intelligit.  Quare  per  doctorem  loco  hono- 
rarii  quadringentos  florenos  anreos  ipsi  addicit.  Nihilominns 
tamen  maiora   sperans  rem  sno   solius  astn  ad  festnm  Paschae 


*)  Die  „Körte  antekunge**:  „Nun  begaff  sick,  dat  Prederich  von 
Twiste  . . .  kranck  lach  zum  Sassenbergh ;  wafs  einer  unser  borger  Johann 
Wesselinck,  doctor  und  nach  der  tidt  richter  diesser  Stadt  Munster,  by  ge- 
dachten Twiste,  quam  und  plegede  eyn  radt  in  siner  kranckheit  Do  nn 
np  eyne  tidt  genante  Heerde  und  Schenckinck  bogerden,  by  Twiste  tho 
komen,  nam  Twist  den  doctor  alleyne  und  mit  langer  Yerworden  und  prote- 
Station,  dat  he  ime  in  dat  geheime  und  geloven  seggen  wolde,  und  were 
dit:  he  were  besocht  von  etliken  des  rades  tho  Munster,  und  nomede  Her- 
mann Heerden  und  Hermann  Schenckinck,  wie  sie  gerne  wolden,  den  atandt 
der  Stadt  Munster  up  andere  wege  thobrengen,  und  dat  sie  mochten  wedder 
tho  ehren  Privilegien  und  aller  rechticheit  bracht  werden;  so  wüste  dann 
Twiste  nemandt  dar  beth  tho  gebrucken,  dan  eyne,  den  doctor,  wante  he 
konde  oick  unbedacht  bie  den  fursten,  enne  sulvest,  Twisth,  Herden  und 
Schenckinck  komen.  Dar  sich  dann  die  doctor  inbegaff.  Dess  schreff  Twist 
eyncn  breff  ane  Herden  und  Schenckinck,  dat  sie  nicht  thom  Sassenberge 
komen  solden,  ume  verdenckens  und  archwans  willen,  dann  wat  sie  ge- 
werven  und  gedan  hebben  wolden,  datselve  sollen  sie  dorch  doctor  Wesse- 
linck uthrichten;  die  konde  unbedacht  äff  und  an  by  den  forsten  komea.* 


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Anno  1541  acta.  915 

prodncit  existimans  se  ampliori  praemio  pro  rei  inaestimabilis 
recnperatione  dignnm.  Senatns  cnm  sammam  principis  clemen- 
tiam  et  gratiam  pollicitatione  dnoram  millinm  florenonim  pro 
grata  remnneratione  sibi  comparasset,  morae  cnlpam  in  solum 
Twistium  coniicit.  Princeps  etiam  morae  irapatiens,  cum  pecu- 
niam  sibi  a  senatn  promissam  solvi  affectaret,  Twistiom  obinrgat, 
quod  negotii  finem  non  faceret  \  Twistius  ergo  malam  principis 
gratiam  metnens  diutius  rem  protrahere  non  audens  Herdenum 
et  Schenckingnm  cum  curiae  amanuensi  et  utroque  Weslingo, 
quorum  alter,  de  quo  supra,  medicus,  alter  vero  iuris  licentiatus 
et  urbis  iudex  erat,  in  villam  rusticanam  cognomine  Oedinck- 
bergam  ad  se  vocat,  ubi  restitutionis  negotium  sursum  deorsum- 

*)  Die  „Körte  anteknnge";  „Dese  underhandelunge  heff  sich  an  dat 
jair  1541  im  Januario  und  wort  für  und  nach  se  vaste  und  feile  gedreven; 
wante  Twiste  vertogh  die  tidt,  hewoch  dar  follc  beswercns  inne,  gedachte, 
darvan  tho  hebben;  und  unse  lüde  weren  arm;  dar  was  ghin  gelt  vorhanden, 
de  Stadt  borde  keine  opkomste,  wante  de  stadtholder  war  gruith-  und  win- 
herr.  Doch  wart  dem  doctor  befoelen,  dat  er  dem  hoffmeister  Twiste  tho 
cyrier  vererunge  solde  sprecken  vierhundert  goltgulden.  Nu  verstreckede 
Twisth  den  handel  byfs  nach  Paschen,  und  men  konde  nicht  thom  ende 
komen  der  mejnunge  und  ansehunge,  dat  Twist  mit  soe  kleine  vererunghe 
nicht  zufreden  wass.  So  wüste  men  nu,  dat  der  furste  willich  wass,  und 
verdrott  ine,  dat  Twist  den  handel  so  langh  vertzogh,  konde  oick  wall 
mercken,  dat  Twisth  datsulvige  dede  ume  syne  gizeheit  willen;  wass  ock 
den  fursten  gelavet  zwey  dusent  goltgulden,  die  he  ock  gheme  gehabt. 
Das  furderden  de  frunde  des  rades  vasth  und  vill  an  doctor  Wessclinck 
und  ho,  Wesselinck,  an  den  fursten  und  Twist  "*  Dann  folgt  die  von  Kerss. 
unbeachtet  gelassene  Notiz,  dafs  der  vom  Bischöfe  i5-4L  zum  Reichstag 
nach  Regensburg  entsandte  Licentiat  Mumme  seinem  Herrn  meldete,  „dat 
etliche  der  hem  und  rikestcden  nicht  wolden  tho  der  Session  eher,  das  de 
Stadt  Munster  weder  restitueirt  wer,  we  dan  der  forst,  capittel  und  ridder- 
schaft  dem  riche  toesaege  gedaen  und  ine  nicht  goholdcn  wort.**  —  Der 
Bischof  erhielt  später  in  der  That  20'  K)  Gulden  von  Seiten  der  Stadt.  Die 
,,Korte  antckunge**  berichtet  darüber  zum  Schlufs:  ^Und  men  gaff  den 
fursten  für  die  eerste  restitutio  thwee  dusent  goldtgulden ;  dat  eyne  dusent 
wort  gedan  in  eynen  sulveren  geschenckc,  soe  vergoldt  war,  dat  wort  ge- 
kafft  von  burgemeister  Willibrant  Plonies  vor  eyn  hundert  goldtgulden  und 
wort  gesant  dorch  Johan  Wesselingk  licentiaten  . . .,  de  praesenterde  dat 
den  fursten  tho  Iburgk ;  und  dat  ander  dusent  goldtgulden  wort  den  fursten 
gebracht  tho  Horstmar  durch  Johan  Wesselingk  doctor,  des  forsten  me- 
4licus  . . ." 

34* 


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916  Anno  1541  acta. 

qne  YoMtor.  Sed  cmn  in  eo  conventn  nihil  certd  decemeretnr^ 
alins  conventus  ad  enndem  locnm  indicitnr,  nee  in  eo  qnicquant 
definitmn  foit^.  Becepit  enim  Twistias  se  in  prioribus  con- 
*p.  655.  ventibns  acta  ad  principem  *prins  relatnrum  sine  hnina  anc- 
toritate  nihil  fieri  oportere  asserens;  hnins  se  decretum  prope- 
diem  rescriptnrnm.  At  cnm  responsio  illa  ad  multos  dies  proro- 
garetar,  senatns  metnit,  ne  in  eversionem  actomm  omninm  et 
civilis  libertatis  perniciem  res  prodatar.  Quare  Weslingus  me- 
dicns  snggestione  senatns  die  Mercnrii  post  dominicam  Exandi, 

1.  Jani.  qnae  fnit  prima  lanii,  per  literas  ad  Twistinm  datas  responsnm 
serio  poscit;  moram  enim  istam  dintumam  mnltonim  malomm 
causam  esse  posse.  Tunc  tandem  rescribit,  nt  qnidam  senatorii 
ordinis  viri  cum  utroque  Weslingo  ad  diem  Lunae,  quae  Pente- 

6.  Juni,  costen  sequitur,  quae  fnit  6.  lunii,  in  coenobium  virginnm 
Rengerinck  veniant.  Huc  ubi  princeps  cum  suis  et  Wilbrandus- 
Plonies  consul,  Bemardus  de  Tynnen,  Hermannus  Schenckinck, 
loannes  Bischopinck,  patricii,  Hermannus  Herde  et  Gerardus 
Averhagen,  plebei  senatores,  venissent,  de  omnibus  antiquis  privi- 
legiis,  libertatibus  et  moribus  civitati  restituendis  coeptum  est. 
agi.  Intemuncii  vero  et  quasi  sequestres  inter  principem  et  se- 
natum duo  Weslingi   fuere,   per  qnos  ntrinque  res  peragitur*, 

')  Die  „Körte  antckunge^  giebt  nun  zunächst  ganz  kurze  Notizen 
über  die  Belagerung  und  Eroberung  Münsters,  über  den  Tag  zu  Worms 
im  November  15:30  und  die  erfolglosen  Verhandlungen  der  Reichskommis- 
sion  zu  Münster  im  März  15H6.  Dann  heifst  es  weiter:  „Darmit  ich  nu 
wedder  up  die  restitution  komc,  wort  die  handel  van  den  Twiste  van  der 
eyner  tidt  up  die  andern  verthogen  und  verbleff  also,  dat  men  ejnen  guden 
frnnde  dor  tho  bnikede ;  die  toch  na  den  fursten  . . .,  den  vertalde  do  die 
forste,  dat  die  officiall  . . .  van  Regensbergh  geschreven,  damp  he  do  dem 
fursten  verantwordt,  dat  sulchs  ock  tho  Munster  gesacht  werde;  dar  dann 
up  beslotten,  dat  die  sulfifte  vorth  van  stunden  an  mit  einer  credentz  ane 
dem  Twiste  gesant,  der  do  ock  dagk  und  nacht  reisede;  und  so  Twiste  he 
des  fursten  meinunge  entdeckede,  sande  de  zu  fnegen  an  Herdon  und  Sehen- 
ckinck,  dat  sie  den  negesten  folgende  morgen  solden  komen  up  einen  hoff 
in  dat  kerspell  van  einen  genant  de  Schulte  thom  Oldenhoeve,  und  bringen 
mit  sich  die  beiden  Wesselingk  und  eren  secretarium.  Do  die  dar  quemen, 
wort  gehandelt,-  doch  nicht  entlick  beslotten,  unde  wert  achte  dage  dar- 
nach wedder  eine  bikumst  up  densulvigen  hoff  bestemmet." 

')  Die  „Körte  antekunge**:  „Twist  nam  sick  an,  dat  he  dat  wolde 
bringen  an  den  fursten.    Do  nu  weder  von  dcnsolvigen   upt  lengeste  ver- 


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Anno  1541  acta.  917 

SeA  cum  antiqmtns  receptum  et  longo  nsn  confirmatnm  Msset, 
nt  in  gratiam  civis  alicuins  com  qnovis  etiam  militaris  ordinis 
Tiro  foris  extra  nrbem  controyersiam  habentis  porta  aliqna  nrbis 
noctnmo  tempore  ad  persequendnm  bestem  snnm  aperiretar, 
Twistins  hone  articnlam  civitati  mnltas  ob  cansas  non  esse  per- 
mittendnm  contendit.  Weslingi  animadvertentes  Twistium  am- 
pliora  manera  habendi  desiderio  flagrare  — ,  qnod  cnm  senatori- 
l3ns  enunciassent,  consiUo  snbito  inito  pro  qnadringentis  prios 
^ddictis  decemnntur  illi  quingenti  floreni.  Quod  cum  Twistio 
"Weslingi  nomine  senatus  clancnlum  indicarent  et,  nt  negotio 
iaveret,  obsecrarent,  ipse  capite  more  sno  nutans  se  et  bombar- 
dam  bene  promemisse  afBrmat,  qnae  etiam  illi  re  iam  trans- 
ikcta  nna  cum  pecuniis  dono   mittitur^    Princeps  ergo  remisso 


'handelt,  wort  die  affscheit  genommen,  dat  he  wedder  wolde  an  den  forsten 
trecken  und  eyn  entlieh  boscheit  thoschriven,  welcher  sich  ock  vertogh, 
^nd  men  sich  hir  besorgede,  dat  die  handel  uithbrecken  werde;  begerden 
^e  nnderhandelers  Yon  den  doctor,  dat  he  .wolde  an  den  hoffmeister  Fre- 
«derich  van  Twiste  schriven,  dat  die  sake  möge  geendiget  werden.  Nu  wort  * 
in  den  solfften  schrifften  viel  bewegen,  wat  nnrath  uiTs  der  verstreckunge 
«rwachssen  konde,  und  wort  diese  breff  geschreven  den  godensdag  nach 
JSzaudi  ...  Defs  kroch  do  die  doctor  eyn  schrifftlich  antwordt  alsuss  In- 
«dende,  dat  etliche  perssonen  des  rades  solden  den  mandach  in  den  Pinzten 
•den  vormiddack  komen  tho  Rengerinck  in  dat  kloster,  bringen  mit  sich  die 
•beiden  Wesselinck.  Defs  togen  dar  hen  her  Willebrant  Plonies  borgemeister, 
Berent  van  der  Tynnen,  Hermann  Schenckinck,  Johann  Bisspinck,  Hermann 
Heerde,  Gerdt  Averhagen  und  noch  etliche  mehr.  Da  wort  nu  dar  thor 
^tede  in  der  saken  dapperliken  gehandelt,  und  underhendelers  weren  tuschen 
«den  fursten  und  raide  die  beiden  Wesselinck." 

0  Die  „Körte  antekunge**:  „Do  mangelde  die  sake  mjt  ejnem  ar- 
-tikell,  des  men  sich  nicht  vergelichen  konde,  dar  oick  Twiste  grothe  bo- 
swemiss  aver  makede,  welcher  artikell  wass  doesse,  dat  men  de  rechtig- 
keit  und  oelden  gebruick  in  der  stadt  Munster  bessher  gehatt  hedde,  wann 
•eyner  van  den  bürgern  defs  mit  jemandt  buthen  der  stadt  Munster  tho 
•donende  hedde,  he  were  dann  van  der  ridderschafft  offte  anderss,  den  plege 
man  oick  by  nachten  eyne  porten  tho  oppenen  tegen  sine  viande.  Als  dat 
nu  nicht  werden  wolde,  sachten  die  beiden  Wesselinck:  Summa,  hie  will 
mehr  hebben.  Dar  wort  do  beslotten,  men  soelle  ine  baven  die  verhundert 
«ynhundert  gülden  geven.  Do  nu  datsulvige  ine  von  den  Wesselingen  wort 
angesacht,  wenckede  na  siner  wise  mit  den  hovede  und  sachte,  he  egcde 
ock  wall  ein  stucke  geschuts;  oick  wass  men  dat  willich,  und  da  waer  ime 
do  ein  valkeneth  gefoirth,  welcher  dat  sniderampt  hadde  wandages  laoten 


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918  Anno  1541  acta. 

snperiori  iureiurando  omnia  privilegia,  inra,  libertates,  mores^ 
(6.  Aag.)  consuetudines  habitas  antiqnitus  non  tantom  senatui  reddit» 
yerum  etiam  civltatem  nniversam  cnm  omnibns  civibns  in  pri- 
stinnm  statnm  plenissime  restitnit,  sed  curias  opificnm,  vnlgo 
gyldas,  eammqne  conveDticula,  nnde  omnia  in  nrbem  Monasteri- 
ensem  mala  primnm  proflaxerint,  nnllo  modo  se  latomm  \  Prae- 
cipit  insnper  senatni,  nt  intra  annnm  leges,  statata  et  plebiscita 
*p.  656.  anti^qoitns  usurpata  ad  pristinmn  asnm  revocet  novaqae  iura 
in  civilis  libertatis  et  emolumenti  angmentnm  condat  eaqae 
omnia  agat  intra  sna  moenia,  qnae  sine  inris  alieni  strage  snam 


geten,  dan  die  snider  scher  stonde  dar  noch  up."  —  In  dankbarer  Aner- 
kennung der  Verdienste  Twist's  um  die  Wiedererlangung  der  alten  Privi- 
legien hat  die  Stadt  Münster  in  einer  Urkunde  Yom  9.  Juni  1542  (gedr. 
bei  J.  Nieser t:  U.-S.  I.  S.  290  ff.)  den  fürstlichen  Hofineister  und  dessen 
Erben  in  ihr  Bürgerrecht  und  ihren  Schutz  aufgenommen ;  wogegen  Fried- 
rieh  Yon  Twist  sich  für  sich  und  seine  Nachkommen  verpflichtet,  in  seiner 
Erbbehausung  keine  Feinde  Münsters  zu  dulden  oder  zu  schützen,  vielmehr 
soll  sein  Erbhaus  aUe  Zeit  ein  offenes  Haus  der  Stadt  Münster  sein,  damit 
diese  von  da  aus  ihre  Feinde  verfolgen  könne. 

^)  In  der  ^Körten  antekunge*'  heifst  es  nur  kurz:  ^Up  sodanige  ver- 
ehmnge  dede  der  hoeffineister  den  uithsprocke,  und  sine  f.  g.  gaff  jdem 
die  handt  und  scholt  ine  den  oelden  eidt  qwidt,  welchen  se  den  forstoi 
up  den  Brockhoff  voer  Monster  dein  mosten.  So  dat  gescheit,  gungen  di& 
ogen  aver  eyn  jderen.  Des  wort  der  loffliche  furste  oick  beweget,  dat  sine- 
f.  g.  kume  redden.^  —  Die  Restitntions-Urkunde  des  Bischofs  (Orig.  im 
Stedt-A.  M.  I.  Nr.  9,  Abdruck  bei  J.  Niesert:  Ü.-S.  I.  S.  314  ff.)  datiert 
vom  5.  August  1541.  Zwar  setzt  sie  die  Bürgermeister,  den  Rat  und  die 
sftmtlichen  Einwohner  Münsters  wieder  ein  „in  aUe  ihre  vorige  lofwirdige 
Privilegien,  herlicheiten,  auctoriteten,  übunge,  gepreuche  und  gerechtig- 
heiten,^  aber  es  bleiben  dabei  doch  noch  wesentliche  Beschränkungen  be- 
stehen. Abgesehen  davon,  dafs  «hinftarter  die  gilden  . . .  genzlich  abgescaft 
und  uffgehaben  sein  und  pleiben^  sollen,  wird  die  Gültigkeit  der  Wahl  der 
Batsmitglieder  von  der  Bestätigung  des  Bischofs  abh&ngig  gelassen.  Die 
Rechenschaftsberichte  der  einzelnen  Rats&mter  sollen  einmal  jährlich  in 
Gegenwart  bischöflicher  Räte  gegeben  werden;  u.  A.  m.  Die  Religion  be- 
langend soll  „binnen  Munster  kein  emeuwemnge  noch  endemnge  furge- 
nommen  noch  durch  den  rath  gestattet  werden  biss  zur  zeyt,  das  weither 
Yersehunge  oder  maifs  und  Ordnung  bey  dem  heiligen  Romischen  reyche 
angestalt  und  publicert  werden.^  —  Am  22.  August  1541  wird  dieser  Yer- 
trag  vom  Bischöfe  und  dem  Rate  noch  einmal  ausdrücklich  bekräftig 
(Orig.  im  StadtrA.  M.  I.  Nr.  10). 


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Anno  1541  acta.  919 

rempnblicam  meliorem  reddant;  se  ea  approbatnrnm  et  consi- 
gDatnram  K  Inde  tarn  achter  potatmn  est,  ut,  qnomodo  digressi 
faissent,  nescireDt.  ütrinqne  enim  erat  gaudinm ;  hos  munera  non 
contemnenda,  illos  vero  restitutio  privilegiorum  exhilaraverat  *. 

Post  aliquot  hebdomadas  Twistins  apnd  principem  effecit^ 
nt  senatui  arcem,  civilis  libertatis  repagalum  in  nrbe  extrüctum, 
demoliri  Uceret';  quod  cum  fieret,  civitatem  in  integrum  iam 
xestitntam  esse  patescit.  Qoae  res  mnltomm  invidiam  civitati 
non  faventinm  ita  excitat,  nt  penes  solam  principem  citra  ali- 
ornm  statnnm  assensnm  restituendi  auctoritatem  esse  negarent 
et  adversQS  restitutionem  illam  iam  factam  clancalnm  aliqaid 
molirentnr.  Proinde  princeps,  nt  ratum  snmn  decretnm  adversua 
qnoscunqne  persistat,  cum  civitate  Monasteriensi  et  reliquis  to- 
tius  dioecesis  oppidis  foedus  init,  illudque  signis  20.  Mail  anno 


^)  Darüber  besagt  die  Urkande  Nichts.  Doch  heilst  es  in  der  „Körten 
antekuDge'^:  „Nu  wort  den  borgemeistem  und  raides  freunden  by  die  resti- 
tution  befallen,  und  sie  laveden  oick  den  fursten,  dat  sie  soliden  eine  loff- 
like  pollicic  binnen  jars  instellen,  darmit  eindracht  and  borgliche  nehmnge 
in  der  stadt  angerichtet  und  erholden  worde;  datsulve  wolde  sine  f.  g. 
försiggelen.^ 

*)  Die  „Körte  antekunge**:  „und  also  ginck  men  vorth  tho  dissche 
Sitten,  dameffens  wort  dapper  gedruncken;  die  furste  sanck  mit  den  frunden 
und  makede  sich  ghuder  zier  und  uithermaten  frolich,  also  dat  men  kume 
wüste,  wo  sie  van  einander  gekomen  weren  . .  .** 

')  Ueber  die  Schleifung  der  Engelsburg  giebt  auch  die  „Körte  an- 
tekunge**  keine  genaue  Nachrichten.  Sie  meldet  nur:  „Uir  wer  nu  mit  in- 
thoteken,  wie  das  men  mit  den  blockhusem  gefaren,  dat  noch  staen  blef^ 
und  doerfte  die  radt  dat  nicht  affbrecken  laten  sunder  consent  und  willen 
des  fursten;  und  wie  Twisth  dat  ock  yertzog,  und  durch  wilche  dat  noch 
wart  verhandelt,  dat  eyn  erbar  raidt  eyn  schrifft  van  den  fursten  kregen, 
dat  men  dat  mochte  daell  brocken/  —  Bei  D.  Lilie  S.  262  heifst  es, 
dafs  der  Bischof  nach  Herstellung  der  Einigkeit  in  der  Stadt  „den  inwon- 
ners  genedeliken  vorgundt,  alle  blockhuser  umme  de  stadt  unde  dat  block- 
hues,  so  in  der  stadt  begunnen  to  timmeren,  to  der  Stades  besten  affto- 
brecken  unde  slicht  to  roaken.**  Herm.  Uamelmann  S.  1287  l&fst  die 
Engelsburg  „ex  decreto  imperii"  geschleift  werden.  Vgl.  auch  C.  Schele 
a.  a.  0.  S.  123,  der  berichtet:  „Senatus  vero  recepta  ab  episcopo  arce 
tjrannicum  quiddam  sapere  eam  et  onus  urbis  ratus  ac,  ne  populum  plus 
satis  contra  se  commotum  arce  retenta  magis  etiam  excitaret,  funditos 
everti  mandat" 


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920  Anno  1542—1550  acta. 

(ss/Son.)  ^^^^  ntrinque   confirmatur*.    Et  nt  firma  sit  haec  episcopalis 
privilegiorum  et  libertatnm   pristinamm   restitutio,    senatns  a 
s^MaiL    ^^^^^  Quinto  iroperatore  eins  confirmationem  8.  Mail  anno  1544 
impetrat  ■. 

Senatus,  nt  principis  mandato  satisfieret,  Franciscum  Wer- 
nenm,  cnriae  snae  amannensem,  ad  aliqnot  nrbes  iura,  plebiscita 
et  consuetudines  petitum  ablegat,  quibus  circumstantiamm  rar 
tione  temperamento  addito  in  sua  republica  uteretur.  £t  quamvis 
senatus  in  politicis  istis  legibus  scribendis  plurimum  eniti  et 
laborare  videretur,  nihil  tarnen  certi  conficitur,  sed  res  ob  dis- 
ceptationem  et  secessionem  patriciorum,  qui  plebeiorum  sta- 
tutis  se  noUe  constringi  contendebant,  in  annos  aliquot  differtur. 
Proinde  quidam,  qui  principali  restitutioni  superius  factae  inter- 
fuerant,  in  gratiam  civium  apud  principem  et  Twistium  de  con- 
scribendis  et  absolvendis  a  senatu  politicis  legibus  agunt;  ea 
enim  mora  civilem  libertatem  et  utilitatem  magno  civium  malo 
in  suspenso  teneri  et  procrastinari.  Horum  ergo  instinctu  prin- 
ceps  senatum  per  scripta,  ut  pactis  et  conventionibus  satisfaciat, 
aliquoties  admonet  et  urget;  et  nlsi  propediem  id  fiat,  se  sena- 

*p.  657.  torum  bona  arestis  intercipere  minatur^  Ideoque  senatus  *timore 


')  Der  Widerspruch  des  Domkapitels  und  der  Bitterschaft  gegen  den 
Yon  dem  Bischöfe  ohne  Zuziehnng  der  Landst&nde  mit  der  Stadt  geschlos- 
senen Vertrag  ist  auch  in  der  «Körten  antekange"*  mit  den  Worten  berührt, 
es  w&re  auch  anzuzeigen,  ^wie  dat  die  hofibneister  Twisth  van  capittell 
und  ritterschaft  bynnen  Munster  angelanget,  umb  der  restitution  bescheit 
toe  geven,  dar  dan  Diderich  van  Merfelde  bei  stnnt  und  derhalyen  In  nn- 
genade  kam,  alsoe  dat  ine  unse  g.  f.  und  her  dat  ampt  zur  Walbecke 
nemmen  wolde.'  —  Die  Urkunde,  mit  der  am  23.  Mftrz  1542  die  kleinen 
Städte  des  Stiftes  ^als  Munstersche  stent  genoten**  den  Vertrag  zwischen 
dem  Bischöfe  und  der  Stadt  Münster  „gentzlick  bewilligen,  bevolbarden, 
bestedigen  und  eynhelliger  wyse  ratificoren/  ist  abgedruckt  bei  J.  N  i  e  - 
sert  a.  a.  0.  S.  286  ff. 

>)  Abdruck  der  Urkunde  bei  J.  Niesert  a.  a.  0.  S.  313ff. 

')  Die  „Eorte  anteknnge":  „Defs  sande  ein  erbar  raidt  an  etliche 
stede  mester  Frantz,  ehren  secretarium,  sich  tho  erkunden,  jedoch  wert  dat 
van  den  ejnen  jar  in  das  ander  vertogen.  Ab  nu  dar  nicht  yan  wort,  fur- 
derden  daruff  etliche  luede  und  gude  frunde,  die  by  den  handel  gewest, 
ane  hoichgedachten  fursten  und  Twisthe,  umb  die  pollicie  antorichten  und 
den  fursten  tho  banden  (tho)  stellen;  oick  also,  dat  die  fnrste  yakenmaill 


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Anno  1551  acta.  921 

adductus  qnosdam  articulos  ad  mitigandnm  principem  conscribit 
conscriptosque  ipsi  exhibet  et  typis  excndit,  quorum  exemplaria 
in  paucorum  manus  devenemnt  ^  Et  cum  civilem  libertatem  et 
ntilitatem  incolarnm  non  tarn  angere  quam  minnere  putarentnr, 
nt  praefecti  cnriamm  principi  qaemntnr,  brevi  interciderant. 
Postea  senatus  ipse  ea,  qnae  de  opificum  cnriis  in  politicis  le- 


ane  den  raith  darumb  schreff  und  oick  sich  vememen  leith,  dat  he  wolde 
des  raides  erre  nnd  ghoider  lathen  thoslaen.  So  sie  et  yernemen,  doe  leten 
yerfaten  ein  erbar  raidt  etliche  artickell  in  schrifiFt  und  brachten  den  herren 
fnr,  also  dat  die  furste  darmeddc  zufiredden  gestelt  werden  solle,  und  wolden 
oick  Yorth  die  rede  maken  und  den  fursten  thostellen.  Dan  wn  dar  van 
gesacht  worden,  die  raidt  konden  sich  dess  under  ejnander  nicht  vergliken, 
so  dat  die  erffmanns  und  borger  sich  der  pollicie  halven  under  einander 
nicht  konden  verdregen,  dann  es  dar  bj  biestan  bleff.**  Die  hier  ange- 
deuteten, von  Eerss.  unerwähnt  gelassenen  Artikel  sind  wohl  identisch  mit 
der  „Ordenunge  und  reformation,  de  ingesettene  bürgere  und  amtzverwanten 
int  gemeine  betreffen,"  die  aus  den  Akten  des  Stadt-A.  M.  abgedruckt  sind 
von  B.  Erumbholtz:  Gewerbe  Münsters  (in  den  „Publikationen  aus  den 
Kgl.  Preufs.  Staatsarchiven"  [Leipzig  1898]  S.  60  ff.).  Die  Artikel  geben 
„trotz  der  allgemein  gehaltenen  Ueberschrift  nur  Bestimmungen  für  die 
Aemter." 

')  Die  „Eorte  antekunge":  „Do  bestnndt  die  furste  tho  furderen  umb 
die  gelavede  pollicie  und  was  in  meinimge  wie  furhen,  der  raidtshem  gnder 
thothoslaen.  Do  leith  die  raidt  etliche  articulos  der  policien  belangende 
prenthen,  die  doch  in  weinich  lüde  bände  komen  und  balde  wer  verlaren 
worden,  dar  oept  stoende  V.  D.  M.  J.  Ae."  —  Der  Druck  liegt  uns  vor  in 
der  „^ftbnttng  utinb  poEicen  !l  btv  ji^tabt  VännfUv  \f'  (ein  Exemplar  des 
Originaldruckes  in  der  Bibliothek  des  St.-A.  M.  Nr.  14  944;  teilweiser  Neu- 
druck bei  B.  Erumbholtz  a.  a.  0.  S.  74ff.)>  Der  Druck  ist  undatiert. 
Auf  dem  Titelblatte  befindet  sich  das  Münstersche  Stadtwappen,  darüber 
ein  Schriftband  mit  den  Buchstaben  Y.  D.  M.  J.  £.  (Yerbum  Dei  Manet  In 
Etemum).  Die  Akten  des  Stadt-A.  M.  (s.  B.  Erumbholtz  a.  a.  0.  S.  72  f.) 
ergeben,  dafs  der  Bischof  am  23.  Sept.  1550  den  Bat  Münsters  ernstlich 
ermahnte,  in  l&ngstens  zwei  Monaten  eine  nicht  nur  für  die  Aemter,  son- 
dern für  alle  Bürger  und  Einwohner  der  Stadt  verbindliche  Polizeiordnimg 
aufzurichten,  und  dafs  er  den  Termin  zur  Einreichnng  derselben  auf  Bitten 
des  Bates  am  16.  Dezember  1550  um  einen  Monat  verlängerte.  Die  in  fünf 
Quartbogen  gedruckt  vorliegende  Polizeiordnung  stammt  also  aus  dem  Jahre 
1551  (wohl  aus  dem  Anfange  desselben).  Bestätigt  wird  das  durch  folgende 
Notiz  in  der  Bechnung  des  Grutamtes  für  das  Jahr  1&5L  (Stadt-A.  M.; 
leider  ist  kein  Tagesdatom  beigefügt):  „Item  gegeven  Mester  God- 
dert  Tzwyvell  voer  100  ordenunge  eder  policyen  to  drucken, 
ider  van  5  quaternen,  is  8  daler,  facit  14  Mrk  9  ^* 


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922  Anno  1552  acta. 

gibns  scripserat,  commatavit.  Animadvertit  enim  priori  modo 
se  tranqnillnm  reipublicae  statnin  non  posse  conservare.  Distiiudt 
ergo  opificnm  corias  et  singulis  daos  yiros  praefecit,  qni  non 
cnriis  sais,  sed  senatni  iurati  essent,  ita  ut  penes  senatum  omne 
ins  cnriamm  esset  et  mnlctas  transgressionis  nomine  extortas 
sibi  vindicaret.  Timebat  enim,  ne  hac  distinctione  cnriamm  et 
indnlgentia  üs  permissa  prinpipem  offendat,  qni  cnrias  sen  gjldas 
prorsns  abolitas  et  nnnqnam  restitnendas  esse  volnit.  Qnare  le- 
gati  ad  principem  mittnntnr,  qni  senatorii  facti  assensnm  im- 
petrabant  \ 

Hoc  cnm  senatns  convocatis  cnriamm  praefectis  magnifica 
oratione  commemorasset,  qnam  si  rem  snmme  necessariam  et 
cnriis  ntilem  impetrasset,  omnee  tacent,  qno  sibi  id  minime 
placere  significant.  ünns  itaqne  e  senatn  in  Lndgemm  Mnm- 
minm  acriter  invehitnr,  cur  nnnc  lingnam  instar  mntae  ovis  in 
ore  teneat?  cnr  ea  nnnc,  nt  alias,  non  ntatnr?  cur  nnnc  taceat? 
Qnibns  verbis  ille  attonitns  et  constematns  domnm  recedit  et 
snbito  morbo  correptns  intra  dies  pancos  extinctns  est*.    Qnae 


^)  Die  „Eorte  anteknnge'':  „Als  na  oick  etliche  articoli  in  der  resti- 
tution  mit  den  ampten  verändert  werden,  want  ejn  crbar  raidt  sach,  dat 
men  mit  sodaner  restitation  dat  regiment  der  Stadt  nicht  erholden  mochte, 
makede  die  raith  für  erste  wederomb  underscheit  der  ampter;  sufs  mochte 
jderman  maken,  kopen,  verkopen,  was  eyne  belavedc  und  betalen  konnde. 
Des  stalte  die  raidt  jderen  ampte  twe  furwesers,  die  solden  voer  den  raide 
jarliches  reckenschop  halten,  solden  oick  ghine  biekompst  maken,  sonder 
alleine  mit  des  rades  willen,  und  solde  oick  der  ampter  bodde  den  raide 
geschworen  sin.  Jdoch  befrachtede  sick  die  raidt,  disse  puncto  den  amp- 
tem  thotholaten  sunder  wettent  und  consent  des  fursten,  nach  den  mall 
in  der  restitution  was  klarlich  uifsgedrucket,  dafs  nunmiermer  solden  gilde 
wedder  gestadet  offte  togelaten  werden.**  (Am  Rande :  „we  ein  radt  begert 
hadde,  unde  nicht  der  forst**).  „Derhalven  togen  etliche  des  rades  nach 
den  fursten  na  Iburgk  . . .  und  erlangeden  dar  van  den  fursten  sjn  consent 
und  bewilligunge,  die  inn  oick  beseggelt  wert**  Die  Bewilligung  des  Bi- 
schofs vom  17.  Nov.  1552,  in  der  einige  Yorschl&ge  des  Rates  dieAemter 
betreffend  wörtlich  angeführt  werden,  ist  abgedruckt  bei  R.  Krumb  hol ts 
B.a.0.  S.  77  ff: 

')  Die  „Eorte  antekunge**:  „Und  als  nu  die  bewilligunge  des  forsten 
weder  an  den  raidt  gebracht,  worden  die  furstender  der  gilden  dar  by  ge- 
daget  So  men  nu  des  fursten  bewilligunge  mit  eyner  groeter  und  langer 
protestation  entdecket,  der  hapinge  und  thoversicht,  dat  die  vorwesere  der 


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Anno  1552  et  1553  acta.  923 

res  praefectos  cnriamm  sen  gyldanim  ita  commovit,  ut  in  die 
Stephani  Protomartyris  anno  1553*  ad  summnm  templum  in  g«^  b!». 
antiqno  choro  a  meridie  convenirent  ac  de  perfecta  ac  omnibus 
nnmeris  absoluta  privilegiormn  antiqnoram  recuperatione  inter 
se  corsultarent.  Placnit  tandem  die  Lnnae  post  Triam  ßegnm, 
quae  fait  9.  lanuarii,  supplicibus  scriptis  pro  restitntione  pristi-  jj/^^^ 
narnm  libertatum  senatum  adoriri,  cum  intellexissent  non  solom 
senatum,  verum  etiam  totam  civitatem  et  cives  omnes  in  pri- 
stinum  statum  a  principe  restitutos  esse,  sed  a  senatu  eam  liber- 
tatem  supprimi.  Fuit  autem  supplicationis  sententia^:  Cum  anno 
1534  anabaptismus  in  urbe  invaluerit  atque  ita  divina  pariter 
et  humana  contaminaverit,  ita  summa  imis  et  ima  summis  mis- 


ampte  dess  solden  hoich  erfrenwet  sin  worden  nnd  den  raide  für  ehren  an- 
gewanten  fljth  und  geworvene  frieheit  . . .  gedancket  hebben,  —  als  sie  na 
alle  dar  stille  toe  swegen,  heff  ejne  van  den  raide  nfif^  nemptlich  Herman 
Herde,  burgemeister,  und  sachte:  »Wie  staht  gy  und  halden  die  tunge  in 
den  munde  als  schapff?  Könne  gy  nicht  sprecken?**  mit  meheren  scharpen 
honischen  worden.  Defs  dan  eyner,  genant  Logert  Mumme,  wort  erschrocken» 
ginck  tho  huifs,  wort  kranck,  starfF  kort  darnach.^ 

»)  d.  h.  am  26.  Dezember  1552.    Vgl.  oben  S.  341  Anm.  1. 

')  Die  i,Eorte  anteknnge"  hat  zunächst  die  Notiz,  dafs  ein  Bürger 
Otto  von  Calcar,  ein  Krämer,  und  Joh.  Wesseling  auf  Bitten  einiger  Amts- 
vorsteher es  übernahmen,  bei  dem  Bischöfe  dafür  einzutreten,  dafs  auch 
die  Aemtcr  ihre  alten  Freiheiten  wiedererlangten.  Dann  heifst  es  weiter: 
„üp  sodane  und  andere  bodenckunge  queimen  die  furwesers  aller  ampter 
by  einander  up  Sunte  Stephani  dagh  in  den  doeme  up  den  olden  köre  den 
nachmiddagh  up  12  slagh  und  beslotten  dar  eyndrechtlichen,  dat  sie  wolden 
supplicieren  ane  den  erbaren  raidt . . .  Doeses  nu  alsoe  gescheen,  und  hebben 
de  gemeinen  voerweser  o£fte  mesterluithe  eynen  supplication  ingestalt  und 
einen  erbaren  raidt  oberreckent  up  den  gruthuifs  . . .  den  mandach  na  der 
hilligen  drey  Konningen  im  jar  53,  welcher  inholt  deren  supplication  was, 
dafs  sie  begerden  van  einen  erbaren  raidt  ere  olde  borgeliche  frieheit  tho 
behoff  deren  gemeinen  ampten  und  ganfse  gemeinheit;  nachdem  sie,  die 
raet,  van  den  forsten  weren  restitueret,  dar  wer  an  thwivell  die  gemeinheit 
nicht  buten  vergetten;  dafs  sie  samt  den  gemeinen  ampten  also  in  den 
egendoem  solden  bliven,  wer  em  swerlichen  tho  gedolden;  mit  meren  an- 
hangende bedde  etc/  —  Die  hier  charakterisierte  Bittschrift  ist  vom  7. 
Januar  1553  datiert.  Kerss.  giebt  sie  im  Folgenden  in  sinngetreuem  Aus- 
züge wieder.  Der  Hauptinhalt  derselben  ist  mit  Weglassung  der  langen, 
einleitenden  Darstellungen  aus  dem  Orig.  im  Stadt-A.  M.  abgedruckt  von 
B.  Erumbholtz  a.  a.  0.  S.  81. 


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924  Anno  1553  acta. 

cnerit,  nt  nihil  sibi  tutmn  in  nrbe  esse,  sed  omnia  ad  mani- 
festam  vim  et  ad  arma  spectare,  omnia  caedibos  et  rapinis  intra 
moenia  fervere  animadverterint,  ideo  qnosdam  snonun  iasto  rnetn 
*p.  658.  *  adactos  sponte  sna  nrbe  excessisse,  qnosdam  etiam  ab  ipsis 
sectariis  omnibns  bonis,  patria,  nxoribns  et  liberis  carissimis 
orbatos  in  Inctnosnm  exilinm  invitos  exactos  miseram  vitam  foris 
egisse,  principi  opem  adversns  violentos  oppidi  detentores  tnlisse, 
in  fide  et  inrisinrandi  religione  semper  permansisse  obsidionis- 
qne  finem  expectasse;  principem  vero,  ne  insontes  nocentimn 
poenis  implicentnr,  miseria  et  calamitate  civinm  commotnm 
omnium  privilegiornm  libertatnmqne  pristinamm  post  recnpera- 
tionem  nrbis  restitntionem  integram  non  solnm  Hiltropiae  et 
Orevoniae,  vemm  etiam  Telgeti  ex  singnlari  gratia  addixisse; 
qnod  promissnm  principem  sine  dnbio  iamdndnm  praestitisse  con- 
fidant,  sicnt  etiam  a  qnibnsdam  non  infimis  senatorii  ordinis  viris 
snperioribns  annis  acceperint,  qnod  tamen  hncnsqne  nan^  sine 
magno  civinm  incommodo  dilatnm  sit.  Qnare  se  propter  Denm 
et  pnblicnm  bonnm,  qnod  promovere  nnnqnam  destiterint,  ob- 
secrare,  nt  senatns  antiqna  privUegia  et  libertates  ciyinm,  si  a 
principis  indnlgentia  receperit,  sibi  restitnat.  Qnod  si  precibns 
nllis  illnd  conseqni  qneant,  se  obedientia,  obseqnio  et  qaovis 
officio  sponte  sna  libenter  promeritnros.  Se  tamen  benignnm  et 
Clemens  senatns  responsnm,  qnid  homm  factnms  sit,  exoptare. 
ßespondet  senatns  in  sna  potestate  non  esse,  sine  prin- 
cipis scitn  et  permissn  propter  praestitnm  a  se  insinrandnm  pIns 
civibns  restitnere,  qnam  factum  sit.  Si  vero  qnid  a  principe 
impetrare  possint,  se  ferre  posse^.    Eine  praefecti  cnriarnm  eo 

<")  fOdt  im  Ms. 


^)  Die  „Eorte  antekunge**:  „Damp  nn  eyn  raidt  ere  bedenckent  ge- 
noemen,  die  gemeinen  vorweseren  Toer  sich  weder  bescheiden  and  en  den 
bericht  dorch  ehren  sindico  doctor  Cristianas  yan  der  Wick  gegeben:  das 
befremt  eyn  erbar  raidt  nicht  weinich,  daüs  die  gemeinen  ampte  yerweseren 
en  mit  den  gennen  bemoiden,  des  in  erer  macht  nicht  en  were.  Sie  hedden 
eine  restitution  von  den  forsten  mit  einer  approbation  yan  Römischer 
Kaiseiich  Maiestat  mit  groeter  swarheit  erlanget,  in  weicheren  sie  nicht 
mehr  hedden  können  erlangen,  dan  sie  erlanget  hedden;  sie  en  woesten 
oick  nicht  mehr  tho  erlangen.  Dan  können  die  amptes  Toerweseren  wes 
Widers  erlangen,   als  die  radt  erlanget  hedde,   das  können  sie  woll  lyden. 


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Anno  1553  acta.  925 

responso  non  satiati  die  lovis  post  Antonii,  quae  fuit  19.  lanaarii,  i9.^Jaiu 
de  eadem  re  senatni  iternm  supplicant;  se  enim  principi  ob  va- 
rias  cansas  et  contentiones  inde  forte  ortnras  molestos  non  fore. 
Si  vero  a  senatn  exactam  libertatnm  restitntionem  nunc  conseqni 
non  possint,  articnlis  saltem  snbseqnentibus  in  gratiam  cnriaram 
snam  anctoritatem  ad  plebem  mitigandam  et  a  motu  coercen- 
dum  interponant '.  Primum,  nt  permittente  senatn  opificum"cn- 
riae  libere,  cnm  volent,  conveniant;  ut  ratio  accepti  et  expensi 
in  cnriis  coram  praefectis  suis,  et  non  senatn  fiat;  nt  ministri^ 
qnos  nnncios  vocant,  suis  cnriis,  non  senatni  inrati  sint;  nt 
curiarnm  praefecti  non  a  senatn,  sed  a  cnriis  suis  eligantnr ;  nt 
dnnmviri  ab  omnibns  opificnm  cnriis  designentnr,  qni,  qno*ties  *p.  659. 
opus  Sit,  cansas  suas  in  senatn  agant;  nt  singulae  cnriae  aedes 
snas  volnntate  sna  non   abalienatas   recnperent;    ut  cuiuslibet 


Dan  dass  die  raidt  dartho  helpen  soldc,  das  were  eren  ejden  und  plichten 
tho  nadell;  mit  meren  worden  etc." 

')  Ausführliche^  berichtet  die  „Körte  anteknnge**:  „Wie  nu  die  sempt- 
lichen  Verwesers  sagen,  dafs  sie  keine  andere  vertrostinge  van  den  raidt 
können  erlangen,  werden  sie  gans  bedrovet,  des  befrochtens  eynes  uprorers 
manck  die  gemeine  borgerschafft.  Dan  sie  woesten  wal,  dafs  der  bisschop 
. . .  en  geneget  was  und  wolde,  dafs  der  raidt  den  borger  ehre  gerechticheit 
weder  solde  laten  thokomen;  und  der  raidt,  die  was  dar  gans  thogegen, 
darnmb  dafs  sie  also  den  erffraidt  wolden  beholden  in  vollmacht  und  das 
gehoir  alleine  by  sich  hebben;  ja,  das  noch  mer  wer,  so  hadden  sie  sich 
danip  in  dem  rade  mit  eden  verstricket,  dafs  sie  nicht  solden  noch  wolden 
genegen  radt  dat  offte  volbort  dar  toe  geven,  dafs  die  ampte  offte  ghilde 
solden  weder  ingestalt  offte  angericht  werden  nummer,  in  keinen  tjden. 
Alsoe  vergciten  die  guden  hem  ehre  borgeliche  frieheit  in  verswaeren  der 
frieheit,  die  sie  uith  ehre  moeder  borsten  gesagen  hadde.  Dar  was  Her- 
man  Heerde  der  voergenger  van  ..."  Dann  wird  erzählt,  dafs  Gerhard 
Oswalt  und  Johann  tom  Brincke  mit  Hermann  Heerde  „allerley"  berat- 
schlagten, um  zum  friedlichen  Ausgleich  zu  gelangen.  Als  dem  Bürger- 
meister auf  sein  Begehren  die  Forderungen  der  Aemter  bekannt  gegeben 
wurden,  riet  er,  „men  solde  noch  ejne  supplication  instellen  und  die  ar- 
tickeis  wise  voerfaten  und  die  den  rade  overgeven  . . .  Gingen  die  beiden 
weder  van  Herman  Heerden  mit  fireuwden  und  menden,  all  dinck  wer  wall 
uithgerichtet.  Dan  dar  was  eyne  dicke  doer  voer  dat  herte,  dar  konn  men 
nicht  inseen.  Nu  waert  nachfolgende  supplication  ingestalt  und  den  raede 
averantwort  . .  .**  Dann  folgt  die  Bittschrift  der  Aemter  vom  18.  Januar 
1553  (abgedr.  nach  dem  Orig.  im  Stadt-A.  M.  von  B.  Krumb  ho  Itz  a.a.O. 
S.  82)  in  ihrem  Wortlaute.    Kerss.  giebt  sie  sinngetreu  wieder. 


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926  Anno  1553  acta. 

curiae  praefectus  in  sna  curia  iubendi  vetandique  auctoritatem 
habeat.  Haec,  cum  non  iniqna  postnlata  esse  videantur,  a  senatu 
etiam  non  consnlto  principe  perraitti  posse  se  non  dubitare. 
Qnare  super  bis  se  Clemens  responsum  maturrime  efflagitare, 
quo  plebi  hac  vice  gratificentur.  Se  vicissim  ad  quaevis  officia 
fore  paratissimos. 

Haec  scripta  per  Gerbardum  Vernbeiden  cognomento  Os- 
walt,  aurifabrum,  et  loannem  tom  Brincke,  sutorem,  viros  lin- 
guae  beneficio  non  incelebres,  ad  consulem  Hermannum  Heerden 
omnium  curiarum  nomine  perferuntur.  His  a  senatu  lectis  20. 
:M.  Jan.  lanuarii  sie  responsum  estM  Cum  senatus  ex  oblatis  articulis 
diligenter  pensatis  deprehenderit  et  cognoverit  ita  eos  esse  dis- 
positos,  ut  senatui  propter  interpositum  iusiurandum,  quo  prin- 
cipi  super  restitutione  impetrata  sit  obstrictus,  minime  eos  ap- 
probare  neque  iis  citra  infamiae  notam  auctoritatem  suam  inter- 
ponere  sibi  liceat,  senatus  etiam  sibi  boc  persuadet  praefectos 
curiarum  se  adversus  pactiones  suas  et  iusiurandum  non  degra- 
vaturos,  nedum  ab  eo  postulaturos,  quod  in  sua  non  sit  pote- 
State.  Si  vero  opificum  curiae  aut  eorum  praefecti  aliquid  am- 
plius,  quam  senatus  bucusque  praestitit,  apud  principem  in  suum 
commodum  efficere  et  impetrare  possint,  senatum  id  ferre  posse, 
si  iuramentum  sibi  remittatur  honorisque  integritas  et  existi- 
matio  sibi  maneat  salva.  Vult  etiam  senatus  hoc  response  prae- 
fectos curiarum  et  quoslibet  quam  diligentissime  admonit^s  esse, 
ut  quisque  suae  fidei  et  iurisiurandi  memor  in  hac  causa  hoc 
agat,  ne  inde  alia  incommoda,  molestiae,  pericula  et  clades  se- 
natui aut  quibuslibet  huius  urbis  emergant  incolis*. 


*)  Die  „Körte  aotekunge":  „Den  anderen  dach,  den  donderdach  nach 
Antonii"  (19.  Jan.)  „waes  Herman  Heerde  den  naemiddach  tho  3  siegen 
in  sancto  Lamberti  kerchen,  und  waren  mit  en  van  rades  wegen  Berent 
7an  Oesen,  Herman  Ossenbmgk,  Johan  Grutter,  und  hadden  eyn  scbrifft- 
lich  antwordt  ap  eeren  supplication  van  den  raede  und  sanden  bodden,  bj 
se  toe  komen  M.  Gerdt  Ofswaldt,  Johan  thom  Brincke.  Die  nemen  mit 
sich  Berent  Huige.  Als  die  nu  bie  sie  quemen,  hedden  sich  yerhopet  eynes 
frontlichen  und  trostlichen  antwordt.  See  wort  em  die  vorgelesen  dorch 
eeren  secretarien  wie  folget.* 

*)  Die  „Körte  antekunge":  „Dat  antworth:  Dewile  eyn  raidt  uife 
Terlesimge  und  fliüger  erwegunge  der  vorgebrachten  artickell  befunden  und 


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Anno  1553  acta.  927 

Ex  hoc  senatus  response  et  commiDationis  appendice  cu- 
Tiamm  praefecti  sibi  captivitates  et  extrema  pericula  esse  me- 
tuenda  imagiDantnr;  ideoque  omnes  opificnm  cnrias  in  coeno- 
binm  Minoritaram  amplissimam  die  26.  lanuarii  coDYOcant  atque  nu  Jan. 
ibi  se  omnes  inreinrando  solenniter  et  arctissime  devinciunt  se 
senatas  vim  adversQS  etiam  infimum  in  cnriis  huius  saltem 
cansae  nomine  intentam  et  bonorum  dispendio  et  vitae  periculo 
acerrime  vindicaturos'.     Hac  coniuratio*ne  facta  securius,  con-^p.  660. 


Termercken,  dat  diesulven  also  gostalt  sien,  dat  dem  raide  in  betrachtunge 
irer  plichte  und  eide,  damit  sie  unseren  guedigen  landtfursten  up  die  er- 
halden  restitution  verwant  sin,  nicht  getemmen  will  noch  oick  mechtich 
fiien,  sulchs  tho  verwilligen,  so  will  sich  oick  eyn  raidt  gentzlich  versehen, 
die  verordenten  amptesvorwesere  werden  hiraver  den  raidt  weder  irer  plichte 
und  eide  nicht  beschweren,  dann  vilweiniger  zust  desjenigen  an  sie  gesin- 
nen,  des  in  irer  macht  nicht  gelegen  yst.  Dar  averst  die  gemeinen  ampter 
oder  ambtzvorwesere  wes  widers,  dan  ein  rath  besher  hefift  können,  zu 
iren  und  irer  ampter  besten  und  nutze  by  hoichgedachten  fursten  erlangen 
konnden,  sulchs  hcdde  oick  ein  erbar  raidt  woll  toe  erliden,  so  ferne  sie 
in  dan  ires  eidtz  verlaten  und  deshalben  unverletzt  bliven  mochten."  Herrn. 
Heerde  fugte  dieser  verlesenen  Antwort  noch  die  Mitteilung  hinzu,  dafs 
der  Rat  die  Bittschrift  klagend  vor  den  grade  in  Münster  versammelten 
Landtag  gebracht  habe,  und  dafs  die  Stände  dem  Kate  im  Notfalle  ihre 
Hülfe  zugesagt  und  ihn  darin  bestärkt  hätten,  er  solle  „der  gemein  nicht 
wider  firieheit  laeten  toe  koemen,  dan  se  rede  bekomen  hedden.**  Wenn  die 
Aemter  von  ihren  Forderungen  nicht  abliefsen,  so  gedächte  man  an  ihnen 
„alle  schaden,  onlust,  so  daer  ut  enstande,  tho  verbalen.^  Die  „Körte  an- 
tekunge**  fügt  dann  noch  eine  längere  Entgegnung  G.  Oswalt^s  bei,  der 
auch  die  Beschlüsse  des  Tages  zu  Worms  im  November  IbSb  berührt. 

')  Die  „Körte  antckunge":  „Dar  up  die  3  verordente  froenden  die 
semptliche  amptesvoerweseren  offte  mesterluithe  by  den  anderen  haeben 
laeten  koemen  yn  den  Mynder  Broder  kloster  und  ehm  des  antwordes  . . . 
toe  erkennen  gegeven  . .,  des  sich  der  semptlich  voerweseren  nicht  ge- 
nochsam  hebben  konnden  verwonderen  . . .  Dar  ut  nu  die  semptlichen  voer- 
weseren sint  verorsaket  umb  aller  faer  willen  und  hebben  eynen  verbunte- 
nisse  under  einander  mit  den  semptliche  alle  gemeine  ampte  gemaeket  und 
hebben  alle  die  16  ampte  ...  sich  in  den  vorg.  kloester  komen  laeten, 
aldaer  eyne  verbuntenisse  mit  einander  gemaket,  wie  folget  . . .:  Nachdem 
dafs  die  gemeine  ampte  und  semptliche  borgerschaff  genochsam  bewoest, 
wie  und  was  gestalt  die  gemeine  mesterluithe  mit  eynen  erbaren  raidt  in 
allerhande  underhandelunge  ehre  voerringe  borgelichen  fryheit  halben  weren; 
—  deweil  dan  allerley  misverstant  vorfelle,  soe  wolde  men  den  gemeinen 
amptes  verwanten  by  eren  borger  ede  ingebunden  und  befallen  hebben,  dat 


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928  AnDO  1553  acta. 

fidentins  et  andacins  rei  iam  conficiendae   insistnnt  et  tertiam 
80.  Jan.  snpplicationem  30.  lannarii  senatni  offenmt,  cuins  hie  fere  sensus 
est ' :  Cnm  inter  senatnm  et  se  recnperandoram  privilegiomm  ac 
civilis  libertatis  reddendae  causa  aliqnandin  contentio  fherit  ei 
in  superiori  snpplicatione  aliquot  voces  expositae  sint»  qaae  se- 
natum  forte  offenderint  et  exasperaverint,    quae  ita  inteUectae, 
quasi  curiae   pluribus    novationibus   senatum  in  posterum  sint 
molestaturae  *  —  ad  quod  respondeant  Deum  novisse,  quod  nihil 
adversus  principem  et  senatum  moliantur,  nihil,  nisi  quod  pacem, 
tranquillitatem  et  amicitiam  inter  senatum  et  cives  pariat  eam- 
que  quam  diutissime  conservet,  agitent.   Non  nova  et  inusitata, 
sed  yetera  et  usitatissima  poscant.    Si  vero  quid  iudicio  senatus 
in  superiori  supplicatione  et  insertis  articulis  deprehensum  fuerit, 
quod  iniquum,  iniustum  et  non  ferendum  esse  existimaverit,  se 
iudicio  sui  magistratus  submissuros  atque  illud,    quod  aequitas 
et  honestas   exegerit,    libenter  facturos.     Sed  se  efflagitare,  ut 
senatus  suo  iudicio  declaret,  qaos  articulos  admittendos  aut  reii- 
ciendos  esse  censeat,  ut  finita  tandem  controversia  et  contentione 
tranquillitas  in  eins  locum  succedat,  coalescat  et  perpetuo  con- 
servetur.  Obnixe  se  quoque  rogare,  ut  haue  causam  ad  animum 
revocet  melioriqie  mentis  parte  varia  incommoda  hinc  emersura 
pertractet,  articulos  praedictos,  quos  aequitati  et  publicae  utili- 
tati  non  adversari  existiment,    admittat   principisque   assensum 


de  sich  kejnes  dynges  wollen  annemen,  dan  dat  sich  ejn  idtlicher  wolde 
fredtlich  und  stille  halden.  Dan  doe  es  sich  woerde  toedragen  . . . ,  das 
einer  eder  mehr  van  den  voerwesttr  eder  sanst  eynigen  borger  gefangen 
eder  sunst  in  schaden  koemen  der  voerdinge  halben,  des  wer  dan  bynnen 
edder  buten  Monster,  dafs  sie  dar  alle  wolden  band  bj  halten  and  den 
schadeloes  toe  halden,  and  eync  by  den  anderen  apsetzen  liff,  gadt  und 
bloet,  and  in  den  feilen  eynen  den  anderen  nicht  toe  verlsten;  dat  moeste 
eyn  ider  voer  synen  person  seinen  gildemesteren  daer  die  handt  ap  duen 
and  sich  der  maeten  Yoerplichten.** 

*)  Von  dieser  dritten  Bittschrift  der  Aemter  berichtet  die  „Körte 
antekange^  nicht.  Eerss.  hat  den  Wortlaut  vor  sich  gehabt  and  getreu 
den  Sinn  wiedergegeben.  Abgedruckt  ist  sie  aus  dem  Orig.  im  Stadt-A.  M. 
von  R.  Krumbholtz  a.  a.  0.  S.  83. 

'j  „. . .  als  solden  die  ampter  meinungen  hebben,  künftiger  tit  e.  L 
mit  merer  neuerung  oder  sonst  mit  unbillicher  drengerie  ansochen  and 
beschweren.^ 


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Anno  1553  acta.  929 

in  gratiam  civilis  commodi,  ad  quod  promovendum  nati  sinti» 
impetret;  ad  haec  pensitet  Monasteriensem  civitatem  sine  opi- 
ficnm  privilegiis  et  instis  conventibns  commode  non  posse  con- 
servari.  Quid  liac  in  re  sibi  sit  sperandam,  responderi  postnlant. 
Haec  controversia  per  senatum  ad  principem  refertor,  qoi 
eam  componendi  causa  nobilem  ac  generosum  loannem  comitem 
de  Waldeck,  Wendelinum  Colbecher,  archigrammateum,  ac  M. 
loannem  Mensinck,  sibi  a  secretis,  die  dominica  Beminiscere  ^  in  26.  Febr. 
nrbem  mittit.  Hi  'subsequenti  die  articulos  curiaram  contro- 
yersos  sarsum  deorsumque  per  dies  aliquot  in  multis  conventi- 
bus  Yolvunt,  et  cum  inter  conferendum  utrinque  tarn  a  senatu 
quam  a  curiarum  praefectis  multa  adiicerentur,  ita  ut  longa 
disputatione  causa  multo  ^intricatior  paulatim  redderetur  et  animi  *p.  661. 
utrinque  magis  exasperarentur,  placuit  igitur  coram  consiliariis 
acta  ad  principem  referre  et  articulorum  in  contentione  adhuc 
positorum  iudicium  ac  decretum  ab  ipso  expectare.  Sic  con- 
siliarii  re  infecta  ante  dominicam  Laetare  ^  recedunt  et  articulos  12.  loin. 
multum  agitatos  et  tam  pacatos  quam  in  controversia  positos 
ad  principem  cum  contendentium  assensu  asportant^ 


»)  26.  Februar.  —  «)  12.  M&rz. 

')  Die  „Körte  antekunge'':  „Wie  desses  nu  alle  ejn  radt  voemoemen, 
das8  sich  die  ampten  alsoe  toesamen  verbonden  hadden,  hat  men  toe  an- 
deren wege  getrachtet  an  den  bisschop ;  and  haet  alsoe  der  bisschop  eynien 
Terhorsdach  angestait  twischen  eynen  raidt  und  der  gemeinheit,  als  nempt- 
lieh  den  sonedach  Beminiscere,  und  haet  s.  f.  g.  daer  toe  in  Munster  ge- 
saut . . .  Johann  Graven  to  Waldeck,  s.  g.  yedderen  und  raidt,  oick  Wendell 
Colbacher,  cantzeler,  und  mester  Johan  Mensinck,  secretarium  ...  Die  hebt 
die  Sachen  in  verhoer  und  toe  vereinigen  voergenomen.  Das  sulbige  hat 
getuiret  14  dage  und  hat  kein  frucht  können  schaffen,  und  ys  alsoe  der 
Terhandelunge  in  artickels  wyse  verfatet  und  toe  erkleringe  des  fursten 
gestalt.**  Die  Artikel  werden  dann  kurz  angeführt.  Die  in  ihnen  enthal- 
tenen Forderungen  der  Aemter  decken  sich  mit  den  am  18.  Januar  dem 
Kate  übergebenen  (s.  oben  S.  925  f.),  aber  es  wird  auch  begehrt,  dafs,  wie 
es  „eyn  lofilich  gebruick  gewesen,**  „eyn  radt  aUe  jaer  van  eyne  gemeine 
borgeschaff  solde  gekoren  werden,**  und  weiter,  dafs  „die  jarliche  reken- 
schaff  des  rades  mochte  gescheen  vor  oelder-  und  meisterluithen.**  —  Der 
Briefwechsel  zwischen  Bat  und  Bischof  vom  L.  bis  21.  Februar  zur  Ein- 
leitung dieser  Verhandlungen  sowie  das  Ergebnis  der  Statt  gefundenen  Be- 
ratungen ist  nach  den  Akten  im  Stadt-A.  M.  abgedruckt  bei  R.  Krumb- 
holtz  a.a.O.  S.  84 ff. 

35 


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930  Anno  1553  acta. 

Dum  haec  agnntnr,  illnstris  Philippns  Ms^ns,  dnx  Bmns- 
wieensis,  Henrici  filins,  exercitnm  conscribit  et  praeter  alias 
regiones  dioecesim  Osnabnrgensem  ac  Monasteriensem  ionulit 
omniaqne  in  praedam  vertit^.  Causa  belli  fnit,  qnod  daci  S»: 
zoniae  et  Hesse  patrem  snnm  Henricom  armata  mann  profligan- 
tibns  ac  arcem  Wnlffenbnttell  obsidentibns  pedites  eqnitesqne 
atqne  bombardas  anxilii  cansa  episcopns  noster  miserat ';  quare 
saepe  et  scripiis  et  viva  voce  per  amicos  admonitns^  nt  hxms 
facti  nomine  cum  Bmnswicensi  transigat,  alioqni  futorom,  nt 
armis  subditi  opprimantnr,  spolientnr  et  miseris  modis  exoati- 
antnr.  Sed  omnes  admonitiones  snggestione  et  snasn  qnomndam, 
qnos  honoris  cansa  praetereo,  in  ventos  excnssit,  donec  literae 
manifestum  bellum  denunciantes  adferrentur.  Philippns  iiaqne 
Magnus  cum  exercitu  Yisurgim  transgressus  Lippiacos  fines  non 
sine  gravi  incommodo  transit  atque  in  dioecesim  Osnaburgensem 
impetum  facit.  Christophorus  a  Fritzburgb',  ducis  legatns,  ac 
loannes  a  Monnickhausen,  magister  equitum,  cum  parte  ezer- 
citus  magno  eo  die  itinere  confecto  Iburgum,  ubi  sedes  episoo* 
palis  fuit,  celerrJme  contendunt;  haue  arcem  cum  oppidulo  15. 
15.  April.  Aprilis,  quae  fait  die  Satumi  post  dominicam  Quasimodogeniti, 
primo  impetu  sub  noctem  capiunt  sperantes  se  principem  asse- 
cuturos.  At  ille  manus  hostiles  vix  elapsus  Monasteriensis  civi- 
tatis munitioni  tanquam  tutiori  asjlo  sese  commiserat  ^.    Aroem 


^  Auch  die  ^Korte  antelnmge*  berOhrt  diesen  Eriegssiig  der  Bmu- 
schweiger,  aber  nur  kurz.  Am  ausf&hrlichsten  ist  er  in  den  Quellen  dar- 
gestellt von  D.  Lilie  S.  297  ff.,  mit  dem  Kens,  in  der  DanteUnng  der 
Hauptsachen  genau  übereinstimmt  Ygl.  auch  die  Münstersehe  Biseholii- 
chronik  (M.  G.-Q.  1,  d41ff.),  die  aber  hier  nicht  Vorlage  Ke(r8s.'s  gewesen 
ist  Zur  Sache  vgl.  H.  A.  Erhard:  Geschichte  Münsters  (Münster  1837) 
8.  877  f.,  0.  8  tu  V e:  Die  Streitigkeiten  des  Bischofs  Frani  von  Waldeek  mit 
Herzog  Heinrich  d.  Jüngeren  u.  den  Gehrndern  von  Halle  (in  den  «Mit- 
theilungen des  histor.  Vereins  zu  Osnahrfick"  1.  Jahrg.  [Osnabrück  18i8] 
8.  185  ff.)  und  C.  Stüve:  Geseh.  d.  Hochstifts  Osnabrück,  Theil  3  {Jam 
1872)  S.  188  ff.  —  Beschrieben  sind  die  kriegerischeii  Yenrickfllwngea  ram, 
Xeiss.  auch  in  seinem  „Catalogus  episcoporom  Monast* 

V  Im  Jahre  1542.  Siehe  D.  Lilie  8;  271  ud  die  dort  Anu  % 
Ton  Fr.  Runge  angeführte  LitemtW'. 

*)  Christoph  von  W^sberg.  —  «)  Kaek  D;  Lilie  &  9d8  mur  ds»  Bir 
sohot  „den  morgen  to  negen  nrhen  na  Munster  getogen.*^  Nach  M.  Böekell 


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Amio  1653  acta.  931 

omninm  renun  copia  abnndantem  depraedantur,  diripiupt  atqne 
ita  denndanty  nt  nihil,  unde  vel  mas  alatnr,  relinqnant.  Et  cum 
^ux  Ojsnabnrgae  totum  exercitum  admoverit  eamqne  obsidione 
•cingeret,  de  pacis  conditionibas  agitar,  quae  novem  et  yiginti 
millibus  florenomm  emitnr^.  Inde  Warendorpiam  contendit,  et 
«ex  itinere  omnia  rusticonmi  bona  yertnntur  in  praedam.  Eqnites 
praesidio  in  oppidum  missi  adventa  dacis  conterriti  Monasteriun;!, 
unde  venerant,  revertuntur,  qnorum  discessu  cives  perculsi  op- 
pidum dedunt;  et  nisi  centum  millibus  florenorum  pacem  dioer 
cesis  emisset,  per  totam  ^regionem  irrecuperabili  damno  bostis^p.  662. 
grassatus  faisset.  Dioecesim  Mindensem  princeps  resignare  co.- 
^ctus  est^  Dioecesis  quoque  Paderbornensis  et  comites  Lippi- 
>acus,  Schouwenbnrgicus,  Hoianus  et  alii  multis  millibus  aure- 
orum  mulctati  feliciter  se  tuentur. 

Cum  ergo  princeps  oppressionem  ducis  metuens  Monasterii 
:sese  ad  tempus  contineret,  ne  restitutionis  Interim  negotium 
iamdudnm  coeptum  intercidat  et  negUgatur,  utile  vismn  est  tarn 
^x  civium  communitate  quam  ex  curiis  (cum  clvitas  non  soluxa, 
>ex  opificum  curiis,  yemm  etiam  ex  aliis  civibus  constet)  paucos 
designare,  quorum  fidei  res  ista  committatur.    Seiet  enim  con- 


>(M.  6.-Q.  in,  240)  Yerfolgften  die  Feinde  „den  ftursten  bis  zu  Telget  Ober 
-«hr  entqwam  ihnen  gelichewol  in  die  Stadt  Munster  und  zoch  zu  den  domb- 
•dechandt  in,  das  domals  her  Jnrrien  von  Hertzfeldt  war,  in  seinen  hof; 
•dan  das  war  die  pest  harde  achter  seinen  hove,  und  dar  schenckede  ihm 
4^uch  aldaer  der  raedt  etzUchen  wein  und  fische.*' 

')  Durch  den  7  ertrag  zu  Bissendorf  am  16.  April. 

•)  Der  Friedensvertrag  (Orig.  im  St-A.  M.  Frsttm.  M.  Urk.  Nr.  3335») 
-datiert  aus  Warendorf  vom  24.  April.  Die  hauptsächlichsten  Bestimmungen 
•desselben  s.  bei  H.  A.  Erhard  a.  a.  0.  S.  378.  Kerss.'s  Darstellung  ist 
ine  die  D.  Lilie's  S,  304  f.  —  Die  „Körte  antekunge*  sagt  nach  Erwäh- 
nung der  Einnahme  Warendorfs :  „8oe  hadde  der  bisschop  sejnen  leenmans 
^jQnep  Munster  Yoerschreven,  waell  bj  6  hundert  peerde.  Dar  redt  averst 
i^#mandt  uit  der  sttadt  mit,  (dat)  die  arme  lüde  up  den  dorpen  van  den 
atraff^r^  moechten  befrediget  werden.  In  sommft)  daer  waert  gaer  nicht 
toer  gegeiiwer  getrachtet,  und  wordt  also  der  ghueder  froemmer  furste  ge- 
drenget,  das  ^t  nach  den  freden  ^acht  und  moeste  den  van  ^runsswick 
slUo  das  sticht  Mjnden  obergeven,  und  das  sticht  Munster  moest^  geven 
h^ui^l^  4fM9eqt  daeler  find  etliche  pchoene  toechperde,  ^e  alle  de  b^este 
-t^^eyen  jm  Itfif^de  ge^yen  mosten.' 

35* 


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932  Anno  1553  acta. 

snltantinm  multitado  segnins  negotia  commissa  expedire.  Er 
cüriis  igitnr  elignntnr  Caspar  Indefelt,  Gerardns  Oswalt,  anri- 
faber,  Joannes  thom  Brincke,  sntor,  Panlns  Horstman,  lodocns 
Modersonne  et  Henricns  Swartarnt,  pistor;  ex  commanitate  ci- 
vium,  qui  non  sunt  in  cnriis,  totidem,  scilicet  loannes  Wesse- 
linck,  doctor  physicns,  Petrus  Corler,  Borchardus  Heerde,  Magnus 
Sticker,  Hermannns  Barman  et  Matthaens  Impens^  Hi  in  dl- 
versis  conventibns  variis  modis  rem  cum  senatn  volvnnt.  Tan- 
dem post  moltas  nitro  citroqne  privilegiomm  recuperandomm 
cansa  habitas  consnltationes,  ne  sese  dintins  Ms  frivolis  et  inu- 
tilibns  contentionibns  involvant  et  fatigent,  placnit,  nt  princeps^ 
articnlis  sibi  ante  diem  dominicam  Laetare  Bevergemam  missis^ 
in  quos  ntrinqne  conventum  sit,  snnm  decretum  et  auctoritatem 
interponat,  in  contentione  vero  adhnc  positos  pro  suo  arbitrio 
clementer  decidat;  senatum  enim  et  plebeos  praefectos  omnia. 
censuraej  et  iudicio  principis  subiecisse.  Designantur  ergo  utri- 
nsque  consensu  legati  adfprincipem,  qui  illud  impetrent^  loannes* 
Weslingus  doctor  et  Petrus  Corler  ^     Hi  cum  propter  negotia 


*)  Kerss.  gicbt  hier  seine  Vorlage  nicht  genau  wieder.  Nachdem 
die  „Körte  anteknnge*'  von  den  Verhandlungen  mit  den  bischöflichen  Bäten 
im  März  berichtet  hat,  fährt  sie  gleich  fort:  „ünder  desen  handel  gaeif 
ejn  radt  eyne  ingestelte  poUicie  an  wolgedachten  graven  und  furstlichoi 
rheden,  die  welch  sie  ingestalt  hadden  toe  behoff  der  gemeinen  stadt,  die- 
soeld  men  besichtigen  und  beratslagen;  mit  anhangender  beger,  dafs  men 
uiss  den  verordenter  mesterluite,  oick  etlike  van  die  gemeinheit  neben  den 
rade  wolde  verordenen,  die  derselbigen  poUicie  moechten  formelich  und 
eyndrechtigen  hilphen  corrigeren  und  entlichen  sluiten.'*  Dann  folgen  die 
auch  von  Kerss.  angeführten  Namen  der  gewählten  Vertreter.  Bei  Kasp. 
Judefeld  ist  auf  dessen  frühere  Stellung  als  Bürgermeister  hingewiesen  mit 
der  Notiz:  „WiewoU  er  uithweck  und  der  wederdoeperie  nicht  biplichtich 
waer,  moeste  er  dannoch  den  fursten  geben  800  gl.,  woll  er  anders  ...  in 
gnaden  erholdcn  seyn"  (vgl.  oben  S.  685).  Der  Petrus  Corler  bei  Kerss. 
ist  in  der  „Körten  ant«kunge"  als  „Peter  Weinschenck,  anders  Kaeller**  be- 
zeichnet.  Darauf  folgt:  „Desse  vocrges.  12  verordente  hebben  die  poUicie 
toe  banden  genamen  und  sich  deren  mit  eynen  raide  voergeliket,  und  ist 
oick  nach  der  tidt  deren  ganssen  gemeinheit  up  den  radthuifs  publiceret, 
und  eyn  ider  by  seynen  borgerede  ingeboenden  thoe  haelden.** 

*)  Die  „Körte  antekunge":  „In  dessen  kreges  loeffen**  (d.  h.  während 
des  Einfalls  der  Braunschweiger)  „wordt  der  handel  mit  der  restitution  van 
etlichen  froemmen  bürgeren  bestich  gedreven  und  gelangede  daer  hen,  da(a 


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Anno  1553  acta.  033 

9 

»dioecesana,  qnibns  princeps  implicitns  fnit,  ad  legationem  obe- 
nndam  continao  non  sint  admissi,  Wendelino  archigrammateo 
xem  commemorant,  qui  se  eam  data  occasione  ad  principem  rela- 
turum  recipit  et,  nt  responsnm  opperiantnr,  iubet.  Hie  post 
modicum  temporis  reversns  narrat  principi  nihil  gratins  hoc 
jnaxime  tempore  accidere  potnisse,  quam  qnod  senatus  et  cives 
4iatarna  illa  disceptatione  explosa  in  mntnam  gratiam  sint  re- 
versi  et  ita  inter  se  convenerint,  ut  se  sequestre  non  magnopere 
•opus  habeant.  Nunc  ergo,  cum  sibi,  qnae  civitatis  sit  conditio 
^quidve  publice  prosit  et  obsit,  parum  cognitum  sit,  se  ipsis  »p. 
•committere,  ut  pro  suo  arbitrio  certas  leges  politicas,  quibus 
.^olida  pax,  tranquillitas  non  simulata  et  commodum  publicum 
^uaeratur,  conficiant;  principem  eas,  quaecunque  etiam  fuerint^ 
•approbaturum  et  consignaturum  et,  si  quid  factae  restitutioni 
desit,  se  additurum  senatuique  iusiurandum  superioris  restituti- 
onis  nomine  de  curiis  non  recipiendis  praestitum  clementer  re- 
missurum.  Se  enim  non  aliter  erga  civitatem  affectum  esse, 
'quam  ut  iura,  libertates,  immunitates  et  privilegia  onmia  a  ma- 
ioribus  ante  anabaptismum  usurpata  absolutissime  recipiat,  et^ 
si  quid  amplius  velit,  se  non  negaturum^ 


men  den  forsten  boschicken  solde,  diewiU  er  in  der  stadt  were  und  aUen 
synen  troest  an  der  stadt  Munster  negest  Godt  gestaldt  hadde,  mit  an- 
hangender beger,  sejn  f.  g.  sich  np  die  toegestalten  artickelen  wolde  gner 
•digliken  erkleren;  und  toe  deren  beschickinge  woerden  gebeden  doctor 
Wesselingk  und  Peter  Winschenck." 

')  Die  „Eorte  antekunge^:  „Do  nu  die  beiden  gingen  np  dem  dom- 
rhoiff,  kernen  in  den  hoiff,  dar  die  furste  inne  lacht,  weren  dar  foelle  froem- 
•der  rhede,  oick  von  domcapittell  und  ritterschafft,  by  den  hem,  alsoe  dat 
Wesselingk  und  Peter  nicht  konnden  by  den  hem  komen.  Schickeden  sie 
^n  den  cantzaler  Wendeln  und  fnrtelden  ine,  wes  burgemeister  und  raith, 
ampt  und  gemeinheit  enne  an  den  fnrsten  toe  werben  befoellen  hadden. 
Darup  der  cantzler  sachte,  hie  wolde  et  ansogen,  und  soelden  eyne  körte 
tydt  erwachten.  Damach  brachte  hie.  Wendelin,  dit  antwordt,  dass  der 
furste  ser  erfreuwet  were,  dafs  der  raidt,  ampt  und  gemeinheit  der  sacken 
.alsoe  avereyne  gekoemen  weren ;  nu  wolde  seyne  f.  g.  ine  des  heime  geven 
und  genfsliken  an  sie  gestalt  hebben,  dafs  sie  sich  des  under  einander  ver- 
drogen,  wie  ine  das  duchte  best  werden,  und  funraten  dasselve  in  schriffte; 
dat  alle  wolle  sine  f.  g.  bewilligen  und  voerseggelen/  —  Ygl.  zu  Eeirs8.'8 
Darstellung  der  Antwort  des  Bischofs  auch  den  Wortlaut  der  »Körten  an- 
ttekunge''  in  der  nftchstfolgenden  Anmerkung. 


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034  Äiino  1553  a(rta. 

Hoc  responsnm  ciyil)Tis  qnideäi  plactdt,  scttAtni  vero  isn- 
nime,  apnd  quem  legati  superiores  plebei  foyoris  snspecti  es9& 
coepemnt,  quasi  aut  male  legatiotie  sint  fimcti  ant  responsiniL 
principis  ex  fide  Aon  iretolerint.  Alia  itaqae  legatio  decetnitnr^ 
in  qna  faemnt  Hennannns  Heerde,  loannes  Biscliopinck,  ocfo- 
snles,  Ghristianns  a  Wick^  doctor  ac  senatns  syndicos,  qmbtis 
e  civium  numero  Caspar  Indefelt  et  Gerardns  Oswalt  adiiingxintar. 
Hi  ad  principem  admissi  commemorant:  senatum  opiflcnmqae 
cnrias  atqne  totam  civitatis  Monasteriensis  commnnitatem  W^- 
Ungarn  et  Corlernm  legationem  obenndi  gratia  ad  principem  mi- 
sisse;  cnm  antem  responsnm  yisnm  sit  obscnmm  et  perplexmn. 
neqne  satis  sibi  compertum  habeant,  perperamne  l^ationem  obi- 
Verint  an  male  intellecta  pro  response  retulerint,  se  ergo  con- 
stans  et  solidom  responsnm  petitnm  adesse,  ne  qnid  novi  dis- 
sidii  suboriatnr.  Ibi  tnnc  arcbigrammateus  Wendelinns,  qnid 
priores  legati  petiverint  qnidve  responsi  inssn  principis  accepe- 
tint,  edisserit.  Et  cum  legati  isti  hoc  responsnm  ne  qnidem  di- 
gitnm  a  snperiore  discrepare  animadverterent,  partim  padefacti 
et  offensi,  partim  laeti  et  gestientes  principi  gratias  agnnt  et 
abitnrinnt*.    Prinsqnam  vero  recederent,   princeps  per  Wende- 


*)  Die  „Eorte  antekunge':  ,,Do  nn  die  doctor  nnd  Peter  dat  ant- 
wordt  wider  inbrechten,  geviell  das  den  rade  nicht,  dan  die  freunde  der 
ampte  nnd  gemeine  weren  dar  wall  mede  znfridden.  Als  nn  bnrgemeister 
und  raith  die  beyden  geschickten  mochten  verdechtigh  hebben,  alsoe  dat 
datselve  nicht  recht  geworven,  gyngen  beyde  bnrgemeister  . . .  Herman 
Heerde  nnd  Johan  Bispinck,  nemen  mit  sich  doctor  Wick  . . .,  daraeffens 
werd  bigegeven  Jaspar  Jodevelt  und  meister  Gerhardt  Ofswaldt.  Als  sy 
nn  by  den  fursten  qneimen,  geiven  für,  wie  dat  die  radt,  ampt  und  ge- 
meinheit  an  sine  f.  g.  gestalt,  dat  sine  f.  g.  eynen  uitsproeck  doen  solde  . .  ^ 
darut  wolden  sie  aUe  geseddiget  nnd  toefreden  syn,  so  wüste  sine  f.  g.  dck 
derhalven  sake  soe  nnderscheidÜick  nicht  toe  berichten,  dan  hie  gere  dat 
ene  heyme  und  in  ere  macht  . . .,  sie  wüsten  up  beste,  wes  ine  noedich 
were.  Dan  dat  hedde  sine  f.  g.  hirbefom  de  stadt  restituert,  dSewelehe 
restitution  sie  selber  oick  gemacket  hedden  nach  eren  egen  willen.  Wanli 
nn  noch  in  der  restitution  wes  mangelde,  dar  wolde  he  se  noch  in  reeti- 
tueren  und  oick  des  eides,  so  der  rlstith  sine  f.  g.  ...  gedaen  hedde,  wolde 
bie  ine  qwit  scheiden  . . .  Wante  hie  anders  nicht  were  bedadit,  dan  inen 
alle  ire  frigheit  und  gerechtichdt,  woe  van  dldinges  her  tindfoer  die  wedtir- 
doep  gewest,  widder  toestellen  und  toe  geven;  nnd  soe  mim  daiiiadi  wA. 


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Anno  1553  acta.  935 

liniim  ipsis  proponit:  com  dioecesim  Mindensem  deferre  et  re- 
signare  cogatnr,  ne  dioecesis  Monasteriensis  incendiis,  excidüa 
et  depraedationibns  a  Philippe  Magno  fnnditus  perdatnr  et  de- 
Yastetnr,  ac  snos  malevolos  aliqnid  novi  snperioris  potissimnm 
restitntionis  nomine  adversns  se  moliri  animadvertat,  proinde  se 
seif  e  perenpere,  quid  «ihi  a  civitate  Monasteriensi  in  hac  renun 
"^angustia  sit  sperandnnL  Legati  se  illud  ad  snos  pro  solide  re-«p.  664. 
sponso  impetrando  relaturos  recipinnt^ 

Sic  digressi  magna  est  saborta  inter  ipsos  snper  responso 
principis  contentio,  dum  senatores  strictins  illnd,  plebei  vero 
profusius  interpretarentnr  ac  omnia  sibi  privilegia  pristina  et 
anctiora  qnidem  esse  restituta  dicerent,  senatores  antem  ea  tan- 
tnm  esse  restituta,  qnae  ad  pacem  et  publicum  bonum  faciunt^ 
contenderent.  In  hac  logomachia  Weslingus :  „Non  est  mirum,^ 
inquit,  „Corlerum  et  me  senatui  fuisse  suspectos,  cum  uterque 
consnl  et  syndicus  de  eo  responso  a  principe  audito  cum  lude- 
feldo  et  Oswalde  controversentur.*'  Sed  ut  tandem  omnium  con- 
troversiarum  sit  finis,  sibi  utile  yideri,  ut  accitis  utrinque  ad 
se  pluribus  testibus  denuo  principem  explicationem  responsi  pe- 
titum  adeant;  quae  sententia  cum  utrinque  placuisset,  designantur 
ad  hanc  rem  expediendam  Hermannus  Heerde,  consul,  Henricua 
Travelman,  Hermannus  Osenbrugge  et  Hermannus  Menneman^ 
senatores,  ex  parte  vero  plebis  Caspar  ludefelt,  Gerardus  Oswalt, 
loannis  Wesselinck  doctor  ac  Petrus  Corler,  qui  hora  tertia  po- 
meridiana  principem  adirent^   Hermannus  autem  Herde,  prius- 


anders  toebegerde,  dat  der  stadt  Münster  toem  besten  gedien  konnde,  wolde 
sine  f.  g.  dar  by  und  toe  geven.  Welcher  sie  doe  alle  sine  f.  g.  hoichbe- 
danckeden."     (Eine  andere  Hand  setzt  hinzu :  „we  byllich.*) 

*)  Die  „Körte  antekunge^:  „Dar  vorth  nach  leith  sine  f.  g.  ine  seggea: 
so  nnd  als  dan  sine  f.  g.  dat  stifft  Mjnden  nmb  disses  stiffts  Monster  . . . 
hebben  avergelaten  nnd  resigneren  moethen  und  dannoch  sine  f.  g.  vef^ 
merckede,  dat  feie  siner  ungünstige  nnd  widderwertige  wes  nyes  und  schweiv 
liches  moechten  Yoememen,  vess  sich  dess  sine  f.  g.  toe  der  stadt  yet- 
troesten  soelde  nnd  moechte,  angesehen,  dat  sine  f.  g.  foelle  nngonstes  tui 
vielen  desses  lands  ane  sich  der  ersten  restitution  gelangt  Damff  die  g«- 
santen  antworden,  sie  wolden  snlchs  anbringen  nnd  damp  siner  f.  g.  «yn 
gut  antwordt  geven." 

')  Die  „Körte  anteknnge":  „Als  nn  des  forsten  antwordt  die  ge^ 
schickten  widder  inbrechten,  konnden  nnd  wolden  sie  sich  des  nicht  Air- 


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936  Anno  1553  acta. 

qnam  principem  adorirentur,  in  consultatione  proponit,  sitne 
commodum  principem  tot  implicitum  caris,  tot  obrntnm  sollici- 
tudinibns,  tot  occapatum  cansamm  discriminibus,  tot  principnm 
et  rernm  pnblicarnm  legatis  ac  consiliariis  saeptnm  itemm  ag- 
gredi.  Ad  quae  Weslingns :  cum  capitnlom  et  equester  ordo  in 
horas  fere  singulas  com  principe  clancnlam  colloqnantnr,  oon 
tarnen  ipsom  hinc  in  saspicionem  posse  addnci;  praeterea,  cnm 
civitas  Monasteriensis  qnartum  hnias  dioecesis  ordinem  consti- 
tnat,  neminem  posse  offendi,  si  senatas  de  rebus  suis  cum  prin- 
cipe agat^  fieditur  itaque  ad  principem;  explicatio  prioris  re- 
sponsi  ab  Heerdeno  petitur.  Hinc  digressis  legatis  Wendelinoa 
prolata  e  pera   scriptura  ibi  in  consiliariorum   principis    coetu 


gucken,  wante  beide  burgemeisters  nnd  doctor  Wick  wolden  daes  soe  mild 
nicht  verstaen,  als  dat  Jodefelt  nnd  Osewaldt  sachten,  sie  weren  gyne 
kinder,  sie  hedden  alsoe  verstaen,  nnd  were  oick  alsoe  gereddet»  dat  sine 
f.  g.  ine  alle  ehre  olde  Privilegien  hedde  nnd  wolde  weddergeven.  Dar  dan 
An  feile  kivens  und  haders  nit  erstondt,  und  sich  nicht  voergeliken  konnden 
oder  wolden.  Do  sachte  doctor  Wesselingk:  „Leven  hem,  das  ist  nejn 
wunder,  dat  die  raldt  mich  und  Peter  Weinschencken  hedden  bedacht^  als 
solden  wj  dat  an  den  fursten  nicht  recht  geworven  und  wedder  ingebracht, 
«0  nu  doch  bejde  burgemeister  und  die  doctor  syndicus  des  antwords  . . . 
mit  Jodefelt  und  Osewalt  nicht  voergeliken  und  averein  komen.''  Nu  dnchte 
Wesselingk  geraden,  up  dat  sie  uit  dessen  mifsverstande  komen  mo^en, 
dat  beide  parthe  mehr  personen  bi  sich  nemen  und  gaen  wedder  bj  dem 
fursten  und  begeren  siner  f.  g.  noch  mall  ehrer  clerunge.  Dat  welche  ine 
do  alle  befeil.  Dar  toe  werden  verordent  . .  .**  (folgen  die  auch  von  Eerss. 
genannten  Namen)  „die  solden  den  manddach**  (1.  Mai)  „toe  dren  nhien 
flampt  bi  dem  fursten  ghaen.'^. 

')  Die  „Körte  antekunge**:  „Do  hoff  nu  up  Herman  Herde  und  sachte: 
„Leven  hem  und  freunde,  ich  gheve  juw  tho  bedencken,  offte  dat  ratsam 
und  nutte  sj,  dat  men  den  fursten  so  overlope,  so  hir  nu  toer  stede  voelle 
fremmeder  und  anderer  fürstlicher  rheede  und  das  domcapittel  sampt  ritter- 
schafft in  groeten  antall,  des  werde  und  konnde  die  fiirste  in  bedenckent 
nnd  archwan  kommen.**  Dat  do  foelle  gemelter  Wesselinck  up  antword: 
„Oich,  lever  her  burgemeister,  wie  kau  sine  f.  g.  dar  oevell  in  bedacht 
werden?"  Die  werdig  her  van  den  capittell,  ritterschafft  und  andern  gingen 
all  uhr  und  stunde  bj  den  fursten;  des  werde  sine  f.  g  van  den  erbaren 
rhade  mit  nicht  bedacht.  So  were  je  auch  die  Stadt  Munster  ein  standt 
des  ganfsen  landes.  Wie  dan  die  furste  darinne  könne  bedacht  werden, 
offte  sie  erer  anleggender  handellinge  und  noitrufft  by  den  fursten  gingen? 
Dar  das  oick  by  bleff.**  t 


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Anno  1553  acta.  937 

refert:  sibi  a  principe  imperatnm  esse,  ut  responsnm  snperiori- 
bns  diebas  legatis  civitatis  Monasteriensis  datum  conscribat; 
illnd  se  in  manu  praesens  gestare.  labet  itaqne  princeps  legatis 
illnd  praelegi.  Qnod  cnm  lectum  esset,  princeps  eam  esse  snam 
sententiam  viva  voce  confir*niat.  Hnios  scripturae  exemplam  •  p.  665. 
propria  principis  manu  conmiunitum  utrique  contendentes  im- 
petrant  ^ 

His  ita  actis  princeps  sibi  responderi  postulat  ad  ea,  quae 
in  superiori  conventu  proposuerit.  Ad  quae  consul:  senatum 
non  aliter  erga  suum  principem  affectum  esse,  quam  probos  et 
fideles  subditos  deceat.  ludefeldus  vero  nomine  civium  respondet: 
cives  ita  erga  principem  animatos  esse,  ut  non  solum  bona,  verum 
etiam  vitam  cum  sanguine  pro  salute  principis  periculo  exponere 
non  pertimescant.  Addit  his  Oswalt:  cives  murornm  et  totius 
urbis  suae  excidium  ac  eversionem  prius  laturos,  quam  prin- 
cipem deserturos;  et  si  in  bisce  rerum  angustiis  ipsum,  quae 
ad  principalem  sustentationem  pertinere  videbuntur,  deficiant, 
cives  contributionem  de  bonis  suis  facturos,  imo  suis  manibus 
praesidia  quaesituros,  priusquam  ipsum  in  hac  necessitate  desti- 
tuant^  Quae  vox  Oswaldi  adeo  solliciti  principis  animum  repente 


')  Die  „Körte  anteknnge**:  „Und  gingen  fnrbenompten  den  nhamid- 
dach  an  den  forsten,  und  entdeckede  dan  bnrgemeister  Herman  Heerde, 
wes  ine  befolhen  was.  Dar  weren  oick  das  mall  bie  dem  fürsten  ange- 
komen  grave  Johan  von  Waldeck  . . .  und  Frederich  Schwarte,  eyn  eddel- 
jnan  uis  der  graveschapift  Lippe,  war  gedachtes  grave  Johanns  havemeister. 
Und  als  nn  Herman  Herde  das  werff  gedaen,  zogh  der  cantzalar  Wendelin 
«jn  schrifft  nifs  der  taschen,  und  bereth  sich  der  forste  mit  den  reden, 
defs  do  Heerde  . . .  mit  den  gesanten  affwecken.  Und  do  sie  nn  widdtsr- 
umb  gefmrdert,  sachte  die  cantzaler  Wendel,  sine  f.  g.  hedde  ine  befalhen, 
hie  die  affirede  der  fiirgesch.  dage  den  geschickten  der  stadt  Monster  ge- 
^even  solde  antecken  und  schrifftlichen  vervaten,  die  wolde  he  ine  oick  nn 
voerlesen.  Und  do  dit  no  die  cantzaler  gelesen,  sachte  der  forste  darop: 
Ja,  das  were  sine  meinonge  gewest  und  were  et  oick  noch.  Do  begerde 
der  forste  eyn  antwordt  . . .  Dar  begerden  sie  sich  op  toe  beraden.  Als 
doe  bewoch  doctor  Wesselinck,  dat  men  solde  begeren  van  den  forsten, 
<lals  hie  ine  ejne  aflschrüft  geven  wolde,  darop  et  glichmetich  verstanden 
xmd  ingebracht  worde;  des  dar  der  forste  befoU  den  cantzalar,  dafs  hie 
ine  sie  geven  solde,  des  wolde  sine  f.  g.  mit  eigener  handt  onderschriven.'' 

')  Die  „Körte  anteknnge^:  „Daer  op  gesann  der  forste  ein  antwort 
van  den  gesanten  op  siner  g.  voerig  voersteUen.   Do  antworde  die  borge- 


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938  Anno  1553  acta. 

erigit  et  confirmat,  nt  et  lacrimas  prae  gandio  et  magnam  me- 
roris  partem  excnteret,  qaod  inde  patescit,  cum  denndato  capite 
Viva  Yoce  ciyiimi  benevolentiae  gratias  ageret  satirnqne  ftvoiem 
singülarem  urbi  polliceretnr*. 

Hinc  cum  pax  ab  hoste  esset  empta,  prinoeps  BeyeTgei^ 
nam  contendit,  unde  dao  exempla  sui  snperioris  respoiiBi  pnK 
pria  manu  confirmata  alternm  senatni,  altemm  vero  plebeis  pnie^ 
fectis  remittit*.  Mox  iternm  de  privilegiis  inter  se  altercantnr 
et  disceptant.  Wildas  dielt  aliter  illa  exempla  responsi  nnne 
esse  scripta,  quam  in  conspectn  principis  recitata  sint;  senatum, 
itaqne  iternm  declarationis  gratia  ad  prinoipem  dedisse  liteiaSy 
et  responsnm  se  opperiri.  Haec  nbi  plebei  praefecti  accepissent, 
vehementer  contnrbati  et  offensi  sunt  existimantes  iniquiim  esse 
benignnm  clementemqne  principem  mendaciis  et  simnlationibna 
onerare  falsamqne  scripturam  dicere,  quam  archigrammatens 
scripserit,  quam  publice  recitaverit  et  quam  princeps  verbia> 
signo  chirographoqne  suo  confirmarerit.  Nunc  tandem  in  con- 
^p.  666.  fessö  esse,  cnius  culpa,  quam  *  praeter  meritum  in  bonum  semper 
principem  coniecerint,    restitutio   privilegiorum  huc  usqne  pro- 


meister  van  wegen  des  rades,  dafs  der  semptliche  raith  soe  wolden  sich 
halden  und  bewisen,  als  froemmen  und  trawen  undersatten  sich  jagen  ehren 
gncdigen  landfnrsten  tenunede  und  geburde.  Jodefelt  oeverst  sachte  den 
forsten :  „G.  f.  und  h.,  unse  ampte  und  gemeine  hebben  uns  befolhen,  i.  f. 
g.  tho  seggen,  sie  willen  alle  liff  und  ghuidt  by  i.  f.  g.  upsetten.^  Danip 
eick  Osewaldt  antworde,  dafs  die  underste  stein  die  oeverste  solde  werea» 
ehre  man  sine  f.  g.  Yerlaten  wolde ;  und  wan  einer  f.  g.  ichtwefs  mangdde 
dieses  avertoeges  halven  in  i.  f.  g.  forstliche  onderhaldonge,  so  sin  wi  be- 
dacht, uifs  unseren  egen  buidel  dar  bie  toe  leggen  und  mit  onsem  handen 
toe  bearbeiden,  eher  i.  f.  g.  sali  jenigei^  dingen  mang^  eilte  gebrecke 
hebben." 

^)  Die  „Körte  antekunge**:  „Darup  tastede  die  forste  an  sin  bereidt, 
dabckede  und  sachte  ine,  hie  wolde  stedes  ehr  gnediger  her  dn.* 

')  Die  „Körte  antekonge*':  „Und  sine  f.  g.  saade  van  Bevergoden 
iwee  copien  der  affrede  mit  einer  handt  onderschreven,  jdem  partei  eine.* 
.Dann  folgt  die  Abschrift  des  ob^ierw&hnten  Bescheides,  den  der  Bischof 
am  28.  April  den  Abgesandten  des  Bates  und  der  Aemter  hatte  an  Teil 
werden  lassen.  Darunter  steht  der  Yennerk:  „Weil  dieser  rede  ein  lath 
tind  die  verordente  furstfinder  der  ampter  und  gemein  copien  gepetten, 
liahen  wir  Frantz  . . .  inen  die  nit  wissen  zu  wegem  und  oaser  haodt 
tttidettachreiben,  alles  ane  geferdei,*' 


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Anno  1553  acta.  939 

crastinata  sit;  e%  cum  dicerettt  0e  ad  plebem  ista  cum  queri- 
monia  rdatnros,  singnli  senatores  sibi  metuentes  rogant  et  ob- 
seorant,  ne  quid  tttrbamm  ooncitent,  sed  nt  responsnm  prinoi- 
palis  deolarationis  opperiantar.  Qnod  praefectis  tandem  ea  lege 
placuit,  ut  responsüm  aUatum  sibi  recitetnr^  Hoc  cum  in  curia 
gtaphiaria  legeretnr  et  senatns  eo  satis  acerbe  perstringeretiir^ 
praefecti  plebei  non  immerito  id  fieri  dictitantes  rident*. 

lam  certa  spe  concordiae  plebei  ordinis  praefecti  conventam 


')  Die  „Eorte  anteknnge'':  „Als  nn  diö  raeth  und  verordente  ddr 
ampte  und  gemeine  bie  einander  qnem^  hoiff  doctor  Wick  np  nnd  sachte^ 
dafs  unse  g.  f.  n.  h.  hedde  sinen  hern,  den  rade,  ein  affschriflft  zugesant^ 
wie  sie  oick  erers  erachtens  vermoden,  der  oick  ive  in  gliker  gestalt  ent- 
phangen.  Damp  geantwordt:  Ja,  sie  hedden  der  oick  eine  entfangen.  Defs- 
doctor  Wick  damp  sachte,  sine  hern  van  raide  hedden  die  gelesen.  Nu 
dachte  ine,  dafs  sie  altoveiU  anders  und  milder  gestalt  were  und  inhelde, 
alse  das  für  dem  forste  verlesen  were;  und  hedden  darumb  weder  an  den 
fursten  geschreven.''  (Der  Brief  des  Rates  vom  7.  Mai  ist  aus  dem  Kon- 
zepte im  Stadt- A.  M.  abgedruckt  von  B.  Erumbholtz  a.a.O.  S.  89 f. 
Der  Brief  nennt  den  Inhalt  des  bischöflichen  Berichtes  „etwas  zu  milde^ 
und  bittet  schliefslich,  der  Bischof  möge  nochmals  R&te  zu  weiteren  Ver- 
handlungen schicken.)  „Wdrden  oick  balde  eine  antwordt  bekommen.  Des^ 
worden  dar  die  verordenten  der  ampte  und  gemeinheit  sehr  unlustich  und 
scheldigh  darnp,  sachten,  off  sie  des  fursten  eigen  handt  loichen  und  straffen 
wolden.  Als  nu  alle  dinck  versturet  und  sich  oevell  ansehen  leth  und  die 
van  ampte  und  gemene  sich  hören  leth,  sie  wolden  das  ehren  freunden, 
clagen;  men  sege  nu  wall,  wie  sie  verhindert  süss  lange  hedde,  und  bis- 
herzu  hedde  es  des  fursten  schuldt  sin  mothen,  averst  nu  sege  men,  wefs 
schult  et  were,  —  da  wart  van  jder  man  des  radts  begert,  dafs  men  eyne 
geringe  tidt  sich  dulden  wolde,  bis  dafs  die  schrifft  weder  kome.  Das  dar- 
noch  zum  lesten  verwilligt  wort  mit  sodanem  furbehalde,  dafs  die  rath  das 
antwordt  des  fursten  solde  den  forwesem  gelesen  werden ;  welcher  das  mall 
gelavet  und  van  einander  gingen." 

*)  Die  „Körte  antekunge*:  „Do  nu  dat  antwordt  gekomen  was, 
wilcher  dar  up  die  schriverie  gelesen,  was  seher  spittich  mit  einer  ser 
dappem  schoben  offte  straffen.  Dar  de  up  geantwordt,  sie  hedde  dat  woll 
verdeinet,  und  dem  raide  geschee  dar  recht  an."  Dann  folgt  eine  Abschrift 
des  bischöflichen  Briefes  ans  Bevergem  vom  9.  Mai.  Der  Brief  ist  nach 
dem  Orig.  im  8tadt-A.  M.  abgedruckt  von  RKrumbholtz  a.a.O.  S.  90f. 
Der  Bischof  erkl&rt  die  Kopieen  f&r  richtig  und  fordert,  dafs  der  Bat  „uxis 
und  die  unsem,  da  wir  umb  bescheen  gnade  und  wohltat  kein  dankbaikeit 
haben  sollen,  solches  atimrens  verschonen,  anders  wir  wurden  notwendige 
antwoHi  dariuif  4n  geben  hochlich  verursacht" 


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-940  Anno  1553  acta. 

•cum  patribns  impetrant;  et  cum  de  restitntione  antiqaonun 
privilegiornm  deqne  solida  et  maiomm  more  politiae  forma  ha- 
bita  coeptnm  est  agi,  ibi  tum  Wikins:  senatum,  inquit,  ferre 
posse,  nt  princeps  et  praefecti  plebei  ordinis  politicam  formam 
pro  sno  arbitrio  faciant;  senatum  neqoe  consilio  suo  neqne  factis 
ullo  modo  se  immistnram.  Inde  horrificom  exoritnr  mnrmar, 
-et  pamm  a  motu  publice  et  sanguinis  efiFiisione  abfuisset,  nisi 
praefecti  se  coercnissent  K  Sedato  itaqne  murmnre  Hermannns 
Herdenus  consnl:  „Si,^  inqnit,  „scirem  dissidii  huins  anctorem, 
•ego  tanqnam  Hermannns  Heerde  eins  memor  essem.^  Pollebat 
enim  et  anctoritate  et  potentia  in  nrbe.  Ad  qnae  Weslingns: 
sene  enm  esse  existimaret?  Consnl  se  minime  enm  esse  pntare 
respondet.  8%  inqnit  Weslingns,  se  anctorem  esse  existimaret, 
yi  atqne  ininria  se  affici.  Non  enim  se  sponte  sua  bis  rebns 
ingessisse,  sed  senatns  rogatn  et  civinm  impnlsn,  neqne  qnicqnam 
alind,  quam  pacem,  tranqnillitatem  et  commodnm  pnbUcnm  hnins 
civitatis  nnqnam  qnaesivisse.  Se  vehementer  mirari,  enm  neqne 
Inpi  neqne  nrsi  neqne  indomitae  ferae  sint,  sed  unins  civitatis 
incolae,  unins  reipublicae  membra,  uno  muromm  et  munitionnm 
ambitu  circumdati,  quod  ita  inter  se  saeviant,  ita  disceptent, 
ita  tumultuentnr,  cum  neque  nova  ant  innsitata,  neqne  iniqna 
ant  a  publica  pace  aliena,  neque  senatui  ullum  incommodum 
allatura,  sed  a  mnltis  saeculis  usitatissima,  iusta,  pacifica  et  toti 
*p.  667.  civitati  profatura  petantur.  *Cur  igitur  inter  se  non  consentiant, 
cum  princeps  omnia  clementer  ita  restituerit,  ut  etiam  senatns 
civiumque  arbitrio  universa  fleri  permiserit?  Ad  qnae  respon- 
sum  fnit  sibi  placere  omnia,  qnaecunque  principi  placeant,  coius 
iudicio  et  censurae  se  cuncta  committere  volle,  nt  plebei  prae- 
fecti idem  faciant.    Et  ita  utrinqne  exacerbati  digrediuntur  ^ 


')  Die  „Körte  anteknsge":  »So  men  nn  mende,  dat  alle  dingk  glicht 
were  gewest,  men  solde  nn  zu  dem  handell  gripen,  do  sachte  doctor  Wick, 
syne  hem  des  rades  konden  wall  liden,  dafs  die  forste  und  die  yerordente 
können  die  restitntion  waU  maken,  wie  ine  gefellich;  dafs  dan  sie  sich  dar- 
mit  solden  inlaten,  were  inen  nieverleie  wise  zu  raden  oeffte  tho  donde. 
Dar  do  np  sich  erhoff  ejn  groeth  murrent  tmd  knrrent,  was  ejnes  bistercn 
•ansehendes  and  befruchtens,  dat  et  solde  hebben  gedegen  toem  nproer." 

*)  Die  „Körte  anteknnge^:  „Und  do  nn  dat  rumor  eyn  weinig  ge- 
;stiUet,  sachte  burgemeister  Hennan  Heerde :  „  Wan  ich  wüste,  we  der  were. 


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Anno  1553  acta.  94L 

Post  dies  aliquot  eadem  de  re  actnri  iternm  conveninnt. 
Senatus  in  snperiori  sententia  perseverat,  nempe  nt  omnia  prin- 
cipis  censurae  ntrinqne  committantar;  se  scriptis  mentem  snam 
principi  significatnrnm;  nt  et  idem  praefecti  faciant,  poscit.  Ple- 
bei  praefecti,  cum  senatum  ab  ea  sententia  dimoveri  non  posse 
animadverterent,  in  idem  consentinnt^ 

Dnm  haec  agnntur,  Weslingns  in  febrim  incidit,  ita  nt 
snperioribns  conventibns  interesse  non  posset.  Qnare  scripta  a 
praefectis  sea  depntatis  plebei  ordinis  ad  principem  (nt  con- 
venerat)  mittenda  ad  lectum  decnmbentis  Weslingi,  nt  eins  con- 
süinm  andiant,  Oswaldns  et  loannes  thom  Brincke  defernnt.  Qni 
cxmi  tremnlo  paroxismo  laboraret,  iussit  illos  snbseqnenti  die 
ad  se  redire'.  Beversi  rogant,  nt  oblati  scripti  censnram  snam 


de  uns  toesamen  hcnget,  des  wolde  ick  ine  gedencken  als  Herman  Heerde.*^ 
Daruf  antworde  Wesselingk:  „Burgemeister,  meine  gy  dar  my  mit?**  Do 
sachte  Heerde,  neyn,  he  mende  ine  dar  nicht  mede.  Wanip  die  doctor  ant- 
worde, wan  hie  offte  jmantz  dar  eyne  mit  botege,  die  dcde  ine  gewalt  und 
unrecht,  wante  he  sich  ungeme  hedde  bogeven  in  den  handell  und  dar  van 
ampte  und  gemeyn  toe  gedrungen  wer,  des  ein  erbar  rath  eihne  oick  bidden 
laten,  dafs  hie  sich  mede  in  den  bogeven  wolde.  Nu  sochte  hie  dar  nicht 
uifs,  dan  einigkeit  und  fredde  und  wolfart  disser  stadt  Munster.  So  weren 
sie  Joe  nyne  baren,  wuWe  offte  wilde  gederlte,  wonede  in  einer  Stadt;  und 
das  disse  parth  für  hedde,  were  nicht  nyes,  dan  etzliche  hundert  jar  in  ge- 
bruiche  gewest.  Warumb  sie  sich  nu  nit  verdrogen,  nachdem  die  froemme 
furste  in  alle  dinck  soe  gnedlg  weder  geven  und  es  moechten  maken  nach 
iren  wolgefallen?  Warup  geantwordt,  sie  weren  dar  ine  alle  mit  toefredden, 
wie  die  furste  et  makcde,  und  woUent  darhin  stellen,  des  so  die  voerwesers 
oick  doen  solden;  und  also  mit  unwiUen  van  eiuander  gingen." 

')  Die  „Körte  antekunge":  „Do  sie  nu  widder  bie  einander  keimen, 
yerharrede  die  raith  stiff  up  das  hinstellen  des  furstcn ;  des  wolde  ein  erbar 
raedt  ehre  meynung  in  schrifft  verfaten,  das  die  verordenten  der  ampt  und 
gemeine  oick  doen  solden.  Das  solde  men  alsoe  den  fursten  toeverseggelt 
oversenden.  Nachdem  nu  die  verordenten  der  ampte  und  gemeine  dar  jegen- 
werdich  segen,  dafs  men  den  rath  up  andere  wege  mit  leve  nergens  hin- 
bringen koenden,  stellende  sie  das  oich  an  den  hem  oenune  des  gemeinen 
firedes  willen." 

*)  Die  „Körte  antekunge":  „Als  nu  doctor  Wesselingk  dat  feber  ge- 
kregen,  toe  bedde  lach  und  dar  nicht  medde  gewesen,  wart  die  ingestalte 
schrifft,  die  men  den  negstfolgenden  dagh  den  fursten  aversenden  wolde, 
durch  Osewalt  und  Johan  toem  Brincke  dem  doctor  Wesselingk  zu  lesende 


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d42  Aoao  1553  acta. 

«xprimat.  Quod  se  factomm  reoipit,  si  ad  ae.  omnes  delecti  cos- 
Tocentor^  His  itaque  convocatis  primwi  a^ritadinem  snam 
excusat;  inde  sibi  miidiue  placke  coimnemorat,  quod  ad  arbi- 
trinm  principis  nunc  oi&nia  reiecerint.  Be8fK>ndent  seoaiiim 
hoG  Yolnisse  seqne  cum  illo  in  hoc  hestema  die  convenisse.  Ad 
qoae  Weslingus:  ,ipsos,  cnm  sint  ondecim  nninero,  se  quidem 
iDconsnlto  illnd  fiacere  potnisse,  sed,  ne  ex  hac  re  mains  in  rem- 
pnbhcam  malam  irrepai,  metueadum  esse.  Proinde  se  coram 
Omnibus  protestari,  quod  in  hoc  non  consentiat  neque  unquam 
consensurus  sit.  Haec  ubi  Borchardus  Heerde  iunior  andivisset» 
neque  se  superioris  diei  consultationi  interfoisse  neque  decreium 
istius  approbasse  dicit.  Quare  Caspar  ludefelt  a  Weslingo  ra- 
tionem  suae  sententiae  exquirit^  Ad  quae  Weslingus  primum 
sibi  principis  animimi  ita  perspectum  esse  respondet,  ut  hanc 
causae  remissionem,  quae  molestia  insigni  non  careat,  aegerrime 
668.  *sit  laturus   neque  facile  suum  decreium   interposituras,    cum 


an  das  bedde  gebracht;  Bnd  do  syn  boese  dagh,  hie  dat  van  knockheit 
nicht  lesen  konnde,  befoll  ine,  die  schrifft  nndw  das  hoevet  poell  toe  leggen, 
nnd  dafs  sie  negstfolgende  morgen  wedder  komen,  wolde  das  middeler 
aeit  lesen.*' 

*)  Die  „Körte  anteknnge**:  «Do  nu  die  beyden,  Osewalt  und  toem 
Brincke,  morgens  wedder  qneimen,  frageden  den  dootor,  oiRe  he  den  han- 
dell  gelesen  hedde,  damp  he  antworde,  ja,  he  hedde  dat  gelesen.  Wea  ia« 
dan  dachte  darap  geraden?  Damp  he  ine  das  begegende,  he  könne  doi 
beiden  aUein  nicht  seghen,  dan  sie  solden  die  anderen  dar  bey  halen.*" 

*)  Die  „Körte  antekunge^:  „So  nn  die  andern  dar  bie  queiman,  ent- 
schnldigede  de  doctor  siner  kranckheit  und  sad&te,  dat  die  weddentellung' 
an  den  fnrsten  ine  ghar  nicht  gefeUen,  wnste  oick  ninerley  weia  toe  raed^i. 
Dar  ine  do  up  geantwordt  van  jdenaennichlick:  „I^ver  her  doctor,  wir 
heU)en  dat  nn  gistem  bewilligt  und  hebben  des  nicht  anders  ^laken  kön- 
nen.'' Wamf  do  die  doctor:  „Juwer  jls  elven;  gj  l^ebbet  die  n^acht  und 
et  bnthen  my  doen,  dan  se^et  tho,  dafs  dar  nicht  ein  tiell  erger  uila 
koeme.  Und  will  iroer  jaw  allen  darvan  proite^teiFt  heb^n,  dat  ich  di^ 
nicht  inbewilligen  kan  oder  wiL''  Do  ^eckt  Boichaz4^  He^e  die  jniige  . . ., 
hie  weve  dar  oick  nicht  medde  hie  gew^t,  l^eblie  dar  nicht  vibewüUgt 
Alsoe  bedachten  sie  sich  nnder  einander.  Dede  Jaspar  Jodelelt  di^  wort» 
Mflhte:  „Her  dootor,  wes  is  doch  tei  jaw  be:if^  dano,  i^  jow  des  nicht 
dnneket  geraden  m?  Was  gy  vas  d»t  wi4ß^i^  m^\^  ^Mt^  hedde  wy 
lUia  weddov  daral  toe  haKad^n."  J)m  4wn9  die  4efitpx  9ß^^  im  he  woWa 
das  doen  waä  hedde  dar  nioht  tttfuungk»  dwi  9^^  <m^ifß  ^  mt^  fe^*^ 


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Anno  1553  acta.  943 

ueque  senatnin,  et  mnlto  minus  universos  oires  sit  offensurns. 
In  hac  enün  nrbe  proxime  post  Deom  omnem  suana  fiduciam 
ipsnm  repositam  habere  ideoqne,  cnm  existunaret  proceres  hniua 
nrbis  oum  plebe  reconciliatos  esse,  maiori  cnm  gandio  ipsnm 
snperioribns  diebus  hinc  emigrasse  ^  Secnndo  mnlta  posse  inter* 
oedere,  nt  haec  caosae  remissio  apnd  principem  in  oblivionem 
Teniat.  Ipsum  esse  et  annis  et  gravi  maerore  ob  bella  varia  et 
maxime  snperins  praeter  spem  sibi  illatum  et  ademptam  dioe^ 
«esim  Mindensem  valde  fmctnosam  aliasqne  molestias  fractom. 
Si  igitnr  ipsnm,  qnod  metnendum  sit,  mori  contigerit,  qnam 
faciem  reipnblicae  Monasteriensis  tunc  fore  sibi  persnadeant,  hoa 
secnm  expendant  Se  nunc  in  manibns  habere  libertatem  xurbis 
a  principe  donatam,  qnam  si  itemm  in  principem  transtulerinti 
eam  in  acerbam  et  perpetnam  servitutem,  qnae  etiam  nniversam 
posteritatem  premat,  malevolomm  snggestione  posse  commntari, 
inde  indelebiles  inimicitias  inter  senatum  et  plebem  recordation^» 
libertatis  amissae  cieri,  unde  mutua  vulnera,  oaedes,  vastitates 
et  plura  incommoda,  quae  prudens  hie  praetereat^  metuenda  sint '. 


^)  Die  „Körte  anteknnge**:  „Zum  ersten  is  dit  mjn  bedeackenl  w^ 
bewiegent:  ich  wefjB  und  kenne  des  fnnten  gemoete,  dat  8.  f.  g.  oeveli  be^ 
hagen  werdt,  dat  men  dat  an  ine  wedderstelt  nnd  mit  bemoiet,  wante  e. 
f.  g.  vertomet  nicht  gherne  den  erbarn  raeth,  noch  oick  foelle  neyder  die 
ampt  und  gemein.  Wante  an  dieser  Stadt  Munster  hefft  die  forste  neigst 
Godt  all  sin  betrewent  und  troest  gestalt  und  hadde  oi«k  gehappet,  dal 
ghi  juwer  sake  wall  eins  weren  gewest,  und  damff  frolich  uith  disser  stadt 
Munster  getzogen/ 

')  Die  „Körte  antekunge*':  ,Zum  andern  koade  dit  widdersteUent 
hifidier  die  baiick  gelecht  und  vergetten  werden.  Und  als  die  forste  an 
eyn  bedaget  her  und  diese  avertxogh  oick  verlatinge  des  stüfts  Mind^ 
das  den  fursten  leff  und  nutte  was,  und  do  mehr  bedioffenisse  nnd  schwer^ 
niese  overkoemen,  daTs  sine  f.  g.  daraver  verstorven,  wie  wall  toe  befrachten 
yü^  wat  d)ar  dan  widere  besorgen  were?  Wes  men  nu  nils  den  banden  gifii, 
des  is  man  qwit,  und  mot  es  in  den  fruchten  und  soigen  staan,  des  men 
mb  woU  se(dkierer  wecken  koade.  Dafe  können  oiek  mUsguaners  disser  stadt 
Munster  tqsschen  komen.  und  segkm:  J3t.  t  aadl  hn>  aa  is  die  stadt  Maastai 
wiedder  in  juw  f.  g.  banden;  an  kan  i  f.g,  dannit,  wie  i^^f. g.  lefet^  makao.*^ 
So  weM  dfur  noefa  ein  aadef,  de/b  he  dit  paA  nicht  «#ggea  koande,  vei^ 
baadea.  Wan  na  dispar  «jaa  vervdle  und  mifipgiaede,  wiawaU  dan  die  satb 
aaA  gy  das;  lar  daa  aniptem  aad  gemaia.  Ttvaatawrdaa»  mesa  toe.besaig«BW 
juw'  ander  ateakaadem  aiordaa  aad  dpotelagea." 


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944  Anno  1553  acta. 

Haec  cnm  dixisset,    alins  alinm   respectat,    onmes  tarnen 
Weslingo   taciti  adsentinntnr.    At  Borchardus  Heerde    haec  in 
verba  erumpit:  se  nnnqnam  id  probaturnm,  ut  causa  priyä^^ 
rnm  ad  principem  remittatnr,  etiamsi  vitae  et  bonomm  omniam 
periculnm   sibi  paratnm  esse  sciai    Hinc  sedatios    secam  Con- 
sultant,   quibus  modis  senatum  a  remissionis  opinione  avocent 
Sed  cum  in  hanc  quoque  se  consensisse  sciant,    non  melioribus 
se  rationibus  uti  posse,  quam  a  Weslingo  et  Herdeno  acceperint 
Bogant  proinde  bos  vires,  si  senatus  praefracte  remissionem  ur- 
serit,  ut  sibi  huius  consilii   auctores  nominatim  prodere  liceat 
neque  sibi  quicquam  mali  metuant;  se  enim  etiam  ad  sang^oinis 
usque  effusionem  omnes  cives  defensores  habituros.     Weslingus 
et  Herdenus    exorari  se  sinunt,    sed  ne  prodantur,    nisi  summe 
necessarium  fnerit'.    Itur  inde  ad  curiam  et  longa  altercatione 
cum  senatu  super  remissione,  quam  pertinaciter  urgebat,  dispn- 
*p.  669.  tatur.    *Cum  autem  senatus  nuUis  precibus  flecteretur,  tandem 
ad  ultimum  asylum  plebei  praefecti  confugientes,  quid  Wesliogns 
et  Herdenus  consuluerint,  proponunt,  et  ut  iUud  eo,  quo  pollent 
rerum  iudicio,  accuratius  expendant,  ne  senatus  culpa  tota  res- 
publica  et  universa   posteritas   periclitetur.    Haec  ubi   senatus 
intellexisset  et  secum  altius  examinasset,    mitior   redditus  cnm 
plebeis  praefectis  negotium  restitutionis  sine  mora  absolvit,  ta- 
bulas pro  utriusque  arbitrio  conscriptas  die  Martis  post  Exaudi, 
16.  Mal.  yidelicet  16.  Mail,    anno  1553  ad  principem    signandas    trans- 


^)  Die  „Körte  antebinge'':  ,,Als  nu  die  doctor  snllichs  gereddet»  sach 
der  eyne  den  andern  an  und  feilen  den  doctor  bie,  insnnderfaeit  Borchart 
Heerde,  die  willigh  sachte,  hie  wolde  dar  nnmmer  inbewilligen,  dafs  et  ine 
oick  solde  kosten  sin  liff  und  guidt  Alse  sich  nu  bedachten,  sachte  Jaspar 
Jodefolt:  „Lever  her  doctor  und  Borchart  Heerde,  könne  gy  nu  oick  liden, 
dafs  wi  juw  bedcnckent  dem  raide  toe  erkennunge  geven?^  Do  beiden 
Wesseling  und  Heerde,  dafs  men  sie  doch  verschoenen  wolde  so  foeUe  mog- 
lick  und  segen  ere  gelegenheit  an.  Daruif  geantwordt,  das  wolden  sie  doen, 
und  sich  nicht  befruchten  solden;  sie  wolden  bi  ine  alle  liJGT  und  loevent 
wagen;  averst  sie  wolden  de  beiden,  Wesseling  und  Heerden,  lutter  umb 
Gott  und  in  aller  freundtschafft  gebeden  hebben,  wan  nu  die  raidt  uf  ehre 
meinunge  verhardeden  und  uf  ghine  andere  wegen  bringen  konnden,  daÜB 
sie  dan  der  beiden  rath  und  bedenckent  dem  raede  entdecken  mochten. 
Do  ock  die  doctor  und  Heerde  sich  in  begeven  und  in  toefreden  weren.* 


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Anno  1553  act;a.  945 

mittit,  qni  eas  signatas  die  Solls  snbseqnentd  remittit,  qnarmn  21. 
sententia  haec  erat^ 

Bestitntio  postrema  episcopi  ad  verbum  fere  translata: 

„Nos  FrancisciLs,  Dei  gratia  episcopns  Monasteriensis  et 
Osnabnrgensis  etc.,  notnm  facimus,  profitemnr  et  attestamnr  pu- 
blice bis  scriptis,  qnod  antehac  consnlibns  et  senatxii  nna  cum 
obedientibns,  qni  urbe  excessernnt,  civibns,  omniom  cnriarnm 
contribnlibas  ac  nniversae  commnnitati  civitatis  nostrae  Mona- 
steriensis, sicnt  tempore  obsidionis  praedictae  civitatis  Hiltropiae, 
Grevoniae  atque  aliis  in  locis  ipsis  promisimns,  omnes  antiqoas 
et  landabiles  libertates  et  civilia  privilegia,  approbante  et  con- 
firmante  ea  imperatoria  maiestate,  praeter  cnrias  sen  gyldas, 
qnas  non  ferendas  esse  existimavirnns  ^  ea  certe  fidncia  clementer 
restitaimns,  ut  politicas  leges  et  plebiscita  pacem  pnblicam  et 
civilem  ntilitatem  potissimnm  promoventia  conderent,  conscri- 
berent  et  pnblicarent,  ne  cives  habeant,  qnod  qnerantnr.  Cum 
vero  manifeste  nunc  deprebendatnr,  qnod  opificnm  cnriae  reli- 


^)  Die  „Körte  anteknnge*':  „Hiimit  gingen  die  verordenten  uith  des 
docters  huise  nach  dem  raede  nnd  beiden  darnach  eine  lange  disputation 
mit  der  hinsteUnng  ane  den  forsten.  Unde  also  die  verordenten  der  ampte 
nnd  gemein  den  radt  up  nine  ander  wege  bringen  konden,  entdeckenden 
sie  dat  furige  bedencken  des  docters  nnd  Heerden,  so  die  beiden  den  fangen 
dach  da  nicht  mede  bie  west  weren.  Do  nn  die  radt  dit  horede,  worden 
sie  balde  der  sake  eins,  makeden  die  restitution  nnder  einander  reide, 
schicken  sie  den  fürsten  toe  by  dem  cantzalar  Wendell,  den  welchen  bnrge- 
meister  nnd  raith  nnd  die  verordenten  amptem  nnd  gemein  dar  toe  beden. 
Dit  geschag  das  jar  vifteinhnndert  viftich  dree  dem  dinstdach  nach  Exandi, 
loch  mit  hen  na  dem  fursten  den  snlvigen  dagh  und  brachte  die  restitntion 
wederumb  an  den  radt  van  dem  forsten  vorseggelt  vort  den  gudenstdach." 
—  Der  bischöfliche  Restitutions-Erlars,  datiert  vom  17.  Mai,  den  anch  die 
,,Korte  anteknnge"  mitteilt,  ist  abgedruckt  aus  einer  ungenauen  Abschrift 
B.  V.  Mallincrodt^s  von  J.  Niesert:  U.-S.  I.  S.  350  ff.,  aus  dem  Orig.  im 
Stadt-A.  M.  von  R.  Krumbholtz  a.  a.  0.  S.  91  f.  —  Die  „Körte  ante- 
knnge**  giebt  nach  Anführung  des  Erlasses  keine  weiteren  Nachrichten 
mehr.  Sie  fafst  nur  noch  einmal  in  kurzen  Worten  den  ganzen  Verlauf 
des  Kampfes  um  die  Wiedergewinnung  der  Privilegien  zusammen. 

*)  „. . .  aufserhalb  die  gilde,  der  wir  nicht  zu  gestatten  uns  furbe- 
halten  . . .«    Vgl.  oben  S.  918. 

36 


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946  Anno  1553  acta. 

qnique  cives  snperiori  illa  legam  politicamm  constitatione  in 
dispendimn  quotidiani  alimenti  sni  et  pristinae  libertaüs  cirili- 
nmque  priYilegiomin  cladem  yergente  plnrimmn  degraTarenhu 
yariasqne  querimonias^eo  nomine  ad  nos  deferrent,  proinde  ad 
conservandam  pacem  et  concordiam  et  vitandam  simnltatem  et 
perniciosmn  motnm,  qni  inter  senatum  et  opificnm  curias  nni- 
yersamqne  civium  commnnitatem  praedictae  civitatis  nostrae 
*p.  670.  Monasteriensis  emergere  *et  enasci  qneat,  has  contentiones  et 
qnerelas  nobili  ac  generoso  loanni  comiti  a  Waldegk,  sangnine 
nobis  iuncto,  Wendelino  Colbecher^  ac  loanni  Mensinck,  nobü 
a  consiliiSy  clementer  utrinqne  exaadiendas,  discntiendas  et  com- 
ponendas  conmiisimns.  Yeram  com  eo  conventa  pax  non  iia 
commode  conciliari  posset  et  controversi  qoidam  articnli  deci- 
sioni  et  decreto  nostro  offerrentnr,  principali  animo  hanc  cansam 
diligenter  expendimus,  et  cum  privilegia  politica  libertatesqne 
civiles  a  nobis  donatas  cum  omnibus  suis  circumstantiis  accn- 
ratius  mente  pertractassemus,  eas  in  hanc  formam  et  hos  ard- 
culos,  caesareae  tamen  maiestatis  approbatione  et  coDfirmatioDe 
semper  salva,  commutavimus,  correximus  et  disposmmns,  nt 
etiam  in  praesentiarum  et  yirtute  harum  literarum  signatanun 
commntamus,  corrigimns  et  disponimus,  publice  inbentes  et 
volentes: 

Primum,  nt  senatus  electio  eo  modo  fiat,  quo  ante  centenos 
aliquot  annos  et  supra  hominum  memoriam  in  usu  fuerit,  sicut 
senatus  et  curiarum  totiusque  civilis  conmiunitatis  praefecü  snper 
bis  latius  sine  nostra  successommve  nova  confirmatione  et  ap- 
probatione convenire  et  mutuo  pacisci  habeni 

Secundo,  ut  senatus  anniversariam  suam  rationem  more 
maiorum  et  sicut  antiquitus  ante  urbem  clausam  factitatmn 
est^  reddat. 

Tertio,  curias  opificum,  quas  gyldas  vocabant,  et  reliquos 
cives  ^  in  omnes  antiquas  et  laudabiles  immunitates,  libertat^ 
et  iura  restituimus  et  imperatoria  approbatione  salva  restitutos 


^)  Bei  J.  Niesert  a.a.O.  8.351  ist  flüschlich  Wendelen  Talbecher 
gedruckt.  —  *)«•••  und  zunst  auch  andere  ingesettene  bürgere  und  ge- 
meinbeit  . . .' 


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Anno  1553  acta.  947 

esse  Toltuniis,  ut  tarnen  in  negotiationibns  et  victn  qnaerendo 
honeste  et  probe  se  gerant  magistratniqne  sno  obtemperent. 

Confinnamns  etiam,  quicquid  a  consnlibns,  senatn  et  ple- 
beis  praefectis  ad  conservandam  pacem  et  tranqnillitatem  in  hac 
repnblica  in  postenun  nnanimiter  constitutum  et  decretnm  fnerit. 
Si  vero  hac  in  re  controversia  inter  ipsos  inciderit,  quam  mutuo 
decemere  non  possint,  ea  nostro  successorumye  decreto  absque 
nllo  latiori  effugio  decidetur.  Omnis  etiam  simultas,  odium, 
discordia,  malevolentia  et  diffidentia  inter  senatum  et  plebem  in 
perpetuum  erunt  sublata.  Et  ne  senatus  suo  honori  et  existi- 
mationi  quicquam  decedere  putet,  iusiurandum  superioris  resti- 
tutionis  nomine  praestitum  omnino  remittimus.  üt  *autem  se-*p.  671. 
mota  onmi  fraude  doloque  plenissimum  robur  Ms  literis  tri- 
buatur,  eas  signo  nostro  maiori  et  manu  propria  conmiunivimus. 
Datae  Beyergemae  Mercurii  post  Exaudi  anno  Domini  1553.^    n.  Hat 

Bespublica  Monasteriensis  non  sibi  satis  esse  putavit  se 
in  pristinum  statum  restitutam%  nisi  et  restitutionis  episco- 
palis  confirmationem  ab  imperatoria  maiestate  consequeretur. 
Hanc  igitur  a  Carole  eins  nominis  Quinto  Bruxellis  anno  1553 
die  26.  lunii  feliciter  impetrat.  Faxit  Dens,  ut  ea  feliciter  w.  Juni. 
utaturM 

•)  Ms,:  restitatam. 


')  Eine  BestStigangsurkimde  EarFs  Y.  findet  sich  in  Münster  nicht 
mehr  vor,  wohl  aber  im  StadirA.  das  Original  einer  Urkunde,  in  welcher 
Kaiser  Ferdinand  I.  am  17.  October  1561  die  städtischen  Privilegien  und 
Freiheiten  aufs  Neue  bekräftigt.  —  Die  Münstersche  Bischofschronik  er- 
wähnt die  Restitutionen  mit  keinem  Worte.  In  seinem  Catalogns  episco- 
porum  Monast.  sagt  Kerss.  nur  kurz  zum  Jahre  1553:  „Dum  de'  (in  Folge 
der  Braunschweigischen  Händel)  „Franciscus  Monasterii  in  exilio  quodam- 
modo  inter  cives  ageret  eorumque  benevolentiam  erga  se  experiretur,  cives 
hac  occasione  omnia  sua  antiqua  privilegia  ante  anabaptismum  habita  fa- 
eile  recuperanf  D.  Lilie  S.  306  gedenkt  der  Thatsache  mit  den  Worten: 
„Darboneven  hebben  sine  f.  g.  na  den  Pinxst  hilligen  dagen  . . .  1553  der 
Stadt  Munster  weddergegeven  den  koir  borgermeisteren  unde  raide,  de  to* 
vom  dorch  stadtholders  unde  gesatten  raidt  wordt  regeret,  ock  der  ge- 
meinheit  de  frigheit  der  ampter,  wu  se  vorhen  vor  der  bolegeringe  hedden 
gehadt.* 

36* 


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948  Anno  1553  acta. 

Htüüs  restitutionis  episcopalis  exemplmn  cum  archetypo 
coUatmu  et  Francisci  Wernel,  curiae  amannensis,  snbscriptione 

27.  Juni,  corroboratnm  plebei  ordinis  praefectis  27.  Innii  conservandnm 
traditar;  archetypns  vero  senatus  archivo  committitnr. 

Princeps  aatem  cum  irrecnperabilem  dioecesimn  snarom 
iactoram  et  maxime  dioecesis  Mindensis  vi  extortam  resignatio- 
nem  Ibnigicaeqae  arcis  sibi  adamatae  direptionem  secum  ali- 
qnandin  acerbe  yolyeret^  maerore  gravi  contarbatnr  et  affligitnr, 
qni  ita  radices  in  animo  agit,  nt  nnllis  locorom  mutationibus, 
nullis  medicormn  phannacis,  nnllis  aliarmn  remm  oblectamentis 
eximi  posset;  et  ita  tandem  in  dies  singnlos  anctos  incmdescit, 

li.  Jnu.  nt  in  arce  Woltbeca  12.  Inlii  cor  et  membra  vitalia  invaderet 
perqne  omnia  membra  panlatim  serperet.  Ubi  vero  bonns  prin- 
ceps snpremnm  sibi  diem  imminere  animadvertit,  salatari  se 
viatico   commnnit  et  püs  sacramm   literamm  commonitionibus 

15.  Juu.  domini  Hermanni  Eotbenii   animatns  15.  Inlii   natnrae  l^bns 
sätisfacit  et  in  Domino  obdormit.   Dens  Optimns  Maximns  laetam 
X       et  felJcem  resnrrectionem  hnic  patri  patriae  per  infinitam  miseri- 
cordiam  snam  largiatnr.    Amen^! 

Postridie  fonns  in  civitatem  vectnm  solenni  pompa  tota 
fere  nrbe  Ingente  in  templo  dominico  ad  anstrale  latus,  cni  post 
obsidionem  fenestram  illustrem  donaverat,  sepeUtur,  sarcophagns- 
que  a  pavimento  paululum  elevatus  cum  insigni  hac  scriptura 
imponitur:  ,,Franciscns,  Dei  gratia  episcopus  Monasteriensis  ac 


')  üeber  den  Tod  des  Bischofs  berichtet  Eerss.  Ähnlich  in  seinem 
Gatalogns  episcoporom  Monast.,  doch  thnt  er  dort  des  Herrn.  Eotfae  keine 
Erwfihnnng  und  führt  an,  dafs  der  Bischof  „medicomm  opem  non  admi- 
serit.*'  Zu  vergleichen  ist  D.  Lilie  S.  308,  bei  dem  es  heilst:  „Do  na  sine 
f.  g.  groit  moig  nnde  herteboswenmge  dorch  den  groten  schaden  to  Iborg 
geleden  gehadt,  is  sine  f.  g.  im  stifTt  van  Monster  in  groter  swarhdt  ge- 
hieven,  den  twelfften  dach  des  monats  Inlii  hastigen  tor  Walbecke  loranck 
geworden,  dama  sick  mit  Gode  . . .  voreiniget,  dat  flesch  nnde  hloit  . . . 
Jesn  Christi  van  sinem  cappellain,  her  Herman  Eothen,  mit  innicheit  nnde 
demoticheit  entfangen  . . .  nnde  ...  an  den  vifFteinden  dach  des  monats 
Inlii  1553  in  Godt  vorstorven.*'  8.  anch  die  Münstersche  Bischofschronik 
(M.  G.-Q.  I,  343)  nnd  M.  Röcheil  (M.  G.-Q.  HI,  242 f.),  der  anch  die 
ernstlichen  MifsheUigkeiten  andeutet,  in  die  der  Bischof  mit  den  Stünden 
des  Stiftes  Osnabrück  geraten  war.  (Zur  Sache  s.  C.  Stüve  a.a.O.  S.  137 ff.) 


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Anno  1553  acta.  949 

Osnabnrgensis,  administrator  ecclesiae  Mindensis,  de  generosa  et 
illnstri  comitnm  a  Waldegk  familia  ortos  hie  sepnltns  est.  Qni 
hanc  urbem  ab  ana*baptistis  occnpatam  post  longam  et  diffi-*p.  672. 
cilem  obsidionem  ciyibns  tandem  restitnit.  Obiit  antem  15.  die 
Inlii  anno  1 553  circa  horam  septünam  vespertinam  in  arce  Walt- 
beck.   Cnins  anima  requiescat  in  pace.   Amen^!^ 

Inde  anno  1554  die  Martis  post  Antonii  more  antiqnitas 
servato  a  snffragatoribns  tribntim  designatis  electns  est  senatns. 
Fnemnt  antem  suffi'agatores  ex  tribu  Martiniana  Henricns  Bot- 
gers et  Eberardus  Indefeldt,  ex  tribn  Lambertina  loannes  Holte- 
bner  et  Franciscns  Coesfeldt,  ex  tribn  Lndgeriana  Nicolans  Mnnth 
et  Christianns  Modersonne,  ex  tribn  Aegidiana  Bertholdas  Yoes 
et  Albertus  Wnlffertt,  ex  tribn  Mariana  Magnns  Sticker,  ex  tribn 
Indefeldana  Glerardns  Billick^  In  hac  electione  libera  senata 
removentnr  Bemardns  Holtappel,  Henricns  Warendorp,  Thomas 
aWjck,  Alardns  Droste.  Hermannnm  Schenckinck  mors  remo- 
verat.  Snbstitnnntnr  vero  Oeorgins  Bispinck,  Hermannns  Holt- 
appeU,  loannes  Steveninck  et  loannes  Herdinck.  His  privflegiis 
et  electionis  libertate  in  hodiemnm  diem  ciyes  ntnntnr.  Faxit 
Dens,  nt  ad  gloriam  nominis  sni  et  reipnblicae  tranqnillitatem 
quam  dintissime  ntantnr.    Amen! 

Habetis  nnnc,  omatissimi  lectores,  qnod  a  me  improbis 
vestris   precibns   extorsistis.    Si  vobis  in  aliqna  re  satisfactnm 


')  D.  Lilie  a.a.O.  sagt»  es  sei  „den  simdach  na  DiyisioniB  Aposto- 
lomm^  (16.  Juli)  „van  der  Wolbecke  dat  dode  licham  unbebalsamet  heil 
unde  al  gebracht  in  den  dorn  to  Munster  unde  dar  begraven  jegen  den 
choir  unde  schonen  glasevenster,  so  sine  f.  g.  na  der  yoroveringe  der  stadt 
Munster  gegeven."  Bei  M.  Röchell  a.a.O.  S.  243  heilst  es,  der  Bischof 
sei  „in  den  domb  für  S.  Johanns  altaer  an  der  suden  seidt  begraben  worden, 
dar  ehr  für  seinen  dode  ein  herlich  glasevenster,  desgelichen  in  den  domb 
nicht  war,  gegeben  hatte.**  Yergl.  dazu  oben  S.  896  Anm.  2.  Auch  in 
seinem  Catalogus  episcoporum  Monast.  fuhrt  Kerss.  die  Grabinschrift  wört- 
lich an.  Von  dieser  Grabinschrift  liefs  der  Bat  von  Münster  am  27.  April 
1609  eine  notariell  beglaubigte  Abschrift  nehmen  (St.-A.  M.,  Frsttm.  M. 
Urkunde  Nr.  3343«). 

*)  Dieselben  Namen  für  die  Korgenoten  finden  sich  auch  in  dem 
Verzeichnisse  im  Stadt-A.  M.  11.  Nr.  0,  das  aber  die  Namen  der  erwählten 
Batsheiren  nicht  nennt. 


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950  Anno  1553  acta. 

sit^  est,  cnr  gaudeam;  sin  minns,  vestra  indngtria»  qna  poUetis, 
pro  arbitrio  telae  stamen  commntate,  ita  tarnen,  ne  veritas,  qnae 
simplici  yerbomm  filo  texitnr,  mmpatnr  et  violetor. 
üt  gandere  solet  longis  erroribns  actus 
Navita  soUicitns  littora  tnta  videns, 
Sic  scriptor  viso  praesentis  fiue  libelli 
Exnltat  lassns  laetitiamqne  capit^. 

')  YgL  die  ähnlichen  Walafrid  Strabo  zugeschriebenen  und  bSufig 
angewandten  Verse,  mitgeteilt  von  W.  Wattenbach:  Das  Schriftwesen 
im  Mittelalter,  3.  Aufl.  (Leipzig  1896)  S.  281. 


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Personenverzeichnis. 


Aa,  Heinrich  znr,  (Henricns  thor  Ae), 
Stifter  eines  Armenhauses,  78. 

—  Johann  zur,  (Joannes  thor  Ae), 
Stifter  eines  Armenhauses,  78. 

Aachen,  Johann  von,  (Joannes  Aquen- 
sis),  Mathematiker  und  Wieder- 
hersteller der  Domnhr,  42. 

—  Quirin  von,  (Quirinus  Aquensis), 
Trahant  des  Königs  Johann,  649. 

Adelheidis,  Matter  des  Königs  Jo- 
hann, 639  ff. 

Adelphus  Stenerensis,  Christianns, 
schreibt  gegen  Rothmann,  235  A.  2. 

Adrianus  Traiectensis  s.  Utrecht, 
Hadrian  von. 

Ae  s.  Aa. 

Aelius,  Eberardus,  s.  Elen,  Eber- 
hard Yon. 

Affeln  (Affelen),  Nicolans  von,  Bats- 
diener,  889. 

Agrippinas  Infans  s.  Koeln,  Kind  von. 

Ahaus,  Heinrich  von,  (Henricns  de 
Ahusiana  familia  oriundus),  Stifter 
des  Fraterhauses  in  Münster,  61  ff. 

Ailly,  Peter  von,  63  A.  1. 

Akolck,  Johann,  Richter  zu  Wol- 
beck,  280. 

Alberich  (Alvericns),  Bischof  von 
Osnabrück  (1037—1052),  49. 

Albert  von  Beneventura  s.  Beneven- 
tura.  Albert  oder  Beneventura  von. 

Albert,  ein  Friese,  (Albertus  natione 
Frisius),  s.  Beneventura,  Albert 
oder  Beneventura  von. 

—  von  Sneek  s.  Sneek,  Albert  von. 


Alberting,  Hermann,  (a  Clave  cog- 
nominatus),  Diakon,  558. 

Alboin  (Albuinus),  Langobarden- 
könig, 8  f. 

Aldenburgieos,  Amoldus,  s.  Olden- 
burg, Äniold  von. 

Aldenzeel  s.  Oldenzaal. 

Alebrand,  Erzbischof  von  Bremen 
(1035—1043),  48. 

Alezander  Buschoducensis  s.  Bus- 
sche,  Sander  vom. 

Alfen,  Dietrich  von,  (Theodoricus 
Alfensis),  Apostel,  626  A.  3,  706, 
714, 

Alvericus  s.  Alberich. 

Amelunzen,  Moritz  von,  731. 

Andreas  Coesfeldianus  s.  Coesfeld, 
Andreas  von. 

—  Coloniensis  8.  Koeln,  Andreas  von. 

—  Coriarins,  Gerber,  584. 

—  Lubbecanus  s.  Luebbecke,  An- 
dreas von. 

—  Werdenus,  s.  Werden,  Andreas  von. 
Anna  Rodehosiana  822. 

Anton,  Graf  von  Oldenburg,  s.  Ol- 
denburg, Grafen  von. 

Antonius  Prumerenus  s.  Pruem,  An- 
ton von. 

Aquensis  s.  Aachen. 

Arndt  V.Utrecht  s.  Utrecht,  Arndt  von. 

Amheim,  Heinrich  von,  (Henricus  ab 
Amhem),  625  f. 

ArahAim^  Wilhelm  von,  (Wilhelmus 
Amhemicus) ,  bischöflicher  Be- 
fehlshaber, 684,  788,  797  f. 


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952 


Personenverzeichnis. 


Arnold,    Graf  von    Benthein    und 

Steinfurt,  s.  Bentheim  und  Stein- 

fort,  Grafen  von. 
Amoldus   Äldenburgicns  s.   Olden- 

denbnrg,  Arnold  Ton. 
Arnsberg,  Grafen  von,  27. 
Arschins,  Matthias,  785. 
Arzeus  Lythonins  s.  Lyth,  Artz  yan. 
Asbeck,   Johann   von,    (Joannes  ab 

Asbecke),  252,  877. 
Assola,   Magd    des   Arztes   Wesse- 

ling,  488. 
Angnstinns  Daventriacus  s.  Deventer, 

AugQstin  von. 
Augustinus    Torrentinus     (cognonL 

Cloterbemdt)  823. 
Avenhoyel,  Georg,  Diener  des  Knip- 

perdolling,  574. 
Averhagen,  Gerhard,  Ratsherr,  126, 

275,  797,  889,  916. 

—  Goswin,  392. 

Ayerweges,  Anna,  Frau  des  Königs 
Johann,  658. 

—  Catharina,  Frau  des  Königs  Jo- 
hann, 658. 


Baggel,  Johann,  131,  271. 

Baiem,  Herzog  Johann  yon,  8.  Mün- 
ster, Bischöfe:  Johann  IL 

Baldenerus,  Heino,  (auch  Heino  Bal- 
derenus),  612. 

Baineo,  Johann  in,  Schmied,  271. 

Baiser,  Lambert,  Bürger  in  Coesfeld, 
470  A. 

Bardo,  Erzbischof  yon  Mainz  (1031 
—1051),  49. 

Bast,  Wilhelm,  Schornsteinfeger,  589. 

Bastert,  Johann,  271,  392. 

Bechemicus  s.  Beckum. 

Beckers,  Gottfried,  687. 

Beckman,  Johann,  Apostel,  626  A.  3, 
627  A.  1,  706,  722«: 

Beckmann,  Otto,  Propst  zu  St  Ae- 
gidii,  331. 


Beckum,  Benhaid  toh,  (Bemhardis 
a  Becchem,  BemardosBechemicii«  i, 
Bürger  in  Warendorf;  16^  716. 

—  Hanso  yon,  (Hanso  Beehemioiä. 
Bechemius),  Landsknecht^  591, 7bL 

Beker,    Heinrich,    aus     Warendczl 

Herzog,  775  A.  1. 
Beiholt,  Arnold,   Stadtrichto,  191 

209f.,  369f.,  400t,  404,  424 A.i 

425  A.1,  453  f.,  461. 

—  Otto,  Trabant  des  Königs  Johana, 
649. 

Beltzich,  Albert  von,  (auch  Albeits» 
Beltzius),  bischöflicher  Befehls- 
haber, 525,  547,  610  A.  5,  617  L 

Beneyentura,  Albert  oder  Beneveih 
turayon,  (Albertus  FriaiuB),  735  A.2, 
821. 

Bentheim  und  Steinfiurt^  Arnold  GnS 
yon,  263, 290, 373  A.4, 378, 510  A.  2, 
529  f.,  669  f.,  877,  885,  887,  896. 

—  Eberwin,  Graf  yon,  150. 
BenÜagen,    Johann,    Trabant    der 

Königin,  661. 
Berge,  Georg  thom,  (auch  Georgius 
Montanus),  Schneider,  124^  485. 

—  dessen  Tochter  124,  484. 
Berghen,  Cornelius  yon,  s.  Lnettich, 

Bischof. 
Bemardus  Bechemicus  s.  Beckum, 
Bernhard  yon. 

—  Hayickhorstius  s.  Hayichhoist, 
Bernhard  yon. 

—  Pannicida,  584. 

—  ZwoUanus8.Zwolle,BenihaidyoD. 
Bernhard  yon  Baesfeld  s.  Münster, 

Bischöfe. 
Beminck,  Hermann,  Schmied,  584. 
(Bertheithis),  Schwester  des  Bischofs 

Hermann  L,  Aebtissin  zu  üeber- 

wasser,  48. 
Beuckelsz  yan  Leyden,  Oude  Jan,  s. 

Leiden,  Johann  yon. 
Beyens,  Peter,  Trabant  des  Königs 

Johann,  649. 


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Personenverzeichnis. 


953 


Beveren  s.  Bueren. 

Bilderbechf  MatÜiias,    bischöflicher 

BefehlBhaber,  798,  844. 
Bilderbeck,  Hennann,  Trabant  des 

Königs  Johann,  649. 
Bilderbeck,  Lambert,  ans  Coesfeld, 

Aeltester,  576,  775  A. 
Bill,  Turban,  (Tnrbanns  Billns,  Byll), 

ans  D&nemark,  Trabant  des  Königs 

Johann,  649,  782  fll 
Billick,  Gerhard,  949. 
Bischopinck,   Eberhard,   (Eberardns 

Bischopingas),  Erbmann,  Besitzer 

des  Hauses  Geist,  79,  548. 
Bischopinck,    Johann,    Weihbischof 

von  Münster,  897,  900. 

—  Johann,  (Joannes  Bischopingus, 
Bisschopingas),  Erbmaan,  Ratsherr, 
126,  889,  916,  984. 

Bispinck,  Georg,  Ratsherr,  949. 

—  Hermann,  Ratsherr,  126. 

~  Hermann,  Predikant,  192,  470  A., 
625  f. 

—  Johann,  Trabant  des  Königs 
Johann,  649. 

—  Johann,  Borgenneister  in  Waren- 
dorf, 716. 

Bockelson,  Johann,  s.  Leiden,  Johann 
von. 

Bockholt,  Johann,  Borger  in  Coes- 
feld, 470  A. 

Bodegen,  Melchior,  530. 

Bodeker,  Albert,  279. 

Bodelschwing,  Adolf  Ton,  (Adolphas 
de  Bodelswinge),  Domheir,  324, 
342«:,  347,  373. 

Boekebinder,  Bartelemens,  Apostel 
ans  Holland,  471  A.  1. 

Boekell  (praetor  in  Grevenhagen), 
Vater  des  Königs  Johann,  640  f. 

Boemeken,  Jodocas,  Diener  des  Dom- 
herrn Dangel,  540. 

Boemer,  Hermann,  519. 

Boentrnp  (Boentrnppe),  Bernhard, 
Fleischer,  519  f.,  584,  649. 


Boentnip     (Boentrnppe) ,     Johann, 

Fleischer,  Apostel,  657  A.  1,  705, 

722  if.,  850. 
Bokekon,  Johann,  s.  Leiden,  Johann 

von. 
Boland,  Conrad,  Kanonikus  zu  St. 

Martini,  328. 

—  Johann,  (Joannes  Bolandt,  Bolan- 
dus),  Ratsherr,  126,  393. 

Bomans,  Jürgen,  Bürger  in  Waren- 
dorf; 710  A.  1,  715  A,  3. 

Bonifaz  IX.,  Papst,  96  A.  1. 

Bonn,  Gerhard  von,  (Gerardus  Bon- 
nensis),  Thorwftrter  des  Königs 
Johann,  648. 

Bontorpen,  Bernhard,  265. 

Boppard,  Nicolans  von,  (Nicolaus 
Bupardicus),  Landsknecht,  792. 

Borchardes,  Caspar,  (Caspar  Bor- 
chardi),  518,  856. 

—  Cathaiina,  856. 
Bomemann,  Caspar,  Feldwebel  beim 

König  Johann,  650. 
Borstel,  Hans  von,  (Hanso  ab  Borstel, 

alias    Menkenus),     Goldschmied, 

520,  649,  801. 
Boso,  Genosse  des  helL  Suidbert,  32. 
Boutemans,  Bernhard,  (alias  Scho- 

macker),    Bürger   in   Warendorf; 

715. 
Boynck  von  Oldersum  s.  Oldersum, 

Boynck  von. 
Brandeburgus,  Justinus,  bischöflicher 

Richter,  151. 
Brandenburg,  Albrecht  von,  s.  Mainz, 

Erzbischöfe. 
Brandeschenia,  Schwiegermutter  des 

Knipperdolling,  451,  855. 
Branscho,  Johann,  Bürger  in  Waren- 
dorf, 716. 
Braunschweig-Grabenhagen,  Herzog 

Erich  von,  s.  Münster,  Bischöfe: 

Erich  n. 

—  Herzog  Philipp  von,  669. 


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954 


PersonenverzeiGlmis. 


Brannschweig  -  Ealenberg ,  Henog 
Erich  n.  Yon,  529. 

Brannschweig -Lüneburg,  Herzog 
Ernst  von,  301, 304  f.,  361, 391 A.  1, 
689  A.  2. 

Herzog  Franz  von,  301,  805. 

Herzog  Friedrich  von,  (1464), 

138. 

Braunschweig-Wolfenbüttel,  Herzog 
Heinrich  IL  der  Jüngere  von,  930. 

Herzog  Philipp  Magnus  Ton, 

930  f.,  935. 

Herzog  Wilhelm  von,  897. 

Braunschweig,  Ludwig  von,  bischöf- 
licher Befehlshaber,  798,  832. 

Bredevort,  Dietrich,  Fraterheir,  424 
A.  2,  425  A.  1. 

Brictius  tom  Korde,  (Brixius  Nor- 
danus, thon  Norden),  207,  231  f., 
238,  316,  424  A.  2,  443  A.  1, 
453,  461,  464,  465  A.  2. 

Bridorp,  Hermann,  Diakon,  558. 

Brinck,  Johann,  Trabant  des  Ednigs 
Johann,  649. 

Brincke,  Johann  thom,  Schuhmacher, 
392,  925  A.  1,  926,  932,  941. 

—  Ludger  thom,  Oldermann,  126, 
159,  208,  280f.,  402. 

Brixius  Nordanus   s.  Brictius   tom 

Norde. 
Brothanxt,  Johann,  Augustinerpater, 

424  A.  2. 
Bruins,  Peter,  Feldschütz  des  Königs 

Johann,  649  A.  3. 
Bruno,  Bischof  von  Minden  1037— 

1055,  49. 
Brunsinck,    Peter,    Feldschütz    des 

Königs  Johann,  649  A.  3. 
Bucer,  Martin,  443  A. 
Bück,  Eberhard,  Erbmann,  342,  373. 

—  Hermann,  Erbmann,  323. 

—  Lambert,  Erbmann,  889. 
Bueren,  Berthold  von,   (Bertholdus 

a  Buren),  Drost  zu  Iburg,  208. 


Bueren  (Beveren,  Bueren,  Boren) 

—  Johann  von,  252,  342,  344,  349 
A.5,  351  IT.,  373,  377  fi;  468  A.  4, 
504  A.  1,  524,  712,  877. 

—  Johann  von,  Amtanann  sn  Werne, 
548  A.3. 

—  Melchior  von,  DomkeUner,  342  L, 
345,  347,  373,  470,  480,  496  A.  2, 
507,  543,  660. 

—  Odinga  von,  46. 
Bupardicus,    Nicolaus,  8.   Boppard, 

Nicolaus  von. 

Burchard  von  Holte  s.  Münstei;  Bi- 
schöfe. 

Bnreck,  Heinrich,  131. 

Buren  s.  Bueren. 

Burgund,  Maria,  Statthaltetin  vi», 
(Maria  rectiix  Brabantiae),  529, 
742  A.,  (s.  auch  298  A.  1,  436  A.). 

Burman,  Hermann,  932. 

Busch,  Paul,  280. 

Busche,  Hermann  von  dem,(Hermaii- 
nus  Buschius),  41,  190,  235  A.  1, 
421  A.,  424,  425  A.  1,  426. 

Busche,  Wilhelmus  de,  Stifter  eines 
Armenhauses,  78. 

Buschius,  Bernhard,  Münzmeister  des 
Königs  Johann,  649. 

Buschoducensis  s.  Bussche,  vom. 

Bussche,  Elisabeth  vom,  (Elyiabet 
Buschoducensis),  Frau  des  Königs 
Johann,  659. 

—  Johann  vom,  (Joannes  Busacho- 
ducensis),  pyropaeus,  füeiboeter 
des  Königs  Johann,  649. 

—  Sander  vom,  (Alexander  Buscho- 
ducensis), Lftufer  der  Königin  Di- 
vara,  661,  823. 

Busschius,  Hieronymus,  493. 

Butendick,  Barbara,  688. 

Butendieck,  Johann,  Apostel,  705, 
719  f. 

Butepagius,  Stifter  eines  Armen- 
hauses, 79. 


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Personenverzeichnis. 


955 


Bnth,  Heinrich,  Biirger  in  Waren- 
dorf, 716. 
Bnthman,  Johann,  Ratsherr,  889. 
Bnxtorp,  Bernhard,  604  f. 
Byll,  Tnrban,  s.  Bill,  Turban. 


C  siehe  anch  K. 

Cadalns,  Bischof  von  Zeitz  1032— 
1045,  (Carro,  Gircensis  episcopus), 
49. 

Calenburgus,  Jodocns,  486. 

Gänsen,  Labbert,  Kaplan  an  der 
Martinildrche,  127,  130  A.  1,  140. 

Ganstein,  Gorvin  von,  352. 

Garolns  s.  Karl. 

Garro,  Gircensis  episcopus,  s.  Gada- 
lus,  Bischof  von  Zeitz. 

Gaterberch,  Johann,  (Joannes  Gater- 
berchus  Montanus  alias  thor  Hey- 
den,  auch  Joannes  Katerbergh), 
Schwertfeger,  Diakon,  Herzog,  558, 
774  ff. 

Ghimrgus,  Gonradus,  s.  Gonradns 
Ghirurgus. 

Ghristoph,  Graf  von  Oldenburg,  s. 
Oldenburg,  Grafen  von 

Ghristoph  von  Waldeck,  s.  Waldeck, 
Ghristoph  von. 

Glarenbach,  Adolf^  Lehrer  in  Munster, 
127. 

Glave,  Hermannus  Albertingus  cog- 
nominatus  a  — ,  s.  Alberting,  Her- 
mann. 

Gleve,  Herzog  Johann  III.  von,  117  f., 
146,  148,  287  A.  2,  343  f.,  363  ffl, 
529  f.,  565  A.  1,  567,  568  A.  1, 
591  A.4,  600  ff.,  682,  707,  730  ff., 
741  A.  3,  812  f.,  859,  868,  869 
A.  1,  871  A.  1,  900  A.  1. 

Glevom,  Albert,  Erbmann,  393,  889. 

—  Egbert,  Erbmann,  889. 

—  Wilhelm,  Erbmann,  323,  342, 373. 
Gloister,  Gert  tom,  (Gerardus  thom 

Eloester,    tzum    Kloester,    tzum 


Kleister),  Apostel  aus  Holland, 
413,  478  A.  2,  645,  647,  663. 

Gloprisius,  Johann,  s.  Kloprils,  Jo- 
hann. 

Gloterbemdt  s.  Augustinus  Toiren- 
tinus. 

Glymmer  van  Woerden  (Gymnerus 
Yoerdanus)  s.  Woerden,  Glymmer 
van. 

Goesfeld,  Andreas  von,  (Andreas  Goes- 
feldianus),  Zuchtmeister  am  Hofe 
des  Königs  Johann,  647. 

—  Johann,  (Joannes  Goesfeldianus, 
Goesfeldius) ,  Sattelmacher  des 
Königs  Johann,  584,  650. 

Goesfeldt,  Franz,  949. 
Golbecher,   Wendelin,   Kanzler  des 
Bischofs  Franz,  929,  933  ff.,  946. 
Goloniensis  s.  Koeln. 
Gonradus  Ghirurgus  821. 

—  Govordicus,  489  f. 

—  Insulanus  8.  Werde,  Gort  van  dem. 
Goriarius,  Andreas,  s.  Andreas  Go- 

riarius. 

Gorler,  Peter,  932  ff. 

Gort  van  dem  Werde  s.  Werde,  Gort 
van  dem. 

Gorvinus,  Antonius,  628  A.  1, 801 A.  1, 
869  ff. 

Gorytzer,  Johann,  bischöfl.  Haupt- 
mann, 525,  547,  590  A.  1,  596. 

Govordicus,  Gonradus,  489  f. 

Grumaker,  Heinrich,  (cognomin.  Son- 
neken), Bürger  in  Warendorf;  716. 

Gruse,  Anton,  151  ff 

—  Gonrad,  (Gonradus  Gruseus,Kruese, 
Kruefse),  Hauptmann  des  Königs 
Johann,  152,  519  f.,  562,  584, 
650,  663. 

—  Joachim,  Bürger  in  Warendorf^ 
378,  717. 

Guiper,    Willem   de,    Apostel    aus 

HoUand,  471  A.  1. 
Gulmann,  Johann,  Pförtner  d.  Königs 

Johann,  648. 


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Personenyerzeichiiis. 


Damme,  Ernst  vom,  (Ernestas  Dam- 
mensis),  Trabant  des  Königs  Jo- 
hann, 649. 

a  Dayentria,  Davontriacns,  Daven- 
trianos  s.  Deventer, 

Deckeninck,  Heinrich,  Ausgeber  (pro- 
mus,  slnetcr)  am  Hofe  des  Königs 
Johann,  648. 

Deipenbrock  s.  Diepenbrock. 

Dencker,  Johann,  Krämer,  Herzog, 
774  f. 

Dethmar,  Bischof  von  Hildesheim 
1038—1044,  (Dethmams  Hilde- 
siensis  episcopns),  49. 

—  Nicolaus,  624. 

Dethmer,  Lubbert,  Borger  in  Coes- 
feld, 534  A.  1. 

Detten,  Wilhelm  von,  Herzog,  775  A. 

Deventer,  Augustin  von,  (Angustinus 
Daventriacns),  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525. 

—  Johann  von,  (Joannes  Daventria- 
nns),  Schuster,  Bauherr  am  Hofe 
des  Königs  Johann,  279,  872,  392, 
519,  585,  649. 

—  Johann  von,  (Joannes  de  Daven- 
tria),  Minoriten-Provinzial  in  Köln, 
316  f. 

—  Wolter  von,  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525  A.  1. 

Deveren,  Egbert  von,  bischöflicher 
Hauptmann,  525,  547,  684,  735, 
788,  832,  836,  862  A. 

Dhaun,  Wirich  von,  s.  Oberstein; 
Wirich  von  Dhaun,  Graf  zu  Fal- 
kenstein, Herr  zu  — . 

Dickhenneken,  Nicolaus,  Ratsherr  in 
Dülmen,  378. 

Diepenbrock,  Georg  von,  (Georgius 
a  Deipenbrock),  Amtmann  zu 
Bocholt,  548  f. 

—  Botger  von,  (Botgerus  a  Deipen- 
brock), Amtmann  zu  Bocholt,  150. 

Diest,  Eberhard  von,  s.  Münster, 
Bischöfe. 


Dietrich  s.  auch  Theodoricns. 

—  Graf  von  Isenbnrg,  s.  Mfinster, 
Bischöfe:  Dietrich  HL 

—  von  Winzenburg,  s.  Munster,  El 
schöfe:  Dietrich  11. 

DincUage,  Johann  von,  bischöflichff 

Rittmeister,  524,  548,  877. 
Divara  aus  Haarlem,  (Divara  Harie- 

mica),  Königin,  Frau  Johanns  vob 

Leiden,  478,  494  A.  1,  571,  626, 

657  ff.,  661,  665,  698  t,  702,  855, 

872. 
Dockheim,  Johann,   cognom.  FreiCs, 

Rat  des  Bischofs  Franz,  742. 
Dodo  s.  Münster,  Bischöfe. 
Doerloe,  Conrad  von,  511. 
Dorhoff  (aedes  DorhofEii),  663. 
Drecke,  Arnold  tzum,  Abt  tob  Ka- 

rienfeld,  901. 
Dreggers,    Elisabeth,    Qn   anderen 

Quellen:   Dreiers,  TregersX  Fran 

des  Königs  Johann,  658. 
Dreiers,    Elsa,    Frau    des    Königs 

Johann,  658  A.  2. 
Dreierschenia  785. 
Drolshagen,  Arnold,  Erbmann,  889. 

—  Heimich,  Erbmann,  126,  398. 
Droste  (Drosten,  DrostheninsX  Alaid, 

Erbmann,  342,  373,  949. 

—  Eberwin,  Erbmann,  126,  208, 
232,  271,  276,  342,  393,  480,  505, 
555,  889. 

dessen  Sohn,  342,  373. 

—  Heinrich,  Erbmann,  889. 

—  Joachim,  zu  Senden,  373  A.  4. 

—  Johann,  126,  131,  208,  505. 
zu  Vischering,  373  A.  4,  379, 

408. 
Dueren,  Gerhard  von,  (Gerardua  Mar- 
coduranus), Feldwebel  des  Königs 
Johann,  650. 

—  Hermann  von,  (HermannusMareo- 
duranus),  Paukenschlftger  des  Kö- 
nigs Johann,  650. 


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Personenverzeiclmis. 


957 


Dnmkoster,  Heinrich,  Schuhmacher, 
584. 

Dnngel  (Dnngell),  Hermann,  Dom- 
herr zu  Münster,  398  A.  2,  400, 
589  f.,  569,  821. 

Dusentschner,  Johann,  GoldBchmied 
ans  Warendor^  Prophet,  Apostel, 
557  A.  1,  574  A.  2,  630  A.  2, 
684  2:,  638  f.,  646,  678  A.  1, 
681  A.,  687«:,  696  ff:  700  ff., 
704,  719  ff.,  786  A.  1. 

Dosseldorp,  Theodoricns,  Trabant 
des  Königs  Johann,  649. 

Eberhard  von  Diest  s.  Mfinster,  Bi- 
schöfe. 

Eberwin,  Graf  von  Bentheim  und 
Steinfort,  s.  Bentheim  und  Stein- 
fnrt,  Grafen  von. 

Eck  Ton  der  Langenstraten,  Hans, 
(Hensulus  Eckius  Langestratius, 
Joannes  Langstrate),  649, 675  A.  2, 
825ff.,   834ff: 

Edelbloit,  Heinrich,  Schneider,  584. 

Edinck,  Engelbert,  Trabant  des 
Königs  Johann,  spftter  Herzog, 
520,  649,  774  f. 

Effordianus,  Michael,  bischöflicher 
Hauptmann,  525. 

Egbert  s.  Mfinster,  Bischöfe:  Egbert. 

Egbertus  DoYerenus  s.  Deveren,  Eg- 
bert von. 

Eggerdes,  Johann,  Bfirger  in  Waren- 
dorf, 716. 

Elen,  Eberhard  von,  (Eberardns  Ae- 
lius,  Eberardus  ab  Elen),  Kanzler 
des  Bischofs  Franz,  146,  263,  654, 
742,  908  A.  1. 

Elisabeth  Buschoducensis  s.  Bussche, 
Elisabeth  vom. 

Ellen,  Wilhelm  von,  Amtmann  zu 
Assen,  548  A.  2. 

EUer,  Friedrich  von,  bischöflicher 
Bittmeister,  524,  547. 

Eming,  Bernhard,  688. 


Erfurt,  Michael  von,  s.  Effordianus, 

Michael. 
Erich,  Herzog  von  Braunschweig-Gm- 

benhagen,  s.  Mfinster,  Bischöfe: 

Erich  II. 

—  Herzog  von  Braunschweig-Kalen- 
berg  s.  Braunschweig-Kalenberg, 
Herzöge  von. 

—  Graf  von  Hoya  s.  Hoya,  Erich, 
Graf  von. 

—  Herzog  von  Sachsen-Lauenburg 
s.  Mfinster,  Bischöfe:  Erich  I. 

Emestus  Danmiensis  s.  Damme,  Ernst 

vom. 
Ernst,   Herzog   von    Braunschweig- 

Luneburg,  s.  Braunschweig-Lune- 

bürg.  Herzöge  von. 

—  Graf  von  Schaumburg,  s.  Schaum- 
burg, Ernst,  Graf  von. 

Erpho,  8.  Mfinster,  Bischöfe. 
Erpo  Hollandus  s.  HoUand,  Erpo. 
Ertmann,  Otto,  Bfirger  in  Osnabrfick, 

722  A.  2. 
Eschman,   Johann,   aus  Warendor^ 

Aeltester,  576,  850. 
Essens,  Johann,  aus  Coesfeld,  Apostel, 

705,  721. 
Eugen  lY.,  Papst,  63,  73  A.  3. 


F  siehe  auch  Y* 

Fabri,  Eberhard,  300  f.,  303. 

Fabricius,  Theodor,  388  A.  1,  436, 
440, 446 f.,  452ff:,  455  A.2, 456 ff:, 
464  A.  2,  465  £,  494,  538  f.,  652 
A.  1,  653  A.  3,  655  A.  2,  657  A.  1, 
715  A.1,  7621,  776  A.1. 

Feicken,HiIla,  (Hilla,Pheiconisfilia), 
605£ 

Ferdinand  I.,  Römischer  König,  750!:, 
761,  783  A.  2,  795,  863,  868,  893, 
947  A.  1. 

Fischer,  Johann,  (Joannes  Yischer), 
Rat  des  Landgrafen  Philipp  von 
Hessen,  361. 


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958 


Personenverzeichnis. 


Flascamp  s.  Grater,  Johann. 

Floer,  Johann,  823. 

Florenz  von  WewelinghoTen  s.  Mün- 
ster, Bischöfe. 

Focco,  Hermann,  Schneider,  280. 

Pocke,  Bernhard,  Apostel,  705,  721. 

Foecke,  Hermann,  519,  558. 

Folien,  Eberhard,  585. 

Franciscus  s.  Frans. 

Franco  Zntphanicus,  s.  Znetphen, 
Franco  von. 

Franeker,  Julius  von,  (Julius  van 
Franeken,  Julius  episcopus,  Julius 
Frisius),  Bischof  der  Wiedertäufer 
in  Münster,  542,  5Ö8,  633,  688, 
705. 

Franz,  Herzog  von  Braunschweig- 
Lüneburg,  s.  Braunschweig-Lüne- 
burg,  Herzöge  von. 

Franz,  Graf  von  Waldeck,  s.  Münster, 
Bischöfe. 

Freise,  Peter,  s.  Friese,  Peter. 

Freiss  s.  Dockheim,  Johann  von. 

Frese  oder  Fresen,  Peter,  s.  Friese. 

Fridach  (Fridagh),  Heinrich,  Rats- 
herr, 271,  275,  392. 

Fridagh,  Johann,  Guardian  des  Fran- 
ziskanerklosters  in  Münster,  401. 

Frie,  Hermann,  Bürger  in  Waren- 
dorf, 715. 

Friedrich  L,  Kaiser,  96. 

Friedrich  n.,  Bischof  von  Münster, 
s.  Münster,  Bischöfe. 

Friedrich,  Herzog  von  Braunschweig- 
Lüneburg,  s.  Braunschweig-Lüne- 
burg.  Herzöge  von. 

Friedrich,  Graf  von  MeiTsen,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe:  Friedrich  I. 

Friedrich,  Graf  von  Wied,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe:  Friedrich  HE. 

Friese  (Freise,  Frese,  Fresen),  Peter, 
(Petrus  Frisius)  231,  279, 345, 392, 
428,  632,  685. 

Frisius,  Albertus,  s.  Beneventura, 
Albert  oder  Beneventura  von. 


Frisius,  Julius,  s.  Franeker,  Julius  ron. 
Fritzburgh,  Christoph  von,  al  Wris- 

berg,  Christoph  von. 
Frolig,  Hermann,  Henogj  775  A. 
Fromme,  Georg,  Trabant  des  Kdnigs 

Johann,  649. 


Oastel  (Guenters  Knecht,  gCDannt 
Gastel),  Nagelschmied,  584  A.  2. 

Geel,  Johann  von,  s.  Gheel^  Johann 
von. 

Geisthoevell  (Geisthovell),  Albert, 
Bftcker,  519  f. 

Geldern,  Herzog  Kail  von,  343,  S45 
A.,  436  A.,  510  A.  2,  771  A.,  795. 

Georg,  Graf  von  Oldenburg  s.  Olden- 
burg, Grafen  von. 

—  Herzog  von  Sachsen  8.  Sachsen, 
Herzog  Georg  von. 

-^  von  Wulftamsdorf  8.  Wnlfirams- 

dorf,  Georg  von. 
Georgius  Kylanus  s.  Kjll,  Georg  von. 
Gerardus,   Genosse  des  heiL  Suid- 

bert,  32. 

—  Aldenzeell  s.  Oldenzaal,  Gerhard 
von. 

—  Bonnensis  s.  Bonn,  Gerhard  von. 

—  thom  Kloester  (E[loister)  a.  Cloi- 
ster,  Gert  tom. 

—  Marcoduranus  8.  Dneren,  Ger- 
hard von. 

—  Smokerus  s.  Münster,  Gerhard. 
Gerber,  Andreas,   s.  Andreas  Cori- 

arius. 

Gerdt  van  Triebt,  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525  A.  1. 

Gerhard,  Graf  von  der  Mark,  s. 
Münster,  Bischöfe. 

Gerlach  von  Wullen  s.  Wollen,  Ger- 
lach von. 

Gerson,  Johann,  63. 

Gertrud  (Gerdrndis,  magistri  Conradi 
chirurgi  coniunz),  821. 

Gestemer,  Eberhard,  498  A.  1. 


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Personenyeizeichnis. 


959 


Gewandschneider,  Bernhard,  s.  Ber- 

nardus  Pannicida. 
Gcyll,  Johann  von,  (in  anderen  Quellen 

Johann  von  Goel  und  Johann  von 

Groll  genannt),    Thorwftrter   im 

Dienste  der  Königin  Diyara,  661. 
Gheel,  Johann  von,  758  A.  1, 819  A.  3. 
Gildehans,  Lambert  von,  (Lambertas 

Gylthnefs),   Trabant  der  Königin 

Divara,  661. 
Gise,  Johann,  Bürger  in  Warendor^ 

717. 
Glade,  Hermann,  Bftcker  am  Hofe 

des  Königs  Johann,  649. 
Glandorp,  Bernhard,  Schneider,  392, 

584. 

—  Eberhard,  Schneider,  392. 

—  Johann,  Rektor  der  evangelischen 
Schule  in  Münster,  238,  401,  402 
A.  1,  424  A.  2,  425  A.  1,  430  A.  2, 
453,  461,  464  A.  2,  465  A.  2. 

Glasemaker,  Goswin,  Bote  des  Königs 
Johann,  650. 

Godefridus  Traiectensis  s.  Utrecht, 
Gottfried  von. 

Goel,  Johann  von,  s.  Geyll,  Johann 
von. 

Goetze,  Dietrich,  Bürger  in  Waren- 
dorf; 717. 

Goswin  von  Yelmede  s.  Yelmede, 
Goswin  von. 

Gottfried  von  Utrecht  s.  Utrecht, 
Gottfried  von. 

Grabow,  Matthaens,  63  A.  1. 

Graell,  Franz,  Erbmann,  342,  373. 

Graes  (Graefs,  Grasius,  Grasdns), 
Heinrich,  aus  Borken,  Schulmeister 
in  Münster,  648  A.  8,  651  A.  2, 
703,  705,  722  ff.,  739,  740  A.  2, 
741  A.  1. 

seine  Frau  821. 

Graes,  Johann,  Bürgermeister  in 
Coesfeld,  565  A.  2,  856. 

Grave,  Jacob  van  den,  Apostel,  705. 
721. 


Gregor  IX.,  Papst,  57,  60. 

Gresbeck,  Heinrich,  Tischler,  826  ff. 
Anmerkungen. 

Greven,  Johann  von,  (Joannes  Gre- 
voniensis),  Trabant  des  Königs 
Johann,  649. 

Grever,  Johann,  (Piepenkenneken), 
128. 

Groeten,  Johann,  131. 

Groll,  Johann  von,  s.  Geyll,  Johann 
von. 

Grollanus,  Theodoricus,  (in  anderer 
Quelle  Dirick  van  Groll),  bischöf- 
licher Hauptmann,  525  A.  1. 

GroUe  (Grollen),  Bernhard,  Ratsherr, 
126,  889. 

—  Dietrich,  Magister,  393. 

—  Margaretha,  Frau  des  Königs 
Johann,  659. 

Groningen,  Timann  von,  (Tymannus 

Groninganus),  612,  785. 
Grotevader,  Anton,  Bauherr  am  Hofe 

des  Königs  Johann,  271,  519,  649. 
Gruter,  Bernhard,  131,  275,  889. 

—  Johann,  alias  Flascamp,  392. 

~  Lucas,  Hutmacher,  392,  520,  562, 

584. 
Guenters  Knecht,   genannt  Gastel, 

Nagelschmied,  584  A.  2. 
Guldenarm,  Anton,  Aeltester,  280, 

392,  576,  594. 
Gylthuels,  Lambertas,  s.  Gildehaas, 

Lambert  von. 


Hadrian  von  Utrecht  s.  Utrecht,  Ha- 
drian  von. 

Haecke  (Haeke),  Heinrich,  s.  Hake, 
Heinrich. 

Hagedom,  Hermann,  Fischer  im  Hof- 
halte des  Königs  Johann,  650. 

Hagen,  Bernhard  von,  aus  Geseke, 
Rat  des  Erzbischofs  von  Köln,  149. 

Hake,  Heinrich,  Domdechant,  270, 
291,  321  A.  1,  347. 


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960 


Personenverzeichnis. 


Hake,  Johann,  biachdflicher  Haaplr 

mann,  525,  612  A.  1. 
Hamm,  Dietrich  von,  (Theodoricos  ab 

Ham),  Offizial  zu  Münster,  92. 

—  Meinhard  von,  (Meinardns  Ebun- 
monios),  LandsknechtsfOhrer,  82Bf. 

Hangesbecke,     Matthias,     cognom. 

Zelenmacker,  658. 
Hans  Ton  Beckum  s.Beckmn,  Hans  von. 

Borstel  s.  Borstel,  Hans  von. 

Hans  Eck  von  der  Langenstraten  s. 

Eck  Ton  der  Langenstraten,  Hans. 
Hans  von  Nymwegen  s.  Nymwegen, 

Hans  von. 
TecUenbarg  s.  TecUenbnrg, 

Hans  von. 
Harderw^k,  Beiner  Ton,   (Beinems 

Hardewicenns),   erster  Mann  der 

Elisabeth  Wantscherer,  828. 
Hannen,  Gottfried  von,  352. 

—  Johann,  Pastor  in  Ahlen,  118  f. 
Harting,  Bektor   der   bischöflichen 

Kapelle  in  Münster  (1277),  37. 
Hatzfeld,  Georg  von,   (Georgias  ab 

Haitzfelt),  Domheir,  856. 
Haverhoven,  Lubbert,  Koch  am  Hofe 

des  Königs  Johann,  648. 
Hayichhorst    (HaYickhorstios),    anf 

dem  Fischmarkte  wohnhaftig,  163. 

—  Bemard  von,  (Bemardus  Hayick- 
horstius  yillicus),  Diakon,  558. 

Haxthausen,  Conrad,  (Gonradus  Haxt- 

husen),  352. 
Heckers,  Maria,  Frau  des  Königs 

Johann,  658. 
Heerde,  Bnrchard,  der  Aeltere,  886. 
der  Jüngere,  889,  932,  942, 

—  Hermann,  Bürgermeister,  233, 
271,  393,  498  A.  1,  555,  873,  889, 
912  ff.,  923  A.,  925  A.  1,  926, 
934  ff.,  940. 

—  Johann,  530. 

Hege,  Eberhard  thor,  Koch  am  Hofe 
der  Königin  Divaia,  661. 


Heino  Baldenems  s^aldenenu^Heäno. 

Heinrich  s.  auch  Henrieus. 

Heinrich  DI.,  Kaiser,  48  £ 

Heinrich  lY.,  Kaiser,  49. 

Heinrich  der  Jüngere,  Herzog  tqd 
Brannschweig-Wolfenbüttel,  siebe 
Braunschweig-Wolfenbüttel,  Her- 
zöge von. 

Heinrich,  Graf  von  Moers,  s.  Mfinster, 
Bischöfe:  Heinrich  IL 

•—  Graf  Ton  Schwanenberg,  s.  Mna- 
ster,  Bischöfe:  Heinrich  HL 

Hellebemdes,  Adelheid,  im  Bgma- 
thalkloster,  101. 

Helffmann,  Johann,  Beichslmiiizier- 
gerichts-Prokurator,  283. 

Henricns  Ahnsianns  s.  Ahaus,  Hdn- 
rich  von. 

—  ab  Amhem  s.  Amheim,  Heimidi 
von. 

—  Leodins  s.  Lnettich,  Heinrich  von. 

—  Oldenzeel  s.  Oldenzaal,  Heinridi 
Ton. 

—  Osnaborgensis  s.  Osnabrück,  Hem- 
rich  von. 

—  Santensis  s.  Xanten,  Heinrich 
von. 

Henssenbroick,  Johann,   s.  Herase- 

broick,  Johann. 
Hensolus  Eckius  Langestratins  s.  Eck 

von  der  Langenstraten,  Hans. 
Hercules  Herrordianus,  Sdlralkamerad 

Kerssenbroch's,  503. 
Herde  s.  Heerde. 
Herdinck,  Johann,  Batsherr,  126^  131, 

393,  889,  949. 
Hennann  I.,  Bischof  von  Münster, 

s.  Münster,  Bischöfe. 
Hermann,  Graf  von  Katxenelnbogen, 

s.  Münster,  Bischöfe:  Hermann  IL 
Hermann,  Graf  von  Wied,  s.  Koeln, 

Ersbischöfe. 
Hermannnlns  quidam  633. 
Hermannns  a  ClaTe  cognominatns  s. 

Alberfing,  Hermann. 


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Personenverzeichnis. 


961 


Hcrmannus  Marcodnranas  s.  Daeren, 

Hermann  von. 
Hcrssebroidc,  Johann,  (Joannis  Hens- 

scnbroick),  530. 
Herte  (Herthen),  Melius,  Batsheir, 

275,  873. 
Herzogenbusch  s.  Bossche  vom. 

Hcsling,  Johann,  Bürger  in  Waren- 
dorf, 716. 

Hessen,  Landgraf  Ludwig  von,  s. 
Münster,  Bischöfe:  Ludwig  11. 

—  Landgraf  Philipp  Ton,  (Lantgra- 
vius),  118  A.  3,  195  A.  2,  225  ff., 
287  ff.,  298  A.1,  301  ff.,  339  A.,  344, 
349  f.,  352,  354,  3G0  f.,  366  f.,  371, 
375  A.,  3781,  388  A.  1,  391,  405 
A.2,  435  f.,  440  A.  2,  442,  447, 
452  A.1  U.2,  453  A.1,  454  ff., 
462,  464  A.2,  504 f.,  529 f.,  538 
A.  1,  592  A.,  652  A.  1,  653  A.  1, 
676,  742  A.,  754  ff.,  762  f.,  775, 
783  A.  2,  811  A.  1,  868,  872, 
890  A.  8,  930. 

Hefshusen,  Tilemann,  (Tjlmannus 
Hcshusius),  333. 

Hetzer,  Ludwig,  333  A.  1. 

Hexa,  Wendela,  Frau  des  Johann 
Kloprifs,  707. 

Hcyden,  Dietrich  Ton,  Bat  des  Erz- 
bischofs von  Köln,  149. 

Hejden,  Johann  thor,  s.  Gaterberch, 
Johann. 

Hoytter,  Albert,  Diakon,  558, 

Hildegrin,  Bruder  des  hl.  Ludger,  50. 

Billa,  Pheiconis  filia,  s.  Feicken,  Hilla. 

Bobbels,  Gatharina,  852 1 

Elooncs,  Anna,  785. 

Eloerde,  Philipp  von,  Domherr,  342  ff., 
347,  373. 

—  Themmo  von,  Hofmeister  des  Bi- 
schofs Franz  von  Waldeck,  363  fL, 
556,  742. 

^oevel,  Ida  von,  Aebtissin  des  Klo- 
sters zu  üeberwasser  (1461),  52. 


Hofmann,  Melchior,  155  A.  3, 413  A.  1, 
870  A.,  876  A.  1. 

Hoier,  Dietrich,  Münsterscher  Stadt- 
schreiber, 220  A.  1,  222,  316, 
374  A.  1. 

Holland,  Erpo,  Batsherr  in  Waren- 
dorf, 399  f.,  709,  715  f. 

Holschendiederick    s.  Schloschen, 
Dietrich. 

Holsten,  Heinrich,  784. 

Holtappel,  Bernhard,  Batsherr,  949. 

—  Hermann,  Batsherr,  949. 
Holscher,  Elisabeth,  687. 

Holte,  Burchard  von,  s.  Münster, 
Bischöfe. 

—  Ludolf  von,  s.  Münster,  Bischöfe. 
Holtebucr,  Johann,  Batsherr,  949. 
Holthuüs,  Jodocus,  873. 
Holtmann,    Johann,   Fraterherr  in 

Münster,  424,  454. 

Honorius  m.,  Papst,  97. 

Horst,  Lorenz  von  der,  (Laurentius 
Horsthanus),  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525,  547,  684,  735  A.  1, 
788,  832. 

Horsth,  Bichmoda  de,  Aebtissin  zu 
üeberwasser  (1460),  52. 

Horstman,  Paul,  932. 

Hoya,  Graf  Erich  von,  65,  138. 

Hubmaier,  Balthasar,(Baltzarus  Paci- 
montanus),  333. 

Hude,  Friedrich,  Abt  von.  Tollender 
derühr  im  Dom  zu  Münster,  42  A.  2. 

—  Bobert,  Abt  von,  897  A. 
Huge,    Heinrich,    cognom.  Kopper- 

smidt  (oder  Kopperslager),  Bürger- 
meister in  Warendorf;  709  A.2,  716. 

Huige,  Bernhard,  926  A.  1. 

Hulshorst,  Botger,  Krämer,  392. 

Hunfried,  Erzbischof  von  Magdeburg 
(1023—1051),  49. 

Hunse,  Johann  von,  Terminarius  in 
Coesfeld,  416  f. 

Hut,  Hans,  (Joannes  Huitus),  833. 


37 

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963 


PersonenTerzeichnis. 


Jacob  von  Osnabrueck  8.  Osnabnieck, 

Jacob  Ton. 
Jacobns  Aldenseell  8.  Oldenzaal, 

Jakob  von. 

—  von  den  Grave  8.  GraTe,  Jakob 
von  den. 

Impens,  Matthaeos,  933. 

Infans  Agrippinas  8.  Koeln,  Kind  von. 

—  Aldensdanns  s.  Oldenzaal,  Kind 
von. 

Innocens  Y^  Papst,  57. 

Insel,  Friedrich,  s.  JnfPel,  Friedrich. 

Insulanos,  Goniados,  s.  Werde,  Gort 

van  dem. 
Joannes  Aquensis  s.  Aachen,  Johann 

von. 

—  Busschodncensis  s.  Bnssche,  Jo- 
hann vom. 

—  Goosfeldianns,  Coesfeldins  s.  Goes- 
feld,  Johann  von. 

—  de  Daventria,  Daventriacns,  Da- 
ventrianns  s.  Deventer,  Johann  von. 

—  Grevoniensis  s.  Greven,  Johann  von. 

—  a  GejU  8.  Gejll,  Johann  von. 

—  Joliacns  s.  Juelich,  Johann  von. 

—  Langstrate  s.  Eck  von  der  Langen- 
Straten,  Hans. 

—  Lejdanus  s.  Leiden,  Johann  von. 

—  Ludinckhnsanus  s.  Luedinghansen, 
Johann  von. 

—  Middelbnrgos  s.  Middelbnrg,  Jo- 
hann von. 

—  Sendanus  s.  Senden,  Johann  von. 
— Ultraiectinns  s.Utrecht,  Johann  von. 
Jodocus  Calenbnrgus  486. 

—  Mudens  8.  Mniden,  Jodocns  von. 
Johann,  Weihbischof  von  Paderboni, 

900. 
Johann,  Herzog  von  Baiem,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe:  Johann  n. 

—  Herzog  von  Gleve,  s.  Cleve,  Herzog 
Johann  m 

—  von  Leiden  s.  Leiden,  Johann  von. 
—•  Graf  von  Oldenburg,   s.  Olden- 
burg, Grafen  von. 


Johann  Friedrich,  Kurfürst  Ton  Sach- 
sen, s.  Sachsen,  Kurfürst  von. 

Jonas,  Anton,  Batshezr,  126,  271, 
275,  892. 

—  Heinrich,  892. 

—  Hennann,  Batsherr,  208,  889. 
Iselmudanus  (Iselmadianos),  Ten- 

grinus,  8.  Tsselmonde,  Pilgrim  tgs. 
Isenburg,  Grafen  von,  669. 

—  Graf  Dietrich  von,  8.  Mniiiter. 
Bischöfe:  Dietrich  HL 

Isennan,  Heinrich,  Goldschinied,  2\x 

Isf  ording,  Arnold,  bischoflicher  Nota:, 
92. 

Ising,  Johann,  Bichter  in  Bocho!'. 
549  A. 

Judefeld  ( Judefeldt,  Judefvelt),  Caspar, 
Burgermeister,  266, 275, 279, 301 L 
372,  392,  480,  495,  496  A.  1,  4iJJx 
507  f.,  517,  685,  932,  934  f.,  937, 

—  Eberhard,  949. 

—  Beiner,  Scholaster  zu  St.  Ludgerl 
328. 

Juelich,  Johann  von,  (Joannes  Jnlii- 
cus),  F&hnrich  im  Heere  dos  Kö- 
nigs Johann,  650,  820. 

—  Matthias,  Chirurg,  600. 

Juifel,  Friedrich,  (in  anderen  Qaellee 
Friedrich  Insel),  Schenk  am  Hofe 
der  Königin  Divara,  661. 

Julius  n.,  Papst,  36  A.  5,  96  A.  1. 

Julius  Frisius  s.  Franeker,  Julius  von. 

Jungemann  (Jungemanni  viUa  prope 
Sendenhorst)  617. 


K  siehe  auch  C. 

Kaerbuck,  Egbert,  580. 

Karl  der  Grofse,  Kaiser,   9,  11,  13, 

82  f.,  50,  115,  126,  157,  380. 
Karl  V.,  Kaiser,   137  A.  4,    157  f., 

173  A.  1,  242  f.,  264  f.,  435  A.  2, 

533,  567,  742  A.,  750,  775,  893, 

920,  947. 


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t^ersonenverzeiclmid. 


963 


Karl,  Herzog  von  Geldern,  s.  Geldern, 
Herzog  Karl  von. 

Katerbergh,  Johann,  s.  Gaterberch, 
Johann. 

Katzenelnbogen,  Graf  Hermann  von, 
8.  Münster,  Bischöfe:  Hermann  11. 

Eemner,  Timann,  Rektor  der  Dom- 
schale und  Pastor  zu  St.  Lamberti 
in  Munster,  140,  161  A.  1,  192, 
328,  846. 

Keppell,  Adelheid  von,  Mutter  im  Nie- 
Singkloster  in  Münster  (1444),  72. 

Eerckerinck  (Eerckring,  Eerckringh, 
Eerckringk,  Eerkring),  Angda, 
Frau  des  Eönigs  Johann,  658. 

—  Bernhard,  Erbmann,  Batsherr,  126. 

—  Christian,  Erbmann,  dann  Haupt 
der  Wiedertäufer,  Rat  des  Eönigs 
Johann,  Herzog,  520, 583, 647,  649 
A.  7,  664,  695,  774  f.,  851,  860  f. 

—  Hermann,  Apostel,  705,  719  f. 

—  Johann,  Bastard  aus  dem  erb- 
m&nnischen  Geschlechte,  Bauherr 
am  Hofe  des  Eönigs  Johann,  61, 
400,  498  A.  1,  649. 

Eesse,  Joachim,  (in  anderer  Quelle 
JoachimYre jse),  Apostel,  705, 7 1 9  f. 

Eettel,  Bernhard,  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525. 

Eettel  von  Tiel,  Johann,  (Joannes  Eet- 
tell  Tylanus),  Landsknecht,  733  £L 

Eetteler,  Conrad  von,  877. 

—  Wilhelm  von,  s.  Münster,  Bischöfe: 
Wilhelm  ü. 

Eibbenbrock  (Eibbenbroch,  Eibben- 
broich,Eibbenbroick,  Eippenbroich, 
Ejbbenbrock),  Anna,  Frau  des  Eö- 
nigs Johann,  658. 

—  Gerhard,  Eaufmann,  Haupt  der 
Wiedert&ufer,  Bürgermeister,  Ere- 
denzmeister  am  Hofe  des  Eönigs 
Johann,  271,  323,  343,  392,  402  f., 
496,  504,  519,  542,  549,  560  A.  2, 
562  A.  3,  585,  626  A.  3,  648,  850. 

Eilanus,  Georgius,  s.  EyU,  Georg  von. 


Sind  von  Eoeln  (Infans  Agiippinas) 
s,  Eoeln,  Eind  von. 

—  von  Oldenzaal  (Infans  Aldenze- 
lanus)  s.  Oldenzaal,  Eind  von. 

Eistemaker,  Hermann,  Trabant  des 
Eönigs  Johann,  649. 

Eloester  (Eloister),  Gerhard  zum, 
8.  Cloister,  Gert  tom. 

Eloprifs,  Johann,  (Joannes  Gloprisius, 
Eloprisius),  Wassenberger  Predi- 
kant,  später  Apostel,  422  A.  2, 
424  A.  2,  428  ff.,  442  A.  3,  454  A.  1, 
471,  474  f.,  478,  563  A.  1,  621, 
703  A.  3,  706«:,  714  f. 

—  seine  Frauen  Wendela  Heza  und 
Margaretha  707. 

Enipperdolling  (Enipperdollinck), 
Bernhard,  152,  155  f.,  164  A.  1, 
192,  213,  231,  264  ff.,  267  A.  1, 
323,  361,  392,  402,  404,  445,  451, 
461,  478,  480,  484  ff.  (Verzückun- 
gen),  495,  504,  508,  511,  519  (wird 
Bürgermeister  am  24.  Febr.  1534), 
531  A.  1,  533,  535  A.  2,  542  f., 
549  ff.  (Rede  beim  Beginne  der  Be- 
lagerung Münsters),  570,  571  f. 
(befiehlt  das  Niedeireilsen  der 
Eirchen),  573  (Ernennung  zum 
Scharfrichter),  575,  585  f.,  606  f., 
609,  617  A.  1,  618,  621,  622  A.  1, 
625  f.,  631,  635  A.,  645,  646  (Er- 
nennung zum  Statthalter  des  Eö- 
nigs), 649,  658,  664,  690  ff.  (Zer- 
würfnis mit  dem  Eönige;  das  sogen. 
Heiligen  En.'s),  699  A.  3,  701 A.  1, 
738  A.  1,  739  A.  3,  784  A.  1,  785  f^ 
801  A.  1,  804  A.  1,  842  A.l,  844  A., 
851,  852  f.  (Gefangennahme),  860, 
869  (Unterredung  mit  A.  Corvin 
und  J.  Ejmeus),  870  fL  (Hinrich- 
tung). 

seine  Frauen  626  A.  2, 786, 855. 

seine  Tochter  Clara,  Frau  des 

Eönigs  Johann,   659  (vergl.  auch 
646  A.  2). 

37* 


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964 


Personeüverzeiclmis. 


KnipperdoUing,  Benih.,  seine  Stief- 
tochter Anna,  Frau  des  Königs 
Johann,  658. 

seine  Magd,  Frau  des  Königs 

Johann,  618,  626  A.  2,  658  A.  3, 
659  A.  5. 

Knipping,  Heinrich,  Wiedertftnfer  in 
Wesel,  732  A.  1. 

Knop,  Pfeifer  im  Dienste  der  Stadt 
Münster,  342. 

Knop,  David,  Goldschmied,  655. 

Knnpperi  nxor  chirorgiam  exercens 
627  f.,  659,  737. 

Kock,  Heinrich,  ans  Osnabrück,  Her- 
«og,  774  f. 

Koehns  (Coehnss,  Koehnefs,  Koe- 
hnss),  Magnus,  Hüter  des  Schatzes 
der  Wiedertäufer,  562,  584,  622, 
626  A.  3,  849. 

Koeln,  Erzbischof e: 

—  Hermann  n.  (1036—1056)  49. 

—  Hennann  V.,  Graf  von  Wied  (1515 
-1547),  zugleich  (1532—1547) 
Bischof  von  Paderborn,  118, 146  fL, 
284  ff.,  343  f.,  350  ff.,  363  ff.,  410, 
517  A.  1,  529  f.,  568  A.  1,  691  A.  4, 
600  ff.,  669  f.,  681  A.  1,  682,  683 
A.  3,  684  f.,  715,  741  ff.,  791  A,  2, 
812  f.,  859,  868,  871  A.  1,  899  f. 

Koeln,  Andreas  von,  (Andreas  Colo- 
niensis)  821. 

—  Kind  von,  (Inf ans  Agrippinas), 
Trabant  des  Königs  Johann,  649. 

Koeninck,Gerhard,  Herzog,  543,775  A. 

—  Johann,  Ratsherr,  490  A.,  520. 
Koerdinck,  Johann,  Bürger  in  Waren- 
dorf, 717. 

Koerte  s.  Körte. 

Koester,  Andrea8,Trabant  der  Königin 

Diyara,  661. 
Koet,  Bernhard,  Herzog,  775  A. 
Kokenbecker,  Gathaiina,  alio  nomine 

Wnlwes,  688. 
Konrad  von  Rietberg   s.   Münster, 

Bischöfe. 


Kopperschleger   s.  aach   Knpper- 

schleger. 
Kopperschleger,  Heinrich,  Eviga  a 

Coesfeld,  470  A. 

—  (Kupperschleger),  Stepiiaii,  Woc- 
h&ndler,  520,  584. 

Kopperslager  s.  Huge,  Heimiefa. 
Koppersmidt  s.  Huge,  Heinzfch. 
Korfl^  Caspar,  dictns  Smjaiiick,  378. 

—  Jodocus,  323,  877  A.  2. 
Körte,  Johann,  (Johannes  de  Koerts, 

de  Korthe),  bischöflicher  Bittma- 
ster, 524,  548. 

Kortemollius,  Landsknecht,  föOi 

Kothe,  Kaplan  des  Bischofs  FruL 
948  (TgL  auch  466  A.  3). 

Krampe  (Krampen),  Hermann,  Sfö, 
271,  445,  623. 

Krechting  (Krechtingk,  Kregünch) 

—  Bernhard,  früher  Pastor  zu  Gilde- 
haus, Rat  des  Königs  Johann,  510, 
563  A.  1,  647,  663,  847  A.,  851, 
860  f.,  869  ff. 

—  Heinrich,  früher  Gograf  in  Schöp- 
pingen,  Eomzler  des  Königs  Johann, 
509f.,  512  A.  2,  584,  G26  A.  3, 
645,  647,  664,  847  A.,  849  A. 

—  Johann,  585. 

Krehan,  Landsknecht,  612  A.  1. 
Kribbe,  Eberhard,  Zimmermann,  572, 

689. 
Kruse  s.  Cruse. 
Kueper,  Peter,  aus  Sneek,  Apostel, 

705,  722  ff. 
Kuerchenrinck,  Johann,  585  A.  2. 
Kupperschleger  s.  auch  Kopper- 


—  Hubert,  Kammerdiener  des  Königs 
Johann,  648. 

Kursener,  Johann,  Bittmeister  im 
Heere  des  Königs  Johann,  650, 663. 

Kyll,  G^eorg  von,  (Georgins  Kilanus, 
Kylanus),  Befehlshaber  der  stAd- 
tischen  Truppen,  dann  bischöflich^' 
Hauptmann,  278,  345,  525. 


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Personenverzeichnis. 


965 


K  jiueas,  Johann,  Hessischer  Prediger, 
869  fif. 

Lambertns  Gylthness  s.  Gildehaas, 
Lambert  von. 

—  I^eodius  s.  Lncttich,  Lambert  von. 
Langen,  Budolf  von,  (Bodolphus  Lan- 

gius),  31,  523. 

—  Sophia  von,  Jungfer  im  üeber- 
wasserkloster,  482,  862. 

Langenstraten,  Hans  Eck  von  der,  s. 
Eck  von  der  Langenstraten,  Hans. 

Langerman  (Langermann),  Johann, 
Ratsherr,  131,  163,  176  ff.,  231, 
275,  392,  428,  453  f.,  461. 

Lantgravius  s.  Hessen,  Landgraf  Phi- 
lipp von. 

Laurentius  Horsthanns  s.  Horst,  Lo- 
renz von  der. 

Lanrentz,  Anna,  Fran  des  Königs 
Johann,  658. 

Leddanns  villicos,  Diakon,  später 
Herzog,  558,  774  f. 

Ledebor,  Heinrich,  849. 

—  Paul,  849. 

Leiden,  Johann  von,  (Joannes  Bockel- 
son,  Bokelson,  Joannes  Leydanus). 

—  sein  vollständiger  Name  (s.  640 
A.  3):  Oude  Jan  Beuckelsz  van 
Leyden. 

—  639  ff.  (Abkunft,  Jugend,  Reisen, 
Charakteristik),  412  (vorübergehen- 
der Aufenthalt  in  Münster  1533; 
s.  auch  421 A.,  644),  478  (Ankunft  in 
Münster,  13.  Jan.  1534;  8.auch  645), 
484  f.,  494,  531  A.  I,  533  A.  1, 
556  A.  1,  557  A.  1,  560  f.,  567  A., 
570  f.  (Auftreten  nach  dem  Tode 
des  JanMatthjs),  573,  574ff.  (Er- 
nennungderzwölf Aeltesten),  582, 
591,  606,  613,  618  ff.  (Einführung 
der  Vielweiberei),  621,  623,  625, 
626  (nimmt  drei  Frauen),  628  A.  1, 
629  ff.,  634  ff.  (Eirichtung  des  Kö- 
nigtums), 646  ff.  (Einrichtung  des 


Leiden,  Johann  von 
Hofstaates),  650  ff.  (königliche  In- 
signien  u.  Schmuck;  s.  auch  846, 
853),  657 ff.  (Frauen;  s.auch  661  f.), 
660  (Wohnung;  8.auch  543),  662 ff. 
(pomphaftes  Auftreten  bei  Gerichts- 
verhandlungen), 666  f.  (läÜBt  Mün- 
zen prägen),  668,  671  ff.,  675  f., 
687,  690  ff.  (Zerwürfois  mitKnip- 
perdolling),  697  ff.  (Teilnahme  am 
grofsen  Abendmahle,  Aussendung 
der  Apostel),  702,  725  ff.  (Betrug 
des  Verräters  H.  Graes),  732  ff., 
737  ff.,  755  ff.  (Brief  an  den  Land- 
grafen Philipp),  763  ff.  (Artikel- 
brief), 771,  772  ff.  (Ernennung  der 
Herzöge),  779,  784  A.  1,  786, 
793  f.,  795  A.,  803  A.  1,  804  f., 
820  ff.,  823  ff.  (enthauptet  seine 
Frau  Elis.  Wantscherer),  832  A.  2, 
839  f.,  843  (Gefangennahme), 
847  A.,  860,  869  (Unteiredungen 
mit  A.  Corvin  und  J.  Kymeus), 
870  fL  (Hinrichtung). 

—  seine  Eltern  639  ff. 

—  seine  Geschwister  641,  646. 

—  seine  erste,  in  Leiden  zurückge- 
lassene Frau  642,  645  A.  3,  646, 
777. 

—  seine  Frauen  in  Münster  626, 
657  ff. 

—  seine  Kinder  642,  659. 

Leiden,  Johann  von,  (Joannes  Ley- 
danus), Kammerdiener  der  Königin 
Divara,  661. 

Lening,  Johann,  Pfarrer  in  Melsungen 
in  Hessen,  (Melsinganus,  Meisin- 
gus),  388  A.  1,  436,  440,  447,  452, 
453  A.  1,  455  A.  2,  456,  459  A.  2. 

Lentinck,Lubbert,  Fischhändler,Rat8- 
herr,  129,  281  f.,  392. 

Leodius  s.  Luettich. 

Lepper,  Johann,  519. 

Lichtherte,  Anton,  bischöflicher  Be- 
fehlshaber, 683,  788,  844. 


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966 


Personenyerzeichnis. 


Linteloe,  Ladgera  von,  Jungfer  im 

Uebenrasserkloster,  482,  862. 
Lippe,  Qnd  Simon  Y.  zur,   (Kecss. 

nennt  den  Kamen  nicht)  118,  529, 

931. 
Lippold  von  Wnlframsdorf  s.  Wnlf- 

ramsdorf,  Lippold  von. 
Lodowicus  Bronswigoa  8.  Brann- 

schweig,  Ludwig  von. 
Loeman,  Heinrich,  Weifsgerber,  519. 
Lothar,  Kaiser,  36  f. 
Luck,  Johann,  Herzog,  775  A. 
Lndger,   der  heilige,  s.  Münster, 

Bischöfe. 
Lndolf  y.  Holte,  s.  Mfinster,  Bischöfe. 
Ludwig  von  Braunschweig  s.  Braun- 

schweig,  Ludwig  yon. 
•—  Landgraf  Ton  Hessen,  s.  Münster, 

Bischöfe:  Ludwig  11. 

—  Kurfürst  von  der  Pfalz,  s.  Pfalz, 
Kurfürst. 

—  Graf  yon  TecUenbnrg,  s.  Mfinster, 
Bischöfe:  Ludwig  I. 

Luebbecke,  Andreas  yon,  (Andreas 
Lubbocanus),  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525. 

Luedinghausen,  Johann  yon,  (Joannes 
Ludinckhusanns)  683. 

Luettich,  Bischof:  Comeüus  yon 
Berghen,  (Kerss.  nennt  den  Namen 
nicht)  742  A.,  751,  868  A.  2,  900. 

Luettich,  Heinrich  yon,  (Henricns 
Leodius),  Schneider  am  Hofe  des 
Königs  Johann,  650. 

—  Lambert  yon,  (Lambertus  Leodins), 
Aeltester,  Oberbefehlshaber  im 
Heere  des  Königs  Johann,  576, 
650,  663. 

Luther,  Martin,  332  ff.,  403,  494. 
Luxemburg,  Nicolaus  yon,  (Nicolaus 

Lutzenburgus),  Chirurg,  600. 
Ljth,  Artz  yan,  (Arzeus  Lythonius), 

Landsknecht,  591. 


Maastricht,  Gerhard  yon,  (Gedt  is 
Triebt),  bischöflicher  HaupüauL 
525  A.  1. 

—  Mispelboem  yon,  (MispelboemTs 
Triebt),  bischöflicher  HauptouG!- 
525  A.1. 

Mackenburg,  Gerhard,  Bauherr  t:: 
Hofe  des  Königs  Johann,  649 

Maeren,  Heinrich,  (in  anderen  Qod.: 
Heinrich  Maren),  Predikut  i: 
Warendorf,  dann  Apostel,  510 11 
705,  719  f. 

Maess,  Leonhard,  Bat  des  Bisdfi 
Friedrich  III.  yon  Münster,  165. 

Mainz,  Erzbischöfe: 

—  Albrecht  yon  Brandenbmg  (15U 
— 15i5),  (Kerss.  nennt  den  Ktm^n 
nicht),  685,  741  ff.,  783  A.2,  8*i>. 

—  Bardo  (1031—1051)  49. 
Mapertinck,  Lambert,  Aeltester,  5Tt: 
Marcoduranus  s.  Dueren. 
Maren,  Heinrich,  s.  Maeren,  HeinricL 
Margaretha  Osnaburgica    s.  Osu- 

brueck,  Margaretha  yon. 

Maria  rectriz  Brabantiae  s.  Burgninl 
Maria,  Statthalterin  yon. 

Mark,  Graf  Gerhard  yon  der,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe. 

Marschalck  (Marschalcus),  Caspar. 
Landsknecht,  610  f. 

Martin  Y.,  Papst,  61  ff. 

Martin,  Kaplan  zu  Uebenrasser,  ^t'. 

Matthias  Juliacus  s.  Juelich,  Mat- 
thias yon. 

Matthys,  Jan,  (Joannis  Matthissos}, 
122,  413,  471  A.  1,  478  (Anknnft 
in  Münster),  494,  511  f.,  532  f, 
535  f.,  539  f.,  556  ff.  (fuhrt  die 
Gütergemeinschaft  ein,  Emennimg 
derDiakone),  559  ff  (Stra^;ericM 
über  Hub.  Rüscher),  561 1  (Am- 
dehnung  der  Gütergemeinschaft), 
563,  564  (Befehl  zum  Yerbrennen 
der  Bücher),  568  ff.  (Tod),  571,  606 
A.  1,  626,  635  A.,   645,  657,  €9i 


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Personenverzeiclmis. 


967 


MatthjB,  Jan 

—  seine  Frau  s.  DWara  aus  Haarlem, 
Königin. 

Maximilian  11.,  Kaiser,  96  A.  1. 
Meinershagen  (Meynershagen) 

—  mola  olearia  Meynershagii  585. 

—  Bichwin,  Batsherr,  126. 
Meinhard  Ton  Hamm  s.  Hamm,  Mein- 

hard  von. 

Meinhoevel  (MeinhoTole),   Herren 
von,  27. 

Meissen,  Graf  Friedrich  von,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe:  Friedrich  I. 

Melanchthon,  Philipp,  162,  331  f., 
349,  390  A.  1  u.  2, 

Melsinganus,  Melsingus  s.  Lening, 
Johann. 

Mengersen,  Hermann  von,  bischöf- 
licher Oberbefehlshaber,  342,  344, 
349  A.  5,  351  £,  357  £,  3ü0,  373, 
377,  524,  712,  742. 

Menden,  Hans,  s.  Borstel,  Hans  von. 

Menneken,  Bernhard,  Brodherr  am 
Hofe  des  Königs  Johann,  279,  585, 
649,  737. 

Menneman,  Hermann,  Batsherr,  935  fiF. 

—  Johann,  Gewandschneider,  Gilde- 
meister, später  Batsherr,  214  f. 

Mensinck,  Johann,  Bat  des  Bischofs 
Franz,  929,  946. 

—  Peter,  Batsherr,  231, 265, 27 1, 392. 

Merckell,  Johann,  Dekan  zu  St.  Jo- 
hann in  Osnabrück,  Kanzler  des 
Bischofs  Franz,  342,  349  A.  5,  373, 
378. 

Merode,  Werner,  s.  Scheiffert, Werner, 

von  Merode. 
Merscb,  Heinrich,  594. 
Merveldt  (Merfelt,  Merrelt) 

—  Dietrich  von,  Amtmann  zu  Wol- 
beck,  166  A.  1,  169  A.  1,  173  f., 
222,  276,  286,  351,  490  A.  1,  493, 
496,  499,  591,  607  ff.,  920  A.  1. 

—  Heinrich  von,  Amtmann  zu  Dül- 
men, 150,  252. 


Merveldt,  Ida  von,  Aebüssin  zuüeber- 
wasser,  159  f.,  208  f.,  228  f.,  280  f., 
400,  436, 472  f.,  474  A.  2,  482,  862. 

—  Johann  von  252,  866,  877. 
Meschede,  Johann  von,   Kanonikus 

zu  St.  Martin  in  Münster,  316,  328. 
Mesman,  Heinrich,  Batsherr,  126. 
Metzenhausen,  Johann  von,  s.  Trier, 

Bischof. 
Michael    Effurdianus,    bischöflicher 

Hauptmann,  525. 
Middelburg,  Johann  von,  (in  anderer 

Quelle  Johann  Muderwerth),  Büst- 

meister  des  Königs  Johann,  650. 
Miling,  Anna,  427. 

—  Catharina,  Frau  des  Königs  Jo- 
hann, 658. 

Minden,  Bischöfe: 

—  Bruno  (1037—1055),  49. 

—  Franz  n.,  Graf  von  Waldeck 
(1530—1553),  s.  Münster,  Bischöfe. 

Mispelboem  von  Triebt  s.  Maastricht, 

Mispelboem  von. 
Moderson   (Modersonne),    Christian, 

Batsherr,  949. 

—  Heinrich,  Fleischer,  Batsherr, 
126,  213,  275,  392. 

—  Jodocus,  932. 

—  Margaretha,  Frau  des  Königs 
Johann,  659. 

Moer,  Bernhard  thor,Aelt6ster,  sp&ter 

Herzog,  576,  584,  774  f. 
Moers,  Graf  Heinrich  von,  s.  Münster, 

Bischöfe:  Heinrich  U. 
Walram  von,  s.  Münster,  Bi- 
schöfe: Walram. 
Mollen,  Johann  thor,  (auch  Joannes 

Mollerus),  Dekan  zu  Ueberwasser, 

141,  281. 
Mollenhecke,  Heinrich,  Schmied,  392, 

560  A.  2,  584,  621  ff. 
Monichausen,  Monnickhausen  s. 

Muenchhausen« 
Montanus,  Georgius,  s.  Berge,  Georg 

thom. 


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968 


Personenverzeichnis. 


Moring,  Eberhard,  Amtmann  su  Fuer- 

stenan,  513,  515  f^  856. 
Morrien,  Alezander,  Dompropst,  342, 

347,  565  A.  2. 

—  Gerhard,  Landtagsmarschall,  bi- 
schöflicher Oberbefehlshaber,  262, 
328,  342,  344,  349  A.5,  373,  470 
A.  2,  524,  742,  856,  877,  887,  889. 

Moses,  Bernhard,  (filia  Bemardi  Mosis) 
633. 

Maderwerth,  Johann,  Büstmeister 
des  Königs  Johann,  650  A.  9. 

Mudeos,  Jodocus,  s.  Maiden,  Jodocus 
von. 

Muenchhaosen,  Johann  von,  (Joannes 
a  Monnickhaosen),  Bittmeister  des 
Herzogs  Philipp  Magnus  vonBrann- 
schweig-Wolfenbüttel,  930. 

—  Nicolaus  Ton,  (Nicolaus  a  Monic- 
hausen),  Amtmann  zu  Ahaus,  146. 

Muenstor,  Bischöfe: 

—  Bernhard  Ton  Baesfeld  (1557— 
1566)  92. 

—  Burchardvon  Holte  (1098—1118) 
27,  34  ff.,  51,  68  A.  1,  74. 

—  Dietrich  11.  von  Winzenburg  (1118 
—1127)  26  f.,  34,  51. 

—  Dietrich  III.,  Graf  von  Isenburg, 
(1218—1226)  34  ff. 

—  Dodo  (969—993)  13,  34  f. 

—  Eberhard  von  Diest  (1275—1301) 
55  A.  1,  94,  281  A.  2. 

—  Egbert  (1127—1132)  51. 

—  Erich  I.,  Herzog  von  Sachsen- 
Lauenburg,  (1508-1522)  38,  126, 
133  A.  2,  134,  523. 

—  Erich  n.,  Herzog  von  Braun- 
schweig-Grubenhagen,  (27.M&rz— 
14,  Mai  1532),  zugleich  (1508— 
1532)  Bischof  von  Osnabrück  und 
Paderborn,  193  A.  2,  195,  198  ff. 

—  Erpho  (1085—1097)  34  A.  3,  49  f. 

—  Florenz  von  Wewelinghoven  (1364 
-1379)  37. 


Münster,  Bischöfe: 

—  Franz,  Graf  von  Waldeck,  (153i 
—1553),  zugleich  Bischof  vcm  Mm- 
den  (seit  1530)  und  von  Osnahrick 
(seit  1532). 

Bischofswahl  in  Münster  nn-i 

Osnabrück  210  f. 

Schriftwechsel  mit  der  Stadt 

Münster  (Jan.— Dez.  1532)  211  L 
222  f.,  229  f.,  241 1,  243  ft,  247 1 
266  ff.,  271  ff.,  312  iL 

Yerhandlungen  mit  Landgnf 

Philipp  von  Hessen  (Juni  1532— 
Febr.  1533)  226  ff.,  289  01,  360  iL 
370  ff 

Verhandlungen  mit  der  Bitter- 
schaft zu  Billerbeck  (Sept  153i'; 
248  ff. 

Belegt  Bürgergüter  mit  Arrest 

und  schneidet  der  Stadt  die  Zu- 
fuhr ab  266,  278,  330  A.  1,  346  ff., 
(vgl.  auch  360,  372). 

Yerhandlungen  mit  Köln,  Cleve 

u.  Geldern  (Nov.  1532— Jan.  1533) 
286  f.,  343  f.,  363  ff. 

Yerhandlungen    zu    Dülmen 

(Nov.  1532)  308  ff. 

Yerhandlungen  zu  Wolbeck  n. 

Telgte  (Nov.  u.  Dez.  1532)  334  ff, 
335  ff. 

Yerhandlungen  zuBheine  367  L 

Friedensvertrag  mit  Münst^ 

(14.  Febr.  1533)  374  ff: 

Einritt  u.  Huldigung  in  Mün- 
ster (4.  Mai  1533)  406  ff: 

Einschreiten  gegen  die  kleinen 

Städte  des  Stifts  (Juni  1533— Jan. 
1534)  410  f.,  413,  415  ff:,  434  f., 
457,  468  f. 

Erneuerte  Yerhandlungen  mit 

Münster  (Okt— Dez.  1533)  433  f, 
437  ff.,  457  f. 

Edikt  gegen  die  Wiedertäufer 

(23.  Jan.  1534)  474  ff. 


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Personenverzeichnis. 


969 


Münster,  Bischöfe :  Franz  y.  Waldeck 

Rüstungen  gegen   die  Stadt 

477  A.2,  487  A.  1,  519,  523  ff., 
545  ff. 

Neue  Verhandlungen  mit  dem 

Landgrafen  Philipp  von  Hessen  504 
(vgl.  auch  529  A.  1  u.  591  A.  4). 

Verfahren  gegen  den  Syndikus 

vonderWieck  (März  1533)  512  ff. 

Verhandlungen  mit  Köln  und 

aeve  zu  Neufs  (Juni  1534)  600  ff. 
(vgl.  auch  529  A.  1,  591  A.  4). 

Mordversuch  der  Hilla  Feicken 

605  ff. 

Kriegsrat  vor  der  zweiten  Be- 
stürmung der  Stadt  (August  1534) 
668  ff. 

Verhandlungen  mit  Köln,  Cleve 

und  anderen  Beichsfürsten  (Sept. 
—Nov.  1534)  682,  6S4f. 

Strafgericht  über  Warendorf 

(Okt.  1534)  7 10  ff. 

Begnadigung  und  Verwendung 

des  Heinrich  Graes  723  ff.,  729  ff. 

Beschickung  des  Kreistages  zu 

Coblenz  (Dez.  1534)  741  ff. 

Verhandlung  mit  den  Hanse- 
städten (Febr.  1535)  789  ff.  (vgl. 
auch  689  f.). 

Bestimmungen  über  die  Flücht- 
linge aus  Münster  (April  1535)  810ff. 

Erhält  Kunde  vom  Verrate  des 

Hans  Eck  von  der  Langenstraten 
829  ff. 

Letzte  Aufforderung  an   die 

Stadt  zur  Uebergabe  832. 

Einzug  und  Aufenthalt  in  Mün- 
ster (Juni  1535)  853. 

Entscheidungen  im  Beutestreit 

857  f. 

Bestinmiungen   des   Wormser 

Tages  (Nov.  1535)  863  ff. 

Anwesenheit  bei  der  Hinrich- 
tung der  Wiedertäufer -Häupter 
(22.  Jan.  1536)  873. 


Münster,  Bischöfe :  Franz  v.  Waldeck 

Mafsnahmen  zur  Wiederher- 
stellung bürgerlicher  Ordnung  in 
Münster  876  ff. 

Vereidigung  der  Bürger  und 

des  neuen  Rats  888  f. 

Verhandlungen  mit  der  Reichs- 
kommission zur  Neuordnung  der 
Verhältnisse  in  Münster  (März 
1536)  890  ff. 

Oldenburger  Fehde  (1538)  897  ff. 

Empfang  der  Weihen  900  f. 

Verhandlungen  des  Rats   mit 

dem  Bischöfe  zur  Wiedererlangung 
der  städtischen  Privilegien  901  ff. 

Gewährung  der  ersten  Resti- 
tution (5.  Aug.  1541)  918  f. 

Verhandlungen  über  Wieder- 
zulassung der  Gilden  920  ff.,  931  ff. 

Braunschweiger  Fehde  (1553) 

930  f. 

Gewährung  der  zweiten,  voll- 
ständigen Restitution  ( 1 7 .  Mai  1 553) 
944  ff. 

Tod  (15.  Juli  1553)  und  Be- 
gräbnis 948  f. 

242  f.,   246  f.,  279,   281,  323, 

354,  357  f.,  369, 370, 373, 379,  400, 
402  f.,  405  f.,  414,  427,  432,  436  f., 
444,  454  ff.,  472  f.,  479  f.,  490  f., 
499,  505  f.,  507  f.,  539,  545,  555  f., 
565  f.,  589,  596  f.,  610  f.,  617  f., 
621,  624,654,  672  f.,  680  ff.,  682, 
686  f.,  6891,  707  f.,  734,  739, 
755  A.  1,  761,  782  ff.,  784  A.  1, 
786  f.,  792,  797,  849,  852  A.  2, 
855  A.  1  u.  2,  859  ff.,  894,  896, 
919  f. 

—  Friedrich  I.  von  Meifsen  (1064— 
1084)  73. 

—  Friedrich  n.  (1151—1168)  23. 

—  Friedrich  III.,  Graf  von  Wied, 
(1522-1532)  118,  126,  139  f., 
142  ff.,  155  f.,  165  ff.,  191,  193, 
195,  198,  201  ff.,  207,  324,  905  A.l. 


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970 


Personenverzeichnis. 


Münster,  Bischöfe: 

—  Gerhard,  Graf  von  der  Mark,  (1261 
—1272)  35,  69  A.  4,  94  A.  2. 

—  Heinrich  II.,  Graf  von  Moers, 
(1424-1450)  60  A.4,  344  A.  2. 

—  Heinrich  m.,  Graf  von  Schwar- 
zonberg,  (1466—1496)   38,  53. 

—  Hermann  I.  (1032—1042)  11,  48, 
58,  90  f. 

—  Hermann  II.,  Graf  von  Eatzen- 
elnbogen,  (1174—1203)  30,  35, 
581,  68  f. 

—  Johann  11.,  Herzog  von  Baien, 
(1457—1466)   52  f.,  73  A. 

—  Eonrad,  Graf  von  Rietberg,  (1497 
—1508)   38. 

—  Ludger  11  f.,  20,  50,  248,  380. 

—  Ludolf  von  Holte  (1226—1247) 
57,  60  A.  1. 

—  Ludwig  I.,  Graf  von  Tecklenbnrg, 
(1069—1073)   68  A.  1. 

—  Ludwig  U.,  Landgraf  von  Hessen, 
(1310—1357)  19 f.,  51,  60  A.4, 
65,  341  A.  1. 

—  Otto  L,  Graf  von  Oldenburg,  (1204 
— 1218;  Eerss.  nennt  ihn  fälschlich 
Otto  von  Bentheim),  69  A.4, 70, 96  f. 

—  Siegfried  (1022—1032)  58. 

—  Walram,  Graf  von  Moers,  (1450 
—1456)   65,  138. 

—  Werner  (1032—1051)  73  A.3. 

—  Wilhelm  11.  von  Eetteler  (1553 
—1557)  30,  93,  719. 

Muenster,  Gerhard,  (Gerardus  Mun- 
ster eognom.  Smoker,  Gerardus 
Smokerus),  bischöflicher  Befehls- 
haber, später  Deserteur,  524,  612  f. 

—  Heinrich  von,  252  A.1, 373  A.4, 378. 

—  Johann  von,  252. 
Muonstcrman,  Dietrich,  (Theodoricus 

Munsterman),  Ratsherr,  1*26,  131, 
233,393,  555,  632,  862  A.l,  889, 
909  A. 
Muenzer,  Thomas,   (Thomas  Mona- 
Sterins),  833. 


Mulden,  Jodocus  von,  (Jodocns  Mv- 
deus),  in  anderen  QueUen  Joist 
van  Mu^en,  Jost  van  Mnjen,  bi- 
schöfl.  Hauptmann,  525,  591  A.a 

Mulhemicus,  Neqnam,  8.  Nequam 
Mulhemicus. 

Mumme,  Bernhard,  521  f. 

—  Ludger,  265,  922. 

Mumpert,  Heinrich,  Prior  im  Bisping- 
hofe,  403,  434,  437  fL,  458. 

Munster,  Munsterman  s.  Mnenster, 
Muensterman. 

Munth,  Nicolaus,  131,  949. 

Muter,  Heinrich,  Bürger  in  Waren- 
dorf,  715. 

Nadermann,  Johann,  Herzog,  775  A. 

Kadler,  Bartholomaeus,  s.  Netder, 
Bartholomaeus. 

Nagel,  Hans,  aus  Frankfurt  a.  d.  Oder, 
Landsknecht,  778  ff. 

Nassau,  Graf  Wilhelm  von,  Kriegs- 
rat  vor  Münster,  604  A.  2,  669  1, 
685  A.  2,  868. 

Nate,  Hermann  tor,  (Tomate),  Schuh- 
macher, 584. 

Nequam  Mulhemicus  (in  anderen 
Quellen  Schaep  von  Melven  und 
Schaep  van  Molven),  Fonrier  im 
Heere  dos  Königs  Johann,  650. 

Ncteler,  Bartholomaeus,  dictos  de 
Wale,  (in  anderer  Quelle  Bartholo- 
maeus Nadler),  Apostel,  706,  721. 

Neuenahr,  Graf  Wilhelm  von,  Kriegs- 
rat vor  Münster,  604  A.  2,  669  L 

Nicolaus  ab  Affelen  s.  Affeln,  Nico- 
laus von, 

—  Bupardicus  s.  Boppard,  Nicolaus 
von. 

—  Lutzenburgus  s.  Luxemburg,  Nico- 
laus von. 

—  Smalkaldianus  s.  Schmalkalden, 
Nicolaus  von. 

—  Tecklenburgicus  s.  Tecklenburg, 
Grafen  von. 


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Personenverzeichnis. 


971 


Nicolaus  Utennarckanas  (in  anderer 
Quelle  Claes  Utherdeminck),  bi- 
schöflicher Hauptmann,  525. 

Niehas,  Adolph,  Batsherr,   126. 

Nilandos,  Nachfolger  des  Knipper- 
dolling  im  Scharfrichteramte,  649, 
664. 

Nithard,  Bischof  yon  Lnettich  (1039 
—1042),  49. 

Nochleus,  Johann,  605. 

No()st,  Conrad,  Chirurg,  600. 

Nordanus,  Brixius,  s.  Brictius  tom 
Norde. 

Nordeck,  Johann,  Gesandter  des  Land- 
grafen Philipp  von  Hessen,  505  A., 
516  A.  1. 

Nordinck,  Michael,  Kürschner,  Bats- 
herr,  208,  280,  392,  400. 

Norrentin,  Hilhnrg,  Aebtissin  zu 
Ueberwasser  (1483),  53. 

Northoff,  Johann,  (in  anderer  Quelle 
Johann  Ylenthoff),  Schneider,  584. 

Nusbicker,  Georg,  Gesandter  des 
Landgrafen  Philipp  Ton  Hessen, 
361  ff.,  405  A.  2. 

Nymwegen,  Hans  von,  Gefährte  des 
Heinrich  Gresbeck  bei  der  Flucht 
aus  Münster,  826  A.  2. 

Oberstein,  Wirich  Ton  Dhaun,  Graf 
zu  Falkenstein,  Herr  zu  — ,  Eriegs- 
rat  Tor  Münster,  dann  Oberbefehls- 
haber der  Reichstruppen,  604  A.  2, 
669  f.,  747,  753  f.,  761  f.,  810, 
811  A.  1,  816,  831  A.1,  832, 
841  A.  1,  844  A.,  845  A.  1,  852  f., 
860. 

Ocken,  Eberhard,  498  A.  1. 

Oeken,  Gerhard,  Ratsherr,  126. 

Ockinckfeld,  Johann,  Notar,  625  f. 

0er,  Bernhard  von,  Statthalter  des  Bi- 
schofs Franz  in  Münster,  877  A.  2, 
895. 

Oesen,  Bernhard  van,  Ratsherr, 
926  A.  1. 


Oesen,  Johann,  der  Aeltere,  Rats- 
herr, 126. 

—  Johann,  der  Jüngere,  131. 
Oestermann,  Lnbbert,  Organist  des 

Königs  Johann,  648. 

Offerkamp,  bischöflicher  Schanzmei- 
ster, 596  ff. 

Oldenburg,  Grafen  von 

Anton  (1588)  897  ff. 

Christoph  (1538)  897«. 

Georg  (1538)  897  ff. 

Johann  (1538)  897  ff. 

Otto  8.  Münster,  Bischöfe. 

Oldenburg,  Arnold  ron,  (Amoldus 
Aldenburgicus),  Anführer  der  Läufer 
des  Königs  Johann,  650. 

Oldenzaal,  Gerhard  von,  (Gerardus 
Aldenzeell),  Trabant  des  Königs 
Johann,  649. 

—  Heinrich  von,  (Henricus  Olden- 
zeel),  Bote  des  Königs  Johann,  650. 

—  Jakob  Ton,  (Jacobus  Aldenzeell), 
Trabant  des  Königs  Johann,  649. 

—  Kind  von,  (Infans  Aldenzelanus), 
Fähnrich  im  Heere  dos  Königs 
Johann,  650,  735  A.  1. 

Oldersum,  Boynck  von,  (Boynck  van 
Oldershem),  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525  A.  1. 

Olieschleger,  Bernhard,  Ratsherr, 
später  Trabant  des  Königs  Johann, 
520,  649. 

Osenbrugge  (Ossenbrugk),  Hermann, 
Ratsherr,  926  A.1,  935  ff. 

Osnabrueck,  Bischöfe: 

—  Alberich  (Alvericus)  (1037-1052) 
49. 

—  Erich,  Herzog  von  Braunschweig- 
Grubenhagen,  (1508—1532)  siehe 
Münster,  Bischöfe:  Erich  II. 

—  Franz,  Graf  von  Waldeck,  (1532 
—1553)   s.  Münster,  Bischöfe. 

Osnabrueck,  Heinrich  von,  (Henricus 
Osnaburgensis),  Trabant  des  Königs 
Johann,  649. 


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972 


Personenverzeiclmis. 


Osnabraeck,  Jacob  von,  wiedert&ufe- 
rischer  Apostel,  von  Münster  ins 
Jülichsche  entsandt,  448  ff.  An- 
merkungen, 508  A.  3. 

—  Margaretha  ron,  (Margaretha 
Osnaborgica),  688. 

Osnabrug  (Osnabrugge),  Johann,  der 
Jüngere,  Ratsherr,  126,  131. 

Ossenbecke,  Johann,  Gerber,  Rats- 
herr, später  Aeltester,  dann  Wein- 
herr am  Hofe  des  Königs  Johann, 
392,  520,  576,  649. 

Oswalt,  Gerhard,  s.  Vemheiden,  Ger- 
hard, cognom.  Oswalt. 

Otto  SwoUanus  s.  Zwolle,  Otto  von. 

—  Graf  von  Tecklenbnrg  s.Tecklen- 
burg,  Grafen  von. 

Ovolacker,  Eberard,  (Everardus  Ove- 
lakerus,  in  anderer  Qnelle  Evert 
van  Snerhuefs,  von  Eerss.  auch 
nur  Swerhusius  genannt),  bischöf- 
licher Hauptmann,  357  A.  2,  525, 
547,  711  f.,  717. 


Pacimontanus,   Baltzarus,    s.   Hub- 
maier,  Balthasar. 
Padde,  Johann,  Herzog,  775  A. 
Paderborn,  Bischöfe: 

—  Erich,  Herzog  von  Braunschweig- 
Grubenhagen,  (1508—1532)  siehe 
Münster,  Bischöfe:  Erich  IE. 

—  Hermann  II.,  Graf  von  Wied, 
(1532-1547)  s.Koeln, Erzbischöfe: 
Hermann  Y. 

Paell,  Bernhard,  Ratsherr,  126. 
Pagenstecker,    Conrad,    Bürger  in 
Warendorf,  716. 

—  Johann,  Bürger  in  Warendorf,  716. 
Palck  (Palcus),    Johann,    Ratsherr, 

später    Herzog,    271,    275,    392, 

489  f.,  520,  584,  774  f. 
Pannicida,  Bemardus,  584. 
Peick,  Johann,  Erbmann,  342,  373. 

—  Otto,  Erbmann,  369. 


Peregrinus  Iselmndanos  s.  Tsstl- 
monde,  Pilgiim  von. 

Peter  von  Ailly,  63  A.  1. 

Pfalz,  Kurfürst  Ludwig  Y.  von  d€z, 
(Kerss.  nennt  den  Namen  nichts 
227  A.2,  684  A.2,  685,  741  ff. 

dessen  Bruder  Wolfgaag  669. 

PfLoch,  Simon,  Fähnrich  im  bischöf- 
lichen Heere,  610. 

Pheico,  Vater  der  Hill»  Feicken,  605. 

Philipp,  Herzog  von  Braonsehweig- 
Grubenhagen,  s.  Braunschweig- 
Grubenhagen,  Herzog  Philipp  toil 

—  Landgraf  von  Hessen,  a.  Hessen, 
Landgraf  Philipp  von. 

Philipp  Magnus,  Herzog  von  Braun- 
schweig -Wolfenbüttel,  s.  Bnum- 
schweig- Wolfenbüttel,  Herzog  Phi- 
lipp Magnus  von. 

Picker,  Bernhard,  Ratsherr,  520. 

Piepenkenneken  s.  Grever,  Johann. 

Pilgrim  von  Iselmnde  s.  Tsselmonde, 
Pilgrim  von. 

Plettenberg  (Plettenberch),  Gerhard 
von,  bei  Sendenhorst,  547. 

—  Heinrich,  Domherr  zu  Münster,  342. 
Plonies,    Wilbrand,    Bürgermeister, 

126,  233,  271,  276,393,  498  A.1, 
555,  565  A.  2,  742,  856,  886  A.  1, 
889,  915  A.  1,  916. 
Poeck,   Hans,   bischöflicher  Haupt- 
mann, 610. 

—  Ludolph,  Weifsgerber,  415. 
Pothgen ,    Heinrich,    Schuhmacher, 

Ratsherr,  520. 
Pothoff,  Conrad,  Schmied,  584. 

—  Heinrich,  Schmied,  584. 
Potteken  s.  Schomacker,  Rudolf»  128. 
Prange,   Conrad,  Richter  zu  Arns- 
berg, 530. 

—  Johann,  Bürger  in  Warendoii^ 
710  A.  1,  715. 

Profaess,  Hieronymus,  784. 
Provestinck,  Gerhard,  Kanonikus  am 
alten  Dome,  328. 


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t^ersonenverzeiclmis. 


973 


Pniem,  Anton  von,  (Antonius  Pru- 
meren,  Prumerenus  Eifeldianus), 
Apostel,  626  A.  3,  706,  714. 

Pruesse,  Gerhard,  Gerber,  Ratsherr, 
sp&ter  Fleischherr  am  Hofe  des 
Königs  Johann,  392,  520,  584, 649. 

—  Johann,  dessen  Witwe,  Stifterin 
eines  Armenhauses,  78. 

Puchmann,  Johann,  Sekret&r  des 
Königs  Johann,  648. 

Quirinus  Aquensis  s.  Aachen,  Quirin 
von. 

Badan,  Heinrich,  821. 

Raesf eld  (Raesfeldt,  Baesfel  t,  Baisfelt) 

—  Arnold  von,  150,  262, 378, 565  A.  2, 
877. 

—  Bernhard  von,  s.  Münster,  Bischöfe. 

—  Johann  von,  bischöflicher  Ober- 
befehlshaber, 323,  524,  785,  877 
A.  2,  899. 

Bamers  (Ramcrus),  Hermann,  131, 
412,  522  A.  1,  608  ff.,  644. 

Becke  (Beke),  Dietrich  von  der,  Be- 
fehlshaber der  bischöflichen  Bei- 
terei,  524  A.  3,  617  f. 

Domherr  zu  Münster,  617  f. 

—  Gerhard  von  der,  150,  262,  324, 
342,  344,  349  A.  5,  351,  373. 

bischöfl.  Bittmeister,  524,  547. 

—  Johann  von  der,  zu  Drensteinftirt, 
373  A.  4,  378. 

dessen  Familie  511. 

Bedeker,  Heinrich,  Kürschner,  Older- 
mann,  später  Bat  des  Königs  Jo- 
hann, 213,  215,  279,  392,  470, 
480,  519,  560  f.,  622,  626  A.  3, 
617,  663. 

—  Hermann,  271,  583. 

—  Johann,  Schuhmacher,  519,  584, 
626  A.3,  774  f. 

Regewart  (Begeward),  Hermann,  Pa- 
stor an  der  neuen  Kirche  in  Waren- 
dorf, später  Apostel,  397  ff.,  450, 
510,  706,  721. 


Beinerus  Hardewicenus  s.  Harderwijk, 
Beiner  von. 

—  a  Veelen  s.  Velen,  Beiner  von. 
Beininck  (Beining,  Beyninck,  Bey- 

ning),  Gerhard,  Kaufmann,  Bats- 
herr,  dann  Hüter  des  Schatzes  der 
Wiedertäufer  und  Bat  des  Königs 
Johann,  263  f.,  520,  543  A.  1,  562, 
584,  626  A.  3,  647,  663. 

—  Gottfried,  (von  Kerss.  auch  Fried- 
rich genannt),  Kaplan  an  der  üeber- 
wasserkirche,  127,  141. 

—  Hermann,  Diakon,  Brodherr  am 
Hofe  des  Königs  Johann,  Herzog, 
558,  626  A.  3,  649,  774,  776. 

Beimensnider  (Beymensnider,  Bey- 
mensnyder),  Eberhard,  Yorschnei- 
der  (structor)  am  Hofe  des  Königs 
Johann,  612 f.,  626  A.3,  633,  648, 
855  f. 

—  Heinrich,  Bürger  in  Warendorf,  7 1 5. 
Bibbert,  Hermann,  584. 
Bietberg,  Graf  Konrad  von,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe. 

Bing  (Binge),  Hermann  tho,  Maler, 
738. 

—  Ludger  tho,  Maler,  Yator  Hcr- 
mann^s,  738. 

dessen  Diener  Hermann  738, 

Bink,  Melchior,  155  A.  3. 
Bodde  u.  Bode  s.  Boede. 
Bodehosiana,  Anna,  822. 
Bodenberg,   Lubbert  von,   Domherr 

in  Münster,  99. 
Boede  (Bodde,  Bode) 

—  Ghristina,  Frau  des  Königs  Jo- 
hann, 659. 

—  Heinrich,  Goldschmied,  Batsherr, 
später  Aeltester,  dann  Hofmeister 
der  Königin  Divara,  271,  392,  520, 
576,  661,  665. 

—  Stephan,  684. 

Boelevinck,  Johann,  Bürger  in  Warcn- 

dorf,  717. 
Boidtlandt,  Arnold,  Schmied,  584. 


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974 


Personenverzeichnis. 


Bokol,  Johann,  aus  der  Mark,  Diener 
an  der  Domschule,  dann  Dom- 
glöckner, 846. 

Roll,  Heinrich,  WassenbergerPredi- 
kant,  238,  388  A.  1,  420  A.  1, 
421f.,  424A.2,  428f^  442  A.3, 
447  A.  2,  464,  471,  474  A.  1,  475, 
478,  483,  518,  645. 

Bomberch  von  Kierspe,  Johann  Host 
von,  schreibt  gegen  Bothmann, 
235  A.  2. 

Rotermnnt,  Johann,  der  Aeltere  und 
der  Jüngere,  279. 

Rotgers,  Heinrich,  Kürschner,  Older- 
mann  n.  Ratsherr,  126,  275,  949. 

Roth,  Hans,  Bürger  in  Warendorf, 
716  A.  3. 

Rothmann,  Bernhard,  160  ff.  (Her- 
kunft, Jngend,  Reisen),  1 62  u.  164  f. 
(erstes  antikatholisches  Auftreten 
SU  St  Mauritz),  166  ff.  (Schrift- 
wechsel mit  Bischof  Friedrich,  Not. 
1531— Jan.  1532),  190,  191  f.  (pre- 
digt  zuerst  in  der  Lambertikirche, 
Febr.  1532),  195  ff.,  199  ff.  (Brief 
an  Bischof  Erich,  April  1532), 
203  ff.,  214,  221  f.,  223  ff.  (Brief 
an  den  Münsterschen  Rat,  Juli 
1532),  231  f.,  235,  241,  244,  25901 
(Brief  an  die  Statthalter  des  Stifts 
und  an  die  Ritterschaft,  Sept.1532), 
271,  276,  284  ff.,  292,  316  f.,  3221, 
330  f.  (Stutenbemdt),  333  f.,  351, 
389  ff.  (Heirat),  393,  398  f.,  402  u. 
424  (Superintendent),  403,  418  ff. 
(Predigten  im  Sinne  der  Wassen- 
berger  Predikanten),  421  ffl  (für 
die  Verwerfung  der  Eindertaufe 
gewonnen),  424  (Beteiligung  an 
der  Disputation  im  August  1533), 
428  ff.  (wiederholter,  nicht  durch- 
gesetzter Ausweisungsbefehl  des 
Rates,  Sept.  1533),  435  f.,  441 1, 
443  ff.  (neue  Verhandlungen  des 
Rates  über  Ausweisung,  Nov.  1533), 


Rothmann,  Bernhard 
447f^452ff.,  455  A.  2,  458 L  (pre- 
digt gegen  Fabricins,  Not.  1533  t, 
460,  461  (trotzt  dem  Answeisimss- 
bef  ehle  des  Rates,  Dez.  1533X  4&x 
464  ff.,  471  (vollzieht  die  Wieder- 
taufe,  nachdem  er  [s.  474  A.  1]  am 
5.  Jan.  1534  selbst  wiedergetanft 
ist),  475  f.,  478,  480  fL  (Prophe- 
zeiung vom  Einston  des  Ueber- 
wasserUosters,  Febr.  1534),  4831, 
487,  494,  502,  504,  508  L  (Briefe 
an  die  benachbarten  Sfjldte,  Febr. 
1534),  511  A.  1,  536,  540i,  541 
(Brief  an  Heinrieh  Slacktacaef: 
564  A.  1,  576,  608  A.  1,  619  L 
(Stellung  zur  Vielweiberei),  621, 
623,  626  A.  3,  646  f.  (WorthalUr 
des  Königs  Johann),  664,  696,  739, 
781 A.,  784  A.1,  795  A.,  798  A.2, 
832,  842  (Tod). 

—  seine  Frau  389  ff. 

—  seine  Schwester  232. 

—  seine  Briefe: 

an  Gerhard  Reining,  17.  Mai 

1531,  163  f. 

an  den  Bischof  Friedrich  JH., 

1.  Nov.  1531,  166  ff. 
an  den  Bischof  Friedrich  UL, 

16.  Jan.  1532,  173  ff. 
an  die  bischöflichen  R&te,  Ende 

Jan.  1532,  170  ff. 
an  Gerhard  Cotiiis,  18.  Fei». 

1532,  191  A.  2. 

an  den  Bischof  Erich  11.,  19. 

Aprü  1532,  199  ff. 
an  Erii.  Schnepf;  16.  Juli  1532, 

225  A.  1,  226  A.  1. 
an  den  Rat  in  Münster,  19.  Juli 

1532,  223  ff: 
an  Herm.  v.  d.  Busche,  6.  S^t. 

1532,  190. 
an  die  bischöflichen  Rite  und 

die  Ritterschaft  in  Wolbeck,  25. 

Sept  1532,  260  ffl 


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Personenyerzeichnis. 


976 


Bothmann,  Bernhard,  Briefe 
an  Herrn.  Regewart,  2,  Juni 

1533,  450. 
an  den  Bat  in  Münster  (im 

Verein  mit  den  Predikanten),  17. 

Sept  1533,  428  fL 
an  den  Rat  in  Münster,  3.  Okt. 

1533,  432  f. 
an  den  Landgrafen  Philipp  von 

Hessen,  12.  Jan.  1534,  455  A.  2. 
an  die  Münster  benachbarten 

St&dte,  Febr.  1534,  508  f. 
an  H.  Slachtscaef,  März  1534, 

541. 

—  Predigten  165  A.  1,  322  f.,  418  fiL 

—  Reden  bei  der  Disputation  im 
August  1533  vgl.  425  A. 

—  Schriften: 

Glaubensbekenntnis  (confessio 

fidei),  Jan.  1532,  176  ff.  (vgl.  auch 
170  A.  1,  171,  190,  195,  196, 197, 
204,  223,  236  A.,  244,  261,  263, 
271,  284  f.). 

Epitome  abusuum,  Aug.  1532, 

235  ff.  (vgl.  auch  244,  246,  261, 
263,  271,  284  f.,  299,309,  314  ff., 
320,  322  f.,  355). 

Eirchenordnung,   April  1533, 

388  A.  1  (vgl.  dazu  das  succinctum 
municipalium  legum  ezcerptnm 
385  ff.). 

Bekenntnisse  von  beiden  Sakra- 
menten, Okt.  1533,  442  f.,  453  f. 

Restitution,  Okt  1534,  757  fL 

(vergl.  dazu  487  A.  1  und  Anmer- 
kungen der  folgenden  Seiten,  620 
A.1,  630  A.1,  631  A.1,  696,  735, 
760  A.). 

Rache,   Dez.  1534,   758  A.  1, 

760  A. 

Verborgenheit  der  Schrift,  Febr. 

1535,  758  A.1,  759  f. 

Rudolph,  Bischof  von  Schleswig  (1027 
-1046),  49. 


Ruescher  (Ruesscher),  Hubert, 
Schmied,  392,  445,  518,  559  ff. 

Ruland,   Jodocus,   Kanzler  des  Bi- 
schofs Franz,  742. 

Rupe,  Heinrich,  Prokurator  am  bi- 
schöflichen Gericht  (1555),  30. 


Sachsen,  Herzog  Georg  von,  742  A., 
783  A.  2. 

—  Kurfürst  Johann  Friedrich  von, 
227  A.  2,  228,  301,  306,  375  A., 
517  A.,  082,  683  A.3,  685,  742  A^ 
745,  761  A.2,  763  A.,  865  A.,  930. 

Sachsen-Lauenburg,  Herzog  Erich 
von,  s.  Münster,  Bischöfe:  Erich  L 

Salwide,  Johann,  (vielleicht  Johann 
aus  Salwej),  Weinherr  am  Hofe 
des  Königs  Johann,  649. 

Sauctes  (Sanctus,  Xantes,  Xantus), 
Heinrich,  Kupferschmied,  Ratsherr, 
Rüstmeister  des  Königs  Johann, 
Herzog,   265,  520,  626  A.  3,  650, 

774  f.,  850. 

Santensis,  Henricus,  s.  Xanten,  Hein- 
rich von. 

Schaep  von  Melven  s.  Kequam  Mul- 
hemicus. 

Scharlaken,  Egbert,  Trabant  des  Kö- 
nigs Johann,  später  Herzog,  649, 

775  A. 

Schaumburg,  Grafen  von,  669,  931. 

—  Graf  Ernst  von,  (1454),  138. 
Schedelich,  Bernhard  von,  Komtur 

der  Johanniter  in  Burgsteinfurt 
(1450),  66,  79. 

—  Gottfried  von,  252,  262,  324, 
378,  640  f.,  861  f.,  877. 

Scheffer,  Johann,  aus  Freckenhorst, 
AposH  705,  722  ff. 

Scheiffert  (Scheiffort),  Werner,  von 
Merode,  510,  736  ff^  740,  785. 

Schelve,  Gerhard,  Trabant  des  Kö- 
nigs Johann,  649. 

Schemme,  Johann,  Zimmermann,  572. 


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976 


Personenverzeiclmis. 


Schemmeringk,  Engelbert,  (in  anderer 
Quelle  Engelbert  Scheverinck), Vor- 
schneider (stractor)  am  Hofe  der 
Königin  Divara,  661. 

—  Walther,  (in  anderer  Quelle  Wolter 
Schemelick),  Mundschenk  des  Kö- 
nigs Johann,  648. 

Schenck  von  Tautenbnrg,  Georg, 
(Georgius  Schenck  über  baro  de 
Teutenberg),  kaiserlicher  Statt- 
halter in  Friesland,  567  f.,  777, 
784,  794  f. 

Schenckinck  (Schencking),  Ermgard, 
Aebtissin  in  üeberwasser  (1555), 
863. 

—  Heinrich,  Drost  zu  Neuhaus,  vir 
equestris  ordinis,  328,  338,  373, 
877. 

—  Hermann,  Erbmann  (patricius), 
Stadtrichter,  später  Ratsherr,  233, 
323,  342,  373,  505,  555,  889, 
9 13  ff.,  949. 

—  Johann,  Erbmann,  Ratsherr,  126. 
Schiltmaker  s.  Wale,  Johann. 
Schimmel,Georg,  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525. 

Schlachtschap,  Heinrich,  s.  Slacht- 
scaef^  Heinrich. 

Schlebusch,  Wilhelm,  Wiedert&ufer 
in  Wesel,  731. 

Schloschen  (Sloschen),  Dietrich,  128, 
585,  850. 

Schmalkalden,  Nicolaus  von,  (Nico- 
laus Smalcaldianus),  Diener  Knip- 
perdolling's,  574.    - 

Schmising   (Smisinck,   Smjsinck, 
Smjsing) 

—  Caspar,  (auch  Caspar  Korf^  dictus 
Smysinck),  252,  323,  378. 

—  Botger,  Domherr  in  Münster,  31, 
41,  342,  347,  496  A.  2,  565  f., 
742,  856. 

Schnepf,  Erhard,  Professor  in  Mar- 
burg, 225  A.1,  226  A.  1,  227  A.3. 


Schomacker,   Bernhard,    Büi^ger   is 

Munster,  279. 
Bürger  in  Warendori^  s.  Boote- 

mans,  Bernhard. 

—  Peter,  niederländischer  Wieder- 
täufer, 777. 

—  Rudolph,  (Potteken),  128. 
Schonebecke,  Familie  von,  911. 

—  Heinrich  yon,  bischöflicher  Ritt- 
meister, 524,  547. 

Schonhoff  (Schonhovius),  Christoph, 
Fähnrich  im  Heere  des  Königs 
Johann,  650,  820. 

Schonlake,  Egbert,  Bürger  in  Coes- 
feld, 470.A. 

Schröder,   Johann,   aus  Werne, 
Schmied,  460  ff. 

—  Peter,   Bürger  in  Warendorf, 
715  A.  5. 

Schroderken  (SchroederkenX  Caspar, 
Ratsherr,  163,  192,  231,  275, 
305  ff.,  362  A.,  392,  517  A. 

—  Gerhard,  Kanonikus  am  alten 
Dom,  316,  328. 

Schulte,   Bernhard,    Kürschner   in 

Münster,  835. 

Bürger  in  Coesfeld,  470  A. 

'—  Johann,  Diener  des  Knipperdol- 

ling,  573. 
Schuren,  Johann,  Trabant  des  Kö- 
nigs Johann,  649. 
Schuttorp,  Johann,  Batsdiener,  335, 

358. 
Schwarte,  Friedrich,  Hofmeister  des 

Grafen  Joh.  von  Waldeck,  937  A.  1. 
Schwarzenberg,   Graf  Heinrich  yon, 

s.  Münster,  Bischöfe :  Heinrich  ÜL 
Schwering  s.  Swering. 
Schwerten  s.  Swerten. 
Schwertfeger,  Johann,  s.  Caterberch, 

Johann. 
Selker,  Johann,  Bürger  in  Coesfeld, 

378. 
SeUdnck,  Gerhard»  Pfortner  am  Hofe 

der  Königin  Divara,  661. 


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PersonenTeizeiclmis. 


977 


'Senden,  Johann  Ton,  (Joannes  Sen- 
danns),  Gograf  von  Nordwalde, 
509  f. 

bischöflicher  Rittmeister,  524, 

548. 

Sibing,  Hermann,  Yikar  in  St  Maa- 
rita, 161  f. 

Sibmg,  Johann  von,  s.  Sybnrg,  Jo- 
hann Yon. 

Siegfried,  Bischof  von  Mnnster,  s. 
Münster,  Bischöfe. 

Simon,  Qraf  zur  Lippe,  s.  Lippe, 
Orai  Simon  Y.  zur. 

Sittard  (Sitthard,  Syttiurd),  bischöf- 
licher Hauptmann,  525,  547,  688, 
788,  832. 

Slachtscaef  (Schlachtscapios, 
Schlachtschaep,  Schlachtschapius), 
Heinrieh,  Apostel,  541,  563  A.  1, 
621,  630,  688,  705,  719  f.,  721  A.1. 

Sloschen  s.  Schloschen. 

Smalcaldianns.  Mcolans,  s.  Schmal- 
kalden,  Nicolaus  von. 

Smedes,  Johann,  Freigrai;  342  A.  3. 

Smising  s.  Schmising. 

Smithns  (Smythus),  Jodocns,  Rats- 
herr, 889. 

—  Lambert^  Hfiter  des  Schatzes  der 
Wiedertftiifer,  562  A.  3. 

Smoker,  Gerhard,  s.  Muenster, 

Gerhard. 
Sneek,  Albert  Ton,   (Albertos  Sne- 

canus),  Chirnrg,  600. 
Snider  (Snyder),  Lorenz,  Biirger  in 

Coesfeld,  470  A. 

—  Nicolaus,  Ratsherr,  498  A.  1,  520, 
543  f. 

ans  Nordhom,  822. 

Sobbe,  Conrad,  Gef&hrte  des  Hans 

Eck   von  der  Langenstraten  bei 

seiner  Flucht  aus  Münster,  827. 
Sode,  Johann  thom;    dessen  Frau 

633  A.  2. 
Sonneken,  Heinrich,   s.  Cmmaker, 

Heinrich. 


Spe  (Speins),  Fourier  im  Heere  des 
Königs  Johann,  650. 

Spiegel  (Spdgel),  Conrad  von,  352. 

Spiker,  Otto,  Bürger  in  Osnabrück, 
722  f. 

Staell,  Wilhelm,  Dechant  an  der 
üeberwasserkirche,  159  t 

Amtmann  zu  Iburg,  723  f. 

Staprade,  Hermann,  aus  Moers,  Was- 
senberger  Fredikant,  888  A.  1, 
421  A.,  422  f.,  424  A.  2,  428, 
442  A.  3,  471,  474  A.  1,  475,  478. 

Steding,  Wilken,  bischöflicher  Be- 
fehlshaber, 524,  526  A.  1  u.  2, 
527  A.  2,  547,  682  f.,  734,  747, 
778,  780,  788,  822,  831,  832  A.  2, 
837,  841,  844A.,  845 A.1,  846, 
853,  857  A.  1,  861  f. 

Steinbicker,  Johann  Ernst,  490  A. 

Steinkamp,  584. 

Steinmann,  Eberhard,  s.  Steymann, 
Eberhard. 

Stell,  Reiner,  Glaser,  129,  281. 

Stenerensis,  Christianus  Adelphus,  s. 
Adelphus  Stenerensis,  Christianus. 

Stemebergh,  Johann,  Bürger  in  Wa- 
rendorf, 717. 

Steveninck  (Sterening),  Eberwin,  Erb- 
mann, Ratsherr,  126,  393. 

—  Heinrich,  Erbmann,  Ratsherr,  889. 

—  Johann,  Erbmann,  Ratsherr,  830, 
949. 

Steymann,  Eberhard,  Kaplan  an  der 
aiten  Kirche  An  Warendorf;  397  iL 

Sticker,  Magnus,  400,  932,  949. 

Stinthius,  Georg,  612. 

Stock,  Richter  in  Telgte,  342  A.  3. 

Stoeldreier,  WeiTsgerber,  415. 

Stolte,  Heinrich,  Schmied,  584. 

Stopenberg,  Johann,  Thorwftrter  in 
Warendori;  715. 

Stothues,  Joist,  Bürger  in  Coesfeld, 
470  A. 

Steve,  Jacob,  Ratsherr,  855,  889. 

Stoyfener,  Gertrud,  (1377),  87. 
38 


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978 


Personenveizeichnis. 


StnJen,  Qottfried,  Wusenberger  Pre- 

dikant,  Apostel,  238,  280, 422  A.  2, 

424  A.2,  428  it,  442  A.  3,  471, 

474f^  478,  489,  G26  A.  8,   706, 

714,  724, 
Stripe,  NicolAus,  Gewandflelmeider, 

392,  498  A,l,  520. 

Kaufmann,  Henog,  774,  776. 

Statenbemd    (Name  för   Bernliaid 

Botfamann)  b.  beeonden  330. 
Saedartho    (Swedartho),    Heinrich, 

131,  392,  496. 
Suidbert,  der  heilige,  (Swibertiu),  11, 

32f^  50,  126,  380. 
Suidger,  Bischof  Yon  Bamberg  (1041 

—1046),  49. 
Snndermann,  Kfinchner,  504. 
Snren,  Johann,  Diener  Knipperdol- 

ling'8,  574. 
Suttorp,  Johann,  Kammerdiener  des 

Königs  Johann,  648. 
Swartamt,  Heinrieh,  Bftcker,  932. 
Swenthovelsche,  Stifterin  eines  Ar- 

menhanses,  79. 
Swerhusius  s.  Ovelacker,  Eberhard. 
Swering  (Sweringk),  Panl,  Apostel, 

705,  722  ff. 

—  Peter,  Bürger  in  Coesfeld,  470  A., 
510. 

Swerthen,  Bernhard,  124^  484,  849. 

—  Johann,  580,  731. 
Swollanns  s.  Zwolle. 

Syburg  (SibnrgX  Johann  von,  Kaplan 
des  Bischofs  Franx,  589  A.  2,  87 1  £L 

Symonson,  Peter,  ein  Friese,  Aeltester, 
später  Küchenmeister  der  Königin 
Diyara,  576, 661,  7d5A.2,  738 A.4. 


Tant,  Johann,  Kaplan  an  der  Lam- 

bertikirche,  127,  140  f. 
Taubenheim,  Jacob  von,  hessischer 

Gesandter,  226 A.3,  361f.,  405A.2. 
Tantenbnrg,  Georg  Schenck  yon,  s. 

Schenck  yon  Tantenbnrg,  Georg. 


TecUenbmg,  Grafen  tob,  25. 

—  Graf  Ludwig  ron,  a.  MfiBster, 
Bischöfe:  Ladwig  L 

Nioolans  von,  (1518)  134. 

Otto  yon,  Propet  zu  8t.  Joliaan 

in  Osnabmeek  (1538X  897 1 

TecUenbnrg,  Hans  von,  (Haiiao,  Hes- 
snlns  Teckelenbmgiciia,  Tecken- 
bnrgicns),  bischöflicher  Haiqit- 
mann,  596,  683,  788,  797L 

Tegeder,  Hennann,  530. 

Thann,  Alexander  yon  dei^  hessischer 
Gesandter,  435  A.  2,  504  A.  1. 

TheodoricQs  a.  aach  DielriA. 

^  Gei&hrte  des  heiL  Suidbert,  32. 

—  Alfensis  s.  Alfen,  Dietrieh  too. 

—  Dnsseidorf  s.  Dosaddoim  Theo- 
doriens. 

—  Grollanns  8.Grollano8,Theodoriciis. 

—  ab  Ham  s.  Hamm,  Dietrich  too. 

—  Tylanns  s.  Tiel,  Dietrich  Ton. 
Tho  Bing,   Hermann  nnd  Lndg«, 

s.  Bing,  Hermann  tho  —  nsd  Lad- 
gor  tho  — . 
Thom  Berge,  Georg,  s.  Berge,  Geoig 
thom. 

—  Brincke,  Johann  nnd  Lndger,  & 
Brincke,  Johann  thom  —  nnd 
Lndger  thom  — • 

—  Kloester  (Kleister)  s.  Cloister, 
Gert  tom. 

—  Korden,  Brictins,  a.  Korden,  Brie- 
lins  tom. 

•  Sode,  Johann,  s.  Sode,  Joh.  tiiom. 
Thor  Ae,  Heinrich  nnd  Johann,  s. 

Aa,  Heinrich  rar  —  nnd  Johann 
rar  — . 

•  Hege,  Eberhard,  s.  H^ge,  Eber- 
hard thor. 

—  Heyden,  Johann,  a.  Caterberch, 
Johann. 

—  Meer,  Bernhard,  a.  Meer,  Bern- 
hard thor. 

—  Mollen,  Johann,  s.  Mollen,  Jo- 
hann thor. 


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Personenverzeiclmis. 


979 


Tiel,  Dietrich  von,  (Theodoricus  Ty- 
lanus),  bischöflicher  Hanptmaan, 
525, 

—  Johann  Kettel  von,  s.  Kettel  von 
Tiel,  Johann. 

Tilanus  (in  anderer  Quelle:  Meister 
Tile  Bnssenschutte),  im  städtischen 
Dienste,  480,  851. 

Tübeck  (Tylbech,  Tylbeck,  TyUe- 
bech),  Hermann,  Erbmann,  Bürger- 
meister, Aeltester,  Hofineister  des 
Königs  Johann,  192,  208,  231, 
275,  369,  392,  394,  400,  402,  445, 
490  f.,  496  ff.,  502,  505,  507  f., 
517,  560  f.,  5761,  622  A.  2, 
623  A.  1,  626  A.  3,  627  A.,  647, 
663,  698,  850. 

—  dessen  Schwester  855  A.  2. 
Tilmans,  Georg,  Bürger  in  Hanmi, 

613  A.  3. 

Timmermannsche(Tjmmennannsche) 
486  f. 

Tinnen  (Tynnen),  Bernhard  von.  Erb- 
mann, Ratsherr,  271,  328, 889, 916. 

—  Johann  von,  Erbmann,  Ratsherr, 
393. 

Tonsoris,  Gerhard,  Kaplan  an  der 
Aegidiikirche,  328. 

Torck,  Arnold,  Bürger  in  Wolbeck, 
328. 

Tor  Nate,  Hermann,  s.  Nate,  Her- 
mann tor. 

Torrentinus,  Angnstinus,  cognom. 
Gloterbemdt,  823. 

Tos,  Rotger,  131. 

Traiectensis,  Adrianus,  s.  Utrecht, 
Hadrian  von. 

Travelman,  Berthold,  Erbmann,  Bür- 
germeister, 393,  889. 

—  Heinrich,  Erbmann,  Ratsherr, 
126,  935  f. 

Tregers,   Elisabeth,   s.  Dreggers, 

Elisabeth. 
Triebt  s.  Maastricht 


Trier,  Enbischof :  Johann  IDL  von 
Metzenhausen  (1531—1540),  Kur- 
fürst, (Kerss.  nennt  den  Namen 
nicht),  685,  741  ff.,  812  A.l,  868. 

Tmtlinck  (Tratling),  Dietrich,  Zim- 
mermann, 131,  572  f. 

—  Hubert,  559  A.  1. 

Tulen,  Johann,  Scholaster  zu  St. 

Maitini,  328. 
Tuneken  (Tunneken),Gerhard,  Butter- 

h&ndler,  Ratsherr,  392. 

—  Margaretha,  785. 

Twickd,  Johann  von,  832,  840. 

Twist  (Twistb),  Friedrich  von,  Hof- 
meister des  Bischofs  Franz,  Amt- 
mann zu  Sassenberg,  352,  468  A.  4, 
717,  866,  913  ffl,  918  A.,  919  f. 

Tjlanus  s.  Tiel  und  Tilanus. 

l^lbeck  s.  Tilbeck. 

Tymannus  Groninganos  s.  Groningen, 

Timann  von. 
Tynnen  s.  Tinnen. 
Tzum  Drecke,  Arnold,  b.  Drecke, 

Arnold  tzum. 

—  Kloester  (Kleister)  s.  Gloister, 
Gert  tom. 

Tzwyvel,  Dietrich,  (Theodoricus  Zwi- 
velius),  Buchdrucker,  Wiederher- 
steller  der  Domuhr,  42. 

Uberstein,   Wirichus  ab,  (Wirichus 

überstenins),  s.  Oberstein;  Wirich 

von  Dhaun,  Graf  zu  Falkenstein, 

Herr  zu  — . 
üda,  Aebt]80hi  zu  St.  Aegidü  (1250), 

58. 
üdenheim,  Johann,  Pfennigmeister, 

748,  860  A.  1. 
Uldan,  Johann,  554,  585. 
Ulrich,  Herzog  von  Wuerttemberg,  s. 

Wuerttemberg,  Herzog  Ulrich  von. 
Ultraiectinus,  Joannes,  s.  Utrecht, 

Johann  voiu 
Ummegrove,  Heinrich,  Apostel,  706, 

714. 

38* 


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980 


PersonenTerzeiclmis. 


ümmegroYe,  Johann,  Advokat,  192, 
231,301,  303  ff^  807  f.,  362  A., 
617  A. 

Utermarckanns,  Nicolans,  (in  anderer 
Quelle:  Olaes  ütherdeminck),  bi- 
schöflicher Hauptmann,  525. 

Utrecht,  Arndt  Ton,  (Arndt  van  ütert), 
bischöflicher  Hanptnuum,  525  A.  1. 

—  Gottfried  von,  (Godofridus  Tra- 
iectensis),  in  anderer  Quelle  Arndt 
van  ütert,  bischöflicher  Hauptr 
mann,  525. 

—  Hadrian  von,  (Adrianus  Traiec- 
tensis),  Trabant  des  Königs  Jo- 
hann, 649. 

—  Johann  von,  (Joannes  Ultraiec- 
tinus),  früher  Domherr  in  Utrecht, 
6291,  706  A.3. 

y  siehe  auch  F. 

Yelen,  Beiner  von,  (Bejnerus  aVeelen), 

Propst  am  alten  Dome,  140. 
Yelmede,  Goswin  von,  (Goswinus  a 

Yelmude),  254. 
Yelthues  (Yelthuess),  Anton,  Burger 

in  Coesfeld,  nachher  Trabant  des 

Königs  Johann,  470  A.,  649. 

—  Bernhard,  Bfirger  in  Coesfeld, 
470  A. 

Yemheiden,  Gerhard,  cognom.  Os- 
walt  (Oswald),  Goldschmied,  925 
A.  1,  926,  927  A.,  932,  934  f., 
937,  941. 

Yigerins,  Joannes,  Ratsschreiber, 
389L 

—  dessen  Witwe,  Frau  des  Bernhard 
Rothmann,  389  f. 

YiUicus  Havickhorstius,  Bemardns, 
s.  Havichhorst,  Bernhard  von. 

—  Leddanus,  Diakon,  sp&ter  Herzog, 
558,  774  f. 

Vinck  (Vincke,  Yinckius,  Yink) 

—  Johann,  Kaplan  an  der  Ludgeri- 
kirche,  127,  141. 

—  Otto,  Wiedertäufer  in  Wesel,  731. 


Vinne,  Dionysius,  aus  Diest,  Wassen- 
berger  I^edikant,  Apostel,  280, 
422 A.2,  424A.2,428fL,442A.3, 
474  f.,  478,  489,  621,  705,  722«. 

Yisscher,  Lorenz,  Apostel,  705,  719  L 

Ylentho£^ Johann,  s-Northol^  Johann. 

Yoerdanus,  Glymnerus,  s.  Woerden, 
Clymmer  van. 

Yogelsanck  (Yogelsang),  Eanonikiis 
am  alten  Dome,  316,  328. 

Vos  (Yoes,  Yoefc) 

—  Berthold,  949. 

—  Jacob,  Dechant  am  alten  Dome,  92. 

—  Johann,  Trabant  des  Königs  Jo- 
hann, 649. 

Yreyse,  Joachim,  s.  Kesse,  Joachim. 

Waldeck  (Waldegh,  Waldegk) 

—  Christoph  von,  natGiücher  Sohn 
des  Bischofs  Franz,  Kammerdiena 
des  Königs  Johann,  648,  664  A.3, 
804  A.1. 

—  Graf  Franz  von,  s.  Münster,  Bi- 
schöfe. 

—  Graf  Johann  von,  Yetter  des  Bi- 
schofs Franz,  929,  937  A.  1,  946. 

—  Graf  Philipp  von,  Bruder  des 
Bischofs  Franz,  305. 

Wale  s.  Neteler,  BarÜLolomaeus, 
dictus  de  Wale. 

—  Johann,  cognom.  Schiltznaker, 
Richter  zu  Warendorf,  410  A.  3, 
411  A.1,  468  A.  4^  718,  717. 

Walram,  Graf  von  Moers,  s.  Münster, 

Bischöfe. 
Walrav,  Heinrich,  Schmied,  460. 
Wantsdherer,  Elisabeth,   Frau    des 

Königs  Johann,  658,  823  fL 
Waiendorp,  Bernhard,   Erbmann, 

342,  373. 

—  Heinrich,  Erbmann,  RatsheiT, 
342,  373,  949. 

~  Johann,  Erbmann,  Ratsherr,  342. 

373,  889. 
Wast,  Franz,  688. 


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Personenverzeiclinis. 


981 


Wechler,  Johann,  271,  498. 
Weda  8.  Wied. 

Wedemhave  (Wedemhove),  Albert, 
445. 

—  Hexmann,  271. 

Wendt,  Franz  de,  373  A.  4^  378. 
Weppelmann,  Bernhard,  Bürger  in 

Warendoif,  411. 
Werde,  Gort  van  dem,  (Conradns  In- 

snlanns),  Landsknecht,  733  fr. 
Werden,  Andreas  von,  (Andreas  Wer- 

denus),  Gerber,  519. 
Werne,  Franz  yon,  (Franciscus  Wer- 

naens),  Magister,  282  f. 

—  Franz  yon,  (Franciscus  Wezneus), 
Ratsdiener,  920,  948. 

Wemeke,  Gottfried;  dessen  Frau  540. 
Werner,   Bischof  von  Münster,    s. 

Münster,  Bischöfe. 
Werthen,  Gräfin  yon,  gew&hlt  znr 

Aebtissin  yon  üeberwasser,  aber 

nicht  bestätigt  (1460),  52. 
Wessede,  Meinborga  yon,   Stifterin 

eines  Armenhauses,  78. 
Wesseli^g  (Wesselinck,  Wesselingk, 

Weslisg) 

—  Johann,  Arzt,  488,  491  f.,  512, 
539,  913  flf.,  932  ft,  940«: 

—  Johtnn,  Stadtrichter,  873,  915  ff. 
Westcifaolt,  Bernhard,  Abt  zu  Ibnrg, 

901. 

—  Bernhard  yon,  Befehlshaber  der 
biachöflichen  Reiterei,  252,  262, 
324,  524  A.  3,  565  A.  2,  617,  877. 

Westermann,  Johann,  Prediger  in 
lippstadt,  453f.,  461, 464, 465  A.2. 

Wetter,  Friedrich,  530. 

W«yer,  Bernhard,  Apostel,  705,  7191 

Wewellnghoyen,  Florenz  yon,  s.  Mün- 
ster, Bischöfe. 

Wichariz  (Wichardes),  Bernhard, 
Bürger  in  Coesfeld,  später  Trabant 
des  Königs  Johann,  470  A.,  649. 

Wichmann,  Heinrich,  bischöflicher 
Kanzlist,  165. 


Wideman,  Egbert,  aus  Nordkirchenf 

Apostel,  706,  721. 
Wieck  (Wick,  Wik,  Wyck) 

—  Christian  von  der,  Syndikus,  908, 
924  A.  1,  934,  936  A.,  938  £L 

—  Gertrud  von  der.  Stifterin  eines 
Armenhauses,  78. 

—  Johann  von  der,  Syndikus  von 
Bremen  und  Münster,  234,  298  ff., 
357,  36001,  371,  394  fll,  406  A., 
421  A.,  426,  430,  446,  453  f., 
455  A.  2,  471,480,  612  iL 

—  Thomas  von  der,  Ratsherr,  949. 
Wied  (Weda),   Graf  Friedrich  von, 

s.  Münster,  Bischöfe:  Friedrich  m. 

—  Graf  Hermann  von,  s.  Koeln, 
Erzbischöfe:  Hermann  Y. 

—  Graf  Johann  von,  Bruder  der 
beiden  Vorstehenden,  149. 

Wilckinckhov,  Johann,  Mathematiker, 

43. 
Wilhelm  von  Amheim  s.  Amheim, 

Wilhelm  von. 

—  Herzog  von  Braunschweig- Wolfen- 
büttel, s.  Braunschweig- Wolfen- 
büttel, Herzöge  von. 

—  von  Detten  s.  Detten,  Wilh.  von. 

—  von  Ketteier  s.  Münster,  Bischöfe: 
Wilhelm  H. 

—  Graf  von  Nassau,  s,  Nassau,  Graf 
Wilhelm  voil 

—  Graf  von  Neuenahr,  s.  Neuenahr, 
Graf  Wilhelm  von. 

Willem  deCuiper  s.  Cuiper,  Willem  de. 

Willenhuess,  Heinrich,  pyropaeus, 
fuerboeter  am  Hofe  der  Königin 
Divara,  661. 

Willibrord  (Wilbrordus),  der  heilige, 
Bischof  von  Utrecht,  10,  32. 

Williricus,  Genosse  des  heil.  Suid- 
bert,  32. 

Windemaker,Nicolaus,Kunstschmied, 
Wiederhersteller  der  Domuhr,  42. 

Windemoller,  Johann,  Krämer,  Rats- 
herr, 213  f.,  231,  392,  403,  427. 


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982 


Personenverzeichnis. 


'Winoldns  N.,  Barbier  am  Hofe  des 

Königs  Johann,  649. 
Wintercamp,  491  f^  797. 
Wintsnm,  Johann  von,  Wiedert&ufer 

in  Deventer,  740. 
Winzenborg,  Grafen  von,  27. 

—  Graf  Dietrich  Yon,   s.  Münster, 
Bischöfe:  Dietrich  IL 

Wirich  v.  Dhann  s.  Oberstein ;  Wirich 

von  Dhaun,  Graf  zu  Falkenstein, 

Herr  zn  — . 
Wirtheim,   Peter,    (Petms  Wirthe- 

mios),    238,  424  A.  2,    425  A.  1, 

430  A.  2,  453,  460  f.,  464,  465  A.  2. 
Woerdeman  (Wordem&n),  Christian, 

Batterhilndler,Rat8heir,  392, 471  f., 

520,  585. 

dessen  Frau  471  f. 

Woerden,  Glymmer  van,  (Clymneros 

Yocrdanns),  Landsknecht,  591. 
Wolter  von  Deventer   s.  Deventer, 

Wolter  von. 
Wolterissa  855. 
Wrisberg,   Christoph  von,   (Christo- 

phoras  a  Fritzburgh),  Beiterfnhrer 

des  Herzogs  Philipp  Magnus  von 

Brannschweig-Wolfenbüttel,  930. 
Wuerttcmberg,   Herzog  Ulrich  von, 

(Kerss.  nennt  den  Namen  nicht), 

759,  865  A. 
Wulff,  Heinrich,  Trabant  der  Königin 

Divara,  661. 
Wulffert,  Albert,  949. 
Wulframsdorf  (Wuliframstorp),  Georg 

von,  bischöflicher  Hauptmann,  525, 

617  A.  1. 

—  Lippold  von,  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525. 


WuUen,  Gerlach  von,  Aeltester,  später 
Oberbefehlshaber  Im  Heere  d^ 
Königs  Johann,  576,  650,  663, 
851. 

—  Hermann  von,  Trabant  des  EG- 
nigs  Johann,  649. 

—  Rudolph  von,  369  A.  5,  877. 
Wulves,  Catharina,  s.  Kokenbecker. 

Cathaiina. 

Wyck  s.  Wieck. 

Wydouw,  Lubbert,  Böiger  in  Coft»- 
feld,  470  A.,  534  A.  1. 

Wjnschenck,  Caspar,  L&nfer  des  Kö- 
nigs Johann,  648. 

Xanten,  Heinrich  von,  (Eenricns  San- 
tensis),  Trabant  des  Kdiigs  Johann, 
649. 

Xantes  (Xantus),  Henricns^  8.Sancte5. 
Heinrich. 

Tsselmonde,  Pilgrim  von,  (?eregrmib 
IselmudanusX  bischöflicher  Haupt- 
mann, 525,  567. 

Zelenmacker  s.  Hangesbedke,  Mat- 
thias. 

Zuetphen,  Franco  von,  (Fraaco  Zat- 
phanicus,  monachus),  Maler,  4^X 
522. 

Zwingli,  Ulrich,  333  f.,  707. 

Zwivel,  Dietrich,  s.  Tzwyvel,  Oietr. 

ZwoUe,  Bernhard  von,  (Berr^ns 
Zwollanus),  Küchenmeister  an  Hof-: 
des  Königs  Johann,  648. 

—  Otto  von,  (Otto  SwoUanus),  itäd 
tischer  Soldat,  612. 


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(Geographisches  Register. 


Aa  (Alpha),  lebenfluls  der  Ems,  11, 
24,  48,  6(;  70,  81^  488,  498, 
547,  589,  ;88,  800,  836,  851. 

Ahaus  (Ahuia)  721  A.  2,  788. 

Ahlen  (Alea)  118  f.,  231,  292  A.1, 
363  A.  1 411,  413,  433  A.  4^  506, 
590,  59  A.  1,  710  A.  2, 

—  8.  andMüiister,  Stift:  Landtage. 
Ahse  (Azs,  Kebenflnls  derlippe,  827. 
Aldeneicls.  Oldeneyck. 
Alkmaai(Alckmaiia)  645. 

Alpha  sAa. 

Altenbc^e  (Oldenberga),  Kreis  Stein- 
fiirt^  35. 

—  Yeiandlnngen  daselbst  iwisehen 
den  ischöilichen  Bftten  und  Ab- 
geometen  Münsters  (Aug.  1533) 
40ä.  2,  415  A. 

Altho(OldenhoeTe),  Hans  bei  Mün- 

8tc  916  A.  1. 
Ami^  s.  Ehns. 

An>^rdam(Amste]redammn,  Amstd- 
damum)  530, 645,  728, 730, 819f. 
Aiäa  s.  England. 
A^  ürpen  530  A.  1. 
Aentoratom  s.  Strafsbnrg. 
iisbcrg  (Arasborgom)  530,  685. 
.Olsen  505  A. 

tcheberg  (Asschenberg),  Kreis  Lü- 
dingliausen,  279. 
.ugsbnrg  (Angosta  Yindeliconun) 
-  Reichstag  (1530)  194,  198,  212, 

279,  744. 
Augusta  Treviromm  s.  Trier. 
Aza  8.  Ahse. 


Bakenfeld  (Bokenveld),  Kreis  Lüding- 
hausen, 279. 

Baumberge  (Mens  Badenbergos)  80. 

Baumberger  Stein  (marmor  Baden- 
bergicum,  marmor  patrium)  22,  29, 
40,  43,  46,  76,  80,  522,  674. 

Beckum  (Becchem)  292  A.  1, 363  A.  1, 
411,  710  A.  2. 

Bergkloster  bei  ZwoUe  (Goenobium 
a  Monte  appellatum  haud  itaprocul 
ab  oppido  Zwollano)  567. 

Berkel  (Berkella),  NebenfluTs  der 
Tssel,  160. 

Bevergem  (BoTergema),  Kreis  Teck- 
lenburg,  209,  358,  861  A.  1,  418, 
512  A.  2,  513,  514  A.1,  583,  610, 
788,  830  A.  2,  832  A.1,  861  A.1, 
869,  876  A.  1,  932,  938,  947. 

Bielefeld  (BUveldia)  529,  565  A.  1. 

Billerbeck  (Bilderbeka,  Bilrebeca), 
Kreis  Coesfeld,  50. 

—  Verhandlungen  daselbst  iwisehen 
dem  Bischöfe  und  der  Bitterschaft 
(Sept.  1533)  248  ff.,  254  £L 

Bissendorf,  Landkreis  Osnabrück ; 
Friedensrertrag  daselbst  (16.  April 
1553)  931. 

Bocholt  (Bocholdia,  Boeckhold)  292 
A.1,  293  ft,  548  f.,  710  A.  2,  721, 
788. 

Boentrup  s.  Bottrop. 

Boesensell  (Bosensell),  Landkreis 
Münster,  276. 

Boke,  Kreis  Bueren,  505  A.,  592  A. 

Bokenteld  s.  Bakenfeld. 


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984 


Oeographisches  Begister. 


Bolsward  (Bobworda),  in  UoUand, 
Provinz  Friesland,  794. 

Borken  (Borckena,  Borkena)  292  A.  1, 
293  ff^  710  A.  2,  721. 

Bottrop  (Boentmp),  Kreis  Beckling- 
hansen, 707. 

Brabant  17,  448,  509,  &30,  551,  566, 
735  A.  2,  870  A. 

Brannschweig  (Bmnswiga)  17,  790  A. 

—  Schmalkaldischer  Bundestag  da- 
selbst (Not.  1582)  298  £L 

Bremen   155,   234,   300,  304,  306, 

360,  689f.,  789  £L 
Brielle  (Breyla),  in  Holland,  Provinz 

Sfidholland,  645. 
Bmehl   (Breula,  Broela),  Landkreis 

Koeln,  148,  715. 
Bruessel  530  A.  1. 
Bnederich  (Bnricena),  Kreis  Moers, 

707. 
Bueren  735  A.  2. 
Bnrgsteinftirt  (Steinvordia) 

—  Johanniter  daselbst  65  f.,  79. 

C  siehe  auch  K. 

Campia  s.  Kampen. 

Cloppenburg  (Cloppenberg)  in  Olden- 
burg 788,  898  f. 

Coblenz  (Confluentia),  Kreistag  da- 
selbst (Dez.  1534),  685,  741  IL, 
761  A.  1,  787  A.  1,  795. 

Coenobium  antiquum  in  Frisia  Orien- 
tall inter  Snecam  et  Bolswerdam 
8.  Oldenkloster  bei  SneeL 

Coenobium  8.  Joannis  Campum  de- 
nominatom  circa  Yollenhoam  et 
Hasseletum  s.  Johanniskamp. 

Coenobium  a  Monte  appellatnm  haud 
ita  procul  ab  oppido  Zwollano  s. 
Bergkloster  bei  Zwolle. 

Coesfeld  70  f.,  253  A.1,  292  £L,  379, 
394ft^  415ff.,  434f.,  469,  508, 
510,  534,  541,  597  A.  1,  645,  704  f., 
710  A.  2,  721,  866. 


Daenemark  (Dania)  111. 

Damp  (Dodorpe),  Kjdis  Coesfeld,  6401 

Delmenhorst  210  A.  1,  369,  M 
898  A.,  900  A.  1. 

Deventer  (Daventr»)  160,  161  AI 
494  A.  1,  529,  728,  730,  74a 
792  A.  2,  795. 

Diekburg  (DickfaacBvini),  Hans  bei 
Münster,  546  A.1,  797,  813  L 
815  A.,  861A.1. 

Dodorpe  s.  Damp. 

Dortmund  (Tremonia)  565  A.  1,  868, 
876  A.  1. 

Drensteinfiirt  (DremstetfbidiaXKrds 
Lüdinghausen,  590. 

Dfilmen  (Dnlmania)  128,150  f.  (Ver- 
trag daselbst  vom  17.Mai  1526), 
292  A.1,  293  iL,  418,  (561,  469 
A.3,  508,  590,  710  •  2,  788, 
851,  860,  861  A.1. 

--  s.  auch  Münster,  Stift:  «ndtage. 

Ems  (Amisis),  Fluls,  14,  17,  337, 
342,  367,  410,  507. 

Emsland  (Emeslandia)  788,  (98  A. 

England  (Anglia)  17,  642,  föA.1, 
870  A. 

Enkhuizen  (Enckhusia)  645* 

Erftirt  (Erphurdia)  530. 

Essen  (Essendia);  Yerhandliin^  da- 
selbst (Sept  u.  Nov.  1534  682, 
683  A.  3,  742  A.,  746. 

EMingen;  St&dtetag  daselbst  (\in 
1535)  795  A.  1. 

Evinckhovium  s.  NevinghofiL 

Flandern  (Flandrla)  642. 

Frankfurt  am  Main  (Francoforö, 
Francoftudia)  117  A.  1,  130  A. 
133  A.  1,  530,  796. 

Friesland  (Frisia,  Fhrisia,  Phrysi^ 
32,  34,  443,  447  A.  2,  509,  542 
551,  566,  735,  757  A.,  758  A.  1, 
776  f.,  781,  783  A.,  792,  843  A., 
870  A. 


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Geographisches  Begister. 


985 


Fuerstenau  (Yastenouwa,  Yastenova), 
Kreis  Bersenbrück,  209,  513  fif., 
716  A.  3. 

Geist  (Geista,  Geistha),  Banerschaft 

bei  Münster,  407,  548,  683. 
Geldern  443. 

Gelmer,  Landkreis  Münster,  137. 
Geseke,  Kreis  Lippstadt,  565  A.  1. 
Gievenbeck  (Gyrenbeca),  Landkreis 

Münster,  159. 
Gildehaus  (Gilthus),  Kreis  Benthoim, 

510,  542. 
Goedens,  Kreis  Wittmond,  514  A. 
Greven  (GreyoniaXLandkreis  Münster, 

676,  924,  945. 
Grevenhagen  s.  Haag. 
Groningen,  ProTinz,  776  f. 


Haag  (Grevenhagen,  Hagen)  640  f. 

Haarlem  (Harlemia)  122,  421. 

Hacklenburg  (Hakelenburgom),  Hans 
bei  Münster,  547. 

Hagen  s.  Haag. 

Hagenberg,  Anhöhe  bei  Ibnrg,  597  A. 

Haltern  (Halteren)  292  A.  1,  293  fL, 
710  A.  2. 

Hamburg  789  flf. 

Hanun  (Hammona)  508, 517,  565  A.1, 
613  A.  3,  827  f. 

Hansestaedte  (urbes  Orientales)  689 
A.2,  789  fr. 

Harpstedt,  Kreis  Syke,  788,  898, 
900  A.I. 

Haseluenne  (Hasellnnna),  Kreis  Mep- 
pen, 898. 

Hasselt  (Hasseletum)  in  Holland, 
Provinz  Obeiyssel,  567. 

Haviibeck  (Havekesbecnm),  Land- 
kreis Münster,  708. 

Herford  (Hervordia)  118,  539. 

Hiltrup  (Hiltropia),  Landkreis  Mün- 
ster, 518. 

—  8.  auch  Münster,  Stift:  Landtage. 


Hoezter  (Huxaria) 

—  Schmalkaldischer  Bundestag  da- 
selbst (Jan.  1538)  304,  307,  349, 
352  f.,  354,  360  A.  3,  617  A. 

Holland  32,  122,  443,  447  A.  2,  509, 
518,  551,  566  f.,  609,  640,  735, 
737,  746  A.  2,  757  A.,  758  A.  1, 
771  A.2,  776 f.,  781,  783 A.,  792, 
870  A. 

Holthausen  (Holthusia),  Kreis  Stein- 
furt, 862. 

Horstmar  (Horsthmaria,  Horstmaria), 
Kreis  Steinfurt,  190  A.  4,  209, 
513  A.,  640,  721,  788,  830,  857  A., 
861  A.  1,  869,  915  A.  1. 

Hojstacken  bei  Münster  684. 

Hude,  Kloster  in  Oldenburg,  896  A.  1. 

Hulschens  Haus  bei  Bamsdorf^  Kreis 
Borken,  293. 

Iburg  337,  862,  373  A. 4,  512  A.2, 
513,  514  A.1,  530,  597  A.,  703, 
716,  718,  724,  726,  729,  810  A.  3, 
853,  861  A.  1,  900,  901  A.  1,  908, 
915  A.  1,  922  A.  1,  930  f.,  948. 

Johanniskamp,  Kloster  bei  Yollen- 
hove  in  Holland,  Provinz  Oberyssel, 
(coenobium  S.  Joannis  Campum 
denominatum  circa  Yollenhoam  et 
Hasseletum),  567. 

Issula  s.  Yssel. 

Italien  8fif. 

K  siehe  auch  C* 

Kaisersvrerth  (Keyserswerda)  530. 

Kaldenhof  (Koldenhovium),  Haus  bei 
Münster,  548. 

Kampen  (Campia)  529,  567  A.  4. 

Kinderhaus  (Kinderhnsium),  Land- 
kreis Münster,  79,  107,  708. 

Koeln  (Colonia)  112,  127,  135,  162, 
193,  215,  266,  268,  530,  707, 
730  A.2,  790  A.,  812,  868,  904. 

—  theologische  Fakultät  daselbst 
236  A.,  241,  272  A.1,  316  fL,  322  f. 


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986 


Oeographisches  Register. 


Koeln,  Niedeirheinisch-Wesil&lischer 

Kreistag  daselbst  (Oktober  1534) 

684  A.  2,  742  A. 
Koerde,  Haus  bei  Munster,  830  A.  2, 

832  A.  1. 
Koldenhovium  s.  Ealdenhof. 
Kucklenburg  (Kokelenburgiim),  Haas 

bei  Münster,  547. 

Laerbrok  bei  Monster,  h&ufig  Ver- 
sammlungsort der  Landtage  des 
Stiftes,  414. 

—  8.  auch  Münster,  Stift:  Landtage. 
Leeuwarden  (Lewardia)  605. 
Leiden  (Leyda)  412,  571,  640  A.  3, 

641  f.,  645  f.,  777. 
Lemgo  118. 

Lie8bom(Lysebom),EreisBeckiun,  71. 
Lingen  134,  514  A. 
Lippe  (Lupia),  Flufs,  827. 

—  Grafschaft  9301 

Lippstadt  (civitas  Lippensis)  118, 
453,  464,  565  A.  1. 

Lissabon  (Lysbona)  642. 

Lombardei  (Lombardia)  nnd  Lango- 
barden (Longobardi,  Winili)  8  f. 

Luebbecke  (Lubbeca)  336  f. 

Luebeck  (liübeca)  155  A.  5,  642, 
789  f.,  843  A. 

Luedinghausen  (Ludinokhnsa)  210, 
788. 

Lneneburg  790  A. 

Luotkenbeck  (Lnkenbeka),  Hans  bei 
Münster,  548,  683. 

Luettich  443,  541,  551. 

Maasejck  (Masieck)  in  Belgien,  Pro- 
vinz Limburg,  705. 

Maastricht  (Traiectum  superius)  422 
A.  1,  519  A. 

Mailand  (Mediolannm)  8  ff.,  26. 

Mainz  (Moguntia)  161,  868. 

Mansfeld,  Grafschaft,  757  A.  1. 

Marburg,  theologische  Fakult&t  da- 
selbst 388  A.1,  442. 


Marienfeld,  Kloster,  Kieäs  Waies- 

dorf,  71,  900. 
Mecklenbeck,    Landkrms    Mfinata, 

279  A.  3. 
Mediolannm  8.  Mailand. 

—  s.  Münster,  Stadt:  Name. 
Meppen  (Meppa)  898. 
Mimimgardevorda  s.  Münster,  Stadt: 

Käme. 
Minden,  Stadt,  118. 

—  Stift,  931,  935,  943,  948. 
Mens  Badenbergicus  s.  Baombeige. 
Mnenster,  Stift,  133,  151,  2UL, 

378  f.,  600  ff.,  745  f.,  749  L,  752 
A.1,  790f.,  796  A.1,  856,  864, 
867 f.,  879ff.,  890ff.,  897ff,930L 

—  s.  auch  Landtage. 

—  Stände  133. 

Bischof  als  Landesherr  91  flL, 

97,  244  f.,  879  ff.,  905  ffl 

Domkapitel  12f.,  26  It,  35  ff, 

41,  44  f.,  46  f.,  57,  69,  73,  85  A.  1, 
89,  94,  95  ff.  (Verfassung,  Macht 
u.  Ansehen),  133  ff.,  165  f.,  169  A.1, 
173  A.1,  193,  195,  210,  217, 
226  A.3,  232  A.  3,  245,  2Ö^  265k, 
267  A.  1,  268,  270,  275  f.,  290  t, 
319  ff.,  323  f.,  375  ffl,  405  A.  2, 
407  ff.,  437  f.,  444,  446,  477  A.2, 
493,  496,  499,  5051,  507,  513  A, 
517  A.,  528,  542 f.,  556,  565  A.2, 
859,  878  ff.,  881  ff^  889,  8961, 
901  ff.,  913  A.,  920  A.1. 

Ritterschaft  97,  104,  145  A.1, 

150,  248  ff.,  252  ff.,  262  ff.,  278  A,  2, 
282,  290,  324  f.,  368,  372  f.,  879, 
477  A.2,  487  A.1,  519  A.  1, 
548  A.  2,  556,  565  A.  2,  877  fiL, 
881  ff.,  896,  902  ff.,  913  A.,  917, 
920  A.  1. 

StÄdte   253,  291  ff.,  3121, 

350,  352,  355,  363  A.  1,  366,  368, 
379,  393ff.,  402f.,  407,  409, 4141, 
433  A. 4, 434,  457,  548 f.,  565  A.2, 
686  f.,  9191 


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Geographisches  Begister. 


987 


Muenster,  Stift:  St&nde 

Statthalter  bei  Erledigung  des 

bischöflichen  Stuhles  (commissarii, 

interreges,  vicarii)  52  f.,  96,  134, 

194,  209,  885. 
—  Landtage: 

Sept  1532  in  Wolbeck  252  ff. 

Nov.  1532  in  Dülmen  308  fif., 

s.  auch  290  A.  3,  294. 
Dez.  1532  in  Wolbeck  312  ff., 

324  ff.,  335  f. 

Jan.  1533  in  Rheine  367  ff. 

Juni  1533  auf  dem  Laerbrok 

414  f.,  s.  auch  405  A.  2. 
Okt.  1533   in  Rheine  433  f., 

8. auch  411  A.3,  413  A.3,  435  A.2, 

437,  455,  457. 

Jan.  1534  in  Rheine  477  A.2. 

Febr.  1534  in  Wolbeck  479  f. 

März  1534  in  Hiltrup   565  f., 

s.  auch  522  A.,  537  A.  2,  924,  945. 
Juni  1534  auf  der  Heide  hinter 

St  Mauritz  684  A.  2. 
Sept  1534   in   Telgte    680, 

681  A.  1,  684  A.  2. 
Nov.  1534  in  Ahlen  684  A.  2, 

711  A.  1  u.  2. 
Jan.  1535  in  Tdgte  783  A.  2, 

787  A.  1. 

Mai  1535  in  Dülmen  814  A. 

Juli  1535  in  Dülmen  860  A. 

Aug.  1535  in  Rheine   857  A., 

859  A.,  860  A.  1. 
Jan.  1536   auf  dem  Laerbrok 

und   in  Münster   877  f.,    s.  auch 

867  A.  1,  893  A.  1  u.  2. 

März  1536  in  Münster  890  ff. 

Mai  1536   auf  dem  Laerbrok 

894  A.  2. 

Jan.  1537  in  Münster  885  f. 

Jan.  1538  auf  dem  Laerbrok 

901  A.  2. 

Sept  1538  in  Münster  901  A.2. 

Dez.  1538  auf  dem  Laerbrok 

901  A.  2. 


Mnenster^  Stift:  Landtage 

Mftrz  1540  auf  dem  Laerbrok 

901  A.  2. 

Jan.  1553  in  Münster  927  A. 

Mnenster^  Stadt 

—  Sagenhafte  Gründung  8  ff. 

~  Name;  ftltester  Mediolanum,  abge- 
ändert in  Mimimgardevorda,  dann 
in  Monasterium  10,  11,  13,  26. 

Nova  Hierosolyma  und  Nova 

Syon  500,  509,  532,  533,  541  A.2, 
567,  575,  632,  636,  720,  727, 
728,  802. 

—  Geographische  Lage  u.  Klima  14  ff. 

—  Befestigungen  18ff.,  554,  594, 
863,  866  ff.,  879  ff.,  890  f.,  899. 

—  —  Buddenturm  (Buddenthom, 
turris,  quae  a  noctumis  larvis  seu 
spectris  nomen  habet)  25,  79,  489. 

Engelsburg  (Angeli  castnim) 

21,  867,  879  ff.,  887  A.  1,  894  f., 

913  A.,  919. 

Engclschanze  s.  Uldanschanzc. 

Kreuzschanze  23,  834  ff. 

Mauern,  Gräben  u.  Wälle  24. 

Neuwerk  21,  774  A.l,  867  A.3. 

Niesingturm  25. 

Pulverturm  (turricula,  in  qua 

pulvis  tormentarius  tunditur)   25. 
Uldanschanze  (Uldani  castel- 

lum,    die  heutige  Engelschanze) 

20,  554,  774  A.  1. 
Zwinger  (lanionum  propugna- 

culum)  24,  774  A.  1,  894. 

—  Thore  18  ff.,  773  ff.  (Aenderung 
der  Namen  derselben  durch  König 
Johann). 

Aegidiithor  21,  491,  547,  569, 

774,  843,  867  A.3. 

Bispingthor  (porta  Bischopin- 

gana)  21,  555,  774  A.l,  867  A.3, 
894  A.  2,  895. 

Windmühlenturm  am  Bis- 

pingthore  (turris  a  molafflatili  no- 
men habens)  895. 


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988 


Geographisches  Begister. 


Mnenster^  Stadt:  Thore 

Hoersterthor  (porta  Horsthana) 

19,  21,  24,   477  A.  2,   503,  554, 

589,  598,  605,  704,  774,  845  A.l, 

862,  894  A.  2. 
JuedefelderthoT  (porta  ludaica, 

porta  ludefeldiana)   22,   55,   79, 

490,  496  A.  1,  547,  591  A.  3,  594, 

674,  677  A.  2,  683,  774,  841  A.  1, 

845  A.  1,  849  A.  1,  889. 
Ereuzthor  (porta  Crucis)  23, 

25,  547,  674,  677  A.  2,  679,  684, 

774,  834  flf.,  845  A.1,  858. 
liebfranenthor  (porta  Mariana, 

porta  a  D.  Yirginis  Mariae  templo 

cognominata)  21  f.,  55,  152,  489  f., 

496  A.  1,    547,   683,    704,    774, 

855. 
Ludgerithor  20  f.,  25,  79,  408, 

478,  547,  554,  569,  624,  774. 
Mauritzthor  19,  24,  79,  503, 

521,    589,    596,    598,    605,    704^ 

753  f.,  774. 
MühlcnbergTordemManritz- 

thore   (tumulus,  cai  mola  flatUis 

imposita  erat,  40  circiter  passns  a 

porta  Manritiana)  596. 
Nenbrückenthor  (porta  Neo- 

pontana,  porta  novi  pontis)  24  f., 

679,  774,  852,  894. 
Servatüthor  20,  25,  554,  677 

A.  2,  704,  774. 
Tecklenbnrgerthor  (porta  co- 

mitis  Tecklenburgiaci)  25. 
—  Strafsen  und  Plätze: 

Aegidiikirchhof  491  f. 

Aegidiistrafse  21,  491,  540. 

Bergstrafse  (platea  montana) 

63,  65. 
Bispinghof  (Bispinckhov,  Bis- 

schopinckhoff)  60  A.  1,  61,  491  f., 

894  A.  2. 
Aabrücke  am  Bispinghofe 

492. 


Mnenster,  Stadt:  Strafst 

Bogenstralae«    Bogenhiiiser, 

unter  den  Bogen  (fomiees,  acdes 
fomicatae,  sub  foniicibiiB)  80  f^ 
93,  124,  484,  543,  662. 

Buxe  s.  MargarethengasBe. 

Domplatz  (campus  dominiciis) 

26  f.,  45  f.,  68,  79,  81,  85,  90,  9^ 
100,  407  ff.,  489,  491,  542  A.  1, 
544,  559,  563,  564,  613,  620,  624, 
660,  663  A.2,  697  ff;  703,  733, 
821,  823,  836,  837,839,  845  A.1, 
852, 853,  856,  888,  933  A.1.  ^  Ali 
Mons  Sjonis  bezeichnet  697,  703, 
733,  821,  823. 

Fischmarkt  (forum  piscainim) 

67,  76  f.,  163,  494,  532. 

Forum  s.  Fischmarkt,  Prinzipal- 

markt,  Boggenmarkt 

Hoersterstrafse   (platea  Hor- 
sthana) 78,  460. 

Honekamp  (bj  denHon^ampe, 

Gallinarum  campus),  heute  Kram- 
mer  Timpen,  62. 

JohannisstraTse  837. 

Judenkirchhof    (coemiterium 

ludaeorum)   522. 

Koenigreich  (Begnum),  bei  den 

Wiedertäufern  der  Baum  zwischen 
der  Stadt  und  den  Blockhäusern 
der  Belagernden),  788  f.,  800,  806, 
807  A.  1,  814,  821,  827. 

Koenigstrafse   (platea  regia) 

407,  486. 

Ereuzstrafse  (vicus  Crucis)  836. 

Krummer  Timpen  s.  Honekamp. 

Lambertikirehhof   75  f.,    1^ 

402,  446,  460,  853,  875. 

Margarethengasse  (angiportnm 

a  sacello  D.  Margarethae  sacro 
cognominatum),  heute  Buxe,  837. 

Mauritzkirchhof  19. 

Neubrückenstralse  101  A.  3. 

Pferdegasse  491,  837. 


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Geograpliisches  ßegister. 


989 


Muenster,  Stadt:  Strafsen 

Prinzipalmarkt  (forum,  forum 

commune,  generale,  publicum)  55, 
67  f.,  75  f^  79  f.,  8öffl,  93,  129, 
137,  163,  340,  348,  407,  443, 
445  f.,  446,  466,  484  ff.,  491  ff., 
499  ff.,  535  f.,  538  A.  1,  553  A.  2, 
582,  622  f.,  634,  662  f.,  665  f.,  676, 
692,  697  ff.,  772,  785,  793,  825, 
837,  839,  846  ff.,  850  f.,  873,  876. 

Regnum  s.  Eoenigreich. 

Roggenmarkt  (forum  frumen- 

tarium)  76  ff. 

Rothenburg    (Rodenburgum) 

632. 

Sakstrafse    (vicus   salarius) 

345  A.  1,  632. 

Servatiikirchhof  128,  572  A. 

Spiegeltnrm  (turricula  a  spe- 

culo  nomen  habens)  27,  489,  836. 

Aabrficke  am  Spiegelturme 

785,  836. 

Spiekerhof  503  A.  2. 

Ueberwasserkirchhof  (coemi- 

teriumTransfluYianum)  55  f.,  488  f., 
491  f.,  836. 

—  Kirchen,  Klöster,  Stifte  u. 
Kapellen: 

Aegidiikircho  21,  71,  374,  427, 

453,  464,  837. 

Kirchspiel  71,  100. 

Aegidiikloster  36  A.4,  53,  58, 

71, 100, 472,  506,  521  A.l,  542 A.l, 
544,  627,  706,  850,  861. 

Alter  Dom  s.  Dom. 

Annenkapelle  am  Dome  52. 

Antoniuskapelle  beim  Mauritz- 

thore  19  f.,  107,  521. 

Catharinenkapelle  am  Dome  39. 

Clemenskapelle   am  Dome  s. 

Marienkapelle  am  Dome. 

Dom  11,  13,  23,  28  ff.  (Be- 
schreibung des  Aeufseren),  34  f. 
(zur  Baugeschichte),  36,  37,  38  ff. 
(Beschreibung  des  Inneren),  80, 90, 


Muenster^  Stadt:  Kirchen  u.  s.w., 
Dom 

192,  217,  231,  336,  404,  408  f., 
434,  437  ff.,  458,  489,  521  ff.  (Ver- 
wüstung durch  die  Wiedertäufer 
am  24.  Februar  1534),  542  A.  1, 
572  A.,  595,  741,  776,  837,  846, 
859,  896,  897  (Neueinweihung  am 
2.  Dez.  1537),  923,  948  f. 

Alt&re  37,  39,  44  f.,  409, 

522,  896  A.  2,  949  A.  1. 

Apostelgang  oder  Lettner 

(Apostolorum  transitus)  23,  43  f. 

Chor  43  f.,  409. 

ELapitelhaus  (domus  capitu- 

laris)  41,  409,  522. 

Paradies  29  f.,  42,  93,  157, 

408  f.,  523  A.3. 

Statuen  u.  Bilder  am  u.  im 

Dome  29  f.,  32,  36,  41,  44  f.,  522. 

Türme  30,  80,  489. 

Uhr  42  f.,  522. 

DombibHothek  41  f.,   157, 

523  A.  3. 

Domsänger  (camerales,  ca- 

merpapen,  cantores)  32,  44,  47  f., 
91,  98. 

Dom,  alter,   32  (sagenhafte 

Gründung),  37  ff.,  330,  543. 

Kapitel  36  ff.,  100,  138. 

ElisabethkapeUe  am  Dome  32. 

Franziskanerkloster  s.  Mino- 

ritenkloster. 

Fraterhaus  (domus,  monaste- 

riom  fratrum  Fontissalientis)  56  f., 
61  ff.,  100,  129  ff.,  135,  144  ff., 
221  A.1,  404,  424,  454,  520, 
541  f.,  546  A.  1,  684,  894. 

Georgskapelle  am  Domplatze  27. 

Georgskommende  (domus,  mo- 

nasterium  Georgianorum)  59  ff., 
81,  100,  129  A.  3,  152,  330,  520  f., 
541,  544. 

Hofringekloster    (coenobium 

Hofragginganum)  101. 


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990 


(xeographisches  Begister. 


Muenster,  Stadt:  Eiichen  11.8.  w. 

Jacobikirche  46,  100,  776  A.  2. 

JerusalemskapeUe  s.  Ludgeri- 

kapeile  an  der  Lieb&auenkirche. 

Johanniterkomineiide  (aedes, 

coenobium,  monaaterium  Joanni- 
tarum,  coUeginm  S.  Joannis  in 
Monte,  np  den  Berge)  63  ff.,  79, 
100,  330,  521,  642. 

Lambertikirche  66ff.,  127, 1401, 

191  A.2,  192,  198,  202,  322,  374, 
402,  422,  433  A.  1,  452  A.  1,  458, 
459,  461,  463,  465,  466  A.  3,  467, 
488,  563,  837  A.  1,  962  A.  1.  — 
Turm  67  f.,  402,  488,  851,  873, 
875  f. 

Kirchspiel  67,  100. 

Liebfranenkirche,  Ueberwaeser- 

kirche  (templnm  Transflnvianum) 
23,  48  ff.  (zur  Entstehnngs-  und 
Baugeschichte),  53  f.,  91,  101,  127, 
231,  374,  402  f.,  453,  489,  544, 
572  A.,  674.  -  Tum  54,  489, 
495,  674,  894  f. 

Kirchspiel   51,  64  ff.,   70, 

77,  78  f.,  97,  100,  208,  228,  280. 

Liebfrauenklostor,Ueberwa88er- 

kloster  (coenobium  trans  amnem, 
Transfluvianum),  13,  21,  48  ff.  (zur 
Entstehungs-  und  Baugeschichte), 
52  f.  (Klostenreform  1460—1483), 
54  ff.  (besondere  Privilegien),  100, 
159  f.,  208  f.,  228  f.,  232,  280  f., 
330,  400,  436  f.,  467,  472  f.,  474 
A.  2,  480  ff.  (Bothmann's  Prophe- 
zeiung vom  Einstürze  des  Klosters), 
506,  511,  521  A.  1,  542  A.1,  544, 
627,  706,  806  A.  1,  862  f. 

LudgerikapeUe  auf  dem  Dom- 
platze 46  A.  4. 

LudgerikapeUe  beiUeberwasser, 

früher  Jerusalemskapelle  genannt, 
(sacellum  Hierusalem  appellatum, 
sacellum  D.  Ludgero  trans  aquas 
dedicatum)  27,  50,  521. 


Muenster^  Stadt:  Kirchen  u.s.w. 

Ludgerikirche  20,  68fi;  101. 

127,  141,  374,  400,  402,  404,  4^, 
460,  464  f.  —  Turm  68  f. 

Kirchspiel  72,  78  f^  100, 490. 

Ludgeristift  36  A.  4,  68  iL,  loa 

Margaretbenkapelle    auf  dem 

Domplatze  46,  837. 

Marienkapelle  am  Dome,  fiuha 

Clemenskapelle  (sacellum  olim  S. 
Clementi,  nunc  D.  Yirgini  cobk- 
cratum)  32,  522. 

Martinikirche  68  fiL,  101,  127, 

140,  232,  374,  403,  443  A.  1,  46i 
572  f.,  706,  853  A.  1.  —  Turm  70, 
572  f.,  588. 

Kirchspiel  70,  78,  100. 

Martinistift  36  A.  4,  68  fL,  lOQ, 

140,  406  A.  2. 

Mauritzkirche    73  L,    161  ff. 

200,  284,  358  ff.,  531  f.  (Zerstörung 
durch  die  Wiedertäufer  am  25.  Febr. 
1534).  —  Tum  74,  531 1 

Kirchspiel  19,  74,  100. 

Mauritzstift  19  f.,  36  A.  4,  73  f., 

100,  161  ff.,  170  ff.,  178,  198^  200, 
223, 358  ff.,  531  f.  (Zerstörung  durch 
die  Wiedert&ufer  am  25.  Fehruar 
1534),  547,  706,  876  A.  3. 

Michaeliskapelle  am  Domplatze 

27,  408,  488,  66S  A.  1,  837. 

Minoritenkloster   (coenobium 

Minoritarum,Franciscanoruzii)  70L, 
100,  138,  315  f.,  400  f.,  404,  407, 
542,  927. 

Kicolaikapelle  am  Domplatze 

27,  46. 

Niesingkloster  (Nitzinck,  coe- 
nobium Nitzingum,  domus  Nitzin- 
ganarum  virginum)  25,  72,  100, 
128  ff.,  135, 144  ff.,  330,  520,  542. 

Reinekloster  (coenobium  Rey- 

nanum)  101. 

Ringekloster  (coenobium  Rin- 

ganum)  101,  542. 


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Geograpldsches  Begtster. 


991 


Maeiigter^  Stadt:  Kirchen  n.  s.  w. 

Rosentalldoster    (Bosendall, 

coenobinm  rosacemn,  coenobium  a 
yalle  rosaram  appellatnm)  100, 
542,  629,  785. 

Servatiikirche  20,  72,  374,  404, 

433  A.  1,  441  A.  5,  461,  463,  476, 
478  A.  2,  572  A. 

Kirchspiel  72,  100. 

Ueherwasser-    s.   Lieh&anen- 

kirche  und  -Kloster. 

—  Oeffentliche  und  sonstige 
Qehäude: 

Aimenhänser   (ptochodoehia) 

78  f.,  98,  107,  885. 

Bischöfliche  Kurie  (aula  episco- 

palis,  curia,  palatium  episcopi)  am 
Domplatze  28,  408  f.,  545,  888, 
933  A.  1. 

Cappenhergerhof  (domus  Cap- 

penbergensium)  am  Bispinghofe 
492. 

Enkingmühle  (mola  Enickin- 

gana,  Eninckingana)  vor  dem  Neu- 
brückenthore  547,  684. 

Fleischerscharren    (creopolia, 

macella)  77  f.,  539. 

Heidenhäuser  (heydenhuser)  zur 

Einführung  in  die  Lehren  der  Wie- 
dertäufer 632. 

Krameramthaus  am  alten  Stein- 
wege 77  A.  4,  173  A.  2. 

Kranken-  und  Elendenhäuser 

(nosocomia)  78,  98,  107,  885. 

Magdalenenhospital   (ptocho- 

dochium  Mariae  Magdalenae,  xeno- 
dochium  inter  duos  pontes)  56  ft, 
98,  107. 

Rathaus  (curia,  curia  publica, 

domus  civica)  75  f.,  94,  104,  129, 
132  f.,  138,  217  ff.,  270  f.,  316,  328, 
339  f.,  345,  409,  424  ffl,  443,  467, 
487  f.,  519,  521  A.2,  528,  532  A.1, 
535  f.,  544  f.,  562  A.  3,  623,  629  A., 
654,  851,  857,  871,  874,  944. 


Muenster^  Stadt:  Gebäude 
Schohus  (Schowhus,  curia  me- 

chanicorum,  domus  communis  om- 

nium  curiamm,  domus  sutoria)  77, 

213,  217,  230,  296. 
Schriverie  (curia  graphiaria, 

quam  schriveriam  vulgo  nominant) 

76,  230,  343,  423,  454,  544,  558, 

561,  607,  624,  853,  939. 
Schützenhaus  (domus  sagitta- 

riorum)  beim  Ludgerithore  21. 
Stadtwage   (libra,  stathmion) 

76,  662,  665. 

Tuckesburg  (Tuckesburgum)  55  f. 

Zeughaus  (armentarium)   am 

Aegidiithore  491. 

—  Märkte  75,  77,  79 f. 

Markt  in  üeberwasser  56,  77. 

—  Schulen: 

Domschule    (schola   publica, 

schola  Paulina,  gymnasium  Pau- 
linum)  44,  47  f.,  89  ff.,  98,  99, 
103  f.,  141,  161  A.1,  401  f.,  846. 

Evangelische  Schule  886,  401  f. 

Ludgerischule  69,  103,  127. 

Martinischule  69,  90  A.3,  103, 

127. 

Privat-  u.  Winkelschulen  104. 

—  Gerichtsverhältnisse55,91ff., 
106  f.,  134  ff.,  866,  879,  882,  905  ff. 

—  Lei  Schäften  (leyschoppiae,  par- 
tes, tribus)  105  f.,  271,  519,  883  f., 
949. 

—  Einwohner: 

Naturliche  Anlagen,  Sitten  u. 

Gebräuche  14  ff.,  82  ff.,  11211 

Einwohnerzahl  zur  Zeit  der  Herr- 
schaft der  Wiedertäufer  700  A.  1, 
736  A.1,  808  A.1. 

Kerss.'s  Einteilung  der  Bewoh- 
ner in  Geistliche  und  Laien  95  ff. 

Geistiiche  17  f.,  68,  89,  101, 

102  (Synoden,  vgl.  auch  79),  112  f., 
129  f.,  13401,  143,  151,  157,  159, 
178,  190  f.,  196  f.,  223,  241,  244, 


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992 


Geograpldsches  Register. 


Muenster^  Stadt:   EmteUimg  der 
Bewohner,  Geistliche 
253,  264  f^  267,  282,  323,  375  ff^ 
379,  392,  405,  407  ff.,   528,  859, 
865,  876. 

Primarkleras  s.  Münster, 

Stift:  DomkapiteL 

Seknndarklerus  100  f.,  140fE:, 

151,  211,  231,  241,  244,  246  f., 
264  f.,  271,  276  f.,  316,  318«:, 
328  flf.,  38911,  855,  405  f.,  409, 
446,  548,  884. 

Laien.  Eer88.^s  Einteilang  der- 
selben in  ErbmAnner  (patricit)  nnd 
Gemeinheit  (plebeii),  von  denen 
vereint  der  Rat  gewählt  wird,  104  f. 
(Unter  den  gemeinen  Bürgern  be- 
sondere Hervorhebung  der  Gilden 
[curiae)  110  ff.) 

—  Bat:  Ansehen  und  Macht;  Form 
der  Ratswahl;  Ratsämter  105  ff. 

Haltung  bei  der  kirchlich- 
sozialen  Bewegung  (1525)  129  iL 

Schriftwechsel    mit   Bischof 

Friedrich  (Juni— Okt  1525)  142  ff. 

Vergleich  mit  dem  Domkapitel 

(27.  März  u.  17.  Mai  1526)  149  f. 

Eingreifen  bei  den  Cruse'schen 

Unruhen  (1527)  151  ff. 

Yerhandlungen  mit  den  Gilden 

über  Rothmann  (April  u.  Mai  1582) 
195  ff.,  203  ff. 

Schriftwechsel    mit   Bischof 

Erich  über  Rothmann  (April  u. 
Mai  1532)  198  f.,  205  ff. 

Schriftwechsel    mit   Bischof 

Franz  über  Rothmann  (Juni— Aug. 
1532)  211  ff.,  222  f.,  229  f.,  241  f., 
243  f.,  245,  247  f. 

Verhandlung  mit  den  Gilden 

über  Duldung  des  evangelischen 
Bekenntnisses  (Juli  1532)  216  ff. 

Briefwechsel    mit   Landgraf 

Philipp  von  Hessen  (Juli  u.  Aug. 
1532)  225  ff. 


MneiiBteri  Stadt:  Bat 

Zulassung  der  Besetnmg-  der 

Pfarren  mit  evangdischen  Predi- 
gern (Aug.  1532)  230  f. 

Yerlumdlnngen  mit  t.  d.  Wieck 

zur  Uebemahme  des  SjndikatB  mid 
zur  Aufnahme  Münsters  in  den 
Schmalkaldischen  Bnnd  (Aug.  1582 
—Jan.  1533)  234,  298  ff^  3561 

Yerhandlungen  in  Wolbeck  mit 

der  Ritterschaft  (Sept  1532)  252  ff; 
262  ff. 

Schriftwechsel    mit    Bischof 

Franz,  den  bischöflichen  R&ten, 
dem  Domkapitel  und  der  Bitter- 
schaft über  die  Beschlagnahme  von 
Bürgergütem  und  Abscfaneidiing 
der  Zufuhr  zur  Stadt  (Okt— Dez. 

1532)  266  ff:,  271  £,  278  f^  290, 
346  f.,  348  f.,  3551 

Ergänzungswahl  zum  Bäte  (14. 

Okt  1532)  270  f. 

Verhandlungen  mit  den  Gilden 

über  Duldung  des  evangelischeo 
Bekenntnisses  nnd  Anschlub  an 
den  Schmalkaldischen  Bond  (Okt 
u.  Nov.  1582)  275  ff.,  296  fr: 

Briefwechsel  mit  dem  Enbi- 

schofe  von  Köln  (Okt  1582— Jan. 

1533)  284  ff.,  350  ff. 

Briefwechsel    mit   Landgraf 

Philipp  von  Hessen  (Okt — Jan. 
1633)  287  ff.,  349  f. 

Yerhandlungen  mit  den  kleinen 

Städten  (Okt  u.  Nov.  1532)  292  fi: 

Yerhandlungen  auf  den  Land- 
tagen zu  Dülmen  und  Wolbeck 
(Nov.  u.  Dez.  1532)  308  ff,  31211; 
325  ff.,  335  f.,  337  ff. 

BeschluTs  und  Ausführung  des 

Ueberfalls  von  Telgte  (26.  Dez. 
1532)  339  ff. 

Friedensverhandlungen  (Jan. 

u.  Febr.  1533)  361  f.,  369  ff. 


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Geographisches  Begister. 


993 


Muenster,  Stadt:  Rat 

Friedensvertrag  (14.  Febr.  1533) 

374«: 
Erlafs  der  Gnmdzüge  emer  evan- 
gelischen  Kirchenordnnng   (M&rz 
1533)  385  flf. 

Ratswahl  (3.  März  1533)  391 1 

Yerhandlnngen  mit  den  kleinen 

Städten  (März  1533)  393  £f. 

Errichtung  der  evangelischen 

Schale  400  f. 

Huldigt  dem  Bischöfe  (5.  Mai 

1533)  409. 

Mafsnahmen  gegen  Rothmann 

und  die  Wassenberger  Predikanten 
(August  1533— Jan.  1534)  423  ff., 
427  ff.,  432,  435  f.,  443  ff.,  4531, 
460  ff.,  464  ff.,  470  f.,  473  f.,  479  f. 

Zerwürfnis  mit  dem  Bischöfe 

über  Predigten  im  Dome  (Okt. — 
Dez.  1533)  434,  437  ff.,  458. 

Stellung  zur  Eirchenordnüng 

des  Fabricius  459. 

Kampf  gegen  die  Wiedertäufer 

(Febr.  1534)  487  ff. 

Wahl  des  wiedertänferischen 

Rata  (23.  Febr.  1534)  519  f. 

Abschaffung  des  Rats   durch 

Johann  von  Leiden  574  ff. 

Wiedereinsetzung    des  Rats 

durch  Bischof  Franz,  aber  mit  be- 
schränkten Rechten  (April  1536) 
881  ff.,  889. 

Treuschwur  des  neuen  Rats 

(Mai  1536)  888f. 

Verhandlungen  zur  Wiederer- 

lanfTung  der  städtischen  Freiheiten 
(1536—1541)  901  ff. 

Erste,  beschränkte  Restitution 

(5.  Aug.  1541)  918  f. 

Erlafs   einer  Polizeiordnung 

(1551)  920  f. 

Widerstand  gegen  die  Zulas- 
sung der  Gilden  (1551—1553) 
921  ff.,  931  iL 


MaeoBter,  Stadt:  Rat 

Zweite,    völlige   Restitution 

(17.  Mai  1553)  945  ff. 

Ratswahl  (24.  Jan.  1554)  949. 

19,  55,  57,  59,  61,  66,  76  f., 

79,  88,  89,  94  f.,  100,  104,  110, 
157  f.,  159  f.,  165,  190,  192,  194, 
216,  232  ff.,  241,  264  ff.,  279  f., 
282  f.,  316  ff:,  323,  328  ff.,  332  ff., 
845  f.,  852  ff.,  357  f.,  359  f.,  403  f., 
405  f.,  422,  457  f.,  460  ff.,  490, 
499,  502  A.  3,  513  f.,  553,  556, 
654,  859,  866. 

—  Erbmänner  51,  104  f.,  107, 
108  f.,  342,  373,  393,  477  A.  2, 
548  A.  2,  881  f.,  885  f.,  889,  920. 

—  Gilden: 

Das  Schohus  als  Versamm- 
lungsort 77. 

Zahl  und  nähere  Bezeichnung 

derselben.  Ihre  Trennung  von  den 
Bruderschaften  (broderschops,  fra- 
temitates,  sodalitates)  und  den 
sonstigen  Handwerkern.  Amt  der 
Gildemeister  oder  Meisterleute  (me- 
chanicorum,  curiarum  praefecti) 
und  der  Alterleute  (allermans,  alter- 
mans,  tribuni  plebis)  110  ff. 

Teilnahme  an  der  kirchlich- 
sozialen Bewegung  (1525—1526) 
129  ff. 

Verhandlungen  mit  dem  Rate 

bei  den  Cruse'schen  Unruhen  (1527) 
153  ff. 

Verhandlungen  mit  dem  Rate 

über  Rothmann  (April  1532)  195  ff., 
203  ff. 

Gildenversammlung  zum  Schu- 
tze des  evangelischen  Bekenntnisses 
(1.  Juli  1532)  213  ff. 

Weitere  Verhandlungen   mit 

dem  Rate  (JuU  u.  Aug.  1532)  216  ff., 
230  f.,  233  f. 

Schriftwechsel   mit   Bischof 

Franz  (Okt  1532)  270,  212  iL 

39.  , 

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994 


Geographiflches  Begister« 


Muenster,  Stadt:  Qitden 

yerliandhiiigfen  mit  dem  Bäte 

(Okt.  a.  Not.  1&82)  375  ff.,  296  ff. 
Schrefben  an  die  Oüden  in  den 

kleinen  Stildten  291  f. 
Beteilig^ong  am  Beechlnfs  som 

Telgi»r  üeberfall  (Des.  1&32)  339. 
Berficksichtigang  in  den  Gnmd- 

Zügen  der  erangeliiichen  Kirchen- 

Ordnung  (M8n  1533)  385  ff. 
BeteiUgang  an  den  MaTsregeln 

des  Rate  gegen  Boitenann  und  die 

Wassenberger  Predikonten  (Aug. 

1533— Jan.  1534)  4S»iL,  431  ff., 

443  ff.,  479. 
Abschafftang  dnrch  Johann  Ton 

Leiden  (April  1534)  577  A.  1. 
Der  Bischof  l&fst  die  Oüden 

auch  nach  Eroberung  der  Stadt 

nicht  Meder  zu  883. 
Sie  bleiben  auch  bei  der  ersten 

Bestitution  (5.  Aug.  1541)  ange- 
hoben 918. 
Verhandlungen  mit  dem  Bi- 

schofb  und  dem  Bäte  um  Wiederzu- 

lassnng  (1551'-1553)  921  ff:,  931  ff. 

Bestitution  (17.  Mai  1553)  946  f. 

84  f.,  208  f.,  265,  303, 317  ff., 

345,  407,  415,  459A.lu.2,  502 

A.3,  866,  905  ff. 

—  Wachszinsige  109. 

—  Juden  22. 

—  Herrschaft  d.  Wiedert&ufer: 
Erstes  Auftreten  wiedertSufe- 

rischer  Anschauungen  418  ff. 

Disputation  über  die  Wieder- 
taufe (Aug.  1533)  424  ff. 

RothnUmn  und  die  Wassen- 

berger  treten  offen  gegen  die  Wie- 
dertaufe auf  (Sept  u.  Okt  1533) 
427  ff. 

Bothmann  ttnd  die  Wassenber- 

ger  lassen  sich  durcti  Abgesandte 
des  Jan  Matthys  taufen  (5.  Jan. 
1534)  471  A.  1. 


Muenster^  Stadt:  WiedertfniBr 
Die  Artikel  der  Wledertteler 

449  ff 
>—  —  Mfbister  flkr  die  Wiedcitaufi 

gewonnen  (Pebr.lö84)  48701, 5081L 
Wahl  des  wiedertinfariacbeB 

Bata  (23.  Fei».  1534)  519  f. 
Austreibung  der  aklit  wieder- 

tiluferisoh  Gesinntai  (97  J'ehr.iaSI) 

532  ff. 

—  —  Ei  fifil  nmiig  imd  Dmconh- 
rung  der  GfltergemeiiiBehafI  557  L, 
561  ff.,  614,  630  f^  638  f.  (Te^ 
auch  418  f.,  451). 

•^  -^  Ernennung  und  WiiionBikeit 

der  Diakone  658,  611,  688,  737. 
Einsetsung  der  18  AelteeUn 

574  ff. 
Edikte  der  Aelteaten  577  ff, 

586  ff.,   599  f.,   611.    (üeber  die 

Aeltesten  s.  auch  613,  619  A.  1, 

624  f.,  685,  656.) 
EinfGhrung  der  YielweiberM 

619  ff.,  626  ff: 
Errichtung  des  Königtums 

633  ff: 

Das  groCse  Abendmahl  696  ff 

Aussendung  der  Apostel  700  f^ 

703  ff. 
--  —  Ernennung  der  Hendge  772  iL 
Belagerung.    Beginn   denelben 

(28.  Febr.  1534)  545  ff 

—  Die  sieben  Lager  und  BlocUhiuaer 
(castra,  castella,  propugnaeola)  tot 
der  Stadt  546 i£,  681  iE.,  744ff., 
787  f. 

Das  eleTisehe  Lager  tot  dem 

Ereuzthore  708,  792,  823. 
'-^ Das  gddiiache  Lag»  vor  dem 

Jüdefeldertfaore  569  A.,  598, 595  A^ 

674,  792. 
Das  liager  Tor  St  Maurits 

568,  588,  597,  778,  780,  788. 
-'  Das  meissensche  Lager  Tor 

dem  Aegidiithore  616  f. 

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Geographisches  Register. 


995 


Msenster,  Stadt 
— •Erste  Bestarmuag  clor  Stadt  (Mai 
1534)  591  £f. 

—  Offerkamp's  mifsglückter  Flau  snr 
Einnahme  der  Stadt  597  ff. 

—  Zweite  Beetnnnmig  der  Stadt 
(Aug.  1534)  673  ff. 

—  Eroberung  der  Stadt  (24.  o.  25. 
Juni  1535)  833  £ 

Neuss  (Novesium)  530. 

—  Yerhandlongen  des  Bischofs  Frans 
daselbst  mit  Kdhi  u*  Giere  (Jan. 
1533)  363  ff.,  s.  auch  345  A. 

(Mai  1534)  592  A.,  604  A.2. 

(Juni  1534)  600ff. 

(Juli  1585)  859,    861  A.  1, 

876  A.  3,  880. 
Kevinghoff  (EvinckhoTium),  Haus  bei 

Münster,  547. 
Niehusium  im  Niederstifte  Münster  (?) 

898  f. 
Nuemberg  (Norinberg,  Nurenberg) 

796. 

—  Reichstag  daselbst  (Juni  1582) 
212,  228  A.1,  234  A.  3,  265,  375. 

Oberwesel.  Yerhandlungen  des  Land- 
grafen Philipp  yon  Hessen  daselbst 
mit  Mains,  Trier  und  der  Pfalz 
(Nov.  1534)  742  A.,  763  A. 

Oedinckberga  bei  Münster(?)  915  f. 

Oldenberga  s.  Altenberge. 

Oldenburg  899. 

Oldeneyck  (Aldendck)  in  Belgien, 
Provins  Limburg  705. 

Oldenhoere  s.  Althof. 

Oldenkloster  bei  Sneek  (antiquum 
coenobium  in  Frisia  Orientali  inter 
Snecam  et  Bol8werdam).794. 

Orsoy.  Verhandlungen  des  Bischofs 
Franz  daselbst  mit  Köln  und  Qeye 
(Mftrz  1534)  529  A.  1,  591  A.  4. 

Osnabrueck(Osnaburga),  Stift  598  A., 


Osnabrueck,  Stadt  118,  133  A.1,  412, 
508,  530,  565  A.1,  644,  704  f., 
722  ff:,  790  A.,  792  A.  2,  931. 

Paderborn,  Stift  565  A.1,  931. 

—  Stadt  118,  410. 
Poetterhaus  (Potterhusium)  bei  Mün- 
ster 555. 

Bamsdorf  (Bamstozpe),  Kreis  Borken, 

293. 
Begensburg  (Batisbona) 

—  Reichstag  daselbst  (1532)  212  A.2, 
228  A.  1,  229,  242,  249,  263,  287, 
327,  851,  355,  375. 

(1541)  915  A.  1. 

Rengering,  Kreis  Warendori^  Kloster, 

916. 
Rheine  (Reyna)  145  A.  1,  292  A.  1, 

596,  710  A.2,  735  A.2,  898  A.  1. 

—  s.  auch  Münster,  Stift:  Landtage. 
Rostock  843  A. 

Rotterdam  (Roterodamum)  645. 
Roxel,  Landkreis  Münster,  737  A.  1. 

Sachsenland,  das  alte,  und  seine  Be- 
wohner (Saxonia  antiqua  u.  Saxo- 
nes)  8  ff.,  14,  26. 

Sassenberg  (Saxenburgum),  Kreis 
Warendorf,  468  A.  2  u.  4,  715  f., 
788,  913  f. 

Schoeppingen  (Schopinga,  Schop- 
pinga),  Kreis  Ahaus,  209  A.  4, 
508  f.,  542  A.1,  645,  775  A.,  91L 

Schoeneflieth  (Schonefleta),  Land- 
kreis Münster,  137,  507,  830  A.2. 

Schonebeck,  Kreis  Lüdinghausen,  270. 

Schuettorf  (Schuttorp),  Kreis  Bent- 
heim,  72. 

Senden,  Kreis  Lüdinghausen.  Frei- 
grafschaft daselbst  879,  906  iL 

Sendenhorst,  Kreis  Beckum,  279, 
363  A.  1,  547,  617. 

Sneek  (Sneca)  605,  609,  705,  794. 

Soest  (Zuzatum)  117,  464  A.2,  508, 
565  A.1,  704,  719  f. 


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996 


Geographisches  Begister. 


Sparenberg  bei  Bielefeld  869  A.  1. 
Speier  (Spira)  163  f. 

—  Reichstag  daselbst  (1528)  603  A.2, 
744. 

StadÜohn  (Stadlona),   Ereis  Ahaus, 

160. 
Stalbrink  bei  Ibnrg  724. 
Stemyordia  s.  Bnrgsteiiifiirt. 
Stockholm  155  A.  3. 
Strafsburg  (Argentoratam)  163  f. 

—  Prediger  daselbst,  442  A.  3. 
Stromberg,  Ereis  Beckum,  788,  822. 

Telgte  (Telgetum)  190  A.  4,  266  A.1, 
279,  292  A.1,  308,  336  «f.,  340  ff. 
(Ueberfall  von  Telgte  [26.  Dea. 
1532],  vgl.  auch  344,  348,  850  ff., 
366,  415),  363  A.1,  464  A.  2,  519, 
545,  548,  555,  590,  591  A.1,  607, 
861  A.  1,  902,  906  f.,  924,  931  A. 

—  s.  auch  Münster,  Stift:  Landtage. 
Telt  (Telta)  bei  Münster   547,  683. 
Thor  Wort,  Wirtshaus  zwischen  Mün- 
ster und  Coesfeld,  394. 

Traiectum  inferius  s.  Utrecht. 

—  superius  s.  Maastricht. 
Tremonia  s.  Dortmund. 

Trier  (Augusta  Trevirorum)  530. 

Unna  565  A.  1. 

Urbes  Orientales  s.  Uansest&dte. 
Utrecht    (Traiectum  inferius)    422, 
518,  630. 

Yarlar,   Eloster,   Ereis  Coesfeld, 
Schlacht  daselbst  (1454)  138. 

Vastenouwa,  Vastenova  s.Fuerstenau. 

Vechta,  Amt,  548  A.  3,  598  A.,  787 
A.2,  788. 

—  Stadt,  155,  302,  411,  898  f. 
Verdum  s.  Wirdum. 
Visurgis  s.  Weser. 

Yoerden,  Schlols,  Ereis  Bersenbrück, 
514  A. 


YoUenhove  (Yollenboa)   in  Hollanl 

ProY.  Oberyssel,  567. 
Yreden    (Yredena)    160,    292  A.1. 

293 ff.,  710  A.2,  721. 

Wardenburg  in  Oldenburg  899. 

Warendorf  1 18, 161,  292  f^  363  A.  1, 
379,  395,  397  ff:,  410  £,  433  A.4, 
457,  468,  508,  510  A.1,  539,  542, 
704,  705  A.1,  706,  708  ff,  787, 
931. 

Wassenberg,  Ereis  Heinsbeig^  431. 

Weddem  (Wedderen),  Kloster,  Ereis 
Coesfeld,  572  A.  1,  851. 

Welheim  (Wellem),  Ereis  Seckling- 
hausen,  707. 

Werne  193,  266,  292  A.  1,  548  A  3, 
7 10  A.2,  788. 

Werse,  Nebenflufs  d«r  Ems,  340,359. 

Wesel  (Wesalia)  508,  518  A  2,  728. 
730ff.,  758  AI,  783  A 

Weser  (Yisurgis)  10,  14,  337,  930. 

West  (Woesta),  Bauerschaft  bei  Mün- 
ster, 548. 

Westfalen  8  ff.,  14  f.,  83  f;  113, 
443,  654. 

Wickede  (Wickdena),  Landkreis  Dort- 
mund. Landtag  daselbst  (1532) 
117. 

Wildeshausen  (Wildeshusia,  \nit- 
hausa)  in  Oldenburg  392,  788, 
898,  900  A 1. 

Wilkinghege  (WiUinckhega),  Hau 
bei  Münster,  830. 

Winili  s.  Lombardei  u.  Langobarden. 

Wirdum  (Yerdum)  in  HolUmd,  Ptot. 
Friesland,  605. 

Wismar  843  A 

Wittenberg  162,  164. 

Wolbeck  (Woltbeca)  278  f^  280  A.  1, 
335 f.,  370,  373,  407,  477  A.2, 
519  AI,  533,  548,  590 f., 617 A 2, 
618,  788,  797 f.,  810  A3,  849, 
853,  879  A.2,  948 f. 

—  s.  auch  Münster,  Stift:  Landtag«. 

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Geographisches  Register.  997 

Wolfenbuettel  (Wulffenbuttel)  930.  Wort,  thor  — ,   Wirtehaiw  zwischen 

^VSTorms  (Wormatia)  164.  Münster  and  Coesfeld,  394. 

Iteichstag  (772)  11. 

(1521)  243  f.,  247,  279.  Tssel  (Issula),  Fluls,  795. 

(April  1535)    795  f.,   s.  auch 

750,  812  A.  1,  868  A.  1,  880.  Zeleken  im  Kirchspiel  Darap  640  f. 

(Juli  1535)  860.  ZeUe  300,  303. 

(Nov.  1535)   863  flf.,    s.   auch  ZwoUe  529,  567. 

860,   871  A.1,   877,   880,   890  ff.,  ^^'^^  ^*^^t  . 

S03,  927  A. 


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